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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Arbeitsverhältnis, AGB-Kontrolle
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 5 AZR 84/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 10.01.2007
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Urteil vom 22.10.2004, 4 (1) Ca 1195/04
Landesarbeitsgericht Hamm, Urteil vom 20.10.2005, 16 Sa 806/05
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT Ur­teil vom 10.1.2007, 5 AZR 84/06

Te­nor

1. Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 20. Ok­to­ber 2005 - 16 Sa 806/05 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 22. Ok­to­ber 2004 - 4 (1) Ca 1195/04 - ab­geändert und die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

3. Die Kläge­rin hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über Fei­er­tags­vergütung.

Die Be­klag­te ist deutsch­land­weit im Be­reich der Gebäuderei­ni­gung tätig. Die Kläge­rin ist bei ihr seit dem 22. April 2003 als Rei­ni­gungs­kraft mit ei­nem St­un­den­lohn von 8,17 Eu­ro (2003) und ei­ner tägli­chen Ar­beits­zeit von 1,5 St­un­den an den Ta­gen Mon­tag bis Frei­tag beschäftigt. Sie wur­de für die Rei­ni­gung ei­ner Be­hin­der­ten­schu­le in B ein­ge­stellt, die in den Schul­fe­ri­en ge­schlos­sen ist. Dem­ent­spre­chend fal­len in die­ser Zeit kei­ne
Rei­ni­gungs­ar­bei­ten in der Schu­le an und die Be­klag­te er­zielt in­so­weit kei­ne Ein­nah­men.

Das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en rich­te­te sich im Jah­re 2003 nach dem all­ge­mein­ver­bind­li­chen Rah­men­ta­rif­ver­trag vom 16. Au­gust 2000 für die ge­werb­li­chen Beschäftig­ten im Gebäuderei­ni­ger-Hand­werk (RTV) und nach ei­nem schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag, der die fol­gen­de for­mu­larmäßige Re­ge­lung enthält:

“7. Ur­laub

7.1 Die Dau­er des Ur­lau­bes rich­tet sich nach den ta­rif­li­chen Vor­schrif­ten.

7.2 Wer­den in ei­nem Rei­ni­gungs­ob­jekt auf­grund ei­ner be­trieb­li­chen Re­ge­lung des Auf­trag­ge­bers oder auf­grund von staat­li­chen Vor­schrif­ten Be­triebs- oder Schul­fe­ri­en durch­geführt, so kann der Ar­beit­ge­ber den dort zur Rei­ni­gung beschäftig­ten Ar­beit­neh­mern den Ur­laub für die­se Fe­ri­en­zei­ten zu­wei­sen. So­weit die Fe­ri­en­zei­ten durch Ur­laub nicht aus­gefüllt wer­den, ru­hen während der Fe­ri­en­zei­ten das Ar­beits­verhält­nis und die sich dar­aus er­ge­ben­den Ar­beits- u. Lohn­zah­lungs­pflich­ten.

Die “Zu­satz­ver­ein­ba­rung zur Rei­ni­gung in be­son­de­ren Ein­rich­tun­gen” sind Be­stand­teil die­ses Ver­tra­ges. Sie sind dem/der Ar­beit­neh­mer/in aus­gehändigt wor­den.

...”

Am 23. Sep­tem­ber 2003 schlos­sen die Par­tei­en die for­mu­larmäßige “Zu­satz­ver­ein­ba­rung zur Rei­ni­gung in be­son­de­ren Ein­rich­tun­gen”, mit wel­cher der an­tei­li­ge Jah­res­ur­laub der Kläge­rin auf be­stimm­te Ta­ge in­ner­halb der Schul­fe­ri­en fest­ge­legt wur­de. Da­nach wa­ren Ur­laubs­ta­ge in den Weih­nachts­fe­ri­en nur der 29., 30. und 31. De­zem­ber 2003.

