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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung, Einstellung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz
Akten­zeichen: 9 Sa 193/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 13.08.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Kaiserslautern, Urteil vom 23.03.2010, 8 Ca 1615/09
   

Te­nor:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 23.03.2010, Az.: 8 Ca 1615/09 wird kos­ten­pflich­tig zurück­ge­wie­sen.
Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand:

Die Par­tei­en strei­ten darüber, ob ihr Ar­beits­verhält­nis auf­grund Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.09.2009 ge­en­det hat. Hilfs­wei­se ver­folgt die Kläge­rin Ansprüche auf Scha­dens­er­satz und Entschädi­gung nach § 15 AGG und ei­nen An­spruch auf An­ge­bot ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses.

Die Kläge­rin war auf der Grund­la­ge des sach­grund­los zunächst bis 31.05.2008 zum be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges vom 09.11.2007 (Bl. 13 ff. d.A.) ab dem 05.12.2007 bei der Be­klag­ten als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin, zu­letzt in der Ab­tei­lung F., Schicht DP, beschäftigt. Die Par­tei­en ver­ein­bar­ten am 08.05.2008 die ers­te Verlänge­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 30.11.2008, am 24.11.2008 die zwei­te Verlänge­rung bis zum 31.03.2009 und am 31.03.2009 die drit­te Verlänge­rung bis zum 30.09.2009 (Bl. 66-69 d.A.).

Mit ih­rer am 21.10.2009 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Kla­ge macht die Kläge­rin die Un­wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung, ei­nen An­spruch auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung, hilfs­wei­se Ansprüche auf Scha­dens­er­satz bzw. Entschädi­gung nach § 15 AGG so­wie ei­nen An­spruch auf An­ge­bot ei­nes neu­en Ar­beits­ver­trags gel­tend.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des un­strei­ti­gen Sach­ver­halts so­wie des strei­ti­gen Vor­brin­gens der Par­tei­en ers­ter In­stanz wird im Übri­gen Be­zug ge­nom­men auf den Tat­be­stand des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 23.03.2010, Az. 8 Ca 1615/09 (Bl. 115 ff. d.A.). Durch das ge­nann­te Ur­teil hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge mit den Anträgen,

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der am 31.03.2009 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 30.09.2009 ge­en­det hat.

2. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin über den 30.09.2009 hin­aus für die Dau­er des Rechts­streits als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu den übri­gen un­veränder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen wei­ter­zu­beschäfti­gen.

hilfs­wei­se

3. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 5.175,00 EUR brut­to abzüglich 923,70 EUR net­to nebst Zin­sen i.H.v. 5 %-Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 01.10.2009 zu zah­len.

4. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, min­des­tens aber 8.100,00 EUR beträgt.

5. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ein An­ge­bot zum Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen mit Wir­kung ab 01.10.2009 zu un­ter­brei­ten.

ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung –zu­sam­men­ge­fasst- aus­geführt:

Die Be­fris­tung sei nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG wirk­sam. Ins­be­son­de­re sei die Schrift­form ge­wahrt. Die Verlänge­run­gen gem. Ver­ein­ba­run­gen vom 08.05., 24.11.2008 und 31.03.2009 stell­ten auch rei­ne Verlänge­run­gen im Sin­ne von § 14 Abs. 2 Tz­B­fG dar. Die Vergütungs­erhöhun­gen sei­en Fol­ge von Ta­rif­loh­nerhöhun­gen. Das Aus­lau­fen der Be­fris­tung sei auch nicht treu­wid­rig, son­dern nach dem Wort­laut und Zu­sam­men­hang des Ge­set­zes zulässig.

