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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Sozialplanabfindung, AGG
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 26 Sa 1632/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.12.2010
   
Leit­sätze:

1. Das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ist ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts, der nun­mehr in Art. 21 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on nie­der­ge­legt ist. Er ist in den Rang ei­nes Primärrechts er­ho­ben wor­den, das un­abhängig von ei­ner na­tio­na­len Um­set­zung auch im Verhält­nis zwi­schen Pri­va­ten von den Ge­rich­ten un­mit­tel­bar an­zu­wen­den ist (vgl. EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 – C-555/07 - [Kücükde­ve­ci] AP Nr. 14 zu Richt­li­nie 2000/78/EG = NZA 2010, 85 = EzA Richt­li­nie 2000/78 EG-Ver­trag 1999 Nr. 14, zu Rn. 21 f. der Gründe). Ob die­ses Ver­bot ver­letzt wor­den ist, ließ sich an­ge­sichts sei­ner Un­be­stimmt­heit bis zum In­kraft­tre­ten des AGG nur am Maßstab der es kon­kre­ti­sie­ren­den Richt­li­nie
2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (RL 2000/78/EG ABl. EG Nr. L 303 vom 2. De­zem­ber 2000 S. 16) fest­stel­len. Seit dem 18. Au­gust 2006 ist ei­ne Ver­let­zung des Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung an­hand des die­se Richt­li­nie in na­tio­na­les Recht um­set­zen­den AGG zu prüfen (vgl. BAG 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - NZA 2010, 561 = EzA § 10 AGG Nr. 3, zu Rn. 17 der Gründe).

2. Die hier vor­ge­nom­me­ne Be­gren­zung der So­zi­al­plan­ansprüche durch den Höchst­be­trag von 180.000 Eu­ro in Nr. III 3 des So­zi­al­plans stellt als sol­che kei­ne Be­nach­tei­li­gung iSd. des § 3 AGG dar, we­der ei­ne un­mit­tel­ba­re noch ei­ne mit­tel­ba­re. Die Möglich­keit der zusätz­li­chen Berück­sich­ti­gung des Le­bens­al­ters bei der Be­rech­nung des So­zi­al­plan­an­spruchs ist all­ge­mein an­er­kannt (vgl. zB. BAG 2. Ok­to­ber 2007 – 1 AZN 793/07 – AP Nr. 52 zu § 75 Be­trVG 2001 Nr. 6 = EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 626, zu Rn. 8 der Gründe). Glei­ches gilt für Höchst­be­trags­re­ge­lun­gen. Sol­che Re­ge­lun­gen führen ei­ner­seits da­zu, dass älte­re Be­leg­schafts­mit­glie­der, zu de­nen der Kläger gehört, ge­genüber jünge­ren be­vor­zugt wer­den. Die an­ge­grif­fe­ne Höchst­be­trags­re­ge­lung als sol­che führt nicht zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung. Viel­mehr trägt sie der vor­he­ri­gen über­pro­por­tio­na­len Stei­ge­rung der Ab­fin­dung Rech­nung und be­grenzt die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung jünge­rer und älte­rer Be­leg­schafts­mit­glie­der wie­der.

3. Ob die nicht für den Kläger maßgeb­li­che Re­ge­lung für die Grup­pe der über 57-jähri­gen (plus sechs Mo­na­te) bei Berück­sich­ti­gung der in der Ent­schei­dung des EuGH vom 12. Ok­to­ber 2010 (C-499/08 – [An­der­sen] NZA 2010, 1341) auf­ge­zeig­ten
Gren­ze wirk­sam ist oder nicht, konn­te da­hin­ste­hen, da sich das Er­geb­nis ei­ner sol­chen Prüfung nicht zu­guns­ten des Klägers hätte aus­wir­ken können.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Berlin, Urteil vom 03.06.2010, 54 Ca 8758/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
26 Sa 1632/10

54 Ca 8758/09
Ar­beits­ge­richt Ber­lin

Verkündet

am 09.12.2010

M. VA
als Ur­kunds­be­am­ter/in
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In Sa­chen

pp


 

 

 


 


hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 26. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 9. De­zem­ber 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt K. als Vor­sit­zen­den
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter V. und Z.
für Recht er­kannt:


1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom
03.06.2010 – 54 Ca 8758/09 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

2. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

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Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung.

Der 1953 ge­bo­re­ne schwer­be­hin­der­te Kläger war bei der Be­klag­ten von 1974 bis zum 31. De­zem­ber 2009 beschäftigt. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te ein­ver­nehm­lich anläss­lich ei­ner Be­triebsände­rung. In dem in die­sem Zu­sam­men­hang ge­schlos­se­ne So­zi­al­plan heißt es ua.:

