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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Massenentlassung, Konsultationsverfahren
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 15/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 01.02.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Landesarbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 25.11.2005, 6 Sa 82/05
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT Ur­teil vom 1.2.2007, 2 AZR 15/06

Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge

Te­nor

Die Re­vi­si­on des Klägers ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 25. No­vem­ber 2005 - 6 Sa 82/05 - wird auf Kos­ten des Klägers zurück­ge­wie­sen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner be­triebs­be­ding­ten or­dent­li­chen Kündi­gung, in der Re­vi­si­on nur noch über § 17 KSchG und ei­nen Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag des Klägers.

Der Kläger war seit 1993 bei der Be­klag­ten, die ei­ne Großbäcke­rei be­trieb, als Pro­duk­ti­ons­hel­fer beschäftigt. Im Au­gust 2004 be­schloss die Be­klag­te, die ei­ge­ne Her­stel­lung von Back­wa­ren zum 1. April 2005 ein­zu­stel­len. Sie kündig­te das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit Schrei­ben vom 18. No­vem­ber 2004 zum 31. März 2005. Mit Schrei­ben vom 25. Ja­nu­ar 2005 er­stat­te­te die Be­klag­te bei der Bun­des­agen­tur für Ar­beit gem. § 17 KSchG ei­ne Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge. Die Agen­tur hat mit Be­scheid vom 15. Fe­bru­ar 2005 die an­ge­zeig­te Ent­las­sung von 16 Ar­beit­neh­mern mit Ab­lauf des 31. März 2005 ge­neh­migt.

Der Kläger hat Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben. Er hat ins­be­son­de­re die Ver­let­zung von § 17 KSchG gerügt. Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, sie ha­be die An­zei­ge ord­nungs­gemäß gem. § 17 KSchG er­stat­tet. Je­den­falls ge­nieße sie in­so­weit Ver­trau­ens­schutz.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen. Es hat of­fen­ge­las­sen, ob §§ 17 f. KSchG ei­ne Aus­le­gung im Sin­ne der Ent­schei­dung des EuGH zu­ließen. Die Be­klag­te ge­nieße je­den­falls Ver­trau­ens­schutz.

Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt der Kläger sei­nen An­trag wei­ter. Er rügt Ver­let­zung ma­te­ri­el­len Rechts.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist un­be­gründet. Die Kündi­gung ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Re­vi­si­on nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen die An­zei­ge­pflicht des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG rechts­un­wirk­sam.

1. Die Be­klag­te war al­ler­dings nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ver­pflich­tet, vor Aus­spruch der Kündi­gung am 30. Au­gust 2004 die Mas­sen­ent­las­sung bei der Agen­tur für Ar­beit an­zu­zei­gen, da die Kündi­gung Teil ei­ner an­zei­ge­pflich­ti­gen Mas­sen­ent­las­sung iSd. § 17 KSchG war. Un­ter “Ent­las­sung” iSv. § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ist der Aus­spruch der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­ste­hen, wie der Se­nat in sei­ner Ent­schei­dung vom 23. März 2006 (- 2 AZR 343/05 - AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21 = EzA KSchG § 17 Nr. 16, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen) un­ter Auf­ga­be der frühe­ren Recht­spre­chung an­ge­nom­men hat (bestätigt durch BAG 21. Sep­tem­ber 2006 - 2 AZR 801/05 -).

2. Den­noch ist die Kündi­gung nicht rechts­un­wirk­sam. Dem steht der Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes ent­ge­gen. Der Se­nat hat die hierfür maßgeb­li­chen Grundsätze be­reits im Ur­teil vom 23. März 2006 (- 2 AZR 343/05 - AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21 = EzA KSchG § 17 Nr. 16, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen) dar­ge­stellt.