Ein An­spruch auf Entschädi­gung oder Scha­dens­er­satz nach § 15 AGG schei­de aus. Das Aus­lau­fen der Be­fris­tung sei ge­schlechts­neu­tral. Die Kläge­rin ge­he wei­ter selbst da­von aus, dass die nicht mehr ge­ge­be­ne Verlänge­rungsmöglich­keit der Grund für das Aus­lau­fen der Be­fris­tung ge­we­sen sei. Ei­ne dem AGG wi­der­spre­chen­de Be­nach­tei­li­gung könne al­so le­dig­lich im Hin­blick auf die Neu­ein­stel­lun­gen vor­lie­gen oder so­weit
Ar­beit­neh­mer trotz Aus­lau­fens der Be­fris­tung ei­nen un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag an­ge­bo­ten be­kom­men hätten. Die Be­klag­te ha­be von den be­fris­tet Beschäftig­ten 14 über­nom­men, da­von 8 Männer und 6 Frau­en. Ei­ne In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des § 22 AGG be­ste­he bei die­ser Auf­tei­lung der Ge­schlech­ter nicht. Die Neu­ein­stel­lun­gen im Jahr 2009 sei­en eben­falls nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG be­fris­tet er­folgt, ei­ne sol­che neu­er­li­che Be­fris­tung aber bei der Kläge­rin nicht möglich ge­we­sen. Ein An­spruch auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags be­ste­he eben­falls nicht.

Ge­gen die­ses ihr am 31.03.2010 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Kläge­rin mit ei­nem am 26.04.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se mit Schrift­satz vom 26.05.2010, am glei­chen Tag beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen, be­gründet.

Zur Be­gründung ih­rer Be­ru­fung macht die Kläge­rin nach Maßga­be der Be­ru­fungs­be­gründung und des wei­te­ren Schrift­sat­zes vom 12.07.2010, auf die we­gen der Ein­zel­hei­ten Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 144 ff.,168 ff.) im we­sent­li­chen gel­tend:

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf den Frist­ab­lauf sei rechts­miss­bräuch­lich, da dies dem Ziel des Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­set­zes, neue Ar­beitsplätze zu schaf­fen, zu­wi­der­lau­fe. Die Be­klag­te ha­be be­zo­gen auf die Schicht der Kläge­rin aus­sch­ließlich die Ar­beits­verhält­nis­se nicht verlängert, bei wel­chem die Be­fris­tungshöchst­dau­er ab­ge­lau­fen sei. In der Ab­tei­lung, zu wel­cher die Kläge­rin gehöre, sei­en sämt­li­che Ar­beitsplätze mit zum 30.09.2009 aus­lau­fen­den Verträgen von Frau­en be­setzt ge­we­sen. Gleich­zei­tig sei­en meh­re­re neue Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­ter ein­ge­stellt wor­den, für die Schicht der Kläge­rin vier männ­li­che und jünge­re Ar­beit­neh­mer. Des­halb sei­en auch aus­rei­chen­de In­di­zi­en für ei­nen Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot im Sin­ne des § 15 AGG ge­ge­ben.

Die Kläge­rin be­an­tragt,
auf ih­re Be­ru­fung das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Kai­sers­lau­tern vom 23.03.2010, Az.: 8 Ca 1615/09 ab­zuändern.
Fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­gründe­te Ar­beits­verhält­nis nicht auf­grund der am 31.03.2009 ver­ein­bar­ten Be­fris­tung zum 30.09.2009 ge­en­det hat. Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, die Kläge­rin über den 30.09.2009 hin­aus für die Dau­er des Rechts­streits als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu im Übri­gen un­veränder­ten
Ar­beits­be­din­gun­gen wei­ter zu beschäfti­gen.

Hilfs­wei­se:
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin € 5.175,00 brut­to abzüglich € 923,70 net­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 01.10.2009 zu zah­len.
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin ei­ne an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu zah­len, de­ren Höhe in das Er­mes­sen des Ge­richts ge­stellt wird, min­des­tens aber € 8.100,00 beträgt.
Die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ein An­ge­bot zum Ab­schluss ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges als Pro­duk­ti­ons­mit­ar­bei­te­rin zu den bis­he­ri­gen Be­din­gun­gen mit Wir­kung ab 01.10.2009 zu un­ter­brei­ten.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das an­ge­foch­te­ne Ur­teil nach Maßga­be ih­res Be­ru­fungs­er­wi­de­rungs­schrift­sat­zes vom 25.06.2010, auf den Be­zug ge­nom­men wird (Bl. 163 ff. d.A.) als zu­tref­fend.

