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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Diskriminierung: Bewerbung, Diskriminierung: Entschädigung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 118/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 23.01.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Lübeck, Urteil vom 12.6.2012 - 6 Ca 323/12
Landesarbeitsgericht Schleswig-Holstein, Urteil vom 22.11.2012 - 4 Sa 246/12
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 118/13
4 Sa 246/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Schles­wig-Hol­stein

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

23. Ja­nu­ar 2014

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 23. Ja­nu­ar 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Hauck, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Brein­lin­ger, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Win­ter so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Burr und Dr. Mall­mann für Recht er­kannt:
 


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Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Schles­wig-Hol­stein vom 22. No­vem­ber 2012 - 4 Sa 246/12 - wird zurück­ge­wie­sen.


Der Kläger hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne Entschädi­gung, weil sich der Kläger we­gen sei­nes Al­ters bei ei­ner er­folg­lo­sen Stel­len­be­wer­bung be­nach­tei­ligt sieht.


Der 1969 ge­bo­re­ne Kläger schloss 1998 ein Stu­di­um der Be­triebs­wirt­schaft als Dipl.-Be­triebs­wirt (FH) ab. Zu­letzt war er von Sep­tem­ber 2010 bis Sep­tem­ber 2011 als Lehr­kraft ei­ner pri­va­ten Fach­ober­schu­le für die Fächer Be­triebs­wirt­schaft und Rech­nungs­we­sen, Volks­wirt­schafts­leh­re, Rechts­leh­re und Wirt­schafts­in­for­ma­tik beschäftigt.

Mit­te Sep­tem­ber 2011 wur­de in ei­nem On­line-Stel­len­por­tal ei­ne Stel­le für „PERSO­NAL­VER­MITT­LER (m/w) für un­se­re Nie­der­las­sung B“ aus­ge­schrie­ben. Im Be­wer­ber­pro­fil wur­de ua. „Ers­te Be­rufs­er­fah­rung im Dienst­leis­tungs­be­reich so­wie Kon­takt im Be­reich der Per­so­nal­aus­wahl“ vor­ge­se­hen. Als Be­wer­ber­vor­tei­le wur­den ua. aus­drück­lich ge­nannt ei­ne „Be­rufs­er­fah­rung: 1 bis 2 Jah­re“ und als Kar­rie­re­sta­tus „Be­rufs­ein­stei­ger“.


Gemäß der Stel­len­aus­schrei­bung soll­te die Be­wer­bung per E-Mail un­ter An­ga­be der Ein­kom­mens­vor­stel­lung an kar­rie­re@u-per­so­nal.de oder per Post an „U N GmbH“, Frau B, H Straße 1, A, ge­sen­det wer­den. Hin­sicht­lich et­wai­ger „Kon­tak­t­in­for­ma­tio­nen für Be­wer­ber“ wur­de am En­de der Stel­len­aus­schrei­bung ei­ne „U GmbH“, Frau B, H Straße 1, A, ge­nannt.


Sein auf den 26. Sep­tem­ber 2011 da­tier­tes Be­wer­bungs­schrei­ben über­mit­tel­te der Kläger am 25. Sep­tem­ber 2011 nebst An­la­gen an die in der Aus­schrei­bung an­ge­ge­be­ne E-Mail-Adres­se. Das Be­wer­bungs­schrei­ben selbst
 


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war da­bei an die „U GmbH“ un­ter der an­ge­ge­be­nen Adres­se ge­rich­tet. Als Ge­halts­vor­stel­lung teil­te er ei­nen Be­trag iHv. 3.600,00 Eu­ro mo­nat­lich mit.


Am 5. Ok­to­ber 2011 er­hielt der Kläger von „B“ (KB@u-per­so­nal.de) per E-Mail die Ab­sa­ge auf sei­ne Be­wer­bung. Un­ter­zeich­net war die­se E-Mail mit fol­gen­den An­ga­ben:


„Mit freund­li­chen Grüßen
B
Re­gio­na­le Per­so­nal­re­fe­ren­tin

U N GmbH H

Straße 1

A

Te­le­fon: +49(0)

Te­le­fax: +49(0)

Mo­bil: +49(0)


In­ter­net: www.u-per­so­nal.de

E-Mail: kb@u-per­so­nal.de“.