a) Da­nach sind die Ge­rich­te als Teil der Staats­ge­walt an das Rechts­staats­prin­zip ge­bun­den und müssen bei Ände­rung ih­rer Recht­spre­chung, nicht an­ders als der Ge­setz­ge­ber bei Ge­set­zesände­run­gen, den Grund­satz des Ver­trau­ens­schut­zes be­ach­ten (BVerfG 14. Ja­nu­ar 1987 - 1 BvR 1052/79 - BVerfGE 74, 129, 154; BGH 18. Ja­nu­ar 1996 - IX ZR 69/95 - BGHZ 132, 6, 11; Löwisch FS Die Ar­beits­ge­richts­bar­keit 1994 S. 601, 610; Buch­ner Gedächt­nis­schrift R. Dietz 1973 S. 175) . Ver­trau­ens­schutz be­deu­tet ua. Schutz vor Rück­wir­kung. Zwar er­zeu­gen höchst­rich­ter­li­che Ent­schei­dun­gen kei­ne dem Ge­set­zes­recht ver­gleich­ba­ren Rechts­bin­dun­gen. Sie stel­len le­dig­lich die Rechts­la­ge in ei­nem kon­kre­ten Fall fest. Gleich­wohl kann und darf ein Bürger auf die durch die höchst­rich­ter­li­che Recht­spre­chung kon­kre­ti­sier­te Rechts­la­ge und de­ren Be­stand ver­trau­en. Er wird nicht un­ter­schei­den müssen - und auch nicht können -, ob sich die Rechts­la­ge di­rekt aus der Norm er­sch­ließt oder sich aus den Kon­kre­ti­sie­run­gen der Recht­spre­chung er­gibt. Den­noch soll sich der Be­trof­fe­ne dar­auf ver­las­sen dürfen, dass an ei­nen ab­ge­schlos­se­nen Tat­be­stand nachträglich kei­ne an­de­ren - ungüns­ti­ge­ren - Vor­aus­set­zun­gen ge­stellt wer­den, als sie im Zeit­punkt der Voll­endung des Sach­ver­halts ge­for­dert wur­den. Der Bürger darf er­war­ten und sich dar­auf ver­las­sen, dass sein zum Zeit­punkt der Hand­ha­bung recht­lich ge­for­der­tes Ver­hal­ten von der Recht­spre­chung nicht nachträglich als rechts­wid­rig oder nicht aus­rei­chend qua­li­fi­ziert wird (BVerfG 22. März 1983 - 2 BvR 475/78 - BVerfGE 63, 343, 357) . An­ders als in den Fällen, in de­nen es um die - bloße - recht­li­che Be­ur­tei­lung der Wirk­sam­keit ei­nes Rechts­geschäfts geht, lie­fe es in den Fällen, in de­nen ein Ge­stal­tungs­recht be­reits aus­geübt wor­den ist, auf ei­ne un­zulässi­ge, im Er­geb­nis ech­te Rück­wir­kung hin­aus, wenn ei­ne Recht­spre­chungsände­rung voll durch­schlüge. Des­halb darf nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ei­ne Recht­spre­chungsände­rung re­gelmäßig nicht da­zu führen, ei­ner Par­tei rück­wir­kend Hand­lungs­pflich­ten auf­zu­er­le­gen, die sie nachträglich nicht mehr erfüllen kann (29. März 1984 - 2 AZR 429/83 (A) - AP Be­trVG 1972 § 102 Nr. 31; 18. Ja­nu­ar 2001 - 2 AZR 616/99 - AP LPVG Nie­der­sach­sen § 28 Nr. 1 = EzA BGB § 626 Krank­heit Nr. 4; vgl. auch 21. Ja­nu­ar 1999 - 2 AZR 624/98 - AP KSchG 1969 § 1 Na­mens­lis­te Nr. 3 = EzA KSchG § 1 So­zia­le Aus­wahl Nr. 39; Düwell Das re­for­mier­te Ar­beits­recht (2005) Ka­pi­tel 4 Ab­schnitt 4 Rn. 17; Me­di­cus WM 1997, 2333, 2337).

