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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Versorgungsregelung, Unterstützungskasse, Zusatzversorgung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 3 AZR 72/83
Typ:
Ent­scheid­ungs­datum: 17.04.1985
   
Leit­sätze:

1. Der Aus­schluß des Rechts­an­spruchs bei Un­terstützungs­kas­sen ist nur als Vor­be­halt des Wi­der­rufs aus sach­li­chen Gründen an­zu­er­ken­nen. Der Wi­der­ruf muß in ge­ne­rel­ler Form aus­geübt wer­den und der Bil­lig­keit ent­spre­chen. Dar­aus folgt das Ge­bot ei­ner In­ter­es­sen­abwägung: Die Wi­der­rufs­gründe müssen um so schwe­rer wie­gen, je stärker die be­trof­fe­nen Be­sitzstände sind und je tie­fer in die­se ein­ge­grif­fen wer­den soll (ständi­ge Recht­spre­chung des Se­nats).

2. Am stärks­ten geschützt ist der Teil­be­trag ei­ner Ver­sor­gungs­an­wart­schaft, der sich zur Zeit der Neu­re­ge­lung nach den Be­rech­nungs­grundsätzen des § 2 Be­trAVG er­gibt. Die­se Tei­l­an­wart­schaft ist nach Er­rei­chen der Fris­ten des § 1 Be­trAVG un­ver­fall­bar und in­sol­venz­geschützt. Sie kann nur noch in sel­te­nen Aus­nah­mefällen gekürzt wer­den.

3. Die Zu­wachs­ra­ten sind un­ter­schied­lich stark geschützt je nach­dem, ob der Ar­beit­neh­mer be­reits sei­ne Ge­gen­leis­tung für die­se er­bracht hat:

a) Soll die An­wart­schaft der Ge­halts­ent­wick­lung fol­gen, so er­dient der Ar­beit­neh­mer mit sei­ner Be­triebs­treue nicht nur den zeit­an­tei­lig er­rech­ne­ten Fest­be­trag, son­dern auch die dar­auf ent­fal­len­de Dy­na­mik. Die­se zeit­an­tei­lig er­dien­te Dy­na­mik kann nur aus "trif­ti­gen Gründen" ein­ge­schränkt wer­den.

b) Hin­ge­gen sind Ein­grif­fe in die dienst­zeit­abhängi­gen Stei­ge­rungs­ra­ten, die der Ar­beit­neh­mer zur Zeit der Neu­re­ge­lung noch nicht er­dient hat, aus we­ni­ger ge­wich­ti­gen sach­li­chen Gründen zulässig.

4. Steht die ver­schlech­tern­de Ver­sor­gungs­re­ge­lung der Un­terstützungs­kas­se er­kenn­bar im Zu­sam­men­hang mit dem An­ge­bot ei­ner neu­en zusätz­li­chen Ver­sor­gung, so kann die aus­drück­li­che An­nah­me die­ses An­ge­bots als still­schwei­gen­de Zu­stim­mung zu den gleich­zei­ti­gen Ver­schlech­te­run­gen der Un­terstützungs­kas­se zu ver­ste­hen sein.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg, Urteil vom 03.12.1981, 8 Ca 124/80
Landesarbeitsgericht Hamburg Urteil vom 22.11.1982, 4 Sa 22/82
   

3 AZR 72/83
4 Sa 22/82 Ham­burg
Verkündet am 17. April 1985

Sürig,
Amts­in­spek­tor
als Ur­kunds­be­am­ter der Geschäfts­stel­le 

 

Im Na­men des Vol­kes!

Ur­teil

In Sa­chen

pp.

hat der Drit­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 17. April 1985 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter Pro­fes­sor Dr. Die­te­rich, die Rich­ter Grie­be­ling und Dr. Pei­fer so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ky­nast und
Dr. Schlem­mer für Recht er­kannt:

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1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 22. No­vem­ber 1982 - 4 Sa 22/82 - auf­ge­ho­ben.

2. Die Sa­che wird zur er­neu­ten Ver­hand­lung und Ent­schei­dung, auch über die Kos­ten der Re­vi­si­on, an das Lan­des­ar­beits­ge­richt zurück­ver­wie­sen.

Von Rechts we­gen

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten über die Höhe der dem Kläger zu­ste­hen­den Be­triebs­ren­te.

Der Kläger, im Jah­re 1916 ge­bo­ren, stand seit Sep­tem­ber 1938 in den Diens­ten der Be­klag­ten und de­ren Rechts­vorgänge­rin. Am 28. Fe­bru­ar 1979 trat er im Al­ter von 63 Jah­ren in den vor­ge­zo­ge­nen Ru­he­stand. Die Be­klag­te gewährt ih­ren Mit­ar­bei­tern Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung. Sie ist al­lei­ni­ge
Ge­sell­schaf­te­rin der C -P -Ver­sor­gungs- und Un­terstützungs­kas­se GmbH, die ursprüng­lich die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung für die Be­leg­schaft der Be­klag­ten durchführ­te. Mit Ver­trag vom 28. No­vem­ber 1979 wur­den die Ver­bind­lich­kei­ten der Un­terstützungs­kas­se ge­genüber den nach dem 1. Ja­nu­ar 1979 in den Ru­he­stand ge­tre­te­nen Rent­nern von der Be­klag­ten über­nom­men.

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Die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung war im Jah­re 1938 in dem Un­ter­neh­men der Be­klag­ten ein­geführt wor­den. Die­se fand in Richt­li­ni­en aus dem Jah­re 1939 ih­ren Nie­der­schlag. In späte­ren Richt­li­ni­en vom 1. Mai 1943 wur­de erst­mals die Zahl der Dienst­jah­re mul­ti­pli­ziert mit 1 % des Ein­kom­mens des dem Ver­sor­gungs­fall vor­aus­ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jah­res als Grund­la­ge für die Be­rech­nung der Be­triebs­ren­te fest­ge­legt. Da­bei blieb es auch in den späte­ren "Richt­li­ni­en für die so­zia­le Be­treu­ung der Be­triebs­an­gehöri­gen der P -B & K GmbH, H " vom

1. Ju­li 1958 (künf­tig: VersG 1958). In Nr. 1 die­ser Richt­li­ni­en heißt es, die Leis­tun­gen der Kas­se sei­en frei­wil­lig und be­gründe­ten auch im Fal­le ständi­ger Wie­der­ho­lung kei­nen Rechts­an­spruch.

Nr. 4 der Richt­li­ni­en lau­tet:

"Al­ters­ren­ten
Die­se können gewährt wer­den an die­je­ni­gen Be­triebs­an­gehöri­gen, die nach Er­rei­chen des 65. Le­bens­jah­res aus dem Ar­beits­verhält­nis aus­schei­den. Als Be­rech­nungs­grund­la­ge sind die Brut­to­bezüge des dem Ren­ten­an­fall vor­aus-ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jah­res an­zu­set­zen. Für je­des Jahr der Be­triebs­zu­gehörig­keit wird ei­ne Al­ters­ren­te in Höhe von 1 % der Be­rech­nungs­grund­la­ge gewährt.

Um ein ge­sun­des Verhält­nis zwi­schen dem Ar­beits­ein­kom­men ei­nes ak­ti­ven und dem aus Ren­ten be­ste­hen­den Ein­kom­men ei­nes aus­ge­schie­de­nen Be­triebs­an­gehöri­gen her­zu­stel­len, wird fest­ge­legt, daß das Ge­samt­ein­kom­men aus der auf­grund der So­zi­al­ver­si­che­rungs­ge­set­ze ge­zahl­ten Al­ters­ren­te und aus der frei­wil­lig durch die P.B. & K. V. - und U.-Kas­se ge­zahl­ten Ren­te nicht mehr als 80 % der Be­rech­nungs­grund­la­ge be­tra­gen soll."

