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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Haftung des Arbeitnehmers, Schaden, Arbeitnehmerhaftung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Bremen
Akten­zeichen: 2 Sa 91/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.06.2013
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bremen-Bremerhaven, Urteil vom 08.06.2011, 2 Ca 2006/10
Nachgehend Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 21.05.2015, 8 AZR 116/14
   

LAN­DES­AR­BEITS­GERICHT BRE­MEN

Verkündet am:
19.06.2013

IM NA­MEN DES VOL­KES

SCHLUSS-UR­TEIL

2 Sa 91/11

2 Ca 2006/10 Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven (Bre­men)

In dem Rechts­streit

Kläger und Be­ru­fungs­be­klag­ter,

Proz.-Bev.:

Be­klag­te und Be­ru­fungskläge­rin,

Proz.-Bev.:

hat die 2. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. Ju­ni 2013

durch

den Vor­sit­zen­den Rich­ter am
Lan­des­ar­beits­ge­richt die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin
die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin

für Recht er­kannt:

I. Auf die Be­ru­fung der Be­klag­ten hin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 08.06.2011 wie folgt geändert:

1. Der Kläger wird auf An­trag der Be­klag­ten aus der Wi­der­kla­ge, an sie € 23.281,71 zu zah­len, ver­ur­teilt, an die Be­klag­te € 11.662,89 nebst Zin­sen in Höhe von 5 % Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 29.12.2010 zu zah­len.

2. Im Übri­gen wird die­ser An­trag der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

 

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II. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten wird im Übri­gen zurück­ge­wie­sen.

III. Auf die Be­ru­fung des Klägers hin wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 08.06.2011 teil­wei­se ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger € 1.180,00 zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 % Punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.10.2010 zu zah­len.

Im Übri­gen wird die Be­ru­fung des Klägers zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten des Rechts­streits tra­gen die Be­klag­te zu 89 %, der Kläger zu 11 %.

Die Re­vi­si­on für den Kläger wird nicht zu­ge­las­sen.

Für die Be­klag­te wird die Re­vi­si­on gemäß Zif­fer I. 2. des Te­nors zu­ge­las­sen.

 

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Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der Be­klag­ten gemäß Zif­fer I. 2. des Te­nors

Re­vi­si­on

ein­ge­legt wer­den.

 

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Das Bun­des­ar­beits­ge­richt bit­tet, sämt­li­che Schriftsätze in sie­ben­fa­cher Aus­fer­ti­gung - für je­den wei­te­ren Be­tei­lig­ten ei­ne Aus­fer­ti­gung mehr - bei dem Bun­des­ar­beits­ge­richt ein­zu­rei­chen.

TAT­BESTAND:

Die Par­tei­en strei­ten noch – nach­dem durch Teil­ur­teil vom 31.10.2012 die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts, die frist­lo­sen Kündi­gun­gen der Be­klag­ten für un­wirk­sam zu erklären – um ei­nen An­spruch des Klägers auf die vollständi­ge Zah­lung ei­ner Mehr­ar­beits­pau­scha­le in Höhe von ca. 1300 € und Scha­dens­er­satz­ansprüche der Be­klag­ten in Höhe von ca. 74.000 €. Der Tat­be­stand des Teil­ur­teils wird ergänzend in Be­zug ge­nom­men.

Der Kläger ar­bei­te­te seit dem 01.03.2001 als Sach­be­ar­bei­ter im Be­reich Ar­beits­wirt­schaft für die Be­klag­te. Das Ar­beits­verhält­nis be­stimm­te sich nach dem An­stel­lungs­ver­trag und ei­ner Zu­satz­ver­ein­ba­rung vom 11.12.2000, die die Zah­lung ei­ner mo­nat­li­chen Mehr­ar­beits­pau­scha­le vor­sah. Die Brut­to­vergütung des Klägers be­trug zu­letzt € 4.125,00 mo­nat­lich. Zu­letzt wur­de auf Grund­la­ge der Zu­satz­ver­ein­ba­rung ein Be­trag von 409,03 EUR ge­zahlt. Auf­grund ei­ner wei­te­ren Zu­satz­ver­ein­ba­rung vom 24.06.2005 hat­ten al­le Mit­ar­bei­ter ab 01.07.2005 auf 25 % der mo­nat­li­chen Mehr­ar­beits­pau­scha­le ver­zich­tet. Die­se Kürzung soll­te bei ei­ner Bes­se­rung des Be­triebs­er­geb­nis­ses für das vor­her­ge­hen­de Geschäfts­jahr zzgl. 10 % nach­ge­zahlt wer­den.

Die Be­klag­te kündig­te die Zu­satz­ver­ein­ba­rung über die Zah­lung ei­ner Mehr­ar­beits­pau­scha­le mit Wir­kung zum 31.01.2009. Der Kläger hat dies mit ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge an­ge­grif­fen. Durch Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men wur­de fest­ge­stellt, dass die­se Kündi­gung un­wirk­sam ist (Az.: 8 Ca 8150/09). Die hier­ge­gen ge­rich­te­te Be­ru­fung der Be­klag­ten hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt durch Ur­teil vom 21.06.2010 zurück­ge­wie­sen (1 Sa 174/09). Im Sep­tem­ber 2010 zahl­te die Be­klag­te die Mehr­ar­beits­pau­scha­le für das vor­her­ge­hen­de Geschäfts­jahr 2009 an al­le Mit­ar­bei­ter nach, nicht al­ler­dings an den Kläger. Die Be­klag­te hat an den Kläger für den Ja­nu­ar 2009 bis zur frist­lo­sen Kündi­gung im De­zem­ber 2009 die gekürz­te Pau­scha­le ge­zahlt. An den Kläger wur­den Eu­ro 306,77 statt Eu­ro 409,03 ge­zahlt.

Der Kläger be­gehrt mit sei­ner am 23.12.2010 bei Ge­richt ein­ge­gan­ge­nen, und am 06.01.2011 der Be­klag­ten zu­ge­stell­ten Kla­ge (Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven – Az.:

 

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2 Ca 2588/10) für die­sen Zeit­raum die Nach­zah­lung auf der Ba­sis ei­nes mo­nat­li­chen Be­tra­ges von 409,03 EUR. Durch Be­schluss vom 20.04.2011 wur­de die­ses Ver­fah­ren durch das Ar­beits­ge­richt mit dem vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ver­bun­den.

Die Be­klag­te pro­du­ziert Au­to­tei­le, die sie u.a. in Heim­ar­beit fer­ti­gen lässt. Die dort zu fer­ti­gen­den Tei­le (u.a. Schläuche und Schlauch­grup­pen) sind in Ar­beitsplänen be­schrie­ben. Die Ar­beitspläne wer­den durch Pro­zess­pla­ner der Ab­tei­lung Fer­ti­gungs­pla­nung er­stellt. In den Plänen wer­den im Ein­zel­nen die not­wen­di­gen Ar­beits­vorgänge, die zu ver­wen­den­den Ma­te­ria­li­en, die ein­zel­nen Ar­beits­schrit­te, zu be­ach­ten­de Be­son­der­hei­ten, die Be­triebs­mit­tel so­wie die Vor­ga­be- und Ma­schi­nen­lauf­zei­ten be­schrie­ben. Ei­ne wei­te­re de­tail­lier­te Auf­schlüsse­lung der Ar­beits­vorgänge er­folgt in Ar­beits­platz­kar­ten. Ar­beitspläne und Ar­beits­platz­kar­ten wer­den durch die Fer­ti­gungs­pla­nung je­weils abs­trakt für den je­wei­li­gen Ar­beits­vor­gang ge­plant. Je nach Auf­trags­men­ge sind hier­von zwi­schen 10 und 20 Heim­ar­bei­te­rin­nen je­weils be­trof­fen. Die Ar­beitspläne un­ter­lie­gen ste­ti­gen Verände­run­gen, zum Bei­spiel durch Ände­rung des Ar­beits­in­hal­tes, des Ar­beits­ab­lau­fes, der Ein­zel­tei­le oder der Be­triebs­mit­tel. Hier­durch wird je­weils die Er­stel­lung ei­nes neu­en Ar­beits­pla­nes er­for­der­lich. Im Rah­men der Er­stel­lung ei­nes sol­chen Ar­beits­pla­nes ver­wen­det der Pro­zess­pla­ner der Ab­tei­lung Fer­ti­gungs­pla­nung für die Ar­beits­zeit, die ei­ne Heim­ar­bei­te­rin für die Er­stel­lung des je­wei­li­gen Ge­werks benötigt, zunächst ei­nen fik­ti­ven kal­ku­la­to­ri­schen Wert, der mit „K“ ge­kenn­zeich­net ist. Die­se Pla­nung legt die Be­klag­te für die Auf­trags­kal­ku­la­ti­on zu­grun­de.

Die Auf­ga­be des Klägers be­stand dar­in, die tatsächlich er­for­der­li­che Ar­beits­zeit nach ar­beits­wis­sen­schaft­li­chen Me­tho­den zu er­fas­sen und den bis da­hin ver­wen­de­ten kal­ku­la­to­ri­schen Wert „K“ durch den er­mit­tel­ten tatsächli­chen Ar­beits­zeit­auf­wand zu er­set­zen. Dar-über hin­aus ob­lag es dem Kläger, die­sen tatsächli­chen Wert im Com­pu­ter­sys­tem für die Be­rech­nung der Ar­beits­leis­tun­gen der Heim­ar­bei­te­rin­nen frei­zu­ge­ben. Die Ab­rech­nung der Ar­beits­leis­tun­gen der Heim­ar­bei­te­rin­nen er­folg­te nicht auf Grund­la­ge des „K“ Wer­tes, son­dern aus­sch­ließlich auf Grund­la­ge des vom Kläger ein­ge­ge­be­nen und frei­ge­ge­be­nen Wer­tes. Im Rah­men sei­ner ver­trag­lich ge­schul­de­ten Tätig­keit ob­lag es dem Kläger, jähr­lich zwi­schen 900 und 1200 Fer­ti­gungs­zei­ten zu er­mit­teln. Der Vor­ge­setz­te des Klägers, der Zeu­ge F. , über­mit­tel­te dem Kläger ca. al­le zwei Wo­chen ei­ne Lis­te mit zu rund 70 zu be­ar­bei­ten­den Ar­beits­vorgängen.

Die Be­klag­te stell­te im Jahr 2009 fest, dass der Kläger Feh­ler bei der Um­set­zung der Zeit­er­fas­sun­gen ge­macht ha­be. Des­we­gen führ­ten die Par­tei­en am 03.06.2009 ein Per­so­nal­gespräch, an dem u.a. der Per­so­nal­lei­ter Herr M. , ein wei­te­rer Mit­ar­bei­ter der Ar­beits­wirt­schaft, der stell­ver­tre­ten­de Be­triebs­rats­vor­sit­zen­de so­wie der Geschäftsführer

 

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der Be­klag­ten teil­nah­men. Die Be­klag­te überg­ab dem Kläger in die­sem Gespräch ein auf den 27.05.2009 da­tier­tes Ab­mah­nungs­schrei­ben. In die­sem Schrei­ben rügt die Be­klag­te Schlecht­leis­tung in der Ar­beits­ausführung im Be­zug auf sechs kon­kre­te Ar­beits­abläufe, die der Kläger feh­ler­haft er­bracht ha­ben soll und droht mit ar­beits­recht­li­chen Kon­se­quen­zen im Wie­der­ho­lungs­fall. Un­ter an­de­rem wird die Höhe der Vor­ga­be­zeit zum Ar­beits­vor­gang R5-YJ02 als feh­ler­haft be­zeich­net. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf Blatt 196 der Ak­te ver­wie­sen.

Am 09.06.2009 führ­ten die Par­tei­en er­neut ein Per­so­nal­gespräch, in dem die Be­klag­te den Aus­spruch ei­ner außer­or­dent­li­chen Kündi­gung und ei­ne et­wai­ge Straf­an­zei­ge in Aus­sicht stell­te. Die Par­tei­en schlos­sen dar­auf­hin ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag. Die­sen Auf­he­bungs­ver­trag hat der Kläger am 19.06.2009 an­ge­foch­ten und Kla­ge vor dem Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses er­ho­ben. Die An­fech­tungs­kla­ge des Klägers war er­folg­reich. Dies hat das Ar­beits­ge­richt durch Ur­teil vom 07.10.2009 (Az.: 8 Ca 8389/09) ent­schie­den.

Im An­schluss dar­an hörte die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 23.10.2009 den Kläger zu dem Vor­wurf an, er ha­be vorsätz­lich Vor­ga­be­zei­ten zu hoch an­ge­setzt, ver­mut­lich, um sich oder Drit­te vorsätz­lich zu be­rei­chern. Die Be­klag­te gab dem Kläger Ge­le­gen­heit, zu die­sen Vorwürfen bis zum 30.10.2009 Stel­lung zu neh­men.

Dar­in heißt es un­ter an­de­rem:

"1. Es konn­ten bis­her ca. 90 Ar­beitspläne ins­be­son­de­re im Be­reich der Vor­mon­ta­ge und End­mon­ta­ge von Schlauch­grup­pen über­prüft wer­den. Bei der Mehr­zahl der ent­hal­te­nen Vor­ga­be­zei­ten, die Sie hier be­ar­bei­tet ha­ben, sind die Wer­te of­fen­sicht­lich zu hoch an­ge­setzt. Dies be­ruht bei der Vor­mon­ta­ge ins­be­son­de­re dar­auf, dass sie für die Mon­ta­ge der ein-zel­nen Rast­kupp­lun­gen/Rast­ste­cker fast im­mer ei­ne Vor­ga­be­zeit von 18´% an­ge­setzt ha­ben, die auf ei­ne Er­he­bung vom 23.01.1997 zurück-geht und der Ar­beits­platz­kenn­zahl R5 YK 17 zu­ge­ord­net war.
...

