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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Mindestlohn: Anrechnung von Lohnbestandteilen, Tantieme, Zielvereinbarung
   
Gericht: Arbeitsgericht Düsseldorf
Akten­zeichen: 5 Ca 1675/15
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.04.2015
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   

T a t b e s t a n d :

Die Par­tei­en strei­ten über die Fra­ge, auf wel­che Ge­halts­be­stand­tei­le der ge­setz­li­che Min­dest­lohn nach dem Min­dest­l­ohn­ge­setz (Mi­LoG) an­wend­bar ist.

Die Kläge­rin ist seit dem 04.11.2013 bei der Be­klag­ten in ei­nem Ar­beits­verhält­nis beschäftigt. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 18.10.2014 enthält in § 4 fol­gen­de Re­ge­lun­gen zur Vergütung:

(1) Die Grund­vergütung beträgt € 8,10 brut­to pro St­un­de.

(2) Er­folgt ei­ne Beschäfti­gung mit ei­ner an­de­ren Tätig­keit, so ist die bis­he­ri­ge Vergütung 5gemäß § 4 Abs. 1 wei­ter zu zah­len.

(3) Die Zah­lung des Ge­hal­tes ist in der ers­ten Wo­che des Fol­ge­mo­nats fällig....

(4) Die Ge­sell­schaft zahlt dem Mit­ar­bei­ter zusätz­lich zu dem un­ter § 4 Abs. 1 auf­geführ­ten Brut­to­stun­den­lohn ei­nen frei­wil­li­gen Brut­to/ Leis­tungs­bo­nus von max. € 1,00 der sich nach der je­wei­lig gülti­gen Bo­nus­re­ge­lung für Agen­ten er­gibt.

(5) Die Zah­lung von Bo­ni, Gra­ti­fi­ka­tio­nen, Tan­tie­men, Prämi­en und sons­ti­gen Leis­tun­gen liegt im frei­en Er­mes­sen des Ar­beits­ge­bers und be­gründet kei­nen Rechts­an­spruch, auch wenn die Zah­lung wie­der­holt, oh­ne aus­drück­li­chen Vor­be­halt der Frei­wil­lig­keit, er­folg­te. Ins­be­son­de­re ist der Ar­beit­ge­ber gemäß § 4a des Ent­gelt­fort­zah­lungs­ge­set­zes be­rech­tigt, Son­der­vergütun­gen für die Zei­ten von Ar­beits­unfähig­keit in­fol­ge Krank­heit zu kürzen....

Anläss­lich der Einführung des Mi­LoG bot die Be­klag­te der Kläge­rin am 06.01.2015 ei­ne Ände­rung zum Ar­beits­ver­trag an, nach der die Grund­vergütung nach § 4 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges auf 8,50 € erhöht wer­den soll­te. Gleich­zei­tig soll­te sich der in § 4 Abs. 4 ge­re­gel­te Brut­to/ Leis­tungs­bo­nus auf ei­nen Be­trag von max. 0,60 € re­du­zie­ren und sich wei­ter­hin nach der je­weils gülti­gen Bo­nus­re­ge­lung für Agen­ten rich­ten. Die­ses An­ge­bot auf Abände­rung des Ar­beits­ver­tra­ges nahm die Kläge­rin nicht an.

Dar­auf­hin teilt die Be­klag­te der Kläge­rin mit Schrei­ben vom 26.01.2015 mit, dass die Grund­vergütung wei­ter­hin 8,10 € brut­to pro St­un­de und der Brut­to/ Leis­tungs­bo­nus max. 1,00 € brut­to pro St­un­de be­tra­ge, wo­von al­ler­dings 0,40 € pro St­un­de fix ge­zahlt würden. Auf den In­halt des Schrei­bens vom 26.01.2015 (Bl. 15 f d. A.) wird ver­wie­sen.

Die von der Kläge­rin im Ja­nu­ar 2015 ge­leis­te­ten 169,63 Zeit­stun­den rech­ne­te die Be­klag­te mit 8,10 € brut­to ab und zahl­te der Kläge­rin darüber hin­aus ei­nen Bo­nus i. H. v. 1,00 € pro Zeit­stun­de, mit­hin ins­ge­samt 169,63 €. Auf den In­halt der Ver­dienstab­rech­nung für den Ja­nu­ar 2015 (Bl. 17 d. A.) wird ver­wie­sen.