Die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 wur­de am 1. Ja­nu­ar 1968 durch

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die "Richt­li­ni­en für die Gewährung von Ver­sor­gungs­leis­tun­gen an die Be­triebs­an­gehöri­gen der Fir­ma C -P GmbH H lt (künf­tig: VersG 1968) er­setzt. Nach die­sen blieb es zwar bei der Ab­wick­lung über die recht­lich selbständi­ge Un­terstützungs­kas­se. Geändert wur­de aber un­ter an­de­rem die Be­rech­nungs­grund­la­ge der Al­ters- und In­va­li­den­ren­te. Darüber be­stimmt S 4:

"1. Grund­la­ge für die Be­mes­sung der lau­fen­den Leis­tun­gen ist die Zahl der an­rech­nungsfähi­gen Dienst­jah­re (S 6) und die Höhe der je­weils ren­tenfähi­gen Bezüge (S 7).

2. Die mo­nat­li­che Al­ters- und In­va­li­den­ren­te für den Zeit­raum vor dem 1. Ja­nu­ar 1968 beträgt 1 % der ren­tenfähi­gen Bezüge des Mo­nats De­zem­ber 1967 mul­ti­pli­ziert mit der Zahl der an­rech­nungsfähi­gen Dienst­jah­re vor dem 1. Ja­nu­ar 1968.

3. Die mo­nat­li­che Al­ters- und In­va­li­den­ren­te beträgt für den Zeit­raum nach dem 31. De­zem­ber 1967 1 % der ren­tenfähi­gen Bezüge des Mo­nats Ja­nu­ar des je­wei­li­gen Jah­res für je­des an­rech­nungsfähi­ge Dienst­jahr nach dem 31. De­zem­ber 1967."

Fer­ner trat am 1. Ja­nu­ar 1968 ei­ne Pen­si­ons­ord­nung in Kraft, die ei­ne für die Ar­beit­neh­mer bei­trags­pflich­ti­ge Zu­satz­ver­sor­gung im We­ge der Di­rekt­ver­si­che­rung bei der Karls­ru­her Le­bens­ver­si­che­rung vor­sah. Ver­si­chert wur­den die über die je­wei­li­ge Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze in der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung hin­aus­ge­hen­den Bezüge. Der Kläger trat die­ser Zu­satz­ver­si­che­rung am 2. April 1968 bei.

Die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 und die Pen­si­ons­ord­nung 1968 wur­den am 1. Ja­nu­ar 1979 er­neut ab­gelöst durch den Grund­ver­sor­gungs­plan A und den Zu­satz­ver­sor­gungs­plan A. Die bis­he­ri­ge

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Un­terstützungs­kas­sen­ver­sor­gung wur­de über­ge­lei­tet in ei­ne Di­rekt­zu­sa­ge der Be­klag­ten. Der Grund­ver­sor­gungs­plan A ent­hielt zu­guns­ten der vor dem 1. Ja­nu­ar 1979 in die Diens­te der Be­klag­ten ein­ge­tre­te­nen Ar­beit­neh­mer ei­ne Be­sitz­stands­klau­sel. Die­se Re­ge­lung wur­de in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung vom 28. No­vem­ber 1979 bestätigt.

Im März 1968 be­rech­ne­te die Un­terstützungs­kas­se die Al­ters­ver­sor­gung des Klägers nach dem Stand vom 31. De­zem­ber 1967 auf der Grund­la­ge der ren­tenfähi­gen Bezüge des Jah­res 1967 Nr. 2 Ver­sO 1968). Es er­gab sich ein An­wart­schafts­wert von 6.205,58 DM. Als der Kläger En­de Fe­bru­ar 1979 in den vor­ge­zo­ge­nen Ru­he­stand trat, er­rech­ne­te die Be­klag­te für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 1968 bis zum 28. Fe­bru­ar 1979 ei­nen zusätz­li­chen An­war-schafts­wert von 3.308,-- DM. Die Sum­me von 9.513,58 DM er­gibt die von der Be­klag­ten seit dem 1. März 1979 ge­zahl­te mo­nat­li­che Ren­te von 792,80 DM.

Der Kläger ist der Auf­fas­sung, für die Dienst­jah­re bis zum 31. De­zem­ber 1967 ste­he ihm ei­ne höhe­re An­wart­schaft zu. Die Be­klag­te ha­be in­so­weit die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 an­wen­den und der Ren­ten­be­rech­nung das Ein­kom­men des dem Ver­sor­gungs­fall vor­aus­ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jah­res zu­grun­de le­gen müssen, al­so in sei­nem Fal­le das Ein­kom­men des Jah­res 1978. Dann er­ge­be sich zur Zeit sei­nes Aus­schei­dens ein An­wart­schafts­wert von 19.768,99 DM jähr­lich oder 1.647,42 DM mo­nat­lich. Die Dif­fe­renz von 854,62 DM macht der Kläger für die Zeit ab 1. März 1979 gel­tend, und zwar als Rückstände für die Zeit vom 1. März 1979 bis zum 28. Fe-

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bru­ar 1980 so­wie als lau­fen­de Ren­ten­leis­tung für die Zeit ab 1. März 1980.

Der Kläger hat vor­ge­tra­gen: Die Ände­rung der Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 im Jah­re 1968 sei un­wirk­sam, so­weit für die bis zum 31. De­zem­ber 1967 er­brach­te Be­triebs­treue nicht mehr das Ein­kom­men des letz­ten Jah­res vor dem Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les Be­rech­nungs­grund­la­ge sein sol­le. Sei­ne bis da­hin er­dien­te An­wart­schaft sei un­ver­fall­bar ge­we­sen. Die Um­stel­lung der Be­rech­nungs­grund­la­ge auf jähr­li­che Fest­beträge ha­be al­len­falls durch ei­ne Be­triebs­ver­ein­ba­rung her­bei­geführt wer­den können; der Be­triebs­rat ha­be der Ände­rung je­doch nicht zu­ge­stimmt. Zu­dem grei­fe die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 in sei­nen er­dien­ten Be­sitz­stand ein. Das sei nur aus drin­gen­den Gründen zulässig; sol­che Gründe hätten aber nicht vor­ge­le­gen. Sch­ließlich sei die Neu­re­ge­lung un­bil­lig. Sie ha­be ins­ge­samt we­sent­li­che Nach­tei­le ge­bracht und in sei­ne ver­trags­recht­li­che Po­si­ti­on in un­zu­mut­ba­rer Wei­se ein­ge­grif­fen.

