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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Befristung: Kündbarkeit des Arbeitsvertrags, Kündigung: Zeitvertrag
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Sachsen-Anhalt
Akten­zeichen: 6 Sa 391/09
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 01.06.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Halle (Saale), Urteil vom 4.08.2009, 4 Ca 493/09
   

Ak­ten­zei­chen:
6 Sa 391/09
4 Ca 493/09
ArbG Hal­le

Verkündet am: 01.06.2010

, Jus­tiz­an­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT

SACHSEN-AN­HALT

IM NA­MEN DES VOL­KES

UR­TEIL

In dem Rechts­streit

 

 

 

 

 

we­gen: Kündi­gung


hat die 6. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Sach­sen-An­halt auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 1. Ju­ni 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt als Vor­sit­zen­den so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter M und E als Bei­sit­zer für Recht er­kannt:

- 2 -

Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts
Hal­le vom 04.08.2009 – 4 Ca 493/09 – ab­geändert.

Die Kla­ge wird ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

T A T B E S T A N D:

Die Par­tei­en strei­ten über die (vor­zei­ti­ge) Be­en­di­gung ei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges auf Grund Kündi­gung der Be­klag­ten.

Die Kläge­rin war seit 20.10.2008 als Au­gen­op­ti­ker­ge­sel­lin für die Be­klag­te, in de­ren Be­trieb re­gelmäßig vier Ar­beit­neh­mer beschäftigt wer­den, auf Grund des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges vom 20.10.2008 (Blatt 5 der Ak­te) tätig. Der vor­ste­hend ge­nann­te Ar­beits­ver­trag war auf den 30.09.2008 be­fris­tet. In dem For­mu­lar­ver­trag heißt es un­ter an­de­rem:

"§ 2 Tätig­keit, Lohn, Pro­be­zeit, Kündi­gung, Ar­beits­zeit

Der Ar­beit­neh­mer wird als Au­gen­op­ti­ker­ge­sel­lin

zum Dienst­an­tritt am 20.10.2008 ein­ge­stellt.

Die­ser Ar­beits­ver­trag ist be­fris­tet bis zum 31.10.2009. Während die­ser Zeit können bei­de Ver­trags­part­ner mit ei­ner Frist von ... kündi­gen.

Die ers­ten 3 Mo­na­te des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­ten als Pro­be­zeit. Während der Pro­be­zeit kann das Ar­beits­verhält­nis bei­der­seits gekündigt wer­den, mit ei­ner Frist von

zwei Wo­chen .

Für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses - nach Ab­lauf der Pro­be­zeit -

gilt die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist.

Die frist­gemäße Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ist vor dem ver­ein­bar­ten Dienst­an­tritt - nicht - zulässig.

Die Gültig­keit die­ses Ar­beits­ver­trags ist da­von abhängig, daß spätes­tens bei Dienst­an­tritt durch den Ar­beit­neh­mer ord­nungs­gemäße Ar­beits­pa­pie­re über­ge­ben wer­den."

Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en mit Schrei­ben vom 27.01.2009
(Blatt 6 der Ak­te) frist­gemäß zum 28.02.2009.

Die Kläge­rin hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der Kündi­gung kom­me kei­ne Rechts­wirk­sam­keit zu, weil sie ge­gen § 242 BGB (Treu und Glau­ben) ver­s­toße, da die Be­klag­te noch kurz vor Aus­spruch der Kündi­gung zum Ab­lauf der ver­ein­bar­ten drei­mo­na­ti­gen Pro­be­zeit – un­strei­tig – erklärt ha­be, sie sei mit der Kläge­rin zu­frie­den. Im Übri­gen sei das be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en über­haupt nicht mehr nach Ab­lauf der Pro­be­zeit vor­zei­tig or­dent­lich künd­bar, da ein der­ar­ti­ges Kündi­gungs­recht nicht wirk­sam ver­trag­lich ver­ein­bart wor­den sei. Zwar ent­hal­te § 2 des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges ent­spre­chen­de Re­ge­lun­gen. Die­se be­zie­hen sich je­doch nicht auf ei­ne Kündi­gungsmöglich­keit nach Ab­lauf der Pro­be­zeit, weil die Par­tei­en die dies­bezügli­che Pas­sa­ge im obe­ren Teil des § 2 (gel­ten­de Kündi­gungs­frist) ge­ra­de nicht aus­gefüllt ha­ben.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen den Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis nicht durch die Kündi­gung der Be­klag­ten vom 27.01.2009 zum 28.02.2009 be­en­det wur­de.