Die Kläge­rin ist der Auf­fas­sung, die ar­beits­ver­trag­lich ge­schul­de­te Grund­vergütung un­ter­schrei­te den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn. Die Bo­nus­zah­lung dürfe nicht zur Be­rech­nung der Ein­hal­tung des ge­setz­li­chen Min­dest­lohns her­an­ge­zo­gen wer­den. Da zwi­schen den Par­tei­en kei­ne Ände­rungs­ver­ein­ba­rung zu­stan­de ge­kom­men sei, ver­blei­be es bei dem Bo­nus­an­spruch von max. 1,00 € brut­to pro St­un­de. Hin­zu kom­me al­ler­dings der ge­setz­li­che Min­dest­lohn als Grund­vergütung i. H. v. 8,50 € brut­to pro St­un­de. Im Mo­nat Ja­nu­ar 2015 sei ein Vergütungsrück­stand i. H. v. 67,97 € brut­to ent­stan­den (169,93 St­un­den x 0,4 € brut­to).

Die Kläge­rin be­an­tragt,

1. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 67,97 € brut­to nebst Zin­sen i. H. v. 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.02.2015 zu be­zah­len;

2. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, sie zu ei­ner Grund­vergütung von 8,50 € brut­to pro St­un­de zzgl. ei­nes Leis­tungs­bo­nus von max. 1,00 € brut­to pro St­un­de gemäß der je­weils gülti­gen Bo­nus­re­ge­lung für Agen­ten zu vergüten. 

Die Be­klag­te be­an­tragt, 

die Kla­ge ab­zu­wei­sen. 

Im Güte­ter­min am 20.04.2015 ha­ben die Par­tei­en übe­rein­stim­mend ei­ne Ent­schei­dung durch den Vor­sit­zen­den be­an­tragt.

We­gen des wei­te­ren Vor­brin­gens der Par­tei­en wird auf die Kla­ge­schrift nebst An­la­gen so­wie das Pro­to­koll der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20.04.2015 ver­wie­sen.

E n t s c h e i d u n g s g r ü n d e :

I.

Die Ent­schei­dung er­ging gem. § 55 Abs. 3 ArbGG durch den Vor­sit­zen­den al­lein. Die Par­tei­en ha­ben in der Güte­ver­hand­lung vom 20.04.2015 übe­rein­stim­mend ei­ne Ent­schei­dung durch den Vor­sit­zen­den be­an­tragt. In der Ver­hand­lung, die sich un­mit­tel­bar an die Güte­ver­hand­lung an­ge­schlos­sen hat, konn­te ei­ne das Ver­fah­ren be­en­den­de Ent­schei­dung er­ge­hen.

II.

Die zulässi­ge Kla­ge ist un­be­gründet. 

1.

Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 2. ist ne­ben dem Leis­tungs­an­trag zu 1. zulässig. 

Es muss zwar re­gelmäßig ei­ne Leis­tungs­kla­ge er­ho­ben wer­den, wenn der An­spruch be­zif­fert wer­den kann (BAG 24.05.2007 – 6 AZR 706/06 –). Ein be­son­de­res Fest­stel­lungs­in­ter­es­se nach § 46 Abs. 2 ArbGG, 256 Abs. 1 ZPO wird je­doch dann be­jaht, wenn nur ein ein­zel­nes Ele­ment des Zah­lungs­an­spruchs zwi­schen den Par­tei­en im Streit steht. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist dann zulässig, wenn sie zu ei­ner ab­sch­ließen­den Klärung führt, der ein­fa­che­re und sach­ge­rech­te­re Weg ist und ge­eig­net ist, den Streit zwi­schen den Par­tei­en pro­zessöko­no­misch für die Ver­gan­gen­heit und Zu­kunft zu klären (BAG 08.05.1984 – 3 AZR 68/82 –, NZA 1985, 155; Moll/Boudon MAH Ar­beits­recht § 20 Rz 162).

