Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Arbeitnehmerüberlassung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 7 AZR 946/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 02.06.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 19.4.2007 - 9 Ca 9381/06
Landesarbeitsgericht Bremen, Urteil vom 11.6.2008 - 2 Sa 111/07
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


7 AZR 946/08
2 Sa 111/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Bre­men

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

2. Ju­ni 2010

UR­TEIL

Schie­ge, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläge­rin, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 2. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Lin­sen­mai­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gräfl und Schmidt so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Bea und Glock für Recht er­kannt:
 


- 2 -

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 11. Ju­ni 2008 - 2 Sa 111/07 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 19. April 2007 - 9 Ca 9381/06 - ab­geändert, so­weit es der Kla­ge statt-ge­ge­ben hat:

Die Kla­ge wird in­so­weit ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin hat die Kos­ten des ge­gen die Be­klag­te geführ­ten Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten im We­sent­li­chen darüber, ob zwi­schen ih­nen ein Ar­beits­verhält­nis be­steht.

Die Kläge­rin ist aus­ge­bil­de­te Lehr­kraft. Sie schloss am 1. Fe­bru­ar 2005 mit dem in Bre­men ansässi­gen S eV ei­nen vom 1. Fe­bru­ar bis zum 31. Ju­li 2005 be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag, der ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 21,4 St­un­den und ei­ne Vergütung nach der Vergütungs­grup­pe III des BAT vor­sah. Am 12. Ju­li 2005 ver­ein­bar­ten die Kläge­rin und der S eV ei­nen wei­te­ren be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Au­gust 2005 bis zum 31. Ju­li 2006, in dem ei­ne wöchent­li­che Ar­beits­zeit von 15 Un­ter­richts­stun­den fest­ge­legt war. Da­ne­ben schlos­sen die Kläge­rin und der S eV am 31. Au­gust 2005 ei­nen zwei­ten be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag für die Zeit vom 1. Sep­tem­ber 2005 bis zum 31. Ja­nu­ar 2006, der zunächst ei­ne Ar­beits­zeit von zwei Un­ter­richts­stun­den vor­sah und mit Ver­ein­ba­rung vom 13. Ja­nu­ar 2006 un­ter Erhöhung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf vier Un­ter­richts­stun­den bis zum 31. Ju­li 2006 verlängert wur­de.


Der S eV un­terhält kei­nen ei­ge­nen Schul­be­trieb und hat kei­ne Er­laub­nis zur Ar­beit­neh­merüber­las­sung. Mit Frei­stel­lungs­be­scheid für die Ka­len­der­jah­re



- 3 -

1999, 2000 und 2001 wur­de dem Ver­ein vom zuständi­gen Fi­nanz­amt be­schei­nigt, dass er von der Körper­schaft­steu­er und der Ge­wer­be­steu­er be­freit ist, weil er aus­sch­ließlich und un­mit­tel­bar steu­er­begüns­tig­ten ge­meinnützi­gen Zwe­cken dient. Des Wei­te­ren be­schei­nig­te das Fi­nanz­amt am 19. De­zem­ber 2006, dass der Ver­ein ei­ne ge­meinnützi­ge Körper­schaft iSd. Be­stim­mun­gen des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes ist.


Während der ge­sam­ten Dau­er ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses war die Kläge­rin in der In­te­grier­ten Stadt­teil­schu­le I in Bre­men, ei­ner öffent­li­chen Schu­le der be­klag­ten Stadt­ge­mein­de, tätig. Dort war sie ua. als Klas­sen­leh­re­rin für ei­ne 7. und 8. Haupt­schul­klas­se ein­ge­setzt und bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 19 Un­ter­richts­stun­den in den Schul­be­trieb ein­ge­glie­dert. Grund­la­ge für den Ein­satz war ei­ne zwi­schen dem S eV und der Be­klag­ten im Jahr 2001 ge­schlos­se­ne Ko­ope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung, in der es aus­zugs­wei­se heißt:


㤠1
Ge­gen­stand


Ge­gen­stand die­ses Ver­tra­ges ist die Be­reit­stel­lung von Per­so­nal zum Zweck der Wahr­neh­mung fol­gen­der Auf­ga­ben für den Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft


- Ergänzen­der Förder­un­ter­richt für Kin­der und Ju­gend­li­che nicht-deut­scher Her­kunfts­spra­che


- Ergänzen­de Förde­rung von Kin­dern mit aus­ge­wie­se­ner Le­se-Recht­schreib­schwäche

- Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung

Die o.a. Pro­jek­te wer­den in den an­lie­gen­den Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen be­schrie­ben.

§ 2
Auf­trag

Die S e.V. erfüllt im Auf­trag des Se­na­tors für Bil­dung und Wis­sen­schaft die Or­ga­ni­sa­ti­on und den Ein­satz von Per­so­nal an Bre­mer Schu­len zur Durchführung der o.a. Pro­jek­te.
...