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Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der streit­ge­genständ­li­chen Kündi­gung kom­me Rechts­wirk­sam­keit zu. Die­se sei kei­nes­wegs treu­wid­rig. Wei­ter sei zwi­schen den Par­tei­en die vor­zei­ti­ge Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges ver­ein­bart wor­den. § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges re­ge­le ei­ne vor­zei­ti­ge Künd­bar­keit auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit. Hierfür gel­te die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit Ur­teil vom 04.08.2009 fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die streit­be­fan­ge­ne Kündi­gung nicht auf­gelöst wor­den ist und der Be­klag­ten die Kos­ten des Rechts­streits auf­er­legt. Zur Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt im we­sent­li­chen aus­geführt, der Kündi­gung kom­me kei­ne Rechts­wirk­sam­keit zu, weil der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en je­den­falls nach Ab­lauf der Pro­be­zeit nicht mehr or­dent­lich künd­bar ge­we­sen sei. Ein dies­bezügli­ches Kündi­gungs­recht sei nicht hin­rei­chend be­stimmt in § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges der Par­tei­en ver­ein­bart wor­den. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung wird auf Blatt 25–33 der Ak­te ver­wie­sen.

Ge­gen die­ses, ihr am 05.10.2009 zu­ge­stell­te Ur­teil hat die Be­klag­te am 20.10.2009 Be­ru­fung ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis zum 05.01.2010 am 04.01.2010 be­gründet.

Mit ih­rem Rechts­mit­tel ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Klag­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter.
Sie be­haup­tet, die Kündi­gung der Kläge­rin ver­bun­den mit ei­ner an­der­wei­ti­gen Be­set­zung des Ar­beits­plat­zes be­ru­he auf ei­ner Er­kran­kung ih­res Va­ters, der – un­strei­tig – bis­her im Be­trieb mit­ge­ar­bei­tet ha­be. Da die Kläge­rin – eben­falls un­strei­tig – die von ihm aus­geübten spe­zi­el­len Tätig­kei­ten im Be­reich „Kon­takt­lin­sen“ und „Re­frak­ti­on“ fach­lich nicht ausüben könne, sei es not­wen­dig ge­we­sen an Stel­le der Kläge­rin ei­ne Mit­ar­bei­te­rin ein­zu­stel­len, die auch die Auf­ga­ben ih­res Va­ters mit über­neh­men könne.
Im Übri­gen hält die Be­klag­te an ih­rer Rechts­auf­fas­sung, der Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en sei auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit vor­zei­tig künd­bar, fest.

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Die Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Hal­le vom 04.08.2009 – 4 Ca 493/09 – ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt die an­ge­foch­te­ne Ent­schei­dung und be­strei­tet, dass die neu­ein­ge­stell­te Mit­ar­bei­te­rin über die er­for­der­li­chen Qua­li­fi­ka­tio­nen verfüge, um den Ar­beits­platz des Va­ters der Be­klag­ten ein­zu­neh­men. Im Übri­gen sei die­ser wei­ter­hin im Be­trieb der Be­klag­ten tätig.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Par­tei­vor­brin­gens wird auf die zur Ak­te ge­reich­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.

 

E N T S C H E I D U N G S G R Ü N D E:

A.
Die an sich statt­haf­te (§§ 8 Abs. 2, 64 ArbGG) auch im Übri­gen zulässi­ge (§ 66 Abs. 1 ArbGG) Be­ru­fung der Be­klag­ten ist be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat der Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu Un­recht statt­ge­ge­ben. Der Kündi­gung vom 27.01.2009 kommt Rechts­wirk­sam­keit zu. Sie löst das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en zum 28.02.2009 auf.

I.
Die Kündi­gung ist nicht des­halb un­wirk­sam, weil für die Be­klag­te kein vor­zei­ti­ges Kündi­gungs­recht des be­fris­te­ten Ver­tra­ges nach Ab­lauf der Pro­be­zeit be­stan­den hat (§ 15 Abs. 3 Tz­B­fG). Ein sol­ches Kündi­gungs­recht ist viel­mehr zwi­schen den Par­tei­en rechts­wirk­sam in § 2 des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges vom 20.10.2008 ver­ein­bart wor­den.

