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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: AGG-Hopping, Diskriminierung: Klage, Diskriminierung: Entschädigung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamburg
Akten­zeichen: 3 Sa 39/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.02.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen:
   


Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg


Ur­teil

Im Na­men des Vol­kes

Geschäfts­zei­chen:


3 Sa 39/13
(5 Ca 370/12 ArbG Ham­burg)  

In dem Rechts­streit

Verkündet am:
19. Fe­bru­ar 2014

 


Brandt
An­ge­stell­te
als Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le


 

 

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er­kennt das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ham­burg, 3. Kam­mer
auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. Fe­bru­ar 2014
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Herrn Schau­de
als Vor­sit­zen­den
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter …..
den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter …..

für Recht:

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 2. Mai 2013 – 5 Ca 370/12 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Be­ru­fungs­ver­fah­rens zu tra­gen.

Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

 

Tat­be­stand:

Die Kläge­rin ver­langt von der Be­klag­ten Zah­lung ei­ner Entschädi­gung we­gen be­haup­te­ter Be­nach­tei­li­gung bei ei­ner Stel­len­be­wer­bung. Die Kläge­rin ist über 50 Jah­re alt und rus­si­scher Her­kunft. Sie hat ein In­for­ma­tik­stu­di­um ab­sol­viert.

Die Kläge­rin ist im Zu­sam­men­hang mit Kla­gen auf Zah­lung von Entschädi­gun­gen we­gen be­haup­te­ter Dis­kri­mi­nie­rung bun­des­weit ak­tiv. Auch die Be­klag­te war be­reits in der Ver­gan­gen­heit zwei­mal von der Kläge­rin auf Zah­lung von Entschädi­gung ge­richt­lich in An­spruch ge­nom­men wor­den, je­weils er­folg­los. Im Zu­sam­men­hang da­mit ist nach wie vor ein An­spruch der Be­klag­ten ge­genüber der Kläge­rin auf Kos­ten­er­stat­tung of­fen.

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Am 5. Ju­li 2012 schrieb die Be­klag­te ei­ne Stel­le als Soft­ware­ent­wick­ler Mi­cro­soft.Net (w/m) ..... und ei­ne Stel­le als Soft­ware­ent­wick­ler Mi­cro­soft.Net (w/m) ..... aus. Auf die­se Po­si­tio­nen be­warb sich die Kläge­rin mit­tels des von der Be­klag­ten ein­ge­rich­te­ten On­lin­e­be­wer­bungs­tools.

Nach Ab­schluss des Be­wer­bungs­ver­fah­rens lehn­te die Be­klag­te die Kläge­rin als Kan­di­da­tin für bei­de aus­ge­schrie­be­ne Stel­len mit Schrei­ben vom 5. Ok­to­ber 2012 ab.

Mit der Kla­ge vom 19. Sep­tem­ber 2012 hat die Kläge­rin von der Be­klag­ten ursprüng­lich die Be­schei­dung über ih­re Be­wer­bun­gen be­gehrt. Nach Er­halt der Ab­leh­nun­gen hat die Kläge­rin die Kla­ge mit Schrift­satz vom 27. Ok­to­ber 2012 auf Zah­lung ei­ner zeit­lich un­be­grenz­ten mo­nat­li­chen Entschädi­gung in Höhe von € 1.000,00 € um­ge­stellt. Mit Kla­ger­wei­te­rung vom 12. No­vem­ber 2012 hat die Kläge­rin ei­ne zeit­lich un­be­grenz­te Entschädi­gungs­zah­lung in Höhe von € 3.000,00 mo­nat­lich be­gehrt.

Die Kläge­rin hat die An­sicht ver­tre­ten, dass sie von der Be­klag­ten we­gen der Merk­ma­le „Ge­schlecht“, „Al­ter“ und „rus­si­scher Her­kunft“ nicht zum Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den und da­mit mehr­fach dis­kri­mi­niert wor­den sei.

Die Kläge­rin hat in­so­weit gel­tend ge­macht, das Pflicht­ein­ga­be­feld "An­re­de", wel­ches ein­zig das Ge­schlecht des Be­wer­bers ab­fra­ge, und das Pflicht­ein­ga­be­feld "Ge­burts­da­tum" würden in­di­zie­ren, dass sie, die Kläge­rin, hin­sicht­lich ih­res Ge­schlechts und ih­res Al­ters dis­kri­mi­niert wor­den sei. Fer­ner sei die Stel­len­aus­schrei­bung nicht ge­schlechts­neu­tral for­mu­liert. Al­lein der Hin­weis „(w/m)“ genüge nicht. Außer­dem sei­en Frau­en in der IT-Bran­che stark un­ter­re­präsen­tiert. Ih­re An­fra­gen an das In­sti­tut für Ar­beits­markt- und Be­rufs­for­schung und an die Bun­des­agen­tur für Ar­beit hätten er­ge­ben, dass in Deutsch­land in der Be­rufs­ord­nung 774 (Da­ten­ver­ar­bei­tungs­fach­leu­te) nur 18,5% Frau­en beschäftigt würden. Hier­von bil­de die Be­klag­te kei­ne Aus­nah­me.