Zwar wirkt die Ände­rung ei­ner auch lan­ge gel­ten­den höchst­rich­ter­li­chen Recht­spre­chung grundsätz­lich zurück, so­weit dem nicht der Grund­satz von Treu und Glau­ben ent­ge­gen­steht. Ei­ne über § 242 BGB hin­aus­ge­hen­de Ein­schränkung der Rück­wir­kung höchst­rich­ter­li­cher Recht­spre­chung ist aber ge­bo­ten, wenn die von der Rück­wir­kung be­trof­fe­ne Par­tei auf die Fort­gel­tung der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung ver­trau­en durf­te und die An­wen­dung der geänder­ten Auf­fas­sung we­gen ih­rer Rechts­fol­gen im Streit­fall oder der Wir­kung auf an­de­re ver­gleich­ba­re Rechts­be­zie­hun­gen auch un­ter Berück­sich­ti­gung der be­rech­tig­ten In­ter­es­sen des Pro­zess­geg­ners ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte be­deu­ten würde (vgl. BGH 29. Fe­bru­ar 1996 - IX ZR 153/95 - BGHZ 132, 119, 130; BAG 18. Ja­nu­ar 2001 - 2 AZR 616/99 - AP LPVG Nie­der­sach­sen § 28 Nr. 1 = EzA BGB § 626 Krank­heit Nr. 4).

b) Ei­ne sol­che Si­tua­ti­on ist nach Auf­fas­sung des Se­nats ge­ge­ben.

aa) Für die Er­stat­tung der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge hat­te die ständi­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf die “Ent­las­sung” und da­mit auf den tatsächli­chen Be­en­di­gungs­zeit­punkt als maßgeb­li­chen An­knüpfungs­punkt für die An­wen­dung des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ab­ge­stellt. Der Se­nat hat die­se Auf­fas­sung zu­letzt noch ein­mal um­fas­send in sei­ner Ent­schei­dung vom 18. Sep­tem­ber 2003 (- 2 AZR 79/02 - BA­GE 107, 318) bestätigt. Bei Aus­spruch der Kündi­gung war ei­ne Recht­spre­chungsände­rung des Bun­des­ar­beits­ge­richts im Zu­ge der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs und ei­ner richt­li­ni­en­kon­for­men Aus­le­gung der na­tio­na­len ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen nicht zu er­war­ten. Dies gilt um­so mehr, als sich der Se­nat in der Ent­schei­dung vom 18. Sep­tem­ber 2003 - 2 AZR 79/02 - aaO auch in­halt­lich ein­ge­hend mit der MERL aus­ein­an­der ge­setzt und ei­ne richt­li­ni­en­kon­for­me Aus­le­gung der §§ 17 ff. KSchG - das Verständ­nis von “Ent­las­sung” als “Kündi­gung” im Sin­ne der nach­fol­gend er­gan­ge­nen Ent­schei­dung des EuGH vom 27. Ja­nu­ar 2005 (- C-188/03 - Eu­GHE I 2005, 885) un­ter­stel­lend - als nicht möglich an­ge­se­hen hat­te.

bb) Auch die ganz herr­schen­de Auf­fas­sung in der Li­te­ra­tur und in der in­stanz­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung hat­te sich die­ser Auf­fas­sung des Bun­des­ar­beits­ge­richts an­ge­schlos­sen. Hin­zu kommt, dass die Agen­tu­ren für Ar­beit ih­re Ver­wal­tungs­pra­xis ent­spre­chend ge­stal­tet und ein­ge­rich­tet hat­ten. Die­sen Umständen kommt im Rah­men der Prüfung, ob dem be­trof­fe­nen Ar­beit­ge­ber Ver­trau­ens­schutz zu gewähren ist, ein ganz er­heb­li­ches Ge­wicht zu. Der Ar­beit­ge­ber muss sich ins­be­son­de­re auf ei­ne Ent­schei­dung der Ar­beits­ver­wal­tung ver­las­sen und sein Ver­hal­ten dar­an aus­rich­ten können (vgl. auch KR-Wei­gand 7. Aufl. § 17 KSchG Rn. 101; Mauth­ner Die Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie der EG und ih­re Be­deu­tung für das deut­sche Mas­sen­ent­las­sungs­recht 2004 S. 223 mwN; Kliemt FS 25 Jah­re AR­GE Ar­beits­recht S. 1237, 1250).

