Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten, Arbeitsschutz
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 1 TaBV 5/12
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 11.09.2012
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Hamburg - 29 BV 26/10
   

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg


Be­schluss

 

Geschäfts­zei­chen:
1 TaBV 5/12
(29 BV 26/10 ArbG Ham­burg)

Verkündet am: 11. Sep­tem­ber 2012

 

An­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le 


In der Be­triebs­ver­fas­sungs­sa­che

be­tref­fend:
 


be­sch­ließt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, Ers­te Kam­mer,
auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 13. Sep­tem­ber 2011
durch den Präsi­den­ten des Lan­des­ar­beits­ge­richts Dr. Nau­se als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schmidt
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin

für Recht:

Auf die Be­schwer­de des An­trag­stel­lers wird der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 24. Fe­bru­ar 2011 (29 BV 26/10) ab­geändert und fest­ge­stellt, dass die Über­tra­gung der Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG durch Schrei­ben der Be­tei­lig­ten zu 2 vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.

Die Rechts­be­schwer­de wird zu­ge­las­sen.

I.


2

Der Be­triebs­rat be­gehrt die Fest­stel­lung, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gemäß §§ 3 bis 14 des Ar­beits­schutz­ge­set­zes auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gemäß § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.

Mit Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 (An­la­ge A 1 zur An­trags­schrift) teil­te die Be­tei­lig­te zu 2, in de­ren H. Be­trieb der an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat ge­bil­det wor­den ist, den bei ihr täti­gen sechs Meis­tern mit, dass ih­nen die Un­ter­neh­mer­pflich­ten hin­sicht­lich des Ar­beits- und Um­welt­schut­zes über­tra­gen würden. Un­ter an­de­rem wur­den da­bei die Auf­ga­ben nach §§ 3 bis 14 Ar­beits­schutz­ge­setz ge­nannt. Der Be­triebs­rat wur­de zu­vor nicht be­tei­ligt.

Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass die Be­tei­lig­te zu 2 mit der Über­tra­gung der Pflich­ten auf die Meis­ter ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me nach § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG ge­trof­fen ha­be, an der er zu be­tei­li­gen ge­we­sen wäre.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gem. §§ 3 bis 14 des Ar­beits­schutz­ge­set­zes auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gem. § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG un­ter­liegt.

Die Be­tei­lig­te zu 2 hat be­an­tragt,

den An­trag zurück­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­te zu 2 hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, dass dem Be­triebs­rat bei der Auf­ga­benüber­tra­gung kein Mit­be­stim­mungs­recht zu­ste­he.

Das Ar­beits­ge­richt Ham­burg hat durch Be­schluss vom 24. Fe­bru­ar 2011 den An­trag des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Be­schlus­ses wird auf Bl. 21 bis 30 d.A. ver­wie­sen. Ge­gen die­sen Be­schluss, der dem Be­triebs­rat am 21. März 2011 zu­ge­stellt wur­de, hat er mit Schrift­satz vom 18. April 2011, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, Be­schwer­de ein­ge­legt und zu­gleich die Verlänge­rung der Frist zur Be­gründung der Be­schwer­de bis

3

zum 21. Ju­ni 2011 be­an­tragt. Durch Be­schluss vom 28. April 2011 hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt die­sem An­trag statt­ge­ge­ben. Der Be­triebs­rat hat die Be­schwer­de mit Schrift­satz vom 21. Ju­ni 2011, beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen am sel­ben Ta­ge, be­gründet.

Der Be­triebs­rat meint, dass ihm ein Mit­be­stim­mungs­recht zu­ste­he. Die­ses fol­ge so­wohl dar­aus, dass es sich bei der Über­tra­gung der Auf­ga­ben auf die Meis­ter­grup­pe um ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me han­de­le, die nach § 3 Abs. 2 Ar­bSchG ge­trof­fen wer­de und nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG der Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats bedürfe. Des­sen Zu­stim­mung sei außer­dem er­for­der­lich, weil die Meis­ter selbst der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­lie­gen­de Maßnah­men vor­neh­men soll­ten. Da­bei sei Ge­gen­stand der Mit­be­stim­mung auch die Präzi­sie­rung der Auf­ga­ben, die von den Meis­tern erfüllt wer­den soll­ten.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,
un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 24. Fe­bru­ar 2011 – 29 BV 26/10 – fest­zu­stel­len, dass die Über­tra­gung von Un­ter­neh­mer­pflich­ten gem. §§ 3 – 14 Ar­bSchG mit An­schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2010 auf die Ar­beit­neh­mer­grup­pe der Meis­ter der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats gemäß § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG un­ter­liegt.