§ 5
Mit­ar­bei­ter/in­nen


Die Aus­wahl und die An­stel­lung von Per­so­nal ob­liegt der S e.V.

Die Aus­wahl der Mit­ar­bei­ter/in­nen hat sich am vor­her fest­ge­leg­ten Be­darf (sie­he Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen) zu ori­en­tie­ren. Ne­ben der persönli­chen Eig­nung muss die Mit­ar­bei­te­rin/der Mit­ar­bei­ter auch über die vom Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft ge­for­der­te Qua­li­fi­ka­ti­on verfügen, um In­halt und Ziel der Maßnah­me ver­wirk­li­chen zu können. In­so­weit ist die Aus­wahl mit dem Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft im Ein­zel­fall ab­zu­stim­men.


§ 6
An­ge­stell­ten­verhält­nis

Die un­ter § 4 ge­nann­ten Mit­ar­bei­ter/in­nen sind Ar­beit­neh­mer/in­nen der S e.V. und un­ter­lie­gen in ar­beits­recht­li­cher und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­cher Hin­sicht aus­sch­ließlich den zwi­schen ih­nen und der S e.V. ge­trof­fe­nen ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen. Die S e.V. als Ar­beit­ge­ber hat die al­lei­ni­ge Dienst- und Fach­auf­sicht.


Während der Er­brin­gung von Dienst­leis­tun­gen in der Schu­le ord­net sich das ein­ge­setz­te Per­so­nal in die schul­or­ga­ni­sa­to­ri­schen Abläufe ein und nimmt im Rah­men der fest­ge­leg­ten Maßnah­me und im Sin­ne des Haus­halts-rechts Ein­zel­an­wei­sun­gen der Schul­lei­tung ent­ge­gen.
Die Zuständig­keit der S e.V. für die ge­ne­rel­le Dienst- und Fach­auf­sicht nach Ab­satz 1 Satz 2 bleibt da­durch un­berührt. ...
...


§ 11
Zu­wen­dun­gen

Zur Ab­si­che­rung der Ar­beit des Ver­eins S e.V. im Bil­dungs­be­reich wer­den für Lei­tung, Ver­wal­tung, Per­so­nal­ent­wick­lung, Ko­or­di­na­ti­on etc. Over­head-Kos­ten/ Ver­wal­tungs­kos­ten ge­zahlt. Die Over­head-Kos­ten be­tra­gen höchs­tens 12 % der jähr­li­chen Zu­wen­dungs­sum­me (Per­so­nal­kos­ten für die Ein­zel­maßnah­men). Die Zu­wen­dung er­folgt im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung als Fehl­be­darfs­fi­nan­zie­rung. Die Höhe der Zu­wen­dung wird abhängig von der ver­ab­re­de­ten Leis­tung im Zu­wen­dungs­be­scheid ge­re­gelt.


§ 12
Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen


- 5 -

Das Ver­fah­ren zur Fest­le­gung der Be­dar­fe, so­wie Um­fang und In­halt der je­wei­li­gen Pro­jek­te wer­den in Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen fest­ge­legt, die die­sem Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trag bei­gefügt sind.


Die Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen sind Be­stand­teil die­ses Ver­tra­ges.“


In der in § 12 des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trags erwähn­ten Ein­zel­ver­ein­ba­rung zwi­schen dem S eV und dem Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft der be­klag­ten Stadt­ge­mein­de ist ua. aus­geführt:


„Die S e.V. bie­tet im Rah­men des Pro­jek­tes ‚Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung’ Un­ter­richt durch fach­lich aus­ge­bil­de­te Lehr­kräfte an.


A. Ge­gen­stand der Ver­ein­ba­rung


Ge­gen­stand die­ser Ver­ein­ba­rung ist die Be­reit­stel­lung von Per­so­nal für das Pro­jekt ‚Ergänzen­de Maßnah­men zur Un­ter­richts­ver­tre­tung’ an den Schu­len der Stadt­ge­mein­de Bre­men.


Die Maßnah­men um­fas­sen fol­gen­de Ein­zel­pro­jek­te:

- Leh­rer­feu­er­wehr (LFW)

Un­ter­richts­ver­tre­tung bei länger­fris­ti­gen Krank­heits­ausfällen in den Schu­len (3 Mo­na­te und länger) im Rah­men ei­ner sog. Leh­rer­feu­er­wehr

- Fle­xi­ble Un­ter­richts­ver­tre­tung (FUV)

Fle­xi­ble Un­ter­richts­ver­tre­tung bei Krank­heits­ausfällen, die durch schu­li­sche Maßnah­men nicht ab­ge­deckt wer­den können (länger als 1 Mo­nat)

- Nach­wuchs­si­che­rung (NWS)


Si­che­rung des Nach­wuch­ses zur Ab­de­ckung des Un­ter­richts in den Man­gelfächern bzw. Fach­be­rei­chen.


Die An­stel­lung des Per­so­nals ob­liegt der S e.V. als Ar­beit­ge­ber.
...

