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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsrat, Mitbestimmungsrecht, Abrufarbeit
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 1 ABR 41/87
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 28.09.1988
   
Leit­sätze: Der Be­triebs­rat hat nach § 87 Abs 1 Nr 2 Be­trVG über die Fra­ge mit­zu­be­stim­men, ob Teil­zeit­kräfte zu fes­ten Zei­ten oder nach Be­darf beschäftigt wer­den sol­len.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Solingen, Beschluss vom 11.11.1986, 2 BV 18/86
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Beschluss vom 27.3.1987, 4 TaBV 142/86
   

1 ABR 41/87
4 TaBV 142/86 Düssel­dorf

Verkündet am
28. Sep­tem­ber 1988

Zeu­ner,
Amts­in­spek­tor
als Ur­kunds­be­am­ter
der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes!

Be­schluß

In Sa­chen

pp.

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hat der Ers­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Anhörung vom 28. Sep­tem­ber 1988 durch den Präsi-den­ten Pro­fes­sor Dr. Kis­sel, die Rich­ter Mat­thes und Dr. Wel­ler so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter An­dersch und Dr. Fe­der­lin be­schlos­sen:

Die Rechts­be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers ge­gen den Be­schluß des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 27. März 1987 - 4 TaBV 142/86 - wird zurück­ge­wie­sen.

 

Von Rechts we­gen!

Gründe:

A. Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat strei­ten um die Wirk­sam­keit ei­nes Ei­ni­gungs­stel­le­ris­pruchs.

Der Ar­beit­ge­ber ist ein Un­ter­neh­men des Ein­zel­han­dels. Er be­treibt in Le­ver­ku­sen ein Kauf­haus mit et­wa 300 Ar­beit­neh­mern. Ei­ne große Zahl der Ar­beit­neh­mer sind Teil­zeit­beschäftig­te.

Der Be­triebs­rat leg­te dem Ar­beit­ge­ber im Jah­re 1984 den Ent­wurf ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung über "Grundsätze für die teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer" vor. Der Ar­beit­ge­ber ver­trat die Auf­fas­sung, der Be­triebs­rat ha­be in die­ser An­ge­le­gen­heit nicht mit­zu­be­stim­men. Der Be­triebs­rat er­reich­te die Bil­dung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le. Das Ar­beits­ge­richt So­lin­gen be­stell­te am 27. No­vem­ber 1984 (2 BV 9/84) ei­nen Vor­sit­zen­den der Ei­ni­gungs­stel­le und

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leg­te die Zahl der Bei­sit­zer fest. Die Ei­ni­gungs­stel­le soll­te sich mit der "Re­ge­lung Teil­zeit­ar­beit ... un­ter den Mit­be­stim­mungs­vor­aus­set­zun­gen des § 87 Abs. 1 Nr. 2 und 3 Be­trVG" be­fas­sen.

In ei­nem vom Ar­beit­ge­ber am 5. Fe­bru­ar 1985 ein­ge­lei­te­ten ne­ga­ti­ven Fest­stel­lungs­ver­fah­ren hat der Se­nat mit Be­schluß vom 13. Ok­to­ber 1987 (- 1 ABR 10/86 - zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen) un­ter Ab­wei­sung der Anträge des Ar­beit­ge­bers im übri­gen fest­ge­stellt, daß der Be­triebs­rat nicht mit­zu­be­stim­men hat bei der Fest­le­gung der Min­des­tes• und der Höchst­dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit der teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.

Die Ei­ni­gungs­stel­le faßte im Ter­min vom 14. April 1986 mit den Stim­men der Ar­beit­ge­ber­sei­te fol­gen­den Spruch:

"Be­triebs­ver­ein­ba­rung zwi­schen der Geschäfts­lei­tung und dem Be­triebs­rat
der K , Fi­lia­le Le­ver­ku­sen

§ 1 Gel­tungs­be­reich

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt räum­lich - für den Be­trieb der K in Le­ver­ku­sen

persönlich - für al­le dort teil­zeit­beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer/in­nen mit Aus­nah­me der lei­ten­den An­ge­stell­ten nach § 5 Abs. 3 Be­trVG

sach­lich - für die Fest­le­gung der La­ge der Ar­beits-
zei­ten teil­zeit­beschäftig­ter Mit­ar­bei-ter/in­nen

