Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Massenentlassung: Elternzeit, Elternzeit: Massenentlassung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 6 AZR 49/12
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 25.04.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt, Urteil vom 06.04.2011, 2 Ca 2422/10
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 31.10.2011, 17 Sa 761/11
Nachgehend Bundesverfassungsgericht, Beschluss vom 08.06.2016, 1 BvR 3634/13
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

6 AZR 49/12
17 Sa 761/11
Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

25. April 2013

UR­TEIL

Förs­ter, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

1.

Be­klag­te zu 1., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 1. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 1.,

2.

Be­klag­te zu 2., Be­ru­fungs­be­klag­te zu 2. und Re­vi­si­ons­be­klag­te zu 2.,

 

- 2 -

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 25. April 2013 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Fi­scher­mei­er, die Rich­te­rin­nen am Bun­des­ar­beits­ge­richt Gall­ner und Spel­ge so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Lauth und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Döpfert für Recht er­kannt:

1. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 31. Ok­to­ber 2011 - 17 Sa 761/11 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Kläge­rin hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Kläge­rin und die Be­klag­te zu 1. strei­ten noch darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis durch ei­ne or­dent­li­che, auf be­trieb­li­che Gründe gestütz­te Kündi­gung be­en­det wur­de oder fort­be­steht. Die Kläge­rin hat ursprüng­lich vor­ran­gig ge­genüber der Be­klag­ten zu 2. das Kla­ge­ziel der Fest­stel­lung ver­folgt, dass ihr Ar­beits­verhält­nis auf die Be­klag­te zu 2. über­ge­gan­gen ist und fort­dau­ert. Die ge­gen die Be­klag­te zu 2. ge­rich­te­te Re­vi­si­on hat sie je­doch im Ver­lauf des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens zurück­ge­nom­men.

Die Be­klag­te zu 1., ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft grie­chi­schen Rechts mit Sitz in Athen, ist ei­ne ehe­ma­li­ge Flug­ge­sell­schaft, de­ren Haupt­an­teils­eig­ner der grie­chi­sche Staat ist. Sie un­ter­hielt in Deutsch­land ei­ne Nie­der­las­sung in F mit 36 Ar­beit­neh­mern. Da­ne­ben beschäftig­te sie wei­te­re 33 Ar­beit­neh­mer in den Sta­tio­nen B, D, M und S. Kei­ner die­ser Ar­beit­neh­mer war im Flug­be­trieb ein­ge­setzt. Sie be­treu­ten viel­mehr den Bo­den­be­trieb des Flug­ver­kehrs der Be­klag­ten

 

- 3 -

zu 1. von und nach Deutsch­land. Da­zu gehörte ein Teil der Auf­ga­ben der flug­ha­fen­be­zo­ge­nen Ab­fer­ti­gung von Pas­sa­gie­ren und Fracht. Die Ar­beit­neh­mer ga­ben zB Ti­ckets aus, re­ser­vier­ten Sitz­plätze, be­treu­ten die Pas­sa­gie­re und Rei­sebüros und rech­ne­ten ge­genüber Fracht­kun­den ab. An al­len Stand­or­ten be­stand ein Be­triebs­rat, zu­dem war ein Ge­samt­be­triebs­rat ge­bil­det.

Der grie­chi­sche Staat er­brach­te ge­genüber der Be­klag­ten zu 1. wie­der­holt Leis­tun­gen, um den Flug­be­trieb auf­recht­zu­er­hal­ten. Die Eu­ropäische Kom­mis­si­on lei­te­te des­halb meh­re­re Ver­fah­ren we­gen uni­ons­rechts­wid­ri­ger Bei­hil­fen ein. Im Jahr 2008 un­ter­rich­te­te Grie­chen­land die Eu­ropäische Kom­mis­si­on nach Art. 88 Abs. 3 EG (jetzt: Art. 108 Abs. 3 AEUV) über Pläne, be­stimm­te Vermögens­wer­te ua. der Be­klag­ten zu 1. an die P A S.A. zu ver­kau­fen und da­nach die Be­klag­te zu 1. zu li­qui­die­ren. Im Sep­tem­ber 2008 ent­schied die Eu­ropäische Kom­mis­si­on, dass die ge­mel­de­te Maßnah­me kei­ne staat­li­che Bei­hil­fe iSv. Art. 87 Abs. 1 EG (jetzt: Art. 107 Abs. 1 AEUV) sei.

Der grie­chi­sche Ge­setz­ge­ber ver­ab­schie­de­te mit Wir­kung vom 23. Ok­to­ber 2008 das Ge­setz 3710/2008. Mit des­sen Art. 40 wur­de in das Ge­setz 3429/2005 Art. 14 A ein­gefügt. Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 lau­tet in der be­glau­big­ten Über­set­zung aus­zugs­wei­se:

„Son­der­li­qui­da­ti­on öffent­li­cher Un­ter­neh­men

1. Öffent­li­che Un­ter­neh­men, die ver­mehrt:

a) schwe­ren wirt­schaft­li­chen Schwie­rig­kei­ten oder Pro­ble­men bei der Struk­tu­rie­rung ih­res Ei­gen­ka­pi­tals ge­genüber­ste­hen oder of­fen­sicht­lich nicht in der La­ge sind, die ih­nen ge­setz­ten Zah­lungs­fris­ten ein­zu­hal­ten, oder bei de­nen sich der Wert des Ei­gen­ka­pi­tals gemäß der zu­letzt veröffent­lich­ten Bi­lanz in ei­ner Wei­se ge­min­dert hat, dass der Ar­ti­kel 48 des ko­di­fi­zier­ten Ge­set­zes k.n. 2190/1920 An­wen­dung fin­det, und

b) in der Ver­gan­gen­heit be­reits staat­li­che Bei­hil­fen be­zo­gen ha­ben, wes­halb die Gewährung wei­te­rer Bei­hil­fen ei­nen Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen des Ge­mein­schafts­rechts be­deu­ten würde, können sich in Ab­wei­chung von den Be­stim­mun­gen des In­sol­venz­ge­setz­bu­ches ei­ner Son­der­li­qui­da­ti­on un­ter­zie­hen. In die­sem Fall wird ein Li­qui­da­tor be­stimmt. Li­qui­da­tor darf je­de natürli­che oder ju­ris­ti-

 

- 4 -

sche Per­son sein, die von den die Li­qui­da­ti­on Be­an­tra­gen­den vor­ge­schla­gen wird; Letz­te­re rei­chen bei dem gemäß dem nach­ste­hen­den Ab­satz zuständi­gen Ge­richt die von der als Li­qui­da­tor vor­ge­schla­ge­nen Per­son ab­ge­ge­be­ne Erklärung darüber ein, dass sie die­sen Vor­schlag an­nimmt.

2. Die Son­der­li­qui­da­ti­on ei­nes un­ter Punkt 1 fal­len­den Un­ter­neh­mens be­an­tra­gen ent­we­der a) die Gläubi­ger, die min­des­tens 51 Pro­zent der ge­gen das Un­ter­neh­men be­ste­hen­den For­de­run­gen, de­ren Fällig­keits­da­tum be­reits über­schrit­ten ist und die vor der An­trag­stel­lung ord­nungs­gemäß an der ent­spre­chen­den Stel­le des letz­ten Haupt­bu­ches ein­ge­tra­gen wur­den, ver­tre­ten, wo­bei die Be­wei­se zu der nicht er­folg­ten ord­nungs­gemäßen Ein­hal­tung des Fällig­keits­da­tums in jed­we­der rechtmäßigen Form er­bracht wer­den können - zu die­sen Gläubi­gern müssen da­bei zu­min­dest bezüglich der Hälf­te der For­de­run­gen der grie­chi­sche Staat oder ju­ris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger zählen - oder b) der grie­chi­sche Staat oder Gläubi­ger des Un­ter­neh­mens, bei de­nen es sich um ju­ris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder um So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger han­delt, oder c) Ge­sell­schaf­ter bzw. Ak­ti­onäre, die min­des­tens 51 Pro­zent des Stamm- bzw. Grund­ka­pi­tals des Un­ter­neh­mens ver­tre­ten, so­fern der grie­chi­sche Staat oder ju­ris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts oder So­zi­al­ver­si­che­rungs­träger min­des­tens zur Hälf­te be­tei­ligt sind; der An­trag wird bei dem Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­richt] ein­ge­reicht, in des­sen Be­zirk sich der Sitz des Un­ter­neh­mens sei­ner Sat­zung zu­fol­ge be­fin­det.

3. Der Ter­min der Ver­hand­lung über den in Punkt 2 ge­nann­ten An­trag wird in ei­nem Zeit­raum von nicht mehr als vier Ta­gen ab Ein­rei­chung die­ses An­trags an­be­raumt. So­lan­ge der An­trag ei­ne An­ge­le­gen­heit der frei­wil­li­gen Ge­richts­bar­keit dar­stellt, liegt die Zuständig­keit beim Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­richt]. Falls ei­ne oder bei­de Par­tei­en das Er­schei­nen drit­ter Per­so­nen zu der Ver­hand­lung be­an­tra­gen, ist ein ge­son­der­ter Schrift­satz not­wen­dig; ei­ne der­ar­ti­ge Be­an­tra­gung ist al­ler­dings un­zulässig, so­fern sie nicht min­des­tens vier­und­zwan­zig St­un­den vor der Ver­hand­lung über den An­trag er­folgt. Ei­ne Ver­ta­gung der Ver­hand­lung ist auf kei­nen Fall ge­stat­tet. Während der Ver­hand­lung dürfen von den Par­tei­en

 

- 5 -

Vor­schläge un­ter­brei­tet wer­den. Der Be­schluss des Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­rich­tes], ge­gen den we­der or­dent­li­che noch außer­or­dent­li­che Rechts­be­hel­fe ein­ge­legt wer­den dürfen, ist in­ner­halb von drei Ta­gen ab der Ver­hand­lung über den An­trag be­kannt­zu­ge­ben.

4. Die Son­der­li­qui­da­ti­on bil­det für das Un­ter­neh­men kei­nen Grund, sich auf­zulösen, sie im­pli­ziert auch we­der den Be­triebs­still­stand noch die Auflösung von mit dem Un­ter­neh­men be­ste­hen­den Verträgen ver­schie­dens­ter Art noch stellt sie ei­nen Grund zur Auflösung die­ser Verträge dar. In je­dem Fal­le bil­det sie je­doch al­lein für den Li­qui­da­tor ei­nen Grund, mit dem Un­ter­neh­men be­ste­hen­de Verträge jed­we­der Art zu kündi­gen. Der Li­qui­da­tor führt die Geschäfte des Un­ter­neh­mens, er ver­wal­tet und ver­tritt es. Der Li­qui­da­tor darf den so­for­ti­gen Be­triebs­still­stand oder die allmähli­che Ein­schränkung oder Still­le­gung des Be­triebs des Un­ter­neh­mens so­wie das Wei­ter­be­ste­hen oder die Be­en­dung von mit dem Un­ter­neh­men be­ste­hen­den Verträgen ver­schie­dens­ter Art be­sch­ließen: Ins­be­son­de­re die mit dem Per­so­nal, das mit dem Un­ter­neh­men auf­grund ei­nes abhängi­gen oder un­abhängi­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses oder durch die Er­brin­gung von Leis­tun­gen der Rechts­be­ra­tung oder der ju­ris­ti­schen Ver­tre­tung ver­bun­den ist, be­ste­hen­den Ar­beits-, Ho­no­rar- oder Werk­verträge können nach der Be­kannt­ga­be des ent­spre­chen­den Be­schlus­ses des Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­rich­tes] und nach der von dem Li­qui­da­tor er­fol­gen­den Einschätzung so­wie nach im In­ter­es­se der Li­qui­da­ti­on lie­gen­den Be­schlüssen des Li­qui­da­tors und je nach Not­wen­dig­keit al­le­samt oder teil­wei­se durch Auflösung gekündigt oder vorläufig außer Kraft ge­setzt wer­den, oh­ne dass sich hier­aus Straf­zah­lun­gen für das Un­ter­neh­men er­ge­ben. In die­sen Fällen wird vor­aus­ge­setzt, dass Maßnah­men, wie im Fol­gen­den auf­geführt, er­grif­fen wer­den. Die Mi­nis­ter für Ar­beit und So­zia­les, für Wirt­schaft und Fi­nan­zen, für In­ne­res und der die Auf­sicht über das Un­ter­neh­men führen­de Mi­nis­ter müssen das Er­grei­fen von so­zia­len Schutz­maßnah­men be­sch­ließen, wie ins­be­son­de­re Pro­gram­me zur Un­terstützung von Ar­beits­lo­sen, zur Er­brin­gung von Leis­tun­gen bei Ein­kom­mens­ver­lust, zur Er­brin­gung von Pau­schal­leis­tun­gen oder -mit­teln, Pro­gram­me zur Fort­bil­dung, Um­schu­lung und Wie­der­ein­glie­de­rung in den Ar­beits­markt, Ver­set­zung an Stel­len bei öffent­li­chen Trägern und

- 6 -

Behörden des öffent­li­chen Sek­tors, Vor­nah­me von Ein­stel­lun­gen im öffent­li­chen Sek­tor, zu­guns­ten der Ar­beit­neh­mer, die mit dem Un­ter­neh­men auf­grund ei­nes abhängi­gen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses ver­bun­den sind so­wie zu­guns­ten der in dem Un­ter­neh­men auf Ho­no­rar­ba­sis beschäftig­ten Rechts­anwälte und Rechts­be­ra­ter, de­ren Verträge wie oben dar­ge­stellt auf­gelöst oder vorläufig außer Kraft ge­setzt wer­den, wo­bei Fälle der Ver­tragskündi­gung we­gen des Be­ge­hens ei­ner Straf­tat bzw. der Fol­ge des Be­ge­hens ei­nes schwe­ren Ver­s­toßes ge­gen die ver­trag­li­chen Pflich­ten aus­ge­nom­men sind. Eben­so können die auf­grund der vor­ste­hend dar­ge­stell­ten Mi­nis­te­ri­al­be­schlüsse er­grif­fe­nen Maßnah­men bei Verträgen, die bis zu sechs Mo­na­te vor Be­ginn der Son­der­li­qui­da­ti­on des Un­ter­neh­mens, wie oben aus­geführt, auf­gelöst oder vorläufig außer Kraft ge­setzt wur­den, An­wen­dung fin­den.
...
19. Bei Vor­lie­gen ei­nes trif­ti­gen Grun­des und ins­be­son­de­re in dem Fall, in dem der Li­qui­da­tor den in dem vor­lie­gen­den Ar­ti­kel dar­ge­leg­ten Ver­pflich­tun­gen und Fris­ten nicht nach­kommt, nimmt das Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­richt] nach ei­nem von den un­ter Punkt 2 des vor­lie­gen­den Ar­ti­kels fal­len­den Per­so­nen ge­stell­ten An­trag so­fort die Ab­set­zung des Li­qui­da­tors vor und er­nennt als neu­en die­je­ni­ge Per­son, die von den vor­ste­hend erwähn­ten Gläubi­gern gemäß Punkt 1 vor­ge­schla­gen wur­de.

20. Für die Dau­er von acht­zehn Mo­na­ten ab der Veröffent­li­chung des durch das Efe­teio [Be­ru­fungs­ge­richt] er­las­se­nen Be­schlus­ses über die Son­der­li­qui­da­ti­on des Un­ter­neh­mens wer­den al­le ge­gen das Un­ter­neh­men er­grif­fe­nen Maßnah­men der Zwangs­voll­stre­ckung so­wie Si­che­rungs­maßnah­men vorläufig außer Kraft ge­setzt."

Im Rah­men des Pri­va­ti­sie­rungs­ver­fah­rens stell­te die Be­klag­te zu 1. Den Flug­be­trieb welt­weit En­de Sep­tem­ber 2009 ein. An­sch­ließend nahm die P A S.A. den Flug­be­trieb in Grie­chen­land auf, oh­ne Zie­le von und nach Deutsch­land an­zu­steu­ern. Die P A S.A. fir­mier­te An­fang Ok­to­ber 2009 in 0l S.A. - die Be­klag­te zu 2. - um. Die Be­klag­te zu 2. beschäftigt in Deutsch­land kei­ne Ar­beit­neh­mer und un­terhält in der Bun­des­re­pu­blik kei­ne Be­triebsräume. Sie bie­tet


- 7 -

auch kei­ne Flug­ver­bin­dun­gen von, in und nach Deutsch­land an, be­dien­te je­doch seit 29. Sep­tem­ber 2009 ei­ni­ge der zu­vor von der Be­klag­ten zu 1. im Aus­land an­ge­bo­te­nen Flug­ver­bin­dun­gen. Die Be­klag­te zu 2. er­warb vom grie­chi­schen Staat die Li­zenz­rech­te an der Mar­ke „0". Der Flug­ha­fen­ko­or­di­na­tor hat­te ihr An­fang Sep­tem­ber 2009 auf ih­ren An­trag sog. Slots - dh. Zeit­ni­schen für das Star­ten und Lan­den - für den Flug­ha­fen in F von der Be­klag­ten zu 1. über­tra­gen. Die­se Slots wur­den ihr am 28. Sep­tem­ber 2009 wie­der ent­zo­gen, weil in­zwi­schen be­kannt ge­wor­den war, dass sie kei­ne Flüge von und nach Deutsch­land an­bie­ten würde. Die Slots wur­den ei­ner an­de­ren Flug­ge­sell­schaft zu­ge­wie­sen.

Auf An­trag der Grie­chi­schen Re­pu­blik vom 24. Sep­tem­ber 2009 un­ter­stell­te das Be­ru­fungs­ge­richt Athen (Efe­teio) die Be­klag­te zu 1. mit Be­schluss vom 2. Ok­to­ber 2009 der Son­der­li­qui­da­ti­on nach dem durch Art. 40 des Ge­set­zes 3710/2008 ein­gefügten Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005. Das Ge­richt setz­te die E S.A., ei­ne Ak­ti­en­ge­sell­schaft grie­chi­schen Rechts mit Sitz in Athen, als Li­qui­da­to­rin ein. Be­reits am 27. Mai 2009 war in der Zei­tung der Re­gie­rung der Grie­chi­schen Re­pu­blik (Band Ak­ti­en­ge­sell­schaf­ten und Ge­sell­schaf­ten mit be­schränk­ter Haf­tung, Bl. Nr. 3847) ein Pro­to­koll des Ver­wal­tungs­rats der E S.A. veröffent­licht wor­den. Da­nach hat­te die­ser ent­schie­den, dem Di­rek­tor T und dem geschäftsführen­den Rats­mit­glied Ma die vol­le Ver­wal­tungs- und Ver­tre­tungs­macht der Ge­sell­schaft zu über­tra­gen. Das soll­te für al­le Fra­gen außer den­je­ni­gen gel­ten, die nach dem Ge­setz ei­ne kol­lek­ti­ve Hand­lung des Ver­wal­tungs­rats er­for­der­ten. Die bei­den Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der soll­ten je­der ge­trennt han­deln können. Im Rah­men ih­rer Hand­lungs­macht soll­ten sie das Recht ha­ben, un­ter Gewährung von no­ta­ri­el­len Voll­mach­ten oder Voll­machts­ur­kun­den die Ausführung kon­kre­ter Auf­träge zur Ver­tre­tung der Ge­sell­schaft vor Ver­wal­tungs- oder Ge­richts­behörden oder ge­genüber Drit­ten an An­ge­stell­te der Ge­sell­schaft oder an­de­re zu über­tra­gen.

Von Au­gust bis De­zem­ber 2009 fan­den in Deutsch­land zwi­schen der Be­klag­ten zu 1. und dem Ge­samt­be­triebs­rat In­ter­es­sen­aus­gleichs­ver­hand­lun­gen vor der Ei­ni­gungs­stel­le statt. Die Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen-

 

- 8 -

aus­gleich schei­ter­ten, der So­zi­al­plan vom 4. De­zem­ber 2009 kam durch Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le zu­stan­de.

Die Kläge­rin war seit Fe­bru­ar 1992 bei der Be­klag­ten zu 1. bzw. de­ren Rechts­vorgänge­rin, der 0 A S.A., in der Sta­ti­on F beschäftigt, zu­letzt als Ti­cke­ting/Re­ser­va­ti­on Agent. In die­ser Sta­ti­on wa­ren 36 Ar­beit­neh­mer beschäftigt, dar­un­ter mehr als fünf schon vor dem 1. Ja­nu­ar 2004. Die maßgeb­li­chen Ar­beits­be­din­gun­gen er­ga­ben sich aus den im Ar­beits­ver­trag in Be­zug ge­nom­me­nen Beschäfti­gungs­be­din­gun­gen. Nach Nr. 20 die­ser Be­stim­mun­gen gal­ten sie für die im An­hang 1 auf­geführ­ten Per­so­nen­grup­pen, die ört­lich in Deutsch­land durch die Be­klag­te zu 1. an­ge­stellt wur­den. Da­zu gehörte auch die Funk­ti­on als Ti­cke­ting/Re­ser­va­ti­on Agent.

Mit Schrei­ben vom 17. De­zem­ber 2009 lei­te­te Rechts­an­walt G, der späte­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Be­klag­ten zu 1., die Anhörung des Be­triebs­rats der Sta­ti­on F zu der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Kläge­rin ein. In die­sem Schrei­ben ist ua. aus­geführt:

„Be­triebs­rats­anhörung im Sin­ne des § 102 Be­trVG Mit­tei­lung im Sin­ne von § 17 Abs. 2 KSchG

Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

Sehr ge­ehr­ter Herr ...,

wie be­reits aus dem Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren ak­ten­kun­dig, ver­tre­te ich die Fir­ma E S.A., ..., als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der Fir­ma 0 S.A. Ord­nungs­gemäße Be­vollmäch­ti­gung wird an­walt­lich ver­si­chert.

Ich neh­me Be­zug ins­be­son­de­re auf die im Rah­men des Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­rens geführ­ten Gespräche und das Ih­nen si­cher­lich zu­ge­lei­te­te Sit­zungs­pro­to­koll nebst So­zi­al­plan vom 04.12.09. Wie dar­aus er­sicht­lich ist, sind die In­ter­es­sen­aus­gleichs­gespräche lei­der ge­schei­tert; ein So­zi­al­plan ist im We­ge des Spruchs zu­stan­de ge­kom­men.

Zu den Hin­ter­gründen vor­lie­gen­der Anhörung tei­le ich mit, dass nach­dem der Flug­be­trieb des Un­ter­neh­mens En­de Sep­tem­ber 2009 ein­ge­stellt wur­de, die vollständi­ge Be­triebs­still­le­gung in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­schlos­sen und nun­mehr in die We­ge ge­lei­tet ist. Ich über­rei­che in An­la­ge das Schrei­ben mei­ner Par­tei vom 01.12.09 nebst amt­li­cher Über­set­zung. Die­ses Schrei­ben wur­de dem Ge­samt­be­triebs­rat am 04.12.09 be­reits über­ge­ben.

 

- 9 -

Wie dar­aus er­sicht­lich ist, wur­de das Un­ter­neh­men mit Be­schluss des Be­ru­fungs­ge­richts Athen vom 02.10.09 un­ter Son­der­li­qui­da­ti­on im Sin­ne von Art. 1 der EU-Ver­ord­nung-Nr. 1346/2000 nebst Anhängen I und II ge­stellt, so­mit die­ses Ver­fah­ren ei­nem In­sol­venz­ver­fah­ren gleich­zu­stel­len ist.

Folg­lich gilt es, sämt­li­che der­zeit in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­ste­hen­den 69 Ar­beits­verhält­nis­se un­ter Ein­hal­tung der Kündi­gungs­frist von drei Mo­na­ten, gem. § 113 In­sO, zu kündi­gen. Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit wur­de über die Vorgänge in Kennt­nis ge­setzt.

Vor­lie­gend ist mit­zu­tei­len, dass be­ab­sich­tigt ist, fol­gen­des Ar­beits­verhält­nis mit der o.g. 3-mo­na­ti­gen Kündi­gungs­frist zum 31.03.2010 zu kündi­gen:

Frau V, ... .

Frau V ist 1970 ge­bo­ren, ver­hei­ra­tet und ge­genüber zwei Kin­dern, lt. Steu­er­kar­te, zum Un­ter­halt ver­pflich­tet. Sie wur­de am 15.02.1992 ein­ge­stellt und ist in Voll­zeit als Tkt./Res. Agent am F Stadtbüro beschäftigt. Ihr letz­tes Brut­to­ge­halt be­trug ca. € 2.985,00 mo­nat­lich. Frau V be­fin­det sich der­zeit und bis zum 26.09.2011 in El­tern­zeit.

..."

Der Be­triebs­rat der Sta­ti­on F wi­der­sprach der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung mit Schrei­ben vom 22. De­zem­ber 2009. Er rügte ua. nach § 174 BGB das Feh­len ei­ner Ori­gi­nal­voll­macht für Rechts­an­walt G, Kündi­gun­gen zu „be­trei­ben".