„III. Ab­fin­dungs­re­ge­lung
1. …
2. Ab­fin­dungs­for­mel und Zu­schläge
2.1 Es wird ei­ne Ab­fin­dung nach fol­gen­der Be­rech­nung gewährt:
Brut­to­mo­nats­ge­halt x Be­triebs­zu­gehörig­keit x Le­bens­jah­re
27,9
zuzüglich So­ckel­ab­fin­dung in Höhe von EUR 5.000,-
2.2 …
2.3 Schwer­be­hin­der­te und ih­nen Gleich­ge­stell­te er­hal­ten ei­nen Zu­schlag in Höhe von EUR 5.000,00…
3. Höchst­be­trag der Ab­fin­dung
Der Höchst­be­trag der Ab­fin­dungs­zah­lung ein­sch­ließlich Zu­schläge beläuft sich auf EUR 180.000,00 brut­to.
IV. Re­ge­lung für ren­ten­na­he Jahrgänge
1. Ar­beit­neh­mer, die am 31. Ja­nu­ar 2009 das 57. Le­bens­jahr + 6 Mo­na­te voll­endet ha­ben und die
- ent­we­der nach Ab­lauf der in­di­vi­du­el­len Kündi­gungs­frist oder ei­nem Wech­sel in die Trans­fer­ge­sell­schaft (TG) für ma­xi­mal 12 Mo­na­te und ggf.
- dem an­sch­ließen­den Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld I (ALG I) für die ma­xi­ma­le Dau­er (der­zeit 24 Mo­na­te)
frühestmöglich ei­ne vor­ge­zo­ge­ne Al­ters­ren­te aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung be­zie­hen können, ha­ben kei­nen An­spruch auf Ab­fin­dungs­zah­lun­gen nach Ziff. III…“

Die Re­ge­lung un­ter Nr. 2 des So­zi­al­plans hätte zu ei­nem Ab­fin­dungs­be­trag in Höhe von 300.863,26 Eu­ro geführt. Im Hin­blick auf Nr. 3 des So­zi­al­plans zahl­te die Be­klag­te an den Kläger 180.000 Eu­ro aus.
Mit sei­ner Kla­ge hat der Kläger die Dif­fe­renz zur un­gekürz­ten Ba­sis­ab­fin­dung ver­langt. Der Kläger hat die An­sicht ver­tre­ten, die Fest­le­gung der Höchst­be­trags­gren­ze stel­le ei­ne un­zulässi­ge Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung dar. Sie erfülle nicht die An­for­de­run­gen des Art. 2 der Richt­li­nie 2000/78/EG und stel­le ei­nen Ver­s­toß ge­gen §§ 3, 10 AGG und § 75 Be­trVG dar. Die Kap­pung führe ins­be­son­de­re an­ge­sichts des Fak­tors „Le­bens­jah­re“ zu ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Al­ters. Nur be­son­ders lang ge­dien­te al­te Be­leg­schafts­mit­glie­der sei­en von der Kap­pungs­gren­ze be­trof­fen. Ein die Un­gleich­be­hand­lung recht­fer­ti­gen­der Zu­sam­men­hang mit der Al­ters­ren­te las­se sich in­so­weit nicht her­stel­len, da es hierfür im So­zi­al­plan ei­ne Son­der­re­ge­lung ge­be. Es ge­be auch sonst kei­ne Recht­fer­ti­gung.

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Der Kläger hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn ei­ne wei­te­re Ab­fin­dung in Höhe von 120.863,26 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 19. März 2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Von der Höchst­be­gren­zung sei­en zwar mehr älte­re als jünge­re Ar­beit­neh­mer be­trof­fen. Al­le würden aber gleich­be­han­delt. Sinn und Zweck der Ab­fin­dung sei ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on. Die Kap­pung die­ne der Ver­tei­lungs­ge­rech­tig­keit und der Ver­mei­dung ei­ner über­pro­por­tio­na­len Begüns­ti­gung der Beschäftig­ten mit langjähri­gen Be­triebs­zu­gehörig­keits­zei­ten. Der Höchst­gren­ze ha­be die Einschätzung der Be­triebs­part­ner zu­grun­de ge­le­gen, dass die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le der be­trof­fe­nen Be­leg­schafts­mit­glie­der bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tungs­wei­se mit dem Höchst­be­trag an­ge­mes­sen aus­ge­gli­chen, je­den­falls aber sub­stan­ti­ell ab­ge­mil­dert würden.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen und das un­ter An­wen­dung der durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt auf­ge­stell­ten Grundsätze zu Kap­pungs­re­ge­lun­gen in So­zi­alplänen be­gründet, wo­nach die Be­triebs­part­ner ei­ne über­pro­por­tio­na­le Begüns­ti­gung von Beschäftig­ten mit lan­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit und/oder höhe­ren Le­bens­al­ters durch ei­ne Höchst­be­gren­zung zurückführen können, um al­len be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne mit dem Zweck der So­zi­al­plan­ab­fin­dung in Ein­klang ste­hen­de ver­tei­lungs­ge­rech­te Ab­mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­ner Be­triebsände­rung zu­kom­men zu las­sen. Hier ergäben sich schon an­ge­sichts des recht ho­hen Höchst­be­trags kei­ne Be­den­ken. Die Höchst­be­trags­klau­sel be­nach­tei­li­ge älte­re Ar­beit­neh­mer im Übri­gen schon nicht. Sie be­gren­ze viel­mehr de­ren mit der Al­ters­staf­fe­lung ver­bun­de­ne Be­vor­zu­gung. Die Be­triebs­part­ner hätten ih­ren Ge­stal­tungs­spiel­raum da­bei nicht über­schrit­ten. Aus die­sem Grund ver­s­toße die Kap­pungs­gren­ze auch nicht ge­gen § 75 Abs. 1 Be­trVG.