2. Im Be­reich der End­mon­ta­ge gab es ei­ne al­te Vor­ga­be­zeit von 123 ´% von hun­dert Tei­le aus dem Jah­re 1997, zu­ge­ord­ne­te Ar­beits­platz­kenn¬zahl R5 YJ02. Die­se Vor­ga­be­zei­ten be­ruh­ten zum ei­nen auf ei­ner spe¬ziel­len Schlauch­grup­pe mit zusätz­li­chen an­ge­bau­ten Win­kelstücken und ent­spre­chen­den Schlau­chen­den, die die Mon­ta­ge zeit­lich verlänger­ten. Zum an­dern war die Zeit­vor­ga­be auf­grund di­ver­ser Mo­der­ni­sie­run­gen (...) in­halt­lich über­holt und sie ha­ben des­halb sel­ber di­ver­se neue Durch­schnitts­wer­te für die ein­zel­nen ent­schei­den­den Ar­beits­schrit­te... er­mit­telt.“

Im Schrei­ben der Be­klag­ten wur­den un­ter an­de­rem Feh­ler bei den Schlauch­grup­pen 166 063-95 und 168 404-84, 164 754-00 und 164 755-00 an­ge­spro­chen. Wei­ter wur­den Tei­le

 

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der Ar­beits­ausführung im Be­reich EMF an der "MARC und Fort­haus"-Schlauch­schnei­de­ein­rich­tung gerügt. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens wird auf Bl. 52-55 der Ak­te ver­wie­sen.

Auf An­trag des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers verlänger­te die Be­klag­te die Frist zur Stel­lung­nah­me. Gleich­zei­tig nennt die Be­klag­te ei­nen wei­te­ren Ar­beits­vor­gang, bei dem der Kläger ei­nen ver­al­te­ten Wert, an­statt ei­nen von ihm ge­mes­se­nen Wert ver­wen­det hat (Schlauch­grup­pe 164 756-81). We­gen der Ein­zel­hei­ten die­ses Schrei­bens wird auf Bl. 56 f. der Ak­te ver­wie­sen.

Der Kläger nahm durch Schrei­ben sei­nes Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten vom 03.12.2009 zu den Vorwürfen Stel­lung. Hier­in äußer­te sich der Kläger u.a. da­hin­ge­hend, dass die nicht un­mit­tel­ba­re Um­set­zung neu­er Vor­ga­be­zei­ten mit den Vor­ge­setz­ten ab­ge­spro­chen, oder zum Teil we­gen Be­den­ken der Fer­ti­gungs­pla­nung zurück­ge­stellt wor­den sei. We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Schrei­bens des Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten des Klägers wird auf Bl. 58-60 der Ak­te ver­wie­sen.

Die Be­klag­te kündig­te das Ar­beits­verhält­nis mit dem Kläger nach Anhörung des Be­triebs­ra­tes am 17.12.2009 frist­los. Die frist­lo­se Kündi­gung war Ge­gen­stand des Teil­ur­teils vom 30.10.2012. Die hier­in durch das Ar­beits­ge­richt fest­ge­stell­te Un­wirk­sam­keit wur­de bestätigt.

Mit Schrei­ben vom 10.02.2010 mach­te die Be­klag­te ei­nen Scha­den in Höhe von 381.174,93 EUR gel­tend. Sie be­zif­fer­te im Hin­blick auf ein­zel­ne Vor­ga­be­zei­ten für Schlauch­grup­pen den Scha­den je­weils kon­kret. Un­ter an­de­rem wird für die Schlauch-grup­pe 164 756-007 ein Scha­den in Höhe von 31.203 EUR an­ge­ge­ben. Sie führt wei­ter aus, dass die Gel­tend­ma­chung im Um­fang des er­sicht­li­chen Teil­scha­dens er­fol­ge, wei­te­re Ansprüche blie­ben vor­be­hal­ten. Vor­sorg­lich wer­de auch die Haf­tung des Klägers für al­le Schäden von ihm nicht oder falsch um­ge­setz­ten Vor­ga­be­zei­ten dem Gründe nach gel­tend ge­macht. We­gen der Ein­zel­hei­ten des Gel­tend­ma­chungs­schrei­bens wird auf Bl. 530 der Ak­te ver­wie­sen.

Am 29.06.2010 wies das Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 07.10.2009 zurück (Az.: 1 Sa 175/09). Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zur er­folg­rei­chen An­fech­tung des Auf­he­bungs­ver­tra­ges wur­de rechts­kräftig.
Mit Schrei­ben vom 13.12.2010 kündig­te die Be­klag­te er­neut, eben­falls nach Anhörung des Be­triebs­ra­tes, frist­los. Sie be­gründe­te die Kündi­gung ge­genüber dem Be­triebs­rat mit

 

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wei­te­ren ent­deck­ten Fehl­leis­tun­gen des Klägers. Sie teil­te dem Be­triebs­rat mit, sie ha­be am 06.12.2010 durch den Vor­ge­setz­ten des Klägers, Herrn F. , Kennt­nis über wei­te­re Ver­trags­verstöße des Klägers er­hal­ten. Die Be­klag­te be­schrieb im Wei­te­ren ein­zel­ne Ar­beits­abläufe, die vom Kläger falsch be­wer­tet bzw. um­ge­setzt wor­den sein sol­len. In dem Schrei­ben sind Ver­trags­ver­let­zun­gen in Be­zug auf die Schlauch­grup­pen 167 313-81, 167 313-007, 166 063-81 und -83, 166 063-007, 166 063-91 und -93, 166 063-017, 161 262¬81, 161 262-007, 161 262-91, 161 262-017 be­schrie­ben (im Ein­zel­nen wird auf das Anhörungs­schrei­ben Bl. 100 ff. zum Az. 2 Ca 2583/10 ver­wie­sen). Auch über die­se Kündi­gung hat die Be­ru­fungs­kam­mer durch Teil­ur­teil vom 30.10.2012 ent­schie­den, und die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung, die Kündi­gung sei un­wirk­sam, bestätigt.

Be­reits vor Aus­spruch der Kündi­gung mach­te die Be­klag­te mit Schrift­satz vom 29.07.2010 wi­der­kla­gend Scha­dens­er­satz­ansprüche in Höhe von 51.310,50 EUR gel­tend.

Mit Schrift­satz vom 14.12.2010 er­wei­ter­te die Be­klag­te ih­re Wi­der­kla­ge um wei­te­re Scha­dens­po­si­tio­nen in Höhe von 23.281,71 €.

Der Kläger hat vor­ge­tra­gen, er ha­be für den Zeit­raum Ja­nu­ar bis De­zem­ber 2009 ei­nen Dif­fe­renz­an­spruch in Höhe von € 1.180,10 brut­to zur bis­lang im De­zem­ber 2009 ge­zahl­ten Mehr­ar­beits­pau­scha­le. Die ar­beits­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Mehr­ar­beits­pau­scha­le sei zwar durch Zu­satz­ver­ein­ba­rung vom 24.06.2005 um 25 % gekürzt wor­den. Ei­ne Nach­zah­lung ha­be nach der Zu­satz­ver­ein­ba­rung – in­so­weit un­strei­tig – er­fol­gen sol­len, wenn ge­genüber dem Vor­jahr ein ver­bes­ser­tes Geschäfts­jah­res­er­geb­nis er­reicht wer­de. Im Sep­tem­ber 2010 ha­be die Be­klag­te an al­le Mit­ar­bei­ter die Kürzungs­beträge für das vor­her­ge­hen­de Geschäfts­jahr 2009 nach­ge­zahlt. Ei­ne sol­che Nach­zah­lung ha­be er je­doch nicht er­hal­ten.

Der Kläger hat be­an­tragt,
...

4. die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an den Kläger € 1.180,10 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 01.10.2010 zu zah­len.

Wi­der­kla­gend hat die Be­klag­te be­an­tragt:

1. der Kläger wird ver­ur­teilt, an die Be­klag­te € 51.310,50 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu­stel­lung des Wi­der­kla­ge­schrift­sat­zes vom 29.07.2010 zu zah­len.

2. der Kläger wird ver­ur­teilt, an die Be­klag­te wei­te­re € 23.281,71 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit Zu-stel­lung die­ser Kla­ge­er­wei­te­rung zu zah­len.

 

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Der Kläger hat be­an­tragt,

die Wi­der­kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kla­ge auf Zah­lung ei­ner Mehr­ar­beits­pau­scha­le sei un­schlüssig. Tatsächlich ha­be die Be­klag­te für den Zeit­raum Fe­bru­ar bis Ju­ni 2009 ei­ne Nach­be­rech­nung und Nach­zah­lung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le an den Kläger vor­ge­nom­men, wei­ter­ge­hen­de Ansprüche sei­en nicht nach­voll­zieh­bar.

Die Be­klag­te hat ih­re Wi­der­kla­ge und die Er­wei­te­rung der Wi­der­kla­ge da­mit be­gründet, dass der Kläger fort­ge­setzt und vorsätz­lich zu lan­ge Ar­beits­zeit­vor­ga­ben für ein­zel­ne Ar­beits­vorgänge der Heim­ar­bei­te­rin­nen vor­ge­ge­ben ha­be. Hier­durch sei der Be­klag­ten ein Scha­den in der Größen­ord­nung von € 800.000,00 ent­stan­den. Be­reits vor Aus­spruch der Ab­mah­nung am 03.06.2009 ha­be der Vor­ge­setz­te des Klägers, der Zeu­ge F. , den Kläger mehr­fach er­mah­nen und da­zu an­hal­ten müssen, die zu über­prüfen­den Vor­ga­be­zei­ten zeit­nah zu er­mit­teln und im Com­pu­ter­sys­tem um­zu­set­zen. Erst nach Aus­spruch die­ser Ab­mah­nung ha­be der Zeu­ge F. durch wei­te­re Nach­for­schun­gen fest­stel­len müssen, dass der Kläger nicht nur in we­ni­gen Ein­z­elfällen, son­dern mas­siv und fort­ge­setzt sei­ner ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­pflich­tung nicht nach­ge­kom­men sei. Es sei ins­be­son­de­re fest­ge­stellt wor­den, dass der Kläger fal­sche Vor­ga­be­zei­ten fast aus­sch­ließlich zu­las­ten der Be­klag­ten vor­ge­ge­ben ha­be, d. h., dass in den vom Zeu­gen F. über­prüften Fällen die durch den Kläger ein­ge­tra­ge­nen Vor­ga­be­zei­ten fast aus­sch­ließlich zu lang und da­mit nach­tei­lig für die Be­klag­te ge­we­sen sei­en. Fälle, in de­nen die vom Kläger vor­ge­ge­be­nen Ar­beits­zei­ten zu kurz ge­we­sen sei­en, ha­be es so gut wie gar nicht ge­ge­ben. Ins­be­son­de­re ha­be die Be­klag­te fest­stel­len müssen, dass der Kläger trotz er­kenn­ba­rer Verände­run­gen des Ar­beits­ab­laufs ver­al­te­te und er­kenn­bar zu lan­ge Ar­beits­zei­ten für den neu­en Ar­beits­vor­gang über­nom­men ha­be und er in an­de­ren Fällen von ihm er­mit­tel­te kürze­re Vor­ga­be­zei­ten nicht um­ge­setzt, al­so nicht in das Com­pu­ter­sys­tem ein­ge­ge­ben ha­be, mit der Fol­ge, dass die Vergütung der Heim­ar­bei­te­rin­nen im Er­geb­nis zu hoch ge­we­sen sei. Ei­ne Nich­tum­set­zung oder ver­späte­te Um­set­zung veränder­ter Vor­ga­be­zei­ten sei mit der Be­klag­ten, ins­be­son­de­re mit dem Vor­ge­setz­ten F. , zu kei­nem Zeit­punkt ver­ein­bart wor­den. Der Kläger könne sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass die Um­set­zung neu­er Ar­beits­zei­ten an Be­son­der­hei­ten des Ein­zel­fal­les ge­schei­tert sei, da sei­ne Auf­ga­be dar­in be­stan­den ha­be – in­so­weit un­strei­tig –, die Ar­beits­zei­ten abs­trakt, al­so los­gelöst vom ein­zel­nen Ar­beits­platz für ei­ne ge­sam­te Ar­beits­grup­pe zu er­mit­teln. Der Vor­ge­setz­te des Klägers, der Zeu­ge F. , ha­be die Ar­beits­vorgänge des Klägers ne­ben sei­ner re­gulären Ar­beits­zeit zusätz­lich in mühe­vol­ler Klein­ar­beit er­mit­teln müssen. Dies ha­be ei­ne er­heb­li­che Zeit in An­spruch ge­nom­men. Aus den un­verzüglich nach der Ab­mah­nung und dem

 

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Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges ein­ge­lei­te­ten wei­te­ren Re­cher­chen hätten sich schwer­wie­gen­de An­halts­punk­te er­ge­ben, die dem Fehl­ver­hal­ten des Klägers ein deut­lich höhe­res Ge­wicht ge­ge­ben hätten. Die Be­klag­te ha­be da­nach da­von aus­ge­hen müssen, dass nicht nur ein fahrlässig schlech­tes Ar­beits­ver­hal­ten des Klägers vor­ge­le­gen ha­be, son­dern der Kläger der Be­klag­ten vorsätz­lich oder zu­min­dest grob fahrlässig ha­be scha­den wol­len, ge­ge­be­nen­falls auch um sich oder Drit­te zu be­rei­chern.