Die Kläge­rin ver­langt für Don­ners­tag, den 25. De­zem­ber 2003, und Frei­tag, den 26. De­zem­ber 2003, Fei­er­tags­vergütung iHv. ins­ge­samt 24,51 Eu­ro. Sie hat vor­ge­tra­gen, die ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen stünden dem An­spruch nicht ent­ge­gen. Die Ru­hens­ab­re­de sei zu­dem als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gung un­wirk­sam.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an sie 24,51 Eu­ro brut­to nebst 5 % Zin­sen über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 16. April 2004 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Die Ver­trags­ge­stal­tung sei nach der bei­der­sei­ti­gen In­ter­es­sen­la­ge an­ge­mes­sen. Es be­ste­he kei­ne Möglich­keit, die Kläge­rin während der Schul­fe­ri­en zu beschäfti­gen. Da­durch, dass in die­sen Zei­ten Er­ho­lungs­ur­laub lie­ge, verkürze sich der Ru­hens­zeit­raum zu­guns­ten der Kläge­rin. 2003 sei für den 19. Ju­ni und den 3. Ok­to­ber, 2004 für den 1. Ja­nu­ar, den 20. Mai, den 31. Mai, den 10. Ju­ni und den 1. No­vem­ber Fei­er­tags­vergütung ge­zahlt wor­den.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die zu­ge­las­se­ne Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on be­gehrt die Be­klag­te wei­ter­hin Kla­ge­ab­wei­sung.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on ist be­gründet. Sie führt un­ter Auf­he­bung bzw. Abände­rung der Ur­tei­le der Vor­in­stan­zen zur Ab­wei­sung der Kla­ge.
10 I. Nach § 2 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungsG hat der Ar­beit­ge­ber für die Ar­beits­zeit, die in­fol­ge ei­nes ge­setz­li­chen Fei­er­tags ausfällt, dem Ar­beit­neh­mer das Ar­beits­ent­gelt zu zah­len, das er oh­ne den Ar­beits­aus­fall er­hal­ten hätte. Die Vor­aus­set­zun­gen die­ser Be­stim­mung sind im Streit­fal­le nicht erfüllt, da die Ar­beit nicht in­fol­ge der Weih­nachts­fei­er­ta­ge, son­dern we­gen des ver­ein­bar­ten Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­fal­len ist.

1. In­fol­ge des ge­setz­li­chen Fei­er­tags fällt die Ar­beit nur dann aus, wenn der Fei­er­tag die al­lei­ni­ge Ur­sa­che des Ar­beits­aus­falls ist. Hätte der Ar­beit­neh­mer an dem be­tref­fen­den Tag auch oh­ne den Fei­er­tag nicht ge­ar­bei­tet und kei­nen Lohn ver­dient, steht ihm kei­ne Fei­er­tags­vergütung zu (vgl. nur BAG 24. Ok­to­ber 2001 - 5 AZR 245/00 - AP Ent­geltFG § 2 Nr. 8 = EzA Ent­gelt­fort­zG § 2 Nr. 3, zu I 1 der Gründe mwN) . Das gilt et­wa bei un­be­zahl­ten Frei­schich­ten, bei ei­ner Ver­tei­lung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit auf be­stimm­te Wo­chen­ta­ge, während ei­nes un­be­zahl­ten Ur­laubs oder in an­de­ren Fällen, in de­nen die bei­der­sei­ti­gen Haupt­pflich­ten sus­pen­diert sind und das Ar­beits­verhält­nis ruht.

2. Ein Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses setzt ei­ne rechts­wirk­sa­me Ver­ein­ba­rung zwi­schen Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer vor­aus, so­weit nicht ei­ne Rechts­norm das Ru­hen an­ord­net. Die Par­tei­en ha­ben ei­ne Ru­hens­ver­ein­ba­rung ge­trof­fen, die ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts nicht un­wirk­sam ist.