- 6 -

1.
Dem steht zunächst nicht § 305c Abs. 1 BGB – über­ra­schen­de Klau­sel – ent­ge­gen. Die Re­ge­lung ist nicht des­halb über­haupt nicht Ver­trags­be­stand­teil ge­wor­den, weil es sich hier­bei um ei­ne über­ra­schen­de Klau­sel han­delt. Die Künd­bar­keit des Ar­beits­verhält­nis­ses ist viel­mehr druck­tech­nisch mit ei­ner ei­ge­nen Über­schrift her­vor­ge­ho­ben wor­den, die sich – wie die je­weils durch ein Kom­ma ge­trenn­te Aufzählung in der Über­schrift aus­weist – nicht nur auf die Pro­be­zeit be­zieht.

2.
Ei­ne Aus­le­gung des § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges er­gibt, dass sich die Par­tei­en auch nach Ab­lauf der Pro­be­zeit die vor­zei­ti­ge or­dent­li­che Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges vor­be­hal­ten ha­ben (§ 15 Abs. 3 Tz­B­fG). All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen, die nach dem äußeren Er­schei­nungs­bild der Ver­trags­ur­kun­de und dem Sach­vor­trag der Par­tei­en vor­lie­gen, sind nach den Grundsätzen der Aus­le­gung von Nor­men aus­zu­le­gen. Sie sind nach ih­rem ob­jek­ti­ven In­halt und ty­pi­schen Sinn ein­heit­lich so aus­zu­le­gen, wie sie von verständi­gen und red­li­chen Ver­trags­part­nern un­ter Abwägung der In­ter­es­sen der nor­ma­ler­wei­se be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se ver­stan­den wer­den, wo­bei die Verständ­nismöglich­kei­ten des durch­schnitt­li­chen Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders zu Grun­de zu le­gen sind (BAG 04.06.2008 – 4 AZR 308/07 – ju­ris Rz. 30).
Da­nach ist § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges so zu le­sen, dass bei­de Par­tei­en den Ar­beits­ver­trag nach Ab­lauf der Pro­be­zeit un­ter Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Kündi­gungs­frist kündi­gen können.
Das er­gibt sich aus dem Wort­sinn des § 2. Da­bei sind die Tei­le des § 2 re­le­vant, die von den Par­tei­en durch An­kreu­zen bzw. Un­ter­strei­chen „aus­gewählt“ wor­den sind. Das ers­te Kreuz er­fasst die For­mu­lie­rung: „Während die­ser Zeit können bei­de Ver­trags­part­ner mit ei­ner Frist von kündi­gen“. Das zwei­te Kreuz deckt die For­mu­lie­rung ab: „Für die Kündi­gung des Ar­beits­ver­tra­ges – nach Ab­lauf der Pro­be­zeit – gilt die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist“. Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin folgt aus der of­fen ge­las­se­nen Textlücke in der For­mu­lie­rung „mit ei­ner Frist von kündi­gen“ nicht, dass die Par­tei­en nur für die Pro­be­zeit die Künd­bar­keit des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges eröff­nen woll­ten. Durch das An­kreu­zen ei­ner der drei Möglich­kei­ten be­tref­fend die Kündi­gungs­frist für den Zeit­raum nach Ab­lauf der Pro­be­zeit im fol­gen­den Kas­ten wird viel­mehr deut­lich, dass die wei­ter oben aus­drück­lich an­ge­kreuz­te Re­ge­lung über die Künd­bar­keit des Ar­beits­verhält­nis­ses nach Ab­lauf der Pro­be­zeit gel­ten soll­te. Es würde aus der Sicht ei­nes red­li­chen

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Ver­trags­part­ners kei­nen Sinn ma­chen, zunächst ei­ne nicht auf die Pro­be­zeit be­schränk­te Künd­bar­keit des Ar­beits­verhält­nis­ses „an sich“ an­zu­kreu­zen und im fol­gen­den Ab­satz die für die­sen Zeit­raum maßgeb­li­che Kündi­gungs­frist durch wei­te­res An­kreu­zen ei­ner von drei vor­ge­ge­be­nen Möglich­kei­ten ex­akt zu be­stim­men, wenn das Ar­beits­verhält­nis nach dem Wil­len der Par­tei­en während die­ses Zeit­raums über­haupt nicht gekündigt wer­den soll. Viel­mehr er­gibt sich aus ei­ner Ge­samt­schau der an­ge­kreuz­ten Pas­sa­gen des § 2 des Ar­beits­ver­tra­ges, dass durch das zwei­te Kreuz die „Lücke“ in der ers­ten an­ge­kreuz­ten Pas­sa­ge ge­schlos­sen wer­den soll.