Am 17. De­zem­ber 2009 er­stat­te­te die Be­klag­te zu 1. bei der Agen­tur für Ar­beit F ei­ne Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge zur Be­en­di­gung al­ler 36 Ar­beits­verhält­nis­se in die­ser Sta­ti­on. Mit Schrei­ben vom 18. De­zem­ber 2009 bestätig­te die Agen­tur für Ar­beit den Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge „vom 15.12.09 der 0 S.A." und teil­te mit:

„Ih­re An­zei­ge gemäß § 17 KSchG ist am 17.12.09 (wirk­sam) ein­ge­gan­gen.

Auf Grund des Ur­teils des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs vom 27.01.2005 ist die Kündi­gungs­erklärung des Ar­beit­ge­bers das Er­eig­nis, das als Ent­las­sung gilt.

Ent­las­sun­gen (Kündi­gun­gen), die nach § 17 KSchG an­zu­zei­gen sind, wer­den vor Ab­lauf ei­nes Mo­nats nach Ein-


- 10 -

gang der An­zei­ge bei der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit nur mit de­ren Zu­stim­mung wirk­sam; die Zu­stim­mung kann auch rück­wir­kend bis zum Tag der An­trag­stel­lung er­teilt wer­den (§ 18 Abs. 1 KSchG).

Im Ein­zel­fall kann die Agen­tur für Ar­beit be­stim­men, dass die Ent­las­sun­gen nicht vor Ab­lauf von längs­tens zwei Mo­na­ten nach Ein­gang der An­zei­ge wirk­sam wer­den (§ 18 Abs. 2 KSchG).

Im vor­lie­gen­den Fall be­ginnt die ein­mo­na­ti­ge Sperr­frist am 18.12.09 und en­det am 17.01.10.

Die 36 Kündi­gun­gen wer­den nach die­ser Frist wirk­sam.

Gründe, die ei­ne Sperr­frist­verlänge­rung auf bis zu zwei Mo­na­te recht­fer­ti­gen würden, sind nicht er­sicht­lich.

...

Der Vor­sit­zen­de des Be­triebs­ra­tes erhält ei­ne Durch­schrift die­ses Schrei­bens.

…“

Mit wei­te­rem Schrei­ben vom 18. De­zem­ber 2009 teil­te die Agen­tur für Ar­beit darüber hin­aus mit:

„…der Eu­ropäische Ge­richts­hof hat mit Ur­teil vom 27.01.2005 be­schlos­sen, dass be­reits die Kündi­gungs­erklärung (Aus­spruch der Kündi­gung) des Ar­beit­ge­bers das Er­eig­nis ist, das als Ent­las­sung im Sin­ne des § 17 Kündi­gungs­schutz­ge­setz gilt. Des­halb muss ei­ne rechts­wirk­sa­me An­zei­ge bei der zuständi­gen Agen­tur für Ar­beit vor Aus­spruch der Kündi­gun­gen vor­lie­gen.

Ih­re An­zei­ge ist am 17.12.09 rechts­wirk­sam ein­ge­gan­gen. Ab die­sem Zeit­punkt dürfen Ih­rer­seits Kündi­gun­gen aus-ge­spro­chen wer­den.
Die Sperr­zeit vom 18.12.09 bis 17.01.10 re­gelt, dass kein Ar­beits­verhält­nis vor dem 18.01.10 en­den darf. Ih­rer An­zei­ge kann ich er­se­hen, dass die ers­ten Be­en­di­gun­gen ab 31.03.10 vor­ge­se­hen sind. Da die Sperr­zeit aber be­reits am 17.01.10 en­det, muss ei­ne Verkürzung die­ser nicht er­fol­gen. Ich se­he ih­ren An­trag hier­mit als ge­gen­stands­los an."

Mit Schrei­ben vom 24. De­zem­ber 2009, die den Ar­beit­neh­mern am 28. De­zem­ber 2009 zu­gin­gen, kündig­te Rechts­an­walt G die Ar­beits­verhält­nis­se

 

- 11 -

meh­re­rer Ar­beit­neh­mer, die in der Sta­ti­on F beschäftigt wur­den, zum 31. März 2010. Wei­te­re Ar­beits­verhält­nis­se von Ar­beit­neh­mern die­ser Sta­ti­on kündig­te Rechts­an­walt G un­ter dem 15. Ja­nu­ar 2010 zum 30. April 2010.

Zum 1. Ja­nu­ar 2010 ent­zog die grie­chi­sche Luft­fahrt­behörde der Be­klag­ten zu 1. die Flug­ge­neh­mi­gung.

Das Re­gie­rungs­präsi­di­um Darm­stadt erklärte die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin auf An­trag von Rechts­an­walt G vom 16. De­zem­ber 2009 mit Be­scheid vom 2. März 2010 nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG für zulässig.

Mit Schrei­ben vom 10. März 2010, das der Kläge­rin am 12. März 2010 zu­ging, kündig­te Rechts­an­walt G „na­mens und in Voll­macht des Son­der­li­qui­da­tors" das Ar­beits­verhält­nis mit ihr zum 30. Ju­ni 2010. Der Be­scheid des Re­gie­rungs­präsi­di­ums Darm­stadt vom 2. März 2010, mit dem die Kündi­gung für zulässig erklärt wor­den war, wur­de der Kläge­rin nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zeit­gleich be­kannt ge­ge­ben.

Das Kündi­gungs­schrei­ben lau­tet aus­zugs­wei­se:

„0 S.A. ./. V

hier: Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses

Sehr ge­ehr­te Frau V,

wie be­reits ak­ten­kun­dig ver­tre­te ich die Fir­ma E S.A., ge­setz­lich ver­tre­ten durch den Geschäftsführer Herrn Ma, …, als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der Fir­ma 0 S.A.

Ich bin be­auf­tragt, un­ter Vor­la­ge ei­ner Ori­gi­nal­voll­macht, fol­gen­de Erklärun­gen ab­zu­ge­ben:

Na­mens und in Voll­macht des Son­der­li­qui­da­tors kündi­ge ich …“

Dem Kündi­gungs­schrei­ben war ei­ne von Herrn Ma für die E S.A. un­ter­zeich­ne­te Ori­gi­nal­voll­macht vom 11. De­zem­ber 2009 zu­guns­ten von Rechts­an­walt G bei­gefügt. Dar­in heißt es:

„…

Hier­mit be­vollmäch­ti­ge ich,


- 12 -

Fir­ma E S.A., ge­setz­lich ver­tre­ten durch den Vor­stand, Athen, Hel­las,

als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der ,Fir­ma 0 S.A.' nach OLG Athen, Ur­teil 5714/2009,

Herrn Rechts­an­walt G

das Ar­beits­verhält­nis mit

Frau V

zu kündi­gen.

..."

Rechts­an­walt G kündig­te auch al­le an­de­ren Ar­beits­verhält­nis­se der Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land.
Mit nicht un­ter­zeich­ne­tem Te­le­fax vom 1. April 2010, das in vollständi­ger Form am Abend des 6. April 2010 - dem Diens­tag nach Os­tern - beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist und 109 Sei­ten um­fasst, hat sich die Kläge­rin ge­gen die Kündi­gung ge­wandt. Das vom frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin un­ter­schrie­be­ne Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift vom 1. April 2010 ist am 8. April 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen. In der Kla­ge­schrift ist als Be­klag­te die „E S.A. ... als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der Fir­ma 0 S.A." an­ge­ge­ben. Der Kla­ge­schrift sind ua. Ab­lich­tun­gen des Kündi­gungs­schrei­bens vom 10. März 2010 und der zu­guns­ten von Rechts­an­walt G er­teil­ten Voll­macht vom 11. De­zem­ber 2009 bei­gefügt. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kläge­rin und die Be­klag­te zu 1. un­ter dem 25. Ju­ni 2010 auf die feh­len­de Un­ter­schrift auf dem zunächst ein­ge­gan­ge­nen Te­le­fax der Kla­ge­schrift hin­ge­wie­sen. Die­ser Hin­weis ist der Kläge­rin und der Be­klag­ten zu 1. am 29. Ju­ni 2010 zu­ge­stellt wor­den. Die Kläge­rin hat mit am sel­ben Tag beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nem Schrift­satz vom 2. Ju­li 2010 be­an­tragt, die Kla­ge nachträglich zu­zu­las­sen. Die­ser An­trag ist der Be­klag­ten zu 1. am 9. Ju­li 2010 zu­ge­stellt wor­den. Der da­ma­li­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat den An­trag mit ei­nem im Ein­zel­nen dar­ge­stell­ten Büro­ver­se­hen sei­ner langjähri­gen Kanz­lei­an­ge­stell­ten K be­gründet und ihm ei­ne ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung die­ser Rechts­an­walts-und No­ta­ri­ats­fach­an­ge­stell­ten bei­gefügt. Frau K hat­te das Te­le­fax der Kla­ge­schrift im Auf­trag des frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ver­sandt.

 

- 13 -

Er hat die Zu­verlässig­keit der An­ge­stell­ten ergänzend mit Schrei­ben vom Ju­li 2011 an­walt­lich ver­si­chert und hierfür ei­ne ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung an­ge­bo­ten. Die Be­klag­te zu 1. hat die Ver­spätung der Kla­ge mit Schrift­satz vom Ju­li 2010 - beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am 14. Ju­li 2010 - gerügt und ist dem An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kla­ge ent­ge­gen­ge­tre­ten.

Die Kläge­rin wen­det sich noch ge­gen die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten zu 1. durch die Kündi­gung vom 10. März 2010. Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kla­ge sei nachträglich zu­zu­las­sen. Das Ori­gi­nal der Kündi­gungs­schutz­kla­ge sei am 1. April 2010 - Gründon­ners­tag - auf den Post­weg ge­bracht wor­den. Un­ter Berück­sich­ti­gung der übli­chen Post­lauf­zei­ten ha­be sie da­mit rech­nen dürfen, dass das Ori­gi­nal der Kündi­gungs­schutz­kla­ge spätes­tens am 6. April 2010 - dem Tag nach Os­ter­mon­tag - und da­mit recht­zei­tig beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­hen wer­de. Im Fall des recht­zei­ti­gen Ein­gangs hätte sich die Fra­ge der Über­mitt­lung ei­ner nicht un­ter­schrie­be­nen Kla­ge­schrift per Te­le­fax am 6. April 2010 erübrigt. Der Kläge­rin sei aber auch in­so­weit kein Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den ih­res da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zu­zu­rech­nen. Er ha­be sei­ne Fach­an­ge­stell­te ge­be­ten, die von ihm ge­fer­tig­te und un­ter­schrie­be­ne Kla­ge­schrift vor­ab per Te­le­fax an das Ar­beits­ge­richt zu über­mit­teln. Die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1. sei un­wirk­sam. Die E S.A. sei nicht zur Kündi­gung be­rech­tigt ge­we­sen. Ob die Kündi­gung ge­neh­mi­gungsfähig sei, be­ur­tei­le sich nach grie­chi­schem Recht. Auch nach deut­schem Recht könne ei­ner Ge­neh­mi­gung kei­ne Rück­wir­kung zu­kom­men, weil es sich bei ei­ner Kündi­gung um die Ausübung ei­nes Ge­stal­tungs­rechts hand­le. Je­den­falls ver­s­toße das grie­chi­sche Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic. Die Kläge­rin hat die Be­triebs­rats­anhörung und die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge als nicht ord­nungs­gemäß gerügt. Die Kündi­gung ver­let­ze zu­dem das Kündi­gungs­ver­bot des § 613a Abs. 4 Satz 1 BGB. Das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu 1. sei zum 29. Sep­tem­ber 2009, 1. Ok­to­ber 2009 oder zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt auf die Be­klag­te zu 2. über­ge­gan­gen. Es ha­be der welt­wei­te Un­ter­neh­mensüber­gang ei­ner welt­weit täti­gen Flug­ge­sell­schaft statt­ge­fun­den. Die Kündi­gung sei auch so­zi­al­wid­rig.

 

- 14 -

Die Kläge­rin hat vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­letzt be­an­tragt,

1. die Kla­ge vom 1. April 2010 nachträglich zu­zu­las­sen;

2. fest­zu­stel­len, dass ihr Ar­beits­verhält­nis über den 30. Ju­ni 2010 hin­aus mit der Be­klag­ten zu 2. fort­be­steht;

3. fest­zu­stel­len, dass ihr Ar­beits­verhält­nis durch die Kündi­gung vom 10. März 2010 nicht auf­gelöst wor­den ist, son­dern über den 30. Ju­ni 2010 hin­aus un­verändert fort­be­steht;

hilfs­wei­se zum Kla­ge­an­trag zu 3. fest­zu­stel­len, dass die Be­klag­te zu 1. nicht zur Kündi­gung be­rech­tigt war;

4. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis auch nicht durch an­de­re Be­en­di­gungs­gründe auf­gelöst wor­den ist und über den 30. Ju­ni 2010 hin­aus un­gekündigt fort­be­steht.

Die Be­klag­te zu 1. hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Kläge­rin ha­be das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren an­er­kannt, in­dem sie die Kla­ge aus­weis­lich der Kla­ge­schrift ge­gen die E S.A. ge­rich­tet ha­be. Je­den­falls fänden §§ 335 ff. und ins­be­son­de­re § 343 Abs. 1 Satz 1 In­sO An­wen­dung. Die Be­klag­te zu 1. hat die Be­triebs­rats­anhörung und die Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge für ord­nungs­gemäß ge­hal­ten. Ei­ne Be­triebs­rats­anhörung könne nicht man­gels Voll­machts­nach­wei­ses ana­log § 174 Satz 1 BGB zurück­ge­wie­sen wer­den. Die Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land sei vollständig auf­gelöst wor­den. Ob die Be­klag­te zu 2. im Aus­land Flug­ver­kehr be­trei­be, sei für die Fra­ge des Be­triebsüber­gangs un­er­heb­lich. Die Kläge­rin ha­be nicht dar­ge­legt, dass sie ei­nem über­ge­gan­ge­nen Be­triebs­teil an­gehört ha­be und ih­re Tätig­keit im Be­triebs­teil „Bo­den" fort­be­ste­he.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen, weil die Kündi­gung nach § 7 Halbs. 1 KSchG als wirk­sam gel­te. Die Kündi­gungs­schutz­kla­ge sei nicht nachträglich zu­zu­las­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Kläge­rin mit der Maßga­be zurück­ge­wie­sen, dass die Kündi­gungs­schutz­kla­ge nachträglich zu­ge­las­sen wer­de. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on hat die Kläge­rin zunächst an al­len ih­ren Anträgen ge­gen die Be­klag­ten

 

- 15 -

zu 1. und zu 2. fest­ge­hal­ten. Im Ver­lauf des Re­vi­si­ons­ver­fah­rens hat sie die ge­gen die Be­klag­te zu 2. ge­rich­te­te Re­vi­si­on vollständig und die Re­vi­si­on ge­gen die Be­klag­te zu 1. hin­sicht­lich des Hilfs­an­trags zu 3. zurück­ge­nom­men. Der Se­nat hat in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung vom 25. April 2013 dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin mögli­cher-wei­se nicht zu ei­ner Mas­sen­ent­las­sung gehöre, weil der Schwel­len­wert des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG in­ner­halb der Frist von 30 Ka­len­der­ta­gen nicht er­reicht wor­den sei. Die Par­tei­ver­tre­ter ha­ben Ge­le­gen­heit er­hal­ten, sich da­zu zu äußern. Ei­ner der Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin hat be­an­tragt, ihm zu die­sem Ge­sichts­punkt ei­ne Schrift­satz­frist ein­zuräum­en. Der Se­nat hat das Ur­teil am En­de der Sit­zung verkündet, oh­ne dem Kläger­ver­tre­ter ei­ne Schrift­satz­frist ein­zuräum­en.

Ent­schei­dungs­gründe

Die noch ver­blie­be­ne, ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Re­vi­si­on der Kläge­rin ist un­be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen die Be­klag­te zu 1. zu Recht zu­ge­las­sen. Die Kündi­gungs­schutz­kla­ge hat in der Sa­che je­doch kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu 1. wur­de mit dem 30. Ju­ni 2010 be­en­det. Über den ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­ten all­ge­mei­nen Fest­stel­lungs­an­trag hat der Se­nat des­halb nicht zu ent­schei­den (An­trag zu 4.). Auch der all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­an­trag im frühe­ren Pro­zess­rechts­verhält­nis mit der Be­klag­ten zu 2. (An­trag zu 2.) und der ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te An­trag auf Fest­stel­lung, dass die E S.A. nicht zur Kündi­gung be­rech­tigt war (Hilfs­an­trag zu 3.), fal­len auf­grund der Rück­nah­me der Re­vi­si­on ge­genüber der Be­klag­ten zu 2. und der Teilrück­nah­me der Re­vi­si­on ge­genüber der Be­klag­ten zu 1. nicht zur Ent­schei­dung des Se­nats an.

A. Die deut­schen Ge­rich­te sind auf der Grund­la­ge der Ver­ord­nung (EG) Nr. 44/2001 des Ra­tes vom 22. De­zem­ber 2000 über die ge­richt­li­che Zuständig­keit und die An­er­ken­nung und Voll­stre­ckung von Ent­schei­dun­gen in Zi­vil-

 

- 16 -

und Han­dels­sa­chen (Eu­GV­VO) für die Ent­schei­dung des Rechts­streits in­ter­na-tio­nal zuständig. Der für die An­wen­dung der Eu­GV­VO er­for­der­li­che Aus­lands­be­zug (vgl. da­zu EuGH 17. No­vem­ber 2011 - C-327/10 - [Lind­ner] Rn. 29) er­gibt sich dar­aus, dass die Be­klag­te zu 1. ih­ren Sitz in ei­nem an­de­ren Mit-glied­staat hat (vgl. EuGH 1. März 2005 - C-281/02 - [Owu­su] Rn. 26, Slg. 2005, I-1383). Der Kündi­gungs­schutz­an­trag ist kein An­nex­ver­fah­ren iSv. Art. 3 Abs. 1 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 1346/2000 des Ra­tes vom 29. Mai 2000 über In­sol­venz­ver­fah­ren (Eu­Ins­VO). Bei ei­nem An­nex­ver­fah­ren wäre die in­ter­na­tio­na­le Zuständig­keit auf­grund der Be­reichs­aus­nah­me in Art. 1 Abs. 2 Buchst. b Eu­GV­VO den Ge­rich­ten des Staats der Ver­fah­ren­seröff­nung, hier al­so den grie­chi­schen Ge­rich­ten, zu­ge­ord­net. Da­bei kommt es nicht dar­auf an, ob das über das Vermögen der Be­klag­ten zu 1. mit Be­schluss des Be­ru­fungs­ge­richts Athen vom 2. Ok­to­ber 2009 eröff­ne­te Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren nach Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 idF des Art. 40 des Ge­set­zes 3710/2008 (Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren) ein In­sol­venz­ver­fah­ren iSv. Art. 2 Buchst. a Eu­Ins­VO ist. Kündi­gungs­schutz­kla­gen ge­gen ei­ne - wie hier - nach deut­schem Recht erklärte Kündi­gung fehlt der spe­zi­fi­sche In­sol­venz­be­zug, um den für ein An­nex­ver­fah­ren er­for­der­li­chen en­gen Zu­sam­men­hang mit dem In­sol­venz­ver­fah­ren zu be­ja­hen. Das gilt auch dann, wenn die kur­ze Kündi­gungs­frist des § 113 Satz 2 In­sO maßgeb­lich sein soll. Sol­che Kla­gen ha­ben ih­ren Rechts­grund nicht im In­sol­venz­recht, son­dern im Ar­beits­recht. Für sie be­stimmt sich die in­ter­na­tio­na­le Zuständig­keit des­we­gen nach der Eu­GV­VO und nicht nach der Eu­Ins­VO (vgl. zB BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 24; ausführ­lich 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 253/11 - Rn. 16 ff.). Die ört­li­che Zuständig­keit er­gibt sich auf­grund der rüge­lo­sen Ein­las­sung der Be­klag­ten zu 1. je­den­falls aus Art. 24 Eu­GV­VO, wenn sie nicht schon nach Art. 19 Nr. 2 Buchst. a Eu­GV­VO aus dem Ge­richts­stand des gewöhn­li­chen Ar­beits­orts folgt.

B. Die noch ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Re­vi­si­on der Kläge­rin ist zulässig.

I. Die Zulässig­keit der Re­vi­si­on be­stimmt sich nach deut­schem Pro­zess­recht. Nach den Re­geln des deut­schen In­ter­na­tio­na­len Pro­zess­rechts rich­tet

 

- 17 -

sich das Ver­fah­ren auch in Fällen mit Aus­lands­berührung nach der lex fo­ri, al­so dem Recht des an­ge­ru­fe­nen Ge­richts und da­mit nach den inländi­schen Pro­zess­vor­schrif­ten (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 303/12 - Rn. 19 mwN).

II. Die bei­den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin sind pos­tu­la­ti­onsfähig.

1. Rechts­an­walt P tritt in Deutsch­land mit dem Zu­satz „Rechts­an­walt in Athen" und da­mit als dienst­leis­ten­der eu­ropäischer Rechts­an­walt nach §§ 25 ff. des Ge­set­zes über die Tätig­keit eu­ropäischer Rechts­anwälte in Deutsch­land (Eu­RAG) auf. Nach § 28 Eu­RAG darf er in ge­richt­li­chen Ver­fah­ren mit An­walts-und Ver­tre­tungs­zwang als Ver­tre­ter sei­nes Man­dan­ten nur im Ein­ver­neh­men mit ei­nem zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt (Ein­ver­neh­mens­an­walt) han­deln. Die­ses Ein­ver­neh­men ist nach § 29 Abs. 1 Eu­RAG bei der ers­ten Hand­lung ge­genüber dem Ge­richt schrift­lich nach­zu­wei­sen. Dem dienst­leis­ten­den eu­ropäischen An­walt fehlt oh­ne die­sen Nach­weis die Pos­tu­la­ti­onsfähig­keit. Sei­ne Hand­lun­gen sind nach § 29 Abs. 3 Eu­RAG auf Dau­er un­wirk­sam (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 303/12 - Rn. 21 mwN).

2. Der nach § 29 Abs. 1 Eu­RAG er­for­der­li­che Nach­weis ist zwar nicht durch ge­son­der­tes Schrei­ben ei­nes Ein­ver­neh­mens­an­walts er­folgt. Für den Nach­weis genügt es aber, dass schon die Be­ru­fungs­schrift nicht nur von Rechts­an­walt P, son­dern zu­dem von Rechts­an­walt R un­ter­zeich­net wor­den ist. Das gilt auch für al­le späte­ren Schriftsätze der Kläge­rin. Da­mit hat ein in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land zu­ge­las­se­ner Rechts­an­walt die Gewähr dafür über­nom­men, dass die Vor­schrif­ten des deut­schen Pro­zess­rechts so­wie die gel­ten­den Be­rufs- und Stan­des­re­geln be­ach­tet wer­den (vgl. EuGH 25. Fe­bru­ar 1988 - C-427/85 - [Kom­mis­si­on/Deutsch­land] Rn. 23, Slg. 1988, 1123). Das Ver­lan­gen, ein ge­son­der­tes Schrei­ben vor­zu­le­gen, aus dem sich das Ein­ver­neh­men ergäbe, wäre ei­ne bloße Förme­lei, die mit dem Zweck des Eu­RAG nicht zu ver­ein­ba­ren wäre. Dem eu­ropäischen dienst­leis­ten­den Rechts­an­walt soll im In­ter­es­se des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs für Rechts­anwälte ei­ne Tätig­keit in an­de­ren Mit­glied­staa­ten der Eu­ropäischen Uni­on ermöglicht wer­den (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 303/12 - Rn. 22).

 

- 18 -

3. Aus dem Ak­ten­in­halt geht nicht her­vor, dass der Tätig­keits­schwer­punkt von Rechts­an­walt P in der Zeit sei­ner Be­vollmäch­ti­gung durch die Kläge­rin nicht mehr außer­halb der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ge­le­gen hätte und er sei­ne Tätig­keit des­halb in Deutsch­land nicht nur vorüber­ge­hend iSv. § 25 Abs. 1 Eu­RAG er­bracht hätte (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 303/12 - Rn. 23 mwN).

C. Die ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Kla­ge ist un­be­gründet.

I. Die O S.A. als Schuld­ne­rin ist, ver­tre­ten durch die E S.A. als Son­der­li­qui­da­to­rin, als Be­klag­te zu 1. pas­siv­le­gi­ti­miert. Die Aus­wir­kun­gen der Be­stel­lung der E S.A. zur Son­der­li­qui­da­to­rin über das Vermögen der Be­klag­ten zu 1. als Schuld­ne­rin so­wie ih­re Be­fug­nis­se und ih­re Rechts­stel­lung als Li­qui­da­to­rin be­ur­tei­len sich nach grie­chi­schem Recht. Das gilt un­abhängig da­von, ob das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren ein In­sol­venz­ver­fah­ren iSv. Art. 2 Buchst. a Eulns-VO ist. Der Se­nat muss­te den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on da­her nicht nach Art. 267 Abs. 3 AEUV um Vor­ab­ent­schei­dung er­su­chen, um die Fra­ge zu klären.

