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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Tariffähigkeit, Leiharbeit
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 22 Sa 71/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.04.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 02.08.2011, 5 Ca 457/10
Arbeitsgericht Freiburg, Urteil vom 02.11.2011, 5 Ca 457/11
   

Aus­fer­ti­gung
Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg

Ak­ten­zei­chen:
22 Sa 71/11
5 Ca 457/10 ArbG Frei­burg - Kn. Of­fen­burg
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 02.04.2013

Go­ede

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In der Rechts­sa­che

 

- Kläger/Be­ru­fungskläger -

Proz.-Bev.:

ge­gen

- Be­klag­te/Be­ru­fungs­be­klag­te -

Proz.-Bev.:

 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Frei­burg - 22. Kam­mer - durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Kra­mer, den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter M. und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter S. auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 02.04.2013

ür Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg - Kam­mern Of­fen-burg - vom 02.08.2011 - 5 Ca 457/10 wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens.

3. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Dif­fe­renz­vergütung nach § 10 Abs. 4 AÜG.
Der 39-jähri­ge Be­ru­fungskläger (fort­an: Kläger) war bei der Be­ru­fungs­be­klag­ten (fort­an: Be­klag­ten) auf­grund Ar­beits­ver­tra­ges vom 08.08.2005, ei­ner Verlänge­rungs­ver­ein­ba­rung vom 28.08.2006 so­wie ei­ner Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zum 15.03.2007 in der Zeit vom 08.08.2005 bis 31.08.2009 als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter für den über­be­trieb­li­chen Ein­satz, zu­letzt ge­gen ein St­un­den­ent­gelt in Höhe von Eu­ro 7,38 beschäftigt. Während der ge­sam­ten Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses wur­de der Kläger bei ei­nem Kun­den der Be­klag­ten, der H. G. AG, ei­nem Me­tall­be­trieb, Her­stel­ler für Bäder­zu­behör/Bad­aus­stat­tung, als Leih­ar­beit­neh­mer ein­ge­setzt.

Die Be­klag­te be­treibt ein bun­des­weit täti­ges Un­ter­neh­men für Per­so­nal­dienst­leis­tun­gen und stellt ih­ren Kun­den Mit­ar­bei­ter im Rah­men des Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ge­set­zes zur Verfügung. Sie ist als Mit­glied des Bun­des­ver­ban­des Zeit­ar­beit Per­so­nal-Dienst­leis­tun­gen e.V. (BZA) an die Ta­rif­verträge Zeit­ar­beit (Man­tel­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag und Ent­gelt­ta­rif­ver-träge) BZA – DGB vom 22.7.2003 geändert durch Ände­rungs­ta­rif­verträge vom 22.12.2004, 30.5.2006 und 9.3.2010 ge­bun­den.

Der Ar­beits­ver­trag (auf des­sen Wort­laut samt Ände­rungs­ver­ein­ba­run­gen im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird) enthält fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

§ 3 Ar­beits­zeit

Die ta­rif­ver­trag­li­che, in­di­vi­du­el­le re­gelmäßige jähr­li­che Ar­beits­zeit beträgt 1.820,04 St­un­den. Sie wird im Durch­schnitt mo­nat­lich in 151,67 St­un­den er­bracht. Dies ent­spricht ei­ner durch­schnitt­li­chen wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 35,00 St­un­den.

Die tatsächli­che La­ge der Ar­beits­zeit wird an die des Ein­satz­be­triebs an­ge­passt. Be­ginn und En­de der tägli­chen Ar­beits­zeit ein­sch­ließlich der Pau­sen und die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die ein­zel­nen Wo­chen­ta­ge rich­ten sich nach den im je­wei­li­gen Ein­satz­be­trieb gülti­gen Re­ge­lun­gen be­zie­hungs­wei­se An­for­de­run­gen des Ein­satz­be­triebs.

In ein­satz­frei­en Zei­ten ver­tei­len sich die 35,00 St­un­den wie folgt:

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Mo  Di  Mi Do   Fr Sa So
7 Std. 7 Std.  7 Std. 7 Std. 7 Std. 0 Std. 0 Std.

Zum Aus­gleich der mo­nat­li­chen Ab­wei­chun­gen zwi­schen der ver­ein­bar­ten in­di­vi­du­el­len re­gelmäßigen Ar­beits­zeit und der tatsächli­chen Ar­beits­zeit im Ein­satz­be­trieb wird ein Ar­beits­zeit­kon­to ein­ge­rich­tet.

Der Aus­gleich des Zeit­kon­to-Plus­stun­den er­folgt in ein­satz­frei­en Zei­ten durch Frei­zeit; so­fern kei­ne Plus­stun­den vor­lie­gen, bau­en sich Mi­nus­stun­den auf.

Der Aus­gleich des Zeit­kon­tos fin­det der­ge­stalt statt, dass die je­weils zu­erst auf­ge­bau­ten St­un­den in dem ta­rif­ver­trag­lich fest­ge­leg­ten Aus­gleichs­zeit­raum aus­ge­gli­chen sein müssen.

§ 6 Ver­trags­be­stand­tei­le

Für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten in ih­rer je­weils gülti­gen Fas­sung die zwi­schen dem Bun­des­ver­band Zeit­ar­beit Per­so­nal­dienst­leis­tun­gen e.V. (BZA) und der DGB-Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit ge­schlos­se­nen Bran­chen­ta­rif­verträge (Man­tel­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­ta­rif- und Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag).

Bei der vor­ste­hen­den Be­zug­nah­me­klau­sel han­delt es sich um die Zu­sa­ge, dass Ar­beit­neh­mer im Fal­le feh­len­der Ta­rif­ge­bun­den­heit den ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mern gleich­ge­stellt wer­den; die­se Klau­sel ver­liert ih­re Wir­kung, wenn sich die Ta­rif­ge­bun­den­heit für R. verändert oder en­det.

Für das Ar­beits­verhält­nis gel­ten die bei R. für über­be­trieb­li­che Mit­ar­bei­ter ab­ge­schlos­se­nen Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen.