a) Bei den Ver­ein­ba­run­gen der Par­tei­en han­delt es sich um All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen gem. § 305 Abs. 1 BGB. Die Ver­trags­be­din­gun­gen sind für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­liert, der Kläge­rin von der Be­klag­ten bei Ver­trags­ab­schluss ge­stellt und nicht im Ein­zel­nen aus­ge­han­delt wor­den. Das ist zwi­schen den Par­tei­en un­strei­tig.

b) Nach den ein­zel­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen der Par­tei­en soll­te das Ar­beits­verhält­nis am 25. und 26. De­zem­ber 2003 ru­hen.

aa) Im Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en ist vor­ge­se­hen, dass das Ar­beits­verhält­nis während der nord­rhein-westfäli­schen Schul­fe­ri­en­zei­ten ruht, so­weit die Fe­ri­en­zei­ten nicht durch Ur­laub aus­gefüllt wer­den. Der 25. und der 26. De­zem­ber 2003 fie­len in die nord­rhein-westfäli­schen Weih­nachts­fe­ri­en, die vom 22. De­zem­ber 2003 bis zum 6. Ja­nu­ar 2004 dau­er­ten. Die Par­tei­en ha­ben am 23. Sep­tem­ber 2003 an­tei­li­gen Jah­res­ur­laub der Kläge­rin an be­stimm­ten Ta­gen des Jah­res 2003 ver­ein­bart. Der 25. und 26. De­zem­ber fie­len nicht hier­un­ter.

bb) Die Aus­le­gung der ar­beits­ver­trag­li­chen Re­ge­lun­gen in die­sem Sin­ne ist nicht zwei­fel­haft (§ 305c Abs. 2 BGB). Die Un­klar­hei­ten­re­gel fin­det bei ei­nem übe­rein­stim­men­den Verständ­nis der Klau­sel sei­tens der Ver­trags­par­tei­en kei­ne An­wen­dung. Viel­mehr gilt das übe­rein­stim­mend Ge­woll­te (BGH 22. März 2002 - V ZR 405/00 - NJW 2002, 2102) . Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, die Par­tei­en hätten den Ver­trag von An­fang an da­hin ver­stan­den, während der Schul­fe­ri­en wer­de we­der ge­ar­bei­tet noch Ent­gelt ge­zahlt, so­weit nicht Jah­res­ur­laub vor­lie­ge. Das Ar­beits­verhält­nis soll­te nicht un­ter­bro­chen wer­den.

cc) Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat zu­tref­fend an­ge­nom­men, die Ru­hens­ver­ein­ba­rung sei Ver­trags­be­stand­teil ge­wor­den. Ei­ne über­ra­schen­de Klau­sel (§ 305c Abs. 1 BGB) liegt nicht vor, weil die Par­tei­en sie in ei­nem übe­rein­stim­men­den Sin­ne ver­stan­den ha­ben. Die Kläge­rin ist dem­nach nicht von der Ru­hens­fol­ge über­rascht wor­den. Sie hat ei­ne ab­wei­chen­de Er­war­tung auch nicht gel­tend ge­macht, son­dern die Be­haup­tung der Be­klag­ten, bei Ver­trags­ab­schluss sei ei­ne münd­li­che Erläute­rung er­folgt, nicht be­strit­ten, § 138 Abs. 3 ZPO (vgl. BGH 21. Ju­ni 2001 - IX ZR 69/00 - BB 2001, 2019) . Der Über­schrift “Ur­laub” zu Nr. 7 des Ar­beits­ver­trags kommt je­den­falls des­halb kein Über­ra­schungs­ef­fekt zu.

c) Die Ver­ein­ba­rung ei­nes Ru­hens des Ar­beits­verhält­nis­ses während der Schul­fe­ri­en­zei­ten be­nach­tei­ligt die Kläge­rin nicht un­an­ge­mes­sen (§ 307 BGB).

