Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Gratifikation, Tarifvertrag: Auslegung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AZR 635/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 09.04.2014
   
Leit­sätze: Der An­spruch des Beschäftig­ten auf ein Ju­biläums­geld „bei Voll­endung“ ei­ner be­stimm­ten Beschäfti­gungs­zeit setzt nicht vor­aus, dass das Ar­beits­verhält­nis über die­sen Zeit­punkt hin­aus fort­be­steht.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Ludwigshafen am Rhein, Urteil vom 15.11.2012 - 8 Ca 954/12
Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz, Urteil vom 10.4.2013 - 8 Sa 560/12
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


10 AZR 635/13
8 Sa 560/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Rhein­land-Pfalz

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

9. April 2014

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 9. April 2014 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Mi­kosch, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmitz-Scho­le­mann und Mest­werdt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Schürmann und Trümner für Recht er­kannt:
 


- 2 -

1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Rhein­land-Pfalz vom 10. April 2013 - 8 Sa 560/12 - auf­ge­ho­ben.


2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Lud­wigs­ha­fen am Rhein vom 15. No­vem­ber 2012 - 8 Ca 954/12 - ab­geändert.

3. Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 1.000,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 2. März 2012 zu zah­len.


4. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.


Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Ju­biläums­geld. 


Der am 16. Fe­bru­ar 1947 ge­bo­re­ne Kläger stand bei der Be­klag­ten vom 1. März 1972 bis zum 29. Fe­bru­ar 2012 in ei­nem Ar­beits­verhält­nis als So­zi­alpädago­ge. Nach dem Ar­beits­ver­trag vom 27. März 1973 be­stimm­te sich das Ar­beits­verhält­nis nach dem Bun­des-An­ge­stell­ten­ta­rif­ver­trag (BAT) vom 23. Fe­bru­ar 1961 und den die­sen ergänzen­den oder ändern­den Ta­rif­verträgen in der für das Land Rhein­land-Pfalz je­weils gel­ten­den Fas­sung. Mit Be­schluss der Kom­mis­si­on zur Ord­nung des diöze­sa­nen Ar­beits­ver­trags­rechts (KO­DA) des Bis­tums Spey­er zur Über­nah­me von Re­ge­lun­gen des neu ge­stal­te­ten Ta­rif­rechts des öffent­li­chen Diens­tes vom 7. Ju­ni 2006 wur­den die Re­ge­lun­gen des TVöD (VKA) zum 1. Ok­to­ber 2007 dem kirch­li­chen Ar­beits­ver­trags­recht zu¬run­de ge­legt, so­weit die Bis­tums-KO­DA kei­ne ab­wei­chen­den Be­schlüsse fasst. Der Kläger nahm das An­ge­bot der Be­klag­ten an, auf das Ar­beits­verhält­nis die Vor­schrif­ten des TVöD (VKA) in der KO­DA-Fas­sung an­zu­wen­den. Vom 1. Ja­nu­ar 2009 bis zum 29. Fe­bru­ar 2012 war der Kläger in der Frei­stel­lungs-
 


- 3 -

pha­se des am 4. Sep­tem­ber 2005 ab­ge­schlos­se­nen Al­ters­teil­zeit­ar­beits­verhält­nis­ses. Seit dem 1. März 2012 be­zieht er die ge­setz­li­che Al­ters­ren­te.


Das Ju­biläums­geld ist nach der KO­DA-Fas­sung des TVöD (VKA) wie folgt ge­re­gelt:

„§ 23 Be­son­de­re Zah­lun­gen

...

(2) Beschäftig­te er­hal­ten ein Ju­biläums­geld bei Voll­endung ei­ner Beschäfti­gungs­zeit (§ 34 Abs. 3)

a) von 25 Jah­ren in Höhe von 600,00 Eu­ro,

b) von 40 Jah­ren in Höhe von 1.000,00 Eu­ro,

c) von 50 Jah­ren in Höhe von 1.200,00 Eu­ro.

...

§ 34 Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

...

