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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Lohnzahlung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 11 Sa 245/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.08.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Koblenz, Urteil vom 11.03.2010, 10 Ca 1821/08
   

Ak­ten­zei­chen:
11 Sa 245/10
10 Ca 1821/08
ArbG Ko­blenz
Ent­schei­dung vom 19.08.2010

Te­nor:
Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 11.03.2010 - AZ: 10 Ca 1821/08 - wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:
Die Par­tei­en strei­ten über Aus­bil­dungs­vergütungs­ansprüche des Klägers.

Der Be­klag­te ist In­ha­ber ei­ner Kfz-Re­pa­ra­tur­werk­statt. Der 1966 ge­bo­re­ne Kläger war mit Wir­kung ab 01.09.2006 Aus­zu­bil­den­der im Aus­bil­dungs­be­ruf des Kfz-Ser­vice­me­cha­ni­kers in dem Be­trieb des Be­klag­ten. In dem schrift­li­chen Be­rufs­aus­bil­dungs­ver­trag vom 28.08.2006 (Bl. 4 d. A.) war u. a. ei­ne Aus­bil­dungs­vergütung im ers­ten Aus­bil­dungs­jahr von 377,60 € brut­to und im zwei­ten Aus­bil­dungs­jahr von 400,80 € brut­to mo­nat­lich ver­ein­bart. Der Kläger nahm im Ju­li 2008 oh­ne Er­folg an der Ab­schluss­prüfung teil. Nach En­de Ju­ni 2008 er­schien er nicht mehr zur Aus­bil­dung. Im vor­lie­gen­den Recht­streit nimmt der Kläger den Be­klag­ten auf Zah­lung der Aus­bil­dungs­vergütung für den ge­sam­ten Zeit­raum des zwi­schen ih­nen be­ste­hen­den Aus­bil­dungs­verhält­nis­ses in An­spruch.

Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, trotz wie­der­hol­ter Auf­for­de­rung an den Be­klag­ten ha­be die­ser kei­nen Lohn ge­zahlt. We­gen des strei­ti­gen Par­tei­vor­brin­gens des Klägers in ers­ter In­stanz wird im übri­gen auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 11.03.2010 (Bl. 305 f. d. A.) ver­wie­sen.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich zu­letzt be­an­tragt,

den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn ei­nen Be­trag von 8.539,20 € brut­to zu zah­len zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 22.07.2008;

den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an ihn für Ju­li 2008 wei­te­re 480,00 € brut­to als Aus­bil­dungs­vergütung nebst 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Rechtshängig­keit zu zah­len.

Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

We­gen des erst­in­stanz­li­chen strei­ti­gen Sach­vor­tra­ges des Be­klag­ten wird auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 11.03.2010 (Bl. 306 d.A.) ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz hat Be­weis er­ho­ben über die Be­haup­tung des Be­klag­ten zur Zah­lung der Aus­bil­dungs­vergütung an den Kläger für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2006 bis Ju­ni 2008 durch Ver­neh­mung der Zeu­gen A., K. und Ak.. We­gen der Er­geb­nis­se der Be­weis­auf­nah­me wird auf die Nie­der­schrif­ten der Sit­zungs­pro­to­kol­le vom 27.08.2009 (Bl. 229 ff. d. A.) und vom 11.03.2010 (Bl. 295 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men. Wei­ter­hin hat das Ar­beits­ge­richt Ko­blenz ei­ne schrift­li­che Aus­kunft der T. Kran­ken­kas­se ein­ge­holt (Bl. 204 d. A.).