1. Nach Art. 14 A Nr. 4 Satz 1 des Ge­set­zes 3429/2005 hat die Son­der­li­qui­da­ti­on nicht die Auflösung des Schuld­ner­un­ter­neh­mens zur Fol­ge. Der Li­qui­da­tor wird nicht Rechts­nach­fol­ger des Un­ter­neh­mens. Viel­mehr wer­den die Geschäfte die­ses Un­ter­neh­mens nach Art. 14 A Nr. 4 Satz 3 des Ge­set­zes 3429/2005 von dem Li­qui­da­tor, der das Un­ter­neh­men ver­tritt, le­dig­lich geführt. An­ders als im deut­schen Recht ver­bleibt da­mit die Ar­beit­ge­ber­stel­lung bei dem Schuld­ner­un­ter­neh­men (vgl. zB BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 25; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 23).

2. Die­se Rechts­stel­lung von Schuld­ner­un­ter­neh­men und Li­qui­da­tor nach grie­chi­schem Recht ist hier maßgeb­lich.

a) Soll­te das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren nach Maßga­be der Art. 16 und 17 Eulns­VO an­zu­er­ken­nen sein, weil für Grie­chen­land das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren im An­hang A zur Eulns­VO und der Son­der­li­qui­da­tor im An-

 

- 19 -

hang C auf­geführt sind (in die­sem Sinn wohl Man­kow­ski Anm. NZI 2011, 876, 877), wäre für die Be­fug­nis­se der Be­klag­ten zu 1. als Schuld­ne­rin und der E S.A. als Li­qui­da­to­rin nach Art. 4, 18 Abs. 1 Eu­Ins­VO als lex fo­ri con­cur­sus grie­chi­sches Recht an­zu­wen­den (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 27; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 25).

b) Wäre das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren vom clo­sed-list-sys­tem der Eu­Ins­VO nicht er­fasst und da­mit der An­wen­dungs­be­reich die­ser Ver­ord­nung nicht eröff­net, be­stimm­ten sich die Be­fug­nis­se von Schuld­ne­rin und Li­qui­da­to­rin eben­falls nach grie­chi­schem Recht, § 335 In­sO (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 28; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 26).

aa) In die­sem Fall käme ei­ne An­er­ken­nung des Ver­fah­rens nach dem in §§ 335 ff. In­sO nor­mier­ten deut­schen au­to­no­men In­ter­na­tio­na­len In­sol­venz­recht in Be­tracht (vgl. BGH 3. Fe­bru­ar 2011 - V ZB 54/10 - Rn. 11, BGHZ 188, 177; Man­kow­ski Anm. NZI 2011, 876, 877; ders. WM 2011, 1201, 1202; Ste­phan in HK-In­sO 6. Aufl. Vor §§ 335 ff. Rn. 18 ff.; Hamb­Komm/Un­dritz 4. Aufl. Vor­be­mer­kun­gen zu §§ 335 ff. In­sO Rn. 15). Die Eu­Ins­VO ver­drängt das au­to­no­me na­tio­na­le Recht außer­halb ih­res An­wen­dungs­be­reichs nicht. Wird ein na­tio­na­les In­sol­venz­ver­fah­ren von den Anhängen der Eu­Ins­VO nicht er­fasst, bleibt ein Spiel­raum, den das na­tio­na­le In­ter­na­tio­na­le In­sol­venz­recht nut­zen kann (vgl. Man­kow­ski Anm. NZI 2011, 876, 877). Das nimmt den De­fi­ni­tio­nen der Eu­Ins­VO als spe­zi­el­le­rer Re­ge­lung des eu­ropäischen In­ter­na­tio­na­len In­sol­venz­rechts und de­ren Anhängen nicht die prak­ti­sche Wirk­sam­keit (aA Crans­haw DZWIR 2012, 133, 134). Für die von ih­ren Anhängen nicht er­fass­ten Ver­fah­ren re­kla­miert die Eu­Ins­VO kei­ne Gel­tung und ent­fal­tet da­her kei­ne Re­ge­lungs­sper­re für das na­tio­na­le au­to­no­me In­ter­na­tio­na­le In­sol­venz­recht. In­so­weit gilt nichts an­de­res als für die Be­reichs­aus­nah­men des Art. 1 Abs. 2 Eu­Ins­VO (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 29; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 27; Münch­KommBGB/Kind­ler 5. Aufl. Bd. 11 Vor §§ 335 ff. In­sO Rn. 3).

bb) Wäre das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren nach § 343 In­sO an­zu­er­ken­nen, be­stimm­ten sich die Be­fug­nis­se der Schuld­ne­rin und der Li­qui­da­to­rin auf­grund

 

- 20 -

von § 335 In­sO eben­falls nach grie­chi­schem Recht als der lex fo­ri con­cur­sus (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 30; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 28; Münch­Kom­mIn­sO/Rein­hart 2. Aufl. § 335 Rn. 65; LSZ/Smid In­ter­na­tio­na­les In­sol­venz­recht 2. Aufl. In­sO § 335 Rn. 8).

cc) Soll­te das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren da­ge­gen nicht als In­sol­venz­ver­fah­ren iSd. §§ 335 ff. In­sO zu qua­li­fi­zie­ren sein, so­dass ei­ne An­er­ken­nung nach § 343 In­sO aus­schie­de, wäre die ge­sell­schafts­recht­li­che Fra­ge, wie die Be­klag­te zu 1. als Schuld­ne­rin (or­gan­schaft­lich) ver­tre­ten ist, gleich­wohl nach grie­chi­schem Recht zu be­ant­wor­ten. Das Ge­sell­schafts­sta­tut rich­tet sich nach dem Gründungs­sta­tut und da­mit für die in Grie­chen­land ge­gründe­te Be­klag­te zu 1. nach grie­chi­schem Recht. Nach all­ge­mei­ner Auf­fas­sung, die sich auf die Ent­schei­dun­gen des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on in den Sa­chen Cen­tros (9. März 1999 - C-212/97 - Slg. 1999, I-1459), Über­see­ring (5. No­vem­ber 2002 - C-208/00 - Slg. 2002, I-9919) und In­spi­re Art (30. Sep­tem­ber 2003 - C-167/01 - Slg. 2003, I-10155) stützt, rich­tet sich das Ge­sell­schafts­sta­tut von Ge­sell­schaf­ten, die in ei­nem Mit­glied­staat der Eu­ropäischen Uni­on ge­gründet wor­den sind, nicht nach ih­rem Ver­wal­tungs­sitz, son­dern nach ih­rem Gründungs­ort. Die uni­ons­recht­lich verbürg­te Nie­der­las­sungs­frei­heit kann nur auf die­se Wei­se ge­wahrt wer­den (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 31; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 29; BGH 21. Ju­li 2011 - IX ZR 185/10 - Rn. 22, BGHZ 190, 364).

c) Der deut­sche ord­re pu­blic steht der An­er­ken­nung der Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens nicht ent­ge­gen. Die An­er­ken­nung führt nicht zu ei­nem Er­geb­nis, das mit we­sent­li­chen Grundsätzen des deut­schen Rechts - ins­be­son­de­re mit Grund­rech­ten - of­fen­sicht­lich un­ver­ein­bar ist (vgl. Art. 26 Eu­Ins­VO, § 343 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 In­sO). Die Rügen der Kläge­rin grei­fen nicht durch.

aa) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist zu­tref­fend da­von aus­ge­gan­gen, dass die deut­schen Ge­rich­te auch auf der Grund­la­ge des deut­schen ord­re pu­blic nicht zu über­prüfen ha­ben, ob Art. 14 A des grie­chi­schen Ge­set­zes 3429/2005 und

 

- 21 -

da­mit die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens durch das Athe­ner Be­ru­fungs­ge­richt der grie­chi­schen Ver­fas­sung wi­der­spricht.

(1) Soll­te das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren nach Maßga­be der Art. 16 und 17 Eu­Ins­VO an­zu­er­ken­nen sein, folgt die­ses Er­geb­nis aus dem Grund­satz des ge­gen­sei­ti­gen Ver­trau­ens, der in Satz 3 der 22. Be­gründungs­erwägung der Eu­Ins­VO nie­der­ge­legt ist.

(a) Die­ses ge­gen­sei­ti­ge Ver­trau­en hat es ermöglicht, im An­wen­dungs­be­reich der Eu­Ins­VO ein für die Ge­rich­te ver­bind­li­ches Zuständig­keits­sys­tem zu schaf­fen und auf die in­ner­staat­li­chen Vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die An­er­ken­nung und die Voll­streck­ba­r­erklärung zu­guns­ten ei­nes ver­ein­fach­ten An­er­ken­nungs- und Voll­stre­ckungs­ver­fah­rens für im Rah­men von In­sol­venz­ver­fah­ren er­gan­ge­ne Ent­schei­dun­gen zu ver­zich­ten. Be­stand­teil des Grund­sat­zes des ge­gen­sei­ti­gen Ver­trau­ens ist es, dass das Ge­richt ei­nes Mit­glied­staats, bei dem ein An­trag auf Eröff­nung ei­nes Haupt­in­sol­venz­ver­fah­rens anhängig ge­macht wird, sei­ne Zuständig­keit im Hin­blick auf Art. 3 Abs. 1 Eu­Ins­VO über­prüft, dh. un­ter­sucht, ob der Schuld­ner den Mit­tel­punkt sei­ner hauptsächli­chen In­ter­es­sen in die­sem Mit­glied­staat hat. Ei­ne sol­che Prüfung ist un­ter Be­ach­tung der we­sent­li­chen Ver­fah­rens­ga­ran­ti­en, die ein fai­res Ver­fah­ren er­for­dert, vor­zu­neh­men. Im Ge­gen­zug da­zu ver­langt der Grund­satz des ge­gen­sei­ti­gen Ver­trau­ens, dass die Ge­rich­te der übri­gen Mit­glied­staa­ten die Ent­schei­dung über die Eröff­nung ei­nes Haupt­in­sol­venz­ver­fah­rens an­er­ken­nen, oh­ne die Zuständig­keits­be­ur­tei­lung des ers­ten Ge­richts über­prüfen zu können (vgl. EuGH 2. Mai 2006 - C-341/04 - lEu­ro­food 1FSC] Rn. 40 ff., Sig. 2006, 1-3813). Nimmt ein Be­tei­lig­ter an, dass der Schuld­ner den Mit­tel­punkt sei­ner hauptsächli­chen In­ter­es­sen in ei­nem an­de­ren Mit­glied­staat als dem­je­ni­gen hat, in dem das Haupt­in­sol­venz­ver­fah­ren eröff­net wur­de, hat er bei den Ge­rich­ten des Mit­glied­staats, in dem das Ver­fah­ren eröff­net wur­de, die im na­tio­na­len Recht die­ses Mit­glied­staats vor­ge­se­he­nen Rechts­be­hel­fe ge­gen die Eröff­nungs­ent­schei­dung ein­zu­le­gen (vgl. EuGH 2. Mai 2006 - C-341/04 – [Eu­ro­food 1FSC] Rn. 43, aaO).

(b) Nach die­sen Grundsätzen darf der Se­nat nicht über­prüfen, ob Art. 14 A des grie­chi­schen Ge­set­zes 3429/2005 ge­gen die grie­chi­sche Ver­fas­sung

- 22 -

verstößt. Das Athe­ner Be­ru­fungs­ge­richt hat sei­ne Zuständig­keit für die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens be­jaht und das Ge­setz da­mit schlüssig für ver­fas­sungs­kon­form ge­hal­ten. Die zu ak­zep­tie­ren­de Ent­schei­dung des Ge­richts des Eröff­nungs­staats er­fasst we­gen des im Erwägungs­grund 22 der Eu­Ins­VO aus­ge­drück­ten un­ein­ge­schränk­ten Grund­sat­zes des ge­gen­sei­ti­gen Ver­trau­ens nicht nur die Fra­ge des Mit­tel­punkts der In­ter­es­sen des Schuld­ners, son­dern die ge­sam­te Eröff­nungs­ent­schei­dung als sol­che. Die Prüfung der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit des Ge­set­zes Art. 14 A des grie­chi­schen Ge­set­zes 3429/2005 ist den grie­chi­schen Ge­rich­ten - ggf. mit den dor­ti­gen ver­fas­sungs­recht­li­chen Rechts­mit­teln oder Rechts­be­hel­fen - vor­be­hal­ten.

(2) Soll­te die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens § 343 In­sO un­ter­fal­len, führ­ten die von der Kläge­rin gerügten Verstöße des Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 ge­gen die grie­chi­sche Ver­fas­sung den­noch nicht zu ei­ner Ver­let­zung des deut­schen ord­re pu­blic (§ 343 Abs. 1 Satz 2 Nr. 2 In­sO).

(a) Die Kläge­rin be­an­stan­det ver­schie­de­ne Verstöße ge­gen die grie­chi­sche Ver­fas­sung. Sie hält die Fris­ten in Art. 14 A Nr. 3 des Ge­set­zes 3429/2005 für zu kurz, um dem Ge­bot ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes in Art. 20 der grie­chi­schen Ver­fas­sung ge­recht zu wer­den. Ent­spre­chen­des nimmt sie für die Un­an­fecht­bar­keit des Eröff­nungs­be­schlus­ses an. Die wei­ten Be­fug­nis­se des Li­qui­da­tors, die Außer­kraft­set­zung des Zi­vil­ge­setz­buchs und das Ver­bot von einst­wei­li­gen Verfügun­gen für die Dau­er von 18 Mo­na­ten ab Verkündung des Eröff­nungs­be­schlus­ses in Art. 14 A Nr. 20 des Ge­set­zes 3429/2005 ver­let­zen nach Auf­fas­sung der Kläge­rin die zu be­ach­ten­de Men­schenwürde (Art. 2 der grie­chi­schen Ver­fas­sung), die wirt­schaft­li­che Frei­heit (Art. 5 der grie­chi­schen Ver­fas­sung) und das Recht der Ar­beit (Art. 22 der grie­chi­schen Ver­fas­sung). Die Un­gleich­be­hand­lung der Ar­beit­neh­mer der be­trof­fe­nen Un­ter­neh­men mit an­de­ren grie­chi­schen Ar­beit­neh­mern, die von Ar­beits­ge­set­zen, Kol­lek­tiv- und Ein­zel­verträgen geschützt sind, verstößt aus Sicht der Kläge­rin ge­gen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz in Art. 4 der grie­chi­schen Ver­fas­sung.

(b) Die­se Rügen führen selbst dann nicht zu ei­ner Ver­let­zung des deut­schen ord­re pu­blic, wenn Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 tatsächlich ge­gen

 

- 23 -

die grie­chi­sche Ver­fas­sung ver­s­toßen soll­te. Mit dem deut­schen ord­re pu­blic ist ei­ne Ent­schei­dung nicht schon dann un­ver­ein­bar, wenn der deut­sche Rich­ter - hätte er über die Fra­ge ent­schie­den - auf­grund zwin­gen­den deut­schen Rechts zu ei­nem an­de­ren Er­geb­nis ge­kom­men wäre. Maßgeb­lich ist viel­mehr, ob das Er­geb­nis der An­wen­dung des ausländi­schen Rechts zu den Grund­ge­dan­ken der deut­schen Re­ge­lun­gen und den in ih­nen ent­hal­te­nen Ge­rech­tig­keits­vor­stel­lun­gen in so star­kem Wi­der­spruch steht, dass es nach inländi­scher Vor­stel­lung un­trag­bar er­scheint (vgl. BGH 16. Sep­tem­ber 1993 - IX ZB 82/90 - zu B 15 der Gründe, BGHZ 123, 268). Für den deut­schen ord­re pu­blic kommt es nicht auf das grie­chi­sche, son­dern auf das deut­sche Recht an. Und auch in­so­weit ist der Ver­s­toß ge­gen ei­ne Vor­schrift mit Ver­fas­sungs­rang für sich al­lein noch kei­ne Ver­let­zung des deut­schen ord­re pu­blic, so­lan­ge kein Grund­recht des Be­trof­fe­nen berührt wird (vgl. BGH 16. Sep­tem­ber 1993 - IX ZB 82/90 - zu B 15 b der Gründe, aaO).

bb) Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 ver­letzt we­der den ver­fah­rens­recht­li­chen noch den ma­te­ri­el­len deut­schen ord­re pu­blic.

(1) Bei der Son­der­li­qui­da­ti­on han­delt es sich um ein Ge­samt­ver­fah­ren. Das Ver­fah­ren dient ua. der ge­mein­sa­men und gleichmäßigen Gläubi­ger­be­frie­di­gung. Da­bei wird ein In­sol­ven­zer­eig­nis vor­aus­ge­setzt. Die Eröff­nung des Ver­fah­rens ver­langt ne­ben in der Ver­gan­gen­heit be­zo­ge­nen staat­li­chen Bei­hil­fen und ei­nem Ver­s­toß ge­gen das Ge­mein­schafts­recht (heu­te: Uni­ons­recht) bei Gewährung wei­te­rer Bei­hil­fen al­ter­na­tiv, dass schwe­re wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten oder Pro­ble­me bei der Struk­tu­rie­rung des Ei­gen­ka­pi­tals auf­tre­ten oder das öffent­li­che Un­ter­neh­men of­fen­sicht­lich nicht in der La­ge ist, ge­setz­te Zah­lungs­fris­ten ein­zu­hal­ten. Die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens hat den vollständi­gen oder zu­min­dest teil­wei­sen Vermögens­be­schlag zur Fol­ge.

(2) Ein Ver­s­toß ge­gen den ord­re pu­blic ist nur aus­nahms­wei­se an­zu­neh­men (vgl. zu Art. 26 Eu­Ins­VO EuGH 21. Ja­nu­ar 2010 - C-444/07 - (MG Pro­bud] Rn. 34, Slg. 2010, 1-417; s. auch BAG 27. Fe­bru­ar 2007 - 3 AZR 618/06 - Rn. 19, BA­GE 121, 309). Er­for­der­lich ist ei­ne of­fen­sicht­li­che Ver­let­zung we­sent­li­cher Grundsätze deut­schen Rechts. Bloße Ab­wei­chun­gen vom deut­schen


- 24 -

Recht genügen nicht. In ers­ter Li­nie ist dar­auf ab­zu­stel­len, ob be­reits die Eröff­nung selbst auf­grund ver­fah­rens­recht­li­cher Mängel ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic verstößt (an­er­ken­nungs­recht­li­cher oder auch ver­fah­rens­recht­li­cher ord­re pu­blic). Ei­ne Ver­let­zung des ver­fah­rens­recht­li­chen ord­re pu­blic führt grundsätz­lich da­zu, dass der Ver­fah­ren­seröff­nungs­akt nicht an­er­kannt wird. Ein Ver­s­toß ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic kann aber auch da­durch be­gründet sein, dass die An­wen­dung ausländi­schen Rechts auf­grund von Kol­li­si­ons­nor­men nach­ge­ord­ne­te Fol­ge­wir­kun­gen er­zeugt (ma­te­ri­ell-recht­li­cher ord­re pu­blic). Das ent­zieht der An­er­ken­nung der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens nicht ins­ge­samt die Grund­la­ge, son­dern führt da­zu, dass die ent­spre­chen­den ausländi­schen Rechts­nor­men nicht an­ge­wandt wer­den (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 159/05 - Rn. 24).

(a) Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 ist kein Ein­zel­fall­ge­setz iSv. Art. 19 Abs. 1 Satz 1 GG.

(aa) Der Hand­lungs­spiel­raum des Ge­setz­ge­bers wird ua. durch das Ver­bot der Ein­zel­fall­ge­setz­ge­bung in Art. 19 Abs. 1 Satz 1 GG be­schränkt (vgl. BVerfG 22. Ok­to­ber 2008 - 2 BvR 749/08 - Rn. 39, BVerfGK 14, 357). Art. 19 Abs. 1 Satz 1 GG ver­bie­tet grund­recht­s­ein­schränken­de Ge­set­ze, die nicht all­ge­mein sind, son­dern nur für den Ein­zel­fall gel­ten. Die An­for­de­rung, dass das Ge­setz all­ge­mein zu sein hat, ist dann erfüllt, wenn sich we­gen der abs­trak­ten Fas­sung der ge­setz­li­chen Tat­bestände nicht ab­se­hen lässt, auf wie vie­le und wel­che Fälle das Ge­setz An­wen­dung fin­det, wenn al­so nicht nur ein ein­ma­li­ger Ein­tritt der vor­ge­se­he­nen Rechts­fol­gen möglich ist. Dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne An­zahl kon­kre­ter Fälle vor Au­gen hat, die er zum An­lass der Re­ge­lung nimmt, macht die Be­stim­mung nicht zu ei­nem Ein­zel­fall­ge­setz, wenn sie nach der Art der in Be­tracht kom­men­den Sach­ver­hal­te ge­eig­net ist, un­be­stimmt vie­le wei­te­re Fälle zu re­geln. Die abs­trakt-ge­ne­rel­le For­mu­lie­rung darf nicht da­zu die­nen, ei­ne ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Re­ge­lung zu ver­schlei­ern (vgl. für die st. Rspr. BVerfG 2. März 1999 - 1 BvL 2/91 - zu C II 1 der Gründe, BVerfGE 99, 367).

(bb) Nach die­sen Grundsätzen ist Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 kein Ein­zel­fall­ge­setz iSv. Art. 19 Abs. 1 Satz 1 GG. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu

 

- 25 -

Recht an­ge­nom­men, dass es sich al­len­falls um ein An­lass­ge­setz han­delt. Die Re­ge­lung ist abs­trakt for­mu­liert und be­zieht sich auf ei­ne nicht ab­sch­ließend be­stimm­te Zahl öffent­li­cher Un­ter­neh­men. Das zeigt die von der Kläge­rin zi­tier­te Par­la­ments­de­bat­te über die Gel­tung für an­de­re öffent­li­che Un­ter­neh­men (sog. D.E.K.O.). Der Um­stand, dass die Re­ge­lung auf sie der­zeit nicht an­zu­wen­den ist, be­deu­tet nicht, dass künf­ti­ge An­wen­dungsfälle bei ei­ner veränder­ten wirt­schaft­li­chen Si­tua­ti­on von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen sind. Nur dann wäre un­ge­ach­tet der abs­trakt-ge­ne­rel­len For­mu­lie­rung ein ver­deck­tes Ein­zel­fall­ge­setz an­zu­neh­men (vgl. BVerfG 2. März 1999 - 1 BvL 2/91 - zu C 112 der Gründe, BVerfGE 99, 367).

(b) Der nach Art. 14 A Nr. 2 des Ge­set­zes 3429/2005 ein­ge­schränk­te Kreis der An­trags­be­rech­tig­ten führt nicht zu ei­nem Ver­s­toß ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic im Sinn ei­ner Un­gleich­be­hand­lung der Gläubi­ger im Rah­men der grundsätz­lich ge­mein­schaft­li­chen Gläubi­ger­be­frie­di­gung (§ 1 In­sO). Der grie­chi­sche Ge­setz­ge­ber hielt sich auch nach deut­schem Verständ­nis in­ner­halb der Gren­zen sei­ner Ge­stal­tungs­macht, in­dem er die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens für öffent­li­che Un­ter­neh­men an ein be­stimm­tes Gläubi­ger­quo­rum band und von ei­ner be­stimm­ten Be­tei­li­gung der dar­in ver­tre­te­nen öffent­li­chen Hand abhängig mach­te. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend dar­auf ab­ge­stellt, dass pri­va­te Gläubi­ger vom An­trags­ver­fah­ren nicht aus­ge­schlos­sen sind, son­dern nur mit der öffent­li­chen Hand ins­ge­samt min­des­tens 51 % der For­de­run­gen re­präsen­tie­ren müssen. Da­von muss die öffent­li­che Hand ih­rer­seits min­des­tens die Hälf­te re­präsen­tie­ren. Nach § 13 Abs. 1 Satz 2 In­sO ist die An­trags­be­rech­ti­gung zwar nicht auf be­stimm­te Gläubi­ger be­schränkt. Die Eröff­nung des Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­rens den­noch an­zu­er­ken­nen, ist nach inländi­schen Vor­stel­lun­gen aber je­den­falls kein un­trag­ba­res Er­geb­nis (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 159/05 - Rn. 20, 22; s. auch 16. Sep­tem­ber 1993 - IX ZB 82/90 - zu B 15 der Gründe, BGHZ 123, 268). Dem steht nicht ent­ge­gen, dass das In­sol­venz­ver­fah­ren un­mit­tel­bar den Schutz und die Durch­set­zung ver­fas­sungs­recht­lich geschütz­ter pri­va­ter In­ter­es­sen zum Ziel hat (vgl. BVerfG 23. Mai 2006 - 1 BvR 2530/04 - Rn. 34, BVerfGE 116, 1). Pri­va­te Gläubi­ger sind vom An­trags­recht bei öffent­li­chen Un­ter­neh­men nach Art. 14 A Nr. 2

 

- 26 -

des Ge­set­zes 3429/2005 nicht vollständig aus­ge­nom­men. Ihr An­trags­recht ist we­gen des Quo­rums der öffent­li­chen Hand le­dig­lich be­schränkt. Das löst den Aus­nah­me­tat­be­stand ei­nes Ver­s­toßes ge­gen den deut­schen ord­re pu­blic nicht aus.

(c) Ent­spre­chen­des gilt für die kur­zen Fris­ten im Eröff­nungs­ver­fah­ren nach Art. 14 A Nr. 3 des Ge­set­zes 3429/2005.