(3) Beschäfti­gungs­zeit ist die bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber im Ar­beits­verhält­nis zurück­ge­leg­te Zeit, auch wenn sie un­ter­bro­chen ist. ...“


Der Kläger hat gel­tend ge­macht, die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen von § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b iVm. § 34 Abs. 3 TVöD (VKA) in der KO­DA-Fas­sung sei­en erfüllt. Er hat be­an­tragt,


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 1.000,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen iHv. fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 2. März 2012 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Dem Kläger ste­he kein Ju­biläums­geld zu, da er am 1. März 2012, dem Ju­biläums­tag, nicht mehr Beschäftig­ter ge­we­sen sei. Es genüge für den An­spruch nicht, dass das Ar­beits­verhält­nis gleich­zei­tig mit Voll­endung der er­for­der­li­chen Beschäfti­gungs­zeit ge­en­det ha­be.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen Kla­ge­an­trag wei­ter.
 


- 4 -

Ent­schei­dungs­gründe


I. Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Der Kläger hat An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ju­biläums­gel­des iHv. 1.000,00 Eu­ro brut­to gemäß § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b iVm. § 34 Abs. 3 TVöD (VKA) in der KO­DA-Fas­sung nebst Zin­sen seit dem 2. März 2012.


1. Die Vor­schrif­ten des TVöD (VKA) in der KO­DA-Fas­sung fin­den auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en als Ver­trags­recht An­wen­dung. Das steht zwi­schen den Par­tei­en außer Streit.

2. Die Aus­le­gung von § 23 Abs. 2, § 34 Abs. 3 TVöD (VKA) in der KO­DA- Fas­sung führt dem Grun­de nach zu dem­sel­ben Er­geb­nis wie die Aus­le­gung der nach den An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen un­verändert über­nom­me­nen §§ 23, 34 TVöD. Zwar han­delt es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen (vgl. BAG 22. Ju­li 2010 - 6 AZR 847/07 - BA­GE 135, 163). Im Verhält­nis der Par­tei­en zu­ein­an­der liegt Ver­trags­recht, nicht Ta­rif­recht vor. Je­doch liegt die­sem das Ta­rif­recht des öffent­li­chen Diens­tes zu­grun­de. Es kann kein Zwei­fel iSv. § 305c Abs. 2 BGB be­ste­hen, dass das­sel­be Verständ­nis der Re­ge­lun­gen wie im all­ge­mei­nen öffent­li­chen Dienst gel­ten soll.

3. Nach § 23 Abs. 2 Satz 1 Buchst. b iVm. § 34 Abs. 3 TVöD (VKA) in der KO­DA-Fas­sung hat der Beschäftig­te ei­nen An­spruch auf das Ju­biläums­geld iHv. 1.000,00 Eu­ro bei Voll­endung ei­ner Beschäfti­gungs­zeit von 40 Jah­ren. Beschäfti­gungs­zeit ist in ers­ter Li­nie die Zeit, die bei dem­sel­ben Ar­beit­ge­ber in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zurück­ge­legt wur­de.

a) Der Zeit­raum von 40 Jah­ren wird nach § 187 Abs. 2 Satz 1 iVm. § 188 Abs. 2 BGB be­rech­net. Der Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses fällt mit dem Be­ginn des Ta­ges zu­sam­men, der als Be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­trag­lich ver­ein­bart ist (BAG 2. No­vem­ber 1978 - 2 AZR 74/77 - zu II 3 b dd der Gründe, BA­GE 31, 121; 27. Ju­ni 2002 - 2 AZR 382/01 - zu B I 2 b bb der Gründe, BA­GE 102, 49). Die Jah­res­frist en­det mit dem Ab­lauf des­je­ni­gen Ta­ges des letz­ten Mo­nats, wel­cher dem Ta­ge vor­her­geht, der durch sei­ne Zahl dem An­fangs­tag

- 5 -

der Frist ent­spricht. Dem­nach hat der Kläger, des­sen Ar­beits­verhält­nis am 1. März 1972 be­gon­nen hat­te, mit Ab­lauf des 29. Fe­bru­ar 2012, dh. am 29. Fe­bru­ar 2012, 24:00 Uhr, ei­ne 40-jähri­ge Beschäfti­gungs­zeit voll­endet. Das se­hen auch die Par­tei­en übe­rein­stim­mend so.