Vor­lie­gend be­gehrt die Kläge­rin mit dem Fest­stel­lungs­an­trag die Ver­pflich­tung der Be­klag­ten, ei­ne Grund­vergütung von 8,50 € brut­to pro St­un­de an­stel­le der ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Grund­vergütung von 8,10 € brut­to pro St­un­de zu be­zah­len. Es ist zwi­schen den Par­tei­en nur ein ein­zel­nes Ele­ment des Ge­samt­vergütungs­an­spruchs inkl. des ar­beits­ver­trag­lich ge­re­gel­ten Leis­tungs­bo­nus­an­spruchs strei­tig. Die Kläge­rin könn­te zwar – wie sie dies mit dem Kla­ge­an­trag zu 1. für den Mo­nat Ja­nu­ar 2015 be­reits ge­tan hat – die von ihr be­haup­te­ten Ansprüche mo­nat­lich be­rech­nen und kla­ge­wei­se gel­tend ma­chen. Der Fest­stel­lungs­an­trag zu 2. führt je­doch zu ei­ner ab­sch­ließen­den Klärung der strei­tent­schei­den­den Fra­ge und ist als ein­fa­che­rer und sach­ge­rech­te­rer Weg ge­eig­net, den Streit zwi­schen den Par­tei­en pro­zessöko­no­misch und ins­be­son­de­re für die Zu­kunft zu klären. Die Be­klag­te hat im Ter­min zur münd­li­chen Ver­hand­lung auch aus­drück­lich si­gna­li­siert, sich an ei­ne ent­spre­chen­de rechts­kräfti­ge Fest­stel­lung in Zu­kunft hal­ten zu wol­len.

2.

Die Kla­ge ist un­be­gründet. Dem Be­geh­ren der Kläge­rin steht kei­ne An­spruchs­grund­la­ge zur Sei­te.

a) Die Kläge­rin hat kei­nen über den im Mo­nat Ja­nu­ar 2015 ab­ge­rech­ne­ten Vergütungs­an­spruch hin­aus­ge­hen­den wei­te­ren ge­setz­li­chen Vergütungs­an­spruch in Höhe von 67,97 €. Denn die Be­klag­te hat an die Kläge­rin für den Mo­nat Ja­nu­ar 2015 ei­nen Grund­lohn von 8,10 € und ei­nen Bo­nus von 1,00 € für die ge­leis­te­ten 169,63 Ar­beits­stun­den und da­mit ein Ent­gelt i.H.v. ins­ge­samt 9,10 € brut­to pro Zeit­stun­de ge­zahlt und da­durch den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn nicht un­ter­schrit­ten.

Ein wei­ter­ge­hen­der Zah­lungs­an­spruch folgt we­der aus § 1 Abs. 1 Mi­LoG noch aus § 612 BGB i.V.m. §§ 1 Abs. 2, 3 S. 1 Mi­loG:

Nach § 1 Abs.1 Mi­LoG ha­ben Ar­beit­neh­mer ei­nen ge­setz­li­chen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Ar­beits­ent­gelts min­des­tens in Höhe des Min­dest­lohns durch den Ar­beit­ge­ber. Gemäß § 1 Abs. 2 Satz 1 Mi­LoG beträgt die Höhe des Min­dest­lohns seit dem 01.01.2015 brut­to 8,50 Eu­ro je Zeit­stun­de. Da die Be­klag­te durch die Ent­gelt­zah­lung an die Kläge­rin im Ja­nu­ar 2015 den ge­setz­li­chen Min­dest­lohn nicht un­ter­schrit­ten hat, kommt es für die Ent­schei­dung die­ses Rechts­streits nicht auf die Fra­ge an, ob ein Ver­s­toß zu ei­nem An­spruch auf die übli­che Vergütung nach § 612 BGB führt (so Bay­reu­ther NZA 2014, 865) oder ob das Mi­loG in § 1 Abs. 1 selbst ei­ne spe­zi­el­le­re An­spruchs­grund­la­ge enthält.

aa) Das Mi­loG ist nach Auf­fas­sung der Kam­mer so aus­zu­le­gen, dass bei­de Ent­gelt­be­stand­tei­le (Grund­lohn und Leis­tungs­bo­nus) in die Be­rech­nung der Ein­hal­tung des Min­dest­loh­nes ein­fließen.