Die Be­tei­lig­te zu 2 be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Sie meint, dass kein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­ste­he.

 

II.

Die Be­schwer­de ist zulässig und be­gründet.

1) Die Be­schwer­de ist zulässig. Gemäß §§ 87 Abs. 1 ArbGG ist sie statt­haft. Sie ist im Sin­ne der §§ 87 Abs. 2, 64 Abs. 6, 66 Abs. 1, 89 Abs. 1 ArbGG, 519, 520 ZPO form- und frist­gemäß ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

2) Die Be­schwer­de ist be­gründet, weil der An­trag zulässig und be­gründet ist.

4

a) Der An­trag ist zulässig.

Die Vor­aus­set­zun­gen ei­nes Fest­stel­lun­g­an­tra­ges sind ge­ge­ben. Ein Fest­stel­lungs­an­trag ist möglich beim Streit um das Be­ste­hen ei­nes Rechts­verhält­nis­ses oder ein­zel­ner Be­rech­ti­gun­gen aus ei­nem Rechts­verhält­nis. Die­ses um­fasst den Streit um das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts (Schwab/Weth-Weth, § 81 Rn 27, 29). Es be­steht das er­for­der­li­che Fest­stel­lungs­in­ter­es­se. Der Be­triebs­rat kann ei­nen all­ge­mei­nen An­trag auf Fest­stel­lung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts stel­len, wenn er ei­ne Klärung für künf­tig zu er­war­ten­de, ver­gleich­ba­re Fälle be­gehrt (BAG, Be­schluss vom 30. Au­gust 1994, 1 ABR 3/94, Rn 18). Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt. Han­del­te es sich bei der Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten um ei­ne der Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats un­ter­lie­gen­de Maßnah­me, könn­te der Be­triebs­rat ver­lan­gen, an der noch fort­gel­ten­den Über­tra­gung be­tei­ligt zu wer­den und ge­mein­sam mit der Be­tei­lig­ten zu 2 ei­ne - even­tu­ell ab­wei­chen­de – Re­ge­lung zu ver­ein­ba­ren oder durch ei­nen Ent­schei­dung der Ei­ni­gungs­stel­le her­bei­zuführen. Da­mit er­langt der Streit über das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts nicht erst für mögli­che zukünf­ti­ge Fälle Be­deu­tung, son­dern be­reits für die mit dem Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 an­ge­ord­ne­te Über­tra­gung.

Der An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt. Der be­trieb­li­che Vor­gang, für den das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats strei­tig ist, muss in dem An­trag so ge­nau be­zeich­net wer­den, dass mit der Ent­schei­dung über den An­trag fest­steht, für wel­che Maßnah­men oder Vorgänge das Mit­be­stim­mungs­recht be­jaht oder ver­neint wor­den ist. Das ver­langt ei­ne so kon­kre­te Be­schrei­bung des Streit­ge­gen­stan­des, dass die Streit­fra­ge mit Rechts­kraft­wir­kung zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en ent­schie­den wer­den kann (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 9). Die­se Vor­aus­set­zung ist vor­lie­gend erfüllt. Der Be­triebs­rat be­schreibt mit der Be­zug­nah­me auf das Schrei­ben vom 16. Sep­tem­ber 2009 und die dar­in ge­nann­te Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten nach §§ 3 bis 14 Ar­bSchG kon­kret, um wel­che in­halt­li­che Maßnah­me es geht, für die er ein Mit­be­stim­mungs­recht re­kla­miert.

Darüber hin­aus soll in der Re­gel ein kon­kre­tes Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats er­for­der­lich sein, wenn es um das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG geht. Die ge­stell­ten Anträge sol­len er­ken­nen las­sen, wel­che Re­ge­lun­gen zur be­trieb­li­chen Um­set­zung ei­ner sich aus den Nor­men des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes er­ge­ben­den kon­kre­ten Hand­lungs­pflicht der Ar­beit­ge­be­rin aus Sicht des Be­triebs­rats in Be­tracht kom­men, an de­ren Aus­ge­stal­tung er mit­zu­wir­ken be­ab­sich­tigt (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 9). Ein sol­ches

