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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigung: Betriebsbedingt, Interessenausgleich, Namensliste, Sozialauswahl
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg
Akten­zeichen: 13 Sa 758/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.07.2010
   
Leit­sätze: Wird ein In­ter­es­sen­aus­gleich durch den zuständi­gen Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen, kann ei­ne die­sen In­ter­es­sen­aus­gleich ergänzen­de Na­mens­lis­te nicht durch den ört­li­chen Be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen wer­den.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Potsdam, Urteil vom 02.03.2010, 7 Ca 2181/09
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ber­lin-Bran­den­burg

 

Verkündet

am 16. Ju­li 2010

Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)

13 Sa 758/10

7 Ca 2181/09
Ar­beits­ge­richt Pots­dam

L.
Ver­wal­tungs­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le


Im Na­men des Vol­kes

 

Ur­teil

In Sa­chen

pp 

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, 13. Kam­mer,
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16. Ju­li 2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. F. als Vor­sit­zen­der
so­wie der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter C. und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin K.

für Recht er­kannt:

I. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pots­dam
vom 2. März 2010 - 7 Ca 2181/09 - wird auf ih­re Kos­ten bei un­veränder­tem Streit­wert zurück­ge­wie­sen.

II. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Dr. F. C. K.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung und da­bei ins­be­son­de­re um die ord­nungs­gemäße So­zi­al­aus­wahl.

Seit wann der Kläger bei der Be­klag­ten bzw. de­ren Rechts­vorgängern beschäftigt ist, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig. Im Ar­beits­ver­trag heißt es un­ter § 1: „Als sta­tis­ti­sches Ein­tritts­da­tum zur Be­rech­nung der Be­triebs­ren­ten­ansprüche gilt der 02.04.1990“ (vergl. den Ar­beits­ver­trag vom 08.10.1997 in Ko­pie Bl. 52 ff d. A.). Im Zwi­schen­zeug­nis vom 30.09.2009 heißt es:

„Herr E. M., ge­bo­ren am … 1964 in Z., trat am 02. April 1990 in die A. AG ein.“

In der „Ver­ein­ba­rung In­ter­es­sen­aus­gleich Na­mens­lis­te“ vom 27.08.2009, ab­ge­schlos­sen zwi­schen der Be­klag­ten und dem Be­triebs­rat im A. Be­trieb F. heißt es für den Kläger un­ter „Erstein­tritt“ „02.04.1990“. End­lich heißt es in der Ent­gel­tab­rech­nung für Ju­ni 2010 ne­ben „Ein­tritts­da­tum“ „02.04.1990“ (vgl. die Ko­pie der Ent­gel­tab­rech­nung für Ju­ni 2010 Bl. 229 d. A.).

Anläss­lich ei­ner Um­ge­stal­tung des bis­he­ri­gen Beschäfti­gungs­be­trie­bes F. als ei­nem rei­nen Pro­duk­ti­ons­stand­ort zu ei­nem Ser­vice-Cen­ter und der Zu­sam­menführung un­ter­schied­li­cher Kon­zern­ein­hei­ten am Stand­ort F. ver­ein­bar­ten die Be­klag­te und der bei ihr be­ste­hen­de Ge­samt­be­triebs­rat (im Fol­gen­den: GBR) am 28.08.2009 ei­nen „In­ter­es­sen­aus­gleich ’Zu­kunfts­per­spek­ti­ve F.’ “, wel­cher ört­lich so­wohl den Be­trieb F. als auch Tei­le des Be­trie­bes in Ber­lin und persönlich so­wohl Beschäftig­te in Ber­lin als auch in F. er­fasst. Un­ter „C 1.2.2 Aus­schei­dens­re­ge­lun­gen“ heißt es un­ter a) auf S. 3 des In­ter­es­sen­aus­gleichs:

