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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Abwicklungsvertrag
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 2 AZR 208/06
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.04.2007
   
Leit­sätze: Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­run­gen, die im un­mit­tel­ba­ren zeit­li­chen und sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ge­trof­fen wer­den, sind Auflösungs­verträge iSd. § 623 BGB und bedürfen da­her der Schrift­form.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Essen, Urteil vom 16.12.2004, 3 Ca 3233/04
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Urteil vom 12.08.2005, 9 Sa 300/05
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

2 AZR 208/06
9 Sa 300/05
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Düssel­dorf

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
19. April 2007

UR­TEIL

Frei­tag, Ur­kunds­be­am­tin
der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 19. April 2007 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Prof. Dr. Rost, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Ey­lert und Schmitz-Scho­le­mann so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Schier­le und Gans für Recht er­kannt:

 

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Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 12. Au­gust 2005 - 9 Sa 300/05 - wird auf Kos­ten der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über die Wirk­sam­keit ei­ner Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­rung und ei­ner von der Be­klag­ten auf be­trieb­li­che Gründe gestütz­ten or­dent­li­chen Kündi­gung.

Der Kläger ist Aus­sied­ler aus Po­len und trat im Ja­nu­ar 1992 als Schlei­fer in die Diens­te der Be­klag­ten. Bis zum Frühjahr/Frühsom­mer 2004 wa­ren im Be­trieb der Be­klag­ten et­wa 35 Ar­beit­neh­mer tätig. An­fang Mai 2004 ver­lor die Be­klag­te ih­ren größten Kun­den und kündig­te dar­auf­hin die Ar­beits­verhält­nis­se von zehn Mit­ar­bei­tern. Ei­ne ursprüng­lich ge­plan­te Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit dem Kläger vom 30. Ju­ni 2004 zum 30. No­vem­ber 2004 wur­de von der Be­klag­ten nicht voll­zo­gen, da der Kläger vorüber­ge­hend krank­heits­be­dingt fehl­te und ihm das Kündi­gungs­schrei­ben da­her nicht aus­gehändigt wer­den konn­te.

Am 14. Ju­li 2004 fand zwi­schen dem Kläger und dem Geschäftsführer der Be­klag­ten, Herrn K, in des­sen Büro ein Gespräch über die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en statt. In des­sen Ver­lauf überg­ab der Geschäftsführer der Be­klag­ten dem Kläger ein Schrei­ben vom sel­ben Tag, in dem die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum 31. Ja­nu­ar 2005, hilfs­wei­se frist­gemäß zum nächstmögli­chen Ter­min, erklärt wird. Das Kündi­gungs­schrei­ben ist vom Geschäftsführer K und dem Pro­ku­ris­ten H un­ter­zeich­net. Un­ter die­sen bei­den Un­ter­schrif­ten be­fin­det sich der Zu­satz: „Hier­mit bestäti­ge ich den Er­halt der obi­gen Kündi­gung und ver­zich­te auf die Er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge“. Die­sen Zu­satz un­ter­schrieb der Kläger ge­gen En­de des Gesprächs vom 14. Ju­li 2004.

Mit Schrift­satz vom 20. Ju­li 2004, der am 21. Ju­li 2004 bei dem Ar­beits­ge­richt Es­sen ein­ging und der Be­klag­ten am 27. Ju­li 2004 zu­ge­stellt wur­de, hat der Kläger Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben und die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die von ihm ab­ge­ge­be­ne Wil­lens­erklärung sei nich­tig. Hier­zu hat er aus­geführt, er sei auf­ge­for­dert wor­den,

 

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den Emp­fang der Kündi­gung mit sei­ner Un­ter­schrift zu bestäti­gen. Er ha­be nicht den Wil­len ge­habt, ei­ne Ver­zichts­erklärung hin­sicht­lich der Er­he­bung der Kündi­gungs-schutz­kla­ge ab­zu­ge­ben und hätte sie auch nicht ab­ge­ge­ben, wenn er nicht durch psy­chi­schen Druck zur Un­ter­schrifts­leis­tung ge­zwun­gen wor­den wäre. Er ha­be den In­halt des Kündi­gungs­schrei­bens auch sprach­lich nicht rich­tig er­fas­sen können. Im Ver­lauf des Rechts­streits hat der Kläger wei­ter be­haup­tet, der Geschäftsführer der Be­klag­ten ha­be ihm erklärt, er müsse den Er­halt des Kündi­gungs­schrei­bens un­ter­schrei­ben, an­dern­falls „flie­ge er so­fort“. Falls er un­ter­schrei­be, wer­de ihm nicht die Kündi­gung vom 30. Ju­ni 2004 über­ge­ben, son­dern ein neu­es Kündi­gungs­schrei­ben vom 14. Ju­li 2004, und die Kündi­gungs­frist wer­de um sechs Mo­na­te bis zum 31. Ja­nu­ar 2005 verlängert. Mögli­cher­wei­se er­hal­te er im Ver­lau­fe der sechs Mo­na­te sei­ne al­te Stel­le wie­der zu-rück. Dann sei der Geschäftsführer ins Ne­ben­zim­mer ge­gan­gen, mit ei­nem Kündi­gungs­schrei­ben zurück­ge­kom­men und ha­be ihn auf­ge­for­dert, so­fort zu un­ter­schrei­ben. Im Glau­ben, le­dig­lich den Er­halt der Kündi­gung zu quit­tie­ren, ha­be er un­ter­schrie­ben. Zu kei­nem Zeit­punkt sei von ei­nem Kündi­gungs­schutz­ver­zicht die Re­de ge­we­sen. Die Kündi­gung sei im Übri­gen so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