Der Kläger hat ge­gen das ihm am 29. Ju­ni 2010 zu­ge­stell­te Ur­teil am 28. Ju­li 2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se – nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 30. Sep­tem­ber 2010 - mit ei­nem am 28. Sep­tem­ber 2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Zur Be­gründung wie­der­holt und ver­tieft er in Aus­ein­an­der­set­zung mit der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung im We­sent­li­chen sei­nen erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Die durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fälle hätten sich auf ei­nen Zeit­raum vor Ab­lauf der Um­set­zungs­frist der RL 2000/78/EG und vor In­kraft­tre­ten des AGG be­zo­gen. Es ha­be sich so­mit nicht um staat­li­che Maßnah­men zu de­ren Um­set­zung ge­han­delt.

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Die Kap­pungs­re­ge­lung ver­s­toße so­wohl ge­gen §§ 7, 3, 10 AGG als auch ge­gen § 75 Abs. 1 Be­trVG. An­ge­sichts der Mul­ti­pli­ka­ti­on von Le­bens­al­ter und Be­triebs­zu­gehörig­keit wer­de das Le­bens­al­ter dop­pelt berück­sich­tigt. Auch die hoch an­ge­setz­te Kap­pungs­gren­ze spre­che dafür, dass al­lein älte­re und langjähri­ge Beschäftig­te durch die Höchst­be­trags­klau­sel hätten be­nach­tei­ligt wer­den sol­len. Den durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ent­schie­de­nen Fällen ha­be die Be­rech­nungs­for­mel „mo­nat­li­cher Brut­to­ver­dienst x Be­triebs­zu­gehörig­keit x 1,0“ zu­grun­de ge­le­gen. In die­sen Fällen sei das Kri­te­ri­um Al­ter nicht dop­pelt berück­sich­tigt wor­den. Ei­ne sach­li­che Recht­fer­ti­gung der Un­gleich­be­hand­lung ge­be es hier nicht, weil der Kläger ge­ra­de nicht zu der Grup­pe der „ren­ten­na­hen“ Beschäftig­ten gehöre. Die So­zi­al­plan­re­ge­lung be­inhal­te auch kei­ne über­pro­por­tio­na­le Begüns­ti­gung älte­rer Ar­beit­neh­mer. Die Ab­fin­dung stel­le kei­nen Vor­teil dar, son­dern nur ei­nen Aus­gleich des Nach­teils, den die Be­leg­schafts­mit­glie­der da­durch er­lit­ten, dass sie ih­ren langjähri­gen Ar­beits­platz verlören. Zur Er­rei­chung des so­zi­al­po­li­ti­schen Ziels sei die Höchst­be­trags­klau­sel nicht er­for­der­lich. Sie sei auch nicht an­ge­mes­sen. Die älte­ren Beschäftig­ten sei­en durch die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le viel stärker be­trof­fen. Ins­be­son­de­re sei­en sei­ne ei­ge­nen Nach­tei­le durch die Ab­fin­dung nicht vollständig aus­ge­gli­chen.

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 3. Ju­ni 2010 – 54 Ca 8758/09 – die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn ei­ne wei­te­re Ab­fin­dung in Höhe von 120.863,26 EUR nebst Zin­sen hier­aus in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 19.03.2009 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt, die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen. Auch sie wie­der­holt im We­sent­li­chen ih­ren erst­in­stanz­li­chen Vor­trag. Es lie­ge kei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung vor, im Hin­blick auf Sinn und Zweck der Höchst­be­trags­klau­sel auch kei­ne mit­tel­ba­re. Bei den älte­ren Ar­beit­neh­mern han­de­le es sich ge­ra­de um ei­nen Per­so­nen­kreis, der mögli­cher­wei­se nach kurz­zei­ti­gem Be­zug von Ar­beits­lo­sen­geld die ge­setz­li­chen Ren­ten­leis­tun­gen be­an­spru­chen könne. Aus­rei­chend sei es je­den­falls, wenn - wie ge­ra­de im vor­lie­gen­den Fall - der fest­ge­setz­te Höchst­be­trag ge­eig­net sei, die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le bis zum Ren­ten­al­ter sub­stan­ti­ell ab­zu­mil­dern. Der Kläger ha­be bis zum frühestmögli­chen Be­zug von Al­ters­ren­te nach Be­en­di­gung des Be­zugs des Ar­beits­lo­sen­gel­des nur noch drei Jah­re zu über­brücken. Der Ab­fin­dungs­be­trag führe zu ei­nem mo­nat­li­chen Aus­gleich in Höhe von 5.000 Eu­ro, was über sei­nem bis­he­ri­gen Ein­kom­men lie­ge.

