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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Kündigungsbefugnis, Kündigungsfrist
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 403/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 26.03.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Gießen, Urteil vom 03.03.2006, 4 Ca 232/04
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 02.02.2007, 10 Sa 790/06
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 403/07
10 Sa 790/06
Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
26. März 2009

UR­TEIL

Kauf­hold, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

1.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

2.

3.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

4.

Be­klag­ter, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 26. März 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lücke und Fal­ke für Recht er­kannt:

 

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Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 2. Fe­bru­ar 2007 - 10 Sa 790/06 - auf­ge­ho­ben.

Der Rechts­streit wird zur neu­en Ver­hand­lung und Ent­schei­dung - auch über die Kos­ten der Re­vi­si­on - an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten noch über die Wirk­sam­keit von zwei frist­lo­sen Kündi­gun­gen, über das Fort­be­ste­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses nach ei­nem be­haup­te­ten Be­triebsüber­gang so­wie um et­wai­ge An­nah­me­ver­zugs­ansprüche für den Zeit­raum vom 1. April bis zum 31. Au­gust 2004.

Der Kläger war seit dem 1. Fe­bru­ar 2002 bei der T GmbH (im Fol­gen­den: Schuld­ne­rin) als Miet­wa­gen­fah­rer beschäftigt. Über das Vermögen der Schuld­ne­rin wur­de am 1. April 2004, um 11:15 Uhr das In­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net. Der Be­klag­te zu 4) wur­de zum In­sol­venz­ver­wal­ter be­stellt.

Am 1. April 2004 um 18:00 Uhr er­hielt der Kläger ei­ne auf dem Brief­pa­pier der Schuld­ne­rin ge­fer­tig­te und vom Geschäftsführer der Schuld­ne­rin un­ter­schrie­be­ne frist­lo­se Kündi­gung. Der Kläger mach­te bei der Überg­a­be des Kündi­gungs­schrei­bens gel­tend, der Geschäftsführer könne über die Kündi­gung we­gen der In­sol­venz nicht mehr selbst ent­schei­den.

Im Lau­fe des In­sol­venz­ver­fah­rens wur­de auf der Ba­sis ei­nes As­set-Kauf­ver­trags vom 7. April 2004 die Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung vom Be­klag­ten zu 4) an die Be­klag­te zu 1) veräußert. Zu­vor hat­te die Be­klag­te zu 1) mit den Be­klag­ten zu 2) und 3) ei­ne Ver­ein­ba­rung ge­schlos­sen, nach der sich die Be­klag­ten zu 2) und 3) den sich aus dem As­set-Kauf­ver­trag er­ge­ben­den Rech­ten und Pflich­ten un­ter­wor­fen hat­ten. Ob auf­grund der Veräußerung der

 

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Be­triebs- und Geschäfts­aus­stat­tung ein Be­triebsüber­gang iSv. § 613a BGB er­folgt ist, ist zwi­schen den Par­tei­en strei­tig.

Mit Schrift­satz vom 16. Ju­ni 2004 kündig­te der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten zu 1) vor­sorg­lich das Ar­beits­verhält­nis er­neut frist­los. Die Kündi­gung ging dem Kläger am 22. Ju­ni 2004 zu.

Mit der am 28. April 2004 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und zunächst aus­sch­ließlich ge­gen die Be­klag­te zu 1) und den Be­klag­ten zu 4) ge­rich­te­ten Kla­ge hat sich der Kläger ge­gen die Wirk­sam­keit der Kündi­gung vom 1. April 2004 ge­wandt und die nachträgli­che Zu­las­sung sei­ner Kündi­gungs-schutz­kla­ge be­gehrt. Im Lau­fe des Ver­fah­rens hat der Be­klag­te zu 4) erklärt, er ha­be das Ar­beits­verhält­nis nicht gekündigt und dem Geschäftsführer auch kei­ne Voll­macht zum Aus­spruch ei­ner Kündi­gung er­teilt. Dar­auf­hin hat der Kläger den Kündi­gungs­schutz­an­trag ge­gen den Be­klag­ten zu 4) zurück-ge­nom­men. Später hat der Kläger die Kündi­gungs­schutz­kla­ge auf die Be­klag­ten zu 2) bis 3) und vor­sorg­lich (er­neut) auf den Be­klag­ten zu 4) er­wei­tert. Die Un­wirk­sam­keit der Schrift­satzkündi­gung vom 16. Ju­ni 2004 hat der Kläger mit dem am 2. Ju­li 2004 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz gel­tend ge­macht so­wie sei­ne Kla­ge we­gen der Zah­lungs­ansprüche mehr­fach er­wei­tert.

