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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Videoüberwachung, Persönlichkeitsrecht, Schmerzensgeld, Geldentschädigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 11 Sa 312/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.07.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Münster, Urteil 11.01.2013, 4 Ca 455/12
Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 19.02.2015, 8 AZR 1007/13
   

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 11.01.2013 – 4 Ca 455/12 – teil­wei­se ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne Gel­dentschädi­gung von 1.000,00 € nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 12.07.2012 zu zah­len.

Von den Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens trägt die Kläge­rin 3/4, die Be­klag­te trägt 1/4.

Die Kos­ten des Ver­fah­rens der ers­ten In­stanz trägt die Kläge­rin zu 72 % und die Be­klag­te zu 28 %.

Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung wird zurück­ge­wie­sen. Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im Be­ru­fungs­rechts­zug noch über ei­ne Gel­dentschädi­gung, wel­che die Kläge­rin be­an­sprucht, weil ein ar­beit­ge­ber­seits be­auf­trag­ter De­tek­tiv im Fe­bru­ar 2012 im Rah­men ei­ner Kran­ken­kon­trol­le heim­lich Vi­deo­auf­nah­men von ihr ge­macht hat. Die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts, dass das Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gun­gen vom 28.02.2012 und vom 05.03.2012 nicht auf­gelöst wor­den ist, ist hin­ge­gen in Rechts­kraft er­wach­sen.

Die 1964 ge­bo­re­ne Kläge­rin ist seit dem 01.05.2011 bei der Be­klag­ten, ei­nem Un­ter­neh­men mit 18 Beschäftig­ten, als Se­kretärin der Geschäfts­lei­tung zu ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­lohn in Höhe von 3.500,00 € tätig. We­gen der Ein­zel­hei­ten des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges wird auf die Ko­pie Bl. 27 ff. GA ver­wie­sen. Am 12.12.2011 kam es zu ei­ner Mei­nungs­ver­schie­den­heit, weil die Kläge­rin ei­ne Wei­sung zur Vor­la­ge von Pro­dukt­un­ter­la­gen nicht so er­le­dig­te, wie es der Geschäftsführer er­war­tet hat­te. Ein­zel­hei­ten des Vor­falls sind strei­tig. Ab dem 27.12.2011 war die Kläge­rin ar­beits­unfähig krank­ge­schrie­ben. Mit Fax vom 03.01.2012 teil­te sie dem Geschäftsführer der Be­klag­ten, der für ei­ne Wo­che in Ur­laub ge­fah­ren war, mit, sie lei­de an ei­ner schwe­ren Bron­chi­tis und ei­ner dar­aus re­sul­tie­ren­den Rip­pen­fell­entzündung. Sie wer­de aber, so­weit es ihr Ge­sund­heits­zu­stand zu­las­se, nach Be­darf und Dring­lich­keit ei­ni­ge St­un­den ins Büro kom­men (Bl. 34 GA). Der Geschäftsführer blieb wei­ter­hin im Ur­laub. Die Kläge­rin er­schien nicht im Büro. Nach Rück­kehr des Geschäftsführers aus dem Ur­laub rief die Kläge­rin den Geschäftsführer an und teil­te mit, sie sei wie­der­um krank­ge­schrie­ben, nun we­gen ei­nes Band­schei­ben­vor­falls.

Für den Zeit­raum vom 27.12.2011 bis zum 28.02.2012 lie­gen die nach­fol­gen­den Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen vor:

- Erst­be­schei­ni­gung vom 27.12.2011 für den Zeit­raum vom 27.12.2011 bis zum 30.12.2011 von dem Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin – Homöopa­thie – Dr. G1 (Bl. 33 GA),

- Fol­ge­be­schei­ni­gung vom 02.01.2012 für den Zeit­raum bis ein­sch­ließlich 06.01.2012 von dem Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin – Homöopa­thie – Dr. G1 (Bl. 33 GA),

- Fol­ge­be­schei­ni­gung vom 06.01.2011 für den Zeit­raum bis ein­sch­ließlich 20.01.2012 von dem Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin – Homöopa­thie – Dr. G1 (Bl. 35 GA),

- Fol­ge­be­schei­ni­gung vom 23.01.2011 für den Zeit­raum bis ein­sch­ließlich 03.02.2012 von dem Fach­arzt für All­ge­mein­me­di­zin – Homöopa­thie – Dr. G1 (Bl. 35 GA),

- Erst­be­schei­ni­gung vom 31.01.2012 für den Zeit­raum vom 31.01.2012 bis ein­sch­ließlich 14.02.2012 von der Fachärz­tin für Phy­si­ka­li­sche und Re­ha­bi­li­ta­ti­ve Me­di­zin / Fachärz­tin für Or­thopädie G2 (Bl. 36 GA)

- Fol­ge­be­schei­ni­gung vom 14.02.2012 für den Zeit­raum bis ein­sch­ließlich 28.02.2012 von der Fachärz­tin für Phy­si­ka­li­sche und Re­ha­bi­li­ta­ti­ve Me­di­zin / Fachärz­tin für Or­thopädie G2 (Bl. 36 GA)

Die Be­klag­te ent­schloss sich, ei­ne De­tek­tei zu be­auf­tra­gen. Am 16.02.2012, 17.02.2012, 23.02.2012 und 24.02.2012 wur­de die Kläge­rin von der be­auf­trag­ten De­tek­tei ob­ser­viert. Auf den zur Ak­te ge­reich­ten Ob­ser­va­ti­ons­be­richt wird Be­zug ge­nom­men (Bl. 80 - 92 GA).

Während des Ob­ser­va­ti­ons­zeit­raums fuhr die Kläge­rin am 24.02.2012 um 10.29 Uhr mit ih­rem PKW zu ei­nem Wasch­sa­lon an der W1 Straße 12 in M1. Nach den Be­ob­ach­tun­gen des De­tek­tivs be­trat sie mit Wäsche auf dem Arm den Wasch­sa­lon und befüll­te im Ho­cken ei­ne Wasch­ma­schi­ne. Sie ver­lud dann noch wei­te­re Wäsche und fuhr an­sch­ließend wie­der weg. Ge­gen 12.32 Uhr kehr­te sie zum Wasch­sa­lon zurück. Sie hol­te ei­nen Wäsche­korb aus dem Kof­fer­raum, leer­te die Wasch­ma­schi­ne und kam mit ei­nem gefüll­ten Korb zum Au­to zurück. Sie ging an­sch­ließend er­neut in den Wasch­sa­lon und leer­te aus ei­ner an­de­ren Wasch­ma­schi­ne ei­nen gefüll­ten Wäsche­sack. In ei­nem Korb trug sie dann den Wäsche­sack auf der Höhe der Brust mit aus­ge­streck­ten Ar­men in den hin­te­ren Teil des Wasch­sa­lons. Später kam sie mit dem mit Wäsche gefüll­ten Korb aus dem Sa­lon. Sie trug die­sen auf der Höhe der Hüfte, halb un­ter dem lin­ken Arm, die rech­te Hand zur Un­terstützung. Nach kur­zer Zeit dreh­te sie den Korb ganz vor die Hüfte und ging, leich­tes Hohl­kreuz nach hin­ten, mit dem Korb auf Hüfthöhe zu ih­rem Fahr­zeug. Hier an­ge­kom­men hob sie das lin­ke Bein und brach­te das Knie un­ter den Korb, um die­sen zu hal­ten. Sie öff­ne­te den Kof­fer­raum mit an­ge­ho­be­nem Knie und in Rück­la­ge und ver­lud den Wäsche­korb dann dort. Da­nach be­trat sie noch ein­mal den Sa­lon und kam mit dem Wäsche­sack aus der Wäsche­rei, den sie eben­falls ver­lud.

In den Ob­ser­va­ti­ons­be­richt sind ins­ge­samt 11 Bil­der zum Ge­sche­hen ein­gefügt. Zum 17.02.2012 fin­det sich ein Fo­to ei­ner männ­li­chen Per­son mit ei­nem Hund (Bl. 83 GA), auf­ge­nom­men in der Nähe der Ein­fahrt zum Wohn­haus der Kläge­rin. Die­se männ­li­che Per­son ist auf dem Fo­to ab­ge­deckt, so dass man nur den Hund und ei­nen Teil der Hand mit der Lei­ne er­ken­nen kann. Wei­te­re 10 Bil­der be­tref­fen den 24.02.2012. 9 Bil­der stam­men aus ver­schie­de­nen Vi­deo­se­quen­zen, die der De­tek­tiv heim­lich auf­ge­zeich­net hat­te, und zwar Bil­der aus ei­nem Video1, ei­nem Vi­deo 2, ei­nem Vi­deo 5, ei­nem Vi­deo 6, ei­nem Vi­deo 7 und ei­nem Vi­deo 9 (Bl. 86 – 91 GA). Drei die­ser Bil­der zei­gen die Kläge­rin an ih­rer Wohn­an­schrift mit ei­ner Müll­ton­ne, beim War­ten an ei­nem Fußweg und beim „Be­grüßen" und Lieb­ko­sen ei­nes Hun­des (Bl. 86, 87 GA), die wei­te­ren 8 Bil­der be­tref­fen die an­sch­ließen­de Fahrt zum Wasch­sa­lon und das Ver­hal­ten der Kläge­rin dort (Bl. 88 – 91). Bei den Fo­tos zum 24.02.2012 wird im Text an­ge­ge­ben, dass es sich je­weils um die Ziel­per­son („ZP"), al­so die Kläge­rin, han­delt. Das Ge­sicht der Kläge­rin ist auf den Fo­tos je­weils ab­ge­deckt. Am En­de des Ob­ser­va­ti­ons­be­richts heißt es (Bl. 92 GA):

„Die De­tek­tei P2 ver­wahrt di­ver­se Vi­deo­auf­nah­men der Ziel­per­son – Bild­nis­se, wel­che im Rah­men der Ob­ser­va­ti­on von den Er­mitt­lern an­ge­fer­tigt wur­den. Die­se dürfen auf Grund der Re­ge­lun­gen aus dem Kunst­ur­he­ber­ge­setz nicht wei­ter­ge­ge­ben wer­den. Sie wer­den statt­des­sen von der De­tek­tei P2 auf­ge­ho­ben und können im Rah­men ei­ner ge­richt­li­chen Aus­ein­an­der­set­zung zwi­schen der ZP und dem Auf­trag­ge­ber vom Ge­richt als Be­weis­mit­tel an­ge­for­dert wer­den."