Lt. Zif­fer 4. der Ände­rungs­ver­ein­ba­rung vom 15.3.2007 gilt fol­gen­de Pas­sa­ge:

4. Ent­gelt und Zah­lungs­wei­se

Gemäß den Re­ge­lun­gen des Bran­chen­ta­rif­ver­trags setzt sich das Ent­gelt wie folgt zu­sam­men:
Ab­wei­chen­des Ent­gelt € 6,53
Ver­trags­ent­gelt pro Std. € 6,53

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Die Ein­stell­qua­li­fi­ka­ti­on ent­spricht gemäß dem Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag Zeit­ar­beit der Ent­gelt­grup­pe 01. Gemäß § 8.6 Man­tel­ta­rif Zeit­ar­beit wird ein von §§ 2, 3 Ent­gelt­ta­rif­ver­trag Zeit­ar­beit ab­wei­chen­des Ent­gelt in Höhe von € 6,53 pro­St­un­de ver­ein­bart.

Der Kläger er­hielt auf An­for­de­rung (mit Schrei­ben vom 28.4.2010, dem Kläger zu­ge­gan­gen am 3.5.2010) vom Ent­lei­her­be­trieb In­for­ma­tio­nen zu Ar­beits­zeit und Ent­gelt ver­gleich­ba­rer Mit­ar­bei¬ter, auf des­sen In­halt ver­wie­sen wird.

Der Kläger mach­te mit sei­ner am 21.12.2010 er­ho­be­nen und am 04.01.2011 zu­ge­stell­ten Kla­ge erst­in­stanz­lich gel­tend, die Ta­rif­verträge Zeit­ar­beit zwi­schen BZA und DGB sei­en un­wirk­sam, weil die am Ab­schluss be­tei­lig­ten Ge­werk­schaf­ten/Ver­ei­ni­gun­gen we­der ta­riffähig noch ta­rif­zuständig sei­en. Die­se Ta­rif­verträge sei­en fer­ner sit­ten­wid­rig und es han­de­le sich um Schein­ta­rif­verträge. Die im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne Be­zug­nah­me­klau­sel ver­s­toße schließlich ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot, so dass die Ta­rif­verträge im Übri­gen auch nicht wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen sei­en. Des­halb schul­de die Be­klag­te dem Kläger Dif­fe­renz­vergütung aus den §§ 3 Abs. 1 Nr. 3, 10 Abs. 4 AÜG.

Der Kläger hat beim Ar­beits­ge­richt be­an­tragt:

1. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger zu Händen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten 34.584,02 € brut­to nebst Zin­sen von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz

aus 917,99 € seit 16.01.2007,

aus 1.546,48 € seit 16.02.2007,

aus 813,03 € seit 16.03.2007,

aus 1.487,71 € seit 16.04.2007,

aus 901,08 € seit 16.05.2007,

aus 947,62 € seit 16.06.2007,

aus 1.233,80 € seit 16.07.2007,

aus 887,38 € seit 16.08.2007,

aus 882,72 € seit 16.09.2007,

aus 881,25 € seit 16.10.2007,

aus 945,69 € seit 16.11.2007,

aus 737,90 € seit 16.12.2007,

aus 1.001,97 € seit 16.01.2008,

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aus 938,03 € seit 16.02.2008,

aus 1.010,37 € seit 16.03.2008,

aus 1.175,69 € seit 16.04.2008,

aus 945,71 € seit 16.05.2008,

aus 1.157,37 € seit 16.06.2008,

aus 610,32 € seit 16.07.2008,

aus 1.099,51 € seit 16.08.2008,

aus 1.053,05 € seit 16.09.2008,

aus 916,95 € seit 16.10.2008,

aus 1.304,20 € seit 16.11.2008,

aus 910,72 € seit 16.12.2008,

aus 1.195,03 € seit 16.01.2009,

aus 1.386,24 € seit 16.02.2009,

aus 994,28 € seit 16.03.2009,

aus 1.196,16 € seit 16.04.2009,

aus 1.545,90 € seit 16.05.2009,

aus 1.108,17 € seit 16.06.2009,

aus 1.109,61 € seit 16.07.2009,

aus 1.136,15 € seit 16.08.2009 und

aus 805,94 € seit 16.09.2009 zu be­zah­len.

2. Die Be­klag­te wird außer­dem ver­ur­teilt, an den Kläger zu Händen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten 6.090,98 € brut­to nebst Zin­sen von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz

aus 1.757,43 € seit 01.01.2008,

aus 2.033,20 € seit 01.01.2009 und

aus 2.260,35 € seit 01.01.2010 zu be­zah­len.

3. Die Be­klag­te wird außer­dem ver­ur­teilt, an den Kläger zu Händen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten 2.914,60 € brut­to nebst Zin­sen von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz

aus 370,00 € seit 01.01.2007,

aus 400,00 € seit 01.06.2007,

aus 854,00 € seit 01.01.2008,

aus 387,00 € seit 01.08.2008,

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aus 93,60 € seit 01.09.2008 und

aus 810,00 € seit 01.01.2009 zu be­zah­len.

Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen,

die sie für un­schlüssig hielt. Das kläge­ri­sche Vor­brin­gen ent­hal­te kei­ne Tat­sa­chen, mit de­nen die Kla­ge­anträge nach­voll­zieh­bar dar­ge­legt wor­den sei­en. Es feh­le ei­ne Be­rech­nung. Fer­ner sei­en die Zeit­ar­beits­verträge BZA/DGB rechts­wirk­sam und wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen. Ein An­spruch auf Dif­fe­renz­vergütung be­ste­he da­her auf­grund von § 9 Nr. 2 AÜG nicht.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Der Kläger ha­be die von ihm gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­beträge trotz Rüge der Be­klag­ten bis zum Kam­mer­ter­min nicht schlüssig dar­ge­legt (we­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die ausführ­li­che Be­gründung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils Be­zug ge­nom­men). Des­halb sei das Ver­fah­ren nicht gemäß § 97 ArbGG aus­zu­set­zen, da die Gel­tung der Ta­rif­verträge für die Ent­schei­dung des Rechts­streits nicht er­heb­lich sei.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Frei­burg – Kam­mern Of­fen­burg vom 2.8.2011 – 5 Ca 457/10 wur-de dem Kläger am 16.8.2011 zu­ge­stellt. Die so­gleich be­gründe­te Be­ru­fung des Klägers ging ver­bun­den mit ei­nem Wie­der­ein­set­zungs­an­trag am 21.10.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein, nach­dem mit Fax vom 15.9.2011 der An­trag auf Be­wil­li­gung von Pro­zess­kos­ten­hil­fe für den zwei­ten Rechts­zug vor­ge­legt und mit Be­schluss vom 6.10.2011, dem Kläger am 14.10.2011 zu­ge­stellt, be­wil­ligt wor­den war.