We­gen der Ein­zel­hei­ten wird Be­zug ge­nom­men auf die Schriftsätze der Par­tei­en vom 28. Sep­tem­ber und vom 2. No­vem­ber 2010.

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Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung ist zulässig. Sie ist statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II. Die Be­ru­fung ist je­doch un­be­gründet, da die Kla­ge un­be­gründet ist. Das Ar­beits­ge­richt ist mit zu­tref­fen­der Be­gründung zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass dem Kläger ei­ne höhe­re als die ge­zahl­te Ab­fin­dung nicht zu­steht. Die Kla­ge­for­de­rung ist nicht des­halb be­rech­tigt, weil die Be­stim­mun­gen in Nr. III 3 des So­zi­al­plans ge­gen höher­ran­gi­ges Recht ver­stießen. Die Be­gren­zung der Ab­fin­dung ver­letzt we­der Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­te noch den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Auf die Fra­ge, ob die Grup­pen­bil­dung be­an­stan­dungs­frei er­folg­te und Be­mes­sungs­re­ge­lun­gen un­ter Nr. III 2 des So­zi­al­plans und IV. wirk­sam ver­ein­bart sind, kommt es nicht an, da der Kläger zu den Meist­begüns­tig­ten gehört und auch im Fal­le der Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lun­gen kei­nen höhe­ren als den an ihn ge­zahl­ten Be­trag be­an­spru­chen könn­te.

1. So­zi­alpläne un­ter­lie­gen, wie an­de­re Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen, der ge­richt­li­chen Rechtmäßig­keits­kon­trol­le. Die­se sind dar­auf­hin zu über­prüfen, ob sie mit höher­ran­gi­gem Recht wie ins­be­son­de­re den in § 75 Be­trVG aus­drück­lich ge­nann­ten Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten und ggf. dem all­ge­mei­nen be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ver­ein­bar sind. Das ver­pflich­tet die Ge­rich­te, rechts­wid­ri­ge So­zi­al­plan­ge­stal­tun­gen zu ver­hin­dern, nicht hin­ge­gen, bes­se­re Lösun­gen als die Be­triebs­par­tei­en zu fin­den. Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ha­ben nach § 75 Abs. 1 Be­trVG darüber zu wa­chen, dass je­de Be­nach­tei­li­gung von Per­so­nen aus den in der Vor­schrift ge­nann­ten Gründen un­ter­bleibt. § 75 Abs. 1 Be­trVG enthält nicht nur ein Über­wa­chungs­ge­bot, son­dern ver­bie­tet zu­gleich Ver­ein­ba­run­gen, durch die Ar­beit­neh­mer auf­grund der dort auf­geführ­ten Merk­ma­le be­nach­tei­ligt wer­den. Der Ge­setz­ge­ber hat die in § 1 AGG ge­re­gel­ten Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te in § 75 Abs. 1 Be­trVG über­nom­men. Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung der Be­triebs­an­gehöri­gen aus ei­nem in § 1 AGG ge­nann­ten Grund ist da­her nur un­ter den im AGG nor­mier­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig. Sind die­se erfüllt, ist auch der be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Gleich­be­hand­lungs­grund­satz ge­wahrt.

Nach Auf­fas­sung des EuGH ist das Ver­bot der Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters ein all­ge­mei­ner Grund­satz des Uni­ons­rechts, der nun­mehr in Art. 21 Abs. 1 der Char­ta der Grund­rech­te der Eu­ropäischen Uni­on nie­der­ge­legt ist und den die Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf kon­kre­ti­siert (EuGH 19. Ja­nu­ar 2010 – C-555/07 - [Kücükde­ve­ci] AP Nr. 14 zu Richt­li­nie 2000/78/EG = NZA 2010, 85 = EzA Richt­li­nie 2000/78 EG-Ver­trag 1999 Nr. 14, zu Rn. 21 f. der Gründe). Die uni­ons­recht­li­che Fra­ge, wel­cher Rechtscha­rak­ter dem Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung

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zu­kommt, ist da­mit vom EuGH endgültig be­ant­wor­tet. Die­ses Ver­bot ist vom EuGH in den Rang ei­nes Primärrechts er­ho­ben wor­den, das un­abhängig von ei­ner na­tio­na­len Um­set­zung auch im Verhält­nis zwi­schen Pri­va­ten von den Ge­rich­ten un­mit­tel­bar an­zu­wen­den ist. Ob die­ses Ver­bot ver­letzt wor­den ist, ließ sich an­ge­sichts sei­ner Un­be­stimmt­heit bis zum In­kraft­tre­ten des AGG nur am Maßstab der es kon­kre­ti­sie­ren­den Richt­li­nie 2000/78/EG des Ra­tes vom 27. No­vem­ber 2000 zur Fest­le­gung ei­nes all­ge­mei­nen Rah­mens für die Ver­wirk­li­chung der Gleich­be­hand­lung in Beschäfti­gung und Be­ruf (RL 2000/78/EG ABl. EG Nr. L 303 vom 2. De­zem­ber 2000 S. 16) fest­stel­len. Seit dem 18. Au­gust 2006 ist ei­ne Ver­let­zung des Ver­bots der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung an­hand des die­se Richt­li­nie in na­tio­na­les Recht um­set­zen­den AGG zu prüfen (vgl. BAG 25. Fe­bru­ar 2010 - 6 AZR 911/08 - NZA 2010, 561 = EzA § 10 AGG Nr. 3, zu Rn. 17 der Gründe).

