Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Konkurrentenklage
   
Gericht: Oberverwaltungsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 10 A 10805/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 30.01.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Verwaltungsgericht Koblenz, Urteil vom 1.07.2008, 6 K 1816/07.KO
   

10 A 10805/08.OVG

Verkündet am: 30.01.2009

gez.

Jus­tiz­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Rhein­land-Pfalz

Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

In dem Ver­wal­tungs­rechts­streit

 

- Kläger und Be­ru­fungskläger -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Hein­le, Felsch, Ba­den, Re­de­ker und Part­ner GbR, Ko­blen­zer Straße 99-103, 53177 Bonn,

ge­gen

das Land Rhein­land-Pfalz, ver­tre­ten durch den Mi­nis­ter der Jus­tiz, Ernst-Lud­wig-Straße 3, 55116 Mainz,

- Be­klag­ter und Be­ru­fungs­be­klag­ter -

Pro­zess­be­vollmäch­tig­ter: Rechts­an­walt Dr. Hen­ning Obst, Mo­zart­s­traße 21, 40479 Düssel­dorf,
bei­ge­la­den:

- 2 -

we­gen Richter­rechts

hat der 10. Se­nat des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Rhein­land-Pfalz in Ko­blenz auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 30. Ja­nu­ar 2009, an der teil­ge­nom­men ha­ben

Vi­ze­präsi­dent des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts Stepp­ling Rich­ter am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Hen­nig Rich­ter am Ober­ver­wal­tungs­ge­richt Möller eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Rent­ne­rin Böhm eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Ein­zel­han­dels­kauf­frau Clee­mann

für Recht er­kannt:

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 1. Ju­li 2008 er­gan­ge­ne Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts Ko­blenz wird zurück­ge­wie­sen.

Der Kläger trägt die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens, mit Aus­nah­me der außer¬ericht­li­chen Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen, die die­ser selbst trägt.

Das Ur­teil ist we­gen der Kos­ten vorläufig voll­streck­bar.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Der Jus­tiz­mi­nis­ter des Be­klag­ten war bis zu sei­ner Er­nen­nung zum Mi­nis­ter am 18. Mai 2006 Präsi­dent des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz. Nach­dem die­se nach R 8 be­sol­de­te Stel­le frei ge­wor­den war, wur­de sie im Jus­tiz­blatt vom 6. Ju­ni 2006 aus­ge­schrie­ben. Dar­auf­hin be­war­ben sich un­ter an­de­rem der Kläger - als nach R 6 be­sol­de­ter Präsi­dent des Land­ge­richts Ko­blenz - so­wie der Bei­ge­la­de­ne - als eben­falls nach R 6 be­sol­de­ter Präsi­dent des Lan­des­so­zi­al­ge­richts -. Bei­de wur­den aus An­lass ih­rer Be­wer­bung dienst­lich be­ur­teilt, der Kläger am 6. No­vem­ber 2006 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt X.... - als Ver­tre­ter des Vi­ze­präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts, der sich eben­falls auf die Präsi­den­ten­stel­le be­wor­ben hat­te - und der Bei­ge­la­de­ne am 11. Ok­to­ber 2006 durch den Jus­tiz­mi­nis­ter selbst. Da­bei war der Be­ur­tei­lung des Klägers ei­ne Be­ur­tei­lung durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt Y.... - als sei­ner­zei­ti­gen Ver­tre­ter des Vi­ze­präsi­den­ten - vom 11. Au­gust 2006 vor­aus­ge­gan­gen, die je­doch auf­ge­ho­ben wor­den war, nach­dem der Kläger ge­gen sie Einwände er­ho­ben hat­te. Zu die­ser Be­ur­tei­lung wie auch zu der Be­ur­tei­lung des Klägers vom 6. No­vem­ber 2006 gab der Jus­tiz­mi­nis­ter - als ehe­ma­li­ger OLG-Präsi­dent - ei­nen Be­ur­tei­lungs­bei­trag ab. So­wohl die Be­ur­tei­lung des Klägers vom 6. No­vem­ber 2006 als auch die Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen schlos­sen mit der zu­sam­men­fas­sen­den Ge­samt­be­ur­tei­lung „her­vor­ra­gend“. Für das an­ge­streb­te Amt wur­de der Kläger als „sehr gut ge­eig­net“, der Bei­ge­la­de­ne als „her­vor­ra­gend ge­eig­net“ er­ach­tet.

Dem Be­set­zungs­ver­merk des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums vom 3. Ja­nu­ar 2007 wur­de vor­an­ge­stellt, wel­chen An­for­de­run­gen des zu ver­ge­ben­den Am­tes der Be­wer­ber genügen müsse. Da­bei wur­de nicht dar­auf ab­ge­stellt, dass die­ser über pro­fun­de Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen in al­len Be­rei­chen der or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit verfügen müsse. In dem Be­set­zungs­ver­merk wur­de so­dann im Ein­zel­nen dar­ge­legt, dass und war­um der Bei­ge­la­de­ne den An­for­de­run­gen des zu ver­ge­ben­den Am­tes am bes­ten ge­recht wer­de und ihm na­ment­lich auch ge­genüber dem Kläger der Vor­zug zu ge­ben

- 3 -

sei. Ab­sch­ließend wur­de vor­ge­schla­gen, die Stel­le des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts dem Bei­ge­la­de­nen zu über­tra­gen.

Der Präsi­di­al­rat der or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit stimm­te in sei­ner Stel­lung­nah­me vom 23. Ja­nu­ar 2007 dem Be­set­zungs­vor­schlag des Jus­tiz­mi­nis­ters nicht zu. Er ver­trat die Auf­fas­sung, dass dem An­for­de­rungs­pro­fil des Am­tes des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts nur der­je­ni­ge ge­recht wer­de, der – wie bis­her stets ge­for­dert - zu­min­dest auch mit den Be­son­der­hei­ten und der Viel­schich­tig­keit der or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit ver­traut sei und in die­sem Be­reich die zu for­dern­den her­aus­ra­gen­den fach­li­chen Fähig­kei­ten nach­wei­sen könne. Da­von könne bei dem Bei­ge­la­de­nen aber nicht die Re­de sein.

Das dar­auf­hin an­be­raum­te Ei­ni­gungs­gespräch zwi­schen dem Jus­tiz­mi­nis­ter und dem Präsi­di­al­rat am 30. Ja­nu­ar 2007 führ­te zu kei­nem Er­folg. Der Präsi­di­al­rat nahm dies zum An­lass, mit Schrei­ben vom 1. Fe­bru­ar 2007 noch ein­mal sei­nen Stand­punkt dar­zu­le­gen. Dar­in hob er un­ter an­de­rem her­vor, das Mi­nis­te­ri­um ha­be ei­nen Pa­ra­dig­men­wech­sel vor­ge­nom­men, der den Ein­druck er­we­cken könne, das An­for­de­rungs­pro­fil sei auf den Bei­ge­la­de­nen zu­ge­schnit­ten.

Die Sit­zung des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses vom 6. Fe­bru­ar 2007 zur Be­set­zung der Stel­le des OLG-Präsi­den­ten wur­de auf den 8. Fe­bru­ar 2007 ver­tagt.

Ei­ne St­un­de vor die­ser Sit­zung kam es auf Initia­ti­ve der Staats­se­kretärin im Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um zu ei­nem Gespräch zwi­schen ihr und den bei­den rich­ter­li­chen Mit­glie­dern des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses.
In der Sit­zung vom 8. Fe­bru­ar 2007 erklärten die­se un­mit­tel­bar vor der Ab­stim­mung über den Be­set­zungs­vor­schlag des Jus­tiz­mi­nis­ters, dass sie zwar in der Sa­che die Mei­nung des Präsi­di­al­rats teil­ten, dass sie sich aber bei der Ab­stim­mung der Stim­me ent­hal­ten würden, um so ih­re Miss­bil­li­gung des Ver­hal­tens von Aus­schuss­mit­glie­dern deut­lich zu ma­chen, die die an­ste­hen­de Per­so­nal­fra­ge in der Öffent­lich­keit po­li­ti­siert und Ein­zel­hei­ten über den Ver­lauf der Sit­zung vom 6. Fe­bru­ar an die Pres­se ge­ge­ben hätten.

Bei der Ab­stim­mung vo­tier­ten 5 Aus­schuss­mit­glie­der für den Be­set­zungs­vor­schlag des Jus­tiz­mi­nis­ters, 4 lehn­ten ihn ab und die bei­den rich­ter­li­chen Mit­glie­der ent­hiel­ten sich der Stim­me.

Un­ter dem 14. Fe­bru­ar 2007 teil­te dar­auf­hin das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um dem Kläger mit, dass be­ab­sich­tigt sei, die OLG-Präsi­den­ten-Stel­le dem Bei­ge­la­de­nen zu über­tra­gen. Der Rich­ter­wahl­aus­schuss ha­be dem Be­set­zungs­vor­schlag zu­ge­stimmt.

Ge­gen die­se Mit­tei­lung er­hob der Kläger Wi­der­spruch und such­te beim Ver­wal­tungs­ge­richt um die Gewährung vorläufi­gen Rechts­schut­zes nach. Die­ses lehn­te den An­trag, dem Be­klag­ten im We­ge der einst­wei­li­gen An­ord­nung auf­zu­ge­ben, den Bei­ge­la­de­nen vorläufig nicht zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts zu er­nen­nen, mit Be­schluss vom 25. April 2007 ab.

Ge­gen die­sen Be­schluss leg­te der Kläger Be­schwer­de ein.

Nach­dem der Se­nat den Be­tei­lig­ten un­ter dem 8. Ju­ni 2007 mit­ge­teilt hat­te, am 13. Ju­ni ei­ne Ent­schei­dung tref­fen zu wol­len, wand­te sich der Kläger mit Schrift­satz vom 12. Ju­ni 2007 an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt und kündig­te un­ter kur­zer Dar­le­gung des Ver­fah­rens­stan­des ei­nen An­trag auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung an. Da­bei wies er dar­auf hin, dass zu er­war­ten sei, dass um­ge­hend nach der Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts am 13. Ju­ni 2007 ei­ne Ur­kun­den­aushändi­gung er­fol­ge, wenn die Ent­schei­dung zu sei­nen Las­ten aus­fal­le. Sch­ließlich bat er dar­um, kurz­fris­tig ei­ne Zwi­schen­re­ge­lung zu tref­fen oder dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ei­ne Zu­si­che­rung ab­zu­ver­lan­gen, dass die Ur­kun­de nicht aus­gehändigt wer­de, bis das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt über den be­ab­sich­tig­ten einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­trag ent­schie­den ha­be. Ei­ne Ab­schrift die­ses Schrei­bens über­sand­te er dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um am 13. Ju­ni 2007 per Fax. In dem Be­gleit­schrei­ben hob er her­vor, dass er da­von aus­ge­he, dass vor ei­ner Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts im einst­wei­li­gen An­ord­nungs­ver­fah­ren kei­ne Er­nen­nungs­ur­kun­de aus­gehändigt wer­de.

Der Se­nat wies die Be­schwer­de mit Be­schluss vom 13. Ju­ni 2007 zurück. Den zu­gleich ge­stell­ten Hilfs­an­trag des Klägers, dem Be­klag­ten auf­zu­ge­ben, den Bei­ge­la­de­nen nicht vor Ab­lauf der Frist für die Ein­rei­chung ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de bzw. - bei Ein­le­gung ei­ner sol­chen - vor dem Zeit­punkt, bis zu dem das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­ne Zwi­schen­re­ge­lung ha­be tref­fen können, zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz zu er­nen­nen, ver­warf der Se­nat.

- 4 -

Der Be­schluss wur­de dem Kläger und dem Be­klag­ten am 22. Ju­ni 2007 gleich­zei­tig mit­tags per Fax über­mit­telt. We­nig später händig­te der Jus­tiz­mi­nis­ter dem Bei­ge­la­de­nen die Er­nen­nungs­ur­kun­de aus.
In Un­kennt­nis der be­reits er­folg­ten Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen zum OLG-Präsi­den­ten be­an­trag­te der Kläger noch am sel­ben Ta­ge beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung. Die­sen An­trag nahm er ei­ne Wo­che später zurück, um statt­des­sen ei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de ge­gen die Ent­schei­dun­gen des Ver­wal­tungs­ge­richts und des Se­nats im Eil­ver­fah­ren zu er­he­ben.

Außer­dem leg­te er mit Schrift­satz vom 30. Ju­li 2007 ge­gen die zwi­schen­zeit­li­che Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de an den Bei­ge­la­de­nen Wi­der­spruch ein.

Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nahm mit Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 die Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht zur Ent­schei­dung an. Zur Be­gründung führ­te es aus: Dem Kläger ste­he die Möglich­keit zur Sei­te, zunächst fach­ge­richt­li­chen Rechts­schutz bei den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten zu su­chen, des­sen In­an­spruch­nah­me nicht of­fen­sicht­lich aus­sichts­los er­schei­ne. Die trotz be­reits an­gekündig­ter Ab­sicht der An­ru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts un­mit­tel­bar nach Zu­stel­lung der Be­schwer­de­ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts er­folg­te Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de an den Bei­ge­la­de­nen ver­let­ze den Kläger in sei­nen Rech­ten aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art. 19 Abs. 4 des Grund­ge­set­zes. Es sei in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts geklärt, dass aus die­sen Vor­schrif­ten ei­ne Ver­pflich­tung des Dienst­herrn fol­ge, vor Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de ei­nen aus­rei­chen­den Zeit­raum ab­zu­war­ten, um dem un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber die Möglich­keit zu ge­ben, Eil­an­trag, Be­schwer­de oder Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu er­he­ben, wenn nur so die Möglich­keit der Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes be­ste­he. Zur Ver­fol­gung sei­ner Rech­te ste­he dem Kläger je­doch zunächst die Haupt­sa­che­kla­ge vor den Ver­wal­tungs­ge­rich­ten of­fen. An­ge­sichts der jünge­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, die in ver­schie­de­nen mit dem hier ge­ge­be­nen Sach­ver­halt durch­aus ver­gleich­ba­ren Fall­ge­stal­tun­gen die Durchführung des Haupt­sa­che­ver­fah­rens trotz be­reits er­folg­ter Er­nen­nung ei­nes Mit­be­wer­bers für zulässig hal­te, könne die Durchführung ei­nes sol­chen fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens nicht als of­fen­sicht­lich aus­sichts­los be­wer­tet wer­den. Dem Kläger sei da­her die Erschöpfung des Rechts­we­ges zu­zu­mu­ten.

Als der Kläger dem Be­klag­ten ge­genüber klar­ge­stellt hat­te, an sei­nen Wi­dersprüchen ge­gen die Mit­tei­lung vom 14. Fe­bru­ar 2007 und die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen fest­zu­hal­ten, wies der Be­klag­te die Wi­dersprüche mit Be­scheid vom 1. Ok­to­ber 2007 zurück. Zur Be­gründung führ­te er aus: Der Rechts­be­helf ge­gen die Er­nen­nung sei be­reits un­statt­haft. Es ge­be kei­ne ge­gen die Er­nen­nung ge­rich­te­te
„Be­am­ten­kon­kur­ren­ten­kla­ge“. Der Wi­der­spruch ge­gen die Ne­ga­tiv­mit­tei­lung sei mit der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen un­zulässig ge­wor­den. Aus dem Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität fol­ge, dass mit der endgülti­gen an­der­wei­ti­gen Be­set­zung der Stel­le sich die Ent­schei­dung, mit der die Be­wer­bung ei­nes nicht berück­sich­tig­ten Be­am­ten ab­schlägig be­schie­den wer­de, er­le­di­ge. Für die Wei­ter­ver­fol­gung des hier­ge­gen ge­rich­te­ten Rechts­be­helfs feh­le es am Sach­be­schei­dungs­in­ter­es­se.

Nach­dem der Kläger dar­auf­hin un­ter Hin­weis auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ei­ne Über­prüfung der Wi­der­spruchs­ent­schei­dung an­ge­regt hat­te, ant­wor­te­te ihm der Be­klag­te un­ter dem 22. Ok­to­ber 2007, es ge­be kei­ne Ver­an­las­sung zu ei­ner Ände­rung des Wi­der­spruchs­be­scheids. Im Übri­gen wären die bei­den Wi­dersprüche auch als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen. Die Aus­wah­l­ent­schei­dung sei, wie es sich aus der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts er­ge­be, in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den. Im Fol­gen­den wur­de dies dann noch kurz aus­geführt.

Am 31. Ok­to­ber 2007 hat der Kläger so­dann Kla­ge er­ho­ben und zu ih­rer Be­gründung im We­sent­li­chen vor­ge­tra­gen: Das Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren sei noch nicht be­en­det. Da­mit sei auch sein Rechts­schutz­in­ter­es­se nicht ent­fal­len. Der Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität sei hier durch­bro­chen. Ihm sei durch die Vor­ge­hens­wei­se des Be­klag­ten in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se die Möglich­keit ge­nom­men wor­den, ei­ne einst­wei­li­ge An­ord­nung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts zu er­wir­ken. Ver­mut­lich sei so­gar die Be­kannt­ga­be der Be­schwer­de­ent­schei­dung zwi­schen dem Ober­ver­wal­tungs­ge­richt und dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um ab­ge­stimmt wor­den, um voll­ende­te Tat­sa­chen schaf­fen zu können. Da­mit könn­ten so­wohl die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen an­ge­foch­ten als auch der Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch voll wei­ter­ver­folgt wer­den. Soll­te die Er­nen­nung da­ge­gen nicht an­ge­foch­ten wer­den können, so kom­me je­den­falls sei­ne Be­stel­lung ne­ben dem Bei­ge­la­de­nen in Be­tracht. Hilfs­wei­se recht­fer­ti­ge sich sein Be­geh­ren als Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­ge­be sich aus der be­ab­sich­tig­ten Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz und un­ter dem Ge­sichts­punkt der Re­ha­bi­li­ta­ti­on.