Der Ge­set­zes­wort­laut von § 1 Abs. 2 Satz 1 Mi­LoG be­zieht sich auf die Zeit­stun­de, so dass Mo­nats­vergütun­gen um­zu­rech­nen sind. An­halts­punk­te dafür, dass der Min­dest­lohn je Zeit­stun­de gem. § 1 Abs. 2 Satz 1 Mi­LoG nur den Grund­lohn er­fas­sen soll, las­sen sich aus dem Wort­laut des Ge­set­zes nicht her­lei­ten. Vom Sinn und Zweck des Ge­set­zes sind je­doch auch an­de­re Vergütungs­be­stand­tei­le als der mo­nat­li­che Grund­lohn als Min­dest­lohn­be­stand­teil re­le­vant. Denn mit dem Mi­LoG ver­folgt der Ge­setz­ge­ber in ers­ter Li­nie das Ziel, die Zah­lung un­an­ge­mes­sen nied­ri­ger Löhne zu ver­hin­dern (Be­gr. der BReg, BT-Drs. 18/1558, 33 ff.) Da­ne­ben soll bei Voll­zeit­beschäfti­gung ein Mo­nats­ein­kom­men „ober­halb der Pfändungs­frei­gren­ze ge­si­chert” wer­den (eben­da). Bei die­ser Zweck­set­zung be­steht aber kein Grund, Ar­beit­neh­mern, die in der Sum­me ober­halb des Min­dest­lohns von 8,50 Eu­ro für je­de tatsächlich ge­leis­te­te Ar­beits­stun­de ver­die­nen, ei­nen „Auf­sto­ckungs­an­spruch“ für ein­zel­ne Lohn­be­stand­tei­le zu ge­ben (Sit­tard, Das Mi­LoG – Ein Aus­blick auf die Fol­gen und an­ste­hen­de Wei­chen­stel­lun­gen, NZA 2014, 951). Wenn das Mi­LoG die Möglich­keit ei­nes an­ge­mes­se­nen Le­bens­un­ter­hal­tes durch das ei­ge­ne Ein­kom­men her­beiführen her­stel­len soll (Be­gr. der BReg, BT-Drs. 18/1558, 33), kommt es auf die Höhe der Zah­lung selbst an und nicht dar­auf, wor­auf sie be­ruht (Pro­vi­si­on, Bo­nus etc.)

Da­her ist ne­ben der Höhe des Zeit­loh­nes auch de­ren Zah­lungs­zeit­punkt von ent­schei­den­der Be­deu­tung, da­mit der Ar­beit­neh­mer re­gelmäßige
Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen be­die­nen kann und tatsächlich oh­ne Zwi­schen­fi­nan­zie­rung und frem­de Hil­fe sei­nen Le­bens­un­ter­halt vom Ar­beits­ein­kom­men be­strei­ten kann. In­so­fern tritt auch kon­se­quent nach § 2 Abs 1 Mi­loG die Fällig­keit des Min­dest­loh­nes spätes­tens am letz­ten Bank­ar­beits­tag des Mo­nats ein, der auf den Mo­nat folgt, in dem die Ar­beits­leis­tung er­bracht wur­de. Es kommt da­mit al­lein auf das Verhält­nis zwi­schen dem tatsächlich an den Ar­beit­neh­mer ge­zahl­ten Lohn und des­sen tatsächlich ge­leis­te­ter Ar­beits­zeit an und in­so­weit ist der Ka­len­der­mo­nat der maßgeb­li­che Be­zugs­zeit­raum (Bay­reu­ther, Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn, NZA 2014, 865; Sit­tard, Das Mi­LoG – Ein Aus­blick auf die Fol­gen und an­ste­hen­de Wei­chen­stel­lun­gen, NZA 2014, 951). Der im Ka­len­der­mo­nat ge­zahl­te Brut­to­ar­beits­lohn muss je­weils die An­zahl der in die­sem Mo­nat ge­leis­te­ten Brut­to­ar­beits­stun­den mul­ti­pli­ziert mit 8,50 Eu­ro er­rei­chen. Un­er­heb­lich ist da­ge­gen, wie der Ar­beit­ge­ber oder die Ver­trags­par­tei­en die ein­zel­nen Leis­tun­gen be­zeich­nen bzw. auf wel­cher Ba­sis und mit wel­cher Me­tho­de der dann tatsächlich an den Ar­beit­neh­mer aus­be­zahl­te Lohn er­mit­telt wur­de (Bay­reu­ther, Der ge­setz­li­che Min­dest­lohn, NZA 2014, 865).