Im Be­ru­fungs­rechts­zug be­gründet der Kläger den Wie­der­ein­set­zungs­an­trag mit der Mit­tel­lo­sig­keit, die ihn ge­hin­dert ha­be, Be­ru­fung in­ner­halb der Rechts­mit­tel­frist ein­zu­le­gen. Zur Glaub­haft-ma­chung be­zieht er sich auf die im Pro­zess­kos­ten­hil­fe­ver­fah­ren vor­ge­leg­ten Un­ter­la­gen. In der Sa­che hält der Kläger die recht­li­che und tatsächli­che Würdi­gung des Ar­beits­ge­richts für un­zu­tref­fend. Die Kla­ge sei ver­bun­den mit den An­ga­ben des Ent­lei­her­be­trie­bes schlüssig ge­we­sen (das Ge­richt ha­be sel­ber rech­nen können), je­den­falls aber sei nicht ord­nungs­gemäß be­lehrt wor­den. Der Kläger ergänzt im Be­ru­fungs­rechts­zug gleich­wohl sei­ne Be­rech­nungs­grund­la­gen, wo­bei we­gen der Ein­zel­hei­ten auf die Ausführun­gen ab Sei­te 10 der Be­ru­fungs­schrift und die nach Ab­schluss der ers­ten In­stanz nach­ge­reich­ten Un­ter­la­gen Be­zug ge­nom­men wird.

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Das Ar­beits­ge­richt sei auf die Pro­ble­ma­tik der Un­wirk­sam­keit der Ta­rif­verträge BZA/DGB nicht ein­ge­gan­gen. Die von der Be­klag­ten an­ge­wen­de­ten Ta­rif­verträge sei­en un­wirk­sam, wes­halb es beim ge­setz­li­chen "equal pay“ zu blei­ben ha­be.

Es feh­le zunächst an der Ta­rif­zuständig­keit. Nach höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung kom­me es auf die in der Sat­zung ge­re­gel­te Ta­rif­zuständig­keit der den Ta­rif­ver­trag ab­sch­ließen­den Ge­werk­schaf­ten zwin­gend an. Die­se müsse be­reits bei der Un­ter­zeich­nung des Ta­rif­ver­tra­ges be­stan­den ha­ben, an­de­ren­falls sei der Ta­rif­ver­trag von An­fang an nich­tig. Wer­de der Ta­rif­ver­trag von meh­re­ren Ge­werk­schaf­ten ab­ge­schlos­sen, führe be­reits die feh­len­de Ta­rif­zuständig­keit ei­ner ein­zi­gen Ge­werk­schaft zur Nich­tig­keit des ge­sam­ten Ta­rif­wer­kes. Die Be­klag­te schul­de mit­hin vor­lie­gend den Nach­weis dafür, dass je­de ein­zel­ne Mit­glieds­ge­werk­schaft be­reits am 22.7.2003 für den Ab­schluss der streit­ge­genständ­li­chen Ta­rif­verträge ta­rif­zuständig ge­we­sen sei. Die­ser Nach­weis wer­de der Be­klag­ten nicht ge­lin­gen, da die ta­rif­sch­ließen­den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten eben­so we­nig wie der DGB für die ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung sat­zungs­gemäß zuständig ge­we­sen sei­en und in die­sem Be­reich auch kei­ne Mit­glie­der ge­habt hätten. Ins­be­son­de­re zei­ge die Ein­be­zie­hung der Ge­werk­schaft der Po­li­zei, dass der DGB un­sorgfältig ge­ar­bei­tet ha­be. In die­sem Be­reich sei kei­ne ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung denk­bar.

Die Nich­tig­keit der Ta­rif­verträge be­deu­te, dass auch de­ren Aus­schluss­fris­ten kei­ne Gel­tung ha-ben könn­ten.

Zu­dem sei­en die zwi­schen dem BZA und den Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten des DGB ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge sit­ten­wid­rig und gemäß § 138 BGB nich­tig. Die Norm sei über die Grund­rechts­bin-dung der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en zu­min­dest sinn­gemäß an­wend­bar. Die Vor­aus­set­zun­gen des § 138 Abs. 2 BGB sei­en erfüllt, da der ob­jek­ti­ve Wert der Leis­tung des Ar­beit­neh­mers in auffälli­gem Miss­verhält­nis zur Ent­loh­nung ste­he. Die ge­zahl­te Vergütung ma­che nicht ein­mal zwei Drit­tel des im Wirt­schafts­be­reich ge­zahl­ten Ta­rif­loh­nes (hier IG-Me­tall) aus. Die­se er­heb­li­che Dis­kre­panz las­se den Schluss zu, dass die Ta­rif­verträge zwi­schen den Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten des DGB und dem BZA auf Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te zu Stan­de ge­kom­men sei­en. Es han­de­le sich da­nach um Schein­ta­rif­verträge, die auf­grund des ge­setz­lich ge­re­gel­ten equal-pay-Ge­bo­tes über­haupt nicht er­for­der­lich ge­we­sen sei­en.
Es han­de­le es sich bei die­sen Ta­rif­verträgen um nich­ti­ge Schein- bzw. Gefällig­keits­verträge. Die

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dämmen wol­len. Sie hätten da­bei ei­ge­ne Grundsätze ver­letzt und selbst ge­nau das um­ge­setzt, was sie den christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten zur Last leg­ten: Oh­ne hin­rei­chen­de so­zia­le Mäch­tig­keit wer­de im In­ter­es­se der Ar­beit­ge­ber der ge­setz­li­chen Min­dest­schutz der Leih­ar­beit­neh­mer ein­sei­tig zu de­ren Las­ten ver­schlech­tert.