- 5 -

In der Sa­che sei zunächst zu se­hen, dass der Be­klag­te, was das über­haupt erst nachträglich er­stell­te An­for­de­rungs­pro­fil an­lan­ge, von den sonst her­an­ge­zo­ge­nen Grundsätzen, die zwei­fel­los für ihn ge­spro­chen hätten, ab­ge­wi­chen sei. Das neue An­for­de­rungs­pro­fil sei auf den Bei­ge­la­de­nen, der auch für weit­aus we­ni­ger Be­diens­te­te als er Ver­ant­wor­tung tra­ge, zu­ge­schnit­ten wor­den. Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen ha­be der Jus­tiz­mi­nis­ter, prak­tisch oh­ne ei­ge­ne Er­kennt­nis­se zu des­sen Leis­tungs­stand und oh­ne die An­for­de­run­gen von Be­ur­tei­lungs­beiträgen oder die Bei­zie­hung von Ver­wal­tungs­vorgängen und an­de­rem mehr, stim­mig zu die­sem An­for­de­rungs­pro­fil er­stellt. Des Wei­te­ren sei un­berück­sich­tigt ge­blie­ben, dass er die bes­se­re Be­ur­tei­lungs­ent­wick­lung vor­zu­wei­sen ha­be. Dar­auf sei aber bei ei­nem Be­ur­tei­lungs­gleich­stand, wie er hier ge­ge­ben sei, maßgeb­lich ab­zu­stel­len. Im Be­set­zungs­ver­merk sei­en - wie im Übri­gen auch schon in den die­sem zu­grun­de ge­leg­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen - we­sent­li­che Leis­tun­gen sei­ner­seits gar nicht erwähnt wor­den, während beim Bei­ge­la­de­nen selbst Un­be­deu­ten­des groß her­aus­ge­stellt wor­den sei; des­sen an­geb­li­che Leis­tun­gen als Präsi­dent des Lan­des­so­zi­al­ge­richts würden im Übri­gen re­la­ti­viert durch Fest­stel­lun­gen des Lan­des­rech­nungs­ho­fes. Al­les dies zei­ge, dass der Jus­tiz­mi­nis­ter ihm ge­genüber vor­ein­ge­nom­men sei. Dar­auf deu­te­ten auch wei­te­re Umstände hin, wie die Ver­hin­de­rung einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, die Er­stel­lung ei­nes zunächst un­zu­tref­fen­de gra­vie­ren­de Ein­schränkun­gen ent­hal­ten­den Be­ur­tei­lungs­bei­trags, dem zu­dem ei­ne ge­ziel­te Su­che nach De­fi­zi­ten in sei­ner Amtsführung vor­aus­ge­gan­gen sei, die Ein­be­stel­lung der rich­ter­li­chen Mit­glie­der des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses vor der Sit­zung am 8. Fe­bru­ar 2007, um, wie an­zu­neh­men sei, auf de­ren Stimm­ver­hal­ten ein­zu­wir­ken, und die Bemühun­gen um wei­te­re Kan­di­da­ten für das Amt, um an sei­ner Be­wer­bung vor­bei­kom­men zu können. Zu Be­ginn des Be­set­zungs­ver­fah­rens - im Ju­ni/Ju­li 2006 - sei der Jus­tiz­mi­nis­ter noch erklärter­maßen da­von aus­ge­gan­gen, dass der Bei­ge­la­de­ne für das zu ver­ge­ben­de Amt nicht in Be­tracht zu zie­hen sei, zu­mal er „es nicht so gut mit den Leu­ten könne“. Der von ihm hilfs­wei­se ins Au­ge ge­fass­te Scha­dens­er­satz­an­spruch be­tref­fe nicht nur die Ge­halts­dif­fe­renz, son­dern auch die nutz­los auf­ge­wand­ten Kos­ten. Sch­ließlich hal­te er auch sei­nen be­reits im Eil­ver­fah­ren gel­tend ge­mach­ten Ein­wand auf­recht, dass der Rich­ter­wahl­aus­schuss dem Be­set­zungs­vor­schlag des Jus­tiz­mi­nis­ters nicht mit der er­for­der­li­chen Mehr­heit zu­ge­stimmt ha­be.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1. die Ent­schei­dung über die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts und die Be­set­zung des Dienst­pos­tens des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz mit dem Bei­ge­la­de­nen so­wie den Wi­der­spruchs­be­scheid vom 1. Ok­to­ber 2007 in Ge­stalt des Ergänzungs­be­scheids vom 22. Ok­to­ber 2007, so­weit er auf den Wi­der­spruch ge­gen die Er­nen­nung und die voll­zo­ge­ne Stel­len­be­set­zung be­zo­gen ist, auf­zu­he­ben,

2. den Be­klag­ten un­ter Auf­he­bung des Wi­der­spruchs­be­scheids vom 1. Ok­to­ber 2007 in Ge­stalt des Ergänzungs­be­scheids vom 22. Ok­to­ber 2007 im Übri­gen und Ände­rung der für ihn ab­schlägi­gen Ent­schei­dung vom 14. Fe­bru­ar 2007 über sei­ne Nicht­berück­sich­ti­gung im Aus­wahl­ver­fah­ren zu ver­pflich­ten,

a) ihn zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts zu er­nen­nen und in den Dienst­pos­ten des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz ein­zu­wei­sen,

b) hilfs­wei­se: dem Rich­ter­wahl­aus­schuss sei­ne Be­stel­lung zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz vor­zu­schla­gen,

c) äußerst hilfs­wei­se: über die Be­set­zung des Dienst­pos­tens des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz un­ter Be­ach­tung der Rechts­auf­fas­sung des Ge­richts er­neut zu ent­schei­den,

3. hilfs­wei­se:

fest­zu­stel­len, dass die Be­set­zung des Dienst­pos­tens des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz mit dem Bei­ge­la­de­nen durch Aushändi­gung ei­ner Er­nen­nungs­ur­kun­de am 22. Ju­ni 2007 rechts­wid­rig ge­we­sen ist,

wei­ter hilfs­wei­se:

fest­zu­stel­len, dass die Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de und des
Ein­wei­sungs­schrei­bens an den Bei­ge­la­de­nen am 22. Ju­ni 2007 rechts­wid­rig ge­we­sen ist und ihn in sei­nen Rech­ten ver­letzt.

- 6 -

Der Be­klag­te hat

Kla­ge­ab­wei­sung

be­an­tragt und ent­geg­net: Der Kläger ha­be es un­ter­las­sen - was möglich ge­we­sen wäre - beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt Voll­stre­ckungs­schutz ge­gen die an­ste­hen­de Ent­schei­dung des Ober­ver­wal­tungs­ge­richts zu be­an­tra­gen. Ei­ne An­fech­tung der Er­nen­nung ei­nes Mit­be­wer­bers ha­be das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bis­her nicht für zulässig er­ach­tet. Ei­ne Er­nen­nung des Klägers ne­ben dem Bei­ge­la­de­nen zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz sei nicht möglich. Es ge­he um ei­ne Funk­ti­ons­stel­le, die nicht ge­teilt wer­den könne. Es könne auch nur zwei Ober­lan­des­ge­rich­te in Rhein­land-Pfalz ge­ben. Fer­ner dürfe aus ei­ner Funk­ti­ons­stel­le auch nur ei­ner be­sol­det wer­den. In ei­nem Be­set­zungs­ver­fah­ren könne nach Or­ga­ni­sa­ti­ons­er­mes­sen sehr wohl ein veränder­tes An­for­de­rungs­pro­fil er­stellt wer­den. Die vom Kläger dar­in ver­miss­ten Ein­schränkun­gen sei­en kei­nes­wegs ge­bo­ten. Die Ver­en­gung ei­nes An­for­de­rungs­pro­fils - ins­be­son­de­re auf Er­fah­rung - sei viel­mehr durch­aus pro­ble­ma­tisch. Im Übri­gen ge­he es um ein Amt mit über­wie­gend Ver­wal­tungs­auf­ga­ben, wie sie auch in ei­ner an­de­ren Ge­richts­bar­keit anstünden. Der Jus­tiz­mi­nis­ter ha­be über den Bei­ge­la­de­nen aus­rei­chen­de Kennt­nis­se ge­habt, um ihn dienst­lich be­ur­tei­len zu können. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers sei bei ei­nem Gleich­stand im Ge­samt­ur­teil der dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen zwei­er Kon­kur­ren­ten nicht so­fort auf die Leis­tungs­ent­wick­lung ab­zu­stel­len. Es sei­en viel­mehr zunächst die Ein­zel­aus­sa­gen aus­zu­wer­ten. Wenn der Kläger den Jus­tiz­mi­nis­ter ihm ge­genüber für vor­ein­ge­nom­men hal­te, hätte er die über ihn er­stell­te dienst­li­che Be­ur­tei­lung an­fech­ten müssen. Die­ser sei im Be­set­zungs­ver­fah­ren im Übri­gen nur so­weit tätig ge­wor­den, wie es auf­grund der Kon­stel­la­ti­on un­ver­meid­bar ge­we­sen sei. Was die an­geb­li­che Ein­wir­kung auf den Rich­ter­wahl­aus­schuss an­ge­he, wer­de vom Kläger nichts Kon­kre­tes vor­ge­tra­gen. Die dienst­li­che Be­ur­tei­lung ei­nes Chef­präsi­den­ten müsse an­de­ren Re­geln fol­gen als die dienst­li­che Leis­tungs­er­fas­sung ei­nes in die Ge­richts­hier­ar­chie ein­ge­bun­de­nen Rich­ters. Es ge­be kei­nen Vor­ge­setz­ten, der mit ei­nem Chef­präsi­den­ten täglich zu­sam­men­ar­bei­te.

Der Bei­ge­la­de­ne hat sich im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren nicht zur Sa­che geäußert.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge mit auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 1. Ju­li 2008 er­gan­ge­nem Ur­teil ab­ge­wie­sen. Zur Be­gründung hat es aus­geführt: Die Haupt­anträge zu 1. und 2 a. sei­en zwar zulässig; in­so­weit könne dem Kläger ein all­ge­mei­nes Rechts­schutz­bedürf­nis nicht ab­ge­spro­chen wer­den. Die Ent­schei­dung des Mi­nis­ters der Jus­tiz, die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le mit dem Bei­ge­la­de­nen zu be­set­zen, be­geg­ne je­doch kei­nen recht­li­chen Be­den­ken.

Die Be­schrei­bung der An­for­de­run­gen im Rah­men des Be­set­zungs­ver­merks sei recht­lich un­be­denk­lich. Nicht zu be­an­stan­den sei zunächst, dass erst der Be­set­zungs­ver­merk ei­ne Be­schrei­bung der An­for­de­run­gen ent­hal­ten ha­be. An­halts­punk­te für das Vor­lie­gen ei­nes Er­mes­sens­miss­brauchs sei­en nicht zu er­ken­nen. Ins­be­son­de­re er­ge­be sich dies nicht schon dar­aus, dass der Be­klag­te ent­ge­gen sei­ner bis­he­ri­gen Be­set­zungs­pra­xis kei­ne Er­fah­run­gen der Be­wer­ber in der ent­spre­chen­den Ge­richts­bar­keit ge­for­dert ha­be. Mit Blick auf das öffent­li­che In­ter­es­se an der bestmögli­chen Be­set­zung der Dienst­pos­ten sei die Durchführung ei­ner „of­fe­nen“ Aus­schrei­bung recht­lich un­be­denk­lich. Ei­ne Bin­dung des Dienst­herrn an frühe­re An­for­de­rungs­pro­fi­le ge­be es nicht. Sch­ließlich würden auch nicht „von der Na­tur der Sa­che her“ Er­fah­run­gen des Be­wer­bers im Be­reich der ent­spre­chen­den Ge­richts­bar­keit ge­for­dert.

Des Wei­te­ren be­ru­he die Aus­wah­l­ent­schei­dung nicht auf ei­ner feh­ler­haf­ten Ent­schei­dungs­grund­la­ge. Die ihr zu­grun­de ge­leg­ten Be­ur­tei­lun­gen des Klägers und des Bei­ge­la­de­nen hiel­ten der ge­richt­li­chen Über­prüfung stand. Sei­ne ei­ge­ne Be­ur­tei­lung ha­be der Kläger ak­zep­tiert und ge­gen die Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen sei nichts zu er­in­nern. Die­se un­ter­lie­ge da­bei in glei­chem Maße ei­ner ge­richt­li­chen Über­prüfung wie die des Klägers. Die Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen be­ru­he auf ge­si­cher­ten Er­kennt­nis­quel­len des Be­ur­tei­lers. Es sei in­so­fern zu berück­sich­ti­gen, dass ei­ne Be­ur­tei­lungs­si­tua­ti­on, wie sie in der Re­gel ge­ge­ben sei, hier nicht vor­ge­le­gen ha­be. Der Mi­nis­ter der Jus­tiz sei zwar der un­mit­tel­ba­re Dienst­vor­ge­setz­te der Präsi­den­ten der Lan­des­ober­ge­rich­te, ste­he aber nicht in ei­nem solch un­mit­tel­ba­ren und ständi­gen Kon­takt zu die­sen, dass er sich de­ren Tätig­keit, de­ren Ein­satz und de­ren persönli­ches Ver­hal­ten gleich­sam täglich über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­weg un­mit­tel­bar vor Au­gen führen könne. Hin­zu kom­me, dass Art, In­halt und Um­fang der Tätig­keit ei­nes Chef­präsi­den­ten und da­mit auch die an die­sen zu stel­len­den An­for­de­run­gen sich grund­le­gend und qua­li­ta­tiv von den­je­ni­gen un­ter­schie­den, die ein Rich­ter oder ein Vor­sit­zen­der Rich­ter zu erfüllen ha­be. Der Präsi­dent ei­nes Lan­des­ober­ge­richts müsse sich über­wie­gend an an­de­ren Kri­te­ri­en mes­sen las­sen. Prägen­des Qua­litäts­merk­mal sei in­so­weit das gu­te und rei­bungs­lo­se Funk­tio­nie­ren der be­tref­fen­den Ge­richts­bar­keit. Ob,

- 7 -

wie und in wel­chem Um­fang ein Chef­präsi­dent die­se Vor­ga­ben ha­be er­rei­chen können, bedürfe der Würdi­gung des Ge­samt­bil­des der Ge­richts­bar­keit; Aus­sa­ge­kräfti­ges las­se sich we­der durch die tägli­che Be­ob­ach­tung noch durch die Be­wer­tung ein­zel­ner Vor­komm­nis­se und Er­eig­nis­se ge­win­nen. Die ob­jek­ti­vier­ba­re Fak­ten­la­ge in Be­zug auf das Ge­samt­bild der Ge­richts­bar­keit las­se sich na­ment­lich vor­han­de­nem Zah­len­ma­te­ri­al über den Geschäfts­an­fall, die Er­le­di­gun­gen, die Dau­er der Ver­fah­ren und die Stel­lung im Ver­gleich zu den ent­spre­chen­den Ober­ge­rich­ten an­de­rer Bun­desländer ent­neh­men. Aus der Na­tur die­ser Be­ur­tei­lungs­grund­la­ge fol­ge, dass das hierfür her­an­ge­zo­ge­ne Ma­te­ri­al den Be­ur­tei­lungs­zeit­raum ab­de­cken und dem Be­ur­tei­ler zum Zeit­punkt der Be­ur­tei­lung verfügbar sein müsse. Dem­ge­genüber kom­me es nicht dar­auf an, dass der Be­ur­tei­ler während des ge­sam­ten Be­ur­tei­lungs­zeit­rau­mes der un­mit­tel­ba­re Dienst­vor­ge­setz­te des Be­ur­teil­ten ge­we­sen sei. Eben­so we­nig bedürfe es in­so­weit der Ein­ho­lung von Be­ur­tei­lun­gen drit­ter Per­so­nen. Auch das in der Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen ab­ge­ge­be­ne persönlich­keits­be­ding­te Wert­ur­teil be­ru­he auf ei­ner tragfähi­gen Grund­la­ge. Der Jus­tiz­mi­nis­ter ken­ne den Bei­ge­la­de­nen nicht nur aus sei­ner Mi­nis­ter­zeit, son­dern auch aus sei­ner mehrjähri­gen Zu­sam­men­ar­beit im Kreis der Chef­präsi­den­ten der rhein­land-pfälzi­schen Ober­ge­rich­te. Wenn der Kläger mei­ne, es müsse hier we­gen des glei­chen Ge­samt­ur­teils auf die Be­ur­tei­lungs­ent­wick­lung ab­ge­stellt wer­den, über­se­he er, dass zunächst die letz­ten Be­ur­tei­lun­gen in Be­zug auf die Ein­zel­aus­sa­gen aus­zu­wer­ten sei­en. Erst wenn sie in­so­fern aus­geschöpft und die Be­wer­ber im We­sent­li­chen gleich ein­zu­stu­fen sei­en, kom­me es auf die Be­ur­tei­lungs­ent­wick­lung an. Vor­lie­gend stütze sich die Be­ur­tei­lung, der Bei­ge­la­de­ne sei bes­ser ge­eig­net, auf die Be­wer­tung ein­zel­ner - im Er­war­tungs­ho­ri­zont des Dienst­herrn als be­son­ders wich­tig be­zeich­ne­ter - Ei­gen­schaf­ten des Bei­ge­la­de­nen. Dies sei recht­lich nicht zu be­an­stan­den.

Auch der Be­set­zungs­ver­merk sei ver­fah­rens­feh­ler­frei zu­stan­de ge­kom­men und in­halt­lich nicht zu be­an­stan­den. Für die Be­haup­tung des Klägers, der Jus­tiz­mi­nis­ter sei ihm ge­genüber vor­ein­ge­nom­men ge­we­sen, feh­le es, wie es be­reits im Eil­ver­fah­ren fest­ge­stellt wor­den sei, an An­halts­punk­ten. So­weit der Kläger vor­tra­ge, er sei ins­ge­samt bes­ser ge­eig­net als der Bei­ge­la­de­ne, set­ze er un­zulässi­ger­wei­se sei­ne
Selbst­einschätzung an die Stel­le der Wer­tung des Dienst­herrn.

Sch­ließlich be­geg­ne, wie eben­falls be­reits im Eil­ver­fah­ren fest­ge­stellt, die Be­schluss­fas­sung des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses kei­nen recht­li­chen Be­den­ken. Was den an­geb­li­chen Ver­such der Jus­tiz­staats­se­kretärin an­ge­he, auf das Ab­stim­mungs­ver­hal­ten der bei­den rich­ter­li­chen Mit­glie­der des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses Ein­fluss zu neh­men, sei zu se­hen, dass die­se sich in deut­li­cher Form da­zu erklärt hätten, dass und war­um sie sich der Stim­me ent­hal­ten woll­ten.

Die Hilfs­anträge zu 2 b. und c. so­wie der ers­te Hilfs­an­trag zu 3. sei­en zulässig, aber un­be­gründet, da die Aus­wah­l­ent­schei­dung recht­lich nicht zu be­an­stan­den sei. Der zwei­te Hilfs­an­trag zu 3. sei dem­ge­genüber be­reits un­zulässig. Es sei schon nicht er­kenn­bar, in wel­chem Recht der Kläger hier­durch mögli­cher­wei­se ver­letzt sein könn­te. Durch die er­folg­te Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen könne die Rechtmäßig­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung nicht nachträglich in Fra­ge ge­stellt wer­den und auf ei­ne mögli­che Ver­let­zung durch sie in sei­nen Rech­ten aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art. 19 Abs. 4 des Grund­ge­set­zes könne sich der Kläger nicht mehr be­ru­fen, nach­dem ihm im Rah­men des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens ef­fek­ti­ver Rechts­schutz gewährt wor­den sei. Es feh­le zu­dem ein be­son­de­res Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Das Be­ste­hen ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spruchs sei be­reits nicht sub­stan­ti­iert dar­ge­tan. Darüber hin­aus wer­de ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se in­so­weit nur dann an­er­kannt, wenn die Er­le­di­gung des Ver­wal­tungs­ak­tes erst nach Kla­ge­er­he­bung ein­ge­tre­ten sei.