C. Ver­fah­rens­ver­ein­ba­rung

1. Auf An­for­de­rung der Schu­len nach ei­ner fle­xi­blen Un­ter­richts­ver­tre­tung bei Krank­heits­ausfällen oder nach ei­ner sog. Leh­rer­feu­er­wehr bei länger­fris­ti­gen Krank­heits­ausfällen be­auf­tragt der Se­na­tor für Bil­dung und Wis­sen­schaft die S e.V. schrift­lich mit
 


- 6 -

der Durchführung der Un­ter­richts­ver­tre­tung.
Die Be­auf­tra­gung be­inhal­tet den Schul­stand­ort, die Beschäfti­gungs­dau­er, den St­un­den­um­fang und den Ver­tre­tungs­an­lass.

2. Per­so­nal

Die S e.V. stellt zur Durchführung der Pro­jek­te qua­li­fi­zier­tes Per­so­nal zur Verfügung.
Das Per­so­nal wird je nach Qua­li­fi­ka­ti­on nach dem BAT vergütet, im Höchst­fal­le nach BAT III. Hier­bei ist die Ein­hal­tung des Bes­ser­stel­lungs­ver­bots zu be-ach­ten.

Die Ar­beits­zeit des Per­so­nals ist ana­log der Ar­beits-zeit der Lehr­kräfte im öffent­li­chen Dienst ge­re­gelt.

Die Fi­nan­zie­rung des Pro­jekts er­folgt im verfügba­ren Res­sour­cen­rah­men.“

In ei­nem Schrei­ben der Re­fe­rats­lei­te­rin Fi­nanz­ma­nage­ment des Se­na­tors für Bil­dung und Wis­sen­schaft der Frei­en Han­se­stadt Bre­men vom 13. De­zem­ber 2006 heißt es, der S eV ha­be für die Durchführung des Ver­tre­tungs­pro­gramms bis­her kei­ne ge­son­der­ten Ver­wal­tungs­kos­ten be­an­tragt oder er­hal­ten, son­dern be­zie­he ei­ne auch Ver­wal­tungs­kos­ten be­inhal­ten­de Zu­wen­dung im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung; die Ver­wen­dung die­ser Ver­wal­tungs­kos­ten wer­de cent­ge­nau nach­ge­wie­sen und ab­ge­rech­net.


Mit der am 7. Au­gust 2006 ge­gen die Be­klag­te und den S eV er­ho­be­nen Kla­ge hat die Kläge­rin die Fest­stel­lung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten und die vorläufi­ge Wei­ter­beschäfti­gung be­gehrt. Ge­genüber dem S eV hat sie zu­letzt die Fest­stel­lung, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht mit dem 31. Ju­li 2006 be­en­det sei, und die Ver­ur­tei­lung zur vorläufi­gen Wei­ter­beschäfti­gung gel­tend ge­macht. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, zwi­schen ihr und der Be­klag­ten sei von Be­ginn ih­rer Tätig­keit in der Ein­satz­schu­le an ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu den Be­din­gun­gen ver­gleich­ba­rer, bei der Be­klag­ten an­ge­stell­ter Lehr­kräfte zu­stan­de ge­kom­men. Der S eV fun­gie­re le­dig­lich for­mal als Ar­beit­ge­ber. Er ha­be we­der in persönli­cher noch in fach­li­cher Hin­sicht Vor­ge­setz­ten­funk­ti­on aus­geübt. Auch or­ga­ni­sie­re der Ver­ein nicht nur die Kran­ken­ver­tre­tung an Schu­len, son­dern stel­le die bei ihm ein­ge­stell­ten Lehr­kräfte der Be­klag­ten auch bei an­de­ren per­so­nel­len Engpässen
 


- 7 -

zur Verfügung. Die vor­lie­gen­de Kon­struk­ti­on sei ein Um­ge­hungs­geschäft. Je­den­falls han­de­le es sich um un­zulässi­ge Ar­beit­neh­merüber­las­sung oder über­las­sen­de Ar­beits­ver­mitt­lung.


Die Kläge­rin hat zu­letzt - so­weit für das Re­vi­si­ons­ver­fah­ren von In­ter­es­se - be­an­tragt

1. fest­zu­stel­len, dass zwi­schen ihr und der Be­klag­ten seit dem 1. Fe­bru­ar 2005 ein un­be­fris­te­tes An­stel­lungs­verhält­nis über ei­ne Tätig­keit als Leh­re­rin im öffent­li­chen Schul­dienst nach Maßga­be des BAT und den die­sen ergänzen­den, ändern­den und er-set­zen­den Ta­rif­be­stim­mun­gen in der je­weils gülti­gen Fas­sung so­wie un­ter Ein­grup­pie­rung der Kläge­rin in Vergütungs­grup­pe II a BAT und ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 15 Un­ter­richts­stun­den im Zeit­raum bis 31. Au­gust 2005, von 17 Un­ter­richts­stun­den bis 15. Ja­nu­ar 2006 und von 19 Un­ter­richts­stun­den seit dem 16. Ja­nu­ar 2006 be­steht, und dass die­ses Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der Be­fris­tun­gen vom 12. Ju­li 2005, 31. Au­gust 2005 und 13. Ja­nu­ar 2006 mit dem 31. Ju­li 2006 be­en­det wur­de und


2. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin zu den un­ter Ziff. 1 ge­nann­ten Be­din­gun­gen mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 19 Un­ter­richts­stun­den vorläufig bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits über den 31. Ju­li 2006 hin­aus wei­ter zu beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt und ge­meint, zwi­schen ihr und der Kläge­rin sei kein Ar­beits­verhält­nis be­gründet wor­den. Die Fik­ti­on ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG schei­de schon des­halb aus, weil der S eV als an­er­kann­te ge­meinnützi­ge Körper­schaft kei­ne ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­trei­be. Im Übri­gen ha­be der Ver­ein al­le Ar­beit­ge­ber­pflich­ten und das Ar­beit­ge­ber­ri­si­ko ge­tra­gen.

Das Ar­beits­ge­richt hat der ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Kla­ge - mit dem oben wie­der­ge­ge­be­nen An­trag - statt­ge­ge­ben und die ge­gen den S eV ge­rich­te­te Kla­ge ab­ge­wie­sen. Hier­ge­gen ha­ben die Kläge­rin und die Be­klag­te im Um­fang ih­res je­wei­li­gen Un­ter­lie­gens Be­ru­fung ein­ge­legt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das Ver­fah­ren zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV ab-ge­trennt und aus­ge­setzt und die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit
 


- 8 -

ih­rer Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te wei­ter­hin das Ziel der Kla­ge­ab­wei­sung.


Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Die Vor­in­stan­zen ha­ben zu Un­recht an­ge­nom­men, zwi­schen den Par­tei­en be­ste­he ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an.

I. Die ge­gen die be­klag­te Stadt­ge­mein­de ge­rich­te­te Fest­stel­lungs­kla­ge ist zulässig.

1. Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt iSv. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Wie die ge­bo­te­ne Aus­le­gung er­gibt, han­delt es sich um ei­ne all­ge­mei­ne Fest-stel­lungs­kla­ge, mit der das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses für be­stimm­te Zeiträume zu den im An­trag be­zeich­ne­ten Be­din­gun­gen fest­ge­stellt wer­den soll. Da­mit ver­bun­den ist ei­ne Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge iSv. § 17 Satz 1 Tz­B­fG, mit der die Fest­stel­lung be­gehrt wird, das zwi­schen den Par­tei­en ent­stan­de­ne Ar­beits­verhält­nis ha­be nicht durch die zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV ver­ein­bar­te Be­fris­tung zum 31. Ju­li 2006 ge­en­det.

2. Der An­trag genügt den Er­for­der­nis­sen des § 256 Abs. 1 ZPO. Die Kläge­rin hat ein recht­li­ches In­ter­es­se dar­an, dass das Be­ste­hen ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten in den be­zeich­ne­ten Zeiträum­en und des­sen Fort­be­stand über den 31. Ju­li 2006 hin­aus als­bald fest­ge­stellt wird.


II. Der all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­an­trag ist un­be­gründet. Zwi­schen den Par­tei­en ist kein Ar­beits­verhält­nis zu­stan­de ge­kom­men. Ein sol­ches ist we­der durch ver­trag­li­che Ver­ein­ba­rung noch kraft ge­setz­li­cher Fik­ti­on noch auf­grund der Um­ge­hung zwin­gen­der ge­setz­li­cher Vor­schrif­ten oder ei­nes Ge­stal­tungs­miss­brauchs ent­stan­den.
 


- 9 -

1. Ein Ar­beits­verhält­nis zur Be­klag­ten be­steht nicht kraft ver­trag­li­cher Ver­ein­ba­rung. Die Ein­glie­de­rung der Kläge­rin in die Or­ga­ni­sa­ti­on der Schu­le der Be­klag­ten genügt un­ter Berück­sich­ti­gung der von der Kläge­rin und der Be­klag­ten mit dem S eV ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen nicht, um ei­nen Ver­trags­schluss zwi­schen den Par­tei­en durch schlüssi­ges Ver­hal­ten zu be­gründen.

2. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts ist zwi­schen den Par­tei­en kein Ar­beits­verhält­nis kraft ge­setz­li­cher Fik­ti­on nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG zu­stan­de ge­kom­men. Es fehlt be­reits an der hier­zu er­for­der­li­chen Ge­werbsmäßig­keit der Ar­beit­neh­merüber­las­sung.

a) Nach § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG gilt ein Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Ent­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer zu dem zwi­schen dem Ent­lei­her und dem Ver­lei­her für den Be­ginn der Tätig­keit vor­ge­se­he­nen Zeit­punkt als zu­stan­de ge­kom­men, wenn der Ver­trag zwi­schen dem Ver­lei­her und dem Leih­ar­beit­neh­mer nach § 9 Nr. 1 AÜG un­wirk­sam ist. Nach § 9 Nr. 1 AÜG ist der Ver­trag zwi­schen Ver­lei­her und Leih­ar­beit­neh­mer un­wirk­sam, wenn der Ver­lei­her nicht die nach § 1 AÜG er­for­der­li­che Er­laub­nis hat. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG be­stimmt, dass Ar­beit­ge­ber, die als Ver­lei­her Drit­ten Ar­beit­neh­mer ge­werbsmäßig zur Ar­beits­leis­tung über­las­sen wol­len, der Er­laub­nis bedürfen.


aa) Ge­werbsmäßig iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Se­nats je­de nicht nur ge­le­gent­li­che, son­dern auf ei­ne ge­wis­se Dau­er an­ge­leg­te und auf die Er­zie­lung un­mit­tel­ba­rer oder mit­tel­ba­rer wirt­schaft­li­cher Vor­tei­le ge­rich­te­te selbständi­ge Tätig­keit. Ent­schei­den­des Kri­te­ri­um ist die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob tatsächlich ein Ge­winn er­zielt wird (BAG 20. April 2005 - 7 ABR 20/04 - zu B II 2 c aa der Gründe, EzA AÜG § 14 Nr. 5 mwN). An ei­ner Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt es, wenn die Über­las­sung le­dig­lich ge­gen Er­stat­tung der Per­so­nal­kos­ten er­fol­gen soll und dem Ver­lei­her da­durch auch mit­tel­bar kei­ne wirt­schaft­li­chen Vor­tei­le er­wach­sen (BAG 25. Ja­nu­ar 2005 - 1 ABR 61/03 - zu B II 4 b bb (2) der Gründe, BA­GE 113, 218; 21. März 1990 - 7 AZR 198/89 - zu I 2 a bb der Gründe, BA­GE 65, 43).
 


- 10 -

bb) An die­sem Verständ­nis der ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung iSd. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG und ins­be­son­de­re dem Er­for­der­nis der Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht hält der Se­nat fest. Es ent­spricht dem Wort­laut der Vor­schrift, dem ge­setz­li­chen Ge­samt­zu­sam­men­hang, dem Sinn und Zweck, der Ge­set­zes­ge­schich­te und den Er­for­der­nis­sen der Rechts­si­cher­heit.

(1) Hierfür spricht be­reits der Ge­set­zes­wort­laut. Der Be­griff der „Ge­werbsmäßig­keit“ legt es zu­min­dest na­he, ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht zu ver­lan­gen und ei­ne un­ei­gennützi­ge Tätig­keit nicht aus­rei­chen zu las­sen.


(2) Sys­te­ma­ti­sche Erwägun­gen spre­chen dafür, den Be­griff der Ge­werbsmäßig­keit eben­so wie im Ge­wer­be­recht zu ver­ste­hen, in dem die Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht not­wen­di­ge Vor­aus­set­zung für den Be­trieb ei­nes Ge­wer­bes iSd. Ge­wer­be­ord­nung ist (vgl. et­wa BVerwG 11. März 2008 - 6 B 2/08 - Rn. 5 mwN, NJW 2008, 1974).


(3) Auch nach Sinn und Zweck der in § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG nor­mier­ten Er­laub­nis­pflicht er­scheint es an­ge­zeigt, bei der Ge­werbsmäßig­keit auf das Merk­mal der Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht nicht zu ver­zich­ten. Bei ei­ner nicht auf Ge­winn­erzie­lung an­ge­leg­ten, un­ei­gennützi­gen Ar­beit­neh­merüber­las­sung ist die Ge­fahr der Ab­sen­kung des So­zi­al­schut­zes der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer je­den­falls ty­pi­scher­wei­se ge­rin­ger als wenn die Ar­beit­neh­merüber­las­sung dar­auf aus­ge­rich­tet ist, durch sie wirt­schaft­li­che Ge­win­ne zu er­zie­len.

(4) Für die­ses Verständ­nis spricht auch die Ge­set­zes­ge­schich­te. In der Ge­set­zes­be­gründung zum Ent­wurf des AÜG vom 7. Au­gust 1972 heißt es (BT-Drucks. VI/2303 S. 10 und BR-Drucks. 200/71 S. 10): „Er­laub­nis­pflich­tig ist nur die ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung, da im übri­gen kein be­son­de­res Kon­troll­bedürf­nis be­steht. Das ge­werbsmäßige Über­las­sen setzt vor­aus, daß der Haupt­zweck des Be­trie­bes oder ei­nes Be­triebs­teils dar­auf ge­rich­tet ist, aus der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ei­nen wirt­schaft­li­chen Ge­winn zu er­zie­len.“ Die­ses Verständ­nis hat der Ge­setz­ge­ber bei den späte­ren Ge­set­zesände­run­gen und -re­for­men des AÜG nicht auf­ge­ge­ben.
 