§ 2 Be­griffs­be­stim­mung

Teil­zeit­beschäftig­te sind Ar­beit­neh­mer/in­nen, de­ren re­gelmäßige Ar­beits­zeit kürzer ist als die im MTV für den Ein­zel­han­del in NRW ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit,

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§ 3 Ar­beits­zeit­rah­men

So­weit in den nach­fol­gen­den Pa­ra­gra­phen nichts an­de­res ver­ein­bart ist, gilt für Teil­zeit­be-schäftig­te fol­gen­der Ar­beits­zeit­rah­men:

a) Ver­kauf

Be­ginn der Ar­beits­zeit

Mon­tag - Frei­tag 8.55 Uhr

kur­ze Sams­ta­ge 8.25 Uhr

lan­ge Sams­ta­ge 8.25 Uhr

WSV (1. Tag) 7.55 Uhr

SSV (1. Tag) 7.55 Uhr

Hei­lig­abend 8.25 Uhr

Sil­ves­ter 8.25 Uhr

an Ta­gen mit Ab­tei­lungs­be­spre­chun­gen Ar­beits­be­ginn 25 Min. fr.

En­de der Ar­beits­zeit

Mon­tag - Frei­tag 18.55 Uhr

kur­ze Sams­ta­ge 14.05 Uhr

lan­ge Sams­ta­ge 18.05 Uhr

Hei­lig­abend 14.05 Uhr

Sil­ves­ter 14.05 Uhr

b) Nicht­ver­kauf 

Be­ginn der Ar­beits­zeit

Mon­tag Frei­tag 8.00 Uhr

En­de der Ar­beits­zeit

Mon­tag Frei­tag 17.00 Uhr

§ 4 Teil­zeit­beschäftig­te im Ganz­tags­ein­satz

Wer­den Teil­zeit­beschäftig­te ganztägig ein­ge­setzt, be­ginnt und en­det ih­re Ar­beits­zeit je Tag wie die der Voll­zeit­beschäftig­ten. Sie neh­men an Pau­sen­re­ge­lun­gen wie Voll­zeit­beschäftig­te teil.
Sie wer­den in fol­gen­den Schich­ten ein­ge­setzt:

1. Le­bens­mit­tel

1.1 ein Tag (roul­lie­rend) pro Wo­che
1.2 zwei Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che
1.3 drei Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che

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1.4 vier Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che
1.5 Don­ners­tag, Frei­tag, Sams­tag
1.6 Frei­tag, Sams­tag
1.7 Sams­tag (nur The­ken­ver­kauf, Kas­se, Körb­chen­schie­ber)
1.7.1 nur lan­ge Sams­ta­ge (nur The­ken­ver­kauf, Kas­se, Körb­chen­schie­ber)
1.8 Mon­tag, Mitt­woch, Frei­tag, Sams­tag
1.9 Diens­tag, Don­ners­tag, Sams­tag
1.10 Mon­tag, Diens­tag, Mitt­woch, Sams­tag 1.11 Don­ners­tag, Frei­tag, Sams­tag

Nicht-Le­bens­mit­tel und ver­kaufs­be­zo­ge­ne Abt.

2.1 ein Tag (roul­lie­rend) pro Wo­che
2.2 zwei Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che
2.3 drei Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che
2.4 vier Ta­ge (roul­lie­rend) pro Wo­che
2.5 Sams­tag
2.5.1 nur lan­ge Sams­ta­ge
2.6 Mon­tag, Mitt­woch, Frei­tag, Sams­tag
2.7 Diens­tag, Don­ners­tag, Sams­tag
2.8 Mon­tag, Diens­tag, Mitt­woch, Sams­tag
2.9 Don­ners­tag, Frei­tag, Sams­tag

Teil­zeit­beschäftig­te, die in den Schich­ten 1.5, 1.9, 1.11, 2.7 und 2.9 ein­ge­setzt wer­den, er­hal­ten je­den 6. Sams­tag ar­beits­frei.

Teil­zeit­beschäftig­te, die in den Schich­ten 1.8, 1.10, 2.6 und 2.8 ein­ge­setzt wer­den, er­hal­ten je­den 4. Sams­tag ar­beits­frei. Aus­ge­nom­men sind in al­len Fällen die Schlußver­kaufs­sams­ta­ge und die lan­gen Sams­ta­ge vor Weih­nach­ten.

