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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Gleichbehandlung, Sonderzahlung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 10 AZR 666/08
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 05.08.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Würzburg, Urteil vom 19.12.2006 - 10 (7) Ca 1072/06
Landesarbeitsgericht Nürnberg, Urteil vom 12.3.2008 - 4 Sa 172/07
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


10 AZR 666/08
4 Sa 172/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt

Nürn­berg

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

5. Au­gust 2009

UR­TEIL

Jatz, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­onskläger,

pp.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Zehn­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 5. Au­gust 2009 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des-
 


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ar­beits­ge­richt Dr. Frei­tag, die Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Mar­quardt, den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­te­rin­nen Ru­dolph und Alex für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on des Klägers wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Nürn­berg vom 12. März 2008 - 4 Sa 172/07 - auf­ge­ho­ben.

2. Auf die Be­ru­fung des Klägers wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Würz­burg vom 19. De­zem­ber 2006 - 10 (7) Ca 1072/06 - ab­geändert.

Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an den Kläger 300,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2006 zu zah­len.

3. Die Be­klag­te hat die Kos­ten des Rechts­streits zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über ei­ne Son­der­zah­lung für das Jahr 2005 in rech­ne­risch un­strei­ti­ger Höhe von 300,00 Eu­ro brut­to.

Der Kläger ist im Dru­cke­rei­be­trieb der Be­klag­ten seit 1968 als Fach­ar­bei­ter beschäftigt. Im Fe­bru­ar 2005 er­stell­te die Be­klag­te ein Stand­ort­si­che­rungs­kon­zept. Die­ses sah ua. ei­ne un­be­zahl­te Erhöhung der Wo­chen­ar­beits­zeit in zwei Schrit­ten von 35 auf 40 St­un­den, den Ver­zicht der Ar­beit­neh­mer auf Erhöhung ih­rer Ar­beits­vergütung in den Jah­ren 2005 und 2006 so­wie den Ent­fall von drei Frei­schich­ten vor. Im März 2005 bot die Be­klag­te ih­ren ca. 360 Ar­beit­neh­mern zur Um­set­zung ih­res Stand­ort­si­che­rungs­kon­zepts Zu­satz­verträge mit die­sem Kon­zept ent­spre­chen­den Ar­beits­be­din­gun­gen an. Mit Aus­nah­me des Klägers und sechs wei­te­ren Ar­beit­neh­mern nah­men al­le Ar­beit­neh­mer der Be­klag­ten das Ände­rungs­an­ge­bot an und un­ter­zeich­ne­ten die Zu­satz­verträge.
 


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In ei­nem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 21. De­zem­ber 2005 heißt es: 


„Lie­be Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­ter,

wir ha­ben Sie be­reits vor we­ni­gen Ta­gen in­for­miert, dass wir Ih­nen ei­ne ein­ma­li­ge Son­der­zah­lung im De­zem­ber 2005 gewähren können. Im Ein­zel­nen gel­ten da­bei fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

1. Al­le voll­beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter, die mit VDM die veränder­ten Be­din­gun­gen im Zu­satz zum Ar­beits-ver­trag ver­ein­bart ha­ben, er­hal­ten ei­ne ein­ma­li­ge Son­der­zah­lung i.H.v. 300,-- € brut­to

(Teil­zeit­beschäftig­te an­tei­lig; Aus­zu­bil­den­de 150,-- € brut­to).

2. Die Son­der­zah­lung wird mit der De­zem­be­r­ab­rech­nung 2005 aus­ge­zahlt.

3. Die­se Ver­ein­ba­rung gilt für Mit­ar­bei­ter, die sich am 31.12.2005 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fin­den.

4. Die­se Son­der­zah­lung ist ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung des Un­ter­neh­mens, auf die kein Rechts­an­spruch für die Zu­kunft be­steht.

Wie Sie dem Aus­hang ent­neh­men können, hat der Be­triebs­rat sei­ne Zu­stim­mung er­teilt.

Vie­len Dank für Ih­ren Ein­satz. ...“

Die Be­klag­te leis­te­te die Son­der­zah­lung wie im Schrei­ben vom 21. De­zem­ber 2005 an­gekündigt. Der Kläger er­hielt die­se Zah­lung nicht.

Er hat die An­sicht ver­tre­ten, er ha­be auf­grund des ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­sat­zes An­spruch auf ei­ne Son­der­zah­lung iHv. 300,00 Eu­ro brut­to für das Jahr 2005. Sei­ne Aus­nah­me von der Zah­lung ver­s­toße auch ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB.


Der Kläger hat be­an­tragt, 


die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an ihn 300,00 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von fünf Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 1. Ja­nu­ar 2006 zu zah­len.