- 11 -

(5) Die­se Aus­le­gung ist schließlich auch aus Gründen der Rechts­si­cher­heit ver­an­lasst. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, zur Be­stim­mung der Ge­werbsmäßig­keit sei ei­ne wer­ten­de Be­trach­tung al­ler Umstände des Ein­zel­falls er­for­der­lich, um Ge­stal­tungs­miss­brauch aus­zu­sch­ließen, und nur die­je­ni­gen For­men der Ar­beit­neh­merüber­las­sung sei­en von der Er­laub­nis­pflicht aus­zu­neh­men, die un­ter Be­trach­tung der In­ter­es­sen­la­ge die­ser Er­leich­te­rung bedürf­ten. Ei­ne der­art wer­ten­de Be­trach­tung der öffent­lich-recht­lich aus­ge­stal­te­ten Er­laub­nis­pflicht würde aber zu kaum noch hand­hab­ba­ren Ab­gren­zungs­schwie­rig­kei­ten und Rechts­un­si­cher­hei­ten führen.


(6) Ein an­de­res Verständ­nis der Ge­werbsmäßig­keit iSv. § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist auch im Hin­blick auf die bis zum 5. De­zem­ber 2011 in na­tio­na­les Recht um­zu­set­zen­de Richt­li­nie 2008/104/EG des Eu­ropäischen Par­la­ments und des Ra­tes vom 19. No­vem­ber 2008 über Leih­ar­beit (Leih­ar­bei­tRL, ABl. 5. De­zem­ber 2008 L 327 S. 9) nicht ge­bo­ten. Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Richt­li­nie - wofür Ei­ni­ges spricht - auch für die nicht ge­werbsmäßige Ar­beit­neh­merüber­las­sung gilt. Je­den­falls sieht sie we­der zwin­gend ei­ne Er­laub­nis­pflicht für die Ar­beit­neh­merüber­las­sung noch für den Fall des Feh­lens ei­ner sol­chen Er­laub­nis die Fik­ti­on ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem Leih­ar­beit­neh­mer und dem Ent­lei­her vor. Viel­mehr ist es Sa­che des na­tio­na­len Ge­setz­ge­bers, in­ner­halb der Um­set­zungs­frist zu ent­schei­den, wie er den Richt­li­ni­en­vor­ga­ben genügt.

b) Hier­nach sind im Streit­fall die Vor­aus­set­zun­gen des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG nicht erfüllt. Der S eV be­durf­te zur Ge­stel­lung der Leh­rer an die Be­klag­te kei­ner Er­laub­nis nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG. Da­bei kann zu­guns­ten der Kläge­rin da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei der Ge­stel­lung um Ar­beit­neh­merüber­las­sung iSd. AÜG han­del­te (vgl. da­zu et­wa BAG 20. April 2005 - 7 ABR 20/04 - zu B II 2 b aa der Gründe mwN, EzA AÜG § 14 Nr. 5). Je­den­falls er­folg­te die Über­las­sung nicht ge­werbsmäßig. Es fehlt an ei­ner mit der Ar­beit­neh­merüber­las­sung ver­bun­de­nen Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht des S eV.


aa) Die für die Ge­werbsmäßig­keit er­for­der­li­che Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht fehlt, wenn mit der Über­las­sung von Ar­beit­neh­mern un­mit­tel­bar ge­meinnützi­ge
 


- 12 -

Zwe­cke ver­folgt wer­den (Schüren/Ha­mann AÜG 4. Aufl. § 1 Rn. 276; ErfK/Wank 10. Aufl. AÜG § 1 Rn. 35; Thüsing/Waas AÜG 2. Aufl. § 1 Rn. 100). Das ist re­gelmäßig der Fall bei Ein­rich­tun­gen und In­sti­tu­tio­nen, die als ge­meinnützig iSd. steu­er­recht­li­chen Vor­schrif­ten an­er­kannt sind (Schüren/Ha­mann § 1 Rn. 276 mwN). Hier wur­de dem S eV steu­er­recht­lich für die Ka­len­der­jah­re 1999, 2000 und 2001 be­schei­nigt, dass er von der Körper­schaft- und Ge­wer­be­steu­er be­freit ist, weil er aus­sch­ließlich und un­mit­tel­bar steu­er­begüns­tig­ten und ge­meinnützi­gen Zwe­cken im Sin­ne der §§ 51 ff. AO dient. Mit Be­scheid des Fi­nanz­amts Bre­men-Mit­te vom 19. De­zem­ber 2006 wur­de für Ka­pi­tal­er­träge, die in der Zeit vom 1. Fe­bru­ar 2007 bis 31. De­zem­ber 2009 zu­fließen, be­schei­nigt, dass der Ver­ein ei­ne ge­meinnützi­ge Körper­schaft iSv. § 44a Abs. 4, 7 EStG ist.