aa) Die Klau­sel in Nr. 7.2 Satz 2 des Ar­beits­ver­trags verstößt nicht ge­gen das Trans­pa­renz­ge­bot des § 307 Abs. 1 Satz 2 BGB. Die Be­stim­mung, dass das Ar­beits­verhält­nis und die sich dar­aus er­ge­ben­den Ar­beits- und Lohn­zah­lungs­pflich­ten während der Fe­ri­en­zei­ten ru­hen, so­weit die­se Zei­ten nicht durch Ur­laub aus­gefüllt wer­den, ist hin­rei­chend klar und verständ­lich. Ein durch­schnitt­li­cher ge­werb­li­cher Ar­beit­neh­mer des Gebäuderei­ni­ger-Hand­werks kann er­ken­nen, dass während der Schul­fe­ri­en­zei­ten nicht ge­ar­bei­tet wird und Ent­gelt­ansprüche nur in­so­weit (als Ur­laubs­vergütung) be­ste­hen, wie Ur­laub gewährt wor­den ist. Im Übri­gen sind nach § 310 Abs. 3 Nr. 3 BGB auch die den Ver­trags­schluss be­glei­ten­den Umstände zu berück­sich­ti­gen (vgl. BAG 25. Mai 2005 - 5 AZR 572/04 - AP BGB § 310 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 307 Nr. 3, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu V 1 der Gründe; 31. Au­gust 2005 - 5 AZR 545/04 - AP Arb­ZG § 6 Nr. 8 = EzA Arb­ZG § 6 Nr. 6, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu II 3 b, c und II 4 der Gründe) . Je­den­falls auf Grund der münd­li­chen Erläute­rung bei Ver­trags­schluss war der In­halt der Ver­ein­ba­rung für die Kläge­rin aus­rei­chend trans­pa­rent.

bb) Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung ist am Maßstab des § 307 Abs. 1 Satz 1 in Verb. mit Abs. 2 BGB zu mes­sen. Sie stellt ei­ne von Rechts­vor­schrif­ten ab­wei­chen­de Re­ge­lung (§ 307 Abs. 3 Satz 1 BGB) dar. Nach § 611 Abs. 1 BGB be­gründet das Ar­beits­verhält­nis als Dau­er­schuld­verhält­nis re­gelmäßige bei­der­sei­ti­ge Haupt­leis­tungs­pflich­ten. Ent­ge­gen § 611 Abs. 1 BGB soll dem­ge­genüber das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht fort­lau­fend mit der Ver­pflich­tung zur Dienst­leis­tung und Vergütung ver­bun­den sein, son­dern zeit­wei­se ru­hen. Die Kon­se­quenz ist frei­lich, dass mit den Ansprüchen auf Vergütung auch die Ansprüche auf auf­recht­er­hal­te­ne Vergütung (zB §§ 615, 616 BGB, § 2 Abs. 1, § 3 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungsG) ent­fal­len, weil de­ren Vor­aus­set­zun­gen nicht zum Zu­ge kom­men können. Das ist bei der Fra­ge der un­an­ge­mes­se­nen Be­nach­tei­li­gung zu berück­sich­ti­gen.

cc) Die Kläge­rin wird auch ma­te­ri­ell nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

(1) Nach § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB sind Be­stim­mun­gen in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen un­wirk­sam, wenn sie den Ver­trags­part­ner ent­ge­gen Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen. Ei­ne for­mu­larmäßige Ver­trags­be­stim­mung ist un­an­ge­mes­sen, wenn der Ver­wen­der durch ein­sei­ti­ge Ver­trags­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ei­ge­ne In­ter­es­sen auf Kos­ten sei­nes Ver­trags­part­ners durch­zu­set­zen ver­sucht, oh­ne auch des­sen Be­lan­ge hin­rei­chend zu berück­sich­ti­gen und ihm ei­nen an­ge­mes­se­nen Aus­gleich zu gewähren. Die ty­pi­schen In­ter­es­sen der Ver­trags­part­ner sind un­ter be­son­de­rer Berück­sich­ti­gung grund­recht­lich geschütz­ter Rechts­po­si­tio­nen wech­sel­sei­tig zu be­wer­ten. Die Un­an­ge­mes­sen­heit rich­tet sich nach ei­nem ge­ne­rel­len ty­pi­sie­ren­den, vom Ein­zel­fall los­gelösten Maßstab un­ter Berück­sich­ti­gung von Ge­gen­stand, Zweck und Ei­gen­art des je­wei­li­gen Geschäfts in­ner­halb der be­tei­lig­ten Ver­kehrs­krei­se (BAG 11. April 2006 - 9 AZR 557/05 - AP BGB § 307 Nr. 17, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu A I 2 b bb (2.1) der Gründe mwN) . Ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung ist im Zwei­fel an­zu­neh­men, wenn ei­ne Be­stim­mung mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken der ge­setz­li­chen Re­ge­lung, von der ab­ge­wi­chen wird, nicht zu ver­ein­ba­ren ist oder we­sent­li­che Rech­te oder Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­trags er­ge­ben, so ein­schränkt, dass die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist (§ 307 Abs. 2 BGB).

