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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung, Hochschule, Drittmittel, Rechtsmissbrauch
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 259/14
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 08.06.2016
   
Leit­sätze: Die Be­fris­tung des Ar­beits­ver­trags ei­nes zur Mit­wir­kung an ei­nem dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten For­schungs­vor­ha­ben ein­ge­stell­ten wis­sen­schaft­li­chen Mit­ar­bei­ters an ei­ner Hoch­schu­le nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG in der bis zum 16. März 2016 gel­ten­den Fas­sung er­for­dert ei­ne über­wie­gen­de Beschäfti­gung des Mit­ar­bei­ters ent­spre­chend der Zweck­set­zung der Dritt­mit­tel. Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt, wenn bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags auf­grund ob­jek­ti­ver An­halts­punk­te die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt ist, dass sich der Mit­ar­bei­ter zu mehr als 50 % der Ar­beits­zeit - be­zo­gen auf die Ge­samt­lauf­zeit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags - dem dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Vor­ha­ben wid­men wird.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Leipzig, Urteil vom 26.09.2013, 2 Ca 4572/12
Landesarbeitsgericht Sachsen, Urteil vom 06.03.2014, 6 Sa 676/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

7 AZR 259/14
6 Sa 676/13 Säch­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Verkündet am
8. Ju­ni 2016

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

Im Na­men des Vol­kes!

In Sa­chen

UR­TEIL

 

 

Be­klag­ter, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 8. Ju­ni 2016 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Renn­pferdt, den

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Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Was­kow so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Au­hu­ber und Meißner für Recht er­kannt:

Auf die Re­vi­si­on des Be­klag­ten wird das Ur­teil des Säch­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 6. März 2014 - 6 Sa 676/13 - auf­ge­ho­ben.

Die Sa­che wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand 

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung am 31. Ok­to­ber 2011 ge­en­det hat.

Die Kläge­rin, die Di­plom-Bio­che­mi­ke­rin ist, wur­de am 1. Sep­tem­ber 1989 bei der Karl-Marx-Uni­ver­sität Leip­zig auf Grund­la­ge des Ar­beits­ge­setz­bu­ches der DDR als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin be­fris­tet bis zum 31. Au­gust 1993 ein­ge­stellt. Sie war seit­her durch­ge­hend im Rah­men von be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen und Be­am­ten­verhält­nis­sen auf Zeit bis zum 31. Ok­to­ber 2011 am In­sti­tut für Bio­che­mie der Me­di­zi­ni­schen Fa­kultät der Uni­ver­sität Leip­zig tätig. Da­zu schloss die Kläge­rin un­ter dem 12. Au­gust 1991 mit dem Be­klag­ten ei­nen Ände­rungs­ver­trag, mit dem das Ar­beits­verhält­nis den Re­ge­lun­gen des BAT-O un­ter­wor­fen wur­de. Mit zwei Nachträgen zum Ar­beits­ver­trag vom 14. De­zem­ber 1992 so­wie vom 13. Ju­li 1994 wur­de das Ar­beits­verhält­nis zunächst „we­gen An­rech­nung von Mut­ter­schutz- und Er­zie­hungs­ur­laub“ bis zum 31. Au­gust 1994 und so­dann „zum Ab­schluss der Pro­mo­ti­on als Vor­aus­set­zung für die Über­nah­me als Be­am­ter auf Zeit“ bis zum 31. Au­gust 1995 verlängert. Am 4. Ju­li 1995 kam nach der Pro­mo­ti­on der Kläge­rin ein wei­te­rer be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Sep­tem­ber 1995 bis zum 31. Au­gust 1998 zu Stan­de, wo­nach sie als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin auf Grund­la­ge

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von § 57b Abs. 2 Nr. 1 HRG zum Er­werb der Ha­bi­li­ta­ti­on be­fris­tet wei­ter­beschäftigt wur­de. In der Zeit vom 1. März 1996 bis zum 24. April 2007 war die Kläge­rin in vier Zeit­ab­schnit­ten im Rah­men ei­nes Be­am­ten­verhält­nis­ses auf Zeit als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin tätig. An­sch­ließend wur­de die Kläge­rin auf­grund ei­nes Ar­beits­ver­trags vom 23. April 2007 in der Zeit vom 25. April 2007 bis zum 31. De­zem­ber 2009 als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin iSv. § 48 Sächs­HSG gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 iVm. § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG (Be­fris­tung we­gen Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung) beschäftigt. Am 7./12. Ja­nu­ar 2009 ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­nen wei­te­ren für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 2010 bis zum 31. Ok­to­ber 2011 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, in dem un­ter Erwähnung des Pro­jekts Nr. 977000-116 ge­re­gelt ist, dass die Be­fris­tung gemäß § 1 iVm. § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG (Be­fris­tung we­gen Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung) er­folgt.

Bei dem Pro­jekt Nr. 977000-116 han­delt es sich um ein Teil­pro­jekt des Pro­jekts „Can­cerSys - Ma­the­ma­ti­sche Mo­del­lie­rung der β-Ca­ten­in- und Ras-Si­gnal­trans­duk­ti­on in der Le­ber und de­ren Ein­fluss auf die Ver­brei­tung, Ge­we­be­or­ga­ni­sa­ti­on und Bil­dung von he­pa­to­zel­lulären Kar­zi­no­men“ (nach­fol­gend kurz „Can­cerSys“). Das Pro­jekt „Can­cerSys“ wur­de auf der Grund­la­ge ei­ner im Ok­to­ber 2008 ge­schlos­se­nen Fi­nanz­hil­fe­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Eu­ropäischen Kom­mis­si­on und der For­schungs­ge­sell­schaft für Ar­beits­phy­sio­lo­gie und Ar­beits­schutz e.V. für die Dau­er ei­ner Pro­jekt­lauf­zeit von 36 Mo­na­ten gefördert. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on be­nann­te als of­fi­zi­el­len Pro­jekt­be­ginn den 1. No­vem­ber 2008. Ent­spre­chend der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit von 36 Mo­na­ten er­streck­te sich das Pro­jekt bis zum 31. Ok­to­ber 2011. Ver­ein­ba­rungs­gemäß trat die Uni­ver­sität Leip­zig, In­sti­tut für Bio­che­mie, im No­vem­ber 2008 als Pro­jekt­part­ner der Fi­nanz­hil­fe­ver­ein­ba­rung bei. Sie über­nahm das im Pro­jekt „Can­cer-Sys“ an­ge­sie­del­te Teil­pro­jekt Nr. 977000-116 „Dy­na­mic mo­del of the β-ca­ten­in co­re mo­du­le“.

Be­reits während der Lauf­zeit des be­fris­te­ten Ver­trags vom 23. April 2007 wur­de die Kläge­rin seit Ja­nu­ar 2009 im Pro­jekt „Can­cerSys“ ein­ge­setzt. Der zuständi­ge In­sti­tuts­lei­ter Prof. Dr. G ent­schied, die Kläge­rin ab dem 1. Ju­li 2010 bis zum 31. Mai 2011 in das For­schungs­pro­jekt „Vir­tu­el­le Le­ber“ (Nr. 977000-126) um­zu­set­zen. Während die­ses zwi­schen­zeit­li­chen Ein­sat­zes

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im For­schungs­pro­jekt „Vir­tu­el­le Le­ber“ wur­de die Vergütung der Kläge­rin aus Mit­teln fi­nan­ziert, die für die­ses Pro­jekt be­reit­ge­stellt wa­ren. Zum 1. Ju­ni 2011 er­folg­te ih­re Rück­ver­set­zung in das Pro­jekt „Can­cerSys“. So­wohl das Pro­jekt „Can­cerSys“ als auch des­sen Fi­nan­zie­rung wa­ren mit dem 31. Ok­to­ber 2011 be­en­det.

