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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Ausschlussfrist
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 313/99
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.10.2000
   
Leit­sätze: Ein An­spruch wird auch dann im Sin­ne ei­ner ta­rif­li­chen Außschlußklau­sel schrift­lich er­ho­ben, wenn dies in Form ei­nes Te­le­fax­schrei­bens ge­schieht.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Neustrelitz, Urteil vom 15.10.1997, 2 Ca 1182/97
Landesarbeitsgericht Mecklenburg-Vorpommern, Urteil vom 07.04.1999, 3 Sa 42/98
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

5 AZR 313/99
3 Sa 42/98
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Meck­len­burg-Vor­pom­mern

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
11. Ok­to­ber 2000

UR­TEIL

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

PP.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Fünf­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 11. Ok­to­ber 2000 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Grie­be­ling, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Müller-Glöge und Kreft, die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schwe­feß und Busch­mann für Recht er­kannt:

1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Meck­len­burg-Vor­pom­mern vom 7. April 1999 - 3 Sa 42/98 - auf­ge­ho­ben.

 

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2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Neu­stre­litz vom 15. Ok­to­ber 1997 - 2 Ca 1182/97 - ab¬geändert.

3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 1.282,79 DM brut­to nebst 4 % Zin­sen aus dem Net­to­be­trag seit dem 13. Fe­bru­ar 1997 zu zah­len.

4. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen !

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über rest­li­che Vergütungs­ansprüche. Die Be­klag­te wen­det ein, der Kläger ha­be sei­ne Ansprüche nicht in­ner­halb der ta­rif­li­chen Aus­schlußfrist schrift­lich gel­tend ge­macht.

Der Kläger war bei der Be­klag­ten bis zum 16. Ja­nu­ar 1997 als Tief­bau­er beschäftigt. Auf das Ar­beits­verhält­nis fan­den kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung der Bun­des­rah­men­ta­rif­ver­trag für das Bau­ge­wer­be vom 3. Fe­bru­ar 1981 in der Fas­sung vom 24. April 1996 und der Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen im Bau­ge­wer­be im Bei­tritts­ge­biet (aus­ge­nom­men Ber­lin-Ost) vom 24. April 1996 An­wen­dung.

Der Kläger ar­bei­te­te im No­vem­ber 1996 157,5 St­un­den und im De­zem­ber 164 St­un­den, die die Be­klag­te mit ei­nem St­un­den­lohn von 15,60 DM brut­to vergüte­te. Der Be­zirks­ver­band Neu­bran­den­burg der In­dus­trie­ge­werk­schaft Bau­en-Agrar-Um­welt mach­te mit Schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 1997, das der Be­klag­ten am sel­ben Ta­ge als Te­le­fax zu­ging, na­mens des Klägers die Zah­lung des ta­rif­li­chen St­un­den­loh­nes in Höhe von 19,59 DM brut­to, dem­ent­spre­chend wei­te­re 628,43 DM brut­to für No­vem­ber und wei­te­re 654,36 DM brut­to für De­zem­ber 1996, gel­tend.

Die Be­klag­te ver­wei­ger­te die Zah­lung und be­rief sich auf die vom Haupt­ver­band der Deut­schen Bau­in­dus­trie und an­de­rer Ar­beit­ge­ber­verbände aus­ge­spro­che­nen Kündi­gun­gen des Lohn­ta­rif­ver­tra­ges bzw. der Ver­ein­ba­rung vom 25. März 1995 über die künf­ti­ge Re­ge­lung der Löhne, Gehälter und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für die Beschäftig­ten im Bau­ge­wer­be im Bei­tritts­ge­biet (aus­ge­nom­men Ber­lin-Ost).

 

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Mit der am 11. April 1997 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­reich­ten Kla­ge hat der Kläger gel­tend ge­macht, die Kündi­gun­gen hätten die Wirk­sam­keit des Lohn­ta­rif­ver­tra­ges und der Ver­ein­ba­rung vom 25. März 1995 nicht be­sei­tigt. Des­halb schul­de die Be­klag­te den Ta­rif­stun­den­lohn in Höhe von 19,59 DM brut­to.