Ge­gen das Ur­teil hat der Kläger frist­ge­recht die vom Ver­wal­tungs­ge­richt zu­ge­las­se­ne Be­ru­fung ein­ge­legt und zunächst die nach der Geschäfts­ver­tei­lung des 10. Se­nats zur Mit­wir­kung im Be­ru­fungs­ver­fah­ren be­ru­fe­nen Se­nats­mit­glie­der we­gen der Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit ab­ge­lehnt. Das Ge­such hat der Se­nat in an­de­rer Be­set­zung mit Be­schluss vom 7. Ok­to­ber 2008 zurück­ge­wie­sen. Die dar­auf­hin er­ho­be­ne Ge­gen­vor­stel­lung, hilfs­wei­se Anhörungsrüge, blieb er­folg­los.

Zur Be­gründung der Be­ru­fung wie­der­holt der Kläger un­ter Auf­recht­er­hal­tung der vor­ge­tra­ge­nen Be­fan­gen­heits­gründe und des hier­auf gestütz­ten Be­fan­gen­heits­ge­suchs ge­gen die zur Mit­wir­kung am Ver­fah­ren be­ru­fe­nen Rich­ter im We­sent­li­chen sein erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen. Da­bei stellt er ins­be­son­de­re noch ein­mal her­aus, dass je­der Ver­fah­rens­schritt, der mögli­cher­wei­se den Rich­ter­wahl­aus­schuss zu ei­nem an­de­ren Vo­tum ver­an­lasst hätte, un­mit­tel­bar auf das Ge­samt­er­geb­nis durch­schlüge; dem Rich­ter­wahl­aus­schuss sei­en je­doch re­le­van­te Aus­wahl­in­for­ma­tio­nen vor­ent­hal­ten wor­den. Was die Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen an­geht, hält er dar­an fest, dass in­so­fern nichts an­de­res gel­te, als für dienst­li­che Be­ur­tei­lun­gen ganz all­ge­mein; die frühe­ren

- 8 -

Dienst­vor­ge­setz­ten des Bei­ge­la­de­nen hätten des­sen Per­so­nalführungs- und So­zi­al­kom­pe­tenz aber we­ni­ger eu­pho­risch be­ur­teilt. Mit Blick auf die Er­for­der­lich­keit ei­ner Ein­be­zie­hung auch der Be­ur­tei­lungs­ent­wick­lung in den Eig­nungs- und Leis­tungs­ver­gleich hebt er na­ment­lich noch­mals her­vor, dass der qua­li­ta­ti­ve Ge­halt sei­ner vor­aus­ge­gan­ge­nen Be­ur­tei­lun­gen deut­lich für ihn spre­che und dass die­se Aus­rich­tung erst­mals mit der An­lass­be­ur­tei­lung vom 6. No­vem­ber 2006 „ge­kippt“ sei. Was die gel­tend ge­mach­te Vor­ein­ge­nom­men­heit des Jus­tiz­mi­nis­ters ihm ge­genüber an­geht, stellt er klar, dass es in­so­weit auf ei­ne Ge­samt­schau und Ge­samtwürdi­gung der be­tref­fen­den Tat­sa­chen an­kom­me. Zum Ver­fah­ren vor dem Rich­ter­wahl­aus­schuss rügt er vor al­lem wei­ter­hin, dass die Staats­se­kretärin auf das Stimm­ver­hal­ten der rich­ter­li­chen Aus­schuss­mit­glie­der Ein­fluss ge­nom­men ha­be. Hier­zu trägt er ergänzend vor, dass er, wenn er von dem be­tref­fen­den Gespräch recht­zei­tig Kennt­nis er­langt hätte, die bei­den Rich­ter als be­fan­gen ab­ge­lehnt hätte. Fer­ner macht er als Man­gel des Be­set­zungs­ver­fah­rens erst­mals gel­tend, dass sich der Nie­der­schrift über das Ei­ni­gungs­gespräch zwi­schen dem Präsi­di­al­rat und dem Jus­tiz­mi­nis­ter nicht ent­neh­men las­se, auf­grund wel­cher Erwägun­gen der Jus­tiz­mi­nis­ter die Einschätzung des Präsi­di­al­rats für ent­kräftet er­ach­tet ha­be. Zu den hilfs­wei­se ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträgen weist er dar­auf hin, dass er un­abhängig von der Ord­nungs­gemäßheit des Aus­wahl­ver­fah­rens schon durch die Art und Wei­se der Ur­kun­den­aushändi­gung an den Bei­ge­la­de­nen in sei­nen Rech­ten ver­letzt sein könne; zu­min­dest kom­me in­so­weit ein An­spruch auf Über­nah­me der im ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren ver­geb­lich auf­ge­wand­ten Kos­ten in Be­tracht. Im Übri­gen be­ruft er sich zum Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­neut auf den Ge­sichts­punkt der Re­ha­bi­li­tie­rung; da­zu sieht er ins­be­son­de­re mit Rück­sicht auf die „Blit­zer­nen­nung“ des Bei­ge­la­de­nen An­lass.

Der Kläger be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils nach sei­nen Anträgen ers­ter In­stanz zu er­ken­nen.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Zu der um­ge­hen­den Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen nach Zu­stel­lung der Be­schwer­de­ent­schei­dung im Eil­ver­fah­ren weist er dar­auf hin, dass es bis zur Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Sep­tem­ber 2007 kei­ner­lei Recht­spre­chung da­zu ge­ge­ben ha­be, dass nach Ab­schluss des ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­rens zum Kon­kur­ren­ten­rechts­schutz al­lein die Ankündi­gung ei­ner An­ru­fung die­ses Ge­richts durch den un­ter­le­ge­nen Be­wer­ber ei­ne Sperr­wir­kung in Be­zug auf die Er­nen­nung des Kon­kur­ren­ten auslösen sol­le. In der Sa­che be­ruft er sich zunächst er­neut auf das Recht des Dienst­herrn, für je­des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren ein ei­genständi­ges An­for­de­rungs­pro­fil er­stel­len zu können, und weist hier­zu dar­auf hin, dass die Auf­fas­sung an­ti­quiert sei, dass Lei­tungs­funk­tio­nen der or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit nur mit Per­so­nen aus eben die­ser Ge­richts­bar­keit be­setzt wer­den könn­ten. Des Wei­te­ren bleibt er bei sei­ner Auf­fas­sung, dass die Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen un­ter Berück­sich­ti­gung der Be­son­der­hei­ten der Be­ur­tei­lung ei­nes Chef­präsi­den­ten auf aus­rei­chen­den Er­kennt­nis­sen des Jus­tiz­mi­nis­ters in Be­zug auf die Leis­tun­gen des Bei­ge­la­de­nen be­ru­he und dass es auf die Be­ur­tei­lungs­ent­wick­lung erst dann an­kom­me, wenn auch nach Aus­wer­tung der Ein­zel­aus­sa­gen der letz­ten dienst­li­chen Be­ur­tei­lun­gen ein Be­ur­tei­lungs­gleich­stand ge­ge­ben sei. Zur Vor­ein­ge­nom­men­heit des Jus­tiz­mi­nis­ters hebt er ins­be­son­de­re her­vor, dass es zur Fest­stel­lung ei­ner sol­chen im Ge­gen­satz zu ei­ner Be­sorg­nis der Be­fan­gen­heit auf die Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Drit­ten an­kom­me und in­so­fern zu berück­sich­ti­gen sei, dass die Führungs­auf­ga­ben ei­nes Vor­ge­setz­ten na­tur­gemäß Kon­flik­te mit sich brin­gen könn­ten; da­bei sei­en zu­dem nur vor der in Re­de ste­hen­den Maßnah­me auf­ge­tre­te­ne Umstände in die Be­trach­tung mit­ein­zu­be­zie­hen. Zum Ver­fah­ren vor dem Rich­ter­wahl­aus­schuss führt er ergänzend aus, dass ei­ne Ab­leh­nung von Aus­schuss­mit­glie­dern nur vor der zu tref­fen­den Ent­schei­dung möglich sei. Was die hilfs­wei­se ge­stell­ten Fest­stel­lungs­anträge an­geht, fehlt es sei­ner Auf­fas­sung nach an ei­nem Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se, da es hin­zu­neh­men sei, im Rah­men ei­ner Beförde­rungs­aus­wahl nur als zweit­bes­ter Kan­di­dat zu gel­ten; dar­an ände­re auch ei­ne brei­te Pres­se­be­richt­er­stat­tung nichts. Ein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se aus Gründen ei­ner be­ab­sich­tig­ten Scha­dens­er­satz­kla­ge hält er we­gen der Möglich­keit, in­so­weit Leis­tungs­kla­ge zu er­he­ben, so­wie mit Rück­sicht auf die Be­stim­mung des § 839 Abs. 3 des Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches für nicht ge­ge­ben. Zu letz­te­rem weist er auf die un­zu­rei­chen­de „Ein­schal­tung“ des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts durch den Kläger und die Nicht­an­fech­tung sei­ner ei­ge­nen dienst­li­chen Be­ur­tei­lung hin.

Der Bei­ge­la­de­ne hat sich auch im Be­ru­fungs­ver­fah­ren nicht zur Sa­che ein­ge­las­sen.

- 9 -

In der münd­li­chen Ver­hand­lung hat der Kläger die aus der An­la­ge zur Sit­zungs­nie­der­schrift er­sicht­li­chen Be­weis­anträge ge­stellt. Die­se sind vom Se­nat mit in der münd­li­chen Ver­hand­lung verkünde­tem Be­schluss ab­ge­lehnt wor­den.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den In­halt der von den Be­tei­lig­ten zu den Pro­zess­ak­ten ge­reich­ten Schriftsätze so­wie der zum Ge­gen­stand der münd­li­chen Ver­hand­lung ge­mach­ten Ver­wal­tungs­vorgänge, Per­so­nal­ak­ten des Klägers und des Bei­ge­la­de­nen so­wie Ge­richts­ak­ten be­tref­fend den Eil­rechts­schutz ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Der Se­nat kann un­ge­ach­tet der Auf­recht­er­hal­tung des Be­fan­gen­heits­ge­suchs des Klägers ge­gen die nach der se­nats­in­ter­nen Geschäfts­ver­tei­lung zur Mit­wir­kung am vor­lie­gen­den Ver­fah­ren be­ru­fe­nen Se­nats­mit­glie­der in der re­gulären Be­set­zung über die Be­ru­fung ent­schei­den, nach­dem das be­tref­fen­de Be­fan­gen­heits­ge­such be­reits mit den Be­schlüssen vom 7. Ok­to­ber und 3. No­vem­ber 2008 zurück­ge­wie­sen wor­den ist, oh­ne dass der Kläger in der Fol­ge­zeit neue Be­fan­gen­heits­gründe gel­tend ge­macht hätte.

Die Be­ru­fung ist zulässig, hat in der Sa­che aber kei­nen Er­folg.

Das Ver­wal­tungs­ge­richt hat die Kla­ge im Er­geb­nis zu Recht in vol­lem Um­fang ab­ge­wie­sen. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Vor­in­stanz ist die Kla­ge al­ler­dings nicht nur in Be­zug auf ein­zel­ne Anträge un­zulässig und im Übri­gen un­be­gründet; viel­mehr sind sämt­li­che Kla­ge­anträge be­reits un­zulässig.
So­weit der Kläger die Auf­he­bung der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts und die Ver­pflich­tung des Be­klag­ten er­strebt, ihn selbst zum OLG-Präsi­den­ten zu er­nen­nen, ist die Kla­ge - ein­sch­ließlich der in­so­weit zum Ver­pflich­tungs­be­geh­ren ge­stell­ten Hilfs­anträge - un­zulässig, weil we­gen der Sta­bi­lität des dem Bei­ge­la­de­nen mit der Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de am 22. Ju­ni 2007 ver­lie­he­nen Am­tes we­der die Er­nen­nung vom Be­klag­ten rückgängig ge­macht noch ge­richt­li­cher­seits auf­ge­ho­ben wer­den kann. Da­mit ist der auf die ei­ge­ne Er­nen­nung an­stel­le des Bei­ge­la­de­nen ge­rich­te­te Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch des Klägers man­gels Erfüll­bar­keit un­ter­ge­gan­gen.

An dem be­am­ten- und richter­recht­li­chen Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität, der be­sagt, dass ei­ne ein­mal er­folg­te Er­nen­nung nur un­ter den ge­setz­lich fest­ge­leg­ten en­gen Vor­aus­set­zun­gen - die hier nicht ge­ge­ben sind - rückgängig ge­macht wer­den kann - und da­mit ei­ner auf die Ver­let­zung des Art. 33 Abs. 2 des Grund­ge­set­zes - GG - gestütz­ten An­fech­tung durch ei­nen un­ter­le­ge­nen Beförde­rungs­be­wer­ber ent­zo­gen ist -, hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bis zu­letzt fest­ge­hal­ten. Dies gilt auch in­so­weit, als es in be­stimm­ten Fällen ei­ne Wei­ter­ver­fol­gung des Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs durch den im Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren un­ter­le­ge­nen Beförde­rungs­be­wer­ber un­ge­ach­tet der zwi­schen­zeit­li­chen Beförde­rung des Kon­kur­ren­ten für möglich ge­hal­ten hat. Der Bun­des­ge­richts­hof und das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­ben sich dem eben­so wie auch der Se­nat in ständi­ger Recht­spre­chung an­ge­schlos­sen. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat die­se Rechts­auf­fas­sung in ständi­ger Recht­spre­chung für ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich er­ach­tet.

Bis zu sei­nem Ur­teil vom 13. Sep­tem­ber 2001 (BVerw­GE 115, 89) war ge­fes­tig­te Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, dass sich mit der Er­nen­nung des aus­gewähl­ten Kon­kur­ren­ten der um ei­ne Beförde­rungs­aus­wahl geführ­te Rechts­streit er­le­digt, weil die Beförde­rung nicht mehr rückgängig ge­macht wer­den kann (vgl. hier­zu z.B. Ur­teil vom 25. Au­gust 1988, BVerw­GE 80, 127, so­wie Be­schluss vom 30. Ju­ni 1993, Buch­holz 232 § 8 BBG Nr. 49). Nach­dem in der Ent­schei­dung vom 25. Au­gust 1988 noch of­fen ge­las­sen wor­den war, ob und in­wie­weit dem bei ei­ner Stel­len­be­set­zung nicht berück­sich­tig­ten Be­wer­ber durch ei­ne An­fech­tungs­kla­ge ge­gen die Er­nen­nung des vor­ge­zo­ge­nen Kon­kur­ren­ten Rechts­schutz gewährt wer­den könne, wur­de im Be­schluss vom 30. Ju­ni 1993 über­dies klar­ge­stellt, dass nach der Er­nen­nung des aus­gewähl­ten Mit­be­wer­bers auch das auf Auf­he­bung die­ser Ent­schei­dung ge­rich­te­te Kla­ge­be­geh­ren des nicht­berück­sich­tig­ten Be­wer­bers von An­fang an kei­nen Er­folg ha­ben könne.

Die­se Recht­spre­chung, der sich auch der Bun­des­ge­richts­hof (vgl. z.B. Ur­teil vom 6. April 1995, BGHZ 129, 226) so­wie das Bun­des­ar­beits­ge­richt (vgl. z.B. Ur­teil vom 2. De­zem­ber 1997, BA­GE 87, 165) an­schlos­sen, be­geg­ne­te, wie das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in ständi­ger Recht­spre­chung fest­stell­te (vgl. z.B. Be­schluss vom 19. Sep­tem­ber 1989, NJW 1990, 501) kei­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken.

- 10 -

Nach­dem das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt dann in ei­nem „sich ....schon im Aus­gangs­punkt von ei­nem Streit um die Aus­wahl für ei­ne Beförde­rungs­stel­le“ un­ter­schei­den­den Ver­fah­ren in ei­nem „ob­iter dic­tum“ zu sei­nem Ur­teil vom 13. Sep­tem­ber 2001 (a.a.O.) Zwei­fel geäußert hat­te, ob an der oben dar­ge­stell­ten Recht­spre­chung fest­zu­hal­ten sei, hat es in sei­nem Ur­teil vom 21. Au­gust 2003 (BVerw­GE 118, 370) klar­ge­stellt, dass die bis­he­ri­ge Rechts­auf­fas­sung auf­recht­er­hal­ten wer­de, und zur Be­gründung dar­auf hin­ge­wie­sen, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die im Ur­teil vom 13. Sep­tem­ber 2001 geäußer­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken durch Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2002 (DVBl. 2002, 1633) ent­kräftet ha­be. Dort hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ein wei­te­res Mal die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts als ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich be­zeich­net. So­weit das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in der Ent­schei­dung vom 21. Au­gust 2003 in be­stimm­ten Fällen ei­ne Wei­ter­ver­fol­gung des Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs durch den un­ter­le­ge­nen Beförde­rungs­be­wer­ber trotz der zwi­schen­zeit­li­chen Beförde­rung des Kon­kur­ren­ten für möglich ge­hal­ten hat, hat es ergänzend her­vor­ge­ho­ben, dass dies nicht die Möglich­keit vor­aus­set­ze, die be­reits er­folg­te Er­nen­nung auf­zu­he­ben.

In sei­nem Be­schluss vom 28. April 2005 (NJW-RR 2005, 998) hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dann in ei­nem die Be­set­zung ei­ner No­tarstel­le be­tref­fen­den Ver­fah­ren noch ein­mal bei Prüfung der Zulässig­keit der er­ho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de den Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität und des­sen Rechts­fol­gen für das Be­set­zungs­ver­fah­ren an­ge­spro­chen. Es hat aus­geführt, für die Ver­fas­sungs­be­schwer­de sei das Rechts­schutz­in­ter­es­se ge­ge­ben, ob­wohl we­gen des Grund­sat­zes der Ämt­er­sta­bi­lität die be­reits er­folg­te Be­stel­lung des aus­gewähl­ten Be­wer­bers nicht wi­der­ru­fen und der Be­schwer­deführer auf der die­sem über­tra­ge­nen No­tarstel­le nicht er­nannt wer­den könne.

In sei­nem eben­falls zu ei­ner No­tarstel­le er­gan­ge­nen Be­schluss vom 28. No­vem­ber 2005 (BGHZ 165, 139) hat der Bun­des­ge­richts­hof die ei­ge­ne dem ent­spre­chen­de Recht­spre­chung fort­geführt und noch­mals her­vor­ge­ho­ben, dass ei­ner Rückgängig­ma­chung der zwi­schen­zeit­lich er­folg­ten Er­nen­nung des Mit­be­wer­bers der Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität ent­ge­gen­ste­he; die Rechts­po­si­ti­on, wel­che der Mit­be­wer­ber durch sei­ne Be­stel­lung er­langt ha­be, könne von dem un­berück­sich­tigt ge­blie­be­nen Be­wer­ber nicht er­folg­reich an­ge­foch­ten wer­den, da sie nicht mehr re­vi­diert wer­den könne.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de ge­gen die­sen BGH-Be­schluss hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit Be­schluss vom 29. März 2006 (NJW 2006, 2395) nicht zur Ent­schei­dung an­ge­nom­men. In den Gründen hat es die Auf­fas­sung des Bun­des­ge­richts­hofs für ver­fas­sungs­gemäß er­ach­tet.