Wei­ter sei die Kläge­rin we­gen der Ab­fra­ge der Sprach­kennt­nis­se – „Mut­ter­spra­che, Fließend, Fort­ge­schrit­ten, Grund­kennt­nis­se“ hin­sicht­lich des Merk­mals „eth­ni­sche Her­kunft“ be­nach­tei­ligt wor­den.

Fer­ner sei ein wei­te­res star­kes In­diz für die Dis­kri­mi­nie­rung das Vor­ver­hal­ten der Be­klag­ten. Die Kläge­rin ha­be sich be­reits mehr­mals bei der Be­klag­ten be­wor­ben und sei im­mer ab­ge­lehnt wor­den. In zwei vor­he­ri­gen Ge­richts­ver­fah­ren ha­be sich die Be­klag­te ge­wei­gert, Aus­kunft über da­mals er­folg­te Ein­stel­lun­gen zu gewähren.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

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die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin zeit­lich un­be­grenzt Mo­nats­ge­halt von min­des­tens € 3.000,00 als Entschädi­gung für die vollständi­ge zeit­lich un­be­grenz­te Aus­gren­zung we­gen der Merk­ma­le des § 1 AGG zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat gel­tend ge­macht:

Die Ab­fra­ge der An­re­de­form sei al­lein des­we­gen er­folgt, weil die web­ba­sier­ten Be­wer­bungs­ma­nage­ment­sys­te­me auch den späte­ren Schrift­ver­kehr mit den Be­wer­bern au­to­ma­ti­siert übernähmen und nur auf die­se Wei­se die rich­ti­ge An­re­de­form be­stimmt wer­den könne. Ei­ne Vor­aus­wahl auf­grund die­ser Ein­ga­be ha­be nicht statt­ge­fun­den.

Die An­ga­be des Ge­burts­da­tums sei marktüblich und nicht aus Dis­kri­mi­nie­rungs­gründen er­folgt. Ge­mein­sam mit dem Na­men und der An­re­de die­ne das Ge­burts­da­tum mit zur Iden­ti­fi­zie­rung der Per­son. Über­dies wer­de das Ge­burts­da­tum be­reits aus den ein­ge­reich­ten Un­ter­la­gen wie Zeug­nis­se be­kannt­ge­ben.

Die Fra­ge nach der Qua­li­fi­ka­ti­on der Sprach­kennt­nis­se ver­fol­ge den Zweck, ei­ne ers­te Einschätzung bezüglich der Ein­setz­bar­keit des Be­wer­ben­den tref­fen zu können.

Die Be­klag­te ha­be die Kläge­rin nicht aus den von ihr be­haup­te­ten bzw. ge­mut­maßten Gründen nicht berück­sich­tigt, son­dern ihr un­ter an­de­rem des­halb ei­ne Ab­sa­ge er­teilt, weil die Qua­li­fi­ka­tio­nen der Kläge­rin die Be­klag­te nicht hätten über­zeu­gen können. Seit Be­ginn ih­rer Ar­beits­lo­sig­keit im Jahr 2003 sei die Kläge­rin nicht mehr als Soft­ware­ent­wick­le­rin tätig. Dies stel­le ge­ra­de im Be­reich der Soft­ware­ent­wick­lung ein er­heb­li­ches De­fi­zit dar. Darüber hin­aus hätte man nach den be­reits vor­an­ge­gan­ge­nen frühe­ren pro­zes­sua­len Aus­ein­an­der­set­zun­gen oh­ne­hin nicht mehr von ei­ner ge­deih­li­chen Zu­sam­men­ar­beit aus­ge­hen können. Sie, die Be­klag­te, ha­be auch kein In­ter­es­se an der Beschäfti­gung der Kläge­rin, da die­se ihr aus ei­ner ti­tu­lier­ten Kos­ten­er­stat­tungs­for­de­rung noch Geld schul­de.

Außer­dem hat die Be­klag­te be­strit­ten, dass die Kläge­rin sich sub­jek­tiv ernst­haft auf die aus­ge­schrie­be­nen Po­si­tio­nen be­wor­ben ha­be. In­so­weit hat die Be­klag­te auf wei­te­re anhängi­ge Ge­richts­ver­fah­ren der Kläge­rin ge­genüber zahl­rei­che Un­ter­neh­men we­gen an­geb­li­cher Dis­kri­mi­nie­rung im Be­wer­bungs­ver­fah­ren ver­wie­sen und gel­tend ge­macht, die Kläge­rin ver­su­che,