3.
Da­mit schei­tert die Gel­tung die­ser Klau­sel auch nicht an § 305c Abs. 2 BGB – Un­klar­hei­ten­re­gel. Wie aus­geführt, ist ei­ne zu ei­nem ein­deu­ti­gen Er­geb­nis führen­de Aus­le­gung möglich.

4.
Schluss­end­lich ist die Klau­sel nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot gemäß § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB rech­t­un­wirk­sam. Die Be­stim­mung ver­pflich­tet den Ver­wen­der von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die Rech­te und Pflich­ten sei­nes Ver­trags­part­ners möglichst klar und durch­schau­bar dar­zu­stel­len. Das Trans­pa­renz­ge­bot schließt das Be­stimmt­heits­ge­bot ein und ver­langt, dass die tat­be­stand­li­chen Vor­aus­set­zun­gen und Rechts­fol­gen ei­ner Klau­sel so ge­nau be­schrie­ben wer­den, dass für den Ver­wen­der kei­ne un­ge­recht­fer­tig­ten Be­ur­tei­lungs­spielräume ent­ste­hen. Ei­ne For­mu­l­ar­be­stim­mung genügt dem Be­stimmt­heits­ge­bot nur dann, wenn sie im Rah­men des recht­lich und tatsächlich Zu­mut­ba­ren die Rech­te und Pflich­ten des Ver­trags­part­ners des Klau­sel­ver­wen­ders so klar und präzi­se wie möglich um­schreibt (BAG 08.08.2007 – 7 AZR 605/06).
Die­sen An­for­de­run­gen genügt § 2 des For­mu­lar­ar­beits­ver­tra­ges. Die in­ner­halb die­ser Klau­sel für das Ver­trags­verhält­nis maßgeb­li­chen Pas­sa­gen sind durch An­kreu­zen bzw. Un­ter­strei­chen deut­lich kennt­lich ge­macht. Für ei­nen Ver­trags­part­ner, der die an­ge­kreuz­ten Pas­sa­gen ins­ge­samt auf­merk­sam durch­liest, er­sch­ließt sich der Ge­sam­tin­halt in ein­deu­ti­ger Wei­se: Der Ar­beits­ver­trag ist be­fris­tet bis zum 30.10.2009. Während die­ser Zeit kann er von bei­den Par­tei­en gekündigt wer­den. Die ers­ten drei Mo­na­te sind Pro­be­zeit. Für die­se gilt ei­ne Kündi­gungs­frist von zwei Wo­chen. Da­nach gilt die ge­setz­li­che Kündi­gungs­frist.