Mit Schrei­ben vom 9. No­vem­ber 2011 wand­te sich der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te des Klägers an die Be­klag­te, al­so die „U N GmbH“, ver­lang­te ei­ne Entschädi­gung nach AGG iHv. 16.000,00 Eu­ro und mach­te Er­satz des ma­te­ri­el­len Scha­dens so­wie ei­nen Un­ter­las­sungs­an­spruch gel­tend. Dies lehn­te die Be­klag­te mit ei­nem auf ih­rem Brief­bo­gen ver­fass­ten Schrei­ben vom 30. No­vem­ber 2011 ab, wo­bei sie ausführ­te, der Kläger ha­be sich „bei der U N GmbH als Per­so­nal­ver­mitt­ler be­wor­ben“.


Mit ei­ner Kla­ge vom 8. Fe­bru­ar 2012, am glei­chen Tag beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen, mach­te der Kläger ei­nen An­spruch auf an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung, die 16.000,00 Eu­ro nicht un­ter­schrei­ten soll­te, ge­richt­lich gel­tend. Dar­auf reich­te die­sel­be Syn­di­ka, die zu­vor un­ter der Fir­ma der Be­klag­ten den Entschädi­gungs­an­spruch ab­ge­lehnt hat­te, un­ter dem 20. Fe­bru­ar 2012, nun-mehr aber un­ter der Fir­ma „U GmbH“ mit Sitz in M, ein Schrei­ben beim Ar­beits­ge­richt ein, dem­zu­fol­ge der Kläger sich nicht bei der Be­klag­ten, son­dern bei der recht­lich selbstständi­gen Schwes­ter­ge­sell­schaft „U GmbH“ mit Sitz in M für de-
 


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ren Stand­ort in B be­wor­ben ha­be. So­mit ha­be der Kläger die fal­sche Ge­sell­schaft ver­klagt. Ei­ne Um­stel­lung sei­ner Kla­ge nahm der Kläger nicht vor.


Der Kläger hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei pas­siv­le­gi­ti­miert und rich­ti­ge An­spruchs­geg­ne­rin des von ihm gel­tend ge­mach­ten Entschädi­gungs­an­spruchs. Er ha­be sich je­den­falls nicht auf ei­ne Stel­le be­wor­ben, die der U GmbH mit Sitz in M zu­zu­ord­nen sei. Da­ge­gen spre­che be­reits der ge­sam­te vor­pro­zes­sua­le Schrift­wech­sel, in dem sich die Be­klag­te als po­ten­ti­el­le Ar­beit­ge­be­rin auf­geführt ha­be. Im Übri­gen müsse sich die Be­klag­te auch aus Rechts­schein­ge­sichts­punk­ten als pas­siv­le­gi­ti­miert be­han­deln las­sen. Es ha­be nir­gend­wo An­klang ge­fun­den, dass die Be­klag­te le­dig­lich als Per­so­nal­ver­mitt­le­rin für ih­re Schwes­ter­ge­sell­schaft auf­ge­tre­ten sei. Sie, die Be­klag­te, könne sich nicht zu je­dem Zeit­punkt ei­ner In­an­spruch­nah­me im Nach­hin­ein ent­zie­hen, in­dem sie ein­fach vor­ge­be, nicht die rich­ti­ge Be­klag­te zu sein.


Der Kläger hat be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihm ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung in Geld zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wer­de, je­doch den Be­trag von 16.000,00 Eu­ro nicht un­ter­schrei­ten sol­le, nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz hier­aus seit dem 1. De­zem­ber 2011.


Ih­ren An­trag auf Kla­ge­ab­wei­sung hat die Be­klag­te vor­ran­gig da­mit be­gründet, dass ihr die Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on feh­le. Der Entschädi­gungs­an­spruch gemäß § 15 Abs. 2 AGG sei nur ge­gen den „po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­ber“ zu rich­ten. Be­reits aus der Stel­len­aus­schrei­bung ha­be sich un­ter der Über­schrift „Kon­tak­t­in­for­ma­tio­nen für Be­wer­ber“ die aus­drück­li­che Be­nen­nung der Fir­ma U GmbH er­ge­ben. Die­se und nur die­se Ge­sell­schaft mit Sitz in M ha­be po­ten­ti­ell Ar­beit­ge­be­rin sein sol­len und wol­len. Sie selbst - die Be­klag­te - un­ter­hal­te auch kei­ne Nie­der­las­sung in B, dem Stand­ort, für den die Stel­le aus­ge­schrie­ben wor­den sei. Die dor­ti­ge Nie­der­las­sung wer­de aus­sch­ließlich von der U GmbH geführt. Dies er­ge­be sich auch aus dem In­ter­net­auf­tritt.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Die Be­ru­fung des Klägers blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt oh­ne Er­folg. Mit der vom Be­ru­fungs­ge­richt