1. fest­zu­stel­len, dass das Ar­beits­verhält­nis der kläge­ri­schen Par­tei durch die schrift­li­che Kündi­gung der be­klag­ten Par­tei vom 14. Ju­li 2004, zu­ge­gan­gen am 14. Ju­li 2004, zum 31. Ja­nu­ar 2005 nicht auf­gelöst wor­den ist;

2. die be­klag­te Par­tei zu ver­ur­tei­len, die kläge­ri­sche Par­tei für den Fall des Ob­sie­gens mit dem Fest­stel­lungs­an­trag zu 1. zu den im Ar­beits­ver­trag vom 8. Ja­nu­ar 1992 bis heu­te ge­re­gel­ten Ar­beits­be­din­gun­gen als Ar­bei­ter bis zu ei­ner rechts­kräfti­gen Ent­schei­dung über den Fest­stel­lungs­an­trag wei­ter­zu­beschäfti­gen.

Die Be­klag­te hat be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen. Sie hat be­haup­tet, al­ler­dings ha­be ihr Geschäftsführer dem Kläger zunächst die Kündi­gung vom 30. Ju­ni 2004 ge­zeigt. Er ha­be ihm dann erklärt, er wer­de nun ei­ne neue Kündi­gung aus­stel­len und sie aus or­ga­ni­sa­to­ri­schen Gründen zum 31. Ja­nu­ar 2005 aus­spre­chen. Da­bei sei­en dem Kläger die Kündi­gungs­gründe ausführ­lich dar­ge­legt wor­den. Ihr Geschäftsführer ha­be an den Kläger ap­pel­liert, im Hin­blick auf das jah­re­lang gu­te Verhält­nis und die schwie­ri­ge Si­tua­ti­on der Fir­ma die An­ge­le­gen­heit endgültig und oh­ne ge­richt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung zu klären und aus die­sem Grund auf Kündi­gungs­schutz zu ver­zich­ten und dies auf dem Kündi­gungs­schrei­ben zu bestäti­gen. Er ha­be fer­ner erklärt, es könne ja sein, dass der Kläger bis zum 31. Ja­nu­ar 2005 bei ei­ner an­de­ren Fir­ma ei­ne Stel­le

 

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fin­de. Zum Ab­schluss des Gesprächs ha­be sich der Kläger be­reit erklärt, auf Kündi­gungs­schutz zu ver­zich­ten. Der Kläger ha­be ge­nau ge­wusst, was er un­ter­schrie­ben ha­be. Der Geschäftsführer ha­be nach dem münd­li­chen Ein­verständ­nis des Klägers ge­sagt, er wer­de die Ver­zichts­erklärung auf das Kündi­gungs­schrei­ben set­zen, da­mit der Kläger sie un­ter­zeich­nen könne. Das sei ge­sche­hen. Der Kläger ha­be die Erklärung durch­ge­le­sen und un­ter­schrie­ben. Ei­ne Ein­wir­kung auf den Kläger ha­be nicht statt­ge­fun­den.

Das Ar­beits­ge­richt hat nach den Kla­ge­anträgen er­kannt. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten nach Par­tei­ver­neh­mung des Klägers und des Geschäftsführers der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit der vom Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Kla­ge­ab­wei­sungs­be­geh­ren wei­ter.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on hat kei­nen Er­folg. 

A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat aus­geführt, die Kla­ge sei zulässig. Zwar hätten die Par­tei­en ei­nen Kla­ge­ver­zichts­ver­trag ab­ge­schlos­sen. Ob die­ser der Schrift­form nach § 623 BGB bedürfe, könne of­fen­blei­ben, weil der Kläger die­sen Ver­trag er­folg­reich an­ge­foch­ten ha­be. Der Kläger ha­be sich über den In­halt sei­ner Erklärung ge­irrt. Er ha­be ge­glaubt, ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag, nicht aber ei­nen Ver­zichts­ver­trag zu schließen. Durch die in der Kla­ge­schrift ent­hal­te­ne Erklärung, der Ver­zicht sei nich­tig, ha­be er sei­ne Erklärung an­ge­foch­ten. Das sei un­verzüglich ge­sche­hen, da die Kla­ge­schrift in­ner­halb von 14 Ta­gen nach dem 14. Ju­li 2004, nämlich am 27. Ju­li 2004, der Be­klag­ten zu­ge­stellt wor­den sei. Die Kündi­gung sei nach § 1 Abs. 3 Satz 1 KSchG so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt, weil die Be­klag­te so­zia­le Ge­sichts­punk­te nicht aus­rei­chend berück­sich­tigt ha­be. Da­von sei aus­zu­ge­hen, weil die Be­klag­te auf das Aus­kunfts­ver­lan­gen des Klägers (§ 1 Abs. 3 Satz 1 2. Halbs. KSchG) nicht er­wi­dert ha­be.

