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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Kopftuch, Kopftuchverbot, Diskriminierung, Religion
   
Gericht: Bundesverfassungsgericht
Akten­zeichen: 1 BvR 471/10
1 BvR 11181/10
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 27.01.2015
   
Leit­sätze: Der Schutz des Grund­rechts auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet auch Lehr­kräften in der öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le die Frei­heit, ei­nem aus re­li­giösen Gründen als ver­pflich­tend ver­stan­de­nen Be­de­ckungs­ge­bot zu genügen, wie dies et­wa durch das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs der Fall sein kann.

Ein lan­des­wei­tes ge­setz­li­ches Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen (hier: nach § 57 Abs. 4 SchulG NW) durch das äußere Er­schei­nungs­bild schon we­gen der bloß abs­trak­ten Eig­nung zur Be­gründung ei­ner Ge­fahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität in ei­ner öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le ist un­verhält­nismäßig, wenn die­ses Ver­hal­ten nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend ver­stan­de­nes re­li­giöses Ge­bot zurück­zuführen ist. Ein an­ge­mes­se­ner Aus­gleich der ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Po­si­tio­nen - der Glau­bens­frei­heit der Lehr­kräfte, der ne­ga­ti­ven Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler so­wie der El­tern, des El­tern­grund­rechts und des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags - er­for­dert ei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung der Ver­bots­norm, nach der zu­min­dest ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die Schutzgüter vor­lie­gen muss.

Wird in be­stimm­ten Schu­len oder Schul­be­zir­ken auf­grund sub­stan­ti­el­ler Kon­flikt­la­gen über das rich­ti­ge re­li­giöse Ver­hal­ten be­reichs­spe­zi­fisch die Schwel­le zu ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Störung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität in ei­ner be­acht­li­chen Zahl von Fällen er­reicht, kann ein ver­fas­sungs­recht­lich an­zu­er­ken­nen­des Bedürf­nis be­ste­hen, re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild­nicht nicht erst im kon­kre­ten Ein­zel­fall, son­dern et­wa für be­stimm­te Schu­len oder Schul­be­zir­ke über ei­ne ge­wis­se Zeit auch all­ge­mei­ner zu un­ter­bin­den.

Wer­den äußere re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch Pädago­gin­nen und Pädago­gen in der öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le zum Zweck der Wah­rung des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­lität ge­setz­lich un­ter­sagt, so muss dies für al­le Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­rich­tun­gen grundsätz­lich un­ter­schieds­los ge­sche­hen.
Vor­ins­tan­zen: Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 20.08.2009 - 2 AZR 499/08
   

BUN­DES­VER­FASSUN­GS­GERICHT
- 1 BvR 471/10 -
- 1 BvR 1181/10 -

IM NA­MEN DES VOL­KES

In den Ver­fah­ren

über

die Ver­fas­sungs­be­schwer­den

I. der Frau A...,

 

- 2 -

- Be­vollmäch­tig­ter: Prof. Dr. Chris­ti­an Wal­ter,
Prof.-Hu­ber-Platz 2, 80539 München -

1. un­mit­tel­bar ge­gen

a) das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 -,

b) das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf
vom 10. April 2008 - 5 Sa 1836/07 -,

c) das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf
vom 29. Ju­ni 2007 - 12 Ca 175/07 -,

2. mit­tel­bar ge­gen

§ 57 Abs. 4, § 58 Satz 2, 1. Fall des Schul­ge­set­zes für das Land

Nord­rhein-West­fa­len

 

- 3 -

vom 15. Fe­bru­ar 2005 (GV.NRW. S. 102) in der Fas­sung des Ers­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 13. Ju­ni 2006 (GV.NRW. S. 270)

-1 BvR 471/10 -,

II. der Frau A...,

- Be­vollmäch­tig­te: Wie­land Rechts­anwälte GbR,
Rhein­weg 23, 53113 Bonn -

1. un­mit­tel­bar ge­gen

a) das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 -,

b) das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. Ok­to­ber 2008 - 11 Sa 572/08 -,

c) das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. Ok­to­ber 2008 - 11 Sa 280/08 -,

d) das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Her­ne vom 21. Fe­bru­ar 2008 - 6 Ca 649/07 -,

e) das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Her­ne vom 7. März 2007 - 4 Ca 3415/06 -,

2. mit­tel­bar ge­gen
§ 57 Abs. 4 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 15. Fe­bru­ar 2005 (GV.NRW. S. 102) in der Fas­sung des Ers­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein- West­fa­len vom 13. Ju­ni 2006 (GV.NRW. S. 270)

-1 BvR 1181/10 -

hat das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt - Ers­ter Se­nat -
un­ter Mit­wir­kung der Rich­te­rin­nen und Rich­ter

Gai­er,
Eich­ber­ger,
Schlu­cke­bier,
Ma­sing,
Pau­lus,
Her­manns,
Ba­er,
Britz

am 27. Ja­nu­ar 2015 be­schlos­sen:

1. § 57 Ab­satz 4 Satz 3 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 15. Fe­bru­ar 2005 (Ge­setz- und Ver­ord­nungs­blatt für das Land Nord­rhein-West­fa­len Sei­te 102) in der Fas­sung des Ers­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 13. Ju­ni 2006 (Ge­setz- und Ver­ord­nungs­blatt für das Land Nord­rhein-West­fa­len Sei­te 270) ist mit Ar­ti­kel 3 Ab­salz 3 Salz 1 und mit Ar­ti­kel 33 Ab­satz 3 des Grund­ge­set­zes un­ver­ein­bar und nich­tig.

2. § 57 Ab­satz 4 Sätze 1 und 2 so­wie § 58 Satz 2 des vor­be­zeich­ne­ten Ge­set­zes sind, so­weit sie re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild be­tref­fen, nach Maßga­be der Gründe mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar.

3. Die Be­schwer­deführe­rin zu I.) wird durch das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 20. Au­gust 2009 - 2 AZR 499/08 -, das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 10. April 2008 - 5 Sa 1836/07 - und das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 29. Ju­ni 2007 - 12 Ca 175/07 - in ih­rem Grund­recht aus Ar­ti­kel 4 Ab­satz 1 und 2 des Grund­ge­set­zes ver­letzt. Die Ur­tei­le des Bun­des­ar­beits­ge­richts und des Lan­des­ar­beits­ge­richts wer­den auf­ge­ho­ben. Die Sa­che wird an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf zurück­ver­wie­sen.

4. Die Be­schwer­deführe­rin zu II.) wird durch das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 10. De­zem­ber 2009 - 2 AZR 55/09 -, die Ur­tei­le des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 16. Ok­to­ber 2008 - 11 Sa 572/08 - und - 11 Sa 280/08 - so­wie die Ur­tei­le des Ar­beits­ge­richts Her­ne vom 21. Fe­bru­ar 2008 - 6 Ca 649/07 - und vom 7. März 2007 - 4 Ca 3415/06 - in ih­rem Grund­recht aus Ar­ti­kel 4 Ab­satz 1 und 2 des Grund­ge­set­zes ver­letzt. Die Ur­tei­le des Bun­des­ar­beits­ge­richts und des Lan­des­ar­beits­ge­richts wer­den auf­ge­ho­ben. Die Sa­che wird an das Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm zurück­ver­wie­sen.

5. Das Land Nord­rhein-West­fa­len hat den Be­schwer­deführe­rin­nen je­weils drei Vier­tel, die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land je­weils ein Vier­tel ih­rer not­wen­di­gen Aus­la­gen zu
er­stat­ten.

Gründe:

A.

 

- 4 -

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den be­tref­fen ge­richt­li­che Ent­schei­dun­gen über ar­beits­recht­li­che Sank­tio­nen (Ab­mah­nung und Kündi­gung), die der Ar­beit­ge­ber der Be­schwer­deführe­rin­nen, das Land Nord­rhein-West­fa­len, ge­gen sie aus­ge­spro­chen hat, weil sie sich als An­ge­stell­te an öffent­li­chen Schu­len wei­ger­ten, im Dienst das so­ge­nann­te is­la­mi­sche Kopf­tuch be­zie­hungs­wei­se ei­ne als Er­satz hierfür ge­tra­ge­ne Wollmütze ab­zu­le­gen. Bei­de Be­schwer­deführe­rin­nen sind Mus­li­min­nen. Die Be­schwer­deführe­rin zu I.) ist als an­ge­stell­te So­zi­alpädago­gin, die Be­schwer­deführe­rin zu II.) war als an­ge­stell­te Leh­re­rin beschäftigt. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­den stel­len zu­gleich mit­tel­bar die in Nord­rhein-West­fa­len nach der Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282) er­las­se­ne ge­setz­li­che Re­ge­lung über die Zulässig­keit und die Gren­zen re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch im Schul­we­sen beschäftig­te Per­so­nen zur ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüfung. Die­se ist Grund­la­ge der in den fach­ge­richt­li­chen Aus­gangs­ver­fah­ren über­prüften ar­beits­recht­li­chen Maßnah­men.

I.

Die in Re­de ste­hen­de Vor­schrift des § 57 Abs. 4 des Schul­ge­set­zes für das Land Nord­rhein-West­fa­len (SchulG NW) vom 15. Fe­bru­ar 2005 (GV.NRW. S. 102) in der Fas­sung des Ers­ten Ge­set­zes zur Ände­rung des Schul­ge­set­zes vom 13. Ju­ni 2006 (GV.NRW. S. 270) lau­tet:

„(4) 1 Leh­re­rin­nen und Leh­rer dürfen in der Schu­le kei­ne po­li­ti­schen, re­li­giösen, welt­an­schau­li­chen oder ähn­li­che äußere Be­kun­dun­gen ab­ge­ben, die ge­eig­net sind, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören. 2 Ins­be­son­de­re ist ein äußeres Ver­hal­ten un­zulässig, wel­ches bei Schüle­rin­nen und Schülern oder den El­tern den Ein­druck her­vor­ru­fen kann, dass ei­ne Leh­re­rin oder ein Leh­rer ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Ar­ti­kel 3 des Grund­ge­set­zes, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt. 3 Die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags nach Ar­ti­kel 7 und 12 Abs. 6 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen wi­der­spricht nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1. 4 Das Neu­tra­litäts­ge­bot des Sat­zes 1 gilt nicht im Re­li­gi­ons­un­ter­richt und in den Be­kennt­nis- und Welt­an­schau­ungs­schu­len."

In­fol­ge ei­ner am 29. Ok­to­ber 2011 in Kraft ge­tre­te­nen Ver­fas­sungsände­rung fin­det sich der bis­he­ri­ge Text des Art. 12 Abs. 6 Verf NW, auf den sich § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW be­zieht, jetzt in Art. 12 Abs. 3 Verf NW (vgl. Art. 1 Nr. 4 Buchst. e) des Ge­set­zes zur Ände­rung der Ver­fas­sung für das Land Nord­rhein-West­fa­len vom 25. Ok­to­ber 2011, GV.NRW. S. 499).

In Ab­satz 6 des § 57 SchulG NW ist über­dies be­stimmt: 

„(6) 1 Die Ein­stel­lung ei­ner Leh­re­rin oder ei­nes Leh­rers setzt als persönli­ches Eig­nungs­merk­mal vor­aus, dass sie oder er die Gewähr für die Ein­hal­tung der Be­stim­mun­gen des Ab­sat­zes 4 in der ge­sam­ten vor­aus­sicht­li­chen Dienst­zeit bie­tet. 2 Ent­spre­chen­des gilt für die Ver­set­zung ei­ner Leh­re­rin oder ei­nes Leh­rers ei­nes an­de­ren Dienst­herrn in den nord­rhein-westfäli­schen Schul­dienst. 3 Für Lehr­amts­anwärte­rin­nen und Lehr­amts­anwärter können von der Ein­stel­lungs­behörde auf An­trag Aus­nah­men vor­ge­se­hen wer­den, so­weit die Ausübung ih­rer Grund­rech­te es zwin­gend er­for­dert und zwin­gen­de öffent­li­che In­ter­es­sen an der Wah­rung der staat­li­chen Neu­tra­lität und des Schul­frie­dens nicht ent­ge­gen­ste­hen."

Die An­wend­bar­keit die­ser Be­stim­mun­gen wird durch § 58 Satz 2 SchulG NW auf das sons­ti­ge an Schu­len täti­ge pädago­gi­sche und so­zi­alpädago­gi­sche Per­so­nal er­streckt. § 58 SchulG NW lau­tet:

„1 Sons­ti­ge im Lan­des­dienst ste­hen­de pädago­gi­sche und so­zi­alpädago­gi­sche Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter wir­ken bei der Bil­dungs- und Er­zie­hungs­ar­beit mit. 2 § 57 Abs. 4 und 6 gilt ent­spre­chend."

 

- 5 -

Die in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW in Be­zug ge­nom­me­nen Vor­schrif­ten der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ha­ben fol­gen­den Wort­laut:

‚Ar­ti­kel 7

(1) Ehr­furcht vor Gott, Ach­tung vor der Würde des Men­schen und Be­reit­schaft zum so­zia­len Han­deln zu we­cken, ist vor­nehms­tes Ziel der Er­zie­hung.

(2) Die Ju­gend soll er­zo­gen wer­den im Geis­te der Men­sch­lich­keit, der De­mo­kra­tie und der Frei­heit, zur Duld­sam­keit und zur Ach­tung vor der Über­zeu­gung des an­de­ren, zur Ver­ant­wor­tung für Tie­re und die Er­hal­tung der natürli­chen Le­bens­grund­la­gen, in Lie­be zu Volk und Hei­mat, zur Völker­ge­mein­schaft und Frie­dens­ge­sin­nung.";

‚Ar­ti­kel 12

(...)

(3) 1 In Ge­mein­schafts­schu­len wer­den Kin­der auf der Grund­la­ge christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te in Of­fen­heit für die christ­li­chen Be­kennt­nis­se und für an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen ge­mein­sam un­ter­rich­tet und er­zo­gen. 2 In Be­kennt­nis­schu­len wer­den Kin­der des ka­tho­li­schen oder des evan­ge­li­schen Glau­bens oder ei­ner an­de­ren Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft nach denn Grundsätzen des be­tref­fen­den Be­kennt­nis­ses un­ter­rich­tet und er­zo­gen. 3 In Welt­an­schau­ungs­schu­len, zu de­nen auch die be­kennt­nis­frei­en Schu­len gehören, wer­den die Kin­der nach den Grundsätzen der be­tref­fen­den Welt­an­schau­ung un­ter­rich­tet und er­zo­gen.

II.

1. Das Ver­fah­ren 1 BvR 471/10 (der Be­schwer­deführe­rin zu I.)

a) Die im Jahr 1971 in Deutsch­land ge­bo­re­ne Be­schwer­deführe­rin ist türki­scher Ab­stam­mung und mus­li­mi­schen Glau­bens; sie gehört we­der ei­ner Mo­schee­ge­mein­de noch sonst ei­ner is­la­mi­schen Ge­mein­schaft an. An­ders als ih­re drei Schwes­tern trägt sie seit ih­rem 17. Le­bens­jahr aus re­li­giösen Gründen in der Öffent­lich­keit ein Kopf­tuch. Seit März 1999 be­sitzt sie die deut­sche Staats­an­gehörig­keit. Nach ei­nem ab­ge­schlos­se­nen Stu­di­um der So­zi­alpädago­gik ist sie seit dem 7. Ok­to­ber 1997 beim Land Nord­rhein-West­fa­len an­ge­stellt und an ei­ner Ge­samt­schu­le in D. beschäftigt. Sie wird dort bei der Sch­lich­tung von Schul­kon­flik­ten - ins­be­son­de­re durch Be­ra­tung ausländi­scher Schüler und ih­rer El­tern ¬ein­ge­setzt und kommt mit Schul­an­gehöri­gen un­ter­schied­li­cher Na­tio­na­lität und Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit in Kon­takt.

Nach In­kraft­tre­ten der in Re­de ste­hen­den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen (§ 57 Abs. 4, § 58 Satz 2 SchulG NW) for­der­te die Schul­behörde die Be­schwer­deführe­rin auf, das von ihr bis­lang auch während des Diens­tes ge­tra­ge­ne is­la­mi­sche Kopf­tuch ab­zu­le­gen. Die­ser Auf­for­de­rung kam die Be­schwer­deführe­rin nach, er­setz­te aber das Kopf­tuch durch ei­ne ro­sa­far­be­ne han­delsübli­che Bas­kenmütze mit Strick­bund, die ihr Haar, den Haar­an­satz und die Oh­ren kom­plett be­deckt. Dies kom­bi­nier­te sie mit ei­ner Hals­be­de­ckung, et­wa ei­nem gleich­far­bi­gen Roll­kra­gen­pull­over. Im Rah­men ei­nes Per­so­nal­gesprächs ließ die Be­schwer­deführe­rin die Fra­ge, war­um sie die­se Kopf­be­de­ckung tra­ge, ge­genüber der Schul­lei­te­rin un­be­ant­wor­tet, bestätig­te aber, dass sie das Kopf­tuch in der Ver­gan­gen­heit aus re­li­giösen Gründen ge­tra­gen ha­be.

Die Schul­behörde er­teil­te der Be­schwer­deführe­rin ei­ne Ab­mah­nung und droh­te ihr für den Fall un­veränder­ten Ver­hal­tens die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses an. Das re­li­giös mo­ti­vier­te Tra­gen ei­ner kopf­tuchähn­li­chen Kopf­be­de­ckung in der Schu­le ent­fal­te Si­gnal­wir­kung und ma­che re­li­giöse Zu­sam­menhänge für außen­ste­hen­de Be­ob­ach­ter sicht­bar. So könne der Schul­frie­den gefähr­det wer­den. Zu­dem stel­le es ein äußeres Ver­hal­ten dar, das bei Schülern und El­tern den Ein­druck her­vor­ru­fen könne,

 

- 6 -

dass die Be­schwer­deführe­rin ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te. Die Be­schwer­deführe­rin ver­s­toße da­her ge­gen § 57 Abs. 4 SchulG NW.

b) Die Be­schwer­deführe­rin er­hob vor dem Ar­beits­ge­richt Kla­ge, mit der sie die Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus ih­rer Per­so­nal­ak­te ver­lang­te.

aa) Das Ar­beits­ge­richt wies die Kla­ge ab. Zur Be­gründung führ­te es im We­sent­li­chen aus: 

Die Einschätzung des Lan­des, die Be­schwer­deführe­rin ha­be durch das Tra­gen der Mütze ge­gen das Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­s­toßen und da­mit zu­gleich ih­re ver­trag­li­chen Pflich­ten ver­letzt, sei zu­tref­fend. Ob dar­in auch ein Ver­hal­ten zu se­hen sei, das bei Schülern oder El­tern den Ein­druck her­vor­ru­fen könne, dass sie ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te (§ 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW), könne da­hin­ste­hen. Ei­ne So­zi­alpädago­gin, die in der Schu­le dau­er­haft ei­ne Mütze tra­ge, die Haa­re und Oh­ren vollständig um­sch­ließe, ge­be da­mit zu ver­ste­hen, dass sie sich zur Re­li­gi­on des Is­lam be­ken­ne und sich ge­hal­ten se­he, des­sen von ihr als ver­pflich­tend emp­fun­de­ne Be­klei­dungs­vor­schrif­ten zu be­ach­ten. Hier­in lie­ge die be­wuss­te, an die Außen­welt ge­rich­te­te Kund­ga­be ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung. Die­se Be­kun­dung sei abs­trakt ge­eig­net, die Neu­tra­lität des Lan­des oder den po­li­ti­schen, re­li­giösen oder welt­an­schau­li­chen Schul­frie­den zu gefähr­den oder zu stören. So­weit § 57 SchulG NW hier an­zu­wen­den sei, sei er mit höher­ran­gi­gem Recht ver­ein­bar. Es sei Sa­che des de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­ten Ge­setz­ge­bers zu ent­schei­den, ob er ei­ne großzügi­ge Lösung wähle, die es ermögli­che, die zu­neh­men­de re­li­giöse Viel­falt in der Schu­le auf­zu­neh­men und als Mit­tel für die Einübung ge­gen­sei­ti­ger To­le­ranz zu nut­zen, oder ob er we­gen des größeren Kon­flikt­po­ten­ti­als in der Schu­le den Weg ge­he, der staat­li­chen Neu­tra­litäts­pflicht im schu­li­schen Be­reich ei­ne strik­te­re und mehr als bis­her dis­tan­zie­ren­de Be­deu­tung bei­zu­mes­sen und dem­gemäß auch durch das äußere Er­schei­nungs­bild ei­ner Lehr­kraft ver­mit­tel­te re­li­giöse Bezüge von den Schülern grundsätz­lich fern­zu­hal­ten, um Kon­flik­te von vorn­her­ein zu ver­mei­den.

Auch § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW ver­let­ze kei­ne Grund­rech­te. Ei­ne un­zulässi­ge Be­vor­zu­gung christ­li­cher Kon­fes­sio­nen sei mit der dar­in ent­hal­te­nen Klar­stel­lung nicht ver­bun­den. Der Be­griff des „Christ­li­chen" be­zeich­ne in die­ser Vor­schrift ei­ne von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöste, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abendländi­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­ne Wer­te­welt, die er­kenn­bar auch dem Grund­ge­setz zu­grun­de lie­ge und un­abhängig von ih­rer re­li­giösen Fun­die­rung Gel­tung be­an­spru­che. Non­nen­ha­bit und Kip­pa würden vorn Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW eben­falls er­fasst. In­so­weit sei kein Voll­zugs­de­fi­zit zu ver­zeich­nen, da das Land kei­ne mit der Be­schwer­deführe­rin ver­gleich­ba­re An­ge­stell­te mit Or­dens­ha­bit oder jüdi­scher Kip­pa beschäfti­ge.

bb) Die hier­ge­gen ein­ge­leg­te Be­ru­fung der Be­schwer­deführe­rin blieb vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt er­folg­los. Die­ses schloss sich im We­sent­li­chen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts an und ver­tief­te des­sen recht­li­che Ausführun­gen.

cc) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt wies die Re­vi­si­on der Be­schwer­deführe­rin zurück und führ­te un­ter an­de­rem aus: Die Ent­fer­nung ei­ner zu Un­recht er­teil­ten Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te könne in ent­spre­chen­der An­wen­dung der §§ 242, 1004 BGB un­ter an­de­rem dann ver­langt wer­den, wenn die Ab­mah­nung un­rich­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen ent­hal­te. Das sei hier nicht der Fall, da die Be­schwer­deführe­rin ge­gen das Be­kun­dungs­ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­s­toßen ha­be. Die­se Be­stim­mung ver­let­ze kein höher­ran­gi­ges Recht.

(1) Ei­ne re­li­giöse Be­kun­dung im Sin­ne von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW sei im An­schluss an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts (Hin­weis auf BVerw­GE 121, 140) die be­wuss­te, an die Außen­welt ge­rich­te­te Kund­ga­be ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung. Zur Be­stim­mung des Erklärungs­werts ei­ner Kund­ga­be sei auf die­je­ni­ge Deu­tungsmöglich­keit ab­zu­stel­len, die für ei­ne nicht un­er­heb­li­che Zahl von Be­trach­tern na­he­lie­ge. Ins­be­son­de­re kom­me es auf die Deu­tung durch Schüler und El­tern aus der Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Be­trach­ters an. Da­bei sei­en al­le in Be­tracht kom­men­den Deu­tungsmöglich­kei­ten zu berück­sich­ti­gen.

Der re­li­giöse Sym­bol­cha­rak­ter ge­tra­ge­ner Klei­dung müsse sich nicht aus dem Klei­dungsstück als sol­chem er­ge­ben. Ei­ne re­li­giöse Be­kun­dung könne auch dar­in lie­gen, dass dem Klei­dungsstück für den Träger of­fen­sicht­lich ei­ne be­son­de­re Be­deu­tung zu­kom­me, et­wa weil es er­kenn­bar aus dem Rah­men der

 

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in der Schu­le übli­chen Be­klei­dung fal­le und aus­nahms­los zu je­der Zeit ge­tra­gen wer­de. Ein solch weit­ge­hen­des Verständ­nis ent­spre­che dem Zweck des Be­kun­dungs­ver­bots. Die­ses sol­le welt­an­schau­lich-re­li­giöse Kon­flik­te an öffent­li­chen Schu­len schon im An­satz ver­hin­dern und die Neu­tra­lität des Lan­des auch nach außen wah­ren. Das ver­bie­te ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen Klei­dungsstücken, de­ren re­li­giöse oder welt­an­schau­li­che Mo­ti­va­ti­on of­fen zu­ta­ge tre­te, und sol­chen, de­ren Tra­gen in der Schu­le im­mer­hin ei­nen ent­spre­chen­den Erklärungs­be­darf auslöse.

(2) Da­nach lie­ge im Tra­gen der Wollmütze ei­ne re­li­giöse Be­kun­dung. Die Be­schwer­deführe­rin tra­ge zwar ei­ne han­delsübli­che Mütze. Gleich­wohl er­we­cke die­se un­ter den ge­ge­be­nen Umständen bei Drit­ten, ins­be­son­de­re bei Schülern und El­tern, den Ein­druck, es han­de­le sich um ein re­li­giöses Sym­bol, mit dem sich die Be­schwer­deführe­rin zum Is­lam be­ken­ne. Der re­li­giöse Be­deu­tungs­ge­halt er­ge­be sich dar­aus, dass die Mütze Haa­re, Haar­an­satz und Oh­ren kom­plett be­de­cke und ein stets zu­gleich ge­tra­ge­ner gleich­far­bi­ger Roll­kra­gen­pull­over auch den Hals um­sch­ließe. Hin­zu kom­me, dass die Be­schwer­deführe­rin das von ihr bis­her aus re­li­giösen Gründen ge­tra­ge­ne Kopf­tuch naht­los durch die Mütze er­setzt ha­be. Sie sei nicht ein ein­zi­ges Mal oh­ne die­se Kopf­be­de­ckung in der Schu­le er­schie­nen und tra­ge die Mütze auch bei großer Hit­ze und un­abhängig von den Jah­res- und Ta­ges­zei­ten. Für ei­nen ob­jek­ti­ven Be­trach­ter wer­de da­mit die Nähe zu ei­nem is­la­mi­schen Kopf­tuch of­fen­bar.

(3) Das Ver­hal­ten der Kläge­rin sei ge­eig­net, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schülern und El­tern und den re­li­giösen Schul­frie­den zu gefähr­den. Das Ver­bot in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW er­fas­se nicht erst Be­kun­dun­gen, die die Neu­tra­lität des Lan­des oder den re­li­giösen Schul­frie­den kon­kret gefähr­de­ten oder gar störten. Das Ver­bot sol­le schon ei­ner abs­trak­ten Ge­fahr vor­beu­gen, um kon­kre­te Gefähr­dun­gen gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen. Im Ge­set­zes­wort­laut kom­me dies dar­in zum Aus­druck, dass re­li­giöse Be­kun­dun­gen be­reits dann ver­bo­ten sei­en, wenn sie „ge­eig­net" sei­en, die ge­nann­ten Schutzgüter zu gefähr­den. Der Lan­des­ge­setz­ge­ber ha­be er­sicht­lich dar­auf Be­dacht neh­men wol­len, dass die Schu­le ein Ort sei, an dem un­ter­schied­li­che po­li­ti­sche und re­li­giöse Auf­fas­sun­gen un­aus­weich­lich auf­ein­an­derträfen, de­ren fried­li­ches Ne­ben­ein­an­der der Staat je­doch zu ga­ran­tie­ren ha­be. Die re­li­giöse Viel­falt in der Ge­sell­schaft ha­be zu ei­nem ver­mehr­ten Po­ten­zi­al von Kon­flik­ten auch in der Schu­le geführt. In die­ser La­ge sei der re­li­giöse Schul­frie­den schon durch die be­rech­tig­te Sor­ge der El­tern vor ei­ner un­ge­woll­ten re­li­giösen Be­ein­flus­sung ih­rer Kin­der gefähr­det. Da­zu könne das re­li­giös be­deu­tungs­vol­le Er­schei­nungs­bild des pädago­gi­schen Per­so­nals An­lass ge­ben.

(4) Die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 SchulG NW ver­s­toße nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht. 

(a) Das Be­kun­dungs­ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW sei nicht ver­fas­sungs­wid­rig. Die Re­ge­lung lie­ge im Rah­men der Ge­stal­tungs­frei­heit des Lan­des­ge­setz­ge­bers. Die­ser ha­be die po­si­ti­ve Glau­bens­frei­heit und die Be­rufs­ausübungs­frei­heit der pädago­gi­schen Mit­ar­bei­ter hin­ter die staat­li­che Pflicht zur welt­an­schau­li­chen Neu­tra­lität, das Er­zie­hungs­recht der El­tern und die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüler zurück­tre­ten las­sen dürfen, um die Neu­tra­lität der Schu­le und den Schul­frie­den zu si­chern. Die Ver­mei­dung welt­an­schau­lich-re­li­giöser Kon­flik­te in öffent­li­chen Schu­len stel­le ein ge­wich­ti­ges Ge­mein­gut dar. Zu die­sem Zweck sei­en ge­setz­li­che Ein­schränkun­gen der Glau­bens­frei­heit recht­lich zulässig. Es sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn die lan­des­ge­setz­li­che Re­ge­lung re­li­giöse Be­kun­dun­gen von Leh­rern in öffent­li­chen Schu­len oh­ne Rück­sicht auf die Umstände des Ein­zel­falls un­ter­sa­ge. Der Ge­setz­ge­ber dürfe Gefähr­dun­gen des Schul­frie­dens da­durch vor­beu­gen, dass er Leh­rern be­reits das Tra­gen re­li­giös be­deut­sa­mer Klei­dungsstücke oder Sym­bo­le ver­bie­te; er müsse kon­flikt­ver­mei­den­de Re­ge­lun­gen nicht an die kon­kre­te Ge­fahr ei­ner dro­hen­den Aus­ein­an­der­set­zung knüpfen.

Das Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­s­toße nicht ge­gen den Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG. Es be­han­de­le die ver­schie­de­nen Re­li­gio­nen nicht un­ter­schied­lich. Die ge­setz­li­che Re­ge­lung er­fas­se je­de Art re­li­giöser Be­kun­dung un­abhängig von de­ren In­halt. Christ­li­che Glau­bens­be­kun­dun­gen würden nicht be­vor­zugt. Dies gel­te auch mit Blick auf § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW. Nach die­ser Be­stim­mung wi­der­spre­che die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags nach Art. 7 und Art. 12 Abs. 6 (heu­te: Art. 12 Abs. 3) der Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­lens und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot nach § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW. Ge­gen­stand der Re­ge­lung in Satz 3 der Vor­schrift sei die Dar­stel­lung, nicht die Be­kun­dung christ­li­cher Wer­te. Be­stimm­te Wer­te dar­zu­stel­len heiße, sie zu erörtern und zum Ge­gen­stand ei­ner Dis­kus­si­on zu ma­chen. Das schließe die Möglich­keit der Rück­fra­ge

 

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und Kri­tik ein. Die Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te sei nicht gleich­zu­set­zen mit der Be­kun­dung ei­nes in­di­vi­du­el­len Be­kennt­nis­ses. Bei ihr ge­he es nicht um die Kund­ga­be in­ne­rer Ver­bind­lich­kei­ten, die der Dar­stel­len­de für sich an­er­kannt ha­be. Außer­dem be­zeich­ne der Be­griff des „Christ­li­chen" - un­ge­ach­tet sei­ner Her­kunft aus dem re­li­giösen Be­reich - ei­ne von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöste, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abendländi­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­ne Wer­te­welt, die er­kenn­bar auch dem Grund­ge­setz zu­grun­de lie­ge und un­abhängig von ih­rer re­li­giösen Fun­die­rung Gel­tung be­an­spru­che. Der Auf­trag zur Wei­ter­ga­be christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te ver­pflich­te und be­rech­ti­ge die Schu­le des­halb nicht zur Ver­mitt­lung be­stimm­ter Glau­bens­in­hal­te, son­dern be­tref­fe Wer­te, de­nen je­der Beschäftig­te des öffent­li­chen Diens­tes un­abhängig von sei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung vor­be­halt­los zu­stim­men könne.