Sch­ließlich sei­en die Ta­rif­verträge nicht wirk­sam in den Ar­beits­ver­trag ein­be­zo­gen. Die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel ver­s­toße ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot, da vor al­lem un­klar sei, was im Fal­le un­wirk­sa­mer Ände­rungs­ta­rif­verträge zu gel­ten ha­be. Aus der Fas­sung des Ände­rungs­ta­rif­ver­tra­ges vom 30.5.2006 könne im Ver­gleich mit den Re­ge­lun­gen des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges und des Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­tra­ges nicht ent­nom­men wer­den, ab wann die Ände­run­gen gel­ten soll­ten. Es wer­de der Ein­druck er­weckt, dass die Ände­run­gen zum 1.1.2004, so­zu­sa­gen rück-wir­kend in Kraft tre­ten soll­ten. Da­durch wer­de die dy­na­mi­sche Be­zug­nah­me­klau­sel völlig un­klar und dem Miss­brauch Tür und Tor geöff­net. Zu­dem sei auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits-ge­richts vom 13.03.2013 - 5 AZR 242/12 hin­zu­wei­sen, nach der die Ein­be­zie­hung von mehr­glied­ri­gen Ta­rif­verträgen ge­gen § 307 Abs. 1 S. 2 BGB ver­s­toße.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat den Rechts­streit zunächst mit Be­schluss vom 20.03.2012 (auf den im Übri­gen Be­zug ge­nom­men wird) bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung ei­nes nach § 2 a Abs. 1 Nr. 4, § 97 Abs. 1 und Abs. 5 ArbGG durch­geführ­ten Be­schluss­ver­fah­rens über die Fra­ge der Ta­riffähig­keit und Ta­rif­zuständig­keit al­ler der DGB-Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit an­gehören­den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten in den streit­ge­genständ­li­chen Zeiträum­en aus­ge­setzt. Die Rechts­be-schwer­de war für den Kläger zu­ge­las­sen. Die Ent­schei­dung des Rechts­strei­tes hänge aus­sch­ließlich von der zwi­schen den Par­tei­en strei­ti­gen Fra­ge der Ta­riffähig­keit und Ta­rif­zuständig­keit al­ler der DGB-Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit an­gehören­den Ein­zel­ge­werk­schaf­ten ab: Die Be­zug­nah­me­klau­sel im § 6 des Ar­beits­ver­tra­ges sei we­der mehr­deu­tig im Sin­ne von § 305 c Abs. 2 BGB noch un­klar im Sin­ne von § 307 Abs. 1 S. 2 BGB. Zur Wah­rung des Trans­pa­renz­ge­bo­tes rei­che es aus, wenn die im Zeit­punkt der je­wei­li­gen An­wen­dung gel­ten­den in Be­zug ge­nom­me­nen Re­ge­lun­gen be­stimm­bar sei­en. Die kläge­ri­sche Ar­gu­men­ta­ti­on zu Sit­ten­wid­rig­keit bzw. zu Schein­ta­rif­verträgen ver­ken­ne die Einführung von § 3 a AÜG mit Wir­kung vom 30.4.2011.

Der Aus­set­zungs­be­schluss vom 20.3.2012 wur­de auf die Be­schwer­de des Klägers mit Be­schluss des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 19.12.2012 - 1 AZB 72/12 un­ter Be­zug­nah­me auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 24.7.2012 - 1 AZB 47/11 auf­ge­ho­ben und die Sa­che zur er­neu­ten Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen. Das aus­set-

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zen­de Ge­richt ha­be den an­ge­foch­te­nen Be­schluss un­zu­rei­chend be­gründet. Es sei un­zu­rei­chend im Te­nor und in den Gründen le­dig­lich die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses an­zu­ge­ben. Viel­mehr sei das Ab­schluss­da­tum der für ent­schei­dungs­er­heb­lich an­ge­se­he­nen Ta­rif­verträge kon­kret zu be­zeich­nen. Zu­dem müsse ei­ne Prüfung der Schlüssig­keit und Er­heb­lich­keit des Par­tei­vor­brin­gens und ge­ge­be­nen­falls ei­ne Be­weis­auf­nah­me durch­geführt wer­den. Sch­ließlich dürfe die Aus­set­zung ei­nes Ver­fah­rens nur er­fol­gen, wenn zu­min­dest ei­ne der in § 2 a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG ge­nann­ten Ei­gen­schaf­ten ei­ner Ver­ei­ni­gung ernst­lich zwei­fel­haft sei. Es sei vor­lie­gend nicht er­sicht­lich, dass an der Ta­riffähig­keit der Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten der DGB-Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit vernünf­ti­ge Zwei­fel bestünden.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt der zwi­schen ih­nen ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen und Be­zug­nah­men so­wie auf den In­halt der Sit­zungs­pro­to­kol­le vom 20.03.2012 und 02.04.2013 ver­wie­sen.

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Ent­schei­dungs­gründe

I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be-gründet wor­den, §§ 64, 66 ArbGG und §§ 519, 520 ZPO.

Die Be­ru­fungs- und Be­ru­fungs­be­gründungs­schrift gin­gen zwar erst nach Ab­lauf der Be­ru-fungs­frist gemäß § 66 Abs. 1 ArbGG und Be­ru­fungs­be­gründungs­frist (am 21.10.2011) beim Lan­de­ar­beits­ge­richt ein. Dem Kläger war aber nach § 233 ZPO die Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand zu gewähren. Der Be­ru­fungsführer, der vor Ab­lauf der Rechts­mit­tel­frist Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­an­tragt, ist bis zur Ent­schei­dung über den An­trag so­lan­ge als oh­ne sein Ver­schul­den an der recht­zei­ti­gen Wahr­neh­mung ei­ner frist­wah­ren­den Hand­lung ver­hin­dert an­zu­se­hen, als er nach den ge­ge­be­nen Umständen vernünf­ti­ger­wei­se nicht mit der Ab­leh­nung sei­nes An­trags we­gen feh­len­der Bedürf­tig­keit rech­nen muss­te (BGH Be­schluss vom 20.02.2008 - XII ZB 83/07 - Fam­RZ 2008, 868-869 m.w.N.).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen vor. Der mit­tel­lo­se Kläger hat in­ner­halb der Be­ru­fungs­frist un­ter Dar­le­gung der Er­folgs­aus­sich­ten der be­ab­sich­tig­ten Be­ru­fung so­wie un­ter Beifügung des Pro­zess­kos­ten­hil­fe­for­mu­lars nebst Be­le­gen am 15.9.2011 Pro­zess­kos­ten­hil­fe be­an­tragt. Un­mit­tel­bar nach Zu­stel­lung des Be­wil­li­gungs­be­schlus­ses am 14.10.2011 hat er mit dem am 21.10.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se be­gründet und dar­in gleich­zei­tig form- und frist­ge­recht gemäß §§ 234 Abs. 1, 2, 236 Abs. 2 ZPO die Wie­der­ein­set­zung in den vo­ri­gen Stand be­an­tragt.