Nach § 7 Abs. 1 AGG dürfen Beschäftig­te nicht we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des be­nach­tei­ligt wer­den. Be­stim­mun­gen in Ver­ein­ba­run­gen, die ge­gen die­ses Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ver­s­toßen, sind nach § 7 Abs. 2 AGG un­wirk­sam. Der Be­griff der Be­nach­tei­li­gung be­stimmt sich nach § 3 AGG. Ei­ne un­mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt nach § 3 Abs. 1 Satz 1 AGG vor, wenn ei­ner Per­son we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ei­ne we­ni­ger güns­ti­ge Be­hand­lung zu­kommt, als ei­ne an­de­re Per­son in ei­ner ver­gleich­ba­ren Si­tua­ti­on erfährt, er­fah­ren hat oder er­fah­ren würde. Ei­ne un­mit­tel­bar auf dem Al­ter be­ru­hen­de Un­gleich­be­hand­lung kann aber nach § 10 AGG un­ter den dort ge­nann­ten Vor­aus­set­zun­gen zulässig sein. § 10 Satz 1 und 2 AGG ge­stat­ten die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung we­gen des Al­ters, wenn die­se ob­jek­tiv und an­ge­mes­sen und durch ein le­gi­ti­mes Ziel ge­recht­fer­tigt ist und wenn die Mit­tel zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich sind. Ei­ne mit­tel­ba­re Be­nach­tei­li­gung liegt vor, wenn dem An­schein nach neu­tra­le Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren Per­so­nen we­gen ei­nes in § 1 ge­nann­ten Grun­des ge­genüber an­de­ren Per­so­nen in be­son­de­rer Wei­se be­nach­tei­li­gen können, es sei denn, die be­tref­fen­den Vor­schrif­ten, Kri­te­ri­en oder Ver­fah­ren sind durch ein rechtmäßiges Ziel sach­lich ge­recht­fer­tigt und die Mit­tel sind zur Er­rei­chung die­ses Ziels an­ge­mes­sen und er­for­der­lich (vgl. BAG 23. März 2010 - 1 AZR 832/08 - AP Nr. 55 zu § 75 Be­trVG 1972 = NZA 2010, 774 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 35, zu Rn. 12 – 15 der Gründe).

2) Die Be­gren­zung der nach Nr. III 2 be­rech­ne­ten So­zi­al­plan­ansprüche durch den Höchst­be­trag in Nr. III 3 des So­zi­al­plans stellt als sol­che kei­ne Be­nach­tei­li­gung in die­sem Sin­ne dar, we­der ei­ne un­mit­tel­ba­re noch ei­ne mit­tel­ba­re.

Durch ei­ne Höchst­be­trags­klau­sel, die nicht nach dem Al­ter dif­fe­ren­ziert, wer­den Ar­beit­neh­mer we­gen ih­res Le­bens­al­ters un­mit­tel­bar we­der be­vor­zugt noch be­nach­tei­ligt. Es liegt auch kei­ne mit­tel­ba­re Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung vor. Das gilt auch dann, wenn von der Höchst­be­gren­zung ty­pi­scher­wei­se mehr älte­re als jünge­re Ar­beit­neh­mer be­trof­fen sind. Die

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älte­ren Ar­beit­neh­mer wer­den durch ei­ne Höchst­be­gren­zungs­klau­sel nicht an­ders, son­dern ge­nau­so be­han­delt wie die jünge­ren (vgl. BAG 21. Ju­li 2009 - 1 AZR 566/08 - AP Nr. 202 zu § 112 Be­trVG 1972 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 33 = NZA 2009, 1107, zu Rn. 22 der Gründe; BAG 2. Ok­to­ber 2007 - 1 AZN 793/07 - AP Be­trVG 1972 § 75 Nr. 52 = EzA Be­trVG 2001 § 75 Nr. 6, zu Rn. 8 der Gründe). Die Wirk­sam­keit ei­ner sol­chen Klau­sel hat das BAG auch für ei­nen be­reits un­ter die Gel­tung des AGG fal­len­den So­zi­al­plan nicht an­ge­zwei­felt (vgl. BAG 26. Mai 2009 - 1 AZR 198/08 - AP Nr. 200 zu § 112 Be­trVG 1972 = NZA 2009, 849 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 31, zu Rn. 54 der Gründe). Der Kläger hat­te zwar auch nur den Höchst­be­trag gel­tend ge­macht. Das BAG ist aber zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass der So­zi­al­plan ins­ge­samt nicht nach § 7 Abs. 2 AGG we­gen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung un­wirk­sam ist (vgl. BAG 26. Mai 2009 - 1 AZR 198/08 - AP Nr. 200 zu § 112 Be­trVG 1972 = NZA 2009, 849 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 31, zu Rn. 46 der Gründe).