Die ver­ein­bar­te Be­fris­tung und die Verlänge­run­gen hätten die er­for­der­li­che Schrift­form ge­wahrt. Die Verlänge­rungs­ver­ein­ba­run­gen hätten sich da­bei un­ter Bei­be­halt der übri­gen ver­trag­li­chen Be­stim­mun­gen in­halt­lich nur auf den Be­en­di­gungs­zeit­punkt be­zo­gen. Die Kläge­rin stel­le im Übri­gen un­zulässi­ger­wei­se nur auf ih­re Schicht ab. Ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten lie­ge nicht vor.

Ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des § 15 AGG schei­de aus. Von den vor 2009 be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mern sei­en 29 % in ein fes­tes Ar­beits­verhält­nis über­nom­men wor­den. Die Über­nah­me­quo­te bei Männern lie­ge bei 31 % und bei Frau­en bei 27 %.

Auch im Übri­gen wird auf die zwi­schen den Par­tei­en ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie die Sit­zungs­nie­der­schrift vom 13.08.2010 Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

I. Die nach § 64 ArbGG statt­haf­te Be­ru­fung der Kläge­rin ist gemäß §§ 66 Abs. 1, 64 Abs. 6 ArbGG i.V.m. §§ 517, 519 ZPO form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Die Be­ru­fung ist so­mit zulässig.

II. In der Sa­che hat das Rechts­mit­tel je­doch kei­nen Er­folg. Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en hat in­fol­ge wirk­sam ver­ein­bar­ter Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.09.2009 sei­ne Be­en­di­gung ge­fun­den. Da­her be­steht auch kein An­spruch auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung oder An­ge­bot ei­nes neu­en Ar­beits­ver­tra­ges. Auch ei­ne nach § 7 AGG un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung liegt nicht vor, so dass auch kei­ne Ansprüche auf Scha­dens­er­satz bzw. Entschädi­gung be­ste­hen.

III. Die Be­ru­fung bleibt hin­sicht­lich der wei­ter ver­folg­ten Haupt­anträge oh­ne Er­folg. Das Ar­beits­verhält­nis hat in­fol­ge wirk­sam ver­ein­bar­ter Be­fris­tung mit Ab­lauf des 30.09.2009 sei­ne Be­en­di­gung ge­fun­den. Ein An­spruch auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung be­steht da­mit eben­falls nicht.

1. Der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 09.11.2007 konn­te gemäß § 14 Abs. 2 Tz­B­fG oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des ka­len­dermäßig be­fris­tet wer­den und zulässi­ger­wei­se nach § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG drei­ma­lig verlängert wer­den. Die zulässi­ge Höchst­be­fris­tungs­dau­er von 2 Jah­ren wur­de nicht über­schrit­ten. Die nach § 14 Abs. 4 Tz­B­fG er­for­der­li­che Schrift­form wur­de hin­sicht­lich des ursprüng­li­chen Ver­trags und der Verlänge­run­gen aus­weis­lich von Bl. 16, 67-68 d.A. ge­wahrt.

2. Die Verlänge­rungs­ver­ein­ba­run­gen stel­len auch Verlänge­run­gen im Sin­ne des § 14 Abs. 2 Satz 1, 2. HS Tz­B­fG dar. Ei­ne Verlänge­rung i.S.d. § 14 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG setzt vor­aus, dass sie noch während der Lauf­zeit des zu verlängern­den Ver­trags ver­ein­bart und nur die Ver­trags­dau­er geändert wird, nicht aber die übri­gen Ar­beits­be­din­gun­gen. An­dern­falls liegt der Neu­ab­schluss ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags vor, der nach § 14 Abs. 2 Satz 2 Tz­B­fG oh­ne Sach­grund un­zulässig ist, da zwi­schen den Par­tei­en be­reits ein Ar­beits­verhält­nis be­stan­den hat (st. Rspr., vgl. BAG Ur­teil vom 19.10.2005 - 7 AZR 31/04 - NZA 2006, 154; BAG Ur­teil vom 18.01.2006 - 7 AZR 178/05 - NZA 2006, 605; je­weils m.w.N.). Die ein­ver­nehm­li­che Ände­rung der Ar­beits­be­din­gun­gen während der Lauf­zeit ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags ist al­ler­dings be­fris­tungs­recht­lich nicht von Be­deu­tung. Die Verlänge­rungs­ver­ein­ba­run­gen be­tref­fen le­dig­lich die Fra­ge der Ver­trags­dau­er. Aus­drück­lich wird in ih­nen dar­auf hin­ge­wie­sen, dass im übri­gen al­le an­de­ren Punk­te des ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trags wei­ter­hin Gültig­keit be­hal­ten, d.h. un­verändert blei­ben. Be­reits erst­in­stanz­lich ist un­strei­tig ge­wor­den, dass die Erhöhun­gen der Vergütung nicht auf ei­ner Ände­rung des Ver­trags­in­halts be­ru­hen, son­dern Fol­ge ent­spre­chen­der Ta­rif­loh­nerhöhun­gen wa­ren. Eben­so stellt der Wech­sel der Kläge­rin in die Schicht DP kei­ne Ver­tragsände­rung dar, son­dern konn­te von der Be­klag­ten kraft des be­reits im ursprüng­li­chen Ar­beits­ver­trag vor­be­hal­te­nen Di­rek­ti­ons­rechts oh­ne Ver­tragsände­rung her­bei­geführt wer­den.

3. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten auf den Ab­lauf der ka­len­dermäßigen Be­fris­tung ist auch nicht rechts­miss­bräuch­lich. Zu­tref­fend ist, dass nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (25.04.2001 -7 AZR 376/00-, EzA § 1 BeschFG 1985 Nr. 25) die Aus­nut­zung ge­setz­lich eröff­ne­ter Be­fris­tungsmöglich­kei­ten im Ein­zel­fall rechts­miss­bräuch­lich sein kann, wenn ein Ver­trags­part­ner ei­ne an sich recht­lich mögli­che Ge­stal­tung in ei­ner mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­ba­ren Wei­se nur da­zu ver­wen­det, sich zum Nach­teil des an­de­ren Ver­trags­part­ners Vor­tei­le zu ver­schaf­fen, die nach dem Zweck der Norm und des Rechts­in­sti­tuts nicht vor­ge­se­hen sind. Der von der Be­klag­ten in An­spruch ge­nom­me­ne Vor­teil –hier die Nichtüber­nah­me der Kläge­rin in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis und statt des­sen die Neu­be­gründung sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se- stellt aber ei­nen sol­chen dar, der nach dem Zweck der Norm und dem Rechts­in­sti­tut ge­ra­de vor­ge­se­hen ist. Nach der Ge­set­zes­be­gründung soll­te durch die er­leich­ter­te Be­fris­tungsmöglich­keit nach § 14 Tz­B­fG in der Tat ein An­reiz zur Ein­stel­lung von mehr Ar­beit­neh­mern ge­ge­ben wer­den, wo­bei der Ge­setz­ge­ber da­von aus­ging, dass in vie­len Fällen be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se in un­be­fris­te­te münden würden (vgl. BT-Drucks. 14/4374 S. 1). Die­ses Ziel soll­te aber ge­ra­de nicht durch ge­setz­li­chen Zwang zur Be­gründung ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses, son­dern durch die Ent­bin­dung von die­ser Pflicht er­reicht wer­den. Der Ge­setz­ge­ber ver­trau­te dar­auf, dass der Ar­beit­ge­ber ein In­ter­es­se am Ver­bleib zunächst sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beit­neh­mer, die sich bewährt ha­ben, hat. In der Ge­set­zes­be­gründung heißt es aus­drück­lich, dass es dem Ar­beit­ge­ber ermöglicht wer­den soll, „sich bei Ab­lauf der ver­ein­bar­ten Ver­trags­lauf­zeit oh­ne Vor­lie­gen ei­nes sach­li­chen Grun­des von ei­nem Ar­beit­neh­mer zu tren­nen. Gleich­zei­tig wird der Ar­beit­ge­ber am En­de der zweijähri­gen Höchst­be­fris­tungs­dau­er ver­an­lasst, den
Ar­beit­neh­mer ent­we­der un­be­fris­tet wei­ter­zu­beschäfti­gen oder bei ent­spre­chen­dem Beschäfti­gungs­be­darf ei­nen an­de­ren Ar­beit­neh­mer be­fris­tet ein­zu­stel­len“ (vgl. BT-Drucks. 14/4374 S. 14). Dies ver­deut­licht, dass der Ge­setz­ge­ber selbst da­von aus­ge­gan­gen ist, dass dem Ar­beit­ge­ber nach Ab­lauf der Be­fris­tung bei­de Möglich­kei­ten of­fen ste­hen, al­so auch die der Nichtüber­nah­me des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers bei gleich­zei­ti­ger Neu­be­gründung ei­nes an­de­ren, sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses. Die Be­klag­te hat da­mit le­dig­lich von ei­ner nach dem Ge­setz mögli­chen und vom Ge­setz­ge­ber er­kann­ten und aus­weis­lich der Ge­set­zes­be­gründung hin­ge­nom­me­nen Ge­stal­tungsmöglich­keit Ge­brauch ge­macht. Ein Rechts­miss­brauch schei­det da­her aus. Wei­te­re Ge­sichts­punk­te, die auf ei­ne rechts­miss­bräuch­li­che Be­ru­fung auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses durch Frist­ab­lauf hin­deu­ten, macht die Kläge­rin nicht gel­tend.