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den Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz des AGG sys­te­ma­tisch und pro­fes­sio­nell als dau­er­haf­te Ein­nah­me­quel­le zu miss­brau­chen. Dies do­ku­men­tie­re auch der wohl ver­se­hent­lich zu den Ge­richts­ak­ten ge­lang­te Schrift­satz der Kläge­rin be­tref­fend ein an­de­res Ver­fah­ren, in dem die Kläge­rin von ei­ner an­de­ren Fir­ma zeit­lich un­be­grenzt ei­nen mo­nat­li­chen Be­trag von min­des­tens € 1.000,00 als Entschädi­gung „für die vollständi­ge zeit­lich un­be­grenz­te Aus­gren­zung we­gen der Merk­ma­le des § 1 AGG“ ver­lan­ge. Das ge­sam­te Ver­hal­ten der ständig gleich­zei­tig von ver­schie­de­nen Fir­men Entschädi­gungs­zah­lun­gen for­dern­den Kläge­rin ma­che je­den­falls deut­lich, dass sie mit den streit­ge­genständ­li­chen Be­wer­bun­gen vom Ju­li 2012 zu kei­ner Zeit ernst­haft die Ab­sicht ver­folgt ha­be, ei­nen Ar­beits­ver­trag mit der Be­klag­ten ab­zu­sch­ließen, zu­mal sie be­reits zu­vor von der Be­klag­ten mehr­mals Ab­sa­gen er­hal­ten ha­be und nicht dafür Sor­ge tra­ge, ih­re Schul­den ge­genüber der Be­klag­ten zu be­glei­chen.

Mit Ur­teil vom 2. Mai 2013 hat das Ar­beits­ge­richt die Kla­ge ab­ge­wie­sen. We­gen der Be­gründung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­foch­te­nen Ur­teils Be­zug ge­nom­men.

Ge­gen das ihr am 8. Mai 2013 zu­ge­stell­te Ur­teil wen­det sich die Kläge­rin mit der am 24. Mai 2013 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und nach Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist bis 8. Au­gust 2013 am 7. Au­gust 2013 be­gründe­ten Be­ru­fung.

Die Kläge­rin rügt, ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts lägen er­heb­li­che In­di­zi­en für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung vor. Die Ab­fra­ge des Ge­schlechts und des Ge­burts­da­tums in ei­nem au­to­ma­ti­schen Be­wer­bungs­sys­tem führe zu ei­ner er­heb­lich leich­te­ren Sor­tie­rung und Be­ar­bei­tung von Be­wer­bern. Das Ar­gu­ment der Be­klag­ten, dem sich das Ar­beits­ge­richt an­ge­schlos­sen ha­be, dass es ei­ne si­che­re Un­ter­schei­dung von Be­wer­bern ge­ben müsse, sei über­haupt nicht nach­voll­zieh­bar. Dies könne ein­fach mit­tels Ver­ga­be ei­ner lau­fen­den ID-Num­mer gewähr­leis­tet wer­den, was in der elek­tro­ni­schen Da­ten­ver­ar­bei­tung üblich sei.

Wei­ter macht die Kläge­rin gel­tend, auch all­ge­mei­ne Sta­tis­ti­ken könn­ten ein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung sein, und be­strei­tet mit Nicht­wis­sen, dass die von ihr vor­ge­leg­ten Sta­tis­ti­ken auf die Be­klag­te nicht zu­träfen.

Sch­ließlich macht die Kläge­rin gel­tend, es lägen ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts auch In­di­zi­en für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ih­rer rus­si­schen Her­kunft vor. Dies er­ge­be sich dar­aus, dass die Be­klag­te da­nach ge­fragt ha­be, ob Deutsch die Mut­ter­spra­che sei.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

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das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Ham­burg vom 2. Mai 2013 – Az. 5 Ca 370/12 – ab­zuändern und die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin bis ein­sch­ließlich Sep­tem­ber 2028 mo­nat­lich € 3.000,00 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te ver­tei­digt das an­ge­grif­fe­ne Ur­teil un­ter Be­zug­nah­me auf ihr erst­in­stanz­li­ches Vor­brin­gen.

Zur Ergänzung des Tat­be­stan­des wird im Übri­gen auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze der Par­tei­en und die Sit­zungs­nie­der­schrif­ten ver­wie­sen.


Ent­schei­dungs­gründe:

Die zulässi­ge Be­ru­fung ist un­be­gründet.


I.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist gemäß § 64 Abs. 1 und Abs. 2 b) ArbGG statt­haft. Sie ist zu­dem gemäß § 66 Abs. 1 Satz 1 und 2 ArbGG form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und da­mit auch im Übri­gen zulässig.

II.

Die Be­ru­fung der Kläge­rin ist je­doch nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Recht als un­be­gründet ab­ge­wie­sen.

1. Ein et­wai­ger Entschädi­gungs­an­spruch der Kläge­rin wäre schon un­ter dem Ge­sichts­punkt des Rechts­miss­brauchs (§ 242 BGB) aus­ge­schlos­sen.

