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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Mitbestimmung: Arbeitsschutz, Mitbestimmung in sozialen Angelegenheiten
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 ABR 82/12
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 15.04.2014
   
Leit­sätze: § 11 ASiG be­gründet kei­nen An­spruch des Be­triebs­rats ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf Ein­rich­tung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Stuttgart, Beschluss vom 23.11.2011 - 14 BV 103/11
Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg, Beschluss vom 9.8.2012 - 3 TaBV 1/12
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

1 ABR 82/12
3 TaBV 1/12
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Ba­den-Würt­tem­berg

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

15. April 2014

BESCHLUSS

Met­ze, Ur­kunds­be­am­ter

der Geschäfts­stel­le

In dem Be­schluss­ver­fah­ren mit den Be­tei­lig­ten

1.

An­trag­stel­ler, Be­schwer­deführer und Rechts­be­schwer­deführer,

2.

Ar­beit­ge­be­rin,


Ver­fah­rens­be­vollmäch­tig­te: Rechts­anwälte Happ, Lu­ther, Ha­f­er­weg 24, 22769 Ham­burg,


hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der Anhörung vom 15. April 2014 durch die Präsi­den­tin des Bun­des­ar­beits­ge­richts Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Linck und Prof. Dr. Koch so­wie die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Sey­both und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Rath für Recht er­kannt:
 


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Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Ba­den-Würt­tem­berg vom 9. Au­gust 2012 - 3 TaBV 1/12 - wird zurück­ge­wie­sen.


Von Rechts we­gen!

Gründe

A. Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ver­pflich­tung der Ar­beit­ge­be­rin, ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss ein­zu­rich­ten.

Die Ar­beit­ge­be­rin ist ein Ein­zel­han­dels­un­ter­neh­men mit Sitz in H und Fi­lia­len im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet. In der Fi­lia­le 3106 in S sind 65 Ar­beit­neh­mer beschäftigt. We­gen der räum­li­chen Ent­fer­nung vom Haupt­be­trieb in H gilt die­ser Be­trieb als selbständi­ger Be­trieb im Sin­ne des Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­set­zes. Der an­trag­stel­len­de Be­triebs­rat ist dort ge­bil­det.


Die Ar­beit­ge­be­rin hat in ih­rem Haupt­be­trieb in H un­ter Be­tei­li­gung des Ge­samt­be­triebs­rats ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss ein­ge­rich­tet.


Der Be­triebs­rat hat gel­tend ge­macht, die Ar­beit­ge­be­rin ha­be auch in dem S Be­trieb ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss zu bil­den. Er hat be­an­tragt, der Ar­beit­ge­be­rin auf­zu­ge­ben, für die Fi­lia­le 3106 in S, ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss zu bil­den.


Die Ar­beit­ge­be­rin hat An­trags­ab­wei­sung be­an­tragt. 


Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag ab­ge­wie­sen, das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­schwer­de des Be­triebs­rats zurück­ge­wie­sen. Mit der Rechts­be­schwer­de ver­folgt der Be­triebs­rat sein Be­geh­ren wei­ter.

B. Die Rechts­be­schwer­de des Be­triebs­rats ist un­be­gründet. 


I. In dem Ver­fah­ren sind ne­ben den bei­den Be­tei­lig­ten nicht wei­te­re be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Stel­len nach § 83 Abs. 3 ArbGG zu hören. Ei­ne Be-
 


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tei­li­gung des Ge­samt­be­triebs­rats ist nicht er­for­der­lich. Die vom Be­triebs­rat be­gehr­te Ent­schei­dung berührt den Ge­samt­be­triebs­rat nicht in des­sen be­triebs-ver­fas­sungs­recht­li­cher Stel­lung. Der Be­triebs­rat ver­folgt sein Be­geh­ren aus ei­ge­nem Recht, die Rechts­stel­lung an­de­rer Or­ga­ne der Be­triebs­ver­fas­sung stellt er da­bei nicht in Fra­ge.

II. Der Be­triebs­rat hat kei­nen An­spruch ge­gen die Ar­beit­ge­be­rin auf Bil­dung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses. Die­ser er­gibt sich we­der aus § 11 ASiG noch aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG.


1. § 11 ASiG ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber zur Bil­dung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses. Die­se Be­stim­mung be­gründet je­doch kei­nen An­spruch des Be­triebs­rats ge­gen den Ar­beit­ge­ber auf Ein­rich­tung ei­nes sol­chen Aus­schus­ses.