II. In der Sa­che hat die Be­ru­fung je­doch kei­nen Er­folg. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge im zu­letzt be­an­trag­ten Um­fang ab­ge­wie­sen. Die auf das vor­lie­gen­de Leih­ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den­den Ta­rif­verträge tref­fen von den §§ 3 Abs. 1 Nr. 3, 9 Nr. 2 AÜG ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen, so dass die Be­klag­te dem Kläger nach § 10 Abs. 4 S. 2 AÜG le­dig­lich die nach die­sen Ta­rif­verträgen ge­schul­de­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewähren muss­te und Dif­fe­renz­lohn­ansprüche nach equal-pay/tre­at­ment nicht zu­ste­hen. Die An­grif­fe der Be­ru­fung sind nicht ge­eig­net, die Rechts­la­ge an­ders zu be­ur­tei­len.

1. Die Kla­ge ist mitt­ler­wei­le schlüssig. Die For­de­rung ist mit­tels ei­nes Ge­samt­ver­glei­ches al­ler
Ent­gel­te im Über­las­sungs­zeit­raum dar­ge­legt und be­rech­net. Die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche des Klägers sind we­der ver­fal­len noch verjährt.

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Mo­nat,Jahr

St­un­den (ge­samt)

Soll­zah­lung €

Ist­zah­lung €

2006

De­zem­ber

148,5

2.048,59

1.130,60

2007

Ja­nu­ar

194,33

2.618,01

1.140,10

Fe­bru­ar

152,33

1.957,30

1.144,27

März

188,83

2.550,19

1.158,69

April

152

2.053,90

1.152,82

Mai

136,5

2.096,89

1.149,27

Ju­ni

178,83

2.539,49

1.305,69

Ju­li

123,5

2.033,89

1.146,51

Au­gust

145

2.033,89

1.151,17

Sep­tem­ber

151,25

2.033,89

1.152,64

Ok­to­ber

87,25

2.084,22

1.138,53

No­vem­ber

126,5

2.084,22

1.346,32

De­zem­ber

75

2.134,54

1.132,57

28.269,02

15.249,18

2008

Ja­nu­ar

132

2.084,22

1.146,19

Fe­bru­ar

163,5

2.232,19

1.221,82

März

166,5

2.383,12

1.201,43

April

161

2.190,28

1.244,57

Mai

165,5

2.366,37

1.209,00

Ju­ni

152,25

2.077,14

1.466,82

Ju­li

162,67

2.254,67

1.155,16

Au­gust

157,84

2.172,38

1.119,33

Sep­tem­ber

150,75

2.067,26

1.150,31

Ok­to­ber

172

2.461,37

1.157,17

No­vem­ber

163,33

2.265,92

1.355,20

De­zem­ber

162,67

2.350,15

1.155,12

26.905,07

14.588,12

2009

Ja­nu­ar

175,92

2.575,90

1.189,66

Fe­bru­ar

153,75

2.147,44

1.153,16

März

165,5

2.351,89

1.155,73

April

189,59

2.868,50

1.322,60

Mai

124

2.254,77

1.146,60

Ju­ni

163,5

2.464,90

1.355,29

Ju­li

161

2.287,81

1.151,66

Au­gust

56

2.155,23

1.349,29

19.106,44

9.823,99

ge­samt

74.280,53

39.661,29


 

Die ge­sam­te Dif­fe­renz beträgt des­halb 34.619, 24 Eu­ro brut­to.

Die Ist - Zah­lun­gen hat der Kläger mit­tels der Lohn­ab­rech­nun­gen schlüssig dar­ge­stellt. Das Ent­gelt ver­gleich­ba­rer Ar­beit­neh­mer ist mit­tels Ur­kun­den­be­wei­ses durch das Schrei­ben des Ent­leih­be­trie­bes vom 28.4.2010 der Höhe nach be­legt. Die gel­tend ge-

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mach­ten Zu­schläge sind als zu­ge­stan­den an­zu­se­hen. Das Be­strei­ten der Be­klag­ten muss als Be­strei­ten mit Nicht­wis­sen be­wer­tet wer­den, das nach § 138 Abs. 4 ZPO nicht zulässig ist. Die Be­klag­te muss als Ar­beit­ge­be­rin des Klägers in ih­rem Ver­ant­wor­tungs­be­reich Kennt­nis von der La­ge sei­ner Ar­beits­zeit ha­ben. Die Recht­spre­chung stellt Vorgänge im ei­ge­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich den ei­ge­nen Hand­lun­gen im Sin­ne von § 138 Abs. 4 ZPO gleich. Die Be­klag­te kann sich da­nach nicht ih­ren pro­zes­sua­len Erklärungs-pflich­ten durch Hin­weis auf ih­re Or­ga­ni­sa­ti­on ent­zie­hen. Viel­mehr muss sie Er­kun­di­gun­gen an­stel­len (nach Zöller/Gre­ger ZPO, 28. Auf­la­ge 2010, § 138 Rn. 16).

2. Ent­ge­gen den Rechts­ausführun­gen der Be­ru­fung sind die Ta­rif­verträge der Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit (Man­tel­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag und Ent­gelt­ta­rif­verträge) BZA – DGB vom 22.7.2003 geändert durch Ände­rungs­ta­rif­verträge vom 22.12.2004, 30.5.2006 und 9.3.2010 wirk­sam.

a. Die Ta­rif­verträge der Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit bil­den ei­ne ei­ge­ne, vom Ein­heits­ta­rif­ver­trag oder mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag zu un­ter­schei­den­de Ka­te­go­rie, die mit der Be­zeich­nung „mehr­glied­rig-ein­heit­lich“ cha­rak­te­ri­siert wer­den kann.

Sch­ließen sich meh­re­re ta­riffähi­ge Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen zu dem Zwe­cke zu­sam­men, ih­re Ta­riffähig­keit ge­mein­sam zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen zu nut­zen, oh­ne da­bei ei­ne Spit­zen­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne des § 2 Abs. 3 TVG zu bil­den, liegt ei­ne so­ge­nann­te Ta­rif­ge­mein­schaft vor. Das TVG enthält kei­ne Re­ge­lun­gen zu die­ser Or­ga­ni­sa­ti­ons­form. De­ren Rechtmäßig­keit ist so­weit er­sicht­lich im Schrift­tum je­doch all-ge­mein an­er­kannt. Als ak­tu­el­les Bei­spiel gilt die Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit der acht DGB-Ge­werk­schaf­ten (Thüsing/Em­mert, Ta­rif­recht, Hand­buch, 2011, Kap. 2, Rn. 145). Je­des der Mit­glie­der der Ta­rif­ge­mein­schaft wird Ver­trags­part­ner des Ta­rif­ver­tra­ges. Die Ta­rif­ge­mein­schaft stellt sich als BGB-Außen­ge­sell­schaft dar, ist je­doch selbst nicht ta­riffähig. Ta­riffähig sind die ein­zel­nen Mit­glie­der, die ih­re Be­fug­nis zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen be­hal­ten (ei­ge­ne Ta­rif­verträge wären ge­ge­be­nen­falls als spe­zi­el­le­re Re­ge­lun­gen vor­ran­gig). Ei­ne Ta­rif­ge­mein­schaft aus Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen ist da­bei im­mer und aus­sch­ließlich ta­rif­zuständig im Rah­men der sat­zungsmäßig fest­ge­leg­ten Ta­rif­zuständig­keit ih­rer ein­zel­nen Mit­glie­der. Ge­werk­schaf­ten sind da­bei zu­min­dest auch ta­rif­zuständig für ih­re je­weils in der Ar­beit­neh­merüber­las­sung täti­gen Mit­glie­der. Das setz­te der Ge­setz­ge­ber et­wa bei der Neu­re­ge­lung des § 3 a AÜG oh­ne wei­te­res vor­aus (Bun­des­tags­druck­sa­che 17/5238, Sei­te 15). So­weit dies in­fra­ge