Der Grund­satz von Treu und Glau­ben (§ 242 BGB) bil­det ei­ne al­len Rech­ten, Rechts­la­gen und Rechts­nor­men im­ma­nen­te In­halts­be­gren­zung, wo­bei ei­ne ge­gen § 242 BGB ver­s­toßen­de Rechts­ausübung oder Aus­nut­zung ei­ner Rechts­la­ge we­gen der Rechtsüber­schrei­tung als un­zulässig an­ge­se­hen wird. § 242 BGB eröff­net da­mit die Möglich­keit, je­de aty­pi­sche

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In­ter­es­sen­la­ge zu berück­sich­ti­gen, bei der ein Ab­wei­chen von der ge­setz­li­chen Rechts­la­ge zwin­gend er­scheint. Zur Kon­kre­ti­sie­rung aty­pi­scher In­ter­es­sen­la­gen wur­den Fall­grup­pen ge­bil­det, in de­nen ein rechts­miss­bräuch­li­ches Ver­hal­ten na­he liegt. Hier­zu zählt die Fall­grup­pe des un­red­li­chen Er­werbs der ei­ge­nen Rechts­stel­lung. Im Fal­le von Ansprüchen nach § 15 AGG kann un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände des Ein­zel­falls der Er­werb der Rechts­stel­lung als Be­wer­ber dann als un­red­lich er­schei­nen, wenn die Be­wer­bung al­lein des­halb er­folg­te, um Entschädi­gungs­ansprüche zu er­lan­gen (BAG vom 13. Ok­to­ber 2011 – 8 AZR 608/10 – m.w.N., ju­ris).

In An­wen­dung die­ser Rechts­grundsätze ist die Kla­ge als rechts­miss­bräuch­lich zu be­wer­ten. Die Be­wer­bung der Kläge­rin bei der Be­klag­ten dien­te nach Über­zeu­gung der Kam­mer in ers­ter Li­nie da­zu, ei­nen An­lass für die Er­he­bung ei­ner wei­te­ren Entschädi­gungs­kla­ge zu schaf­fen, oh­ne dass die Kläge­rin ernst­haft die Ab­sicht hat­te, von der Be­klag­ten als Be­wer­be­rin berück­sich­tigt zu wer­den. Die Über­zeu­gung der Kam­mer er­gibt sich aus Fol­gen­dem:

Un­strei­tig tritt die Kläge­rin in ei­ner Viel­zahl von Ver­fah­ren bun­des­weit als sog. AGG-Kläge­rin auf. Hier­in al­lein liegt al­ler­dings kein aus­rei­chen­der Um­stand, der die Be­wer­bung bei der Be­klag­ten als sub­jek­tiv nicht ernst­haft er­schei­nen ließe (vgl. BAG vom 13. Ok­to­ber 2011 a.a.O.). Je­den­falls im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren kom­men je­doch wei­te­re Umstände hin­zu, die das Vor­ge­hen der Kläge­rin als rechts­miss­bräuch­lich er­ken­nen las­sen.

Die Kläge­rin hat­te die Be­klag­te be­reits in der Ver­gan­gen­heit zu Un­recht auf Zah­lung von Entschädi­gun­gen ver­klagt. Über­dies schul­det sie der Be­klag­ten nach wie vor die Kos­ten­er­stat­tung aus ei­ner die­ser Rechts­strei­tig­kei­ten. Der Kläge­rin muss­te von da­her von vorn­her­ein klar sein, dass ih­re Be­wer­bung er­folg­los blei­ben würde, denn von ei­nem Ar­beit­ge­ber kann nicht er­war­tet wer­den, dass er ei­ne Be­wer­bung berück­sich­tigt oder dies auch nur ernst­haft in Erwägung zieht, wenn die Be­wer­be­rin ihn schon mehr­fach zu Un­recht ver­klagt hat und ihm darüber hin­aus die Kos­ten­er­stat­tung schul­dig ge­blie­ben ist. Dass sich die Kläge­rin gleich­wohl er­neut bei der Be­klag­ten be­wor­ben hat, deu­tet be­reits dar­auf hin, dass es ihr letzt­lich nur dar­um ging, ei­nen An­lass für die Er­he­bung ei­ner Entschädi­gungs­kla­ge zu schaf­fen.