Vor al­lem aber hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt noch zwei Mo­na­te vor sei­ner Ent­schei­dung im Ver­fas­sungs­be­schwer­de­ver­fah­ren des Klägers - mit Be­schluss vom 9. Ju­li 2007 (NVwZ 2007, 1178) - in ei­nem be­am­ten­recht­li­chen Kon­kur­ren­ten­ver­fah­ren wie­der­um bei Prüfung der Zulässig­keit der er­ho­be­nen Ver­fas­sungs­be­schwer­de her­aus­ge­stellt, ihr feh­le nicht das Rechts­schutz­bedürf­nis, ob­wohl die be­reits er­folg­te Er­nen­nung des aus­gewähl­ten Be­wer­bers we­gen des Grund­sat­zes der Ämt­er­sta­bi­lität nicht zurück­ge­nom­men und dem Be­schwer­deführer die aus­ge­schrie­be­ne Stel­le da­her auch nicht mehr über­tra­gen wer­den könne. Zur Be­gründet­heit der Ver­fas­sungs­be­schwer­de hat es dann un­ter Zi­tie­rung der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 21. Au­gust 2003 zum Be­leg der „ständi­gen Recht­spre­chung“ die­ses Ge­richts fest­ge­stellt, dass sich nach die­ser Recht­spre­chung der um ei­ne Beförde­rungs­aus­wahl geführ­te Rechts­streit grundsätz­lich mit der endgülti­gen Be­set­zung der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le er­le­digt.

War­um das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nur kurz da­nach in sei­nem Kam­mer­be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 (NVwZ 2008, 70) in Sa­chen des Klägers bei dem dar­ge­stell­ten Mei­nungs­stand in der höchst­rich­ter­li­chen - und sei­ner ei­ge­nen ‑ Recht­spre­chung ei­nen Klärungs­be­darf in Be­zug auf die sich in ei­nem Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­ren aus dem Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität er­ge­ben­den Rechts­fol­gen glaub­te fest­stel­len zu können, er­sch­ließt sich dem Se­nat nicht, je­den­falls dann nicht, wenn man dem Be­griff der Ämt­er­sta­bi­lität das all­ge­mei­ne Verständ­nis zu­grun­de legt. Na­ment­lich kann da­nach nicht da­von die Re­de sein, dass der Bun­des­ge­richts­hof „in Ab­gren­zung zur Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts“ am Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität festhält. Viel­mehr hat dies auch das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt bis zu­letzt ge­tan.

Ins­be­son­de­re sei da­zu hier noch her­vor­ge­ho­ben, dass nicht nur, wie oben be­reits an­ge­spro­chen, ei­ne un­ter Ver­s­toß ge­gen Art. 33 Abs. 2 GG er­fol­gen­de Er­nen­nung, son­dern auch ei­ne die Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes (Art. 19 Abs. 4 GG) ver­ei­teln­de Er­nen­nung nicht da­zu be­rech­tigt, die Er­nen­nung zurück­zu­neh­men; auch

- 11 -

ei­ne sol­che Er­nen­nung erfüllt kei­nen der ab­sch­ließend ge­setz­lich be­stimm­ten Tat­bestände, die ei­ne Rückgängig­ma­chung der Er­nen­nung zu­las­sen.

Die Kla­ge ist auch in­so­weit un­zulässig, als der Kläger mit sei­nem Kla­ge­an­trag zu 2. des Wei­te­ren je­den­falls die Ver­pflich­tung des Be­klag­ten zu sei­ner Er­nen­nung zum OLG-Präsi­den­ten un­ge­ach­tet der zwi­schen­zeit­li­chen Ver­lei­hung die­ses Am­tes an den Bei­ge­la­de­nen er­strebt. Un­zulässig sind da­bei auch die hier­auf be­zo­ge­nen Hilfs­anträge zu 2 b) und c). Ei­ne sol­che Möglich­keit be­steht nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nur in en­gen Aus­nah­mefällen. Die Vor­aus­set­zun­gen hierfür lie­gen nicht vor, bzw. de­ren An­nah­me ver­bie­tet sich an­ge­sichts der Be­son­der­hei­ten des vor­lie­gen­den Fal­les.

Al­ler­dings hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt in sei­ner Ent­schei­dung vom 21. Au­gust 2003 (a.a.O.) im An­schluss an sei­ne oben schon in Be­zug ge­nom­me­ne Klar­stel­lung, dass es bei sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ver­blei­be, fest­ge­stellt, wenn ent­ge­gen ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung ein Mit­be­wer­ber befördert wor­den sei, könne der im vorläufi­gen Rechts­schutz er­folg­rei­che Be­am­te sei­nen Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch im Haupt­sa­che­ver­fah­ren wei­ter­ver­fol­gen. Ein un­ter Ver­s­toß ge­gen Art. 33 Abs. 2 GG ab­ge­lehn­ter Beförde­rungs­be­wer­ber müsse vor Ge­richt sei­nen Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch durch­set­zen können. Die bloße Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Ab­leh­nung oder die Ver­wei­sung auf Scha­dens­er­satz genügten dem Rechts­schutz­an­spruch nicht, wenn nicht tatsächli­che Umstände oder zwin­gen­de Gründe des all­ge­mei­nen Wohls der Be­sei­ti­gung der ab­leh­nen­den Ent­schei­dung ent­ge­genstünden. Wer­de die Ver­let­zung ei­nes sub­jek­ti­ven Rechts gerügt, for­de­re das Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes die Möglich­keit ei­ner vollständi­gen recht­li­chen und tatsächli­chen Nach­prüfung durch ein Ge­richt und des­sen aus­rei­chen­de Ent­schei­dungs­macht, um dro­hen­de Rechts­ver­let­zun­gen ab­zu­wen­den und ge­sche­he­ne Rechts­ver­let­zun­gen zu be­he­ben. Prak­ti­sche Schwie­rig­kei­ten recht­fer­tig­ten es nicht, den durch Art. 19 Abs. 4 GG gewähr­leis­te­ten Rechts­schutz ein­zu­schränken. Mit die­sen Vor­ga­ben sei die An­nah­me un­ver­ein­bar, der Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch ge­he auch dann man­gels Erfüll­bar­keit durch den Dienst­herrn un­ter, wenn die­ser un­ter Ver­s­toß ge­gen ei­ne den An­spruch si­chern­de einst­wei­li­ge An­ord­nung ei­nen Kon­kur­ren­ten beförde­re. Eben­so wie es Art. 19 Abs. 4 GG i.V.m. Art. 33 Abs. 2 GG ver­let­ze, wenn der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber vom Aus­gang des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens erst nach der Er­nen­nung des Mit­be­wer­bers er­fah­re, sei dies auch dann der Fall, wenn der Dienst­herr sich mit der Er­nen­nung des Kon­kur­ren­ten un­ter zusätz­li­cher Ver­let­zung des Art. 20 Abs. 3 GG über ei­ne einst­wei­li­ge An­ord­nung hin­weg­set­ze. Der Be­trof­fe­ne ha­be viel­mehr ei­nen An­spruch auf Wie­der­her­stel­lung, wenn die Ver­wal­tung durch ihr Ver­hal­ten recht­zei­ti­gen vorläufi­gen Rechts­schutz ver­hin­de­re oder des­sen er­folg­rei­che In­an­spruch­nah­me miss­ach­te. Der Dienst­herr könne dem über­g­an­ge­nen Be­wer­ber nicht das Feh­len ei­ner be­setz­ba­ren Plan­stel­le ent­ge­gen­hal­ten. Die­ser könne viel­mehr ver­lan­gen, ver­fah­rens­recht­lich und ma­te­ri­ell-recht­lich so ge­stellt zu wer­den, als sei die einst­wei­li­ge An­ord­nung be­folgt wor­den. Die Beförde­rung ei­nes er­weis­lich zu Un­recht nicht aus­gewähl­ten Be­wer­bers sei von Rechts we­gen nicht aus­ge­schlos­sen, wenn der Dienst­herr ei­ne einst­wei­li­ge Si­che­rungs­an­ord­nung miss­ach­tet ha­be. Er­for­der­li­chen­falls sei ei­ne benötig­te wei­te­re Plan­stel­le zu schaf­fen.

Ob dem un­ein­ge­schränkt zu fol­gen ist, kann hier letzt­lich da­hin­ge­stellt blei­ben. Recht­li­che Be­den­ken könn­ten sich in­so­weit ins­be­son­de­re (vgl. im Übri­gen z.B. Schnel­len­bach, An­mer­kung zu dem Ur­teil, ZBR 2004, 104) dar­aus er­ge­ben, dass die Ver­ga­be ei­ner an­de­ren als der ursprüng­lich aus­ge­schrie­be­nen Stel­le - um ei­ne sol­che han­del­te es sich zwei­fel­los bei ei­ner „neu ge­schaf­fe­nen“ Stel­le, im Übri­gen aber auch dann, wenn die mit dem Kon­kur­ren­ten be­setz­te Stel­le et­wa durch des­sen Ver­set­zung oder Um­set­zung wie­der frei ge­wor­den ist (vgl. hier­zu z.B. BVerwG, Ur­teil vom 25. Au­gust 1988, a.a.O.) - oh­ne ei­ne Aus­schrei­bung, wie sie für der­ar­ti­ge Stel­len zwin­gend vor­ge­schrie­ben ist (vgl. zur Aus­schrei­bungs­pflicht hin­sicht­lich frei­er Rich­ter­stel­len z.B. Be­schluss des Se­nats vom 19. De­zem­ber 1996, ZBR 1998, 61), das grund­rechts­glei­che Recht an­de­rer (auch neu­er) ‑ mögli­cher­wei­se leis­tungsstärke­rer - Be­wer­ber aus Art. 33 Abs. 2 GG ver­let­zen könn­te (vgl. da­zu ne­ben dem Ur­teil des BVerwG vom 25. Au­gust 1988 den Be­schluss des BGH vom 28. No­vem­ber 2005, a.a.O.).

Denn auch aus die­ser Recht­spre­chung lässt sich ein An­spruch des Klägers auf Er­nen­nung zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts nicht her­lei­ten.

Es stellt sich be­reits die Fra­ge, ob sie sich über­haupt auf den vor­lie­gen­den Sach­ver­halt über­tra­gen lässt. Der Se­nat teilt je­den­falls nicht die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Kam­mer­be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 (a.a.O.) geäußer­te Auf­fas­sung, dass zwi­schen den im Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts an­ge­spro­che­nen Fall­ge­stal­tun­gen und den im Fal­le des Klägers ge­ge­be­nen Umständen ei­ne „sach­li­che Übe­rein­stim­mung“ be­steht. Kei­ner wei­te­ren Ver­tie­fung be­darf es, dass von ei­ner sol­chen

- 12 -

Übe­rein­stim­mung zwi­schen der Fall­ge­stal­tung, die das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu würdi­gen hat­te, und der hier vor­lie­gen­den nicht die Re­de sein kann, ging es dort doch um ei­ne Beförde­rung des Mit­be­wer­bers un­ter Miss­ach­tung ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung, während hier ei­ne Beförde­rung nach un­an­fecht­ba­rer Ab­leh­nung ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung in­mit­ten steht. Aber auch in Be­zug auf den nach dem an­geführ­ten Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts ver­gleich­ba­ren Fall, dass der un­ter­le­ge­ne Be­wer­ber vom Aus­gang des Stel­len­be­set­zungs­ver­fah­rens erst nach der Er­nen­nung des Mit­be­wer­bers erfährt, fehlt es nach Auf­fas­sung des Se­nats an ei­ner „sach­li­chen Übe­rein­stim­mung“. Vor­lie­gend er­folg­te die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen erst nach Mit­tei­lung an den Kläger, dass be­ab­sich­tigt sei, je­nem die Stel­le zu über­tra­gen, und nach Erschöpfung des Rechts­we­ges im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz.

Ei­ne „sach­li­che Übe­rein­stim­mung“ mit den hier ge­ge­be­nen Umständen folgt schließlich auch nicht aus der Tat­sa­che, dass der Kläger ge­genüber dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Stel­lung ei­nes einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­tra­ges an­gekündigt und den Be­klag­ten da­von in Kennt­nis ge­setzt hat­te. Selbst wenn die un­ge­ach­tet des­sen kurz nach Be­kannt­ga­be der Be­schwer­de­ent­schei­dung er­folg­te Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen den Kläger in sei­nen Rech­ten aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art. 19 Abs. 4 GG ver­letz­te, wie dies das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 ein­lei­tend her­aus­ge­stellt hat, ließe sich der hier ge­ge­be­ne Sach­ver­halt nicht gleich­set­zen mit dem Fall der Beförde­rung oh­ne vor­he­ri­ge Ne­ga­tiv­mit­tei­lung. Dem steht zu­min­dest ent­ge­gen, dass sich dem Be­klag­ten nach dem Stand der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung im Zeit­punkt der Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de kei­nes­wegs auf­drängen muss­te, dass die ihm be­kann­te bloße Ankündi­gung ei­nes einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­tra­ges sei­tens des Klägers ge­genüber dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ihn von Ver­fas­sungs­we­gen dar­an hin­dern könn­te, den Bei­ge­la­de­nen nach der un­an­fecht­ba­ren Ab­leh­nung des An­trags des Klägers auf Gewährung ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes zum OLG-Präsi­den­ten zu er­nen­nen. Das gilt um­so mehr, als das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die ihm „vor­ab per Fax“ zu­ge­lei­te­te Schutz­schrift des Klägers vom 12. Ju­ni 2007, in der die­ser die Ankündi­gung ei­nes einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­tra­ges mit dem Er­su­chen ver­bun­den hat­te, kurz­fris­tig ei­ne Zwi­schen­re­ge­lung zu tref­fen oder dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um die Zu­si­che­rung ei­nes Zu­war­tens mit der Ur­kun­den­aushändi­gung bis zur Ent­schei­dung über den be­ab­sich­tig­ten einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­trag ab­zu­ver­lan­gen, bis zum 22. Ju­ni 2006 nicht zum An­lass ge­nom­men hat­te, die­ser Bit­te nach­zu­kom­men. Auch sie war dem Be­klag­ten aber be­kannt, da der Kläger ihm am 13. Ju­ni 2006 die Schutz­schrift an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in Ab­schrift zu­ge­lei­tet hat­te.

Auch nach der Auf­fas­sung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ist die Ver­fas­sungs­be­schwer­de kein zusätz­li­cher Rechts­be­helf zum fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren, der sich die­sem in glei­cher Funk­ti­on oh­ne wei­te­res an­sch­ließt (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 10. Fe­bru­ar 1987, BVerfGE 74, 220). Sie ist ein be­son­de­res Rechts­schutz­mit­tel zur pro­zes­sua­len Durch­set­zung der Grund­rech­te oder der die­sen gleich­ge­stell­ten Rech­te (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 27. Sep­tem­ber 1951, BVerfGE 1, 4), mit­hin ein außer­or­dent­li­cher Rechts­be­helf; mit ihr wur­de nicht ei­ne Ergänzung des fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes, nicht ein wei­te­rer Rechts­weg, son­dern ein Rechts­in­sti­tut ge­schaf­fen, das in ei­nem außer­halb des Rechts­wegs an­ge­sie­del­ten außer­or­dent­li­chen Rechts­be­helfs­ver­fah­ren ei­ne Über­prüfung am Maßstab der Grund­rech­te ermöglicht (vgl. z.B. BVerfG, Ur­teil vom 14. Mai 1996, BVerfGE 94, 166). Kon­trol­le der Ein­hal­tung und die Be­ach­tung der Grund­rech­te sind zunächst Sa­che der fach­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 2. De­zem­ber 1986, BVerfGE 74, 69). Die bloße Er­he­bung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de ent­fal­tet noch kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 18. Ja­nu­ar 1996, BVerfGE 93, 381). Die Pro­zess­ord­nun­gen gewähr­leis­ten die nach Art. 19 Abs. 4 GG ge­bo­te­ne Ef­fek­ti­vität des Rechts­schut­zes (vgl. z.B. BVerfG, Ur­teil vom 14. Mai 1996, a.a.O.). Wenn im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­ver­fah­ren dem An­trag­stel­ler bei Ver­sa­gung des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes ei­ne er­heb­li­che, über den Rand­be­reich hin­aus­ge­hen­de Ver­let­zung in sei­nen Grund­rech­ten droht, die durch ei­ne der Kla­ge statt­ge­ben­de Ent­schei­dung in der Haupt­sa­che nicht mehr be­sei­tigt wer­den kann, ist ihm er­for­der­li­chen­falls un­ter ein­ge­hen­der tatsäch­li­cher und recht­li­cher Prüfung des im Haupt­ver­fah­ren gel­tend ge­mach­ten An­spruchs einst­wei­li­ger Rechts­schutz zu gewähren, so­fern nicht aus­nahms­wei­se ge­wich­ti­ge Gründe ent­ge­gen­ste­hen (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 29. Ju­li 2003, DVBl. 2003, 1524).

Was in Son­der­heit die Ef­fek­ti­vität des ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes nach Erschöpfung des fach­ge­richt­li­chen Rechts­schut­zes, die Si­che­rung des Über­gangs vom fach­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren zum außer­or­dent­li­chen Rechts­be­helfs­ver­fah­ren der Ver­fas­sungs­be­schwer­de, an­geht, gab es bis zum 22. Ju­ni 2007 kei­ne – je­den­falls kei­ne veröffent­lich­te – Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts da­hin, dass in ei­nem

- 13 -

Beförde­rungs­kon­kur­ren­ten­streit stets nach Erschöpfung des Rechts­wegs im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz die Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de an den aus­gewähl­ten Mit­be­wer­ber zunächst über ei­nen aus­rei­chen­den Zeit­raum zurück­ge­stellt wer­den müsse, um dem un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber auch noch die Möglich­keit zu ge­ben, Ver­fas­sungs­be­schwer­de zu er­he­ben – oder doch dass dies je­den­falls dann nötig sei, wenn der un­ter­le­ge­ne Mit­be­wer­ber be­reits die Ab­sicht an­gekündigt ha­be, beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ei­nen Eil­an­trag gemäß § 32 des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts­ge­set­zes – BVerfGG – zu stel­len.

So hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt noch in sei­nem Ur­teil vom 14. Mai 1996 (a.a.O.) er­kannt, dass „die Rechts­ord­nung ....nicht .... (vor­se­he), dass mit der Voll­stre­ckung von Ge­richts­ent­schei­dun­gen so­lan­ge in­ne­zu­hal­ten sei, bis ein Be­trof­fe­ner dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­le­gen .... (könne), die Ent­schei­dung ver­let­ze ihn in Grund­rech­ten, und es Ge­le­gen­heit .... (ge­habt ha­be), ihn durch den Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung vor den fak­ti­schen Fol­gen mögli­cher Grund­rechts­ver­let­zun­gen zu schützen“. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt hat­te nur ent­schie­den, dass die Exe­ku­ti­ve ein beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt anhängi­ges Ver­fah­ren auf Er­lass ei­ner einst­wei­li­gen An­ord­nung nicht durch den fak­ti­schen Voll­zug des an­ge­grif­fe­nen Ho­heits­ak­tes über­spie­len dürfe (vgl. z.B. BVerfG, Ur­teil vom 18. Ju­ni 1973, BVerfGE 35, 257). Dem ent­sprach der Be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 28. April 2005 (a.a.O.), der den Fall ei­ner Er­nen­nung des aus­gewähl­ten Mit­be­wer­bers um ei­ne No­tarstel­le nach Er­he­bung ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de und Be­an­tra­gung ei­ner ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen einst­wei­li­gen An­ord­nung sei­tens des un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­bers be­traf. Dort hat­te das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stellt, auch wenn sich das Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um nicht über ei­ne einst­wei­li­ge An­ord­nung hin­weg­ge­setzt ha­be, sei dem Be­schwer­deführer durch die um­ge­hen­de Er­nen­nung des Mit­be­wer­bers fak­tisch die Möglich­keit ge­nom­men wor­den, die Be­set­zung der No­tarstel­le durch ei­ne ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Eil­ent­schei­dung zu ver­hin­dern; da­her fol­ge aus dem Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes in Ver­bin­dung mit den zu wah­ren­den Grund­rech­ten, dass dem Be­schwer­deführer die Wei­ter­ver­fol­gung des Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs im We­ge der Ver­fas­sungs­be­schwer­de möglich sein müsse. Zi­tiert war da­zu die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 8. Ok­to­ber 2004 (NJW 2005, 50), die ei­ne Er­nen­nung zum No­tar so­gar un­ter Miss­ach­tung ei­ner ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen einst­wei­li­gen An­ord­nung zu­guns­ten des un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­bers be­traf.

Un­ter Berück­sich­ti­gung des auf­ge­zeig­ten Stan­des der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts am 22. Ju­ni 2007 muss­te sich dem Be­klag­ten zu dem ge­nann­ten Zeit­punkt nicht die erst­mals im Be­schluss des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 9. Ju­li 2007 (a.a.O.) und so­dann in des­sen die Ver­fas­sungs­be­schwer­de des Klägers be­tref­fen­den Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 (a.a.O.) zum Aus­druck ge­brach­te Rechts­auf­fas­sung auf­drängen.

Da­nach geht der Se­nat – in Übe­rein­stim­mung mit dem Hes­si­schen Ver­wal­tungs­ge­richts­hof (vgl. Be­schluss vom 4. Sep­tem­ber 2007, ESVGH 58, 123) – al­ler­dings da­von aus, dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt mit die­sen Ent­schei­dun­gen un­abhängig da­von, ob ein Eil­an­trag zum Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt be­reits an­gekündigt ist, ein an­ge­mes­sen lan­ges Zu­war­ten mit der Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de an den aus­gewähl­ten Mit­be­wer­ber nach Erschöpfung des Rechts­wegs im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schutz for­dert. So wird im Be­schluss vom 9. Ju­li 2007 oh­ne ge­son­der­te Erwähnung der auch in je­nem Fall be­reits vor­lie­gen­den Ankündi­gung ei­nes An­trags gemäß § 32 BVerfGG aus­geführt, aus den­sel­ben Erwägun­gen – wie zu den Er­for­der­nis­sen ei­nes ef­fek­ti­ven ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes im Kon­kur­ren­ten­streit – fol­ge auch ei­ne Ver­pflich­tung, vor Aushändi­gung der Ur­kun­de ei­nen aus­rei­chen­den Zeit­raum ab­zu­war­ten, um dem Mit­be­wer­ber die Möglich­keit zu ge­ben, „Eil­an­trag, Be­schwer­de oder Ver­fas­sungs­be­schwer­de“ zu er­he­ben, weil nur so die Möglich­keit der Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes be­ste­he. Durch die um­ge­hen­de Er­nen­nung des Mit­be­wer­bers wer­de dem un­ter­le­ge­nen Kon­kur­ren­ten fak­tisch die Möglich­keit ge­nom­men, die Be­set­zung der aus­ge­schrie­be­nen Stel­le durch ei­ne ver­fas­sungs­ge­richt­li­che Eil­ent­schei­dung zu ver­hin­dern. Zi­tiert wur­de hier­zu die al­ler­dings den Fall ei­ner nach Stel­lung ei­nes Eil­an­tra­ges beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt er­folg­ten Er­nen­nung be­tref­fen­de Ent­schei­dung vom 28. April 2005 (a.a.O.). In dem Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 (a.a.O.) wur­de dann der Be­schluss vom 9. Ju­li 2007 als Be­leg dafür an­geführt, dass es „in der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts .... geklärt .... (sei), dass aus Art. 19 Abs. 4 GG i.V.m. Art. 33 Abs. 2 GG ei­ne Ver­pflich­tung des Dienst­herrn .... (fol­ge), vor Aushändi­gung der Er­nen­nungs­ur­kun­de ei­nen aus­rei­chen­den Zeit­raum ab­zu­war­ten, um dem un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber die Möglich­keit zu ge­ben, Eil­an­trag, Be­schwer­de oder Ver­fas­sungs-

- 14 -

be­schwer­de zu er­he­ben, wenn nur so die Möglich­keit der Gewährung ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes .... (be­ste­he)“.

Der Be­klag­te muss­te sich in­des auch nicht we­gen der hier aber doch zu­min­dest ge­ge­be­nen – und im Be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 an­ders als im Be­schluss vom 9. Ju­li 2007 zu­min­dest an­ge­spro­che­nen – „Be­son­der­heit“ der be­reits vor­lie­gen­den Ankündi­gung ei­nes Eil­an­trags an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt dar­an ge­hin­dert se­hen, den Bei­ge­la­de­nen als­bald nach Zu­stel­lung der Be­schwer­de­ent­schei­dung des Se­nats vom 13. Ju­ni 2007 zum OLG-Präsi­den­ten zu er­nen­nen. Dies folgt dar­aus, dass der Kläger die – dem Be­klag­ten be­kann­te – Ankündi­gung des Eil­an­trags mit der – dem Be­klag­ten glei­cher­maßen be­kann­ten – Bit­te an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt um ei­ne Zwi­schen­re­ge­lung bzw. ei­ne „Still­hal­te­ab­spra­che“ ver­bun­den hat­te, oh­ne dass das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in den ihm dafür zur Verfügung ste­hen­den 9 Ta­gen in ir­gend­ei­ner Wei­se re­agiert hätte.

Nach al­le­dem fehlt es nach Auf­fas­sung des Se­nats schon an ei­ner „sach­li­chen Übe­rein­stim­mung“ zwi­schen den hier ge­ge­be­nen Umständen und den im Ur­teil des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 21. Au­gust 2003 (a.a.O.) an­ge­spro­che­nen Fall­ge­stal­tun­gen.

Ei­ne Er­nen­nung des Klägers zum OLG-Präsi­den­ten un­ge­ach­tet der zwi­schen­zeit­li­chen Ver­lei­hung die­ses Am­tes an den Bei­ge­la­de­nen schei­det aber auch des­we­gen – mit der Fol­ge der Un­zulässig­keit der hier­auf ge­rich­te­ten Kla­ge – aus, weil mit Rück­sicht auf die hier ge­ge­be­nen Be­son­der­hei­ten aus zwin­gen­den Rechts­gründen der Weg ver­stellt ist, den Kläger un­abhängig von der nicht mehr re­vi­dier­ba­ren Rechts­po­si­ti­on des Bei­ge­la­de­nen zu befördern. Die Rechts­la­ge ist in­so­fern ver­gleich­bar mit den recht­li­chen Ge­ge­ben­hei­ten, wie sie vom Bun­des­ge­richts­hof in sei­nem – vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht be­an­stan­de­ten (vgl. Be­schluss vom 29. März 2006, a.a.O.) – Be­schluss vom 28. No­vem­ber 2005 (a.a.O.) mit Blick auf ei­ne No­tarstel­le gewürdigt wur­den.

Ei­ne Er­nen­nung des Klägers zum – nach R 8 be­sol­de­ten – Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts kann zunächst nicht da­durch ermöglicht wer­den, dass der Bei­ge­la­de­ne ver­setzt wird (vgl. hier­zu z.B. die Ur­tei­le des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts vom 25. Au­gust 1988, a.a.O., und 13. Sep­tem­ber 2001, a.a.O.). Dem steht schon die ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te persönli­che Un­abhängig­keit der Rich­ter auf Le­bens­zeit ent­ge­gen. Gemäß Art. 97 Abs. 2 Satz 1 GG können die haupt­amt­lich und planmäßig endgültig an­ge­stell­ten Rich­ter wi­der ih­ren Wil­len nur kraft rich­ter­li­cher Ent­schei­dung und nur aus Gründen und un­ter den For­men, wel­che die Ge­set­ze be­stim­men, an ei­ne an­de­re Stel­le ver­setzt wer­den. Un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ein Le­bens­zeit­rich­ter ge­gen sei­nen Wil­len ver­setzt wer­den kann, ist in § 30 des Deut­schen Rich­ter­ge­set­zes – DRiG – ab­sch­ließend ge­re­gelt. Nach Ab­satz 1 der Vor­schrift kann ein Rich­ter auf Le­bens­zeit oh­ne sei­ne Zu­stim­mung nur im Ver­fah­ren über die Rich­ter­an­kla­ge gemäß Art. 98 Abs. 2 und Abs. 5 GG, im ge­richt­li­chen Dis­zi­pli­nar­ver­fah­ren, im In­ter­es­se der Rechts­pfle­ge oder bei Verände­rung der Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­on in ein an­de­res Amt ver­setzt wer­den. Ei­ne Ver­set­zung im In­ter­es­se der Rechts­pfle­ge, wie sie vor­lie­gend über­haupt nur in Be­tracht ge­zo­gen wer­den könn­te, er­for­dert gemäß § 31 DRiG, dass Tat­sa­chen außer­halb der rich­ter­li­chen Tätig­keit des be­tref­fen­den Rich­ters ei­ne Ver­set­zung in ein an­de­res Rich­ter­amt mit dem glei­chen End­grund­ge­halt zwin­gend ge­bie­ten, um ei­ne schwe­re Be­ein­träch­ti­gung der Rechts­pfle­ge ab­zu­wen­den. Es be­darf kei­ner wei­te­ren Ver­tie­fung, dass es bei ei­ner Ver­set­zung des Bei­ge­la­de­nen zu dem al­lei­ni­gen Zweck, die Plan­stel­le, in die er mit sei­ner Er­nen­nung zum OLG-Präsi­den­ten ein­ge­wie­sen wur­de, be­setz­bar zu ma­chen, nicht um die Ab­wen­dung ei­ner schwe­ren Be­ein­träch­ti­gung der Rechts­pfle­ge geht. Ei­ne Er­nen­nung des Klägers zum OLG-Präsi­den­ten, die nur un­ter Ein­wei­sung in ei­ne die­sem Amt zu­ge­ord­ne­te – be­setz­ba­re – Plan­stel­le er­fol­gen könn­te (§ 49 Abs. 1 der Lan­des­haus­halts­ord­nung – LHO -), un­ter vor­he­ri­ger Ver­set­zung des Bei­ge­la­de­nen schei­det da­mit aus.

Ei­ne an­de­re – be­reits vor­han­de­ne – be­setz­ba­re dem Amt des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts (Be­sol­dungs­grup­pe R 8) zu­ge­ord­ne­te Plan­stel­le ist in Rhein-land-Pfalz der­zeit nicht vor­han­den. Die Stel­le des Präsi­den­ten des zwei­ten gemäß dem Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­setz – Ger­OrgG – in Rhein­land-Pfalz ein­ge­rich­te­ten Ober­lan­des­ge­richts – des Pfälzi­schen Ober­lan­des­ge­richts Zweibrücken -, die eben­falls in die Be­sol­dungs­grup­pe R 8 ein­ge­stuft ist, ist be­setzt. Der der­zei­ti­ge Amts­in­ha­ber tritt En­de Fe­bru­ar 2009 zwar in den Ru­he­stand; die Stel­le wur­de aber be­reits am 26. Ja­nu­ar 2009 – mit Wir­kung zum 1. März 2009 – mit dem der­zei­ti­gen Präsi­den­ten des Land­ge­richts Mainz neu be­setzt.

Ei­ne Beförde­rung des Klägers un­ter zusätz­li­cher Ein­wei­sung in die an den Bei­ge­la­de­nen ver­ge­be­ne Plan­stel­le ist nicht möglich. Be­setz­bar ist ei­ne Plan­stel­le nur, wenn in sie kein an­de­rer ein­ge­wie­sen ist (vgl. z.B. Pi­duch, Bun­des­haus­halts­ord­nung, Stand Ju­ni 2007,

- 15 -

Rd­nr. 4 zu § 49); aus ei­ner Plan­stel­le darf je­weils nur ein (voll­zeit­beschäftig­ter) Be­am­ter bzw. Rich­ter be­sol­det wer­den (vgl. z.B. das Ur­teil des BVerwG vom 13. Sep­tem­ber 2001, a.a.O.).

Auch die Schaf­fung ei­ner wei­te­ren der Be­sol­dungs­grup­pe R 8 zu­ge­ord­ne­te OLG-Präsi­den­ten­stel­le schei­det aus.

Das Ge­richts­or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­setz sieht in Rhein­land-Pfalz zur Gewähr­leis­tung ei­ner ord­nungs­gemäßen Rechts­pfle­ge schon nur zwei Ober­lan­des­ge­rich­te als er­for­der­lich aber auch aus­rei­chend vor (§ 4 Ger­OrgG). Gemäß § 115 des Ge­richts­ver­fas­sungs­ge­set­zes – GVG – wer­den die Ober­lan­des­ge­rich­te wie­der­um nur mit ei­nem Präsi­den­ten so­wie mit Vor­sit­zen­den Rich­tern und wei­te­ren Rich­tern be­setzt. Das Ge­richts­ver­fas­sungs­ge­setz schließt da­mit für die Ober­lan­des­ge­rich­te das Vor­han­den­sein ei­ner wei­te­ren Funk­ti­ons­stel­le des Ge­richtspräsi­den­ten aus. Da die An­zahl der im Stel­len­plan für be­stimm­te Ämter aus­ge­wie­se­nen Plan­stel­len der Zahl der in­so­weit ein­ge­rich­te­ten Ämter ent­spre­chen muss (vgl. § 17 Abs. 5 LHO; vgl. hier­zu auch die Ur­tei­le des BVerwG vom 13. Sep­tem­ber 2001, a.a.O., und 25. April 1996, BVerw­GE 101, 112; fer­ner z.B. Schütz/Mai­wald, Be­am­ten­recht des Bun­des und der Länder, Stand Ja­nu­ar 2009, C § 8 Rd­nr. 88), kann so­mit in Rhein­land-Pfalz kei­ne drit­te Plan­stel­le für ei­nen OLG-Präsi­den­ten aus­ge­bracht wer­den.

So­weit der Kläger in der münd­li­chen Ver­hand­lung an­ge­deu­tet hat, dass es ihm nicht in je­dem Fall dar­um geht, die mit dem Amt ei­nes OLG-Präsi­den­ten ver­bun­de­nen Auf­ga­ben tatsächlich wahr­zu­neh­men, ist ihm zunächst ent­ge­gen­zu­hal­ten, dass dies nicht dar­an vor­bei­zuführen ver­mag, dass die Ver­lei­hung ei­nes Am­tes die gleich­zei­ti­ge Ein­wei­sung in ei­ne be­setz­ba­re Plan­stel­le zur un­ver­zicht­ba­ren haus­halts­recht­li­chen Vor­aus­set­zung hat, und die Aus­brin­gung ei­ner sol­chen vor­aus­setzt, dass ein ent­spre­chen­des Amt ein­ge­rich­tet ist. Im Übri­gen hat sich ein Rich­ter gemäß § 5 Abs. 1 des Lan­des­rich­ter­ge­set­zes – LRiG – i.V.m. § 64 Abs. 1 des Lan­des­be­am­ten­ge­set­zes – LBG – mit vol­ler Hin­ga­be sei­nem Be­ruf zu wid­men. Dass da­bei die Erfüllung der dienst­li­chen Auf­ga­ben, die mit dem ihm ver­lie­he­nen Sta­tu­s­amt – nach dem sich auch sei­ne Ali­men­ta­ti­on rich­tet – ver­bun­den sind, und nicht ein Tätig­wer­den in ei­nem früher be­klei­de­ten Amt in Re­de steht, ver­steht sich von selbst. Der OLG-Präsi­dent nimmt die ihm zu­ge­wie­se­nen Auf­ga­ben der Ge­richts- und Jus­tiz­ver­wal­tung wahr und führt in ei­nem Um­fang, der ihm ei­nen Rich­tung ge­ben­den Ein­fluss auf des­sen Recht­spre­chung er­laubt (vgl. z.B. BGH, Be­schluss vom 20. No­vem­ber 1967, BGHZ 49, 64), den Vor­sitz in ei­nem Se­nat.

Wenn sich der Kläger in dem hier be­han­del­ten Zu­sam­men­hang in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung des Wei­te­ren dar­auf be­ru­fen hat, es ha­be in Rhein­land-Pfalz – bei nur ei­ner OVG-Präsi­den­ten-Stel­le – ja auch schon ein­mal zwei OVG-Präsi­den­ten ge­ge­ben, über­sieht er, dass sich das da­ma­li­ge zeit­wei­se Vor­han­den­sein zwei­er OVG-Präsi­den­ten aus zwin­gen­den Rechts­gründen (vgl. § 16 Mi­nis­ter­ge­setz) er­gab, während es hier um die Her­beiführung ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on im Rah­men der Aus­wahl für ei­ne Beförde­rungs­stel­le geht.

Un­abhängig von der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten sich aus dem Lan­des­or­ga­ni­sa­ti­ons- und -haus­halts­recht er­ge­ben­den Unmöglich­keit ei­ner Er­nen­nung des Klägers ne­ben dem Bei­ge­la­de­nen zum OLG-Präsi­den­ten, stünde ei­ner sol­chen mit Rück­sicht dar­auf, dass sie aus den dar­ge­leg­ten Gründen nicht oh­ne Amts­ausübung denk­bar ist, auch der An­spruch des Bei­ge­la­de­nen auf amts­an­ge­mes­se­ne (Voll­zeit-)Beschäfti­gung ent­ge­gen.