Mit Ur­teil vom 11.03.2010 hat es der Zah­lungs­kla­ge in Höhe von 8.539,20 € brut­to abzüglich 2.807,76 € zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab dem 22.07.2008 statt­ge­ge­ben und die Kla­ge im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Die­se Ent­schei­dung hat es zu­sam­men­ge­fasst im We­sent­li­chen da­mit be­gründet, die Zah­lungs­kla­ge sei teil­wei­se, nämlich we­gen der für die Mo­na­te Sep­tem­ber 2006 bis Ju­ni 2008 ver­folg­ten Net­to­vergütungs­ansprüche, be­gründet und im Übri­gen un­be­gründet. Die Abführung der Lohn­steu­er­an­tei­le ha­be der Kläger un­strei­tig wer­den las­sen. Die Aus­kunft der T. Kran­ken­kas­se vom 02.06.2009 be­le­ge darüber hin­aus die Ent­rich­tung der Beiträge zur So­zi­al­ver­si­che­rung. Er­folg­los blei­be die Kla­ge schließlich we­gen des vom Kläger zu­letzt auch gel­tend ge­mach­ten Zah­lungs­an­spruchs für Ju­li 2008, da der Kläger für die von ihm er­ho­be­ne Be­haup­tung, er ha­be in die­sem Mo­nat von sei­nem Zurück­be­hal­tungs­recht Ge­brauch ge­macht, kei­nen Be­weis an­ge­tre­ten ha­be. Dem­ge­genüber ha­be der Kläger An­spruch auf Zah­lung der Net­to­ver­diens­te für den Zeit­raum Sep­tem­ber 2006 bis Ju­ni 2008 in Höhe der Dif­fe­renz zwi­schen den er­teil­ten und vom Kläger hin­ge­nom­me­nen Ab­rech­nun­gen mit dem Ge­samt­b­rut­to­be­trag von 8.539,20 € und dem Ge­samt­be­trag der steu­er­recht­li­chen und so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Abzüge in Höhe von 2.807,76 € nebst Zin­sen. Den dem Be­klag­ten ob­lie­gen­den Be­weis der Erfüllung der Net­to­zah­lungs­ansprüche des Klägers ha­be der Be­klag­te nach dem ge­sam­ten Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me nicht geführt. Auch an­ge­sichts des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me und der Erklärung bei­der Par­tei­en sei kei­ne Ein­schränkung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last des Be­klag­ten für die von ihm be­haup­te­ten Zah­lun­gen durch et­wai­ge Re­geln über ei­ne so­ge­nann­te se­kundäre Dar­le­gungs­last ge­ge­ben. Ei­ne pro­zes­sua­le Aufklärungs­pflicht der nicht be­weis­be­las­te­ten Par­tei sei in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung ab­zu­leh­nen. Ei­ner ihm nach § 138 Abs. 2 ZPO ob­lie­gen­den se­kundären Erklärungs­pflicht sei der Kläger, je­den­falls zu­letzt, nach­ge­kom­men. Dem Be­klag­ten wer­de auch kei­nes­wegs zu­ge­mu­tet, Umstände be­wei­sen zu müssen, die sei­nem ei­ge­nen Ein­blick und Wahr­neh­mungs­be­reich ent­zo­gen sei­en. Kei­ner der vom Be­klag­ten be­nann­ten Zeu­gen A., K., Ak. ha­be das Ge­richt von der Wahr­heit des Vor­trags des Be­klag­ten zur Zah­lung der Net­to­vergütung an den Kläger über­zeu­gen können. Ins­be­son­de­re ha­be der Zeu­ge A. in kei­nem ein­zi­gen Fall ei­ne hin­rei­chend be­stimm­te Aus­sa­ge da­zu ma­chen können, wes­halb denn nun ei­ne kon­kre­te Aus­zah­lung und in wel­cher Höhe an den Kläger er­folgt sei. Nach sei­ner Aus­sa­ge ver­blei­be es bei der Möglich­keit, dass der Kläger oh­ne ei­gens darüber er­teil­te Ab­rech­nun­gen zusätz­li­che Ar­bei­ten z. B. an Sams­ta­gen vergütet er­hal­ten ha­be, wo­ge­gen die Par­tei­en auch ei­ner Ab­spra­che genügt ha­ben könn­ten, wo­nach der Kläger zwar aus­ge­bil­det wer­de, aber kei­ne Net­to­aus­bil­dungs­vergütung er­hal­ten soll­te. Auch der Zeu­ge K. ha­be Zah­lun­gen an den Kläger zwar aus­drück­lich bestätigt, gleich­zei­tig aber ein­geräumt, er wis­se nicht ge­nau, wofür vom Be­klag­ten Gel­der an den Kläger ge­zahlt wor­den sei­en. Nach sei­ner Aus­sa­ge blei­be nicht nur of­fen, in wel­cher Höhe die­se Zah­lun­gen ge­leis­tet wur­den, son­dern auch, wes­halb es tatsächlich zur Zah­lung ge­kom­men sei und ob es sich da­bei um die vom Be­klag­ten ab­ge­rech­ne­te Net­to­vergütung des Klägers ge­han­delt ha­ben könne, da auch die­ser Zeu­ge ei­ne Ab­re­de zur Nicht­zah­lung der Aus­zah­lungs­vergütung bestätigt ha­be. Ein an­de­res Er­geb­nis der Be­weis­auf­nah­me er­ge­be sich auch nicht nach der Ver­neh­mung des Zeu­gen Ak., da auch die­ser Zeu­ge nichts da­zu sa­gen konn­te, wie oft, wann ge­nau und wes­halb es zu Bar­zah­lun­gen an den Kläger ge­kom­men sei.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils wird auf die Ent­schei­dungs­gründe (Bl. 307 ff. d. A.) ver­wie­sen.