Der Kläger hat be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 10.255,44 DM zu zah­len,

2. fest­zu­stel­len, daß die Be­klag­te ver-pflich­tet sei, ihm ab 1. März 1980 ei­ne Be­triebs­ren­te von mo­nat­lich 1.647,42 DM zu zah­len vor­be­halt­lich even­tu­el­ler Ände­run­gen nach dem Be­trAVG.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat vor­ge­tra­gen: Sie ha­be die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 wirk­sam durch die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 er­setzt. Es sei ihr Ziel ge­we­sen,

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ein mo­der­nes, ver­si­che­rungsförmi­ges Sys­tem ein­zuführen und an­stel­le ei­ner rei­nen Al­ters­ver­sor­gung ei­ne weit­rei­chen­de so­zia­le Si­che­rung der ge­sam­ten Be­leg­schaft zu schaf­fen. Zwar ha­be man ge­wis­se Kürzun­gen vor­neh­men müssen, um den Fi­nan­zie­rungs­rah­men nicht zu spren­gen, da­mit je­doch ei­ne Aus­deh­nung der Ver­sor­gung auf bis­her nicht geschütz­te Fälle er­reicht. Al­le Ände­run­gen sei­en mit aus­drück­li­cher Zu­stim­mung des Be­triebs­rats er­folgt. Zu­dem sei­en die bis zur Ände­rung er­dien­ten An­wart­schaf­ten un­an­ge­tas­tet ge­blie­ben, le­dig­lich die Stei­ge­rungs­ra­ten sei­en geändert wor­den. Sch­ließlich ha­be der Kläger der Neu­re­ge­lung zu­ge­stimmt. Er sei der Zu­satz­ver­si­che­rung bei der Karls­ru­her Le­bens­ver­si­che­rung bei­ge­tre­ten in Kennt­nis des­sen, daß bei­de Ver­sor­gungs­sys­te­me ei­ne Ein­heit ge­bil­det hätten. Der Kläger ha­be zu­dem die Vergüns­ti­gun­gen der neu­en Ver­sor­gung für sich in An­spruch ge­nom­men, ins­be­son­de­re die De­ckung des Ri­si­kos bei vor­zei­ti­ger In­va­li­dität; die Nach­tei­le wol­le er hin­ge­gen nicht tra­gen. Er könne sich aber nicht aus den ver­schie­de­nen Ord­nun­gen die für ihn je­weils güns­ti­ge­ren Re­ge­lun­gen her­aus­grei­fen, son­dern müsse sich ent­schei­den, auf wel­chen Ver­sor­gungs­plan er sei­ne For­de­run­gen stützen wol­le. Wenn er Ansprüche nach den Ver­sor­gungs­ord­nun­gen 1958 oder 1968 er­he­be, dann müsse er die selbständi­ge Un­terstützungs­kas­se ver­kla­gen. Sie selbst als Träger­un­ter­neh­men sei pas­siv le­gi­ti­miert nur für Ansprüche nach der Ver­sor­gungs­ord­nung aus dem Jah­re 1979.

Die Vor­in­stan­zen ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Da­ge­gen rich­tet sich die Re­vi­si­on des Klägers.

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Ent­schei­dungs­gründe:

Die Re­vi­si­on führt zur Auf­he­bung des an­ge­foch­te­nen Ur­teils und zur Zurück­ver­wei­sung der Sa­che an das Lan­des­ar­beits­ge­richt.

A. Die Be­klag­te ist pas­siv le­gi­ti­miert. Es kommt nicht dar­auf an, auf wel­che der ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­ord­nun­gen der Kläger sei­ne Ansprüche stützt. Da die Be­klag­te durch den Ver­trag vom 28. No­vem­ber 1979 die Ver­bind­lich­kei­ten der Un­terstützungs­kas­se über­nom­men hat, so­weit die Rent­ner nach dem 1. Ja­nu­ar 1979 in den Ru­he­stand ge­tre­ten sind, kann sie in die­sem Um­fang auch für die Ver­pflich­tun­gen der Un­terstützungs­kas­se in An­spruch ge­nom­men wer­den. Ob mit dem Ver­trag ei­ne be­frei­en­de Schuldüber­nah­me oder ein Schuld­bei­tritt er­reicht wer­den soll­te, be­darf kei­ner Ent­schei­dung. Ei­ne be­frei­en­de Schuldüber­nah­me hätte der Kläger durch die In­an­spruch­nah­me der Be­klag­ten ge­neh­migt (§ 415 Abs. 1 BGB). War ein Schuld­bei­tritt ge­wollt, so haf­tet die Be­klag­te als Ge­samt­schuld­ne­rin. Es be­steht mit­hin kein An­laß, er­neut zu der Fra­ge Stel­lung zu neh­men, ob der Gläubi­ger bei ei­ner Un­terstützungs­kas­sen­ver­sor­gung grundsätz­lich zunächst die recht­lich selbständi­ge Kas­se in An­spruch neh­men muß (vgl. hier­zu BAG 21,
46, 49 = AP Nr. 127 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt, zu A 1 der Gründe; BAG 37, 217, 221 f. = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­sen, zu I der Gründe).

B. Der Se­nat kann nicht ab­sch­ließend ent­schei­den, ob die Ver­sor­gungs­an­wart­schaft des Klägers, so­weit sie aus der Dienst­zeit vor dem 1. Ja­nu­ar 1968 herrührt, nach der Ver­sor­gungs­ord­nung

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1958 oder nach der Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 zu be­rech­nen ist.

I. Der Kläger will der Be­rech­nung sei­ner bis zum 31. De­zem­ber 1967 er­dien­ten An­wart­schaft das Ein­kom­men des Ka­len­der­jah­res vor dem Ver­sor­gungs­fall zu­grun­de le­gen. Die Be­klag­te hin­ge­gen will die Wert­stei­ge­rung der An­wart­schaft auf den Stich­tag der Ablösung der al­ten Ver­sor­gungs­ord­nung fest­schrei­ben; für die fol­gen­de Zeit will sie die An­wart­schaft aus der Ad­di­ti­on von 1 % der je­wei­li­gen Bezüge be­rech­nen und da­mit von dem letz­ten Stand der Einkünf­te der ak­ti­ven Ar­beit­neh­mer lösen. Wie der vor­lie­gen­de Rechts­streit zeigt, können mit ei­nem sol­chen Ab­bau der Dy­na­mi­sie­rung er­heb­li­che Ren­tenkürzun­gen ver­bun­den sein.

II. Ein­grif­fe in Ver­sor­gungs­ansprüche und An­wart­schaf­ten der Ar­beit­neh­mer sind nicht be­lie­big zulässig. Er­wor­be­ne Rech­te können nur aus ei­nem be­son­de­ren Grund und mit den recht­lich vor­ge­se­he­nen Mit­teln wie­der ent­zo­gen wer­den. Die Grundsätze der Bil­lig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes sind zu be­ach­ten.
1. Durch die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 hat die Be­klag­te ver­trag­li­che Rech­te der Ar­beit­neh­mer be­gründet. Die Re­ge­lung enthält ei­ne ge­ne­rel­le und nach abs­trak­ten Merk­ma­len be­schrie­be­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge an die Ar­beit­neh­mer. Die recht­li­che Grund­la­ge hierfür bil­de­te das je­wei­li­ge Ar­beits­verhält­nis. Auch der­je­ni­ge Ar­beit­ge­ber, der sei­ne Ar­beit­neh­mer über ei­ne recht­lich selbständi­ge Un­terstützungs­ein­rich­tung ver­sor­gen will, er­teilt ei­ne Ver­sor­gungs­zu­sa­ge. Da­bei legt er ent­we­der selbst die Mo­da­litäten fest oder er ver­weist auf die Re­ge­lung der Ver­sor­gungs­ein­rich-

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tung, die Leis­tun­gen ent­spre­chend ih­rer Sat­zung oder ih­ren Richt­li­ni­en gewähren soll (st. Recht­spre­chung des Se­nats, zu-letzt Ur­teil vom 5. Ju­ni 1984 - 3 AZR 33/84 - EzA § 242 BGB Ru­he­geld Nr. 105, zu IV 1 a der Gründe). Ei­ner aus­drück­li­chen An­nah­me­erklärung der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer be­darf es bei ei­nem der­ar­ti­gen Leis­tungs­ver­spre­chen nicht (§ 151 Satz 1 BGB).