Mit Schrei­ben vom 28.02.2012 kündig­te die Be­klag­te das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin frist­los und hilfs­wei­se frist­ge­recht (Bl. 4 GA). Mit dem Kündi­gungs­schrei­ben wur­de die Kläge­rin zu­gleich auf­ge­for­dert, die Schlüssel Nr. 8 und 9 zur zen­tra­len Sch­ließan­la­ge bin­nen 24 St­un­den zurück­zu­ge­ben. Die Kläge­rin gab die Schlüssel zunächst nicht zurück. Mit Schrei­ben vom 05.03.2012 mahn­te die Be­klag­te die Kläge­rin we­gen der Nichtrück­ga­be der Schlüssel ab und kündig­te das Ar­beits­verhält­nis er­neut außer­or­dent­lich mit so­for­ti­ger Wir­kung (Bl. 5 GA).

Zur Er­kran­kung der Kläge­rin bis zum 28.02.2012 lie­gen wei­te­re Un­ter­la­gen vor:

- Mit Schrei­ben vom 09.01.2012 in­for­mier­te der Arzt für Ner­ven­heil­kun­de B1 den Haus­arzt der Kläge­rin Dr. G1 über ei­nen bei der Kläge­rin dia­gnos­ti­zier­ten Band­schei­ben­vor­fall (Bl. 51 GA), nach­richt­lich zu­gleich an den Fach­arzt für Or­thopädie Dr. R1.

- Mit Schrei­ben vom 03.02.2012 wand­te sich der Fach­arzt für Or­thopädie Dr. M2 an den Haus­arzt Dr. G1 (Bl. 52 GA). Er be­dank­te sich für die Über­wei­sung und teil­te die Dia­gno­se „Band­schei­ben­vor­fall C6/7" mit.

- Mit Schrei­ben vom 31.01.2012 wand­te sich der Arzt für Ra­dio­lo­gie und Neu­ro­ra­dio­lo­gie Dr. P1 an die Pra­xis B1/H1, Fachärz­te für Ner­ven­heil­kun­de, und teil­te fest­ge­stell­te Be­fun­de mit (Bl. 53 GA).

- Un­ter dem 05.04.2012 at­tes­tier­te Dr. med. G1, der Haus­arzt der Kläge­rin, dass die Kläge­rin En­de 2011 ei­nen Band­schei­ben­vor­fall im Be­reich der Hals­wir­belsäule er­lit­ten ha­be, die­ser sei kern­spin­to­mo­gra­fisch nach­ge­wie­sen, die Kläge­rin sei des­halb vom 27.12.2011 bis 28.02.2012 kon­ti­nu­ier­lich ar­beits­unfähig ge­we­sen (Bl. 50 GA).

- We­gen des „Be­fund- und Be­hand­lungs­be­richts vom 31.01.12 bis 28.02.12" der Fachärz­tin für Phy­si­ka­li­sche und Re­ha­bi­li­ta­ti­ve / Fachärz­tin für Or­thopädie Me­di­zin G2 wird auf Bl. 54 GA Be­zug ge­nom­men.

- We­gen Ausführun­gen der or­thopädi­schen Pra­xis Dr. R1 im „Ärzt­li­chen Be­richt zur Vor­la­ge" vom 27.09.2012, dass „sich zu ei­nem Hund her­ab­zu­beu­gen, ei­nen Korb mit leich­ten Wäschestücken oder Hun­de­de­cken zu tra­gen" mit ei­nem Band­schei­ben­vor­fall, ins­be­son­de­re kurz vor Wie­der­auf­nah­me der Ar­beitsfähig­keit [sic], möglich und im Rah­men ei­ner zu­neh­men­den „Be­las­tungs­er­pro­bung" me­di­zi­nisch sinn­voll sei, wird auf Bl. 119, 120 GA ver­wie­sen.

We­gen der von der Kläge­rin in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt am 11.01.2013 zur Ge­richts­ak­te ge­reich­ten „Psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Stel­lung­nah­me" zu ei­ner seit Ju­ni 2012 statt­fin­den­den psy­cho­the­ra­peu­ti­schen Be­hand­lung des be­han­deln­den Di­plom-Psy­cho­lo­gen und Psy­cho­the­ra­peu­ten A2 vom 16.11.2012 wird auf Bl. 121 GA Be­zug ge­nom­men.

Mit der beim Ar­beits­ge­richt Müns­ter un­ter dem 14.03.2012 ein­ge­gan­gen Kla­ge hat sich die Kläge­rin zunächst ge­gen die bei­den Kündi­gun­gen ge­wandt. Später hat sie die Kla­ge um Zah­lungs­anträge auf Schmer­zens­geld und Ar­beits­ent­gelt er­wei­tert. er­wei­tert. Wi­der­kla­gend hat die Be­klag­te die Kläge­rin auf Er­satz der De­tek­tiv­kos­ten in An­spruch ge­nom­men.

Nach ei­nem Te­le­fo­nat mit dem Vor­sit­zen­den des Ar­beits­ge­richts hat der De­tek­tiv die Vi­deo­auf­zeich­nun­gen am 25.07.2012 zur Ge­richts­kate ge­reicht (Bl. 61, 62 GA). Ko­pi­en der Vi­deo­auf­nah­men sind vom Ar­beits­ge­richt an die Anwälte der Par­tei­en ver­sandt wor­den. Die Vi­deo­auf­zeich­nun­gen sind in der münd­li­chen Ver­hand­lung vor dem Ar­beits­ge­richt nicht an­ge­schaut wor­den.

Die Kläge­rin hat un­ter an­de­rem die An­sicht ver­tre­ten, die Be­klag­te schul­de ihr we­gen der ver­deck­ten Über­wa­chung mit heim­li­cher Vi­deo­auf­zeich­nung ei­ne Gel­dentschädi­gung. Die Kündi­gung vom 05.03.2012 sei schon des­halb un­wirk­sam, weil gleich­zei­tig ei­ne Ab­mah­nung aus­ge­spro­chen wor­den sei. Die Kläge­rin hat be­haup­tet, am 12.12.2011 ha­be der Geschäftsführer der Be­klag­ten sie le­dig­lich ge­be­ten, Un­ter­la­gen her­aus­zu­su­chen und vor­zu­le­gen. Zu die­sem Zeit­punkt ha­be sie ge­ra­de mit dem Steu­er­be­ra­ter te­le­fo­niert. Auf Grund des Te­le­fo­nats ha­be sie nicht ge­nau ver­stan­den, wel­che Un­ter­la­gen sie ha­be her­aus­su­chen sol­len. Nach Be­en­di­gung des Te­le­fo­nats ha­be sie ei­ne Kol­le­gin ge­fragt, ob die­se wis­se, wel­che der Un­ter­la­gen der Geschäftsführer benöti­ge. Sie ha­be den Geschäftsführer nicht stören wol­len, da er in ei­ner wich­ti­gen Geschäfts­be­spre­chung ge­ses­sen ha­be. Nach ca. zehn Mi­nu­ten sei der Geschäftsführer her­aus­ge­kom­men und ha­be er­neut nach den Un­ter­la­gen ge­fragt. Ein Fehl­ver­hal­ten lie­ge nicht vor. Es sei auch kei­ne Ab­mah­nung aus­ge­spro­chen wor­den. Sie ha­be im Übri­gen die ihr über­mit­tel­ten Un­ter­la­gen dann ord­nungs­gemäß in das Fach des Geschäftsführers ge­legt. Dies ent­spre­che der Üblich­keit und Wei­sungs­la­ge im Be­trieb. Ihr sei nicht mit­ge­teilt wor­den, dass es sich um „wich­ti­ge" Pa­pie­re han­de­le. Sie ha­be ih­re Ar­beits­unfähig­keit nicht vor­getäuscht. Sie ha­be tatsächlich ei­nen Band­schei­ben­vor­fall er­lit­ten und sei des­halb ar­beits­unfähig ge­we­sen. Zunächst ha­be sie ei­ne Bron­chi­tis ge­habt. Auf Grund der Schmer­zen im Rip­pen­be­reich ha­be sie den Ver­dacht ge­habt, dass die Bron­chi­tis zu ei­ner Rip­pen­fell­entzündung geführt ha­be. Dem­gemäß ha­be sie ih­ren Haus­arzt auf­ge­sucht. Da die Schmer­zen nicht bes­ser ge­wor­den sei­en, ha­be sie sich zu ei­nem Or­thopäden be­ge­ben. Dort sei ein MRT durch­geführt wor­den und es sei der Band­schei­ben­vor­fall fest­ge­stellt wor­den. Sie sei vom Or­thopäden Dr. R1 in M1 be­han­delt wor­den. Sie ha­be sich durch­aus bücken können, da der Band­schei­ben­vor­fall im Hals­wir­belsäulen­be­reich statt­ge­fun­den ha­be und nicht im un­te­ren Wir­bel­be­reich. Sie ha­be am 24.02.2011 nicht ei­nen Berg Wäsche ge­tra­gen son­dern le­dig­lich ein großes Hun­de­kis­sen und ei­ne Hun­de­de­cke mit ei­nem Ge­wicht von nicht ein­mal ei­nem Ki­lo­gramm. Durch die vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen und Arzt­be­rich­te sei nach­ge­wie­sen, dass sie ar­beits­unfähig ge­we­sen sei. Sämt­li­che Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen sei­en ord­nungs­gemäß aus­ge­stellt wor­den und sei­en kei­nes­falls zwei­fel­haft. Dr. G1, ihr Haus­arzt, ha­be sie die ge­sam­te Zeit über be­han­delt. Nach­dem die dau­er­haf­ten star­ken Schmer­zen sich je­doch nicht ver­rin­gert hätten, sei der Ver­dacht ei­ner Ner­ven­entzündung ge­stellt wor­den. Dem­gemäß sei sie zu Herrn Dr. B1 über­wie­sen wor­den, der die Ner­ven­bah­nen über­prüft ha­be. Nach­dem das Er­geb­nis vor­ge­le­gen ha­be und ei­ne Ner­ven­entzündung hätte aus­ge­schlos­sen wer­den können, sei an­ge­regt wor­den, ein MRT durch­zuführen. Dies sei dann im C2 in M1 ge­sche­hen. Er­geb­nis sei ge­we­sen, dass bei ihr ein Band­schei­ben­vor­fall vor­ge­le­gen ha­be. Sämt­li­che Un­ter­su­chungs­er­geb­nis­se der Fachärz­te sei­en dem Haus­arzt über­mit­telt wor­den und mit die­sem be­spro­chen wor­den. Dem­gemäß ha­be der Haus­arzt auch wei­te­re Fol­ge­ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen aus­stel­len können. Die Or­thopädin Frau G2 ha­be selbst­verständ­lich kei­ne Fol­ge­ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung aus­stel­len können, da ihr das vor­he­ri­ge Krank­heits­bild nicht be­kannt ge­we­sen sei. Aus die­sem Grund sei von ihr ei­ne Erst­be­schei­ni­gung aus­ge­stellt wor­den. Ei­ne Beschäfti­gung sei auf Grund des Band­schei­ben­vor­falls nicht möglich ge­we­sen. Ei­ne Beschäfti­gung sei ihr aus­drück­lich von den Ärz­ten un­ter­sagt wor­den. Es sei ihr nicht möglich ge­we­sen, länge­re Zeit an ei­nem Schreib­tisch zu sit­zen und PC-Ar­beit durch­zuführen. Auf­grund der Ob­ser­vie­rung durch die De­tek­tei ste­he ihr ein Schmer­zens­geld zu. Die Be­auf­tra­gung der De­tek­tei durch die Be­klag­te sei we­der an­ge­mes­sen noch ge­recht­fer­tigt ge­we­sen. Die Be­klag­te ha­be sie da­durch er­heb­lich in ih­rem Persönlich­keits­recht be­ein­träch­tigt. Sie ha­be in der Fol­ge­zeit re­gelmäßig die Befürch­tung ge­habt, be­ob­ach­tet zu wer­den. Ih­re Ge­dan­ken hätten im­mer wie­der dar­um ge­kreist, was der De­tek­tiv noch al­les in Er­fah­rung ge­bracht ha­ben könn­te und in­wie­weit ih­re Fa­mi­lie von dem De­tek­tiv be­ob­ach­tet wor­den sei. Dies ha­be bei ihr zu er­heb­li­chen psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen geführt, so dass sie sich in ärzt­li­che Be­hand­lung be­ge­ben ha­be. Sie be­fin­de sich auch der­zeit noch in psy­cho­the­ra­peu­ti­scher Be­hand­lung we­gen der Be­auf­tra­gung des De­tek­tivs. Ein Schmer­zens­geld in Höhe des drei­fa­chen Mo­nats­brut­to­ge­halts sei an­ge­mes­sen. Scha­dens­er­satz­ansprüche we­gen der Be­auf­tra­gung der De­tek­tei stünden der Be­klag­ten nicht zu. Die Be­auf­tra­gung der De­tek­tei sei ge­ra­de nicht ge­recht­fer­tigt ge­we­sen. Ein kon­kre­ter Ver­dacht ha­be ge­gen sie nicht be­stan­den. Im Übri­gen hätten we­ni­ger ein­grei­fen­de, kostengüns­ti­ge­re Mit­tel der Aufklärung zur Verfügung ge­stan­den. Die Be­klag­te hätte zum ei­nen ein Gespräch mit ihr führen können, zum an­de­ren hätte die Be­klag­te den me­di­zi­ni­schen Dienst mit der Über­prüfung der Krank­heit be­auf­tra­gen können.