4. Die Be­ru­fung auf die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in­fol­ge Frist­ab­laufs ist auch nicht des­halb rechts­miss­bräuch­lich, weil die Be­klag­te bei ih­rer Ent­schei­dung, die Kläge­rin nicht in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis zu über­neh­men, ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot nach § 7 AGG ver­s­toßen hätte. Ob die Nicht­be­ach­tung von Dis­kri­mi­nie­rungs­ver­bo­ten nach § 1 AGG bei der Ent­schei­dung über die Verlänge­rung ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags zu be­ach­ten sind, hat das BAG (13.08.2008 -7 AZR 513/07- EzA § 14 Tz­B­fG Nr 52) of­fen ge­las­sen. Eben­so ist höchst­rich­ter­lich noch nicht geklärt, ob ein even­tu­el­ler Ver­s­toß zur Un­wirk­sam­keit der Be­fris­tung, zu ei­nem An­spruch auf Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags oder nur zu ei­nem An­spruch auf Scha­dens­er­satz (so et­wa Stre­cker RdA 2009, 381, 385) führt. Dies be­darf vor­lie­gend kei­ner Ent­schei­dung, da ein Ver­s­toß der Be­klag­ten ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 7 AGG nicht fest­stell­bar ist, wor­auf im Rah­men der Be­gründung der Be­ru­fungs­zurück­wei­sung hin­sicht­lich der Hilfs­anträge (un­ten IV) ein­ge­gan­gen wird.

5. Der Um­stand, dass die Be­klag­te den Ar­beits­platz der Kläge­rin nach de­ren Aus­schei­den an­der­wei­tig be­setzt hat, führt nicht zur Un­wirk­sam­keit der ver­ein­bar­ten Be­fris­tung. Die Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tung ist nicht da­von abhängig, ob bei Ab­lauf der Ver­trags­lauf­zeit ei­ne Beschäfti­gungsmöglich­keit für den Ar­beit­neh­mer be­steht. Maßgeb­lich ist viel­mehr, ob bei Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags für die Be­fris­tung ei­ne Recht­fer­ti­gung vor­lag. Dies war hier der Fall. Die Be­fris­tung ist –wie aus­geführt- nach § 14 Abs. 2 Tz­B­fG ge­recht­fer­tigt. Sie hat da­her zur Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses geführt. Der Be­klag­ten war es des­halb un­be­nom­men, den Ar­beits­platz da­nach mit ei­nem an­de­ren Ar­beit­neh­mer zu be­set­zen. Dies verstößt ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin nicht ge­gen das ver­fas­sungs­recht­lich gewähr­leis­te­te Min­dest­maß an Ar­beit­neh­mer­schutz. Der ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Min­dest­be­stands­schutz von Ar­beits­verhält­nis­sen wird bei ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Be­fris­tun­gen durch die ge­setz­li­chen Re­ge­lun­gen im Tz­B­fG und die ar­beits­ge­richt­li­che Be­fris­tungs­kon­trol­le ge­wahrt. Ist hier­nach ei­ne Be­fris­tung zulässig, wird der Ar­beit­neh­mer nicht in sei­nen Rech­ten aus Art. 12 Abs. 1 GG ver­letzt (st. Rspr. des BAG, vgl. et­wa BAG 18.01.2006 -7 AZR 178/05- EzA § 14 Tz­B­fG Nr 26).