Mit ih­rer am 18. No­vem­ber 2011 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen, dem Be­klag­ten am 6. De­zem­ber 2011 zu­ge­stell­ten Kla­ge hat sich die Kläge­rin ge­gen die Be­fris­tung ih­res Ar­beits­ver­trags zum 31. Ok­to­ber 2011 ge­wandt. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG sei­en nicht ge­ge­ben. Es sei we­der er­sicht­lich, in wel­chem Um­fang das Pro­jekt „Can­cerSys“ über­haupt, noch ob und in wel­chem Um­fang die auf sie ent­fal­len­den Per­so­nal­kos­ten aus Dritt­mit­teln fi­nan­ziert wor­den sei­en. Sie sei nicht über­wie­gend aus Mit­teln für das Pro­jekt „Can­cerSys“ vergütet wor­den. Dem Be­klag­ten ha­be es frei­ge­stan­den, wie er die Mit­tel im Rah­men des Zu­wen­dungs­zwecks ver­wen­de. Auch sei kei­ne Kon­gru­enz von Pro­jekt­lauf­zeit und Lauf­zeit des Ar­beits­ver­trags ge­ge­ben. Sie sei zu­dem mit in­sti­tuts­be­zo­ge­nen Dau­er­auf­ga­ben beschäftigt ge­we­sen, die kei­nen Be­zug zum „Can­cerSys“-Pro­jekt ge­habt hätten. Auf § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG könne die Be­fris­tung schon des­halb nicht gestützt wer­den, weil § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG im Hoch­schul­be­reich als spe­zi­el­le­re Norm § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ver­dränge. Im Übri­gen lie­ge auch der Sach­grund des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG nicht vor. Darüber hin­aus hal­te die Be­fris­tung ei­ner Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le nicht stand. Die Ge­samt­dau­er der Beschäfti­gung und die An­zahl der be­fris­te­ten Ar­beits- und Be­am­ten­verhält­nis­se in­di­zier­ten ei­nen Rechts­miss­brauch. Die Per­so­nal­ver­tre­tung sei im Rah­men der Ein­stel­lung nach § 80 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­Pers­VG nicht ord­nungs­gemäß be­tei­ligt wor­den.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt 

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tungs­ab­re­de im Ar­beits­ver­trag vom 7./12. Ja­nu­ar 2009 zum 31. Ok­to­ber 2011 ge­en­det hat;

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2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, sie zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen des Ar­beits­ver­trags vom 7./12. Ja­nu­ar 2009 als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin an der Uni­ver­sität Leip­zig bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Er hat den Stand­punkt ein­ge­nom­men, die Be­fris­tung sei auf­grund ei­ner Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ge­recht­fer­tigt. Die Kläge­rin sei im Rah­men des dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Pro­jekts „Can­cerSys“ ein­ge­stellt und über­wie­gend in die­sem pro­jekt­be­zo­gen ein­ge­setzt wor­den. Das Pro­jekt „Can­cerSys“ sei ein­sch­ließlich der Per­so­nal­kos­ten der Kläge­rin in vol­lem Um­fang durch die Eu­ropäische Uni­on fi­nan­ziert wor­den. Bei Ver­trags­schluss am 7./12. Ja­nu­ar 2009 sei be­ab­sich­tigt ge­we­sen, die Kläge­rin im ge­sam­ten Be­fris­tungs­zeit­raum aus­sch­ließlich im Pro­jekt „Can­cerSys“ ein­zu­set­zen. Dies sei auch wei­testmöglich ge­sche­hen. Der zwi­schen­zeit­li­che Ein­satz der Kläge­rin im Pro­jekt „Vir­tu­el­le Le­ber“ ha­be im un­mit­tel­ba­ren Zu­sam­men­hang mit dem „Can­cerSys“-Pro­jekt ge­stan­den und sei auf­grund nicht vor­her­seh­ba­rer geänder­ter Umstände er­folgt. Ei­ne Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le führe nicht zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung, weil die Kläge­rin im Zeit­raum ih­rer Beschäfti­gung über­wie­gend in ei­nem Be­am­ten­verhält­nis ge­stan­den ha­be und mit un­ter­schied­li­chen Auf­ga­ben auf un­ter-schied­li­cher recht­li­cher Grund­la­ge be­traut ge­we­sen sei.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat ihr auf die Be­ru­fung der Kläge­rin statt­ge­ge­ben. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt der Be­klag­te den Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter. Die Kläge­rin be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Be­klag­ten hat Er­folg. Sie führt zur Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­ge­be­nen Be­gründung

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kann der Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge nicht statt­ge­ge­ben wer­den. Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob das Ar­beits­verhält­nis auf­grund der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung am 31. Ok­to­ber 2011 ge­en­det hat. Hier­zu be­darf es wei­te­rer Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts.

I. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Vor­lie­gen der Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG in der bis zum 16. März 2016 gel­ten­den Fas­sung vom 12. April 2007 (im Fol­gen­den Wiss­Zeit­VG) im Hin­blick auf die zum 31. Ok­to­ber 2011 ver­ein­bar­te Be­fris­tung mit ei­ner rechts­feh­ler­haf­ten Be­gründung ver­neint.

1. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass auf die im Ver­trag vom 7./12. Ja­nu­ar 2009 ver­ein­bar­te Be­fris­tung § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG An­wen­dung fin­det.

a) Der zeit­li­che Gel­tungs­be­reich des Wiss­Zeit­VG ist eröff­net. Für die Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­ver­trags ist die im Zeit­punkt ih­rer Ver­ein­ba­rung gel­ten­de Rechts­la­ge maßgeb­lich (vgl. BAG 29. April 2015 - 7 AZR 519/13 - Rn. 15; 2. Sep­tem­ber 2009 - 7 AZR 291/08 - Rn. 10, BA­GE 132, 54). Das Wiss­Zeit­VG ist mit dem „Ge­setz zur Ände­rung ar­beits­recht­li­cher Vor­schrif­ten in der Wis­sen­schaft“ vom 12. April 2007 (BGBl. I S. 506) be­schlos­sen wor­den und am 18. April 2007 in Kraft ge­tre­ten. Die im Ja­nu­ar 2009 ver­ein­bar­te Be­fris­tung un­terfällt nicht ei­ner der auf an­de­re Rechts­grund­la­gen ver­wei­sen­den Über­g­angs­re­ge­lun­gen nach § 6 Wiss­Zeit­VG (vgl. hier­zu BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 19, BA­GE 139, 109; 1. Ju­ni 2011 - 7 AZR 827/09 - Rn. 16 f., BA­GE 138, 91).

b) Auch der be­trieb­li­che Gel­tungs­be­reich von § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ist gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG eröff­net. Es han­delt sich um den Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­trags für ei­ne be­stimm­te Zeit an ei­ner Ein­rich­tung des Bil­dungs­we­sens, die nach Lan­des­recht ei­ne staat­li­che Hoch­schu­le ist. Zwar ist der Ver­trag nicht mit der Uni­ver­sität ge­schlos­sen wor­den; Ar­beit­ge­ber ist viel­mehr der be­klag­te Frei­staat. Vor­aus­set­zung der An­wend­bar­keit des § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG auf ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag ist aber nach § 1 Abs. 1 Satz 1

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Wiss­Zeit­VG nicht, dass die staat­li­che Hoch­schu­le der Ar­beit­ge­ber ist, son­dern dass der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer an ei­ner Ein­rich­tung tätig wer­den soll, die nach Lan­des­recht ei­ne staat­li­che Hoch­schu­le ist (vgl. BAG 9. De­zem­ber 2015 - 7 AZR 117/14 - Rn. 28). Dies ist vor­lie­gend der Fall. Gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. d Sächs­HSG vom 10. De­zem­ber 2008 ist die Uni­ver­sität Leip­zig ei­ne staat­li­che Hoch­schu­le des be­klag­ten Frei­staats.

c) Die Kläge­rin un­terfällt dem per­so­nel­len Gel­tungs­be­reich von § 2 Abs. 2, § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG. Als wis­sen­schaft­li­che Mit­ar­bei­te­rin gehört sie un­strei­tig zum wis­sen­schaft­li­chen Per­so­nal iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG.

d) Die Be­fris­tung genügt dem Zi­tier­ge­bot nach § 2 Abs. 4 Wiss­Zeit­VG. Da­nach ist im Ar­beits­ver­trag an­zu­ge­ben, ob die Be­fris­tung auf den Vor­schrif­ten des Wiss­Zeit­VG be­ruht. Dem Zi­tier­ge­bot ist ent­spro­chen, wenn sich aus der Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung oh­ne Un­klar­heit er­gibt, auf wel­che ge­setz­li­che Vor­schrift sich die Be­fris­tung stützt. Da­bei genügt es, wenn sich an­hand des schrift­li­chen Ver­trags­tex­tes durch Aus­le­gung er­mit­teln lässt, dass die Be­fris­tung auf dem Wiss­Zeit­VG be­ru­hen soll (BAG 23. März 2016 - 7 AZR 70/14 - Rn. 22; 9. De­zem­ber 2015 - 7 AZR 117/14 - Rn. 20). Dies ist hier der Fall. Im Ver­trag vom 7./12. Ja­nu­ar 2009 ist an­ge­ge­ben, dass das Ar­beits­verhält­nis nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG be­fris­tet ist.

2. Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG sei­en nicht erfüllt, hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand.

a) Nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG ist die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen zulässig, wenn die Beschäfti­gung über­wie­gend aus Mit­teln Drit­ter fi­nan­ziert wird, die Fi­nan­zie­rung für ei­ne be­stimm­te Auf­ga­be und Zeit­dau­er be­wil­ligt ist und die Mit­ar­bei­te­rin oder der Mit­ar­bei­ter über­wie­gend ent­spre­chend der Zweck­be­stim­mung die­ser Mit­tel beschäftigt wird.

aa) Ei­ne „Fi­nan­zie­rung aus Mit­teln Drit­ter“ liegt vor, wenn ein Pro­jekt nicht aus den der Hoch­schu­le oder For­schungs­ein­rich­tung zur Verfügung ste­hen­den

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re­gulären Haus­halts­mit­teln, son­dern an­der­wei­tig fi­nan­ziert wird (vgl. zu § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF: BAG 13. Au­gust 2008 - 7 AZR 295/07 - Rn. 14; 31. Ja­nu­ar 1990 - 7 AZR 125/89 - zu II 1 b der Gründe, BA­GE 65, 16; vgl. auch BT-Drs. 16/3438 S. 13). „Über­wie­gend“ er­folgt die Fi­nan­zie­rung der Beschäfti¬gung, wenn die kon­kre­te Stel­le zu mehr als 50 % aus den Dritt­mit­teln fi­nan­ziert wird (BT-Drs. 16/3438 S. 14; Krau­se in Geis Hoch­schul­recht in Bund und Ländern Stand April 2016 § 2 Wiss­Zeit­VG Rn. 69; Preis Wiss­Zeit­VG § 2 Rn. 65; KR/Tre­ber 11. Aufl. § 2 Wiss­Zeit­VG Rn. 51).

bb) Mit dem Tat­be­stands­merk­mal „Fi­nan­zie­rung für ei­ne be­stimm­te Auf­ga­be und Zeit­dau­er be­wil­ligt“ ist das Er­for­der­nis ei­ner kon­kre­ten auf­ga­ben- und zeit­be­zo­ge­nen Mit­tel­zu­wei­sung be­schrie­ben. Das At­tri­but „be­stimm­te“ be­zieht sich so­wohl auf die „Auf­ga­be“ als auch auf die „Zeit­dau­er“. Da­mit müssen die (Dritt-)Mit­tel ei­ner­seits hin­rei­chend zweck­ge­bun­den und an­de­rer­seits für ei­ne von vorn­her­ein fest­ste­hen­de Zeit­span­ne zur Verfügung ge­stellt sein. Die Re­ge­lung er­fasst da­mit nur sol­che Fi­nan­zie­rungs­be­wil­li­gun­gen, de­ren End­lich­keit hin­rei­chend ge­nau fest­steht (BAG 13. Fe­bru­ar 2013 - 7 AZR 284/11 - Rn. 24).

cc) Sch­ließlich muss der be­fris­tet beschäftig­te Mit­ar­bei­ter nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG über­wie­gend ent­spre­chend der Zweck­be­stim­mung beschäftigt wer­den. Die­ses Merk­mal soll in ers­ter Li­nie die In­ter­es­sen des Dritt­mit­tel­ge­bers schützen und zu­gleich ver­hin­dern, dass der aus Dritt­mit­teln fi­nan­zier­te Mit­ar­bei­ter zur Erfüllung all­ge­mei­ner Hoch­schul­auf­ga­ben ein­ge­setzt und der Be­fris­tungs­grund so­mit nur vor­ge­scho­ben wird, um Dau­er­auf­ga­ben zu erfüllen (Krau­se in Geis Hoch­schul­recht in Bund und Ländern Stand April 2016 § 2 Wiss­Zeit­VG Rn. 71; vgl. zu § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF BAG 15. Ja­nu­ar 1997 - 7 AZR 158/96 - zu I 4 b bb der Gründe). Das schließt es nicht aus, dass dritt-mit­tel­fi­nan­zier­tes Per­so­nal we­gen der Be­son­der­hei­ten des je­wei­li­gen For­schungs­vor­ha­bens oder des Zwangs zu ei­ner Vor- bzw. Zwi­schen­fi­nan­zie­rung in an­de­ren Dritt­mit­tel­pro­jek­ten ein­ge­setzt wird oder auch all­ge­mei­ne Hoch­schul­auf­ga­ben wahr­zu­neh­men hat, so­weit die Ver­wen­dung für pro­jekt­frem­de Tätig­kei­ten dem ob­jek­ti­ven In­ter­es­se des Dritt­mit­tel­ge­bers nicht zu­wi­derläuft (vgl. zu § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF: BAG 15. Ja­nu­ar 1997 - 7 AZR 158/96 -

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zu I 4 b bb der Gründe; 22. No­vem­ber 1995 - 7 AZR 248/95 - zu III 3 der Gründe, BA­GE 81, 300). In sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen nach § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG und § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF hat­te sich der Se­nat bis­lang nicht auf den er­for­der­li­chen Um­fang ei­ner zweck­ent­spre­chen­den Beschäfti­gung fest­ge­legt (vgl. zu § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG BAG 15. Fe­bru­ar 2006 - 7 AZR 241/05 -; zu § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF BAG 15. Ja­nu­ar 1997 - 7 AZR 158/96 - zu I 4 b cc der Gründe). Hier­zu be­stand auch kei­ne Ver­an­las­sung, da we­der § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF noch § 14 Abs. 1 Tz­B­fG aus­drück­lich ei­ne „über­wie­gen­de“ zweck­ent­spre­chen­de Beschäfti­gung ver­lang­ten. We­gen der zusätz­li­chen Auf­nah­me des Tat­be­stands­merk­mals „über­wie­gend“ in § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG er­for­dert ei­ne Be­fris­tung nach die­ser Be­stim­mung, dass sich der Mit­ar­bei­ter zu mehr als 50 % der Ar­beits­zeit dem dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Vor­ha­ben wid­met (so auch Krau­se in Geis Hoch­schul­recht in Bund und Ländern Stand April 2016 § 2 Wiss­Zeit­VG Rn. 72; Müller öAT 2010, 224; Preis Wiss­Zeit­VG § 2 Rn. 80; APS/Schmidt 4. Aufl. § 2 WZVG Rn. 34; vgl. zum er­for­der­li­chen Um­fang der Fi­nan­zie­rung aus Dritt­mit­teln BT-Drs. 16/3438 S. 14). Al­ler­dings muss der Mit­ar­bei­ter nicht kon­ti­nu­ier­lich zu mehr als 50 % sei­ner Ar­beits­zeit für das dritt­mit­tel­fi­nan­zier­te Vor­ha­ben ein­ge­setzt wer­den. Es genügt viel­mehr, dass sei­ne Ar­beits­kraft bei ei­ner Be­trach­tung der ge­sam­ten Lauf­zeit des Ar­beits­verhält­nis­ses über­wie­gend dem Dritt­mit­tel­pro­jekt zu­gu­te­kommt (so auch Krau­se in Geis Hoch­schul­recht in Bund und Ländern Stand April 2016 § 2 Wiss­Zeit­VG Rn. 72).

dd) Bei der Über­prüfung der über­wie­gend zweck­ent­spre­chen­den Beschäfti­gung ist nach all­ge­mei­nen be­fris­tungs­recht­li­chen Grundsätzen nicht auf die tatsächlich er­folg­te Beschäfti­gung während der Ver­trags­lauf­zeit ab­zu­stel­len, son­dern auf die im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses in­so­weit be­ste­hen­den Pla­nun­gen und Pro­gno­sen. Für die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung sind grundsätz­lich die Umstände im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses maßge­bend. Späte­re Ab­wei­chun­gen können le­dig­lich ei­ne in­di­zi­el­le Be­deu­tung dafür ha­ben, dass der Sach­grund für die Be­fris­tung bei Ver­trags­schluss in Wahr­heit nicht vor­lag, son­dern le­dig­lich vor­ge­scho­ben ist (BAG 16. No­vem­ber 2005 - 7 AZR 81/05 - Rn. 41; 22. No­vem­ber 1995 - 7 AZR 248/95 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 81,