(aa) Die Vor­aus­set­zun­gen und Förm­lich­kei­ten, die für die Eröff­nung ei­nes In­sol­venz­ver­fah­rens ver­langt wer­den, un­ter­lie­gen dem na­tio­na­len Recht und un­ter­schei­den sich beträcht­lich von Mit­glied­staat zu Mit­glied­staat. In man­chen Mit­glied­staa­ten wird das Ver­fah­ren sehr kurz nach der An­trag­stel­lung eröff­net, die er­for­der­li­chen Nach­prüfun­gen wer­den erst später vor­ge­nom­men. In an­de­ren Mit­glied­staa­ten müssen be­stimm­te we­sent­li­che Fest­stel­lun­gen, die er­heb­li­che Zeit in An­spruch neh­men können, vor der Eröff­nung des Ver­fah­rens ge­trof­fen wer­den. In man­chen na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen kann das In­sol­venz­ver­fah­ren für ei­ni­ge Mo­na­te „vorläufig" eröff­net wer­den (vgl. EuGH 2. Mai 2006 - C-341/04 - [Eu­ro­food IFSC] Rn. 51, Sig. 2006, I-3813).

(bb) Die kur­zen Fris­ten im Eröff­nungs­ver­fah­ren wi­der­spre­chen nicht dem deut­schen ord­re pu­blic. Ei­ne be­stimm­te Länge der Frist gehört nicht zu den grund­le­gen­den Ver­fah­rens­ga­ran­ti­en der deut­schen Rechts­ord­nung. Selbst ein nach ausländi­schem Recht völlig feh­len­der Eröff­nungs­be­schluss und ei­ne Eröff­nung des Ver­fah­rens auf bloßen An­trag des Schuld­ners lösen den Aus­nah­me­tat­be­stand ei­ner Ver­let­zung des ord­re pu­blic nicht aus (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 159/05 - Rn. 20, 22).

(d) Ein Ver­s­toß ge­gen den ord­re pu­blic ist auch nicht dar­in zu se­hen, dass der Eröff­nungs­be­schluss des Athe­ner Be­ru­fungs­ge­richts un­an­fecht­bar ist.

(aa) Das deut­sche Recht sieht nach § 34 Abs. 2 In­sO eben­falls nur ei­ne so­for­ti­ge Be­schwer­de des Schuld­ners, nicht aber der Gläubi­ger ge­gen den Eröff­nungs­be­schluss vor (vgl. BGH 21. Fe­bru­ar 2008 - IX ZB 96/07 - zu II der Gründe). Die Ent­schei­dun­gen des In­sol­venz­ge­richts un­ter­lie­gen nur in den


- 27 -

Fällen ei­nem Rechts­mit­tel, in de­nen die In­sol­venz­ord­nung das aus­drück­lich vor­schreibt (§ 6 Abs. 1 Satz 1 In­sO). Das Grund­ge­setz ga­ran­tiert um­fas­sen­den Rechts­schutz le­dig­lich zu dem Zweck des Schut­zes sub­jek­ti­ver Rech­te und da­her auch nur un­ter der Vor­aus­set­zung, dass die Ver­let­zung ei­ner Rechts­po­si­ti­on gel­tend ge­macht wird, die die Rechts­ord­nung im In­ter­es­se des Ein­zel­nen gewährt. Hin­ge­gen genügt we­der die Ver­let­zung nur wirt­schaft­li­cher In­ter­es­sen noch die Ver­let­zung von Rechtssätzen, die le­dig­lich Re­flex­wir­kun­gen ha­ben, weil der Ein­zel­ne in ih­nen al­lein aus Gründen des In­ter­es­ses der All­ge­mein­heit begüns­tigt wird (vgl. BVerfG 23. Mai 2006 - 1 BvR 2530/04 - Rn. 29, BVerfGE 116, 1). Die For­de­run­gen der Gläubi­ger wer­den von Art. 14 Abs. 1 GG zwar auch im Rah­men der Zwangs­voll­stre­ckung geschützt (vgl. BVerfG 23. Mai 2006 - 1 BvR 2530/04 - Rn. 34, aaO). Das er­for­dert aber we­der ein Rechts­mit­tel noch ei­nen Rechts­be­helf zu­guns­ten ein­zel­ner Gläubi­ger. Die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens dient der bestmögli­chen ge­mein­schaft­li­chen Be­frie­di­gung al­ler Gläubi­ger. Des­halb kommt nach deut­schem Recht nur dem Schuld­ner ein Be­schwer­de­recht ge­gen den Eröff­nungs­be­schluss zu.

(bb) Der Aus­schluss ei­nes Rechts­mit­tels oder Rechts­be­helfs verstößt auch nach deut­schem Ver­fas­sungs­recht nicht ge­gen die aus Art. 19 Abs. 4 GG und dem Rechts­staats­prin­zip her­zu­lei­ten­de Ga­ran­tie ef­fek­ti­ven Rechts­schut­zes. Es ist Auf­ga­be des Ge­setz­ge­bers, un­ter Abwägung und Aus­gleich der ver­schie­de­nen be­trof­fe­nen In­ter­es­sen zu ent­schei­den, ob es bei ei­ner In­stanz blei­ben soll oder ob meh­re­re In­stan­zen be­reit­ge­stellt wer­den und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen sie an­ge­ru­fen wer­den können (vgl. BVerfG 30. April 2003 - 1 PB­vU 1/02 - zu C I 2 der Gründe, BVerfGE 107, 395). Der Gläubi­ger ist nach der In­sol­venz­ord­nung nicht be­rech­tigt, die Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen des Schuld­ners mit der so­for­ti­gen Be­schwer­de an­zu­grei­fen. Die­se Wer­tent­schei­dung des Ge­setz­ge­bers ist hin­zu­neh­men (vgl. BGH 30. März 2006 - IX ZB 36/05 - Rn. 6 mwN).

(e) Auch Art. 14 A Nr. 19 des Ge­set­zes 3429/2005, wo­nach bei Pflicht­ver­let­zun­gen auf An­trag die Ab­set­zung des Li­qui­da­tors und die Be­stel­lung ei­nes neu­en Li­qui­da­tors vor­ge­se­hen sind, ver­letzt nicht den deut­schen ord­re pu­blic.

 

- 28 -

(aa) Zum Teil wird an­ge­nom­men, ein Ver­s­toß ge­gen den Grund­satz der Un­abhängig­keit des Ver­wal­ters ver­let­ze den ord­re pu­blic, weil bei ei­nem vom Schuld­ner abhängi­gen Ver­wal­ter die Ge­fahr der Ver­let­zung von Gläubi­ger­rech­ten be­ste­he (vgl. AG Nürn­berg 15. Au­gust 2006 - 8004 IN 1326/06 ua. - zu II der Gründe). Die Un­be­fan­gen­heit der Amtsführung, die § 56 Abs. 1 In­sO un­ter dem As­pekt der Un­abhängig­keit von den Gläubi­gern und dem Schuld­ner an­spricht, ist nicht si­cher­ge­stellt, wenn der In­sol­venz­ver­wal­ter je­der­zeit gewärtig sein muss, auf­grund von Rechts­feh­lern bei sei­ner Be­stel­lung ent­las­sen zu wer­den. Dar­un­ter kann an­ge­sichts der vielfälti­gen und kom­ple­xen Auf­ga­ben die Qua­lität der Ab­wick­lung des In­sol­venz­ver­fah­rens lei­den. Der In­sol­venz­ver­wal­ter wird we­der al­lein im In­ter­es­se der Gläubi­ger noch al­lein im In­ter­es­se des Schuld­ners tätig, son­dern hat vielfälti­ge Auf­ga­ben wahr­zu­neh­men, für de­ren Erfüllung er al­len Ver­fah­rens­be­tei­lig­ten ge­genüber ver­ant­wort­lich ist (vgl. BVerfG 23. Mai 2006 - 1 BvR 2530/04 - Rn. 54, BVerfGE 116, 1).

(bb) Das Ab­set­zungs­recht wi­der­spricht gleich­wohl nicht dem deut­schen ord­re pu­blic. Auch das deut­sche Recht kennt mit § 57 In­sO die Wahl ei­nes an­de­ren In­sol­venz­ver­wal­ters. Zu­dem ist die Ab­set­zung des Li­qui­da­tors an en­ge Vor­aus­set­zun­gen ge­bun­den. Der Kreis der an­trags­be­rech­tig­ten Per­so­nen ist be­schränkt. Es muss sich ent­we­der um Gläubi­ger oder Ge­sell­schaf­ter bzw. Ak­ti­onäre des öffent­li­chen Un­ter­neh­mens han­deln. Zu­guns­ten der öffent­li­chen Hand be­steht ein qua­li­fi­zier­tes Quo­rum. Ei­ne Ab­set­zung ist nur aus trif­ti­gen Gründen möglich, ins­be­son­de­re bei Pflicht­ver­let­zun­gen. Mit der Ab­set­zung muss zu­gleich ein neu­er Li­qui­da­tor er­nannt wer­den. Die Re­ge­lung in Art. 14 A Nr. 19 des Ge­set­zes 3429/2005 ist an­ge­sichts die­ser en­gen Vor­ga­ben nicht of­fen­sicht­lich un­ver­ein­bar mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des deut­schen In­sol­venz­rechts. Bloße Ab­wei­chun­gen vom deut­schen Recht genügen nicht (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 159/05 - Rn. 24).

(f) Die feh­len­den Be­fug­nis­se zur In­sol­venz­an­fech­tung ver­let­zen we­der den ver­fah­rens­recht­li­chen noch den ma­te­ri­el­len deut­schen ord­re pu­blic. Das zeigt sich schon an den bei­den in Be­tracht kom­men­den Kol­li­si­ons­nor­men, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu Recht an­ge­nom­men hat. Nach Art. 4 Abs. 2 Satz 2

 

- 29 -

Buchst. m Eu­Ins­VO re­gelt das Recht des Staats der Ver­fah­ren­seröff­nung, wel­che Rechts­hand­lun­gen nich­tig, an­fecht­bar oder re­la­tiv un­wirk­sam sind, weil sie die Ge­samt­heit der Gläubi­ger be­nach­tei­li­gen. § 339 In­sO be­stimmt, dass ei­ne Rechts­hand­lung an­ge­foch­ten wer­den kann, wenn die Vor­aus­set­zun­gen der In­sol­venz­an­fech­tung nach dem Recht des Staats der Ver­fah­ren­seröff­nung erfüllt sind, es sei denn, der An­fech­tungs­geg­ner weist nach, dass für die Rechts­hand­lung das Recht ei­nes an­de­ren Staats maßge­bend und die Rechts­hand­lung nach die­sem Recht in kei­ner Wei­se an­greif­bar ist. Das deut­sche Recht ak­zep­tiert da­mit feh­len­de An­fech­tungsmöglich­kei­ten.

(g) So­weit die Re­vi­si­on die Wei­te der Be­fug­nis­se des Son­der­li­qui­da­tors nach Art. 14 A Nr. 4 des Ge­set­zes 3429/2005 be­an­stan­det, ver­letzt die­se eben­falls nicht den deut­schen ord­re pu­blic.

(aa) Das deut­sche Recht sieht nicht nur ei­ne Ver­tre­ter­stel­lung vor, wie sie der Li­qui­da­tor in­ne­hat, son­dern ei­nen Über­gang des Ver­wal­tungs- und Verfügungs­rechts auf den In­sol­venz­ver­wal­ter (§ 80 Abs. 1 In­sO). Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 kennt zwar kei­ne all­ge­mei­ne Auf­sicht des Athe­ner Be­ru­fungs­ge­richts über den Li­qui­da­tor, wie sie für den In­sol­venz­ver­wal­ter in § 58 Abs. 1 In­sO ge­re­gelt ist. Art. 14 A Nr. 19 des Ge­set­zes 3429/2005 enthält aber das be­reits be­schrie­be­ne Ab­set­zungs­ver­fah­ren.

(bb) Die Wei­te der Be­fug­nis­se des Li­qui­da­tors im Zu­sam­men­hang mit der Kündi­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen nach grie­chi­schem Recht könn­te im Übri­gen eben­so we­nig wie die von der Kläge­rin gerügten Verstöße ge­gen die grie­chi­sche Ver­fas­sung da­zu führen, dass die Eröff­nung selbst auf­grund ver­fah­rens­recht­li­cher Mängel ge­gen den deut­schen an­er­ken­nungs­recht­li­chen ord­re pu­blic ver­stieße. Wer­den sol­che Verstöße un­ter­stellt, ver­letz­ten sie al­len­falls den deut­schen ma­te­ri­ell-recht­li­chen ord­re pu­blic, entzögen der An­er­ken­nung der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens je­doch nicht ins­ge­samt die Grund­la­ge. Sie führ­ten nur da­zu, dass die ent­spre­chen­den grie­chi­schen Rechts­nor­men nicht an­ge­wandt würden (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 159/05 - Rn. 24). Die­ses Pro­blem stellt sich hier schon des­halb nicht, weil auf die Kündi­gung des

 

- 30 -

Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin deut­sches Recht an­zu­wen­den ist, das mit dem Grund­ge­setz in Ein­klang steht.

II. Die ma­te­ri­ell-recht­li­che Wirk­sam­keit der Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1., die mit dem Kündi­gungs­schutz­an­trag geklärt wer­den soll, be­stimmt sich nach deut­schem Ar­beits­recht. Auch in die­sem Zu­sam­men­hang kann da­hin­ste­hen, ob das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren der Eu­Ins­VO un­terfällt. Der Se­nat braucht den Ge­richts­hof der Eu­ropäischen Uni­on da­her nicht an­zu­ru­fen, um die­se Fra­ge zu klären.

1. Ist der An­wen­dungs­be­reich der Eu­Ins­VO eröff­net, ist für die Wir­kun­gen des In­sol­venz­ver­fah­rens auf ei­nen Ar­beits­ver­trag und auf das Ar­beits­verhält­nis nach Art. 10 Eu­Ins­VO aus­sch­ließlich das Recht des Mit­glied­staats maßgeb­lich, das auf den Ar­beits­ver­trag an­zu­wen­den ist (lex cau­sae). Wäre das Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren nach § 343 In­sO an­zu­er­ken­nen, wäre nach § 337 In­sO eben­falls das Ar­beits­ver­trags­sta­tut maßgeb­lich. Die Be­stim­mung des § 337 In­sO ist Art. 10 Eu­Ins­VO nach­ge­bil­det (vgl. BT-Drucks. 15/16 S. 18). Das Recht des Staats, dem das Ar­beits­verhält­nis un­ter­liegt, soll auch die Wir­kun­gen der Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens auf die­se Rechts­be­zie­hung be­stim­men (vgl. Braun/Ta­shiro In­sO 5. Aufl. § 337 Rn. 3). Han­del­te es sich über­haupt nicht um ein an­zu­er­ken­nen­des In­sol­venz­ver­fah­ren, wäre nach den Grundsätzen des In­ter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts zu be­stim­men, wel­ches Recht An­wen­dung fände.

2. In al­len drei denk­ba­ren Kon­stel­la­tio­nen ist nach den hier noch maßgeb­li­chen Art. 27, 30 und 34 EGBGB zu er­mit­teln, wel­ches Recht An­wen­dung fin­det. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat an­ge­nom­men, dass nach die­sen Kol­li­si­ons­re­geln des In­ter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts deut­sches Ar­beits­recht für das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en maßgeb­lich ist. Rechts­feh­ler sind auf der Grund­la­ge von Art. 30 Abs. 2 EGBGB nicht er­sicht­lich. Die mögli­che An­wend­bar­keit ver­schie­de­ner Rechts­ord­nun­gen bei Kündi­gun­gen von Ar­beits­verhält­nis­sen mit Be­zug zu un­ter­schied­li­chen na­tio­na­len Rechts­ord­nun­gen ist der zen­tra­le Re­ge­lungs­me­cha­nis­mus des In­ter­na­tio­na­len Pri­vat­rechts, ob­wohl die­sel­be Rechts­persönlich­keit - ggf. auf der Grund­la­ge der­sel­ben un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung - gekündigt hat. Da deut­sches Recht an­zu­wen­den ist, kommt es

 

- 31 -

nicht dar­auf an, ob die von Art. 14 A Nr. 4 Satz 6 und Satz 7 des grie­chi­schen Ge­set­zes 3429/2005 be­gründe­ten Vor­aus­set­zun­gen für die Kündi­gung in Form so­zia­ler Schutz­maßnah­men erfüllt sind. Ob die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin wirk­sam ist, be­ur­teilt sich nach deut­schem Recht und den in die­ser Rechts­ord­nung vor­ge­se­he­nen Schutz­me­cha­nis­men.

III. Die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1. gilt nicht be­reits nach § 7 Halbs. 1 KSchG als rechts­wirk­sam.

1. Dass sich die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen die „E S.A. ... als Son­der­li­qui­da­tor über das Vermögen der Fir­ma 0 S.A." als Be­klag­te zu 1. rich­te­te, ist unschädlich. Sie war - wie auch die all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­kla­ge (An­trag zu 4.) - von vorn­her­ein ge­gen die 0 S.A. ge­rich­tet. Ent­spre­chen­des gilt für den zu 1. ge­stell­ten An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge.

a) Ist ei­ne Par­tei­be­zeich­nung nicht ein­deu­tig, ist die Par­tei durch Aus­le­gung zu er­mit­teln. Selbst bei äußer­lich ein­deu­ti­ger, aber of­fen­kun­dig un­rich­ti­ger Be­zeich­nung ist grundsätz­lich die­je­ni­ge Per­son als Par­tei an­ge­spro­chen, die er­kenn­bar durch die Par­tei­be­zeich­nung be­trof­fen wer­den soll. Es kommt dar­auf an, wel­cher Sinn der von der kla­gen­den Par­tei in der Kla­ge­schrift gewähl­ten Par­tei­be­zeich­nung bei ob­jek­ti­ver Würdi­gung des Erklärungs­in­halts bei­zu­le­gen ist. Er­gibt sich aus den ge­sam­ten Umständen, wer als be­klag­te Par­tei ge­meint ist, kann das Ru­brum un­be­denk­lich „be­rich­tigt" wer­den. Das gilt vor al­lem dann, wenn der Kla­ge­schrift das Kündi­gungs­schrei­ben bei­gefügt ist, aus dem sich er­gibt, von wem die Kündi­gung erklärt wur­de. Ent­schei­dend ist, dass die recht­li­che Iden­tität ge­wahrt bleibt. Bleibt die Par­tei nicht die­sel­be, han­delt es sich um ei­ne Par­teiände­rung. Ei­ne un­ge­naue oder er­kenn­bar fal­sche Par­tei­be­zeich­nung kann da­ge­gen je­der­zeit von Amts we­gen rich­tig­ge­stellt wer­den. Das kann auch noch durch das Re­vi­si­ons­ge­richt ge­sche­hen (vgl. für die st. Rspr. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 41; 18. Ok­to­ber 2012 - 6 AZR 41/11 - Rn. 18 f. mwN). Die Par­tei­be­zeich­nung ist rechts­schutz­gewährend aus­zu­le­gen (vgl. BFH 17. Ja­nu­ar 2002 - VI B 114/01 - zu 114 e der Gründe, BFHE 198, 1). Die Vor­schrif­ten des Ver­fah­rens­rechts sind kein Selbst­zweck. Art. 19 Abs. 4 GG

 

- 32 -

ver­bie­tet, den Zu­gang zu den Ge­rich­ten in ei­ner aus Sach­gründen nicht zu recht­fer­ti­gen­den Wei­se zu er­schwe­ren (vgl. BVerfG 9. Au­gust 1991 - 1 BvR 630/91 - zu 111 der Gründe; BAG 27. No­vem­ber 2003 - 2 AZR 692/02 - zu B 11 a cc (1) der Gründe, BA­GE 109, 47).

b) Nach die­sen Grundsätzen ist die un­rich­ti­ge Be­zeich­nung der Be­klag­ten zu 1. in der Kla­ge­schrift da­hin aus­zu­le­gen, dass sich die Kla­ge von vorn­her­ein ge­gen die O S.A. un­ter Son­der­li­qui­da­ti­on, ver­tre­ten durch die Li­qui­da­to­rin E S.A., rich­te­te. Für die O S.A. war er­kenn­bar, dass die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ge­gen sie er­ho­ben wer­den soll­te. Dafür spricht ins­be­son­de­re das der Kla­ge­schrift bei­gefügte Kündi­gungs­schrei­ben. Dar­aus geht her­vor, dass die Kündi­gung un­ter dem Be­treff „O S.A. ./. ... hier: Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses“ erklärt wur­de und der un­ter­zeich­nen­de Rechts­an­walt G den Geschäftsführer der Son­der­li­qui­da­to­rin E S.A. ver­trat. Da­mit konn­ten bei ob­jek­ti­ver Würdi­gung kei­ne be­rech­tig­ten Zwei­fel be­ste­hen, dass sich die Kla­ge von An­fang an ge­gen die 0 S.A. als Be­klag­te zu 1. und nicht ge­gen die E S.A. rich­ten soll­te, die die Kündi­gung nur als Ver­tre­te­rin erklären ließ. Der Se­nat hat die un­ge­naue Par­tei­be­zeich­nung da­her rich­tig­ge­stellt.

2. Die Wirk­sam­keits­fik­ti­on des § 7 Halbs. 1 KSchG ist ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts nicht ein­ge­tre­ten. Die Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist ver­spätet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge je­doch zu Recht nachträglich zu­ge­las­sen.

a) Der Se­nat hat zu prüfen, ob die Kla­ge­frist versäumt und die Kla­ge ggf. nachträglich zu­zu­las­sen ist. Der An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist ein Hilfs­an­trag für den Fall, dass die Kla­ge ver­spätet ist. Das Ge­richt darf über den An­trag nur ent­schei­den, wenn es der An­sicht ist, der Kläger ha­be ver­spätet Kla­ge er­ho­ben (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 14; 28. Mai 2009 - 2 AZR 732/08 - Rn. 17, BA­GE 131, 105).

b) Die Kla­ge­frist ist versäumt. Das un­ter­zeich­ne­te Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift, das am 8. April 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ging, wahr­te we­der die Frist des § 4 Satz 1 KSchG noch die des § 4 Satz 4 KSchG.

 

- 33 -

aa) Der Se­nat kann of­fen­las­sen, ob für den Be­ginn der Frist nach § 4 Satz 1 KSchG auf den Zu­gang der Kündi­gung am 12. März 2010 oder nach § 4 Satz 4 KSchG auf die Be­kannt­ga­be des Be­scheids des Re­gie­rungs­präsi­di­ums Darm­stadt vom 2. März 2010 ab­zu­stel­len ist. Die Kla­ge­frist be­gann in bei­den Fällen am 12. März 2010 (vgl. BAG 9. Fe­bru­ar 2011 - 7 AZR 221/10 - Rn. 21, BA­GE 137, 113; 19. Fe­bru­ar 2009 - 2 AZR 286/07 - Rn. 23, 27; 13. Fe­bru­ar 2008 - 2 AZR 864/06 - Rn. 46, 48, BA­GE 125, 345; s. auch 23. Fe­bru­ar 2010 - 2 AZR 659/08 - Rn. 16, BA­GE 133, 249). Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat un­an­ge­grif­fen fest­ge­stellt, dass der Zu­gang der Kündi­gung und die Be­kannt­ga­be des Be­scheids, mit dem die Kündi­gung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG für zulässig erklärt wur­de, zeit­gleich er­folg­ten. Zu wel­chem der bei­den Er­eig­nis­se es zu­min­dest ei­ne lo­gi­sche Se­kun­de früher kam, ist für den Be­ginn der Kla­ge­frist am 12. März 2010 un­er­heb­lich (§ 222 Abs. 1 ZPO, § 187 Abs. 1 BGB).

bb) Die ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge war ver­spätet. Die dreiwöchi­ge Kla­ge­frist en­de­te am 6. April 2010, dem Diens­tag nach Os­tern (§ 222 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO, § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 Alt. 1, § 193 BGB; vgl. nur BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 38). Das un­ter­zeich­ne­te Ori­gi­nal der Kla­ge­schrift ging erst am 8. April 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein (§ 253 Abs. 1, § 167 ZPO). Die Be­klag­te zu 1. rügte die Ver­spätung der Kla­ge vor der nächs­ten münd­li­chen Ver­hand­lung am 6. April 2011 mit Schrift­satz vom 12. Ju­li 2010, der am 14. Ju­li 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ging. Des­halb kann auf sich be­ru­hen, ob sich die Be­klag­te zu 1. nach dem Hin­weis des Ar­beits­ge­richts vom 25. Ju­ni 2010 rüge­los iSv. § 295 Abs. 1 Alt. 2 ZPO auf den Man­gel der in­ner­halb der pro­zes­sua­len Kla­ge­er­he­bungs­frist nicht un­ter­schrie­be­nen Kla­ge­schrift hätte ein­las­sen können (so BAG 26. Ju­ni 1986 - 2 AZR 358/85 - zu B II 3 c der Gründe, BA­GE 52, 263; bestätigt von 6. Au­gust 1987 - 2 AZR 553/86 - zu II 2 d und e der Gründe; of­fen­ge­las­sen von BAG 18. Ja­nu­ar 2012 - 7 AZR 211/09 - Rn. 15, 20).

c) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu Recht nachträglich zu­ge­las­sen. Sei­ne Würdi­gung hält der re­vi­si­ons­recht­li­chen Prüfung stand.