B. Dem stimmt der Se­nat im Er­geb­nis und in Tei­len der Be­gründung zu. 

I. Re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den ist die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, dass die Par­tei­en ei­nen recht­lich an sich zulässi­gen Kla­ge­ver­zichts­ver­trag hin­sicht­lich der Kündi­gung der Be­klag­ten vom 14. Ju­li 2004 ab­ge­schlos­sen ha­ben.

 

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1. Zu Recht geht das Lan­des­ar­beits­ge­richt da­von aus, ei­ne Erklärung, auf Kündi­gungs­schutz zu ver­zich­ten, könne je nach La­ge des Fal­les ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag, ei­nen Ver­gleich, ei­nen Kla­ge­ver­zicht oder ein Kla­gerück­nah­me­ver­spre­chen dar­stel­len (BAG 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6). Wel­che der Ge­stal­tungsmöglich­kei­ten die Par­tei­en gewählt ha­ben, ist durch Aus­le­gung zu er­mit­teln.

a) Die Aus­le­gung von aty­pi­schen Wil­lens­erklärun­gen ist Sa­che des Tat­sa­chen­ge­richts und vom Re­vi­si­ons­ge­richt nur in Gren­zen nach­prüfbar. So­lan­ge das Be­ru­fungs­ge­richt bei ei­ner Aus­le­gung die rich­ti­gen Rechts­vor­schrif­ten, al­so ins­be­son­de­re §§ 133, 157 BGB, rich­tig an­ge­wandt, den Tat­sa­chen­stoff vollständig berück­sich­tigt und des Wei­te­ren nicht ge­gen Denk­ge­set­ze oder Er­fah­rungssätze ver­s­toßen hat, ist das Aus­le­gungs­er­geb­nis nicht zu be­an­stan­den.

b) Die­sem Maßstab wird die vom Lan­des­ar­beits­ge­richt vor­ge­nom­me­ne Aus­le­gung ge­recht. Nach übe­rein­stim­men­dem Vor­trag bei­der Par­tei­en hat­te die Be­klag­te dem Kläger vor­ge­schla­gen, auf die Kündi­gungs­schutz­kla­ge zu ver­zich­ten. Sie hat­te die­sen Vor­schlag mit dem An­ge­bot ei­nes über den Ab­lauf der Kündi­gungs­frist hin­aus­rei­chen­den Kündi­gungs­ter­mins ver­bun­den. Der von der Be­klag­ten vor­for­mu­lier­te und vom Kläger un­ter­zeich­ne­te Wort­laut - so­wohl des Kündi­gungs­schrei­bens selbst, das den Kündi­gungs­ter­min 31. Ja­nu­ar 2005 ent­hielt, als auch der ei­gent­li­chen Kla­ge­ver­zichts­erklärung - ent­sprach die­sem An­ge­bot. Das gilt auch dann, wenn man, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt, an­nimmt, der Kläger ha­be sich vor­ge­stellt, kei­nen Kla­ge­ver­zichts­ver­trag, son­dern ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu un­ter­zeich­nen. Denn die­se Vor­stel­lung war nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ge­ra­de vom Irr­tum be­ein­flusst und konn­te folg­lich nichts dar­an ändern, dass ob­jek­tiv ein Kla­ge­ver­zichts­ver­trag ge­schlos­sen wur­de.

2. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (grund­le­gend 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6, zu II 2 a der Gründe mwN) und der herr­schen­den Mei­nung in der Li­te­ra­tur (KR-Fried­rich 8. Aufl. § 4 KSchG Rn. 297; Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen Kündi­gung und Kündi­gungs­schutz im Ar­beits­verhält­nis 9. Aufl. Rn. 1253; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG 14. Aufl. § 1 Rn. 15) kann der Ar­beit­neh­mer auf die Er­he­bung oder Durchführung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge nach erklärter Kündi­gung ver­zich­ten.

a) Die Zulässig­keit ei­nes sol­chen Ver­zichts er­gibt sich be­reits dar­aus, dass das Kündi­gungs­schutz­ge­setz im Ge­gen­satz zu an­de­ren Ge­set­zen, die ei­nen Ver­zicht auf

 