Das Ur­teil vom 11.03.2010 ist dem Be­klag­ten am 23.04.2010 zu­ge­stellt wor­den. Hier­ge­gen hat er am 14.05.2010 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit Schrift­satz vom 23.06.2010, am glei­chen Tag ein­ge­gan­gen, be­gründet.

Mit der Be­ru­fung ver­folgt der Be­klag­te den erst­in­stanz­li­chen Ab­wei­sungs­an­trag wei­ter und be­gründet dies nach Maßga­be sei­nes Schrift­sat­zes vom 22.06.2010 (Bl. 350 ff. d. A.) im We­sent­li­chen da­mit, der Kläger ha­be erst­in­stanz­lich zunächst erklärt, er ha­be nie­mals Zah­lun­gen er­hal­ten und zwar für über­haupt kei­ne For­de­rung. Erst nach­dem die Zeu­gen ent­spre­chen­de Aus­sa­gen getätigt hätten, ha­be er nach und nach, so­zu­sa­gen "scheib­chen­wei­se" ein­geräumt, doch Bar­zah­lun­gen er­hal­ten zu ha­ben. Er ha­be so­dann le­dig­lich be­strit­ten, dass die­se für Ge­halts­zah­lun­gen ge­zahlt wor­den sei­en. Die­se sei­en auf an­de­re For­de­run­gen ge­leis­tet wor­den. In­so­weit wer­de der Kläger durch die Zeu­gen­aus­sa­gen wi­der­legt. Die­se hätten erklärt, dass dies nicht zu­tref­fe und die Zah­lun­gen zum Teil auf das Net­to­ge­halt ge­zahlt wor­den sei­en. Des­halb sei im vor­lie­gen­den Fall zu­min­dest von ei­ner Be­weis­last­um­kehr aus­zu­ge­hen. Die An­ga­ben des Be­klag­ten, dass er die Zah­lun­gen vollständig ge­leis­tet ha­be, sei­en vom Kläger nicht wi­der­legt wor­den.