Die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW be­han­de­le die Be­schwer­deführe­rin auch nicht we­gen ih­res Ge­schlechts un­gleich. Die Vor­schrift ver­bie­te re­li­giöse Be­kun­dun­gen un­abhängig vom Ge­schlecht. Sie rich­te sich nicht et­wa spe­zi­ell ge­gen das von Frau­en ge­tra­ge­ne is­la­mi­sche Kopf­tuch oder ent­spre­chen­de Kopf­be­de­ckun­gen.

(b) Das Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­s­toße nicht ge­gen Art. 9 EM­RK. Der Eu­ropäische Ge­richts­hof für Men­schen­rech­te ha­be ent­schie­den, dass ein Ver­bot, während des Un­ter­richts an öffent­li­chen Schu­len re­li­giöse Sym­bo­le zu tra­gen, ei­ne nach Art. 9 Abs. 2 EM­RK not­wen­di­ge Ein­schränkung der nach Ab­satz 1 der Be­stim­mung gewähr­leis­te­ten Re­li­gi­ons­frei­heit ei­nes Leh­rers sei; die­ses wer­de we­gen der mögli­chen Be­ein­träch­ti­gung der Grund­rech­te der Schüler und El­tern aus­ge­spro­chen, um die Neu­tra­lität des Un­ter­richts zu gewähr­leis­ten. Al­ler­dings sei den Kon­ven­ti­ons­staa­ten ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum ein­geräumt. Die Re­ge­lun­gen könn­ten ent­spre­chend den je­wei­li­gen Tra­di­tio­nen und den Er­for­der­nis­sen zum Schutz der Rech­te an­de­rer und zur Auf­recht­er­hal­tung der öffent­li­chen Ord­nung von Staat zu Staat ver­schie­den sein. Auf die­ser Grund­la­ge ha­be der Ge­richts­hof das an ei­ne Leh­re­rin adres­sier­te Ver­bot, an ei­ner Schwei­zer Grund­schu­le während des Un­ter­richts ein is­la­mi­sches Kopf­tuch zu tra­gen, eben­so als mit der Re­li­gi­ons­frei­heit des Art. 9 Abs. 1 EM­RK ver­ein­bar an­ge­se­hen wie das ge­ne­rel­le, nicht nur für Do­zen­tin­nen, son­dern auch für Stu­den­tin­nen gel­ten­de Ver­bot, ein sol­ches Kopf­tuch an türki­schen Hoch­schu­len zu tra­gen. Dar­in lie­ge kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung von Frau­en, wenn auch Ver­bots­maßnah­men ge­gen Männer vor­ge­se­hen sei­en, falls die­se ih­re re­li­giöse Über­zeu­gung un­ter den glei­chen Umständen durch das Tra­gen von Klei­dungsstücken be­kun­de­ten.

(c) § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ver­let­ze als lan­des­recht­li­che Vor­schrift nicht das bun­des­ge­setz­li­che Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG. Zwar könne das Be­kun­dungs­ver­bot zu ei­ner un­mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung der Lehr­kraft aus Gründen der Re­li­gi­on im Sin­ne von § 7 Abs. 1, §§ 1, 3 Abs. 1 AGG führen. Ei­ne un­ter­schied­li­che Be­hand­lung aus re­li­giösen Gründen zur Erfüllung ei­ner we­sent­li­chen be­ruf­li­chen An­for­de­rung sei nach § 8 Abs. 1 AGG aber zulässig, wenn der Zweck rechtmäßig und die An­for­de­rung an­ge­mes­sen sei. Dies sei hier der Fall.

2. Das Ver­fah­ren 1 BvR 1181/10 (der Be­schwer­deführe­rin zu II.)

a) Die im Jahr 1977 ge­bo­re­ne Be­schwer­deführe­rin trat 2001 als an­ge­stell­te Leh­re­rin in ein zunächst be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis mit dem Land Nord­rhein-West­fa­len ein, das später in ein un­be­fris­te­tes um­ge­wan­delt wur­de. Sie ist eben­falls Mus­li­min türki­scher Ab­stam­mung und be­sitzt die deut­sche Staats­an­gehörig­keit. Sie er­teil­te an meh­re­ren Schu­len im Be­reich des Schul­amts R. mut­ter­sprach­li­chen Un­ter­richt in türki­scher Spra­che. Am Un­ter­richt nah­men aus­sch­ließlich mus­li­mi­sche Schüler teil, die die­sen Un­ter­richt frei­wil­lig gewählt hat­ten. Bei ih­rer Be­wer­bung hat­te die Be­schwer­deführe­rin ein Licht­bild ein­ge­reicht, das sie mit Kopf­tuch zeig­te. Sie ver­rich­te­te ih­ren Dienst stets mit ei­nem Kopf­tuch, oh­ne dass es des­we­gen zu Be­an­stan­dun­gen kam.

Im Au­gust 2006 wur­de die Be­schwer­deführe­rin von ih­rem Schul­lei­ter da­von in Kennt­nis ge­setzt, dass 27 das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs nach is­la­mi­schem Re­li­gi­ons­brauch mit den neu­en ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen nicht mehr ver­ein­bar sei. Sie führ­te dar­auf­hin in ei­ner schrift­li­chen Stel­lung­nah­me aus, sie tra­ge das Kopf­tuch seit ih­rem zwölf­ten Le­bens­jahr, und zwar auf­grund ei­ge­nen Wun­sches und aus re­li­giöser Über­zeu­gung.

Nach ei­ner er­neu­ten Anhörung der Be­schwer­deführe­rin sprach das Land Nord­rhein-West­fa­len im 28 No­vem­ber 2006 schrift­lich ei­ne Ab­mah­nung aus. Dar­in hielt es der Be­schwer­deführe­rin das Tra­gen des Kopf­tuchs als Pflich­ten­ver­s­toß vor und kündig­te ar­beits­recht­li­che Maßnah­men bis hin zur Kündi­gung an,

 

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falls sie nicht künf­tig dau­er­haft oh­ne Kopf­tuch in der Schu­le er­schei­nen soll­te. Das Tra­gen des is­la­mi­schen Kopf­tuchs könne den Schul­frie­den gefähr­den und den Ein­druck her­vor­ru­fen, dass die Be­schwer­deführe­rin ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung von Mann und Frau nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te.

Die Be­schwer­deführe­rin kam der Auf­for­de­rung nicht nach. Nach Zu­stim­mung des Per­so­nal­rats erklärte das Land Nord­rhein-West­fa­len dar­auf­hin im Fe­bru­ar 2007 die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. Ju­ni 2007.

b) Die Be­schwer­deführe­rin ging ge­richt­lich zunächst ge­gen die Ab­mah­nung und später ge­gen die Kündi­gung vor. Das Ar­beits­ge­richt wies bei­de Kla­gen ab. Die hier­ge­gen ein­ge­leg­ten Be­ru­fun­gen blie­ben vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt er­folg­los. Die Ge­rich­te führ­ten übe­rein­stim­mend aus, das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs im Un­ter­richt ver­s­toße als re­li­giöse Be­kun­dung je­den­falls ge­gen § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, ge­gen des­sen Ver­fas­sungsmäßig­keit kei­ne Be­den­ken bestünden. Auch un­ter Ein­be­zie­hung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW sei­en we­der das Gleich­heits­ge­bot noch die Re­li­gi­ons­frei­heit ver­letzt.

c) Die Be­schwer­deführe­rin leg­te ge­gen bei­de Ent­schei­dun­gen Re­vi­si­on ein. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­band die Ver­fah­ren zur ge­mein­sa­men Ver­hand­lung und Ent­schei­dung und wies die Re­vi­sio­nen zurück. Die Kündi­gung der Be­schwer­deführe­rin sei aus ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen im Sin­ne von § 1 Abs. 2 Kündi­gungs­schutz­ge­setz (KSchG) so­zi­al ge­recht­fer­tigt. Ei­ne Kündi­gung sei durch Gründe im Ver­hal­ten des Ar­beit­neh­mers be­dingt, wenn die­ser mit dem ihm vor­ge­wor­fe­nen Ver­hal­ten ei­ne Ver­trags­pflicht - in der Re­gel schuld­haft - er­heb­lich ver­letzt ha­be, das Ar­beits­verhält­nis da­durch kon­kret be­ein­träch­tigt wer­de, die zu­mut­ba­re Möglich­keit ei­ner an­der­wei­ti­gen Beschäfti­gung nicht be­ste­he und die Lösung des Ar­beits­verhält­nis­ses in Abwägung der In­ter­es­sen bei­der Ver­trags­tei­le bil­li­gens­wert und an­ge­mes­sen er­schei­ne.

Ei­ne sol­che Pflicht­ver­let­zung lie­ge in dem Ver­s­toß der Be­schwer­deführe­rin ge­gen das Neu­tra­litäts­ge­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW. Die­ses ha­be sie durch die be­wuss­te Wahl ei­ner re­li­giös be­stimm­ten Klei­dung ver­letzt. Es be­ste­he auch nach ih­ren ei­ge­nen Be­kun­dun­gen kein Zwei­fel, dass sie das Kopf­tuch tra­ge, weil sie ei­nem von ihr als maßgeb­lich emp­fun­de­nen re­li­giösen Brauch fol­gen wol­le. In die­sem Sin­ne fas­se auch der un­be­fan­ge­ne Be­ob­ach­ter das Tra­gen des Kopf­tuchs auf.

Das Ver­hal­ten der Be­schwer­deführe­rin sei nach Maßga­be der bis­he­ri­gen - in dem Ver­fah­ren 1 BvR 471/10 an­ge­grif­fe­nen - Recht­spre­chung ge­eig­net, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schülern und El­tern so­wie den re­li­giösen Schul­frie­den abs­trakt zu gefähr­den. Dass die Be­schwer­deführe­rin aus­sch­ließlich mus­li­mi­sche Schüler un­ter­rich­te und die­se frei­wil­lig am mut­ter­sprach­li­chen Un­ter­richt teilnähmen, führe zu kei­ner an­de­ren Be­wer­tung. Viel­mehr ge­win­ne die re­li­giöse Neu­tra­lität ge­ra­de dort Be­deu­tung, wo ih­re Ver­let­zung als re­li­giöse Par­tei­nah­me ge­wer­tet wer­den könne. Das sei bei ei­nem von den Anhängern ei­nes Glau­bens nicht ein­hel­lig be­folg­ten re­li­giös be­stimm­ten Brauch wie dem Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs in be­son­de­rem Maße der Fall, weil der Ein­druck ent­ste­hen könne, durch die Dul­dung des Brauchs wer­de er ge­wis­ser­maßen of­fi­zi­ell als ver­bind­lich oder vor­bild­lich an­er­kannt. Eben die­se Par­tei­nah­me sol­le durch das Ge­setz ver­mie­den wer­den.

Un­ter Hin­weis auf sei­ne in dem Ver­fah­ren 1 BvR 471/10 an­ge­grif­fe­ne Ent­schei­dung führ­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt wei­ter aus, die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 SchulG NW sei nicht ver­fas­sungs­wid­rig und ver­s­toße nicht ge­gen Art. 9 EM­RK oder § 7 Abs. 1 AGG.

Die Be­schwer­deführe­rin ha­be auch un­ter dem von ihr gel­tend ge­mach­ten Ge­sichts­punkt ei­nes Voll­zugs­de­fi­zits kei­nen An­spruch dar­auf, während des Un­ter­richts ein Kopf­tuch zu tra­gen. We­der er­ge­be sich aus der von ihr bemängel­ten Ver­wal­tungs­pra­xis ein An­halts­punkt dafür, dass im Ge­setz be­reits ei­ne Un­gleich­be­hand­lung an­ge­legt sei, noch sei die­se Ver­wal­tungs­pra­xis zu be­an­stan­den. Der Um­stand, dass an der Westfäli­schen Schu­le für Blin­de und Seh­be­hin­der­te in Pa­der­born ei­ne Schwes­ter in Or­dens­tracht un­ter­rich­te, rei­che nicht aus, um auf ei­ne ein­sei­tig ge­gen is­la­mi­sche Be­kun­dun­gen ge­rich­te­te, christ­li­che Be­kun­dun­gen ver­scho­nen­de Ver­wal­tungs­pra­xis des be­klag­ten Lan­des zu schließen. Viel­mehr han­de­le es sich in­so­weit um ei­ne his­to­risch be­ding­te Son­der­si­tua­ti­on. Dass bei dem be­klag­ten Land noch wei­te­re Leh­rer beschäftigt würden, die im Un­ter­richt re­li­giösen Klei­dungs­bräuchen folg­ten, sei nicht er­sicht­lich.

Oh­ne Er­folg ma­che die Be­schwer­deführe­rin Ver­trau­ens­schutz für sich gel­tend. Es lie­ge we­der ei­ne ech­te noch ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung vor. Die Vor­schrift des § 57 Abs. 4 SchulG NW knüpfe nicht an re­li­giöse Be­kun­dun­gen vor ih­rem In­kraft­tre­ten am 1. Au­gust 2006 an. Dass die Be­schwer­deführe­rin

 

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Dis­po­si­tio­nen in der Er­war­tung ge­trof­fen ha­be, die Rechts­la­ge wer­de sich nicht ändern, führe nicht zu ei­ner ihr güns­ti­ge­ren Be­wer­tung. Die bloße An­nah­me, recht­lich wer­de al­les blei­ben, wie es ist, ge­nieße kei­nen recht­li­chen Schutz.

Die Be­schwer­deführe­rin sei trotz der be­rech­tig­ten Ab­mah­nung nicht be­reit ge­we­sen, bei der Ar­beit das Kopf­tuch ab­zu­le­gen. Mit ei­ner Ände­rung ih­res Ver­hal­tens sei nicht zu rech­nen. Die nach § 1 Abs. 2 KSchG er­for­der­li­che um­fas­sen­de In­ter­es­sen­abwägung führe nicht zur So­zi­al­wid­rig­keit der Kündi­gung. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ha­be die­se In­ter­es­sen­abwägung zu­tref­fend vor­ge­nom­men. Es ha­be zu­guns­ten der Be­schwer­deführe­rin die Dau­er der be­an­stan­dungs­frei­en Be­triebs­zu­gehörig­keit und die so­zia­le Si­tua­ti­on in An­satz ge­bracht, sei so­dann aber - was re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den sei - zu dem Schluss ge­kom­men, dass dem be­klag­ten Land ei­ne dau­er­haf­te Miss­ach­tung der ge­setz­li­chen Ver­hal­tens­re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW gleich­wohl nicht zu­ge­mu­tet wer­den könne. Die Be­schwer­deführe­rin ha­be da­nach auch kei­nen An­spruch auf die Ent­fer­nung der Ab­mah­nung aus der Per­so­nal­ak­te.

III.

Die Be­schwer­deführe­rin­nen wen­den sich mit ih­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­den ge­gen die sie be­tref­fen­den ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen und mit­tel­bar ge­gen die zu­grun­de lie­gen­de lan­des­schul­ge­setz­li­che Re­ge­lung.

1. Das Ver­fah­ren 1 BvR 471/10 (Be­schwer­deführe­rin zu I.)

Die Be­schwer­deführe­rin zu I.) rügt ei­ne Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 1 und 3 so­wie von Art. 33 Abs. 2 und 3 GG, auch in Ver­bin­dung mit Art. 9 und Art. 14 EM­RK, durch die mit­tel­bar an­ge­grif­fe­nen Vor­schrif­ten so­wie von Art. 4 Abs. 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 12 Abs. 1, Art. 33 Abs. 2 und 3 GG und ih­res all­ge­mei­nen Persönlich­keits­rechts durch die an­ge­grif­fe­nen Ge­richts­ent­schei­dun­gen. Sie be­an­stan­det wei­ter, das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­let­ze sie we­gen ei­ner un­ter­blie­be­nen Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on auch in ih­rem Recht auf den ge­setz­li­chen Rich­ter (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG).

a) Die mit­tel­bar an­ge­grif­fe­nen ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen sei­en ver­fas­sungs­wid­rig, weil auf­grund des Vor­be­halts in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW zwar die re­li­giös mo­ti­vier­te Klei­dung von Mus­li­men, nicht aber die­je­ni­ge von Chris­ten oder Ju­den vom Ver­bot er­fasst sein sol­le. Die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit er­stre­cke sich nicht nur auf die Pri­vi­le­gie­rungs­klau­sel, son­dern auf § 57 Abs. 4 SchulG NW ins­ge­samt, weil der Ge­samt­re­ge­lung ein ein­heit­li­ches Kon­zept zu­grun­de lie­ge.

Der An­wen­dungs­be­reich des Art. 33 Abs. 2 und 3 GG sei eröff­net, da § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW den Zu­gang zu öffent­li­chen Ämtern be­tref­fe. Der Be­griff des „öffent­li­chen Am­tes" sei weit zu ver­ste­hen und er­fas­se den ge­sam­ten öffent­li­chen Dienst un­ge­ach­tet der Aus­ge­stal­tung des An­stel­lungs­verhält­nis­ses. Der Zu­gang zum öffent­li­chen Dienst sei be­trof­fen, weil auch bei ei­nem be­reits be­gründe­ten Dienst­verhält­nis ei­ne Zu­wi­der­hand­lung ge­gen das Be­kun­dungs­ver­bot ei­ne Be­en­di­gung des Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses nach sich zie­hen könne. Die­se fal­le je­doch als ac­tus con­tra­ti­us zur Ein­stel­lung eben­so in den Schutz­be­reich des Art. 33 Abs. 2 GG wie die ihr vor­ge­la­ger­te Ab­mah­nung.

Der Vor­be­halt zu­guns­ten christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te stel­le ei­ne Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen der Re­li­gi­on dar. Die ent­spre­chen­de Re­ge­lung er­wei­se sich je­den­falls un­ter sys­te­ma­ti­schen Ge­sichts­punk­ten als Aus­nah­me­re­ge­lung zum Ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW. Aus dem Ver­weis in Satz 3 auf den Satz 1 der Vor­schrift fol­ge, dass sich „Be­kun­dung" und „Dar­stel­lung" ge­ra­de nicht wech­sel­sei­tig aus­schlössen, son­dern je­der Fall des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW zu­gleich ei­ne „äußere Be­kun­dung" dar­stel­le. Mit­hin kom­me es für die Aus­le­gung ent­schei­dend auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te an, da Wort­laut und Sys­te­ma­tik kei­ne ein­deu­ti­ge Sinn­ermitt­lung zu­ließen. Aus den Ma­te­ria­li­en er­ge­be sich, dass der Ge­setz­ge­ber nicht Bil­dungs­in­hal­te ha­be re­geln wol­len, son­dern den Aus­druck in­di­vi­du­el­ler Über­zeu­gun­gen. Da­bei ha­be er das Kopf­tuch pau­schal als mit den Bil­dungs­zie­len der Ver­fas­sung für un­ver­ein­bar er­ach­tet, Or­dens­tracht und Kip­pa hin­ge­gen un­abhängig vom Wil­len des Trägers als Aus­druck bloßer christ­lich-abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te an­ge­se­hen. Die­se Un­gleich­be­hand­lung sei ver­fas­sungs­recht­lich nicht ge­recht­fer­tigt, was auch bis­her von al­len da­mit be­fass­ten Ge­rich­ten eben­so ge­se­hen wor­den sei. Die von die­sen in­so­weit vor­ge­nom­me­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung wi­der­spre­che je­doch den hierfür durch das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt

 

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auf­ge­stell­ten Maßstäben. An den Ab­sich­ten des Ge­setz­ge­bers ge­be es an­ge­sichts der Ge­set­zes­be­gründung kei­nen Zwei­fel. Die­se hätten mit dem Ver­weis in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW auf Satz 1 die­ser Be­stim­mung hin­rei­chen­den Aus­druck im Ge­set­zes­wort­laut ge­fun­den. Im Übri­gen führe die im vor­lie­gen­den Fall vor­ge­nom­me­ne „ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung" zwangsläufig zu ei­ner Lai­zi­sie­rung der Schu­le, oh­ne dass klar sei, ob der Ge­setz­ge­ber die­se Kon­se­quenz tatsächlich ha­be zie­hen wol­len. Die Ma­te­ria­li­en zeig­ten, dass die par­la­men­ta­ri­sche Mehr­heit dies ge­ra­de ha­be ver­mei­den wol­len. Des­we­gen könne sich die Ver­fas­sungs­wid­rig­keit auch nicht al­lein auf § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW er­stre­cken, da dies ei­ne stren­ge­re Neu­tra­litätskon­zep­ti­on zur Fol­ge hätte, als sie der Ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tigt ha­be. Die­ser ha­be ein ge­ne­rel­les Ver­bot re­li­giöser Be­klei­dung nur er­las­sen wol­len, wenn es zu­gleich ge­lin­ge, Sym­bo­le der christ­li­chen und abendländi­schen Tra­di­ti­on aus­zu­neh­men.

b) Die an­ge­grif­fe­nen Ge­richts­ent­schei­dun­gen sei­en ver­fas­sungs­wid­rig, weil die Ge­rich­te § 57 Abs. 4 43 SchulG NW nicht ver­fas­sungs­kon­form da­hin­ge­hend aus­ge­legt hätten, dass ei­ne kon­kre­te Abwägung im Rah­men ei­ner Ein­zel­fall­prüfung ge­bo­ten sei.

aa) Der Ein­griff in ih­re Re­li­gi­ons­frei­heit wie­ge be­son­ders schwer, da die Verhüllung ih­res Haa­res für sie ei­ne un­be­dingt zu wah­ren­de re­li­giöse Pflicht sei, die ihr in ih­rem Kern unmöglich ge­macht wer­de. Un­abhängig da­von sei auch der Kern ih­rer Persönlich­keits­bil­dung be­trof­fen, da sie nicht mehr über die Reich­wei­te ih­res Scha­memp­fin­dens be­stim­men könne.

bb) Der Ein­griff könne nicht ge­recht­fer­tigt wer­den. Das Ge­setz selbst be­nen­ne als Ziel der Re­ge­lung die Si­che­rung des Schul­frie­dens und die Wah­rung der staat­li­chen Neu­tra­lität. Der Schul­frie­de sei al­ler­dings kein un­mit­tel­bar geschütz­tes ver­fas­sungs­recht­li­ches Rechts­gut, son­dern nur das Ziel ei­nes Aus­gleichs mit an­de­ren ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechtsgütem. Glei­ches gel­te für das Prin­zip der staat­li­chen Neu­tra­lität. In die Abwägung ein­zu­stel­len sei­en je­doch die Grund­rechts­po­si­tio­nen von El­tern und Schülern.

Zen­tral für die Ent­schei­dung des Lan­des­ge­setz­ge­bers sei ei­ne abs­trak­te und pau­scha­le Ge­fah­ren­pro­gno­se, der­zu­fol­ge äußere Zei­chen re­li­giöser Zu­gehörig­keit den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität gefähr­de­ten. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts sei aber die Kol­li­si­on ei­nes vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Grund­rechts mit an­de­ren Ver­fas­sungsgütern stets durch ei­ne Abwägung al­ler Umstände des Ein­zel­falls im We­ge prak­ti­scher Kon­kor­danz auf­zulösen. Ei­ne abs­trak­te Abwägungs­ent­schei­dung und da­mit ein pau­scha­les Ver­bot wer­de auch nicht durch das Kopf­tuch-Ur­teil des Zwei­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282) zu­ge­las­sen. Ein pau­scha­les Ver­bot sei zu­dem nicht er­for­der­lich und da­mit un­verhält­nismäßig, weil es sich selbst dann noch durch­set­ze, wenn im kon­kre­ten Ein­zel­fall kei­ner­lei Störun­gen oder Be­ein­träch­ti­gun­gen wi­der­strei­ten­der Ver­fas­sungsgüter er­kenn­bar sei­en. Das sei vor­lie­gend aber an­ge­sichts ih­rer, der Be­schwer­deführe­rin, zehnjähri­gen kon­flikt­frei­en Dienst­zeit der Fall. Sie ha­be zu­dem mögli­che Kon­flik­te ge­ra­de da­durch zu entschärfen ver­sucht, dass sie auf ein Kopf­tuch ver­zich­te. Die von ihr ge­tra­ge­ne Wollmütze sei kein aus sich her­aus verständ­li­ches re­li­giöses Sym­bol und stel­le zu­dem ge­ra­de ein po­si­ti­ves Be­kennt­nis zu re­li­giöser Neu­tra­lität und To­le­ranz dar. Zu­dem könne durch den Ver­zicht auf ei­ne Ein­zel­fall­abwägung Ver­trau­ens­schutz­ge­sichts­punk­ten nicht hin­rei­chend Rech­nung ge­tra­gen wer­den, so­weit das Kopf­tuch­ver­bot Per­so­nen be­tref­fe, für die die­ses - wie für sie - zum Zeit­punkt der Dienst­auf­nah­me nicht ab­seh­bar ge­we­sen sei.

Ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Ein­schränkung sei ge­bo­ten und könne dar­an an­knüpfen, dass nach § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW die Be­kun­dung ge­eig­net sein müsse, die geschütz­ten Rechtsgüter zu be­ein­träch­ti­gen. Die­se Be­ein­träch­ti­gung las­se sich auch kon­kret ver­ste­hen. Das ste­he nicht im Wi­der­spruch zum Wil­len des Ge­setz­ge­bers, son­dern re­du­zie­re le­dig­lich das von ihm be­ab­sich­tig­te Ver­bot auf das ver­fas­sungs­recht­lich zulässi­ge Maß.

c) Die Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ver­let­ze Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG. Das Ge­richt ha­be sei­ne Fest­stel­lung, ein abs­trak­tes Kopf­tuch­ver­bot oh­ne Ein­zel­fall­prüfung sei nach § 8 AGG zulässig, nicht tref­fen dürfen, oh­ne die Fra­ge, ob dies mit Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG ver­ein­bar sei, dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof vor­zu­le­gen. Die Vor­la­ge­pflicht nach Art. 234 Abs. 3 EGV (jetzt Art. 267 AEUV) sei in un­halt­ba­rer Wei­se ge­hand­habt wor­den, weil der Ge­richts­hof die­se Fra­ge in sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung noch nicht erschöpfend be­ant­wor­tet ha­be und das Bun­des­ar­beits­ge­richt sich hier­mit in kei­ner Wei­se aus­ein­an­der­ge­setzt ha­be.

 

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2. Das Ver­fah­ren 1 BvR 1181/10 (Be­schwer­deführe­rin zu II.)

Die Be­schwer­deführe­rin zu II.) rügt ei­ne Ver­let­zung von Art. 2 Abs. 1 in Ver­bin­dung mit Art. 1 Abs. 1, Art. 3 Abs. 1 und 3, von Art. 4 Abs. 1 und 2 in Ver­bin­dung mit Art. 12 Abs. 1, so­wie von Art. 33 Abs. 2 und 3 GG und Art. 9 und Art. 14 EM­RK durch die mit­tel­bar an­ge­grif­fe­nen Vor­schrif­ten so­wie durch die an­ge­grif­fe­nen Ge­richts­ent­schei­dun­gen. Über­dies macht sie ei­ne Ver­let­zung von Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG durch das Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts gel­tend.

a) Nach den ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen sei das Ver­bot des Tra­gens ei­nes re­li­giösen Sym­bols be­reits dann ge­recht­fer­tigt, wenn ihm nach ei­ner be­lie­bi­gen In­ter­pre­ta­ti­onsmöglich­keit ein Aus­sa­ge­ge­halt zu­ge­dacht wer­den könne, der ge­eig­net sei, die staat­li­che Neu­tra­lität oder den Schul­frie­den zu stören. Da auf die­ser Grund­la­ge mus­li­mi­schen Leh­re­rin­nen das Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs un­ter­sagt wer­de, das ele­men­ta­rer Be­stand­teil ei­ner am Is­lam aus­ge­rich­te­ten Le­bens­wei­se sei, wer­de hier­durch der Schutz des Grund­rechts aus Art. 4 GG stark verkürzt.

Dies sei je­doch nicht er­for­der­lich. Be­trach­te man das Kopf­tuch als ein bloßes Zei­chen für ei­ne Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit, könne es die staat­li­che Neu­tra­lität nicht gefähr­den. Die­se selbst sei eben­so wie der Schul­frie­de kein kol­li­die­ren­des Gut von Ver­fas­sungs­rang, son­dern lei­te sich le­dig­lich aus dem Schutz­ge­halt der ne­ga­ti­ven Re­li­gi­ons­frei­heit ab. Sie sei als ein an den Staat adres­sier­tes Abwägungs­ziel be­zie­hungs­wei­se als Abwägungs­grund­satz zu ver­ste­hen, um den Re­li­gi­ons­frie­den in der Ge­sell­schaft zu gewähr­leis­ten. Auch sei zu berück­sich­ti­gen, dass das Tra­gen des Kopf­tuchs dem Staat nicht zu­zu­rech­nen sei und nicht zwin­gend den Schul­frie­den gefähr­den müsse. Dies wer­de am vor­lie­gen­den Fall be­son­ders deut­lich, da sie, die Be­schwer­deführe­rin, im Rah­men ei­nes frei­wil­li­gen Schul­an­ge­bots un­ter­rich­te, al­le ih­rer Schüler Mus­li­me sei­en, sie als Kopf­tuchträge­rin ein­ge­stellt wor­den sei und bis­lang be­an­stan­dungs­frei un­ter­rich­tet ha­be. Vor die­sem Hin­ter­grund genüge es, wenn bei ei­ner Störung des Schul­frie­dens im Ein­zel­fall ein­ge­grif­fen wer­de.