Hin­zu kom­men die von der Kläge­rin mit der Kla­ge ver­folg­ten Rechts­schutz­zie­le. Zunächst hat die Kläge­rin am 19. Sep­tem­ber 2012 Kla­ge auf Berück­sich­ti­gung und Be­ant­wor­tung ih­rer Be­wer­bun­gen vom 10. Ju­li 2012 er­ho­ben, ob­wohl sie die Be­klag­te noch am 6. Sep­tem­ber 2012 an ih­re Be­wer­bun­gen er­in­nert hat­te. Ei­ne Be­wer­be­rin, der es ernst­haft dar­um ge­gan­gen wäre, dass ih­re Be­wer­bun­gen Berück­sich­ti­gung fin­den, wäre nicht so vor­ge­gan­gen wie die Kläge­rin, son­dern hätte zunächst ab­ge­war­tet, ob in an­ge­mes­se­ner Zeit nach dem 6. Sep­tem­ber 2012 ei­ne Ab­sa­ge oder ei­ne sons­ti­ge Re­ak­ti­on der Be­klag­ten er­folgt wäre. An­ge­mes­sen wäre in­so­fern zu­min­dest ein

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Zeit­raum von ei­nem Mo­nat ge­we­sen, denn Be­wer­bungs­pro­zes­se benöti­gen er­fah­rungs­gemäß mit­un­ter er­heb­li­che Zeit, abhängig von der An­zahl der Be­wer­bun­gen und der Kom­ple­xität des Aus­wahl­ver­fah­rens. Die Er­he­bung der Kla­ge we­ni­ger als zwei Wo­chen, nach­dem die Kläge­rin an ih­re Be­wer­bun­gen er­in­nert hat­te, ver­deut­licht, dass es der Kläge­rin letzt­lich auf ei­ne er­neu­te ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit der Be­klag­ten an­kam.

Auch der dann geänder­te Klag­an­trag weist dar­auf hin, dass es der Kläge­rin mit ih­ren Be­wer­bun­gen letzt­lich dar­um ging, ei­nen An­lass für ei­ne wei­te­re Entschädi­gungs­kla­ge zu schaf­fen und da­mit den Dis­kri­mi­nie­rungs­schutz aus § 1 AGG als Ein­nah­me­quel­le zu miss­brau­chen. Den An­trag, die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ihr zeit­lich un­be­grenzt mo­nat­lich € 1.000,00 (später erhöht auf mo­nat­lich € 3.000,00) zu zah­len, hat die Kläge­rin da­mit be­gründet, es sei nach den vor­aus­ge­gan­ge­nen Ab­sa­gen der Be­klag­ten in den Jah­ren 2003, 2010 und 2011 of­fen­sicht­lich, dass ih­re Be­wer­bun­gen bei der Be­klag­ten un­abhängig von ih­rer Qua­li­fi­ka­ti­on aus­sichts­los sei­en, und es sei ihr un­zu­mut­bar, sich wei­ter auf die ständig veröffent­lich­ten Stel­len­an­zei­gen der Be­klag­ten zu be­wer­ben und Ab­sa­gen zu be­kom­men. Des­we­gen müsse die Be­klag­te ihr zeit­lich un­be­grenzt den ge­for­der­ten mo­nat­li­chen Be­trag zah­len. Die Be­klag­te ha­be es in der Hand, die­se Ver­pflich­tung zu be­en­den, in­dem sie die Kläge­rin oh­ne Pro­be­zeit ein­stel­le. Mit die­sen Ausführun­gen hat die Kläge­rin deut­lich ge­macht, dass sie selbst kein ernst­haf­tes In­ter­es­se an den streit­be­fan­ge­nen Be­wer­bun­gen hat­te, son­dern le­dig­lich ei­nen Grund dafür such­te, sich von der Be­klag­ten künf­tig ih­ren Le­bens­un­ter­halt fi­nan­zie­ren zu las­sen; ei­ne Be­wer­be­rin, die ernst­haft an ei­ner Stel­le in­ter­es­siert ist, würde dem Ar­beit­ge­ber nicht an­sin­nen, sie oh­ne Pro­be­zeit ein­zu­stel­len.

Nach­dem die Be­klag­te erst­in­stanz­lich der Kläge­rin vor­ge­hal­ten hat­te, ihr Vor­ge­hen sei rechts­miss­bräuch­lich, hat die Kläge­rin er­wi­dert, es ste­he der Be­klag­ten frei, selbst aus­zu­pro­bie­ren, wie es denn sei, dau­er­haft ar­beits­los zu sein, von Hartz IV zu le­ben, zahl­lo­se Be­wer­bun­gen zu schrei­ben und Ab­sa­gen zu be­kom­men usw. Dann wer­de die Be­klag­te am bes­ten ver­ste­hen, was man in ei­ner Si­tua­ti­on wie der­je­ni­gen der Kläge­rin al­les ma­chen könne und wol­le und wie es sich anfühle. Die­se Ausführun­gen der Kläge­rin zei­gen letzt­end­lich ei­ne wei­te­re Ziel­rich­tung der Kla­ge. Die Kläge­rin, die nach ei­ge­nem Be­kun­den mit­tel­los ist und sehr ho­he Schul­den hat, er­hebt ei­ne Kla­ge mit ei­nem Zah­lungs­an­trag, der zu ei­nem sehr ho­hen Streit­wert und für die Be­klag­te we­gen der spätes­tens in zwei­ter In­stanz er­for­der­li­chen an­walt­li­chen Ver­tre­tung zu Kos­ten von min­des­tens € 4.500,00 führt. Chan­cen, dass die Be­klag­te ent­spre­chen­de Kos­ten­er­stat­tung von der Kläge­rin er­langt, be­ste­hen an­ge­sichts der fi­nan­zi­el­len Si­tua­ti­on der Kläge­rin nicht. „Was man al­les ma­chen kann“ und „wie es sich anfühlt“, ist da­mit deut­lich: Die Kläge­rin schädigt die Be­klag­te mit ih­rer Kla­ge, oh­ne dass ei­ne rea­lis­ti­sche Aus­sicht auf Er­satz die­ses Scha­dens be­steht. Da­bei macht sich die Kläge­rin den Um­stand zu nut­ze, dass im ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­fah­ren (ab­ge­se­hen von Ver­fah­ren nach § 9 Abs. 2 Satz 2 ArbGG) – an­ders als im Ver­fah­ren der or­dent­li­chen Ge­richts­bar­keit – Vorschüsse nicht er­ho­ben wer­den, selbst wenn ei­ne Viel­zahl zu­vor er­ho­be­ner