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be­stimm­te Rech­te für un­zulässig erklären (vgl. § 4 Abs. 4 TVG, § 13 Abs. 1 Satz 3 BUrlG, § 12 EFZG, § 77 Abs. 4 Be­trVG), kei­ne Re­ge­lung ge­trof­fen hat, die dem Ar­beit­neh­mer den Ver­zicht auf den Kündi­gungs­schutz un­ter­sagt. Hin­zu kommt, dass der Ar­beit­neh­mer aus Rechts­gründen nicht ge­hal­ten ist, ei­ne ihm aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung mit der Kündi­gungs­schutz­kla­ge an­zu­grei­fen, son­dern untätig blei­ben und die Kündi­gung hin­neh­men kann mit der Fol­ge, dass die­se wirk­sam wird (§ 7 KSchG). Vor al­lem aber ist der Ar­beit­neh­mer be­rech­tigt, sein Ar­beits­verhält­nis je­der­zeit durch Auf-he­bungs­ver­trag zu be­en­den (BAG 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6, zu II 2 a der Gründe).

b) Der Ar­beit­neh­mer kann nach er­folg­ter Kündi­gung auch vor Ab­lauf der Drei-Wo­chen-Frist des § 4 Satz 1 KSchG auf die Er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge ver­zich­ten (BAG 3. Mai 1979 - 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6, zu II 2 a der Gründe; zu-stim­mend Ha­Ko-Fie­big 2. Aufl. § 1 KSchG Rn. 14; KR-Fried­rich aaO; v. Ho­y­nin­gen-Hue­ne/Linck KSchG § 1 Rn. 16). Zum Teil wird in der Li­te­ra­tur ver­tre­ten, dass der Ar­beit­neh­mer in­ner­halb der Drei-Wo­chen-Frist des § 4 Satz 1 KSchG auf den Kündi­gungs­schutz nicht ver­zich­ten könne (vgl. et­wa Münch­KommBGB/Schwerdt­ner 3. Aufl. § 622 Anh. Rn. 162; s. auch Stahl­ha­cke/Preis/Vos­sen aaO), weil das Kündi­gungs­schutz­ge­setz den Be­stands­schutz von Ar­beits­verhält­nis­sen si­che­re, wes­halb der Ar­beit­neh­mer nicht über sein Kla­ge­recht dis­po­nie­ren könne. Der Se­nat hält je­doch an sei­ner bis­he­ri­gen Auf­fas­sung fest. Er hat sich be­reits in der Ent­schei­dung vom 3. Mai 1979 (- 2 AZR 679/77 - BA­GE 32, 6, zu II 2 a der Gründe) mit den Ar­gu­men­ten die­ser Li­te­ra­tur­mei­nung aus­ein­an­der­ge­setzt; es gibt kei­nen vom Ge­setz an­ge­ord­ne­ten oder sonst als zwin­gend an­zu­er­ken­nen­den Grund, den Ar­beit­neh­mer durch Be­schränkung sei­ner Ent­schei­dungs­frei­heit auch während des Ab­laufs der Drei-Wo­chen-Frist des § 4 KSchG über das ge­setz­li­che Maß hin­aus zu schützen.

3. Ob der von den Par­tei­en ge­schlos­se­ne Kla­ge­ver­zichts­ver­trag des­halb nach § 142 Abs. 1 BGB un­wirk­sam ist, weil, wie das Lan­des­ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men hat, der Kläger sich bei Ab­ga­be der An­nah­me­erklärung in ei­nem nach § 119 Abs. 1 BGB be­acht­li­chen In­halts­irr­tum be­fand, sei­ne Erklärung an­ge­foch­ten hat (§ 143 Abs. 1 BGB) und ob dies, wie § 121 Abs. 1 Satz 1 BGB vor­schreibt, un­verzüglich ge­schah, kann da­hin­ste­hen. Al­ler­dings lie­gen im Hin­blick dar­auf, dass der Kläger zur Über­mitt­lung sei­ner et­wa in der Kla­ge­schrift lie­gen­den An­fech­tungs­erklärung er­sicht­lich nicht den schnellstmögli­chen, son­dern ei­nen mit er­kenn­ba­rem Verzöge­rungs­ri­si­ko be­haf­te­ten

 

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Weg gewählt hat (vgl. BGH 11. Ok­to­ber 1974 - V ZR 25/73 - NJW 1975, 39), Zwei­fel an der Rechts­auf­fas­sung des Lan­des­ar­beits­ge­richts na­he.