Die Be­klag­te konn­te des­halb dar­auf ver­trau­en, rich­tig ver­fah­ren zu sein, wenn sie die An­zei­ge nicht be­reits vor Aus­spruch der Kündi­gung er­stat­te­te.

cc) Die­ses Ver­trau­en ist auch nicht durch re­le­van­te As­pek­te vor dem Zu­gang der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung be­sei­tigt wor­den. Das Ver­trau­en in die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zur Aus­le­gung des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG kann frühes­tens mit der Be­kannt­ga­be der Ent­schei­dung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 27. Ja­nu­ar 2005 ent­fal­len sein (Se­nat 23. März 2006 - 2 AZR 343/05 - AP KSchG 1969 § 17 Nr. 21 = EzA KSchG § 17 Nr. 16, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen; sie­he auch BAG 13. Ju­li 2006 - 6 AZR 198/06 -).

(1) Zunächst bleibt fest­zu­hal­ten, dass der Eu­ropäische Ge­richts­hof zur Aus­le­gung der MERL und der hier maßgeb­li­chen Fra­ge vor der Ent­schei­dung “Junk” am 27. Ja­nu­ar 2005 in­halt­lich nicht ju­di­ziert und der Se­nat - wie dar­ge­stellt - viel­mehr dem Be­griff der Ent­las­sung auch in An­be­tracht der MERL ei­ne an­de­re Be­deu­tung bei­ge­mes­sen hat­te.

(2) Der Vor­la­ge­be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ber­lin vom 30. April 2003 (- 36 Ca 19726/02 - ZIP 2003, 1265) und die The­sen von Hin­richs in ih­rer im Jahr 2001 er­schie­ne­nen Dis­ser­ta­ti­on “Kündi­gungs­schutz und Ar­beit­neh­mer­be­tei­li­gung bei Mas­sen­ent­las­sung” konn­ten das Ver­trau­en in die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht re­le­vant erschüttern. Es kann da­hin­ge­stellt blei­ben, wann die­ser Vor­la­ge­be­schluss all­ge­mein be­kannt ge­wor­den war. Je­den­falls brauch­te sich die Be­klag­te durch die Ent­schei­dung ei­nes ein­zel­nen Ar­beits­ge­richts und ver­ein­zel­te Li­te­ra­tur­stim­men noch nicht in ih­rem Ver­trau­en auf die Maßgeb­lich­keit ei­ner bis­her ge­fes­tig­ten ständi­gen Recht­spre­chung und Ver­wal­tungs­pra­xis ir­ri­tie­ren zu las­sen. Dies gilt um­so mehr, als der Se­nat noch in der Ent­schei­dung vom 18. Sep­tem­ber 2003 (- 2 AZR 79/02 - BA­GE 107, 318) dif­fe­ren­ziert zu der The­ma­tik Stel­lung ge­nom­men hat­te.

(3) Sch­ließlich konn­te das Ver­trau­en in die bis­he­ri­ge Rechts­la­ge auch nicht durch die Schluss­anträge des Ge­ne­ral­an­walts Tiz­za­no vom 30. Sep­tem­ber 2004 (vgl. ZIP 2004, 2019) erschüttert wer­den.

dd) Das Ver­trau­en der Be­klag­ten ist schutzwürdig. Dem vor­ge­hen­de schutzwürdi­ge In­ter­es­sen des Klägers sind nicht be­ein­träch­tigt.