b) Die Voll­endung der Beschäfti­gungs­zeit muss in ei­nem be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis er­reicht wer­den (so auch Brei­er/Das­sau/Kie­fer/Lang/ Lan­gen­brinck TVöD Stand März 2014 § 23 Rn. 71; Dörring/Kutz­ki/Sch­wald TVöD § 23 Rn. 29). Oh­ne Ar­beits­verhält­nis kann die Beschäfti­gungs­zeit ent-spre­chend der Be­griffs­be­stim­mung des § 34 Abs. 3 TVöD nicht voll­endet wer-den. Das er­gibt sich eben­so aus dem Wort­laut des § 23 Abs. 2 TVöD, wo­nach der An­spruch dem Beschäftig­ten bei Voll­endung der Beschäfti­gungs­zeit zu-steht. Bis zu die­sem Zeit­punkt stand der Kläger noch in ei­nem Ar­beits­verhält­nis. Das Ar­beits­verhält­nis en­de­te erst zu­sam­men mit der Voll­endung der Beschäfti­gungs­zeit.


c) Mit Voll­endung der maßgeb­li­chen Beschäfti­gungs­zeit ent­steht der An­spruch und wird fällig. Die Fällig­keit tritt mit ei­nem be­stimm­ten Tag ein. Das ist nicht der letz­te Tag der Frist, da die­ser Tag erst be­en­det sein muss, son­dern der fol­gen­de Tag. Die­ser Tag wird auch als „Ju­biläums­tag“ be­zeich­net. Es ent­spricht na­he­zu ein­hel­li­ger Auf­fas­sung, dass das Ju­biläums­geld ent­spre­chend § 271 BGB am „Ju­biläums­tag“ fällig wird (so zB Brei­er/Das­sau/Kie­fer/Lang/ Lan­gen­brinck § 23 Rn. 74; Spo­ner/St­ein­herr TVöD Stand März 2014 § 23 Rn. 52 f., 58; Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se TVöD Stand Fe­bru­ar 2014 § 23 Rn. 177; Bur­ger/Clau­sen 2. Aufl. TVöD § 23 Rn. 34). Das war hier der 1. März 2012. Da­von ge­hen auch bei­de Par­tei­en aus.

4. Dem An­spruch steht nicht ent­ge­gen, dass am Tag der Fällig­keit kein Ar­beits­verhält­nis mehr be­stand. Die Aus­le­gung von § 23 Abs. 2, § 34 Abs. 3 TVöD er­gibt, dass der An­spruch auf das Ju­biläums­geld nur die Voll­endung der Beschäfti­gungs­zeit durch den Beschäftig­ten und da­mit den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zu die­sem Zeit­punkt vor­aus­setzt. Bei Fällig­keit des An­spruchs am Fol­ge­tag muss kein Ar­beits­verhält­nis mehr be­ste­hen.


- 6 -

a) Der Wort­laut ist, an­ders als das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men hat, kei­nes­wegs ein­deu­tig. Wenn „Beschäftig­te“ ei­ne Zah­lung er­hal­ten, kann das zwar be­deu­ten, dass die Zah­lung am Tag der Fällig­keit nur von dann noch Beschäftig­ten ver­langt wer­den kann. Zwin­gend ist das aber nicht. Maßge­bend sind viel­mehr die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen gemäß der je­wei­li­gen Re­ge­lung. Ist die hier­nach von dem Beschäftig­ten ge­for­der­te Leis­tung er­bracht, steht ihm die Ge­gen­leis­tung un­abhängig da­von zu, ob er bei Fällig­keit noch in ei­nem Ar­beits­verhält­nis steht. So kann zB der Ar­beit­neh­mer die ver­ein­bar­te Vergütung oder Ent­gelt­fort­zah­lung nach den §§ 611, 615 BGB oder § 3 EFZG selbst­verständ­lich auch dann ver­lan­gen, wenn das Ver­trags­verhält­nis bei Fällig­keit (§ 614 BGB) nicht mehr be­steht; das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist An­spruchs­vor­aus­set­zung nur für die Zeit, für die der An­spruch gel­tend ge­macht wird.