2. Wird der ge­sam­ten Be­leg­schaft oder be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer-grup­pen ei­ne Al­ters­ver­sor­gung zu­ge­sagt, so be­steht re­gelmäßig die Be­son­der­heit, daß nicht mit den ein­zel­nen Ar­beit­neh­mern in­di­vi­du­el­le Verträge ab­ge­schlos­sen wer­den, son­dern ei­ne be­trieb­li­che Ein­heits­re­ge­lung ein­geführt wird. Soll ein sol­ches Re­ge­lungs­gefüge geändert und durch ein an­de­res er­setzt wer­den, so muß die Ablösung auf ge­ne­rel­le Wei­se her­bei­geführt wer­den.

a) Mit al­len be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ab­zu­sch­ließen­de Ände­rungs­verträge, ge­ge­be­nen­falls durch Ände­rungskündi­gung er­zwun­gen, schei­den in der Re­gel als ge­eig­ne­te Mit­tel aus. Wenn Ände­run­gen nur mit Zu­stim­mung je­des Be­trof­fe­nen oder un­ter Be­ach­tung sei­ner persönli­chen so­zia­len Schutzwürdig­keit zulässig wären, käme ei­ne sinn­vol­le Neu­ord­nung nicht zu­stan­de (BAG 22, 252, 261 ff. = AP Nr. 142 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt, zu B III 2 der Gründe). Be­trieb­li­che Ein­heits­re­ge­lun­gen dürfen aber nicht ver­stei­nern; sie sind der Ände­rung der Verhält­nis­se im Wan­del der Zeit un­ter­wor­fen und müssen da­her veränder­ten Verhält­nis­sen an­ge­paßt wer­den können (BAG 36, 327, 335 = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Ablösung, zu II 1 der Gründe m.w.N.).

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b) Im Be­reich des Ver­trags­rechts können die Grundsätze des Weg­falls der Geschäfts­grund­la­ge als Mit­tel der An­pas­sung in Fra­ge kom­men, ins­be­son­de­re wenn durch die Ände­rung der Rah­men­be­digun­gen dem Ver­sor­gungs­schuld­ner nicht mehr zu­zu­mu­ten ist, sei­ne Zu­sa­ge ein­zu­hal­ten. Der Se­nat hat da­her vor al­lem bei ei­ner schwe­ren wirt­schaft­li­chen Not­la­ge des Ar­beit­ge­bers, die ei­nen Si­che­rungs­fall im Sin­ne des § 7 Be­trAVG dar­stellt und die Ein­tritts­pflicht des Trägers der In­sol­venz­si­che­rung auslöst, ein Wi­der­rufs­recht des Ar­beit­ge­bers an­er­kannt (BAG 32, 56, 63 f. = AP Nr. 9 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt-Un­terstützungs­kas­sen, zu I 3 a der Gründe m.w.N.).

Die­ser Lösungs­grund schei­det im Streit­fall aus. Die Be­klag­te hat sich auf ei­nen Weg­fall der Geschäfts­grund­la­ge nicht be­ru­fen, ins­be­son­de­re kei­ne wirt­schaft­li­che Not­la­ge be­haup­tet, son­dern Gründe der be­trieb­li­chen So­zi­al­po­li­tik gel­tend ge­macht: Ihr Ziel sei es ge­we­sen, un­ter Bei­be­hal­tung des Fi­nan­zie­rungs­rah­mens den Schutz der Ar­beit­neh­mer und de­ren Hin­ter­blie­be­nen vor den Wechs­elfällen des Le­bens zu er­wei­tern, vor al­lem ih­re Ar­beit­neh­mer bei In­va­li­dität auch dann zu schützen, wenn kein Be­triebs­un­fall ursächlich war. Da sie den Do­tie­rungs­rah­men nicht im Um­fan­ge die­ser Ver­bes­se­run­gen ha­be aus­wei­ten wol­len, ha­be sie die Ren­ten­zuwächse kürzen müssen. Un­vor­her­ge­se­he­ne Ent­wick­lun­gen spiel­ten al­so kei­ne Rol­le.

c) Sch­ließlich kann sich die Be­klag­te nicht auf die Re­ge­lungs­kom­pe­tenz der Be­triebs­part­ner und die Recht­spre­chung des Sechs­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­ru­fen (vgl. BAG 39, 295 = AP

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Nr. 4 zu § 77 Be­trVG 1972). Die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 wur­de von der Be­klag­ten bzw. de­ren Un­terstützungs­kas­se ein­sei­tig ein¬geführt; ei­ne ablösen­de Be­triebs­ver­ein­ba­rung wur­de nicht ge­schlos­sen.
An­de­rer­seits ist aber auch die An­sicht des Klägers un­rich­tig, daß schon das Feh­len ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung zur Un­wirk­sam­keit der Neu­re­ge­lung führt, so­weit die­se ihn be­nach­tei­ligt. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Klägers war die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 nicht mit­be­stim­mungs­pflich­tig. Zur Zeit der Ablösung galt das Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz vom 11. Ok­to­ber 1952. Nach des­sen 56 Abs. 1 Buchst. e hat­te der Be­triebs­rat zwar mit­zu­be­stim­men bei der Ver­wal­tung von Wohl­fahrts­ein­rich­tun­gen, zu de­nen auch Un­terstützungs­kas­sen ge­rech­net wur­den; Auf­stel­lung und Ände­rung des Leis­tungs­plans wur­den je­doch als mit­be­stim­mungs­frei an­ge­se­hen. Das Mit­be­stim­mungs­recht wur­de nur auf die for­mel­len Ar­beits­be­din­gun­gen be­zo­gen (BAG Be­schluß vom 22. No­vem­ber 1963 - 1 ABR 6/63 - AP Nr. 3 zu § 56 Be­trVG Ent­loh­nung; Gal­pe­rin/ Sie­bert, Be­trVG, 3. Aufl. 1958, § 56 Vorb. 18 ff.; Fit­ting/ Kra­e­ge­loh/Auf­farth, Be­trVG, 1970, § 56 Rz 29).

3. Der vor­lie­gen­de Rechts­streit weist die Be­son­der­heit auf, daß die Ver­sor­gung nach der ab­gelösten Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 von der recht­lich selbständi­gen Un­terstützungs­kas­se der Be­klag­ten gewährt wer­den soll­te. Kenn­zeich­nend für die­se Form der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung ist, daß die Leis­tun­gen un­ter Aus­schluß ei­nes Rechts­an­spruchs der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer zu­ge­sagt wer­den. Der Se­nat hat je­doch in ständi­ger Recht­spre­chung er­kannt,

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daß die­sem Vor­be­halt nur die Be­deu­tung ei­nes an sach­li­che Gründe ge­bun­de­nen Wi­der­rufs­rechts zu­kommt (zu­letzt Ur­teil vom 5. Ju­ni 1984 - 3 AZR 33/84 - aa0, zu IV 1 der Gründe m.w.N.). Hier­aus folgt zu­gleich, daß die Leis­tungs­richt­li­ni­en ei­ner Un­terstützungs­kas­se un­ter dem Vor­be­halt der Ände­rung aus sach­li­chen Gründen ste­hen, al­so durch geänder­te Leis­tungs­richt­li­ni­en er­setzt wer­den können (BAG 37, 217, 222 = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­sen, zu II 1 der Gründe m.w.N.). Für den hier um­strit­te­nen Ein­griff in die er­wor­be­ne Rechts­po­si­ti­on des Klägers fehl­ten je­doch nach dem bis­he­ri­gen Vor­trag der Be­klag­ten aus­rei­chen­de sach­li­che Gründe.