bb) Da der kon­kre­te Leis­tungs­bo­nus der Kläge­rin Ent­gelt­cha­rak­ter hat und ei­nen un­mit­tel­ba­ren Be­zug zur Ar­beits­lei­tung auf­weist, braucht vor­lie­gend nicht ent­schie­den wer­den, ob auch sol­che Zah­lun­gen min­dest­lohn­re­le­vant sind, die kein „Lohn im ei­gent­li­chen Sin­ne“ sind. Denn nach der EuGH-Ent­schei­dung in der Sa­che J. können in die Min­dest­lohn­be­rech­nung (der Ent­sen­de­richt­li­nie) nur sol­che Vergütungs­be­stand­tei­le ein­be­zo­gen wer­den, die „Lohn im ei­gent­li­chen Sin­ne“ sind (EuGH, NZA 2013, 1359).

Dies hat der EuGH für vermögens­wirk­sa­me Leis­tun­gen ab­ge­lehnt, da mit die­sen ein lang­fris­ti­ger Zweck ver­folgt wer­de (EuGH, NZA 2013, 1359). Die­se Recht­spre­chung dürf­te für die Aus­le­gung des Mi­LoG eben­falls her­an­zu­zie­hen sein, weil auch der Min­dest­lohn des Mi­LoG ist ein „Min­dest­lohn­satz“ iSv Art. 3 I c der Ent­sen­de­richt­li­nie 96/71/EG ist. Al­ler­dings hat der EuGH in der J.-Ent­schei­dung (EuGH, NZA 2013, 1359) be­tont, dass bei der Fra­ge, ob ein Ge­halts­be­stand­teil die Nor­mal­leis­tung vergütet und da­mit Lohn im ei­gent­li­chen Sin­ne ist, das na­tio­na­le Verständ­nis von Vergütungs­ele­men­ten maßgeb­lich ist. Nach deut­schem Ar­beits­recht sind Zah­lun­gen sehr weit­ge­hend als Ent­gelt für er­brach­te Ar­beits­leis­tung ein­zu­ord­nen. Da­bei kann nach zu­tref­fen­der An­sicht zur Be­ur­tei­lung, ob Lohn im ei­gent­li­chen Sin­ne vor­liegt, die Recht­spre­chung des BAG zu Stich­tag­klau­seln (vgl. BAG, NZA 2014, 368) her­an­ge­zo­gen wer­den (so Sit­tard, Das Mi­LoG – Ein Aus­blick auf die Fol­gen und an­ste­hen­de Wei­chen­stel­lun­gen, NZA 2014, 951).

Da­her sind nach Auf­fas­sung der Kam­mer al­le Zah­lun­gen min­dest­lohn­wirk­sam, die als Ge­gen­leis­tung für die er­brach­te Ar­beits­leis­tung mit Ent­gelt­cha­rak­ter je­weils im ge­setz­li­chen Fällig­keits­zeit­raum nach § 2 I Mi­LoG aus­ge­zahlt wer­den.

cc) Ge­mes­sen an die­sen Grundsätzen kann je­den­falls der Leis­tungs­bo­nus eu­ro­pa­rechts­kon­form auf den Min­dest­lohn an­ge­rech­net wer­den. Da­her be­darf es auch kei­ner Ent­schei­dung da­zu, ob die wei­te­ren Ent­gelt­be­stand­tei­le der Kläge­rin (z. B. Miet­kos­ten­zu­schuss) auf den Min­dest­lohn an­zu­rech­nen sind.