Auch nach Aus­spruch der ers­ten frist­lo­sen Kündi­gung am 17.12.2009 ha­be der Vor­ge­setz­te F. wei­te­re Über­prüfun­gen vor­ge­nom­men. Hier­von ha­be die Geschäfts­lei­tung erst am 06.12.2010 er­fah­ren. Ins­ge­samt hätte sich auf­grund der Viel­zahl der Vorwürfe für die Be­klag­te das Bild er­ge­ben, dass der Kläger vorsätz­lich zu­las­ten der Be­klag­ten ge­han­delt ha­be. In vie­len Fällen ha­be es we­der ei­ne An­wei­sung der Be­klag­ten ge­ge­ben, noch sei ein nach­voll­zieh­ba­rer Grund dafür er­sicht­lich, war­um der Kläger kürze­re Vor­ga­be­zei­ten nicht im Com­pu­ter­sys­tem um­ge­setzt ha­be. Bei den Vor­ga­ben der Schlauch­grup­pe 164 756-81 und 164 756-007 ha­be der Kläger im Zeit­raum 2006 bis 2009 ei­nen Scha­den in Höhe von ins­ge­samt € 51.310,35 ver­ur­sacht (zum Vor­trag der Be­klag­ten im Ein­zel­nen wird auf das Vor­brin­gen im Be­klag­ten­schrift­satz vom 29.07.2010, Bl. 43 – 47 d. A. so­wie auf das Vor­brin­gen im Be­klag­ten­schrift­satz vom 01.02.2011, Bl. 241 d. A. ver­wie­sen).

In Be­zug auf die Schlauch­grup­pen 167 313-81 und -83 sei ein Scha­den in Höhe von € 177,29 Per­so­nal­kos­ten und € 197,06 Ma­schi­nen­kos­ten ent­stan­den; für die Schlauch­grup­pe 167 313-007 € 168,36 Per­so­nal­kos­ten und € 197,06 Ma­schi­nen­kos­ten; für die Schlauch­grup­pen 166 063-81 und -83 so­wie 166 063-91 und -93 € 2012,10 Per­so­nal­kos­ten und € 2110,47 Ma­schi­nen­kos­ten; für die Schlauch­grup­pen 166 063-007 und -017 € 4779,20 Per­so­nal­kos­ten und € 4775,66 EUR Ma­schi­nen­kos­ten; für die Schlauch­grup­pen 161 262-81 und -91 € 3047,27 Per­so­nal­kos­ten und € 2550,61 Ma­schi­nen­kos­ten und für die Schlauch­grup­pen 161 262-007 und -017 € 1724,32 Per­so­nal­kos­ten und € 1456,90 Ma­schi­nen­kos­ten. Die Ge­samt­scha­dens­sum­me für die mit der Wi­der­kla­ge­er­wei­te­rung be­nann­ten Schlauch­grup­pen be­tra­ge € 23.081,71 (im Ein­zel­nen wird auf das Vor­brin­gen aus dem Be­klag­ten­schrift­satz vom 14.12.2010, Bl. 115 – 123 und dem Schrift­satz vom 01.02.2011, Bl. 239 – 243 d. A. ver­wie­sen).
Die kor­rek­ten Vor­ga­be­zei­ten sei­en durch den Vor­ge­setz­ten F. im Ein­zel­nen er­mit­telt wor­den. Die Lis­ten, an­hand de­rer der Kläger die je­wei­li­gen Vor­ga­ben im Zeit­raum 2006 bis 2010 ab­zu­ar­bei­ten ge­habt ha­be, lägen nicht mehr vor. An­hand der His­to­rie der ein­zel­nen Ar­beitspläne sei­en je­doch die Ände­run­gen der Pläne im Ein­zel­nen nach­voll­zieh­bar. So­weit bei die­sen Ar­beits­vorgängen zwi­schen dem Be­ar­bei­tungs­zeit­punkt des Klägers und der Über­prüfung durch den Vor­ge­setz­ten F. ei­ne Verände­rung statt­ge­fun­den ha-

 

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be, ha­be es sich hier­bei sämt­lich um Verände­run­gen ge­han­delt, die zu ei­ner länge­ren Vor­ga­be­zeit geführt hätten, so­dass die vom Vor­ge­setz­ten F. er­mit­tel­ten Zei­ten, ge­mes­sen an dem Zeit­punkt, an dem sie vom Kläger hätten er­mit­telt wer­den müssen, noch als zu lang be­trach­tet wer­den müss­ten. Die feh­ler­haf­ten Vor­ga­be­zei­ten hätten da­zu geführt, dass die Be­klag­te höhe­re Auf­wen­dun­gen für die mit der Fer­ti­gung be­fass­ten Heim­ar­bei­ter ha­be er­brin­gen müssen. Wei­ter sei ein Ma­schi­nen­scha­den da­durch ent­stan­den, dass auf Grund­la­ge der zu ho­hen Vor­ga­be­zei­ten mehr Ma­schi­nen an­ge­schafft wor­den sei­en, als nötig.

Die Be­klag­te ha­be die wei­te­re Prüfung der vom Kläger be­ar­bei­te­ten Ar­beits­vorgänge in der ge­bo­te­nen Ei­le durch­geführt, da der Zeu­ge F. – ne­ben sei­ner sons­ti­gen Voll­zeittätig­keit – für die Be­wer­tung die­ser Vor­ga­be­zei­ten ein­sch­ließlich der Zeit­auf­nah­men ca. ein bis ein­ein­halb Ta­ge benöti­ge. Im Per­so­nal­gespräch vom 03.06.2009 sei­en nicht al­le für das an­geb­li­che Fehl­ver­hal­ten des Klägers er­for­der­li­chen Da­ten her­an­ge­zo­gen wor­den. Die Be­klag­te ha­be in die­sem Gespräch nur die Vorwürfe her­an­zie­hen können, die ihr bis zu die­sem Zeit­punkt be­kannt ge­we­sen sei­en. Das sei­en die we­nigs­ten ge­we­sen.

So­fern der Kläger be­strei­tet, dass im An­schluss an das Gespräch vom 03.06.2009 wei­te­re Pflicht­ver­let­zun­gen fest­ge­stellt wor­den sei­en, wer­de vor­ge­tra­gen, dass al­le Kündi­gungs-gründe, so­weit nicht schon kon­kret in der am 03.06.2009 aus­ge­spro­che­nen Ab­mah­nung vom 27.05.2009 nach dem 03.06.2009 fest­ge­stellt wor­den sei­en.

Der Kläger hat be­strit­ten, dass in 90 Ar­beitsplänen le­dig­lich in 6 Fällen die Vor­ga­be­zei­ten zu hoch an­ge­setzt und da­mit zu­las­ten der Be­klag­ten fest­ge­legt wor­den sei­en. Die ge­gen den Kläger er­ho­be­nen Vorwürfe hätten sich im Nach­hin­ein nicht er­heb­lich geändert. Der Be­klag­ten sei der an­geb­li­che Um­fang des Scha­dens be­reits im Ju­ni 2009 be­kannt ge­we­sen, als der Kläger zu ei­nem Auf­he­bungs­ver­trag ge­zwun­gen wor­den sei. Im Per­so­nal­gespräch am 09.06.2009 sei dem Kläger von Herrn M. ein an­geb­li­cher Scha­den von ca. 500.000 EUR vor­ge­hal­ten, der durch die fal­schen Zeit­vor­ga­ben ent­stan­den sein sol­le. Da­bei sei es im We­sent­li­chen auch um die hier strei­ti­gen Zeit­vor­ga­ben ge­han­delt. Später ha­be die Be­klag­te den an­geb­li­chen Scha­den auf 800.000 EUR be­zif­fert, dies je­doch nicht an­satz­wei­se be­legt.

Zu den Vorwürfen im Ein­zel­nen hat der Kläger vor­ge­tra­gen, es sei in den Don­ners­tags-Run­den in An­we­sen­heit des Vor­ge­setz­ten F. mehr­fach ver­ein­bart wor­den, dass be­stimm­te Vor­ga­be­zei­ten in ei­nem Zug geändert wer­den soll­ten. Es sei rich­tig, dass in vie­len Fällen ei­ne ver­al­te­te Vor­ga­be­zeit von 123 Mi­nu­ten bzw. 18 Mi­nu­ten pro 100 Tei­le vor-ge­ge­ben ge­we­sen sei und klar ge­we­sen sei, dass die­se Zei­ten nicht mehr ak­tu­ell sei­en.

 

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Hin­sicht­lich die­ser Zei­ten sei je­doch aus­drück­lich ab­ge­spro­chen wor­den, zunächst die al­ten Zei­ten fort­zu­schrei­ben, da sich be­reits seit 2007 der Trend ab­ge­zeich­net ha­be, dass sich die­se Vor­ga­ben ändern würden. Teil­wei­se sei die Um­set­zung neu­er Vor­ga­be­zei­ten auch von der Fer­ti­gung ab­ge­lehnt wor­den. So hätte bei­spiels­wei­se bei der Schlauch­grup­pe 164 756-81 ei­ne Mon­ta­ge in ei­nem Zug, al­so Vor- und End­mon­ta­ge, er­fol­gen sol­len. Dies sei je­doch von der Fer­ti­gung ab­ge­lehnt wor­den, wes­halb die­ser Vor­gang zunächst er­neut von der Pla­nung übe­r­ar­bei­tet wor­den sei. Bei der Schlauch­grup­pe 167 844-00 ha­be er ei­ne Mes­sung bei der Mit­ar­bei­te­rin K. vor­ge­nom­men, da die­se um Über­prüfung ge­be­ten ha­be, weil sie die Vor­ga­be­zei­ten nicht ha­be schaf­fen können. Der von ihm er­mit­tel­te Wert 115,06 ha­be zu dem vor­ge­ge­be­nen Wert von 106 Mi­nu­ten pro 100 Stück ei­ne Ab­wei­chung im Rah­men ei­ner 10%igen To­le­ranz er­ge­ben. Ein sol­cher To­le­ranz­wert in Höhe von 10 % sei sei­tens der Be­klag­ten ak­zep­tiert wor­den. Im Übri­gen sei­en die kon­kre­ten Vorwürfe der Be­klag­ten für ihn nicht ein­las­sungsfähig, da die je­wei­li­gen Vorgänge vie­le Jah­re zurücklägen und er in Er­man­ge­lung ent­spre­chen­der Un­ter­la­gen hier­zu nicht Stel­lung neh­men könne. Es müsse zu­dem berück­sich­tigt wer­den, dass sich seit den hier strei­ti­gen Zeiträum­en die we­sent­li­chen Vor­ga­ben für die Mon­ta­ge, et­wa Be­triebs­mit­tel, Um­ge­bungs­ein­flüsse u.ä. geändert ha­ben können. Oh­ne nähe­re Erläute­rung sei­en da­her für ihn die Be­haup­tun­gen der Be­klag­ten nicht über­prüfbar und da­her nicht ein­las­sungsfähig.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des in 1. In­stanz wird auf die ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen so­wie auf die Pro­to­kol­le nach § 46 Abs. 2 ArbGG i.V.m. § 313 Abs. 2 Satz 2 ZPO ver­wie­sen.

Das Ar­beits­ge­richt Bre­men-Bre­mer­ha­ven hat am 08.07.2011 durch Ur­teil ent­schie­den, dass die frist­lo­sen Kündi­gun­gen un­wirk­sam sei­en. Es hat­te im Übri­gen die Zah­lungs­kla­ge des Klägers und die Wi­der­kla­ge der Be­klag­ten ab­ge­wie­sen.

Zur Be­gründung sei­ner Ent­schei­dung hat das Ar­beits­ge­richt aus­geführt, der Vor­wurf der Be­klag­ten, der Kläger ha­be durch ei­ne Viel­zahl von Schlecht­leis­tun­gen ei­nen er­heb­li­chen Scha­den vorsätz­lich ver­ur­sacht, sei an sich ge­eig­net, ei­nen wich­ti­gen Grund im Sin­ne des § 626 Abs. 1 BGB dar­zu­stel­len, die frist­lo­sen Kündi­gun­gen sei­en nach Maßga­be des § 626 BGB un­ter Be­ach­tung der wi­der­strei­ten­den In­ter­es­sen un­verhält­nismäßig und da­mit un­wirk­sam. Ein Mo­tiv, die Be­klag­te vorsätz­lich schädi­gen zu wol­len, sei nicht er­kenn­bar.

Der Kläger ha­be kei­nen An­spruch auf Zah­lung von 1180,10 brut­to als Mehr­ar­beits­pau­scha­le. Auf die Zah­lung der Dif­fe­renz zwi­schen der ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Pau­scha­le und der tatsächlich von der Be­klag­ten ge­zahl­ten Pau­scha­le ha­be der Kläger durch Zu-

 

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satz­ver­ein­ba­rung vom 24.06.2005 wirk­sam ver­zich­tet. Ein ge­genüber dem Vor­jahr ver­bes­ser­tes Geschäfts­jah­res­er­geb­nis der Be­klag­ten ha­be der Kläger nicht dar­ge­legt.