 

- 34 -

aa) Nach § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG ist ei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nachträglich zu­zu­las­sen, wenn der Ar­beit­neh­mer nach er­folg­ter Kündi­gung trotz An­wen­dung al­ler ihm nach La­ge der Umstände zu­zu­mu­ten­den Sorg­falt ver­hin­dert war, die Kla­ge recht­zei­tig zu er­he­ben.

bb) Die­se Vor­aus­set­zung ist erfüllt. Der An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist zulässig und be­gründet.

(1) Der Zu­las­sungs­an­trag ist zulässig.

(a) Die Fris­ten des § 5 Abs. 3 KSchG sind ein­ge­hal­ten.

(aa) Die zweiwöchi­ge An­trags­frist des § 5 Abs. 3 Satz 1 KSchG ist ge­wahrt.

(aaa) Die An­trags­frist be­ginnt, wenn das Hin­der­nis, das der recht­zei­ti­gen Kla­ge­er­he­bung ent­ge­gen­stand, be­ho­ben ist. Der Be­griff des Hin­der­nis­ses in § 5 Abs. 3 Satz 1 KSchG knüpft an den der Ver­hin­de­rung in § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG an. Ist die fort­be­ste­hen­de Un­kennt­nis nicht länger un­ver­schul­det, be­ginnt die Zwei­wo­chen­frist. Das Ver­schul­den sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten wird dem Ar­beit­neh­mer nach § 85 Abs. 2 ZPO zu­ge­rech­net (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 41; 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 12 ff.; 11. De­zem­ber 2008 - 2 AZR 472/08 - Rn. 20 ff., BA­GE 129, 32). Es kommt dar­auf an, wann der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te er­kannt hat oder un­ter An­wen­dung der ihm zu­mut­ba­ren Sorg­falt hätte er­ken­nen müssen, dass die Kla­ge ver­spätet ist.

(bbb) Nach die­sen Grundsätzen ist die zweiwöchi­ge An­trags­frist ein­ge­hal­ten. Der da­ma­li­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin er­fuhr erst durch den ge­richt­li­chen Hin­weis vom 25. Ju­ni 2010, der ihm am 29. Ju­ni 2010 zu­ge­stellt wur­de, da­von, dass das am 6. April 2010 an das Ar­beits­ge­richt ver­sand­te Te­le­fax sei­ne Un­ter­schrift nicht ab­bil­de­te. Der An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ging am 2. Ju­li 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein und wur­de dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Be­klag­ten zu 1. am 9. Ju­li 2010 zu­ge­stellt.

 

- 35 -

(bb) Die sechs­mo­na­ti­ge Frist des § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG ist ein­ge­hal­ten. Sie be­gann mit dem En­de der Kla­ge­frist des § 4 KSchG am 6. April 2010 (§ 222 Abs. 1 und Abs. 2 ZPO, § 187 Abs. 1, § 188 Abs. 2 Alt. 1, § 193 BGB). Sie en­de­te am 6. Ok­to­ber 2010 (vgl. BAG 28. Ja­nu­ar 2010 - 2 AZR 985/08 - Rn. 10 f., BA­GE 133, 149). Der am 2. Ju­li 2010 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­ne und der Be­klag­ten zu 1. am 9. Ju­li 2010 zu­ge­stell­te Zu­las­sungs­an­trag wahr­te da­mit die Sechs­mo­nats­frist des § 5 Abs. 3 Satz 2 KSchG.

(b) Der Zu­las­sungs­an­trag genügt auch den for­mel­len Er­for­der­nis­sen des § 5 Abs. 2 Satz 2 KSchG.

(aa) Da­nach muss der An­trag auf nachträgli­che Kla­ge­zu­las­sung die An­ga­be der die Zu­las­sung be­gründen­den Tat­sa­chen und der Mit­tel für de­ren Glaub­haft­ma­chung ent­hal­ten. Zwi­schen der Ver­fah­rens­vor­aus­set­zung der An­ga­be der Mit­tel der Glaub­haft­ma­chung und der Glaub­haft­ma­chung der Tat­sa­chen, die die Zu­las­sung be­gründen, ist zu un­ter­schei­den. Um der Ver­fah­ren­s­an­for­de­rung des § 5 Abs. 2 Satz 2 KSchG ge­recht zu wer­den, genügt die An­ga­be der Mit­tel der Glaub­haft­ma­chung. Die Glaub­haft­ma­chung selbst ist ei­ne be­son­de­re Art der Be­weisführung, die auch noch später er­fol­gen kann.

(bb) Der An­trag vom 2. Ju­li 2010 wird die­sen Er­for­der­nis­sen ge­recht. Er­nennt mit dem de­tail­liert ge­schil­der­ten Büro­ver­se­hen der Kanz­lei­an­ge­stell­ten K die Umstände, die die Zu­las­sung be­gründen sol­len. Als Mit­tel der Glaub­haft­ma­chung ist kon­klu­dent die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung die­ser Ar­beit­neh­me­rin an­ge­ge­ben, die dem An­trag bei­gefügt war.

(2) Der Zu­las­sungs­an­trag ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat Tat­sa­chen fest­ge­stellt, die es ihm er­laub­ten, dar­auf zu schließen, dass die Kläge­rin un­ver­schul­det iSv. § 5 Abs. 1 Satz 1 KSchG ge­hin­dert war, die Kla­ge ge­gen die Kündi­gung vom 10. März 2010 recht­zei­tig zu er­he­ben. Der von der Be­klag­ten zu 1. mit der Be­ru­fungs­er­wi­de­rung be­strit­te­ne Vor­trag der Kläge­rin ist nach der rechts­feh­ler­frei­en Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts schlüssig und durch die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung der Kanz­lei­an­ge­stell­ten K glaub­haft ge­macht. Da­ge­gen hat die Be­klag­te zu 1. auch kei­ne Ge­genrügen er­ho­ben.


- 36 -

(a) Die Kläge­rin hat mit Schrift­satz ih­res da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 2. Ju­li 2010 dar­ge­legt, die­ser ha­be die Kla­ge­schrift am 1. April 2010 ge­fer­tigt. Er ha­be die seit vie­len Jah­ren in Voll­zeit bei ihm beschäftig­te Kanz­lei­an­ge­stell­te K ge­be­ten, dem Ar­beits­ge­richt den zwei­sei­ti­gen Schrift­satz vor­ab per Te­le­fax zu über­mit­teln und ihn da­nach mit dem um­fang­rei­chen An­la­gen­kon­vo­lut mit nor­ma­ler Post zu ver­sen­den. In der Ak­te sei für die Te­le­faxüber­mitt­lung ei­ne wei­te­re un­ter­zeich­ne­te Fas­sung der Kla­ge­schrift zurück­be­hal­ten wor­den. Der frühe­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin sei in der Fol­ge ver­reist und am 11. April 2010 zurück­ge­kehrt. Frau K ha­be ihn nach sei­ner Rück­kehr darüber in­for­miert, dass sie die Kla­ge­schrift am 1. April 2010 per Te­le­fax nicht mehr er­folg­reich ha­be ver­sen­den können. Sie ha­be meh­re­re St­un­den ver­sucht, den Schrift­satz zu über­mit­teln, je­doch kei­ne po­si­ti­ve Rück­bestäti­gung im Sen­de­pro­to­koll er­hal­ten. Ständig sei­en Feh­ler­mel­dun­gen ein­ge­gan­gen. Sie ha­be des­we­gen am 6. April 2010, dem Tag des Frist­ab­laufs, bei der Geschäfts­stel­le des Ar­beits­ge­richts an­ge­ru­fen und nach­ge­fragt, ob der Schrift­satz dort im Ori­gi­nal ein­ge­gan­gen sei. Nach­dem das ver­neint wor­den sei, ha­be sie dem Ar­beits­ge­richt den Schrift­satz am 6. April 2010 - nun er­folg­reich - per Te­le­fax über­sandt und ver­se­hent­lich ei­ne nicht un­ter­schrie­be­ne Fas­sung ver­wandt. Der da­ma­li­ge Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin hat fer­ner aus­geführt, Frau K sei sonst ab­so­lut zu­verlässig. Er könne sich nicht er­in­nern, wann ihr zu­vor je­mals ein sol­cher Feh­ler pas­siert sei.

(b) Nach die­sem durch die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung der Kanz­lei­an­ge­stell­ten K vom 2. Ju­li 2010 glaub­haft ge­mach­ten Vor­brin­gen trifft die Kläge­rin nach der re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­den Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts kein Ver­schul­den an der Versäum­ung der Kla­ge­frist. Ihr fällt we­der ein ei­ge­nes noch ein ihr nach § 85 Abs. 2 ZPO zu­zu­rech­nen­des frem­des (Or­ga­ni­sa­ti­ons-)Ver­schul­den ih­res frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten zur Last. Das Ver­schul­den von des­sen Kanz­lei­an­ge­stell­ter, die als Te­le­faxvor­la­ge ei­ne nicht un­ter­schrie­be­ne Fas­sung der Kla­ge­schrift ver­wand­te, ist der Kläge­rin nicht zu­zu­rech­nen.

 

- 37 -

(aa) Das Ver­schul­den ei­nes (Pro­zess-)Be­vollmäch­tig­ten an der Versäum­ung der Kla­ge­frist ist dem Ar­beit­neh­mer nach § 85 Abs. 2 ZPO zu­zu­rech­nen (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 41; 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 18; 11. De­zem­ber 2008 - 2 AZR 472/08 - Rn. 23 ff., BA­GE 129, 32). Ein Ar­beit­neh­mer, der sich zur Kla­ge­er­he­bung ei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten be­dient, haf­tet dem­ge­genüber nicht für das Ver­schul­den von Hilfs­per­so­nen sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten. Ein Rechts­an­walt darf ein­fa­che Ver­rich­tun­gen, die kei­ne ju­ris­ti­sche Schu­lung ver­lan­gen, sei­nem ge­schul­ten und zu­verlässi­gen Büro­per­so­nal zur selbständi­gen Er­le­di­gung über­tra­gen. Ver­se­hen die­ses Per­so­nals, die nicht auf ei­ge­nes Ver­schul­den des Rechts­an­walts zurück­zuführen sind, hat die Par­tei nicht zu ver­tre­ten. Sol­che ein­fa­chen Tätig­kei­ten sind die Über­prüfung be­stim­men­der Schriftsätze auf die er­for­der­li­che Un­ter­schrift und das Ab­sen­den ei­nes Te­le­fa­xes. Der Rechts­an­walt muss al­ler­dings durch ei­ne all­ge­mei­ne An­wei­sung Vor­sor­ge dafür ge­trof­fen ha­ben, dass bei nor­ma­lem Lauf der Din­ge Frist­versäum­nis­se we­gen feh­len­der Un­ter­schrift ver­mie­den wer­den (vgl. BVerfG 14. De­zem­ber 2001 - 1 BvR 1009/01 - zu B 12 a der Gründe mwN). Den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten darf kein ei­ge­nes Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den an der Frist­versäum­ung tref­fen, et­wa bei der Aus­wahl oder Über­wa­chung der Hilfs­per­son (vgl. BAG 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 19).

(bb) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt ist oh­ne Rechts­feh­ler da­von aus­ge­gan­gen, dass den da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin kein Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den traf. Die Kläge­rin hat die tatsächli­chen Abläufe am 1. und 6. April 2010 in der Kanz­lei ih­res frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten verständ­lich und ge­schlos­sen ge­schil­dert. Aus ih­nen er­gibt sich, auf wel­chen Umständen die Frist­versäum­ung be­ruht und dass ihr kein Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den des da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin zu­grun­de liegt (vgl. BAG 28. Mai 2009 - 2 AZR 548/08 - Rn. 21).

(aaa) So­weit das Lan­des­ar­beits­ge­richt es für plau­si­bel ge­hal­ten hat, dass we­gen des zu ver­sen­den­den Te­le­fa­xes ei­ne wei­te­re un­ter­schrie­be­ne Fas­sung der Kla­ge­schrift vom 1. April 2010 in der Hand­ak­te des frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ver­blieb, hat es sich da­mit in sei­nem tatrich­ter­li­chen


- 38 -

Wer­tungs­spiel­raum ge­hal­ten (vgl. BAG 22. März 2012 - 2 AZR 224/11 - Rn. 36).

(bbb) Nach dem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­ten Sach­ver­halt ist hier über ei­ne all­ge­mei­ne An­wei­sung hin­aus ei­ne kon­kre­te An­wei­sung des da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ge­genüber Frau K zur Über­mitt­lung ei­ner un­ter­schrie­be­nen Fas­sung der Kla­ge­schrift vom 1. April 2010 per Te­le­fax er­folgt. Sie er­gibt sich schon dar­aus, dass der frühe­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin vor­ge­tra­gen hat, er ha­be die An­ge­stell­te K ge­be­ten, dem Ar­beits­ge­richt die Kla­ge­schrift vor­ab per Te­le­fax zu über­mit­teln und sie erst da­nach mit gewöhn­li­cher Post zu ver­sen­den. Er ging dem­nach vor­ran­gig vom Ver­sand der­sel­ben Fas­sung der Kla­ge­schrift so­wohl per Te­le­fax als auch mit der Post aus. Auf die ergänzen­den Ausführun­gen des da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin zu ei­ner all­ge­mei­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­an­wei­sung mit Schrei­ben vom 11. Ju­li 2011 braucht des­halb nicht zurück­ge­grif­fen zu wer­den.

(c) Das vom frühe­ren Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin mit dem Zu­las­sungs­an­trag vom 2. Ju­li 2010 nach der nicht zu be­an­stan­den­den Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts schlüssig wie­der­ge­ge­be­ne Ge­sche­hen am 1. und 6. April 2010 so­wie die kon­kre­te An­wei­sung am 1. April 2010 sind durch die ei­des­statt­li­che Ver­si­che­rung der An­ge­stell­ten K vom 2. Ju­li 2010 glaub­haft ge­macht.

(aa) Die Glaub­haft­ma­chung braucht dem Rich­ter nicht die vol­le Über­zeu­gung des § 286 Abs. 1 Satz 1 ZPO zu ver­mit­teln, son­dern lässt ei­nen ge­rin­ge­ren Grad der Wahr­schein­lich­keit - die über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit - aus­rei­chen. Das ist der Fall, wenn bei um­fas­sen­der Würdi­gung der Umstände des Ein­zel­falls mehr für als ge­gen die Be­haup­tung spricht (vgl. BAG 7. No­vem­ber 2012 - 7 AZR 314/12 - Rn. 40). Die­se Würdi­gung ist - eben­so wie die Be­weiswürdi­gung - grundsätz­lich Sa­che des Tatrich­ters. Das Re­vi­si­ons- oder Rechts­be­schwer­de­ge­richt darf die tatrich­ter­li­che Würdi­gung nur auf Rechts­feh­ler über­prüfen (vgl. BGH 21. Ok­to­ber 2010 - V ZB 210/09 - Rn. 7). Für die Glaub­haft­ma­chung kann sich der An­trag­stel­ler al­ler Be­weis­mit­tel ein­sch­ließlich der Ver­si­che­rung an Ei­des statt be­die­nen (§ 294 Abs. 1 ZPO).

 

- 39 -

(bb) Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, der vom da­ma­li­gen Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ge­schil­der­te Ge­sche­hens­ab­lauf am 1. und 6. April 2010 sei auf­grund der Plau­si­bi­lität des Vor­trags und der ei­des­statt­li­chen Ver­si­che­rung von Frau K über­wie­gend wahr­schein­lich, ist frei von Rechts­feh­lern. Die glaub­haft ge­mach­ten Vorgänge schließen ein der Kläge­rin zu­zu­rech­nen­des Ver­schul­den an der Versäum­ung der Kla­ge­frist aus.

(cc) Der frühe­re Pro­zess­be­vollmäch­tig­te der Kläge­rin muss­te die Verläss­lich­keit der bei ihm langjährig beschäftig­ten Ar­beit­neh­me­rin K nicht glaub­haft ma­chen, um ein der Kläge­rin zu­zu­rech­nen­des Or­ga­ni­sa­ti­ons­ver­schul­den sei­ner­seits aus­zu­sch­ließen.

(aaa) Im Zu­sam­men­hang mit ei­nem An­trag auf nachträgli­che Zu­las­sung müssen nur be­strit­te­ne Umstände glaub­haft ge­macht wer­den (vgl. LAG Nürn­berg 4. De­zem­ber 2006 - 7 Ta 207/06 - zu 113 a und b der Gründe). Der Pro­zess­geg­ner hat die Möglich­keit, Kennt­nis von den vor­ge­brach­ten Zu­las­sungs­tat­sa­chen zu neh­men und sie zu be­strei­ten. Der Zu­las­sungs­an­trag ist dem Geg­ner an­ders als zB der Ar­rest­an­trag (§ 920 Abs. 1 und Abs. 2, § 922 Abs. 3 ZPO) stets zu­zu­stel­len, wie sich aus § 5 Abs. 2 Satz 1 und Abs. 4 Satz 1 KSchG er­gibt.

(bbb) Die Be­klag­te zu 1. hat die bis­he­ri­ge Verläss­lich­keit der Fach­an­ge­stell­ten K nicht be­strit­ten. Sie brauch­te des­halb nicht glaub­haft ge­macht zu wer­den.

IV. Die ge­gen die Be­klag­te zu 1. ge­rich­te­te Kündi­gungs­schutz­kla­ge ist nicht un­schlüssig, weil die Kläge­rin vor­ran­gig be­haup­tet, ihr Ar­beits­verhält­nis sei im Weg ei­nes Be­triebsüber­gangs be­reits am 29. Sep­tem­ber oder 1. Ok­to­ber 2009, al­so vor Zu­gang der Kündi­gung am 12. März 2010, auf die frühe­re Be­klag­te zu 2. über­ge­gan­gen. Die Kläge­rin hat sich hilfs­wei­se dar­auf be­ru­fen, die Kündi­gung sei we­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs, der erst zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt statt­ge­fun­den ha­be, erklärt wor­den. Höchst hilfs­wei­se hat sie sich das Vor­brin­gen der Be­klag­ten zu 1. und der frühe­ren Be­klag­ten zu 2. zu ei­gen ge­macht, es sei nicht zu ei­nem Be­triebsüber­gang ge­kom­men, und ih­re Kla­ge

 

- 40 -

auch dar­auf gestützt. Da­mit ist die Kla­ge je­den­falls nach dem Hilfs­vor­brin­gen schlüssig (vgl. BAG 15. De­zem­ber 2011 - 8 AZR 692/10 - Rn. 20).

V. Der Haupt­an­trag zu 3. ist un­be­gründet. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin und der Be­klag­ten zu 1. wur­de durch die Kündi­gung vom 10. März 2010 mit dem 30. Ju­ni 2010 be­en­det. Da­her kann auch nicht fest­ge­stellt wer­den, dass das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin mit der Be­klag­ten zu 1. über den 30. Ju­ni 2010 hin­aus fort­be­steht. Der Se­nat hat nicht darüber zu ent­schei­den, ob der ge­gen die Be­klag­te zu 1. mit dem An­trag zu 4. ge­rich­te­te all­ge­mei­ne Fest­stel­lungs­an­trag nach § 256 Abs. 1 ZPO zulässig ist. Er ist nach ge­bo­te­ner Aus­le­gung nur für den Fall ge­stellt, dass die Kläge­rin mit dem Kündi­gungs­schutz­an­trag ob­siegt.

1. Es ist nicht un­klar, durch wen und in wes­sen Na­men die Kündi­gung erklärt wur­de. Die Aus­le­gung der Voll­machts­ur­kun­de er­gibt, dass Rechts­an­walt G von der E S.A. als Son­der­li­qui­da­to­rin der Be­klag­ten zu 1. be­vollmäch­tigt wur­de, die Kündi­gung zu erklären.

a) Die Er­tei­lung ei­ner Voll­macht ist ei­ne rechts­geschäft­li­che Wil­lens­erklärung, de­ren In­halt durch Aus­le­gung nach § 133 BGB zu er­mit­teln ist (vgl. BAG 10. Au­gust 1977 - 5 AZR 394/76 - zu I 1 a bb der Gründe). Maßgeb­lich ist bei ei­ner in ei­ner Ur­kun­de ver­laut­bar­ten Voll­macht die Verständ­nismöglich­keit des Geschäfts­geg­ners, hier der Kläge­rin. Da­bei können auch In­halt und Zweck des zu­grun­de lie­gen­den Geschäfts berück­sich­tigt wer­den, so­fern es sich um Umstände han­delt, die dem Geschäfts­geg­ner be­kannt sind (vgl. BGH 9. Ju­li 1991 - XI ZR 218/90 - zu 2 a der Gründe).

b) In der Voll­machts­ur­kun­de vom 11. De­zem­ber 2009 heißt es un­miss­verständ­lich, dass die E S.A., ver­tre­ten durch den Vor­stand, als „Son­der­li­qui­da­tor" über das Vermögen der Be­klag­ten zu 1. Rechts­an­walt G be­vollmäch­ti­ge, die Kündi­gung zu erklären. Der Na­me der E S.A. ist durch Großbuch­sta­ben her­vor­ge­ho­ben. Sie wird be­reits da­durch ein­deu­tig als Voll­macht­ge­be­rin ge­kenn­zeich­net.


- 41 -

c) Selbst wenn das Ver­wal­tungs­rats­mit­glied der E S.A. Ma nach grie­chi­schem Ge­sell­schafts­recht im Verhält­nis zu Drit­ten nicht al­lein­ver­tre­tungs­be­rech­tigt ge­we­sen sein soll­te mit der Fol­ge ei­ner mängel­be­haf­te­ten Be­vollmäch­ti­gung von Rechts­an­walt G, konn­te die E S.A. die Kündi­gung ge­neh­mi­gen.

aa) Wel­ches Recht auf die Pro­ble­me ei­ner rechts­geschäft­li­chen Voll­macht bei grenzüber­schrei­ten­den Sach­ver­hal­ten an­zu­wen­den ist (Voll­machts­sta­tut), ist ge­setz­lich nicht ge­re­gelt. Auch die hier noch nicht an­wend­ba­re Rom I-Ver­ord­nung be­stimmt da­zu nichts. Zum Schutz des Ver­kehrs­in­ter­es­ses muss das Voll­machts­sta­tut nach ei­ge­nen An­knüpfungs­re­geln er­mit­telt wer­den. Die Voll­macht wird nicht ge­ne­rell dem Recht, das für das vom Ver­tre­ter vor­ge­nom­me­ne Rechts­geschäft gilt, un­ter­stellt (vgl. Heinz Das Voll­machts­sta­tut S. 5; Pa-landt/Thorn BGB 72. Aufl. 1PR Anh. zu Art. 10 EGBGB Rn. 1). Die Voll­macht ist nicht Be­stand­teil des Haupt­geschäfts, son­dern in ih­ren Vor­aus­set­zun­gen und Wir­kun­gen von die­sem un­abhängig. Sie kann des­we­gen Ge­gen­stand ei­genständi­ger kol­li­si­ons­recht­li­cher In­ter­es­sen sein (vgl. Heinz aaO S. 14 mwN). Das Voll­machts­sta­tut be­stimmt sich grundsätz­lich nach dem Recht des Staats, in dem von der Voll­macht Ge­brauch ge­macht wird oder wer­den soll, al­so nach dem Recht des Wir­kungs­orts (vgl. BGH 17. No­vem­ber 1994 -111 ZR 70/93 - zu 112 b der Gründe, BGHZ 128, 41; 26. April 1990 - VII ZR 218/89 - zu II 1 c der Gründe).

bb) Das Voll­machts­sta­tut be­stimmt sich hier nach deut­schem Recht. Die auf Rechts­an­walt G lau­ten­de Voll­macht wur­de zwar in Athen aus­ge­stellt. Von ihr soll­te aber Ge­brauch ge­macht wer­den, um in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ei­ne Kündi­gung zu erklären. Die Kündi­gungs­erklärung soll­te mit Wir­kung für und ge­gen die E S.A. als ge­setz­li­che Ver­tre­te­rin der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ab­ge­ge­ben wer­den und er­folg­te auch dort.

cc) Das Voll­machts­sta­tut ist für al­le Fra­gen maßgeb­lich, die die Voll­macht selbst be­tref­fen. Es er­streckt sich auf das Be­ste­hen der Voll­macht, ins­be­son­de­re die Fra­ge der wirk­sa­men Er­tei­lung der Voll­macht, auf ih­ren In­halt, ih­ren Um­fang und ih­re Aus­le­gung so­wie ih­re Dau­er und Be­en­di­gung. Auch die Wirk­sam­keit er­teil­ter Un­ter­voll­mach­ten und die Fra­ge, ob die Voll­macht über-

 

- 42 -

schrit­ten oder miss­braucht wur­de, rich­tet sich nach dem Voll­machts­sta­tut (vgl. Heinz Das Voll­machts­sta­tut S. 28 f.; Lei­b­le 1PRax 1998, 257, 258; Pa­landt/Thorn BGB 72. Aufl. 1PR Anh. zu Art. 10 EGBGB Rn. 3).

dd) Die Rüge der un­wirk­sa­men Er­tei­lung der Voll­macht an Rechts­an­walt G al­lein durch das Ver­wal­tungs­rats­mit­glied Ma greift je­den­falls we­gen ei­ner wirk­sa­men, kon­klu­dent durch die Pro­zessführung der Son­der­li­qui­da­to­rin für die Be­klag­te zu 1. er­teil­ten Ge­neh­mi­gung nicht durch.