a) Wel­ches Ge­wicht ein sach­li­cher Grund ha­ben muß, um Ein­grif­fe in die recht­lich geschütz­te Po­si­ti­on der Ar­beit­neh­mer und Rent­ner zu recht­fer­ti­gen, rich­tet sich auf der Sei­te des Ar­beit­ge­bers da­nach, ob sich die tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen, die zur Zeit der Zu­sa­ge be­stan­den und de­ren Fort­be­stand er­war­tet wer­den durf­te, we­sent­lich verändert ha­ben, ins­be­son­de­re ob das Un­ter­neh­men durch die Ver­sor­gungs­last aus­ge­zehrt wird (vgl. auch hier­zu Ur­teil des Se­nats vom 5. Ju­ni 1984, aa0, zu V der Gründe). An­de­rer­seits ist die Stärke der recht­li­chen Po­si­ti­on der Ar­beit­neh­mer und Rent­ner zu berück­sich­ti­gen. Je stärker de­ren Be­sitz­stand ist, um so we­ni­ger kann in ih­re Rech­te ein­ge­grif­fen wer­den und um so scho­nen­der muß der Ein­griff sein. Die Grundsätze der Verhält­nismäßig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes sind zu be­ach­ten (vgl. BVerfG Be­schluß vom 19. Ok­to­ber 1983 - 2 BvR 298/81 - BVerfGE 65, 196 = AP Nr. 2 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­sen, zu C III 1 der Gründe).

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b) Im Streit­fall macht die Be­klag­te kei­ne wirt­schaft­li­chen Zwänge als Ab­leh­nungs­grund gel­tend. Sie will die al­te Ver­sor­gungs­ord­nung aus dem Jah­re 1958 an geänder­te Ver­tei­lungs­grundsätze an­pas­sen, oh­ne den Ver­sor­gungs­auf­wand für die Be­leg­schaft ins­ge­samt zu schmälern. Den Leis­tungskürzun­gen sol­len Ver­bes­se­run­gen ge­genüber­ste­hen, die al­ler­dings nicht bei al­len Ar­beit­neh­mern aus­rei­chen, die Nach­tei­le aus­zu­glei­chen. Sol­che Um­struk­tu­rie­run­gen sind nicht willkürlich oder un­sach­lich. Sie las­sen sinn­vol­le Erwägun­gen er­ken­nen. Die An­pas­sung an geänder­te so­zi­al­po­li­ti­sche Zie­le wird von dem Wi­der­rufs­vor­be­halt in der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge grundsätz­lich ge­deckt.

c) Hin­sicht­lich der Be­lan­ge der Ar­beit­neh­mer hat der Se­nat da­nach un­ter­schie­den, ob be­reits er­dien­te Be­sitzstände oder zu¬ge­sag­te Stei­ge­run­gen ge­schmälert wer­den soll­ten (zu­letzt BAG 36, 327, 337 ff. = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Ablösung, zu III der Gründe und BAG 37, 217, 224 ff. = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­sen, zu III der Gründe). Hier­an ist fest­zu­hal­ten. Je­doch ist ei­ne ge­naue­re Ab­stu­fung ge­bo­ten:
(1) Den So­ckel al­ler denk­ba­ren Be­sitzstände bil­det der Teil­be­trag, der dem an­wart­schafts­be­rech­tig­ten Ar­beit­neh­mer selbst dann nicht mehr ent­zo­gen wer­den könn­te, wenn das Ar­beits­verhält­nis zur Zeit der Neu­re­ge­lung be­en­det würde oder wenn der Ar­beit­ge­ber Kon­kurs an­mel­den müßte. Die­ser un­ver­fall­ba­re und in­sol­venz­geschütz­te Teil­be­trag ist gemäß § 2 Be­trAVG zeit­an­tei­lig zu be­rech­nen und verändert sich nach dem Be­rech­nungs­stich­tag (Ver­trags­en­de, In­sol­venz, Wi­der­ruf) nicht mehr, weil späte­re Verän-

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de­run­gen der Ver­sor­gungs­re­ge­lung oder der Be­mes­sungs­grund­la­gen für die­sen er­dien­ten Teil­be­trag außer Be­tracht blei­ben (§ 2 Abs. 5 Be­trAVG).

(2) Hin­sicht­lich der Zu­wachs­ra­ten ist zu un­ter­schei­den: Han­delt es sich um Stei­ge­run­gen, die sich aus der Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit er­ge­ben (dienst­zeit­abhängi­ge Stei­ge­rungs­ra­ten), so hat der Ar­beit­neh­mer bei der Ablösung der Ver­sor­gungs­ord­nung die für die Zuwächse in der Zu­kunft er­for­der­li­che Be­triebs­treue noch nicht er­bracht. Die­ser Teil­wert ist noch nicht er­dient. An­ders ist ei­ne ge­halts­abhängi­ge Dy­na­mik zu be­ur­tei­len. Bei ihr soll der Wert­zu­wachs der An­wart­schaft oh­ne Bin­dung an die Dienst­zeit der Ent­wick­lung ei­nes Be­rech­nungs­fak­tors fol­gen, der sei­ner­seits va­ria­bel ist. Der Zweck die­ser dienst­zeit­un­abhängi­gen Stei­ge­rung (Dy­na­mik) be­steht nicht dar­in, die fort­dau­ern­de Be­triebs­treue zu vergüten und zum Maßstab der Ren­ten­be­rech­nung zu ma­chen; viel­mehr geht es dar­um, den Ver­sor­gungs­be­darf fle­xi­bel zu er­fas­sen. Der An­wart­schafts­wert soll sich dem durch die Höhe des Ar­beits­ent­gelts ge­prägten Le­bens­stan­dard des begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mers bis zum Ein­tritt des Ver­sor­gungs­fal­les (Halb­dy­na­mik) oder so­gar im Ru­he­stand (Voll­dy­na­mik) an­pas­sen.

So­weit für ei­ne sol­che lohn- oder ge­halts­abhängi­ge Dy­na­mik Be­triebs­treue ge­leis­tet wur­de, ist sie im Ge­gen­satz zu den dienst­zeit­abhängi­gen Stei­ge­rungs­ra­ten im Zeit­punkt der Ablösung schon er­dient. Das ist für die Dy­na­mik des Teils der An­wart­schaft an­zu­neh­men, der sich zur Zeit der Ablösung er­rech­net. An­tei­lig hat der Ar­beit­neh­mer hierfür die Ge­gen­leis­tung be­reits er­bracht

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(eben­so Höfer/Abt, Be­trAVG, Band I, 2. Aufl., Arb.Gr. Rz 206 f.). In­so­weit ist un­er­heb­lich, ob die Ver­sor­gungs­an­wart­schaft im Zeit­punkt der Ablösung be­reits un­ver­fall­bar war oder, wie im Streit­fall, noch nicht (BAG 24, 177, 195 = AP Nr. 156 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt, zu A IV 3 der Gründe).