Die Wi­der­kla­ge sei ab­zu­wei­sen, weil die Be­klag­te ge­gen den Kläger kei­nen Scha­dens­er­satz­an­spruch ha­be. In Be­zug auf den gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz we­gen Ma­schi­nen­kos­ten sei die Wi­der­kla­ge un­schlüssig. Der Scha­dens­er­satz hin­sicht­lich der be­haup­te­ten Per­so­nal­kos­ten sei für die Kam­mer in der Be­rech­nung zwar nach­voll­zieh­bar, hin­sicht­lich der be­haup­te­ten Dif­fe­renz zwi­schen den an­geb­lich zu lan­gen Vor­ga­be­zei­ten des Klägers und den be­haup­te­ten "rich­ti­gen Zei­ten" der Be­klag­ten feh­le es je­doch im Er­geb­nis an ei­nem nach­prüfba­ren de­tail­lier­ten Sach­vor­trag.

Ins­be­son­de­re er­wei­se sich der Vor­trag der Be­klag­ten für den Kläger als nicht ein­las­sungsfähig.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten der Be­gründung der Ent­schei­dung wird auf die Ent­schei­dungs­gründe des an­ge­grif­fe­nen Ur­teils (Bl. 343 Rück­sei­te bis Blatt 347 Rück­sei­te der Ak­te) ver­wie­sen.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven wur­de der Be­klag­ten am 20.06.2011 zu­ge­stellt. De­ren Be­ru­fung ging am 15.07.2011, die Be­ru­fungs­be­gründung nach ent­spre­chen­der Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am 20.09.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men ein.
Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven wur­de dem Kläger am 16.06.2011 zu­ge­stellt. Des­sen Be­ru­fung ging am 18.07.2011, ei­nem Mon­tag, die Be­ru­fungs­be­gründung nach ent­spre­chen­der Verlänge­rung der Be­ru­fungs­be­gründungs­frist am Mon­tag den 17.10.2011 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Bre­men ein.

Der Kläger ver­folgt mit sei­ner Be­ru­fung sei­nen An­spruch auf Zah­lung der un­gekürz­ten mo­nat­li­chen Mehr­ar­beits­pau­scha­le für die Mo­na­te Ja­nu­ar bis No­vem­ber 2009 wei­ter und er­wei­tert sei­nen An­trag um ei­ne zehn­pro­zen­ti­ge Erhöhung gemäß der Zu­sa­ge der Be­klag­ten.
Der Kläger rügt die Ab­wei­sung sei­ner Leis­tungs­kla­ge durch das Ar­beits­ge­richt als Über­ra­schungs­ent­schei­dung. Die Be­klag­te selbst ha­be nicht be­strit­ten, dass die in der Ver­ein­ba­rung ge­nann­ten Be­din­gun­gen ein­ge­tre­ten sei­en. Im Übri­gen ha­be der Kläger zwi­schen­zeit­lich er­fah­ren, dass die Aus­zah­lung zuzüglich der 10 % an al­le Mit­ar­bei­ter er­folgt sei. Selbst wenn die Be­din­gung des ver­bes­ser­ten Geschäfts­jah­res nicht ein­ge­tre­ten sei, bestünde ein An­spruch des Klägers aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz. Der Kläger ha­be den An­spruch auch recht­zei­tig gel­tend ge­macht. Die Kündi­gung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le durch die Be­klag­te ha­be der Kläger durch Er­he­bung ei­ner Kündi-

 

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gungs­schutz­kla­ge an­ge­grif­fen. Da­mit sei­en Ansprüche auch für die Zu­kunft gel­tend ge­macht wor­den. Nach Rechts­kraft des Ur­teils ha­be die Be­klag­te im Herbst 2010 ge­genüber den Mit­ar­bei­tern und dem Be­triebs­rat erklärt, dass die Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Nach­zah­lung auf­grund der Er­geb­nis­se des Geschäfts­jah­res 2009/2010 vor­lie­gen würden. Dem­gemäß hätten al­le Mit­ar­bei­ter, die wie der Kläger die Zu­satz­ver­ein­ba­rung un­ter­zeich­net hätten, im No­vem­ber 2010 ei­ne Nach­zah­lung in Höhe des Dif­fe­renz­be­tra­ges zuzüglich ei­nes zehn­pro­zen­ti­gen Zu­schla­ges er­hal­ten. Der An­spruch des Klägers auf ei­ne höhe­re Mehr­ar­beits­pau­scha­le sei auch frist­ge­recht gel­tend ge­macht wor­den.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­klag­te un­ter Abände­rung des Ur­teils des Ar­beits­ge­richts Bre­men-Bre­mer­ha­ven vom 08.06.2011 zu ver­ur­tei­len, an den Kläger Eu­ro 1298,10 brut­to zuzüglich Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins-satz seit dem 01.10.2010 zu zah­len.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

den Kläger wi­der­kla­gend zu ver­ur­tei­len, an die Be­klag­te Eu­ro 51.310,50 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz ab 29.07.2010 und Eu­ro 23.281,71 nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins-satz seit Zu­stel­lung des Schrift­sat­zes vom 14.12.2010 zu zah­len und die Be­ru­fung des Klägers zurück­zu­wei­sen.

Der Kläger be­an­tragt,

die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te greift die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung un­ter Ver­tie­fung ih­res Sach­vor­tra­ges mit Rechts­ausführun­gen an.

Der Kläger ha­be ent­ge­gen der An­sicht des Ar­beits­ge­richts ein ei­gennützi­ges Mo­tiv, die Um­set­zung der von ihm selbst er­mit­tel­ten, kürze­ren Vor­ga­be­zei­ten zu un­ter­las­sen. Er ha­be die Kri­tik von Sei­ten der Heim­ar­bei­te­rin­nen und des Be­triebs­ra­tes eben­so ver­mei­den wol­len, wie die an­sons­ten für ihn an­fal­len­de Mehr­ar­beit bei Über­prüfun­gen. Im Übri­gen ha­be das Ar­beits­ge­richt un­zu­tref­fen­der­wei­se an­ge­nom­men, der Kläger ken­ne die Heim­ar­bei­te­rin­nen nicht. Er ha­be durch­schnitt­lich ein­mal die Wo­che ei­ne Zeit­auf­nah­me bei ei­nem Zeit­auf­wand von meh­re­ren St­un­den durch­geführt und sein gu­tes persönli­ches Verhält­nis zu den Heim­ar­bei­te­rin­nen be­tont. Der Kläger ha­be in Kennt­nis sei­ner Al­lein­ver­ant­wort­lich­keit für die Fest­set­zung zu­tref­fen­der Vor­ga­be­zei­ten und des Feh­lens ei­ner Prüfungs­in­stanz die zu­tref­fen­den Zei­ten we­der um­ge­setzt, noch zeit­nah nach­ge­holt, noch sei­nen Vor­ge­setz­ten auf die sich im­mer wei­ter auf­sum­men­den, nicht kor­ri­gier­ten Vor­ga­be­zei­ten auf­merk­sam ge­macht, da­mit die Be­klag­te we­nigs­tens ei­ne Scha­dens­be­gren­zung hätte ein­lei­ten können. Der Kläger ha­be in den re­gelmäßigen Ar­beits­be­spre­chun­gen, je-

 

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den­falls am 15. No­vem­ber, 22. No­vem­ber und 13.12.2007 dem Zeu­gen F. , der be­merkt ha­be, dass die ab­zu­ar­bei­ten­den Lis­ten im­mer länger ge­wor­den sei­en, ver­si­chert, er ha­be al­les im Griff, fühle sich deut­lich un­ter­for­dert und sei kom­ple­xe­re Ar­beits­an­for­de­run­gen ge­wohnt. Der Kläger ha­be am 13.12.2007 aus­drück­lich bestätigt, er wer­de die letz­ten Ände­run­gen bis Ja­nu­ar 2008 vor­neh­men.

Bei der wei­ter an­hal­ten­den Durch­ar­bei­tung von meh­re­ren 100 Ak­ten­ord­nern (mit meh­re­ren 1000 Ar­beits­platz­fo­tos) des Klägers durch den Zeu­gen F. sei her­aus­ge­kom­men, dass der Kläger be­reits im Jah­re 2002 un­zu­tref­fen­de Vor­ga­be­zei­ten frei­ge­ge­ben und trotz bes­se­ren Wis­sens nicht kor­ri­giert ha­be. Im Rah­men der Schlauch­grup­pe 157 848-00 ha­be der Kläger ei­ne Vor­ga­be­zeit von 123,8 Mi­nu­ten/100 Tei­le zu­grun­de ge­legt und zuzüglich ei­ner Ver­teil­zeit 128,7 Mi­nu­ten/100 Tei­le am 03.01.2002 frei­ge­ge­ben, oh­ne ei­ne kon­kre­te zeit­na­he Zeit­er­mitt­lung durch­geführt zu ha­ben. Die­se sei erst 9 Mo­na­te später er­folgt und ha­be ei­ne neue Vor­ga­be­zeit von 78,7 Mi­nu­ten/100 Tei­le er­bracht. Die Zeit­auf­nah­me­un­ter­la­gen des Klägers hätten un­ter dem Da­tum vom 11.12.2002 un­ter der Über­schrift „Neue Vor­ga­be­zei­ten in­klu­si­ve Ver­pa­ckung“ ei­ne not­wen­di­ge Zeitände­rung von 45,1 Mi­nu­ten/100 Tei­le ent­hal­ten. Zwi­schen der – schon um 9 Mo­na­te ver­späte­ten – Fest­stel­lung ei­ner zu re­du­zie­ren­den Vor­ga­be­zeit von fast ei­nem Drit­tel und dem Aus-schei­den des Klägers im Ju­ni 2009 ha­be der Kläger nichts ver­an­lasst. Er ha­be al­so kei­nes­wegs ver­sucht, sei­ne ältes­ten Feh­ler wie­der aus­zubügeln. Im Ge­gen­teil sei der Kläger of­fen­bar da­von aus­ge­gan­gen, dass die Vorgänge der Ver­ges­sen­heit an­heim­fal­len würden. Nach­dem der Kläger die schon seit 2006 not­wen­di­gen Um­stel­lun­gen bis An­fang 2008 nicht vor­ge­nom­men ha­be, ha­be er es auch un­ter­las­sen, sei­ne Vor­ge­setz­ten darüber zu in­for­mie­ren. Ge­ra­de die Lüge ge­genüber sei­nem Vor­ge­setz­ten und das Vortäuschen ei­ner ord­nungs­gemäßen Si­tua­ti­on be­le­ge ein plan­vol­les Vor­ge­hen des Klägers zu­las­ten der Be­klag­ten.

Der in der Ab­mah­nung er­ho­be­ne Vor­wurf, ver­al­te­te Vor­ga­be­zei­ten ver­ge­ben zu ha­ben, ha­be ins­ge­samt 116 von 137 über­prüften Ar­beitsplänen be­trof­fen. Von den fal­schen Vor­ga­be­zei­ten sei­en ins­ge­samt 1.827.394 Tei­le ver­kauft wor­den. In dem vom Zeu­gen F. über­prüften Zeit­raum bis zu sei­nem fak­ti­schen Aus­schei­den hat der Kläger im SAP-Sys­tem ins­ge­samt 282 Ände­run­gen von Ar­beitsplänen do­ku­men­tiert.

Die Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen der Be­klag­ten un­terlägen nicht der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist, weil die­se nicht für vorsätz­li­che un­er­laub­te Hand­lun­gen gel­te. Der Kläger ha­be ge­wusst, dass durch sein Ver­hal­ten der Be­klag­ten ein fi­nan­zi­el­ler Scha­den ent­ste­he. Er ha­be so­wohl hin­sicht­lich sei­nes Ver­hal­tens, als auch des Scha­den­s­ein­trit­tes mit di­rek­tem Vor­satz, wo­bei Even­tual­vor­satz be­reits aus­rei­chend wäre, ge­han­delt. Die mit der

 

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Wi­der­kla­ge vom 29.07.2010 gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­ansprüche hätten die Aus­schluss­frist ge­wahrt. Die Be­klag­te ha­be nicht vor der rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung des LAG am 29.06.2010 über die er­folg­rei­che An­fech­tung des Auf­he­bungs­ver­tra­ges ih­re Ansprüche gel­tend ma­chen müssen. Außer­dem sei von ei­nem ein­heit­li­chen Le­bens­sach-ver­halt aus­zu­ge­hen, was zur Fol­ge ha­be, dass maßgeb­li­cher Zeit­punkt für das Lau­fen der Aus­schluss­frist die Auf­de­ckung des letz­ten Scha­dens­fal­les sei. Der Kläger sei planmäßig vor­ge­gan­gen.

Im Übri­gen könne die Aus­schluss­frist auch erst dann lau­fen, wenn die Be­klag­te aus­rei­chend das Aus­maß des Ver­schul­dens des Klägers ha­be er­ken­nen können. Dies sei auch erst mit der Stel­lung­nah­me des Klägers vom De­zem­ber 2009 auf ih­re An­fra­gen vom Ok­to­ber 2009 möglich ge­we­sen.

Die Be­klag­te ver­tritt wei­ter die Auf­fas­sung, die wi­der­kla­gend gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­ansprüche sei­en nicht ver­fal­len. Das Auf­for­de­rungs­schrei­ben der Be­klag­ten vom 10.02.2010 (An­la­ge B 25 – Blatt 530 der Ak­te) ha­be die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist ge­wahrt. Die mit der Wi­der­kla­ge­er­wei­te­rung vom 14.12.2010 gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­ansprüche sei­en der Be­klag­ten durch den Zeu­gen F. am 06.12.2010 be­kannt ge­macht wor­den.