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300). Ist da­her bei Ver­trags­schluss die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt, dass die Ar­beit an dem dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten For­schungs­pro­jekt den Ar­beit­neh­mer über­wie­gend be­an­spru­chen wird, scha­det es nicht, wenn be­reits fest­steht oder ab­seh­bar ist, dass der Ar­beit­neh­mer nicht aus­sch­ließlich pro­jekt­be­zo­ge­ne Tätig­kei­ten ausüben wird, son­dern da­ne­ben auch an­de­re Ar­bei­ten, ggf. auch Dau­er­auf­ga­ben des Ar­beit­ge­bers, er­le­di­gen soll. Ist hin­ge­gen be­reits bei Ver­trags­schluss ab­seh­bar, dass die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers mit pro­jekt­be­zo­ge­nen Auf­ga­ben nicht den we­sent­li­chen Teil der Ar­beits­zeit in An­spruch neh­men wird, son­dern der Ar­beit­neh­mer über­wie­gend zur Er­le­di­gung von Dau­er­auf­ga­ben ein­ge­setzt wer­den soll, be­steht kein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ab­schluss ei­nes nur be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags. In die­sem Fall kann nicht an­ge­nom­men wer­den, dass die Mit­wir­kung an dem Pro­jekt ursächlich für den Ver­trags­schluss ist, da be­reits vor­her­seh­bar ist, dass der Ar­beit­neh­mer nach Ab­lauf der Ver­trags­lauf­zeit wei­ter­hin in er­heb­li­chem Um­fang mit Dau­er­auf­ga­ben beschäftigt wer­den kann (vgl. BAG 16. No­vem­ber 2005 - 7 AZR 81/05 - Rn. 43). Die bei Ver­trags­schluss be­ste­hen­de Pro­gno­se hat der Ar­beit­ge­ber an­hand kon­kre­ter Tat­sa­chen dar­zu­le­gen. Nachträglich während der Ver­trags­lauf­zeit ein­tre­ten­de Ab­wei­chun­gen können le­dig­lich ein In­diz dafür sein, dass die Pro­gno­se un­zu­tref­fend war und der Sach­grund für die Be­fris­tung nur vor­ge­scho­ben ist (vgl. BAG 16. No­vem­ber 2005 - 7 AZR 81/05 - Rn. 44).

b) Da­nach ist die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG lägen nicht vor, nicht frei von Rechts­feh­lern.

aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Be­fris­tung we­gen Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 Satz 1 Wiss­Zeit­VG sei­en nicht erfüllt, weil die Kläge­rin während der Lauf­zeit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ab dem 1. Ja­nu­ar 2010 nicht über­wie­gend ent­spre­chend der Zweck­be­stim­mung des dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Pro­jekts „Can­cerSys“, son­dern während elf Mo­na­ten des ins­ge­samt 22 Mo­na­te an­dau­ern­den Ar­beits­verhält­nis­ses in ei­nem an­de­ren Pro­jekt (Nr. 977000-126) beschäftigt ge­we­sen und aus des­sen Mit­teln vergütet wor­den sei; zu sei­nen Pro­gno­seüber­le­gun­gen

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im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses ha­be sich der Be­klag­te nicht ein­ge­las­sen. Außer­dem sei die Kläge­rin be­reits im Rah­men der vor­an­ge­gan­ge­nen Dritt­mit­tel­be­fris­tung zu Be­ginn des Jah­res 2009 im Pro­jekt Nr. 977000-116 ein­ge­setzt wor­den. Dies las­se es na­he­lie­gend er­schei­nen, dass die Kläge­rin im We­sent­li­chen mit Dau­er­auf­ga­ben des Lehr­stuhls beschäftigt ge­we­sen sei.

bb) Die­se Würdi­gung hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu Un­recht an­ge­nom­men, die Vor­aus­set­zun­gen des § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG sei­en nicht erfüllt, weil die Kläge­rin nicht über­wie­gend zweck­ent­spre­chend beschäftigt wor­den sei. Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stellt, dass die Kläge­rin je­den­falls in dem Zeit­raum vom 1. Ju­li 2010 bis zum 31. Mai 2011, mit­hin elf Mo­na­te der 22 Mo­na­te an­dau­ern­den Lauf­zeit des letz­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags, nicht für das der Be­fris­tungs­ab­re­de zu­grun­de lie­gen­de Dritt­mit­tel­pro­jekt tätig ge­we­sen ist. Da­her ist die Kläge­rin je­den­alls nicht „über­wie­gend“ in dem der strei­ti­gen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung zu­grun­de lie­gen­den Dritt­mit­tel­pro­jekt ein­ge­setzt ge­we­sen. Wi­dersprüchlich ist aber be­reits, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus der zwi­schen­zeit­li­chen Beschäfti­gung in ei­nem an­de­ren Dritt­mit­tel­pro­jekt ge­schlos­sen hat, die Kläge­rin sei im We­sent­li­chen mit Dau­er­auf­ga­ben des Lehr­stuhls be­fasst ge­we­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­dem kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, ob bei Ab­schluss der strei­ti­gen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung am 7./12. Ja­nu­ar 2009 auf­grund ob­jek­ti­ver An­halts­punk­te die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt war, dass die Kläge­rin während der Ver­trags­dau­er vom 1. Ja­nu­ar 2010 bis zum 31. Ok­to­ber 2011 zu mehr als 50 % ih­rer Ge­samt­ar­beits­zeit mit pro­jekt­be­zo­ge­nen Ar­bei­ten be­fasst sein würde. So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt aus­geführt hat, der Be­klag­te ha­be sich zu sei­nen Pro­gno­seüber­le­gun­gen im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­trags nicht ein­ge­las­sen, hat es we­sent­li­ches Vor­brin­gen des Be­klag­ten hier­zu aus sei­ner Be­ru­fungs­er­wi­de­rung un­berück­sich­tigt ge­las­sen. Dies hat der Be­klag­te in der Re­vi­si­ons­be­gründung zu Recht gerügt.

(1) Der Be­klag­te hat­te in sei­ner Be­ru­fungs­er­wi­de­rung vor­ge­tra­gen, bei Ver­trags­schluss mit der Kläge­rin von de­ren aus­sch­ließli­chem Ein­satz in dem von ihm über­nom­me­nen Teil­pro­jekt des Pro­jekts „Can­cerSys“ aus­ge­gan­gen zu

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sein. Die Ein­stel­lung der Kläge­rin sei im Ok­to­ber 2008 zu Las­ten des Pro­jekts Nr. 977000-116 für den Zeit­raum vom 1. Ja­nu­ar 2009 bis zum 31. Ok­to­ber 2011 be­an­tragt wor­den. Da­bei sei erklärt wor­den, dass das Pro­jekt zum 31. Ok­to­ber 2011 ab­ge­schlos­sen sein wer­de und kein An­schluss­pro­jekt vor­ge­se­hen sei. Der Pro­jekt­lei­ter Prof. Dr. G ha­be bestätigt, dass nach En­de der Be­fris­tung der Be­darf an der Ar­beits­leis­tung der Kläge­rin weg­fal­le. Der Be­klag­te hat­te in der B-ru­fungs­er­wi­de­rung wei­ter aus­geführt, wel­che Umstände die zwi­schen­zeit­li­che Um­set­zung der Kläge­rin in das Pro­jekt „Vir­tu­el­le Le­ber“ be­dingt ha­ben sol­len. So ha­be die ma­the­ma­ti­sche Mo­del­lie­rung des wnt-Si­gnal­we­ges nicht in­ner­halb der hierfür ver­an­schlag­ten 24 Mo­na­te be­werk­stel­ligt wer­den können, weil die für den Ab­schnitt WP1.2. er­for­der­li­chen ex­pe­ri­men­tel­len Da­ten von der Kläge­rin nicht in not­wen­di­gem Um­fang hätten bei­ge­bracht wer­den können. Da­mit ha­be ein Scha­den für das Ge­samt­pro­jekt „Can­cerSys“ ge­droht, da die mit WP1.2. be­trau­ten Pro­jekt­part­ner nicht wie be­ab­sich­tigt auf die­sen Da­ten hätten auf­bau­en können. Da ähn­li­che Da­ten von Kom­po­nen­ten des wnt-β-ca­ten­in-Si­gnal­we­ges auch im Pro­jekt „Vir­tu­el­le Le­ber“ (Pro­jekt Nr. 977000-126) benötigt wor­den sei­en, um Mo­del­le für die­sen Si­gnal­weg zu er­stel­len, und dort be­reits ei­ne Ex­per­ti­se auf dem Ge­biet der Pro­teom-Ana­ly­se exis­tiert ha­be, hätten sich die Pro­jekt­part­ner zur tem­porären Um­set­zung der Kläge­rin in je­nes Pro­jekt ent­schlos­sen, um un­ter Nut­zung der dort vor­han­de­nen Ex­per­ti­se und Res­sour­cen die für bei­de Pro­jek­te er­for­der­li­chen wei­te­ren Da­ten zum Si­gnal­weg zu er­hal­ten. Es sei bei Ver­trags­schluss nicht ab­seh­bar ge­we­sen, dass die­se Auf­ga­be nicht in­ner­halb der vor­ge­se­he­nen Zeit­schie­ne im Pro­jekt „Can­cerSys“ ha­be bewältigt wer­den können. Die­ser Sach­vor­trag wur­de durch Be­nen­nung des Zeu­gen Prof. Dr. G un­ter Be­weis ge­stellt. Darüber hin­aus hat­te der Be­klag­te aus­geführt, Prof. Dr. T wer­de bestäti­gen können, dass die Um­set­zung der Kläge­rin erst nach Auf­tre­ten der Schwie­rig­kei­ten im Pro­jekt „Can­cerSys“ in Erwägung ge­zo­gen wor­den sei.