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zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger den von ihm gel­tend ge­mach­ten Entschädi­gungs­an­spruch wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on des Klägers ist un­be­gründet, weil die Kla­ge un­be­gründet ist. Den Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG kann der Kläger nicht ge­gen die Be­klag­te rich­ten, da die­se nicht Ar­beit­ge­be­rin iSd. § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG in Verb. mit § 6 Abs. 1 Satz 2 AGG war bzw. wer­den soll­te.


A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet: Der Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG rich­te sich aus­sch­ließlich ge­gen den po­ten­ti­el­len oder tatsächli­chen Ar­beit­ge­ber. Dies sei er­kenn­bar die „U GmbH“ mit Sitz in M. Die Be­klag­te da­ge­gen wäre nicht Ar­beit­ge­be­rin des Klägers ge­wor­den. Ih­re Vor­ge­hens­wei­se sei zwar un­durch­sich­tig ge­we­sen, da sie den ge­sam­ten vor­pro­zes­sua­len Schrift­ver­kehr geführt und den Kläger da­bei nicht dar­auf hin­ge­wie­sen ha­be, nicht po­ten­ti­el­ler Ar­beit­ge­ber zu sein. Be­reits die Aus­schrei­bung ha­be aber Hin­wei­se auf die „U GmbH“ en­t­hal¬tn. An die­se ha­be der Kläger auch sein ei­gent­li­ches Be­wer­bungs­schrei­ben adres­siert. Der Stand­ort B, für den aus­ge­schrie­ben wor­den sei, gehöre zur „U GmbH“. Dies ge­he aus dem In­ter­net­auf­tritt her­vor. Die Be­klag­te da­ge­gen ha­be kei­ne Nie­der­las­sung in B. Der Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG rich­te sich nur ge­gen po­ten­ti­el­le Ar­beit­ge­ber, nicht ge­gen bloße Per­so­nal­ver­mitt­ler wie die Be­klag­te. Ge­gen die­se be­ste­he ggf. ein Aus­kunfts­an­spruch. Im Zwei­fel be­gin­ne die Aus­schluss­frist des § 15 Abs. 4 AGG für die Gel­tend­ma­chung des Entschädi­gungs­an­spruchs erst nach Klärung der Iden­tität des po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­bers. Die Be­klag­te haf­te auch nicht nach § 164 BGB, der nur auf Wil­lens­erklärun­gen An­wen­dung fin­de. Die Ab­leh­nung ei­ner Be­wer­bung sei ein rein tatsäch­li­cher Vor­gang.

B. Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist nicht be­gründet. Das Be­ru­fungs­ur­teil hält im Er­geb­nis ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung stand.


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I. Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. Für den ge­gen die Be­klag­te gel­tend ge­mach­ten Entschädi­gungs­an­spruch fehlt es be­reits an ih­rer Pas­siv­le­gi­ti­ma­ti­on, da sie nicht po­ten­ti­el­le Ar­beit­ge­be­rin des sich be­wer­ben­den Klägers war bzw. wer­den soll­te.


1. Der persönli­che An­wen­dungs­be­reich des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ist eröff­net. Der Kläger ist als Be­wer­ber „Beschäftig­ter“ im Sin­ne des Ge­set­zes. Gemäß § 6 Abs. 1 Satz 2 Alt. 1 AGG gel­ten als Beschäftig­te auch Be­wer­be­rin­nen und Be­wer­ber für ein Beschäfti­gungs­verhält­nis.


Für den Be­wer­ber­be­griff kommt es nicht dar­auf an, ob der Be­wer­ber für die aus­ge­schrie­be­ne Tätig­keit ob­jek­tiv ge­eig­net ist (vgl. BAG 13. Ok­to­ber 2011 - 8 AZR 608/10 - Rn. 18, AP AGG § 15 Nr. 9 = EzA AGG § 15 Nr. 16). Die ob­jek­ti­ve Eig­nung ei­nes Be­wer­bers ist viel­mehr für die Fra­ge be­deut­sam, ob ei­ne „ver­gleich­ba­re Si­tua­ti­on“ iSd. § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG vor­liegt (vgl. BAG 7. April 2011 - 8 AZR 679/09 - Rn. 29, AP AGG § 15 Nr. 6 = EzA AGG § 15 Nr. 13).