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Kla­gen er­folg­los war und die sich hier­aus er­ge­ben­den Kos­ten nicht be­gli­chen sind. Ein sol­ches Vor­ge­hen, das letzt­lich dem Ver­such der Er­lan­gung ei­ner Ein­nah­me­quel­le und zu­gleich der Schädi­gung des Pro­zess­geg­ners dient, ist rechts­miss­bräuch­lich.

2. Im Übri­gen ist ein Ver­s­toß der Be­klag­ten ge­gen das Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot des § 1 AGG von der Kläge­rin nicht schlüssig vor­ge­tra­gen wor­den.

Vor­aus­set­zung für ei­nen Entschädi­gungs­an­spruch gemäß § 15 Abs. 2 des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes (AGG) ist, dass der Ar­beit­ge­ber ge­gen das sich aus § 7 Abs. 1 i. V. m. § 1 AGG er­ge­ben­de Be­nach­tei­li­gungs­ver­bot verstößt. Er­for­der­lich ist al­so ei­ne Be­nach­tei­li­gung aus Gründen der Ras­se oder we­gen der eth­ni­schen Her­kunft, des Ge­schlechts, der Re­li­gi­on oder Welt­an­schau­ung, ei­ner Be­hin­de­rung, des Al­ters oder der se­xu­el­len Iden­tität. Die Kläge­rin hat nicht schlüssig vor­ge­tra­gen, dass ei­ne Be­nach­tei­li­gung aus ei­nem die­ser Gründe er­folgt wäre oder dies je­den­falls ver­mu­tet wer­den könn­te.

Nach der ge­setz­li­chen Be­weis­last­re­ge­lung des § 22 AGG genügt es, dass der An­spruchs­stel­ler In­di­zi­en vorträgt und im Streit­fal­le be­weist, die ei­ne Be­nach­tei­li­gung we­gen ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Grun­des ver­mu­ten las­sen. An die­se Ver­mu­tungs­vor­aus­set­zun­gen ist kein zu stren­ger Maßstab an­zu­le­gen. Es ist nicht er­for­der­lich, dass die Tat­sa­chen ei­nen zwin­gen­den In­di­zi­en­schluss für ei­ne Ver­knüpfung der Be­nach­tei­li­gung mit ei­nem Be­nach­tei­li­gungs­merk­mal zu­las­sen. Viel­mehr reicht es aus, wenn nach all­ge­mei­ner Le­bens­er­fah­rung hierfür ei­ne über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit be­steht. Hat der An­trags­stel­ler ein In­diz vor­ge­tra­gen, wel­ches die über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit be­gründet, dass er we­gen ei­nes verpönten Merk­mals be­nach­tei­ligt wor­den ist, muss nun­mehr der Ar­beit­ge­ber sei­ner­seits den vol­len Be­weis führen, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gun­gen vor­ge­le­gen (BAG vom 22.07.2010 - 8 AZR 1012/08, zi­tiert nach ju­ris).

Die Kläge­rin hat kei­ne hin­rei­chen­den In­di­zi­en für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung auf­grund ei­nes in § 1 AGG ge­nann­ten Merk­mals vor­ge­tra­gen.

Die Kläge­rin stützt ih­ren Entschädi­gungs­an­spruch dar­auf, dass in dem On­line-Be­wer­bungs­for­mu­lar un­ter an­de­rem An­ga­ben zu Al­ter, Ge­schlecht und Sprach­kennt­nis­se ge­macht wer­den konn­ten oder soll­ten. Das ist kein aus­rei­chen­des In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung.