Die Be­klag­te weist dar­auf hin, dass der Kläger de­tail­liert zu den ein­zel­nen Vorgängen Stel­lung neh­men könne, weil er Zu­griff zu den ge­sam­ten Un­ter­la­gen im Be­trieb ha­be.

Die Be­klag­te un­ter­hal­te ei­nen Pool an Ma­schi­nen. Auf je­der Ma­schi­ne könn­ten in den meis­ten Fällen je­weils meh­re­re un­ter­schied­li­che Schlauch­grup­pen her­ge­stellt wer­den. Es bedürfe oft nur klei­ne­re Um­bau­maßnah­men an der Ma­schi­ne selbst. Für die Be­klag­te sei es bei ih­rer Auf­trags­pla­nung des­halb nicht maßgeb­lich, ob auf ei­ner be­stimm­ten Ma­schi­ne ei­ne be­stimm­te Schlauch­grup­pe in­ner­halb ei­nes kon­kre­ten Zeit­raums her­ge­stellt wer­den könne, son­dern ob die Ge­samt­ka­pa­zität al­ler vor­han­de­nen Ma­schi­nen aus­rei­chend sei, um al­le nach­ge­frag­ten Schlauch­grup­pen zu den je­wei­li­gen Fällig­keits­zeit­punk­ten her­zu­stel­len. Bei ei­ner stei­gen­den Nach­fra­ge von be­stimm­ten Pro­duk­ten er­mitt­le die Be­klag­te je­weils, ob die für die Pro­duk­ti­on benötig­te Ge­samt­ka­pa­zität ih­rer vor­han­de­nen Ma­schi­nen aus­rei­che. Da­bei grei­fe sie auf die je­weils frei­ge­ge­be­nen Vor­ga­be­zei­ten zurück. Durch den Kläger sei sie über die zur Verfügung ste­hen­de Ge­samt­ka­pa­zität der Ma­schi­nen getäuscht wor­den. Die Ma­schi­nen sei­en ab dem Jahr 2006 suk­zes­si­ve an­ge­schafft, nämlich im­mer dann, wenn die Ge­samt­ka­pa­zität an ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nicht mehr aus­rei­chend er­schie­nen sei. Hätte der Kläger nicht die zu lan­gen Vor­ga­be­zei­ten frei­ge­ge­ben, hätte die Be­klag­te die je­weils ge­nann­ten Ma­schi­nen nicht an­ge­schafft. Die

 

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Ge­samt­ka­pa­zität der ursprüng­lich vor­han­de­nen Ma­schi­nen sei völlig aus­rei­chend ge­we­sen.

Der Kläger ver­tei­digt die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung und wie­der­holt sei­nen Vor­trag, die bis­he­ri­gen, länge­ren Vor­ga­be­zei­ten hätten nicht Stück für Stück, son­dern in ei­nem Zug geändert wer­den sol­len. Dies ha­be im Frühjahr 2009 er­fol­gen sol­len, sei im­mer wie­der erörtert wor­den und auch The­ma der so ge­nann­ten Don­ners­tags­run­den ge­we­sen. Ab­ge­se­hen da­von stel­le sich die Um­set­zung von Vor­ga­be­zei­ten als kom­ple­xer Vor­gang dar, der teil­wei­se nicht durch­geführt wor­den sei, weil die Be­triebs­mit­tel nicht in Ord­nung ge­we­sen sei­en oder weil die Um­set­zung neu­er Vor­ga­be­zei­ten von der Fer­ti­gung ab­ge­lehnt wor­den sei.

Die Be­klag­te ha­be auch nicht erst nach und nach und kurz vor den Kündi­gun­gen von den be­haup­te­ten Pflicht­verstößen des Klägers Kennt­nis er­hal­ten. Dies sei der Be­klag­ten be­reits An­fang 2009 be­kannt ge­we­sen. Des­we­gen ha­be es be­reits am 24.02.2009 ein Be­ur­tei­lungs­gespräch ge­ge­ben. Dies sei auch im Per­so­nal­gespräch am 03.06.2009 erörtert wor­den und sei Ge­gen­stand der Ab­mah­nung vom 27.05.2009 ge­we­sen. Es wäre oh­ne Wei­te­res be­reits An­fang 2009 fest­zu­stel­len ge­we­sen, wel­chen Um­fang das an­geb­li­che Fehl­ver­hal­ten des Klägers ge­habt ha­be, zu­mal dem Kläger be­reits im Zu­sam­men­hang mit dem Auf­he­bungs­ver­trag im Som­mer 2009 vor­ge­wor­fen wor­den sei, ei­nen Scha­den von ca. 500.000 EUR ver­ur­sacht zu ha­ben.

Der Kläger ha­be we­der sich noch ein­zel­nen Heim­ar­bei­te­rin­nen ei­nen Vor­teil ver­schaf­fen wol­len. Ei­ne vorsätz­li­che Schädi­gung der Be­klag­ten lie­ge nicht vor.

Die Ausführun­gen der Be­klag­ten zur Höhe des Ma­schi­nen­scha­dens sei­en nicht nach­voll­zieh­bar. Die An­schaf­fung von neu­en Schlauch­schnei­de­ma­schi­nen be­ru­he auf ver­schie­de­nen Gründen, wo­bei die wich­tigs­ten Gründe die Auf­trags­la­ge, die Aus­las­tung der Be­triebs­mit­tel, der Er­satz von älte­ren Ma­schi­nen und die An­schaf­fung von neue­ren, ef­fek­ti­ve­ren Ma­schi­nen sei­en. Ein un­mit­tel­ba­rer Zu­sam­men­hang zwi­schen der An­schaf­fung der auf­geführ­ten Ma­schi­nen und den Vor­ga­be­zei­ten sei nicht be­legt, nicht nach­voll­zieh­bar und auch un­zu­tref­fend. Neue Ma­schi­nen sei­en nur nach Ver­sch­leiß, Erhöhung der Auf­trags­zah­len und neu­en Anläufen an­ge­schafft wor­den. Die von der Be­klag­ten an­ge­schaff­ten Ma­schi­nen, auch die von ihr auf­geführ­ten, sei­en stets in der Pro­duk­ti­on ein­ge­setzt ge­we­sen, kei­ne ein­zi­ge Ma­schi­ne ha­be still­ge­stan­den. Le­dig­lich seit dem Jahr 2009 sei es zu Stillständen ge­kom­men, nicht aber weil fal­sche Vor­ga­be­zei­ten er­mit­telt wor­den sei­en, son­dern weil es an Auf­trägen ge­man­gelt ha­be.

 

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Der Kläger ist wei­ter der Auf­fas­sung, der Scha­dens­er­satz­an­spruch der Be­klag­ten sei ver­fal­len. Ent­schei­dend sei das Scha­dens­er­eig­nis, auf dem der an­geb­li­che Scha­den be­ru­he. Die­ses sei der Be­klag­ten spätes­tens bei Aus­spruch der Ab­mah­nung bzw. dem Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges be­kannt ge­we­sen. Dem Kläger sei da­mals vor­ge­hal­ten wor­den, er ha­be Vor­ga­be­zei­ten nicht um­ge­setzt und da­durch ei­nen Scha­den von ca. 800.000 EUR ver­ur­sacht. Die Be­haup­tung der Be­klag­ten, sie ha­be das Aus­maß des Scha­dens nicht ein­mal an­satz­wei­se über­bli­cken können, sei un­rich­tig. Nach dem Gespräch mit dem Kläger bzw. nach der Ab­mah­nung ha­be sie oh­ne wei­te­ren den mögli­chen Scha­dens­er­satz er­mit­teln und schrift­lich gel­tend ma­chen können. Die Auf­fas­sung der Be­klag­ten, die Gel­tend­ma­chung sei bis zum rechts­kräfti­gen Ab­schluss des Ver­fah­rens bezüglich des Auf­he­bungs­ver­tra­ges nicht not­wen­dig ge­we­sen, sei ab­we­gig.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Vor­brin­gens der Par­tei­en in 2. In­stanz wird auf den In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen ver­wie­sen.

Das Ge­richt hat gemäß Be­schluss vom 19.06.2013 Be­weis durch Ver­neh­mung des von der Be­klag­ten be­nann­ten Zeu­gen F. er­ho­ben. We­gen des Er­geb­nis­ses der Be­weis­auf­nah­me wird auf das Pro­to­koll vom 19.06.2013 (Bl. 319 ff) ver­wie­sen.

ENT­SCHEI­DUN­GSGRÜNDE:

I.

Die Be­ru­fung des Klägers ist nach § 64 Abs. 2 b) ArbGG statt­haft. Sie ist form- und frist-ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den. Die Er­wei­te­rung der Kla­ge hält die Be­ru­fungs­kam­mer für sach­dien­lich, weil sie zu ei­ner endgülti­gen Klärung der Ansprüche des Klägers auf Nach­zah­lung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le führt.

Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist eben­falls nach § 64 Abs. 2 b) ArbGG statt­haft. Auch sie ist Form und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den und so­mit ins­ge­samt zulässig.

II.

1. Die Be­ru­fung des Klägers ist über­wie­gend be­gründet. Sie schei­tert nur zum Teil an der Aus­schluss­frist des § 16 des auf das Ar­beits­verhält­nis an­zu­wen­den­den Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges Un­ter­we­ser zwi­schen Nord­me­tall Ver­band der Me­tall- und Elek­tro­in­dus­trie e.V. Bre­men und der IG-Me­tall Be­zirks­lei­tung Ham­burg.

 

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a) In der Höhe des erst­in­stanz­lich be­an­trag­ten Be­tra­ges ist die Aus­schluss­frist durch die Kla­ge, die am 06.01.2010 zu­ge­stellt wor­den ist, ge­wahrt. An­knüpfungs­punkt für den Be­ginn der drei­mo­na­ti­gen Aus­schluss­frist ist nicht der je­wei­li­ge Fällig­keits­zeit­punkt, an dem die Mehr­ar­beits­pau­scha­le zu zah­len ge­we­sen wäre, son­dern der Zeit­punkt der Ab­rech­nung und Aus­zah­lung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le durch die Be­klag­te im De­zem­ber 2010.
Hier­bei ist zunächst zu be­ach­ten, dass die Be­klag­te die Ver­ein­ba­rung über die Zah­lung ei­ner Mehr­ar­beits­pau­scha­le mit Wir­kung zum 31.01.2009 gekündigt hat, was der Kläger er­folg­reich mit ei­ner Fest­stel­lungs­kla­ge an­ge­grif­fen hat. Mit der Fest­stel­lungs­kla­ge hat der Kläger hin­rei­chend deut­lich ge­macht, dass er an sei­nem An­spruch aus der Ver­ein­ba­rung auf Zah­lung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le festhält. Der ab­sch­ließen­den Ent­schei­dung des LAG Bre­men über die Un­wirk­sam­keit der Kündi­gung der Zu­satz­ver­ein­ba­rung ist die Be­klag­te mit der Ab­rech­nung im De­zem­ber 2010, nach­dem sie auf Grund­la­ge der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung über die Un­wirk­sam­keit der frist­lo­sen Kündi­gun­gen den Kläger im Rah­men ei­nes Pro­zess­rechts­ar­beits­verhält­nis­ses wei­ter­beschäftigt hat, nach­ge­kom­men. Da­mit gilt § 16 Zif­fer 1.1 a) MTV, wo­nach die – verkürz­te – Aus­schluss­frist von 4 Wo­chen zum Zeit­punkt der Ab­rech­nung zu lau­fen be­ginnt. Auch die­se Frist hat der Kläger mit der der Be­klag­ten im Ja­nu­ar 2010 zu­ge­stell­ten Kla­ge ge­wahrt.

So­weit der Kläger in der Kla­ge­er­wei­te­rung ei­nen Zu­schlag auf die un­gekürz­te Mehr­ar­beits­pau­scha­le in Höhe von 10 % ver­langt, ist der An­spruch un­ter­ge­gan­gen, weil die Aus­schluss­frist nicht ge­wahrt wor­den ist. Der An­spruch selbst ist erst mit der wi­der­kla­ger­wei­tern­den Be­ru­fung gel­tend ge­macht wor­den, mit­hin weit außer­halb der ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist.

b) Die Be­gründung der Kla­ge ist zwar knapp, aber schlüssig. Der Kläger hat die ver­trag­li­chen Grund­la­gen – Zu­satz­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag und Ver­ein­ba­rung über die Kürzung vom 24.06.2005 vor­ge­legt. Er hat wei­ter vor­ge­tra­gen, die Be­klag­te ha­be dem Be­triebs­rat und den Mit­ar­bei­tern ge­genüber Mit­tei­lung über ein ver­bes­ser­tes Be­triebs­er­geb­nis ge­macht und hier­aus die Kon­se­quenz war ge­zo­gen, den Mit­ar­bei­tern die Pau­scha­le un­gekürzt ent­spre­chend der Zu­sa­ge vom 24.06.2005 aus­zu­zah­len. Ei­ne ent­spre­chen­de Mit­tei­lung an den Be­triebs­rat hat die Be­klag­te nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht aus­drück­lich be­strit­ten. Sie be­schränkt sich letzt­lich dar­auf, das Vor­lie­gen ei­nes ver­bes­ser­ten Be­triebs­er­geb­nis­ses zu be­strei­ten.