4. Je­den­falls war der Kla­ge­ver­zichts­ver­trag nach §§ 623, 125 BGB man­gels Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Schrift­form nich­tig und konn­te des­halb das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht be­en­den.

a) Nach § 126 Abs. 2 Satz 1 BGB muss bei ei­nem Ver­trag die Un­ter­zeich­nung der Par­tei­en auf der­sel­ben Ur­kun­de er­fol­gen. Nur wenn über den Ver­trag meh­re­re gleich­lau­ten­de Ur­kun­den auf­ge­nom­men wer­den, genügt es, wenn je­de Par­tei die für die an­de­re Par­tei be­stimm­te Ur­kun­de un­ter­zeich­net (§ 126 Abs. 2 Satz 2 BGB). Die Un­ter­schrift muss den Ur­kun­den­text räum­lich ab­sch­ließen (BGH 20. No­vem­ber 1990 - XI ZR 107/89 - BGHZ 113, 48), Nachträge müssen er­neut un­ter­schrie­ben wer­den (BGH 24. Ja­nu­ar 1990 - VIII ZR 296/88 - NJW-RR 1990, 518). Die­se Vor­aus­set­zun­gen sind nicht erfüllt. Un­strei­tig ist die Kla­ge­ver­zichts­erklärung al­lein vom Kläger un­ter­zeich­net, nicht aber, wie es er­for­der­lich ge­we­sen wäre, auch von der Be­klag­ten.

b) Die Par­tei­en muss­ten bei Ab­schluss der Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­rung die Schrift­form der §§ 623, 126 BGB ein­hal­ten, weil es sich um ei­nen Auflösungs­ver­trag iSd. § 623 BGB han­del­te.

aa) Die Fra­ge, wel­che Ver­trags­ge­stal­tun­gen als „Auflösungs­verträge“ iSd. § 623 BGB an­zu­se­hen sind, wird in Schrift­tum und Recht­spre­chung der In­stanz­ge­rich­te in der Re­gel im Zu­sam­men­hang mit sog. Ab­wick­lungs­verträgen be­han­delt, al­so Verträgen, die nach Aus­spruch ei­ner Kündi­gung die Fol­gen und das wei­te­re Vor­ge­hen der Par­tei­en re­geln.

(1) Über­wie­gend wird ver­tre­ten, dass für die An­wen­dung des § 623 BGB die von den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en an­ge­streb­te Rechts­fol­ge der Auflösung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses maßgeb­lich sei und es auf die Wort­wahl nicht ent­schei­dend an­kom­me (ErfK/Müller-Glöge 7. Aufl. § 623 BGB Rn. 12; Lak­ies BB 2000, 667). Soll die vom Ar­beit­neh­mer zu ak­zep­tie­ren­de Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis auflösen und schließen die Ar­beits­ver­trags­par­tei­en le­dig­lich ei­nen Ver­trag über ihr zukünf­ti­ges Ver­hal­ten nach Aus­spruch ei­ner be­vor­ste­hen­den Kündi­gung (sog. Ab­wick­lungs­ver­trag), so sei die­ser Ver­trag nicht oh­ne Wei­te­res form­bedürf­tig nach § 623 BGB (vgl. LAG Hamm 25. Ok­to­ber 2001 - 8 Sa 956/01 -, zu I 2 a der Gründe; ErfK/Müller-Glöge § 623 BGB Rn. 14; KR-Spil­ger 8. Aufl. § 623 BGB Rn. 49; APS/Preis 2. Aufl. § 623 BGB Rn. 9;

 

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Stau­din­ger/Oet­ker § 623 BGB Rn. 35; Kitt­ner/Däubler/Zwan­zi­ger-Däubler KSchR 6. Aufl. § 623 BGB Rn. 42; Ha­Ko-Fie­big § 623 BGB Rn. 12; Schaub/Linck Ar­beits­rechts-Hand­buch 11. Aufl. § 122 Rn. 2; Ap­pel/Kai­ser AuR 2000, 281, 285; Müller-Glöge/v. Sen­den AuA 2000, 199, 200; Preis/Gott­hardt NZA 2000, 348, 354; Däubler AiB 2000, 188, 191; Rolfs NJW 2000, 1227, 1228; Hümme­rich NZA 2001, 1280, 1281; Bau­er NZA 2002, 169, 170; Krab­benhöft DB 2000, 1562, 1567; Klei­ne­brink FA 2000, 174, 176; Man­kow­ski JZ 2001, 357). Wenn al­ler­dings die Kündi­gung un­wirk­sam sei und erst der „Ab­wick­lungs­ver­trag“ die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses her­beiführe, kom­me dem Ab­wick­lungs­ver­trag auflösen­de Wir­kung zu, so dass er in die­sem Fall form­bedürf­tig iSd. § 623 BGB sei (ErfK/Müller-Glöge aaO; Müller-Glöge/v. Sen­den AuA aaO; Stau­din­ger/Oet­ker § 623 BGB Rn. 36; Man­kow­ski JZ aaO; APS/Preis aaO). Dar­aus dürfe aber nicht auf die grundsätz­li­che Form­bedürf­tig­keit des Ab­wick­lungs­ver­tra­ges ge­schlos­sen wer­den (Man­kow­ski JZ aaO).