(2) Die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung lässt nicht er­ken­nen, dass das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­sen zen­tra­len Vor­trag des Be­klag­ten zu sei­nen Pro­gno­seüber­le­gun­gen hin­sicht­lich des Ein­sat­zes der Kläge­rin zur Kennt­nis ge­nom­men und er­wo­gen hat. Zwar hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt im Tat­be­stand der an­ge-

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foch­te­nen Ent­schei­dung auf die Be­ru­fungs­er­wi­de­rung des Be­klag­ten Be­zug ge­nom­men. Es hat aber in den Ent­schei­dungs­gründen aus­drück­lich aus­geführt, der Be­klag­te ha­be sich zu sei­nen Pro­gno­seüber­le­gun­gen im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des Ar­beits­ver­trags nicht ein­ge­las­sen. Dar­aus lässt sich ent­neh­men, dass es den Vor­trag des Be­klag­ten hier­zu nicht zur Kennt­nis ge­nom­men und berück­sich­tigt hat. Träfe die­ses Vor­brin­gen zu, wäre im Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt ge­we­sen, dass die Kläge­rin durch­ge­hend in dem Pro­jekt Nr. 977000-116 ein­ge­setzt wer­den soll­te. Dann hätte das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Kla­ge nicht mit der Be­gründung statt­ge­ben können, dass die Kläge­rin nicht über­wie­gend in dem Pro­jekt ein­ge­setzt wur­de und für ei­ne ge­gen­tei­li­ge Pro­gno­se nichts dar­ge­legt war.

Auf das Ar­gu­ment des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die im Rah­men ei­ner „Ge­samt­be­trach­tung“ vor­zu­neh­men­de Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Dritt­mit­tel­ge­bers durch den an­der­wei­ti­gen Ein­satz der Kläge­rin er­brin­ge schon des­halb kein für den Be­klag­ten güns­ti­ges Er­geb­nis, weil für den Be­fris­tungs­zeit-raum vom 25. April 2007 bis zum 31. De­zem­ber 2009 nicht fest­stell­bar sei, wer ursprüng­lich der Dritt­mit­tel­ge­ber war, des­sen In­ter­es­sen hätten be­ach­tet wer­den müssen, käme es in die­sem Fall nicht an. Im Übri­gen steht ei­ne zeit­wei­se an­der­wei­ti­ge Ver­wen­dung des dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Per­so­nals in Zeit­ab­schnit­ten, in de­nen die­ses nicht voll für die For­schungs­ar­beit ein­ge­setzt wer­den kann, der Zweck­be­stim­mung der Mit­tel nicht ent­ge­gen, so­fern die In­ter­es­sen des Dritt­mit­tel­ge­bers nicht be­ein­träch­tigt wer­den (zur Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF BAG 22. No­vem­ber 1995 - 7 AZR 248/95 - zu III 3 der Gründe, BA­GE 81, 300). Dafür ist aber maßgeb­lich, ob der an­der­wei­ti­ge Ein­satz des dritt­mit­tel­fi­nan­zier­ten Per­so­nals die In­ter­es­sen des­je­ni­gen Dritt­mit­tel­ge­bers be­ein­träch­tigt, des­sen Fi­nan­zie­rung der strei­ti­gen Be­fris­tung zu­grun­de liegt. Da­mit ist nicht auf die In­ter­es­sen des Dritt­mit­tel­ge­bers ab­zu­stel­len, auf des­sen Fi­nan­zie­rungs­zu­sa­ge die vor­an­ge­gan­ge­ne Be­fris­tung be­ruh­te.

II. Der Rechts­feh­ler führt zur Auf­he­bung der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zur wei­te­ren Sach­aufklärung. Der Se­nat kann nicht selbst ent­schei­den, ob die Be­fris­tung den

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An­for­de­run­gen des § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG genügt. Hier­zu be­darf es wei­te­rer tat­sa­chen­ge­richt­li­cher Fest­stel­lun­gen.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu den Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Dritt­mit­tel­be­fris­tung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG kei­ne hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen. Sei­ne Fest­stel­lun­gen be­schränken sich auf die Tat­sa­che, dass die Eu­ropäische Kom­mis­si­on im Rah­men der Fi­nanz­hil­fe­ver­ein­ba­rung das Pro­jekt „Can­cerSys“ für die Dau­er ei­ner Pro­jekt­lauf­zeit von 36 Mo­na­ten fi­nan­ziert hat. Da­nach dürf­te zwar ein durch ei­nen Drit­ten fi­nan­zier­tes For­schungs­pro­jekt vor-lie­gen. Auf der Grund­la­ge der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen kann al­ler­dings nicht be­ur­teilt wer­den, ob die Beschäfti­gung der Kläge­rin über­wie­gend aus den Dritt­mit­teln fi­nan­ziert wur­de. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat bis­lang kei­ne Fest­stel­lun­gen da­zu ge­trof­fen, in wel­cher Höhe dem Be­klag­ten Dritt­mit­tel für das Teil­pro­jekt zu­ge­flos­sen sind, wel­che Zweck­be­stim­mung der Dritt­mit­tel­ge­ber hier­zu ge­trof­fen hat­te, ob die Kläge­rin nach den Pla­nun­gen und Pro­gno­sen bei Ver­trags­schluss während der Ver­trags­lauf­zeit über­wie­gend ent­spre­chend die­ser Zweck­be­stim­mung beschäftigt wer­den soll­te und ob ih­re Tätig­keit aus den Dritt­mit­teln vergütet wer­den soll­te. Die­se Fest­stel­lun­gen wird das Lan­des­ar­beits­ge­richt nach­zu­ho­len ha­ben. Da­zu wird den Par­tei­en Ge­le­gen­heit zu wei­te­rem Sach­vor­trag zu ge­ben und der bis­lang über­g­an­ge­ne Sach­vor­trag des Be­klag­ten zu berück­sich­ti­gen sein.

III. Die Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Lan­des­ar­beits­ge­richt erübrigt sich nicht des­halb, weil die der Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge statt­ge­ben­de Ent­schei­dung aus an­de­ren Gründen rich­tig ist (§ 561 ZPO).

1. Die Be­fris­tung ist nicht nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs un­wirk­sam. Die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, dies sei der Fall, ist rechts­feh­ler­haft.

a) Die Ge­rich­te dürfen sich bei der Be­fris­tungs­kon­trol­le nicht auf die Prüfung des gel­tend ge­mach­ten Sach­grunds be­schränken. Sie sind viel­mehr aus uni­ons­recht­li­chen Gründen ver­pflich­tet, auch bei Vor­lie­gen ei­nes Sach­grunds für die Be­fris­tung durch Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls aus­zu-

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schließen, dass Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge zu-rück­grei­fen (EuGH 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 102 ff.; 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40). Dies gilt auch bei ei­ner auf § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG gestütz­ten Be­fris­tung. Auch da­bei han­delt es sich - im Ge­gen­satz zur Be­fris­tung nach § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG - um ei­ne Sach­grund­be­fris­tung. Die­se zusätz­li­che Prüfung ist im deut­schen Recht nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) vor­zu­neh­men (vgl. BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 14; 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 24; 12. No­vem­ber 2014 - 7 AZR 891/12 - Rn. 27, BA­GE 150, 8; grund­le­gend BAG 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 38, BA­GE 142, 308 und - 7 AZR 783/10 - Rn. 33).