Die Kläge­rin hat zu­letzt be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin durch die frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.02.2012 nicht auf­gelöst wor­den ist,

2. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin auch nicht durch die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne frist­ge­rech­te Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.02.2012 auf­gelöst wor­den ist,

3. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin durch die wei­te­re frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 05.03.2012 nicht auf­gelöst wor­den ist,

4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ein Schmer­zens­geld, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des er­ken­nen­den Ge­richts ge­stellt wird, nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 12.07.2012 zu zah­len,

5. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 17.500,00€ brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 3.500,00 € seit dem 01.04.2012, 01.05.2012, 01.06.2012, 01.07.2012 und 01.08.2012 zu zah­len,

6. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 7.000,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz aus je­weils 3.500,00 € seit dem 01.09.2012 und 01.10.2012 zu zah­len,

7. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 3.500,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit­dem 01.11.2012 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Wi­der­kla­gend hat die Be­klag­te be­an­tragt,

die Kläge­rin zu ver­ur­tei­len, an sie 1.540,00 € nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 10.05.2012 zu zah­len.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Wi­der­kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Entschädi­gungs­for­de­rung für un­be­gründet er­ach­tet. Am 12.12.2011 sei es zu ei­ner Fehl­leis­tung der Kläge­rin ge­kom­men. Ihr Geschäftsführer ha­be Geschäfts­be­such aus Hol­land ge­habt. Im Ver­lauf die­ses Geschäfts­gesprächs ha­be ihr Geschäftsführer die Kläge­rin ge­be­ten, Un­ter­la­gen zu ei­nem Pro­dukt­ver­gleich be­tref­fend Wälz­la­ger ver­schie­de­ner Her­stel­ler her­aus­zu­su­chen und vor­zu­le­gen. Als die Un­ter­la­gen nach 10 - 15 Mi­nu­ten War­te­zeit noch nicht vor­ge­le­gen hätten, sei der Geschäftsführer ins Vor­zim­mer ge­gan­gen und ha­be nach­ge­fragt. Die Kläge­rin ha­be te­le­fo­niert und auf Nach­fra­ge erklärt, die Un­ter­la­gen, die sie ha­be vor­le­gen sol­len, ken­ne sie nicht. Der Geschäftsführer ha­be die Kläge­rin des­halb münd­lich ab­ge­mahnt und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass sie die­je­ni­gen Ar­bei­ten, die von ihm persönlich an­ge­wie­sen würden, im­mer mit höchs­ter Prio­rität zu be­ar­bei­ten ha­be. En­de Ja­nu­ar 2012 ha­be sie, die Be­klag­te, von ei­nem wei­te­ren Vor­fall er­fah­ren. Der Zeu­ge H2 ha­be ih­ren Geschäftsführer an­ge­ru­fen. Es sei um ei­nen Dar­lehns­ver­trag zwi­schen ihr und der C1 ge­gan­gen, den sie über den 31.01.2012 ha­be verlängern wol­len. Der Zeu­ge H2 ha­be dem Geschäftsführer erklärt, die C1 könne über den Verlänge­rungs­an­trag nicht ent­schei­den, weil die Bi­lanz 2010 nicht vor­lie­ge. Der Geschäftsführer sei per­plex ge­we­sen, denn er ha­be die Un­ter­la­gen der C1 am 09.12.2011 per Bo­ten zu­kom­men las­sen. Das ha­be der Zeu­ge H2 bestätigt. Er ha­be aber mit­ge­teilt, dass er die Un­ter­la­gen am 14.12.2011 persönlich zurück­ge­bracht ha­be und der Kläge­rin über­ge­ben ha­be mit dem Hin­weis, ei­ne Un­ter­schrift des Geschäftsführers der Be­klag­ten feh­le. Er ha­be um Nach­ho­lung ge­be­ten und an­sch­ließen­de er­neu­te Zu­sen­dung an die C1. Wie sich her­aus­ge­stellt ha­be, ha­be die Kläge­rin die Un­ter­la­gen schlicht ent­ge­gen ge­nom­men und in ei­nen Schrank ge­legt. Ihr Geschäftsführer sei we­der von dem Be­such des Zeu­gen H2 noch von des­sen Mo­ni­tum hin­sicht­lich der feh­len­den Un­ter­schrift in­for­miert wor­den. Der Geschäftsführer ha­be dar­auf­hin die Kläge­rin an­ge­ru­fen und ihr erklärt, dass ein sol­ches Ver­hal­ten un­zu­mut­bar sei, da ei­ne sol­che Nachlässig­keit zu mas­si­ven Pro­ble­men bei der Li­qui­dität der Be­klag­ten ha­be führen können. Er ha­be ihr erklärt, dass bei Wie­der­ho­lun­gen ei­ne Zu­sam­men­ar­beit nicht mehr möglich sei. Nach Rück­kehr des Geschäftsführers aus dem Ur­laub zu An­fang Ja­nu­ar 2012 ha­be die Kläge­rin den Geschäftsführer an­ge­ru­fen und mit­ge­teilt, sie sei wei­ter krank­ge­schrie­ben, nun we­gen ei­nes Band­schei­ben­vor­falls. Die Kläge­rin ha­be von ei­nem Vor­fall mit stärks­ten Schmer­zen be­rich­tet, ei­ne Ope­ra­ti­on sei wahr­schein­lich. Der Geschäftsführer ha­be we­gen auf­kom­men­der Zwei­fel sei­nen Bru­der kon­tak­tiert, der Arzt sei. Die­ser ha­be bestätigt, dass ei­ne Be­hand­lung des ge­schil­der­ten Lei­dens durch ei­nen Haus­arzt mehr als un­gewöhn­lich sei; nach sei­ner Er­fah­rung sei­en Band­schei­ben­be­schwer­den be­liebt, um sich krank­schrei­ben zu las­sen, weil ei­ne ob­jek­ti­ve me­di­zi­ni­sche Ve­ri­fi­zie­rung nicht möglich sei und der Arzt nur den An­ga­ben des Pa­ti­en­ten glau­ben könne. Während der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit ha­be der De­tek­tiv R2 am Vor­mit­tag des 24.02.2012 be­ob­ach­ten können, dass die Kläge­rin aus ih­rer Woh­nung ge­kom­men sei und zwei ge­leer­te Müll­ton­nen vom Fußweg in Rich­tung Wohn­haus ge­scho­ben ha­be. Sie ha­be um 10.26 Uhr ei­nen Mann ge­trof­fen, ver­mut­lich den Ehe­mann, mit Hund. Die Kläge­rin ha­be sich mit ei­ner schnel­len Be­we­gung im Kreuz nach un­ten gebückt, um den Hund zu be­grüßen bzw. zu lieb­ko­sen. Dies sei noch zwei Mal wie­der­holt wor­den. Als die Kläge­rin in dem Wasch­sa­lon ge­we­sen sei, ha­be sie an dem gefüll­ten Wäsche­sack re­gel­recht reißen müssen, um die­sen aus der Trom­mel zu be­kom­men. Bei all den be­ob­ach­te­ten Tätig­kei­ten und Be­we­gun­gen sei ei­ne wie auch im­mer ge­ar­te­te körper­li­che Be­ein­träch­ti­gung nicht er­kenn­bar ge­we­sen. Al­le Be­we­gun­gen sei­en flüssig ge­we­sen und sei­en schnell aus­geführt wor­den. Die vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen hätten kei­nen Be­weis­wert. Der Be­weis­wert sei durch die Be­ob­ach­tun­gen des Zeu­gen R2 erschüttert wor­den. Wer mehr­fach Wäschekörbe trans­por­tie­ren könne, Las­ten im Hohl­kreuz stem­me und sich ge­schmei­dig bücken und ho­cken könne, könne kei­nen Band­schei­ben­vor­fall ha­ben. Je­den­falls würden die Be­ob­ach­tun­gen des Zeu­gen R2 den Ver­dacht be­gründen, dass die Kläge­rin krank­ge­fei­ert ha­be. Mit der Wi­der­kla­ge ma­che sie den Er­satz der ihr in Rech­nung ge­stell­ten De­tek­tiv­kos­ten gel­tend. Der gel­tend ge­mach­te Schmer­zens­geld­an­spruch we­gen ei­ner an­geb­li­chen Ver­let­zung des Persönlich­keits­rechts be­ste­he nicht. Die heim­li­che Über­wa­chung durch den De­tek­tiv in Ver­bin­dung mit der Vi­deoüber­wa­chung sei vor­lie­gend zulässig ge­we­sen. Ob ein Band­schei­ben­vor­fall tatsächlich be­stimm­te Be­ein­träch­ti­gun­gen mit sich brin­ge, las­se sich aus ei­ner sta­ti­schen Auf­nah­me nicht er­mit­teln. Da­zu bedürfe es viel­mehr der Aus­wer­tung von Be­we­gungs­abläufen. Im Rah­men der Güter­abwägung sei fer­ner zur berück­sich­ti­gen, dass die Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts in ei­nem Be­reich statt­ge­fun­den ha­be, der in der Öffent­lich­keitsphäre ge­we­sen sei, al­so in ei­nem Be­reich, wo das Han­deln für je­den be­lie­bi­gen Drit­ten of­fen­kun­dig sei. Ob­jek­tiv sei die Kläge­rin im Übri­gen un­zwei­fel­haft in der La­ge ge­we­sen, die ge­schul­de­te Ar­beits­leis­tung zu er­brin­gen, denn sie ha­be sich we­der in sta­ti­onärer Be­hand­lung be­fun­den noch sei sie bett­krank ge­we­sen. Au­gen­schein­lich sei sie in ih­rer Mo­bi­lität nicht ein­ge­schränkt ge­we­sen. An ih­rem Ar­beits­platz hätte die Kläge­rin we­der Las­ten be­we­gen müssen, noch sei sie Zwangs­hal­tun­gen aus­ge­setzt ge­we­sen. Die Kündi­gung sei
hilfs­wei­se auch als Ver­dachtskündi­gung auf­recht­zu­er­hal­ten. Zwar ha­be sie die Kläge­rin vor Aus­spruch der Kündi­gung nicht an­gehört; dies ha­be aber vor­lie­gend un­ter­blei­ben können. Wie der Schrift­satz der Kläge­rin vom 10.07.2012 be­le­ge, ha­be von vorn­her­ein die Be­reit­schaft ge­fehlt, an der Aufklärung mit­zu­wir­ken. Hin­sicht­lich der Ent­gelt­ansprüche für die Zeit nach dem 28.02.2012 sei die Kläge­rin auf­grund des Be­zu­ges von
Ar­beits­lo­sen­geld nicht ak­tiv le­gi­ti­miert. Et­wai­ge Ansprüche sei­en in Höhe des ge­zahl­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des nach § 115 SGB X auf die Bun­des­agen­tur für Ar­beit über­ge­gan­gen.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 11.01.2013 ent­schie­den:

1. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin durch die frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.02.2012 nicht auf­gelöst wor­den ist.

2. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin auch nicht durch die hilfs­wei­se aus­ge­spro­che­ne frist­ge­rech­te Kündi­gung der Be­klag­ten vom 28.02.2012 auf­gelöst wor­den ist.

3. Es wird fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin durch die wei­te­re frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten vom 05.03.2012 nicht auf­gelöst wor­den ist.

4. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

5. Die Wi­der­kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

6. Von den Kos­ten des Rechts­streits ha­ben....

Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt, so­weit für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren von In­ter­es­se, aus­geführt: Die frist­lo­se Kündi­gung sei un­wirk­sam. Aus dem wech­sel­sei­ti­gen Vor­brin­gen der Par­tei­en er­ge­be sich nicht, dass die Kläge­rin ei­ne Ar­beits­unfähig­keit vor­getäuscht ha­be. Viel­mehr er­ge­be sich aus dem Vor­brin­gen zur Über­zeu­gung des Ge­richts, dass die Kläge­rin zu den in den Be­schei­ni­gun­gen an­ge­ge­be­nen Zei­ten tatsächlich ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen sei. Ei­ner ord­nungs­gemäß aus­ge­stell­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung kom­me ein ho­her Be­weis­wert zu. Der Be­weis­wert der vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen sei durch das Vor­brin­gen der Be­klag­ten nicht erschüttert. Dass die Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen zum Teil vom Haus­arzt aus­ge­stellt sei­en, spre­che nicht ge­gen ih­ren Be­weis­wert. Nach dem nach­voll­zieh­ba­ren Vor­trag der Kläge­rin sei nämlich der Haus­arzt durch die Fachärz­te über den je­wei­li­gen Krank­heits­ver­lauf in­for­miert wor­den. Auch die Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten zu den Be­ob­ach­tun­gen des De­tek­tivs führ­ten nicht zu ei­ner Erschütte­rung des Be­weis­werts der Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung. Die Kläge­rin ha­be nicht an ei­nem Band­schei­ben­vor­fall im Len­den­wir­bel­be­reich ge­lit­ten, wel­cher ein He­ben von Las­ten aus­ge­schlos­sen hätte. Sch­ließlich wer­de der Be­weis­wert der vor­ge­leg­ten Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung durch die wei­ter vor­ge­leg­ten At­tes­te und ärzt­li­chen Erklärun­gen un­ter­mau­ert. Auch die or­dent­li­che Kündi­gung sei we­gen feh­len­der so­zia­ler Recht­fer­ti­gung un­wirk­sam. Aus den ge­nann­ten Gründen sei ein Vortäuschen der Ar­beits­unfähig­keit nicht ge­ge­ben. Die Kündi­gung vom 05.03.2012 sei un­wirk­sam, weil die Be­klag­te den­sel­ben Sach­ver­halt zum An­lass ge­nom­men ha­be, die Kläge­rin ab­zu­mah­nen.

Der An­trag auf Zah­lung ei­nes Schmer­zens­gel­des sei un­be­gründet. Ein An­spruch auf Schmer­zens­geld we­gen Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts set­ze ei­nen schwer­wie­gen­den Ein­griff vor­aus. Wei­ter dürfe die Be­ein­träch­ti­gung nicht in an­de­rer Wei­se be­frie­di­gend aus­ge­gli­chen wer­den können. Das hänge ins­be­son­de­re von der Be­deu­tung und Trag­wei­te des Ein­griffs, fer­ner vom An­lass und Be­weg­grund des Han­delns so­wie vom Grad des Ver­schul­dens ab. Aus dem Vor­brin­gen der Par­tei­en er­ge­be sich zur Über­zeu­gung des Ge­richts nicht, dass die Kläge­rin der­art schwer in ih­rem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ver­letzt wor­den sei, dass nur ei­ne Schmer­zens­geld­zah­lung ei­ne aus­rei­chen­de Wie­der­gut­ma­chung dar­stel­le. Die Be­ob­ach­tun­gen durch die De­tek­tei sei­en aus­sch­ließlich im öffent­li­chen Raum er­folgt. We­der die kon­kre­te Pri­vat­sphäre noch die In­tim­sphäre der Kläge­rin sei­en ver­letzt. Vor die­sem Hin­ter­grund hätte ein Un­ter­las­sungs­an­spruch die Be­ein­träch­ti­gung aus­rei­chend aus­ge­gli­chen.

Die Scha­den­er­satz­for­de­rung, die die Be­klag­te mit der Wi­der­kla­ge im Hin­blick auf den De­tek­tiv­ein­satz ver­fol­ge, sei un­be­gründet. Die Kläge­rin schul­de kei­nen Er­satz der De­tek­tiv­kos­ten, weil sie ei­ner vorsätz­li­chen Pflicht­ver­let­zung nicht überführt wor­den sei. Ein Vortäuschen ei­ner Ar­beits­unfähig­keit sei nicht ge­ge­ben. Im Übri­gen schei­te­re ein Scha­den­er­satz­an­spruch dar­an, dass die De­tek­tiv­kos­ten nicht not­wen­dig er­schie­nen. De­tek­tiv­kos­ten sei­en nur dann als not­wen­dig an­zu­se­hen, wenn im Zeit­punkt der Auf­trags­er­tei­lung be­reits ein kon­kre­ter Ver­dacht ei­ner Pflicht­ver­let­zung sei­tens des Ar­beit­neh­mers be­stan­den ha­be und ei­ne vernünf­ti­ge, wirt­schaft­lich den­ken­de Per­son nach den Umständen des Falls sol­che Auf­wen­dun­gen ge­macht hätte. Der Ge­setz­ge­ber stel­le mit dem Be­gut­ach­tungs­ver­fah­ren nach § 275 SGB V ei­nen ein­fa­che­ren, kostengüns­ti­ge­ren und je­den­falls kom­pe­ten­te­ren Weg zur Be­en­di­gung von Zwei­feln an der Ar­beits­unfähig­keit zur Verfügung als die kos­ten­in­ten­si­ve und im Er­geb­nis in sol­chen Fra­gen stets in­ter­pre­ta­ti­ons­bedürf­ti­ge Be­auf­tra­gung ei­nes De­tek­tivs. Auch vor­lie­gend wäre die Be­gut­ach­tung durch den me­di­zi­ni­schen Dienst nicht nur kostengüns­ti­ger son­dern auch kom­pe­ten­ter ge­we­sen.