Der Ein­griff in ih­re Grund­rech­te sei nicht an­ge­mes­sen. Der Ver­zicht auf das Kopf­tuch ver­ur­sa­che für ei­ne gläubi­ge Mus­li­min ei­nen star­ken Ge­wis­sens­kon­flikt. Ihr wer­de an­ge­son­nen, ih­ren Be­ruf auf­zu­ge­ben, was auch ei­nen Ein­griff in Art. 12 GG dar­stel­le. Über­dies wer­de sie in ih­rem all­ge­mei­nen Persönlich­keits­recht ver­letzt, weil sie ihr äußeres Er­schei­nungs­bild nicht mehr frei wählen könne. Da es aber in ers­ter Li­nie um das vor­be­halt­lo­se Grund­recht des Art. 4 GG ge­he, sei nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts ei­ne Ein­zel­fall­abwägung bei der Her­stel­lung prak­ti­scher Kon­kor­danz not­wen­dig. Zu berück­sich­ti­gen sei da­bei, dass sie als An­ge­stell­te nicht den glei­chen Loya­litäts­pflich­ten un­ter­lie­ge wie Be­am­te und dass ihr Ver­trau­ens­schutz zu­kom­me, weil sie schon bei ih­rer Ein­stel­lung ein Kopf­tuch ge­tra­gen ha­be.

b) Darüber hin­aus lie­ge ei­ne Ver­let­zung von Art. 3 Abs. 3 und Art. 33 Abs. 3 GG vor, weil § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW abendländi­sche und christ­li­che Kul­tur­wer­te pri­vi­le­gie­re. Der Ge­setz­ge­ber ha­be klar zum Aus­druck ge­bracht, dass das Tra­gen christ­li­cher Or­dens­klei­dung auf die­ser Grund­la­ge nicht ver­bo­ten sein sol­le. Hier­in lie­ge ei­ne Be­nach­tei­li­gung mus­li­mi­scher Leh­re­rin­nen aus re­li­giösen Gründen, die nicht ge­recht­fer­tigt sei. Fak­tisch wer­de je­der Schüler in An­se­hung ei­ner Leh­re­rin in Or­dens­tracht de­ren Iden­ti­fi­ka­ti­on mit ih­rer Re­li­gi­on eben­so aus­ge­setzt wie im Fall des Tra­gens ei­nes Kopf­tuchs. Ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Vor­schrift ver­bie­te sich we­gen des aus­drück­lich zu­ta­ge ge­tre­te­nen Wil­lens des Ge­setz­ge­bers.

c) Die an­ge­grif­fe­ne Re­ge­lung ver­s­toße des Wei­te­ren ge­gen § 7 Abs. 1 AGG, der als bun­des­recht­li­che Re­ge­lung dem § 57 Abs. 4 SchulG NW vor­ge­he (Art. 31 GG). Die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung sei nicht nach § 8 AGG ge­recht­fer­tigt. Es han­de­le sich bei dem Kopf­tuch­ver­bot nicht um ein ent­schei­den­des Merk­mal für die be­ruf­li­che Tätig­keit ei­ner Leh­re­rin. Schon ihr bis­her be­an­stan­dungs­frei ge­blie­be­ner Un­ter­richt zei­ge, dass dies nicht der Fall sei. Im Übri­gen müsse der Staat eben­so wie die Ge­sell­schaft auch schlich­te re­li­giöse Be­kun­dun­gen hin­neh­men.

d) Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be die Vor­la­ge­pflicht zum Eu­ropäischen Ge­richts­hof ver­letzt, weil die­ser die Fra­ge ei­ner pau­scha­len oder ein­zel­fall­be­zo­ge­nen Aus­le­gung von Art. 4 Abs. 1 der Richt­li­nie 2000/78/EG noch nicht ent­schie­den ha­be.

IV.

 

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Zu den Ver­fas­sungs­be­schwer­den ha­ben Stel­lung ge­nom­men das Mi­nis­te­ri­um für Schu­le und 56 Wei­ter­bil­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len für die Lan­des­re­gie­rung, die Nie­dersäch­si­sche Staats­kanz­lei für die Lan­des­re­gie­rung, das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt, der Dach­ver­band Frei­er Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten e.V. (DFW), das Ak­ti­onsbünd­nis mus­li­mi­scher Frau­en e.V. (amf), die Ale­vi­ti­sche Ge­mein­de Deutsch­land e.V., der Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung e.V. (VBE), der In­ter­na­tio­na­le Bund der Kon­fes­si­ons­lo­sen und Athe­is­ten e.V. (IB­KA), die Türkisch-Is­la­mi­sche Uni­on der An­stalt für Re­li­gi­on e.V. (DITIB) und der Zen­tral­rat der Ju­den in Deutsch­land K.d.ö.R.

1. Das Mi­nis­te­ri­um für Schu­le und Wei­ter­bil­dung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len ver­weist dar­auf, dass zu den mit­tel­bar an­ge­grif­fe­nen Vor­schrif­ten die un­ter­schied­lichs­ten Rechts­auf­fas­sun­gen ver­tre­ten würden. Die­se Zer­ris­sen­heit ha­be sich sei­ner­zeit in den De­bat­ten des Land­tags im Zu­ge des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens ab­ge­bil­det. Des­halb sei es aus­drück­lich zu be­grüßen, dass sich das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nun­mehr mit der Ma­te­rie be­fas­sen und für Rechts­klar­heit sor­gen wer­de.

2. Die Nie­dersäch­si­sche Staats­kanz­lei geht in ih­rer Stel­lung­nah­me zunächst auf die Vor­schrift des nie­dersäch­si­schen Schul­ge­set­zes ein, die in § 51 Abs. 3 NSchG das äußere Er­schei­nungs­bild von Lehr­kräften re­gelt und er­ach­tet die­se für ver­fas­sungs­gemäß. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Be­schwer­deführe­rin­nen könne der Ge­setz­ge­ber für Klei­dungsstücke und äußere Zei­chen, die of­fen­sicht­lich aus welt­an­schau­lich-re­li­giösen Mo­ti­ven ge­tra­gen würden, ein ge­ne­rel­les Ver­bot an­ord­nen, so dass ei­ne Ein­zel­fall­prüfung ent­behr­lich sei. Dies er­ge­be sich aus der Kopf­tuch-Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282). Et­was an­de­res gel­te in den Fällen, in de­nen un­klar sei, ob ei­ner Be­klei­dung oder ei­nem Zei­chen ein re­li­giöser oder welt­an­schau­li­cher Aus­sa­ge­ge­halt zu­kom­me. Dies sei von der Schul­behörde vom ob­jek­ti­ven Empfänger­ho­ri­zont aus zu be­ur­tei­len.

Die Be­stim­mung löse das un­ver­meid­li­che Span­nungs­verhält­nis der in Re­de ste­hen­den Grund­rech­te un­ter Berück­sich­ti­gung des To­le­ranz­ge­bots in an­ge­mes­se­ner Wei­se auf. Der Ge­setz­ge­ber ha­be sich in An­leh­nung an die Kopf­tuch-Ent­schei­dung (BVe­ri­GE 108, 282) dar­an ori­en­tiert, dass ei­ner­seits Art. 7 GG im Be­reich des Schul­we­sens welt­an­schau­lich-re­li­giöse Ein­flüsse un­ter Wah­rung des Er­zie­hungs­rechts der El­tern zu­las­se und dass an­de­rer­seits Art. 4 GG ge­bie­te, bei der Ent­schei­dung für ei­ne be­stimm­te Schul­form welt­an­schau­lich-re­li­giöse Zwänge so weit wie möglich aus­zu­schal­ten. Da­mit sei ein Mit­tel­weg ein­ge­schla­gen wor­den. Den Lehr­kräften sei grundsätz­lich zu­ge­stan­den, ih­re Glau­bens­frei­heit auch im Dienst aus­zuüben. Die­se wer­de erst dort ein­ge­schränkt, wo Zwei­fel an der neu­tra­len Erfüllung des staat­li­chen Bil­dungs­auf­trags aufkämen. Dies sei et­wa dann der Fall, wenn ei­ne Lehr­kraft im Dienst ein is­la­mi­sches Kopf­tuch oder ei­ne Bur­ka tra­ge. Wären sol­che re­li­giösen Kul­tus­hand­lun­gen zulässig, lie­fe die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüler ins Lee­re. Da die­se ver­pflich­tet sei­en, am Schul­be­trieb teil­zu­neh­men, könn­ten sie welt­an­schau­lich-re­li­giösen Hand­lun­gen der Lehr­kräfte nicht aus dem We­ge ge­hen. Das el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht in re­li­giösen Fra­gen wer­de eben­falls un­zulässig verkürzt. Für den welt­an­schau­lich-re­li­giösen Be­reich be­deu­te das To­le­ranz­ge­bot, dass Schüler an öffent­li­chen Schu­len zwar mit ver­schie­de­nen welt­an­schau­lich-re­li­giösen Auf­fas­sun­gen und Be­kun­dun­gen in Berührung kom­men dürf­ten und soll­ten, aber in ei­ner maßvol­len und nicht et­wa auf­dring­li­chen oder er­drücken­den Wei­se. Die­ses Er­geb­nis ent­spre­che der prak­ti­schen Kon­kor­danz.

Folg­lich sei § 57 Abs. 4 SchulG NW grundsätz­lich als ver­fas­sungs­gemäß an­zu­se­hen. So­weit al­ler­dings § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW in Re­de ste­he, wer­de von ei­ner Stel­lung­nah­me ab­ge­se­hen, da in Nie­der­sach­sen auf ei­ne ver­gleich­ba­re Re­ge­lung be­wusst ver­zich­tet wor­den sei.

3. Die Präsi­den­tin des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts hat Stel­lung­nah­men des dor­ti­gen 2. und 6. Re­vi­si­ons­se­nats über­mit­telt. Der 2. Re­vi­si­ons­se­nat teilt mit, dass er mit den an­ge­grif­fe­nen Re­ge­lun­gen selbst bis­her nicht be­fasst ge­we­sen sei. Im Übri­gen ver­weist er auf sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung zu § 38 Abs. 2 SchulG BW und § 59b Abs. 4 Bre­mSchulG (BVerw­GE 121, 140; 131, 242). Der 6. Re­vi­si­ons­se­nat weist auf ei­ne Ent­schei­dung über die Be­frei­ung ei­ner mus­li­mi­schen Schüle­rin vom ko­edu­ka­ti­ven Sport­un­ter­richt aus Gründen der Be­fol­gung is­la­mi­scher Be­klei­dungs­vor­schrif­ten hin (BVerw­GE 94, 82). Die Erwägun­gen die­ser Ent­schei­dung sei­en auf die hier vor­lie­gen­de Pro­ble­ma­tik aber nicht über­trag­bar.

4. Der Dach­ver­band Frei­er Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten e.V. (DFW) hält § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW für ver­fas­sungs­wid­rig. Die Aus­klam­me­rung christ­li­cher und abendländi­scher Kul­tur­wer­te aus dem Be­kun­dungs­ver­bot ver­s­toße ge­gen das Neu­tra­litäts­ge­bot des Staa­tes und sei un­zulässig ge­gen

 

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den Is­lam ge­rich­tet. Ei­ne ein­sei­ti­ge Her­vor­he­bung christ­li­cher Kul­tur­wer­te gründe auf ei­ner ideo­lo­gisch ge­prägten Dar­stel­lung der eu­ropäischen Kul­tur­ge­schich­te selbst, die auf noch an­de­ren Re­li­gio­nen als al­lein der christ­li­chen be­ru­he. Für die Bei­be­hal­tung der übri­gen Re­ge­lun­gen der Vor­schrift sprächen al­ler­dings die Grund­rech­te von Schülern und El­tern.

5. Das Ak­ti­onsbünd­nis mus­li­mi­scher Frau­en e.V. (amf) meint, § 57 Abs. 4 SchulG NW sei ver­fas­sungs­wid­rig. Er miss­ach­te die Vor­ga­ben des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts aus der Kopf­tuch-Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats (BVerfGE 108, 282). Die Vor­schrift ver­let­ze die staat­li­che Neu­tra­litäts­pflicht, weil sie Re­li­gio­nen un­gleich be­han­de­le. Das Kopf­tuch wer­de - ent­ge­gen dem Sinn­ge­halt, den die ein­zel­nen Be­trof­fe­nen und der Is­lam ihm gäben - auf ei­ne dem Ge­setz­ge­ber ge­neh­me, nämlich ei­ne nicht mit der Ver­fas­sung kom­pa­ti­ble Deu­tung re­du­ziert. Die not­wen­di­gen em­pi­ri­schen Be­le­ge für ei­ne be­ein­flus­sen­de und den Schul­frie­den stören­de Wir­kung des Kopf­tuchs sei­en nicht er­bracht wor­den. Da­bei ha­be in Nord­rhein-West­fa­len von 1970 bis 2010 ei­ne Grund­schul­leh­re­rin mit Kopf­tuch un­ter­rich­tet, so dass ein sol­cher Nach­weis möglich ge­we­sen wäre.

Das Kopf­tuch­ver­bot ha­be ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Wir­kung. Es tref­fe aus­sch­ließlich Frau­en und un­ter ih­nen wie­der­um nur die­je­ni­gen, die ein Kopf­tuch trügen. Auch ha­be das Ge­setz da­zu geführt, dass die tatsächli­che Durch­set­zung der Gleich­be­rech­ti­gung für Kopf­tuch tra­gen­de Frau­en nicht nur im Schul­be­reich unmöglich ge­wor­den sei und dass Nach­tei­le ge­schaf­fen wor­den sei­en, die es zu­vor nicht in die­ser Aus­prägung ge­ge­ben ha­be. Sch­ließlich sei­en mus­li­mi­sche Frau­en in­so­weit be­nach­tei­ligt, als an­de­ren Re­li­gio­nen das Kopf­tuch als Teil der Re­li­gi­ons­ausübung un­be­kannt sei. Das Kopf­tuch­ver­bot ha­be aus selbst­be­wuss­ten, in­te­grier­ten und öko­no­misch un­abhängi­gen Frau­en ver­un­si­cher­te, aus­ge­grenz­te und abhängi­ge Frau­en ge­macht; es ha­be sol­che, die ein nicht-tra­di­tio­nel­les Rol­len­bild ge­lebt hätten, in ein tra­di­tio­nel­les ge­zwun­gen und mus­li­mi­schen Schüle­rin­nen, die ein Kopf­tuch tra­gen woll­ten, ge­zeigt, dass sie sich zwi­schen Kopf­tuch und Kar­rie­re ent­schei­den müss­ten.

Die Er­fah­run­gen, die Kopf­tuch tra­gen­de Leh­re­rin­nen nach In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes ge­macht hätten, be­schreibt das Ak­ti­onsbünd­nis wie folgt: Zu Be­ginn sei das Kopf­tuch­ver­bot im schu­li­schen Um­feld weit­ge­hend auf Un­verständ­nis ges­toßen. Das Kli­ma ha­be sich im Lau­fe der Zeit aber als Fol­ge der emo­tio­na­len Dis­kus­si­on ein­ge­trübt. Die Si­tua­ti­on der Leh­re­rin­nen, die we­gen der lau­fen­den Ver­fah­ren noch mit Kopf­tuch un­ter­rich­ten dürf­ten, ge­stal­te sich auch dann schwie­ri­ger, wenn ei­ne ver­meint­lich mus­li­mi­sche Leh­re­rin in das Kol­le­gi­um ein­tre­te, die kein Kopf­tuch tra­ge, weil die­se ih­nen als „Vor­bild" vor­ge­hal­ten wer­de. Auch lai­zis­tisch ge­prägte türki­sche Leh­re­rin­nen re­agier­ten oft ab­leh­nend. Das so­zia­le Um­feld der be­trof­fe­nen Frau­en sei hin­ge­gen be­reit, je­de ih­rer Ent­schei­dun­gen zu un­terstützen, auch das Ab­le­gen des Kopf­tuchs. Zu­wei­len wer­de durch Fa­mi­li­en­an­gehöri­ge dar­auf so­gar ge­drängt, da­mit das Ein­kom­men der Frau­en nicht weg­fal­le.

Un­verständ­lich und mit dem Ge­setz un­ver­ein­bar sei es, wenn die Schul­ver­wal­tung das Tra­gen ei­ner Mütze als Kom­pro­miss nicht zu­las­se. Denn ei­ne ver­fas­sungs­recht­lich be­denk­li­che Si­gnal­wir­kung könne von die­ser nicht aus­ge­hen. Glei­ches gel­te für al­ter­na­ti­ve Bin­de­tech­ni­ken des Kopf­tuchs. Ge­dul­det wer­de von den Behörden al­len­falls das al­ter­na­ti­ve Tra­gen ei­ner Perücke, wenn die­se aus ech­tem Haar sei und des­halb nicht künst­lich wir­ke, die Oh­ren nicht be­de­cke und da­zu kein Schal oder Roll­kra­gen ge­tra­gen wer­de; al­ler­dings sei un­klar, ob tatsächlich al­le die­se Be­din­gun­gen durch­ge­setzt würden. Die Leh­re­rin­nen, die sich hier­zu be­rei­terklärt hätten, hätten dies nur ge­tan, weil der Ver­lust des Ar­beits­plat­zes für sie zu in­ak­zep­ta­blen öko­no­mi­schen Kon­se­quen­zen geführt hätte.

Die Leh­re­rin­nen, die ih­re Tätig­keit hätten auf­ge­ben müssen, hätten zu­vor ver­schie­dent­lich Aus­weich­ver­su­che un­ter­nom­men. Im schul­na­hen Be­reich hätten sie da­bei je­doch oft die Er­fah­rung ge­macht, dass das Kopf­tuch­ver­bot wohl mit Rück­sicht auf die ver­meint­lich im Ge­setz zum Aus­druck kom­men­de Mehr­heits­mei­nung auch dort fak­tisch an­ge­wen­det wer­de, wo es ei­gent­lich nicht gel­te. Selbst Pri­vat­schu­len sei­en nicht be­reit, Aus­nah­men zu­zu­las­sen.

6. Die Ale­vi­ti­sche Ge­mein­de Deutsch­land e.V. erklärt, sie sei ge­gen das Kopf­tuch­t­ra­gen von Leh­re­rin­nen oder An­ge­stell­ten des öffent­li­chen Diens­tes, da der Staat in die­sem Be­reich sei­ne strik­te Neu­tra­lität wah­ren müsse. Mädchen soll­ten sich frei ent­schei­den können, ob sie ein Kopf­tuch tra­gen woll­ten oder nicht. Tra­ge ei­ne Leh­re­rin als Au­to­ritäts­per­son ein Kopf­tuch, könne das Schüle­rin­nen un­ter Druck set­zen und ih­re Ent­schei­dungs­frei­heit be­ein­träch­ti­gen. Die­se Vor­bild­wir­kung könne auch da­zu führen, dass die Fa­mi­lie Druck auf die Schüle­rin­nen ausübe. Ale­vi­ti­sche Mädchen, für die das Kopf­tuch kei­ne re­li­giöse Pflicht sei, er­leb­ten das Kopf­tuch in der Schu­le oft als dis­kri­mi­nie­rend, weil ih­nen von

 

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mus­li­mi­schen Mitschüle­rin­nen die Ver­let­zung re­li­giöser Re­geln vor­ge­wor­fen wer­de. Schon der Druck, der hier von an­de­ren Schüle­rin­nen aus­geübt wer­de, sei groß. In­so­fern wer­de die Wahl­frei­heit von Schüle­rin­nen durch Kopf­tuch tra­gen­de Leh­re­rin­nen enorm be­ein­träch­tigt.

7. Der Ver­band Bil­dung und Er­zie­hung e.V. (VBE) hält die Ver­fas­sungs­be­schwer­den für un­be­gründet. § 57 Abs. 4 SchulG NW sei ei­ne ver­tret­ba­re und pra­xis­ori­en­tier­te Re­ge­lung, de­ren Be­stand befürwor­tet wer­de. Ge­ra­de in Nord­rhein-West­fa­len zei­ge sich, dass die Schu­le ver­mehrt zu ei­nem Ort wer­de, der mit un­ter­schied­li­chen po­li­ti­schen, re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen Über­zeu­gun­gen kon­fron­tiert wer­de. Es sei wich­tig, dass der Staat ei­ne neu­tra­le Hal­tung ein­neh­me, um das Recht al­ler Schüler auf Er­zie­hung wahr­neh­men zu können. Aus der prak­ti­schen Er­fah­rung wis­se man, dass das Kopf­tuch ei­ner Leh­re­rin bei Schülern und de­ren El­tern oft ab­leh­nen­de Re­ak­tio­nen her­vor­ru­fe. Dass es den Zu­gang zu be­stimm­ten Grup­pen von Schülern und El­tern er­leich­te­re, sei nicht von Be­deu­tung; denn es ge­he ge­ra­de um die Neu­tra­lität des Leh­rers ge­genüber al­len Grup­pen. Ge­rin­ge­re An­for­de­run­gen an an­ge­stell­te Lehr­kräfte sei­en dies­bezüglich nicht an­ge­zeigt, zu­mal auch der Ta­rif­ver­trag die Treue­pflicht ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber ent­hal­te. Auch So­zi­alpädago­gen übernähmen sen­si­ble ho­heit­li­che Auf­ga­ben und verträten den öffent­li­chen Dienst nach außen. Die Fra­ge ei­ner Pri­vi­le­gie­rung an­de­rer Re­li­gio­nen bedürfe noch der Klärung. Al­ler­dings ge­he es, wie die prak­ti­sche Er­fah­rung zei­ge, ei­ner Non­ne im Ha­bit nicht um ei­ne persönli­che re­li­giöse Be­kun­dung, son­dern um das Tra­gen ei­ner alt­her­ge­brach­ten Tracht. Das Kopf­tuch sei hin­ge­gen stets ei­ne persönli­che re­li­giöse Be­kun­dung.

8. Der In­ter­na­tio­na­le Bund der Kon­fes­si­ons­lo­sen und Athe­is­ten e.V. (IB­KA) ist der An­sicht, ein all­ge­mei­nes Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch Leh­rer sei ver­fas­sungs­kon­form. Der hier­in lie­gen­de Grund­rechts­ein­griff sei ge­recht­fer­tigt. Der mit der Re­li­gi­ons­frei­heit gewähr­leis­te­te staats­freie Raum fin­de sei­ne Schran­ken je­den­falls dort, wo durch den Grund­recht­sträger der Staat selbst han­de­le. Dem Frei­heits­recht des Leh­rers tre­te nicht ein An­spruch des Staa­tes auf Neu­tra­lität ent­ge­gen, son­dern je­ne grund­recht­li­chen Ansprüche Drit­ter, die den Staat ver­pflich­te­ten. Als Re­präsen­tant des Staa­tes dürfe der Leh­rer nicht in ei­ner Wei­se in Grund­rech­te ein­grei­fen, die dem Staat selbst ver­bo­ten sei. Dies gel­te un­abhängig von der Art des Dienst­verhält­nis­ses. Der Staat sei be­rech­tigt, sei­ne Or­ga­ni­sa­ti­on so zu ge­stal­ten, dass die Ein­hal­tung der ihm auf­er­leg­ten Gren­zen durch die ein­zel­nen Amts­träger möglich sei. Da auch der Amts­träger grund­rechts­be­rech­tigt sei, dürfe nicht je­de re­li­giöse Äußerung ver­bo­ten wer­den, son­dern nur je­ne, die ge­eig­net sei, den Schul­frie­den zu stören. Ei­ne Ein­zel­fall­prüfung sei da­bei nicht zwin­gend, auch nicht im Lich­te der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung zu schran­ken­lo­sen Grund­rech­ten; denn die­se be­zie­he sich nicht auf die Grund­rechts­ausübung im Amt, so dass hier ei­ne en­ge­re Grenz­zie­hung nicht aus­ge­schlos­sen sei.

Mit Blick auf die Fest­stel­lung ei­ner Eig­nung der re­li­giösen Be­kun­dung, den re­li­giösen Frie­den zu stören, müsse gewähr­leis­tet sein, dass nicht je­de re­li­giöse Äußerung ver­bo­ten wer­de; ein fried­li­cher Dis­kurs müsse möglich blei­ben. Über­dies dürfe die Frie­dens­gefähr­dung nicht dem­je­ni­gen zur Last ge­legt wer­den, der die In­to­le­ranz an­de­rer auf sich zie­he.

Die Aus­nah­me­re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW sei ver­fas­sungs­wid­rig; ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me In­ter­pre­ta­ti­on schei­de aus. Schon die in Be­zug ge­nom­me­nen Vor­schrif­ten des Lan­des­ver­fas­sungs­rechts sei­en ver­fas­sungs­wid­rig. Das Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt sei auf­ge­for­dert, sei­ne Recht­spre­chung zur An­er­ken­nung des Chris­ten­tums als prägen­dem Kul­tur- und Bil­dungs­fak­tor auf­zu­ge­ben. Die Wer­te­ord­nung des Grund­ge­set­zes be­ru­he nicht auf dem Chris­ten­tum. So­weit kul­tu­rel­le Ele­men­te christ­li­chen Ur­sprungs sei­en, sei­en sie heu­te gänz­lich säku­la­ri­siert und dürf­ten des­halb nicht als Grund­la­ge ei­ner Pri­vi­le­gie­rung her­an­ge­zo­gen wer­den. Sch­ließlich ha­be sich die Ge­sell­schaft in den letz­ten Jah­ren so sehr ent­kirch­licht, dass nie­mand mehr ge­zwun­gen sei, mit Ele­men­ten christ­li­chen re­li­giösen Le­bens um­zu­ge­hen.

Die An­wen­dung des Kopf­tuch­ver­bots auf sons­ti­ge pädago­gi­sche Mit­ar­bei­ter sei un­be­denk­lich. Denn die­se hätten durch ih­re Schieds­funk­ti­on so­gar ei­ne höhe­re Au­to­rität als Leh­rer. In­so­fern sei es be­denk­lich, wenn gel­tend ge­macht wer­de, dass ge­ra­de durch das Kopf­tuch ei­ne höhe­re Ak­zep­tanz be­ste­he. Denn der schu­li­sche Er­zie­hungs­auf­trag be­ste­he auch dar­in, Re­spekt für Frau­en oh­ne Kopf­tuch zu er­wir­ken. Es sei zu befürch­ten, dass die Kehr­sei­te die­ser be­son­de­ren Ak­zep­tanz in ei­ner Bestärkung der Ab­leh­nung von Frau­en oh­ne Kopf­tuch lie­ge. Auch könne nicht ein­ge­wandt wer­den, dass das An­ge­bot für Schüler frei­wil­lig sei. Auf die­se Wei­se würden Schüler dis­kri­mi­niert, die das Kopf­tuch als Be­ein­träch­ti­gung ih­rer Rech­te ansähen. Glei­ches gel­te für den mut­ter­sprach­li­chen Ergänzungs­un­ter­richt.

 

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Hier könne we­der da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass al­le po­ten­ti­el­len Schüler Mus­li­me sei­en, noch dass al­le mus­li­mi­schen Schüle­rin­nen mit der Wir­kung, die von ei­ner kopf­tuch­t­ra­gen­den Leh­re­rin aus­ge­he, ein­ver­stan­den sei­en.

9. Die Türkisch-Is­la­mi­sche Uni­on der An­stalt für Re­li­gi­on e.V. (DITIB) hat fol­gen­de theo­lo­gi­sche Be­wer­tung ih­res Obers­ten Re­li­gi­ons­ra­tes mit­ge­teilt: Mus­li­mi­sche Frau­en müss­ten ab Ein­tritt der Pu­bertät in Ge­gen­wart von Männern, mit de­nen sie nicht ver­wandt sei­en und die zu ehe­li­chen ih­nen re­li­gi­ons­recht­lich er­laubt sei, ih­ren Körper - mit Aus­nah­me von Ge­sicht, Händen und Füßen - mit Klei­dung der­art be­de­cken, dass die Kon­tu­ren und Far­be des Körpers nicht zu se­hen sei­en. Der Kopf gel­te da­bei als be­deckt, wenn Haa­re und Hals vollständig be­deckt sei­en. Dies sei ein nach den Haupt­quel­len der Rechts­fin­dung im Is­lam (Ko­ran, Sun­na, Ge­lehr­ten­kon­sens und all­ge­mei­ner Übe­r­ein­kunft der Ge­mein­den) be­stimm­tes re­li­giöses Ge­bot de­fi­ni­ti­ver Qua­lität. In wel­cher Wei­se die vor­ge­schrie­be­ne Be­de­ckung er­fol­ge, sei al­lein die Ent­schei­dung der mus­li­mi­schen Frau. Das Tra­gen des Kopf­tuchs die­ne dem­nach aus­sch­ließlich der Erfüllung ei­nes re­li­giösen Ge­bots und ha­be darüber hin­aus für die Träge­rin we­der ei­nen sym­bo­li­schen Cha­rak­ter noch die­ne es der Be­kun­dung nach außen.

10. Der Zen­tral­rat der Ju­den in Deutsch­land K.d.ö.R. er­ach­tet das Ver­bot des Tra­gens ei­ner Mütze durch ei­ne Leh­re­rin für ver­fas­sungs­wid­rig. Mit Blick auf Art. 4 GG sei nicht er­sicht­lich, wel­che kon­kre­te Ge­fahr durch das Tra­gen ei­ner Mütze oder ei­nes Kopf­tuchs in Be­zug auf Rech­te Drit­ter ge­ge­ben sein könne. Es sei äußerst be­denk­lich, wenn es in Deutsch­land tatsächlich nicht möglich sein sol­le, in al­len Be­rei­chen er­kenn­bar zei­gen zu dürfen, wel­cher Re­li­gi­on man an­gehöre. Im vor­lie­gen­den Fall sei kei­ner­lei Ver­hal­ten er­kenn­bar, durch das Schüler oder El­tern gefähr­det wor­den sei­en.

Was § 57 Abs. 4 SchulG NW an­ge­he, sei un­ab­ding­bar, dass auf­grund der gra­vie­ren­den Be­ein­träch­ti­gung der Re­li­gi­ons­frei­heit je­der Ein­zel­fall ge­prüft wer­de. Die An­er­ken­nung der „christ­li­chen und abendländi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen" sei zu be­grüßen. Dies dürfe aber nicht zu ei­ner „Rang­fol­ge" von Re­li­gio­nen und An­schau­un­gen führen. Kei­nes­falls dürfe oh­ne ge­naue in­di­vi­du­el­le Prüfung pau­schal abs­trakt an­ge­nom­men wer­den, dass je­mand al­lein des­halb, weil er sicht­bar ei­ner be­stimm­ten Kul­tur oder Re­li­gi­on an­gehöre, als Gefähr­dung der Men­schenwürde, der Gleich­be­rech­ti­gung oder der frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­schen Grund­ord­nung an­ge­se­hen wer­de.

B.

Die zulässi­gen Ver­fas­sungs­be­schwer­den sind im We­sent­li­chen be­gründet. Die Vor­schrif­ten des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 und des § 58 Satz 2 SchulG NW sind in den 78 Fällen re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Pädago­gin­nen und Pädago­gen nur nach Maßga­be ei­ner der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) ge­recht wer­den­den ein­schränken­den In­ter­pre­ta­ti­on mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar. Die von den Be­schwer­deführe­rin­nen be­an­stan­de­ten ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen wer­den die­sen An­for­de­run­gen nicht ge­recht und ver­let­zen sie des­halb in ih­rem Grund­recht auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit. Der als Pri­vi­le­gie­rungs­vor­schrift zu­guns­ten christ­lich-abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen kon­zi­pier­te § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW steht nicht im Ein­klang mit dem Ver­bot der Be­nach­tei­li­gung aus re­li­giösen Gründen (Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 3 GG). Das lässt je­doch den Be­stand der Re­ge­lung im Übri­gen und die Möglich­keit der ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung der Sätze 1 und 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW un­berührt.