Der In­ha­ber ei­nes sta­tus­recht­li­chen Am­tes kann gemäß Art. 33 Abs. 5 GG be­an­spru­chen, dass ihm ein abs­trakt-funk­tio­nel­les Amt so­wie ein amts­an­ge­mes­se­nes kon­kret-funk­tio­nel­les Amt über­tra­gen wer­den (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 3. Ju­li 1985, BVerfGE 70, 251). Mit der das Sta­tu­s­amt kenn­zeich­nen­den Zu­gehörig­keit zu ei­ner Lauf­bahn und ei­ner Lauf­bahn­grup­pe, dem End­grund­ge­halt der Be­sol­dungs­grup­pe und der ver­lie­he­nen Amts­be­zeich­nung wird in abs­trak­ter Wei­se sei­ne Wer­tig­keit im Verhält­nis zu an­de­ren Ämtern zum Aus­druck ge­bracht (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 3. März 2005, BVerw­GE 123, 107). Das abs­trakt-funk­tio­nel­le Amt be­trifft den ei­nem sta­tus­recht­li­chen Amt ent­spre­chen­den Auf­ga­ben­kreis, der ei­nem In­ha­ber die­ses Sta­tu­sam­tes bei ei­ner be­stimm­ten Behörde auf Dau­er zu­ge­wie­sen ist (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 3. Ju­li 1985, a.a.O.); es wird durch ge­son­der­te Verfügung des Dienst­herrn über­tra­gen (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 2004, BVerw­GE 122, 53). Das kon­kret-funk­tio­nel­le Amt, der Dienst­pos­ten, be­zeich­net die dem Be­am­ten tatsächlich über­tra­ge­ne Funk­ti­on, sei­nen Auf­ga­ben­be­reich. Die für die amts­gemäße Be­sol­dung not­wen­di­ge Zu­sam­men­schau von Amt im sta­tus­recht­li­chen und im funk­tio­nel­len Sin­ne steht ei­ner dau­ern­den Tren­nung von Amt und Funk­ti­on grundsätz­lich ent­ge­gen (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 3. Ju­li 1985, a.a.O.). Im Rah­men die­ser Vor­ga­ben liegt es im Er­mes­sen des Dienst­herrn, den In­halt des abs­trakt- und des kon­kret-funk­tio­nel­len Amts

- 16 -

fest­zu­le­gen. Der Dienst­herr ist da­bei aber ge­hal­ten, dem Be­am­ten bzw. Rich­ter sol­che Funk­ti­onsämter zu über­tra­gen, die in ih­rer Wer­tig­keit dem Amt im sta­tus­recht­li­chen Sin­ne ent­spre­chen (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 3. März 2005, a.a.O.). Da­mit ist der Be­am­te bzw. Rich­ter zwar nicht vor ei­ner Ände­rung sei­nes abs­trak­ten und kon­kre­ten Auf­ga­ben­be­reichs nach Maßga­be sei­nes sta­tus­recht­li­chen Am­tes ge­feit (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 23. Sep­tem­ber 2004, a.a.O.). Ihm muss da­bei je­doch stets ein amts­an­ge­mes­se­ner Tätig­keits­be­reich ver­blei­ben (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 1. Ju­ni 1995, BVerw­GE 98, 334). Oh­ne sei­ne Zu­stim­mung darf dem Be­am­ten bzw. Rich­ter die­se Beschäfti­gung we­der ent­zo­gen, noch darf er auf Dau­er un­ter­wer­tig beschäftigt wer­den (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 3. Ju­li 1985, a.a.O.; BVerwG, Ur­teil vom 22. Ju­ni 2006, BVerw­GE 126, 182).

Ei­ne hälf­ti­ge Auf­tei­lung der dem Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz zu­kom­men­den Ge­richts- und Jus­tiz­ver­wal­tungs­auf­ga­ben, sei es in zeit­li­cher oder aber sach­li­cher Hin­sicht, wie sie die Ein­rich­tung ei­ner „Dop­pel­spit­ze“ in der Lei­tung des Ober­lan­des­ge­richts zwangsläufig zur Fol­ge hätte, ver­letz­te den Bei­ge­la­de­nen je­doch in die­sem Recht auf amts­an­ge­mes­se­ne Beschäfti­gung. Da­bei ist zu se­hen, dass es hier um ei­ne ein­ma­li­ge Funk­ti­ons­stel­le mit ei­nem ge­richts- und jus­ti­z­or­ga­ni­sa­ti­ons­recht­lich fest um­ris­se­nen Auf­ga­ben­be­reich geht. Des Wei­te­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass dem Sta­tu­s­amt ei­nes höchstmöglich be­sol­de­ten OLG-Präsi­den­ten ei­ne be­son­de­re An­for­de­run­gen stel­len­de Umfäng­lich­keit der ihm ob­lie­gen­den Dienst­geschäfte ent­spricht. Al­lein hier­auf be­ruht die Ein­stu­fung des Am­tes in die obers­te Be­sol­dungs­grup­pe für OLG-Präsi­den­ten; die rich­ter­li­che Tätig­keit ent­spricht in ih­rer Wer­tig­keit bei al­len OLG-Präsi­den­ten glei­cher­maßen der für Vor­sit­zen­de Rich­ter am Ober­lan­des­ge­richt gel­ten­den Be­sol­dungs­grup­pe R 3. Da­nach kann nicht zwei­fel­haft sein, dass mit die­sem „Al­lein­stel­lungs­an­spruch auf höchs­tem Ni­veau“ des Bei­ge­la­de­nen ei­ne er­heb­li­che Ein­engung sei­nes Tätig­keits­fel­des oh­ne adäqua­ten Er­satz un­ver­ein­bar wäre.

Sch­ließlich würde ei­ne Er­nen­nung des Klägers zum wei­te­ren (voll­zeit­beschäftig­ten) Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts den An­spruch des Rechts­su­chen­den auf den ge­setz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG) als Aus­prägung des Rechts­staats­prin­zips ver­let­zen. Da­mit wären nämlich an­stel­le des im Ge­setz in­so­fern vor­ge­se­he­nen ein­zi­gen Rich­ters zwei Rich­ter der Kon­kre­ti­sie­rung des ge­setz­li­chen Rich­ters durch das da­zu grundsätz­lich be­ru­fe­ne Gre­mi­um ent­zo­gen. Gemäß § 21 e Abs. 1 Satz 1 GVG be­stimmt das Präsi­di­um die Be­set­zung der Spruchkörper und ver­teilt die Geschäfte. Dem Be­stim­mungs­recht des Präsi­di­ums hin­sicht­lich der Spruchkörper­be­set­zung un­terfällt je­doch nicht der Präsi­dent. Er be­stimmt gemäß Satz 3 der Be­stim­mung viel­mehr selbst, wel­chem Spruchkörper er sich als Vor­sit­zen­der an­sch­ließt. Die­se Aus­nah­me­re­ge­lung zum grundsätz­li­chen Be­stim­mungs­recht des Präsi­di­ums be­zieht sich da­bei nun aber zwei­fels­frei auf ei­ne Ein­zel­per­son: Nur ein Ein­zel­ner kann aut­ark be­stim­men, in wel­chem Se­nat er den Vor­sitz über­nimmt. Bei zwei Per­so­nen bedürf­te es da­ge­gen fes­ter Re­geln zur Ausübung des Be­stim­mungs­rechts, die in­des feh­len.

Im Übri­gen ver­letzt aber auch schon all­ge­mein die Über­tra­gung ei­nes Rich­ter­am­tes bei ei­nem be­stimm­ten Ge­richt an ei­nen Le­bens­zeit­rich­ter, oh­ne dass hierfür ei­ne Plan­stel­le vor­han­den wäre, den An­spruch auf den ge­setz­li­chen Rich­ter (vgl. hier­zu et­wa Kis­sel/May­er, GVG, 4. Aufl., Rd­nr. 28 zu § 16).

Nach al­le­dem schei­det es auch von vorn­her­ein aus, dass der Kläger ne­ben dem Bei­ge­la­de­nen zum OLG-Präsi­den­ten er­nannt wird. Die Kla­ge er­weist sich da­mit, was die Haupt­anträge – ein­sch­ließlich der Hilfs­anträge zu 2 b) und 2 c) – an­geht, ins­ge­samt als un­zulässig.

Un­zulässig sind aber auch die bei­den Hilfs­kla­ge­anträge zu 3.

Wie der Kläger in der Be­ru­fungs­ver­hand­lung klar­ge­stellt hat, be­zieht sich das ers­te Fest­stel­lungs­be­geh­ren auf die Aus­wah­l­ent­schei­dung in der Sa­che selbst.

Es han­delt sich in­so­weit um ei­ne Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge in dop­pel­ter Ana­lo­gie zu § 113 Abs. 1 Satz 4 der Ver­wal­tungs­ge­richts­ord­nung - Vw­GO -, nämlich ei­ne Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge nach Er­le­di­gung ei­nes Ver­pflich­tungs­be­geh­rens noch vor der Kla­ge­er­he­bung – während des Wi­der­spruchs­ver­fah­rens -.

Ob die­se Kla­ge be­reits man­gels Durchführung ei­nes Wi­der­spruchs­ver­fah­rens un­zulässig ist, lässt der Se­nat of­fen. Gemäß § 5 Abs. 1 LRiG i.V.m. § 218 Abs. 3 LBG – der dem § 126 Abs. 3 des Be­am­ten­rechts­rah­men­ge­set­zes (BRRG) ent­spricht– ist zwar vor je­der Kla­ge ei­nes Rich­ters aus dem Rich­ter­verhält­nis ein Vor­ver­fah­ren nach §§ 68 ff. Vw­GO durch­zuführen. Da­mit be­darf es auch vor Er­he­bung ei­ner

- 17 -

Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge nach ei­ner vor­pro­zes­sua­len Er­le­di­gung grundsätz­lich ei­nes auf die Fort­set­zungs­fest­stel­lung ge­rich­te­ten Wi­der­spruchs­ver­fah­rens (vgl. z.B. Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietz­ner, Vw­GO, Stand März 2008, Rd­nr. 99 zu § 113 und Rd­nr. 22 zu § 68). Vor­lie­gend ist al­ler­dings die Er­le­di­gung nach Er­he­bung des (Ver­pflich­tungs-)Wi­der­spruchs in der Sa­che selbst ein­ge­tre­ten und der Be­klag­te hat, nach­dem er zunächst rich­ti­ger­wei­se (vgl. z.B. BVerwG, Ur­teil vom 20. Ja­nu­ar 1989, BVerw­GE 81, 226) kei­ne Sach­ent­schei­dung mehr ge­trof­fen und den vom Kläger aus­drück­lich auf­recht­er­hal­te­nen Wi­der­spruch viel­mehr mit Wi­der­spruchs­be­scheid vom 1. Ok­to­ber 2007 als un­zulässig zurück­ge­wie­sen hat­te, aber doch mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2007 kurz dar­ge­legt, dass und war­um der Wi­der­spruch auch als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen sei. Dies könn­te un­ge­ach­tet der Tat­sa­che, dass der Kläger auch in sei­ner die­sem Schrei­ben zu­grun­de lie­gen­den Ein­ga­be vom 8. Ok­to­ber 2007 nicht zum Aus­druck ge­bracht hat­te, ge­ge­be­nen­falls Scha­dens­er­satz­ansprüche gel­tend ma­chen und/oder um sei­ne nachträgli­che Re­ha­bi­li­tie­rung kämp­fen zu wol­len, hier den Vor­ga­ben des § 5 Abs. 1 LRiG i.V.m. § 218 Abs. 3 LBG genügen.

So­weit der Kläger die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung als sol­cher mit Blick auf die be­ab­sich­tig­te Scha­dens­er­satz­kla­ge mit dem Ziel er­strebt, ihn be­sol­dungs- und ver­sor­gungs­recht­lich so zu stel­len, als wäre er befördert wor­den, ist die Kla­ge be­reits aus Gründen der Sub­si­dia­rität die­ses Fest­stel­lungs­be­geh­rens un­zulässig.

Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts, der sich der Se­nat an­sch­ließt, be­gründet die Ab­sicht, ei­ne Scha­dens­er­satz­kla­ge zu er­he­ben, kein schutzwürdi­ges In­ter­es­se an ei­ner ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kla­ge mit dem Ziel, die Rechts­wid­rig­keit ei­nes er­le­dig­ten Ver­wal­tungs­ak­tes fest­zu­stel­len, wenn sich der Ver­wal­tungs­akt be­reits vor Kla­ge­er­he­bung er­le­digt hat (vgl. z.B. Be­schluss vom 27. Ju­ni 1985, Buch­holz 310 § 113 Nr. 150; Ur­tei­le vom 17. Au­gust 1982, In­f­AuslR 1982, 276, 25. Au­gust 1988, a.a.O., und 20. Ja­nu­ar 1989, a.a.O.; des Wei­te­ren z.B. OVG Nord­rhein-West­fa­len, Ur­teil vom 1. Ok­to­ber 2008 – 1 A 4543/06 -, Ju­ris; VGH­BW, Ur­teil vom 29. Ju­li 2003, VBlBW 2003, 475; BayVGH, Be­schluss vom 27. No­vem­ber 1995, NVwZ-RR 1997, 23; Re­de­ker/von Oert­zen, Vw­GO, 14. Aufl., Rd­nr. 35 zu § 113; Kopp/Schen­ke, a.a.O., Rd­nr. 136 zu § 113; Schnel­len­bach, DVBl. 1990, 140). Da­mit kann auch nach der Er­nen­nung des aus­gewähl­ten Kon­kur­ren­ten in ei­nem Beförde­rungs­aus­wahl­ver­fah­ren noch vor Er­he­bung der „Kon­kur­ren­ten­kla­ge“ bzw. Ver­pflich­tungs­kla­ge auf Beförde­rung we­gen der be­ab­sich­tig­ten Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz­ansprüchen kei­ne auf die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung ge­rich­te­te Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben wer­den. Dies gilt auch dann, wenn die Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge hilfs­wei­se, für den Fall des Un­ter­lie­gens mit dem zur Wei­ter­ver­fol­gung des Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs ein­ge­brach­ten Haupt­an­trag er­ho­ben wird. Zur Be­gründung sei­ner Rechts­auf­fas­sung hat das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt mit Blick auf ei­ne be­ab­sich­tig­te Amts­haf­tungs­kla­ge gemäß Art. 34 GG i.V.m. § 839 des Bürger­li­chen Ge­setz­bu­ches – BGB – aus­geführt: In Fällen die­ser Art würden für das Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se die­sel­ben – stren­ge­ren – Maßstäbe wie für das Rechts­schutz­in­ter­es­se bei ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge im Sin­ne des § 43 Vw­GO gel­ten. Es feh­le dann an der be­son­de­ren Schutzwürdig­keit des In­ter­es­ses an ei­ner Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO. Sie be­ru­he dar­auf, dass ei­ne Par­tei nicht oh­ne Not um die Früch­te des bis­he­ri­gen Pro­zes­ses ge­bracht wer­den dürfe, ins­be­son­de­re dann nicht, wenn das Ver­fah­ren un­ter ent­spre­chen­dem Auf­wand ei­nen be­stimm­ten Stand er­reicht ha­be und sich mit der Er­le­di­gung des ursprüng­li­chen An­tra­ges die Fra­ge stel­le, ob die­ser Auf­wand nutz­los ge­we­sen sein sol­le und der Kläger der Er­le­di­gung we­gen in die­sem Ver­fah­ren leer aus­ge­hen müsse („Fort­set­zungs­bo­nus“). Der Hin­weis auf ei­ne be­ab­sich­tig­te Amts­haf­tungs­kla­ge genüge je­doch nicht zur Be­gründung des Rechts­schutz­in­ter­es­ses für ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 43 Vw­GO. Es müsse viel­mehr we­gen des er­streb­ten Scha­dens­er­sat­zes so­gleich das zuständi­ge Zi­vil­ge­richt an­ge­ru­fen wer­den, das im Amts­haf­tungs­pro­zess auch für die Klärung öffent­lich-recht­li­cher Vor­fra­gen zuständig sei. Ein An­spruch auf den (an­geb­lich) „sachnähe­ren“ Rich­ter be­ste­he nicht; viel­mehr sei­en die Rechts­we­ge prin­zi­pi­ell gleich­wer­tig.

Der da­mit zum Aus­druck ge­brach­te Sub­si­dia­ritäts­ge­dan­ke greift da­bei, wie hier ergänzt sein soll, auch dann Platz, wenn aus Gründen ei­nes Ver­s­toßes ge­gen das Bes­ten­aus­le­se­prin­zip (Art. 33 Abs. 2 GG) be­ab­sich­tigt ist, ei­ne Scha­dens­er­satz­kla­ge we­gen Ver­let­zung der Fürsor­ge­pflicht (§ 79 des Bun­des­be­am­ten­ge­set­zes – BBG – bzw. § 87 LBG) bzw. Ver­let­zung ei­ner ei­ge­nen, in ei­nem öffent­lich-recht­li­chen Dienst­verhält­nis wur­zeln­den (qua­si-ver­trag­li­chen) Ver­bind­lich­keit beim Ver­wal­tungs­ge­richt zu er­he­ben (vgl. zur Zwei­spu­rig­keit des Rechts­schut­zes z.B. Plog/Wie­dow/Lemhöfer/Bay­er, BBG, Stand No­vem­ber 2008, Rd­nr. 26 zu § 79 BBG; GKÖD, Stand No­vem­ber 2008, Rd­nr. 58 zu § 79 BBG). In­so­weit gilt nichts an­de­res wie für die Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 43 Vw­GO, in des­sen Ab­satz 2 der Grund­satz der Sub­si­dia­rität der Fest­stel­lungs­kla­ge

- 18 -

nie­der­ge­legt ist. Da­nach darf kei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge er­ho­ben wer­den, wenn der Kläger sei­ne Rech­te durch Ge­stal­tungs- oder Leis­tungs­kla­ge ver­fol­gen kann. Da­mit sol­len unnöti­ge Fest­stel­lungs­kla­gen ver­hin­dert wer­den, wenn für die Rechts­ver­fol­gung un­mit­tel­ba­re­re sachnähe­re und wirk­sa­me­re Ver­fah­ren zur Verfügung ste­hen. Zur Ver­fol­gung ei­nes Scha­dens­er­satz­be­geh­rens im Ver­wal­tungs­rechts­weg kann je­doch un­mit­tel­bar beim zuständi­gen Ver­wal­tungs­ge­richt auf die Ver­pflich­tung des Dienst­herrn zur Gewährung von Scha­dens­er­satz ge­klagt wer­den. Für ei­ne vor­ge­schal­te­te, auf Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung ge­rich­te­te Kla­ge ana­log § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO ist da­ne­ben kein Raum (vgl. z.B. Schnel­len­bach, DVBl 1990, 140). Da­bei be­darf, wie eben­falls noch be­merkt sein mag, das Scha­dens­er­satz­be­geh­ren der er­kenn­ba­ren und be­scheid­ba­ren Kon­kre­ti­sie­rung ge­genüber dem Dienst­herrn spätes­tens im Wi­der­spruch gemäß § 126 Abs. 3 BRRG bzw. § 218 Abs. 3 LBG (vgl. z.B. BVerwG, Be­schluss vom 28. Ju­ni 2001, BVerw­GE 114, 350; Plog/Wie­dow/Lemhöfer /Bay­er, a.a.O., Rd­nr. 25 zu § 79 BBG).