§ 5 Nicht ganz­tags ein­ge­setz­te Teil­zeit­beschäftig­te

Die übri­gen Teil­zeit­beschäftig­ten wer­den in fol­gen­den Schich­ten an sechs Ta­gen der Wo­che ein­ge­setzt:

1. Le­bens­mit­tel
Mon­tag Frei­tag lan­ger Sams­tag kur­zer Sams­tag
1.12 9.30 14.30 9.00 - 15730 9.30 14.00
1.13 14.00 18.30 13.30 18.00 9.30 14.00
1.14 10.00 16.00 10.00 16.00 9.30 11.00
1.15 11.30 14.30 11.30 - 14.30 9.30 11.00
1.16 7.00 10.00 7.00 - 10.00 7.00 - 10.00
1.17 8.00 10.00 8.00 10.00 8.00 - 10.00
1.18 7.00 11.00 7.00 11.00 7.00 - 11.00
1.19 16.00 - 18.00 16.00 - 18.00 12.00 - 14.00

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2. Nicht-Le­bens­mit­tel und ver­kaufs­be­zo­ge­ne Abt.

Mon­tag - Frei­tag
2.10 9.30 - 14.00
2.11 14.00 - 18.30
2.12 10.00 - 16.00
2.13 11.30 - 14.30
2.14 11.30 - 16.00
2.15 11.30 - 17.30
2.16 12.30 - 17.00
2.17 13.30 - 17.30
2.18 9.00 - 12.00

3. Nicht-Ver­kauf

3.1 Mon­tag - Frei­tag  9.30 - 16.00   
lan­ger Sams­tag 9.30 - 16.00 6 Ta­ge je Wo­che Kan­ti­ne
kur­zer Sams­tag 9.30 - 11.00  

3.2 Mon­tag - Frei­tag  8.00 - 13..30/ 14.30   30 Wa­re­n­an­nah­me im Wech­sel 

3.3 Mon­tag - Frei­tag

10.30/11.30 - 17.00 

  8.00 - 13.30 bzw.
  7.30 - 14.00

3.4 3 Ta­ge je Wo­che roul­lie­rend   8.00 - 17.00
3.5 Mon­tag - Frei­tag  8.30 - 13.50

3.6 Mon­tag - Frei­tag
 
12.10 - 17.30   Vor­zim­mer
3.7 Mon­tag - Frei­tag
7.00 - 13.00 Te­le­fon­zen­tra­le
+ lan­ger Sams­tag 7.00 - 13.00  
3.7.1 kur­zer Sams­tag 7.00 - 14.30  
3.8 Mon­tag - Frei­tag 13.00 - 19.00  
+ lan­ger Sams­tag 18.30  
3.9 Mon­tag - Sams­tag 7.30 - 9.30 Pfört­ner
3.10 Mon­tag - Frei­tag 8.45 - 12.45 Be­triebs­kran­ken­kas­se
3.11 Mon­tag - Frei­tag 8.30 - 12.30 Büro all­ge­mein Geld­an­nah­me
3.12 tgl. 15 Min. vor Geschäfts­schluß  
  bis 45 Min. nach Geschäfts­schluß  
3.13 Mon­tag - Frei­tag 12.00 - 16.00 Müll­be­sei­ti­gung

§ 6 Zu­ord­nung

Je­der Teil­zeit­beschäftig­te wird ar­beits­ver­trag­lich ei­ner der in §§ 4 und 5 der Ver­ein­ba­rung auf­geführ­ten Schich­ten zu­ge­ord­net.

§ 7 Schlußbe­stim­mun­gen

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung tritt am Ta­ge ih­rer Un­ter­zeich­nung in Kraft. Sie kann mit der ge­setz­li­chen Kün-

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di­gungs­frist gekündigt wer­den und ent­fal­tet ge­setz­li­che Nach­wir­kung.

gez.: Dr. E , B 9 M W Wi

Bei­de Sei­ten ver­zich­ten auf ei­ne Be­gründung des Spruchs."

Der Ar­beit­ge­ber wei­ger­te sich in der Fol­ge­zeit, den Spruch aus­zuführen.

Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, er ha­be ge­gen den Ar­beit­ge­ber ei­nen An­spruch auf Erfüllung des Ei­ni­gungs­stel­len pruchs. Der Spruch sei nicht un­wirk­sam. Die in ihm ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen un­terlägen der er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats. Ei­ne Re­ge­lung von Be­ginn und En­de der tägli­chen Ar­beits­zeit ein­sch­ließlich der Pau­sen und der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die ein­zel­nen Wo­chen­ta­ge sei zu­min­dest bei Teil­zeit­beschäftig­ten oh­ne Fest­le­gung auch der Dau­er der tägli­chen bzw. wöchent­li­chen Ar­beits­zeit nicht möglich.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,

den Ar­beit­ge­ber zu ver­pflich­ten, den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le vom 14.04.1986 bei der Ar­beits­zeit­re­ge­lung von neu ein­ge­stell­ten Teil­zeit­beschäftig­ten zu erfüllen.