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ge­stellt wird (Rieb­le BB 2012, 2177, 2178), gilt der Zwei­fel so­weit er­sicht­lich auf­grund der dor­ti­gen Sat­zungs­fas­sung nicht der IG-Me­tall (Rieb­le a.a.O., 2179).

b. Auch wenn die Ta­rif­verträge der Ta­rif­ge­mein­schaft in ei­ner Ur­kun­de ver­brieft und ih­rem Wort­laut nach iden­tisch sind, han­delt es sich um je­weils selbstständi­ge Ta­rif­verträge.

Je­de Ver­trags­par­tei behält grundsätz­lich auch bei ei­ner Ta­rif­ge­mein­schaft die Au­to­no­mie über die Ver­trags­ge­stal­tung, al­ler­dings kann der Ver­trag nur ein­heit­lich ge­genüber al­len Mit­glie­dern gekündigt wer­den (Thüsing/Em­mert, a.a.O., Rn. 157). Selbst wenn al­so die Ta­rif­verträge in ei­ner Ur­kun­de ver­brieft und ih­rem Wort­laut nach iden­tisch sind, han­delt es sich nicht um sog. Ein­heits­ta­rif­verträge. Denn der Ein­heits­ta­rif­ver­trag ent­spricht in al­ler Re­gel im Be­reich der Zeit­ar­beit nicht dem Par­tei­wil­len. Ins­be­son­de­re der Re­ge­lungs­zweck spricht für die An­nah­me ei­nes mehr­glied­ri­gen Ta­rif­werks. Bei ei­nem Ein­heits­ta­rif­ver­trag würde die Ta­rif­unfähig­keit ei­ner ta­rif­sch­ließen­den Ge­werk­schaft un­wei­ger­lich die Un­wirk­sam­keit des ge­sam­ten Ta­rif­ver­tra­ges nach sich zie­hen. Dies war den ta­rif­sch­ließen­den Par­tei­en be­wusst. Schon des­halb konn­te ein Ein­heits­ta­rif­ver­trag nicht ge­wollt sein, da ein­zig die An­nah­me meh­re­rer recht­lich selbständi­ger Ta­rif­verträge ei­ne Ri­si­ken mi­ni­mie­ren­de Wirk­sam­keits­be­ur­tei­lung er­laubt (nach Stof­fels/Bie­der RdA 2012, 27, 28).

c. Die Ta­rif­verträge der Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit (hier kon­kret: Man­tel­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag und Ent­gelt­ta­rif­verträge BZA – IG-Me­tall vom 22.7.2003 geändert durch Ände­rungs­ta­rif­verträge vom 22.12.2004, 30.5.2006 und 9.3.2010) sind nicht sit­ten­wid­rig oder Schein- bzw. Gefällig­keits­ta­rif­verträge. Der ob­jek­ti­ve Tat­be­stand so-wohl des Lohn­wu­chers (§ 138 Abs. 2 BGB) als auch des wu­cherähn­li­chen Geschäfts (§ 138 Abs. 1 BGB) ist vor­lie­gend nicht erfüllt.

In § 138 BGB kom­men ele­men­ta­re Ge­rech­tig­keits­an­for­de­run­gen, wie sie et­wa in Art. 2 Abs. 1, 20 Abs. 1 GG Ein­gang ge­fun­den ha­ben, zum Aus­druck (BAG 24.03.2004 - 5 AZR 303/03, Ju­ris Rn. 43). Bei der Prüfung, ob der Ta­rif­lohn der Zeit­ar­beits­ta­rif­verträge ge­gen ele­men­ta­re Ge­rech­tig­keits­an­for­de­run­gen des Art. 2 Abs. 1, 20 Abs. 1 GG verstößt, ist un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der je­wei­li­gen Bran­che fest­zu­stel­len, ob das ta­rif­li­che Ar­beits­ent­gelt für die je­weils ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung dem An­stands­gefühl al­ler bil­lig und ge­recht Den­ken­den wi­der­spricht (An­stands­for­mel als

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Maßstab für die gu­ten Sit­ten). Es lässt sich in­des­sen schwer fest­stel­len, ob ein nied­ri­ger Bran­chen­ta­rif­lohn Fol­ge ei­ner von der Ge­werk­schaft nicht ab­ge­wehr­ten „Aus­beu­tung“ ist oder ob die Er­trags­kraft der Ar­beit­ge­ber kei­ne höhe­ren Löhne her­gibt. In der Zeit­ar­beits­bran­che fehlt ein re­präsen­ta­ti­ves Ver­gleichs­ent­gelt. Des­halb hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt klar fest­ge­stellt, dass man die Ta­ri­fent­gel­te der Leih­ar­beit nicht an den Ta­ri­fent­gel­ten der Stamm­be­leg­schaft mes­sen kann (nach Löwisch/Rieb­le, Ta­rif­ver­trags­ge­setz, 3. Auf­la­ge 2012, § 1 Rn. 523). Die­se Er­kennt­nis hat letz­ten En­des den Ge­setz­ge­ber zur Neu­fas­sung des § 3 a AÜG (Lohn­un­ter­gren­ze) be­wo­gen. Die Ge­setz­ge­bung er­kennt die Be­son­der­hei­ten die­ses Wirt­schafts­zwei­ges an (BAG a.a.O., Rn. 47).