Der Be­klag­te und Be­ru­fungskläger be­an­tragt,

un­ter Auf­he­bung des erst­in­stanz­li­chen Ur­teils die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Der Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Zur Be­gründung trägt er nach Maßga­be sei­nes Schrift­sat­zes vom 27.07.2010 (Bl. 380 ff. d. A.) im We­sent­li­chen vor, es sei nicht zu­tref­fend, dass der Kläger sich stets da­hin­ge­hend geäußert ha­be, dass er zu kei­nem Zeit­punkt Geld- oder Lohn­zah­lun­gen von der Be­klag­ten er­hal­ten ha­be und dies auf Nach­fra­ge be­tont ha­ben sol­le. Ent­spre­chend sei­ner am 11.03.2010 pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­ge ha­be der Kläger viel­mehr an­ge­ge­ben, dass er viel­leicht al­le zwei bis vier Wo­chen ein­mal 20,00 €, aber nicht mehr, er­hal­ten ha­be, da­mit er sich sei­ne Kla­mot­ten wa­schen konn­te. Auch ha­be er sich da­hin­ge­hend ein­ge­las­sen, dass er sel­ten in Aus­nah­mefällen Bar­geld er­hal­ten ha­be, da­mit er sich am Au­to­ma­ten Zi­ga­ret­ten zie­hen konn­te. Der Kläger ha­be nicht "scheib­chen­wei­se" et­was ein­ge­stan­den. Mit den frühe­ren Ein­las­sun­gen des Klägers sei viel­mehr der
Streit­ge­gen­stand, die un­ter­las­se­nen Lohn­zah­lun­gen, ge­meint ge­we­sen. So­weit in der Vor­in­stanz Zah­lun­gen zu­ge­stan­den wor­den sei­en, han­de­le es sich le­dig­lich um Zi­ga­ret­ten­geld etc., nicht um Lohn­zah­lun­gen. Der Kläger tritt ei­ner Be­weis­last­um­kehr ent­ge­gen.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach­vor­tra­ges der Par­tei­en wird auf die Schriftsätze so­wie die Nie­der­schrift des Sit­zungs­pro­to­kolls ver­wie­sen.

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die Be­ru­fung ist zulässig.

Die Be­ru­fung ist statt­haft, sie ist auch frist- und form­ge­recht ein­ge­legt wor­den.

Ins­be­son­de­re wahrt der frist­ge­recht ein­ge­leg­te Be­ru­fungs­schrift­satz vom 14.05.2010 die ge­setz­li­che Form gemäß §§ 519, 130 ZPO, da auf­grund der ein­ge­hol­ten Aus­kunft in der Ver­hand­lung vor der Be­ru­fungs­kam­mer am 19.08.2010 fest­steht, dass ei­ner der So­zi­en der Rechts­an­walts­kanz­lei S. pp. den Schrift­satz un­ter­zeich­net und da­mit ver­ant­wor­tet hat. Die Übe­rein­stim­mung mit ei­ner be­reits früher im Ver­fah­ren vor­lie­gen­den Un­ter­schrift auf ei­nem Ter­mins­ver­le­gungs­ge­such vom 02.10.2008 und mut­maßlich auch auf dem Schrift­satz vom 10.12.2008 (Bl. 32, 55 d. A.) hat die Kam­mer fest­stel­len können.

Die da­nach ins­ge­samt zulässi­ge Be­ru­fung ist je­doch er­folg­los.

II. Die Be­ru­fung hat kei­nen Er­folg, da der Kläger ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Aus­bil­dungs­vergütung, wie be­an­tragt, hat. Die Erfüllung der nach Grund und Höhe un­strei­ti­gen For­de­rung hat der Be­klag­te nicht be­wie­sen. Die Be­ru­fungs­kam­mer schließt sich in der Be­gründung wie auch im Er­geb­nis voll umfäng­lich der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz an und stellt dies hier­mit aus­drück­lich fest.

Die Be­ru­fung gibt le­dig­lich An­lass zu fol­gen­den ergänzen­den Ausführun­gen:

Nach Grund und Höhe un­strei­tig ist der An­spruch auf Aus­bil­dungs­vergütung für den in der Be­ru­fungs­in­stanz noch streit­ge­genständ­li­chen Zeit­raum Sep­tem­ber 2006 bis Ju­ni 2008 ent­stan­den, §§ 17 BBiG, 611 BGB.

Dem­ge­genüber hat der Be­klag­te nicht be­wie­sen, dass die­se Ansprüche durch Erfüllung voll oder auch nur in be­stimm­ter Höhe teil­wei­se er­lo­schen sind, § 362 Abs. 1 BGB.

1. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für die Erfüllung der Ar­beits­lohn­for­de­rung wie auch der Aus­bil­dungs­vergütung trifft den Schuld­ner die­ser For­de­rung. Die Be­weis­last­ver­tei­lung ist Aus­druck des Leis­tungs­ri­si­kos und ent­spricht all­ge­mei­nen be­weis­recht­li­chen Erwägun­gen. Bei der Erfüllung han­delt es sich um ei­nen für den Schuld­ner, al­so den Be­klag­ten, güns­ti­gen Tat­be­stand, aus dem er Rech­te her­lei­ten will. Da­bei gilt die Be­weis­last des Schuld­ners nicht nur für die Leis­tung selbst son­dern auch dafür, dass die Leis­tung vollständig war (zur grundsätz­li­chen Be­weis­last BAG v. 25.02.1981 - 5 AZR 1090/78 - zu II., 1. der Gründe, zi­tiert nach JURIS, vgl. BGH v. 17.01.2007 - VIII ZR 135/04 - BB 2007, 736 ff., LAG Hamm v. 29.08.2006 - 9 Sa 2273/05 - zi­tiert nach JURIS).

Ei­ne Be­weis­last­um­kehr ge­gen die­sen Grund­satz kommt auch nicht we­gen Wi­dersprüchen im Sach­vor­trag der kläge­ri­schen Par­tei in Be­tracht.
Da­bei kann da­hin­ste­hen, ob die Ein­las­sung des Klägers in der Be­ru­fung schlüssig ist, sein Vor­trag, kei­ne Zah­lun­gen er­hal­ten zu ha­ben, ha­be sich al­lein auf die streit­ge­genständ­li­chen For­de­run­gen be­zo­gen und nicht das Be­strei­ten jeg­li­cher Leis­tung be­inhal­tet. Sol­che Un­stim­mig­kei­ten im Sach­vor­trag können ge­ge­be­nen­falls im Rah­men der Be­weiswürdi­gung berück­sich­tigt wer­den, sie recht­fer­ti­gen aber nicht die Um­kehr der Be­weis­last (BAG v. 18.05.1999 - 9 AZR 444/98 - zi­tiert nach JURIS).

Die Ver­tei­lung der Be­weis­last re­gelt grundsätz­lich die Fra­ge, zu wes­sen Las­ten die Un­aufklärbar­keit von strei­ti­gen und ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen geht, et­wa wenn das Ge­richt trotz al­ler zur Verfügung ste­hen­den Be­weis­mit­tel kei­ne Über­zeu­gung von der Wahr­heit oder Un­wahr­heit ge­win­nen kann. Die grundsätz­li­che Be­stim­mung gehört dem ma­te­ri­el­len Recht an. Da­bei han­delt es sich um ei­ne ge­ne­ra­li­sie­ren­de Ri­si­ko­zu­wei­sung. Sie kann da­her nicht von rich­ter­li­chem Er­mes­sen oder im Ein­zel­fall ge­ge­be­nen Wahr­schein­lich­kei­ten abhängig ge­macht wer­den (Zöller/Gre­ger, 28.Aufl., vor § 284 ZPO Rz. 17 m.w.N.). Viel­mehr gibt der Ge­setz­ge­ber die Be­weis­last­ver­tei­lung bei der Norm­set­zung, das heißt der ge­setz­li­chen Re­ge­lung auf­grund von Ge­rech­tig­keits­erwägun­gen vor. Dies er­folgt teil­wei­se aus­drück­lich, teil­wei­se durch die Sys­te­ma­tik be­zie­hungs­wei­se die un­ge­schrie­be­ne Re­gel, dass der An­spruch­stel­ler die Be­weis­last für rechts­be­gründen­de, der An­spruchs­geg­ner für rechts­ver­nich­ten­de, rechts­hin­der­ne und rechts­hem­men­de Tat­be­stands­merk­ma­le trägt. Die so be­stimm­ten Be­weis­last­re­geln sind we­der von der Par­tei­rol­le noch vom Par­tei­ver­hal­ten abhängig (Zöller/Gre­ger a.a.O.).

Da­mit ver­bleibt es bei den ein­gangs ge­nann­ten Grundsätzen zur Ver­tei­lung der Dar­le­gungs- und Be­weis­last hin­sicht­lich des Erfüllungs­ein­wan­des gemäß § 362 Abs. 1 BGB.

2. Mit der an­ge­grif­fe­nen Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz ist die Be­ru­fungs­kam­mer gemäß § 286 ZPO nicht da­von über­zeugt, dass die strei­ti­gen Zah­lun­gen an den Kläger tatsächlich in vol­ler Höhe oder aber in be­stimm­ter Teilhöhe ge­leis­tet wor­den sind.