Das Ur­teil ist der Kläge­rin am 06.02.2013 zu­ge­stellt wor­den. Die Kläge­rin hat am 06.03.2013 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se am 08.04.2013 (Mon­tag) be­gründet.

Die Kläge­rin wen­det ein, die Be­auf­tra­gung der De­tek­tei durch die Be­klag­te sei in er­heb­li­chem Um­fang rechts­wid­rig ge­we­sen. Ei­ne heim­li­che Vi­deoüber­wa­chung wäre nur un­ter sehr en­gen Vor­aus­set­zun­gen zulässig ge­we­sen. Es hätte ein kon­kre­ter Ver­dacht ei­ner straf­ba­ren Hand­lung vor­lie­gen müssen. Darüber hin­aus hätte die heim­li­che Über­wa­chung die „ul­ti­ma ra­tio" sein müssen; we­ni­ger ein­schnei­den­de an­de­re Mit­tel zur Aufklärung des Ver­dachts hätten beim Ar­beit­ge­ber nicht vor­lie­gen dürfen. Ab­sch­ließend hätte die Maßnah­me auch verhält­nismäßig sein müssen. Sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen sei­en hier nicht erfüllt. We­der ha­be ein kon­kre­ter Ver­dacht ge­gen sie be­stan­den noch sei die Über­wa­chung das letz­te ver­blei­ben­de mögli­che Aufklärungs­mit­tel für die Be­klag­te ge­we­sen. Die Be­klag­te hätte zum ei­nen ein Gespräch mit ihr, der Kläge­rin, führen können. Zum an­de­ren hätte die Be­klag­te den me­di­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­se mit der Über­prüfung der Krank­heit be­auf­tra­gen können. Sämt­li­che „mil­de­ren" Maßnah­men sei­en je­doch nicht von der Be­klag­ten durch­geführt wor­den. Darüber hin­aus sei die Ent­schei­dung für die Über­wa­chung mit­tels ei­nes De­tek­tivs, der zu­dem auch noch Vi­deo­auf­nah­men fer­ti­ge, völlig un­verhält­nismäßig. Die Über­wa­chung sei über ei­nen länge­ren Zeit­raum er­folgt und sehr wohl auch im pri­va­ten Raum durch­geführt wor­den. Sie sei auf ih­ren We­gen, z. B. in ei­nem Wasch­sa­lon, über­wacht und ge­filmt wor­den. Es sei ge­filmt wor­den, wel­che Ge­genstände von ihr ge­wa­schen wor­den sei­en. Es sei auch in ih­re Woh­nung hin­ein ge­filmt wor­den, die Per­so­nen in der Woh­nung sei­en be­ob­ach­tet wor­den. Das Zu­sam­men­tref­fen mit an­de­ren Per­so­nen sei be­ob­ach­tet und bild­lich fest­ge­hal­ten wor­den. Die­ses Ver­hal­ten der Be­klag­ten stell­te ei­nen schwer­wie­gen­den Ein­griff in ih­re Persönlich­keits­rech­te dar. Zu berück­sich­ti­gen sei, dass kein kon­kre­ter Ver­dacht vor­ge­le­gen ha­be und die Be­klag­te auch nicht an­satz­wei­se ver­sucht ha­be, ih­ren – nicht nach­voll­zieh­ba­ren – Ver­dacht ge­gen sie, die Kläge­rin, aus­zuräum­en. Die­ses sei schmer­zens­gel­derhöhend zu berück­sich­ti­gen. Wie be­reits erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen ha­be sie durch die rechts­wid­ri­ge Be­ob­ach­tung durch die De­tek­tei auch er­heb­li­che psy­chi­sche Be­ein­träch­ti­gun­gen er­lit­ten. In der Fol­ge­zeit ha­be sie re­gelmäßig die Befürch­tung ge­habt, be­ob­ach­tet wor­den zu sein. Auch sei­en ih­re Ge­dan­ken im­mer dar­um ge­kreist, was der De­tek­tiv noch al­les in Er­fah­rung ge­bracht ha­ben könn­te und in­wie­weit sie und ih­re Fa­mi­lie von dem De­tek­tiv be­ob­ach­tet wor­den sei­en. Die­ses ha­be zu er­heb­li­chen psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen geführt, so dass sie sich in ärzt­li­che Be­hand­lung be­ge­ben ha­be. Die ärzt­li­che Be­hand­lung ha­be am 11.04.2012 be­gon­nen und ha­be bis zum En­de des Jah­res 2012 ge­dau­ert. Auf­grund des­sen sei die Zah­lung ei­nes Schmer­zens­gel­des in Höhe ei­nes drei­fa­chen Mo­nats­brut­to­ge­hal­tes an­ge­mes­sen und ge­recht­fer­tigt, die­ses in An­leh­nung an die Vor­schrif­ten des AGG. Es wer­de je­doch aus­drück­lich klar­ge­stellt, dass die Höhe des Schmer­zens­gel­des in das Er­mes­sen des Ge­rich­tes ge­stellt sei.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Müns­ter vom 11.01.2013, zu­ge­stellt am 06.02.2013, wird da­hin­ge­hend ab­geändert, dass die Be­klag­te ver­ur­teilt wird, an die Kläge­rin ein Schmer­zens­geld, des­sen Höhe in das Er­mes­sen des er­ken­nen­den Ge­richts ge­stellt wird, nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 12.07.2012 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts. Bei ei­ner Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts be­ste­he ein An­spruch auf Er­satz ide­el­len Scha­dens nur bei ei­ner schwer­wie­gen­den Be­ein­träch­ti­gung. Dies be­ru­he auf dem Ge­dan­ken, dass oh­ne ei­nen sol­chen An­spruch Ver­let­zun­gen der Würde und Eh­re des Men­schen häufig oh­ne Sank­tio­nen blie­ben mit der Fol­ge, dass der Rechts­schutz der Persönlich­keit verkümmern würde. Ob ei­ne der­ar­ti­ge Ver­let­zung vor­lie­ge, die die Zah­lung ei­ner Gel­dentschädi­gung for­de­re, hänge ins­be­son­de­re von der Be­deu­tung und Trag­wei­te des Ein­griffs ab, fer­ner von An­lass und Be­weg­grund des Han­deln­den so­wie vom Grad des Ver­schul­dens. Die­se Rechts­grundsätze ha­be das Ar­beits­ge­richt kor­rekt zu­grun­de ge­legt und an­ge­wandt. Zu berück­sich­ti­gen sei zunächst, dass die Kläge­rin nicht im pri­va­ten Be­reich über­wacht wor­den sei und nicht ein­mal in der So­zi­al­sphäre son­dern le­dig­lich in der Öffent­lich­keits­sphäre. Die Öffent­lich­keits­sphäre ge­he so weit, wie das Ver­hal­ten für be­lie­bi­ge Drit­te of­fen­kun­dig sei. Die Be­haup­tung, es sei in die Woh­nung der Kläge­rin ge­filmt wor­den und es sei­en Per­so­nen in der Woh­nung be­ob­ach­tet wor­den, sei falsch. Die Kläge­rin sei auch nicht über ei­nen länge­ren Zeit­raum be­ob­ach­tet wor­den. Aus­weis­lich des Ob­ser­va­ti­ons­be­rich­tes sei die Kläge­rin am 16. und 17.02. und dann noch ein­mal am 23. und 24.02. zu be­stimm­ten St­un­den des Ta­ges über­wacht wor­den. Be­ob­ach­tet wor­den sei in ers­ter Li­nie das Haus der Kläge­rin und nicht die Kläge­rin selbst als Per­son. Auf­nah­men sei­en über­haupt nur zwei­mal an­ge­fer­tigt wor­den, im We­sent­li­chen be­schränk­ten sich die­se auf die Auf­nah­men im Wasch­sa­lon. Um die Sphäre der Kläge­rin so ge­ring wie möglich zu be­ein­träch­ti­gen, sei die Vi­deoob­ser­va­ti­on nie­man­dem, nicht ein­mal der Be­klag­ten, zugäng­lich ge­macht wor­den. Le­dig­lich das Ar­beits­ge­richt ha­be die CD zwecks In­au­gen­schein­nah­me er­hal­ten. Die Be­auf­tra­gung der De­tek­tei sei aus ih­rer Sicht vor dem Hin­ter­grund der kon­kre­ten Ver­mu­tung er­folgt, dass die Kläge­rin tatsächlich zwar krank­ge­schrie­ben sei, nicht aber wirk­lich ar­beits­unfähig ge­we­sen sei. Es ent­spre­che dem le­gi­ti­men In­ter­es­se ei­nes Ar­beit­ge­bers, im Ver­dachts­fall zu prüfen, ob ei­ne Ar­beits­unfähig­keit tatsächlich vor­lie­ge. Ver­sa­ge man dem Ar­beit­ge­ber die­se Möglich­keit, sin­ne man ihm an, in Zwei­felsfällen aufs Ge­ra­te­wohl die Ent­gelt­fort­zah­lung ein­zu­stel­len und es auf ei­nen Pro­zess an­kom­men zu las­sen. Das könne auch nicht im wohl­ver­stan­de­nen In­ter­es­se des Ar­beit­neh­mers lie­gen. Die Ein­schal­tung des me­di­zi­ni­schen Diens­tes sei in der­ar­ti­gen Fällen we­nig hilf­reich, denn ei­ner der Re­gelfälle von Zwei­feln an der Ar­beits­unfähig­keit nach § 257 SGB V ha­be nicht vor­ge­le­gen. In der münd­li­chen Ver­hand­lung vor der Be­ru­fungs­kam­mer hat der Geschäftsführer der Be­klag­ten ergänzend aus­geführt, er ha­be sei­ner­zeit über­legt, den me­di­zi­ni­schen Dienst ein­zu­scha­len. Von dort ha­be er je­doch die Ant­wort er­hal­ten, man be­kom­me frühes­tens in fünf Wo­chen ei­nen Ter­min für die Über­prüfung. Ein oder zwei Ta­ge später ha­be er dann den De­tek­tiv be­auf­tragt. Der De­tek­tiv ha­be so­fort mit sei­ner Tätig­keit be­gon­nen. Es feh­le hier an ei­ner schwe­ren Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts der Kläge­rin. Es feh­le zu­dem be­reits an der Rechts­wid­rig­keit der Be­ob­ach­tung der Kläge­rin durch ei­nen De­tek­tiv und der Fer­ti­gung ei­ni­ger (we­ni­ger) Vi­deo­se­quen­zen. Denn der be­trof­fe­ne Schutz­be­reich der Öffent­lich­keits­sphäre sei pe­ri­pher tan­giert ge­we­sen. Die Ein­griff­s­in­ten­sität sei so ge­ringfügig ge­we­sen, dass die Kläge­rin sie nicht ein­mal be­merkt ha­be. Ihr – der Be­klag­ten - In­ter­es­se an der Er­mitt­lung rich­ti­ger Tat­sa­chen sei hoch­wer­tig. Zu be­strei­ten sei, dass die Kläge­rin durch die Er­kennt­nis, in der Öffent­lich­keits­sphäre be­ob­ach­tet ge­wor­den zu sein, in der Fol­ge­zeit re­gelmäßig die Befürch­tung ge­habt ha­be, be­ob­ach­tet zu wer­den. Die Be­klag­te be­strei­tet, dass dies zu er­heb­li­chen oder über­haupt zu psy­chi­schen Be­ein­träch­ti­gun­gen der Kläge­rin geführt ha­be mit der Not­wen­dig­keit ärzt­li­cher Be­hand­lung zwi­schen dem 11.04.2012 bis zum En­de des Jah­res 2012. Die Be­klag­te be­strei­tet die Kau­sa­lität. Zu Be­ginn der be­haup­te­ten ärzt­li­chen Be­hand­lung am 11.04.2012 ha­be die Kläge­rin von der Ein­schal­tung ei­nes De­tek­tivs über­haupt nichts ge­wusst. Dass sie be­ob­ach­tet wor­den sei, sei ihr da­ge­gen be­reits seit dem 29.02.2012 be­kannt ge­we­sen. Stel­le man da­ge­gen Kau­sa­lität fest, so wäre schon die Tat­sa­che, über­haupt be­ob­ach­tet wor­den zu sein, die Ur­sa­che, dann feh­le es aber am haf­tungs­recht­li­chen Zu­rech­nungs­zu­sam­men­hang.