„Die nähe­re Aus­ge­stal­tung der Mil­de­rung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le ob­liegt den lo­ka­len Be­triebs­par­tei­en, im Rah­men des § 112 Be­trVG zu ver­ein­ba­ren. Außer­dem bleibt ih­nen vor­be­hal­ten, die Aus­wahl der von der Maßnah­me be­trof­fe­nen Beschäftig­ten und Um­set­zung der Maßnah­men gem. §§ 95, 99, 102 Be­trVG, 1 Abs. 5 KSchG zu re­geln.“


Be­reits ei­nen Tag vor­her, am 27.08.2009, ver­ein­bar­ten die Be­klag­te und der bei ihr be­ste­hen­de ört­li­che Be­triebs­rat in F.: „…… wird gem. § 1 Abs. 5 KSchG als In­ter­es­sen­aus­gleich (auch in Ergänzung und als in­te­gra­ler Be­stand­teil des

 

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In­ter­es­sen­aus­gleichs „Zu­kunfts­per­spek­ti­ve F.“) nach­ste­hen­de na­ment­li­che Be­zeich­nung der Beschäftig­ten, de­nen gekündigt wer­den soll, ver­ein­bart: ……
[es fol­gen 33 Na­men mit So­zi­al­da­ten zum Ge­burts­da­tum, zum Erstein­tritt, zum Fa­mi­li­en­stand, zur Steu­er­klas­se und zum Kin­der­frei­be­trag so­wie mit ei­ner Ru­brik „An­mer­kung“, in der un­ter an­de­rem die Be­hin­de­rung ei­nes Ar­beit­neh­mers oder des­sen Er­satz­mit­glied­schaft im Be­triebs­rat ver­merkt ist]. Wei­ter heißt es: „Die Ver­ein­ba­rung er­folg­te nach ausführ­li­cher Erörte­rung des auf der Pla­nung des Ar­beit­ge­bers be­ru­hen­den künf­ti­gen Per­so­nal­be­darfs. Die So­zi­al­da­ten al­ler je­weils un­ter­ein­an­der ver­gleich­ba­ren Beschäftig­ten - Be­triebs­zu­gehörig­keit, Le­bens­al­ter, Un­ter­halts­ver­pflich­tun­gen und Schwer­be­hin­de­rung - wur­den in­di­vi­du­ell ab­ge­wo­gen.“

Die Be­klag­te hat den Kläger mit Schrei­ben vom 29.09.2009 zum 30.04.2010 gekündigt (vgl. das Kündi­gungs­schrei­ben in Ko­pie Bl. 3 d. A.) und sich zur Be­gründung ih­rer Kündi­gung un­ter an­de­rem auf den In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem lo­ka­len Be­triebs­rat in F. gestützt. Hier­ge­gen rich­tet sich die am 08.10.2009 beim Ar­beits­ge­richt Pots­dam ein­ge­gan­ge­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge des Klägers. Er be­ruft sich un­ter an­de­rem dar­auf, dass er et­wa ge­genüber den Ar­beit­neh­mern J. G. und T. H. so­zi­al schutzwürdi­ger sei.

Das Ar­beits­ge­richt Pots­dam hat der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ge­ben, und zur Be­gründung im We­sent­li­chen aus­geführt, dass die Kündi­gung so­zi­al­wid­rig sei. Die nach § 1 Abs. 5 KSchG mögli­che Ver­mu­tung, dass die Kündi­gung durch drin­gen­de be­trieb­li­che Er­for­der­nis­se i. S. v. § 1 Abs. 2 KSchG be­dingt sei, könne nicht zu­grun­de ge­legt wer­den, da ei­ne da­nach nöti­ge Na­mens­lis­te in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich ent­hal­ten sein müsse. Der zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en in F. aus­ge­han­del­te In­ter­es­sen­aus­gleich sei kein sol­cher, da dar­in kei­ne Maßnah­men auf­ge­lis­tet sei­en, die zum Weg­fall von Ar­beitsplätzen oder gar ei­ner Be­triebsände­rung führen könn­ten. Im Übri­gen sei der In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem ört­li­chen Be­triebs­rat be­reits am 27.08.2009 ge­schlos­sen wor­den, so dass auf den In­ter­es­sen­aus­gleich mit dem GBR nicht hätte Be­zug ge­nom­men wer­den dürfen. Die da­nach ver­blie­be­ne bloße Na­mens­lis­te mit So­zi­al­da­ten oh­ne Ver­ein­ba­rung ei­ner Be­triebsände­rung sei kein In­ter­es­sen­aus­gleich und erfülle da­mit nicht die Vor­aus­set­zung des § 1 Abs. 5 KSchG.