Zunächst ist fest­zu­hal­ten, dass auch nach dem un­ter An­wen­dung des Grund­sat­zes des so­ge­nann­ten "über­hol­ten Par­tei­vor­brin­gens" im Zi­vil­pro­zess zu­grun­de zu le­gen­den letz­ten Sach­vor­trags des Klägers kei­ner­lei Teil­erfüllung un­strei­tig ge­stellt wor­den ist, da der Kläger nur die Leis­tung klei­ne­rer Beträge zu­ge­stan­den hat, die nicht der Erfüllung der streit­ge­genständ­li­chen For­de­rung ge­dient hätten, son­dern zur Klei­dungswäsche oder da­mit er am Au­to­ma­ten Zi­ga­ret­ten zie­hen konn­te. Darüber hin­aus ha­be er vom Be­klag­ten Geld er­hal­ten, da­mit Tei­le ge­kauft wer­den konn­ten, so­dass hier von rei­nem Aus­la­gen­er­satz aus­zu­ge­hen wäre.

Dem­ge­genüber hat der Be­klag­te den Be­weis, er ha­be die streit­ge­genständ­li­chen Net­to­aus­bil­dungs­vergütun­gen in bar ge­zahlt, nicht geführt.

In zwei­ter In­stanz ist gemäß § 529 Abs. 1 Ziff. 1 ZPO die Tat­sa­chen­fest­stel­lung des Ge­richts des ers­ten Rechts­zu­ges zu­grun­de zu le­gen. Ei­ne ei­ge­ne Tat­sa­chen­fest­stel­lung war an­ge­sichts der nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen und Be­weiswürdi­gun­gen des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz we­der ver­an­lasst noch zulässig.

Das Aus­gangs­ge­richt hat sich viel­mehr ausführ­lich mit den pro­to­kol­lier­ten Aus­sa­gen der ein­zel­nen Zeu­gen aus­ein­an­der­ge­setzt. Da­nach wa­ren die Zeu­gen­aus­sa­gen be­reits nicht er­gie­big, da kei­ner der Zeu­gen die vollständi­ge Leis­tung der streit­ge­genständ­li­chen Aus­bil­dungs­vergütun­gen be­ob­ach­tet hat, noch aber be­kun­den konn­te, dass Aus­bil­dungs­vergütung in be­stimm­ter Höhe tatsächlich ge­leis­tet wor­den ist. So­weit die Zeu­gen Zah­lun­gen tatsächlich be­ob­ach­tet ha­ben, konn­ten sie viel­mehr nicht bestäti­gen, dass die­se sich auf die streit­ge­genständ­li­che For­de­rung be­zo­gen. Auf die ausführ­li­che Würdi­gung der ein­zel­nen Zeu­gen­aus­sa­gen im Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ko­blenz vom 11.03.2010 (Bl. 311 f. d. A.) wird ver­wie­sen.