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ha­ben So­zi­alpläne ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs- und Über­brückungs­funk­ti­on. Die dar­in vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit er­brach­ten Diens­te dar, son­dern sol­len die künf­ti­gen Nach­tei­le aus­glei­chen, die Ar­beit­neh­mern durch die Be­triebsände­rung ent­ste­hen können. Bei der Aus­ge­stal­tung sol­cher Leis­tun­gen ste­hen den Be­triebs­par­tei­en Be­ur­tei­lungs- und Ge­stal­tungs­spielräume zu, die Ty­pi­sie­run­gen und Pau­scha­lie­run­gen ein­sch­ließen (vgl. BAG 26. Mai 2009 - 1 AZR 198/08 - AP Nr. 200 zu § 112 Be­trVG 1972 = NZA 2009, 849 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 31, zu Rn. 23 der Gründe). Geld­leis­tun­gen ei­nes So­zi­al­plans in Form ei­ner Ab­fin­dung sol­len die vor­aus­sicht­lich ent­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­nes durch Be­triebsände­rung ver­ur­sach­ten Ar­beits­platz­ver­lus­tes aus­glei­chen oder zu­min­dest ab­mil­dern. Be­rech­net sich die Ab­fin­dung nach der Dau­er der Beschäfti­gungs­zeit und dem Ver­dienst, können die Be­triebs­par­tei­en ei­ne dar­aus re­sul­tie­ren­de über­pro­por­tio­na­le Begüns­ti­gung von Beschäftig­ten mit langjähri­ger Be­triebs­zu­gehörig­keit durch ei­ne Höchst­be­gren­zung zurückführen, um al­len be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne mit dem Zweck ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung in Ein­klang ste­hen­de ver­tei­lungs­ge­rech­te Ab­mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­ner Be­triebsände­rung zu­kom­men zu las­sen (BAG 19. Ok­to­ber 1999 - 1 AZR 838/98 - AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 135 = EzA Be­trVG 1972 § 112 Nr. 104, zu I 1 b der Gründe). Ei­ner sol­chen Kap­pungs­gren­ze liegt die Einschätzung der Be­triebs­par­tei­en zu­grun­de, dass die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le der da­von be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tungs­wei­se mit dem ent­spre­chen­den Höchst­be­trag an­ge­mes­sen aus­ge­gli­chen, je­den­falls aber sub­stan­ti­ell ab­ge­mil­dert sind (vgl. BAG 21. Ju­li 2009 - 1 AZR 566/08 - AP Nr. 202 zu § 112 Be­trVG 1972 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 33 = NZA 2009, 1107, zu Rn. 14 der Gründe).

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Auch die Möglich­keit der zusätz­li­chen Berück­sich­ti­gung des Le­bens­al­ters bei der Be­rech­nung des So­zi­al­plan­an­spruchs ist all­ge­mein an­er­kannt (vgl. zB. BAG 2. Ok­to­ber 2007 – 1 AZN 793/07 – AP Nr. 52 zu § 75 Be­trVG 2001 Nr. 6 = EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 626, zu Rn. 8 der Gründe). Das führt ei­ner­seits da­zu, dass älte­re Be­leg­schafts­mit­glie­der zusätz­lich ge­genüber jünge­ren be­vor­zugt wer­den. An­de­rer­seits er­rei­chen sie aber auch schnel­ler die Kap­pungs­gren­ze. In die­ser Kon­stel­la­ti­on ist der An­teil der älte­ren Be­leg­schafts­mit­glie­der, die un­ter die Kap­pungs­gren­ze fal­len, höher. Der Höchst­be­trag trägt al­ler­dings der vor­he­ri­gen über­pro­por­tio­na­len Stei­ge­rung der Ab­fin­dung Rech­nung und be­grenzt so die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung jünge­rer und älte­rer Be­leg­schafts­mit­glie­der wie­der. Die Sprei­zung ver­rin­gert sich mit der An­zahl der Ar­beit­neh­mer, die die Kap­pungs­gren­ze er­rei­chen bzw. ihr na­he kom­men.