5

Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats fehlt hier, weil er nicht an­gibt, wel­che Re­ge­lung er beim Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts an­streb­te. Für die Be­stimmt­heit des An­tra­ges kann bei ei­ner Fall­kon­stel­la­ti­on wie der vor­lie­gen­den für die Be­stimmt­heit des Fest­stel­lungs­an­tra­ges kein kon­kre­tes Re­ge­lungs­ver­lan­gen des Be­triebs­rats ge­for­dert wer­den. Wäre es zu­tref­fend, dass es sich bei der in dem Schrei­ben an­ge­ord­ne­ten Über­tra­gung um ei­ne mit­be­stim­mungs­pflich­ti­ge Maßnah­me han­del­te, hätte die Ar­beit­ge­be­rin die­se oh­ne die er­for­der­li­che Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats vor­ge­nom­men. Sie hätte für sich ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Re­ge­lung vor­ge­nom­men, oh­ne den Be­triebs­rat dar­an zu be­tei­li­gen. Zur ge­richt­li­chen Fest­stel­lung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rech­tes muss der Be­triebs­rat nicht ei­ne Re­ge­lung mit ei­nem be­stimm­ten In­halt an­stre­ben. Es reicht aus, dass er ver­langt, dass die Ar­beit­ge­be­rin ihn an der Maßnah­me be­tei­ligt, den Be­triebs­rat al­so un­ter­rich­tet und in ei­ne Ver­hand­lung mit dem Be­triebs­rat ein­tritt. Vom Be­triebs­rat gleich­wohl zu ver­lan­gen, dass er be­stimm­te Re­ge­lun­gen durch­set­zen möch­te, wird dem Um­stand nicht ge­recht, dass der Be­triebs­rat sich in die­ser Fall­kon­stel­la­ti­on in ei­ner pas­si­ven Rol­le be­fin­det, al­so ei­ner ein­sei­ti­gen Re­ge­lung der Ar­beit­ge­be­rin aus­ge­setzt ist, von der er an­nimmt, dass er an ihr zu be­tei­li­gen ge­we­sen wäre. Die Ar­beit­ge­be­rin muss den Be­triebs­rat nicht nur be­tei­li­gen, wenn die­ser ab­wei­chen­de Re­ge­lungswünsche geäußert hat. Dem­gemäß kann sich der Be­triebs­rat ge­gen ei­ne ein­sei­ti­ge Re­ge­lung be­reits dann weh­ren, wenn sie von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­nom­men wor­den ist.

b) Der An­trag ist be­gründet. Die Über­tra­gung der Un­ter­neh­mer­pflich­ten gemäß dem Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin vom 16. Sep­tem­ber 2010 ist nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig.

Nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG hat der Be­triebs­rat bei be­trieb­li­chen Re­ge­lun­gen über den Ge­sund­heits­schutz mit­zu­be­stim­men, wenn die Ar­beit­ge­be­rin die­se auf­grund ei­ner öffent­lich-recht­li­chen Rah­men­vor­schrift zu tref­fen hat und ihr bei der Ge­stal­tung Hand­lungs­spielräume ver­blei­ben. Das Mit­be­stim­mungs­recht setzt ein, wenn ei­ne ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht ob­jek­tiv be­steht und we­gen Feh­lens ei­ner zwin­gen­den Vor­ga­be be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen ver­langt, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen. Ob die Rah­men­vor­schrift dem Ge­sund­heits­schutz un­mit­tel­bar oder mit­tel­bar dient, ist un­er­heb­lich. Kei­ne Rol­le spielt auch, wel­chen Weg oder wel­che Mit­tel die dem Ge­sund­heits­schutz die­nen­de Rah­men­vor­schrift vor­sieht. Eben­so we­nig kommt es auf ei­ne sub­jek­ti­ve Re­ge­lungs­be­reit­schaft der Ar­beit­ge­be­rin an. Der Be­griff des Ge­sund­heits­schut­zes in § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG stimmt mit dem­je­ni­gen des Ar­beits­schutz­ge­set­zes übe­rein. Be­trof­fen sind Maßnah­men, die da­zu die­nen, die psy­chi­sche und phy­si­sche In­te­grität der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer zu er­hal­ten, der ar­beits­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt ist, die zu me­di­zi­nisch fest­stell­ba­ren Ver­let­zun­gen