Die Kläge­rin re­pli­ziert, ent­ge­gen der Dar­stel­lung der Be­klag­ten sei sie durch­aus auch im pri­va­ten Be­reich über­wacht wor­den. Wie sich dem Ob­ser­va­ti­ons­be­richt ent­neh­men las­se, sei ihr Ehe­mann um­fas­send mit über­wacht wor­den. Darüber hin­aus sei auch ih­re Woh­nung be­ob­ach­tet wor­den. Sie sei so­gar in ih­rem Wohn­zim­mer über­wacht wor­den. Dies er­ge­be sich zum Bei­spiel aus dem Ob­ser­va­ti­ons­be­richt für Don­ners­tag, den 16.02.2012, 17:02 Uhr: „Über­prüfung des Hau­ses. Un­ten rechts im Wohn­zim­mer ist ein sehr großer, ein­ge­schal­te­ter Fern­se­her zu se­hen und das fla­ckern­de Ka­min­feu­er. Ei­ne Per­son kann ich nicht er­ken­nen." (Bl. 82 GA). Für Frei­tag, den 17.02.2012, 13:20 Uhr heiße es: „Ich ge­he zu Fuß am Haus Nr. 18 vor­bei und er­ken­ne die ZP im Haus, mit dem Rücken zum Wohn­zim­mer­fens­ter sit­zen, die ih­re Haar im Na­cken zu ei­nem
`Pfer­de­schwanz´ ge­bun­den hat und ei­nen weißen Roll­kra­gen­pull­over trägt." (Bl. 84 GA). Darüber hin­aus sei­en Te­le­fon­an­ru­fe bei ihr er­folgt. Es sei­en auch die Per­so­nen­be­we­gun­gen im Haus be­ob­ach­tet wor­den. Es sei mit­hin nicht le­dig­lich die „Öffent­lich­keits­sphäre" be­ob­ach­tet wor­den. Sie sei ganz kon­kret in ih­rem häus­li­chen Le­bens­be­reich über­wacht wor­den. Selbst die Wäsche, die sie im Wasch­sa­lon ge­wa­schen ha­be, sei ge­nau be­ob­ach­tet und be­zeich­net wor­den. Aus der Rech­nung der De­tek­tei er­ge­be sich, dass ins­ge­samt 25 Ein­satz­stun­den in Rech­nung ge­stellt wor­den sei­en. Sie sei so­mit über ei­nen er­heb­li­chen Zeit­raum über­wacht und be­ob­ach­tet wor­den. Die Ar­gu­men­ta­ti­on der Be­klag­ten, dass in ers­ter Li­nie das Haus und „nicht sie [die Kläge­rin] selbst als Per­son" be­ob­ach­tet wor­den sei, ent­spre­che nicht den Tat­sa­chen. Sinn der Be­ob­ach­tung sei die Über­prüfung ge­we­sen, ob sie, die Kläge­rin, ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen sei. Es sei al­so um die Über­wa­chung ih­res Ver­hal­tens ge­gan­gen. Es sei zu be­strei­ten, dass die Vi­deoob­ser­va­ti­on nie­man­dem zur Kennt­nis ge­bracht wor­den sei. Un­abhängig da­von sei ei­ne Vi­deoüber­wa­chung un­zulässig und stel­le ei­nen schwe­ren Ein­griff in die Persönlich­keits­rech­te dar. Die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung bei Herrn J1 A1 ha­be am 12.06.2012 be­gon­nen und so­mit nach Kennt­nis der Über­wa­chung durch die Be­klag­te. Die Be­hand­lung daue­re bis zum heu­ti­gen Ta­ge an.

Ent­schei­dungs­gründe

I. Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist an sich statt­haft (§ 64 Abs. 1 ArbGG), nach dem Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des zulässig (§ 64 Abs. 2 Buchst. b) ArbGG) so­wie in ge­setz­li­cher Form und Frist ein­ge­legt (§ 519 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG, § 66 Abs. 1 S.1 ArbGG) und in­ner­halb der ge­setz­li­chen Frist (§ 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG) ord­nungs­gemäß (§ 520 Abs. 3 ZPO i. V. m. § 64 Abs. 6 S. 1 ArbGG) be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung ist hin­sicht­lich ei­nes Be­trags von 1.000,00 € be­gründet. Ent­ge­gen der 62 Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts kann die Kläge­rin ei­ne Entschädi­gung in Höhe von 1.000,00 € be­an­spru­chen, weil sie durch die heim­li­chen Vi­deo­auf­nah­men rechts­wid­rig und schwer­wie­gend in ih­rem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ver­letzt wor­den ist. So­weit die Kläge­rin ei­nen über 1.000,00 € hin­aus­ge­hen­den Be­trag ein­for­dert, bleibt die Be­ru­fung in­des oh­ne Er­folg.

1. Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht hat sei­ne Grund­la­ge in der Gewährung der persönli­chen In­te­grität des Men­schen durch Art. 2 Abs. 1 GG. Aus dem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht folgt ins­be­son­de­re auch das Recht auf in­for­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Grundsätz­lich ent­schei­det der Ein­zel­ne selbst über die Preis­ga­be und Ver­wen­dung persönli­cher Da­ten (ErfK-Schmidt, 13.Aufl. 2013, Art. 2 GG Rn. 36, 45). Das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht ist im Pri­vat­rechts­ver­kehr und da­mit auch im Ar­beits­verhält­nis zu be­ach­ten (BAG 27.03.2003 AP Be­trVG 1972 § 87 Über­wa­chung Nr. 36 = NJW 2003, 3436). Bei rechts­wid­ri­ger Ver­let­zung des all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts kann der Be­trof­fe­ne ei­ne Gel­dentschädi­gung für im­ma­te­ri­el­le Schäden be­an­spru­chen, wenn es sich um ei­ne schwer­wie­gen­de Ver­let­zung han­delt und die Be­ein­träch­ti­gung nach Art der Ver­let­zung nicht in an­de­rer Wei­se – et­wa Ge­nug­tu­ung durch Un­ter­las­sen, Ge­gen­dar­stel­lung oder Wi­der­ruf – be­frie­di­gend aus­ge­gli­chen wer­den kann. Bei der Be­mes­sung der Gel­dentschädi­gung sind die Ge­sichts­punk­te der Ge­nug­tu­ung des Op­fers, der Präven­ti­ons­ge­dan­ke und die In­ten­sität der Persönlich­keits­rechts­ver­let­zung Be­mes­sungs­fak­to­ren (BGH 05.10.2004 NJW 2005, 215; BAG 27.03.2003 AP Be­trVG 1972 § 87 Über­wa­chung Nr. 36 = NJW 2003, 3436; Pa­landt-Sprau, BGB, 72.Aufl. 2013, § 823 BGB Rn. 124; ErfK-Preis, 13. Aufl. 2013, §619 a BGB Rn. 71). Der An­spruch er­gibt sich auf­grund des Schutz­auf­trags von Art.1, Art. 2 GG un­mit­tel­bar aus § 823 BGB (BGH 05.10.2004 NJW 2005, 215; Pa­landt-Sprau, aaO).