Der Kläger hat, so­weit in der Re­vi­si­ons­in­stanz noch er­heb­lich, be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.282,79 DM brut­to nebst 4 % Zin­sen aus dem Net­to­be­trag seit dem 13. Fe­bru­ar 1997 zu be­zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat gel­tend ge­macht, der An­spruch des Klägers auf Nach­zah­lung von Ar­beits­vergütung für die Mo­na­te No­vem­ber und De­zem­ber 1996 sei gemäß § 16 BRTV Bau er­lo­schen. Das Te­le­fax vom 13. Fe­bru­ar 1997 ha­be die Aus­schlußfrist nicht ge­wahrt. § 16 BRTV Bau ver­lan­ge die schrift­li­che Er­he­bung al­ler bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sein Kla­ge­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Die Be­klag­te schul­det dem Kläger wei­te­re Vergütung für No­vem­ber und De­zem­ber 1996 in Höhe von 1.282,79 DM brut­to nebst Ver­zugs­zin­sen.

I. Der An­spruch des Klägers auf Nach­zah­lung von Ar­beits­vergütung für die Mo­na­te No­vem­ber und De­zem­ber 1996 ist ent­stan­den. Kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung fan­den die Be­stim­mun­gen des Ta­rif­ver­trags zur Re­ge­lung der Löhne und Aus­bil­dungs­vergütun­gen im Bau­ge­wer­be im Bei­tritts­ge­biet (aus­ge­nom­men Ber­lin-Ost) vom 24. April 1996 und der Ver­ein­ba­rung vom 25. März 1995 über die künf­ti­ge Re­ge­lung der Löhne, Gehälter und Aus­bil­dungs­vergütun­gen für die Beschäftig­ten im Bau­ge­wer­be im Bei­tritts­ge­biet (aus­ge­nom­men Ber­lin-Ost) auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung. Da­nach stand dem Kläger, der un­strei­tig auf Grund der tatsächlich aus­geübten Tätig­keit An­spruch auf die Ent­loh­nung nach Be­rufs­grup­pe VII hat­te, ein Stun-

 

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den­lohn in Höhe von 19,59 DM brut­to und nicht der von der Be­klag­ten den Ab­rech­nun­gen zu­grun­de ge­leg­te St­un­den­lohn in Höhe von 15,60 DM brut­to zu. Die von den Ar­beit­ge­ber­verbänden erklärte außer­or­dent­li­che Kündi­gung die­ser Ta­rif­verträge war, wie zwi­schen­zeit­lich auch zwi­schen den Par­tei­en die­ses Rechts­streits un­strei­tig ist, un­wirk­sam. Dies hat das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt mit rechts­kräfti­gem Ur­teil vom 22. Ok­to­ber 1998 (- 12 Sa 382/97 - nv.) im Rechts­streit der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en mit Bin­dungs­wir­kung gern. § 9 TVG ent­schie­den.

II. Der An­spruch des Klägers auf Nach­zah­lung der Vergütung ist nicht gemäß § 16 BRTV Bau er­lo­schen.

1. § 16 BRTV Bau lau­tet aus­zugs­wei­se:

„Al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis und sol­che, die mit dem Ar­beits­verhält­nis in Ver­bin­dung ste­hen, ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach der Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei schrift­lich er¬ho­ben wer­den."