Zur Be­gründung der Kla­ge hat der Kläger aus­geführt: Die Kündi­gung vom 1. April 2004 sei un­wirk­sam. Der Geschäftsführer sei zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­zu­gangs nicht mehr zur Kündi­gung be­rech­tigt ge­we­sen. Da ein Nicht­be­rech­tig­ter gekündigt ha­be, fin­de die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist des § 4 Satz 1 KSchG kei­ne An­wen­dung. Sein An­spruch auf Zah­lung von An­nah­me­ver­zug be­rech­ne sich nach der für ei­nen Kraft­fah­rer maßgeb­li­chen Lohn-grup­pe 2 des Lohn­ta­rif­ver­trags für die Beschäftig­ten des pri­va­ten Trans­port-und Ver­kehrs­ge­wer­bes in Hes­sen, da die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Vergütung sit­ten­wid­rig sei.

Der Kläger hat - so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren noch von In­ter­es­se - be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der T GmbH durch die Kündi­gungs­erklärung des Geschäftsführers K vom 1. April 2004 nicht auf­gelöst

 

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wor­den ist;

2. fest­zu­stel­len, dass seit dem 7. April 2004 zwi­schen dem Kläger und den Be­klag­ten zu 1) bis 3) ein Ar­beits­verhält­nis zu un­veränder­ten Be­din­gun­gen wie zu­vor mit der T GmbH be­steht;

3. die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, als Ge­samt­schuld­ner an den Kläger 2.748,63 Eu­ro brut­to ab­zgl. er­hal­te­nen In­sol­venz­gel­des von 847,61 Eu­ro nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab 1. Mai 2004 zu zah­len;

4. die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, als Ge­samt­schuld­ner an den Kläger 2.623,69 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 1. Ju­ni 2004 zu zah­len;

5. die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, als Ge­samt­schuld­ner an den Kläger 2.748,63 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 1. Ju­li 2004 zu zah­len;

6. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und den Be­klag­ten zu 1) bis 3) durch die frist­lo­se Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1) vom 16. Ju­ni 2004 nicht auf­gelöst wor­den ist;

7. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen dem Kläger und den Be­klag­ten zu 1) bis 3) über den 22. Ju­ni 2004 hin­aus zu un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen fort­be­steht;

8. die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, als Ge­samt­schuld­ner an den Kläger 2.748,63 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab 1. Au­gust 2004 ab­zgl. ver­ein­nahm­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des von 474,92 Eu­ro zu zah­len;

9. die Be­klag­ten zu 1) bis 3) zu ver­ur­tei­len, als Ge­samt­schuld­ner an den Kläger 2.748,63 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab 1. Sep­tem­ber 2004 abzüglich ver­ein­nahm­ten Ar­beits­lo­sen­gel­des von 474,92 Eu­ro zu zah­len.

Die Be­klag­ten ha­ben zur Be­gründung ih­res Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trags im We­sent­li­chen aus­geführt: Das Ar­beits­verhält­nis sei durch die Kündi­gung vom 1. April 2004 wirk­sam be­en­det wor­den. Der Kläger ha­be sei­ne

 

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Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht recht­zei­tig in­ner­halb der ge­setz­li­chen drei-wöchi­gen Kla­ge­frist er­ho­ben. Die Be­klag­ten zu 1) bis 3) ha­ben be­haup­tet, der Be­klag­te zu 4) ha­be den Geschäftsführer der Schuld­ne­rin zum Aus­spruch der Kündi­gung ermäch­tigt. Die Be­klag­te zu 1) hat wei­ter be­haup­tet, sie sei im Rah­men der Veräußerung le­dig­lich als Ver­mitt­le­rin auf­ge­tre­ten und ha­be zu kei­nem Zeit­punkt die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Lei­tungs­macht in­ne ge­habt.

Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch rechts­kräfti­gen Be­schluss zurück­ge­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt der Kläger die Auf­he­bung des Be­ru­fungs­ur­teils und ver­folgt sein ursprüng­li­ches Be­geh­ren wei­ter. Die ursprüng­lich von ihm auch gel­tend ge­mach­ten Vergütungs­ansprüche für den Zeit­raum vor In­sol­ven­zeröff­nung wer­den mit der Re­vi­si­on nicht mehr wei­ter ver­folgt.

Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te die Be­ru­fung nicht mit der von ihm ge­ge­be­nen Be­gründung zurück­wei­sen. Al­ler­dings ist auf der Grund­la­ge des vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts der Rechts­streit noch nicht ent­schei­dungs­reif. Des­halb war er an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen (§ 563 Abs. 1 ZPO).

A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat - so­weit dies für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren noch von Be­deu­tung ist - zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung im We­sent­li­chen aus­geführt: Das Ar­beits­verhält­nis sei durch die Kündi­gung vom 1. April 2004 rechts­wirk­sam be­en­det wor­den. Der Kläger ha­be die Un­wirk­sam­keit die­ser Kündi­gung nicht recht­zei­tig in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist gemäß § 4 Satz 1, §§ 7, 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG ge­richt­lich gel­tend ge­macht. Die­se Frist fin­de auch in den Fällen An­wen­dung, in de­nen der Ar­beit­neh­mer sich auf Mängel in der Ver­tre­tungs­macht des Kündi­gen­den be­ru­fe. Die ge­setz­li­che

 

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Wirk­sam­keits­fik­ti­on grei­fe auch bei der Kündi­gung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch ei­nen Ver­tre­ter oh­ne Ver­tre­tungs­macht ein. Da das Ar­beits­verhält­nis be­reits durch die ers­te der bei­den streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gun­gen rechts-wirk­sam be­en­det wor­den sei, sei die wei­te­re Kla­ge auch bezüglich der übri­gen Streit­ge­genstände un­be­gründet.

B. Dem folgt der Se­nat we­der in der Be­gründung noch im Er­geb­nis. Auf­grund sei­ner tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen durf­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt die Kla­ge nicht ab­wei­sen.

1. Auf der Grund­la­ge des bis­her fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts hätte die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das klag­ab­wei­sen­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts nicht zurück­ge­wie­sen wer­den dürfen, weil ei­ne Versäum­ung der Kla­ge­frist nicht fest­steht.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt durf­te da­nach nicht da­von aus­ge­hen, dass der Kläger die Kündi­gung vom 1. April 2004 nicht recht­zei­tig mit sei­ner Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt an­ge­grif­fen hat und sie des­halb nach § 13 Abs. 1 Satz 2, § 4 Satz 1, § 7 KSchG als von An­fang an rechts­wirk­sam gilt. Die Kündi­gung vom 1. April 2004 ist nicht vom kündi­gungs­be­rech­tig­ten In­sol­venz­ver­wal­ter (§ 80 Abs. 1 In­sO) aus­ge­spro­chen wor­den.

a) Will ein Ar­beit­neh­mer gel­tend ma­chen, ei­ne Kündi­gung sei so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt oder aus „an­de­ren Gründen“ rechts­un­wirk­sam, muss er gemäß § 4 Satz 1 KSchG in­ner­halb von drei Wo­chen nach Zu­gang der schrift­li­chen Kündi­gungs­erklärung beim Ar­beits­ge­richt Kla­ge auf Fest­stel­lung er­he­ben, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung auf­gelöst wor­den ist. Durch die Ver­wei­sung in § 13 Abs. 1 Satz 2 KSchG gilt die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist auch bei außer­or­dent­li­chen Kündi­gun­gen (BAG 28. Ju­ni 2007 - 6 AZR 873/06 - Rn. 12, BA­GE 123, 209). Wird die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung nicht recht­zei­tig gel­tend ge­macht, gilt die Kündi­gung gemäß § 7 KSchG als von An­fang an rechts­wirk­sam mit der Fol­ge, dass ei­ne ver­spätet er­ho­be­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen wer­den muss (Se­nat 26. Ju­ni 1986 - 2 AZR 358/85 - Rn. 24, BA­GE 52, 263).