6. Da das Ar­beits­verhält­nis mit­hin mit Ab­lauf des 30.09.2009 en­de­te, schei­det auch ein An­spruch der Kläge­rin auf tatsächli­che Wei­ter­beschäfti­gung aus.

IV. Die Be­ru­fung hat auch kei­nen Er­folg so­weit die Kläge­rin mit ihr ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz bzw. Entschädi­gung nach §§ 7 Abs. 1, 15 Abs. 1, 2 AGG bzw. ei­nen An­spruch auf An­ge­bot ei­nes neu­en Ar­beits­ver­trags ver­folgt.

1. § 15 Abs. 1, 2 AGG bil­ligt ei­nem Ar­beit­neh­mer bei ei­nem Ver­s­toß des Ar­beit­ge­bers ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot ei­nen An­spruch auf Scha­dens­er­satz bzw. an­ge­mes­se­ne Entschädi­gung zu, wenn ein Ver­s­toß ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot (§ 7 AGG) vor­liegt. Gem. § 22 AGG muss dann, wenn ei­ne Par­tei In­di­zi­en be­weist, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen, die an­de­re Par­tei die Be­weis­last dafür, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gung vor­ge­le­gen hat.

a) Zu­tref­fend geht das Ar­beits­ge­richt zunächst da­von aus, dass das Aus­lau­fen der Be­fris­tung an sich kein Um­stand ist, der auch nur in­di­zi­ell ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­ma­le ver­mu­ten lässt. Die Kläge­rin macht selbst gel­tend, die Be­klag­te ha­be –nach An­sicht der Kläge­rin- rechts­miss­bräuch­lich die Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten nach § 14 Tz­B­fG aus­geschöpft und die im Fal­le der Kläge­rin nicht mehr be­ste­hen­de Verlänge­rungsmöglich­keit sei Grund des Nicht-Ab­schlus­ses ei­nes wei­te­ren Ver­tra­ges ge­we­sen.

b) In Be­tracht kommt ei­ne Be­nach­tei­li­gung da­durch, dass die Be­klag­te die Kläge­rin nicht in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über­nom­men hat, ob­wohl sie dies bei an­de­ren Ar­beit­neh­mern, de­ren Ar­beits­verhält­nis in­fol­ge sach­grund­lo­ser Be­fris­tung oh­ne wei­te­re Verlänge­rungsmöglich­keit en­de­te, tat.

Die Kläge­rin ist in­so­weit aber ih­rer Dar­le­gungs­last nicht ge­recht ge­wor­den. Sie hätte zu­min­dest In­di­zi­en dar­le­gen müssen, die in­so­weit ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen. Hier­an fehlt es.

So­weit die Kläge­rin dar­auf ab­stellt, sämt­li­che Ar­beitsplätze in ih­rer Ab­tei­lung mit be­fris­te­ten Verträgen, die am 30.09.2009 aus­ge­lau­fen sei­en, sei­en mit Frau­en be­setzt ge­we­sen und in ih­rer Schicht sei­en ab 01.10.2009 aus­sch­ließlich jun­ge Männer ein­ge­stellt wor­den, liegt schon kei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts oder des Al­ters vor, da die Kläge­rin selbst nicht gel­tend macht, in ih­rer Ab­tei­lung oder Schicht sei­en Männer oder jünge­re Ar­beit­neh­mern im An­schluss an an sich aus­lau­fen­de sach­grund­los be­fris­te­te Ar­beits­verträge in ein Ar­beits­verhält­nis über­nom­men wor­den.

Wenn die Kläge­rin gel­tend macht, zum 01.10.2009 sei­en in ih­rer Schicht aus­sch­ließlich jun­ge Männer ein­ge­stellt wor­den, han­del­te es sich nach den Fest­stel­lun­gen des Ar­beits­ge­richts um die Neu­be­gründung im Sin­ne des § 14 Abs. 2 Tz­B­fG sach­grund­los be­fris­te­ter Ar­beits­verhält­nis­se. Die Zu­gehörig­keit der Kläge­rin zu der Grup­pe weib­li­cher bzw. älte­rer Ar­beit­neh­mer/-in­nen in­di­ziert nicht ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes der in § 1 AGG auf­geführ­ten Merk­ma­le. Der er­neu­te Ab­schluss ei­nes sach­grund­los be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trags mit der Kläge­rin wäre auf­grund der be­reits er­folg­ten drei­ma­li­gen Verlänge­rung des be­fris­te­ten Ver­trags nach § 14 Abs. 2 Satz 1, 2 Tz­B­fG nicht mehr möglich ge­we­sen. Des­halb in­di­ziert der von der Kläge­rin vor­ge­tra­ge­ne Sach­ver­halt nicht, dass die hier­in un­ter Umständen lie­gen­de Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin (mit-) ursächlich we­gen de­ren Ge­schlechts und/oder Al­ters er­folgt wäre.