2. Der Kläger hat die­se Aus­schlußfrist mit dem der Be­klag­ten am 13. Fe­bru­ar 1997 als Te­le­fax zu­ge­gan­ge­nen Schrei­ben sei­ner Ge­werk­schaft ge­wahrt.

a) Das Te­le­fax­schrei­ben der Ge­werk­schaft erfüllt die an ein Gel­tend­ma­chungs-schrei­ben iSv. § 16 BRTV Bau in­halt­lich zu stel­len­den An­for­de­run­gen.

b) Das Schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 1997 ist auch form­wirk­sam. Nach § 16 Nr. 1 BRTV Bau hat die Er­he­bung al­ler bei­der­sei­ti­gen Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis „schrift­lich" zu er­fol­gen. Die­sem Er­for­der­nis ent­spricht auch ein Te­le­fax. Das Te­le­fax­schrei­ben vom 13. Fe­bru­ar 1997 gibt ma­schi­nen­schrift­lich die For­de­rung des Klägers nach Lohn­zah­lung wie­der. Es ist als Schrift wahr­nehm­bar. Daß das Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben le­dig­lich ei­ne auf tech­ni­schem We­ge über­mit­tel­te Ab­bil­dung der Ori­gi­nal­un­ter­schrift wie­der­gibt, steht der An­nah­me ei­ner wirk­sa­men Gel­tend­ma­chung nicht ent­ge­gen. Ein ab­wei­chen­des Er­geb­nis folgt ins­be­son­de­re nicht aus §§ 125, 126 BGB iVm. Art. 2 EGBGB. Der Ta­rif­ver­trag ist zwar ein Ge­setz im Sin­ne des Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches und da­mit ei­ne Rechts­norm, die iSv. § 126 BGB ein ge­setz­li­ches Schrift­for­mer­for­der­nis be­gründen kann, doch fin­den die §§ 125, 126 BGB auf die Gel­tend­ma­chung ei­ner For­de­rung im Sin­ne ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schlußfrist kei­ne un­mit­tel­ba­re An­wen­dung. Die­se Vor­schrif­ten gel­ten viel­mehr nur für Wil­lens­erklärun­gen.

 

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aa) Zwar enthält der Wort­laut des § 126 Abs. 1 BGB kei­ne Be­schränkung auf rechts­geschäft­li­che Erklärun­gen, doch steht die­se Vor­schrift im Ab­schnitt über „Rechts­geschäfte" und un­ter dem Ti­tel „Wil­lens­erklärun­gen". Auch die Re­ge­lung der Rechts­fol­gen des Form­ver­s­toßes in § 125 BGB ist al­lein für Rechts­geschäfte ge­schaf­fen. Dar­aus folgt, daß § 126 Abs. 1 BGB un­mit­tel­bar nur für Rechts­geschäfte bzw. Wil­lens­erklärun­gen gilt (Köhler AcP 182 [1982], 126, 151). Et­was an­de­res hat auch das Reichs­ge­richt nicht ent­schie­den, als es ausführ­te, § 126 Abs. 1 BGB be­stim­me nicht nur für die Fälle der im Bürger­li­chen Ge­setz­buch ge­bo­te­nen Schrift­form, son­dern für al­le Fälle, in de­nen die Schrift­form durch Ge­setz vor­ge­schrie­ben sei (Ver­ei­nig­te Zi­vil­se­na­te 27. Ju­ni 1910 RGZ 74, 69, 70 f.). Die­se Er­kennt­nis steht im Zu­sam­men­hang mit der vor­an­ge­stell­ten Aus­sa­ge, die Rechts­fol­ge er­ge­be sich aus § 125 BGB. So­mit hat das Reichs­ge­richt sei­ne Ausführun­gen auf Rechts­geschäfte be­zo­gen. Eben­so läßt sich den Ge­set­zes­ma­te­ria­li­en zu den heu­ti­gen §§ 125, 126 BGB ent­neh­men, daß die­se Nor­men die Form von Wil­lens­erklärun­gen re­geln soll­ten (Ja­kobs/Schu­bert, Die Be­ra­tung des Bürger­li­chen Ge­setz­buchs, All­ge­mei­ner Teil 1985, S 647 ff.). Dem­ent­spre­chend hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts (Ur­teil vom 14. Ju­ni 1994 - 9 AZR 284/93 - AP BUrIG § 7 Über­tra­gung Nr. 21) an­ge­nom­men, die Rechts­fol­ge ei­ner nicht ge­wahr­ten ge­setz­li­chen Schrift­form er­ge­be sich aus § 125 Satz 1 BGB. In die­sem Sin­ne hat auch der Zwei­te Se­nat (Ur­teil vom 7. Mai 1998 - 2 AZR 55/98 - AP KSchG 1969 § 1 Na­mens­lis­te Nr. 1) den An­wen­dungs­be­reich von § 126 BGB mit dem Be­griff „form­bedürf­ti­ge Rechts­geschäfte" um­schrie­ben.