3. Die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me auf die zwi­schen dem Bun­des­ver­band Zeit­ar­beit Per­so­nal­dienst­leis­tun­gen e.V. (BZA) und der DGB - Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit ge­schlos­se­nen Bran­chen­ta­rif­verträge verstößt nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2, Abs. 3 Satz 1, 2 BGB.

a. Die Be­zug­nah­me­klau­sel ist da­hin aus­zu­le­gen, dass als Ob­jekt der Be­zug­nah­me auf ar­beits­ver­trag­li­cher Ebe­ne die selbstständi­gen Ein­zel­ta­rif­verträge an­zu­se­hen sind.

Die Ta­riföff­nungs­klau­sel der §§ 3 Abs. 1 Nr. 3 Satz 2, 9 Nr. 2 HS. 2 AÜG lässt nach dem Wil­len des Ge­setz­ge­bers Ab­wei­chun­gen vom equal-pay-Grund­satz nach un­ten zu. Da­mit gibt es den Fall der Gel­tung ab­wei­chen­der Zeit­ar­beits­verträge auf­grund bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung in al­ler Re­gel nicht. Vor die­sem Hin­ter­grund hat der Ge­setz­ge­ber die Möglich­keit der ar­beits­ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me auf die ab­wei­chen­den Ta­rif­verträge ge­schaf­fen. Nach §§ 3 Abs. 1 Nr. 3 Satz 3, 9 Nr. 2 HS. 3 AÜG „können im Gel­tungs­be­reich ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­tra­ges nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen ver­ein­ba­ren“. Die ar­beits­ver­trag­li­che Ver­wei­sungs­klau­sel ist da­bei in ei­nem ers­ten Schritt aus­zu­le­gen. Aus­zu­le­gen ist das Ta­rif­werk als Ob­jekt der Be­zug­nah­me, was sich ins­be­son­de­re bei mehr­glied­ri­gen Ta­rif­verträgen als schwie­rig er­wei­sen kann. So­dann ist die Be­zug­nah­me­klau­sel ih­rer­seits aus­zu­le­gen. Nach dem Re­ge­lungs­zweck ist da­bei die Be­zug­nah­me im Sin­ne ei­nes Ver­wei­ses auf den mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag als Ein­heit zu ver­ste­hen (Stof­fels/Bie­der RdA 2012, 27, 31). Das führt da­zu, dass auf der ar­beits­ver­trag­li­chen Ebe­ne die von den Ta­rif­par­tei­en be­wusst gewähl­te Selbständig­keit der Ein­zel­ta­ri­fe nicht auf­ge­ho­ben wird.

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b. Die Be­zug­nah­me­klau­sel ist fer­ner im Sin­ne ei­ner dy­na­mi­schen Ver­wei­sung auf das in der Ur­kun­de nie­der­ge­leg­te ein­heit­li­che Ta­rif­werk der Ta­rif­ge­mein­schaft aus­zu­le­gen.

Ein ar­beits­ver­trag­li­cher Ver­weis auf den mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­trag ei­ner Ta­rif­ge­mein­schaft be­deu­tet we­gen der Ein­heit­lich­keit des Ta­rif­tex­tes in al­ler Re­gel, dass es für die Aus­le­gung der Be­zug­nah­me­klau­sel auf die Aus­wahl des kon­kret an­wend­ba­ren Ta­rif­ver­tra­ges nicht an­kom­men soll. Un­abhängig von der Ta­rif­zuständig­keit der Ge­werk­schaf­ten so­wie der Bran­chen­zu­gehörig­keit von Ver­lei­her oder Ent­lei­her, soll die in Be­zug ge­nom­me­ne Ver­trags­ur­kun­de des mehr­glied­ri­gen Ta­rif­ver­tra­ges an­wend­bar (nach Stof­fel/Bie­der RdA 2012, 27, 30 ge­gen ArbG Lübeck vom 15.03.2011) sein. Dies ent­spricht dem Wil­len der ver­trag­schließen­den Par­tei­en und ist an­ge­sichts der Ge­pflo­gen­hei­ten in der Zeit­ar­beits­bran­che die ein­zig prak­ti­ka­ble Lösung (die von Rieb­le a.a.O., 2179 f. geäußer­ten ta­rif­recht­li­chen Be­den­ken gel­ten für die ar­beits­ver­trag­li­che Be­zug­nah­me so nicht). Aus die­sem Grund ist der vor­lie­gen­de in Be­zug ge­nom­me­ne Ta­rif­ver­trags­typ mit der Be­zeich­nung "mehr­glied­rig–ein­heit­lich“ (der Be­griff stammt von Rieb­le a.a.O., 2178) zu­tref­fend cha­rak­te­ri­siert.

c. Die Ta­rif­verträge Zeit­ar­beit BZA-DGB sind wirk­sam in Be­zug ge­nom­men; die Be­zug­nah­me­klau­sel des § 6 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges ist nicht in­trans­pa­rent im Sin­ne von § 307 Ab­satz 1 S. 2 BGB.
Herzstück der auf die Aus­le­gung fol­gen­den In­halts­kon­trol­le ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug-nah­men bil­det das Trans­pa­renz­ge­bot, § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Nach § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB kann sich ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar­aus er­ge­ben, dass ei­ne Be­stim­mung nicht klar und verständ­lich ist. Das Trans­pa­renz­ge­bot schließt da­bei das Be­stimmt­heits­ge­bot mit ein (BAG, 31.08.2005 - 5 AZR 545/04 - AP Nr. 8 zu § 6 Arb­ZG). Die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen müssen in der Klau­sel so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Die Klau­sel muss des­halb, im Rah­men des recht­li­chen und tatsächli­chen Zu­mut­ba­ren die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners so klar und präzi­se wie möglich be­schrei­ben. Sie darf kei­ne ver­meid­ba­ren Un­klar­hei­ten und Spielräume ent­hal­ten, wo­bei ein Ver­s­toß ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot nicht schon al­lein des­halb vor­liegt, weil der Ar­beit­neh­mer kei­ne oder nur er­schwer­te Möglich­kei­ten hat, die be­tref­fen­de Re­ge­lung zu ver­ste­hen. Erst in der Ge­fahr, dass der