(2) Zum Teil wird in der Li­te­ra­tur auch ver­tre­ten, ein Ab­wick­lungs­ver­trag sei in den An­wen­dungs­be­reich des § 623 BGB und sei­nen Form­zwang ein­zu­be­zie­hen (Schaub NZA 2000, 344, 347; Ber­scheid ZIn­sO 2000, 208, 209; San­der/Sie­bert BuW 2000, 424, 425; dies. AuR 2000, 330, 335; Ri­char­di NZA 2001, 57, 61). Nur so könne das Ge­set­zes­ziel er­reicht wer­den, weil der Ar­beit­neh­mer erst durch die Fol­gen­re­ge­lung im Ab­wick­lungs­ver­trag auf den Kündi­gungs­schutz ver­zich­te (Ber­scheid ZIn­sO aaO; Schaub NZA aaO; San­der/Sie­bert BuW aaO) und erst durch den Ab­wick­lungs­ver­trag die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses dem Rechts­streit ent­zo­gen wer­de (San-der/Sie­bert AuR aaO). Der Ab­wick­lungs­ver­trag sei ein Un­ter­fall des Auf­he­bungs­ver­tra­ges (Schaub NZA aaO; San­der/Sie­bert BuW aaO). Al­lein da­durch, dass man den Auf-he­bungs­ver­trag in ei­ne Kündi­gung mit Ab­wick­lungs­ver­trag auf­spal­te, könne man das Schrift­for­mer­for­der­nis nicht um­ge­hen (Ri­char­di NZA aaO).

bb) Die bes­se­ren Gründe spre­chen für die An­nah­me der Form­bedürf­tig­keit je­den­falls auch sol­cher Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­run­gen, die im un­mit­tel­ba­ren zeit­li­chen und sach­li­chen Zu­sam­men­hang mit dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung ge­trof­fen wer­den. Sol­che Ver­ein­ba­run­gen sind Auflösungs­verträge iSd. § 623 BGB.

(1) Das zeigt zunächst der Wort­laut des § 623 BGB. Er sah die Schrift­form zunächst für „Kündi­gun­gen“, „Be­fris­tun­gen“ und „Auflösungs­verträge“ vor. Während er al­so im Fal­le der Kündi­gung und der Be­fris­tung Be­grif­fe mit ei­nem fest um­ris­se­nen recht­li­chen In­halt be­nutz­te, be­dien­te er sich durch die Ver­wen­dung des Be­griffs „Auflö-

 

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sungs­ver­trag“ ei­ner Be­zeich­nung, die der Ge­setz­ge­ber im Ar­beits­recht bis da­hin nicht ver­wen­det hat­te. Dar­aus ist zu fol­gern, dass es nicht um die Be­gren­zung des Schrift­for­mer­for­der­nis­ses auf be­stimm­te Ver­trags­ty­pen ging, son­dern um die Er­fas­sung ei­ner in der Ar­beits­welt häufi­gen Er­schei­nung, nämlich des Ein­ver­neh­mens der Par­tei­en da­hin, die Lösung der ver­trag­li­chen Bin­dung zu be­wir­ken. Die nähe­re rechts­dog­ma­ti­sche Ein­ord­nung die­ses Ein­ver­neh­mens ist durch den Be­griff „Auflösungs­ver­trag“ nicht an­ge­spro­chen. Es können al­so un­ter­schied­li­che Ver­trags­ty­pen als „Auflösungs­verträge“ ein­ge­ord­net wer­den. Die An­nah­me, der Ge­setz­ge­ber ha­be die Form­bedürf­tig­keit an das Vor­lie­gen ge­wis­ser „ju­ris­ti­scher Kau­sa­litäts­kri­te­ri­en“ knüpfen wol­len, fin­det we­der im Wort­laut noch im er­kenn­ba­ren Sinn und Zweck der Norm An­klang (aA KR-Spil­ger aaO). Ent­schei­dend ist, ob auf Grund des Ver­tra­ges die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses un­aus­weich­lich ein­tritt.