(2) Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung für die Zei­ten der Schul­fe­ri­en stellt als sol­che kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung dar. Das Rei­ni­gungs­ob­jekt ist ge­schlos­sen. Rei­ni­gungs­ar­bei­ten fal­len nicht an. Des­halb be­steht kei­ne rea­lis­ti­sche Beschäfti­gungsmöglich­keit für die Kläge­rin. Ein an­der­wei­ti­ger Ein­satz kommt schon des­halb kaum in Be­tracht, weil auch die an­de­ren Schu­len ge­schlos­sen sind. Die Be­klag­te er­zielt selbst kei­ne Ein­nah­men. All das stand schon bei Ver­trags­schluss fest. Das be­rech­tig­te In­ter­es­se der Be­klag­ten geht da­hin, Ar­beits- und Ent­gelt­ver­pflich­tun­gen für die­se Zei­ten nicht zu be­gründen. Des­halb wäre die Be­klag­te grundsätz­lich nicht ge­hin­dert, Ar­beits­verhält­nis­se nur be­fris­tet zu ver­ein­ba­ren. An­de­rer­seits be­steht auf bei­den Sei­ten ein In­ter­es­se an ei­nem Dau­er­schuld­verhält­nis. Zwar erhält die Kläge­rin zeit­wei­se kein Ent­gelt, sie muss aber auch nicht ar­bei­ten. Die be­tref­fen­den Zei­ten ste­hen für al­le Be­tei­lig­ten lan­ge vor­her fest. Sie sind sach­lich durch die Be­son­der­hei­ten des Ar­beits­ein­sat­zes bei der Rei­ni­gung von Schu­len be­gründet und be­tref­fen nicht vor­nehm­lich Ta­ge, die ge­setz­lich oder ta­rif­lich auch bei ei­nem Aus­fall der Ar­beit vergütet wer­den müssen. Es han­delt sich um we­ni­ger als ein Vier­tel der jähr­li­chen Ar­beits­zeit und um ca. ein Sieb­tel der jähr­li­chen Ar­beits­zeit, wenn die Par­tei­en den Er­ho­lungs­ur­laub in die­se Zeit le­gen. Die Vergütung nur der ge­leis­te­ten Ar­beit ent­spricht dem Grund­satz des § 611 Abs. 1 BGB. Die Be­klag­te wälzt kein un­ab­seh­ba­res oder spe­zi­ell ihr über­tra­ge­nes Ri­si­ko auf die Kläge­rin ab. Der Aus­schluss von Ar­beits- und Vergütungs­pflicht dient er­sicht­lich nicht da­zu, die Auf­recht­er­hal­tung des Vergütungs­an­spruchs oh­ne Ar­beits­leis­tung zu ver­mei­den. Viel­mehr geht es, eben­so wie bei der zulässi­gen Ver­ein­ba­rung ei­ner “Fe­ri­enüber­hangs­re­ge­lung” (vgl. hier­zu nur BAG 13. De­zem­ber 2001 - 6 AZR 127/00 - ZTR 2002, 323; 19. Fe­bru­ar 2004 - 6 AZR 211/03 - ZTR 2004, 417) , um ei­ne der Ar­beits­leis­tung ent­spre­chen­de Vergütungs­zah­lung. Des­halb be­steht we­der ei­ne Un­ver­ein­bar­keit mit we­sent­li­chen Grund­ge­dan­ken des § 611 BGB noch gefähr­det die Ein­schränkung der Ar­beits- und Vergütungs­pflicht den Ver­trags­zweck. Viel­mehr han­delt es sich um ei­ne be­son­de­re Form der Teil­zeit­ar­beit mit un­re­gelmäßig auf das Ka­len­der­jahr ver­teil­ter Ar­beits­zeit. Die Kläge­rin er­wirbt bei ei­nem dau­ern­den Ar­beits­verhält­nis nach § 14 Nr. 1.5 RTV ei­nen höhe­ren Ur­laubs­an­spruch, wenn auch re­gelmäßig kein höhe­res Ur­laubs­ent­gelt, § 14 Nr. 2.1 RTV.