6

oder Er­kran­kun­gen führen oder führen können, wo­bei auch vor­beu­gen­de Maßnah­men er­fasst wer­den. Die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten über den Ge­sund­heits­schutz, die das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG auslösen, müssen als Rah­men­vor­schrift aus­ge­stal­tet sein. Dies ist der Fall, wenn sie Maßnah­men zur Gewähr­leis­tung des Ge­sund­heits­schut­zes ver­lan­gen, die zu tref­fen­den Maßnah­men aber nicht selbst de­tail­liert be­schrei­ben, son­dern der Ar­beit­ge­be­rin ein zu er­rei­chen­des Schutz­ziel vor­ge­ben. Vor­aus­set­zung des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG ist fer­ner, dass die An­wen­dung der Rah­men­vor­schrift ei­ne be­trieb­li­che Re­ge­lung not­wen­dig macht, in der Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat ge­mein­sam fest­le­gen, in wel­cher Wei­se das vor­ge­ge­be­ne Schutz­ziel er­reicht wer­den soll. Ei­ne sol­che Re­ge­lung muss sich auf ei­nen kol­lek­ti­ven Tat­be­stand be­zie­hen, für den ei­ne abs­trakt-ge­ne­rel­le Lösung er­for­der­lich ist. Kei­ne Re­ge­lung soll not­wen­dig sein, wenn der Ar­beit­ge­ber nach der ge­setz­li­chen Rah­men­re­ge­lung Ein­zel­maßnah­men zu tref­fen hat. Per­so­nel­le Ein­zel­maßnah­men sol­len da­her vom Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG nicht er­fasst wer­den (BAG, Be­schluss vom 18. Au­gust 2009, 1 ABR 43/08, Rn 16 bis 19, Ju­ris).

Nach die­sen Grundsätzen ist ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Zif­fer 7 Be­trVG ge­ge­ben. Die öffent­lich-recht­li­che Rah­men­vor­schrift, die der Ar­beit­ge­be­rin Hand­lungs­spielräume eröff­net, ist § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG. Die Re­ge­lung gehört zum öffent­lich-recht­li­chen Ar­beits­schutz, weil sie den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern Hand­lungs­pflich­ten auf­er­legt, die al­len­falls mit­tel­bar in die Ar­beits­verhält­nis­se ein­wir­ken und ih­ren Gel­tungs­grund dar­in ha­ben, dass der Staat von den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern als Nor­mun­ter­wor­fe­nen ein Ver­hal­ten ver­langt. Da die von den Ar­beit­ge­be­rin­nen und Ar­beit­ge­bern ver­lang­te „ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on“ nicht näher fest­ge­legt ist, be­steht ei­ne Viel­zahl von Hand­lungsmöglich­kei­ten. Ziel der Re­ge­lung ist, im In­ter­es­se der be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer ei­ne möglichst ef­fi­zi­en­te Um­set­zung des ge­setz­li­chen Ar­beits­schut­zes im Be­trieb zu er­rei­chen. Die­ses folgt aus dem Wort „ge­eig­net“ in Ver­bin­dung mit den in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­re­gel­ten Grund­pflich­ten. Nach § 3 Abs. 1 Satz 1 Ar­bSchG geht es nämlich um die er­for­der­li­chen Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes un­ter Berück­sich­ti­gung der Umstände, die die Si­cher­heit und Ge­sund­heit der Beschäftig­ten bei der Ar­beit be­ein­flus­sen. Maßstab für die Eig­nung im Sin­ne des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG sind die in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­re­gel­ten Grund­pflich­ten, die un­mit­tel­bar den Ar­beits­schutz zum Ge­gen­stand ha­ben. Das Mit­be­stim­mungs­recht be­steht, weil die Ar­beit­ge­be­rin die ge­setz­li­che Hand­lungs­pflicht des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG zu erfüllen ver­pflich­tet ist. Sie „hat“ für ei­ne ge­eig­ne­te Or­ga­ni­sa­ti­on zu sor­gen. Das be­deu­tet, dass von ihr be­trieb­li­che Re­ge­lun­gen ver­langt wer­den, um das vom Ge­setz vor­ge­ge­be­ne Ziel des Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes zu er­rei­chen. Es geht da­bei um ei­ne Maßnah­me, die da­zu dient, die psy­chi­sche