Aus den dar­ge­leg­ten Gründen steht die­se Aus­le­gung auch mit der RL 2000/78 EG in Ein­klang. Die Fra­ge der Zulässig­keit sol­cher Höchst­beträge ist mit Blick auf ei­nen mögli­chen Ver­s­toß ge­gen das Ver­bot der Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung in Art. 1, Art. 2 Abs. 1, Abs. 2, Art. 6 Abs. 1 RL 2000/78/EG nicht an­ders zu be­ur­tei­len als vor Er­lass der Richt­li­nie. Das hat auch das BAG be­reits mehr­fach ent­schie­den (vgl. nur BAG 2. Ok­to­ber 2007 – 1 AZN 793/07 – AP Nr. 52 zu § 75 Be­trVG 2001 Nr. 6 = EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 626, zu Rn. 7 der Gründe, mwN.). Die älte­ren Ar­beit­neh­mer wer­den durch ei­ne Höchst­be­trags­klau­sel nicht an­ders be­han­delt als die jünge­ren. Sie wer­den viel­mehr trotz ih­res höhe­ren Al­ters gleich­be­han­delt. Das Merk­mal Al­ter hat kei­ne Un­gleich­be­hand­lung zur Fol­ge. Durch die An­wen­dung der Höchst­be­trags­klau­sel fin­det ge­ra­de kei­ne Dif­fe­ren­zie­rung nach dem Al­ter statt. Viel­mehr wird um­ge­kehrt die Dif­fe­ren­zie­rung be­grenzt. Es stellt sich bei ei­ner Höchst­be­trags­klau­sel da­her al­len­falls die Fra­ge, ob die Be­triebs­par­tei­en in ei­nem So­zi­al­plan die von ei­ner Be­triebsände­rung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer un­abhängig von Le­bens­al­ter, Be­triebs­zu­gehörig­keit und Ver­dienst von ei­nem be­stimm­ten Ab­fin­dungs­be­trag an gleich­be­han­deln dürfen. Dies ist je­doch kei­ne Fra­ge der un­mit­tel­ba­ren oder mit­tel­ba­ren Al­ters­dis­kri­mi­nie­rung (vgl. BAG 2. Ok­to­ber 2007 – 1 AZN 793/07 – AP Nr. 52 zu § 75 Be­trVG 2001 Nr. 6 = EzA § 75 Be­trVG 2001 Nr. 626, zu Rn. 8 der Gründe).

3) Die mit der Höchst­be­trags­re­ge­lung ein­geführ­te Kap­pungs­gren­ze von 180.000 Eu­ro verstößt auch nicht ge­gen den be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.

a) Der auf den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG zurück­zuführen­de Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zielt dar­auf ab, ei­ne Gleich­stel­lung von Per­so­nen in ver­gleich­ba­ren Sach­ver­hal­ten si­cher­zu­stel­len und ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Grup­pen­bil­dung aus­zu­sch­ließen. Maßgeb­li­cher Sach­grund für ei­ne Grup­pen­bil­dung ist re­gelmäßig der mit der je­wei­li­gen Re­ge­lung ver­folg­te Zweck. Da­her müssen sich Grup­pen­bil­dun­gen in So­zi­alplänen an de­ren Funk­ti­on ori­en­tie­ren (sie­he da­zu oben un­ter 2).

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b) Die Grup­pen­bil­dung er­folgt hier da­nach, dass die von ei­ner Be­triebsände­rung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ab ei­nem be­stimm­ten Höchst­be­trag der Ab­fin­dung un­abhängig von Le­bens­al­ter, Be­triebs­zu­gehörig­keit und Ver­dienst gleich be­han­delt wer­den. Zweck ei­ner sol­chen Be­gren­zung ist es, ei­ne Be­vor­zu­gung der­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter zu ver­mei­den, die an­sons­ten al­lein we­gen ih­rer langjähri­gen Beschäfti­gungs­dau­er ei­nen Vor­teil er­hal­ten, der kei­ne ver­tei­lungs­ge­rech­te Über­brückungs­hil­fe bis zu ei­nem un­ge­wis­sen neu­en Ar­beits­verhält­nis oder dem Be­zug ei­ner Al­ters­ren­te ist. Das zu be­ur­tei­len liegt in der Einschätzungs­be­fug­nis der Be­triebs­par­tei­en, die nicht ge­hal­ten sind, die je­wei­li­gen Nach­tei­le in­di­vi­du­ell zu pro­gnos­ti­zie­ren und aus­zu­glei­chen. Hier ha­ben die Be­triebs­par­tei­en den Höchst­be­trag der Ab­fin­dung auf 180.000,00 Eu­ro be­schränkt. Bei die­ser Sum­me konn­ten sie da­von aus­ge­hen, dass die wirt­schaft­li­chen Fol­gen, die Beschäftig­te et­wa bei ei­ner Ar­beits­lo­sig­keit bis zum Er­rei­chen des Ren­ten­al­ters für ei­ne Al­ters­ren­te we­gen Ar­beits­lo­sig­keit (§ 237 SGB VI) zu tra­gen ha­ben, noch sub­stan­ti­ell ab­ge­mil­dert wer­den. So führ­te zB. beim Kläger ei­ne Um­le­gung der Ab­fin­dung auf die­sen Zeit­raum zu ei­ner Leis­tung, die über der Vergütung des Klägers bei Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zu dem ge­nann­ten Zeit­punkt lag. Die Be­triebs­par­tei­en wa­ren zu ei­nem vollständi­gen Aus­gleich al­ler mögli­chen Nach­tei­le nicht ver­pflich­tet. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass un­ter den von der Kap­pungs­gren­ze Be­trof­fe­nen le­bensälte­re Ar­beit­neh­mer bei glei­cher Beschäfti­gungs­zeit ei­nen kürze­ren Zeit­raum bis zum nächstmögli­chen Ren­ten­be­zug zu über­brücken ha­ben. Das hat zwar zur Fol­ge, dass die jünge­ren Mit­ar­bei­ter bis zum frühestmögli­chen Ren­ten­be­zug schlech­ter als je­ne ge­stellt sind. Hier­bei han­delt es sich aber um ei­ne der Härten, die mit je­der Grup­pen­bil­dung ein­her­ge­hen und die bei ty­pi­sie­ren­der Abschätzung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le und de­ren pau­scha­li­sie­ren­dem Aus­gleich nicht ver­meid­bar sind. Im Übri­gen sind die Chan­cen le­bensjünge­rer Ar­beit­neh­mer, noch ei­nen Ar­beits­platz zu fin­den, ty­pi­sie­rend güns­ti­ger (vgl. BAG 21. Ju­li 2009 - 1 AZR 566/08 - AP Nr. 202 zu § 112 Be­trVG 1972 = EzA § 112 Be­trVG 2001 Nr. 33 = NZA 2009, 1107, zu Rn. 17 der Gründe).