bb) Die Er­he­bung ei­nes An­spruchs iSv. § 16 BRTV Bau ist kei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern ei­ne ein­sei­ti­ge rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung, auf die die Vor­schrif­ten des Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches über Rechts­geschäfte ent­spre­chend ih­rer Ei­gen­art ana­lo­ge An­wen­dung fin­den (ErfK/Preis §§ 194 - 225 BGB Rn. 56; San­der/Sie­bert AuR 2000, 330, 332). Während ein Rechts­geschäft aus ei­ner oder meh­re­ren Wil­lens­erklärun­gen be­steht, die al­lein oder in Ver­bin­dung mit an­de­ren Tat­be­stands­merk­ma­len ei­ne Rechts­fol­ge her­beiführen, weil sie ge­wollt ist (Pa­landt/Hein­richs BGB 59. Aug. Über­blick vor § 104 Rn. 2; Me­di­cus All­ge­mei­ner Teil des BGB 7. Aufl. Rn. 174 f.), sind geschäftsähn­li­che Hand­lun­gen auf ei­nen tatsächli­chen Er­folg ge­rich­te­te Erklärun­gen, de­ren Rechts­fol­gen kraft Ge­set­zes ein­tre­ten (Pa­landt/Hein­richs BGB 59. Aufl. Über­blick vor § 104 Rn. 6; Me­di­cus aaO Rn. 196; La­renz/Wolf All­ge­mei­ner Teil des Bürger­li­chen Rechts 8. Aufl. 1997 S 436 f). Eben­so wie die Mah­nung iSv. § 284 Abs. 1 BGB ist die Gel­tend­ma­chung im Sin­ne der ta­rif­li­chen Aus­schlußfris­ten nicht auf die Her­bei-

 

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führung ei­ner Rechts­fol­ge kraft rechts­geschäft­li­chen Wil­lens, son­dern der durch Ge­setz bzw. Ta­rif­ver­trag an­ge­ord­ne­ten Rechts­fol­ge ge­rich­tet.

c) Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung von § 126 BGB auf die Gel­tend­ma­chung nach § 16 BRTV Bau ist nicht ge­recht­fer­tigt. Norm­zweck und In­ter­es­sen­la­ge sind nicht ver­gleich­bar. An­ge­sichts der im Geschäfts­le­ben fest­zu­stel­len­den Üblich­keit der Erklärungsüber­mitt­lung per Te­le­fax be­steht kein Grund, das Er­for­der­nis der Ori­gi­nal­un­ter­schrift in ent­spre­chen­der An­wen­dung von § 126 BGB auf Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben zu über­tra­gen, die ih­ren Sinn und Zweck auch erfüllen, wenn sie le­dig­lich die bild­li­che Wie­der­ga­be der Ori­gi­nal­un­ter­schrift ent­hal­ten.