I.

Ge­gen­stand der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüfung sind die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Ar­beits­ge­rich­te und die ih­nen zu­grun­de lie­gen­de Ver­bots­be­stim­mung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, so­weit die­se re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild des pädago­gi­schen Per­so­nals be­trifft. Die Prüfung der Norm ist auch auf Satz 2 und Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW zu er­stre­cken, ob­gleich sich die Ar­beits­ge­rich­te aus­drück­lich nur auf das Be­kun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 gestützt ha­ben. Der Re­ge­lung liegt ein ein­heit­li­ches Kon­zept zu­grun­de. Dies kommt auch in der sprach­li­chen An­knüpfung des Sat­zes 2 an Satz 1 („Ins­be­son­de­re ...") zum Aus­druck. Der von den Be­schwer­deführe­rin­nen be­an­stan­de­te Satz 3 knüpft gleich­falls an Satz 1 an und ist in die Prüfung ein­zu­be­zie­hen, weil sei­ne Pri­vi­le­gie­rung christ­li­cher und jüdi­scher Re­li­gio­nen den Be­schwer­deführe­rin­nen

 

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bei der An­wen­dung des Sat­zes 1 gleich­heits­wid­rig nicht zu­gu­te kommt. Die den An­wen­dungs­be­reich der Norm auf sons­ti­ge, bei der Bil­dungs- und Er­zie­hungs­ar­beit mit­wir­ken­de pädago­gi­sche und so­zi­alpädago­gi­sche Mit­ar­bei­ter er­wei­tern­de Vor­schrift des § 58 Satz 2 SchulG NW ist Ge­gen­stand der Prüfung, weil sie im Fall der Be­schwer­deführe­rin zu I.) un­ver­zicht­ba­rer Teil der von den Ar­beits­ge­rich­ten an­ge­wand­ten Rechts­grund­la­ge ist.

II.

Die in den Aus­gangs­ver­fah­ren er­gan­ge­nen Ur­tei­le der Ar­beits­ge­rich­te be­ru­hen auf ei­ner ge­setz­li­chen Grund­la­ge, die der ein­schränken­den ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung be­darf. De­ren An­for­de­run­gen genügen die Ur­tei­le nicht. Ein Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild, das be­reits die abs­trak­te Ge­fahr ei­ner Be­ein­träch­ti­gung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität aus­rei­chen lässt, ist im Blick auf die Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Pädago­gen je­den­falls un­an­ge­mes­sen und da­mit un­verhält­nismäßig, wenn die Be­kun­dung nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend emp­fun­de­nes re­li­giöses Ge­bot zurückführ­bar ist. Er­for­der­lich ist viel­mehr ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr. Ei­ne ent­spre­chen­de ge­biets­be­zo­ge­ne, mögli­cher­wei­se auch lan­des­wei­te Un­ter­sa­gung kommt von Ver­fas­sungs we­gen für öffent­li­che be­kennt­nis­of­fe­ne Ge­mein­schafts­schu­len nur dann in Be­tracht, wenn ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die ge­nann­ten Schutzgüter im ge­sam­ten Gel­tungs­be­reich der Un­ter­sa­gung be­steht.

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat in bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren - wie im Er­geb­nis schon die Vor­in­stan­zen - an­ge­nom­men, das Ver­hal­ten der Be­schwer­deführe­rin­nen sei im Sin­ne von § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ge­eig­net, die Neu­tra­lität des Lan­des ge­genüber Schülern und El­tern so­wie den re­li­giösen Schul­frie­den zu gefähr­den. Das Ver­bot er­fas­se nicht erst Be­kun­dun­gen, die die Neu­tra­lität des Lan­des oder den re­li­giösen Schul­frie­den kon­kret gefähr­de­ten oder gar störten. Es sol­le schon ei­ner abs­trak­ten Ge­fahr vor­beu­gen, um kon­kre­te Gefähr­dun­gen gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen.

Ein so weit grei­fen­des Verständ­nis des Ver­bots führt für Fälle der vor­lie­gen­den Art zu ei­nem er­heb­li­chen Ein­griff in das Grund­recht auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit des pädago­gi­schen Per­so­nals, der in die­ser All­ge­mein­heit ver­fas­sungs­recht­lich nicht ge­recht­fer­tigt wer­den kann, weil er sich als un­verhält­nismäßig er­weist.

1. Der Schutz des Grund­rechts auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet auch den Pädago­gin­nen und Pädago­gen in der öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le die Frei­heit, den Re­geln ih­res Glau­bens gemäß ei­nem re­li­giösen Be­de­ckungs­ge­bot zu genügen, wie dies et­wa durch das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs der Fall sein kann, wenn dies hin­rei­chend plau­si­bel be­gründet wird.

a) Die Be­schwer­deführe­rin­nen können sich auch als An­ge­stell­te im öffent­li­chen Dienst auf ihr Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG be­ru­fen (eben­so für Be­am­te BVerfGE 108, 282 <297 f.>). Die Grund­rechts­be­rech­ti­gung der Be­schwer­deführe­rin­nen wird durch ih­re Ein­glie­de­rung in den staat­li­chen Auf­ga­ben­be­reich der Schu­le nicht von vorn­her­ein oder grundsätz­lich in Fra­ge ge­stellt. Der Staat bleibt zu­dem auch dann an die Grund­rech­te ge­bun­den, wenn er sich zur Auf­ga­ben­erfüllung zi­vil­recht­li­cher In­stru­men­te be­dient, wie das hier durch den Ab­schluss pri­vat­recht­li­cher Ar­beits­verträge mit den zur Erfüllung sei­nes Er­zie­hungs­auf­trags von ihm an­ge­stell­ten Pädago­gin­nen der Fall ist (Art. 1 Abs. 3 GG; vgl. BVerfGE 128, 226 <245>).

b) Art. 4 GG ga­ran­tiert in Ab­satz 1 die Frei­heit des Glau­bens, des Ge­wis­sens und des re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen Be­kennt­nis­ses, in Ab­satz 2 das Recht der un­gestörten Re­li­gi­ons­ausübung. Bei­de Absätze des Art. 4 GG ent­hal­ten ein um­fas­send zu ver­ste­hen­des ein­heit­li­ches Grund­recht (vgl. BVerfGE 24, 236 <245 f.>; 32, 98 <106>; 44, 37 <49>; 83, 341 <354>; 108, 282 <297>; 125, 39 <79>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 22. Ok­to­ber 2014 - 2 BvR 661/12 -, ju­ris, Rn. 98). Es er­streckt sich nicht nur auf die in­ne­re Frei­heit, zu glau­ben oder nicht zu glau­ben, das heißt ei­nen Glau­ben zu ha­ben, zu ver­schwei­gen, sich vom bis­he­ri­gen Glau­ben los­zu­sa­gen und ei­nem an­de­ren Glau­ben zu­zu­wen­den, son­dern auch auf die äußere Frei­heit, den Glau­ben zu be­kun­den und zu ver­brei­ten, für sei­nen Glau­ben zu wer­ben und an­de­re von ih­rem Glau­ben ab­zu­wer­ben (vgl. BVerfGE 12, 1 <4>; 24, 236 <245>; 105, 279 <294>; 123, 148 <177>). Um­fasst sind da­mit nicht al­lein kul­ti­sche Hand­lun­gen und die Ausübung und Be­ach­tung re­li­giöser Gebräuche, son­dern auch die re­li­giöse Er­zie­hung so­wie an­de­re Äußerungs­for­men

 

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des re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen Le­bens (vgl. BVerfGE 24, 236 <245 f.>; 93, 1 <17>). Da­zu gehört auch das Recht der Ein­zel­nen, ihr ge­sam­tes Ver­hal­ten an den Leh­ren ih­res Glau­bens aus­zu­rich­ten und die­ser Über­zeu­gung gemäß zu han­deln, al­so glau­bens­ge­lei­tet zu le­ben; dies be­trifft nicht nur im­pe­ra­ti­ve Glau­benssätze (vgl. BVerfGE 108, 282 <297> m.w.N.; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 22. Ok­to­ber 2014 - 2 BvR 661/12 -, ju­ris, Rn. 88).

Bei der Würdi­gung des­sen, was im Ein­zel­fall als Ausübung von Re­li­gi­on und Welt­an­schau­ung zu be­trach­ten ist, darf das Selbst­verständ­nis der je­weils be­trof­fe­nen Re­li­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten und des ein­zel­nen Grund­recht­strägers nicht außer Be­tracht blei­ben (vgl. BVerfGE 24, 236 <247 f.>; 108, 282 <298 f.>). Dies be­deu­tet je­doch nicht, dass jeg­li­ches Ver­hal­ten ei­ner Per­son al­lein nach de­ren sub­jek­ti­ver Be­stim­mung als Aus­druck der Glau­bens­frei­heit an­ge­se­hen wer­den muss. Die staat­li­chen Or­ga­ne dürfen prüfen und ent­schei­den, ob hin­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt ist, dass sich das Ver­hal­ten tatsächlich nach geis­ti­gem Ge­halt und äußerer Er­schei­nung in plau­si­bler Wei­se dem Schutz­be­reich des Art. 4 GG zu­ord­nen lässt, al­so tatsächlich ei­ne als re­li­giös an­zu­se­hen­de Mo­ti­va­ti­on hat. Dem Staat ist es in­des ver­wehrt, der­ar­ti­ge Glau­bensüber­zeu­gun­gen sei­ner Bürger zu be­wer­ten oder gar als „rich­tig" oder „falsch" zu be­zeich­nen; dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn hier­zu in­ner­halb ei­ner Re­li­gi­on di­ver­gie­ren­de An­sich­ten ver­tre­ten wer­den (vgl. BVerfGE 24, 236 <247 f.>; 33, 23 <29 f.>; 83, 341 <353>; 104, 337 <354 f.>; 108, 282 <298 f.>).

c) Die Mus­li­min­nen, die ein in der für ih­ren Glau­ben ty­pi­schen Wei­se ge­bun­de­nes Kopf­tuch tra­gen, können sich dafür auch bei der Ausübung ih­res Be­rufs in der öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le, aber auch für das Tra­gen ei­ner sons­ti­gen Be­klei­dung, durch die Haa­re und Hals nach­voll­zieh­bar aus re­li­giösen Gründen be­deckt wer­den, auf den Schutz der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG be­ru­fen (vgl. BVerfGE 108, 282 <298>).

Die bei­den Be­schwer­deführe­rin­nen ma­chen mit ih­ren Ver­fas­sungs­be­schwer­den ei­ne re­li­giöse Mo­ti­va­ti­on für das Tra­gen ih­rer Kopf­be­de­ckun­gen gel­tend. Sie be­zeich­nen de­ren Tra­gen als un­be­ding­te re­li­giöse Pflicht und als ele­men­ta­ren Be­stand­teil ei­ner am Is­lam ori­en­tier­ten Le­bens­wei­se.

Die­se re­li­giöse Fun­die­rung der Be­klei­dungs­wahl ist auch mit Rück­sicht auf die im Is­lam ver­tre­te­nen un­ter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen zum so­ge­nann­ten Be­de­ckungs­ge­bot nach geis­ti­gem Ge­halt und äußerer Er­schei­nung hin­rei­chend plau­si­bel. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, dass der ge­naue In­halt der Be­klei­dungs­vor­schrif­ten für Frau­en un­ter is­la­mi­schen Ge­lehr­ten durch­aus um­strit­ten ist. Es genügt, dass die­se Be­trach­tung un­ter den ver­schie­de­nen Rich­tun­gen des Is­lam ver­brei­tet ist und ins­be­son­de­re auf zwei Stel­len im Ko­ran (Su­re 24, Vers 31; Su­re 33, Vers 59) zurück­geführt wird (vgl. Asad, Die Bot­schaft des Ko­ran - Über­set­zung und Kom­men­tar, 2009, S. 676 f., 810; vgl. auch Hei­ne, Klei­der­ord­nung, in: Hand­buch Recht und Kul­tur des Is­lams in der deut­schen Ge­sell­schaft, 2000, S. 184 <186 f.>). Ein Be­de­ckungs­ge­bot wird im Is­lam teil­wei­se auch als un­be­ding­te Pflicht ein­ge­ord­net (vgl. Khou­ry, Das is­la­mi­sche Rechts­sys­tem, in: Hand­buch Recht und Kul­tur des Is­lams in der deut­schen Ge­sell­schaft, 2000, S. 37 <52>). Un­ter die­sen Umständen kommt es nicht dar­auf an, dass an­de­re Rich­tun­gen des Is­lam ein als ver­pflich­tend gel­ten­des Be­de­ckungs­ge­bot für Frau­en nicht ken­nen (vgl. BVerfGE 108, 282 <298 f.>).

2. Die auf § 57 Abs. 4 (im Fall der Be­schwer­deführe­rin zu I.) i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW gestütz­te, von den an­ge­grif­fe­nen Ge­richts­ent­schei­dun­gen bestätig­te Un­ter­sa­gung des Tra­gens der in Re­de ste­hen­den Kopf­be­de­ckun­gen er­weist sich an­ge­sichts des von den Be­schwer­deführe­rin­nen als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen re­li­giösen Be­de­ckungs­ge­bots als schwer­wie­gen­der Ein­griff in ihr Grund­recht auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit.

a) Die Ein­ord­nung des Tra­gens von Klei­dungsstücken als äußere re­li­giöse Be­kun­dung im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW be­ruht auf ei­ner zunächst den Fach­ge­rich­ten ob­lie­gen­den Aus­le­gung des ein­fa­chen Rechts, die für sich ge­nom­men ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist.

Das Tat­be­stands­merk­mal der „äußeren Be­kun­dung" im Sin­ne der ein­fach­ge­setz­li­chen Ein­griffs­grund­la­ge des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ist nicht auf ver­ba­le Äußerun­gen be­schränkt. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt lässt in­so­weit nach­voll­zieh­bar je­de „be­wuss­te, an die Außen­welt ge­rich­te­te Kund­ga­be ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung" genügen und stellt zur Er­mitt­lung des Erklärungs­werts ei­ner Kund­ga­be auf die­je­ni­gen Deu­tungsmöglich­kei­ten ab, die für ei­ne nicht un­er­heb­li­che Zahl von Be­trach­tern na­he liegt. Die­ses auf den kom­mu­ni­ka­ti­ven Cha­rak­ter ei­ner „äußeren Be­kun­dung" im Sin­ne des § 57

 

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Abs. 4 Satz 1 SchulG NW und auf den ob­jek­ti­ven Be­tracht­er­ho­ri­zont ab­stel­len­de Norm­verständ­nis steht in Ein­klang mit dem in die­ser Vor­schrift an­ge­leg­ten Wirk­zu­sam­men­hang zwi­schen den dort ge­nann­ten äußeren Be­kun­dun­gen ei­ner­seits und den da­von be­trof­fe­nen Schutzgütern, al­so der staat­li­chen Neu­tra­lität und des Schul­frie­dens, an­de­rer­seits.

Al­ler­dings kommt Kopf­be­de­ckun­gen und an­de­ren Klei­dungsstücken nicht oh­ne Wei­te­res die Be­deu­tung ei­nes non­ver­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tels im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW zu. Dies ist aus­ge­hend vom ob­jek­ti­ven Be­tracht­er­ho­ri­zont viel­mehr nur dann der Fall, wenn das Klei­dungsstück sei­ner Art nach ty­pi­scher­wei­se von vorn­her­ein Aus­druck ei­nes po­li­ti­schen, welt­an­schau­li­chen, re­li­giösen oder ähn­li­chen Be­kennt­nis­ses ist oder aber ein an sich neu­tra­les Klei­dungsstück nach ei­ner Ge­samtwürdi­gung der kon­kre­ten Be­gleit­umstände oh­ne vernünf­ti­gen Zwei­fel als ei­ne sol­che äußere Be­kun­dung ver­stan­den wer­den kann.

Na­ment­lich ein Kopf­tuch ist nicht aus sich her­aus re­li­giöses Sym­bol. Ei­ne ver­gleich­ba­re Wir­kung kann es erst im Zu­sam­men­wir­ken mit an­de­ren Fak­to­ren ent­fal­ten (vgl. BVerfGE 108, 282 <304>). In­so­fern un­ter­schei­det es sich et­wa vom christ­li­chen Kreuz (vgl. da­zu BVerfGE 93, 1 <19 f.>). Auch wenn ein is­la­mi­sches Kopf­tuch nur der Erfüllung ei­nes re­li­giösen Ge­bots dient und ihm von der Träge­rin kein sym­bo­li­scher Cha­rak­ter bei­ge­mes­sen wird, son­dern es le­dig­lich als Klei­dungsstück an­ge­se­hen wird, das die Re­li­gi­on vor­schreibt, ändert dies nichts dar­an, dass es in Abhängig­keit vom so­zia­len Kon­text ver­brei­tet als Hin­weis auf die mus­li­mi­sche Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit der Träge­rin ge­deu­tet wird. In die­sem Sin­ne ist es ein re­li­giös kon­no­tier­tes Klei­dungsstück. Wird es als äußeres An­zei­chen re­li­giöser Iden­tität ver­stan­den, so be­wirkt es das Be­kennt­nis ei­ner re­li­giösen Über­zeu­gung, oh­ne dass es hierfür ei­ner be­son­de­ren Kund­ga­be­ab­sicht oder ei­nes zusätz­li­chen wir­kungs­verstärken­den Ver­hal­tens be­darf. Des­sen wird sich die Träge­rin ei­nes in ty­pi­scher Wei­se ge­bun­de­nen Kopf­tuchs re­gelmäßig auch be­wusst sein. Die­se Wir­kung kann sich - je nach den Umständen des Ein­zel­falls - auch für an­de­re For­men der Kopf-und Hals­be­de­ckung er­ge­ben.

b) Der Ein­griff, der mit der Un­ter­sa­gung des Tra­gens ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs oder ei­ner an­de­ren Kopf- und Hals­be­de­ckung in Erfüllung ei­nes re­li­giösen Ge­bots ver­bun­den ist, wiegt schwer.

Die Be­schwer­deführe­rin­nen be­ru­fen sich nicht nur auf ei­ne re­li­giöse Emp­feh­lung, de­ren Be­fol­gung für die ein­zel­nen Gläubi­gen dis­po­ni­bel oder auf­schieb­bar ist. Viel­mehr ha­ben sie plau­si­bel dar­ge­legt, dass es sich für sie - ent­spre­chend dem Selbst­verständ­nis von Tei­len im Is­lam (da­zu Mi­nis­te­ri­um für Ar­beit, In­te­gra­ti­on und So­zia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len <Hrsg.>, Mus­li­mi­sches Le­ben in Nord­rhein-West­fa­len, 2010, S. 95 ff.) - um ein im­pe­ra­ti­ves re­li­giöses Be­de­ckungs­ge­bot in der Öffent­lich­keit han­delt, das zu­dem nach­voll­zieh­bar ih­re persönli­che Iden­tität berührt (Art. 2 Abs. 1 i.V.m. Art. 1 Abs. 1 GG), so dass ein Ver­bot die­ser Be­de­ckung im Schul­dienst für sie so­gar den Zu­gang zum Be­ruf ver­stel­len kann (Art. 12 Abs. 1 GG). Dass auf die­se Wei­se der­zeit fak­tisch vor al­lem mus­li­mi­sche Frau­en von der qua­li­fi­zier­ten be­ruf­li­chen Tätig­keit als Pädago­gin­nen fern­ge­hal­ten wer­den, steht zu­gleich in ei­nem recht­fer­ti­gungs­bedürf­ti­gen Span­nungs­verhält­nis zum Ge­bot der tatsächli­chen Gleich­be­rech­ti­gung von Frau­en (Art. 3 Abs. 2 GG). Vor die­sem Hin­ter­grund greift das ge­setz­li­che Be­kun­dungs­ver­bot in ihr Grund­recht auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit trotz sei­ner zeit­li­chen und ört­li­chen Be­gren­zung auf den schu­li­schen Be­reich mit er­heb­lich größerem Ge­wicht ein, als dies bei ei­ner re­li­giösen Übung oh­ne plau­si­blen Ver­bind­lich­keits­an­spruch der Fall wäre.

3. Die­ser Ein­griff in die Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Be­schwer­deführe­rin­nen er­weist sich auf der Grund­la­ge der Aus­le­gung der Norm durch die Ar­beits­ge­rich­te als un­verhält­nismäßig und ist des­halb nicht ge­recht­fer­tigt.

a) Ein­schränkun­gen die­ses Grund­rechts müssen sich aus der Ver­fas­sung selbst er­ge­ben, weil Art. 4 Abs. 1 und 2 GG kei­nen Ge­set­zes­vor­be­halt enthält. Zu sol­chen ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken zählen die Grund­rech­te Drit­ter so­wie Ge­mein­schafts­wer­te von Ver­fas­sungs­rang (vgl. BVerfGE 28, 243 <260 f.>; 41, 29 <50 f.>; 41, 88 <107>; 44, 37 <49 f., 53>; 52, 223 <247>; 93, 1 <21>; 108, 282 <297>). Als mit der Glau­bens­frei­heit in Wi­der­streit tre­ten­de Ver­fas­sungsgüter kom­men hier ne­ben dem staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag (Art. 7 Abs. 1 GG), der un­ter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität zu erfüllen ist, das el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht (Art. 6 Abs. 2 GG) und die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüler (Art. 4 Abs. 1 GG) in Be­tracht (vgl. BVerfGE 108, 282 <299>). Das nor­ma­ti­ve Span­nungs­verhält­nis zwi­schen die­sen Ver­fas­sungsgütern un­ter Berück­sich­ti­gung des To­le­ranz­ge­bots zu lösen, ob­liegt dem de­mo­kra­ti­schen Ge­setz­ge­ber, der im öffent­li­chen

 

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Wil­lens­bil­dungs­pro­zess ei­nen für al­le zu­mut­ba­ren Kom­pro­miss zu su­chen hat. Die ge­nann­ten Grund­ge­setz-Nor­men sind zu­sam­men zu se­hen, ih­re In­ter­pre­ta­ti­on und ihr Wir­kungs­be­reich sind auf­ein­an­der ab­zu­stim­men (vgl. BVerl­GE 108, 282 <302 f.>).

b) Der nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber ver­folgt mit dem Ver­bot äußerer re­li­giöser Be­kun­dun­gen im Sin­ne des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, auch so­weit er sol­che durch re­li­giös kon­no­tier­te Be­klei­dung und ins­be­son­de­re durch das in ty­pi­scher Wei­se ge­tra­ge­ne is­la­mi­sche Kopf­tuch er­fasst wis­sen will, le­gi­ti­me Zie­le. Sein An­lie­gen ist es, den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität zu wah­ren, so den staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag ab­zu­si­chern, ge­genläufi­ge Grund­rech­te von Schülern und El­tern zu schützen und da­mit Kon­flik­ten in dem von ihm in Vor­sor­ge ge­nom­me­nen Be­reich der öffent­li­chen Schu­le von vorn­her­ein vor­zu­beu­gen (vgl. LT­Drucks 14/569, S. 7 ff.). Ge­gen die­se Ziel­set­zun­gen ist von Ver­fas­sungs we­gen of­fen­sicht­lich nichts zu er­in­nern. Sie las­sen sich oh­ne Wei­te­res dem staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag, dem Neu­tra­litäts­grund­satz, der ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schüler so­wie dem el­ter­li­chen Er­zie­hungs­recht und da­mit ver­fas­sungs­im­ma­nen­ten Schran­ken der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit des pädago­gi­schen Per­so­nals zu­ord­nen.

c) Die Er­for­der­lich­keit der Re­ge­lung in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, die in der In­ter­pre­ta­ti­on der Fach­ge­rich­te schon die abs­trak­te Eig­nung äußerer re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das Tra­gen ei­ner re­li­giös kon­no­tier­ten Kopf­be­de­ckung zur Gefähr­dung der Schutzgüter genügen lässt, er­scheint be­reits frag­lich. Es be­darf hier in­des kei­ner Ent­schei­dung, ob an­ge­sichts des mitt­ler­wei­le zu ver­zeich­nen­den Ver­brei­tungs­gra­des des is­la­mi­schen Kopf­tuchs in der deut­schen Ge­sell­schaft und des gängi­gen Verständ­nis­ses von sei­ner Be­deu­tung, aber auch in An­be­tracht der durch­aus un­ter­schied­li­chen Deu­tungsmöglich­kei­ten der Be­weg­gründe sei­ner Träge­rin­nen, ins­be­son­de­re in ei­nem flächen­großen und bevölke­rungs­rei­chen Land wie Nord­rhein-West­fa­len, aus­nahms­los in al­len öffent­li­chen be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­len und Schüle­r­al­ters­grup­pen schon ei­ner abs­trak­ten Ge­fahr für die Schutzgüter des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­lität vor­ge­beugt wer­den muss, um kon­kre­te Gefähr­dun­gen für sie gar nicht erst auf­kom­men zu las­sen. Denn die Er­for­der­nis­se ei­ner im en­ge­ren Sin­ne verhält­nismäßigen ge­setz­li­chen Re­ge­lung ge­bie­ten je­den­falls ein ein­schränken­des Verständ­nis des Merk­mals ei­ner Eig­nung zur Gefähr­dung der Schutzgüter.

d) Das lan­des­wei­te Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild, na­ment­lich das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Klei­dung, schon we­gen der bloß abs­trak­ten Eig­nung zu ei­ner Gefähr­dung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität in ei­ner be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le er­weist sich je­den­falls als un­verhält­nismäßig im en­ge­ren Sin­ne, wenn die­ses Ver­hal­ten nach­voll­zieh­bar auf ein als ver­pflich­tend ver­stan­de­nes re­li­giöses Ge­bot zurück­zuführen ist. Ein an­ge­mes­se­ner, der Glau­bens­frei­heit der sich auf ein re­li­giöses Be­de­ckungs­ge­bot be­ru­fen­den Pädago­gin­nen hin­rei­chend Rech­nung tra­gen­der Aus­gleich mit ge­genläufi­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Po­si­tio­nen er­for­dert für die vor­lie­gen­de Fall­ge­stal­tung ei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung der schul­frie­dens- und neu­tra­litäts­wah­ren­den Ver­bots­norm der­ge­stalt, dass zu­min­dest ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die Schutzgüter vor­lie­gen muss.

aa) Für die Be­ur­tei­lung der tatsächli­chen Ge­ge­ben­hei­ten und Ent­wick­lun­gen, von der abhängt, ob ge­genläufi­ge Grund­rechts­po­si­tio­nen von Schülern und El­tern oder an­de­re Wer­te von Ver­fas­sungs­rang ei­ne Re­ge­lung recht­fer­ti­gen, die Lehr­kräfte al­ler Be­kennt­nis­se zu äußers­ter Zurück­hal­tung in der Ver­wen­dung von Kenn­zei­chen mit re­li­giösem Be­zug ver­pflich­tet, verfügt der Ge­setz­ge­ber über ei­ne Einschätzungs­präro­ga­ti­ve (vgl. BVerfGE 108, 282 <310 f.>). Al­ler­dings muss er, zu­mal bei ei­nem weit­ge­hend vor­beu­gend wir­ken­den Ver­bot äußerer re­li­giöser Be­kun­dun­gen, ein an­ge­mes­se­nes Verhält­nis zu dem Ge­wicht und der Be­deu­tung des Grund­rechts des pädago­gi­schen Per­so­nals auf Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit eben­so wah­ren wie er bei ei­ner Ge­samt­abwägung zwi­schen dem Ge­wicht des Ein­griffs mit dem Ge­wicht der ihn recht­fer­ti­gen­den Gründe die Gren­ze der Zu­mut­bar­keit be­ach­ten muss (vgl. BVerfGE 83, 1 <19>; 90, 145 <173>; 102, 197 <220>; 104, 337 <349>).

bb) Das Ein­brin­gen re­li­giöser oder welt­an­schau­li­cher Bezüge in Schu­le und Un­ter­richt durch pädago­gi­sches Per­so­nal kann den in Neu­tra­lität zu erfüllen­den staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag, das el­ter­li­che Er­zie­hungs­recht und die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüler be­ein­träch­ti­gen. Es eröff­net zu­min­dest die Möglich­keit ei­ner Be­ein­flus­sung der Schul­kin­der so­wie von Kon­flik­ten mit El­tern, was zu ei­ner Störung des Schul­frie­dens führen und die Erfüllung des Er­zie­hungs­auf­trags der Schu­le gefähr­den kann. Auch die re­li­giös mo­ti­vier­te und als Kund­ga­be ei­ner Glau­bensüber­zeu­gung in­ter­pre­tier­ba­re

 

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Be­klei­dung von Lehr­kräften kann die­se Wir­kun­gen ha­ben (vgl. BVerfGE 108, 282 <303>). Al­ler­dings kommt kei­ner der ge­genläufi­gen ver­fas­sungs­recht­lich ver­an­ker­ten Po­si­tio­nen ein sol­ches Ge­wicht zu, als dass be­reits die abs­trak­te Ge­fahr ih­rer Be­ein­träch­ti­gung ein Ver­bot zu recht­fer­ti­gen vermöch­te, wenn auf der an­de­ren Sei­te das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung oder Sym­bo­le nach­voll­zieh­bar auf ein als im­pe­ra­tiv ver­stan­de­nes re­li­giöses Ge­bot zurück­zuführen ist.

(1) Die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler (Art. 4 Abs. 1 und 2 GG) gewähr­leis­tet die Frei­heit, kul­ti­schen Hand­lun­gen ei­nes nicht ge­teil­ten Glau­bens fern­zu­blei­ben; das be­zieht sich auch auf Ri­ten und Sym­bo­le, in de­nen ein Glau­be oder ei­ne Re­li­gi­on sich dar­stel­len. Die Ein­zel­nen ha­ben in ei­ner Ge­sell­schaft, die un­ter­schied­li­chen Glau­bensüber­zeu­gun­gen Raum gibt, al­ler­dings kein Recht dar­auf, von der Kon­fron­ta­ti­on mit ih­nen frem­den Glau­bens­be­kun­dun­gen, kul­ti­schen Hand­lun­gen und re­li­giösen Sym­bo­len ver­schont zu blei­ben. Da­von zu un­ter­schei­den ist aber ei­ne vom Staat ge­schaf­fe­ne La­ge, in wel­cher der Ein­zel­ne oh­ne Aus­weichmöglich­kei­ten dem Ein­fluss ei­nes be­stimm­ten Glau­bens, den Hand­lun­gen, in de­nen sich die­ser ma­ni­fes­tiert, und den Sym­bo­len, in de­nen er sich dar­stellt, aus­ge­setzt ist (vgl. BVerfGE 93, 1 <15 f.>). In ei­ner un­aus­weich­li­chen Si­tua­ti­on be­fin­den sich Schüle­rin­nen und Schüler zwar auch dann, wenn sie sich in­fol­ge der all­ge­mei­nen Schul­pflicht während des Un­ter­richts oh­ne Aus­weichmöglich­keit ei­ner vom Staat an­ge­stell­ten Leh­re­rin ge­genüber se­hen, die ein is­la­mi­sches Kopf­tuch trägt. Im Blick auf die Wir­kung re­li­giöser Aus­drucks­mit­tel ist al­ler­dings da­nach zu un­ter­schei­den, ob das in Fra­ge ste­hen­de Zei­chen auf Ver­an­las­sung der Schul­behörde oder auf­grund ei­ner ei­ge­nen Ent­schei­dung von ein­zel­nen Pädago­gin­nen und Pädago­gen ver­wen­det wird, die hierfür das in­di­vi­du­el­le Frei­heits­recht des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG in An­spruch neh­men können. Der Staat, der ei­ne mit dem Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs ver­bun­de­ne re­li­giöse Aus­sa­ge ei­ner ein­zel­nen Leh­re­rin oder ei­ner pädago­gi­schen Mit­ar­bei­te­rin hin­nimmt, macht die­se Aus­sa­ge nicht schon da­durch zu sei­ner ei­ge­nen und muss sie sich auch nicht als von ihm be­ab­sich­tigt zu­rech­nen las­sen (vgl. BVerfGE 108, 282 <305 f.>).