2. Die Vi­deo­auf­zeich­nun­gen im Rah­men der Kran­ken­kon­trol­le wur­den rechts­wid­rig er­stellt.

a) Die Rechts­wid­rig­keit er­gibt sich al­ler­dings nicht be­reits al­lein aus der Heim­lich­keit der Auf­zeich­nun­gen. Zwar schreibt § 6 b Abs. 2 BDSG vor, dass ei­ne Vi­deoüber­wa­chung öffent­lich zugäng­li­cher Räume gemäß § 6 b Abs. 1 BDSG durch ge­eig­ne­te Maßnah­men er­kenn­bar zu ma­chen ist. Auch er­folg­ten die streit­ge­genständ­li­chen Vi­deo­auf­nah­men un­strei­tig im öffent­li­chen Raum und oh­ne ei­ne sol­che Kennt­lich­ma­chung. Je­doch ist mit
der Recht­spre­chung des BAG da­von aus­zu­ge­hen, dass ei­ne ver­deck­te Vi­deoüber­wa­chung im öffent­li­chen Raum auch oh­ne Kennt­lich­ma­chung dann zulässig ist, wenn die ver­deck­te Über­wa­chung das ein­zi­ge zur Verfügung ste­hen­de Mit­tel zur Überführung von Ar­beit­neh­mern ist, die der Be­ge­hung von Straf­ta­ten kon­kret verdäch­tig sind (BAG 21.06.2012 Rn. 39 - AP KSchG 1969 § 1 Ver­hal­tens­be­ding­te Kündi­gung Nr. 66 = NZA 2012,1025; HWK-Lembke, 5. Aufl. 2012, BDSG Vorb. Rn. 108).

b) Die Rechts­wid­rig­keit folgt je­doch aus § 32 Abs. 1 BDSG.

aa) An­ders als im so­eben zi­tier­ten Fall des BAG, bei dem ein Ge­sche­hen aus An­fang 2009 zu be­ur­tei­len war (BAG aaO), ist hier der Prüfungs­maßstab des seit dem 01.09.2009 gel­ten­den § 32 BDSG als der maßgeb­li­chen Norm des Ar­beit­neh­mer­da­ten­schut­zes her­an­zu­zie­hen (lex spe­cia­lis für Da­ten­er­he­bun­gen „für Zwe­cke des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses", Si­mi­tis-Sei­fert, BDSG 7. Aufl. 2011, § 32 BDSG Rn. 17). § 32 Abs. 1 Satz 1 BDSG re­gelt die Zulässig­keits­vor­aus­set­zun­gen der Da­ten­er­he­bung, - ver­ar­bei­tung und – nut­zung im Ar­beits­verhält­nis. So­weit der Ar­beit­ge­ber – wie hier – im Kon­text des Ar­beits­verhält­nis­ses Da­ten des Beschäftig­ten auf­zeich­net und nutzt, ist § 32 BDSG vor­ran­gig ge­genüber der all­ge­mei­ne­ren Re­ge­lung des § 28 BDSG (Pötters/Traut, Vi­deoüber­wa­chung im Ar­beits­verhält­nis, RDV 2013,132, 133; Si­mi­tis-Sei­fert, BDSG 7. Aufl. 2011, § 32 BDSG Rn. 17). Nach § 32 Abs. 2 BDSG ist der Abs. 1 des § 32 BDSG auch dann an­zu­wen­den, wenn per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, oh­ne dass sie au­to­ma­ti­siert ver­ar­bei­tet oder in oder aus ei­ner nicht au­to­ma­ti­sier­ten Da­tei ver­ar­bei­tet, ge­nutzt oder für die Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung in ei­ner sol­chen Da­tei er­ho­ben wer­den. § 32 Abs. 1 BDSG enthält zwei Er­laub­nistat­bestände für die Da­ten­er­he­bung und ih­re Ver­ar­bei­tung und Nut­zung im Ar­beits­verhält­nis. Nach § 32 Abs. 1 Satz 1 BDSG dürfen per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten ei­nes Beschäftig­ten für Zwe­cke des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, wenn dies für die Ent­schei­dung über die Be­gründung ei­nes Beschäftig­ten­verhält­nis­ses oder nach Be­gründung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses für des­sen Durchführung oder Be­en­di­gung er­for­der­lich ist. Zur Auf­de­ckung von Straf­ta­ten dürfen nach § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG per­so­nen­be­zo­ge­ne Da­ten nur dann er­ho­ben, ver­ar­bei­tet oder ge­nutzt wer­den, wenn zu do­ku­men­tie­ren­de tatsächli­che An­halts­punk­te den Ver­dacht be­gründen, dass der Be­trof­fe­ne im Beschäfti­gungs­verhält­nis Straf­ta­ten be­gan­gen hat. Oh­ne Vor­lie­gen kon­kre­ter Ver­dachts­mo­men­te darf der Ar­beit­ge­ber den Beschäftig­ten kei­nen ent­spre­chen­den Kon­trol­len un­ter­zie­hen (Si­mi­tis-Sei­fert, BDSG 7. Aufl. 2011, § 32 BDSG Rn. 101). Er­for­der­lich sind tatsächli­che An­halts­punk­te im Sin­ne ei­nes An­fangs­ver­dachts oder ei­ner ho­hen Wahr­schein­lich­keit ei­ner Tat­be­ge­hung (Si­mi­tis-Sei­fert, BDSG, 7.Aufl. 2011 § 32 BDSG Rn.104). Es fin­det sich auch die Auf­fas­sung, der Ver­dachts­grad müsse an der Schwel­le des Tat­sa­chen­be­wei­ses lie­gen (Däubler-Wed­de, BDSG, 3. Aufl. 2010, § 32 BDSG Rn. 129 un­ter Hin­weis auf BT-Druck­sa­che 16/13657 S. 24). § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG for­dert als wei­te­re Vor­aus­set­zung für ein sol­ches Vor­ge­hen, dass die Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung zur Auf­de­ckung er­for­der­lich ist und das schutzwürdi­ge In­ter­es­se des Beschäftig­ten an dem Aus­schluss der Er­he­bung, Ver­ar­bei­tung oder Nut­zung nicht über­wiegt, ins­be­son­de­re Art und Aus­maß im Hin­blick auf den An­lass nicht un­verhält­nismäßig sind. Da­bei ist an­er­kannt, dass Bild­auf­nah­men und ins­be­son­de­re Vi­deo­auf­zeich­nun­gen von Per­so­nen ei­nen schwer­wie­gen­de­ren Ein­griff be­inhal­ten als ei­ne ein­fa­che Ob­ser­va­ti­on, weil Bil­der die äußere Er­schei­nung „kon­ser­vie­ren" (Fri­cke, Der De­tek­tiv als In­for­mant des Ver­si­che­rers – Zulässig­keit und Gren­zen, VersR 2010,308,310 mwN).

bb) Die heim­li­che Be­ob­ach­tung der Kläge­rin durch ei­nen De­tek­tiv zur Kran­ken­kon­trol­le mit heim­li­cher Fer­ti­gung von Vi­deo­auf­nah­men ist nicht durch § 32 BDSG ge­deckt. Die Ob­ser­va­ti­on war hier nicht zu präven­ti­ven Zwe­cken im Rah­men der Be­gründung, Durchführung oder Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses er­for­der­lich. Die Über­wa­chung er­folg­te zum re­pres­si­ven Zweck, ein (ver­mu­te­tes) Fehl­ver­hal­ten der Kläge­rin im Zu­sam­men­hang mit der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit auf­zu­de­cken. Da­ten­er­he­bun­gen zu re­pres­si­ven Zwe­cken sind an § 32 Abs. 1 Satz 2 BDSG zu mes­sen (Pötters/Traut, Vi­deoüber­wa­chung im Ar­beits­verhält­nis, RDV 2013,132, 133, 136, 138). Des­sen Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Zwar ist es rich­tig, dass ein ge­sun­der Ar­beit­neh­mer, der ei­ne krank­heits­be­ding­te Ar­beits­unfähig­keit vortäuscht und sich so un­be­rech­tigt die Ent­gelt­fort­zah­lung im Krank­heits­fall si­chert, den Straf­tat­be­stand des Be­tru­ges nach § 263 StGB ver­wirk­licht. Die Kläge­rin war je­doch ei­ner sol­chen Straf­tat nicht hin­rei­chend verdäch­tig. Un­strei­tig war der Kläge­rin für die Ta­ge des Be­ob­ach­tungs­zeit­raums vom Arzt Ar­beits­unfähig­keit be­schei­nigt. Die ärzt­li­che Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung ist das ge­setz­lich vor­ge­se­he­ne Nach­weis­mit­tel, mit dem der Ar­beit­neh­mer sei­nem Ar­beit­ge­ber die Ar­beits­unfähig­keit und de­ren Dau­er nach­weist. Der ärzt­li­chen Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung kommt ein ho­her Be­weis­wert zu (BAG 26.03.2003 AP Ent­geltFG § 5 Nr. 8). Die aus der ärzt­li­chen Be­schei­ni­gung fol­gen­de tatsächli­che Ver­mu­tung für das Be­ste­hen ei­ner krank­heits­be­ding­ten Ar­beits­unfähig­keit kann der Ar­beit­ge­ber durch das Vor­brin­gen ent­ge­gen­ste­hen­der Tat­sa­chen erschüttern. Vor­aus­set­zung dafür sind al­ler­dings Tat­sa­chen, die ernst­haf­te Zwei­fel be­gründen. Ernst­haf­te Zwei­fel können sich et­wa dann er­ge­ben, wenn der Ar­beit­neh­mer im Rah­men ei­ner Aus­ein­an­der­set­zung am Ar­beits­platz oder nach ei­nem Streit um Ur­laubs­gewährung ei­ne nach­fol­gen­de Ar­beits­unfähig­keit an­gekündigt hat oder wenn der Ar­beit­neh­mer während der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit Tätig­kei­ten nach­geht, die mit der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit nicht ver­ein­bar er­schei­nen, z.B. die schicht­wei­se Ver­rich­tung ei­ner Ne­bentätig­keit. Ernst­haf­te Zwei­fel können sich auch er­ge­ben, wenn der Ar­beit­neh­mer wi­dersprüchli­che An­ga­ben zu sei­ner Ar­beits­unfähig­keit macht oder wenn er ei­ner Auf­for­de­rung zu ei­ner Be­gut­ach­tung durch den me­di­zi­ni­schen Dienst der Kran­ken­kas­se nicht nach­kommt. Sol­che ernst­haf­ten Zwei­fel an der ärzt­lich be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit sind hier nicht be­gründet. Er­eig­nis­se der so­eben ge­schil­der­ten Art hat es hier nicht ge­ge­ben. Zwar gab es Kon­flik­te im Ar­beits­verhält­nis. Die Kläge­rin hat­te im De­zem­ber ei­ne Wei­sung des Geschäftsführers zur Vor­la­ge von Do­ku­men­ten nicht zur Zu­frie­den­heit des Geschäftsführers er­le­digt und den Geschäftsführer da­mit of­fen­kun­dig verärgert. Auch sah sich der Geschäftsführer der Be­klag­ten enttäuscht, dass die sei­ner­zeit krank­ge­schrie­be­ne Kläge­rin während sei­nes Ur­laubs zu Jah­res­be­ginn nicht im Büro vor­bei­ge­schaut hat­te, wie sie es zunächst trotz ih­rer Er­kran­kung als gleich­wohl möglich in Aus­sicht ge­stellt hat­te. Die­se Ge­sichts­punk­te ste­hen je­doch nicht im Zu­sam­men­hang mit der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit und be­gründen des­halb kei­ne ernst­haf­ten Zwei­fel an der ärzt­lich be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit. Der wei­te­re Um­stand, dass die Kläge­rin zunächst mit Erst- und Fol­ge­be­schei­ni­gun­gen von ih­rem Haus­arzt Dr. G1 für den Zeit­raum vom 27.12.2011 bis zum 03.02.2012 krank­ge­schrie­ben wor­den ist und dann ab dem 31.01.2012 bis zum 28.02.2012 von der Fachärz­tin G2, erschüttert den Be­weis­wert der ins­ge­samt sechs Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gun­gen nicht. Dies ist kein un­gewöhn­li­cher Ver­lauf, der Zwei­fel an der ärzt­lich be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit be­gründen könn­te, wie es viel­leicht bei häufi­gen kurz­fris­ti­gen Krank­schrei­bun­gen durch ver­schie­de­ne Ärz­te der Fall sein kann („Ärz­tehop­ping"). Sons­ti­ge An­halts­punk­te, die ge­gen das Vor­lie­gen von Ar­beits­unfähig­keit spre­chen, sind nicht er­sicht­lich. We­der hat die Kläge­rin vor Be­ginn der Krank­schrei­bung und zu ei­nem Zeit­punkt be­ste­hen­der Ar­beitsfähig­keit ei­ne zukünf­ti­ge Ar­beits­unfähig­keit an­gekündigt noch hat die Kläge­rin sich während der be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit in ei­ner Wei­se ver­hal­ten, die mit der ärzt­lich be­schei­nig­ten Ar­beits­unfähig­keit nicht zu ver­ein­ba­ren wäre, ins­be­son­de­re ist sie nicht schicht­wei­se ei­ner Ne­bentätig­keit nach­ge­gan­gen. Al­lein die Er­kran­kung „Band­schei­ben­vor­fall" be­gründet kei­nen (ge­ne­rel­len) Zwei­fel an der Rich­tig­keit der ärzt­li­chen Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung, eben­so we­nig der Um­stand, dass nicht be­reits En­de De­zem­ber 2011 die Dia­gno­se „Band­schei­ben­vor­fall" ge­stellt wor­den war. Im Er­geb­nis be­ste­hen kei­ne tatsächli­chen An­halts­punk­te für ei­nen be­gründe­ten Ver­dacht, dass die Kläge­rin trotz ärzt­li­cher Ar­beits­unfähig­keits­be­schei­ni­gung in Wahr­heit nicht ar­beits­unfähig er­krankt ge­we­sen wäre.