Aus­schlußfris­ten die­nen dem Rechts­frie­den und der Rechts­si­cher­heit im Ver­trags­verhält­nis. Der Schuld­ner soll bin­nen ei­ner an­ge­mes­se­nen Frist dar­auf hin­ge­wie­sen wer­den müssen, ob und wel­che Ansprüche ge­gen ihn noch gel­tend ge­macht wer­den. Fer­ner soll er sich dar­auf ver­las­sen können, daß nach Frist­ab­lauf ge­gen ihn kei­ne Ansprüche mehr er­ho­ben wer­den (ErfK/Preis §§ 194 - 225 BGB Rn. 28). Sinn und Zweck ei­ner Aus­schlußfrist er­for­dern es des­halb nicht, daß bei An­ord­nung ei­ner schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung das not­wen­di­ge Schrei­ben nicht nur die mit tech­ni­schem Gerät er­stell­te bild­li­che Wie­der­ga­be der Un­ter­schrift, son­dern die Ori­gi­nal­un­ter­schrift des An­spruch­stel­lers oder sei­nes be­vollmäch­tig­ten Ver­tre­ters wie­der­gibt. Ent­schei­dend ist viel­mehr, daß dem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben die Er­he­bung be­stimm­ter, als noch of­fen be­zeich­ne­ter Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis durch Le­sen ei­ner text­li­chen Nach­richt ent­nom­men wer­den kann.

d) Die hier ver­tre­te­ne An­nah­me, § 126 BGB iVm. § 125 BGB schließe we­der in un­mit­tel­ba­rer noch in ent­spre­chen­der An­wen­dung aus, ein per Te­le­fax über­mit­tel­tes Schrei­ben als schrift­li­che Gel­tend­ma­chung iSv. § 16 BRTV Bau an­zu­se­hen, ist mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu ta­rif­li­chen Aus­schlußfris­ten ver­ein­bar.

aa) Der Vier­te Se­nat hat zwar mit Ur­teil vom 6. Sep­tem­ber 1972 (- 4 AZR 422/71 - AP BAT § 4 Nr. 2) zu § 70 Abs. 1 BAT ent­schie­den, „daß es sich bei der in der be­zeich­ne­ten Ta­rif­norm vor­ge­se­he­nen Schrift­form um ei­ne iSv. § 126 Abs. 1 BGB durch Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne Form han­delt, so daß ei­ne die­ser Form nicht ent­spre­chen­de münd­li­che Gel­tend­ma­chung we­gen Ver­s­toßes ge­gen ei­ne ge­setz­li­che Form­vor­schrift nach § 125 Satz 1 BGB nich­tig ist". Doch hat der Vier­te Se­nat in je­nem Rechts­streit le­dig­lich ent­schie­den, daß ei­ne münd­li­che Gel­tend­ma­chung dem ta­rif­li­chen Er­for­der­nis

 

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der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung nicht genügt. Zum Er­for­der­nis der ei­genhändi­gen Ori­gi­nal­un­ter­schrift auf dem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben fin­den sich in dem be­zeich­ne­ten Ur­teil des Vier­ten Se­nats ent­spre­chend der dor­ti­gen Sach­ver­halts­la­ge kei­ne Rechts­ausführun­gen. Es be­stand für den Vier­ten Se­nat auch kei­ne Not­wen­dig­keit, sich zu der Fra­ge der un­mit­tel­ba­ren oder ent­spre­chen­den An­wen­dung von § 126 BGB auf geschäftsähn­li­che Hand­lun­gen zu äußern.