aa) Die Prüfung, ob der Ar­beit­ge­ber miss­bräuch­lich auf be­fris­te­te Ar­beits­verträge zurück­ge­grif­fen hat, ver­langt ei­ne Würdi­gung sämt­li­cher Umstände des Ein­zel­falls (st. Rspr. seit BAG 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 40, BA­GE 142, 308; vgl. auch EuGH 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 102; 26. Ja­nu­ar 2012 - C-586/10 - [Kücük] Rn. 40, 43, 51, 55). Von be­son­de­rer Be­deu­tung sind die Ge­samt­dau­er der be­fris­te­ten Verträge so­wie die An¬zahl der Ver­trags­verlänge­run­gen. Fer­ner ist zu berück­sich­ti­gen, ob der Ar­beit­neh­mer stets auf dem­sel­ben Ar­beits­platz mit den­sel­ben Auf­ga­ben beschäftigt wur­de oder ob es sich um wech­seln­de, ganz un­ter­schied­li­che Auf­ga­ben han­delt. Bei zu­neh­men­der An­zahl be­fris­te­ter Verträge und Dau­er der be­fris­te­ten Beschäfti­gung ei­nes Ar­beit­neh­mers kann es ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der dem Ar­beit­ge­ber an sich recht­lich eröff­ne­ten Be­fris­tungsmöglich­keit dar­stel­len, wenn er ge­genüber ei­nem be­reits langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer trotz der tatsächlich vor­han­de­nen Möglich­keit ei­ner dau­er­haf­ten Ein­stel­lung im­mer wie­der auf be­fris­te­te Verträge zurück­greift (BAG 19. Fe­bru­ar 2014 - 7 AZR 260/12 - Rn. 36 mwN). Zu berück­sich­ti­gen ist außer­dem, ob die Lauf­zeit der Verträge zeit­lich hin­ter dem pro­gnos­ti­zier­ten Beschäfti­gungs­be­darf zurück­bleibt (BAG 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 46, aaO). Bei der Ge­samtwürdi­gung können da­ne­ben wei­te­re Ge­sichts­punk­te ei­ne Rol­le spie­len. Zu den­ken ist da­bei et­wa an die Zahl und Dau­er von Un­ter­bre­chun­gen zwi­schen den be­fris­te­ten Verträgen (BAG 10. Ju­li 2013 - 7 AZR 761/11 - Rn. 27). Bei der Ge-

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samt­be­ur­tei­lung ist die Übe­rein­stim­mung des vor­aus­sicht­li­chen Beschäfti­gungs­be­darfs und der ver­ein­bar­ten Lauf­zeit des be­fris­te­ten Ver­trags als In­diz ge­gen ei­nen Ge­stal­tungs­miss­brauch zu berück­sich­ti­gen. Da­ne­ben können grund­recht­lich gewähr­leis­te­te Frei­hei­ten von Be­deu­tung sein (BAG 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 25; 24. Sep­tem­ber 2014 - 7 AZR 987/12 - Rn. 38; 19. Fe­bru­ar 2014 - 7 AZR 260/12 - Rn. 36; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 47, aaO). Außer­dem sind die be­son­de­ren An­for­de­run­gen der in Re­de ste­hen­den Bran­chen und/oder Ar­beit­neh­mer­ka­te­go­ri­en zu berück­sich­ti­gen, so­fern dies ob­jek­tiv ge­recht­fer­tigt ist (EuGH 26. Fe­bru­ar 2015 - C-238/14 - [Kom­mis­si­on/Lu­xem­burg] Rn. 40).

bb) Zur Be­stim­mung der Schwel­le ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Ge­stal­tung von Sach­grund­be­fris­tun­gen kann an die ge­setz­li­chen Wer­tun­gen in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG an­ge­knüpft wer­den. Die Vor­schrift macht ei­ne Aus­nah­me von dem Er­for­der­nis der Sach­grund­be­fris­tung und er­leich­tert da­mit den Ab­schluss von be­fris­te­ten Verträgen bis zu der fest­ge­leg­ten Höchst­dau­er von zwei Jah­ren bei ma­xi­mal drei­ma­li­ger Verlänge­rungsmöglich­keit. Sie kenn­zeich­net den nach Auf­fas­sung des Ge­setz­ge­bers un­ter al­len Umständen un­pro­ble­ma­ti­schen Be­reich. Ist ein Sach­grund nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ge­ge­ben, lässt erst das er­heb­li­che Über­schrei­ten die­ser Grenz­wer­te den Schluss auf ei­ne miss­bräuch­li­che Ge­stal­tung zu. Zu­min­dest re­gelmäßig be­steht hier­nach bei Vor­lie­gen ei­nes die Be­fris­tung an sich recht­fer­ti­gen­den Sach­grunds kein ge­stei­ger­ter An­lass zur Miss­brauchs­kon­trol­le, wenn die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG für die sach­grund­lo­se Be­fris­tung be­zeich­ne­ten Gren­zen nicht um ein Mehr­fa­ches über­schrit­ten sind. Wer­den die­se Gren­zen je­doch al­ter­na­tiv oder ins­be­son­de­re ku­mu­la­tiv mehr­fach über­schrit­ten, ist ei­ne um­fas­sen­de Miss­brauchs­kon­trol­le ge­bo­ten, in de­ren Rah­men es Sa­che des Ar­beit­neh­mers ist, noch wei­te­re für ei­nen Miss­brauch spre­chen­de Umstände vor­zu­tra­gen. Wer­den die in § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ge­nann­ten Gren­zen al­ter­na­tiv oder ins­be­son­de­re ku­mu­la­tiv in gra­vie­ren­dem Aus­maß über­schrit­ten, kann ei­ne miss­bräuch­li­che Aus­nut­zung der an sich eröff­ne­ten Möglich­keit zur Sach­grund­be­fris­tung in­di­ziert sein. In ei­nem sol­chen Fall hat al­ler­dings der Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit, die An­nah­me des in­di­zier­ten Ge­stal­tungs­miss­brauchs durch den Vor­trag be­son­de­rer Umstände zu ent­kräf-

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ten (BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 16; 29. April 2015 - 7 AZR 310/13 - Rn. 26; 18. Ju­li 2012 - 7 AZR 443/09 - Rn. 48, BA­GE 142, 308).

b) Da­nach hält die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Be­fris­tung sei nach den Grundsätzen des in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs un­wirk­sam, ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand. Da­bei kann zu Guns­ten der Kläge­rin un­ter­stellt wer­den, dass die ge­sam­te Dau­er ih­rer Beschäfti­gung beim Be­klag­ten ein­sch­ließlich der Be­am­ten­verhält­nis­se auf Zeit bei der Prüfung ei­nes in­sti­tu­tio­nel­len Rechts­miss­brauchs zu berück­sich­ti­gen und ein Ge­stal­tungs­miss­brauch we­gen der lan­gen Dau­er ih­rer Beschäfti­gung in­di­ziert ist. Es lie­gen be­son­de­re Umstände vor, die die In­dizwir­kung wi­der­le­gen.

aa) Ge­gen ei­nen Ge­stal­tungs­miss­brauch spricht zunächst der Um­stand, dass die Be­fris­tun­gen auf un­ter­schied­li­chen Gründen be­ru­hen (vgl. BAG 10. Ju­li 2013 - 7 AZR 761/11 - Rn. 30). Erst den letz­ten bei­den Be­fris­tungs­ab­re­den liegt der Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG zu­grun­de. Da­bei bleibt die letz­te Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung zeit­lich nicht hin­ter dem sich aus der Fi­nanz­hil­fe­ver­ein­ba­rung er­ge­ben­den Fi­nan­zie­rungs­zeit­raum zurück. Dies spricht ge­gen die An­nah­me, es be­ste­he tatsächlich ein dau­er­haf­ter Beschäfti­gungs­be­darf.

bb) Auch die am Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel aus­ge­rich­te­te langjähri­ge Beschäfti­gung der Kläge­rin in der Zeit vor den Dritt­mit­tel­be­fris­tun­gen spricht ge­gen ei­nen Ge­stal­tungs­miss­brauch. Die letz­ten Be­fris­tungs­ab­re­den vor dem Ein­tritt in das Be­am­ten­verhält­nis auf Zeit er­folg­ten „zum Ab­schluss der Pro­mo­ti­on als Vor­aus­set­zung für die Über­nah­me als Be­am­ter auf Zeit“ und nach Ab­schluss der Pro­mo­ti­on der Kläge­rin „zum Er­werb der Ha­bi­li­ta­ti­on“ auf der Grund­la­ge von § 57b Abs. 2 Nr. 1 HRG aF. Sie wa­ren da­her al­lein am Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel aus­ge­rich­tet. Auch die Zeit des Be­am­ten­verhält­nis­ses als wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­tin ab März 1996 dien­te der wei­te­ren wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on der Kläge­rin. Gemäß § 60 Satz 1 SHG vom 4. Au­gust 1993 bzw. § 47 Abs. 1 SächsHG vom 11. Ju­ni 1999 konn­ten wis­sen­schaft­li­che As­sis­ten­ten für die Dau­er von drei Jah­ren zu Be­am­ten auf Zeit er­nannt wer­den. Das Be­am­ten­verhält­nis ei­nes As­sis­ten­ten soll­te mit des­sen Zu­stim­mung spätes­tens vier Mo­na­te vor sei­nem Ab-