Je­der Mensch verfügt zwangsläufig über die Merk­ma­le Al­ter und Ge­schlecht, die zu­sam­men mit ei­ner Fülle an­de­rer Merk­ma­le kenn­zeich­nend für sei­ne Per­son sind. Für ei­ne Be­wer­bung ist es selbst­verständ­lich er­for­der­lich, die Merk­ma­le zu ken­nen, die die Per­son in­di­vi­dua­li­sie­ren. Von kei­nem der er­frag­ten Merk­ma­le ist er­kenn­bar, dass es auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung hin­deu­tet. Das

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Al­ter ist für die Per­so­nal­struk­tur des Un­ter­neh­mens wich­tig, das Ge­schlecht für die Frau­enförde­rung und der Um­fang der Deutsch­kennt­nis­se für die Ein­setz­bar­keit.

Der Kläge­rin kann auch nicht dar­in ge­folgt wer­den, der Um­stand, dass bei der Fra­ge nach Deutsch­kennt­nis­sen nach mut­ter­sprach­li­chen, fließen­den oder fort­ge­schrit­te­nen Kennt­nis­sen bzw. Grund­kennt­nis­sen un­ter­schie­den wird, wei­se auf ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der eth­ni­schen Her­kunft hin. Es ist kei­ner­lei An­halts­punkt dafür er­sicht­lich, dass die Fra­ge nach deut­schen Sprach­kennt­nis­sen da­zu die­nen soll, nach der Her­kunft der Be­wer­ber zu dif­fe­ren­zie­ren. Bezüglich der Sprach­kennt­nis­se macht es ei­nen Un­ter­schied, ob ei­ne Spra­che die Mut­ter­spra­che ist oder ob sie – wenn­gleich mögli­cher­wei­se fließend – ei­ne Fremd­spra­che dar­stellt. Dies gilt nicht nur bei der Fra­ge nach deut­schen Sprach­kennt­nis­sen, son­dern auch nach Kennt­nis­sen an­de­rer Spra­chen, so wie die Be­klag­te in ih­rem On­line-Be­wer­bungs­for­mu­lar auch nach eng­li­schen Sprach­kennt­nis­sen fragt. Je nach Auf­ga­ben­ge­biet kann es auf bestmögli­che Be­herr­schung ei­ner Spra­che an­kom­men, so dass es nicht zu be­an­stan­den ist, dass die Be­klag­te auch nach der Grund­la­ge der deut­schen Sprach­kennt­nis­se ge­fragt hat. Die Kläge­rin über­sieht in­so­fern, dass sich die Be­klag­te ei­nes On­line-Be­wer­bungspor­tals be­dient, al­so ei­nes for­ma­li­sier­ten Ver­fah­rens, und die Fra­ge nach den Sprach­kennt­nis­sen sich auf die Qua­li­fi­ka­ti­on sämt­li­cher Be­wer­ber für ei­ne Viel­zahl mögli­cher Stel­len be­zieht.

Es müss­ten da­her von der Kläge­rin wei­te­re Umstände vor­ge­tra­gen wer­den, aus de­nen sich die über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit er­gibt, dass zu­min­dest ei­ner der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­ten Gründe (mit)ursächlich für die nach­tei­li­ge Be­hand­lung war. Ein sol­cher wei­te­rer Um­stand liegt nicht be­reits dar­in, dass die Kläge­rin nach ih­rer Be­haup­tung für die Stel­le ge­eig­net ist bzw. die in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­ten An­for­de­run­gen erfüllt. Dass ein Be­wer­ber, der zwar sämt­li­chen in der Stel­len­aus­schrei­bung ge­for­der­ten An­for­de­run­gen genügt, nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­ge­la­den wird, be­gründet nicht den ers­ten An­schein, dass dies auf ei­nem der Gründe des § 1 AGG (mit) be­ruht. Viel­mehr kann dies vielfälti­ge an­de­re Ur­sa­chen ha­ben. Da­bei ist zu be­ach­ten, dass das AGG nicht die un­sach­li­che Be­hand­lung aus an­de­ren als den in § 1 AGG ge­nann­ten Gründen ver­bie­tet und von dem Ar­beit­ge­ber nicht ver­langt, nur ob­jek­tiv ge­eig­ne­te Be­wer­ber bei sei­ner Aus­wah­l­ent­schei­dung zu berück­sich­ti­gen. Auch un­ter Berück­sich­ti­gung des Um­stan­des, dass sich die Kläge­rin als Frau im fort­ge­schrit­te­nen Al­ter mit rus­si­scher Her­kunft in der IT-Bran­che be­wor­ben hat, gibt es kei­ne An­halts­punk­te dafür, dass die Ein­la­dung zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch (auch) we­gen ei­nes der in § 1 AGG ge­nann­ten Gründe un­ter­blie­ben ist.