Zwar trifft die für das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs in der Schu­le in An­spruch ge­nom­me­ne Glau­bens­frei­heit der Leh­re­rin auf die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler (vgl. BVerfGE 108, 282 <301 f.>). Doch ist das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs, ei­ner ver­gleich­ba­ren Kopf- und Hals­be­de­ckung oder sonst re­li­giös kon­no­tier­ten Be­klei­dung nicht von vorn­her­ein da­zu an­ge­tan, die ne­ga­ti­ve Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler zu be­ein­träch­ti­gen. So­lan­ge die Lehr­kräfte, die nur ein sol­ches äußeres Er­schei­nungs­bild an den Tag le­gen, nicht ver­bal für ih­re Po­si­ti­on oder für ih­ren Glau­ben wer­ben und die Schüle­rin­nen und Schüler über ihr Auf­tre­ten hin­aus­ge­hend zu be­ein­flus­sen ver­su­chen, wird de­ren ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit grundsätz­lich nicht be­ein­träch­tigt. Die Schüle­rin­nen und Schüler wer­den le­dig­lich mit der aus­geübten po­si­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Lehr­kräfte in Form ei­ner glau­bens­gemäßen Be­klei­dung kon­fron­tiert, was im Übri­gen durch das Auf­tre­ten an­de­rer Lehr­kräfte mit an­de­rem Glau­ben oder an­de­rer Welt­an­schau­ung in al­ler Re­gel re­la­ti­viert und aus­ge­gli­chen wird. In­so­fern spie­gelt sich in der be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le die re­li­giös-plu­ra­lis­ti­sche Ge­sell­schaft wi­der.

(2) Aus dem El­tem­grund­recht er­gibt sich nichts an­de­res. Art. 6 Abs. 2 Satz 1 GG ga­ran­tiert den El­tern die Pfle­ge und Er­zie­hung ih­rer Kin­der als natürli­ches Recht und um­fasst zu­sam­men mit Art. 4 Abs. 1 und 2 GG auch das Recht zur Kin­der­er­zie­hung in re­li­giöser und welt­an­schau­li­cher Hin­sicht; da­her ist es zuvörderst Sa­che der El­tern, ih­ren Kin­dern die­je­ni­gen Über­zeu­gun­gen in Glau­bens- und Welt­an­schau­ungs­fra­gen zu ver­mit­teln, die sie für rich­tig hal­ten (vgl. BVerfGE 41, 29 <44, 47 f.>; 52, 223 <236>; 93, 1 <17>). Dem ent­spricht das Recht, die Kin­der von Glau­bensüber­zeu­gun­gen fern­zu­hal­ten, die den El­tern als falsch oder schädlich er­schei­nen (vgl. BVerfGE 93, 1 <17>). Je­doch enthält Art. 6 Abs. 2 GG kei­nen aus­sch­ließli­chen Er­zie­hungs­an­spruch der El­tern. Ei­genständig und in sei­nem Be­reich gleich­ge­ord­net ne­ben den El­tern übt der Staat, dem nach Art. 7 Abs. 1 GG die Auf­sicht über das ge­sam­te Schul­we­sen über­tra­gen ist, in der Schu­le ei­nen ei­ge­nen Er­zie­hungs­auf­trag aus (vgl. BVerfGE 34, 165 <183>; 41, 29 <44>; 108, 282 <301>).

Ein et­wai­ger An­spruch, die Schul­kin­der vom Ein­fluss sol­cher Lehr­kräfte fern­zu­hal­ten, die ei­ner ver­brei­te­ten re­li­giösen Be­de­ckungs­re­gel fol­gen, lässt sich aus dem El­tern­grund­recht da­nach nicht her­lei­ten, so­weit da­durch die ne­ga­ti­ve Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Schüle­rin­nen und Schüler nicht be­ein­träch­tigt ist. Auch die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit der El­tern, die hier im Ver­bund mit dem el­ter­li­chen Er­zie­hungs­recht ih­re Wir­kung ent­fal­ten kann, ga­ran­tiert kei­ne Ver­scho­nung von der Kon­fron­ta­ti­on mit re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung von Lehr­kräften, die nur den Schluss auf die

 

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Zu­gehörig­keit zu ei­ner an­de­ren Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung zulässt, von der aber sonst kein ge­ziel­ter be­ein­flus­sen­der Ef­fekt aus­geht. Das gilt in Fällen der vor­lie­gen­den Art ge­ra­de des­halb, weil nicht ein dem Staat zu­re­chen­ba­res glau­bens­ge­lei­te­tes Ver­hal­ten in Re­de steht, son­dern ei­ne er­kenn­bar in­di­vi­du­el­le Grund­rechts­ausübung.

(3) Darüber hin­aus steht auch der staat­li­che Er­zie­hungs­auf­trag (Art. 7 Abs. 1 GG), der un­ter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität zu erfüllen ist, der Betäti­gung der po­si­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Pädago­gin­nen durch das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs nicht ge­ne­rell ent­ge­gen. Er ver­mag ein Ver­bot sol­chen äußeren Ver­hal­tens, das auf ein nach­voll­zieh­bar als im­pe­ra­tiv ver­stan­de­nes Glau­bens­ge­bot zurück­geht, erst dann zu recht­fer­ti­gen, wenn ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für den zur Erfüllung des Er­zie­hungs­auf­trags not­wen­di­gen Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität fest­stell­bar ist.

Das Grund­ge­setz be­gründet für den Staat als Heim­statt al­ler Staatsbürger in Art. 4 Abs. 1, Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG so­wie durch Art. 136 Abs. 1 und 4 und Art. 137 Abs. 1 WRV in Ver­bin­dung mit Art. 140 GG die Pflicht zu welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität. Es ver­wehrt die Einführung staats­kirch­li­cher Rechts­for­men und un­ter­sagt die Pri­vi­le­gie­rung be­stimm­ter Be­kennt­nis­se eben­so wie die Aus­gren­zung An­dersgläubi­ger (vgl. BVerfGE 19, 206 <216>; 24, 236 <246>; 33, 23 <28>; 93, 1 <17>). Der Staat hat auf ei­ne am Gleich­heits­satz ori­en­tier­te Be­hand­lung der ver­schie­de­nen Re­li­gi­ons- und Welt­an­schau­ungs­ge­mein­schaf­ten zu ach­ten (vgl. BVerfGE 19, 1 <8>; 19, 206 <216>; 24, 236 <246>; 93, 1 <17>; 108, 282 <299 f.>) und darf sich nicht mit ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft iden­ti­fi­zie­ren (vgl. BVerfGE 30, 415 <422>; 93, 1 <17>; 108, 282 <300>). Der frei­heit­li­che Staat des Grund­ge­set­zes ist ge­kenn­zeich­net von Of­fen­heit ge­genüber der Viel­falt welt­an­schau­lich-re­li­giöser Über­zeu­gun­gen und gründet dies auf ein Men­schen­bild, das von der Würde des Men­schen und der frei­en Ent­fal­tung der Persönlich­keit in Selbst­be­stim­mung und Ei­gen­ver­ant­wor­tung ge­prägt ist (vgl. BVerfGE 41, 29 <50>; 108, 282 <300 f.>).

Die dem Staat ge­bo­te­ne welt­an­schau­lich-re­li­giöse Neu­tra­lität ist in­des­sen nicht als ei­ne dis­tan­zie­ren­de im Sin­ne ei­ner strik­ten Tren­nung von Staat und Kir­che zu ver­ste­hen, son­dern als ei­ne of­fe­ne und überg­rei­fen­de, die Glau­bens­frei­heit für al­le Be­kennt­nis­se glei­cher­maßen fördern­de Hal­tung. Art. 4 Abs. 1 und 2 GG ge­bie­tet auch im po­si­ti­ven Sinn, den Raum für die ak­ti­ve Betäti­gung der Glau­bensüber­zeu­gung und die Ver­wirk­li­chung der au­to­no­men Persönlich­keit auf welt­an­schau­lich-re­li­giösem Ge­biet zu si­chern (vgl. BVerfGE 41, 29 <49>; 93, 1 <16>). Der Staat darf le­dig­lich kei­ne ge­ziel­te Be­ein­flus­sung im Diens­te ei­ner be­stimm­ten po­li­ti­schen, ideo­lo­gi­schen oder welt­an­schau­li­chen Rich­tung be­trei­ben oder sich durch von ihm aus­ge­hen­de oder ihm zu­zu­rech­nen­de Maßnah­men aus­drück­lich oder kon­klu­dent mit ei­nem be­stimm­ten Glau­ben oder ei­ner be­stimm­ten Welt­an­schau­ung iden­ti­fi­zie­ren und da­durch den re­li­giösen Frie­den in ei­ner Ge­sell­schaft von sich aus gefähr­den (vgl. BVerfGE 93, 1 <16 f.>; 108, 282 <300>). Auch ver­wehrt es der Grund­satz welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität dem Staat, Glau­ben und Leh­re ei­ner Re­li­gi­ons­ge­mein­schaft als sol­che zu be­wer­ten (vgl. BVerfGE 33, 23 <29>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 22. Ok­to­ber 2014 - 2 BvR 661/12 - ju­ris, Rn. 88).

Dies gilt auch für den vom Staat in Vor­sor­ge ge­nom­me­nen Be­reich der Schu­le, für den sei­ner Na­tur nach re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Vor­stel­lun­gen von je­her re­le­vant wa­ren (vgl. BVerfGE 41, 29 <49>; 52, 223 <241>). Da­nach sind et­wa christ­li­che Bezüge bei der Ge­stal­tung der öffent­li­chen Schu­le nicht aus­ge­schlos­sen; die Schu­le muss aber auch für an­de­re welt­an­schau­li­che und re­li­giöse In­hal­te und Wer­te of­fen sein (vgl. BVerfGE 41, 29 <51>; 52, 223 <236 f.>). Weil Bezüge zu ver­schie­de­nen Re­li­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen bei der Ge­stal­tung der öffent­li­chen Schu­le möglich sind, ist für sich ge­nom­men auch die bloß am äußeren Er­schei­nungs­bild her­vor­tre­ten­de Sicht­bar­keit re­li­giöser oder welt­an­schau­li­cher Zu­gehörig­keit ein­zel­ner Lehr­kräfte - un­abhängig da­von, wel­che Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung im Ein­zel­fall be­trof­fen ist - durch die dem Staat ge­bo­te­ne welt­an­schau­lich-re­li­giöse Neu­tra­lität nicht oh­ne Wei­te­res aus­ge­schlos­sen. In die­ser Of­fen­heit be­wahrt der frei­heit­li­che Staat des Grund­ge­set­zes sei­ne re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Neu­tra­lität (vgl. BVerfGE 41, 29 <50>).

(4) (a) Da­von aus­ge­hend ist das - nach der Aus­le­gung durch die Ar­beits­ge­rich­te in den an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dun­gen - an ei­ne bloß abs­trak­te Gefähr­dung der in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ge­nann­ten Schutzgüter an­knüpfen­de strik­te und lan­des­wei­te Ver­bot ei­ner äußeren re­li­giösen Be­kun­dung je­den­falls für die hier ge­ge­be­nen Fall­kon­stel­la­tio­nen den be­trof­fe­nen Grund­recht­sträge­rin­nen nicht zu­mut­bar und

 

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ver­drängt in un­an­ge­mes­se­ner Wei­se de­ren Grund­recht auf Glau­bens­frei­heit. Denn mit dem Tra­gen ei­nes Kopf­tuchs durch ein­zel­ne Pädago­gin­nen ist - an­ders als dies beim staat­lich ver­ant­wor­te­ten Kreuz oder Kru­zi­fix im Schul­zim­mer der Fall ist (vgl. BVerfGE 93, 1 <15 ff.>) - kei­ne Iden­ti­fi­zie­rung des Staa­tes mit ei­nem be­stimm­ten Glau­ben ver­bun­den. Auch ei­ne Wer­tung in dem Sin­ne, dass das glau­bens­ge­lei­te­te Ver­hal­ten der Pädago­gin­nen schul­seits als vor­bild­haft an­ge­se­hen und schon des­halb der Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität gefähr­det oder gestört wer­den könn­te, ist ei­ner ent­spre­chen­den Dul­dung durch den Dienst­herrn nicht bei­zu­le­gen. Hin­zu kommt, dass die Be­schwer­deführe­rin­nen ei­nem nach­voll­zieh­bar als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen Glau­bens­ge­bot Fol­ge leis­ten. Da­durch erhält ih­re Glau­bens­frei­heit in der Abwägung mit den Grund­rech­ten der Schüle­rin­nen und Schüler so­wie der El­tern, die der welt­an­schau­lich-re­li­giös neu­tra­le Staat auch im schu­li­schen Be­reich schützen muss, ein er­heb­lich größeres Ge­wicht als dies bei ei­ner dis­po­ni­blen Glau­bens­re­gel der Fall wäre.

(b) An­ders verhält es sich dann, wenn das äußere Er­schei­nungs­bild von Lehr­kräften zu ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Störung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität führt oder we­sent­lich da­zu beiträgt. Dies wäre et­wa in ei­ner Si­tua­ti­on denk­bar, in der - ins­be­son­de­re von älte­ren Schülern oder El­tern - über die Fra­ge des rich­ti­gen re­li­giösen Ver­hal­tens sehr kon­tro­ver­se Po­si­tio­nen mit Nach­druck ver­tre­ten und in ei­ner Wei­se in die Schu­le hin­ein­ge­tra­gen würden, wel­che die schu­li­schen Abläufe und die Erfüllung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags ernst­haft be­ein­träch­tig­te, so­fern die Sicht­bar­keit re­li­giöser Über­zeu­gun­gen und Be­klei­dungs­prak­ti­ken die­sen Kon­flikt er­zeug­te oder schürte. Bei Vor­lie­gen ei­ner sol­cher­maßen be­gründe­ten hin­rei­chend kon­kre­ten Ge­fahr ist es den grund­rechts­be­rech­tig­ten Pädago­gin­nen und Pädago­gen mit Rück­sicht auf al­le in Re­de und ge­ge­be­nen­falls in Wi­der­streit ste­hen­den Ver­fas­sungsgüter zu­mut­bar, von der Be­fol­gung ei­nes nach­voll­zieh­bar als ver­pflich­tend emp­fun­de­nen re­li­giösen Be­de­ckungs­ge­bots Ab­stand zu neh­men, um ei­ne ge­ord­ne­te, ins­be­son­de­re die Grund­rech­te der Schüler und El­tern so­wie das staat­li­che Neu­tra­litäts­ge­bot wah­ren­de Erfüllung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags si­cher­zu­stel­len. Aber auch dann wird die Dienst­behörde im In­ter­es­se des Grund­rechts­schut­zes der Be­trof­fe­nen zunächst ei­ne an­der­wei­ti­ge pädago­gi­sche Ver­wen­dungsmöglich­keit mit in Be­tracht zu zie­hen ha­ben.

(c) Wird in be­stimm­ten Schu­len oder Schul­be­zir­ken auf­grund sub­stan­ti­el­ler Kon­flikt­la­gen über das rich­ti­ge re­li­giöse Ver­hal­ten be­reichs­spe­zi­fisch die Schwel­le zu ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Störung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität in ei­ner be­acht­li­chen Zahl von Fällen er­reicht, kann ein ver­fas­sungs­recht­lich an­zu­er­ken­nen­des Bedürf­nis be­ste­hen, äußere re­li­giöse Be­kun­dun­gen nicht erst im kon­kre­ten Ein­zel­fall, son­dern et­wa für be­stimm­te Schu­len oder Schul­be­zir­ke über ei­ne ge­wis­se Zeit auch all­ge­mei­ner zu un­ter­bin­den. Ei­ner sol­chen Si­tua­ti­on kann der Ge­setz­ge­ber in­so­weit auch vor­beu­gend (vgl. BVerfGE 108, 282 <306 f.>) durch be­reichs­ori­en­tier­te Lösun­gen Rech­nung tra­gen. Da­bei hat er, ge­ra­de in großen Ländern, die Möglich­keit, dif­fe­ren­zier­te, bei­spiels­wei­se ört­lich und zeit­lich be­grenz­te Lösun­gen vor­zu­se­hen, ge­ge­be­nen­falls et­wa un­ter Zu­hil­fe­nah­me ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ti­sier­ten Ver­ord­nungs­ermäch­ti­gung. Auch im Fall ei­ner sol­chen Re­ge­lung wird im In­ter­es­se der Grund­rech­te der Be­trof­fe­nen zunächst ei­ne an­der­wei­ti­ge pädago­gi­sche Ver­wen­dungsmöglich­keit in Be­tracht zu zie­hen sein.

So­lan­ge der Ge­setz­ge­ber da­zu aber kei­ne dif­fe­ren­zier­te­re Re­ge­lung trifft, kann ei­ne Ver­drängung der Glau­bens­frei­heit von Lehr­kräften nur dann als an­ge­mes­se­ner Aus­gleich der in Re­de ste­hen­den Ver­fas­sungsgüter in Be­tracht kom­men, wenn we­nigs­tens ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die staat­li­che Neu­tra­lität oder den Schul­frie­den be­leg­bar ist. Das gilt zu­mal vor dem Hin­ter­grund, dass es ge­ra­de die Auf­ga­be na­ment­lich der als „be­kennt­nis­of­fen" be­zeich­ne­ten Ge­mein­schafts­schu­le ist, den Schüle­rin­nen und Schülern To­le­ranz auch ge­genüber an­de­ren Re­li­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen zu ver­mit­teln, da Schu­le of­fen zu sein hat für christ­li­che, für mus­li­mi­sche und an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che In­hal­te und Wer­te. Die­ses Ide­al muss im In­ter­es­se ei­ner aus­glei­chen­den, ef­fek­ti­ven Grund­rechts­ver­wirk­li­chung in der Ge­mein­schafts­schu­le auch ge­lebt wer­den dürfen. Das gilt fol­ge­rich­tig auch für das Tra­gen von Be­klei­dung, die mit Re­li­gio­nen in Ver­bin­dung ge­bracht wird, wie ne­ben dem Kopf­tuch et­wa der jüdi­schen Kip­pa oder dem Non­nen-Ha­bit oder auch für Sym­bo­le wie das Kreuz, das sicht­bar ge­tra­gen wird.

4. Das Ge­wicht der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit des pädago­gi­schen Per­so­nals in der be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le er­for­dert dem­nach je­den­falls für die hier ge­ge­be­nen Fall­kon­stel­la­tio­nen ei­ne re­du­zie­ren­de ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG

 

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NW, so­weit er äußere re­li­giöse Be­kun­dun­gen un­ter­sagt. Hierfür ist das Merk­mal der Eig­nung, den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität zu gefähr­den oder zu stören, da­hin ein­zu­schränken, dass von der äußeren re­li­giösen Be­kun­dung nicht nur ei­ne abs­trak­te, son­dem ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die in § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ge­nann­ten Schutzgüter aus­ge­hen muss. Das Vor­lie­gen der kon­kre­ten Ge­fahr ist zu be­le­gen und zu be­gründen. Das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs be­gründet ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr im Re­gel­fall nicht. Vom Tra­gen die­ser Kopf­be­de­ckung geht für sich ge­nom­men noch kein wer­ben­der oder gar mis­sio­nie­ren­der Ef­fekt aus. Ein is­la­mi­sches Kopf­tuch ist in Deutsch­land nicht unüblich, auch wenn es von der Mehr­heit mus­li­mi­scher Frau­en nicht ge­tra­gen wird (vgl. Bun­des­amt für Mi­gra­ti­on und Flücht­lin­ge <Hrsg.>, Mus­li­mi­sches Le­ben in Deutsch­land - im Auf­trag der Deut­schen Is­lam Kon­fe­renz, 2009, S. 194 f.; Mi­nis­te­ri­um für Ar­beit, In­te­gra­ti­on und So­zia­les des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len <Hrsg.>, Mus­li­mi­sches Le­ben in Nord­rhein-West­fa­len, 2010, S. 93). Es spie­gelt sich im ge­sell­schaft­li­chen All­tag und der Schüler­schaft viel­fach wie­der. Die bloß vi­su­el­le Wahr­nehm­bar­keit ist in der Schu­le als Fol­ge in­di­vi­du­el­ler Grund­rechts­ausübung eben­so hin­zu­neh­men, wie auch sonst grundsätz­lich kein ver­fas­sungs­recht­li­cher An­spruch dar­auf be­steht, von der Wahr­neh­mung an­de­rer re­li­giöser oder welt­an­schau­li­cher Be­kennt­nis­se ver­schont zu blei­ben.

Ei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW ist möglich und von Ver­fas­sungs we­gen ge­bo­ten. Sie dient der Ver­mei­dung ei­ner Norm­ver­wer­fung und ist da­mit dem Ge­sichts­punkt der größtmögli­chen Scho­nung der Ge­setz­ge­bung ge­schul­det. Sie nimmt Rück­sicht dar­auf, dass die Norm auch an­de­re An­wen­dungs­be­rei­che hat, die sich von der hier vor­lie­gen­den Fall­ge­stal­tung un­ter­schei­den. Da­bei kann es sich et­wa um ver­ba­le Äußerun­gen und ein of­fen wer­ben­des Ver­hal­ten han­deln. Hier kann die Un­ter­sa­gungs­vor­schrift auch in ei­ner In­ter­pre­ta­ti­on, die schon die abs­trak­te Ge­fahr er­fasst, ih­re Be­deu­tung ha­ben. Der ein­schränken­den Aus­le­gung steht nicht ent­ge­gen, dass dem Ge­setz­ge­ber ent­ste­hungs­ge­schicht­lich ein Kopf­tuch­ver­bot als ty­pi­scher An­wen­dungs­fall der Vor­schrift vor­ge­schwebt hat. Der Norm wird le­dig­lich ein we­ni­ger weit rei­chen­der An­wen­dungs­be­reich zu­er­kannt.

5. Die­se Aus­le­gungs­maßga­ben gel­ten ent­spre­chend für § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW. Die dar­in ge­for­der­te Eig­nung des äußeren Ver­hal­tens, bei Schüle­rin­nen und Schülern so­wie El­tern den Ein­druck her­vor­zu­ru­fen, dass ei­ne Pädago­gin oder ein Pädago­ge ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tritt, kann al­lein im Blick auf das äußere Er­schei­nungs­bild nur bei Vor­lie­gen hin­rei­chend kon­kre­ter An­halts­punk­te aus der Sicht ei­nes ob­jek­ti­ven Be­trach­ters be­jaht wer­den. Al­ler­dings ist mit Rück­sicht auf die grund­recht­li­chen Gewähr­leis­tun­gen des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG die An­nah­me ver­fehlt, schon das Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs oder ei­ner an­de­ren, auf ei­ne Glau­bens­zu­gehörig­keit hin­deu­ten­den Kopf­be­de­ckung sei schon für sich ge­nom­men ein Ver­hal­ten, das gemäß § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW bei den Schülern oder den El­tern oh­ne Wei­te­res den Ein­druck her­vor­ru­fen könne, dass die Per­son, die es trägt, ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung auf­tre­te. Die­se pau­scha­le Schluss­fol­ge­rung ver­bie­tet sich. Wenn das Tra­gen des Kopf­tuchs et­wa als Aus­druck ei­ner in­di­vi­du­el­len Klei­dungs­ent­schei­dung, von Tra­di­ti­on oder Iden­tität (vgl. BVerfGE 108, 282 <303 ff.>) er­scheint, oder die Träge­rin als Mus­li­min aus­weist, die die Re­geln ih­res Glau­bens, ins­be­son­de­re das von ihr als ver­pflich­tend ver­stan­de­ne Be­de­ckungs­ge­bot, strikt be­ach­tet, lässt sich das oh­ne Hin­zu­tre­ten wei­te­rer Umstände nicht als Dis­tan­zie­rung von den in § 57 Abs. 4 Satz 2 SchulG NW ge­nann­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Grundsätzen in­ter­pre­tie­ren. Auch den Glau­bens­rich­tun­gen des Is­lam, die das Tra­gen des Kopf­tuchs zur Erfüllung des Be­de­ckungs­ge­bots ver­lan­gen, aber auch genügen las­sen, kann nicht un­ter­stellt wer­den, dass sie von den Gläubi­gen ein Auf­tre­ten ge­gen die Men­schenwürde, die Gleich­be­rech­ti­gung nach Art. 3 GG, die Frei­heits­grund­rech­te oder die frei­heit­lich-de­mo­kra­ti­sche Grund­ord­nung for­dern, er­war­ten oder auch nur er­hof­fen.

6. Das Er­for­der­nis ei­ner ein­schränken­den Aus­le­gung der Sätze 1 und 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW be­steht auch, so­weit die­se gemäß § 58 Satz 2 SchulG NW auf sons­ti­ges pädago­gi­sches und so­zi­alpädago­gi­sches Per­so­nal ent­spre­chend an­zu­wen­den sind. Da das sons­ti­ge pädago­gi­sche und so­zi­alpädago­gi­sche Per­so­nal den Lehr­kräften ver­gleich­bar in den schu­li­schen All­tag und die Erfüllung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags ein­ge­bun­den ist, kann für die­ses nichts an­de­res gel­ten.

 

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7. Die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen der Fach­ge­rich­te, na­ment­lich die des Bun­des­ar­beits­ge­richts, wer­den den Er­for­der­nis­sen der ge­bo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men ein­schränken­den Aus­le­gung nicht ge­recht; sie ha­ben ei­ne sol­che nicht für er­for­der­lich ge­hal­ten. Die recht­li­che Würdi­gung des Bun­des­ar­beits­ge­richts geht da­von aus, dass das Be­kun­dungs­ver­bot des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW be­reits bei ei­ner abs­trak­ten Ge­fahr greift. Die An­nah­me, dass schon die „be­rech­tig­te Sor­ge" der El­tern vor ei­ner un­ge­woll­ten re­li­giösen Be­ein­flus­sung ih­rer Kin­der den Schul­frie­den gefähr­de, trägt der Glau­bens-und Be­kennt­nis­frei­heit der Pädago­gin­nen in der be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le nicht in an­ge­mes­se­ner Wei­se Rech­nung. Sie ver­nachlässigt das Ge­wicht der po­si­ti­ven Glau­bens­frei­heit des pädago­gi­schen Per­so­nals im Zu­sam­men­hang mit ei­nem plau­si­bel dar­ge­stell­ten im­pe­ra­ti­ven re­li­giösen Be­de­ckungs­ge­bot. Die bis­lang ge­trof­fe­nen Fest­stel­lun­gen ge­ben im Übri­gen kei­ner­lei An­halt für ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität durch das Auf­tre­ten der Be­schwer­deführe­rin­nen in ih­ren Schu­len.

In bei­den Aus­gangs­ver­fah­ren sind die Fach­ge­rich­te nicht von ei­nem zu­tref­fen­den, auf das Grund­recht der Glau­bens­frei­heit der Be­schwer­deführe­rin­nen hin­rei­chend Be­dacht neh­men­den Verständ­nis der ge­setz­li­chen Re­ge­lung aus­ge­gan­gen. We­der die Fest­stel­lun­gen der Ar­beits­ge­rich­te in den Tat­sa­chen­in­stan­zen noch die recht­li­che Würdi­gung auch durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt las­sen Umstände er­ken­nen, die ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die Schutzgüter der Norm ver­deut­li­chen könn­ten. Im Ge­gen­teil: Die Be­schwer­deführe­rin zu II.) hat­te sich be­reits um ih­re Ein­stel­lung mit ei­nem Licht­bild be­wor­ben, das sie mit Kopf­tuch zeig­te. Ihr zunächst be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis wur­de später in ein un­be­fris­te­tes um­ge­wan­delt. Sie ver­rich­te­te ih­ren Dienst - so ihr un­wi­der­spro­chen ge­blie­be­ner Vor­trag - stets mit ei­nem das Haar be­de­cken­den Kopf­tuch, oh­ne dass es des­we­gen zu Be­an­stan­dun­gen kam. Un­ter die­sen Umständen sind die von den Ar­beits­ge­rich­ten ge­bil­lig­te Ab­mah­nung so­wie die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Be­schwer­deführe­rin zu II.) mit der ge­ge­be­nen Be­gründung und dem zu­grun­de lie­gen­den Verständ­nis des § 57 Abs. 4 SchulG NW ver­fas­sungs­recht­lich nicht halt­bar. Auch im Aus­gangs­ver­fah­ren der Be­schwer­deführe­rin zu I.) ist nicht an­satz­wei­se er­kenn­bar, in­wie­weit sich aus dem Tra­gen ei­ner Wollmütze und ei­nes Roll­kra­gen­pull­overs ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität er­ge­ben könn­te.

Da­mit ver­let­zen die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen die Be­schwer­deführe­rin­nen in ih­rem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG.

Die wei­te­re von den Be­schwer­deführe­rin­nen er­ho­be­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Be­an­stan­dung von Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW ist be­gründet. Die vom Ge­setz­ge­ber als Pri­vi­le­gie­rungs­be­stim­mung zu­guns­ten der Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen ge­woll­te Teil­re­ge­lung in Satz 3 der Vor­schrift stellt ei­ne gleich­heits­wid­ri­ge Be­nach­tei­li­gung aus Gründen des Glau­bens und der re­li­giösen An­schau­un­gen dar (Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG). Die­ser Ver­fas­sungs­ver­s­toß hat sich in den an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen nie­der­ge­schla­gen. Zwar sind die­se nicht auf Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW gestützt, weil Satz 3 auf die bei­den mus­li­mi­schen Be­schwer­deführe­rin­nen kei­ne An­wen­dung fin­det. Ge­ra­de der Aus­schluss von der in Satz 3 vor­ge­se­he­nen Pri­vi­le­gie­rung führt aber da­zu, dass auch die bei­den kon­kret zu be­ur­tei­len­den Ent­schei­dun­gen die Be­schwer­deführe­rin­nen in ver­fas­sungs­wid­ri­ger Wei­se be­nach­tei­li­gen. Kämen die Be­schwer­deführe­rin­nen in den Ge­nuss der Pri­vi­le­gie­rung, wären sie den ar­beits­recht­li­chen Sank­tio­nen auf­grund des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 SchulG NW nicht aus­ge­setzt ge­we­sen. Die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 1 und 2 SchulG NW so­wie die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen blei­ben da­von je­doch un­berührt; § 57 Abs. 4 SchulG NW ist in der hier vor­ge­nom­me­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung nicht ins­ge­samt ver­fas­sungs­wid­rig.

1. § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW führt zu ei­ner Be­nach­tei­li­gung an­de­rer als christ­li­cher und jüdi­scher Re­li­gi­ons­an­gehöri­ger, die ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen ist.

a) Art. 3 Abs. 3 Satz 1 GG ver­langt, dass nie­mand we­gen sei­nes Glau­bens oder sei­ner re­li­giösen An­schau­un­gen be­nach­tei­ligt oder be­vor­zugt wird. Die Norm verstärkt den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz des Art. 3 Abs. 1 GG und die durch Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­te Glau­bens­frei­heit.

 

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Nach Art. 33 Abs. 3 Satz 2 GG darf kei­nem Träger ei­nes öffent­li­chen Am­tes aus sei­ner Zu­gehörig­keit oder Nicht­zu­gehörig­keit zu ei­nem Be­kennt­nis oder ei­ner Welt­an­schau­ung ein Nach­teil er­wach­sen. Der Be­griff des öffent­li­chen Am­tes in Art. 33 Abs. 3 GG ist im sel­ben Sin­ne zu ver­ste­hen, wie er auch in Art. 33 Abs. 2 GG ver­wen­det wird; er er­fasst mit­hin auch An­ge­stell­te des öffent­li­chen Diens­tes (vgl. BVerw­GE 61, 325 <330>; BA­GE 104, 295 <299>; Jach­mann, in: von Man­goldt/Klein/St­arck, GG, 6. Aufl. 2010, Bd. 2, Art. 33 Rn. 25; Ku­nig, in: von Münch/Ku­nig, GG, 6. Aufl. 2012, Art. 33 Rn. 37). Die Re­ge­lung enthält ein Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot für den öffent­li­chen Dienst auch über die Fra­ge der Zu­las­sung zu öffent­li­chen Ämtern hin­aus (vgl. da­zu § 57 Abs. 6 SchulG NW), die in Satz 1 der Vor­schrift an­ge­spro­chen ist. Die Be­stim­mung ver­bie­tet es, die Zu­las­sung zu öffent­li­chen Ämtern aus Gründen zu ver­weh­ren, die mit der in Art. 4 Abs. 1 und 2 GG geschütz­ten Glau­bens­frei­heit un­ver­ein­bar sind (vgl. BVerfGE 79, 69 <75>). Dies schließt die Be­gründung von Dienst­pflich­ten nicht aus, die in die Glau­bens­frei­heit von Amts­in­ha­bem und Be­wer­bern um öffent­li­che Ämter ein­grei­fen und da­mit für glau­bens­ge­bun­de­ne Be­wer­ber den Zu­gang zum öffent­li­chen Dienst er­schwe­ren oder gar aus­sch­ließen. Sol­che et­wai­gen Pflich­ten sind je­doch den stren­gen Recht­fer­ti­gungs­an­for­de­run­gen un­ter­wor­fen, die für Ein­schränkun­gen der vor­be­halt­los gewähr­leis­te­ten Glau­bens­frei­heit gel­ten; außer­dem ist das Ge­bot strik­ter Gleich­be­hand­lung der ver­schie­de­nen Glau­bens­rich­tun­gen so­wohl in der Be­gründung als auch in der Pra­xis der Durch­set­zung sol­cher Dienst­pflich­ten zu be­ach­ten (vgl. BVerfGE 108, 282 <298>).

b) Die Ge­samt­kon­zep­ti­on des § 57 Abs. 4 SchulG NW soll­te nach den Vor­stel­lun­gen, die im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren her­vor­ge­tre­ten sind (vgl. LT­Drucks 13/4564, S. 8; 14/569, S. 9), in Satz 3 der Re­ge­lung ei­ne Frei­stel­lung vom Ver­bot äußerer re­li­giöser Be­kun­dun­gen des Sat­zes 1 und da­mit ei­ne un­mit­tel­ba­re Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen der Re­li­gi­on be­wir­ken. Die Be­schwer­deführe­rin­nen ma­chen in nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se gel­tend, die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 SchulG NW ha­be die aus re­li­giösen Gründen ge­tra­ge­ne Kopf­be­de­ckung ei­ner Mus­li­min an­ders be­han­deln sol­len als re­li­giös kon­no­tier­te Klei­dungsstücke, die von An­gehöri­gen christ­li­cher Be­kennt­nis­se und sol­cher des Ju­den­tums ge­tra­gen wer­den. Die­se Be­wer­tung wird durch die ge­nann­ten Ma­te­ria­li­en des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens be­legt (sie­he so­gleich d).

c) Ei­ne sol­che Un­gleich­be­hand­lung ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu recht­fer­ti­gen. Wer­den äußere re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das pädago­gi­sche Per­so­nal in der Schu­le un­ter­sagt, so muss dies grundsätz­lich un­ter­schieds­los ge­sche­hen.

Tragfähi­ge Gründe für ei­ne Be­nach­tei­li­gung äußerer re­li­giöser Be­kun­dun­gen, die sich nicht auf christ­lich-abendländi­sche Kul­tur­wer­te und Tra­di­tio­nen zurückführen las­sen, sind nicht er­kenn­bar. So­weit von ei­nem be­stimm­ten äußeren Ver­hal­ten et­wa ei­ne be­son­de­re in­dok­tri­nie­ren­de Sug­ges­tiv­kraft aus­ge­hen kann, wird dem oh­ne Wei­te­res durch das Ver­bot des Sat­zes 1 des § 57 Abs. 4 SchulG NW in der von Ver­fas­sungs we­gen ge­bo­te­nen ein­schränken­den Aus­le­gung Rech­nung ge­tra­gen. Wenn ver­ein­zelt in der Li­te­ra­tur gel­tend ge­macht wird, im Tra­gen ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs sei vom ob­jek­ti­ven Be­tracht­er­ho­ri­zont her ein Zei­chen für die Befürwor­tung ei­ner um­fas­sen­den auch recht­li­chen Un­gleich­be­hand­lung von Mann und Frau zu se­hen und des­halb stel­le es auch die Eig­nung der Träge­rin für pädago­gi­sche Be­ru­fe in­fra­ge (vgl. et­wa Ber­trams, DVBI 2003, S. 1225 <1232 ff.>; Hu­fen, NVwZ 2004, S. 575 <576>; Ko­kott, Der Staat 2005, S. 343 <355 ff.>; Ra­de­ma­cher, Das Kreuz mit dem Kopf­tuch, 2005, S. 24), so ver­bie­tet sich ei­ne der­art pau­scha­le Schluss­fol­ge­rung (sie­he oben B. II. 5.). Ein sol­cher ver­meint­li­cher Recht­fer­ti­gungs­grund muss darüber hin­aus schon dar­an schei­tern, dass er bei ge­ne­ra­li­sie­ren­der Be­trach­tung kei­nes­wegs für al­le nicht-christ­lich-abendländi­schen Kul­tur­wer­te und Tra­di­tio­nen ei­nen Dif­fe­ren­zie­rungs­grund an­bie­ten kann.

Eben­so we­nig er­ge­ben sich für ei­ne Be­vor­zu­gung christ­lich und jüdisch ver­an­ker­ter re­li­giöser Be­kun­dun­gen tragfähi­ge Recht­fer­ti­gungsmöglich­kei­ten. Die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags, wie er in Art. 7 Abs. 1 und Art. 12 Abs. 3 der Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len um­schrie­ben ist, recht­fer­tigt es nicht, Amts­träger ei­ner be­stimm­ten Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit bei der Sta­tu­ie­rung von Dienst­pflich­ten zu be­vor­zu­gen. So­weit die­sen lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen ein christ­li­cher Be­zug des staat­li­chen Schul­we­sens ent­nom­men wer­den kann, soll sich dies auf säku­la­ri­sier­te Wer­te des Chris­ten­tums be­zie­hen. Zu­dem wird das lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­che Er­zie­hungs­ziel in Art. 7 Abs. 1 Verf NW („Ehr­furcht vor Gott") nach wohl über­wie­gen­der Auf­fas­sung nicht nur auf den christ­li­chen Glau­ben be­zo­gen; es soll of­fen sein für ein persönli­ches Got­tes­verständ­nis, al­so nicht nur das christ­li­che, son­dern auch das is­la­mi­sche Got­tes­verständ­nis eben­so um­fas­sen wie

 

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po­lyt­he­is­ti­sche oder un­persönli­che Got­tes­vor­stel­lun­gen (vgl. En­nu­schat, in: Löwer/Tet­tin­ger, Kom­men­tar zur Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2002, Art. 7 Rn. 23 m.w.N., Art. 12 Rn. 22; Däst­ner, Die Ver­fas­sung des Lan­des Nord­rhein-West­fa­len, 2. Aufl. 2002, Art. 7 Rn. 3; Söbbe­ke, in: Heusch/Schönen­broi­cher, Die Lan­des­ver­fas­sung Nord­rhein-West­fa­len, 2010, Art. 12 Rn. 10; Häber­le, in: Fest­schrift für Wolf­gang Zeid­ler, Bd. 1, 1987, S. 3 <14>). Sch­ließlich be­zie­hen sich die lan­des­ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­stim­mun­gen, die in § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW in Be­zug ge­nom­men wer­den, vor­nehm­lich auf die Ge­stal­tung des Un­ter­richts und sei­ner Rah­men­be­din­gun­gen, sind aber kei­ne tragfähi­ge Grund­la­ge für ei­ne dif­fe­ren­zier­te Sta­tu­ie­rung von Dienst­pflich­ten für Pädago­gen. Des­halb kommt es auch nicht mehr dar­auf an, dass auch Art. 31 GG ei­ner Ein­schränkung der durch das Grund­ge­setz verbürg­ten re­li­giösen Gleich­heits­rech­te durch Lan­des­ver­fas­sungs­recht Gren­zen setzt (vgl. auch Art. 142 GG; BVerfGE 96, 345 <364 f.>).

d) Ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me ein­schränken­de Aus­le­gung des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW, wie sie das Bun­des­ar­beits­ge­richt zur Ver­mei­dung ei­ner ver­fas­sungs­wid­ri­gen Be­nach­tei­li­gung aus re­li­giösen Gründen sei­nen Ent­schei­dun­gen zu­grun­de ge­legt hat, ist nicht möglich. Sie würde die Gren­zen ver­fas­sungs­kon­for­mer Nor­min­ter­pre­ta­ti­on über­schrei­ten und wäre mit der rich­ter­li­chen Ge­set­zes­bin­dung nicht ver­ein­bar (Art. 20 Abs. 3 GG).

Die ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung fin­det ih­re Gren­ze dort, wo sie zum Wort­laut und dem klar er­kenn­ba­ren Wil­len des Ge­setz­ge­bers in Wi­der­spruch tre­ten würde. Der Re­spekt vor dem de­mo­kra­tisch le­gi­ti­mier­ten Ge­setz­ge­ber ver­bie­tet es, im We­ge der Aus­le­gung ei­nem nach Sinn und Wort­laut ein­deu­ti­gen Ge­setz ei­nen ent­ge­gen­ge­setz­ten Sinn bei­zu­le­gen oder den nor­ma­ti­ven Ge­halt ei­ner Vor­schrift grund­le­gend neu zu be­stim­men (vgl. BVerfGE 90, 263 <274 f.>; 119, 247 <274>; 128, 193 <209 ff.>; 132, 99 <127 ff.>).

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat dar­auf ab­ge­stellt, dass die „Dar­stel­lung" christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te im Sin­ne des Sat­zes 3 nicht gleich­zu­set­zen sei mit der „Be­kun­dung" ei­nes in­di­vi­du­el­len Be­kennt­nis­ses im Sin­ne des Sat­zes 1. Zu­dem be­zeich­ne der Be­griff des
„Christ­li­chen" ei­ne von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöste, aus der Tra­di­ti­on der christ­lich-abendländi­schen Kul­tur her­vor­ge­gan­ge­ne Wer­te­welt, die er­kenn­bar auch dem Grund­ge­setz zu­grun­de lie­ge und un­abhängig von ih­rer re­li­giösen Fun­die­rung Gel­tung be­an­spru­che.

Zwar mag der un­ter­schied­li­che Sprach­ge­brauch in Satz 1 („Be­kun­dun­gen") und Satz 3 („Dar­stel­lung") ei­nen An­satz für die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­fun­de­ne Aus­le­gung bie­ten. Auch dem Lan­des­ge­setz­ge­ber war im wei­te­ren Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­vor­ha­bens die Möglich­keit ei­ner ein­schränken­den Aus­le­gung in die­sem Sin­ne be­wusst. Denn noch vor dem endgülti­gen Ge­set­zes­be­schluss des Land­tags hat­te das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt zu ei­ner ver­gleich­ba­ren lan­des­ge­setz­li­chen Re­ge­lung in Ba­den-Würt­tem­berg (§ 38 Abs. 2 SchulG BW) ein ähn­li­ches Aus­le­gungs­er­geb­nis ge­won­nen (vgl. BVerw­GE 121, 140 <147, 150>). In ei­ner Stel­lung­nah­me ge­genüber dem Land­tag ver­trat die nord­rhein-westfäli­sche Lan­des­re­gie­rung da­mals den Stand­punkt, die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts sei nicht so zu ver­ste­hen, dass Zwei­fel an der Ver­fas­sungsmäßig­keit des Ent­wurfs ins­ge­samt bestünden. In­fra­ge ste­he le­dig­lich ei­ne ver­fas­sungs­kon­for­me Aus­le­gung der Be­stim­mung (LT-Vor­la­ge 14/463, S. 2).

Gleich­wohl wur­de eben­so wie von den Ge­set­zes­in­itia­to­ren auch im wei­te­ren Ver­lauf des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens die Ab­sicht ge­hegt, je­den­falls kei­ne Re­ge­lung zu tref­fen, die bei­spiels­wei­se Leh­re­rin­nen das Un­ter­rich­ten in ei­nem Or­dens­ha­bit ver­bie­tet oder das Tra­gen der jüdi­schen Kip­pa un­ter­sa­gen soll­te (LT­Drucks 14/569, S. 9). In­so­fern fol­ge­rich­tig hat der Ge­setz­ge­ber die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW aus­drück­lich auf das Be­kun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 be­zo­gen und die­se ge­setz­ge­bungs­tech­nisch als Aus­nah­me kon­stru­iert. Dies wird noch da­durch verstärkt, dass Satz 3 in sei­nem Wort­laut zwar den Er­zie­hungs­auf­trag der Lan­des­ver­fas­sung ins­ge­samt erwähnt, dann aber nur die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen vom Ver­hal­tens­ge­bot des Sat­zes 1 aus­nimmt. Die im Wort­laut der Ver­fas­sungs­be­stim­mung des Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW da­ne­ben aus­drück­lich erwähn­te Of­fen­heit auch für an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen wird in­des­sen außer Acht ge­las­sen und nicht mehr auf­geführt. All das ver­deut­licht, dass die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­fun­de­ne ein­schränken­de Aus­le­gung der Vor­schrift de­ren nor­ma­ti­ven Ge­halt im Grun­de neu be­stimmt und da­mit auch den im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren klar er­kenn­bar her­vor­ge­tre­te­nen Wil­len des Ge­setz­ge­bers nicht mehr trifft. Die­ser Wil­le hat sich nicht durch

 

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die vor Ab­schluss des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens er­folg­te Erörte­rung der Möglich­keit ei­ner an­de­ren Aus­le­gung verändert; die­se lässt le­dig­lich er­ken­nen, dass der Land­tag sich des ver­fas­sungs­recht­li­chen Ri­si­kos be­wusst war.

In der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt gewähl­ten Aus­le­gung kommt der Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW al­len­falls noch klar­stel­len­de Funk­ti­on zu. Die Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Kul­tur­wer­te er­weist sich in die­ser Aus­le­gung schon we­sensmäßig als et­was von vorn­her­ein an­de­res als die in Satz 1 un­ter­sag­te äußere Be­kun­dung ei­ner in­di­vi­du­el­len re­li­giösen Auf­fas­sung. Dann be­durf­te es aber nicht der in Satz 3 ge­trof­fe­nen Aus­nah­me­re­ge­lung, dass ei­ne sol­che Dar­stel­lung nicht dem Ver­hal­tens­ge­bot des Sat­zes 1 wi­der­spre­che. Die ge­setz­li­che Fest­stel­lung der Zulässig­keit sol­cher bloßen Dar­stel­lung von Glau­bens­in­hal­ten los­gelöster Lehr­ge­hal­te fügt sich sys­te­ma­tisch nicht in den Re­ge­lungs­kon­text des Sat­zes 1. Satz 3 kommt in dem Verständ­nis des Bun­des­ar­beits­ge­richts in dem ge­ge­be­nen Norm­zu­sam­men­hang kein sinn­voll er­schei­nen­der Re­ge­lungs­ge­halt mehr zu. Des­sen un­ge­ach­tet bleibt bei die­ser Aus­le­gung ei­ne Norm in Kraft, die bei ei­nem ih­rem Wort­laut nach mögli­chen wei­te­ren Verständ­nis als Öff­nung für ei­ne dis­kri­mi­nie­ren­de Ver­wal­tungs­pra­xis ver­stan­den wer­den könn­te und de­ren dies­bezügli­che Unschärfe im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren be­wusst hin­ge­nom­men wur­de.

Ver­fehlt der An­satz des Bun­des­ar­beits­ge­richts da­mit aber die Gren­zen ver­fas­sungs­kon­for­mer Aus­le­gung, so er­weist sich, dass § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW zu ei­ner gleich­heits­wid­ri­gen Be­nach­tei­li­gung aus Glau­bens­gründen führt, die nicht zu recht­fer­ti­gen ist.

2. § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW ist hier­nach für mit Art. 3 Abs. 3 Satz 1, Art. 33 Abs. 3 GG un­ver­ein­bar und nich­tig zu erklären. Die an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen be­ru­hen auch auf die­ser Vor­schrift (da­zu III., vor 1.).

IV.

In der hier ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nen Aus­le­gung verstößt die Re­ge­lung des § 57 Abs. 4 (ge­ge­be­nen­falls i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW, so­weit sie re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Lehr­kräften be­trifft, nicht ge­gen wei­te­re Grund­rech­te oder sons­ti­ges Bun­des­recht (Art. 31 GG); sie ist ins­be­son­de­re mit den ein­schlägi­gen Be­stim­mun­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) und der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on (EM­RK) ver­ein­bar.

1. Un­ter der Maßga­be der im Lich­te der Glau­bens- und Be­kennt­nis­frei­heit der Lehr­kräfte ge­bo­te­nen Aus­le­gung des Ver­bots re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild be­geg­net die mit­tel­bar zur Prüfung ste­hen­de Re­ge­lung (§ 57 Abs. 4, § 58 Satz 2 SchulG NW) in­so­weit kei­nen wei­te­ren durch­grei­fen­den ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken.

a) An­de­re Grund­rech­te gewähr­leis­ten hier kei­nen wei­ter­ge­hen­den Schutz als er aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG so­wie aus Art. 3 Abs. 3 Satz 1 und Art. 33 Abs. 3 GG folgt. Selbst un­ter der An­nah­me, dass im Ein­zel­fall die Frei­heit der Be­rufs­wahl (Art. 12 Abs. 1 GG) be­trof­fen wäre, wenn ein als ver­pflich­tend emp­fun­de­nes re­li­giöses Ge­bot in Fra­ge steht, wären die vom Lan­des­ge­setz­ge­ber ver­folg­ten Zie­le mit­tels ei­ner auf ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität be­grenz­ten Un­ter­sa­gungs­norm be­son­ders ge­wich­ti­ge Ge­mein­schafts­be­lan­ge, die die Re­ge­lung recht­fer­ti­gen (vgl. BVerfGE 119, 59 <83>).

b) § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW verstößt in der ge­bo­te­nen ein­schränken­den Aus­le­gung nicht ge­gen das Ge­bot der Gleich­be­hand­lung we­gen des Ge­schlechts. In der an­ge­grif­fe­nen Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt wäre die Re­ge­lung, so­weit sie ent­spre­chend der den Ge­setz­ge­ber be­stim­men­den In­ten­ti­on re­li­giöse Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild be­trifft, hin­ge­gen nicht mit dem Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­ein­bar.

So­weit § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW nach der an­ge­grif­fe­nen Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt re­li­giöse Be­kun­dun­gen im Schul­dienst al­lein durch das äußere Er­schei­nungs­bild un­abhängig von ei­ner kon­kre­ten Ge­fahr un­ter­bin­det, be­nach­tei­ligt die Re­ge­lung Frau­en, weil sie die pädago­gi­sche Tätig­keit im Schul­dienst von Vor­aus­set­zun­gen abhängig macht, die tatsächlich ganz über­wie­gend Frau­en nicht erfüllen können. Zwar han­delt es sich um ei­ne ge­schlechts­neu­tral for­mu­lier­te Re­ge­lung. In­ten­dier­te Be­deu­tung des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW ist aber, das Tra­gen von Klei­dungsstücken, die christ­li­chen und abendländi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten oder Tra­di­tio­nen ent­spre­chen, vom Be­kun­dungs­ver­bot aus­zu­neh­men. Auf die­ser Grund­la­ge er­fasst je­doch auch das

 

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un­abhängig von ei­ner kon­kre­ten Ge­fahr ein­grei­fen­de Be­kun­dungs­ver­bot ge­genwärtig Männer nur in ver­schwin­dend ge­rin­ger Zahl, wie bei­spiels­wei­se im Fall Tur­ban tra­gen­der Sikhs.Die an­ge­grif­fe­ne Re­ge­lung trifft un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen der­zeit in Deutsch­land fak­tisch ganz über­wie­gend mus­li­mi­sche Frau­en, die aus re­li­giösen Gründen ein Kopf­tuch tra­gen.

Das Grund­ge­setz bie­tet Schutz auch vor fak­ti­schen Be­nach­tei­li­gun­gen auf­grund des Ge­schlechts (vgl. BVerfGE 97, 35 <43>; 104, 373 <393>; 113, 1 <15>; 121, 241 <254 f.>; 126, 29 <53>; 132, 72 <97 f. Rn. 57>). Ei­ne Recht­fer­ti­gung fak­ti­scher Be­nach­tei­li­gun­gen kommt zwar grundsätz­lich in Be­tracht. Ein hin­rei­chen­der Recht­fer­ti­gungs­grund ist hier je­doch mit Blick auf die an­ge­grif­fe­ne Re­ge­lung in der auch vom Ge­setz­ge­ber in­ten­dier­ten Fas­sung (vgl. LT­Drucks 13/4564, S. 8; 14/569, S. 9; da­zu be­reits oben C. III.) nicht er­sicht­lich. Die für ein Be­kun­dungs­ver­bot auf­geführ­ten Gründe (oben B. II. 3. a) recht­fer­ti­gen ein un­abhängig von ei­ner kon­kre­ten Ge­fahr ein­grei­fen­des Be­kun­dungs­ver­bot ge­genüber dem Schutz vor fak­ti­scher Be­nach­tei­li­gung eben­so we­nig wie ge­genüber der Re­li­gi­ons­frei­heit der Pädago­gin­nen (oben B. II. 3. d). Auch so­weit ar­gu­men­tiert wird, ein Kopf­tuch­ver­bot schütze Frau­en vor der­je­ni­gen Dis­kri­mi­nie­rung, die ei­nem re­li­giösen Be­de­ckungs­ge­bot selbst in­ne­woh­ne, trägt dies nicht, denn die­ser Schutz wirkt sich hier tatsächlich als Be­nach­tei­li­gung aus (vgl. BVerfGE 85, 191 <209>). Die Be­nach­tei­li­gung lässt sich auch nicht da­mit recht­fer­ti­gen, das Kopf­tuch si­gna­li­sie­re ei­ne ab­leh­nen­de Hal­tung zur Gleich­be­rech­ti­gung von Männern und Frau­en, denn dies ist we­der au­to­ma­tisch noch durchgängig der Fall (da­zu oben B. II. 5.).

So­weit die Norm auch in der ge­bo­te­nen ein­schränken­den Aus­le­gung zu fak­ti­schen Be­nach­tei­li­gun­gen von Frau­en führt, ist dies hin­ge­gen aus den Gründen zu recht­fer­ti­gen, die auch ei­nen Ein­griff in Art. 4 GG tra­gen können (oben B. II. 3. d) bb) <4>).

c) Die Be­ru­fung der Be­schwer­deführe­rin­nen auf ei­nen bei ih­rer Ein­stel­lung in den Schul­dienst be­gründe­ten Ver­trau­ens­schutz zeigt kei­nen ver­fas­sungs­recht­lich er­heb­li­chen Man­gel auf. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat - im Ver­fah­ren 1 BvR 1181/10 - je­de Rück­wir­kung ver­neint. Die be­an­stan­de­te Re­ge­lung er­grei­fe kei­ne äußeren re­li­giösen Be­kun­dun­gen, die vor dem In­kraft­tre­ten der Be­stim­mung er­folgt sei­en. Un­be­scha­det der Fra­ge, ob die­se Be­wer­tung die ver­fas­sungs­recht­li­che Fra­ge­stel­lung vollständig er­fasst, trifft es zu, dass die Vor­schrift nicht sub­stan­ti­ell ändernd in die Rech­te und Pflich­ten ein­greift, die bis zu ih­rer Verkündung am 29. Ju­ni 2006 be­stan­den ha­ben. Ei­ne ech­te Rück­wir­kung schei­det des­halb von vorn­her­ein aus. Ge­gen ei­ne un­ech­te Rück­wir­kung - weil die Vor­schrift auch be­ste­hen­de ar­beits­ver­trag­li­che Dau­er­schuld­verhält­nis­se be­trifft - wäre ver­fas­sungs­recht­lich nichts zu er­in­nern. Die zu prüfen­de ge­setz­li­che Vor­schrift sieht zwar ei­nen Ein­griff in die Glau­bens­frei­heit auch der­je­ni­gen Lehr­kräfte vor, die vor der Verkündung der Re­ge­lung an­ge­stellt wor­den sind und bei de­nen da­hin­ste­hen kann, ob die­se da­mit rech­nen muss­ten. Je­den­falls ist de­ren et­wai­ges Ver­trau­en in die al­te Rechts­la­ge nicht schutzwürdi­ger als die mit dem Ge­setz ver­folg­ten An­lie­gen, wenn hin­sicht­lich re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die ge­setz­li­chen Schutzgüter be­leg­bar ist (vgl. zum Maßstab: BVerfGE 68, 287 <307>; 89, 48 <66>; 101, 239 <263>; 103, 392 <403>).

d) § 57 Abs. 4 (ge­ge­be­nen­falls i.V.m. § 58 Satz 2) SchulG NW ist in der hier ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­nen Aus­le­gung als lan­des­recht­li­che Norm mit sons­ti­gem Bun­des­recht ver­ein­bar und des­halb auch un­ter die­sem Ge­sichts­punkt von Ver­fas­sungs we­gen nicht zu be­an­stan­den (Art. 31 GG; vgl. BVerfGE 80, 137 <153>). Ei­ne wei­ter­ge­hen­de Ver­let­zung der Grund­rech­te der Be­schwer­deführe­rin­nen un­ter die­sem Ge­sichts­punkt schei­det mit­hin aus. Die Re­ge­lung steht in die­ser Aus­le­gung mit Art. 9 und Art. 14 EM­RK eben­so im Ein­klang wie mit § 7 Abs. 1 und § 8 Abs. 1 AGG.

aa) Ei­ne Ver­let­zung von Ga­ran­ti­en der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on liegt nicht vor. 

(1) In­ner­halb der deut­schen Rechts­ord­nung ste­hen die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ih­re Zu­satz­pro­to­kol­le - so­weit sie für die Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land in Kraft ge­tre­ten sind - im Ran­ge ei­nes Bun­des­ge­set­zes (vgl. BVerfGE 74, 358 <370>; 120, 180 <200>; 128, 326 <367>). Die­se Rang­zu­wei­sung führt da­zu, dass deut­sche Ge­rich­te die Kon­ven­ti­on wie an­de­res Ge­set­zes­recht des Bun­des im Rah­men me­tho­disch ver­tret­ba­rer Aus­le­gung zu be­ach­ten und an­zu­wen­den ha­ben. Die Eu­ropäische Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ist zu­dem - im Rah­men des me­tho­disch Ver­tret­ba­ren - als Aus­le­gungs­hil­fe bei der Aus­le­gung der Grund­rech­te und rechts­staat­li­chen Grundsätze des Grund­ge­set­zes her­an­zu­zie­hen (vgl. BVerfGE 111, 307 <315 ff.>; 128, 326 <366 ff.>; 131, 268 <295 f.>; BVerfG, Be­schluss des Zwei­ten Se­nats vom 22. Ok­to­ber 2014 - 2 BvR 661/12 - ju­ris,

 

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Rn. 128 f.). Auch Ge­set­ze sind im Ein­klang mit den völker­recht­li­chen Ver­pflich­tun­gen der Bun­des­re­pu­blik aus der Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den (vgl. BVerfGE 74, 358 <370>; 127, 132 <164>). Die Gewähr­leis­tun­gen der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on und ih­rer Zu­satz­pro­to­kol­le sind al­ler­dings in der deut­schen Rechts­ord­nung kein un­mit­tel­ba­rer ver­fas­sungs­recht­li­cher Prüfungs­maßstab (vgl. Art. 93 Abs. 1 Nr. 4a GG, § 90 Abs. 1 BVerfGG). Ein Be­schwer­deführer kann da­her vor dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt nicht un­mit­tel­bar die Ver­let­zung ei­nes in der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on ent­hal­te­nen Men­schen­rechts mit ei­ner Ver­fas­sungs­be­schwer­de rügen (vgl. BVerfGE 74, 102 <128>; 74, 358 <370>; 82, 106 <120>; 111, 307 <317>). An­ders verhält es sich je­doch, wenn ei­ne Ver­fas­sungs­be­schwer­de sich mit­tel­bar auch ge­gen Lan­des­recht rich­tet. Die­sem geht die Kon­ven­ti­on auf­grund ih­res Ran­ges als Bun­des­ge­setz vor. Sie fin­det des­halb über Art. 31 GG Ein­gang in den Prüfungs­maßstab (vgl. BVerfGK 10, 234 <239>).