bb) Die Kläge­rin hat auch ei­ne Ge­winn­erzie­lungs­ab­sicht ih­res Ver­trags­ar­beit­ge­bers we­der be­haup­tet noch Umstände vor­ge­tra­gen, die für ei­ne sol­che Ab­sicht - un­ge­ach­tet der steu­er­recht­li­chen An­er­ken­nung der Ge­meinnützig­keit - spre­chen könn­ten. Nach § 11 des Ko­ope­ra­ti­ons­ver­trags wer­den von der Be­klag­ten im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung als Fehl­be­darfs­fi­nan­zie­rung le­dig­lich „für Lei­tung, Ver­wal­tung, Per­so­nal­ent­wick­lung, Ko­or­di­na­ti­on etc. Over­head-Kos­ten/Ver­wal­tungs­kos­ten ge­zahlt“. Aus­weis­lich der Erklärung der zuständi­gen Se­nats­ver­wal­tung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men vom 13. De­zem­ber 2006 hat der S eV für die Durchführung des Ver­tre­tungs­pro­gramms bis­her kei­ne ge­son­der­ten Ver­wal­tungs­kos­ten be­an­tragt oder er­hal­ten, son­dern ei­ne auch Ver­wal­tungs­kos­ten be­inhal­ten­de, cent­ge­nau nach­ge­wie­se­ne und ab­ge­rech­ne­te Zu­wen­dung im Rah­men der in­sti­tu­tio­nel­len Förde­rung be­zo­gen. Dies spricht ge­ra­de ge­gen ei­ne auf Ge­winn­erzie­lung ge­rich­te­te Tätig­keit. Sch­ließlich be­ste­hen auch kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass der Ver­ein mit­tel­bar wirt­schaft­li­che Vor­tei­le aus der Ar­beit­neh­merüber­las­sung zieht.


3. Zwi­schen den Par­tei­en ist kein Ar­beits­verhält­nis in ana­lo­ger An­wen­dung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG zu­stan­de ge­kom­men. Die Re­ge­lung ist bei ei­ner nicht ge­werbsmäßigen Ar­beit­neh­merüber­las­sung nicht ent­spre­chend
 


- 13 -

an­wend­bar. Es fehlt an ei­ner plan­wid­ri­gen Re­ge­lungslücke. Die Be­stim­mung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG ist er­for­der­lich, weil bei Feh­len der nach § 1 Abs. 1 Satz 1 AÜG er­for­der­li­chen Er­laub­nis der Ver­trag des Leih­ar­beit­neh­mers mit dem Ver­lei­her nach § 9 Nr. 1 AÜG un­wirk­sam ist. Da­mit der Ar­beit­neh­mer in die­sem Fall über­haupt in ei­nem Ar­beits­verhält­nis steht, fin­giert § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG ein sol­ches zum Ent­lei­her (vgl. BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III 2 der Gründe, BA­GE 95, 165). In den Fällen nicht ge­werbsmäßiger Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­steht aber kei­ne Er­laub­nis­pflicht, so dass das Ar­beits­verhält­nis zwi­schen Leih­ar­beit­neh­mer und Ver­lei­her nicht un­wirk­sam ist. Es be­darf des­halb kei­nes Zu­stan­de­kom­mens ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses kraft Ge­set­zes. Da­her kommt auch im Fal­le der - sich et­wa aus ei­nem Ver­s­toß ge­gen schul­recht­li­che Be­stim­mun­gen er­ge­ben­den - Un­wirk­sam­keit der dem Ein­satz der Kläge­rin zu­grun­de lie­gen­den Ko­ope­ra­ti­ons- und Ein­zel­ver­ein­ba­run­gen ei­ne ent­spre­chen­de An­wen­dung des § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG nicht in Be­tracht. Aus den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten folgt nicht die Un­wirk­sam­keit des Ar­beits­ver­trags der Kläge­rin mit dem S eV.

4. Zwi­schen den Par­tei­en be­steht kein Ar­beits­verhält­nis auf­grund ver­mu­te­ter Ar­beits­ver­mitt­lung. Nach­dem § 13 AÜG durch Art. 63 Nr. 9 des Ar­beits-förde­rungs-Re­form­ge­set­zes vom 24. März 1997 (BGBl. I S. 594) mit Wir­kung vom 1. April 1997 er­satz­los auf­ge­ho­ben wur­de, gibt es in den Fällen der nach § 1 Abs. 2 AÜG ver­mu­te­ten Ar­beits­ver­mitt­lung oh­ne­hin kei­ne ge­setz­li­che Grund­la­ge mehr für die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen dem Leih­ar­beit­neh­mer und dem Ent­lei­her. Die Ent­ste­hung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Ent­lei­her kann we­der mit § 1 Abs. 2 AÜG noch mit ei­ner ent­spre­chen­den An­wen­dung von § 10 Abs. 1 Satz 1 AÜG be­gründet wer­den (ausführ­lich: BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III der Gründe mwN, BA­GE 95, 165). Im Übri­gen lie­gen auch die Vor­aus­set­zun­gen des § 1 Abs. 2 AÜG nicht vor. Es ist nicht er­sicht­lich, dass der S eV ge­genüber der Kläge­rin nicht die übli­chen Ar­beit­ge­ber­pflich­ten über­nom­men hätte.
 