(2) Auch ei­ne Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­rung wie die hier vor­lie­gen­de ist da­nach ein Auflösungs­ver­trag. Die Auflösung zu er­rei­chen ist ihr ein­zi­ger Sinn. Der Ver­zichts­ver­trag wird ge­ra­de des­halb ge­schlos­sen, weil bei sei­nem Ab­schluss noch un­si­cher ist, ob die be­reits aus­ge­spro­che­ne und noch an­greif­ba­re Kündi­gung ihr Ziel her­beiführen wird. Dem lässt sich nicht ent­ge­gen­hal­ten, die Kündi­gung ha­be zu die­sem Zeit­punkt be­reits zu wir­ken be­gon­nen, so dass nicht der Ver­zichts­ver­trag, son­dern die Kündi­gung das Ar­beits­verhält­nis be­en­de. Aus Sicht der Par­tei­en und ins­be­son­de­re des Ar­beit­ge­bers ist die Wir­kung der Kündi­gung ge­ra­de un­si­cher. Sonst bräuch­te er den Ver­zicht nicht. Die nach Aus­spra­che der Kündi­gung ein­zi­ge dem Ar­beit­neh­mer ver­blie­be­ne recht­li­che Hand­ha­be, die Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zu ver­hin­dern - nämlich die Möglich­keit der Kla­ge­er­he­bung -, soll be­sei­tigt wer­den. Das wird da­durch er­reicht, dass der Ar­beit­neh­mer sich ver­trag­lich zum Ver­zicht auf die Kla­ge­er­he­bung ver­pflich­tet. Bei et­wa dann doch er­ho­be­ner Kla­ge soll der Ar­beit­ge­ber in die La­ge ver­setzt wer­den, der Kla­ge die Ver­zichts­ver­ein­ba­rung ent­ge­gen­zu­hal­ten und da­durch den gewöhn­li­chen Wir­kun­gen der Kla­ge­er­he­bung - nämlich der Ver­mei­dung der Wirk­sam­keits­fik­ti­on des § 7 KSchG - zu ent­ge­hen. Er muss sich al­so, da­mit die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses fest­ge­stellt wer­den kann, auf den Ver­zichts­ver­trag be­ru­fen. Die La­ge ist im We­sent­li­chen die­sel­be wie im Fall ei­nes Ver­tra­ges, mit dem nicht der Ver­zicht auf die Kla-ge ge­gen ei­ne aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung erklärt wird, son­dern nach Kündi­gung ein Auf­he­bungs­ver­trag ge­schlos­sen wird.

 

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(3) Das Zu­stan­de­kom­men der Ver­ein­ba­rung im vor­lie­gen­den Fall zeigt, dass es dem Sinn des Ver­trags­ge­sche­hens wi­derspräche, den ab­ge­schlos­se­nen Kla­ge­ver­zichts­ver­trag nicht als Auflösungs­ver­trag an­zu­se­hen. We­der aus Sicht des Ar­beit­ge­bers, der im ei­nen wie im an­de­ren Fall die si­che­re Auflösung des Ar­beits­ver­tra­ges durch ein­verständ­li­che Re­ge­lung an­strebt, noch aus Sicht des Ar­beit­neh­mers, der durch ei­ne ver­trag­li­che Erklärung das Schick­sal sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses „be­sie­geln“ und sich sei­ner Rech­te be­ge­ben soll, macht es im prak­ti­schen Sinn des Ge­sche­hens und im an­ge­streb­ten recht­li­chen Er­geb­nis ei­nen Un­ter­schied, ob ein Auf­he­bungs­ver­trag ge­schlos­sen oder ei­ne Kündi­gung ent­ge­gen­ge­nom­men und gleich­zei­tig darüber hin­aus ein Ver­trag ge­schlos­sen wer­den soll. Der ein­zi­ge Un­ter­schied zwi­schen den bei­den Ar­ten ein­ver­nehm­li­cher Be­en­di­gung bestünde dem­nach in der Form­bedürf­tig­keit der ei­nen und Form­frei­heit der an­de­ren Ver­trags­ge­stal­tung.

(4) Dass die Par­tei­en die ein­ver­nehm­li­che Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in der Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­rung nicht aus­drück­lich erwähnt ha­ben, ändert an dem ge­fun­de­nen Er­geb­nis nichts. Es ist an­er­kannt, dass die Auflösung des Ar­beits­verhält­nis­ses auch dann - kon­klu­dent - ver­ein­bart sein kann, wenn die Par­tei­en ei­ne an­der­wei­ti­ge Ver­ein­ba­rung schließen, de­ren In­halt den Wil­len, den Ar­beits­ver­trag fort­zu­set­zen, re­gelmäßig aus­sch­ließt (BAG 14. Ju­ni 2006 - 5 AZR 592/05 - AP ArbGG 1979 § 5 Nr. 62 = EzA ArbGG 1979 § 5 Nr. 40; vgl. da­zu Haa­se Gmb­HR 2006, 1104).

(5) Für die­ses Er­geb­nis spricht außer­dem, dass der mit § 623 BGB be­zweck­te Schutz vor Übe­rei­lung bei Kla­ge­ver­zichts­ver­ein­ba­run­gen je­den­falls dann, wenn sie im un­mit­tel­ba­ren zeit­li­chen Zu­sam­men­hang mit ei­ner Kündi­gung ge­schlos­sen wer­den, nicht we­ni­ger not­wen­dig ist als bei an­de­ren Auflösungs­verträgen. Denn auch der Kla­ge­ver­zicht führt da­zu, dass der Ar­beit­neh­mer sich mit Ver­trags­schluss sei­ner Rech­te und da­mit in vie­len Fällen sei­ner wirt­schaft­li­chen Exis­tenz­grund­la­ge be­gibt, bzw. sie zu­min­dest - auch mit Blick auf die so­zi­al­recht­li­chen Fol­gen ei­nes Kla­ge­ver­zichts - schmälert.