2. Die Be­klag­te ist je­doch nicht pas­siv­le­gi­ti­miert. 


a) Nach § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG ist Ar­beit­ge­ber im Sin­ne des Ge­set­zes, wer „Per­so­nen nach Ab­satz 1“ des § 6 AGG beschäftigt. Ar­beit­ge­ber ist auch der­je­ni­ge, der um Be­wer­bun­gen für ein von ihm an­ge­streb­tes Beschäfti­gungs­verhält­nis bit­tet oder nach­sucht (st. Rspr., vgl. BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 188/11 - Rn. 18, BA­GE 142, 143 = AP AGG § 15 Nr. 12 = EzA AGG § 15 Nr. 20; 13. Ok­to­ber 2011 - 8 AZR 608/10 - Rn. 19, EzA AGG § 15 Nr. 16; 19. Au­gust 2010 - 8 AZR 370/09 - Rn. 23).


Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass nicht die Be­klag­te, son­dern ih­re Schwes­ter­ge­sell­schaft „U GmbH“ Ar­beit­ge­be­rin iSv. § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG war. Die­se Ge­sell­schaft mit Sitz in M hat nach den Fest­stel­lun­gen des Be­ru­fungs­ge­richts al­lein den Stand­ort in B, wo sich die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le be­fand, auf die sich der Kläger be­wor­ben hat. Die­se Fest­stel­lun­gen sind nicht durch ei­ne Ver­fah­rensrüge an­ge­grif­fen und für den Se­nat bin­dend (§ 559 Abs. 2 ZPO).


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b) Für die Gel­tend­ma­chung ei­nes Entschädi­gungs­an­spruchs nach § 15 Abs. 2 AGG ist der po­ten­ti­el­le Ar­beit­ge­ber nach § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG, der die Stel­le aus­ge­schrie­ben und Be­wer­bun­gen dafür er­be­ten hat, der rich­ti­ge An­spruchs­geg­ner.


aa) Dem Wort­laut des Ge­set­zes nach wird zwar in § 15 Abs. 2 AGG der An­spruchs­geg­ner nicht ge­nannt, an­ders als in Abs. 1 der Norm. Sys­te­ma­tisch kann je­doch der An­spruchs­geg­ner ei­nes Entschädi­gungs­an­spruchs nach § 15 Abs. 2 AGG nur der Ar­beit­ge­ber sein. § 15 AGG be­han­delt aus­sch­ließlich Ansprüche, die sich aus Pflicht­verstößen des Ar­beit­ge­bers er­ge­ben können. Ansprüche ge­gen Drit­te sieht der Ge­setz­ge­ber dort nicht vor.

bb) Dem ent­spricht die Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm und de­ren Sinn und Zweck. Zur Gewähr­leis­tung ei­nes tatsächli­chen und wirk­sa­men Rechts­schut­zes streb­te der Ge­setz­ge­ber „ei­ne wirk­lich ab­schre­cken­de Wir­kung ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber“ an. Der An­spruch auf Entschädi­gung nach § 15 Abs. 2 AGG soll „die For­de­run­gen der Richt­li­ni­en so­wie der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­ho­fes nach ei­ner wirk­sa­men und ver­schul­dens­un­abhängig aus­ge­stal­te­ten Sank­ti­on bei Ver­let­zung des Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­tes durch den Ar­beit­ge­ber“ erfüllen (BT-Drs. 16/1780 S. 38).


cc) Der Ar­beit­ge­ber, der ge­gen ein Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot verstößt, soll in An­spruch ge­nom­men wer­den können, oh­ne dass die Vor­aus­set­zung des Ver­schul­dens vor­lie­gen muss (vgl. EuGH 22. April 1997 - C-180/95 - [Draehm­pa­ehl] Slg. 1997, I-2195). Es ist da­bei die Ent­schei­dung der Mit­glied­staa­ten, Verstöße ge­gen Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te mit ei­ner Sank­ti­on zu be­le­gen, die sich im Rah­men zi­vil­recht­li­cher Haf­tung be­wegt. Der Kläger hat die Be­klag­te we­gen ei­ner Be­nach­tei­li­gung bei der Be­wer­bung um ein Ar­beits­verhält­nis in An­spruch ge­nom­men. Ei­ne Be­nach­tei­li­gung im Zi­vil­rechts­ver­kehr hat er nicht dar­ge­legt, ei­ne Entschädi­gung iSv. § 21 Abs. 2 Satz 3 AGG hat er, un­be­scha­det der Fra­ge des dafür zulässi­gen Rechts­we­ges nicht gel­tend ge­macht.