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lauf um wei­te­re drei Jah­re verlängert wer­den, wenn er die wei­te­re wis­sen­schaft­li­che Qua­li­fi­ka­ti­on er­wor­ben hat­te oder zu er­war­ten war, dass er sie in die­ser Zeit er­wer­ben würde (§ 60 Satz 2 SHG 1993 bzw. § 47 Abs. 3 Satz 1 SächsHG 1999). Die den Be­fris­tun­gen zu­grun­de lie­gen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen des „Son­der­be­fris­tungs­rechts“ der vor­ma­li­gen §§ 57a ff. HRG dien­ten eben­so wie die ge­nann­ten Be­stim­mun­gen des Säch­si­schen Hoch­schul­ge­set­zes ei­nem an-ge­mes­se­nen Aus­gleich der In­ter­es­sen der Hoch­schu­le, wel­che die Wis­sen­schafts­frei­heit des Art. 5 Abs. 3 GG für sich in An­spruch neh­men kann, und de­ren wis­sen­schaft­li­chem Per­so­nal (vgl. BAG 24. Fe­bru­ar 2016 - 7 AZR 712/13 - Rn. 36). Auch § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG ermöglicht seit sei­nem In­kraft­tre­ten am 18. April 2007 langjähri­ge sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen zur wis­sen­schaft­li­chen Qua­li­fi­ka­ti­on. In die­sen Re­ge­lun­gen ist ei­ne Höchst­be­fris­tungs­dau­er fest­ge­legt, was den An­for­de­run­gen von § 5 Nr. 1 Buchst. b der EGB-UN­ICE-CEEP-Rah­men­ver­ein­ba­rung über be­fris­te­te Ar­beits­verträge im An­hang der Richt­li­nie 1999/70/EG genügt (BAG 24. Au­gust 2011 - 7 AZR 228/10 - Rn. 35, BA­GE 139, 109). § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG lässt da­her für wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal an Hoch­schu­len in weit­aus größerem Um­fang sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen zu als § 14 Abs. 2 Tz­B­fG. Da­bei wirkt die am Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel ori­en­tier­te Ma­xi­mal­be­fris­tungs­dau­er der rechts­miss­bräuch­li­chen In­an­spruch­nah­me der Be­fris­tungsmöglich­keit ent­ge­gen. Die Rah­men­ver­ein­ba­rung er­kennt aus­weis­lich des zwei­ten und des drit­ten Ab­sat­zes ih­rer Präam­bel so­wie der Nrn. 8 und 10 ih­rer All­ge­mei­nen Erwägun­gen an, dass be­fris­te­te Ar­beits­verträge für die Beschäfti­gung in be­stimm­ten Bran­chen oder be­stimm­ten Be­ru­fen und Tätig­kei­ten cha­rak­te­ris­tisch sind (vgl. EuGH 26. No­vem­ber 2014 - C-22/13 ua. - [Mas­co­lo] Rn. 75; 3. Ju­li 2014 - C-362/13 ua. - [Fia­min­go ua.] Rn. 59; 13. März 2014 - C-190/13 - [Márquez Sa­mo­ha­no] Rn. 51). Die­se Be­son­der­hei­ten im Hoch-chul­be­reich und im Wer­de­gang der Kläge­rin hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei sei­ner Würdi­gung nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt.

cc) An­de­re Umstände, die die Be­fris­tung als rechts­miss­bräuch­lich er­schei­nen las­sen könn­ten, sind we­der dar­ge­legt noch sonst er­sicht­lich. Im Rah­men der Ge­samtwürdi­gung ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin ins­be­son­de­re nicht zu prüfen, ob die vor­letz­te Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung mögli­cher­wei­se nicht

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durch den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nach § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ge­recht­fer­tigt war. Be­fris­tungs­ab­re­den, die nicht in­ner­halb der Frist des § 17 Satz 1 Tz­B­fG mit ei­ner Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge an­ge­grif­fen wer­den, gel­ten nach § 17 Satz 2 Tz­B­fG iVm. § 7 KSchG als wirk­sam. Die­se Fik­ti­on steht ei­ner späte­ren Prüfung der Be­fris­tung auf ih­re Recht­fer­ti­gung im Rah­men ei­ner Rechts­miss­brauchs­kon­trol­le ent­ge­gen (BAG 7. Ok­to­ber 2015 - 7 AZR 944/13 - Rn. 26).

2. Der Wirk­sam­keit der Be­fris­tung ste­hen per­so­nal­ver­tre­tungs­recht­li­che Gründe nicht ent­ge­gen. Der Per­so­nal­rat hat nach den Be­stim­mun­gen des Sächs­Pers­VG kein Mit­be­stim­mungs­recht bei der Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen. Ein der­ar­ti­ges Mit­be­stim­mungs­recht er­gibt sich nicht aus § 80 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­Pers­VG. Da­nach hat die Per­so­nal­ver­tre­tung bei der Ein­stel­lung ein­ge­schränkt mit­zu­be­stim­men. Ei­ne un­zu­rei­chen­de Per­so­nal­rats­be­tei­li­gung bei der Ein­stel­lung führt je­doch nicht zur Un­wirk­sam­keit der im Zu­sam­men­hang mit ihr ge­trof­fe­nen Be­fris­tungs­ver­ein­ba­rung. Le­dig­lich dann, wenn zu den mit­be­stim­mungs­pflich­ti­gen Maßnah­men Rechts­geschäfte - wie zB ei­ne Be­fris­tung - gehören, ist die Be­ach­tung des Mit­be­stim­mungs­rechts der Per­so­nal­ver­tre­tung Wirk­sam­keits­vor­aus­set­zung (BAG 5. Mai 2004 - 7 AZR 629/03 - zu I 5 der Gründe, BA­GE 110, 295; 27. Sep­tem­ber 2000 - 7 AZR 412/99 - zu B I 2 der Gründe). § 80 Abs. 1 Nr. 1 Sächs­Pers­VG sieht kein Mit­be­stim­mungs­recht des Per­so­nal­rats bei der Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen vor.

IV. Die Zurück­ver­wei­sung des Rechts­streits an das Lan­des­ar­beits­ge­richt erübrigt sich auch nicht des­halb, weil die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge aus an­de­ren Gründen ab­zu­wei­sen ist (§ 563 Abs. 3 ZPO).

1. Die strei­ti­ge Be­fris­tungs­ab­re­de ist nicht als sach­grund­lo­se Be­fris­tung nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG wirk­sam, denn die nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG zu-lässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er von zwei Jah­ren ist un­ter Berück­sich­ti­gung des vor­an­ge­gan­ge­nen dritt­mit­tel­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags nicht ein­ge­hal­ten. Auch kann die Be­fris­tung nicht mit Er­folg auf § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG gestützt wer­den, weil die dort ge­re­gel­te Höchst­be­fris­tungs­dau­er in der sog. Post­doc-Pha­se, auf

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die das Be­am­ten­verhält­nis gemäß § 2 Abs. 3 Satz 1 Wiss­Zeit­VG an­zu­rech­nen ist, über­schrit­ten ist.

2. Auf den Sach­grund der „Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung“ nach § 14 Abs. 1 Tz­B­fG kann die Be­fris­tung nicht gestützt wer­den, weil die­ser Be­fris­tungs­tat­be­stand für wis­sen­schaft­li­ches Per­so­nal an Hoch­schu­len in § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ge­re­gelt ist, der in sei­nem Gel­tungs­be­reich als Spe­zi­al­re­ge­lung § 14 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG in­so­weit ver­drängt. § 1 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG steht dem nicht ent­ge­gen.

a) Im Hoch­schul­be­reich gel­ten für den Ab­schluss von be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen mit wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal mit Aus­nah­me der Hoch­schul­leh­rer gemäß § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG die Be­stim­mun­gen der §§ 2 und 3 Wiss­Zeit­VG. Da­mit re­gelt das Wiss­Zeit­VG spe­zi­ell für den ge­nann­ten Per­so­nen­kreis ne­ben der am Qua­li­fi­ka­ti­ons­ziel fest­ge­leg­ten sach­grund­lo­sen Be­fris­tung in § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG die auf den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung gestütz­te wei­te­re Be­fris­tungsmöglich­keit.

b) Die Möglich­keit, ei­ne Be­fris­tung im Hoch­schul­be­reich auf den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung zu stützen, war erst­mals durch den im Jahr 1985 in Kraft ge­tre­te­nen § 57b Abs. 2 Nr. 4 HRG aF aus­drück­lich ein­geführt wor­den. Die­se Vor­schrift wur­de im Zu­ge der Um­ge­stal­tung des Son­der­be­fris­tungs­rechts durch das 5. HRGÄndG im Jahr 2002 wie­der auf­ge­ho­ben. Erst mit dem am 18. April 2007 in Kraft ge­tre­te­nen § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG wur­de die Möglich­keit ei­ner Dritt­mit­tel­be­fris­tung er­neut ge­schaf­fen. In der Zwi­schen­zeit, in der kei­ne ge­son­der­te ge­setz­li­che Re­ge­lung be­stand, blieb ei­ne auf den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung gestütz­te Be­fris­tung nach der Recht­spre­chung des Se­nats gemäß § 14 Abs. 1 Tz­B­fG möglich (vgl. zB BAG 15. Fe­bru­ar 2006 - 7 AZR 241/05 -). Nach er­neu­ter Einführung des Sach­grunds der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung im Son­der­be­fris­tungs­recht des Wiss­Zeit­VG kann die Be­fris­tung von Ar­beits­verträgen mit wis­sen­schaft­li­chem und künst­le­ri­schem Per­so­nal an Hoch­schu­len aus Gründen der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung nicht mit Er­folg auf § 14 Abs. 1 Tz­B­fG gestützt wer­den, da für die­ses Per­so­nal die spe­zi­el­le­re Be­fris­tungs­re­ge­lung in § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG An­wen­dung fin­det.