Die Kündi­gung sei auch nicht gem. § 1 Abs. 2 KSchG so­zi­al ge­recht­fer­tigt, da die Be­klag­te die So­zi­al­aus­wahl nicht hin­rei­chend dar­ge­legt ha­be. We­gen der

 

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wei­te­ren kon­kre­ten Be­gründung des Ar­beits­ge­richts und des Vor­trags der Par­tei­en ers­ter In­stanz wird auf das Ur­teil vom 02.03.2010 Bl. 122 ff d. A. ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses ihr am 26.03.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil rich­tet sich die beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg am 08.04.2010 ein­ge­gan­ge­ne und am 26.05.2010 be­gründe­te Be­ru­fung der Be­klag­ten. Sie meint, dass der not­we­ni­ge Per­so­nal­ab­bau auf­grund der Um­struk­tu­rie­rung in F. mit dem zuständi­gen ört­li­chen Be­triebs­rat in dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 27.08.2009 ver­ein­bart wor­den sei. Un­abhängig von der dar­in ver­ein­bar­ten Na­mens­lis­te und der sich dar­aus er­ge­ben­den Kon­se­quenz des § 1 Abs. 5 KSchG sei die So­zi­al­aus­wahl be­reits nach § 1 Abs. 3 KSchG ord­nungs­gemäß er­folgt. Ins­be­son­de­re sei der Kläger nicht ge­genüber den Mit­ar­bei­tern un­ter an­de­rem T. H. und J. G. schutzwürdi­ger, da er erst seit 1998 be­triebs­an­gehörig sei.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Ur­teils der ers­ten In­stanz die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger be­strei­tet, dass es über­haupt zu ei­nem Ab­bau von Ar­beitsplätzen ge­kom­men sei, da die Pro­duk­ti­ons­li­nie ZS 8, an der er ge­ar­bei­tet ha­be, nicht zum En­de April 2009 ein­ge­stellt wor­den sei, son­dern noch im Ju­ni 2010 von ihm be­dient wor­den sei. Er sei dort im Rah­men der Wei­ter­beschäfti­gung für wei­te­re Ar­bei­ten ein­ge­teilt wor­den. Im Übri­gen hält er eben­so wie das Ar­beits­ge­richt Pots­dam die Ver­ein­ba­rung der Na­mens­lis­te mit dem ört­li­chen Be­triebs­rat nicht für ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und die so­zia­le Aus­wahl für un­rich­tig.

We­gen der wei­te­ren kon­kre­ten Ausführun­gen der Par­tei­en in der zwei­ten In­stanz wird auf die Schriftsätze der Be­klag­ten vom 26.05.2010 (Bl. 157 ff d. A.) und 14.07.2010 (Bl. 225 ff d. A.) und des Klägers vom 02.07.2010 (Bl. 179 ff d. A.) ver­wie­sen.

 

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Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die gem. §§ 8 Abs. 2; 64 Abs. 1, Abs. 2 Buch­sta­be c, Abs. 6; 66 Abs. 1 S. 1 ArbGG; §§ 519; 520 Abs. 1 und Abs. 3 ZPO zulässi­ge Be­ru­fung ist ins­be­son­de­re form­ge­recht und frist­gemäß ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

II.