(1) Die or­gan­schaft­li­che Ver­tre­tung der E S.A. rich­tet sich als ge­sell­schafts­recht­li­che Fra­ge nach dem Ge­sell­schafts­sta­tut und da­mit nach grie­chi­schem Recht. Nach Art. 14 A Nr. 4 Satz 3 des Ge­set­zes 3429/2005 ver­tritt der Li­qui­da­tor das Un­ter­neh­men nach sei­ner Ein­set­zung. Die ge­setz­li­che Be­stim­mung re­gelt die or­gan­schaft­li­che Ver­tre­tung der Ak­ti­en­ge­sell­schaft 0 S.A. im Rah­men der Son­der­li­qui­da­ti­on, mit an­de­ren Wor­ten ei­ne ge­sell­schafts­recht­li­che Fra­ge. Das Ge­sell­schafts­sta­tut von Ge­sell­schaf­ten, die in ei­nem Mit­glied­staat der Eu­ropäischen Uni­on ge­gründet wur­den, be­stimmt sich nach dem Gründungs­ort, um die uni­ons­recht­lich verbürg­te Nie­der­las­sungs­frei­heit zu wah­ren (vgl. BGH 21. Ju­li 2011 - IX ZR 185/10 - Rn. 22, BGHZ 190, 364; 12. Ju­li 2011 - II ZR 28/10 - Rn. 17, BGHZ 190, 242; s. auch EuGH 30. Sep­tem­ber 2003 - C-167/01 - [In­spi­re Art] Rn. 58 ff., Slg. 2003, 1-10155; 5. No­vem­ber 2002 - C-208/00 - [Über­see­ring] Rn. 52 ff., Slg. 2002, 1-9919). Die Be­klag­te zu 1. ist ei­ne in Grie­chen­land ge­gründe­te Ge­sell­schaft.

(2) Die Kläge­rin hat gel­tend ge­macht, Herr Ma sei für die E S.A. nicht al­lein­ver­tre­tungs­be­rech­tigt ge­we­sen. Da­mit hat sie sich auf ein Rechts­gut­ach­ten be­zo­gen, das vom Ar­beits­ge­richt Frank­furt am Main in den Sa­chen - 2 Ca 399/10 - bis - 2 Ca 402/10 - ein­ge­holt wur­de. Das Rechts­gut­ach­ten ist un­ter dem 22. No­vem­ber 2011 von dem Athe­ner Pro­fes­sor für Ar­beits- und So­zi­al­recht Prof. Dr. Ni­ki­tas Ali­pran­tis er­stellt wor­den. Das Gut­ach­ten kommt zu meh­re­ren Er­geb­nis­sen. Die un­ter­blie­be­ne Veröffent­li­chung der geänder­ten Zu­sam­men­set­zung des Vor­stands der E S.A. und der Al­lein­ver­tre­tungs­be­rech­ti­gung von Herrn Ma ver­let­ze das im ein­fa­chen grie­chi­schen Ge­set­zes­recht ver­an­ker­te, uni­ons­recht­lich de­ter­mi­nier­te ma­te­ri­el­le Pu­bli­zitätsprin­zip. Das ha­be


- 43 -

zur Fol­ge, dass die Be­klag­te zu 1. Kündi­gun­gen gekündig­ten Per­so­nen nicht ent­ge­gen­hal­ten könne. Ei­ne sog. Bestäti­gung der Kündi­gung ha­be den Man­gel nach grie­chi­schem Recht nicht hei­len können.

(3) Der Se­nat kann of­fen­las­sen, ob die Kläge­rin ei­ne Ge­genrüge im en­ge­ren Sinn, al­so ei­ne Ver­fah­rensrüge iSv. § 551 Abs. 3 Satz 1 Nr. 2 Buchst. b, § 557 Abs. 3 Satz 2 ZPO er­he­ben muss­te, um die un­ter­blie­be­ne Er­mitt­lung ausländi­schen Rechts zu be­an­stan­den.

(a) Da­ge­gen spricht, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richt an­nimmt, das Re­vi­si­ons­ge­richt sei ver­pflich­tet, nach § 293 ZPO im Weg des Frei­be­wei­ses ei­ge­ne Er­mitt­lun­gen hin­sicht­lich des ausländi­schen Rechts an­zu­stel­len, weil es sich um die Er­mitt­lung von Recht und nicht um Tat­sa­chen­fest­stel­lun­gen hand­le (vgl. schon BAG 10. April 1975 - 2 AZR 128/74 - zu IV 2 der Gründe, BA­GE 27, 99; s. auch 13. Fe­bru­ar 1992 - 8 AZR 216/91 - zu III 2 b der Gründe). Ggf. ver­langt das Bun­des­ar­beits­ge­richt An­halts­punk­te im Vor­trag der Par­tei­en, um ei­ne wei­te­re Er­mitt­lungs­pflicht zu be­gründen (vgl. BAG 29. Ok­to­ber 1992 - 2 AZR 267/92 - zu VI der Gründe, BA­GE 71, 297; s. auch 17. Ja­nu­ar 1985 - 2 AZR 5/84 - zu A II 3 der Gründe). Al­ler­dings ist das Ge­richt an die recht­li­che Einschätzung der Par­tei­en nicht ge­bun­den (vgl. BAG 9. De­zem­ber 1976 - 2 AZR 581/75 - zu III 2 a der Gründe).

(b) Der Bun­des­ge­richts­hof geht dem­ge­genüber da­von aus, dass ausländi­sches Recht je­den­falls nach § 545 Abs. 1 ZPO in der bis 31. Au­gust 2009 gel­ten­den Fas­sung nicht re­vi­si­bel ist. Zulässig ist nach sei­ner Auf­fas­sung je­doch ei­ne auf § 293 ZPO gestütz­te Ver­fah­rensrüge, mit der die un­zu­rei­chen­de oder feh­ler­haf­te Er­mitt­lung des ausländi­schen Rechts durch das Tat­sa­chen­ge­richt gel­tend ge­macht wird (vgl. nur BGH 20. Ju­li 2012 - V ZR 142/11 - Rn. 33; 21. De­zem­ber 2011 - I ZR 144/09 - Rn. 11; 20. Ja­nu­ar 2009 - VIII ZB 47/08 - Rn. 17).

(c) Der Se­nat kann zu­guns­ten der Kläge­rin an­neh­men, dass die­se die feh­ler­haf­te Er­mitt­lung des grie­chi­schen Rechts nicht durch Rüge des § 293 ZPO be­an­stan­den muss­te oder sie ei­ne ord­nungs­gemäße Ver­fah­rensrüge


- 44 -

er­ho­ben hat. Auf die Fra­ge der Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung ist deut­sches Recht an­zu­wen­den.

(aa) Der Se­nat lässt of­fen, ob die Ge­neh­mi­gung ei­nes voll­macht­los vor­ge­nom­me­nen Rechts­geschäfts dem Voll­machts­sta­tut oder dem Geschäfts­sta­tut un­ter­liegt. Nach über­wie­gen­der Auf­fas­sung ent­schei­det das Geschäfts­sta­tut über die Zulässig­keit ei­ner Ver­tre­tung oh­ne Ver­tre­tungs­macht so­wie über die Ge­neh­mi­gungsfähig­keit, das „Wie" und die Wir­kun­gen ei­ner Ge­neh­mi­gung. Das wird da­mit be­gründet, dass die Ge­neh­mi­gung nicht die Voll­macht nachträglich hei­len oder ergänzen sol­le, son­dern die Hei­lung des Haupt­geschäfts an­stre­be. Ei­ne an­de­re Auf­fas­sung will auch das für die Ge­neh­mi­gung voll­macht­lo­ser Rechts­geschäfte maßgeb­li­che Recht nach dem Voll­machts­sta­tut be­stim­men (vgl. Heinz Das Voll­machts­sta­tut S. 31 º.; Lei­b­le IPRax 1998, 257, 259, je­weils mwN zum Streit­stand). Die Fra­ge braucht nicht be­ant­wor­tet zu wer­den, weil auf die Kündi­gung deut­sches Recht an­zu­wen­den ist. Wird nicht auf das Voll­machts­sta­tut, son­dern auf das Geschäfts­sta­tut ab­ge­stellt, be­stimmt sich die Ge­neh­mi­gung voll­macht­lo­sen Han­delns al­so eben­falls nach deut­schem Recht.

(bb) Die Son­der­li­qui­da­to­rin E S.A. ge­neh­mig­te durch ih­re Pro­zessführung für die Be­klag­te zu 1. und ins­be­son­de­re durch die sog. Bestäti­gung vom 23. Fe­bru­ar 2011 kon­klu­dent Hand­lun­gen von Herrn Ma oh­ne Ver­tre­tungs­macht und da­mit zu­gleich Hand­lun­gen von Rechts­an­walt G oh­ne rechts­geschäft­li­che Voll­macht.

(aaa) Die Kündi­gung ist nach deut­schem Recht ein ein­sei­ti­ges Rechts­geschäft, bei dem ei­ne Ver­tre­tung oh­ne Ver­tre­tungs­macht un­zulässig ist (§ 180 Satz 1 BGB). Nach § 180 Satz 2 BGB fin­det aber § 177 Abs. 1 BGB ent­spre­chen­de An­wen­dung, wenn der Erklärungs­empfänger die vom Ver­tre­ter be­haup­te­te Ver­tre­tungs­macht nicht „bei der Vor­nah­me des Rechts­geschäfts" be­an­stan­det (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - Rn. 14; 16. De­zem­ber 2010 - 2 AZR 485/08 - Rn. 13; aA außer­halb der Kündi­gung von Ar­beits­verhält­nis­sen BGH 22. Ok­to­ber 1999 - V ZR 401/98 - zu II 1 b der Gründe, BGHZ 143, 42; 29. Mai 1991 - VIII ZR 214/90 - zu II 2 b der Gründe, BGHZ 114, 360). Die Ge­neh­mi­gung wirkt dann nach § 184 Abs. 1 BGB auf den Zeit­punkt der Vor-

 

- 45 -

nah­me des Rechts­geschäfts zurück (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - aaO). Will der Erklärungs­geg­ner die­se Rechts­fol­ge ab­wen­den, muss er die Ver­tre­tungs­macht un­verzüglich iSv. § 174 Satz 1, § 121 Abs. 1 Satz 1 BGB rügen (vgl. BAG 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 699/96 - zu B I der Gründe). Ge­schieht das nicht, ist die Kündi­gung dem Ar­beit­ge­ber mit Zu­gang der Ge­neh­mi­gung beim Ar­beit­neh­mer zu­zu­rech­nen (vgl. BAG 6. Sep­tem­ber 2012 - 2 AZR 858/11 - aa0; 26. März 2009 - 2 AZR 403/07 - Rn. 21 mwN).

(bbb) Die Kläge­rin rügte die Voll­macht von Rechts­an­walt G nicht un­verzüglich, son­dern frühes­tens mit der Kla­ge­schrift vom 1. April 2010 und da­mit deut­lich über ei­ne Wo­che nach Zu­gang der Kündi­gung am 12. März 2010.

(aaaa) Die Zurück­wei­sung ei­ner Kündi­gungs­erklärung ist nach ei­ner Zeit­span­ne von mehr als ei­ner Wo­che nicht un­verzüglich iSv. § 174 Satz 1 BGB, wenn kei­ne be­son­de­ren Umstände vor­lie­gen. Die­se Grundsätze gel­ten auch für die Rüge der Voll­macht „bei der Vor­nah­me des Rechts­geschäfts" iSv. § 180 Satz 2 iVm. § 177 Abs. 1 BGB. Be­an­stan­det der Gekündig­te die Voll­macht nicht un­verzüglich, kann der Ver­tre­te­ne die Kündi­gung ge­neh­mi­gen. Die Wo­chen­frist be­ginnt mit der tatsächli­chen Kennt­nis des Empfängers von der Kündi­gung. Es soll schnell geklärt wer­den, ob er die Wirk­sam­keit der Kündi­gung un­ter for­ma­len Ge­sichts­punk­ten in­fra­ge stellt. Die Rüge ist an kei­ner­lei Nach­for­schun­gen über die wirk­li­chen Ver­tre­tungs- und Voll­machts­verhält­nis­se ge­bun­den und er­for­dert auch kei­nen schwie­ri­gen Abwägungs­pro­zess. Ei­ne Zeit­span­ne von ei­ner Wo­che ist des­halb un­ter gewöhn­li­chen Umständen aus­rei­chend, um die Ent­schei­dung über die Rüge zu tref­fen (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 67; für § 174 Satz 1 BGB 8. De­zem­ber 2011 - 6 AZR 354/10 - Rn. 33).

(bbbb) Die Kläge­rin hat hier nicht vor­ge­bracht, von der Kündi­gung nicht be­reits am Tag ih­res Zu­gangs am 12. März 2010 Kennt­nis er­langt zu ha­ben. Sie hat auch kei­ne be­son­de­ren Umstände für die Über­schrei­tung der Wo­chen­frist gel­tend ge­macht. Die Kündi­gung war da­mit nach § 177 Abs. 1, § 180 Satz 2 BGB ge­neh­mi­gungsfähig.


- 46 -

(cccc) Ei­ne sol­che Ge­neh­mi­gung er­teil­te die E S.A. als Son­der­li­qui­da­to­rin im Ver­lauf des Rechts­streits durch ih­ren ge­sam­ten Ver­wal­tungs­rat kon­klu­dent durch ih­re Pro­zessführung für die Be­klag­te zu 1. Dass der ge­sam­te Ver­wal­tungs­rat der Son­der­li­qui­da­to­rin das Han­deln von Herrn Ma ge­neh­mig­te, er­gibt sich aus dem vom Kläger selbst vor­ge­leg­ten Gut­ach­ten von Prof. Dr. Ali­pran­tis. Es be­han­delt auf S. 4 die sog. Bestäti­gung des Ver­wal­tungs­rats der Son­der­li­qui­da­to­rin vom 23. Fe­bru­ar 2011, mit dem al­le Ver­wal­tungs­rats­mit­glie­der auf die durch­ge­hend be­ste­hen­den Ein­zel­ver­tre­tungs­be­fug­nis­se von Herrn Ma für die Son­der­li­qui­da­to­rin hin­wie­sen. Die Ge­neh­mi­gung ei­ner Kündi­gung kann durch schlüssi­ges Han­deln er­fol­gen (vgl. BAG 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 699/96 - zu B 1 der Gründe). Die­se Ge­neh­mi­gung der Kündi­gung durch das Pro­zess­ver­hal­ten der E S.A. für die Be­klag­te zu 1. ging der Kläge­rin im Pro­zess­ver­lauf zu (vgl. BAG 11. De­zem­ber 1997 - 8 AZR 699/96 - aa0; LAG Düssel­dorf 17. Ja­nu­ar 2008 - 13 Sa 1988/07 - zu II 1 a (2) der Gründe). Da­mit war die Kündi­gung der Be­klag­ten zu 1. als Ar­beit­ge­be­rin zu­zu­rech­nen (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 68).

2. Die Kündi­gung verstößt nicht ge­gen § 102 Be­trVG.

a) Der Be­triebs­rat der Sta­ti­on F konn­te das Anhörungs­schrei­ben nicht zurück­wei­sen, weil ihm kei­ne Ori­gi­nal­voll­macht vor­ge­legt wur­de. Die Anhörung wur­de ord­nungs­gemäß ein­ge­lei­tet. § 174 BGB er­fasst we­der un­mit­tel­bar noch ana­log ei­ne sol­che Kon­stel­la­ti­on.

aa) Die Anhörung des Be­triebs­rats nach § 102 Abs. 1 Be­trVG ist ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung. Für sol­che Hand­lun­gen ist die ana­lo­ge An­wen­dung des § 174 BGB grundsätz­lich ge­bo­ten (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 72; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 71; s. auch schon BGH 25. No­vem­ber 1982 -111 ZR 92/81 - zu 112 der Gründe; So­er­gel/Lep­ti­en 13. Aufl. § 174 Rn. 7).

(1) Rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lun­gen sind auf ei­nen tatsächli­chen Er­folg ge­rich­te­te Erklärun­gen, de­ren Rechts­fol­gen nicht wie bei Wil­lens­erklärun­gen kraft des ih­nen in­ne­woh­nen­den Wil­lens­akts, son­dern kraft Ge­set­zes

 

- 47 -

ein­tre­ten. Re­gelmäßig ermögli­chen oder ver­hin­dern sie den Ein­tritt ge­setz­lich an­ge­ord­ne­ter Fol­gen des Tätig­wer­dens oder Untätig­blei­bens (vgl. BAG 11. Ju­ni 2002 - 1 ABR 43/01 - zu B IV 1 b cc der Gründe, BA­GE 101, 298; s. zB auch 1. Ju­ni 2011 - 7 ABR 138/09 - Rn. 48; 10. März 2009 - 1 ABR 93/07 - Rn. 33, BA­GE 130, 1). In ers­ter Li­nie han­delt es sich da­bei um Auf­for­de­run­gen und Mit­tei­lun­gen, die auf Ansprüche oder Rechts­verhält­nis­se Be­zug neh­men und viel­fach im Be­wusst­sein der da­durch aus­gelösten Rechts­fol­gen aus­ge­spro­chen wer­den, je­doch nicht un­mit­tel­bar auf den Ein­tritt die­ser Rechts­fol­gen ge­rich­tet sind oder ge­rich­tet sein müssen (vgl. BGH 17. Ok­to­ber 2000 - X ZR 97/99 - zu II 1 b bb der Gründe, BGHZ 145, 343).

(2) Der Sieb­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts hat of­fen­ge­las­sen, ob die Mit­tei­lung iSv. § 102 Abs. 1 Be­trVG we­gen ih­res frist­auslösen­den Cha­rak­ters be­reits ei­ne Wil­lens­erklärung oder (nur) ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung ist (vgl. BAG 27. Au­gust 1982 - 7 AZR 30/80 - zu I 2 b bb der Gründe, BA­GE 40, 95). Im Hin­blick dar­auf, dass ei­ne oh­ne Anhörung des Be­triebs­rats erklärte Kündi­gung nach der ge­setz­li­chen An­ord­nung des § 102 Abs. 1 Satz 3 Be­trVG un­wirk­sam ist, ist zu­min­dest ei­ne rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung an­zu­neh­men (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 74; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 73).

bb) Ei­ne ana­lo­ge An­wen­dung des § 174 BGB auf die Anhörung des Be­triebs­rats ist nach dem Zweck des Anhörungs­er­for­der­nis­ses in § 102 Abs. 1 Be­trVG und dem Zweck der Zurück­wei­sungsmöglich­keit des § 174 Satz 1 BGB gleich­wohl aus­ge­schlos­sen. Das gilt auch dann, wenn - wie hier - ei­ne be­triebs­frem­de Per­son als Bo­tin des Ar­beit­ge­bers das Anhörungs­ver­fah­ren ein­ge­lei­tet hat.

(1) Die Be­triebs­rats­anhörung nach § 102 Abs. 1 Be­trVG zielt nicht dar­auf ab, die Wirk­sam­keit der be­ab­sich­tig­ten Kündi­gung zu über­prüfen. Sie be­schränkt sich viel­mehr dar­auf, dem Be­triebs­rat im Vor­feld der Kündi­gung die Möglich­keit zu ge­ben, auf die Wil­lens­bil­dung des Ar­beit­ge­bers Ein­fluss zu neh­men (vgl. BAG 22. Sep­tem­ber 1994 - 2 AZR 31/94 - zu II 2 der Gründe, BA­GE 78, 39). Sinn des Anhörungs­er­for­der­nis­ses ist es, dem Be­triebs­rat oh­ne

 

- 48 -

zusätz­li­che ei­ge­ne Er­mitt­lun­gen Ge­le­gen­heit zu ge­ben, dem Ar­beit­ge­ber sei­ne Über­le­gun­gen zu der Kündi­gungs­ab­sicht zur Kennt­nis zu brin­gen. Der Ar­beit-ge­ber soll die Stel­lung­nah­me des Be­triebs­rats - ins­be­son­de­re des­sen Be­den­ken und des­sen Wi­der­spruch ge­gen die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung - bei sei­ner Ent­schei­dung über die Kündi­gung berück­sich­ti­gen können (st. Rspr., vgl. nur BAG 31. Mai 1990 - 2 AZR 78/89 - zu II 1 der Gründe). Das Ver­fah­ren nach § 102 Be­trVG ist kein for­ma­li­sier­tes, an be­stimm­te Form­vor­schrif­ten ge­bun­de­nes Ver­fah­ren. Des­we­gen genügt auch ei­ne münd­li­che oder fernmünd­li­che Anhörung des Be­triebs­rats den An­for­de­run­gen des § 102 Be­trVG (vgl. BAG 23. Ju­ni 2009 - 2 AZR 474/07 - Rn. 37 mwN, BA­GE 131, 155).

(2) § 174 BGB dient dem Ge­wiss­heits­in­ter­es­se des Geg­ners ei­nes ein­sei­ti­gen emp­fangs­bedürf­ti­gen Rechts­geschäfts oder ei­ner geschäftsähn­li­chen Hand­lung. Die Be­stim­mung soll kla­re Verhält­nis­se schaf­fen. Der Erklärungs­empfänger ist zur Zurück­wei­sung be­rech­tigt, wenn er kei­ne Ge­wiss­heit hat, dass der Erklären­de wirk­lich be­vollmäch­tigt ist und sich der Ver­tre­te­ne des­sen Erklärung tatsächlich zu­rech­nen las­sen muss. Der Empfänger ei­ner ein­sei­ti­gen Wil­lens­erklärung oder geschäftsähn­li­chen Hand­lung soll nicht nach­for­schen müssen, wel­che Stel­lung der Erklären­de hat. Er soll vor der Un­ge­wiss­heit geschützt wer­den, ob ei­ne be­stimm­te Per­son be­vollmäch­tigt ist, das Rechts­geschäft vor­zu­neh­men (vgl. BAG 14. April 2011 - 6 AZR 727/09 - Rn. 23, BA­GE 137, 347).

(3) Bei ei­ner Ge­samt­schau die­ser Zwe­cke er­gibt sich, dass der Zweck des § 174 BGB sei­ne ana­lo­ge An­wen­dung auf das Anhörungs­schrei­ben iSv. § 102 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG nicht er­for­dert.

(a) Der Ge­setz­ge­ber misst da­durch, dass er das Anhörungs­ver­fah­ren nicht for­ma­li­siert aus­ge­stal­tet und ei­ne münd­li­che Anhörung nicht aus­ge­schlos­sen hat, dem Ge­wiss­heits­in­ter­es­se im Zu­sam­men­hang mit § 102 Be­trVG kei­ne schützens­wer­te Be­deu­tung bei. Bei ei­ner te­le­fo­ni­schen Anhörung ist ein Nach­weis iSv. § 174 BGB aus­ge­schlos­sen. Den­noch soll durch ei­ne sol­che Anhörung die Frist des § 102 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG in Lauf ge­setzt wer­den können. Der Ge­setz­ge­ber geht er­sicht­lich da­von aus, dass das Ge­bot der ver­trau­ens­vol-

 

- 49 -

len Zu­sam­men­ar­beit iSv. § 2 Abs. 1 Be­trVG, das auch im Anhörungs­ver­fah­ren nach § 102 Be­trVG zu be­ach­ten ist, aus­reicht, um den Be­triebs­rat zu schützen, wenn er Zwei­fel dar­an hat, ob die ihm ge­genüber Auf­tre­ten­den be­rech­tigt sind, für den Ar­beit­ge­ber tätig zu wer­den (vgl. BAG 14. Au­gust 1986 - 2 AZR 561/85 - zu B II 1 a der Gründe, BA­GE 52, 346). Das Ge­bot der ver­trau­ens­vol­len Zu­sam­men­ar­beit soll im Verhält­nis zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat Of­fen­heit und Ehr­lich­keit gewähr­leis­ten. Bei­de Sei­ten sind ver­pflich­tet, ih­re Rech­te so aus­zuüben, dass ei­ne ver­trau­ens­vol­le Zu­sam­men­ar­beit möglich bleibt. Dar­aus folgt die Ver­pflich­tung, sich bei der Ver­fol­gung der uU un­ter­schied­li­chen In­ter­es­sen an die Re­geln zu hal­ten, die Ver­trau­en erst ermögli­chen (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 79; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 78; Fran­zen GK-Be­trVG 9. Aufl. § 2 Rn. 13, 15).