(2) Die kon­ven­ti­ons­recht­lich ga­ran­tier­te Re­li­gi­ons­frei­heit (Art. 9 EM­RK) und das Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bot (Art. 14 EM­RK) sind in ih­rer Aus­le­gung durch die hier­zu er­gan­ge­ne Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR) of­fen­sicht­lich nicht ver­letzt. Der Ge­richts­hof hat im Zu­sam­men­hang mit Be­klei­dungs­vor­schrif­ten für Lehr­kräfte, na­ment­lich dem Ver­bot des Tra­gens des is­la­mi­schen Kopf­tuchs, den Ver­trags­staa­ten im Blick auf das in dem be­tref­fen­den Land gel­ten­de welt­an­schau­lich-re­li­giöse Neu­tra­litätsprin­zip und den Schutz der ne­ga­ti­ven Re­li­gi­ons­frei­heit Drit­ter, die er der Auf­recht­er­hal­tung der öffent­li­chen Si­cher­heit und der öffent­li­chen Ord­nung zu­ge­ord­net hat (Art. 9 Abs. 2 EM­RK), ei­nen er­heb­li­chen Spiel­raum ein­geräumt (vgl. EGMR, Dah­l­ab v. Schweiz, Ent­schei­dung vom 15. Fe­bru­ar 2001, Nr. 42393/98, NJW 2001, S. 2871 <2873>; EGMR <GK>, Sa­hin v. Türkei, Ur­teil vom 10. No­vem­ber 2005, Nr. 44774/98, NVwZ 2006, S. 1389 <1392 ff.>, § 107 ff.; EGMR, Kur­tul­mus v. Tur­key, Ent­schei­dung vom 24. Ja­nu­ar 2006, Nr. 65500/01; zu Gren­zen des Spiel­raums vgl. EGMR, Ewei­da u.a. v. UK, Ur­teil vom 15. Ja­nu­ar 2013, Nr. 48420/10 u.a., NJW 2014, S.1935 <1940 Rn. 95>). Auch im Blick auf ein et­wai­ges Ver­bot von „Kopf­tuchs­ur­ro­ga­ten" durch so­ge­nann­te Um­ge­hungs­tat­bestände hat der Ge­richts­hof den Einschätzungs­spiel­raum der Ver­trags­staa­ten be­tont (vgl. EGMR, Ak­tas v. Fran­ce, Ent­schei­dung vom 30. Ju­ni 2009, Nr. 43563/08).

Ein Ver­bot re­li­giöser Sym­bo­le, das sich nicht di­rekt ge­gen ei­ne be­stimm­te Re­li­gi­ons­zu­gehörig­keit rich­tet, ist auch im Lich­te des Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bots von Art. 14 EM­RK je­den­falls aus den­je­ni­gen Gründen un­be­denk­lich, aus de­nen auch ein dar­in lie­gen­der Ein­griff in Art. 9 EM­RK ge­recht­fer­tigt wer­den kann (vgl. EGMR <GK>, Sa­hin v. Türkei, Ur­teil vom 10. No­vem­ber 2005, Nr. 44774/98, NVwZ 2006, S. 1389 <1396>, § 165). Das ist hier der Fall, weil die Un­ter­sa­gungs­re­ge­lung al­le re­li­giösen Be­kun­dun­gen glei­cher­maßen trifft und weit über sol­che durch äußeres Auf­tre­ten hin­aus­greift, vor al­lem auch ver­ba­le Be­kun­dun­gen er­fasst.

Auf der Grund­la­ge die­ser Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs, von der die Be­wer­tung aus­zu­ge­hen hat (vgl. BVerfGE 111, 307 <319>; 128, 326 <368 ff.>), er­gibt sich, dass die den an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen zu­grun­de lie­gen­den lan­des­schul­ge­setz­li­chen Be­stim­mun­gen in der oben von Ver­fas­sungs we­gen vor­ge­ge­be­nen ein­schränken­den In­ter­pre­ta­ti­on kei­nen wei­ter­ge­hen­den, aus der Eu­ropäischen Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on fol­gen­den Be­den­ken be­geg­net.

bb) Eben­so we­nig ver­let­zen die in Re­de ste­hen­den lan­des­schul­ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen in der hier ge­bo­te­nen ein­schränken­den Aus­le­gung die Be­nach­tei­li­gungs­ver­bo­te des bun­des­recht­li­chen All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes.

Die Be­schränkung re­li­giöser Be­kun­dun­gen auf der Grund­la­ge des § 57 Abs. 4 SchulG NW stellt nach den Maßstäben des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes ei­ne un­mit­tel­ba­re, nor­ma­tiv vor­ge­ge­be­ne Be­nach­tei­li­gung aus Gründen der Re­li­gi­on dar, die die Beschäfti­gungs- und Ar­beits­be­din­gun­gen be­trifft (§§ 1, 2 Abs. 1 Nr. 2, § 3 Abs. 1 AGG). Sie ist als ei­ne we­sent­li­che und ent­schei­den­de be­ruf­li­che An­for­de­rung we­gen der Art der aus­zuüben­den Tätig­keit oder der Be­din­gun­gen ih­rer Ausübung je­den­falls dann ge­recht­fer­tigt (§ 8 Abs. 1 AGG), wenn das äußere Er­schei­nungs­bild zu ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Gefähr­dung oder Störung des Schul­frie­dens oder der staat­li­chen Neu­tra­lität führt oder we­sent­lich da­zu beiträgt (oben B. II. 3. d) bb) <4> <b>).

Auch un­ter dem Ge­sichts­punkt ei­ner mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts (§ 3 Abs. 2 Satz 1 AGG) lässt sich ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 Abs. 1 AGG durch die Re­ge­lung in der ge­bo­te­nen ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung aus den auch für das ver­fas­sungs­recht­li­che Ge­bot der Gleich­be­hand­lung gel­ten­den Gründen nicht fest­stel­len.

 

- 31 -

2. Es be­darf kei­ner nähe­ren Be­fas­sung mit der Fra­ge, ob das Bun­des­ar­beits­ge­richt als letzt­in­stanz­li­ches Fach­ge­richt den Be­schwer­deführe­rin­nen ih­ren ge­setz­li­chen Rich­ter vor­ent­hal­ten hat (Art. 101 Abs. 1 Satz 2 GG), in­dem es von ei­ner Vor­la­ge an den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ab­ge­se­hen hat. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­nen Ent­schei­dun­gen er­wei­sen sich be­reits aus an­de­ren Gründen als mit dem Grund­ge­setz nicht ver­ein­bar.

V.

Da­nach ist die Vor­schrift des § 57 Abs. 4 Satz 3 SchulG NW mit Art. 3 Abs. 3 und Art. 33 Abs. 3 GG un­ver­ein­bar und nich­tig (§ 95 Abs. 3 BVerfGG). Die an­ge­grif­fe­nen Ur­tei­le der Ar­beits­ge­rich­te ver­let­zen die Be­schwer­deführe­rin­nen je­weils in ih­rem Grund­recht aus Art. 4 Abs. 1 und 2 GG. Die Ent­schei­dun­gen der Lan­des­ar­beits­ge­rich­te und des Bun­des­ar­beits­ge­richts sind auf­zu­he­ben. Der Se­nat ver­weist die Sa­chen je­weils an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück (§ 95 Abs. 2 BVerfGG). Auf die­se Wei­se wird in der Tat­sa­chen­in­stanz die Möglich­keit ergänzen­der Fest­stel­lun­gen eröff­net, um die­se auf der Grund­la­ge ei­ner ver­fas­sungs­kon­for­men Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 SchulG NW ei­ner er­neu­ten fach­recht­li­chen Be­wer­tung un­ter­zie­hen zu können.

C.

Die Aus­la­gen­ent­schei­dung be­ruht auf § 34a Abs. 2 und 3 BVerfGG. 

Die Ent­schei­dung ist mit 6 : 2 Stim­men er­gan­gen. 159

Gai­er

Eich­ber­ger

Schlu­cke­bier
Ma­sing

Pau­lus

Her­manns

Ba­er

Britz

Ab­wei­chen­de Mei­nung des Rich­ters Schlu­cke­bier und der Rich­te­rin Her­manns

zum Be­schluss des Ers­ten Se­nats vom 27. Ja­nu­ar 2015

-1 Ei­vR 471/10 -
- 1 BvR 1181/10 -

Die Ent­schei­dung vermögen wir in wei­ten Tei­len des Er­geb­nis­ses und der Be­gründung nicht mit­zu­tra­gen.

Die vom Se­nat ge­for­der­te ein­schränken­de Aus­le­gung des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW da­hin, dass nur ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität ein Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Pädago­gen zu recht­fer­ti­gen ver­mag, wenn es um die Be­fol­gung ei­nes im­pe­ra­tiv ver­stan­de­nen re­li­giösen Ge­bots geht, misst den zu dem in­di­vi­du­el­len Grund­recht der Pädago­gen ge­genläufi­gen Rechtsgütern von Ver­fas­sungs­rang bei der Verhält­nismäßig­keitsprüfung zu ge­rin­ges Ge­wicht bei. Sie ver­nachlässigt die Be­deu­tung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags, der un­ter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität zu erfüllen ist, so­wie den Schutz des el­ter­li­chen Er­zie­hungs­rechts und der ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schüler. Da­mit be­schnei­det der Se­nat zu­gleich in nicht ak­zep­ta­bler Wei­se den Spiel­raum des Lan­des­schul­ge­setz­ge­bers bei der Aus­ge­stal­tung des mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­verhält­nis­ses, das ge­ra­de die be­kennt­nis­of­fe­ne öffent­li­che Schu­le be­son­ders kenn­zeich­net. Der Se­nat ent­fernt sich so auch von den Maßga­ben und Hin­wei­sen der so­ge­nann­ten Kopf­tuch-Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282), die dem Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber ge­ra­de für den Be­reich der öffent­li­chen Schu­le die Auf­ga­be zu­schreibt, ge­setz­lich zu re­geln, in­wie­weit er re­li­giöse Bezüge in der Schu­le zulässt oder we­gen ei­nes strik­te­ren Neu­tra­litäts­verständ­nis­ses aus der Schu­le her­aushält. Nach un­se­rer Auf­fas­sung ist die vom nord­rhein-westfäli­schen Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber ge­woll­te Un­ter­sa­gung schon abs­trakt zur Gefähr­dung des Schul­frie­dens und der staat­li­chen Neu­tra­lität ge­eig­ne­ter Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Pädago­gen ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den. Al­ler­dings muss es sich bei Be­kun­dun­gen durch das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung, die ge­eig­net zur Gefähr­dung der Schutzgüter sind, um sol­che von star­ker re­li­giöser Aus­drucks­kraft han­deln (da­zu I.).

 

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An­ders als der Se­nat meint, ist Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW, wo­nach die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags der Schu­len nach der nord­rhein-westfäli­schen Lan­des­ver­fas­sung und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1 nicht wi­der­spricht, in der Aus­le­gung durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich. Die­se In­ter­pre­ta­ti­on, die an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts an­knüpft, hält sich in den Gren­zen rich­ter­li­cher Ge­set­zes­bin­dung (Art. 20 Abs. 3 GG). Liegt da­mit für christ­li­che und jüdi­sche Re­li­gio­nen kei­ne Frei­stel­lung vom Be­kun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 in § 57 Abs. 4 SchulG NW und da­mit kei­ne Pri­vi­le­gie­rung vor - ei­ne sol­che wäre auch un­se­rer An­sicht nach gleich­heits­wid­rig -, so be­steht auch kein Grund, die Teil­re­ge­lung des Sat­zes 3 für ver­fas­sungs­wid­rig und nich­tig zu erklären (da­zu II.).

In der Fol­ge be­ste­hen ge­gen die an­ge­grif­fe­ne Vor­schrift des § 57 Abs. 4 SchulG NW auch kei­ne durch­grei­fen­den Be­den­ken, die sich aus an­de­ren Grund­rech­ten der Be­schwer­deführe­rin­nen, aus den Vor­schrif­ten der Eu­ropäischen Kon­ven­ti­on zum Schutz der Men­schen­rech­te und Grund­frei­hei­ten so­wie den bun­des­recht­li­chen Be­stim­mun­gen des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes er­ge­ben könn­ten (da­zu III.). Im Er­geb­nis wäre des­halb al­len­falls die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Be­schwer­deführe­rin zu I.) als be­gründet zu er­ach­ten ge­we­sen, weil die von ihr ge­tra­ge­ne Kopf­be­de­ckung (Wollmütze und gleich­far­bi­ger Roll­kra­gen­pull­over) im ge­ge­be­nen Um­feld der Schu­le nicht oh­ne Wei­te­res als re­li­giöse Be­kun­dung deut­bar ist. Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Be­schwer­deführe­rin zu II.) er­scheint da­ge­gen nach den vor­ge­nann­ten Maßstäben un­be­gründet (da­zu IV.).

I.

Die vom nord­rhein-westfäli­schen Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber ge­woll­te Un­ter­sa­gung re­li­giöser Be­kun­dun­gen auch durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Pädago­gen nach § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW, wenn die­se ge­eig­net sind, den Schul­frie­den oder die staat­li­che Neu­tra­lität zu gefähr­den oder zu stören, ist ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu be­an­stan­den, wenn die Be­kun­dungs­wir­kung hin­rei­chend stark ist. Ei­ne ein­schränken­de Aus­le­gung der Be­stim­mung, wo­nach die Un­ter­sa­gung in der hier ge­ge­be­nen Kon­stel­la­ti­on ei­ne hin­rei­chend kon­kre­te Ge­fahr für die Schutzgüter er­for­dert, ist von Ver­fas­sungs we­gen nicht ge­bo­ten. Im Ge­gen­teil: Sie misst dem el­ter­li­chen Er­zie­hungs­recht und der ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit der Schüler so­wie dem staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trag, der un­ter Wah­rung der Pflicht zu welt­an­schau­lich-re­li­giöser Neu­tra­lität zu erfüllen ist, im Verhält­nis zu der Glau­bens­frei­heit der Pädago­gen in dem zu ei­nem scho­nen­den Aus­gleich zu brin­gen­den mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­verhält­nis in der Schu­le zu ge­rin­ges Ge­wicht bei und verkürzt den Ge­stal­tungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers. Es steht dem Ge­setz­ge­ber im Rah­men die­ses Ge­stal­tungs­spiel­raums of­fen, sol­che Be­kun­dun­gen schon bei nur abs­trak­ter Ge­fahr für die Schutzgüter zu un­ter­sa­gen.

1. Die be­kennt­nis­of­fe­ne öffent­li­che Ge­mein­schafts­schu­le ist durch das Auf­ein­an­der­tref­fen un­ter­schied­li­cher Glau­bensüber­zeu­gun­gen von Pädago­gen, Schülern und El­tern ge­kenn­zeich­net, de­ren Frei­heits­gewähr­leis­tung im All­tag auch das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung um­fasst. Der Er­zie­hungs­auf­trag des Staa­tes, den er in fördern­der und wohl­wol­len­der Neu­tra­lität ge­genüber den un­ter­schied­li­chen re­li­giösen und welt­an­schau­li­chen Rich­tun­gen wahr­zu­neh­men hat, er­for­dert im Blick auf Pädago­gen, die in der Schu­le von ih­rer in­di­vi­du­el­len Glau­bens­frei­heit Ge­brauch ma­chen, in der Aus­ge­stal­tung ei­nen an­ge­mes­se­nen und scho­nen­den Aus­gleich zwi­schen den be­trof­fe­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Po­si­tio­nen. Die­sen Aus­gleich hat in den we­sent­li­chen Fra­gen der Ge­setz­ge­ber vor­zu­ge­ben. Nach der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts war da­von aus­zu­ge­hen, dass das Grund­ge­setz den Ländern im Schul­we­sen um­fas­sen­de Ge­stal­tungs­frei­heit belässt; auch in Be­zug auf die welt­an­schau­lich-re­li­giöse Aus­prägung der öffent­li­chen Schu­len hat Art. 7 GG da­nach die weit­ge­hen­de Selbstständig­keit der Länder und im Rah­men von de­ren Schul­ho­heit die grundsätz­lich freie Aus­ge­stal­tung der Pflicht­schu­le im Au­ge (so zu­letzt BVerfGE 108, 282 <302, 310 ff.>; sie­he auch BVerfGE 41, 29 <44 f.>; 52, 223 <242 f.>). Die­se den Ländern bis­her zu­ge­stan­de­ne weit­ge­hen­de Ge­stal­tungs­frei­heit für das Schul­we­sen schließt nach dem Ur­teil des Zwei­ten Se­nats vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282) bei der Aus­ge­stal­tung des Er­zie­hungs­auf­trags die Möglich­keit ein, der staat­li­chen Neu­tra­lität im schu­li­schen Be­reich ei­ne strik­te­re und mehr als bis­her dis­tan­zie­ren­de Be­deu­tung bei­zu­mes­sen und dem­gemäß auch durch das äußere Er­schei­nungs­bild ei­ner Lehr­kraft ver­mit­tel­te re­li­giöse Bezüge von den Schülern grundsätz­lich fem­zu­hal­ten, um Kon­flik­te mit Schülern, El­tern oder an­de­ren Lehr­kräften von vorn­her­ein zu ver­mei­den (vgl. BVerfGE 108, 282 <310>). Es ist

 

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dem­nach zunächst Sa­che des Lan­des­ge­setz­ge­bers, darüber zu be­fin­den, wie er den scho­nen­den Aus­gleich bei der Ge­stal­tung des Er­zie­hungs­auf­trags im mul­ti­po­la­ren Grund­rechts­verhält­nis der Schu­le fin­det. Da­bei kann er re­li­giöse Bezüge in der be­kennt­nis­of­fe­nen Ge­mein­schafts­schu­le in weit­ge­hen­dem Maße zu­las­sen (vgl. BVerfGE 52, 223 - Schul­ge­bet); er kann sie aber auch - ab­ge­se­hen von der Ga­ran­tie des Re­li­gi­ons­un­ter­richts (Art. 7 Abs. 3 GG) - weit­ge­hend aus der Schu­le her­aus­hal­ten. Ent­schei­det sich der Lan­des­ge­setz­ge­ber - et­wa in An­se­hung wach­sen­der kul­tu­rel­ler und re­li­giöser Viel­falt - für ei­ne Be­schränkung des zulässi­gen Aus­maßes re­li­giöser Bezüge in der Ge­mein­schafts­schu­le, so steht es ihm - ge­ra­de be­zo­gen auf das Ver­hal­ten sei­ner Pädago­gen - of­fen, schon vor­beu­gend mögli­chen Be­ein­flus­sun­gen der Schüle­rin­nen und Schüler ent­ge­gen­zu­wir­ken, um nicht fem­lie­gen­de Kon­flik­te zwi­schen Pädago­gen und Schülern so­wie de­ren El­tern, aber auch in­ner­halb der Schüler­schaft von vorn­her­ein zu ver­mei­den (vgl. BVerfGE 108, 282 <307, 309, 310>).

Die­se Maßga­ben, die der Zwei­te Se­nat in der zi­tier­ten Ent­schei­dung min­des­tens na­he ge­legt hat, auch wenn der hier zur Ent­schei­dung be­ru­fe­ne Ers­te Se­nat sie jetzt un­aus­ge­spro­chen als nicht ent­schei­dungs­tra­gend be­wer­tet, wären der ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­ur­tei­lung un­se­res Er­ach­tens auch im In­ter­es­se ei­ner be­re­chen­ba­ren Ver­fas­sungs­recht­spre­chung zu­grun­de zu le­gen ge­we­sen. Denn die Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber, die wie vor­lie­gend in Nord­rhein-West­fa­len die Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats aus dem Jahr 2003 (BVerfGE 108, 282) zum An­lass für ei­ne ent­spre­chen­de ge­setz­li­che Re­ge­lung ge­nom­men ha­ben, sind von ge­nau die­sem Verständ­nis je­ner Ent­schei­dung aus­ge­gan­gen. In ver­schie­de­nen Anhörun­gen durch Land­tags­ausschüsse auch an­de­rer Länder, die sich da­mals mit den Fol­gen der Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats be­fasst ha­ben, ist dem­ent­spre­chend ein ge­ne­rel­les und für al­le Re­li­gio­nen gel­ten­des Ver­bot des Tra­gens re­li­giös kon­no­tier­ter Klei­dungsstücke im Schul­dienst für ver­fas­sungs­recht­lich statt­haft er­ach­tet wor­den (vgl. et­wa Mu­ckel, Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Aus­schuss­pro­to­koll 14/137, S. 12 ff.; Oeb­be­cke, Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Zu­schrift 13/3910, S. 5 so­wie Stel­lung­nah­me 14/0184, S. 1; fer­ner Ba­er/Wra­se, Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag, Um­druck 15/4513, S. 5; Ma­sing, Baye­ri­scher Land­tag, 15. Wahl­pe­ri­ode, Ausschüsse, Wort­pro­to­koll vom 15. Ju­ni 2004, S. 12 bis 14).

Das vom Ge­setz­ge­ber be­ab­sich­tig­te Verständ­nis der Norm, das das Bun­des­ar­beits­ge­richt mit sei­ner Aus­le­gung in den Aus­gangs­ver­fah­ren auf­ge­nom­men hat und wo­nach schon ei­ne abs­trak­te Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität für die Un­ter­sa­gung ei­ner re­li­giösen Be­kun­dung genügt, steht auch im Ein­klang mit der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te (EGMR). Die­ser hat den Mit­glied­staa­ten ei­nen er­heb­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu­ge­stan­den und zu so­ge­nann­ten Kopf­tuch­ver­bo­ten un­ter­stri­chen, auf­grund des be­son­de­ren Sta­tus ei­ner Lehr­per­son als „re­pre­sen­ta­ti­ve of the sta­te" kom­me de­ren Re­li­gi­ons­frei­heit in der Abwägung ein ge­rin­ge­res Ge­wicht zu. Auch hat er es für nicht re­le­vant be­fun­den, ob aus der Si­tua­ti­on des Ein­zel­falls her­aus kon­kre­te An­halts­punk­te für ei­ne Gefähr­dung der Rech­te der Schüler bestünden. Aus­rei­chend sei viel­mehr, dass sich sol­che Ef­fek­te nicht aus­sch­ließen ließen. Be­zo­gen auf das Tra­gen re­li­giöser Sym­bo­le könne dies dann an­ge­nom­men wer­den, wenn es sich da­bei um star­ke äußer­li­che Zei­chen han­de­le (vgl. nur EGMR, Dah­l­ab v. Schweiz, Ent­schei­dung vom 15. Fe­bru­ar 2001, Nr. 42393/98, NJW 2001, S. 2871 <2873>).

2. Die vom Se­nat sei­ner Verhält­nismäßig­keitsprüfung zu­grun­de ge­leg­te Würdi­gung hal­ten wir auf die­ser Grund­la­ge, na­ment­lich den Ausführun­gen im Ur­teil des Zwei­ten Se­nats vom 24. Sep­tem­ber 2003 (BVerfGE 108, 282), für nicht über­zeu­gend. Viel­mehr kann der Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber gu­te und tragfähi­ge Gründe für sich in An­spruch neh­men, die schon die abs­trak­te Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität für das in Re­de ste­hen­de ge­ne­rel­le Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen auch durch das äußere Er­schei­nungs­bild genügen las­sen. Auch ei­ne sol­che Lösung für die Um­set­zung des vom Ge­setz­ge­ber ver­folg­ten le­gi­ti­men Ziels ist als an­ge­mes­sen und zu­mut­bar zu be­ur­tei­len.

a) Der Se­nat geht da­von aus, das Tra­gen ei­ner re­li­giös kon­no­tier­ten Be­klei­dung durch Pädago­gen, die im so­zia­len Um­feld als re­li­giöse Be­kun­dung wahr­ge­nom­men wird, sei als in­di­vi­du­el­le Grund­rechts­ausübung er­kenn­bar. Die Be­trach­tung erschöpfe sich in der vi­su­el­len Wahr­neh­mung und sei nicht von vorn­her­ein da­zu an­ge­tan, die ne­ga­ti­ve Glau­bens­frei­heit und das El­tern­grund­recht zu be­ein­träch­ti­gen. Auch könne das Tra­gen et­wa ei­nes is­la­mi­schen Kopf­tuchs durch Pädago­gin­nen nicht als vor­bild­haft be­wer­tet wer­den. Zu­dem ge­be es kei­nen An­spruch auf Ver­scho­nung vor der in­di­vi­du­el­len Grund­rechts­ausübung an­de­rer, so­lan­ge da­mit kein ge­zielt be­ein­flus­sen­der Ef­fekt ein­her­ge­he.

 

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Da­mit ist die Be­trof­fen­heit von Schüle­rin­nen und Schülern so­wie von El­tern in ih­rer ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit so­wie im El­tern­grund­recht nur un­zu­rei­chend er­fasst und ge­wich­tet. Die­se Be­wer­tung hal­ten wir für nicht rea­litäts­ge­recht. Sie ver­nachlässigt, dass das Schüler-Pädago­gen-Verhält­nis ein spe­zi­fi­sches Abhängig­keits­verhält­nis ist, dem Schüler und El­tern un­aus­weich­lich und nicht nur flüch­tig aus­ge­setzt sind. Das Maß der Be­trof­fen­heit un­ter­schei­det sich grund­le­gend von dem, das beim Zu­sam­men­tref­fen ver­schie­de­ner re­li­giöser Be­kennt­nis­se und Be­kun­dun­gen im ge­sell­schaft­li­chen All­tag ge­ge­ben ist, und mit dem Men­schen in ei­ner plu­ra­lis­ti­schen Ge­sell­schaft um­ge­hen und das sie dul­den müssen, auch wenn sie dem im Ein­zel­fall, et­wa im öffent­li­chen Raum nur be­grenzt ent­ge­hen können. In je­dem Fal­le sind sol­che Berührun­gen in der Re­gel nur punk­tu­ell und nicht von nen­nens­wer­ter Dau­er. Schon das un­ter­schei­det sie von der Be­geg­nung und Kon­fron­ta­ti­on in der Schu­le, der die Schüler sich nicht ent­zie­hen können und bei der die Nicht­teil­nah­me am Un­ter­richt so­gar sank­tio­niert ist. Schüler können al­so hier den Lehr­per­so­nen und ih­ren Über­zeu­gun­gen nicht aus dem Weg ge­hen. Darüber hin­aus ist es Auf­ga­be der Lehr­per­so­nen, Schüle­rin­nen und Schüler zu un­ter­rich­ten, zu er­zie­hen, zu be­ra­ten, zu be­ur­tei­len, zu be­auf­sich­ti­gen und zu be­treu­en (§ 57 Abs. 1 SchulG NW). Dar­aus er­hellt sich auch das be­son­de­re Abhängig­keits­verhält­nis zwi­schen Schülern und Pädago­gen, die über die Ver­set­zung und ei­nen er­folg­rei­chen Schul­ab­schluss mit­be­fin­den. Sie können schon des­halb nicht mit be­lie­bi­gen Per­so­nen aus der Ge­sell­schaft ver­gli­chen wer­den, die von den Schüle­rin­nen und Schülern le­dig­lich an­ge­schaut wer­den und de­ren Auf­fas­sung die­se er­tra­gen müssen; viel­mehr tre­ten sie in der Schu­le als Au­to­ritäts­per­son auf. Das gilt auch für so­zi­alpädago­gi­sche Mit­ar­bei­ter, die mit der Lösung von Schul­kon­flik­ten be­traut sind (vgl. § 58 Satz 2 SchulG NW). Dies be­dingt ein weit­aus stärke­res Aus­ge­setzt­sein ge­genüber re­li­giösen Be­kun­dun­gen als es bei Be­geg­nun­gen im ge­sell­schaft­li­chen All­tag der Fall ist. Bei­des ist nicht ver­gleich­bar.

b) Den Pädago­gen kommt in der Schu­le im Um­gang mit den Schüle­rin­nen und Schülern zu­dem ei­ne Vor­bild­funk­ti­on zu. Die ge­woll­te er­zie­he­ri­sche Ein­wir­kung löst in der Re­gel bei Schülern und mit­tel­bar auch bei de­ren El­tern ir­gend­ei­ne Form der Re­ak­ti­on aus. Von re­li­giösen Be­kun­dun­gen durch das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung geht - abhängig auch von dem Al­ter der be­trof­fe­nen Schüle­rin­nen und Schüler - nicht zwin­gend, aber je­den­falls nicht aus­sch­ließbar ei­ne ge­wis­se ap­pel­la­ti­ve Wir­kung aus, sei es in dem Sin­ne, dass die­ses Ver­hal­ten als vor­bild­haft und be­fol­gungswürdig ver­stan­den und auf­ge­nom­men, sei es, dass es ent­schie­den ab­ge­lehnt wird. Da­bei ist zu be­den­ken, dass die schu­li­sche Er­zie­hung nicht nur der Er­lan­gung der grund­le­gen­den Kul­tur­tech­ni­ken und der Ent­wick­lung ko­gni­ti­ver Fähig­kei­ten dient. Sie soll auch die emo­tio­na­len und af­fek­ti­ven An­la­gen der Schüler zur Ent­fal­tung brin­gen. Das Schul­ge­sche­hen ist dar­auf an­ge­legt, ih­re Persönlich­keits­ent­wick­lung um­fas­send zu fördern, ins­be­son­de­re auch das So­zi­al­ver­hal­ten zu be­ein­flus­sen. Die Um­set­zung des­sen ist Auf­ga­be der Pädago­gen (vgl. § 57 Abs. 1 SchulG NW). De­ren Ver­hal­ten, aber auch die Be­fol­gung be­stimm­ter re­li­giöser Be­klei­dungs­re­geln trifft auf Per­so­nen, die auf­grund ih­rer Ju­gend in ih­ren An­schau­un­gen noch nicht ge­fes­tigt sind, Kri­tik­vermögen und Aus­bil­dung ei­ge­ner Stand­punk­te erst er­ler­nen sol­len und da­her auch ei­ner men­ta­len Be­ein­flus­sung be­son­ders leicht zugäng­lich sind (so der Se­nat in BVerfGE 93, 1 <20> - Kru­zi­fix; vgl. auch BVerfGE 52, 223 <249>). Ei­ne wirk­lich of­fe­ne Dis­kus­si­on über die Be­fol­gung re­li­giöser Be­klei­dungs­re­geln und -prak­ti­ken wird, wenn Lehr­per­so­nen persönlich be­trof­fen sind, in dem spe­zi­fi­schen Abhängig­keits­verhält­nis der Schu­le al­len­falls be­grenzt möglich sein.