Ein Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­se mit Blick auf die be­ab­sich­tig­te Scha­dens-er­satz­kla­ge schei­det schließlich auch des­halb aus, weil die­se Kla­ge of­fen­sicht­lich aus­sichts­los ist (vgl. hier­zu z.B. BVerwG, Ur­tei­le vom 25. Au­gust 1988, a.a.O., und 22. Ja­nu­ar 1998, ZBR 1998, 316; Be­schluss vom 9. März 2005, 2 B 111.04, Ju­ris). Das ist in al­ler Re­gel der Fall, wenn ein Kol­le­gi­al­ge­richt das als rechts­wid­rig und scha­den­stif­tend an­ge­grif­fe­ne Ver­wal­tungs­han­deln als ob­jek­tiv rechtmäßig an­ge­se­hen hat, weil dann re­gelmäßig ein behörd­li­ches Ver­schul­den trotz Ver­let­zung ei­ner Dienst­pflicht aus­ge­schlos­sen wer­den kann (vgl. hier­zu die oben an­geführ­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts; fer­ner z.B. BVerwG, Be­schlüsse vom 14. Mai 1996, ZBR 1996, 310, und 14. März 1997, ZBR 1997, 229). Vor­lie­gend ist die Aus­wah­l­ent­schei­dung des Be­klag­ten als sol­che je­doch zunächst im Eil­ver­fah­ren durch das Ver­wal­tungs­ge­richt – mit Be­schluss vom 25. April 2007 – so­wie auf die Be­schwer­de des Klägers hin durch den Se­nat – mit Be­schluss vom 13. Ju­ni 2007 – und schließlich noch­mals mit dem auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 1. Ju­li 2008 er­gan­ge­nen Ur­teil des Ver­wal­tungs­ge­richts als ob­jek­tiv rechtmäßig ge­wer­tet wor­den. Mit Blick auf die im einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren er­gan­ge­nen Ent­schei­dun­gen ist da­zu ergänzend dar­auf hin­zu­wei­sen, dass die­se nach Maßga­be der wei­ter oben be­reits wie­der­ge­ge­be­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts un­ter ein­ge­hen­der tatsäch­li­cher und recht­li­cher Prüfung des im Haupt­ver­fah­ren gel­tend ge­mach­ten An­spruchs zu tref­fen wa­ren.

Zwar gibt es von dem vor­ge­nann­ten Grund­satz Aus­nah­men, doch grei­fen die­se hier nicht Platz. Die In­dizwir­kung der Be­wer­tung durch ein Kol­le­gi­al­ge­richt für das behörd­li­che Ver­schul­den, entfällt da­bei nicht schon da­durch, dass die ge­richt­li­che Würdi­gung ma­te­ri­ell-recht­lich feh­ler­haft ist bzw. nicht in Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts steht (vgl. z.B. BVerwG, Be­schluss vom 22. Ja­nu­ar 1998, a.a.O.; Ur­teil vom 27. Fe­bru­ar 2003, DVBl. 2003, 1548). Ei­ne kol­le­gi­al­ge­richt­li­che Bil­li­gung des Ver­wal­tungs­han­delns schließt behörd­li­ches Ver­schul­den al­ler­dings dann nicht aus, wenn be­son­de­re Umstände dafür spre­chen, dass die Behörden­be­diens­te­ten es „bes­ser“ hätten wis­sen müssen, was na­ment­lich dann der Fall sein kann, wenn das Ge­richt von ei­nem fal­schen Sach­ver­halt aus­ge­gan­gen ist oder ei­ne ein­deu­ti­ge Vor­schrift hand­greif­lich falsch aus­ge­legt hat (vgl. z.B. den Be­schluss des BVerwG vom 9. März 2005, a.a.O., m.w.N.). Für Letz­te­res ist hier nichts er­sicht­lich; dafür wird auch vom Kläger mit der Be­ru­fung nichts vor­ge­tra­gen.

In sei­ner Be­schwer­de­ent­schei­dung vom 13. Ju­ni 2007 ist al­ler­dings der Se­nat da­von aus­ge­gan­gen (vgl. S. 15, 1. Ab­satz), der Jus­tiz­mi­nis­ter ha­be den Ent­wurf sei­ner Be­ur­tei­lung des Bei­ge­la­de­nen der Per­so­nal­re­fe­ren­tin des Mi­nis­te­ri­ums mit der Bit­te um Über­prüfung zu­ge­lei­tet. Die­ses Vor­brin­gen des Be­klag­ten er­weist sich je­doch als of­fen­bar un­zu­tref­fend, nach­dem es vom Be­klag­ten im Haupt­sa­che­ver­fah­ren nicht mehr auf­ge­grif­fen wor­den ist. Die ge­nann­te Sach­ver­halts­va­ri­an­te ist nun aber für die Ent­schei­dung des Se­nats im sei­ner­zei­ti­gen Be­schwer­de­ver­fah­ren nicht tra­gend ge­we­sen. Zu­dem hat die­ser Ge­sichts­punkt we­der im Eil­be­schluss des Ver­wal­tungs­ge­richts vom 25. April 2007 Nie­der­schlag ge­fun­den – weil er im erst­in­stanz­li­chen einst­wei­li­gen An­ord­nungs­ver­fah­ren vom Be­klag­ten noch nicht gel­tend ge­macht wor­den war -, noch im mit der Be­ru­fung an­ge­foch­te­nen Ur­teil – weil sich der Be­klag­te im Haupt­sa­che­ver­fah­ren vor dem Ver­wal­tungs­ge­richt hier­auf nicht mehr be­ru­fen hat­te.

Darüber hin­aus lässt sich nicht fest­stel­len, dass die Ent­schei­dun­gen im Er­geb­nis falsch sind und der Be­klag­te die Gründe dafür kennt oder ken­nen müss­te. Na­ment­lich gilt dies so­wohl in Be­zug auf das Gespräch der Staats­se­kretärin mit den bei­den rich­ter­li­chen Mit­glie­dern des Rich­ter­wahl­aus­schus­ses vor der Aus­schuss­sit­zung vom 8. Fe­bru­ar 2007 als auch im Hin­blick auf die vom Kläger gel­tend ge­mach­te Äußerung des Jus­tiz­mi­nis­ters

- 19 -

über die Eig­nung des Bei­ge­la­de­nen zum OLG-Präsi­den­ten zu Be­ginn des Be­set­zungs­ver­fah­rens noch im Ju­li 2006.

Was das Gespräch der Staats­se­kretärin mit den zwei Rich­ter­wahl­aus­schuss­mit­glie­dern an­geht, ist der Be­klag­te bis ins Haupt­sa­che­ver­fah­ren hin­ein bei sei­ner Dar­stel­lung ver­blie­ben, das Gespräch ha­be der Un­ter­rich­tung der bei­den Rich­ter über den Aus­gang der ih­rer­seits an­ge­reg­ten Kom­pro­miss­su­che ge­dient. Nach wie vor lässt sich nicht aus­sch­ließen, dass die­ses Vor­brin­gen zu­trifft. Dass den Ge­richts­ent­schei­dun­gen in­so­weit ein fal­scher Sach­ver­halt zu­grun­de ge­legt wor­den wäre, lässt sich so­mit nicht fest­stel­len. Ge­gen den vom Kläger ge­mut­maßten In­halt des Gesprächs spricht im Übri­gen, wie in dem Zu­sam­men­hang nicht un­erwähnt blei­ben soll, dass zunächst nur ein Rich­ter zur Staats­se­kretärin ge­be­ten wor­den sein soll: Mit nur ei­ner Stimm­ent­hal­tung – bei ei­ner wei­te­ren Ge­gen­stim­me – wäre aber der Be­set­zungs­vor­schlag des Jus­tiz­mi­nis­ters eben­falls ge­schei­tert, da der Rich­ter­wahl­aus­schuss sei­ne Be­schlüsse mit ein­fa­cher Mehr­heit der ab­ge­ge­be­nen Stim­men fasst (§ 22 Abs. 1 LRiG). Ab­ge­se­hen da­von kann ei­ne Be­weis­auf­nah­me im Rah­men der Prüfung des Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­in­ter­es­ses zur Aufklärung der Fra­ge, ob ei­ne Aus­nah­me zur In­dizwir­kung ei­ner kol­le­gi­al­ge­richt­li­chen Bil­li­gung vor­liegt, nicht statt­fin­den. Im Übri­gen kommt es aus den im Be­schluss des Se­nats vom 13. Ju­ni 2007 zu den „Aus­wir­kun­gen des Stimm­ver­hal­tens der bei­den Aus­schuss­mit­glie­der“ dar­ge­leg­ten Gründen (S. 10, 2. Ab­satz, S. 11, 1. Ab­satz) nicht dar­auf an, ob das Vor­brin­gen des Be­klag­ten rich­tig ist oder aber das Gespräch dem Zweck dien­te, wie ihn der Kläger ver­mu­tet. Als „wei­te­rer Be­leg“ für ei­ne Vor­ein­ge­nom­men­heit des Jus­tiz­mi­nis­ters dem Kläger ge­genüber kann das Gespräch oh­ne­hin nicht die­nen, da es nicht von die­sem, son­dern eben von der Staats­se­kretärin geführt wur­de.

Auch we­gen der vom Kläger erst­mals im vor­lie­gen­den Pro­zess vor­ge­tra­ge­nen Äußerung des Jus­tiz­mi­nis­ters über die Eig­nung des Bei­ge­la­de­nen zum OLG-Präsi­den­ten im Ju­li 2006 kann der be­ab­sich­tig­ten Scha­dens­er­satz­kla­ge un­ge­ach­tet der ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Kol­le­gi­a­l­ent­schei­dun­gen kei­ne Er­folgs­aus­sicht bei­ge­mes­sen wer­den. Die­se – an­geb­li­chen – Erklärun­gen des Jus­tiz­mi­nis­ters fan­den zwar bei der Ent­schei­dungs­fin­dung im einst­wei­li­gen An­ord­nungs­ver­fah­ren kei­ne Berück­sich­ti­gung, da sich der Kläger hier­auf im Eil­ver­fah­ren noch nicht be­ru­fen hat­te. Ih­ret­we­gen hätte dem Kläger aber auch nicht der be­gehr­te vorläufi­ge Rechts­schutz gewährt wer­den können. Es spielt für die nach Maßga­be der nur ein­ge­schränk­ten ge­richt­li­chen Kon­troll­dich­te gewürdig­te Rechtmäßig­keit der zwi­schen dem Kläger und dem Bei­ge­la­de­nen ge­trof­fe­nen Aus­wah­l­ent­schei­dung kei­ne Rol­le, wie sich der Jus­tiz­mi­nis­ter un­ter Zu­grun­de­le­gung der Dar­stel­lung in den Schriftsätzen des Klägers vom 3. April und 23. Mai 2008 zu ei­nem Zeit­punkt, zu dem sich we­der der Bei­ge­la­de­ne noch der Kläger auf die Stel­le des OLG-Präsi­den­ten be­wor­ben hat­ten, mit Blick auf ei­ne Be­wer­bung des Präsi­den­ten des Land­ge­richts Trier zu der Eig­nung des Bei­ge­la­de­nen für das Amt des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts geäußert hat. Un­ter Berück­sich­ti­gung der Zeit, zu der die Äußerun­gen ge­fal­len sein sol­len, tau­gen sie vor al­lem auch nicht da­zu, ei­ne Vor­ein­ge­nom­men­heit des Jus­tiz­mi­nis­ters dem Kläger ge­genüber deut­lich zu ma­chen. Von da­her ist auch – was der Kläger im Be­ru­fungs­ver­fah­ren rügt – unschädlich, dass das Ver­wal­tungs­ge­richt, nach­dem sich der Kläger be­reits im erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­ren auf die­se Äußerun­gen be­ru­fen hat­te, auf sie in sei­ner Ent­schei­dung nicht wei­ter ein­ge­gan­gen ist. Dar­aus kann in Son­der­heit nicht ge­schlos­sen wer­den, es ha­be ei­nen fal­schen Sach­ver­halt zu­grun­de ge­legt. Die Ge­rich­te sind nicht ver­pflich­tet, sich mit je­dem Vor­brin­gen in den Ent­schei­dungs­gründen aus­drück­lich zu be­fas­sen. Fehlt es an kla­ren Hin­wei­sen dar­auf, dass tatsächli­ches Vor­brin­gen ei­nes Be­tei­lig­ten nicht zur Kennt­nis ge­nom­men oder doch nicht er­wo­gen wor­den ist, genügt es, wenn sich das Ge­richt mit dem wich­tigs­ten, für die Ent­schei­dung un­mit­tel­bar und primär re­le­van­ten Par­tei­vor­brin­gen – wie hier ge­sche­hen - im Ur­teil aus­ein­an­der­ge­setzt hat (vgl. z.B. BVerfG, Be­schluss vom 23. Ju­li 2003, NVwZ-RR 2004, 3).

Sch­ließlich hat der Kläger auch nicht aus Gründen sei­ner Re­ha­bi­li­ta­ti­on ein be­rech­tig­tes In­ter­es­se an der Fest­stel­lung, dass die Aus­wah­l­ent­schei­dung in der Sa­che selbst rechts­wid­rig ge­we­sen ist.

Der Kläger, der auch in­so­weit die Umstände dar­le­gen muss, aus de­nen er sein Fest­stel­lungs­in­ter­es­se – hier al­so das In­ter­es­se an sei­ner Re­ha­bi­li­tie­rung – ab­lei­tet (vgl. z.B. BVerwG, Be­schlüsse vom 4. März 1976, BVerw­GE 53, 134, und 15. No­vem­ber 1990, NVwZ 1991, 570), hat sich da­zu in sei­ner Kla­ge­be­gründung auf meh­re­re Umstände be­ru­fen: die Be­deu­tung des an­ge­streb­ten Am­tes und das große öffent­li­che In­ter­es­se so­wie den Wi­der­hall, den das Be­set­zungs­ver­fah­ren und des­sen Be­gleit­umstände in der Me­di­en­be­richt­er­stat­tung ge­fun­den hat, sei­ne Stel­lung als Land­ge­richtspräsi­dent, die Son­der­sit­zun­gen des Rechts­aus­schus­ses und des Land­ta­ges so­wie die vom Jus­tiz­mi­nis­ter nach wie vor in den Me­di­en und im Par­la­ment

- 20 -

ar­ti­ku­lier­te Auf­fas­sung, er ha­be sich in der Sa­che und recht­lich kor­rekt ver­hal­ten. So­weit er des Wei­te­ren die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt fest­ge­stell­te Grund­rechts­ver­ei­te­lung des Jus­tiz­mi­nis­ters gel­tend ge­macht hat, be­trifft dies das sich auf die Art und Wei­se der Er­nen­nung be­zie­hen­de zwei­te Fest­stel­lungs­be­geh­ren im Rah­men des Kla­ge­an­trags zu 3. In sei­ner Be­ru­fungs­be­gründung ver­weist er ergänzend dar­auf, dass in der Me­di­en­be­richt­er­stat­tung hin­sicht­lich sei­ner Be­wer­bung von An­fang an ei­ne po­si­ti­ve Ten­denz her­aus­zu­le­sen ge­we­sen sei und sei­ne Be­wer­bung in Jus­tiz­krei­sen und in der Bevölke­rung auf ei­ne ho­he Ak­zep­tanz ge­trof­fen sei, während sich das Be­set­zungs­ver­fah­ren als sol­ches ei­ner zu­neh­men­den Kri­tik in den Me­di­en und der Öffent­lich­keit aus­ge­setzt ge­se­hen ha­be.

Da­mit hat der Kläger ein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se nicht dar­ge­tan.

Das Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se für ei­ne Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge, mit der die Rechts­wid­rig­keit ei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung im be­am­ten-(rich­ter-)recht­li­chen Beförde­rungs­kon­kur­renz­verhält­nis fest­ge­stellt wer­den soll, setzt vor­aus, dass von der Be­vor­zu­gung des Kon­kur­ren­ten als sol­cher, nach ih­rer Be­gründung oder nach den Be­gleit­umständen der Beförde­rungs­ent­schei­dung ei­ne fort­dau­ern­de dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung für den un­ter­le­ge­nen Mit­be­wer­ber aus­geht, oder dass sich die­se Ent­schei­dung – weil mit ihr ei­ne grund­le­gen­de Befähi­gung oder Eig­nung ab­ge­spro­chen wird – doch je­den­falls ungüns­tig auf die wei­te­re be­ruf­li­che Ent­wick­lung aus­wir­ken dürf­te (vgl. hier­zu z.B. BVerwG, Be­schlüsse vom 9. Au­gust 1990, NVwZ 1991, 270, und 4. März 1976, a.a.O.; Ur­tei­le vom 19. März 1992, BayVBl. 1992, 596, 25. Au­gust 1988, a.a.O., und 9. Mai 1985, DVBl. 1985, 1233; Schnel­len­bach, DVBl. 1990, 140; Schoch/Schmidt-Aßmann /Pietz­ner, a.a.O., Rd­nr. 92 zu § 113). Ein bloß ide­el­les In­ter­es­se an der endgülti­gen Klärung der Fra­ge der Rechtmäßig­keit oder Rechts­wid­rig­keit der Aus­wah­l­ent­schei­dung oh­ne Rück­sicht dar­auf, ob sie – wei­ter­hin – ehr­ver­let­zend wirkt oder sich je­den­falls nach­tei­lig auf das be­ruf­li­che Fort­kom­men des Be­trof­fe­nen aus­zu­wir­ken ver­mag, reicht zur An­nah­me ei­nes Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­ses al­so nicht aus. Die Rechts­wid­rig­keit als sol­che dis­kri­mi­niert nicht.

Der Kläger hat nichts da­zu vor­ge­tra­gen, dass und war­um die Aus­wah­l­ent­schei­dung als sol­che, we­gen ih­rer Be­gründung oder in­so­weit in­fol­ge ih­rer Be­gleit­umstände sein Persönlich­keits­recht be­ein­träch­tigt oder ihn in der Ach­tung der Öffent­lich­keit oder der Kol­le­gen her­ab­zu­set­zen ver­mag bzw. sei­ne be­ruf­li­che Ent­wick­lung be­hin­dern wird.

Da­zu be­sagt ins­be­son­de­re nichts, dass es um die Be­set­zung der her­aus­ge­ho­be­nen Stel­le des Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts Ko­blenz ge­gan­gen ist und er sich als Präsi­dent des größten Land­ge­richts in Rhein­land-Pfalz auf die­se be­wor­ben hat­te. So hat­te sich der Bei­ge­la­de­ne auf die­sel­be her­aus­ge­ho­be­ne Stel­le als eben­so wie der Kläger be­sol­de­ter Präsi­dent ei­nes obe­ren Lan­des­ge­richts be­wor­ben. Al­lein dar­aus, dass ein Beförde­rungs­be­wer­ber ei­nem Mit­be­wer­ber „un­ter­le­gen“ ist, er­gibt sich eben­falls noch kein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se für den nicht berück­sich­tig­ten Be­wer­ber. Da­bei han­delt es sich viel­mehr um die zwangsläufi­ge Fol­ge in je­dem Beförde­rungs­ver­fah­ren mit mehr als ei­nem Be­wer­ber. Hier gilt in­so­fern auch nicht et­wa mit Rück­sicht auf das „Rang­verhält­nis“ zwi­schen dem beförder­ten und dem leer aus­ge­gan­ge­nen Be­wer­ber et­was an­de­res. Wie be­reits be­merkt, hat­ten der Kläger und der Bei­ge­la­de­ne von den An­for­de­run­gen des sei­ner­zeit in­ne­ge­hab­ten Am­tes her den glei­chen Rang. Mit an­de­ren Wor­ten er­gibt sich aus dem Um­stand für sich al­lein, dass sich ein Land­ge­richtspräsi­dent ei­nem gleich be­sol­de­ten Lan­des­so­zi­al­ge­richtspräsi­den­ten ge­schla­gen ge­ben muss, noch kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung für den Land­ge­richtspräsi­den­ten.