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II.
Die Kündi­gung ist nicht we­gen Ver­s­toßes ge­gen die Grundsätze von Treu und Glau­ben gemäß § 242 BGB un­wirk­sam. Gründe, die die Kündi­gung als treu­wid­rig er­schei­nen las­sen, sind nach dem sich bie­ten­den Sach­ver­halt nicht er­kenn­bar.
Für die Be­stim­mung des In­halts und der Gren­zen ei­nes Kündi­gungs­schut­zes außer­halb des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes ist die Be­deu­tung grund­recht­li­cher Schutz­pflich­ten zu be­ach­ten. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts muss der Ar­beit­neh­mer auch außer­halb des Gel­tungs­be­reichs des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes über die zi­vil­recht­li­chen Ge­ne­ral­klau­seln vor ei­ner sit­ten- oder treu­wid­ri­gen Ausübung des Kündi­gungs­rechts des Ar­beit­ge­bers geschützt wer­den (§§ 242, 138 BGB). Im Rah­men die­ser Ge­ne­ral­klau­seln ist auch der ob­jek­ti­ve Ge­halt der Grund­rech­te, vor al­lem Ar­ti­kel 12 Abs. 1 GG, zu be­ach­ten. Maßgeb­lich sind die Umstände des Ein­zel­falls. Der durch die Ge­ne­ral­klau­seln ver­mit­tel­te Schutz darf al­ler­dings auch nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht da­zu führen, dass außer­halb des Kündi­gungs­schutz­ge­set­zes dem Ar­beit­ge­ber prak­tisch die im Kündi­gungs­schutz­ge­setz vor­ge­ge­be­nen Maßstäbe der So­zi­al­wid­rig­keit auf­er­legt wer­den. In sach­li­cher Hin­sicht geht es dar­um, Ar­beit­neh­mer vor willkürli­chen oder auf sach­frem­den Mo­ti­ven be­ru­hen­den Kündi­gun­gen zu schützen, zum Bei­spiel vor Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne des Ar­ti­kel 3 Abs. 3 GG. Die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen der Tat­sa­chen, aus de­nen sich die Treu­wid­rig­keit er­gibt, liegt beim Ar­beit­neh­mer. Der ver­fas­sungs­recht­lich ge­bo­te­ne Schutz des Ar­beit­neh­mers wird durch ei­ne ab­ge­stuf­te Dar­le­gungs- und Be­weis­last gewähr­leis­tet. In ei­nem ers­ten Schritt muss der Ar­beit­neh­mer, so­weit er die Über­le­gun­gen des Ar­beit­ge­bers, die zu sei­ner Kündi­gung geführt ha­ben, nicht kennt, le­dig­lich ei­nen Sach­ver­halt vor­tra­gen, der die Treu­wid­rig­keit der Kündi­gung nach § 242 BGB in­di­ziert. Der Ar­beit­ge­ber muss sich so­dann nach § 138 Abs. 2 ZPO im Ein­zel­nen auf die­sen Vor­trag ein­las­sen, um ihn zu ent­kräften. Kommt der Ar­beit­ge­ber dem nicht nach, gilt der schlüssi­ge Sach­vor­trag des Ar­beit­neh­mers gemäß § 138 Abs. 3 ZPO als zu­ge­stan­den (BAG 28.06.2007 – 6 AZR 750/06 – ju­ris Rz. 29, 31).
Nach die­sen Grundsätzen hat die Kläge­rin kei­ne aus­rei­chen­den Tat­sa­chen vor­ge­tra­gen, die den Schluss auf ei­ne treu­wid­ri­ge Kündi­gung zu­las­sen. Zwar hat sie durch ih­ren – nicht be­strit­te­nen – Sach­vor­trag, die Be­klag­te ha­be noch kurz vor der Kündi­gung auf Nach­fra­ge geäußert, sie sei mit der Kläge­rin zu­frie­den, In­di­zi­en dar­ge­legt, die im Rah­men der vor­ste­hend ge­nann­ten Grundsätze zur ab­ge­stuf­ten Dar­le­gungs­last ei­ne Ob­lie­gen­heit der Be­klag­ten aus­gelöst ha­ben, die Gründe für die Kündi­gung vor­zu­tra­gen. Die­ser Ob­lie­gen-

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heit ist die Be­klag­te je­doch nach­ge­kom­men und hat durch ihr Vor­brin­gen die In­dizwir­kung ent­kräften können. Da­nach soll­te als Er­satz für den ge­sund­heit­lich an­ge­schla­ge­nen Va­ter der Be­klag­ten ein Ar­beit­neh­mer ein­ge­stellt wer­den, der des­sen Tätig­kei­ten, für die Spe­zi­al­kennt­nis­se er­for­der­lich sind, über die die Kläge­rin nicht verfügt, mit über­neh­men kann. Hier­aus lässt sich ei­ne Treu­wid­rig­keit der streit­be­fan­ge­nen Kündi­gung nicht ab­lei­ten. Es han­delt sich viel­mehr um – ge­ra­de für ei­nen Klein­be­trieb – sach­be­zo­ge­ne Über­le­gun­gen.
Die­sem Sach­vor­trag hat die Kläge­rin kei­ne Tat­sa­chen ent­ge­gen­ge­setzt, die letzt­end­lich zur An­nah­me ei­ner Treu­wid­rig­keit der Kündi­gung führen könn­ten. Es geht bei die­ser Prüfung ge­ra­de nicht dar­um, den Maßstab des § 1 KSchG über § 242 BGB in Be­rei­che zu ver­la­gern, in de­nen er nach den ge­setz­li­chen Vor­ga­ben nicht gel­ten soll. Über § 242 BGB er­folgt nur ein Schutz vor Willkür. Die­se lässt sich vor­lie­gend nicht fest­stel­len. Die Be­klag­te hat nach­voll­zieh­ba­re Gründe für die „Aus­tauschkündi­gung“ vor­ge­tra­gen, nämlich die Ein­stel­lung ei­ner Ar­beit­neh­me­rin, die die Auf­ga­ben ih­res er­krank­ten Va­ters ausüben kann. Dass die Kläge­rin hier­zu nicht – je­den­falls nicht oh­ne Fort­bil­dung – in der La­ge war, ist un­strei­tig. An­ge­sichts die­ses schlüssi­gen Sach­vor­tra­ges hätte die Kläge­rin nun­mehr im Rah­men der sie tref­fen­den Dar­le­gungs­last vor­tra­gen müssen, wo willkürhaf­te Ele­men­te in der strei­ti­gen Kündi­gung lie­gen sol­len. Da­zu gibt es je­doch kei­nen kon­kre­ten Sach­vor­trag. Das Be­strei­ten von Spe­zi­al­kennt­nis­sen der Er­satz­kraft und der be­haup­te­te wei­te­re Ein­satz des Va­ters im Geschäft rei­chen nicht aus, um Willkür be­ja­hen zu können. Im Klein­be­trieb und/oder vor Ab­lauf der ge­setz­li­chen Pro­be­zeit aus § 1 Abs. 1 KSchG ist es dem Ar­beit­ge­ber grundsätz­lich nicht ver­wehrt, ei­nen Ar­beit­neh­mer ge­gen ei­nen an­de­ren, aus sei­ner Sicht fach­lich bes­ser ge­eig­ne­ten Ar­beit­neh­mer aus­zu­tau­schen. Für den vor­lie­gen­den Fall gilt dies um­so mehr, weil das Ar­beits­verhält­nis mit der Kläge­rin oh­ne­hin we­gen der Be­fris­tung nur noch für ei­nen Be­stand von rund neun Mo­na­ten an­ge­legt war. Ein schutzwürdi­ges Ver­trau­en der Kläge­rin auf ei­ne lang­fris­ti­ge Fort­dau­er des Ar­beits­ver­tra­ges war da­her zu kei­nem Zeit­punkt ge­ge­ben.