Der Ar­beit­ge­ber hat be­an­tragt, den An­trag ab­zu­wei­sen.

Zur Be­gründung hat er vor­ge­tra­gen, der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le sei un­wirk­sam, da die in ihm ver­ab­schie­de­ten Re­ge­lun­gen nicht vom er­zwing­ba­ren Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ge­deckt sei­en. Im spe­zi­el­len Fall der Teil­zeit­beschäftig­ten bein-

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hal­ten Re­ge­lun­gen über Be­ginn und En­de der Ar­beits­zeit zu­gleich zwin­gen­de Vor­ga­ben für die Dau­er der tägli­chen und wöchent­li­chen Ar­beits­zeit. Ei­ne sol­che Re­ge­lung fin­de sich in § 4 des Spruchs der Ei­ni­gungs­stel­le in den Zif­fern 1.1 - 1.11 und 2.1 - 2.9 in Verb. mit der Be­stim­mung, daß für die­se ganz­tags­beschäftig­ten Teil­zeit­kräfte die Ar­beits­zeit der Voll­zeit­beschäftig­ten gel­ten sol­le. In § 5 wer­de mit der Dau­er der je­weils mögli­chen Schich­ten zu­gleich die Dau­er der tägli­chen Ar­beits­zeit fest­ge­legt.
Die Ei­ni­gungs­stel­le ha­be al­len­falls ei­ne Rah­men­re­ge­lung für Ar­beits­zei­ten von Teil­zeit­beschäftig­ten fest­le­gen können, den die Par­tei­en des Ar­beits­ver­tra­ges ganz oder auch nur teil­wei­se ausschöpfen könn­ten.
Das Ar­beits­ge­richt hat den An­trag des Be­triebs­rats ab­ge­wie­sen. Auf die Be­schwer­de des Be­triebs­rats hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt dem An­trag statt­ge­ge­ben. Mit der zu­ge­las­se­nen Rechts­be­schwer­de be­gehrt der Ar­beit­ge­ber die Wie­der­her­stel­lung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung, während der Be­triebs­rat um Zurück­wei­sung der Rechts­be­schwer­de bit­tet.

8. Die Rechts­be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers ist un­be­gründet.

I. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men, der Be­triebs­rat könne vom Ar­beit­ge­ber ver­lan­gen, daß die­ser ei­nen Ei­ni­gungs­stel­len­spruch ent­spre­chend sei­nem Re­ge­lungs­ge­halt erfüllt.

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Nach § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG führt der Ar­beit­ge­ber Ver­ein­ba­run­gen zwi­schen Be­triebs­rat und Ar­beit­ge­ber, auch so­weit sie auf ei­nem Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le be­ru­hen, durch. Die­se Vor­schrift ver­pflich­tet den Ar­beit­ge­ber ge­genüber dem Be­triebs­rat, sol­che Ver­ein­ba­run­gen ih­rem In­halt ent­spre­chend im Be­trieb an­zu­wen­den. Um­strit­ten ist le­dig­lich, ob die­ser Durchführungs­an­spruch des Be­triebs­rats sich un­mit­tel­bar aus § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG er­gibt oder ob er sei­nen Grund in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung selbst hat. Die Fra­ge be­darf kei­ner Ent­schei­dung. Wenn nun­mehr § 77 Abs. 1 Satz 1 Be­trVG die Durchführungs­pflicht des Ar­beit­ge­bers auch auf Sprüche der Ei­ni­gungs­stel­le er­streckt, so wird dar­aus deut­lich, daß der Be­triebs­rat vom Ar­beit­ge­ber die Durchführung al­ler ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen soll ver­lan­gen können, gleichgültig, ob die­se ei­ne sol­che Pflicht des Ar­beit­ge­bers selbst be­gründen oder als ge­ge­ben vor­aus­set­zen (Be­schluß des Se­nats vom 24. Fe­bru­ar 1987 - 1 ABR 18/85 -- zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen, zu B II 1 der Gründe; Be­schluß vom 10. No­vem­ber 1987 - 1 ABB
55/86 zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen, zu B II 1 der Gründe).