Der Un­ter­schei­dung von dienst­zeit­abhängi­gen und dienst-zeit­un­abhängi­gen Stei­ge­rungs­fak­to­ren kann die Be­klag­te nicht ent­ge­gen­hal­ten, auch bei ei­ner ge­halts­be­zo­ge­nen Dy­na­mik wer­de die Wert­stei­ge­rung re­al erst in der Zu­kunft er­dient; der begüns­tig­te Ar­beit­neh­mer müsse nämlich tatsächlich das Ar­beits­verhält­nis fort­set­zen, um an Ge­halts­stei­ge­run­gen teil­neh­men zu können. Die­ser Ein­wand ver­kennt, daß die Ge­halts­stei­ge­run­gen, die ein ak­ti­ver Ar­beit­neh­mer er­reicht, re­gelmäßig nicht als Vergütung vor­an­ge­gan­ge­ner Be­triebs­treue ver­stan­den wer­den können, son­dern der An­pas­sung an den all­ge­mei­nen Le­bens­stan­dard die­nen. Dies auch für die Be­triebs­ren­ten zu gewähr­leis­ten, ist der Zweck dy­na­mi­scher Ver­sor­gungs­zu­sa­gen. Die be­zeich­ne­te Lohn- und Ge­halts­grup­pe dient da­bei nur als In­di­ka­tor.

Eben­so­we­nig über­zeugt der Hin­weis der Be­klag­ten auf die Vor­schrift des § 2 Abs. 5 Be­trAVG, daß Ände­run­gen der Be­rech­nungs­grund­la­gen nach dem Aus­schei­den des Ar­beit­neh­mers un­berück­sich­tigt blei­ben. Die­se Re­ge­lung be­trifft nur die Un­ver­fall­bar­keit und den In­sol­venz­schutz; auf die Pro­ble­ma­tik ei­ner ver­schlech­tern­den Neu­re­ge­lung läßt sie sich nicht über­tra­gen. Wird das Ar­beits­verhält­nis be­en­det, so soll der Ar­beit­ge­ber über die un­ver­fall­ba­re An­wart­schaft Aus­kunft ge­ben. Er soll kei­ne hy­po-

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the­ti­schen Be­rech­nun­gen an­stel­len müssen, die hin­sicht­lich der künf­ti­gen Lohn­ent­wick­lung völlig un­si­cher wären. Das glei­che gilt für die Re­ge­lung beim In­sol­venz­schutz in § 7 Abs. 2 Satz 3 Be­trAVG, wo auf § 2 Be­trAVG ver­wie­sen wird. Auch im In­sol­venz­fall muß ei­ne schnel­le und ab­sch­ließen­de Klärung möglich sein, in­wie­weit künf­tig der Pen­si­ons­si­che­rungs­ver­ein ein­zu­tre­ten hat. Da­ge­gen läßt sich bei ei­nem fort­be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis die Lohn­ent­wick­lung un­schwer fest­stel­len. Es ist kein Grund er­sicht­lich, sie auch hier außer Be­tracht zu las­sen.

(3) Die drei­fa­che Ab­stu­fung von Be­sitzständen, nämlich dem er­dien­ten An­wart­schafts­wert zur Zeit der Kürzung, der er­dien­ten Dy­na­mik und schließlich dem noch nicht er­dien­ten, von wei­te­rer Be­triebs­treue abhängi­gen Wert­zu­wachs, ver­langt eben­so ab­ge­stuf­te An­for­de­run­gen an das Ge­wicht der zur Kürzung be­rech­ti­gen­den sach­li­chen Gründe.

Ein­grif­fe in den er­dien­ten Teil­be­trag ei­ner Ver­sor­gungs­an­wart­schaft sind nur in sel­te­nen Aus­nah­mefällen statt­haft (BAG 36, 327, 337 = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Ablösung, zu III 1 a der Gründe). Da die be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung so­wohl Ver­sor­gungs-als auch Ent­gelt­cha­rak­ter hat, ist das Ru­he­geld zu­gleich Ge­gen¬eis­tung für die Be­triebs­treue, die der Ar­beit­neh­mer bis zum Ver­sor­gungs­fall er­brin­gen muß (statt al­ler: BAG 24, 177, 183 = AP Nr. 156 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt, zu A III 2 a der Gründe). Ei­ne Kürzung des er­dien­ten Teil­be­tra­ges ei­ner An­wart­schaft würde nachträglich die zu­ge­sag­te Ge­gen­leis­tung schmälern, für die der Ar­beit­neh­mer die Vor­leis­tung be­reits er­bracht hat. Das käme ei­ner

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entschädi­gungs­lo­sen Ent­eig­nung gleich (BAG 32, 293, 295 AP Nr. 185 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt, zu 2 der Gründe). Ein sol­cher Ein­griff ist in der Re­gel un­verhält­nismäßig; zu­dem würde das Ver­trau­en des Ar­beit­neh­mers schwer enttäuscht, stellt es sich nachträglich her­aus, daß sei­ne Be­triebs­treue un­ent­gol­ten blie­be. Das ist auch der Grund, war­um das Be­triebs­ren­ten­ge­setz für den er­dien­ten Teil­be­trag In­sol­venz­schutz gewährt. In­so­weit be­steht kein Un­ter­schied zwi­schen vor­be­halts­lo­sen Di­rekt­zu­sa­gen ei­ner­seits und wi­der­ruf­li­chen Un­terstützungs­kas­sen­leis­tun­gen an­de­rer­seits.

Die Dy­na­mik ei­ner An­wart­schaft, die sich aus va­ria­blen Be­rech­nungs­grund­la­gen er­gibt, ist nach dem Be­triebs­ren­ten­ge­setz we­ni­ger schutzwürdig. Das folgt dar­aus, daß in­so­weit we­der Un­ver­fall­bar­keit noch In­sol­venz­schutz vor­ge­se­hen wären, wenn ein Ar­beit­neh­mer zur Zeit der Kürzungs­maßnah­me aus­schie­de (§ 2 Abs. 5, § 7 Abs. 2 Satz 3 Be­trAVG). Den­noch ist zu berück­sich­ti­gen, daß der Ar­beit­neh­mer auch für die­sen noch an­wach­sen­den Teil sei­ner Ver­sor­gungs­an­wart­schaft be­reits vor­ge­leis­tet hat. Im Hin­blick auf die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts vom 19. Ok­to­ber 1983 (- 2 BvR 298/81 -, BVerfGE 65, 196 AP Nr. 2 zu § 1 Be­trAVG Un­terstützungs­kas­sen) bie­tet es sich an, we­nigs­tens "trif­ti­ge Gründe" zu for­dern. Dies liegt auch sach­lich na­he: Be­reits im An­schluß an den ge­nann­ten Be­schluß des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts hat der Se­nat den Maßstab des trif­ti­gen Grun­des bei der Kon­kre­ti­sie­rung des § 16 Be­trAVG an­ge­wandt. Un­ter der Gel­tung des Be­triebs­ren­ten­ge­set­zes könne ei­ne An­pas­sung der Ren­ten an die Kauf­kraft­ent­wick­lung ver­wei­gert wer­den wenn lang­fri-

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stig die Sub­stanz des Un­ter­neh­mens gefähr­det er­schei­ne (hier­zu näher die Ur­tei­le des Se­nats vom 23. April 1985 - 3 AZR 156/83 - und - 3 AZR 548/82 - bei­de zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen -; all­ge­mein zum trif­ti­gen Grund: Ur­teil vom 5. Ju­ni 1984, aa0, zu V 3 a der Gründe). Bei Ein­grif­fen in die Dy­na­mik ei­ner Ver­sor­gungs­zu­sa­ge geht es eben­falls um die Fra­ge, in­wie­weit ei­ne An­wart­schaft kauf­kraft­sta­bil sein und blei­ben kann. Des­halb ist ein Ein­griff in die er­dien­te Dy­na­mik nur aus Gründen ge­recht­fer­tigt, die aus­rei­chen würden, ei­nen Teue­rungs­aus­gleich bei den Be­triebs­ren­ten zu ver­wei­gern.