a) Nach die­ser Vor­schrift hat der Ar­beit­ge­ber, so­weit in ei­ner sons­ti­gen Rechts­vor­schrift nichts an­de­res be­stimmt ist, in Be­trie­ben mit mehr als 20 Beschäftig­ten ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss zu bil­den. In die­sen hat der Be­triebs­rat zwei Mit­glie­der zu ent­sen­den. Der Ar­beits­schutz­aus­schuss hat die Auf­ga­be, An­lie­gen des Ar­beits­schut­zes und der Un­fall­verhütung zu be­ra­ten. Er tritt min­des­tens ein­mal vier­teljähr­lich zu­sam­men. Nor­madres­sat des § 11 ASiG ist der Ar­beit­ge­ber. Kommt die­ser sei­ner Ver­pflich­tung aus § 11 ASiG nicht nach, hat nach der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik des Ar­beits­si­cher­heits­ge­set­zes die Ar­beits­schutz­behörde nach § 12 ASiG die er­for­der­li­chen Maßnah­men an­zu­ord­nen (MüArbR/Koh­te 3. Aufl. § 290 Rn. 75). Der Be­triebs­rat kann nach § 89 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG die zuständi­ge Ar­beits­schutz­behörde er­su­chen, ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber die Ver­pflich­tun­gen aus § 11 ASiG im We­ge ei­ner An­ord­nung nach § 12 Abs. 1 ASiG durch­zu­set­zen (vgl. Auf­hau­ser in Auf­hau­ser/Brunhöber/Igl Ar­beits­si­cher­heits­ge­setz 4. Aufl. § 12 Rn. 7; da­zu all­ge­mein BAG 3. Ju­ni 2003 - 1 ABR 19/02 - BA­GE 106, 188). Ei­nen un­mit­tel­bar ge­gen den Ar­beit­ge­ber ge­rich­te­ten An­spruch des Be­triebs­rats auf Er­rich­tung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses enthält das Ar­beits­si­cher­heits­ge­setz da­ge­gen nicht.

b) Ent­ge­gen ei­ner im Schrift­tum ver­tre­te­nen Auf­fas­sung folgt ein sol­ches be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­ches Recht nicht aus dem Ent­sen­dungs­recht des Be-


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triebs­rats nach § 11 Satz 2 ASiG (so aber Pie­per Ar­beits­schutz­recht 5. Aufl. Ar­beits­si­cher­heits­ge­setz Rn. 134; im Er­geb­nis auch Anz­in­ger/Bien­eck Ar­beits­si­cher­heits­ge­setz § 11 Rn. 46). Da­nach gehören dem Ar­beits­schutz­aus­schuss zwei vom Be­triebs­rat be­nann­te Be­triebs­rats­mit­glie­der an. Die­se Vor­schrift be­gründet aber nur ei­nen An­spruch des Be­triebs­rats auf Ent­sen­dung zwei­er Be­triebs­rats­mit­glie­der in ei­nen be­reits be­ste­hen­den Aus­schuss, nicht hin­ge­gen auf die Er­rich­tung ei­nes sol­chen Aus­schus­ses. Nach der Ge­set­zes­sys­te­ma­tik ob­liegt die Durch­set­zung die­ser ge­setz­li­chen Ver­pflich­tun­gen viel­mehr der zu-ständi­gen Behörde. Die­se hat nach § 12 Abs. 1 ASiG ei­ne ent­spre­chen­de Maßnah­me an­zu­ord­nen und die­se nach § 20 ASiG im Wei­ge­rungs­fal­le durch Verhängung ei­ner Geld­buße durch­zu­set­zen.

2. Ein An­spruch des Be­triebs­rats auf Bil­dung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses folgt auch nicht aus § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG. Dem steht be­reits der Ein­gangs­halb­satz des § 87 Abs. 1 Be­trVG ent­ge­gen. § 11 ASiG re­gelt die ge­setz­li­che Pflicht des Ar­beit­ge­bers zur Er­rich­tung ei­nes Ar­beits­schutz­aus­schus­ses ab­sch­ließend. Hier­durch sind die In­ter­es­sen der Ar­beit­neh­mer hin­rei­chend geschützt und bedürfen kei­nes wei­te­ren Schut­zes durch Mit­be­stim­mungs­rech­te. Auch fehlt es dann, wenn der Ar­beit­ge­ber auf­grund ei­ner zwin­gen­den ge­setz­li­chen Re­ge­lung kei­ne Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten hat, an ei­nem Hand­lungs­spiel­raum, der un­ter Mit­wir­kung des Be­triebs­rats aus­zufüllen wäre (BAG 22. Ju­li 2008 - 1 ABR 40/07 - Rn. 72, BA­GE 127, 146). Der Be­triebs­rat kann des­halb die Bil­dung ei­nes sol­chen Aus­schus­ses nicht nach § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG er­zwin­gen (Fit­ting 27. Aufl. § 87 Rn. 327; Wie­se/Gut­zeit GK-Be­trVG 10. Aufl. § 87 Rn. 668; LAG Ham­burg 27. Sep­tem­ber 1995 - 4 TaBV 2/95 -). Die ge­gen­tei­li­ge Auf­fas­sung der Rechts­be­schwer­de, wo­nach es bei § 87 Abs. 1 Nr. 7 Be­trVG „auf den Ein­lei­tungs­satz“ nicht an­kom­me, ver­kennt die Sys­te­ma­tik des § 87 Be­trVG.

3. Nach­dem der An­trag be­reits we­gen feh­len­der An­spruchs­grund­la­ge ab­zu­wei­sen war, be­durf­te es kei­ner Ent­schei­dung, ob die Ar­beit­ge­be­rin ih­rer Ver­pflich­tung aus dem Ar­beits­si­cher­heits­ge­setz da­durch genügt, dass sie im
 


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Haupt­be­trieb un­ter Be­tei­li­gung des Ge­samt­be­triebs­rats ei­nen Ar­beits­schutz­aus­schuss er­rich­tet hat.


Schmidt 

Koch 

Linck

Rath 

Sey­both

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