Auch aus der bloßen Umfäng­lich­keit der Me­di­en­be­richt­er­stat­tung folgt noch kein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se. Das gilt schon des­halb, weil in­so­fern kein dem Dienst­herrn zu­re­chen­ba­res Ge­sche­hen in Re­de steht. Ein Grund, die Re­ha­bi­li­tie­rung zu be­trei­ben, lässt sich da­bei hier zu­dem nicht aus dem In­halt der Be­richt­er­stat­tung her­lei­ten. So trägt der Kläger selbst vor, dass in der „Be­richt­er­stat­tung ....in Be­zug auf die Be­wer­bung des Klägers von An­fang an ei­ne po­si­ti­ve Ten­denz her­aus­zu­le­sen“ ge­we­sen sei und „sich das Be­set­zungs­ver­fah­ren als sol­ches .... ei­ner zu­neh­men­den Kri­tik in den Me­di­en aus­ge­setzt“ ge­se­hen ha­be. Ent­spre­chen­des gilt, was die Auf­nah­me der Be­wer­bung des Klägers in „Jus­tiz­krei­sen und in der Bevölke­rung“ be­trifft. Hier­zu be­ruft sich der Kläger dar­auf, dass sie dort „auf ei­ne ho­he Ak­zep­tanz“ ge­trof­fen ha­be und „sich das Be­set­zungs­ver­fah­ren als sol­ches .... (auch) ei­ner zu­neh­men­den Kri­tik .... in der Öffent­lich­keit aus­ge­setzt“ ge­se­hen ha­be.

Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung des Klägers lässt sich fer­ner nicht aus der Tat­sa­che her­lei­ten, dass es we­gen der Aus­wah­l­ent­schei­dung zu Son­der­sit­zun­gen des Rechts­aus­schus­ses und des Land­ta­ges ge­kom­men ist. Sie be­le­gen als sol­che viel­mehr nur die „Po­li­ti­sie­rung“, die die An­ge­le­gen­heit in Rhein­land-Pfalz ge­fun­den hat.

- 21 -

Ei­ne sol­che Wir­kung kommt schließlich auch nicht dem Um­stand zu, dass der Jus­tiz­mi­nis­ter - wie der Kläger gel­tend macht - „in den Me­di­en und im Par­la­ment .... (die) Auf­fas­sung .... (ver­tre­ten hat), er ha­be sich in der Sa­che und recht­lich kor­rekt ver­hal­ten“. Dies ver­mag - eben­so wie auch die vor­ge­nann­ten Ge­sichts­punk­te - viel­mehr al­lein das große In­ter­es­se des Klägers dar­an deut­lich zu ma­chen, ge­richt­lich fest­ge­stellt zu se­hen, dass ihm - wie er es sieht - „Un­recht“ ge­sche­hen ist.

Nach al­le­dem er­weist sich das ers­te Fest­stel­lungs­be­geh­ren im Rah­men des Kla­ge­an­trags zu 3. als un­zulässig.

Glei­cher­maßen un­zulässig ist aber auch das wei­te­re dort zum Aus­druck ge­brach­te Fest­stel­lungs­be­geh­ren, das die Rechtmäßig­keit der „Blit­zer­nen­nung“ des Bei­ge­la­de­nen am 22. Ju­ni 2007 zum Ge­gen­stand hat.

Bei die­ser – hilfs­wei­sen – Fest­stel­lungs­kla­ge han­delt es sich nicht um ei­ne Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge ana­log § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO, son­dern um ei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 43 Vw­GO. Die dort an­ge­grif­fe­ne „Art und Wei­se der Er­nen­nung“ be­zieht sich auf das den Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruch des Klägers er­le­di­gen­de Er­eig­nis selbst; in­so­fern ist nachträglich kei­ne – wei­te­re – Er­le­di­gung ein­ge­tre­ten.

Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist be­reits des­we­gen un­zulässig, weil ihr kein Wi­der­spruchs­ver­fah­ren vor­aus­ge­gan­gen ist.

Wie oben be­reits fest­ge­stellt wur­de, ist gemäß § 5 Abs. 1 LRiG i.V.m. § 218 Abs. 3 LBG vor je­der Kla­ge ei­nes Rich­ters aus dem Rich­ter­verhält­nis und da­mit auch vor Er­he­bung ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge, wie sie hier in Re­de steht, ein Vor­ver­fah­ren nach §§ 68 ff. Vw­GO durch­zuführen. Der An­fech­tungs­wi­der­spruch des Klägers ge­gen die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen – der von An­be­ginn an un­zulässig war und des­halb auch rich­ti­ger­wei­se aus die­sem Grund mit dem Wi­der­spruchs­be­scheid des Be­klag­ten vom 1. Ok­to­ber 2007 zurück­ge­wie­sen wur­de – genügt dem Wi­der­spruchs­er­for­der­nis für die hier be­han­del­te hilfs­wei­se Fest­stel­lungs­kla­ge nicht. Es hätte dem Kläger viel­mehr ob­le­gen, hilfs­wei­se zum An­fech­tungs­wi­der­spruch un­ter Deut­lich­ma­chung der das hilfs­wei­se Fest­stel­lungs­in­ter­es­se be­gründen­den Umstände - für die er, wie oben be­reits her­vor­ge­ho­ben wur­de, die Dar­le­gungs­last trägt - auch Fest­stel­lungs­wi­der­spruch zu er­he­ben. Das gilt hier je­den­falls des­halb, weil mit der Fest­stel­lungs­kla­ge ein neu­er Streit­ge­gen­stand in das Ver­fah­ren ein­geführt wird. Ging es bis zur Kla­ge­er­he­bung – na­ment­lich auch mit dem Wi­der­spruch ge­gen die Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen – al­lein um die Aus­wah­l­ent­schei­dung als sol­che, die Wei­ter­ver­fol­gung des Be­wer­bungs­ver­fah­rens­an­spruchs mit dem Ziel ei­ner Beförde­rung des Klägers an­stel­le des Bei­ge­la­de­nen oder ne­ben dem Bei­ge­la­de­nen zum Präsi­den­ten des Ober­lan­des­ge­richts, be­trifft die Fest­stel­lungs­kla­ge – iso­liert – die Art und Wei­se der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen un­ter dem Blick­win­kel ei­ner ge­son­der­ten Ver­let­zung des Klägers in sei­nen Rech­ten. Dem­ent­spre­chend kommt es hier – an­ders als im Rah­men der oben be­han­del­ten Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge – von vorn­her­ein nicht in Be­tracht, dass sich je­den­falls mit Rück­sicht auf das Schrei­ben des Be­klag­ten vom 22. Ok­to­ber 2007 die Not­wen­dig­keit ei­nes – zu­min­dest hilfs­wei­sen – Fest­stel­lungs­wi­der­spruchs erübrigt ha­ben könn­te. Dass auch der die­sem Schrei­ben zu­grun­de lie­gen­den Ein­ga­be des Klägers vom 8. Ok­to­ber 2007 nicht et­wa zu ent­neh­men war, der Kläger wol­le ggf. Scha­dens­er­satz­ansprüche gel­tend ma­chen bzw. sei­ne Re­ha­bi­li­ta­ti­on be­trei­ben, wur­de da­bei eben­falls oben schon her­aus­ge­stellt. Da die Durchführung des Vor­ver­fah­rens gemäß § 126 Abs. 3 BRRG bzw. § 218 Abs. 3 LBG zwin­gen­de Pro­zess­vor­aus­set­zung der Kla­ge (Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung) ist, kann auf die Durchführung sei­tens der Be­tei­lig­ten auch nicht ver­zich­tet wer­den. Je­den­falls im An­wen­dungs­be­reich die­ser Nor­men kann dies nach Auf­fas­sung des Se­nats auch nicht – sei­tens der Ver­wal­tung – durch rüge­lo­se Ein­las­sung auf ei­ne oh­ne Vor­ver­fah­ren er­ho­be­ne Kla­ge ge­sche­hen (so ge­ne­rell z.B. Kopp/Schen­ke, a.a.O., Rd­nrn. 10 und 11 zu Vor­bem. § 68, Rn­drn. 1 und 28 zu § 68; Schoch/Schmidt-Aßmann/Pietz­ner, a.a.O., Rd­nr. 29 zu § 68; So­dan/Zie­kow, Vw­GO, 2. Aufl., Rd­nr. 162 zu § 68; a.M. wohl die über­wie­gen­de Recht­spre­chung des BVerwG, vgl. z.B. Ur­teil vom 4. Ju­li 2002, NVwZ 2002, 1505).

So­weit der Kläger die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Art und Wei­se der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen we­gen sei­ner Ab­sicht, ei­ne Scha­dens­er­satz­kla­ge ‑ mit dem Ziel des Er­sat­zes der ver­geb­lich auf­ge­wen­de­ten Kos­ten der An­ru­fung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts - zu er­he­ben, be­gehrt, ist die Fest­stel­lungs­kla­ge darüber hin­aus auch des­halb un­zulässig, weil ihr die Sub­si­dia­rität der Fest­stel­lungs­kla­ge (§ 43 Abs. 2 Vw­GO) ent­ge­gen­steht. Hier­zu kann wie­der­um auf die obi­gen die­sen Ge­sichts­punkt be­tref­fen­den Ausführun­gen zur Zulässig­keit der Fort­set­zungs­fest­stel­lungs­kla­ge Be­zug ge­nom­men wer­den. Wur­den dort man­gels „Fort­set­zungs­bo­nus“ die für die Fest­stel­lungs­kla­ge gemäß § 43 Vw­GO gel­ten­den

- 22 -

Grundsätze im Rah­men der Würdi­gung der Zulässig­keit der Fort­set­zungs­fest-tel­lungs­kla­ge ana­log § 113 Abs. 1 Satz 4 Vw­GO, der Sub­si­dia­ritäts­ge­dan­ke, her­an­ge­zo­gen, ge­langt hier § 43 Abs. 2 Vw­GO un­mit­tel­bar zur An­wen­dung.

Aber auch, so­weit der Kläger die Fest­stel­lung der Rechts­wid­rig­keit der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen mit Blick auf de­ren Be­gleit­umstände aus Gründen sei­ner Re­ha­bi­li­tie­rung be­gehrt, ist die Fest­stel­lungs­kla­ge aus ei­nem wei­te­ren Grund un­zulässig. Der Kläger hat sich für die Fest­stel­lungs­kla­ge zwar auf den Ge­sichts­punkt des Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­ses be­ru­fen, oh­ne dass sich je­doch auf der Grund­la­ge sei­nes Vor­brin­gens hier­zu ein da­hin­ge­hen­des be­rech­tig­tes In­ter­es­se, d.h. fest­stel­len ließe, dass – über die vom Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt in sei­nem Kam­mer­be­schluss vom 24. Sep­tem­ber 2007 (a.a.O.) her­vor­ge­ho­be­ne Ver­let­zung des Klägers in sei­nen Rech­ten aus Art. 33 Abs. 2 i.V.m. Art. 19 Abs. 4 GG hin­aus – von der Art und Wei­se der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen nach wie vor ei­ne ihn dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung aus­geht. Wie oben schon be­tont wur­de, reicht in­so­fern ein ide­el­les In­ter­es­se an der endgülti­gen Klärung der Fra­ge der Rechtmäßig­keit oder Rechts­wid­rig­keit der in Re­de ste­hen­den Maßnah­me nicht aus.

In sei­ner Be­ru­fungs­schrift macht der Kläger zu sei­nem Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se aus Gründen der Art und Wei­se der Er­nen­nung des Bei­ge­la­de­nen gel­tend, die „Blit­zer­nen­nung“ sei mit Blick auf den Ge­sichts­punkt der Re­ha­bi­li­tie­rung um­so be­mer­kens­wer­ter, als der Kläger zu die­sem Zeit­punkt als Rich­ter über 27 Jah­re hin­weg, da­von al­lein 11 Jah­re als Land­ge­richtspräsi­den­tin der rhein­land-pfälzi­schen Jus­tiz tätig ge­we­sen sei und der Auf­sicht, aber auch der Fürsor­ge des Dienst­vor­ge­setz­ten un­ter­ste­he; er ha­be da­von aus­ge­hen dürfen, dass sei­ne schrift­lich an­gekündig­te Ab­sicht der Ein­le­gung der Ver­fas­sungs­be­schwer­de nicht durch ei­ne Blitz­ak­ti­on des Jus­tiz­mi­nis­ters kon­ter­ka­riert wer­de. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ha­be in sei­ner Ent­schei­dung vom 24. Sep­tem­ber 2007 aus­geführt, dass der Jus­tiz­mi­nis­ter ihm durch die­se Vor­ge­hens­wei­se den Zu­gang zum Ver­fas­sungs­ge­richt ver­ei­telt und ihn hier­durch in sei­nen Grund­rech­ten ver­letzt ha­be. Die­se Ent­schei­dung sei Ge­gen­stand ei­ner Son­der­sit­zung des Rechts­aus­schus­ses so­wie ei­ner Son­der­sit­zung des Land­ta­ges ge­we­sen. Gleich­wohl ha­be der Jus­tiz­mi­nis­ter ge­genüber der Öffent­lich­keit beständig die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sich mit sei­ner Ver­fah­rens­wei­se völlig kor­rekt ver­hal­ten zu ha­ben.

Die in der Be­ru­fungs­be­gründung spe­zi­ell in Be­zug auf die „Blit­zer­nen­nung“ an­geführ­ten Umstände, na­ment­lich die langjähri­ge Ver­bun­den­heit zwi­schen dem Kläger und sei­nem Dienst­vor­ge­setz­ten zur ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit mit ih­ren ge­gen­sei­ti­gen Rech­ten und Pflich­ten, ins­be­son­de­re der Treue- bzw. Fürsor­ge­pflicht, könn­ten durch­aus bei ei­ner „Blit­zer­nen­nung“ trotz be­kann­ter Ab­sicht, das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt an­zu­ru­fen, we­gen der da­mit ver­bun­de­nen Her­abwürdi­gung zum „Ma­ni­pu­la­ti­ons­ob­jekt“ ein Re­ha­bi­li­ta­ti­ons­in­ter­es­se be­gründen.

Das setz­te je­doch ein nicht zu er­war­ten­des – arg­lis­ti­ges – ge­ziel­tes „Aus­manövrie­ren“ vor­aus. Da­von kann hier aber nun trotz der dem Be­klag­ten be­kann­ten Ab­sicht des Klägers, im Fal­le des Un­ter­lie­gens im ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen einst­wei­li­gen Rechts­schutz­ver­fah­ren ei­nen Eil­an­trag beim Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt zu stel­len, auf­grund der hier ge­ge­be­nen wei­te­ren Be­son­der­hei­ten nicht die Re­de sein. Dem Jus­tiz­mi­nis­ter muss­te sich nämlich, wie oben be­reits fest­ge­stellt wur­de, nach dem sei­ner­zei­ti­gen Stand der ver­fas­sungs­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung kei­nes­wegs auf­drängen, dass die ihm be­kann­te bloße Ankündi­gung ei­nes einst­wei­li­gen An­ord­nungs­an­tra­ges sei­tens des Klägers ge­genüber dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt ihn von Ver­fas­sungs­we­gen dar­an hin­dern könn­te, den Bei­ge­la­de­nen nach der un­an­fecht­ba­ren Ab­leh­nung des An­trags des Klägers auf Gewährung ver­wal­tungs­ge­richt­li­chen Eil­rechts­schut­zes zum Ober­lan­des­ge­richtspräsi­den­ten zu er­nen­nen; das brauch­te sich ihm da­bei nicht zu­letzt auch des­halb nicht auf­zu­drängen, weil darüber hin­aus das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die dem Be­kla­gen be­kann­te Bit­te des Klägers an das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt, ei­ne Zwi­schen­re­ge­lung zu tref­fen bzw. auf ei­ne „Still­hal­te­ab­spra­che“ mit dem Jus­tiz­mi­nis­te­ri­um hin­zu­wir­ken, 9 Ta­ge lang nicht zum An­lass ge­nom­men hat­te, in die­ser Rich­tung ak­tiv zu wer­den. Hier­zu sind im Rah­men der Prüfung, ob zwi­schen der Er­nen­nung ei­nes Mit­be­wer­bers oh­ne vor­he­ri­ge Ne­ga­tiv­mit­tei­lung an den un­ter­le­ge­nen Be­wer­ber und ei­ner Er­nen­nung un­ter den hier ge­ge­be­nen Umständen „sach­li­che Übe­rein­stim­mung“ be­steht, umfäng­li­che Ausführun­gen ge­macht wor­den, auf die im hier be­han­del­ten Zu­sam­men­hang zur Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Be­zug ge­nom­men wer­den kann.

Nach al­le­dem er­weist sich die Kla­ge in vol­lem Um­fang als un­zulässig. Des­halb brauch­te auch den ge­stell­ten Be­weis­anträgen nicht nach­ge­gan­gen wer­den.

Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus §§ 154 Abs. 2, 162 Abs. 3 Vw­GO. Es ent­spricht nicht der Bil­lig­keit, dem An­trag­stel­ler auch die außer­ge­richt­li­chen Kos­ten des Bei­ge­la­de­nen

- 23 -

auf­zu­er­le­gen, weil die­ser kei­nen ei­ge­nen An­trag ge­stellt und da­mit auch kein Kos­ten­ri­si­ko über­nom­men hat (vgl. hier­zu § 154 Abs. 3 Vw­GO).

Die Ent­schei­dung über die vorläufi­ge Voll­streck­bar­keit des Ur­teils we­gen der Kos­ten be­ruht auf § 167 Vw­GO.

Die Re­vi­si­on wird we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung (§ 132 Abs. 2 Nr. 1 Vw­GO) zu­ge­las­sen. Sie kann dem Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt die Ge­le­gen­heit ge­ben, die nach sei­ner Ent­schei­dung vom 21. Au­gust 2003 (a.a.O.) of­fe­nen Fra­gen ei­ner wei­te­ren Klärung zu­zuführen so­wie zum Grund­satz der Ämt­er­sta­bi­lität noch­mals sei­ne Rechts­auf­fas­sung deut­lich zu ma­chen.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

gez. Stepp­ling gez. Hen­nig gez. Möller

 

Be­schluss

Der Streit­wert für das Be­ru­fungs­ver­fah­ren wird auf 51.800,-- € fest­ge­setzt (§§ 47, 53 Abs. 5 Satz 1 Nr. 1, Satz 2 des Ge­richts­kos­ten­ge­set­zes - GKG -).

gez. Stepp­ling

gez. Hen­nig

gez. Möller

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 10 A 10805/08  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880