Ge­rin­ge­re An­for­de­run­gen sind an den sach­li­chen Grund zu stel­len, wenn in rein dienst­zeit­abhängi­ge Stei­ge­rungs­beträge ein­ge­grif­fen wer­den soll. Da sol­che Ren­ten­zuwächse noch nicht er­dient sind und Stei­ge­run­gen von künf­ti­ger Be­triebs­treue abhängen, müssen für ei­nen aus­drück­lich vor­be­hal­te­nen Ein­griff schon Gründe aus­rei­chen, die nicht willkürlich sind und nach­voll­zieh­bar er­ken­nen las­sen, wel­che Umstände und Erwägun­gen zur Ände­rung der Ver­sor­gungs­zu­sa­ge An­laß ge­ben. Doch müssen auch sol­che Kürzun­gen ei­ner Bil­lig­keitsprüfung stand­hal­ten. Das Ver­trau­en der Ar­beit­neh­mer darf nicht über Gebühr be­ein­träch­tigt wer­den, die sach­li­chen Gründe sind ge­genüber den In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer ab­zuwägen (zur ähn­li­chen Pro­ble­ma­tik der ablösen­den Be­triebs­ver­ein­ba­rung vgl. Ur­teil des Se­nats vom 8. De­zem­ber 1981, aa0, BAG 36, 327 ff. = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG Ablösung, zu III 1 b der Gründe).

III.1. Das an­ge­foch­te­ne Ur­teil kann hier­nach kei­nen Be­stand ha-

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ben. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat nicht ge­prüft, ob die Be­klag­te be­rech­tigt war, in die er­dien­te Dy­na­mik der dem Kläger nach der Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 zu­ste­hen­den Ver­sor­gungs­an­wart­schaft ein­zu­grei­fen. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat nur un­ter­schie­den zwi­schen dem am 31. De­zem­ber 1967 er­dien­ten Fest­be­trag der Ver­sor­gungs­an­wart­schaft, den die Be­klag­te nicht an­ge­tas­tet hat, und der bloßen Aus­sicht auf künf­ti­ge Ren­ten­zuwächse. Es hat (ent­spre­chend der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung) nicht berück­sich­tigt, daß die Neu­re­ge­lung in die dienst­zeit­un­abhängi­ge Stei­ge­rungs­zu­sa­ge ein­greift, wes­halb die Un­ter­schei­dung von Be­sitz­stand und bloßer Aus­sicht das Pro­blem nicht aus­rei­chend dif­fe­ren­ziert er­faßt.

2. Der Auf­fas­sung der Be­klag­ten, die Ablösung der Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 sei nach der Recht­spre­chung zur Zeit der Ablösung, al­so des Jah­res 1968, zu be­ur­tei­len, kann sich der Se­nat in die­ser All­ge­mein­heit nicht an­sch­ließen. Al­ler­dings trifft es zu, daß im Jah­re 1968 nach den da­mals gel­ten­den Vor­schrif­ten des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes vom 11. Ok­to­ber 1952 ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nicht be­stand, so daß die Ablösung nicht an ei­ner feh­len­den Zu­stim­mung des Be­triebs­rats schei­tern konn­te (sie­he oben zu B II 2 c der Gründe). Rich­tig ist fer­ner, daß hin­sicht­lich der ma­te­ri­el­len Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Wi­der­rufs­rechts im Jah­re 1968 kla­re Richt­li­ni­en für die be­trieb­li­che Pra­xis fehl­ten. Die ge­richt­li­che Prüfung kon­zen­trier­te sich vor­nehm­lich auf die Fra­ge, ob ei­ne Re­ge­lung der Bil­lig­keit ent­sprach (vgl. BAG Ur­teil vom 21. Ju­li 1964 - 3 AZR 226/63 - AP Nr. 96 zu § 242 BGB Ru­he­ge­halt). Das ist bei der Abwägung zu berück­sich­ti­gen, kann aber nicht da­zu führen, daß in­zwi­schen ge­won­ne­ne

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Er­kennt­nis­se völlig un­berück­sich­tigt blei­ben dürf­ten.

3. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wird zunächst prüfen müssen, ob die wirt­schaft­li­che La­ge der Be­klag­ten ei­nen trif­ti­gen Grund für den Ein­griff in die er­dien­te Dy­na­mik bot. Soll­te sich er­ge­ben, daß aus ei­ner nicht vor­werf­ba­ren und lan­ge zurück­lie­gen­den Fehl­einschätzung der Rechts­la­ge dem Un­ter­neh­men nun­mehr ei­ne er­heb­li­che Kos­ten­be­las­tung erwächst, die nicht kal­ku­lier­bar war und für die Rück­stel­lun­gen feh­len, so müßte dem im Rah­men der jetzt nach­zu­ho­len­den Bil­lig­keitsprüfung Rech­nung ge­tra­gen wer­den. Je nach dem Um­fang der Be­las­tung und der wirt­schaft­li­chen La­ge des Un­ter­neh­mens könn­te un­ter Umständen auch ei­ne nur teil­wei­se Berück­sich­ti­gung der Ge­halts­ent­wick­lung den Grundsätzen der Bil­lig­keit und des Ver­trau­ens­schut­zes genügen (vgl. zu ähn­li­chen Über­le­gun­gen bei der ers­ten Ren­ten­an­pas­sung nach § 16 Be­trAVG: BAG 29, 294, 317 f. = AP Nr. 5 zu § 16 Be­trAVG, zu C I und II der Gründe). Nähe­re Hin­wei­se hier­zu sind im Streit­fall nicht möglich, da die Be­klag­te sich bis­her nicht auf wirt­schaft­li­che Gründe be­ru­fen hat und auch die Vor­in­stan­zen kei­nen An­laß ge­se­hen ha­ben, die Ablösung der al­ten Ver­sor­gungs­ord­nung un­ter dem Ge­sichts­punkt des Ein­griffs in er­dien­te Be­sitzstände zu erörtern. Den Par­tei­en muß in­so­weit recht­li­ches Gehör gewährt wer­den.

C. Auch wenn die Be­klag­te nicht be­rech­tigt war, die zu­ge­sag­te Dy­na­mi­sie­rung zu wi­der­ru­fen, läßt sich das Kla­ge­be­geh­ren oh­ne wei­te­re Fest­stel­lun­gen noch nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len.

I. Die Be­klag­te hat vor­ge­tra­gen, der Kläger ha­be sich mit der

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Ände­rung der Ver­sor­gungs­ord­nung zum 1. Ja­nu­ar 1968 ein­ver­stan­den erklärt. Er sei der zu­gleich ein­geführ­ten Zu­satz­ver­sor­gung durch die Grup­pen­le­bens­ver­si­che­rung bei­ge­tre­ten, die - wie er ge­wußt ha­be - mit dem neu­en Ver­sor­gungs­sys­tem ei­ne Ein­heit ge­bil­det ha­be; er ha­be auch ge­gen die Teil­wert­be­rech­nung im März 1968 zunächst kei­ne Ein­wen­dun­gen er­ho­ben. Erst nach dem Ein­tritt in den Ru­he­stand sei er mit For­de­run­gen her­vor­ge­tre­ten. Er neh­me aus den ver­schie­de­nen Ver­sor­gungs­ord­nun­gen die für ihn je­weils güns­tigs­ten Re­ge­lun­gen in An­spruch. Das sei rechts­mißbräuch­lich.

Das Be­ru­fungs­ge­richt ist hier­auf nicht näher ein­ge­gan­gen. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten kann aber er­heb­lich sein. Soll­te es zu­tref­fen, könn­te der Kläger die höhe­re Ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 selbst dann nicht ver­lan­gen, wenn die Ablösung im Jah­re 1968 un­wirk­sam wäre.