 

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b) In der Li­te­ra­tur wird ganz über­wie­gend die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist fin­de trotz des zunächst ein­deu­tig er­schei­nen­den Wort­lauts nicht auf sämt­li­che Un­wirk­sam­keits­gründe An­wen­dung. Ins­be­son­de­re bei ei­ner Kündi­gung durch ei­nen Ver­tre­ter oh­ne Ver­tre­tungs­macht sei die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist nicht an­zu­wen­den (APS/Ascheid/Hes­se 3. Aufl. § 4 KSchG Rn. 10c; ErfK/Kiel 9. Aufl. § 4 KSchG Rn. 6; KR/Fried­rich 8. Aufl. § 13 KSchG Rn. 290a; Münch­KommBGB/Her­genröder 5. Aufl. § 4 KSchG Rn. 11; HWK/Quecke 3. Aufl. § 4 KSchG Rn. 7; Ben­der/Schmidt NZA 2004, 358, 362; Ha­nau ZIP 2004, 1169, 1175; For­na­sier/Wer­ner NJW 2007, 2729, 2732 f.; Raab RdA 2004, 321, 324; aA Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger/Zwan­zi­ger KSchR 7. Aufl. § 4 KSchG Rn. 9; BB­DK/Krie­bel Stand De­zem­ber 2006 § 4 Rn. 26). Dies gel­te auch bei ei­ner Kündi­gung durch den „fal­schen“ Ar­beit­ge­ber (Ben­der/Schmidt aaO; Münch­KommBGB/Her­genröder aaO; KR/Fried­rich § 13 KSchG Rn. 287e) oder bei ei­ner Kündi­gung (oh­ne vor­he­ri­ge Ein­wil­li­gung) durch ei­nen Nicht­be­rech­tig­ten (For­na­sier/Wer­ner aaO). Zur Be­gründung wird ua. dar­auf ver­wie­sen, die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist die­ne dem Schutz des Ar­beit­ge­bers und set­ze da­her ei­ne dem Ar­beit­ge­ber zu­re­chen­ba­re Kündi­gung vor­aus.

c) Dem folgt der Se­nat. Die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist fin­det nur bei ei­ner dem Ar­beit­ge­ber zu­re­chen­ba­ren Kündi­gung An­wen­dung.

aa) Zwar ist der Wort­laut von § 4 Satz 1 KSchG nicht ein­deu­tig und ei­ner Aus­le­gung zugäng­lich. § 4 Satz 1 KSchG for­mu­liert, die Rechts­un­wirk­sam­keit der Kündi­gung aus „sons­ti­gen Gründen“ müsse in­ner­halb der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist gel­tend ge­macht wer­den. An­ga­ben darüber, ob bzw. in­wie­fern die ge­richt­lich an­zu­grei­fen­de Kündi­gung dem Ar­beit­ge­ber zu­re­chen­bar sein muss, enthält die Vor­schrift nicht aus­drück­lich.

bb) Bei ei­ner oh­ne Voll­macht oder von ei­nem Nicht­be­rech­tig­ten erklärten Kündi­gung liegt je­doch kei­ne Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers vor. Ei­ne oh­ne Bil­li­gung (Voll­macht) des Ar­beit­ge­bers aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung ist dem Ar­beit­ge­ber erst durch ei­ne (nachträglich) er­teil­te Ge­neh­mi­gung zu­re­chen­bar. Die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist kann des­halb frühes­tens mit Zu­gang der Ge­neh­mi­gung zu lau­fen be­gin­nen (so auch: KR/Fried­rich 8. Aufl. § 13 KSchG

 

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Rn. 289; HWK/Quecke 3. Aufl. § 4 KSchG Rn. 7; Raab RdA 2004, 321, 324; Ben­der/Schmidt NZA 2004, 358, 362; Ha­nau ZIP 2004, 1169, 1175; Ul­ri­ci DB 2004, 250, 251).

Auch der Ge­set­zes­zweck von § 4 Satz 1 KSchG spricht dafür, die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist nur bei ei­ner dem Ar­beit­ge­ber zu­re­chen­ba­ren Kündi­gung an­lau­fen zu las­sen. Die Er­wei­te­rung der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist auf „sons­ti­ge Un­wirk­sam­keits­gründe“ er­folg­te im In­ter­es­se ei­ner ra­schen Klärung der Fra­ge, ob ei­ne Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis be­en­det hat oder nicht (BR-Drucks. 421/03 S. 11 und 19). Die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist und die dar­aus re­sul­tie­ren­de Rechts­si­cher­heit soll­te vor al­lem dem Schutz des Ar­beit­ge­bers die­nen. Er soll nach Ab­lauf der drei Wo­chen dar­auf ver­trau­en dürfen, dass „sei­ne“ Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis auf­gelöst hat (APS/Ascheid/Hes­se 3. Aufl. § 4 KSchG Rn. 10c). Die­ser Ge­set­zes­zweck gin­ge ins Lee­re, wäre die Kla­ge­frist auch auf Kündi­gun­gen an­wend­bar, die dem Ar­beit­ge­ber we­gen ei­nes der Kündi­gungs­erklärung selbst an­haf­ten­den Man­gels über­haupt nicht zu-ge­rech­net wer­den können (APS/Ascheid/Hes­se aaO; ErfK/Kiel 9. Aufl. § 4 KSchG Rn. 6; Münch­KommBGB/Her­genröder 5. Aufl. § 4 KSchG Rn. 1; For­na­sier/Wer­ner NJW 2007, 2729, 2733; Ben­der/Schmidt NZA 2004, 358, 362).