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c) Dem steht § 1 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG nicht ent­ge­gen. Nach die­ser Re­ge­lung bleibt zwar das Recht der Hoch­schu­len un­berührt, das in § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG be­zeich­ne­te Per­so­nal auch in un­be­fris­te­ten oder nach Maßga­be des Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen zu beschäfti­gen. Mit der er­neu­ten Einführung des Dritt­mit­tel­tat­be­stan­des soll­te je­doch kein wei­te­rer - ne­ben § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ste­hen­der - Be­fris­tungs­grund ge­schaf­fen wer­den, son­dern die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Dritt­mit­tel­be­fris­tung gemäß § 14 Abs. 1 Tz­B­fG ko­di­fi­ziert, kon­tu­riert und rechts­si­cher aus­ge­stal­tet wer­den (BT-Drs. 16/3438 S. 10, 13). Es han­delt sich da­mit bei der Re­ge­lung des § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG um ei­ne ab­sch­ließen­de Spe­zi­al­re­ge­lung, die die Be­fris­tungs­vor­schrif­ten in § 14 Abs. 1 Tz­B­fG in Be­zug auf den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung ver­drängt (vgl. zu § 2 Abs. 1 Wiss­Zeit­VG BAG 18. Mai 2016 - 7 AZR 533/14 -). Fin­det § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG kei­ne An­wen­dung, weil die Be­fris­tung dem Zi­tier­ge­bot des § 2 Abs. 4 Satz 1 Wiss­Zeit­VG nicht genügt, kann die Be­fris­tung nicht auf den Sach­grund der Dritt­mit­tel­fi­nan­zie­rung gestützt wer­den (aA Krau­se in Geis Hoch­schul­recht in Bund und Ländern Stand April 2016 § 1 Wiss­Zeit­VG Rn. 46; Preis Wiss­Zeit­VG § 1 Rn. 73). Die in § 1 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ge­trof­fe­ne Re­ge­lung, wo­nach das Recht der Hoch­schu­len un­berührt bleibt, das in § 1 Abs. 1 Satz 1 Wiss­Zeit­VG be­zeich­ne­te Per­so­nal auch in un­be­fris­te­ten oder nach Maßga­be des Tz­B­fG be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen zu beschäfti­gen, ist da­her da­hin zu ver­ste­hen, dass dies nur gilt, so­weit das Wiss­Zeit­VG kei­ne Be­fris­tungs­tat­bestände selbständig re­gelt.

3. Ob die Be­fris­tung durch den Sach­grund des vorüber­ge­hen­den Be­darfs an der Ar­beits­leis­tung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt ist, weil die Kläge­rin zur Mit­ar­beit an ei­nem zeit­lich be­grenz­ten Pro­jekt ein­ge­stellt wur­de, kann der Se­nat nicht ent­schei­den, da es auch in­so­weit an hin­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts fehlt.

a) Die un­ter § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG fal­len­de sog. Pro­jekt­be­fris­tung wird nicht durch § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG ver­drängt. Die­ser Tat­be­stand ist - an­ders als die Dritt­mit­tel­be­fris­tung - im Wiss­Zeit­VG nicht ge­re­gelt. Er un­ter-

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schei­det sich auch im Hin­blick auf die Vor­aus­set­zun­gen vom Dritt­mit­tel­tat­be­stand in § 2 Abs. 2 Wiss­Zeit­VG.

b) Der be­trieb­li­che Be­darf an der Ar­beits­leis­tung ist nur vorüber­ge­hend iSv. § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 1 Tz­B­fG, wenn im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses mit hin­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­war­ten ist, dass nach dem vor­ge­se­he­nen Ver­trags­en­de für die Beschäfti­gung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers in dem Be­trieb kein (dau­er­haf­ter) Be­darf mehr be­steht (st. Rspr., vgl. zB BAG 17. Ja­nu­ar 2007 - 7 AZR 20/06 - Rn. 28 mwN, BA­GE 121, 18). Auch die Mit­wir­kung des Ar­beit­neh­mers an ei­nem vorüber­ge­hend an­fal­len­den Pro­jekt kann die Be­fris­tung des mit ihm ab­ge­schlos­se­nen Ar­beits­ver­trags recht­fer­ti­gen (BAG 24. Sep­tem­ber 2014 - 7 AZR 987/12 - Rn. 16; 13. Fe­bru­ar 2013 - 7 AZR 284/11 - Rn. 36; 29. Ju­li 2009 - 7 AZR 907/07 - Rn. 19 mwN). Wird ein Ar­beit­neh­mer für die Mit­wir­kung an ei­nem Pro­jekt be­fris­tet ein­ge­stellt, muss be­reits im Zeit­punkt des Ver­trags­schlus­ses zu er­war­ten sein, dass die im Rah­men des Pro­jekts durch­geführ­ten Auf­ga­ben nicht dau­er­haft an­fal­len. Für ei­ne sol­che Pro­gno­se müssen aus­rei­chend kon­kre­te An­halts­punk­te vor­lie­gen (vgl. BAG 24. Sep­tem­ber 2014 - 7 AZR 987/12 - Rn. 18; 13. Fe­bru­ar 2013 - 7 AZR 284/11 - Rn. 36). Ein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zur Durchführung ei­nes Pro­jekts setzt vor­aus, dass der pro­jekt­be­dingt vorüber­ge­hen­de Be­darf an der Ar­beits­leis­tung aus­schlag­ge­bend für den Ab­schluss des Ar­beits­ver­trags ist. Ist da­her bei Ver­trags­schluss die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt, dass die Ar­beit an dem For­schungs­pro­jekt den we­sent­li­chen Teil der Ar­beits­zeit be­an­spru­chen wird, scha­det es nicht, wenn be­reits fest­steht oder ab­seh­bar ist, dass der Ar­beit­neh­mer nicht aus­sch­ließlich pro­jekt­be­zo­ge­ne Tätig­kei­ten ausüben wird. Ist hin­ge­gen be­reits bei Ver­trags­schluss ab­seh­bar, dass die Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers mit pro­jekt­be­zo­ge­nen Auf­ga­ben nicht den we­sent­li­chen Teil der Ar­beits­zeit in An­spruch neh­men wird, be­steht kein an­er­ken­nens­wer­tes In­ter­es­se des Ar­beit­ge­bers am Ab­schluss ei­nes nur be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags (BAG 24. Sep­tem­ber 2014 - 7 AZR 987/12 - Rn. 21; 7. Mai 2008 - 7 AZR 146/07 - Rn. 16, 23 mwN).

- 23 - 

c) Die Prüfung, ob die­se Vor­aus­set­zun­gen im Streit­fall erfüllt sind, kann der Se­nat man­gels hin­rei­chen­der Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht selbst vor­neh­men. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird ggf. die ent­spre­chen­den Fest­stel­lun­gen zu tref­fen ha­ben. Ins­be­son­de­re wird es ggf. zu prüfen ha­ben, ob bei Ver­trags­schluss die Pro­gno­se ge­recht­fer­tigt war, dass die Ar­beit an dem For­schungs­pro­jekt den we­sent­li­chen Teil der Ar­beits­zeit der Kläge­rin be­an­spru­chen wer­de.

V. Die Zurück­ver­wei­sung be­trifft auch den Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag. 

 

Gräfl M.

Renn­pferdt 

Was­kow

Au­hu­ber 

Meißner

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