In der Sa­che hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten je­doch kei­nen Er­folg. Im Er­geb­nis und grundsätz­lich in der Be­gründung zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt Pots­dam der Kündi­gungs­schutz­kla­ge statt­ge­ge­ben, weil die Kündi­gung vom 29.09.2009 so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt und da­mit un­wirk­sam gem. § 1 Abs. 1, Abs. 2 KSchG ist. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg folgt dem Ar­beits­ge­richt Pots­dam und sieht von ei­ner nur wie­der­ho­len­den Be­gründung gem. § 69 Abs. 2 ArbGG ab. Nur im Hin­blick ins­be­son­de­re auf die Erörte­run­gen in der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 16.07.2010 wird auf Fol­gen­des hin­ge­wie­sen:

1. Die Kündi­gung vom 29.09.2009 ist be­reits we­gen ei­ner un­rich­ti­gen So­zi­al­aus­wahl gem. § 1 Abs. 1 KSchG un­wirk­sam, da sie so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt ist. Denn gem. § 1 Abs. 3 KSchG ist die Kündi­gung trotz ei­ner zu Guns­ten der Be­klag­ten als zu­tref­fend un­ter­stell­ten aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung un­wirk­sam, weil die Be­klag­te bei der Aus­wahl des Klägers die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit, das Le­bens­al­ter und die Un­ter­halts­pflich­ten des Klägers nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt hat. Denn ins­be­son­de­re ge­genüber den Ar­beit­neh­mern T. H. und J. G. ist der Kläger so­zi­al schutzwürdi­ger: Er ist im Ge­gen­satz zu den bei­den an­de­ren Ar­beit­neh­mern ver­hei­ra­tet; er ist älter als die bei­den Ar­beit­neh­mer, nämlich ca. 2 Jah­re älter als Herr G. und ca. 5 Jah­re älter als Herr H.. Sei­ne Be­triebs­zu­gehörig­keit be­rech­net sich ent­ge­gen der Mei­nung der Be­klag­ten auch seit dem 02.04.1990, wo­mit er auch länger im Un­ter­neh­men der Be­klag­ten beschäftigt ist als die bei­den an­de­ren Ar­beit­neh­mer. Da­bei geht die Kam­mer von der Un­ter­neh­mens­zu­gehörig­keit des Klägers seit dem 02.04.1990 aus, da im Ar­beits­ver­trag zwar die

 

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Un­ter­neh­mens­zu­gehörig­keit nur im Hin­blick auf die Be­triebs­ren­te ge­re­gelt ist, je­doch nicht nur auf der Ent­gel­tab­rech­nung vom 23.06.2010 (vergl. Bl. 229 d. A. in Ko­pie) und dem Zwi­schen­zeug­nis vom 30.09.2009 (vergl. in Ko­pie Bl. 188 d. A.) son­dern ge­ra­de auch in der Ver­ein­ba­rung der Na­mens­lis­te vom 27.08.2009 mit dem ört­li­chen Be­triebs­rat in F. vom Erstein­tritt des Klägers am 02.04.1990 aus­ge­gan­gen wird (vgl. da­zu die Ver­ein­ba­rung in Ko­pie in der Na­mens­lis­te Bl. 64 d. A.). In­so­fern wird dar­auf hin­ge­wie­sen, dass nach § 1 Abs. 3 KSchG zwar die „Be­triebs­zu­gehörig­keit“ in die so­zia­le Aus­wahl mit ein­zu­be­zie­hen ist, dies aber nach ganz herr­schen­der Mei­nung die Un­ter­neh­mens­zu­gehörig­keit, al­so die Dau­er des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ar­beit­ge­ber meint (vgl. nur KR-Grie­be­ling, 9. Aufl. 2009, § 1 KSchG Rz. 671 f. m. w. N.). Da­bei sind auch frühe­re Beschäfti­gungs­zei­ten bei naht­lo­sem Über­gang von ei­nem Un­ter­neh­mens­teil zum an­de­ren wie bei der Be­rech­nung der War­te­zeit nach § 1 Abs. 1 KSchG zu berück­sich­ti­gen (vgl. BAG 06.02.2003 EzA § 1 KSchG So­zia­le Aus­wahl Nr. 51; BAG 02.06.2005 EzA a. a. O., Nr. 61, zu II 2 b der Gründe).