Dem Lan­des­ar­beits­ge­richt ist auch dar­in zu fol­gen, daß der Be­triebs­rat ent­spre­chend der Möglich­keit der Fest­stel­lung der Un­wirk­sam­keit von Tei­len ei­nes Ei­ni­gungs­stel­len­spruchs (vgl. Be­schluß des Se­nats vom 11. März 1986 -- 1 ABR 12/84 - LU­GE 51, 217, 224 .7.. AP Nr. 14 zu § 87 Be­trVG 1972 Über­wa­chung, zu B II 1 der Gründe, m.w.N.) - sich dar­auf be­schränken kann, die Durchführung ei­nes Teils der ge­trof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen zu ver­lan­gen.

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II. Zu Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt auch an­ge­nom­men, daß der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet ist, den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le im be­an­trag­ten Um­fang zu erfüllen. Der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le ist wirk­sam. Er ist durch das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ge­deckt.

1. Der Be­triebs­rat hat nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG mit­zu­be­stim­men über Be­ginn und En­de der tägli­chen Ar­beits­zeit ein­sch­ließlich der Pau­sen so­wie über die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die ein­zel­nen Wo­chen­ta­ge. Die­ses Mit­be­stim­mungs­recht be­steht bei der Re­ge­lung der Ar­beits­zeit teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer in. dem­sel­ben Um­fang wie bei der von Voll­zeit­beschäftig­ten. Dies hat der Se­nat am 13. Ok­to­ber 1987 (- 1 ABR 10/86 - zur Veröffent­li­chung vor­ge­se­hen, zu B II 1 der Gründe) ent­schie­den. In die­sem Be­schluß hat der Se­nat näher aus­geführt, daß der Be­triebs­rat auch bei der Fest­le­gung der Min­dest- und Höchst­dau­er der tägli­chen Ar­beits­zeit teil­zeit­beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer mit­zu­be­stim­men hat, denn mit Be­ginn und En­de der tägli­chen Ar­beits­zeit wird zu­gleich de­ren Dau­er fest­ge­legt, bei­des läßt sich nicht tren­nen. Dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats ist nur die Dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit ent­zo­gen. Da­ge­gen be­trifft die Fest­le­gung der Dau­er der tägli­chen Ar­beits­zeit nur die Fra­ge, wie die ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te oder ta­rif­li­che wöchent­li­che Ar­beits­zeit an den ein­zel­nen Wo­chen­ta­gen ge­nutzt wer­den soll. Die ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen oder in­di­vi­du­al­recht­li­chen Ver­ein­ba­run­gen über die Dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit hat der Be­triebs­rat bei der Ausübung sei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts als Vor­ga­ben zu be­ach­ten. In­ner­halb die­ser Vor­ga­ben blei­ben aber zahl-

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rei­che Möglich­kei­ten für Re­ge­lun­gen, wie die wöchent­li­che Ar­beits­zeit an den ein­zel­nen Ar­beits­ta­gen ge­nutzt wer­den soll. Die Erwägung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Mit­be­stim­mung des Be­triebs­rats über die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die ein­zel­nen Wo­chen­ta­ge ha­be zur Fol­ge, daß dem Be­triebs­rat auch in­so­weit ein Mit­be­stim­mungs­recht zu­steht, als er bei vor­ge­ge­be­nen Ar­beits­zei­ten zu ent­schei­den ha­be, wie die­se im Rah­men der Schicht­ein­tei­lung auf' die ein­zel­nen Wo­chen­ta­ge zu ver­tei­len ist, steht da­mit in Übe­rein­stim­mung mit der Recht­spre­chung des Se­nats.

2. Auch die Rüge des Ar­beit­ge­bers, Fest­le­gun­gen über die Min­dest- und Höchst­dau­er der tägli­chen Ar­beits­zeit wirk­ten sich un­mit­tel­bar auf die Dau­er der Wo­chen­ar­beits­zeit aus, sie könn­ten aus die­sem Grun­de nicht dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats un­ter­lie­gen, ist un­be­gründet. Wie der Se­nat im Be­schluß vom 13. Ok­to­ber 1987 (zu B II 3 b der Gründe) ausführ­lich dar­ge­legt hat, ist das Ge­gen­teil rich­tig. Die Dau­er der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit steht vor der Ausübung des Mit­be­stim­mungs­rechts fest, Nur wie die­se Ar­beits­zeit auf die Wo­chen- und Ar­beits­ta­ge ver­teilt wer­den soll, un­ter­liegt dem Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats.