(b) Es kann da­hin­ste­hen, ob der Be­triebs­rat bei Feh­len nähe­rer An­halts­punk­te da­von aus­ge­hen muss, dass sich der Ar­beit­ge­ber im Rah­men der Anhörung nach § 102 Be­trVG nur ord­nungs­gemäß be­vollmäch­tig­ter oder be­auf­trag­ter Per­so­nen be­dient. Je­den­falls ist dem Zweck des Anhörungs­ver­fah­rens nach § 102 Be­trVG auch genügt, wenn der Bo­te oder Ver­tre­ter des Ar­beit­ge­bers kei­nen Nach­weis sei­ner Bo­ten­macht oder kei­ne Voll­macht vor­legt. Der Be­triebs­rat ist auch in ei­nem sol­chen Fall nicht ge­hin­dert, sei­ne Auf­fas­sung zu der Kündi­gung zu äußern und Ein­fluss auf den Wil­lens­bil­dungs­pro­zess des Ar­beit­ge­bers zu neh­men (vgl. Hes­si­sches LAG 25. Ju­li 2011 - 17 Sa 123/11 - zu B II 1 d bb (2) (v) der Gründe). Hat er Zwei­fel an der Bo­ten- oder Ver­tre­ter­stel­lung des­je­ni­gen, der ihm ge­genüber bei der Anhörung auf­ge­tre­ten ist, oder be­zwei­felt er, dass die­ser sei­ne Einwände zur Kennt­nis nimmt und/oder an den Ar­beit­ge­ber wei­ter­lei­tet, kann er sei­ne Einwände dem Ar­beit­ge­ber un­mit­tel­bar mit­tei­len und den (be­triebs­frem­den) Drit­ten um­ge­hen. Ein abs­trakt schützens­wer­tes In­ter­es­se dar­an, kla­re Verhält­nis­se zu schaf­fen und si­cher zu sein, dass die Stel­lung­nah­me­frist des § 102 Abs. 2 Satz 1 Be­trVG zu lau­fen be­ginnt oder be­gon­nen hat, hat der Be­triebs­rat vor dem Hin­ter­grund des Zwecks des § 102 Be­trVG nicht (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 80; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 79; aA LAG Ba­den-Würt­tem­berg 28. März 2012 - 20 Sa 47/11 - zu II 1 b bb (1) der Gründe).

 

- 50 -

b) Die Be­triebs­rats­anhörung ist auch nicht des­halb un­wirk­sam, weil die Be­klag­te zu 1. ih­ren Kündi­gungs­ent­schluss im Zeit­punkt der Anhörung ab­sch­ließend ge­fasst hat­te, wie sich aus dem Anhörungs­schrei­ben er­gibt. Es genügt, dass die Kündi­gung den Ein­fluss­be­reich der Be­klag­ten zu 1. bei der Anhörung noch nicht ver­las­sen hat­te. Da­mit war nicht aus­zu­sch­ließen, dass es dem Be­triebs­rat ge­lin­gen konn­te, auf den Kündi­gungs­wil­len der Ar­beit­ge­be­rin ein­zu­wir­ken (vgl. die st. Rspr. seit BAG 13. No­vem­ber 1975 - 2 AZR 610/74 - zu 3 a der Gründe, BA­GE 27, 331).

c) Die Be­triebs­rats­anhörung genügt in­halt­lich den An­for­de­run­gen des § 102 Be­trVG.

aa) Die Be­triebs­rats­anhörung ist nicht in­halt­lich feh­ler­haft, weil die Be­klag­te zu 1. dem Be­triebs­rat den Kündi­gungs­ter­min des 31. März 2010 nann­te. Dem steht nicht ent­ge­gen, dass die Kündi­gung we­gen der auf­grund der El­tern­zeit der Kläge­rin noch ein­zu­ho­len­den Zulässi­gerklärung des Re­gie­rungs­präsi­di­ums Darm­stadt erst zum 30. Ju­ni 2010 erklärt wur­de. Die feh­ler­haf­te An­ga­be des Kündi­gungs­ter­mins führt nicht zur Un­wirk­sam­keit der Un­ter­rich­tung des Be­triebs­rats.

(1) Es reicht aus, dass der Be­triebs­rat über die für die Be­rech­nung der Kündi­gungs­frist und des Kündi­gungs­ter­mins er­for­der­li­chen Kennt­nis­se verfügt. Der Ar­beit­ge­ber kann bei Ein­lei­tung des Anhörungs­ver­fah­rens häufig nicht si­cher be­ur­tei­len, zu wel­chem Zeit­punkt dem Ar­beit­neh­mer die be­ab­sich­tig­te Kündi­gung zu­ge­hen wird. Et­was an­de­res gilt, wenn der Ar­beit­ge­ber gänz­lich of­fenlässt, mit wel­cher Frist und mit wel­chem Ter­min die ge­plan­te Kündi­gung erklärt wer­den soll (vgl. APS/Koch 4. Aufl. § 102 Be­trVG Rn. 103). Der Ar­beit­ge­ber kann kei­nen un­gefähren End­ter­min nen­nen, wenn er vor Erklärung der Kündi­gung - wie hier - noch die Zu­stim­mung oder Zulässi­gerklärung ei­ner an­de­ren Stel­le ein­zu­ho­len hat. In die­sem Fall genügt es, wenn er den Be­triebs­rat auf die noch ein­zu­ho­len­de Zu­stim­mung oder Zulässi­gerklärung hin­weist oder sie dem Be­triebs­rat be­kannt ist. In die­sem Fall braucht der Ar­beit­ge­ber den Be­triebs­rat bei un­veränder­tem Kündi­gungs­sach­ver­halt nicht er­neut zu be­tei­li­gen, selbst wenn das Zu­stim­mungs- oder Zulässi­gerklärungs­ver­fah­ren

 

- 51 -

jah­re­lang an­dau­ert (vgl. KR/Et­zel 10. Aufl. § 102 Be­trVG Rn. 60 mwN). Die Be­triebs­rats­anhörung kann be­reits vor der Zu­stim­mung oder Zulässi­gerklärung der zuständi­gen Behörde er­fol­gen (vgl. BAG 23. Ok­to­ber 2008 - 2 AZR 163/07 - Rn. 32; 11. Mai 2000 - 2 AZR 276/99 - zu II 2 d der Gründe, BA­GE 94, 313; 18. Mai 1994 - 2 AZR 626/93 - zu B II 2 a der Gründe).

(2) Nach die­sen Grundsätzen ist die Be­triebs­rats­anhörung mit Blick auf die Kündi­gungs­frist und den Kündi­gungs­ter­min ord­nungs­gemäß. Die Be­klag­te zu 1. täusch­te den Be­triebs­rat nicht über die zu wah­ren­de Kündi­gungs­frist und den rich­ti­gen Kündi­gungs­ter­min. Der Be­triebs­rat wuss­te auf­grund der Anhörung vom 17. De­zem­ber 2009, dass das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin we­gen der aus Sicht der Be­klag­ten zu 1. ge­ge­be­nen Be­triebs­still­le­gung or­dent­lich gekündigt und die Kündi­gungs­frist des § 113 Satz 2 In­sO ein­ge­hal­ten wer­den soll­te. Dem Be­triebs­rat war auch be­kannt, dass die Kläge­rin bis 26. Sep­tem­ber 2011 in El­tern­zeit sein würde. Dar­aus konn­te er schließen, dass die Kündi­gung nach § 18 Abs. 1 Satz 2 BEEG für zulässig erklärt wer­den muss­te. Da­mit genügte die Be­klag­te zu 1. ih­ren Mit­tei­lungs­pflich­ten aus § 102 Abs. 1 Be­trVG, ob­wohl sie - wie bei an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Sta­ti­on F - den 31. März 2010 als be­ab­sich­tig­ten Kündi­gungs­ter­min mit­teil­te und die­ser Kündi­gungs­ter­min im Fall der Kläge­rin tatsächlich nicht zu­traf.

bb) Die Be­triebs­rats­anhörung ist auch nicht in­halt­lich un­genügend, weil der Be­triebs­rat nicht über den von der Kläge­rin be­haup­te­ten Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te zu 2. un­ter­rich­tet wur­de und ihm kei­ne In­for­ma­tio­nen über ei­ne so­zia­le Aus­wahl ge­ge­ben wur­den.

(1) Nach dem Grund­satz der sub­jek­ti­ven De­ter­mi­na­ti­on war ei­ne In­for­ma­ti­on über ei­nen Be­triebsüber­gang auf die Be­klag­te zu 2. nicht er­for­der­lich, weil die Be­klag­te zu 1. sub­jek­tiv da­von aus­ging, dass es nicht zu ei­nem sol­chen Be­triebsüber­gang ge­kom­men sei oder kom­men wer­de.

(2) Die Be­klag­te zu 1. hat vor­ge­tra­gen, dass Ab­wick­lungs­ar­bei­ten nur von Ar­beit­neh­mern der Buch­hal­tung und dem Fi­nanz­di­rek­tor durch­geführt wor­den sei­en, die mit der Kläge­rin nicht ver­gleich­bar ge­we­sen sei­en. Ei­ne So­zi­al­aus-


- 52 -

wahl war be­zo­gen auf die Kläge­rin in F des­we­gen aus Sicht der Be­klag­ten zu 1. nicht zu tref­fen.

3. Die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin war nicht nach § 17 KSchG an­zei­ge­pflich­tig. Der Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts, das durch den Be­scheid der Agen­tur für Ar­beit ge­heil­te Verstöße ge­gen die An­zei­ge- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht an­ge­nom­men hat, wirkt sich auf das Er­geb­nis der ab­zu­wei­sen­den Kla­ge nicht aus. Die Ent­schei­dung stellt sich aus an­de­ren Gründen als rich­tig dar. Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist zurück­zu­wei­sen (§ 561 ZPO).

a) Für die An­zei­ge­pflicht nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG ist die Zahl der in ei­nem Be­trieb er­fol­gen­den Ent­las­sun­gen, dh. Kündi­gun­gen, im Verhält­nis zu der Zahl der in der Re­gel in die­sem Be­trieb beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer aus­schlag­ge­bend (vgl. BAG 22. April 2010 - 6 AZR 948/08 - Rn. 13, BA­GE 134, 176). Der Be­griff des Be­triebs in § 17 KSchG ent­spricht da­bei dem der §§ 1, 4 Be­trVG (st. Rspr., vgl. nur BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 85; 18. Ok­to­ber 2012 - 6 AZR 41/11 - Rn. 33 mwN).

aa) Der Be­trieb ist die or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit, in­ner­halb de­rer ein Ar­beit­ge­ber al­lein oder mit sei­nen Ar­beit­neh­mern mit­hil­fe von tech­ni­schen und im­ma­te­ri­el­len Mit­teln be­stimm­te ar­beits­tech­ni­sche Zwe­cke fort­ge­setzt ver­folgt. Gilt ein Be­triebs­teil nach § 4 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG als selbständig, müssen die Schwel­len­wer­te des § 17 Abs. 1 KSchG in die­sem Be­triebs­teil über­schrit­ten sein, um die An­zei­ge­pflicht aus­zulösen (vgl. BAG 15. De­zem­ber 2011 - 8 AZR 692/10 - Rn. 74).

bb) Da­mit ist für die Be­rech­nung des Schwel­len­werts auf die Sta­ti­on F ab­zu­stel­len (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 84; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 85). Nichts an­de­res folgt aus dem Uni­ons­recht. Nach der Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on ist für den Be­griff des „Be­triebs" nicht ent­schei­dend, ob die frag­li­che Ein­heit ei­ne Lei­tung hat, die selbständig Mas­sen­ent­las­sun­gen vor­neh­men kann (vgl. EuGH 15. Fe­bru­ar 2007 - C-270/05 - [Athina1ki Chartopoi1a] Rn. 28 f.,

 

- 53 -

Slg. 2007, 1-1499). Auch das Uni­ons­recht lässt es zu, die Sta­ti­on F als Be­trieb im Sinn des Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge­rechts zu be­trach­ten.

b) Der Schwel­len­wert des § 17 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 KSchG war in F bei Zu­gang der Kündi­gung am 12. März 2010 nicht er­reicht.

aa) Un­ter dem Be­griff der „Ent­las­sung" in § 17 KSchG und in § 18 Abs. 1, Abs. 2 KSchG ist auf­grund der uni­ons­recht­li­chen Vor­ga­ben die Erklärung der Kündi­gung zu ver­ste­hen (vgl. EuGH 27. Ja­nu­ar 2005 - C-188/03 – [Junk] Rn. 39, Slg. 2005, 1-885). Ei­ne Kündi­gung kann des­we­gen schon un­mit­tel­bar nach Ein­gang der Mas­sen­ent­las­sungs­an­zei­ge bei der Agen­tur für Ar­beit erklärt wer­den. Die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer dürfen al­ler­dings nicht vor Ab­lauf der Fris­ten des § 18 Abs. 1 oder Abs. 2 KSchG aus­schei­den (vgl. BAG 6. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 935/07 - Rn. 25 ff., BA­GE 128, 256). Ob der Be­griff der „Ent­las­sung" auch in § 18 Abs. 4 KSchG uni­ons­rechts­kon­form da­hin aus­zu­le­gen ist, dass dar­un­ter die Kündi­gungs­erklärung zu ver­ste­hen ist, kann da­hin­ste­hen (of­fen­ge­las­sen auch von BAG 22. April 2010 - 6 AZR 948/08 - Rn. 18, BA­GE 134, 176; 6. No­vem­ber 2008 - 2 AZR 935/07 - Rn. 29, aaO).

bb) Die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin wur­de ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts und der Re­vi­si­on nicht im Zu­sam­men­hang mit der Mas­sen­ent­las­sung der übri­gen Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu 1. in der Sta­ti­on F erklärt. Sie fiel nicht in die 30-Ta­ges-Frist des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG und war nicht an­zei­ge­pflich­tig. Die im An­zei­ge- und Kon­sul­ta­ti­ons­ver­fah­ren auf­ge­tre­te­nen Feh­ler führen des­halb an­ders als bei den an­de­ren in der Sta­ti­on F beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern nicht zur Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 38 ff.; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 772/11 - Rn. 36 ff.; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 5/12 - Rn. 38 ff.; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 48/12 - Rn. 38 ff.).

(1) Die letz­ten an­de­ren Kündi­gun­gen wur­den in der Sta­ti­on F mit Aus­nah­me der ge­genüber der Kläge­rin aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung un­ter dem 15. Ja­nu­ar 2010 zum 30. April 2010 erklärt (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 5/12 - Rn. 13; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 48/12 - Rn. 13). Auch die für


- 54 -

die An­zei­ge- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht dar­le­gungs­be­las­te­te Kläge­rin hat nicht be­haup­tet, dass die­se Kündi­gun­gen nicht noch im Ja­nu­ar 2010 zu­gin­gen. Die Kündi­gun­gen der Ar­beits­verhält­nis­se der an­de­ren Ar­beit­neh­mer in der Sta­ti­on F wur­den be­reits En­de De­zem­ber 2009 erklärt und gin­gen noch im De­zem­ber 2009 zu (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 13; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 772/11 - Rn. 13). Die 30-Ta­ges-Frist des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG en­de­te des­halb spätes­tens am 28. Fe­bru­ar 2010 (§ 187 Abs. 2, § 188 Abs. 1 BGB; vgl. APS/Moll 4. Aufl. § 17 KSchG Rn. 50; KR/Wei­gand 10. Aufl. § 17 KSchG Rn. 54). Sie war da­her bei Erklärung der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin am 10. März 2010 und ih­rem Zu­gang am 12. März 2010 schon ver­stri­chen.

(2) Der feh­len­den An­zei­ge- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht ste­hen Sinn und Zweck der richt­li­ni­en­kon­form aus­zu­le­gen­den §§ 17, 18 KSchG nicht ent­ge­gen, ob­wohl die Be­klag­te zu 1. die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses der Kläge­rin auf den­sel­ben Kündi­gungs­grund - die­sel­be Still­le­gungs­ent­schei­dung - stütz­te wie die übri­gen Kündi­gun­gen, die in der Sta­ti­on F erklärt wur­den.

(a) §§ 17, 18 KSchG sol­len Mas­sen­ent­las­sun­gen ver­mei­den oder ih­re Fol­gen mil­dern (vgl. für Art. 2 der Mas­sen­ent­las­sungs­richt­li­nie 98/59/EG EuGH 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Aka­van Eri­ty­isa­lo­jen Kes­kus­liit­to] Rn. 46, Slg. 2009, 1-8163; zu §§ 17, 18 KSchG zB BAG 22. April 2010 - 6 AZR 948/08 - Rn. 18, BA­GE 134, 176). Die Un­ter­rich­tung der Ar­beit­neh­mer­ver­tre­tung soll es die­ser ermögli­chen, kon­struk­ti­ve Vor­schläge zu un­ter­brei­ten, um die Mas­sen­ent­las­sung zu ver­mei­den oder ein­zu­schränken (vgl. EuGH 3. März 2011 - C-235/10 ua. - [Cla­es] Rn. 56; 10. Sep­tem­ber 2009 - C-44/08 - [Aka­van Eri­ty­isa­lo­jen Kes­kus­liit­to] Rn. 51, 64, aaO; BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 752/11 - Rn. 42; 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 155/11 - Rn. 60).

(b) Fällt ei­ne Kündi­gung - wie hier - nicht mehr in den zeit­li­chen Zu­sam­men­hang ei­ner Mas­sen­ent­las­sung, muss die­sen Zwe­cken nicht genügt wer­den (vgl. BAG 22. April 2010 - 6 AZR 948/08 - Rn. 21, BA­GE 134, 176). Das ist kei­ne Um­ge­hung der An­zei­ge- und Kon­sul­ta­ti­ons­pflicht aus § 17 KSchG, son­dern ei­ne aus ar­beits­markt­po­li­ti­scher Sicht eher verträgli­che Ver­tei­lung der


- 55 -

Kündi­gun­gen über ei­nen länge­ren Zeit­raum (vgl. KR/Wei­gand 10. Aufl. § 17 KSchG Rn. 53; s. auch ErfK/Kiel 13. Aufl. § 17 KSchG Rn. 17; APS/Moll 4. Aufl. § 17 KSchG Rn. 49c).

c) In der Be­ur­tei­lung des Se­nats, der Schwel­len­wert des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG sei im Streit­fall in der Frist von 30 Ka­len­der­ta­gen nicht er­reicht wor­den, liegt kei­ne un­zulässi­ge sog. Über­ra­schungs­ent­schei­dung.

aa) Der in Art. 103 Abs. 1 GG verbürg­te An­spruch auf recht­li­ches Gehör steht in ei­nem funk­tio­na­len Zu­sam­men­hang mit der Rechts­schutz­ga­ran­tie und der Jus­tiz­gewährungs­pflicht des Staats. Er soll ei­nen an­ge­mes­se­nen Ver­fah­rens­ab­lauf si­chern. Der Ein­zel­ne soll nicht bloßes Ob­jekt des Ver­fah­rens sein, son­dern er soll vor ei­ner Ent­schei­dung, die sei­ne Rech­te be­trifft, zu Wort kom­men, um Ein­fluss auf das Ver­fah­ren und sein Er­geb­nis neh­men zu können. Die Ga­ran­tie recht­li­chen Gehörs ver­pflich­tet die Ge­rich­te, die Ausführun­gen der Pro­zess­be­tei­lig­ten zur Kennt­nis zu neh­men und in Erwägung zu zie­hen. Da­mit hängt das eben­falls aus Art. 103 Abs. 1 GG fol­gen­de Ver­bot von Über­ra­schungs­ent­schei­dun­gen eng zu­sam­men. Von ei­ner sol­chen Über­ra­schungs­ent­schei­dung ist aus­zu­ge­hen, wenn sich ei­ne Ent­schei­dung oh­ne vor­he­ri­gen rich­ter­li­chen Hin­weis auf ei­nen Ge­sichts­punkt stützt, mit dem auch ein ge­wis-sen­haf­ter und kun­di­ger Pro­zess­be­tei­lig­ter nach dem bis­he­ri­gen Pro­zess­ver­lauf nicht zu rech­nen brauch­te (vgl. für die st. Rspr. BVerfG 5. April 2012 - 2 BvR 2126/11 - Rn. 18 mwN; BAG 8. De­zem­ber 2011 - 6 AZN 1371/11 - Rn. 17).

bb) Die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner un­zulässi­gen Über­ra­schungs­ent­schei­dung sind nicht erfüllt. Die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Par­tei­en ha­ben das Pro­blem der für ei­ne Mas­sen­ent­las­sung er­for­der­li­chen Frist von 30 Ka­len­der­ta­gen nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG zwar er­kenn­bar - eben­so wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt - über­se­hen (§ 139 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Je­den­falls gilt das für die bei­den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin (§ 139 Abs. 2 Satz 1 ZPO). Der Se­nat hat aber bei­de Sei­ten in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung auf die Fra­ge hin­ge­wie­sen und ih­nen Ge­le­gen­heit zur Äußerung ge­ge­ben (§ 139 Abs. 2 Satz 1 ZPO).

- 56 -

d) Der Se­nat muss­te den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin auch nicht ermögli­chen, nach der münd­li­chen Ver­hand­lung durch Schrift­satz zu dem Pro­blem der Frist von 30 Ka­len­der­ta­gen nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG Stel­lung zu neh­men.

aa) Ist es ei­ner Par­tei nicht möglich, sich zu ei­nem ge­richt­li­chen Hin­weis so­fort zu erklären, soll das Ge­richt nach § 139 Abs. 5 ZPO auf An­trag der Par­tei ei­ne Frist be­stim­men, in der sie die Erklärung in ei­nem Schrift­satz nach­brin­gen kann. Ein Ge­richt ver­letzt je­doch nicht das grund­rechts­glei­che Recht auf recht­li­ches Gehör aus Art. 103 Abs. 1 GG, wenn es ei­ner Par­tei kein Schrift­satz­recht einräumt, die es in der münd­li­chen Ver­hand­lung versäumt, dem Pro­zess­geg­ner und dem Ge­richt Sach­vor­trag oder recht­li­che Ar­gu­men­te mit­zu­tei­len. Dem An­spruch auf recht­li­ches Gehör ist genügt, wenn sich die Par­tei das recht­li­che Gehör in der münd­li­chen Ver­hand­lung in zu­mut­ba­rer Wei­se mit­hil­fe ih­rer pro­zes­sua­len Möglich­kei­ten ver­schaf­fen kann (vgl. BAG 14. De­zem­ber 2010 - 6 AZN 986/10 - Rn. 25 mwN).

bb) Nach die­sen Maßstäben muss­te der Kläge­rin kei­ne Schrift­satz­frist ein­geräumt wer­den, ob­wohl der Se­nat erst in der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung auf das Pro­blem der Frist von 30 Ka­len­der­ta­gen nach § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG hin­ge­wie­sen hat­te. Den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin war es möglich, zu der Fra­ge mit recht­li­chen Ar­gu­men­ten Stel­lung zu neh­men. Das be­legt ua. die Äußerung ei­nes der bei­den Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten, wo­nach der Mas­sen­ent­las­sungs­tat­be­stand des § 17 Abs. 1 Satz 1 KSchG zur An­wen­dung kom­men müsse, wenn die ver­schie­de­nen Kündi­gun­gen auf ein und der­sel­ben un­ter­neh­me­ri­schen Ent­schei­dung be­ruh­ten, ei­ne Kündi­gung we­gen behörd­li­cher Zu­stim­mungs­er­for­der­nis­se aber erst später erklärt wer­den und erst zu ei­nem späte­ren Zeit­punkt wir­ken könne. Die Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten der Kläge­rin ha­ben nicht be­gründet, wes­halb die Kläge­rin Zeit brau­che, um wei­te­re recht­li­che Ar­gu­men­te zu er­mit­teln. Das gilt erst recht für ergänzen­den, im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren oh­ne­hin nur in be­son­de­ren Aus­nah­mefällen zu berück­sich­ti­gen­den Sach­vor­trag.

 

- 57 -

4. Die Kündi­gung vom 10. März 2010 ist nicht un­wirk­sam, weil sie ge­gen das Kündi­gungs­ver­bot des § 613a Abs. 4 Satz 1 BGB verstößt. Sie wur­de nicht we­gen des Über­gangs ei­nes Be­triebs oder Be­triebs­teils erklärt. Das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin war kei­nem ggf. über­ge­gan­ge­nen Be­triebs­teil zu­zu­ord­nen (vgl. BAG 21. Fe­bru­ar 2013 - 8 AZR 877/11 - Rn. 33). Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­tref­fend er­kannt.

a) § 613a BGB ist grundsätz­lich auch bei Be­triebsübergängen in das Aus­land an­wend­bar. Die Gel­tung der Norm ist nicht auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land be­schränkt. Das Ter­ri­to­ria­litätsprin­zip wird durch das In­ter­na­tio­na­le Pri­vat­recht ver­drängt. Bei Be­triebsübergängen mit Aus­lands­be­zug können sach­ge­rech­te Lösun­gen nur über die Re­ge­lun­gen des Ar­beits­ver­trags­sta­tuts er­zielt wer­den. Al­ler­dings ändert sich re­gelmäßig das Ar­beits­ver­trags­sta­tut ei­nes Ar­beit­neh­mers, in des­sen Ar­beits­verhält­nis kei­ne Rechts­wahl ge­trof­fen ist, bei ei­nem Wech­sel von der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ins Aus­land auf­grund ei­nes Be­triebsüber­gangs. Re­gelmäßig wird nach dem Be­triebsüber­gang das Recht des Staats zur An­wen­dung kom­men, in dem das Ar­beits­verhält­nis nach dem Be­triebsüber­gang be­steht. Ei­ne sol­che Ände­rung tritt aber erst ein, nach­dem das Ar­beits­verhält­nis über­ge­gan­gen ist. Für die Fra­ge, ob es zu ei­nem Be­triebsüber­gang ge­kom­men ist, ist ei­ne sol­che Sta­tutände­rung eben­so wie für die Fra­ge der Wirk­sam­keit ei­ner vor dem Be­triebsüber­gang erklärten, nach deut­schem Recht zu be­ur­tei­len­den Kündi­gung noch oh­ne Be­lang (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 40; 26. Mai 2011 - 8 AZR 37/10 - Rn. 41 ff.).

b) Die Kläge­rin hat die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Über­gangs des Be­triebs(-teils) der Be­klag­ten zu 1. in F auf die Be­klag­te zu 2. nicht dar­ge­legt.
aa) Ein Be­triebs- oder Be­triebs­teilüber­gang iSv. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB ver­langt, dass die Iden­tität der be­tref­fen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit ge­wahrt bleibt. Ei­ne wirt­schaft­li­che Ein­heit be­steht aus ei­ner or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ge­samt­heit von Per­so­nen und/oder Sa­chen, die auf Dau­er an­ge­legt wirt­schaft­li­che Tätig­keit mit ei­ge­ner Ziel­set­zung ausüben soll.