1. Falls die gekürz­te Un­terstützungs­kas­sen­ren­te nach der Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 und die Zu­satz­ver­sor­gung durch ei­ne Ver­si­che­rung der die Bei­trags­be­mes­sungs­gren­ze über­stei­gen­den Einkünf­te der Ar­beit­neh­mer in ei­nem sach­li­chen Zu­sam­men­hang stan­den, die Ver­si­che­rung mit­hin er­kenn­bar nur den Ar­beit­neh­mern zu­gu­te kom­men soll­te, die sich mit den ge­rin­ge­ren Stei­ge­rungssätzen der Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 be­gnügten, so läge in dem Bei­tritt des Klägers zu der Zu­satz­ver­si­che­rung die schlüssi­ge Erklärung, er sei mit der Neu­re­ge­lung ein­ver­stan­den. Es ist denk­bar, daß die Teil­nah­me an der Zu­satz­ver­si­che­rung ins­ge­samt güns­ti­ger er­schien als die Dy­na­mi­sie­rung der al­ten Ren­ten­an­wart­schaft. In­so­weit wird es auf die nähe­ren Umstände an­kom­men, zu de­nen das Be­ru­fungs­ge­richt

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bis­her kei­ne Fest­stel­lun­gen ge­trof­fen hat.

Das Ver­hal­ten des Klägers könn­te auch als wi­dersprüchlich zu kenn­zeich­nen sein, woll­te er - bei ei­nem Zu­sam­men­hang bei­der Ver­sor­gungs­sys­te­me - die Vor­tei­le des ei­nen be­an­spru­chen, oh­ne die Nach­tei­le des an­de­ren in Kauf zu neh­men. Auch in­so­weit kann der Se­nat auf­grund der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht er­ken­nen, wie sich die al­te und die neue Ver­sor­gungs­re­ge­lung bei ei­nem Ge­samt­ver­gleich für den Kläger aus­wir­ken.

2. Wi­dersprüchlich könn­te das Kla­ge­be­geh­ren auch des­halb sein, weil der Kläger an den Ver­bes­se­run­gen der Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 teil­hat­te. Zu­tref­fend hat das Be­ru­fungs­ge­richt her­vor­ge­ho­ben, daß die Ände­run­gen den Schutz der Ar­beit­neh­mer und de­ren An­gehöri­gen zum Teil deut­lich güns­ti­ger ge­stal­te­ten. Die Er­werbs­unfähig­keits­ren­te wur­de auf die Fälle er­streckt, in de­nen kein Be­rufs­un­fall bzw. kei­ne Be­rufs­krank­heit vor­la­gen. Wit­wen- und Wai­sen­ver­sor­gung er­hiel­ten erst­mals auch die An­gehöri­gen der im ak­ti­ven Dienst ver­stor­be­nen Ar­beit­neh­mer schon vom To­des­fall an. Daß bei dem Kläger die­se Ri­si­ken nicht ak­tu­ell ge­wor­den sind, ändert nichts dar­an, daß es sich um Zu­sa­gen zu sei­nen Guns­ten han­del­te, ihm mit­hin auch die­ser Ri­si­ko­schutz zu­teil ge­wor­den ist. Ob des­sen wirt­schaft­li­cher Wert ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich für die ge­rin­ge­re Ren­ten­stei­ge­rung dar­stell­te, kann der Se­nat eben­falls an­hand der bis­he­ri­gen Fest­stel­lun­gen nicht ab­sch­ließend be­ur­tei­len.

3. Das Be­ru­fungs­ge­richt hat dem Kläger wei­ter vor­ge­hal­ten, er

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ha­be sich die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 in­so­fern zu­nut­ze ge­macht, als er nach die­ser von der Voll­endung des 63. Le­bens­jah­res an Ren­te be­an­spru­chen konn­te, während die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 erst vom 65. Le­bens­jahr an Ren­ten­leis­tun­gen vor­sah. Je­doch ist dem Be­ru­fungs­ge­richt hier nicht zu fol­gen. Zur Zeit des Ver­sor­gungs­fal­les galt § 6 Be­trAVG. Ar­beit­neh­mer, die das ge­setz­li­che Al­ters­ru­he­geld ver­lan­gen können, ha­ben da­nach ei­nen An­spruch auf vor­zei­ti­ge In­an­spruch­nah­me des be­trieb­li­chen Al­ters­ru­he­gel­des. Der Kläger war al­so auf die Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 gar nicht an­ge­wie­sen, als er vor­zei­tig in den Ru­he­stand tre­ten woll­te.

II. Un­klar ist schließlich, wie hoch die Be­triebs­ren­te des Klägers wäre, wenn ihr die Ver­sor­gungs­ord­nung 1958 zu­grun­de zu le­gen sein soll­te.

Die Ver­sor­gungs­ord­nun­gen 1958 und 1968 ent­hal­ten ei­ne Ober­gren­ze. Gemäß Nr. 4 Abs. 2 VersG 1958 darf das Ge­samt­ein­kom­men aus So­zi­al­ver­si­che­rung und Be­triebs­ren­te 80 % der Be­rech­nungs­grund­la­ge, al­so der Einkünf­te des dem Ver­sor­gungs­fall vor­aus­ge­gan­ge­nen Ka­len­der­jah­res, nicht über­stei­gen. Ent­spre­chen­des gilt gemäß § 10 Abs. 2 VersG 1968. Ob im Streit­fall die­se Gren­ze ein­greift, falls der Kläger ei­nen An­spruch auf ei­ne höhe­re Be­triebs­ren­te hat, ist bis­her nicht ge­prüft.

Im übri­gen ist es nicht zu be­an­stan­den, wenn der Kläger zur Be­rech­nung der er­dien­ten Tei­l­an­wart­schaft für die Zeit bis En­de des Jah­res 1967 Grundsätze an­wen­det, die später in § 2 Be­trAVG Ge­setz ge­wor­den sind (BAG 36, 327, 338 = AP Nr. 1 zu § 1 Be­trAVG

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Ablösung, zu III 1 der Gründe). Die­se Be­rech­nung führt aber nur dann zum rich­ti­gen Er­geb­nis, wenn der Kläger sich auch ei­ne zeit­an­tei­li­ge Kürzung des Ren­ten­teils ge­fal­len läßt, der vom 1. Ja­nu­ar 1968 an bis zum Ein­tritt in den Ru­he­stand nach der Ver­sor­gungs­ord­nung 1968 zu be­rech­nen ist. Er kann nicht ei­ner­seits be­an­spru­chen, die Dy­na­mik der ab­gelösten Ver­sor­gungs­ord­nung von 1958 über den Ablösungs­zeit­punkt hin­aus wir­ken zu las­sen, an­de­rer­seits aber zeit­lich de­ckungs­gleich die vol­le Ren­te aus der neu­en Ver­sor­gungs­ord­nung ver­lan­gen. Für die Zeit vom 1. Ja­nu­ar 1968 bis zum Ru­he­stand des Klägers würden sich sonst die Stei­ge­run­gen der Ren­te nach bei­den Ver­sor­gungs­ord­nun­gen über­la­gern. Das wäre ei­ne Dop­pel­begüns­ti­gung, auf die der Kläger un­ter kei­nem recht­li­chen Ge­sichts­punkt ei­nen An­spruch hat.

 

Dr. Die­te­rich 

Grie­be­ling 

Dr. Pei­fer

Ky­nast 

Dr. Schlem­mer
 

 

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