(6) Der vom Ge­setz­ge­ber eben­falls an­ge­streb­te Zweck der Be­weis­si­che­rung spricht eben­falls für die Form­bedürf­tig­keit von der­ar­ti­gen Kla­ge­ver­zichts­erklärun­gen. Ge­ra­de der vor­lie­gen­de Fall zeigt dies. Da die Un­ter­schie­de zwi­schen ei­ner Kündi­gung mit an­sch­ließen­dem Kla­ge­ver­zichts­ver­trag und ei­nem „un­ver­blümten“ Auf­he­bungs­ver­trag - mit oder oh­ne vor­her­ge­gan­ge­ne Kündi­gung - al­lein in der recht­li­chen Kon­struk­ti­on lie­gen, die noch da­zu ei­nes Verständ­nis­ses der für den recht­li­chen Lai­en schwer

 

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zugäng­li­chen Wir­kungs­wei­se ei­ner Vor­schrift wie des § 7 KSchG be­darf, dürf­ten die­se Un­ter­schie­de in al­ler Re­gel kaum we­sent­li­chen Raum in den in­ne­ren Vor­stel­lun­gen der Ver­trag­schließen­den ein­neh­men. Ei­ne Aus­le­gung in der ei­nen oder an­de­ren Rich­tung kann des­halb al­len­falls am meist wohl eher zufälli­gen Wort­laut an­set­zen oder sie muss spe­ku­la­ti­ven Cha­rak­ter an­neh­men, noch da­zu, wenn, wie im vor­lie­gen­den Fall, ei­ne der Par­tei­en der deut­schen Spra­che nicht in ganz be­frie­di­gen­dem Um­fan­ge mäch­tig ist. Sinn der Einführung von § 623 BGB war es aber ge­ra­de, die Fra­ge der Auflösung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses nicht von der Er­weis­lich­keit die­ser oder je­ner mögli­cher­wei­se nur halb­ver­stan­de­nen Äußerung abhängig zu ma­chen, die oh­ne­hin re­gelmäßig in ei­ner Si­tua­ti­on zu­stan­de kommt, in der nicht die kor­rek­te Wort­wahl im Mit­tel­punkt des In­ter­es­ses der Par­tei­en steht, son­dern die Be­en­di­gung ei­ner für bei­de Par­tei­en wirt­schaft­lich be­deut­sa­men Ver­trags­be­zie­hung (BAG 16. Sep­tem­ber 2004 - 2 AZR 659/03 - AP BGB § 623 Nr. 1 = EzA BGB 2002 § 623 Nr. 1). Ist da­ge­gen die in § 623 BGB vor­ge­schrie­be­ne Schrift­form ge­wahrt, so steht je­den­falls der Aus­le­gungs­stoff ein­deu­tig fest.

(7) Dem kann nicht mit Er­folg ent­ge­gen­ge­hal­ten wer­den, die An­wen­dung von § 623 BGB führe zu ei­ner Ein­schränkung der Ver­trags­frei­heit. Die Par­tei­en sind ge­nau­so we­nig wie bei an­de­ren form­bedürf­ti­gen Verträgen ge­hin­dert, die vom Ge­setz vor­ge­schrie­be­ne ein­fa­che Form ein­zu­hal­ten. Wenn der Ar­beit­neh­mer Kla­ge nicht er­he­ben und da­mit die Wirk­sam­keit der Kündi­gung durch kei­ner Form bedürf­ti­ges Ver­hal­ten her­beiführen will, ist er frei, dies zu tun.

(8) Der Vor­schlag, Ver­ein­ba­run­gen der vor­lie­gen­den Art stets nur dann als nicht form­bedürf­tig an­zu­se­hen, wenn die ihm zu­grun­de­lie­gen­de Kündi­gung wirk­sam ist, er­scheint nicht zweckmäßig. Form­vor­schrif­ten sol­len, da sie ge­ra­de der Rechts­si­cher­heit die­nen, leicht an­zu­wen­den sein. Im vor­lie­gen­den Fall würde, da die Be­klag­te je­den­falls im Re­vi­si­ons­ver­fah­ren selbst nicht mehr gel­tend macht, die Kündi­gung sei nach §§ 1, 2 KSchG wirk­sam, der Kla­ge­ver­zicht auch nach die­ser Mei­nung un­wirk­sam sein.

5. Die Würdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, nach der die Kündi­gung man­gels ord­nungs­gemäßer So­zi­al­aus­wahl so­zi­al un­ge­recht­fer­tigt iSd. § 1 Abs. 2, Abs. 3 KSchG ist, wird von der Re­vi­si­on nicht be­an­stan­det. Sie enthält auch kei­nen re­vi­si­blen Rechts­feh­ler.

 

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II. Die Kos­ten­ent­schei­dung folgt aus § 97 Abs. 1 ZPO.

Rost 

Rost für den durch Er­kran­kung an der Un­ter­schrift ver­hin­der­ten Rich­ter Dr. Ey­lert 

Schmitz-Scho­le­mann

K. Schier­le 

Th. Gans

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