cc) Sch­ließlich würde die An­wend­bar­keit der dreiwöchi­gen Kla­ge­frist auf ei­ne dem Ar­beit­ge­ber nicht zu­re­chen­ba­re Kündi­gung zu ei­nem nicht ge­recht­fer­tig­ten Ein­griff in die Pri­vat­au­to­no­mie führen (vgl.: Ul­ri­ci DB 2004, 250, 251; Raab RdA 2004, 321, 324). Der Ar­beit­ge­ber hätte bei ei­ner von ihm ggf. über­haupt nicht ge­woll­ten Kündi­gung kei­ne Möglich­keit, die Wirk­sam­keits­fik­ti­on gemäß § 7 KSchG zu ver­hin­dern. Er wäre in ei­nem sol­chen Fall dar­auf an­ge­wie­sen, dass die (un­be­rech­tig­ter­wei­se) aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung auch vom Ar­beit­neh­mer nicht ak­zep­tiert und kla­ge­wei­se an­ge­grif­fen wird.

2. Al­ler­dings war der Rechts­streit noch nicht zur End­ent­schei­dung reif (§ 563 Abs. 3 ZPO), da bis­her nicht fest­ge­stellt wor­den ist, ob der Geschäftsführer der Schuld­ne­rin vom Be­klag­ten zu 4) zum Aus­spruch der Kündi­gung

 

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be­vollmäch­tigt war bzw. ob der Be­klag­te zu 4) dem Aus­spruch zu­ge­stimmt hat­te.

War der Geschäftsführer hier­nach zum Aus­spruch der Kündi­gung vom 1. April 2004 be­rech­tigt, wäre sie man­gels recht­zei­ti­ger Kla­ge­er­he­bung gemäß § 4 Satz 1, §§ 7, 13 Abs. 1 KSchG wirk­sam; die kla­ge­ab­wei­sen­de Ent­schei­dung des Be­ru­fungs­ge­richts wäre nicht zu be­an­stan­den. Im an­de­ren Fall würde die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist in­des nach den vor­ste­hen­den Ausführun­gen kei­ne An­wen­dung fin­den.

In­so­weit lie­gen je­doch kei­ne aus­rei­chen­den Fest­stel­lun­gen vor. Die Be­klag­ten ha­ben hier­zu un­ter­schied­lich vor­ge­tra­gen. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat in­so­weit auch un­ter­schied­li­che und sich zum Teil wi­der­spre­chen­de Ausführun­gen ge­macht. So hat es die Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten zu 1) bis 3) im strei­ti­gen Teil des Tat­be­stands auf­ge­nom­men und es in den Ent­schei­dungs­gründen aus­drück­lich da­hin­ste­hen las­sen, ob die von den Be­klag­ten zu 2) und 3) be­haup­te­te Be­vollmäch­ti­gung zu­tref­fend ist. Im Ge­gen­satz hier­zu hat es die Ausführun­gen des Be­klag­ten zu 4) zur feh­len­den Be­vollmäch­ti­gung im Be­ru­fungs­ur­teil auf­ge­grif­fen. Darüber hin­aus hat der Be­klag­te zu 4) im Rechts­streit zu Pro­to­koll erklärt, er ha­be dem Geschäftsführer kei­ne Kündi­gungs­ermäch­ti­gung er­teilt, was gemäß § 559 Abs. 1 ZPO eben­falls zu berück­sich­ti­gen ge­we­sen wäre. Für das Re­vi­si­ons­ge­richt hin­rei­chen­de bin­den­de Fest­stel­lun­gen können des­halb nicht er­kannt wer­den. Des­halb war das Ver­fah­ren zur wei­te­ren Sach­aufklärung an das Be­ru­fungs­ge­richt zurück­zu­ver­wei­sen.

Rost 

Schmitz-Scho­le­mann 

Ey­lert

F. Lücke 

Tors­ten

Fal­ke

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