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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Betriebsrat, Betriebsrat: Kündigungsschutz
   
Gericht: Arbeitsgericht Cottbus
Akten­zeichen: 6 BV 46/09
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 09.02.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

Ar­beits­ge­richt Cott­bus
Geschäfts­zei­chen (bit­te im­mer an­ge­ben)
6 BV 46/09

Verkündet
am 09.02.2010

Xxx
als Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Be­schluss

 

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

Xxx GmbH,

Xxx

und 

- An­trag­stel­le­rin und Be­tei­lig­te zu 1) -

Be­triebs­rat Xxx der Xxx GmbH,

Xxx

- Be­tei­lig­ter zu 2) -

Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­ter:

Rechts­an­walt Xxx,
...

hat das Ar­beits­ge­richt Cott­bus, 6. Kam­mer, auf die münd­li­che Anhörung vom 09.02.2010 durch den Rich­ter am Ar­beits­ge­richt Xxx so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Xxx und Xxx

für Recht er­kannt:

Es wird fest­ge­stellt, dass die Zu­stim­mung des Be­tei­lig­ten zu 2) zur Ein­stel­lung der Frau S.xxx als er­teilt gilt.

- 2 -

Gründe:

A)

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­nes Be­schlus­ses, mit dem der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung ei­ner Mit­ar­bei­te­rin ver­wei­gert hat.

Die Ar­beit­ge­be­rin und An­trag­stel­le­rin führ­te ad­mi­nis­tra­ti­ve Dienst­leis­tun­gen für den V.xxx Kon­zern aus. Hier­zu führ­te sie ei­genständi­ge Be­trie­be in Cott­bus, Ham­burg und Ber­lin mit je­weils ei­genständi­gen Be­triebsräten. Im Be­trieb Cott­bus beschäftig­te sie 441 Mit­ar­bei­ter. Der An­trags­geg­ner war der für den Be­trieb Cott­bus gewähl­te Be­triebs­rat.

Im Ju­ni/Ju­li 2009 schrieb die Ar­beit­ge­be­rin un­ter an­de­rem ei­ne Stel­le Lei­te­rin F4 für das Fach­ge­biet Kon­to­kor­rent/Erlösrech­nung/De­bi­to­ren­buch­hal­tung zum 01.10.2009 aus. Der In­ha­ber die­ser Stel­le soll­te be­triebsüberg­rei­fend Lei­tungs­funk­tio­nen für Cott­bus, Ham­burg und Ber­lin wahr­neh­men.

Auf die Stel­le be­war­ben sich Frau S.xxx und Frau D.xxx . Frau D.xxx war Mit­glied des Be­triebs­rats Cott­bus und schwer­be­hin­dert.

Im Rah­men des Be­wer­tungs­ver­fah­rens und nach Durchführung ei­nes As­ses­ment­cen­ters ent­schied sich die Ar­beit­ge­be­rin, Frau S.xxx ein­zu­stel­len.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­trag­te bei den Be­triebsräten der Stand­or­te Cott­bus, Ham­burg und Ber­lin die Ein­stel­lung von Frau S.xxx . Die Be­triebsräte in Ham­burg und Ber­lin stimm­ten der Ein­stel­lung zu. Der Be­triebs­rat des Stand­or­tes Cott­bus be­schloss in ei­ner Son­der­sit­zung am 24.09.2009, die Zu­stim­mung zum An­trag der Ar­beit­ge­be­rin vom 18.09.2009 zu ver­wei­gern. An der Sit­zung des Be­triebs­rats und der Be­schluss­fas­sung nahm un­ter an­de­rem die Mit­be­wer­be­rin, Frau D.xxx , teil. Al­le 11 der an­we­sen­den Be­triebs­rats­mit­glie­der stimm­ten der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung zu. Hin­sicht­lich der Gründe wird auf das Schrei­ben des Be­triebs­ra­tes vom 24.09.2009 (Blatt 13 der Ak­te) Be­zug ge­nom­men.