3. Durch die von der Be­klag­ten in Auf­trag ge­ge­be­ne Über­wa­chung ist die Kläge­rin in ih­rem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ver­letzt wor­den. Die rechts­wid­ri­ge heim­li­che Vi­deoüber­wa­chung ei­nes Ar­beit­neh­mers durch den Ar­beit­ge­ber stellt ei­nen Ein­griff in das all­ge­mei­ne Persönlich­keits­recht dar (BAG 27.03.2003 AP Be­trVG 1972 § 87 Über­wa­chung Nr. 36 = NJW 2003, 3436; Hess LAG 14.07.2010 – 6 Sa 1587/09 und 25.10.2010 – 7 Sa 1586/09 -; HWK-Lembke, Ar­beits­recht Kom­men­tar, 5. Aufl. 2012, Vorb. BDSG Rn. 108). Ei­ne Vi­deoüber­wa­chung weist ei­ne ho­he Ein­griff­s­in­ten­sität auf, die durch die Heim­lich­keit noch wei­ter erhöht wird (Pötters/Traut, Vi­deoüber­wa­chung im Ar­beits­verhält­nis, RDV 2013,132, 135). Die Rechts­ver­let­zung hat mit den heim­li­chen Vi­deo­auf­zeich­nun­gen im pri­va­ten Le­bens­be­reich der Kläge­rin die Gren­ze zur entschädi­gungs­pflich­ti­gen Persönlich­keits­ver­let­zung über­schrit­ten. Die Über­wa­chung hat ei­ne In­ten­sität er­reicht, die nicht in an­de­rer Wei­se – et­wa Ge­nug­tu­ung durch Un­ter­las­sen, Ge­gen­dar­stel­lung oder Wi­der­ruf – be­frie­di­gend aus­ge­gli­chen wer­den kann. Da­bei hat die Kam­mer berück­sich­tigt, dass nicht nur die Kran­ken­kon­trol­le als sol­che nicht durch § 32 BDSG ge­deckt war son­dern dass er­schwe­rend hin­zu­tritt, dass das gewähl­te Mit­tel heim­li­cher Vi­deo­auf­zeich­nung auch un­abhängig da­von die Gren­ze der Er­for­der­lich­keit über­schrei­tet, al­so auch in ei­nem Fall ge­recht­fer­tig­ter Kran­ken­kon­trol­le un­verhält­nismäßig wäre. Es hätte auch bei ei­ner ge­recht­fer­tig­ten Kran­ken­kon­trol­le aus­ge­reicht, ei­nen Ob­ser­va­ti­ons­be­richt zu er­stel­len und den De­tek­tiv ggf. als Zeu­gen zu be­nen­nen. Zu­tref­fend weist das Ar­beits­ge­richt dar­auf hin, dass die De­tek­tivüber­wa­chung im
Kon­flikt­fall die Ein­ho­lung me­di­zi­ni­schen Sach­ver­stan­des re­gelmäßig nicht er­set­zen kann.Ob sich die Be­klag­te nicht oh­ne­hin vor­ran­gig auf ei­ne Ein­schal­tung des me­di­zi­ni­schen Diens­tes nach § 257 SGB V hätte ver­wei­sen las­sen müssen, ist im vor­lie­gen­den Kon­text nicht aus­schlag­ge­bend. Es kam des­halb nicht ent­schei­dungs­er­heb­lich auf die Be­haup­tung der Be­klag­ten an, der me­di­zi­ni­sche Dienst ha­be im Fe­bru­ar 2012 ei­nen Ter­min für ei­ne Über­prüfung in frühes­tens fünf Wo­chen in Aus­sicht ge­stellt.

4. Der An­spruch auf Entschädi­gung rich­tet sich ge­gen die Be­klag­te. Die Be­klag­te hat 70 rechts­ver­let­zen­de Hand­lun­gen vor­ge­nom­men. Die Be­klag­te hat die rechts­wid­ri­ge Da­ten­er­he­bung durch Be­auf­tra­gung des De­tek­tivs ver­an­lasst. Sie hat die rechts­wid­rig er­ho­be­nen Da­ten ver­ar­bei­tet und ge­nutzt, in­dem sie den Ob­ser­va­ti­ons­be­richt zur Grund­la­ge ih­rer Kündi­gungs­ent­schei­dung ge­macht hat, den Ob­ser­va­ti­ons­be­richt nach­ste­hend dem Ar­beits­ge­richt im Kündi­gungs­schutz­pro­zess zur Recht­fer­ti­gung der Kündi­gung vor­ge­legt hat und den Be­weis­an­trag ge­stellt hat, die DVD-Auf­nah­me in Au­gen­schein zu neh­men

5. Bei der Be­mes­sung der Gel­dentschädi­gung hat die Kam­mer die nach­ste­hen­den Umstände berück­sich­tigt: Be­reits die Kran­ken­kon­trol­le durch ei­ne mehrtägi­ge Über­wa­chung durch ei­nen De­tek­tiv war nicht durch ei­nen tragfähi­gen Ver­dacht ge­recht­fer­tigt. In­ten­si­viert wor­den ist die Be­ein­träch­ti­gung da­durch, dass der De­tek­tiv die Kläge­rin nicht nur be­ob­ach­tet hat son­dern von ihr darüber hin­aus in Si­tua­tio­nen, de­nen er be­son­de­re Be­deu­tung bei­maß, heim­li­che Vi­deo­auf­nah­men ge­macht hat. Auf der an­de­ren Sei­te be­tref­fen die Bild­auf­zeich­nun­gen nicht die In­tim- oder Pri­vat­sphäre der Kläge­rin son­dern be­schränken sich auf Ge­scheh­nis­se in der Öffent­lich­keits­sphäre, wel­che durch ih­re Of­fen­kun­dig­keit für be­lie­bi­ge Drit­te ge­kenn­zeich­net ist (zu die­ser Dif­fe­ren­zie­rung: Fri­cke, Der De­tek­tiv als In­for­mant des Ver­si­che­rers – Zulässig­keit und Gren­zen, VersR 2010,308, 309 mwN). Wei­ter war von Be­deu­tung, dass die Auf­zeich­nun­gen nicht an be­lie­bi­ge an­de­re Per­so­nen wei­ter­ge­ge­ben wor­den sind. Un­wi­der­legt hat der De­tek­tiv die Vi­deo­auf­zeich­nun­gen ver­trau­lich auf­be­wahrt. Erst nach ent­spre­chen­dem An­trag der Be­klag­ten und ge­richt­li­cher Auf­for­de­rung hat der De­tek­tiv die Auf­zeich­nun­gen zur Ge­richts­ak­te über­mit­telt. Al­ler­dings hat der De­tek­tiv Auszüge aus den Vi­deo­kon­se­quen­zen, die er für be­son­ders aus­sa­ge­kräftig hielt, be­reits zu­vor in den für den Ar­beit­ge­ber er­stell­ten Ob­ser­va­ti­ons­be­richt ein­ge­stellt. Auch hat die Be­klag­te dem Ar­beits­ge­richt die Vi­deo­se­quen­zen im Kündi­gungs­schutz­pro­zess als Be­weis­mit­tel präsen­tiert. Bei dem Hin­weis auf die psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Be­hand­lung der Kläge­rin war zu berück­sich­ti­gen, dass der Psy­cho­the­ra­peut die The­ra­pie­bedürf­tig­keit auf ei­ne star­ke be­ruf­li­che Be­las­tung und auf die krank­heits­be­ding­te Kündi­gung in­fol­ge ei­nes Band­schei­ben­vor­falls und ei­ner vor­aus­ge­gan­ge­nen Ob­ser­va­ti­on zurückführt. An­ge­sichts der mul­tik­au­sa­len Ver­ur­sa­chung ist der Be­trag von 1.000,00 € an­ge­mes­sen.

III. Die Kos­ten­ent­schei­dung fußt auf § 92 Abs. 1 Satz 1 ZPO. We­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der Rechts­sa­che hat die Kam­mer die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen, § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG.

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