- 14 -

5. Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts folgt die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses der Par­tei­en nicht aus der Um­ge­hung (lan­des-) ver­fas­sungs­recht­li­cher und lan­des­ge­setz­li­cher Vor­ga­ben zum staat­li­chen Schul­be­trieb oder aus ei­ner rechts­miss­bräuch­li­chen Ge­stal­tungs­form.

a) Die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt her­an­ge­zo­ge­nen Art. 7 GG und Art. 28 der Lan­des­ver­fas­sung der Frei­en Han­se­stadt Bre­men so­wie die Vor­schrif­ten des Bre­mi­schen Schul­ge­set­zes und Bre­mi­schen Schul­ver­wal­tungs­ge­set­zes (Bre­mSchVwG) ver­bie­ten den Ein­satz von bei pri­vat­recht­lich or­ga­ni­sier­ten Ver­ei­nen an­ge­stell­ten Lehr­kräften in öffent­li­chen Schu­len - zu­min­dest aus­drück­lich - nicht. § 8 Abs. 1 Satz 4 Bre­mSchVwG lässt viel­mehr so­gar zu, zur Erfüllung schu­li­scher Auf­ga­ben Verträge mit an­de­ren In­sti­tu­tio­nen zu schließen. Aber auch wenn der Ein­satz der nicht bei der Be­klag­ten an­ge­stell­ten Kläge­rin in ei­ner öffent­li­chen Schu­le nach den Ver­fas­sungs­vor­ga­ben so­wie schul- und schul­ver­wal­tungs­recht­li­chen Re­ge­lun­gen ver­bo­ten wäre, hätte dies al­len­falls zur Fol­ge, dass er nicht prak­ti­ziert wer­den dürf­te. Den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt an­geführ­ten Re­ge­lun­gen kommt kein ar­beit­neh­mer­be­zo­ge­ner Schutz­zweck da­hin ge­hend zu, dass bei ei­nem Fremd­per­so­nal­ein­satz in den Schu­len der Stadt­ge­mein­de Bre­men ein Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu fin­gie­ren wäre. Die Frei­heit, ein Ar­beits­verhält­nis ein­zu­ge­hen oder dies zu un­ter­las­sen, ist Aus­druck der durch Art. 2 Abs. 1 GG geschütz­ten Ver­trags­frei­heit. In die­se wird ein­ge­grif­fen, wenn oh­ne die zu ei­nem Ver­trags­schluss er­for­der­li­chen bei­der­sei­ti­gen übe­rein­stim­men­den Wil­lens­erklärun­gen oder gar ge­gen den Wil­len ei­ner oder auch bei­der Par­tei­en kraft Ge­set­zes ein Ar­beits­verhält­nis be­gründet wer­den soll. Die Ent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers zu ei­nem sol­chen Ein­griff muss im Ge­setz ei­nen hin­rei­chen­den Aus­druck fin­den (BAG 28. Ju­ni 2000 - 7 AZR 100/99 - zu III 1 a der Gründe, BA­GE 95, 165). Dies ist bei den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zi­tier­ten schul­recht­li­chen Vor­schrif­ten nicht der Fall.

b) An­halts­punk­te für ei­nen Miss­brauch der ver­trag­li­chen Ge­stal­tungs­frei­heit be­ste­hen nicht. Zwi­schen der Kläge­rin und dem S eV be­steht ein dem Kündi­gungs­schutz und dem Gel­tungs­be­reich des Tz­B­fG un­ter­lie­gen­der
 


- 15 -

Ar­beits­ver­trag. Da­mit wird der ge­setz­li­che Be­stands­schutz ge­ra­de nicht um­gan­gen.

III. Da es be­reits an ei­nem Ar­beits­verhält­nis zwi­schen den Par­tei­en fehlt, konn­te auch die Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge kei­nen Er­folg ha­ben.

IV. Der Wei­ter­beschäfti­gungs­an­trag fällt dem Se­nat nicht zur Ent­schei­dung an. Er ist für den Fall des Ob­sie­gens mit dem all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag und der Ent­fris­tungs­kla­ge ge­stellt und auf die Wei­ter­beschäfti­gung bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Rechts­streits ge­rich­tet. Die­ser tritt mit der Ent­schei­dung des Se­nats ein.


V. Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 91 ZPO. We­gen der Tren­nung der ge­gen den S eV er­ho­be­nen Ansprüche in der Be­ru­fungs­in­stanz (§ 145
Abs. 1 ZPO) sind die ge­genüber der Be­klag­ten ge­stell­ten Anträge kos­ten­recht­lich so zu be­han­deln, als sei­en sie von vorn­her­ein in ei­ner nur ge­gen die Be­klag­te ge­rich­te­ten Kla­ge ver­folgt wor­den.

Lin­sen­mai­er 

Gräfl 

Schmidt

W. Bea 

D. Glock

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 7 AZR 946/08  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880