- 3 -

Mit Schrei­ben vom 05.10.2009 zeig­te die Ar­beit­ge­be­rin dem Be­triebs­rat die vorläufi­ge Ein­stel­lung von Frau S.xxx an (Blatt 18 der Ak­te). Mit Schrei­ben vom sel­ben Tag wi­der­sprach der Be­triebs­rat der vorläufi­gen Ein­stel­lung (Blatt 19 der Ak­te). Am 05.10.2009 ging die An­trags­schrift für das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt Cott­bus ein. Die Ar­beit­ge­be­rin ist der Auf­fas­sung, auf­grund der Mit­wir­kung der durch die Stel­len­be­set­zung be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­te­rin Frau D.xxx sei der Be­schluss des Be­triebs­rats zur Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung un­wirk­sam. Zu­dem lägen die Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen der ge­setz­lich vor­ge­se­he­nen Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rungs­gründe nicht vor. Die vorläufi­ge Um­set­zung der Maßnah­me sei aus be­trieb­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich. Es sei not­wen­dig, dass die Führungs­auf­ga­ben an al­len drei Stand­or­ten mit so­for­ti­ger Wir­kung durch ei­ne Per­son erfüllt würden.

 

Die Be­tei­lig­te zu 1) be­an­tragt:

1. Es wird fest­ge­stellt, dass die Zu­stim­mung des Be­tei­lig­ten zu 2) zur Ein­stel­lung von Frau S.xxx als er­teilt gilt.

2. hilfs­wei­se:

a) die ver­wei­ger­te Zu­stim­mung des Be­tei­lig­ten zu 2) zur Ein­stel­lung von Frau S.xxx wird er­setzt und

b) es wird fest­ge­stellt, dass die vorläufi­ge Ein­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin S.xxx aus sach­li­chen Gründen drin­gend er­for­der­lich war.

 

Der Be­tei­lig­te zu 2) be­an­tragt,

die Anträge zurück­zu­wei­sen.

Der Be­triebs­rat ver­tritt die Auf­fas­sung, die Teil­nah­me von Frau D.xxx an der Be­triebs­rats­sit­zung und an der Ab­stim­mung führ­ten nicht zur Un­wirk­sam­keit des Be­schlus­ses. Frau D.xxx sei nicht di­rekt Be­trof­fe­ne des Ver­fah­rens ge­we­sen. Sie ha­be auch kei­nen ent­schei­den­den Ein­fluss auf die Ent­schei­dung des Be­triebs­rats ge­habt.

- 4 -

Die Zu­stim­mung zur Ein­stel­lung von Frau S.xxx könne ver­wei­gert wer­den, da die­se nicht über den in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­ten Hoch­schul­ab­schluss verfüge. Frau S.xxx ha­be ih­re Be­wer­bung zu­dem nicht frist­ge­recht ein­ge­reicht. Frau D.xxx sei im Rah­men des As­ses­ment­cen­ters auf­grund or­ga­ni­sa­to­ri­scher Un­zuläng­lich­kei­ten be­nach­tei­ligt wor­den. Auch ha­be die Ar­beit­ge­be­rin ent­ge­gen den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen und ent­ge­gen den Vor­ga­ben der In­te­gra­ti­ons­ver­ein­ba­rung die Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung nicht ord­nungs­gemäß am Be­wer­bungs­ver­fah­ren be­tei­ligt. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be ih­re Be­set­zungs­ent­schei­dung ge­genüber dem Be­triebs­rat nicht ord­nungs­gemäß be­gründet und die An­trags­un­ter­la­gen nur un­vollständig ein­ge­reicht. Ei­ne vorläufi­ge Be­set­zung der Stel­le sei nicht er­for­der­lich, da Frau D.xxx die Lei­ter­stel­le für den Stand­ort Cott­bus der­zeit be­setz­te.
Hin­sicht­lich der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf die wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze der Par­tei­en nebst An­la­gen so­wie auf die Sit­zungs­pro­to­kol­le Be­zug ge­nom­men.

B)

Der Haupt­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin ist zulässig und be­gründet. Auf die hilfs­wei­se ge­stell­ten Anträge kommt es in­so­weit nicht mehr an.

I.) Der Haupt­an­trag ist zulässig. Die Ar­beit­ge­be­rin hat an der be­gehr­ten Fest­stel­lung ein recht­li­ches In­ter­es­se im Sin­ne des § 256 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO). Strei­ten Be­triebs­part­ner in ers­ter Li­nie darüber, ob die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur per­so­nel­len Ein­zel­maßnah­me be­reits als er­teilt gilt oder vom Ge­richt noch er­setzt wer­den muss, kann der Ar­beit­ge­ber mit dem Haupt­an­trag Fest­stel­lung be­geh­ren, dass die Zu­stim­mung als er­teilt gilt, und hilfs­wei­se da­zu ei­nen An­trag auf Er­set­zung der Zu­stim­mung stel­len (BAG vom 03.08.1999 - 1 ABR 30/98, NZA 2000, 440, 441).

Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen hier vor. Die Ar­beit­ge­be­rin ver­tritt die Auf­fas­sung, die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin Frau S.xxx gel­te gemäß § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) als er­teilt, da ein wirk­sa­mer Ver­wei­ge­rungs­be­schluss in­ner­halb der Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG nicht ge­fasst wor­den sei.

- 5 -

II.) Der Haupt­an­trag der Ar­beit­ge­be­rin ist be­gründet.

Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zur Ein­stel­lung der Mit­ar­bei­te­rin S.xxx gilt gemäß § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG als er­teilt. Der Be­triebs­rat hat zwar in­ner­halb der Wo­chen­frist des § 99 Abs. 3 Satz 1 Be­trVG der Ar­beit­ge­be­rin die Ver­wei­ge­rung mit­ge­teilt. Der Zu­stim­mungs­ver­wei­ge­rung lag je­doch kein wirk­sa­mer Be­schluss zu­grun­de. Das Be­triebs­rats­mit­glied Frau D.xxx war auf­grund der vor­lie­gen­den In­ter­es­sens­kol­li­si­on ver­hin­dert, an der Sit­zung des Be­triebs­rats teil­zu­neh­men, so­weit über die Be­set­zung der Stel­le be­ra­ten und ab­ge­stimmt wur­de, auf die sich Frau D.xxx selbst be­wor­ben hat. Trotz der In­ter­es­sens­kol­li­si­on ist we­der zur Be­ra­tung noch zur Be­schluss­fas­sung des Be­triebs­rats ein Er­satz­mit­glied für Frau D.xxx her­an­ge­zo­gen wor­den.

1. Ein Be­triebs­mit­glied ist grundsätz­lich von sei­ner Or­gantätig­keit aus­ge­schlos­sen, bei Maßnah­men und Re­ge­lun­gen, bei de­nen ei­ne In­ter­es­sens­kol­li­si­on vor­liegt. Dies ist zwar im Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz nicht aus­drück­lich ge­re­gelt. Der Aus­schluss folgt aber aus dem all­ge­mei­nen Grund­satz, dass zur Ver­mei­dung von In­ter­es­sens­kol­li­si­on nie­mand „Rich­ter in ei­ge­ner Sa­che“ sein kann. Der Be­triebs­rat hat als Or­gan die In­ter­es­sen der von ihm re­präsen­tier­ten Be­leg­schaft zu ar­ti­ku­lie­ren. Die­se Funk­ti­on ist nicht mehr ge­si­chert, wenn bei der Be­schluss­fas­sung die ei­ge­nen In­ter­es­sen von Be­triebs­rats­mit­glie­dern so stark sind, dass die­se ge­genüber den In­ter­es­sen der Be­leg­schaft in den Vor­der­grund tre­ten (BAG vom 03.08.1999 - 1 ABR 30/98, NZA 2000, 440, 441; LAG Ba­den-Würt­tem­berg vom 30.06.2008 – 4 TaBV 1/08, Ju­ris Rn. 33, Er­fur­ter Kom­men­tar – Koch, 10. Auf­la­ge, § 25 Be­trVG Rn. 4). Liegt ei­ne der­ar­ti­ge In­ter­es­sens­kol­li­si­on vor, ist das Be­triebs­rats­mit­glied zeit­wei­lig ver­hin­dert im Sin­ne des § 25 Be­trVG. Die Ver­hin­de­rung be­zieht sich nicht nur auf die Be­schluss­fas­sung, son­dern auch auf die Be­ra­tung. Soll der Aus­schluss des Be­triebs­rats­mit­glieds ver­hin­dern, dass persönli­che In­ter­es­sen die Wil­lens­bil­dung des Or­gans Be­triebs­rat be­ein­flus­sen, kann die­ses Ziel nur er­reicht wer­den, wenn sich der Aus­schluss auf die Be­ra­tung und den Be­schluss er­streckt. In der Be­ra­tung wird die Wil­lens­bil­dung des Be­triebs­rats nämlich maßgeb­lich vor­be­rei­tet (BAG vom 03.08.1999 - 1 ABR 30/98, NZA 2000, 440, 441). Ist das von der Ent­schei­dung un­mit­tel­bar be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glied als zeit­wei­lig ver­hin­dert an­zu­se­hen, an der Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung teil­zu­neh­men, so ist ein Er­satz­mit­glied zu la­den. Un­ter­bleibt dies, lei­det der Be­schluss an ei­nem er­heb­li­chen Man­gel und ist des­halb un­wirk­sam (BAG vom 03.08.1999 - 1 ABR 30/98, NZA 2200, 440, 442 Er­fur­ter Kom­men­tar – Koch, 10. Auf­la­ge, § 25 Be­trVG Rn. 4).