Vor­lie­gend wa­ren da­her so­wohl die Grund­vergütung von 8,10 € pro St­un­de als auch der tatsächlich ge­zahl­te Leis­tungs­bo­nus von 1,00 € im Ja­nu­ar 2015 min­dest­lohn­wirk­sam, so dass der Lohn je Zeit­stun­de gem. § 1 Abs. 2 Satz 1 Mi­LoG im Ja­nu­ar 2015 9,10 € be­trug und über dem ge­setz­li­chen Min­dest­lohn lag.

b) Die Kläge­rin auch kei­nen An­spruch auf die Fest­stel­lung, dass die Be­klag­te ver­pflich­tet ist, ihr ei­ne Grund­vergütung von 8,50 € brut­to pro St­un­de ne­ben ei­nem Leis­tungs­bo­nus von max. 1,00 € brut­to pro St­un­de zu zah­len.

So­lan­ge der im Ka­len­der­mo­nat ge­zahl­te Brut­to­ar­beits­lohn in­klu­si­ve Leis­tungs­bo­nus di­vi­diert durch die An­zahl der in die­sem Mo­nat ge­leis­te­ten Ar­beits­stun­den 8,50 € er­reicht, wird der ge­setz­li­che Min­dest­lohn gem. § 1 Abs. 2 Satz 1 Mi­LoG nicht un­ter­schrit­ten. Da die Be­klag­te sich durch Schrei­ben vom 26.01.2015 da­zu ver­pflich­tet hat, den Leis­tungs­bo­nus min­des­tens in Höhe von 0,40 € pro Ar­beits­stun­de aus­zu­zah­len, wird der ge­setz­li­che Min­dest­lohn in der mo­nat­li­chen Ge­samt­be­trach­tung da­her er­reicht.

Soll­te die Be­klag­te ei­nen Leis­tungs­bo­nus von 0,40 € brut­to pro St­un­de un­ter­schrei­ten, können sich Ansprüche der Kläge­rin aus § 1 Abs. 1 Mi­loG oder § 612 BGB i.V.m. § 3 S. 1 Mi­loG er­ge­ben. Die Be­klag­te ist je­doch nicht ver­pflich­tet – wie es die Kläge­rin mit ih­rem Fest­stel­lungs­an­trag be­gehrt – stets ne­ben dem Leis­tungs­bo­nus ei­ne Grund­vergütung i.H.v. 8,50 € brut­to pro St­un­de zu be­zah­len.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 91 ZPO. Die Kläge­rin hat als un­ter­lie­gen­de Par­tei die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

IV.

Der Streit­wert war gem. § 61 Abs. 1 ArbGG als Rechts­mit­tel­streit­wert im Ur­teil fest­zu­set­zen. Der Höhe nach ent­spricht er gem. §§ 46 Abs. 2 ArbGG, 9 ZPO dem Wert der zu er­war­ten­den drei­ein­halbjähri­gen Vergütungs­dif­fe­renz (67,97 € x 42 Mo­na­te).

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der kla­gen­den Par­tei Be­ru­fung ein­ge­legt wer­den. Für die be­klag­te Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Be­ru­fung muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich oder in elek­tro­ni­scher Form beim

Lan­des­ar­beits­ge­richt Düssel­dorf 

Lud­wig-Er­hard-Al­lee 21 

40227 Düssel­dorf

Fax: 0211 7770-2199

ein­ge­gan­gen sein.

Die elek­tro­ni­sche Form wird durch ein qua­li­fi­ziert si­gnier­tes elek­tro­ni­sches Do­ku­ment ge­wahrt, das nach Maßga­be der Ver­ord­nung des Jus­tiz­mi­nis­te­ri­ums über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr bei den Ar­beits­ge­rich­ten im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len (ERV­VO ArbG) vom 2. Mai 2013 in der je­weils gel­ten­den Fas­sung in die elek­tro­ni­sche Post­stel­le zu über­mit­teln ist. Nähe­re Hin­wei­se zum elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr fin­den Sie auf der In­ter­net­sei­te www.egvp.de.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach des­sen Verkündung.

Die Be­ru­fungs­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,

2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,

3. ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt, und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet. 

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten. 

* Ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

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