Die Kon­se­quen­zen, die das Ar­beits­ge­richt aus dem Sach­vor­trag der Be­klag­ten ge­zo­gen hat – der Kläger ha­be ein ver­bes­ser­tes Be­triebs­er­geb­nis dar­zu­le­gen – hält die Be­ru­fungs-

 

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kam­mer für falsch. Der Kläger kann das Be­triebs­er­geb­nis nicht ken­nen. Eben­falls sind kei­ne Umstände er­sicht­lich, wo­nach der Kläger Ein­zel­hei­ten über die Höhe des Be­triebs­er­geb­nis­ses 2009 im Ver­gleich zu 2008 ken­nen kann. Der Kläger war bis zur Verkündung der erst­in­stanz­li­chen Ent­schei­dung über sei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge nicht im Be­trieb der Be­klag­ten beschäftigt. Im Rah­men von § 138 ZPO wäre es an der Be­klag­ten ge­we­sen, kon­kre­te An­ga­ben zum Be­triebs­er­geb­nis und der be­haup­te­ten Mit­tei­lung an Be­triebs­rat und Mit­ar­bei­ter zu ma­chen. Das schlich­te Be­strei­ten ei­nes ver­bes­ser­ten Be­triebs­er­geb­nis­ses reicht nicht aus, um den Kläger pro­zes­su­al zu zwin­gen, nähe­res vor­zu­tra­gen.

Glei­ches gilt für den Vor­trag des Klägers, die un­gekürz­te Mehr­ar­beits­pau­scha­le sei auch an al­le Mit­ar­bei­ter aus­ge­zahlt wor­den, wo­mit der Kläger sich auf den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz be­ruft. Wenn die Be­klag­te dies für un­genügend hält, weil der Kläger nicht an­ge­ge­ben hat, an wel­che Mit­ar­bei­ter die Aus­zah­lung er­folgt sei, miss­ver­steht sie of­fen­bar den Vor­trag des Klägers. Sei­ner Be­gründung der Kla­ge­for­de­rung ist je­den­falls zu ent­neh­men, dass nur die Mit­ar­bei­ter ge­meint sein können, die ei­ne Zu­satz­ver­ein­ba­rung, die der sei­nen ent­spricht, ge­trof­fen ha­ben. Auch in­so­weit ist der Vor­trag des Klägers knapp, aber sei­nem Kennt­nis­stand und sei­nen Kennt­nismöglich­kei­ten ent­spre­chend und da­mit schlüssig. Die Be­klag­te selbst hat nicht vor­ge­tra­gen, sie ha­be kei­ne Nach­zah­lun­gen auf Grund­la­ge der Zu­satz­ver­ein­ba­rung zur fle­xi­blen Ar­beits­zeit­ge­stal­tung vor­ge­nom­men.

Die erst­in­stanz­li­che Rüge un­schlüssi­ger Be­rech­nung durch die Be­klag­te be­zieht sich of­fen­bar auf die ursprüng­li­che Be­gründung der Kla­ge­for­de­rung, die die Ab­rech­nung der Mehr­ar­beits­pau­scha­le im De­zem­ber 2010 – so der Vor­trag des Klägers – noch nicht hat berück­sich­ti­gen können. Die Be­rech­nung des Klägers selbst geht dann von den Zah­lun­gen der Be­klag­ten aus und for­dert le­dig­lich den Aus­gleich der Kürzun­gen der Pau­scha­le ent­spre­chend der Zu­satz­ver­ein­ba­rung aus dem Jahr 2005. Hier­auf ist die Be­klag­te we­der in 1. noch in 2. In­stanz ein­ge­gan­gen. In­so­weit war die erst­in­stanz­li­che Ent­schei­dung auf­zu­he­ben und die Be­klag­te ent­spre­chend dem erst­in­stanz­li­chen An­trag des Klägers zu ver­ur­tei­len.

2. Die Be­ru­fung der Be­klag­ten ist nur teil­wei­se be­gründet.

a) Die mit der Wi­der­kla­ge vom 29.07.2010 und die mit der Er­wei­te­rung der Wi­der­kla­ge gel­tend ge­mach­ten Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen in Be­zug auf die Schlauch­grup-pen167 313-81 und -83 und 167 313-007 sind nicht in­ner­halb der Frist des § 16 MTV Un­ter­we­ser gel­tend ge­macht wor­den.

 

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aa) Die mit der Schlauch­grup­pe 164 756-81 ver­bun­de­nen Schäden sind von der Be­klag­ten erst mit der Wi­der­kla­ge im Ju­li 2010 gel­tend ge­macht wor­den. Die auf die Schlauch­grup­pe 164 756-007 be­zo­ge­nen Schäden, die in der Wi­der­kla­ge be­zif­fert wor­den sind, sind im Schrei­ben der Be­klag­ten vom 10.02.2010 als Scha­dens­er­satz­for­de­rung ge­genüber dem Kläger an­ge­mel­det wor­den. Wie die Be­weis­auf­nah­me er­ge­ben hat, war der Scha­den­sum­fang in Be­zug auf die bei­den in der Wi­der­kla­ge ge­nann­ten Schlauch­grup­pen be­reits vor Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit dem Kläger im Ju­ni 2009 be­kannt.

Der Zeu­ge F. hat hier­zu erklärt, die Scha­den­ser­mitt­lung in die­sem Be­reich sei Grund­la­ge für die Hoch­rech­nung der von der Be­klag­ten er­war­te­ten Schäden ge­we­sen. Dies wie­der­um war be­reits Grund­la­ge für die Bemühun­gen der Be­klag­ten, sich vom Kläger zu tren­nen. Der Zeu­ge F. hat hier­zu aus­ge­sagt, sei­ne Fest­stel­lun­gen hier­zu hätten zu der Si­tua­ti­on geführt, die in den Auf­he­bungs­ver­trag ein­gemündet ist. Für die Be­ru­fungs­kam­mer ist nicht er­sicht­lich, in­wie­weit für die Be­klag­te noch wei­te­rer Aufklärungs­be­darf über Ver­ant­wort­lich­keit des Klägers und das Aus­maß sei­nes Ver­schul­dens be­stan­den hat. Sie hat aus­weis­lich des Tat­be­stands des Ur­teils des Lan­des­ar­beits­ge­richts Bre­men vom 29.06.2010 auf Ba­sis ei­ner Hoch­rech­nung, die auf den er­mit­tel­ten Schäden für bei­de Schlauch­grup­pen be­ruh­te – wie der Zeu­ge erklärt hat – dem Kläger mit Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen im obe­ren sechs­stel­li­gen Be­reich und mit ei­ner Straf­an­zei­ge ge­droht. Da­mit ist da­von aus­zu­ge­hen, dass der Be­klag­ten aus­rei­chend In­for­ma­tio­nen über die Ver­ant­wort­lich­keit des Klägers und das Aus­maß sei­nes Ver­schul­dens vor­la­gen, die ei­ne Scha­dens­er­satz­for­de­rung be­gründen. Die in der Wi­der­kla­ge­er­wei­te­rung ge­nann­ten, oben er-wähn­ten Schlauch­grup­pen gehören zur Ar­beits­platz­kenn­zahl R5YJ02, die be­reits Ge­gen­stand der Ab­mah­nung des Klägers vom 27.05.2009 war. Auch in­so­weit ist da­von aus­zu­ge­hen, dass Art und Aus­maß des Scha­dens der Be­klag­ten be­reits vor Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges be­kannt war. Da­mit wa­ren die Scha­dens­er­satz­for­de­rung für die ge­nann­ten Schlauch­grup­pen ent­stan­den und im Ju­ni 2009 fällig, mit der Fol­ge, dass die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist zu lau­fen be­ginnt.

bb) Die Auf­for­de­rung an den Kläger im Ok­to­ber und No­vem­ber 2009 zu be­stimm­ten Fehl­leis­tun­gen des Klägers un­ter an­de­rem im Be­zug auf die Schlauch­grup­pe 164 756 – 007 Stel­lung zu neh­men, be­legt des­halb kein wei­ter­ge­hen­des Bedürf­nis der Be­klag­ten, In­for­ma­tio­nen über die Ver­ant­wort­lich­keit des Klägers zu er­lan­gen. Die Be­klag­te hat hier-mit of­fen­bar auf die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts vom 07.10.2009 re­agiert und hat ge­genüber dem Be­triebs­rat ei­ne frist­lo­se, auch auf Ver­dacht gestütz­te Kündi­gung vor­be­rei­ten wol­len.

 

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Da be­reits aus­rei­chen­de In­for­ma­tio­nen vor­la­gen, kom­men die­se Schrei­ben als Aus­gangs­punkt für den Lauf der Frist des § 16 MTV nicht in Be­tracht.

cc) Die Be­klag­te kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass sie dar­auf ha­be ver­trau­en dürfen, der Auf­he­bungs­ver­trag be­en­de das Ar­beits­verhält­nis und ste­he der Gel­tend­ma­chung Ih­rer Scha­dens­er­satz­ansprüche ent­ge­gen.

Das LAG Bre­men hat rechts­kräftig durch Ur­teil vom 29.06.2010 bestätigt, dass die Be­klag­te den Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges durch wi­der­recht­li­che Dro­hung her­bei­geführt hat mit der Fol­ge, dass der Auf­he­bungs­ver­trag wirk­sam an­ge­foch­ten wur­de. Die er­folg­rei­che An­fech­tung führt nach § 142 BGB da­zu, dass die Ver­ein­ba­rung als nich­tig an-zu­se­hen ist. Sie ist von An­fang an nicht als exis­tent zu wer­ten. Das an­ge­foch­te­ne Geschäft wird nach § 142 BGB nicht in „re­for­miert“, son­dern kas­siert, wo­bei die rück­wir­ken­de Ver­nich­tung ab­so­lut wirkt (Er­man-Palm BGB 11. Auf­la­ge § 142 Rdn. 4). Dies hat zur Fol­ge, dass das Ar­beits­verhält­nis nicht be­en­det und auch nicht als un­ter­bro­chen an­zu­se­hen ist. Die wech­sel­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten aus dem Ar­beits­verhält­nis sind auch für den bis zur rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung ent­stan­de­nen Schwe­be­zeit­raum nach den ein­schlägi­gen Nor­men des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges ab­zu­wi­ckeln. Da­mit fällt die im Auf­he­bungs­ver­trag ver­ein­bar­te Aus­gleichs­klau­sel weg, die der Rea­li­sie­rung ei­nes Scha­dens­er­satz­an­spru­ches ent­ge­genstünde, und zwar rück­wir­kend. Sie ist als nicht exis­tent an­zu­se­hen.

Die Be­klag­te hat kein schutzwürdi­ges Ver­trau­en dar­auf, dass der Ar­beits­ver­trag be­stand hat (ver­glei­che BAG Ur­teil vom 03.12.1998 – Az. 2 AZR 754/97 – AP Nr. 49 zu § 123 BGB). Das BAG hat dort ent­schie­den, dass kein Grund be­steht, von der Re­gel­fol­ge des § 142 BGB dann ab­zu­wei­chen, wenn der Ar­beit­neh­mer, der die Be­gründung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses durch Täuschung er­reicht hat, Leis­tun­gen des Ar­beit­ge­bers, oh­ne ei­ne Ge­gen­leis­tung zu er­brin­gen – im kon­kre­ten Fall Ent­gelt­fort­zah­lung, er­hal­ten hat. Die Ent­schei­dung zieht die Kon­se­quenz aus der un­ter­schied­li­chen Aus­ge­stal­tung der Rechts­fol­gen bei un­ter­schied­li­chem An­fech­tungs­grund. Für die An­fech­tung nach §§ 118, 119, 120 BGB sieht das Ge­setz in § 122 BGB vor, dass der Ver­trau­ens­scha­den des An­fech­tungs­geg­ners zu er­set­zen ist. Ei­ne ver­gleich­ba­re Vor­schrift für die An­fech­tung nach § 123 BGB fehlt. Der Grund hierfür liegt dar­in, dass die zur An­fech­tung be­rech­ti­gen­den Wil­lensmängel aus der Sphäre des An­fech­tungs­geg­ners stam­men und von ihm zu ver­ant­wor­ten sind. Ei­ne Ab­wei­chung von den Rechts­fol­gen des § 142 hält das BAG nur dann für ge­recht­fer­tigt, wenn im Zeit­raum zwi­schen Ab­ga­be der an­ge­foch­te­nen Wil­lens­erklärung und der er­folg­rei­chen An­fech­tung Leis­tun­gen aus­ge­tauscht wor­den sind. Dies ist dann der Fall, wenn der Ar­beit­neh­mer Ar­beits­leis­tung er­bracht und hierfür Ar­beits­ent­gelt er­hal­ten hat. Ei­ne Rück­ab­wick­lung ist dann aus­ge­schlos­sen. Im vor­lie­gen­den Fall geht es je­doch nicht

 

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um die Rück­ab­wick­lung ei­nes Dau­er­schuld­verhält­nis­ses, son­dern um die Un­wirk­sam­keit ei­nes Rechts­geschäfts, die die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses her­beiführen soll­te.