Das gilt so auch im öffent­li­chen Dienst. Der Be­griff des Beschäftig­ten be­zeich­net nur die Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer, die in ei­nem Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber ste­hen (§ 1 TVöD, § 1 TV-L). Nach §§ 15, 24 Abs. 1 Satz 2 TVöD/TV-L er­folgt die Zah­lung des Ent­gelts an den Beschäftig­ten grundsätz­lich am letz­ten Tag des Mo­nats für den lau­fen­den Ka­len­der­mo­nat, auch wenn das Ar­beits­verhält­nis zu die­sem Zeit­punkt be­reits be­en­det ist. Soll der Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses an ei­nem be­stimm­ten Tag An­spruchs­vor­aus­set­zung sein, wird das be­son­ders ge­re­gelt, zB gemäß § 20 Abs. 1 TVöD/TV-L für die Jah­res­son­der­zah­lung.

Der Wort­laut von § 23 Abs. 2 TVöD/TV-L ver­langt als ein­deu­ti­ge An­spruchs­vor­aus­set­zung nur, dass „bei“ Voll­endung der Beschäfti­gungs­zeit ein Ar­beits­verhält­nis be­steht (oben zu 3 b). Dass der „Beschäftig­te“ das Ju­biläums­geld erhält, ist nicht als An­spruchs­vor­aus­set­zung, son­dern eher als Rechts­fol­ge for­mu­liert. Zwar ist ein Ju­bi­lar in der Re­gel am „Ju­biläums­tag“ noch Beschäftig­ter; die Be­zeich­nung als „Beschäftig­ter“ kann sich aber min­des­tens eben­so gut auf den dann schon ab­ge­schlos­se­nen Tat­be­stand der voll­ende­ten Beschäfti­gungs­zeit be­zie­hen.

- 7 -

b) Der Zu­sam­men­hang der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen zeigt, dass der Be­griff des Beschäftig­ten nicht durch­weg im Sin­ne der von der Be­klag­ten ver­tre­te­nen Aus­le­gung zu ver­ste­hen ist. Je nach Sinn und Zweck des ge­re­gel­ten An­spruchs wird ge­ra­de kein Tat­be­stands­merk­mal für die Zeit der Fällig­keit des An­spruchs be­stimmt. So ha­ben „die Beschäftig­ten“ nach § 25 TVöD/TV-L An­spruch auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung. Beschäftig­te, die Schicht- oder Wech­sel­schicht­ar­beit leis­ten, er­hal­ten die Zu­la­gen nach § 8 Abs. 7 und Abs. 8 TV-L bzw. § 8 Abs. 5 und Abs. 6 TVöD al­lein we­gen der im Ar­beits­verhält­nis er­brach­ten Tätig­keit.


c) Nach Sinn und Zweck von § 23 Abs. 2, § 34 Abs. 3 TVöD reicht die Voll­endung der maßgeb­li­chen Beschäfti­gungs­zeit für den An­spruch auf Ju­biläums­geld aus. Die Re­ge­lung be­zweckt aus­sch­ließlich, ei­ne be­stimm­te Beschäfti­gungs­zeit des Ar­beit­neh­mers zu ho­no­rie­ren. Es geht um die Be­loh­nung der be­son­de­ren Be­triebs­treue zum Ar­beit­ge­ber, die dar­in be­steht, dass der Beschäftig­te im un­ter­stell­ten In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers die Freizügig­keit und die Chan­cen des Ar­beits­markts nicht in An­spruch nimmt, son­dern das Ar­beits­verhält­nis zu sei­nem Ar­beit­ge­ber während ei­ner be­son­ders lan­gen Zeit­span­ne auf­recht­erhält (Das­sau/Lan­gen­brinck TVöD 2. Aufl. I 2.1). Dann er­scheint es nicht fol­ge­rich­tig, noch nach Erfüllung der Beschäfti­gungs­zeit, wenn auch nur für kur­ze Zeit, den Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zu for­dern (iE wohl eben­so Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se § 23 Rn. 162 f., 167; Ha­mer in Görg/Guth/ Ha­mer/Pie­per TVöD § 23 Rn. 10; nicht an­ders Brei­er/Das­sau/Kie­fer/Lang/ Lan­gen­brinck § 23 Rn. 71, 73 f.).