bb) Außer­dem hat die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts wie­der­holt auf die Über­mitt­lung ei­nes körper­li­chen Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens mit Ori­gi­nal­un­ter­schrift des An­spruch­stel­lers zur Wah­rung ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schlußfrist, die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung er­for­der­te, ver­zich­tet. So ent­spricht es ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. BAG 9. Au­gust 1990 - 2 AZR 579/89 - EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 88), daß ei­ne frist­ge­recht er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge re­gelmäßig auch ta­rif­li­che Lohn­ansprüche er­faßt, für die ei­ne ta­rif­li­che Ver­fall­klau­sel die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist ver­langt. Die kla­ge­wei­se Gel­tend­ma­chung wird nach die­ser Recht­spre­chung als aus­rei­chen­de schrift­li­che Gel­tend­ma­chung im Sin­ne ta­rif­li­cher Aus­schlußfris­ten an­ge­se­hen. Da­bei hat die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts bis­lang kei­ne Ver­an­las­sung ge­se­hen, die sich aus den pro­zeßrecht­li­chen Vor­schrif­ten er­ge­ben­den Be­son­der­hei­ten zu pro­ble­ma­ti­sie­ren. So ist zwar die Kla­ge­schrift als be­stim­men­der Schrift­satz vom Kläger oder sei­nem Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten ei­genhändig zu un­ter­schrei­ben, doch ver­bleibt die­se Kla­ge­schrift im Ori­gi­nal bei den Ge­richts­ak­ten. Dem be­klag­ten An­spruchs­geg­ner wird le­dig­lich ei­ne be­glau­big­te Ab­schrift der Kla­ge­schrift zu­ge­stellt. Die Be­glau­bi­gung muß nicht in je­dem Fall vom Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten des Klägers vor­ge­nom­men wor­den sein, son­dern kann auch durch den Ur­kunds­be­am­ten der Geschäfts­stel­le er­fol­gen. Da­mit wird nicht in je­dem Fal­le dem be­klag­ten An­spruchs­geg­ner ein vom An­spruch­stel­ler oder sei­nem Pro­zeßbe­vollmäch­tig­ten ei­genhändig un­ter­zeich­ne­tes Schriftstück zu­ge­stellt, so daß dann die dem An­spruchs­geg­ner zu­ge­stell­te Ur­kun­de die Vor­aus­set­zun­gen des § 126 Abs. 1 BGB nicht erfüllt.

Darüber hin­aus ist es pro­zeßrecht­lich wirk­sam möglich, so­wohl die Kla­ge selbst als auch die nach § 253 Abs. 5 ZPO er­for­der­li­chen Ab­schrif­ten als Te­le­fax ein­zu­rei­chen (ständi­ge Recht­spre­chung, vgl. BGH 27. April 1999 - VI ZR 174/97 - NJW-RR 1999, 1251; LAG Rhein­land-Pfalz 24. Fe­bru­ar 2000 - 3 Ta 3/00 - NZA-RR 2000, 475; fer­ner zu § 130 Nr. 6 ZPO BAG 5. Ju­li 1990 - 8 AZB 16/89 - BA­GE 65, 255). In

 

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ei­nem sol­chen Fal­le be­fin­det sich ein ori­gi­nal­un­ter­zeich­ne­tes Schriftstück nicht ein­mal bei den Pro­zeßak­ten, ge­schwei­ge denn beim An­spruchs­geg­ner.

e) Es be­steht des­halb kein Grund, ein als Te­le­fax über­mit­tel­tes Schrei­ben mit ei­ner tech­nisch über­mit­tel­ten Ab­bil­dung der Ori­gi­nal­un­ter­schrift nicht als aus­rei­chen­de schrift­li­che Gel­tend­ma­chung iSv. § 16 BRTV Bau an­zu­se­hen.

III. So­mit hat der Kläger, ver­tre­ten durch sei­ne Ge­werk­schaft, die rest­li­chen Vergütungs­ansprüche für No­vem­ber und De­zem­ber 1996 in­ner­halb der zwei­mo­na­ti­gen Aus­schlußfrist schrift­lich gel­tend ge­macht. Dem steht nicht ent­ge­gen, daß das Te­le­fax mit dem Zu­satz „i.A." und ei­nem Na­men un­ter­zeich­net wur­de, der mit dem ma­schi­nen­schrift­lich wie­der­ge­ge­be­nen Na­men nicht übe­rein­stimmt. Ei­ne Zurück­wei­sung der Gel­tend­ma­chung we­gen Han­delns ei­nes nicht be­vollmäch­tig­ten Drit­ten ist von den Tat­sa­chen­in­stan­zen nicht fest­ge­stellt wor­den und des­halb re­vi­si­ons­recht­lich un­be­acht­lich. Die Kla­ge ist in vol­lem Um­fan­ge be­gründet.

Grie­be­ling 

Müller-Glöge 

Kreft

Schwe­feß 

Busch­mann

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