So­weit in der Be­weiswürdi­gung gemäß § 286 ZPO auch das ge­sam­te pro­zes­sua­le Ver­hal­ten der Par­tei­en Berück­sich­ti­gung fin­det, recht­fer­tigt dies ins­ge­samt nicht die Über­zeu­gung des Ge­richts von der zu be­wei­sen­den Tat­sa­che. Der von der Be­klag­ten vor­ge­brach­te Wi­der­spruch im Sach­vor­trag des Klägers ist zunächst so nicht ak­ten­kun­dig, viel­mehr hat­te der Kläger in der Kla­ge­schrift vor­ge­tra­gen: "Trotz wie­der­hol­ter Auf­for­de­rung an den Dienst­herrn (Be­klag­ten), zahl­te die­ser kei­nen Lohn." So­weit der Kläger zu­letzt vor­ge­tra­gen und in sei­ner Anhörung be­kun­det hat­te, er ha­be Zah­lun­gen für Klei­derwäsche und Zi­ga­ret­ten so­wie für Tei­le, nicht aber auf die Aus­bil­dungs­vergütungs­for­de­rung, er­hal­ten, so liegt hier­in kein ech­ter Wi­der­spruch, son­dern al­len­falls zögern­des Par­tei­vor­brin­gen. Aber selbst ein Wi­der­spruch wäre nicht ge­eig­net, die für den Erfüllungs­ein­wand er­for­der­li­che Über­zeu­gung des Ge­rich­tes zu be­gründen. Im Rah­men der Be­weiswürdi­gung ist zu be­den­ken, dass die Vor­schrift des § 286 ZPO nicht nur ei­ne ge­wis­se Wahr­schein­lich­keit dafür ver­langt, dass ei­ne zu be­wei­sen­de Tat­sa­che zu­trifft. Nicht ein­mal ei­ne über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit ist aus­rei­chend. Das Ge­richt muss nach den Maßstäben des § 286 ZPO viel­mehr die vol­le Über­zeu­gung da­von ge­win­nen, dass ei­ne strei­ti­ge Tat­sa­chen­be­haup­tung wahr ist. We­ni­ger als die Über­zeu­gung von der Wahr­heit reicht da­bei für das Be­wie­sen­sein nicht aus: Ein bloßes Glau­ben, Wähnen oder für Wahr­schein­lich hal­ten be­rech­tigt nicht zur Be­ja­hung des strei­ti­gen Tat­be­stands­merk­mals. An­de­rer­seits ist mehr als die sub­jek­ti­ve Über­zeu­gung nicht ge­for­dert. Ei­ne ab­so­lu­te Ge­wiss­heit ist nicht er­for­der­lich. Aus­rei­chend, aber auch er­for­der­lich ist viel­mehr ei­ne persönli­che Ge­wiss­heit des Ge­richts, wel­che Zwei­feln Schwei­gen ge­bie­tet, oh­ne sie völlig aus­zu­sch­ließen (vgl. Zöller/Gre­ger, ZPO, 28. Aufl., § 286 ZPO RZ 18, 19 m. w. N.).

Nach die­sen Maßstäben konn­te auch die Be­ru­fungs­kam­mer die er­for­der­li­che Über­zeu­gung nicht ge­win­nen. Viel­mehr ist in Übe­rein­stim­mung mit dem Ar­beits­ge­richt Ko­blenz fest­zu­stel­len, dass auch nach Durchführung der Be­weis­auf­nah­me un­ter Berück­sich­ti­gung des ge­sam­ten In­halts der Ver­hand­lun­gen of­fen bleibt, in wel­cher Höhe über­haupt Zah­lun­gen ge­leis­tet wur­den und ob es sich um Erfüllungs­leis­tun­gen auf die streit­ge­genständ­li­chen For­de­run­gen han­del­te oder um die Vergütung von zusätz­li­chen, nicht ab­ge­rech­ne­ten Leis­tun­gen. Letz­te­res würde das pro­zes­sua­le Ver­hal­ten bei­der Par­tei­en (zöger­li­che An­ga­ben des Klägers zu er­hal­te­nen Leis­tun­gen; Ver­nich­tung des Büch­leins, in dem al­le Leis­tun­gen ver­merkt wor­den sein sol­len, je­den­falls für das Jahr 2008 noch während des lau­fen­den Rechts­streits durch den Be­klag­ten) we­gen des bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­ses der Ver­heim­li­chung erklären. Da­mit bleibt der Erfüllungs­ein­wand un­auf­geklärt und die Ent­schei­dung folgt der ma­te­ri­el­len Be­weis­last.

Da­nach hat­te es bei der Ver­ur­tei­lung des Be­klag­ten zur Zah­lung der Haupt­for­de­rung nebst Ver­zugs­zin­sen (§ 288, 286 BGB) in der Be­ru­fung zu ver­blei­ben.

III. Die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens wa­ren dem un­ter­lie­gen­den Be­ru­fungskläger auf­zu­er­le­gen, §§ 91, 97 ZPO.

Die Re­vi­si­ons­zu­las­sung war nicht ver­an­lasst, da kei­ner der ge­setz­li­chen Gründe gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG ge­ge­ben ist.

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