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Ver­trags­part­ner des Klau­sel­ver­wen­ders we­gen un­klar ab­ge­fass­ter all­ge­mei­ner Ver­trags­be­din­gun­gen sei­ne Rech­te nicht wahr­nimmt, liegt ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung im Sin­ne von § 307 Abs. 1 BGB (vgl. BAG, 18.05.2011 - 10 AZR 206/10 - NZA 2011, 1289 - 1292). Da­bei ist bei der Be­wer­tung und Be­ur­tei­lung der Trans­pa­renz auf die Er­war­tun­gen und Er­kennt­nis­se ei­nes durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders im Zeit­punkt des Ver­trags­ab­schlus­ses ab­zu­stel­len. In Be­zug auf mehr­glie­de­ri­ge Ta­rif­verträge wird im Schrift­tum die Trans­pa­renz ei­ner ent­spre­chen­den Klau­sel des­halb be­jaht (arg. § 2 Abs. 1 Nr. 10 und Abs. 3 NachwG, nach Wolf/Dam­man AGB-Recht, 5. Aufl. 2009 Rn. 106; Cle­menz/Brühler AGB-Ar­beits­recht, 2013, § 307 Rn. 156; wei­te­re Nach­wei­se bei Stof­fels/Bie­der RdA 2012 27, 33, Fn. 67 ff.), weil zwar auf den ers­ten Blick meh­re­re Ta­rif­verträge ne­ben­ein­an­der ste­hen, der je­weils an­wend­ba­re Ta­rif­ver­trag aber oh­ne wei­te­res be­stimm­bar ist. Dies steht bei je­weils in­halts­iden­ti­schen Ta­rif­verträgen - wie hier - ge­ne­rell außer Fra­ge (nach Cle­menz/Brühler a.a.O. Rn. 156; Bay­reu­ther NZA 2012, 14,17; Wolf/Dam­man a.a.O. Rn. 105; Stof­fels/Bie­der a.a.O. 27,33). So­weit Be­zug­nah­me­klau­seln in der Recht­spre­chung als in­trans­pa­rent an­ge­se­hen wur­den (sie­he et­wa LAG Rhein­land-Pfalz 01.06.2012 - 9 Sa 24/12 ei­ner­seits und LAG Nie­der­sach­sen 19.04.2012 - 5 Sa 1607/11), be­traf das so­weit er­sicht­lich bis­lang die christ­li­chen Ge­werk­schaf­ten und dürf­te zu­dem den je­wei­li­gen kon­kre­ten For­mu­lie­run­gen ge­schul­det ge­we­sen sei­en. Die vom Kläger ins Feld geführ­ten hy­po­the­tisch mögli­chen Schwie­rig­kei­ten bei der Be­stim­mung der ta­rif­recht­li­chen La­ge (durch künf­ti­ges Aus­ein­an­der­ent­wi­ckeln des Ta­rif­werks et­wa in­fol­ge der Kündi­gung ei­nes Ta­rif­ver­tra­ges oder dem Hin­zu­tre­ten bzw. Weg­fall ei­ner Ta­rif­ver­trags­par­tei) wer­den bei mehr­glied­rig-ein­heit­li­chen Ta­rif­verträgen in al­ler Re­gel we­gen der schuld­recht­li­chen Bin­dun­gen der BGB-Ge­sell­schaft nicht ein­tre­ten. Soll­te sich der Fall gleich­wohl er­ge­ben, blei­ben die an­wend­ba­ren Ta­rif­verträge be­stimm­bar, wo­bei we­gen der Ein­zel­hei­ten auf die Ausführun­gen bei Stof­fels/Bie­der BB 2012, 27, 34 ff. ver­wie­sen wird.

4. Das Ver­fah­ren war nicht nach § 97 Abs. 5 S. 1 ArbGG aus­zu­set­zen.

Der pro­zes­sua­le An­spruch des Klägers ist nach den vor­ste­hen­den Ausführun­gen des­halb nicht ge­ge­ben, weil die auf das vor­lie­gen­de Leih­ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den Ta­rif­verträge von den §§ 3 Abs. 1 Nr. 3, 9 Nr. 2 AÜG ab­wei­chen­de Re­ge­lun­gen tref­fen, so dass die Be­klag­te dem Kläger nach § 10 Abs. 4 S. 2 AÜG le­dig­lich die nach die­sen Ta­rif­verträgen ge­schul­de­ten Ar­beits­be­din­gun­gen gewähren muss­te und Dif­fe­renz­lohn­ansprüche nach equal-

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pay/tre­at­ment nicht zu­ste­hen. Da­mit scheint der Aus­gang des Rechts­streits al­lein von der Gel­tung ei­ner be­stimm­ten Kol­lek­tiv­ver­ein­ba­rung (hier kon­kret: Man­tel­ta­rif­ver­trag, Ent­gelt­rah­men­ta­rif­ver­trag und Ent­gelt­ta­rif­verträge BZA – IG-Me­tall vom 22.7.2003 geändert durch Ände­rungs­ta­rif­verträge vom 22.12.2004, 30.5.der Aus­gangs­rechts­streit nicht schon dann aus­zu­set­zen, wenn die Ta­riffähig­keit und Ta­rif­zuständig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung nur von ei­ner Par­tei oh­ne An­ga­be von nach­voll­zieh­ba­ren Gründen in­fra­ge ge­stellt wird. Viel­mehr müssen sich vernünf­ti­ge Zweif2006 und 9.3.2010) als Ta­rif­ver­trag ab­zuhängen. In­des­sen darf die Aus­set­zung des Ver­fah­rens nur er­fol­gen, wenn zu­min­dest ei­ne der in § 2a Abs. 1 Nr. 4 ArbGG ge­nann­ten Ei­gen­schaf­ten strei­tig ist. Al­ler­dings ist el er­ge­ben und im Ar­beits­le­ben geäußer­te Vor­be­hal­te er­kenn­bar sein. Dies ist vor­lie­gend nicht der Fall. Nach den Ausführun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts in dem den vor­lie­gend zur Ent­schei­dung ge­stell­ten Sach­ver­halt be­tref­fen­den Be­schluss vom 19.12.2012 - 1 AZB 72/12 ist in Be­zug auf die Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten der DGB-Ta­rif­ge­mein­schaft Zeit­ar­beit nicht er­sicht­lich, dass an de­ren Ta­riffähig­keit oder Ta­rif­zuständig­keit vernünf­ti­ge Zwei­fel be­ste­hen.

5. Die Kos­ten der er­folg­lo­sen Be­ru­fung hat der Kläger zu tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO. Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war im Zu­sam­men­hang mit den Klar­stel­lun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts im oben ge­nann­ten Be­schluss im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren nicht mehr ver­an­lasst ( § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG).

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

 

Dr. Kra­mer 

M. 

S.

 

Aus­ge­fer­tigt
Frei­burg, den 10.02.2014

Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

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