2. Die so­zia­le Aus­wahl ist nicht gem. § 1 Abs. 5 S. 2 KSchG nur auf ih­re gro­be Feh­ler­haf­tig­keit zu über­prüfen. Dafür müss­ten die Ar­beit­neh­mer, de­nen gekündigt wer­den soll, al­so hier der Kläger, gem. § 1 Abs. 5 S. 2 KSchG in ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat na­ment­lich be­zeich­net wor­den sein. Dar­an fehlt es vor­lie­gend:

a) Zwar ist der Na­me des Klägers in der Ver­ein­ba­rung zwi­schen der Be­klag­ten und dem ört­li­chen Be­triebs­rat in F. vom 27.08.2009 ent­hal­ten. Die­se Ver­ein­ba­rung wird auch als „In­ter­es­sen­aus­gleich“ be­zeich­net. Sie stellt aber in Wirk­lich­keit nur ei­ne Na­mens­lis­te, kei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich dar und ist im Übri­gen auch des­halb un­wirk­sam, weil sie nicht vom zuständi­gen Ge­samt­be­triebs­rat ab­ge­schlos­sen wor­den ist.

b) Wie das Ar­beits­ge­richt Pots­dam zu Recht ent­schie­den hat, stellt die Ver­ein­ba­rung vom 27.08.2009 kei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich, son­dern nur ei­ne Na­mens­lis­te dar. Dafür spricht schon der Wort­laut der Ver­ein­ba­rung, der Sinn und Zweck und die Sys­te­ma­tik, ins­be­son­de­re der Zu­sam­men­hang mit dem In­ter­es­sen­aus­gleich „Zu­kunfts­per­spek­ti­ve F.“ vom 28.08.2009 zwi­schen der Be­klag­ten und dem GBR:

 

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aa) Zwar heißt es ei­ner­seits „….. wird gem. § 1 Abs. 5 KSchG als In­ter­es­sen­aus­gleich…… ver­ein­bart“, an­de­rer­seits heißt es in der Über­schrift oben rechts „Ver­ein­ba­rung In­ter­es­sen­aus­gleich Na­mens­lis­te“. Ge­nau ei­ne sol­che wird dann „gem. § 1 Abs. 5 KSchG“ ver­ein­bart und zwar „in Ergänzung und als in­te­gra­ler Be­stand­teil des In­ter­es­sen­aus­gleichs ’Zu­kunfts­per­spek­ti­ve F.’ “. Da­ge­gen fehlt es an jeg­li­chen sons­ti­gen In­hal­ten ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs, nämlich bei ei­ner Um­struk­tu­rie­rung und ei­nem Ar­beits­platz­ab­bau wie vor­lie­gend der Be­ant­wor­tung der Fra­gen nach dem Ob, dem Wann und dem Wie der Be­triebsände­rung (vgl. zur Aus­le­gung ei­nes In­ter­es­sen­aus­gleichs die Ent­schei­dung der er­ken­nen­den Kam­mer vom 04.06.2010 - 13 Sa 832/10 - zur Veröffent­li­chung be­stimmt, zu II 1 b bb der Gründe).

bb) Sinn und Zweck die­ser Ver­ein­ba­rung ist da­mit die „Ergänzung“ des In­ter­es­sen­aus­gleichs zwi­schen der Be­klag­ten und dem GBR durch ei­ne Na­mens­lis­te, die nach „in­di­vi­du­el­ler Abwägung“ der So­zi­al­da­ten auf­ge­stellt wur­de.

cc) Auch von der Sys­te­ma­tik ist die­se Ver­ein­ba­rung nur als Na­mens­lis­te aus­zu­le­gen, da der In­ter­es­sen­aus­gleich „Zu­kunfts­per­spek­ti­ve F.“ un­ter C 1.2.2 a) auf S. 3 dies ge­ra­de so ge­wollt hat:

„Außer­dem bleibt ih­nen [den lo­ka­len Be­triebs­par­tei­en] vor­be­hal­ten, die Aus­wahl der von der Maßnah­me be­trof­fe­nen Beschäftig­ten und Um­set­zung der Maßnah­men gem. §§ 95, 99, 102 Be­trVG, 1 Abs. 5 KSchG zu re­geln.“

c) Ei­ne der­ar­ti­ge Split­tung in ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich zwi­schen dem hier zuständi­gen, da über meh­re­re Be­trie­be des Un­ter­neh­mens der Be­klag­ten ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ver­ein­ba­ren­den Ge­samt­be­triebs­rat und der Be­klag­ten und ei­ner Na­mens­lis­te, ab­ge­schlos­sen zwi­schen der Be­klag­ten und dem ört­li­chen Be­triebs­rat, ist nicht möglich. Im Un­ter­schied zu der Zuständig­keit für ei­nen So­zi­al­plan, die sich tatsächlich von der für den In­ter­es­sen­aus­gleich un­ter­schei­den kann (vgl. BAG 11.12.2001 EzA § 50 Be­trVG 1972 Nr. 18, zu II 1 c der Gründe), ist die Na­mens­lis­te Teil des In­ter­es­sen­aus­gleichs. Für ei­ne ein­heit­li­che be­tei­li­gungs­pflich­ti­ge Maßnah­me ist nach dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Grund­satz der Zuständig­keitstren­nung ei­ne Kom­pe­tenz­auf­spal­tung nicht möglich, auch wenn die Maßnah­me De­tail­fra­gen auf­wirft, die für sich in den ein­zel­nen Be­trie­ben un­ter­schied­lich ge­re­gelt wer­den könn­ten. Die §§ 50 Abs. 1; 58 Abs. 1

 

- 9 -

Be­trVG be­tref­fen die je­wei­li­ge An­ge­le­gen­heit im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­rechts ins­ge­samt (BAG 14.11.2006 EzA Be­trVG 2001 § 50 Nr. 6, zu B I 1 c cc (1) (b); GK-Be­trVG/Kreutz § 50 Rz. 20 so­wie § 58 Rz. 20). Zu­dem ist die Fest­le­gung der zu ent­las­se­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­nem be­triebsüberg­rei­fen­den In­ter­es­sen­aus­gleich kei­nes­wegs rein be­triebs­be­zo­gen, son­dern in­te­gra­ler Be­stand­teil der un­ter­neh­mens- oder kon­zern­wei­ten Ge­samt­re­ge­lung. Nur auf die­ser Ebe­ne kann geklärt wer­den, wel­che Ar­beit­neh­mer ent­las­sen und wel­che - ggf. nach be­triebsüberg­rei­fen­den Ver­set­zun­gen - in wel­chem Be­trieb wei­ter­beschäftigt wer­den sol­len. Die er­for­der­li­chen Kennt­nis­se über die be­trieb­li­chen Verhält­nis­se wer­den durch die Ent­sen­dung gem. §§ 47 Abs. 2; 55 Abs. 1 S. 2 Be­trVG gewähr­leis­tet und müssen er­for­der­li­chen­falls durch Nut­zung der In­for­ma­ti­ons­rech­te nach § 80 Abs. 2 Be­trVG ergänzt wer­den (so zu­tref­fend KR-Grie­be­ling, a. a. O., § 1 KSchG Rz. 703 f. m. w. N.).

III.

Die Be­klag­te trägt da­her die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Be­ru­fung gem. § 97 Abs. 1 ZPO.

IV.

Für ei­ne Zu­las­sung der Re­vi­si­on be­stand kein An­lass.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel der Par­tei­en da­her nicht ge­ge­ben.

 

Dr. F.

C.

K.

Sa


 

 

 

 

 

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