- 6 -

2. Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze kommt die Kam­mer zu dem Er­geb­nis, dass Be­triebs­rats­mit­glied D.xxx hätte auf­grund der vor­lie­gen­den In­ter­es­sens­kol­li­si­on nicht an der Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung teil­neh­men dürfen und es hätte statt­des­sen ein Er­satz­mit­glied ge­la­den wer­den müssen.

a) Das Be­triebs­rats­mit­glied D.xxx war auf­grund der vor­lie­gen­den In­ter­es­sens­kol­li­si­on als Be­triebs­rats­mit­glied zeit­wei­lig ver­hin­dert im Sin­ne des § 25 Be­trVG. Das Be­triebs­rats­mit­glied D.xxx hat sich eben­so wie Frau S.xxx auf die zu be­set­zen­de Stel­le be­wor­ben. Da­mit hat­te sie ein un­mit­tel­ba­res ei­ge­nes persönli­ches In­ter­es­se dar­an, dass die Stel­le nicht mit Frau S.xxx be­setzt wer­den würde. Nämlich nur wenn die Stel­le nicht mit Frau S.xxx be­setzt wer­den würde, hätte wei­ter die Möglich­keit be­stan­den, dass die von ihr gewünsch­te Stel­le mit ihr als Mit­be­wer­be­rin hätte be­setzt wer­den können. Die­ses Ei­gen­in­ter­es­se von Frau D.xxx ist auch in der Be­schluss­fas­sung zum Aus­druck ge­kom­men. In den Wi­der­spruchs­gründen wird nämlich ins­be­son­de­re auch ei­ne Be­nach­tei­li­gung von Frau D.xxx im Be­wer­bungs­ver­fah­ren, ins­be­son­de­re bei der Durchführung des As­ses­ment­cen­ters und der nicht ord­nungs­gemäßen Be­tei­li­gung der Schwer­be­hin­der­ten­ver­tre­tung, gerügt.

b) Zu Un­recht wen­det der Be­triebs­rat ein, die Teil­nah­me von Frau D.xxx sei oh­ne Ein­fluss auf die Be­ra­tung des Ab­stim­mungs­er­geb­nis­ses ge­blie­ben. Zwar trifft es zu, dass der Be­schluss ein­stim­mig ge­fasst und es da­mit nicht auf die Stim­me von Frau D.xxx an­kam. Es kann je­doch da­hin­ge­stellt blei­ben, in­wie­weit Frau D.xxx Ein­fluss auf die Be­ra­tung und das Ab­stim­mungs­er­geb­nis ge­nom­men hat. Es kommt nämlich nicht dar­auf an, ob und in­wie­weit das ver­hin­der­te Be­triebs­rats­mit­glied auf die Ab­stim­mung Ein­fluss ge­nom­men hat. Der Man­gel der Be­schluss­fas­sung be­steht ins­be­son­de­re in der feh­len­den Be­tei­li­gung ei­nes Er­satz­mit­glieds. In­so­weit ist gar nicht fest­zu­stel­len, ob das Er­geb­nis bei ord­nungs­gemäßer Be­tei­li­gung an­ders aus­ge­fal­len wäre. Das Er­satz­mit­glied hat­te über­haupt kei­ne Ge­le­gen­heit, sei­ne Mei­nung in die Be­ra­tung ein­zu­brin­gen (BAG vom 03.08.1999 - 1 ABR 30/98, NZA 2000, 440, 442).