(3) Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts wird die Kläge­rin durch Nr. 7.2 des Ar­beits­ver­trags auch nicht in Ver­bin­dung mit der Re­ge­lung zur Ur­laubs­fest­le­gung un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt.

Nach Nr. 7.2 Satz 1 des Ar­beits­ver­trags soll der Ar­beit­ge­ber den Ur­laub für die Schul­fe­ri­en­zei­ten zu­wei­sen können. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­ge­lung da­hin aus­ge­legt, der Be­klag­ten wer­de da­mit das Recht zur Fest­le­gung des Ur­laubs oh­ne Bin­dung an die Kri­te­ri­en des § 14 Nr. 3.1 Satz 2 RTV (Berück­sich­ti­gung der Wünsche des Beschäftig­ten, Bedürf­nis­se des Be­triebs) ein­geräumt. Die­ses Verständ­nis liegt nicht be­son­ders na­he. Zwar soll der Ar­beit­ge­ber nach dem Ar­beits­ver­trag be­rech­tigt sein, Ur­laub aus­sch­ließlich in den Schul­fe­ri­en­zei­ten zu gewähren. Nach dem Verständ­nis verständi­ger Ver­trags­par­tei­en ver­bleibt es in die­sem Rah­men aber durch­aus bei der An­wen­dung von § 14 Nr. 3.1 Satz 2 RTV, wo­nach der Ar­beit­ge­ber den Zeit­punkt des Ur­laubs­an­tritts un­ter Berück­sich­ti­gung der Wünsche des Beschäftig­ten nach den Bedürf­nis­sen des Be­triebs be­stimmt. Wel­ches Aus­le­gungs­er­geb­nis zu­tref­fend ist und ob die­ses den An­for­de­run­gen des § 14 Nr. 3.1 Satz 2 RTV ins­ge­samt ge­recht wird oder ei­ne ta­rif­wid­ri­ge Ein­schränkung der mögli­chen Wünsche des Beschäftig­ten enthält, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung wäre gleich­wohl wirk­sam. Es ist zwar an­er­kannt, dass sum­mie­ren­de Ef­fek­te in­ner­halb des­sel­ben Re­ge­lungs­kom­ple­xes zu berück­sich­ti­gen sind und des­halb ei­ne an sich wirk­sa­me AGB-Klau­sel un­an­ge­mes­sen wer­den kann (vgl. BGH 3. April 1998 - V ZR 6/97 - NJW 1998, 2600, 2602; BGH 6. April 2005 - XII ZR 308/02 - NJW 2005, 2006; BGH 5. April 2006 - VIII ZR 163/05 - NJW 2006, 2116, 2117; BAG 4. März 2004 - 8 AZR 196/03 - BA­GE 110, 8, 22; BAG 11. April 2006 - 9 AZR 557/05 - AP BGB § 307 Nr. 17, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen) , doch be­steht bei un­ter­stell­ter Un­wirk­sam­keit der die Ur­laubser­tei­lung re­geln­den Klau­sel kei­ne die Kläge­rin un­zu­mut­bar be­las­ten­de Si­tua­ti­on. Viel­mehr ent­spricht ih­re La­ge der durch das Bun­des­ur­laubs­ge­setz und den RTV in vie­len Ar­beits­verhält­nis­sen des Rei­ni­gungs­ge­wer­bes ge­re­gel­ten Rah­men­be­din­gun­gen. Der Ar­beit­ge­ber hat nach dem Bun­des­ur­laubs­ge­setz das Recht, den Ur­laub ein­sei­tig fest­zu­le­gen. Stimmt die­se Fest­le­gung