So­weit in der Kom­men­tar­li­te­ra­tur der Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses am „Ju­biläums­tag“ ge­for­dert wird (Spo­ner/St­ein­herr § 23 Rn. 53 bis 55; Das­sau/Wie­send-Ro­th­brust TVöD 6. Aufl. § 23 Rn. 29), wird zur Be­gründung vor al­lem die - nicht wei­ter be­gründe­te - Mehr­heits­mei­nung in der Sit­zung des Res­sort­ta­rif­aus­schus­ses des Bun­des am 18. Ja­nu­ar 1980 an­geführt (Spo­ner/ St­ein­herr § 23 Rn. 53). Die Kom­men­tie­rung steht je­doch im Wi­der­spruch zu der zu­vor er­ziel­ten Aus­le­gung (Spo­ner/St­ein­herr § 23 Rn. 52), das Ju­biläums­geld ste­he mit Ab­lauf des letz­ten zur Voll­endung der Frist er­for­der­li­chen Ta­ges zu.


- 8 -

Die an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 12. Au­gust 1981 (- 4 AZR 918/78 - BA­GE 36, 52, 58) gibt für die vor­lie­gen­de Pro­ble­ma­tik nichts her; sie be­sagt nur, dass der An­spruch auf die Ju­biläums­zu­wen­dung erst mit Voll­endung der er­for­der­li­chen Dienst­zeit ent­steht und vor­her we­der Teil­rech­te noch An­wart­schaf­ten be­ste­hen. Letzt­lich er­ken­nen auch Spo­ner/St­ein­herr (§ 23 Rn. 55) ein per­so­nal­po­li­ti­sches Un­be­ha­gen an ih­rer Lösung. Sie befürwor­ten des­halb, „der durch­aus an­er­ken­nens­wer­ten In­ter­es­sen­wer­tung an ei­nem ver­dien­ten Ju­biläums­geld mit ei­ner über­ta­rif­li­chen Lösung zu ent­spre­chen“, und ver­wei­sen auf die Rund­schrei­ben des BMI vom 9. Sep­tem­ber 1980 - D III 6 - 211 422/68 - (Be­am­ten­be­sol­dungs­re­fe­rat) und vom 26. No­vem­ber 1980 - D III/1 - 220 220 - 5/1 - (Ta­rif­re­fe­rat). Da­nach ist ab­wei­chend von der in der Sit­zung des Res­sort­ta­rif­aus­schus­ses am 18. Ja­nu­ar 1980 über­wie­gend ver­tre­te­nen Auf­fas­sung ei­ne Ju­biläums­zu­wen­dung auch dann zu gewähren, „wenn der Zeit­punkt der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Zeit­punkt der Voll­endung der maßgeb­li­chen Dienst­zeit zu­sam­menfällt“. Dem­ent­spre­chend sind Spo­ner/St­ein­herr (§ 23 Rn. 57) der Auf­fas­sung, dass im Be­reich der VKA ent­spre­chend dem vor­ge­nann­ten BMI-Rund­schrei­ben vom 26. No­vem­ber 1980 ver­fah­ren wer­den konn­te. Eben­so hat die Geschäfts­stel­le der TdL in ih­rem Schrei­ben an die neu­en Bun­desländer vom 9. No­vem­ber 1992 - 3-01-39/2082/92 - D/2 - kei­ne Be­den­ken er­ho­ben, wenn nach dem Rund­schrei­ben des BMI vom 26. No­vem­ber 1980 ver­fah­ren wird (Cle­mens/ Scheu­ring § 23 Rn. 166).


d) Dem­nach hat der Kläger al­le An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen erfüllt, ob­wohl er mit dem 29. Fe­bru­ar 2012 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­ge­schie­den ist und am 1. März 2012 nicht mehr „Beschäftig­ter“ war.


5. Der Zins­an­spruch be­ruht auf § 286 Abs. 1 und Abs. 2 Nr. 1, § 288 Abs. 1 BGB. Für den Zins­be­ginn gilt § 187 Abs. 1 BGB ent­spre­chend (Pa­landt/El­len­ber­ger 73. Aufl. § 187 BGB Rn. 1 aE mwN).
 


- 9 -

II. Die Be­klag­te hat gemäß § 91 Abs. 1 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Mi­kosch 

Mest­werdt 

Schmitz-Scho­le­mann

Schürmann 

Trümner

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 10 AZR 635/13  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880