Es würde des­halb ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte für die Be­klag­te be­deu­ten, wenn al­lein we­gen des durch die Recht­spre­chungsände­rung ent­stan­de­nen for­mel­len Feh­lers, der für die Be­klag­te nicht ab­seh­bar war, die Kündi­gung un­wirk­sam wäre. Zum Zeit­punkt des Kündi­gungs­aus­spruchs wur­de ei­ne ent­spre­chen­de An­zei­ge­pflicht we­der von der ständi­gen Ver­wal­tungs­pra­xis noch von der Recht­spre­chung ge­for­dert. Durch ei­ne ent­spre­chen­de Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung könn­ten nicht nur in zahl­rei­chen Altfällen er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Nach­tei­le ent­ste­hen. Auch dem mit der An­zei­ge­pflicht ver­bun­de­nen Zweck der MERL wäre nicht bes­ser ge­dient. Die An­zei­ge­pflicht be­zweckt nach wie vor nicht primär ei­nen Schutz der Ar­beit­neh­mer vor Ent­las­sung, son­dern dient dem Ziel ei­ner ef­fek­ti­ven Ver­wal­tung der Mas­sen­ent­las­sung und -ar­beits­lo­sig­keit und da­mit vor al­lem ar­beits­markt­po­li­ti­schen Zwe­cken. Dem­ent­spre­chend wer­den auch kei­ne re­le­van­ten in­di­vi­du­al-recht­lich geschütz­ten In­ter­es­sen des Klägers be­trof­fen. Dies gilt selbst dann, wenn man berück­sich­tigt, dass der Kläger ei­nen An­spruch auf ein nach ma­te­ri­el­lem Recht rich­ti­ges Ur­teil hat (Me­di­cus WM 1997, 2333, 2337) . Ei­ne Par­tei, die das Recht auf ih­rer Sei­te hat, muss al­ler­dings ein ihr ungüns­ti­ges Ur­teil aus­nahms­wei­se hin­neh­men, wenn dies der Ver­trau­ens­schutz für den Pro­zess­geg­ner ge­bie­tet. Dies ist an­zu­neh­men, wenn nun­mehr ei­ne Hand­lung als feh­ler- oder schuld­haft qua­li­fi­ziert wird, die zur Zeit ih­rer Vor­nah­me der da­mals herr­schen­den Rechtsüber­zeu­gung ent­sprach (Me­di­cus NJW 1995, 2577, 2580; ders. WM 1997, 2333, 2337).

Be­trach­tet man die­se As­pek­te und wägt sie ge­gen­ein­an­der ab, so ist im Hin­blick auf das Ver­trau­en der Be­klag­ten ei­ner­seits und un­ter Berück­sich­ti­gung der In­ter­es­sen des Klägers an­de­rer­seits ei­ne un­zu­mut­ba­re Härte an­zu­er­ken­nen.

c) Dem Se­nat ist die Ent­schei­dung über den Ver­trau­ens­schutz auch nicht “ent­zo­gen”.

Der Se­nat war ins­be­son­de­re nicht zur Vor­la­ge an den Eu­ropäischen Ge­richts­hof ver­pflich­tet (so Schiek AuR 2006, 41, 43 f.) . Er hat le­dig­lich sei­ne ei­ge­ne Recht­spre­chung und die Aus­le­gung der na­tio­na­len Re­ge­lun­gen des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG an das Ge­mein­schafts­recht an­ge­passt. Er hat kein Ge­mein­schafts­recht aus­ge­legt, son­dern das na­tio­na­le Kündi­gungs­schutz­recht “richt­li­ni­en­kon­form” an­ge­wen­det, in­dem er den Be­griff der “Ent­las­sung” in § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG zukünf­tig im Sin­ne der vom Eu­ropäischen Ge­richts­hof ent­wi­ckel­ten Aus­le­gung der Richt­li­nie ver­stan­den wis­sen will. Da­mit han­delt es sich um ei­ne Fra­ge der na­tio­na­len Rechts­an­wen­dung (vgl. Ca­na­ris FS Bydlin­ski S. 47, 64; Pie­ken­brock ZZP 2006, 3, 30).

3. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 ZPO.

Rost

Bröhl

Schmitz-Scho­le­mann

Nie­le­bock

Bartz


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