 

- 58 -

(1) Auch beim Er­werb ei­nes Be­triebs­teils ist es er­for­der­lich, dass die wirt­schaft­li­che Ein­heit ih­re Iden­tität wahrt. Be­stand beim frühe­ren Be­triebs­in­ha­ber nach der durch­zuführen­den Ge­samt­be­trach­tung ei­ne selbständig ab­trenn­ba­re or­ga­ni­sa­to­ri­sche Ein­heit, mit der in­ner­halb des be­trieb­li­chen Ge­samt­zwecks ein Teil­zweck ver­folgt wur­de, muss die­se beim Er­wer­ber im We­sent­li­chen un­verändert fort­be­ste­hen. Der über­tra­ge­ne Be­triebs­teil muss sei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Selbständig­keit beim Be­triebs­er­wer­ber al­ler­dings nicht vollständig be­wah­ren. Es genügt, dass der Be­triebs­teiler­wer­ber die funk­tio­nel­le Ver­knüpfung zwi­schen den über­tra­ge­nen Pro­duk­ti­ons­fak­to­ren bei­behält und ihm da­durch ermöglicht wird, die­se Fak­to­ren zu nut­zen, um der­sel­ben oder ei­ner gleich­ar­ti­gen wirt­schaft­li­chen Tätig­keit nach­zu­ge­hen (vgl. EuGH 12. Fe­bru­ar 2009 - C-466/07 - [Kla­ren­berg] Rn. 47 f., Slg. 2009, 1-803; BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 181/11 - Rn. 33 mwN).

(2) Han­delt es sich nach die­sen Grundsätzen um ei­nen Be­triebs(-teil)über­gang, be­trifft er nur Ar­beit­neh­mer, die in den über­ge­gan­ge­nen Be­trieb oder Be­triebs­teil tatsächlich ein­ge­glie­dert wa­ren. Es genügt nicht, dass sie Tätig­kei­ten für den über­tra­ge­nen Teil ver­rich­te­ten, oh­ne in des­sen Struk­tur ein­ge­bun­den ge­we­sen zu sein (st. Rspr., vgl. zB EuGH 12. No­vem­ber 1992 - C-209/91 - [Wat­son Rask und Chris­ten­sen] Rn. 16, Slg. 1992, 1-5755; BAG 21. Ju­ni 2012 - 8 AZR 181/11 - Rn. 75, je­weils mwN). Für die Fra­ge, wel­chem Be­trieb oder Be­triebs­teil ein Ar­beit­neh­mer zu­ge­ord­net ist, kommt es zunächst auf den Wil­len der Ver­trags­par­tei­en an (vgl. BAG 21. Fe­bru­ar 2013 - 8 AZR 877/11 - Rn. 35).

bb) Es kann da­hin­ste­hen, ob die Be­klag­te zu 2. den Flug­be­trieb der Be­klag­ten zu 1. iSv. § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB über­nahm. Die­ser wirt­schaft­li­chen Ein­heit war die Kläge­rin nach den in­so­weit nicht an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nach ih­rem Wil­len und dem der Be­klag­ten zu 1. nicht zu­ge­ord­net. Die Kläge­rin be­treu­te ge­mein­sam mit den übri­gen Ar­beit­neh­mern der Sta­ti­on F und zu­sam­men mit den an­de­ren Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten zu 1. in Deutsch­land im Bo­den­be­trieb den Flug­ver­kehr der Be­klag­ten zu 1. von Deutsch­land aus und nach Deutsch­land. Sie gab zB Ti­ckets aus, re­ser­vier­te Sitz­plätze und war für die Kom­mu­ni­ka­ti­on mit den Pas­sa­gie­ren und Rei­sebüros

 

- 59 -

so­wie die Ab­rech­nung und Ab­wick­lung ge­genüber Fracht­kun­den zuständig. In die Struk­tur des Flug­be­triebs war sie nicht ein­ge­bun­den.

cc) Die An­grif­fe der Re­vi­si­on führen zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis.

(1) Die Kläge­rin hat nicht dar­ge­legt, wel­che der im Bo­den­be­trieb von ihr und den übri­gen Ar­beit­neh­mern der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land ver­rich­te­ten Tätig­kei­ten un­ter Wah­rung der bis­he­ri­gen wirt­schaft­li­chen Ein­heit von der Be­klag­ten zu 2. über­nom­men wor­den sein sol­len.

(a) Sie hat trotz ih­res de­tail­lier­ten Vor­trags zu dem Wech­sel ver­schie­de­ner Ar­beit­neh­mer aus an­de­ren Ein­hei­ten der Be­klag­ten zu 1. außer­halb der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land, der be­haup­te­ten Ko­ope­ra­ti­on mit der A AG und der ge­plan­ten Fu­si­on der Be­klag­ten zu 2. mit der Ae S.A. nicht im Ein­zel­nen aus­geführt, in wel­cher Wei­se der Kon­takt mit den Kun­den im Sinn ei­ner Fortführung des Bo­den­be­triebs als struk­tu­rier­te und iden­titäts­wah­ren­de wirt­schaft­li­che Ein­heit bei­be­hal­ten wor­den sein soll. Sie hat auch kei­ne Kun­den­na­men ge­nannt. Es genügt nicht, die Beförde­rung von Pas­sa­gie­ren durch au­to­ma­ti­sche Um­bu­chung von der Be­klag­ten zu 1. auf die Be­klag­te zu 2. so­wie die Über­nah­me von Mar­ken­zei­chen („brand na­me“) und Lo­go „0" vor­zu­brin­gen, um ei­ne Fortführung der wirt­schaft­li­chen Ein­heit un­ter Wah­rung der bis­he­ri­gen Iden­tität - et­wa durch funk­tio­nel­le Ver­knüpfung der über­tra­ge­nen Funk­ti­ons­fak­to­ren - dar­zu­stel­len. Das hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se er­kannt. Aus der von der Kläge­rin in Be­zug ge­nom­me­nen Mit­tei­lung un­ter dem Lo­go „0" er­gibt sich im Übri­gen, dass au­to­ma­ti­sche Um­bu­chun­gen nur dort er­folg­ten, wo die Be­klag­te zu 2. den Flug­be­trieb auf­nahm.

(b) Die Kläge­rin hat nicht vor­ge­tra­gen, die Be­klag­te zu 2. nut­ze - ggf. un­ter „Ein­schal­tung" der A AG oder auch der Ae S.A. - die von der Be­klag­ten zu 1. für den Bo­den­be­trieb in F ge­schaf­fe­ne Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on. Die­se Ar­beits­or­ga­ni­sa­ti­on dien­te da­zu, den Flug­be­trieb von und nach F ab­zu­fer­ti­gen und zu ver­wal­ten. Auch aus der Dar­stel­lung der Kläge­rin folgt nicht, dass die Be­klag­te zu 2. ma­te­ri­el­le oder im­ma­te­ri­el­le Be­triebs­mit­tel des für den Bo­den­be­trieb zuständi-


- 60 -

gen Be­triebs oder Be­triebs­teils in F über­nahm. Sie über­nahm we­der das Bo­den­per­so­nal noch die Räume oder Miet­verträge und sons­ti­ge Dau­er­schuld­verhält­nis­se der Be­klag­ten zu 1. So­weit sich das Vor­brin­gen der Kläge­rin auf den Flug­be­trieb be­zieht, wer­den die­se Tätig­kei­ten von der Be­klag­ten zu 2. für den deut­schen Markt nach den in­so­weit un­an­ge­grif­fe­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht fort­geführt.

(2) Auch die Ar­gu­men­ta­ti­on der Kläge­rin mit ei­nem welt­wei­ten Un­ter­neh­mensüber­gang lässt kei­nen Rechts­feh­ler des Lan­des­ar­beits­ge­richts er­ken­nen.

(a) Die Kläge­rin macht gel­tend, auf ein in­ter­na­tio­nal ope­rie­ren­des Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, des­sen maßgeb­li­che wirt­schaft­li­che Ak­ti­va sich ei­ner ört­li­chen Ver­an­ke­rung entzögen, pas­se der übli­che Be­triebs- oder Be­triebs­teil­be­griff nicht mehr. Die wirt­schaft­li­che Ein­heit ei­nes sol­chen Un­ter­neh­mens sei nicht durch ei­ne ört­li­che Be­zug­nah­me auf den Grund und Bo­den ei­nes be­stimm­ten Staats zu er­fas­sen. Bei ei­nem sol­chen Un­ter­neh­men be­ste­he die wirt­schaft­li­che Ein­heit im Be­trieb ei­nes welt­wei­ten Flug­ver­kehrs un­ter ei­ner be­stimm­ten Fir­ma, mit be­stimm­ten Flug­zeu­gen, er­fah­re­nem Per­so­nal, be­ste­hen­dem Kun­den­stamm und über­nom­me­nem Know-how. Die­se Ein­heit ha­be die Be­klag­te zu 2. von der Be­klag­ten zu 1. über­nom­men und die A AG - ggf. auch die Ae S.A. - „zwi­schen­ge­schal­tet".

(b) Die­se Ar­gu­men­ta­ti­on lässt Tat­be­stand und Rechts­fol­gen ei­nes Be­triebsüber­gangs außer Acht. Kommt es zu ei­nem Be­triebsüber­gang, tritt der Er­wer­ber nach § 613a Abs. 1 Satz 1 BGB in die Rech­te und Pflich­ten aus den im Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­sen ein. Nichts an­de­res be­stimmt Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG des Ra­tes vom 12. März 2001 zur An­glei­chung der Rechts­vor­schrif­ten der Mit­glied­staa­ten über die Wah­rung von Ansprüchen der Ar­beit­neh­mer beim Über­gang von Un­ter­neh­men, Be­trie­ben oder Un­ter­neh­mens- oder Be­triebs­tei­len. Die Be­stim­mung gibt vor, dass die Rech­te und Pflich­ten des Veräußerers aus ei­nem zum Zeit­punkt des Über­gangs be­ste­hen­den Ar­beits­ver­trag oder Ar­beits­verhält­nis auf den Er­wer­ber über­ge­hen. Das Ar­beits­verhält­nis wird in­halt­lich durch die Ver­bin­dung zwi­schen dem Ar­beit­neh­mer und der wirt­schaft­li­chen Ein­heit be­stimmt, der er


- 61 -

zur Erfüllung sei­ner Auf­ga­ben an­gehört (vgl. EuGH 12. No­vem­ber 1992 - C-209/91 - [Wat­son Rask und Chris­ten­sen] Rn. 16, Slg. 1992, 1-5755; 7. Fe­bru­ar 1985 - C-186/83 - [Bot­zen ua.] Rn. 15, Slg. 1985, 519).

(aa) Das Er­for­der­nis der Zu­ord­nung zu ei­ner be­ste­hen­den wirt­schaft­li­chen Ein­heit ist durch die zi­tier­te Recht­spre­chung des Ge­richts­hofs der Eu­ropäischen Uni­on (Ge­richts­hof) auch un­ter Berück­sich­ti­gung der neue­ren Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts geklärt (vgl. zB BVerfG 29. Mai 2012 - 1 BvR 3201/11 - Rn. 20 ff.; 21. De­zem­ber 2010 - 1 BvR 3461/08 - Rn. 5 ff.; s. auch BAG 28. Ju­ni 2012 - 6 AZR 682/10 - Rn. 33 ff.). Ein Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen nach Art. 267 Abs. 3 AEUV ist nicht er­for­der­lich.

(aaa) Die Fra­ge der Zu­ord­nung zu ei­nem über­ge­gan­ge­nen Be­triebs­teil ist auch nicht wie­der klärungs­bedürf­tig ge­wor­den mit Blick auf die ers­te Vor­la­ge­fra­ge in dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen des Tri­bu­na­le di Tren­to (Ita­li­en), das beim Ge­richts­hof am 11. Ok­to­ber 2012 ein­ge­reicht wur­de (ABl. EU C 389 vom 15. De­zem­ber 2012 S. 6, beim Ge­richts­hof anhängig un­ter - C-458/12 - [Ama­to­ri ua.]). Dort fragt der Tri­bu­na­le di Tren­to den Ge­richts­hof, ob die Re­ge­lung über den „Über­gang ei­nes Un­ter­neh­mens­teils" ins­be­son­de­re in Art. 1 Abs. 1 Buchst. a und Buchst. b iVm. Art. 3 Abs. 1 der Richt­li­nie 2001/23/EG ei­ner in­ner­staat­li­chen Norm ent­ge­gen­steht, die den Ein­tritt des Er­wer­bers in die Ar­beits­verhält­nis­se des Veräußerers auch dann zulässt, oh­ne dass es der Zu­stim­mung der durch die Veräußerung be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer be­darf, wenn der Un­ter­neh­mens­teil, der Ge­gen­stand des Über­gangs ist, kei­ne be­reits vor dem Über­gang be­ste­hen­de, funk­tio­nell selbständi­ge wirt­schaft­li­che Ein­heit in der Wei­se dar­stellt, dass sie als sol­che von Veräußerer und Er­wer­ber im Zeit­punkt des Über­gangs iden­ti­fi­ziert wer­den kann.

(bbb) Die Fra­ge­stel­lung un­ter­schei­det sich von dem Sach­ver­halt, der dem Streit­fall zu­grun­de liegt. Die Kläge­rin war hier stets dem Bo­den­be­trieb als ei­ner iden­ti­fi­zier­ba­ren wirt­schaft­li­chen Ein­heit zu­ge­ord­net. Die Ent­schei­dung über den nicht ein­ge­tre­te­nen Be­triebsüber­gang ist auf­grund der feh­len­den Zu­ord­nung der Kläge­rin zu ei­nem ggf. über­ge­gan­ge­nen Be­triebs­teil zu tref­fen, nicht auf­grund des­sen, dass der Bo­den­be­trieb vor ei­nem et­wa er­folg­ten Be­triebs(-teil)über-

 

- 62 -

gang nicht iden­ti­fi­zier­bar ge­we­sen wäre. Der Bo­den­be­trieb in F bzw. Deutsch­land ging nach den in­so­weit bin­den­den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht auf die Be­klag­te zu 2. über.

(bb) Gehört der Ar­beit­neh­mer ei­ner über­nom­me­nen wirt­schaft­li­chen Ein­heit nicht an, auch nicht durch funk­tio­nel­le Ver­knüpfung der über­tra­ge­nen Funk­ti­ons­fak­to­ren, be­steht des­halb kein Grund, sein Ar­beits­verhält­nis auf den Er­wer­ber über­ge­hen zu las­sen. Das gilt auch für Un­ter­neh­men, die ei­nen welt­wei­ten Flug­be­trieb un­ter­hal­ten. Auch bei sol­chen Un­ter­neh­men gibt es Auf­ga­ben, die nur in ei­ner ört­lich be­grenz­ten wirt­schaft­li­chen Ein­heit an­fal­len und die sich nur die­ser be­grenz­ten Ein­heit zu­ord­nen las­sen. Da­zu gehören die Auf­ga­ben, die die für Deutsch­land ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten zu 1. in Deutsch­land im Bo­den­be­trieb ver­sa­hen und die die Be­klag­te zu 2. nicht über­nahm.

(3) Aus den Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 26. Mai 2011 (- 8 AZR 37/10 - Rn. 34) und 27. Ja­nu­ar 2011 (- 8 AZR 326/09 - Rn. 28 ff.) folgt nichts an­de­res. Erst bei iden­titäts­wah­ren­der Über­tra­gung ei­ner wirt­schaft­li­chen Ein­heit stellt sich die wei­te­re Fra­ge, ob der Funk­ti­ons- und Zweck­zu­sam­men­hang zwi­schen den über­tra­ge­nen Be­triebs­mit­teln so­wie den sons­ti­gen Fak­to­ren, die den Be­trieb aus­ma­chen, bei­be­hal­ten wur­de. Da­bei ist un­er­heb­lich, ob die bis­he­ri­ge Or­ga­ni­sa­ti­ons­struk­tur bei­be­hal­ten wird. Zu die­sem zwei­ten Prüfungs­schritt kommt es hier nicht, weil der Bo­den­be­trieb der Be­klag­ten zu 1. we­der in der ge­sam­ten Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land noch in F iden­titäts­wah­rend auf die Be­klag­te zu 2. über­tra­gen wur­de.

5. Die Kündi­gung ist nicht so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt iSv. § 1 Abs. 2 KSchG. Die Be­trie­be der Be­klag­ten zu 1. in der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land wur­den still­ge­legt. Der Fall bie­tet kei­nen An­lass, die Fra­ge der Ver­pflich­tung zum An­ge­bot von Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­kei­ten in ausländi­schen Be­trie­ben zu klären. Die Kläge­rin hat nicht dar­ge­legt, dass sie in ei­nem an­de­ren Be­trieb der Be­klag­ten (ggf. in Grie­chen­land) hätte wei­ter­beschäftigt wer­den müssen. Der Ar­beit­neh­mer wird sei­ner im Aus­gangs­punkt be­ste­hen­den Dar­le­gungs­last erst ge­recht, wenn er kon­kre­te Vor­stel­lun­gen zu Möglich­kei­ten an­der­wei­ti­ger Be-

 

- 63 -

schäfti­gung äußert und deut­lich macht, wie er sich sei­ne wei­te­re Tätig­keit vor­stellt, an wel­che Art der Beschäfti­gung er denkt. Erst dann hat der Ar­beit­ge­ber dar­zu­le­gen und zu be­wei­sen, wes­halb die­se Vor­stel­lun­gen nicht zu rea­li­sie­ren sind (vgl. für die st. Rspr. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 89; 18. Ok­to­ber 2012 - 6 AZR 41/11 - Rn. 50 mwN). Ei­ne so­zia­le Aus­wahl nach § 1 Abs. 3 KSchG war nicht zu tref­fen, weil die Ar­beits­verhält­nis­se al­ler an­de­ren Ar­beit­neh­mer des Be­triebs der Be­klag­ten zu 1. in F schon zu frühe­ren Zeit­punk­ten gekündigt wor­den wa­ren.

6. Das Ar­beits­verhält­nis wur­de mit der Frist des § 113 Satz 2 In­sO am 30. Ju­ni 2010 be­en­det.

a) Die Kläge­rin nimmt an, bei dem Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren hand­le es sich nicht um ein Ver­fah­ren iSd. Eu­Ins­VO.

b) Die­ser An­griff ist nicht ge­eig­net, ein In­sol­venz­ver­fah­ren und da­mit die ab­gekürz­te Kündi­gungs­frist des § 113 Satz 2 In­sO in­fra­ge zu stel­len. Da­bei kann of­fen­blei­ben, ob das in Grie­chen­land eröff­ne­te Son­der­li­qui­da­ti­ons­ver­fah­ren ein Ver­fah­ren ist, das in den Anhängen A und C der Eu­Ins­VO erwähnt ist. Auch wenn das nicht der Fall sein soll­te, läge ein In­sol­venz­ver­fah­ren iSd. §§ 335 ff. In­sO vor, des­sen Wir­kun­gen in Deutsch­land von den deut­schen Ge­rich­ten nach § 343 In­sO an­zu­er­ken­nen sind.

aa) Ob es sich um ein In­sol­venz­ver­fah­ren iSv. §§ 335 ff. In­sO han­delt, ist im Weg der Qua­li­fi­ka­ti­on zu be­stim­men. Vor­aus­set­zung ist, dass das ausländi­sche Ver­fah­ren im We­sent­li­chen den glei­chen Zie­len wie das deut­sche In­sol­venz­ver­fah­ren ver­pflich­tet ist (vgl. BGH 13. Ok­to­ber 2009 - X ZR 79/06 - Rn. 9). Das lässt sich je­den­falls durch den Rück­griff auf die Vor­ga­ben in Art. 1 Abs. 1 Eu­Ins­VO über­prüfen (vgl. Kölner Schrift/Pau­lus 3. Aufl. Kap. 46 Rn. 34, 71). Das Leit­bild der Eu­Ins­VO ist zwar nicht als zwin­gen­de An­for­de­rung an ausländi­sche In­sol­venz­ver­fah­ren in Dritt­staa­ten an­zu­se­hen (vgl. BAG 27. Fe­bru­ar 2007 - 3 AZR 618/06 - Rn. 19, BA­GE 121, 309). In­sol­venz­ver­fah­ren iSv. §§ 335 ff. In­sO sind aber je­den­falls Ge­samt­ver­fah­ren, die die In­sol­venz, dh. die Zah­lungs­unfähig­keit, die Zah­lungs­ein­stel­lung oder die Kre­dit­erschütte­rung des

 

- 64 -

Schuld­ners vor­aus­set­zen und den vollständi­gen oder teil­wei­sen Vermögens­be­schlag ge­gen ihn so­wie die Be­stel­lung ei­nes Ver­wal­ters zur Fol­ge ha­ben (vgl. Kölner Schrift/Man­kow­ski Kap. 47 Rn. 5 f.). Vermögens­be­schlag be­deu­tet, dass der Schuld­ner die Be­fug­nis­se zur Ver­wal­tung sei­nes Vermögens ver­liert (vgl. EuGH 2. Mai 2006 - C-341/04 – [Eu­ro­food 1FSC] Rn. 54, Slg. 2006, 1-3813).

bb) Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nach dem durch Art. 40 des Ge­set­zes 3710/2008 ein­gefügten Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 erfüllt. Er­for­der­lich für die Be­stel­lung ei­nes Li­qui­da­tors sind nach Art. 14 A Nr. 1 Buchst. a und Buchst. b des Ge­set­zes 3429/2005 wirt­schaft­li­che Schwie­rig­kei­ten, die zu­min­dest ei­ne Über­schul­dung oder dro­hen­de Zah­lungs­unfähig­keit nach sich zie­hen. Nach Art. 14 A Nr. 4 Satz 3 des Ge­set­zes 3429/2005 führt der Li­qui­da­tor die Geschäfte, er ver­wal­tet und ver­tritt das Un­ter­neh­men. Das führt zu ei­nem Vermögens­be­schlag, weil die Schuld­ne­rin die Be­fug­nis zur Ver­wal­tung ih­res Vermögens ver­liert. Nicht sie oder ih­re Geschäftsführung, son­dern der ge­richt­lich ein­ge­setz­te Son­der­li­qui­da­tor ist ver­tre­tungs- und ent­schei­dungs­be­fugt. Nach Art. 14 A Nr. 5 und Nr. 6 des Ge­set­zes 3429/2005 hat der Son­der­li­qui­da­tor die Ak­ti­va des Un­ter­neh­mens zu ver­wer­ten oder das Un­ter­neh­men zu veräußern. Das macht deut­lich, wel­che In­sol­venz­zwe­cke die Re­ge­lung des Art. 14 A des Ge­set­zes 3429/2005 ver­folgt. Nach Art. 14 A Nr. 20 des Ge­set­zes 3429/2005 sind für ei­ne Zeit von 18 Mo­na­ten al­le Maßnah­men der Zwangs­voll­stre­ckung und Si­che­rungs­maßnah­men ge­gen das in Son­der­li­qui­da­ti­on be­find­li­che Un­ter­neh­men aus­ge­setzt.

cc) Die deut­schen Ge­rich­te sind des­halb je­den­falls nach § 343 Abs. 1 Satz 1 In­sO ge­bun­den.

dd) Un­ge­ach­tet der An­er­ken­nungs­wir­kung fin­det deut­sches Ar­beits­recht An­wen­dung. Teil des deut­schen Ar­beits­rechts ist auch die Verkürzung der Kündi­gungs­frist bei In­sol­venzkündi­gun­gen (vgl. BAG 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 348/11 - Rn. 96; 13. De­zem­ber 2012 - 6 AZR 608/11 - Rn. 96; 20. Sep­tem­ber 2012 - 6 AZR 253/11 - Rn. 66).


- 65 -

D. Die Kläge­rin hat nach § 97 Abs. 1 ZPO die Kos­ten ih­rer er­folg­lo­sen Re­vi­si­on zu tra­gen.

Fi­scher­mei­er
Gall­ner
Spel­ge
Lauth
Döpfert

 

 

 

 

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 6 AZR 49/12  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880