nicht mit den Ur­laubswünschen des Ar­beit­neh­mers übe­rein, kann die­ser ein An­nah­me­ver­wei­ge­rungs­recht ausüben (vgl. ErfK/Dörner 7. Aufl. § 7 BUrlG Rn. 16 ff. mwN) . Will die Kläge­rin ih­ren Er­ho­lungs­ur­laub an an­de­ren als den von der Be­klag­ten zu­ge­wie­se­nen Ar­beits­ta­gen in­ner­halb oder außer­halb der Schul­fe­ri­en neh­men, hat sie, wie an­de­re Ar­beit­neh­mer auch, ih­ren ab­wei­chen­den Ur­laubs­wunsch zu äußern. Dies ist ihr zu­mut­bar und des­halb kei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung iSv. § 307 BGB. Die in je­dem Fall not­wen­di­ge Abwägungs­ent­schei­dung hat die auf die Fei­er­tags­vergütung ein­tre­ten­den Ef­fek­te zu berück­sich­ti­gen. Die Kläge­rin wird aus wirt­schaft­li­chen Gründen we­nig In­ter­es­se an ei­ner Ur­laubser­tei­lung außer­halb der Schul­fe­ri­en ha­ben, weil sich da­durch die Zei­ten oh­ne Vergütung verlängern. Will die Kläge­rin, wie sie in ih­rer Re­vi­si­ons­be­ant­wor­tung an­ge­deu­tet hat, im In­ter­es­se ei­nes durchgängi­gen so­zi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­chen Beschäfti­gungs­verhält­nis­ses (vgl. § 7 Abs. 3 Satz 1 SGB IV) zu­min­dest ei­nen Teil ih­res Er­ho­lungs­ur­laubs in die Som­mer­fe­ri­en le­gen, wird sie in der Jah­res­sum­me we­ni­ger Ent­gelt­fort­zah­lung an Fei­er­ta­gen er­hal­ten, weil die im Lan­de Nord­rhein-West­fa­len be­stimm­ten ge­setz­li­chen Fei­er­ta­ge in den an­de­ren Schul­fe­ri­en des Jah­res lie­gen. Die­se wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen sind un­abhängig da­von zu ko­or­di­nie­ren, ob die ver­trag­li­che Ur­laubs­re­ge­lung der Be­klag­ten ein ein­sei­ti­ges Be­stim­mungs­recht zu­weist oder nicht.

d) Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung verstößt nicht ge­gen höher­ran­gi­ges Recht.

aa) Ein Ver­s­toß ge­gen die gem. § 12 Ent­gelt­fort­zah­lungsG zwin­gen­de Vor­schrift des § 2 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungsG liegt nicht vor. Die Par­tei­en ha­ben nicht den An­spruch auf Fei­er­tags­vergütung ab­be­dun­gen, son­dern ein ge­ne­rel­les Ru­hen des Ar­beits­verhält­nis­ses in den Zei­ten der Schul­fe­ri­en vor­ge­se­hen. Das ist von den Fei­er­ta­gen un­abhängig. Es be­deu­tet noch kei­ne Re­ge­lung der Fei­er­tags­vergütung, wenn in den Fe­ri­en­zei­ten über­durch­schnitt­lich vie­le Fei­er­ta­ge lie­gen. Sa­che der Kläge­rin ist es, den Ur­laub ent­spre­chend den Vor­schrif­ten des RTV so gel­tend zu ma­chen, dass auch Fei­er­tags­vergütung nach § 2 Abs. 1 Ent­gelt­fort­zah­lungsG er­hal­ten bleibt.