Auf die Ent­schei­dung des BAG vom 14.03.2001 (Az. 4 AZR 152/00 – AP Nr. 161 zu § 4 TVG Aus­schluss­fris­ten) kann die Be­klag­te ih­re Auf­fas­sung nicht stützen, dass der Zeit-punkt der Fällig­keit ih­rer Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen erst mit Ein­tritt der Rechts­kraft der Ent­schei­dung zur Un­wirk­sam­keit des Auf­he­bungs­ver­tra­ges ein­tritt. Die An­wen­dung der ta­rif­li­chen Aus­schluss­klau­sel hängt nicht von der – von den Par­tei­en un­ter­schied­lich be­ur­teil­ten – Rechts­qua­lität der Rechts­be­zie­hung ab, son­dern da­von, ob der Auf­he­bungs­ver­trag als exis­tent oder von An­fang an als nicht exis­tent an­zu­se­hen ist. In der Ent­schei­dung vom 14.03.2001 hat­te das BAG die im ein­schlägi­gen Ta­rif­ver­trag ver­an­ker­te Aus­schluss­frist den Ansprüchen der Kläge­rin ent­ge­gen­ge­hal­ten, weil die­se sich selbst als Ar­beit­neh­me­rin sah und hier­aus ta­rif­li­che Ansprüche ab­ge­lei­tet hat. Die Rück­for­de­rungs­ansprüche des Be­klag­ten hin­ge­gen un­ter­la­gen hin­ge­gen nach Auf­fas­sung des BAG den ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten so­lan­ge nicht, wie nicht rechts­kräftig die Sta­tus­fra­ge geklärt war. Das BAG hielt ei­ne frühe­re Gel­tend­ma­chung der Rück­for­de­rungs­ansprüche für den Ar­beit­ge­ber nicht für zu­mut­bar, weil von ihm ein wi­dersprüchli­ches Ver­hal­ten ver­langt würde. Er müss­te den Rück­zah­lungs­an­spruch mit der Be­gründung gel­tend ma­chen, dass das Ver­trags­verhält­nis ein Ar­beits­verhält­nis sei, ob­wohl er zur glei­chen Zeit im Rah­men des Sta­tu­s­pro­zes­ses den ent­ge­gen­ge­setz­ten Stand­punkt ver­tritt. Dem könne auch nicht mit Er­folg ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, dass die Gel­tend­ma­chung vor­sorg­lich er­fol­gen könne. Dies lässt sich nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer je­doch nicht auf den vor­lie­gen­den Fall über­tra­gen. Zum ei­nen wer­den die Rechts­fol­gen durch § 142 BGB ge­setz­lich fest­ge­legt, zum an­de­ren hat die Be­klag­te durch wi­der­recht­li­che Dro­hung die Si­tua­ti­on her­bei­geführt, in der sie glaub­te, auf Gel­tend­ma­chung ver­zich­ten zu können. Ein Ver­trau­ens­schutz ist des­halb nicht zu gewähren.

Die Be­klag­te kann auch kei­nen Ver­trau­ens­schutz des­we­gen be­an­spru­chen, weil ihr aus-rei­chend Hand­lungsmöglich­kei­ten ge­ge­ben wa­ren, ih­ren Scha­den­er­satz­an­spruch vor Ab­schluss des Auf­he­bungs­ver­tra­ges oder vor­sorg­lich nach des­sen Ab­schluss gel­tend zu ma­chen. Das Aus­maß des Scha­dens über die in der Wi­der­kla­ge be­zeich­ne­ten ar­beits­ver­trag­li­chen Fehl­leis­tun­gen des Klägers war ihr – wie der Zeu­ge F. be­kun­det hat – be­kannt. Spätes­tens mit der An­fech­tungs­erklärung des Klägers vom 19.06.2009 hat sie da­mit rech­nen müssen, dass der Auf­he­bungs­ver­trag kei­nen Be­stand ha­ben wird.

dd) Die Ein­hal­tung der Frist des § 16 MTV ist nicht we­gen des­sen Zif­fer 1.4 ent­behr­lich. Das Ge­richt hat be­reits im Teil­ur­teil vom 31.10.2012 nicht fest­stel­len können, der

 

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Kläger ha­be die Be­klag­te vorsätz­lich geschädigt. Es hat auch ei­ne auf den Ver­dacht der vorsätz­li­chen Schädi­gung gestütz­te Ver­dachtskündi­gung für un­wirk­sam erklärt. In­so­weit wird auf II. 2. und 3. c) der Ent­schei­dungs­gründe des Teil­ur­teils ver­wie­sen. Dem Kläger ist so­mit kein un­ter § 823 Abs. 1 BGB sub­su­mier­ba­res Ver­hal­ten vor­zu­hal­ten. Die vor­ge­hal­te­nen Fehl­leis­tun­gen sind als Ver­trags­ver­let­zung zu wer­ten, die die in § 823 Abs. 1 BGB ge­nann­ten Rech­te nicht be­ein­träch­ti­gen, son­dern le­dig­lich zu ei­nem von § 823 nicht er­fass­ten Vermögens­scha­den führen. Ei­ne vorsätz­li­che sit­ten­wid­ri­ge Schädi­gung ist nach den Ausführun­gen des Ge­richts im Teil­ur­teil eben­falls nicht an­zu­neh­men.

ee) Die Be­ru­fungs­kam­mer teilt die Auf­fas­sung der Be­klag­ten nicht, die Aus­schluss­frist be­gin­ne erst mit der Mit­tei­lung der zu­letzt ent­deck­ten Fehl­leis­tun­gen des Klägers am 06.12.2010 zu lau­fen mit der Fol­ge, dass al­le bis­lang fest­ge­stell­ten Schäden un­abhängig vom Zeit­punkt ih­rer Auf­de­ckung mit der Kla­ge­er­wei­te­rung aus­rei­chend gel­tend ge­macht wor­den sind. Dies er­gibt sich auch nicht aus der von der Be­klag­ten her­an­ge­zo­ge­ne Ent­schei­dung des BAG vom 05.08.2008 (Az.: 8 AZR 886/07 – EZA § 4 TVG Aus­schluss­frist Nr. 192). Der dort ent­schie­de­nen Fall be­traf ei­ne fort­ge­setz­te vorsätz­li­che un­er­laub­te Hand­lung – Un­treue des Ar­beit­neh­mers – die das BAG als ei­nen ein­heit­li­chen Le­bens­sach­ver­halt an­ge­se­hen hat. Ähn­lich hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in Mob­bing-Fällen ent­schie­den. Auch hier hat es dar­auf ab­ge­stellt, dass der durch Persönlich­keits­ver­let­zung ent­stan­de­ne Scha­den auf sys­te­ma­ti­sche, sich aus vie­len ein­zel­nen Hand­lun­gen zu­sam­men­ge­setz­te Ver­let­zungs­hand­lun­gen zurück­zuführen sind (BAG, Ur­teil vom 16.05.2007 – 8 AZR 709/06 – AP Nr. 5 zu § 611 BGB Mob­bing).

Die Be­wer­tung der Schlecht­leis­tun­gen des Klägers als durch ei­nen ein­heit­li­chen Vor­satz zu­sam­men­ge­hal­te­ne ein­heit­li­che Tat hat die Be­ru­fungs­kam­mer be­reits im Teil­ur­teil ab­ge­lehnt (II. 3 c). Dem Kläger ist viel­mehr ei­ne Viel­zahl von ein­zel­nen ab­grenz­ba­ren Fehl­leis­tun­gen vor­zu­hal­ten. Die Be­klag­te je­den­falls hat sich in Ih­rem Gel­tend­ma­chungs­schrei­ben vom Fe­bru­ar 2010 dafür ent­schie­den, je­den ein­zel­nen Scha­den kon­kret auf­zuführen und zu be­zif­fern. Die Fällig­keit von Scha­dens­er­satz­ansprüchen be­zo­gen auf die ein­zel­nen Fehl­leis­tun­gen tritt so­mit je­weils nach Auf­de­ckung und Kennt­nis der Be­klag­ten ein.

b) Die mit der Er­wei­te­rung der Wi­der­kla­ge gel­tend ge­mach­ten Schäden sind bis auf die zu­vor ge­nann­ten nicht nach § 16 MTV ver­fal­len. Der Zeu­ge F. hat in sei­ner Aus­sa­ge bestätigt, er ha­be die­se in der Wi­der­kla­ge­er­wei­te­rung ge­nann­ten Schlauch­grup­pen Mit­te bis En­de Ok­to­ber an­hand der ent­spre­chen­den Un­ter­la­gen un­ter­sucht und das Er­geb­nis sei­ner Un­ter­su­chung der Geschäfts­lei­tung mit­ge­teilt.

 

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Die Be­ru­fungs­kam­mer sieht kei­nen An­lass, die Glaubwürdig­keit des Zeu­gen in­fra­ge zu stel­len.

aa) Der Be­klag­ten kann nach Auf­fas­sung der Be­ru­fungs­kam­mer nicht vor­ge­hal­ten wer­den, sie ha­be nicht ent­spre­chend der Recht­spre­chung des BAG zügig auf­geklärt, in wel­chem Um­fang durch den Kläger Schäden ent­stan­den sei­en. In sei­ner Ent­schei­dung vom 30.10.2008 (Az.: 8 AZR 886/07 – EzA § 4 TVB Aus­schluss­fris­ten Nr. 192) hat das BAG ent­schie­den, dass Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen fällig wer­den, so­bald der Gläubi­ger in der La­ge ist, sich den er­for­der­li­chen Über­blick oh­ne schuld­haf­tes Zögern zu ver­schaf­fen und sei­ne For­de­run­gen we­nigs­tens annähernd be­zif­fern kann. Der Rechts­be­griff des „schuld­haf­ten Zögerns“ be­inhal­te zwar das Ver­bot, grund­los und in vor­werf­ba­rer Wei­se untätig zu blei­ben und ent­hal­te die Ver­pflich­tung, zu­mut­ba­re Er­mitt­lun­gen an­zu­stel­len, gleich­wohl müsse der Geschädig­te nicht Per­so­nal von sei­nen ei­ge­nen Ar­beits­auf­ga­ben frei­stel­len, um „zügig“ fest­zu­stel­len, in wel­chen Fällen und in wel­cher un­gefähren Höhe ein Scha­den ein­ge­tre­ten sei.

Aus­ge­hend hier­von kann zum ei­nen das schädi­gen­de Ver­hal­ten des Klägers, wie oben aus­geführt, nicht zu ei­nem ein­heit­li­chen Tat­ge­sche­hen zu­sam­men­ge­fasst wer­den. Zum an­de­ren ist zu berück­sich­ti­gen, dass das Ar­beits­feld des Klägers ei­ne Viel­zahl von Ar­beits­pro­zes­sen um­fass­te. Nach den Fest­stel­lun­gen, die die Be­klag­te bis zur Er­he­bung der Wi­der­kla­ge ge­trof­fen hat, sah sie sich vor die Not­wen­dig­keit ge­stellt, den ge­sam­ten Ar­beits­be­reich des Klägers auf Feh­ler hin zu durch­fors­ten, wo­bei sie gleich­zei­tig ent­deck­te Feh­ler zu kor­ri­gie­ren hat­te. Hier­zu hat die Be­klag­te aus­geführt, der Zeu­ge F. ha­be die­se Ar­beit ne­ben sei­ner ei­ge­nen er­le­di­gen müssen. Das Er­geb­nis der Er­mitt­lun­gen des Zeu­gen hat zu der be­zif­fer­ten Wie­der­kla­ger­wei­te­rung geführt.

Es gibt kei­ne aus­rei­chen­den An­halts­punk­te dafür, dass die in der Wi­der­kla­ge­er­wei­te­rung – mit Aus­nah­me der ers­ten bei­den – ge­nann­ten Schlauch­grup­pen be­reits vor­her un­ter­sucht und die hier­mit ver­bun­de­nen Schäden er­kannt und be­zif­fert wor­den sind. Dass sie mögli­cher­wei­se – oh­ne zu­vor ge­nau ge­prüft wor­den zu sein – in die Hoch­rech­nung der Be­klag­ten vom Ju­ni 2009 ein­ge­flos­sen sind, hin­dert die späte­re Gel­tend­ma­chung nach ge­nau­er Scha­den­ser­mitt­lung nicht.

bb) Da „Fällig­keit“ im Sin­ne der ta­rif­li­chen Aus­schluss­klau­sel erst dann ein­tritt, wenn die Scha­dens­di­men­sio­nen er­kenn­bar sind, kann die Be­ru­fungs­kam­mer nicht auf ih­re Ent­schei­dung zur Ein­hal­tung der Frist des § 626 Abs. 2 BGB im Teil­ur­teil zurück­grei­fen. Dort ging die Be­ru­fungs­kam­mer da­von aus, dass die Be­klag­te schon frühzei­tig die Di­men­sio­nen des Scha­dens und die In­ten­sität der Schlecht­leis­tun­gen des Klägers er­kannt hat. Da-

 

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raus folgt aber nicht, dass die Be­klag­te die Schäden der je­wei­li­gen ein­zel­nen Pflicht­ver­let­zun­gen des Klägers hat be­zif­fern können.
Die Scha­dens­er­satz­for­de­rung der Be­klag­ten ist – so­weit recht­zei­tig gel­tend ge­macht - zum Teil be­gründet. Die Be­klag­te hat ih­re Mehr­kos­ten, die durch feh­ler­haf­te Vor­ga­be­zei­ten bei der Ho­no­rie­rung der Heim­ar­bei­ter/Heim­ar­bei­te­rin­nen ent­stan­den sind, aus­rei­chend schlüssig dar­ge­legt. Die gel­tend ge­mach­ten Ma­schi­nen­kos­ten hat die Be­ru­fungs­kam­mer al­ler­dings nicht nach­voll­zie­hen können.