c) Un­er­heb­lich ist nach An­sicht der Kam­mer auch, dass es for­mell nicht un­mit­tel­bar um die Ein­stel­lung von Frau D.xxx , son­dern um die Ein­stel­lung von Frau S.xxx ging. Ent­schei­dend ist nach An­sicht der Kam­mer nicht, ob es in dem 99er Ver­fah­ren un­mit­tel­bar um das be­trof­fe­ne Be­triebs­rats­mit­glied geht, son­dern ob die ei­ge­nen,

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persönli­chen In­ter­es­sen des Be­triebs­rats­mit­glieds in­di­vi­du­ell und un­mit­tel­bar so stark be­trof­fen sind, dass die vom Or­gan­mit­glied zu wah­ren­den kol­lek­ti­ven In­ter­es­sen von den ei­ge­nen In­ter­es­sen über­la­gert wer­den (so auch LAG Ba­den-Würt­tem­berg vom 30.06.2008 – 4 TaBV 1/08, Ju­ris Rn. 35; LAG Düssel­dorf vom 16.12.2004 – 11 TaBV 79/04, Ju­ris Rn. 40. Dies ist an­zu­neh­men, wenn wie vor­lie­gend die zu be­ra­ten­de Maßnah­me den persönli­chen In­ter­es­sen des Be­triebs­rats­mit­glieds un­mit­tel­bar ent­ge­gen­steht.

d) Auf­grund der In­ter­es­sens­kol­li­si­on hätte der Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de zur Sit­zung zu die­sem Ta­ges­ord­nungs­punkt ein Er­satz­mit­glied zur Be­ra­tung und Be­schluss­fas­sung la­den müssen. Da dies un­ter­blie­ben ist, ist der Be­schluss un­wirk­sam und die Zu­stim­mung gilt gemäß § 99 Abs. 3 Satz 2 Be­trVG als er­teilt.

III. Über die Hilfs­anträge war kei­ne Ent­schei­dung zu tref­fen, da die Ar­beit­ge­be­rin mit
dem Haupt­an­trag ob­siegt hat.

 

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­sen Be­schluss kann von dem Be­tei­lig­ten zu 2)

Be­schwer­de

ein­ge­legt wer­den.

Die Be­schwer­de­schrift muss von ei­nem Rechts­an­walt oder ei­nem Ver­tre­ter ei­ner Ge­werk­schaft bzw. ei­ner Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung oder ei­nes Zu­sam­men­schlus­ses sol­cher Verbände un­ter­zeich­net sein.

Die Be­schwer­de­schrift muss in­ner­halb

ei­ner Not­frist von ei­nem Mo­nat

bei dem

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg ,
Mag­de­bur­ger Platz 1, 10785 Ber­lin,

- 8 -

Die Be­schwer­de­schrift muss die Be­zeich­nung des Be­schlus­ses, ge­gen den die Be­schwer­de ge­rich­tet ist, so­wie die Erklärung ent­hal­ten, dass Be­schwer­de ge­gen die­sen Be­schluss ein­ge­legt wer­de.

Die Be­schwer­de ist gleich­zei­tig oder in­ner­halb

ei­ner Frist von zwei Mo­na­ten

schrift­lich zu be­gründen.

Bei­de Fris­ten be­gin­nen mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­setz­ten Be­schlus­ses, spätes­tens aber mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Da­bei ist zu be­ach­ten, dass der Be­schluss mit der Ein­le­gung in den Brief­kas­ten oder ei­ner ähn­li­chen Vor­rich­tung für den Pos­t­emp­fang als zu­ge­stellt gilt.
Wird bei der Par­tei ei­ne schrift­li­che Mit­tei­lung ab­ge­ge­ben, dass der Be­schluss auf der Geschäfts­stel­le ei­nes Amts­ge­richts oder ei­ner von der Post be­stimm­ten Stel­le nie­der­ge­legt ist, gilt das Schriftstück mit der Ab­ga­be der schrift­li­chen Mit­tei­lung als zu­ge­stellt, al­so nicht erst mit der Ab­ho­lung der Sen­dung.
Das Zu­stel­lungs­da­tum ist auf dem Um­schlag der Sen­dung ver­merkt.

Von der Be­gründungs­schrift wer­den zwei zusätz­li­che Ab­schrif­ten zur Un­ter­rich­tung der eh­ren­amt­li­chen Rich­ter er­be­ten.

Mit­telstädt

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