Al­lein das pau­scha­le Vor­brin­gen der Kläge­rin, in der IT-Bran­che würden Frau­en dis­kri­mi­niert, kann kei­ne In­dizwir­kung für ei­ne Be­nach­tei­li­gung der Kläge­rin we­gen des Ge­schlechts ent­fal­ten. So­weit ihr Vor­trag da­hin zu ver­ste­hen ist, dass im IT-Be­reich mehr Männer als Frau­en beschäftigt wer­den,

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kann dies vielfälti­ge Gründe ha­ben, u.a. den, dass sich we­ni­ger Frau­en als Männer um ent­spre­chen­de Stel­len be­wer­ben (vgl. BAG vom 20.05.2010 - 8 AZR 287/08 (A), zi­tiert nach ju­ris).

So­weit die Kläge­rin meint, die Tat­sa­che, dass die Stel­len als Voll­zeit­stel­len aus­ge­schrie­ben wor­den sei­en, be­gründe die Ver­mu­tung ei­ner Be­nach­tei­li­gung we­gen des Ge­schlechts, weil Frau­en häufi­ger als Männer dar­an ge­hin­dert sei­en, in Voll­zeit zu ar­bei­ten, ist dies ab­we­gig. Mit der­sel­ben Ar­gu­men­ta­ti­on könn­ten männ­li­che Be­wer­ber sich auf ei­ne an­geb­li­che Dis­kri­mi­nie­rung we­gen ih­res Ge­schlechts be­ru­fen, wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Teil­zeit­stel­le aus­schreibt. Die Aus­schrei­bung als Voll­zeit­stel­le macht le­dig­lich deut­lich, wel­chen Ar­beits­zeit­um­fang die Be­klag­te auf den aus­ge­schrie­be­nen Po­si­tio­nen benötigt.

Auch die Tat­sa­che, dass im Text der Stel­len­aus­schrei­bung von „Mit­ar­bei­ter“ bzw. „Mit­ar­bei­tern“ die Re­de ist, oh­ne dass je­weils auch die weib­li­che Sprach­form ver­wen­det wird, ist kein In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Ge­schlechts. Durch die her­vor­ge­ho­be­ne Po­si­ti­ons­be­zeich­nung in den Stel­len­aus­schrei­bun­gen mit dem Klam­mer­zu­satz (W/M) wird hin­rei­chend deut­lich, dass die­se sich an Frau­en wie Männer rich­ten.

Wenn die Kläge­rin schließlich gel­tend macht, die For­mu­lie­rung in bei­den Stel­len­an­zei­gen, wo­nach die Be­klag­te „gu­te Ent­wick­lungs­per­spek­ti­ven in ei­nem dy­na­mi­schen Zu­kunfts­markt“ bie­te, stel­le ein wei­te­res In­diz für ei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen des Al­ters dar, ist dies gleich­falls ab­we­gig. Die For­mu­lie­rung be­zieht sich er­sicht­lich auf das Geschäfts­feld der Be­klag­ten und nicht auf ein be­vor­zug­tes Al­ter der Be­wer­ber.

3. Selbst wenn im Übri­gen da­von aus­ge­gan­gen würde, die Kläge­rin hätte das Vor­lie­gen von In­di­zi­en im Sin­ne des § 22 AGG dar­ge­legt, hätte die Be­klag­te den Be­weis geführt, dass kein Ver­s­toß ge­gen die Be­stim­mun­gen zum Schutz vor Be­nach­tei­li­gun­gen vor­ge­le­gen hat. Die Be­klag­te hat sich in­so­fern dar­auf be­ru­fen, dass sie die Kläge­rin schon des­we­gen nicht ein­ge­stellt hätte, weil die Kläge­rin sie in der Ver­gan­gen­heit mehr­fach zu Un­recht ver­klagt hat und ihr über­dies die Kos­ten­er­stat­tung aus ei­nem der Vor­ver­fah­ren nach wie vor schul­dig ge­blie­ben ist. Dass dies be­reits die Ent­schei­dung der Be­klag­ten, die Kläge­rin erst gar nicht zu ei­nem Vor­stel­lungs­gespräch ein­zu­la­den und sie nicht ein­zu­stel­len, mo­ti­viert hat, leuch­tet un­mit­tel­bar ein. Ein Ar­beit­ge­ber, der mehr­fach zu Un­recht von ei­ner Stel­len­be­wer­be­rin ver­klagt wor­den ist und über­dies den sich hier­aus für ihn er­ge­ben­den wirt­schaft­li­chen Scha­den selbst tra­gen muss, hat kei­ner­lei Ver­an­las­sung, mit ei­ner sol­chen Be­wer­be­rin in ver­trag­li­che Be­zie­hun­gen zu tre­ten. Ei­ne ge­deih­li­che Zu­sam­men­ar­beit war in­so­fern von vorn­her­ein nicht zu er­war­ten.


III.

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Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO i.V.m. § 64 Abs. 6 S.1 ArbGG.


IV.

Die Zu­las­sung der Re­vi­si­on war nicht ver­an­lasst, da die hierfür gemäß § 72 Abs. 2 ArbGG er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen nicht vor­lie­gen.

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