Der Kläger hat sei­ne ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten ge­genüber der Be­klag­ten ver­letzt. Sei­ne Auf­ga­ben­stel­lung im Be­trieb war es, nach ar­beits­wis­sen­schaft­li­chen Grund­la­gen zu er­mit­teln, wie lan­ge die ein­zel­nen, von Heim­ar­bei­ter/Heim­ar­bei­te­rin­nen zu ver­rich­ten­den Fer­ti­gungs­pro­zes­se dau­ern. Da­mit soll­ten die zunächst von der Fer­ti­gungs­pla­nung kal­ku­lier­ten Vor­ga­ben in der Pra­xis über­prüft und kor­ri­giert wer­den. Mit den Vor­ga­be­zei­ten war un­mit­tel­bar die Be­zah­lung der Heim­ar­bei­ter/Heim­ar­bei­te­rin­nen ver­bun­den. Ei­ne zu ho­he Vor­ga­be­zeit führt zwangsläufig zu ei­ner Erhöhung der Stück­kos­ten. An­ge­sichts der bei der Be­klag­ten übli­chen Mas­sen­fer­ti­gung ver­ur­sa­chen erhöhte Vor­ga­be­zei­ten er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Mehr­be­las­tun­gen, die zu ver­mei­den zu der Auf­ga­ben­stel­lung des Klägers gehörte.

Die Be­klag­te hat die­sen Zu­sam­men­hang aus­rei­chend kon­kret dar­ge­legt. Sie hat für die Schlauch­grup­pen 166 063-81 und -83,166 063-007, 166 063-91 und -93, 166 063-017 vor­ge­tra­gen, wann der Kläger vom kal­ku­la­to­ri­schen bzw. ver­al­te­ten Wert ab­wei­chen­de und kürze­re Vor­ga­be­zei­ten er­mit­telt hat, oh­ne die neu er­mit­tel­ten Zei­ten in das EDV-Sys­tem ein­zu­ge­ben mit der Fol­ge, dass die Ab­rech­nung der Tätig­keit der Heim­ar­bei­ter/Heim­ar­bei­te­rin­nen nach wie vor auf Grund­la­ge der un­zu­tref­fen­den und zu ho­hen Zei­ten vor­ge­nom­men wur­de. Sie hat wei­ter vor­ge­tra­gen, dass über­haupt kei­ne Un­ter­la­gen über die Er­mitt­lung von Vor­ga­be­zei­ten vor­lie­gen in Be­zug auf die End­mon­ta­ge die­ser Schlauch­grup­pen. Glei­ches gilt für die Schlauch­grup­pen 161 262-81, 161 262-007, 161 262-91 und 191 262-017.

An­ge­sichts der klar de­fi­nier­ten Ar­beits­auf­ga­be des Klägers reicht dies aus, um ei­ne Ver­let­zung ar­beits­ver­trag­li­cher Pflich­ten als ge­ge­ben an­zu­se­hen. Dass es sich nicht um im Rah­men ver­ant­wort­li­che Tätig­keit vor­kom­men­de und hin­zu­neh­men­de ge­le­gent­li­che Fehl­leis­tun­gen han­delt, zeigt die – auch vor dem Hin­ter­grund der Viel­zahl der zu über­prüfen­den Ar­beits­vorgänge – be­acht­li­che An­zahl von ver­gleich­ba­ren Versäum­nis­sen des Klägers. Von der Be­klag­ten kann letzt­lich, um ei­ne schwe­re Ver­trags­ver­let­zung dar­zu­le­gen, nicht mehr ver­langt wer­den, als Häufig­keit von Fehl­leis­tun­gen und den Zeit­raum feh­len­der

 

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An­pas­sung vor­zu­tra­gen. Bei­des zu­sam­men­ge­nom­men ist ein aus­rei­chen­des In­diz für ge­wich­ti­ge Ver­let­zun­gen der ar­beits­ver­trag­li­chen Pflich­ten durch den Kläger. Die Be­klag­te hat so­mit den Scha­den in die­sem Be­reich und die Er­satzflüch­tig­keit des Klägers aus­rei­chend sub­stan­ti­iert dar­ge­legt.
Es wäre Auf­ga­be des Klägers ge­we­sen, dar­zu­le­gen, aus wel­chem Grund die von der Be­klag­ten ge­nann­ten Vorfälle zu ty­pi­scher­wei­se sei­ner Ar­beits­auf­ga­be ver­bun­de­nen und kaum ver­meid­ba­ren Feh­lern oder Versäum­nis­sen gehört. Der Kläger hat hier­zu al­ler­dings nur sehr all­ge­mein vor­ge­tra­gen und denk­ba­re Gründe dar­ge­legt, die ihn mögli­cher­wei­se im Ein­zel­fall ent­las­ten könn­ten. Die Be­ru­fungs­kam­mer hält die Ein­las­sun­gen des Klägers al­ler­dings zum großen Teil nicht für plau­si­bel. Kon­kret äußert sich der Kläger le­dig­lich zur Schlauch­grup­pe 164 756-81, zu der durch das Ge­richt we­gen der Versäum­ung der Aus­schluss­frist durch die Be­klag­te an sich nichts wei­ter auf­zuklären war. Die Be­ru­fungs­kam­mer greift den Vor­trag des Klägers aber des­we­gen auf, weil er sym­pto­ma­tisch für die Bemühun­gen des Klägers ist, sich zu ent­las­ten. Der Kläger hat­te zu die­ser Schlauch­grup­pe vor­ge­tra­gen, der Vor­gang sei an die Fer­ti­gung zurück­ge­ge­ben wor­den, er ha­be je­doch auf meh­re­re Nach­fra­gen hin die Ant­wort er­hal­ten, man sei noch nicht fer­tig. Dies erklärt, oh­ne dass wei­te­re Umstände erläutert wer­den, kei­nes­wegs die dreijähri­ge Untätig­keit des Klägers in die­sem Be­reich. An­ge­sichts sei­ner ei­ge­nen Er­mitt­lun­gen muss­te ihm klar sein, dass die von ihm be­haup­te­te zöger­li­che Be­ar­bei­tung durch die Fer­ti­gung für die Be­klag­te er­heb­li­che fi­nan­zi­el­le Ein­bußen mit sich bringt. An­ge­sichts sei­ner her­vor­ge­ho­be­nen Stel­lung im Pro­duk­ti­ons­pro­zess wäre zu er­war­ten ge­we­sen, dass er sich hier­mit nicht zu­frie­den gibt, son­dern ge­ge­be­nen­falls auch sei­ne eig­nen Vor­ge­setz­ten auf den Miss­stand hin­weist und auf Ab­hil­fe drängt. Die wei­te­ren Dar­le­gun­gen des Klägers zur be­haup­te­ten Übe­rein­stim­mung darüber, dass neue Vor­ga­be­zei­ten zur Ver­mei­dung von Ver­an­ke­rung in ei­nem Zug hätten um­ge­setzt wer­den sol­len, erklärt letzt­lich das Ver­hal­ten des Klägers auch nicht. Der Kläger spricht da­von, dass man zu die­ser Übe­r­ein­kunft im Jahr 2007 ge­kom­men sei, d.h. rund ein Jahr später als die Um­set­zung neu­er Vor­ga­be­zei­ten durch ihn an sich er­for­der­lich ge­we­sen wäre. Da­mit bleibt im­mer noch ein nicht zu recht­fer­ti­gen­der Zeit­raum der Untätig­keit, der zu ver­meid­ba­ren Vermögensschäden der Be­klag­ten geführt hat. Der Vor­trag des Klägers wäre oh­ne­hin nur ge­eig­net, das Maß sei­ner Ver­ant­wort­lich­keit für den Vermögens­scha­den der Be­klag­ten zu re­la­ti­vie­ren, wenn zu­gleich erläutert wor­den wäre, dass der so­ge­nann­ten Don­ners­tags­run­de oder sei­nem Vor­ge­setz­ten F. be­kannt ge­we­sen wäre, in wel­chem Um­fang und wel­chen Be­rei­chen Zeit­auf­nah­men noch nicht um­ge­setzt wa­ren.

 

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Der we­nig greif­ba­re Vor­trag des Klägers kann auch nicht mit dem Hin­weis auf die lan­ge Zeit zwi­schen den Vorgängen und de­ren Aufklärung im Rah­men des Pro­zes­ses aus­rei­chend erklärt wer­den. Der Kläger hat – wie die Be­klag­te un­be­strit­ten vor­ge­tra­gen hat – in der Zeit sei­ner Wei­ter­beschäfti­gung während der Lauf­zeit die­ses Pro­zes­ses Zu­griff auf die Un­ter­la­gen ge­habt, die die Be­klag­te zur Be­gründung ih­rer Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen her­an­ge­zo­gen hat. An­ge­sichts die­ses Um­stan­des war ei­ne kon­kre­te­re Stel­lung­nah­me zu den ein­zel­nen Vorgängen zu er­war­ten. Im übri­gen hat der Kläger in sei­nem letz­ten Schrift­satz vom 12.06.2013 – un­mit­tel­bar vor dem Ter­min an­hand der ihm zugäng­li­chen SAP-Da­ten zu­min­dest kon­kre­te­re An­ga­ben zu pro­du­zier­ten Men­gen und zu Vor­ga­be­zei­ten ge­macht, oh­ne dass dies al­ler­dings so erläutert wird, dass die in ei­ner Ta­bel­le zu­sam­men­ge­fass­ten An­ga­ben durch die Be­ru­fungs­kam­mer nach­voll­zieh­bar ge­we­sen wären. Ei­ne wei­te­re Aufklärung durch das Ge­richt hat­te je­doch zu un­ter­blei­ben, weil der Schrift­satz ver­spätet und da­mit der neue Sach­vor­trag zurück­zu­wei­sen war.

So­weit die Be­klag­te ver­langt, den so­ge­nann­ten Ma­schi­nen­scha­den er­setzt zu er­hal­ten, war die Be­ru­fung auch in Be­zug auf die recht­zei­tig gel­tend ge­mach­ten Versäum­nis­se des Klägers zurück­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat nicht kon­kret dar­ge­legt, in­wie­weit sie durch das Ver­hal­ten des Klägers in Be­zug auf die Schlauch­grup­pen 166 063-81 und -83,166 063-007, 166 063-91 und -93, 166 063-017 sich ver­an­lasst sah, mehr Ma­schi­nen zu kau­fen und ein­zu­set­zen, als dies bei Ein­ga­be der zu­tref­fen­den Vor­ga­be­zei­ten not­wen­dig ge­we­sen wäre. Dies wäre not­wen­dig ge­we­sen, weil der Kläger die Be­rech­nungs­mo­da­litäten, die die Ent­schei­dung über den Kauf von Ma­schi­nen be­stim­men, ent­ge­gen­ge­tre­ten ist.

Die Be­klag­te hat letzt­lich al­le im Rah­men die­ses Ver­fah­rens Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen be­gründen­den Vorgänge abs­trakt um­ge­rech­net und aus­ge­hend von der Ge­samt­zahl der ge­kauf­ten Ma­schi­nen ei­nen Durch­schnitts­wert er­mit­telt, den sie den ein­zel­nen Vorgängen zu­ge­ord­net. Die Be­ru­fungs­kam­mer ist über­dies nicht ganz si­cher, ob die Be­klag­te nicht von ei­ner Schätzung des An­teils des kläge­ri­schen Fehl­ver­hal­tens nicht nur im Hin­blick auf die aus­drück­lich durch Wi­der­kla­ge be­zeich­ne­ten Vorgänge, aus­geht. Die Be­klag­te hat dies in ih­rem Schrift­satz vom 05.04.2013 für die Schlauch­grup­pen 164 756-81 und 164 756-007 ih­re Be­rech­nung näher erläutert. Sie hat wei­ter in Be­zug auf 25 Schlauch­grup­pen An­ga­ben über den Zeit­punkt feh­ler­haf­ter Frei­ga­ben durch den Kläger, die kor­rek­ten Vor­ga­be­zei­ten und die hierfür an­ge­schaff­ten Ma­schi­nen mit ih­rem Wert und dem Da­tum ih­rer An­schaf­fung ge­macht. Da­mit ist al­ler­dings nichts ge­won­nen. In der Ta­bel­le zum Schrift­satz vom 05.04.2013 sind nur sol­che Schlauch­grup­pen ge­nannt, die im Rah­men

 

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die­ses Pro­zes­ses nicht zur Grund­la­ge von Scha­dens­er­satz­for­de­run­gen her­an­ge­zo­gen wor­den sind. In­so­fern kann die Be­ru­fungs­kam­mer nicht über­prüfen, wel­che zusätz­li­chen An­schaf­fungs­kos­ten für Ma­schi­nen durch die in der Wi­der­kla­ge ge­nann­ten und recht­zei­tig gel­tend ge­mach­ten Fehl­leis­tun­gen des Klägers ent­stan­den sind. Ei­ne aus­rei­chen­de Grund­la­ge für ei­ne Schätzung nach § 246 ZPO bie­ten die An­ga­ben der Be­klag­ten nicht, da die Fak­to­ren, die im Ein­zel­nen den Ent­schluss zum Kauf neu­er Ma­schi­nen be­gründen, un­klar blei­ben und auch nicht ge­wich­tet wer­den können.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf §§ 92, 97 ZPO.

Die Be­ru­fungs­kam­mer hat in Be­zug auf den ein­ge­klag­ten Ma­schi­nen­scha­den die Re­vi­si­on für die Be­klag­te zu­ge­las­sen. Im Übri­gen sah die Be­ru­fungs­kam­mer kei­nen An­lass, die Re­vi­si­on zu­zu­las­sen. Auf die Möglich­keit, Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de zu er­he­ben, wird hin­ge­wie­sen (§ 72a ArbGG).

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