bb) Die Ver­ein­ba­rung verstößt nicht ge­gen § 615 BGB. Die­se Norm ist ab­ding­bar (BAG 5. Sep­tem­ber 2002 - 8 AZR 702/01 - AP BGB § 280 n.F. Nr. 1 = EzA BGB § 615 Nr. 109, zu II 3 der Gründe mwN) . Ein­schränkun­gen von die­sem Grund­satz wer­den ver­tre­ten, wenn der Ar­beit­ge­ber sein Ar­beits­ent­gel­t­ri­si­ko ge­ne­rell auf den Ar­beit­neh­mer ver­la­gern will, ihn et­wa nach un­wirk­sa­mer Kündi­gung kei­ne Vergütungs­pflicht tref­fen soll (vgl. nur ErfK/Preis 7. Aufl. § 615 BGB Rz. 8 mwN) . Um ei­nen sol­chen Fall geht es hier nicht. Die Ver­ein­ba­rung der Par­tei­en re­gelt nicht die Fol­gen des An­nah­me­ver­zugs, son­dern be­schränkt Ar­beits­pflicht und Vergütungs­pflicht von vorn­her­ein auf fest­be­stimm­te Zeiträume. Es han­delt sich um ei­ne von § 611 Abs. 1 BGB ab­wei­chen­de Re­ge­lung, die nur in­di­rekt auch § 615 BGB be­trifft; der Ar­beit­ge­ber kann nicht in Ver­zug ge­ra­ten, so­weit kei­ne Diens­te ge­schul­det wer­den. In­so­fern lag der Sach­ver­halt in den vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zi­tier­ten Ent­schei­dun­gen des Bun­des­ar­beits­ge­richts (13. Au­gust 1980 - 5 AZR 296/78 - AP BUrlG § 1 Un­be­zahl­ter Ur­laub Nr. 1, zu II 2 c der Gründe; 6. April 1982 - 3 AZR 1079/79 - BA­GE 38, 255, 257 f.) je­weils an­ders. Hier wur­den die be­ste­hen­den Ansprüche durch die Ver­ein­ba­rung ei­nes un­be­zahl­ten Ur­laubs, oh­ne den der Ar­beit­ge­ber in An­nah­me­ver­zug ge­ra­ten wäre, nachträglich auf­ge­ho­ben.

cc) Die Ru­hens­ver­ein­ba­rung be­wirkt kei­ne Dis­kri­mi­nie­rung we­gen der Teil­zeit­ar­beit iSv. § 4 Abs. 1 Satz 1 Tz­B­fG. Der et­wai­ge Weg­fall von Fei­er­tags­vergütung be­ruht nicht auf der Dau­er der Ar­beits­zeit, son­dern auf der La­ge der Ar­beit (vgl. nur BAG 24. Sep­tem­ber 2003 - 10 AZR 675/02 - BA­GE 108, 17, 21) . Er kann zu­dem durch ei­ne in­ter­es­sen­ge­rech­te Fest­le­gung des Ur­laubs in den Schul­fe­ri­en in an­ge­mes­se­nem Um­fang ver­mie­den wer­den.

3. Da das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en am 25. und 26. De­zem­ber 2003 ge­ruht hat, hätte die Kläge­rin an die­sen Ta­gen auch dann nicht ge­ar­bei­tet und kei­ne Vergütung er­zielt, wenn es sich nicht um Fei­er­ta­ge ge­han­delt hätte.

II. Ei­ne an­de­re Grund­la­ge für den gel­tend ge­mach­ten An­spruch auf Fei­er­tags­vergütung be­steht nicht.

III. Die Kläge­rin hat gem. § 91 ZPO die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Müller-Glöge 

Mi­kosch 

Linck

Rein­ders 

Hann

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