Das Tra­gen re­li­giös kon­no­tier­ter Klei­dung durch Pädago­gen kann schließlich zu Kon­flik­ten in­ner­halb der Schüler­schaft und un­ter den El­tern führen und sie befördern, zu­mal wenn die Be­trof­fe­nen mögli­cher­wei­se ähn­li­chen, aber hin­sicht­lich be­stimm­ter re­li­giöser Re­geln - wie et­wa dem Be­de­ckungs­ge­bot - ver­schie­de­nen Glau­bens­rich­tun­gen an­gehören, in de­nen un­ter­schied­li­che An­schau­un­gen über das „rich­ti­ge" glau­bens­ge­lei­te­te Ver­hal­ten herr­schen. Auch wenn sol­che re­li­giösen Be­kun­dun­gen nicht zwin­gend zu ei­ner Be­ein­träch­ti­gung der ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit und des El­tern­grund­rechts führen müssen, so be­steht doch in die­ser Hin­sicht ein er­heb­li­ches Ri­si­ko. Der Ge­setz­ge­ber darf des­halb den Schutz die­ser Grund­rech­te mit beträcht­li­chem Ge­wicht in die Abwägung ein­stel­len.

c) Die Pädago­gen ge­nießen zwar ih­re in­di­vi­du­el­le Glau­bens­frei­heit. Zu­gleich sind sie aber Amts­träger und da­mit der fördern­den Neu­tra­lität des Staa­tes auch in re­li­giöser Hin­sicht ver­pflich­tet. Denn der Staat kann nicht als an­ony­mes We­sen, son­dern nur durch sei­ne Amts­träger und sei­ne Pädago­gen han­deln. Die­se sind sei­ne Re­präsen­tan­ten. Die Ver­pflich­tung des Staa­tes auf die Neu­tra­lität kann des­halb kei­ne an­de­re sein als die ei­ner Ver­pflich­tung sei­ner Amts­träger auf Neu­tra­lität. Für den Pädago­gen in der

 

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Schu­le als In­di­vi­du­um ist es des­halb an­ders als für das In­di­vi­du­um in aus­sch­ließlich ge­sell­schaft­li­chen Zu­sam­menhängen ge­bo­ten, bei re­li­giösen Be­kun­dun­gen Zurück­hal­tung zu üben, wenn sei­ne Über­zeu­gung bei der Wahr­neh­mung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags mit den Grund­rech­ten an­de­rer kol­li­die­ren kann. Das gilt für äußere re­li­giöse Be­kun­dun­gen glei­cher­maßen wie für po­li­ti­sche Be­kun­dun­gen, die frei­lich den un­ter Ge­set­zes­vor­be­halt ste­hen­den Grund­rech­ten auf Mei­nungs­frei­heit und all­ge­mei­ne Hand­lungs­frei­heit zu­zu­ord­nen sind.

d) Der Ge­setz­ge­ber konn­te sich bei sei­ner Ent­schließung für ein weit­ge­hend schon vor­beu­gen­des Ver­bot auch auf die da­mals - im An­schluss an die Kopf­tuch-Ent­schei­dung des Zwei­ten Se­nats (BVerfGE 108, 282) - bei den Anhörun­gen in ver­schie­de­nen Land­ta­gen her­vor­ge­tre­te­ne, weit­ge­hend übe­rein­stim­men­de Einschätzung sach­kun­di­ger Pädago­gen stützen. So hat et­wa bei ei­ner vor­an­ge­gan­ge­nen Anhörung zu ei­ner ähn­li­chen lan­des­schul­ge­setz­li­chen Re­ge­lung im Land­tag von Ba­den-Würt­tem­berg der Vor­sit­zen­de der Ver­ei­ni­gung von Schul­lei­tern be­tont, durch die Persönlich­keit der Lehr­kraft, zu der auch das äußere Er­schei­nungs­bild gehöre, würden Schüle­rin­nen und Schüler be­stimm­ter Al­ters­grup­pen an­ge­spro­chen und di­rekt oder in­di­rekt be­ein­flusst. Er hat da­bei ei­ne Erklärung des Lan­des­schul­bei­rats vor­ge­tra­gen und her­vor­ge­ho­ben, dass bei der zu­vor statt­ge­fun­de­nen Bun­des­ta­gung al­ler Schul­lei­tun­gen ei­ne einmüti­ge Erklärung in die­ser Hin­sicht ge­fasst wor­den sei. Die­se ha­be auch zum In­halt ge­habt, dass die Pro­ble­ma­tik kei­nes­falls bei den ein­zel­nen Schu­len „ab­ge­la­den" wer­den sol­le, son­dem der Ge­setz­ge­ber ei­ne ge­ne­rel­le Lösung fin­den möge (Rai­ner Mack, 13. Land­tag von Ba­den-Würt­tem­berg, Aus­schuss für Schu­le u.a., 12. März 2004, S. 101 ff.). Die­se Sicht­wei­se ent­sprach Stel­lung­nah­men des Schul­lei­ter­ver­ban­des Schles­wig-Hol­stein und der Ver­ei­ni­gung der Schul­auf­sichts­be­am­ten des Lan­des Hes­sen in den dor­ti­gen Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren. Dar­in wur­de un­miss­verständ­lich her­vor­ge­ho­ben, falls ei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen wer­de, sei es Kon­sens, dass kei­ne Ein­zel­fall­ent­schei­dung der Schu­le vor Ort vor­ge­se­hen wer­den dürfe, weil dies er­heb­li­ches Kon­flikt­po­ten­zi­al in sich ber­ge (Hes­si­scher Land­tag, Aus­schuss­vor­la­ge KPA/16/14, S. 283; Schles­wig-Hol­stei­ni­scher Land­tag, Um­druck 15/4472). In glei­cher Wei­se fin­den sich Stel­lung­nah­men in dem Anhörungs­ver­fah­ren des Land­tags Nord­rhein-West­fa­len, in de­nen ins­be­son­de­re auch auf die Pro­ble­me in Grund- und Haupt­schu­len im Blick auf die ver­schie­de­nen Rich­tun­gen und Ein­stel­lun­gen is­la­mi­scher Schüler und El­tern im Verhält­nis zur Lehr­kraft hin­ge­wie­sen wur­de. Ge­ra­de un­ter die­sen Schüle­rin­nen und Schülern und ih­ren El­tern ge­be es auch Dis­kus­sio­nen über „die rich­ti­ge Frömmig­keit". Ei­ne ein­heit­li­che lan­des­wei­te Re­ge­lung sei not­wen­dig, da­mit nicht je­de be­trof­fe­ne Schu­le der­ar­ti­ge Kon­flik­te selbst lösen müsse (vgl. et­wa Land­tag Nord­rhein-West­fa­len, Haupt­aus­schuss u.a., Aus­schuss­pro­to­koll 13/1218 vom 6. Mai 2004, S. 43, 44, 46 ff. <Klaus Thören, Fe­li­zi­tas Rei­nert>; Zu­schrift 13/3912 vom 29. April 2004, S. 1 <Fe­li­zi­tas Rei­nert>; Haupt­aus­schuss u.a., Aus­schuss­pro­to­koll 14/137 vom 9. März 2006, S. 40 f. <Klaus Thören>).

Die­se Stel­lung­nah­men ver­deut­li­chen die Be­deu­tung ei­nes ge­ne­rel­len, et­wa auch lan­des­wei­ten und - ein­heit­li­chen Ver­bots re­li­giöser Be­kun­dun­gen schon bei abs­trak­ter Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität. Zu­dem liegt auf der Hand, dass mit ei­ner Ein­schränkung des Ver­bots auf Fälle ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Ge­fahr für die Schutzgüter in der Schul­pra­xis in stärke­rem Maße Be­fun­der­he­bungs- und Be­weisführungs­pro­ble­me er­wach­sen. Die­se sind von der Schul­ver­wal­tung not­wen­dig un­ter Be­tei­li­gung der Schüler und El­tern aus­zu­tra­gen und verstärken ei­ne dem Er­zie­hungs­auf­trag eher ab­trägli­che Per­so­na­li­sie­rung des et­wai­gen Kon­flikts. Vor die­sem Hin­ter­grund ist das Be­stre­ben des Ge­setz­ge­bers an­zu­er­ken­nen, ei­ne ein­heit­li­che all­ge­mei­ne Re­ge­lung zu schaf­fen, um welt­an­schau­lich-re­li­giöse Kon­flik­te möglichst weit­ge­hend aus den Schu­len her­aus­zu­hal­ten und das zulässi­ge Maß an re­li­giösen Be­kun­dun­gen be­re­chen­bar und un­abhängig von ein­zel­fall­be­zo­ge­nem Kon­flikt­po­ten­zi­al zu re­geln.

e) Die spe­zi­fi­sche Si­tua­ti­on in der Schu­le ist, wie dar­ge­legt, zum ei­nen durch die Un­aus­weich­lich­keit, zum an­de­ren durch den ap­pel­la­ti­ven Cha­rak­ter ent­spre­chend star­ker re­li­giöser Be­kun­dun­gen so­wie durch das be­son­de­re Abhängig­keits­verhält­nis ge­prägt. In die­ser Si­tua­ti­on liegt nicht fern, dass Zwei­fel von Schülern und El­tern an der ge­bo­te­nen Neu­tra­lität der be­tref­fen­den Pädago­gen auf­kom­men können. Die­se Umstände tra­gen die Einschätzung des Ge­setz­ge­bers, dass in ei­ner viel­ge­stal­ti­gen Ge­sell­schaft, in der ei­ne weit­ge­hen­de re­li­giöse Ho­mo­ge­nität nicht länger un­ter­stellt wer­den kann, zum Schutz der po­si­ti­ven und ne­ga­ti­ven Glau­bens­frei­heit von Schüle­rin­nen und Schülern so­wie des ent­spre­chen­den El­tern­grund­rechts und zur Wah­rung der ge­bo­te­nen staat­li­chen Neu­tra­lität bei der Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags ein Ver­bot jed­we­der re­li­giösen Be­kun­dung mit star­ker Wir­kung durch Pädago­gen in

 

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der Schu­le er­for­der­lich und an­ge­mes­sen ist, wenn die­se auch nur abs­trakt ei­ne Ge­fahr für die ge­nann­ten Schutzgüter dar­stellt. Die Würdi­gung des Se­nats, nach der es al­lein an­ge­mes­sen und zu­mut­bar ist, wenn den Pädago­gen im Schul­verhält­nis bei der Wahr­neh­mung des staat­li­chen Er­zie­hungs­auf­trags die In­an­spruch­nah­me ih­res in­di­vi­du­el­len Grund­rechts auf Glau­bens­frei­heit in ei­nem Maße zu­ge­stan­den wird, die erst an der Schwel­le zur ge­ziel­ten Be­ein­flus­sung und zu ei­ner hin­rei­chend kon­kre­ten Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität halt macht, ver­nachlässigt dem­ge­genüber die spe­zi­fi­sche Si­tua­ti­on in der Schu­le. Denn der Staat ver­langt von Schülern und El­tern die Teil­nah­me an der „Ver­an­stal­tung Schu­le" zur Her­an­bil­dung und Er­zie­hung jun­ger Men­schen. Die Schüler sind ihm da­mit zur Er­zie­hung an­ver­traut. Die Teil­nah­me ist in wei­ten Tei­len ver­pflich­tend. Das be­dingt ei­ne Ga­ran­ten­stel­lung des Staa­tes. Ei­ne Be­wer­tung, die al­lein dar­auf ab­stellt, dass der Staat ei­ne ihm un­mit­tel­bar nicht zu­zu­rech­nen­de in­di­vi­du­el­le Grund­rechts­ausübung sei­ner Pädago­gen nur dul­de und die Schüler le­dig­lich ei­ne be­stimm­te Be­klei­dung der Pädago­gen an­zu­schau­en hätten, die er­kenn­bar auf de­ren in­di­vi­du­el­le Ent­schei­dung zurück ge­he, greift des­halb zu kurz. Ei­ne sol­che ver­ein­fa­chen­de Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen dem Staat zu­re­chen­ba­ren Sym­bo­len und in­di­vi­du­el­ler re­li­giös kon­no­tier­ter Be­klei­dung von Pädago­gen blen­det die Wir­kung aus, die auch die in­di­vi­du­el­le Grund­rechts­ausübung ei­ner Lehr­per­son auf Schüle­rin­nen und Schüler ha­ben kann.

3. Zu­sam­men­ge­fasst ist nach un­se­rem Dafürhal­ten die Un­ter­sa­gung re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild von Pädago­gen schon bei ei­ner abs­trak­ten Ge­fahr für den Schul­frie­den und die staat­li­che Neu­tra­lität ver­fas­sungs­recht­lich un­be­denk­lich. Mit der Recht­spre­chung des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs für Men­schen­rech­te ist ein­schränkend al­ler­dings zu ver­lan­gen, dass es sich für die Un­ter­sa­gung des Tra­gens re­li­giös kon­no­tier­ter Klei­dung um ei­ne sol­che von star­ker Aus­drucks­kraft han­deln muss. Es steht dem Lan­des­schul­ge­setz­ge­ber von Ver­fas­sungs we­gen je­doch auch of­fen, re­li­giöse Bezüge in wei­tem Maße zu­zu­las­sen, et­wa wenn er dies im In­ter­es­se ei­ner Er­zie­hung zu To­le­ranz und Verständ­nis für an­ge­mes­sen er­ach­tet. Ver­pflich­tet ist er da­zu von Ver­fas­sungs we­gen in­des­sen nicht.

4. Ei­ne Er­stre­ckung der ver­fas­sungs­recht­li­chen Prüfung auf Satz 2 des § 57 Abs. 4 SchulG NW war nicht ge­bo­ten. Die­se Be­stim­mung hat zwar die Schul­ver­wal­tung in den Aus­gangsfällen mit her­an­ge­zo­gen. Die an­ge­grif­fe­nen ar­beits­ge­richt­li­chen Ent­schei­dun­gen sind dar­auf je­doch nicht mehr gestützt. Al­ler­dings ist dem Se­nat dar­in zu­zu­stim­men, dass al­lein das Tra­gen ei­nes so­ge­nann­ten is­la­mi­schen Kopf­tuchs kei­nen Schluss dar­auf zulässt, dass die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Un­ter­sa­gungs­be­stim­mung erfüllt sind.

II.

Das vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­grun­de ge­leg­te Norm­verständ­nis des Sat­zes 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW, wo­nach die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­auf­trags der Schu­le nach der nord­rhein-westfäli­schen Lan­des­ver­fas­sung und die ent­spre­chen­de Dar­stel­lung christ­li­cher und abendländi­scher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen dem Ver­hal­tens­ge­bot nach Satz 1 nicht wi­der­spricht, wahrt die Gren­zen rich­ter­li­cher Ge­set­zes­bin­dung (Art. 20 Abs. 3 GG) und ist ver­fas­sungs­recht­lich in die­ser In­ter­pre­ta­ti­on nicht zu be­an­stan­den. Die­ser Teil der Vor­schrift war des­halb nicht für ver­fas­sungs­wid­rig zu erklären.

Dem Se­nat ist dar­in zu­zu­stim­men, dass ein Verständ­nis des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW im Sin­ne ei­ner ech­ten Frei­stel­lungs- und Pri­vi­le­gie­rungs­klau­sel zum Be­kun­dungs­ver­bot des Sat­zes 1 we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Gleich­be­hand­lungs­ge­bot ver­fas­sungs­wid­rig wäre. Die vom Bun­des­ar­beits­ge­richt ge­fun­de­ne Aus­le­gung hin­ge­gen, die der­je­ni­gen des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts zu ei­ner ent­spre­chen­den Re­ge­lung im ba­den-würt­tem­ber­gi­schen Schul­ge­setz folgt (BVerw­GE 121, 140 <147, 150>), ver­mei­det ein sol­ches Er­geb­nis je­doch. Die­se Aus­le­gung ist na­he­lie­gend, steht mit dem Wort­laut des Ge­set­zes im Ein­klang, wi­der­spricht - ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Se­nats - kei­nes­wegs dem klar er­kenn­ba­ren Wil­len des Ge­setz­ge­bers und be­stimmt auch den nor­ma­ti­ven Ge­halt der Re­ge­lung nicht grund­le­gend neu.

Es trifft zwar zu, dass die Ge­set­zes­in­itia­to­ren so­wohl in der 13. als auch in der 14. Wahl­pe­ri­ode des nord­rhein-westfäli­schen Land­tags aus­weis­lich der Ge­setz­ent­wurfs­be­gründun­gen mit Satz 3 der Vor­schrift die Vor­stel­lung ver­ban­den, an­ders als das is­la­mi­sche Kopf­tuch et­wa könn­ten be­stimm­te tra­di­tio­nel­le, im christ­li­chen oder jüdi­schen Glau­ben wur­zeln­de Be­klei­dungs­for­men zu­ge­las­sen wer­den

 

- 37 -

(vgl. Ge­setz­ent­wurfs­be­gründun­gen LT­Drucks 13/4564, S. 8 zum da­ma­li­gen Schul­ord­nungs­ge­setz NW; LT­Drucks 14/569, S. 9). Da­bei kann die Be­ur­tei­lung aus der Ent­ste­hungs­ge­schich­te je­doch nicht ste­hen blei­ben. Denn am Be­ginn des Ge­set­zes­vor­ha­bens ging die Fas­sung des heu­ti­gen Sat­zes 3 noch da­hin, dass die äußere „Be­kun­dung" christ­li­cher Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te zulässig blei­ben soll­te. Es wur­de al­so der­sel­be Be­griff ge­braucht wie in dem heu­ti­gen Satz 1 (LT­Drucks 13/4564, S. 4). Später wur­de die For­mu­lie­rung in Satz 3 hin­ge­gen in „Dar­stel­lung" ab­geändert (so der Ent­wurf LT­Drucks 14/569, S. 4). Für ei­ne dif­fe­ren­zier­te Aus­le­gung fin­det sich des­halb ob­jek­tiv und los­gelöst von den Vor­stel­lun­gen der Ge­set­zes­in­itia­to­ren ein tragfähi­ger An­satz im Wort­laut der Re­ge­lung. Denn ei­ne „re­li­giöse Be­kun­dung" (Satz 1) ist et­was an­de­res als die „Dar­stel­lung von Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten oder Tra­di­tio­nen" (Satz 3).

Die Ur­sprungs­vor­stel­lun­gen bei der Ab­fas­sung der Be­gründun­gen zu den Ge­setz­entwürfen ha­ben im wei­te­ren Ver­lauf des von vielfälti­gen Ein­flüssen be­stimm­ten Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens ei­nen Wan­del er­fah­ren. Nach­dem das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt - noch vor den letz­ten Anhörun­gen in dem zuständi­gen Aus­schuss des Land­tags von Nord­rhein-West­fa­len und vor dem endgülti­gen Ge­set­zes­be­schluss des Land­tags - die ent­spre­chen­de ba­den-würt­tem­ber­gi­sche schul­ge­setz­li­che Re­ge­lung be­reits ein­schränkend aus­ge­legt hat­te, und auch bei den Sach­verständi­gen-Anhörun­gen im nord­rhein-westfäli­schen Land­tags­aus­schuss Ent­spre­chen­des ver­tre­ten wor­den war (vgl. et­wa Mu­ckel, LT-Stel­lung­nah­me 14/0188, LT-Aus­schuss­pro­to­koll 14/137, S. 9 ff., S. 53 f.; Ste­phan, LT-Stel­lung­nah­me 14/0174), wur­de die Lan­des­re­gie­rung vom Haupt­aus­schuss des Land­tags um ei­ne ver­fas­sungs­recht­li­che Be­wer­tung des Er­geb­nis­ses der Sach­verständi­gen-Anhörun­gen ge­be­ten. De­ren schrift­li­che Äußerung zur Anhörung ging - wie der Se­nat zu­tref­fend her­vor­hebt - im Blick auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts da­hin, die bei den Anhörun­gen geäußer­ten ver­fas­sungs­recht­li­chen Be­den­ken zu Satz 3 bezögen sich nicht auf die ge­setz­li­che Re­ge­lung als sol­che, son­dern al­lein auf die Fra­ge, wie die Norm ver­fas­sungs­kon­form aus­zu­le­gen und an­zu­wen­den sei (LT-Vor­la­ge 14/0463, S. 2). In Ver­bin­dung mit der Ent­schei­dung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts war da­her vor dem endgülti­gen Ge­set­zes­be­schluss des Land­tags klar, dass ei­ne sol­che ein­schränken­de Aus­le­gung, wie sie später auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt sei­nen hier an­ge­grif­fe­nen Ur­tei­len zu­grun­de ge­legt hat, im Raum stand und na­he lag. Hätte der Ge­setz­ge­ber je­doch ei­ne wirk­li­che Pri­vi­le­gie­rung und ei­ne Aus­nah­me für christ­li­che und jüdi­sche Re­li­gio­nen kon­se­quent ver­fol­gen wol­len, wäre es ihm oh­ne Wei­te­res möglich ge­we­sen, dies durch ei­ne geänder­te For­mu­lie­rung des Ge­set­zes­tex­tes - et­wa im Sin­ne des ers­ten Ent­wurfs aus der vor­an­ge­gan­ge­nen Land­tags­le­gis­la­tur­pe­ri­ode - si­cher­zu­stel­len. Das ist je­doch ge­ra­de nicht ge­sche­hen. Der Land­tag hat al­so nicht - wie der Se­nat meint - im Be­wusst­sein des ver­fas­sungs­recht­li­chen Ri­si­kos, son­dern al­len­falls un­ter bil­li­gen­der In­k­auf­nah­me der ein­schränken­den Aus­le­gung, wie sie das Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richt schon da­mals vor­ge­nom­men hat­te, das Ge­setz be­schlos­sen, so ge­se­hen al­so ge­ra­de „mit Wis­sen" und „mit Even­tu­al-Wol­len" ge­han­delt. Ihm et­was an­de­res zu un­ter­stel­len, ist bei verständi­ger Les­art al­ler Ma­te­ria­li­en un­ter Berück­sich­ti­gung der Erörte­run­gen während des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens nicht tragfähig. Des­halb kann kei­ne Re­de da­von sein, die vom Se­nat ver­wor­fe­ne Aus­le­gung des Sat­zes 3 durch das Bun­des­ar­beits­ge­richt lau­fe dem vom Ge­setz­ge­ber Ge­woll­ten zu­wi­der oder mes­se der Norm ei­nen grund­le­gend neu­en Ge­halt bei und über­schrei­te so­mit die Gren­zen rich­ter­li­cher Aus­le­gung des Ge­set­zes­rechts.

Die vom Se­nat zur Be­gründung sei­ner An­sicht wei­ter an­geführ­ten Erwägun­gen recht­fer­ti­gen kei­ne an­de­re Be­ur­tei­lung: Dass Satz 3 in der In­ter­pre­ta­ti­on des Bun­des­ar­beits­ge­richts le­dig­lich noch klar­stel­len­de Funk­ti­on zu­kom­me und sich nicht in den Re­ge­lungs­kon­text füge, ist oh­ne Be­deu­tung für die Fra­ge, ob er ver­fas­sungs­wid­rig ist. Im Übri­gen können re­ge­lungs­tech­nisch durch­aus auch le­dig­lich klar­stel­len­de, ergänzen­de Vor­schrif­ten für die Ab­gren­zung ei­ner Haupt­norm und für de­ren In­ter­pre­ta­ti­on hilf­reich und sinn­voll sein. Sie sind in der Rechts­ord­nung viel­fach an­zu­tref­fen, oh­ne dass sie des­halb in die Nähe der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit gerückt würden. Un­er­heb­lich ist wei­ter, dass Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW den Be­zug auf Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW in­halt­lich un­vollständig auf­nimmt, weil in ihm ¬an­ders als in der Lan­des­ver­fas­sung - nur die christ­lich-abendländi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­te oder Tra­di­tio­nen, nicht da­ge­gen die Of­fen­heit für die christ­li­chen Be­kennt­nis­se und für an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen aus­drück­lich erwähnt wer­den. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob bei der Erwähnung tra­dier­ter, in ei­nem säku­la­ren Sin­ne zu ver­ste­hen­der Wer­te die erst seit we­ni­gen Jahr­zehn­ten in Deutsch­land brei­ter in Er­schei­nung ge­tre­te­nen wei­te­ren Re­li­gio­nen und re­li­giösen Rich­tun­gen eben­falls in die schul­ge­setz­li­che Be­stim­mung hätte auf­ge­nom­men wer­den müssen. Ge­ra­de wenn Satz 3 klar­stel­len­de Be­deu­tung zu­kommt, liegt es auf der Hand, dass die dar­aus fol­gen­de

 

- 38 -

In­ter­pre­ta­ti­ons- und Ab­gren­zungs­hil­fe für die Wahr­neh­mung des Er­zie­hungs­ziels des Art. 12 Abs. 3 Satz 1 Verf NW ge­ge­be­nen­falls auch die dort fest­ge­leg­te Of­fen­heit für an­de­re re­li­giöse und welt­an­schau­li­che Über­zeu­gun­gen um­fasst.

Im Er­geb­nis bleibt fest­zu­hal­ten, dass der Se­nat dem für die Aus­le­gung maßgeb­li­chen, in der Norm zum Aus­druck kom­men­den ob­jek­ti­vier­ten Wil­len des Ge­setz­ge­bers (vgl. BVerfGE 1, 299 <312>; 11, 126 <132>; 105, 135 <157>; 110, 226 <248>; stRspr) eben­so we­nig ge­recht wird wie den im Ver­lau­fe des Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­rens zu­ta­ge ge­tre­te­nen sub­jek­ti­ven Vor­stel­lun­gen der Ge­setz­ge­bungs­or­ga­ne. Bei zu­tref­fen­der Würdi­gung ist ge­gen Satz 3 des § 57 Abs. 4 SchulG NW in der Aus­le­gung des Bun­des­ar­beits­ge­richts von Ver­fas­sungs we­gen nichts zu er­in­nern.

Auf der Grund­la­ge der hier ver­tre­te­nen ver­fas­sungs­recht­li­chen Würdi­gung nach dem Maßstab des Art. 4 Abs. 1 und 2 GG lässt sich aus den (oben un­ter I.) an­geführ­ten Gründen auch kein Ver­s­toß ge­gen wei­te­re Grund­rech­te, die Eu­ropäische Kon­ven­ti­on für Men­schen­rech­te und das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz als bun­des­recht­li­che Vor­schrift (vgl. Art. 31 GG) fest­stel­len. Das soll im Rah­men die­ser ab­wei­chen­den Mei­nung nicht wei­ter aus­geführt wer­den. An­zu­mer­ken bleibt al­ler­dings:

Die An­nah­me ei­ner Un­gleich­be­hand­lung aus Gründen des Ge­schlechts (Art. 3 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 3 GG), die der Se­nat erst auf der Recht­fer­ti­gungs­ebe­ne auflöst, ist un­se­res Er­ach­tens nicht tragfähig.

Auf der Grund­la­ge un­se­rer ab­wei­chen­den Auf­fas­sung zur Würdi­gung des Sat­zes 3 von § 57 Abs. 4 SchulG NW er­gibt sich das schon dar­aus, dass das vom Se­nat an­ge­nom­me­ne Verständ­nis der Vor­schrift als ech­te Aus­nah­me­klau­sel für das Tra­gen von Klei­dungsstücken, die christ­li­chen und abendländi­schen Bil­dungs- und Kul­tur­wer­ten ent­spre­chen, nach un­se­rem Dafürhal­ten auch bei der Prüfung ei­ner ge­schlechts­spe­zi­fi­schen Be­nach­tei­li­gung nicht zu­grun­de zu­ge­legt wer­den kann (sie­he da­zu oben II.). Da­mit gilt das Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild für weib­li­che wie männ­li­che An­gehöri­ge al­ler Re­li­gio­nen und Welt­an­schau­un­gen.

Aber auch auf der Grund­la­ge der Be­ur­tei­lung durch die Se­nats­mehr­heit, wo­nach es sich bei Satz 3 um ei­ne Frei­stel­lungs- und Pri­vi­le­gie­rungs­klau­sel zu Satz 1 zu­guns­ten christ­li­cher und jüdi­scher Re­li­gio­nen han­deln soll, liegt kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts vor. Ent­ge­gen der An­sicht des Se­nats be­trifft das Ver­bot auch dann nicht ganz über­wie­gend nur mus­li­mi­sche Frau­en. Die Vor­schrift des § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW in der Va­ri­an­te des Ver­bots re­li­giöser Be­kun­dun­gen er­fasst nicht nur Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild. Sie greift sehr viel wei­ter und un­ter­sagt vor al­lem auch ver­ba­le und sons­ti­ge re­li­giöse Be­kun­dun­gen. Des­halb be­trifft sie mit dem Tat­be­stands­merk­mal „re­li­giöser Be­kun­dun­gen" Männer und Frau­en glei­cher­maßen. Der Se­nat kommt zur An­nah­me ei­ner Be­nach­tei­li­gung auf­grund des Ge­schlechts nur da­durch, dass er nicht die Norm in der hier maßgeb­li­chen Al­ter­na­ti­ve als Gan­zes - als Ver­bot re­li­giöser Be­kun­dun­gen -, son­dern nur ei­ne ih­rer tatsächli­chen An­wen­dungs­fall­grup­pen zum Aus­gangs­punkt sei­ner Be­ur­tei­lung nimmt, nämlich die Be­kun­dung durch das äußere Er­schei­nungs­bild. Nur ei­ne ih­rer tatsächli­chen An­wen­dungs­fall­grup­pen kann je­doch nicht die Grund­la­ge für die Be­ur­tei­lung ei­ner ge­setz­li­chen Vor­schrift da­hin sein, sie be­tref­fe tatsächlich ganz über­wie­gend Frau­en. Mit ih­rem ge­sam­ten An­wen­dungs­be­reich er­fasst § 57 Abs. 4 Satz 1 SchulG NW in der Va­ri­an­te des Ver­bots re­li­giöser Be­kun­dun­gen viel­mehr das Ver­hal­ten der Pädago­gen bei­der Ge­schlech­ter. Selbst in­ner­halb der An­wen­dungs­fall­grup­pe von Be­kun­dun­gen durch das äußere Er­schei­nungs­bild er­scheint die An­nah­me des Se­nats fragwürdig; denn die Zahl der Fälle, in de­nen be­reits die präven­ti­ve Wir­kung des Be­kun­dungs­ver­bots da­zu führt, dass auch Männer sich re­li­giös kon­no­tier­ter Klei­dung und Sym­bo­lik ent­hal­ten, ist nicht be­kannt.

IV.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Be­schwer­deführe­rin zu I.) wäre auch nach un­se­rer Auf­fas­sung im Er­geb­nis für be­gründet zu er­ach­ten ge­we­sen. Die von ihr ge­tra­ge­ne Be­de­ckung, ei­ne Wollmütze und ein gleich­far­bi­ger Roll­kra­gen­pull­over, ist nicht aus sich her­aus re­li­giös kon­no­tiert und wird auch im ge­ge­be­nen Um­feld der Schu­le nicht oh­ne Wei­te­res als re­li­giöse Be­kun­dung von star­ker Aus­drucks­kraft deut­bar sein. Hier­zu fehlt in den an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dun­gen ei­ne ver­tret­ba­re, tragfähi­ge Be­gründung.

 

- 39 -

Die­se wäre nach dem Wech­sel der Kopf­be­de­ckung von ei­nem in ty­pi­scher Wei­se ge­bun­de­nen Kopf­tuch zu ei­ner Wollmütze um­so mehr er­for­der­lich ge­we­sen, als die­ser Zu­sam­men­hang mit zu­neh­men­dem Zeit­ab­lauf suk­zes­si­ve ver­blasst.

Die Ver­fas­sungs­be­schwer­de der Be­schwer­deführe­rin zu II.) er­scheint da­ge­gen nach den oben un­ter I. bis III. dar­ge­leg­ten Maßstäben un­be­gründet. Vor­stell­bar wäre al­len­falls ge­we­sen, auf­grund ih­res Ein­tritts in den Schul­dienst lan­ge vor der Verkündung der in Re­de ste­hen­den Re­ge­lung, der un­ter Of­fen­le­gung ih­rer glau­bens­ge­lei­te­ten Be­klei­dungs­pra­xis er­folgt war, und we­gen der lang­dau­ern­den, im Blick auf die Schutzgüter un­be­an­stan­det ge­blie­be­nen Lehrtätig­keit un­ter dem Ge­sichts­punkt rechts­staat­lich ge­bo­te­nen Ver­trau­ens­schut­zes (Art. 20 Abs. 3 GG) ei­ne dif­fe­ren­zier­te­re ge­setz­li­che Lösung für sol­che Altfälle ein­zu­for­dern.

Schlu­cke­bier

Her­manns

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