dd) Für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch nach § 15 Abs. 2 AGG ist auch nach dem Schrift­tum der „Ar­beit­ge­ber“ der rich­ti­ge An­spruchs­geg­ner (Däubler/


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Bertz­bach/Dei­nert AGG 3. Aufl. § 15 Rn. 45, 145; Adom­eit/Mohr AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 3; Mei­nel/Heyn/Herms AGG 2. Aufl. § 15 Rn. 8 f.; Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt AGG 4. Aufl. § 15 Rn. 28; Pa­landt/Wei­den­kaff 73. Aufl. § 15 AGG Rn. 1, 6). Ins­be­son­de­re be­gründen § 15 Abs. 1 und Abs. 2 AGG kei­ne Ansprüche ge­gen Per­so­nal­be­ra­tungs­un­ter­neh­men (vgl. Adom­eit/ Mohr FS Kreutz 2010 S. 3 ff.; Stof­fels RdA 2009, 204, 207), selbst wenn der Per­so­nal­ver­mitt­ler die endgülti­ge Aus­wahl in al­lei­ni­ger Ver­ant­wor­tung durchführt (Voigt in Schleu­se­ner/Suckow/Voigt aaO).


II. Über mögli­che Ansprüche des Klägers auf Er­satz sei­nes Vermögens­scha­dens ge­gen die Be­klag­te ist vor­lie­gend nicht zu ent­schei­den, da Ge­gen­stand des Rechts­streits aus­sch­ließlich der vom Kläger gel­tend ge­mach­te Entschädi­gungs­an­spruch ist. So­weit sich die­ser, wie im Fal­le der Be­klag­ten, nicht ge­gen ei­nen Ar­beit­ge­ber iSv. § 6 Abs. 2 Satz 1 AGG rich­ten soll, ist dafür kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge er­sicht­lich (§ 253 Abs. 1 BGB). Ins­be­son­de­re ist der Kläger durch das Ver­hal­ten der Be­klag­ten nicht in ei­nem sei­ner in § 253 Abs. 2 BGB ge­nann­ten Rechtsgüter ver­letzt wor­den.


III. Ei­ne Haf­tung der Be­klag­ten als Ver­tre­te­rin oh­ne Ver­tre­tungs­macht, § 179 BGB, oder we­gen ei­nes von ihr ge­setz­ten Rechts­scheins führt nicht zu ei­nem An­spruch auf Entschädi­gung, son­dern al­len­falls auf Er­satz des ma­te­ri­el­len Scha­dens.


Für ei­ne Ana­lo­gie fehlt es an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke und ins­be­son­de­re ei­ner ver­gleich­ba­ren In­ter­es­sen­la­ge. Der Entschädi­gungs­an­spruch aus § 15 Abs. 2 AGG soll sich ge­gen den po­ten­ti­el­len Ar­beit­ge­ber, nicht ge­gen ei­nen Drit­ten rich­ten. So­weit der Ar­beit­ge­ber nicht be­kannt ist, steht in­so­weit dem ab­ge­lehn­ten Be­wer­ber ein Aus­kunfts­an­spruch zu (LAG Ber­lin 30. März 2006 - 10 Sa 2395/05 - Rn. 26). Außer­dem be­ginnt die Frist des § 15 Abs. 4 Satz 1 AGG im Fal­le ei­ner Be­wer­bung erst dann zu lau­fen, wenn der Be­wer­ber von „der“ Ab­leh­nung Kennt­nis er­langt, wo­zu auch gehört, wer ihn als Ar­beit­ge­ber ab­ge­lehnt hat. Auch in­so­weit ist der wirk­sa­me Schutz vor Dis­kri­mi­nie­run­gen nicht in­fra­ge ge­stellt.
 


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C. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO. 


Hauck 

Brein­lin­ger 

Win­ter

Burr 

Mall­mann

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