III.
Die der Kläge­rin zu­ste­hen­de Kündi­gungs­frist aus § 622 Abs. 1 BGB hat die Be­klag­te mit der am 27.01.2009 über­ge­be­nen Kündi­gung – Be­en­di­gungs­ter­min 28.02.2009 – ein­ge­hal­ten.

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IV.
Nach al­le­dem hat­te das Rechts­mit­tel der Be­klag­ten Er­folg.

B.
Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 91 ZPO.

C.
Gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG war we­gen grundsätz­li­cher Be­deu­tung der ent­schei­dungs­er­heb­li­chen Rechts­fra­gen zu A. I. der Ent­schei­dungs­gründe (An­for­de­run­gen an die Ver­ein­ba­rung ei­nes vor­zei­ti­gen Kündi­gungs­rechts gemäß § 15 Abs. 3 Tz­B­fG in ei­nem For­mu­lar­ar­beits­ver­trag) die Re­vi­si­on zu zu­las­sen.


R e c h t s m i t t e l b e l e h r u n g:


Ge­gen die­ses Ur­teil kann die Kläge­rin Re­vi­si­on ein­le­gen.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss in­ner­halb ei­nes Mo­nats, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Zu­stel­lung die­ses Ur­teils bei dem


Bun­des­ar­beits­ge­richt
Hu­go-Preuß-Platz 1
99084 Er­furt


ein­ge­hen.

Die Re­vi­si­ons­schrift und die Re­vi­si­ons­be­gründung müssen von ei­nem bei ei­nem deut­schen Ge­richt zu­ge­las­se­nen Rechts­an­walt un­ter­zeich­net sein.

Vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt sind außer Rechts­anwälten auch Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­ber­verbänden so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer

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Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der als Be­vollmäch­tig­te ver­tre­tungs­be­fugt. Als Be­vollmäch­tig­te zu­ge­las­sen sind auch ju­ris­ti­sche Per­so­nen, die die Vor­aus­set­zung gem. § 11 Abs. 2 Satz 2 Ziff. 5 ArbGG erfüllen. Die han­deln­den Per­so­nen müssen die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Die Re­vi­si­ons­schrift, die Re­vi­si­ons­be­gründungs­schrift und die sons­ti­gen wech­sel­sei­ti­gen Schriftsätze im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren sol­len 7-fach – für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ein Ex­em­plar mehr – ein­ge­reicht wer­den.

Auf die Möglich­keit der Ein­rei­chung elek­tro­ni­scher Do­ku­men­te beim Bun­des­ar­beits­ge­richt nach § 46 c ArbGG i. V. m. den be­son­de­ren Vor­aus­set­zun­gen nach der Ver­ord­nung über den elek­tro­ni­schen Rechts­ver­kehr beim Bun­des­ar­beits­ge­richt vom 09. März 2006, BGBl. 2006 Teil I Nr. 12, S. 519 f., aus­ge­ge­ben zu Bonn am 15. März 2006, wird hin­ge­wie­sen.

Für die Be­klag­te ist kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

 

 

 

 


 

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