4) Ob die So­zi­al­plan­re­ge­lung hin­sicht­lich der Be­rech­nung un­ter Nr. III 2 des So­zi­al­plans wirk­sam ver­ein­bart ist, ist hier un­er­heb­lich. Die Fra­ge ist für die Höhe des An­spruchs des Klägers oh­ne Be­deu­tung. Er erhält be­reits den – wenn auch (dies al­ler­dings wirk­sam) be­grenz­ten - Ma­xi­mal­be­trag. Es gibt kei­ne Per­so­nen­grup­pe, die mehr erhält und der er zu sei­nen Guns­ten gleich­ge­stellt wer­den könn­te.

Im Fal­le ei­ner Un­wirk­sam­keit der Re­ge­lung zur So­zi­al­plan­be­rech­nung un­ter Nr. III 2 könn­ten al­len­falls die Be­leg­schafts­mit­glie­der ei­ne An­pas­sung nach oben ver­lan­gen, die da­durch ge­genüber dem Kläger und den an­de­ren älte­ren Be­leg­schafts­mit­glie­dern schlech­ter ge­stellt sind.

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Die in die Grup­pe der über 57-jähri­gen (plus sechs Mo­na­te) fal­len­den Be­leg­schafts­mit­glie­der er­hal­ten kei­ne nach Nr. III 2 des So­zi­al­plans be­mes­se­ne Ab­fin­dung. Die Leis­tun­gen für die­se Grup­pe wer­den im Hin­blick auf die Ren­tennähe nach Nr. IV. des So­zi­al­plans an­ders be­rech­net. Dass sich nach der für die­sen Per­so­nen­kreis maßgeb­li­chen Be­rech­nung höhe­re Ansprüche für den Kläger hätten er­ge­ben können, er al­so die­sen ge­genüber be­nach­tei­ligt sein könn­te, be­haup­tet der Kläger selbst nicht.

5) Im Er­geb­nis oh­ne Be­deu­tung ist es auch, ob die Re­ge­lung für die Grup­pe der über 57-jähri­gen (plus sechs Mo­na­te) wirk­sam ist. Grup­pen­bil­dun­gen und Stich­tags­re­ge­lun­gen un­ter Berück­sich­ti­gung des na­hen Ren­ten­al­ters hal­ten so­wohl das Bun­des­ar­beits­ge­richt als auch der EuGH grundsätz­lich für zulässig, al­ler­dings nur bei Be­ach­tung der ins­be­son­de­re auch in der Ent­schei­dung des EuGH vom 12. Ok­to­ber 2010 (C-499/08 – [An­der­sen] NZA 2010, 1341) auf­ge­zeig­ten Gren­zen. Ob die­se aus­rei­chend be­ach­tet sind, kann da­hin­ste­hen. Denn es gibt auch kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass bei ei­ner an­dern Re­ge­lung das So­zi­al­plan­vo­lu­men der Be­leg­schafts­mit­glie­der aus der Grup­pe der bis 57-jähri­gen (plus sechs Mo­na­te) höher ge­we­sen wäre. Die ge­rin­ge­ren Beträge für die Grup­pe der über 57-jähri­gen (plus sechs Mo­na­te) erhöhen im Er­geb­nis im Ge­gen­teil das für die Grup­pe des Klägers zur Verfügung ste­hen­de Vo­lu­men, begüns­ti­gen die­se al­so so­gar.

III. Die Ent­schei­dung über die Kos­ten be­ruht auf § 97 Abs. 1 ZPO.

IV. Die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on la­gen nicht vor. Zu den re­le­van­ten Rechts­fra­gen gibt es ei­ne ge­fes­tig­te Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts.

Die Aus­set­zung des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens zur Durchführung ei­nes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­rens ist eben­falls nicht ver­an­lasst. Die in­so­weit her­an­zu­zie­hen­den Grundsätze zum Verständ­nis und zur An­wen­dung der Richt­li­nie 2000/78/EG sind of­fen­kun­dig, je­den­falls aber durch die Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on geklärt, so­dass ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 Abs. 3 AEUV nicht ge­bo­ten ist.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung:

Ge­gen die­se Ent­schei­dung gibt es kein Rechts­mit­tel.


K.  

V.  

Z.

 


 

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