c) Im Übri­gen teilt die Be­ru­fungs­kam­mer nicht die Auf­fas­sung der Kläge­rin, zur Be­ant­wor­tung der Fra­ge, ob Tat­sa­chen vor­lie­gen, die ei­ne im Sin­ne des AGG ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung zu­min­dest in­di­zi­ell na­he le­gen, sei nur auf die Ab­tei­lung oder gar nur auf die Schicht der Kläge­rin ab­zu­stel­len, nicht. Un­ter Berück­sich­ti­gung des In­halts des mit der Kläge­rin ab­ge­schlos­se­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trags behält sich die Be­klag­te vor, Ar­beit­neh­mern auch an­de­re, Vor­bil­dung und Fähig­kei­ten ent­spre­chen­de Auf­ga­ben zu über­tra­gen und die­se auch in an­de­ren Ab­tei­lun­gen ein­zu­set­zen. Es ist da­her sach­ge­rech­ter, bei zah­lenmäßigen Ver­glei­chen zur Dar­le­gung ei­ner zu­min­dest in­di­zi­el­len mit­tel­ba­ren Be­nach­tei­li­gung auf den Be­trieb und nicht auf ein­zel­ne Ab­tei­lun­gen oder Schich­ten ab­zu­stel­len, da an­sons­ten der Ar­beit­ge­ber, der et­wa ein aus­ge­wo­ge­nes Verhält­nis von männ­li­chen und weib­li­chen Beschäftig­ten er­strebt, bei Aus­tausch­bar­keit der Ar­beit­neh­mer auch bei der Zu­sam­men­set­zung von Ab­tei­lun­gen oder Schich­ten auf ein zah­lenmäßig aus­ge­wo­ge­nes Verhält­nis der Ge­schlech­ter ach­ten müss­te und sich um­ge­kehrt der In­di­zie­rung be­nach­tei­li­gen­den Ver­hal­tens da­durch ent­zie­hen könn­te, dass er in Ausübung des Di­rek­ti­ons­rechts nur in der Schicht oder Ab­tei­lung für ein aus­ge­wo­ge­nes Verhält­nis sorgt.

Be­zo­gen auf den Be­trieb hat die Kläge­rin aber kei­ne Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die den Schluss auf ei­ne Be­vor­zu­gung jünge­rer und/oder männ­li­cher Ar­beit­neh­mer na­he­le­gen. Im Ge­gen­teil hat die Be­klag­te im Ein­zel­nen vor­ge­tra­gen, dass das Verhält­nis weib­li­cher und männ­li­cher Ar­beit­neh­mer, de­ren sach­grund­lo­se Be­fris­tung in 2009 aus­lief, und die in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis über­nom­men wur­den, annähernd aus­ge­wo­gen war. Dem ist die Kläge­rin ih­rer­seits nicht sub­stan­ti­iert ent­ge­gen­ge­tre­ten.

2. Lässt sich ei­ne nach dem AGG ver­bo­te­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin nicht fest­stel­len, schei­den Ansprüche auf Scha­dens­er­satz und Entschädi­gung aus. Auch ein An­spruch auf An­ge­bot ei­nes neu­en Ar­beits­ver­tra­ges be­steht nicht, un­ge­ach­tet der Fra­ge, ob ei­nem sol­chen An­spruch § 15 Abs. 6 AGG ent­ge­genstünde.

V. Die Be­ru­fung der Kläge­rin war da­her mit der Kos­ten­fol­ge aus § 97 ZPO zurück­zu­wei­sen. Ein Re­vi­si­ons­zu­las­sungs­grund nach § 72 Abs. 2 ArbGG be­steht nicht.

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