7

und phy­si­sche In­te­grität der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer zu er­hal­ten, der ar­beits­be­ding­ten Be­ein­träch­ti­gun­gen aus­ge­setzt ist, die zu me­di­zi­nisch fest­stell­ba­ren Ver­let­zun­gen oder Er­kran­kun­gen führen oder führen können, wo­bei auch vor­beu­gen­de Maßnah­men er­fasst wer­den. Die „ge­eig­ne­te“ Or­ga­ni­sa­ti­on ist ein Mit­tel zur Er­rei­chung der in § 3 Abs. 1 Ar­bSchG ge­nann­ten Zie­le, bei de­nen es er­sicht­lich um den Ge­sund­heits­schutz der Ar­beit­neh­me­rin­nen und Ar­beit­neh­mer bei der Ar­beit geht. Die von § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG ge­for­der­te Maßnah­me be­zieht sich auf ei­nen kol­lek­ti­ven Tat­be­stand. Mit „Or­ga­ni­sa­ti­on“ im Sin­ne die­ser Re­ge­lung ist die Ab­lauf- und Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on des be­trieb­li­chen Ge­sund­heits­schut­zes ge­meint (Kitt­ner/Pie­per, § 3 Ar­bSchG Rn 6). Das be­deu­tet, dass es um die Re­ge­lung von Zuständig­kei­ten und Ar­beits­abläufen geht. Mit un­ko­or­di­nier­ten Ein­zel­maßnah­men lässt sich ei­ne der­ar­ti­ge Or­ga­ni­sa­ti­on nicht ver­wirk­li­chen, viel­mehr muss es ein Kon­zept für die Um­set­zung der Auf­ga­ben durch Per­so­nen und in ge­re­gel­ten Ab­lauf­bah­nen ge­ben. In die­sem Sin­ne ist die Über­tra­gung der ge­sam­ten Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG kein Bündel von Ein­zel­maßnah­men, son­dern ei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me im Sin­ne des § 3 Abs. 2 Zif­fer 1 Ar­bSchG. Die Ar­beit­ge­be­rin bringt da­mit die Ent­schei­dung zum Aus­druck, dass die Meis­ter um­fas­send für al­le Auf­ga­ben nach den §§ 3 bis 14 Ar­bSchG zuständig sein und zu­gleich die er­for­der­li­chen Maßnah­men des Ar­beits­schut­zes nach §§ 3 bis 14 Ar­bSchG er­grei­fen sol­len. Die Grup­pe der Meis­ter ist so­wohl zuständig als auch in der Um­set­zung und da­mit dem Ar­beits­ab­lauf un­ter an­de­rem al­lein ver­ant­wort­lich dafür, dass die Ar­beits­be­din­gun­gen be­ur­teilt wer­den, die Er­geb­nis­se der Be­ur­tei­lun­gen do­ku­men­tiert wer­den, der Ar­beits- und Ge­sund­heits­schutz bei der Zu­sam­men­ar­beit meh­re­rer Un­ter­neh­men be­ach­tet wird, ei­ne ar­beits­me­di­zi­ni­sche Vor­sor­ge er­folgt und die Beschäftig­ten un­ter­wie­sen wer­den. Da­mit wird um­fas­send die Ab­lauf- und Auf­bau­or­ga­ni­sa­ti­on des Ge­sund­heits­schut­zes im Be­trieb ge­re­gelt. Die Über­tra­gung geht über ei­ne Ein­zelüber­tra­gung nach § 13 Ar­bSchG hin­aus. Ei­ne sol­che Ein­zelüber­tra­gung ist kei­ne or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­me, weil sie vor­aus­setzt, dass es ei­ne da­von un­abhängi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on des be­trieb­li­chen Ar­beits- und Ge­sund­heits­schut­zes gibt. Im Ge­gen­satz da­zu wird durch das Schrei­ben der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Auf­bau- und Ab­lauf­or­ga­ni­sa­ti­on zum Ge­sund­heits­schutz ge­schaf­fen, weil es Zuständig­kei­ten schafft und Ar­beits­aufträge ver­teilt.

Der Fest­stel­lungs­an­trag geht nicht über den Be­reich hin­aus, für den das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­steht, so dass es sich bei ihm nicht um ei­nen un­be­gründe­ten Glo­balan­trag han­delt.

3) Ei­ne Kos­ten­ent­schei­dung ist nicht ver­an­lasst, § 2 Abs. 2 GKG.

Die Rechts­be­schwer­de ist nach §§ 92 Abs. 1 Satz 2, 72 Abs. 2 Zif­fer 1 ArbGG zu­zu­las­sen.

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 1 TaBV 5/12  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin

Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

E-Mail: berlin@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main

Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

E-Mail: frankfurt@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg

Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

E-Mail: hamburg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover

Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

E-Mail: hannover@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln

Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

E-mail: koeln@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München

Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

E-Mail: muenchen@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg

Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

E-Mail: nuernberg@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Nora Schubert

Rechtsanwalt Christoph Hildebrandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht



 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart

Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

E-Mail: stuttgart@hensche.de

Ansprechpartner:

Rechtsanwältin Maike Roters
Fachanwältin für Arbeitsrecht
Fachanwältin für Sozialrecht

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880