3. a) Zu Un­recht hat der Ar­beit­ge­ber in der Rechts­be­schwer­de außer­dem gerügt, der Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le ent­hal­te kei­ne Re­ge­lung der Fra­ge, was gel­ten sol­le, wenn das ein­zel­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Zeit­kon­tin­gent sich nicht naht­los in das Schicht­sys­tem ein­pas­sen las­se. Der Um­stand, daß ei­ne be­schlos­se­ne Re­ge­lung lücken­haft ist, macht den Spruch der Ei­ni­gungs­stel­le nicht un­wirk­sam.

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Dem vor­lie­gen­den Ei­ni­gungs­stel­len­spruch läßt sich aber auch un­schwer ent­neh­men, daß dann, wenn die vor­ge­ge­be­ne ver­ein­bar­te wöchent­li­che Ar­beits­zeit in dem Schicht­sys­tem nicht ganz auf­geht, der in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung ge­nann­te Schicht­be­ginn maßge­bend sein soll und der be­tref­fen­de Ar­beit­neh­mer in der für ihn letz­ten Schicht dann so lan­ge zu ar­bei­ten hat, bis er die ver­ein­bar­te Ar­beits­zeit erfüllt hat.

b) Wie der Be­gründungs­zu­sam­men­hang der Rechts­be­schwer­de er­gibt,: will der Ar­beit­ge­ber letz­ten En­des auch et­was ganz an­de­res rügen, nämlich, daß die Re­ge­lun­gen in § 4 und § 5 des Ei­ni­gungs­stel­len­spruchs es ihm ver­weh­ren, be­stimm­te va­ria­ble Ar­beits­zei­ten ein­zel­ver­trag­lich mit dem Teil­zeit­beschäftig­ten zu ver­ein­ba­ren. Auch das ist nicht rich­tig. Das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats sagt nichts darüber, was der Ar­beit­ge­ber mit dem je­wei­li­gen Ar­beit­neh­mer in­di­vi­du­al­recht­lich ver­ein­ba­ren kann (vgl. Be­schluß
des Se­nats vom 13. Ok­to­ber 1987 - 1 ABR 51/86 AP Nr. 2 zu § 77 Be­trVG 1972 Aus­le­gung). Al­ler­dings trifft es zu, daß es ei­ne Fol­ge des Mit­be­stim­mungs­rechts nach § 87 Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG ist, daß der Ar­beit­ge­ber den Ein­satz von Ar­beit­neh­mern in ka­pa­zitätsori­en­tier­ter va­ria­bler Ar­beits­zeit nicht ein­sei­tig an­ord­nen kann, viel­mehr hier­bei auf die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats an­ge­wie­sen ist und ggf. die Ei­ni­gungs­stel­le an­ru­fen muß.

c) Im übri­gen hat vor­lie­gend die Ei­ni­gungs­stel­le auf die In­ter­es­sen des Ar­beit­ge­bers in be­son­de­rem Maße Rück­sicht ge­nom­men. Nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts hat die Ei­ni-

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gungs­stel­le nämlich auf die bis­he­ri­gen Ein­satz­pläne des Ar­beit­ge­bers für Teil­zeit­kräfte zurück­ge­grif­fen; das von der Ei­ni­gungs­stel­le in den Spruch auf­ge­nom­me­ne Schicht­sys­tem ent­spricht den Ar­beits­zeit­ein­tei­lun­gen, wie sie bis­her im Be­trieb des Ar­beit­ge­bers üblich wa­ren. Der Ar­beit­ge­ber ist durch den Spruch nur ge­hin­dert, ein­sei­tig ka­pa­zitätsori­en­tier­te va­ria­ble Ar­beits­zeit an­zu­ord­nen. Das ist aber ge­ra­de ei­ne Fol­ge des Mit­be­stim­mungs­rechts des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr, 2 Be­trVG, wie oben aus­geführt wur­de.

Ist der Ei­ni­gungs­stel­len­spruch al­so ins­ge­samt rechts­wirk­sam, muß der Ar­beit­ge­ber ihn auch durchführen. Dem­ent­spre­chend war die Rechts­be­schwer­de des Ar­beit­ge­bers als un­be­gründet zurück­zu­wei­sen.

Dr. Kis­sel 

Mat­thes 

Dr. Wel­ler

An­dersch 

Dr. Fe­der­lin

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