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Die Be­klag­te hat zu ih­rem Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es sei sach­lich ge­recht­fer­tigt ge­we­sen, dass sie sich mit ei­ner Son­der­zah­lung bei den Mit­ar­bei­tern be­dankt ha­be, die der Ände­rung ih­rer Ar­beits­verträge zu­ge­stimmt hätten. Oh­ne de­ren Op­fer­be­reit­schaft hätte sie im Jahr 2005 kei­nen Ge­winn er­zielt. Da sie auf die Op­fer­be­reit­schaft ih­rer Mit­ar­bei­ter auch in Zu­kunft an­ge­wie­sen sei, ha­be hierfür durch die Son­der­zah­lung ein An­reiz ge­ge­ben wer­den sol­len. Mit der Son­der­zah­lung ha­be sie nicht ei­nen teil­wei­sen Aus­gleich von Vergütungs­nach­tei­len be­zweckt. Es sei ihr um die sym­bo­li­sche An­er­ken­nung ei­ner un­ent­gelt­li­chen Mehr­leis­tung ei­ner Grup­pe von Ar­beit­neh­mern so­wie die Auf­recht­er­hal­tung der Mo­ti­va­ti­on die­ser Grup­pe von Ar­beit­neh­mern in der Zu­kunft ge­gan­gen. Als Dank und Mo­ti­va­ti­ons­an­reiz ha­be sie den Ar­beit­neh­mern, die un­ter Ver­zicht auf Frei­zeit und auf Geld Mehr­leis­tun­gen er­bracht hätten, ei­ne Son­der­zah­lung iHv. 300,00 Eu­ro brut­to gewährt. Sie ha­be nicht schlich­te Be­triebs­treue per se be­loh­nen und al­le Ar­beit­neh­mer be­hal­ten wol­len, son­dern nur die Un­ter­zeich­ner der Abände­rungs­verträge. Die­se sei­en aus ih­rer Sicht be­son­ders wert­vol­le Mit­ar­bei­ter. Ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB ha­be sie nicht ver­s­toßen. Es be­ste­he kei­ner­lei Zu­sam­men­hang zwi­schen der Wei­ge­rung des Klägers, ei­nen Ände­rungs­ver­trag zu ak­zep­tie­ren und der Gewährung der Son­der­zah­lung.


Das Ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zurück-ge­wie­sen. Mit der vom Se­nat auf die Nicht­zu­las­sungs­be­schwer­de des Klägers zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die­ser sei­nen An­spruch auf die Son­der­zah­lung für das Jahr 2005 wei­ter. Die Be­klag­te be­an­tragt, die Re­vi­si­on des Klägers zurück­zu­wei­sen.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Re­vi­si­on des Klägers hat Er­folg. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Kla­ge zu Un­recht ab­ge­wie­sen. Der An­spruch des Klägers auf ei­ne Son­der-
 


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zah­lung für das Jahr 2005 iHv. 300,00 Eu­ro brut­to folgt aus dem ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz.


I. Auch wenn der Ar­beit­ge­ber auf­grund ei­nes Frei­wil­lig­keits­vor­be­halts in sei­ner Ent­schei­dung frei ist, ob und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen er sei­nen Ar­beit­neh­mern ei­ne zusätz­li­che Leis­tung gewährt, ist er an den ar­beits­recht­li­chen Grund­satz der Gleich­be­hand­lung ge­bun­den, wenn er nach von ihm ge­setz­ten all­ge­mei­nen Re­geln Son­der­zah­lun­gen leis­tet. Er darf ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer nicht sach­fremd ge­genüber an­de­ren Ar­beit­neh­mern in ver­gleich­ba­rer La­ge schlech­ter­stel­len. Gewährt der Ar­beit­ge­ber auf­grund ei­ner abs­trak­ten Re­ge­lung ei­ne frei­wil­li­ge Leis­tung nach ei­nem er­kenn­bar ge­ne­ra­li­sie­ren­den Prin­zip und legt er gemäß dem mit der Leis­tung ver­folg­ten Zweck die An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Leis­tung fest, darf er ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer von der Leis­tung nur aus­neh­men, wenn die Aus­nah­me sach­li­chen Kri­te­ri­en ent­spricht. Ar­beit­neh­mer wer­den dann nicht sach­fremd be­nach­tei­ligt, wenn sich nach dem Zweck der Leis­tung Gründe er­ge­ben, die es un­ter Berück­sich­ti­gung al­ler Umstände recht­fer­ti­gen, die­sen Ar­beit­neh­mern die den an­de­ren Ar­beit­neh­mern gewähr­te Leis­tung vor­zu­ent­hal­ten. Die Zweck­be­stim­mung ei­ner Son­der­zah­lung er­gibt sich vor­ran­gig aus ih­ren tatsächli­chen und recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen. Ist die un­ter­schied­li­che Be­hand­lung nach dem Zweck der Leis­tung nicht ge­recht­fer­tigt, kann der be­nach­tei­lig­te Ar­beit­neh­mer ver­lan­gen, nach Maßga­be der begüns­tig­ten Ar­beit­neh­mer be­han­delt zu wer­den (st. Rspr. des BAG, zu­letzt 1. April 2009 - 10 AZR 353/08 -; 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 497/07 - EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 17; 26. Sep­tem­ber 2007 - 10 AZR 569/06 - AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 205 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 13; 28. März 2007 - 10 AZR 261/06 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 265 = EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 21).


II. Dar­an ge­mes­sen feh­len Gründe, die die Aus­nah­me des Klägers von der Son­der­zah­lung recht­fer­ti­gen.


1. Der Zweck der Son­der­zah­lung der Be­klag­ten er­gibt sich aus ih­rem an ih­re Ar­beit­neh­mer ge­rich­te­ten Schrei­ben vom 21. De­zem­ber 2005. In die­sem hat die Be­klag­te drei Grup­pen von Ar­beit­neh­mern ge­bil­det. Sie hat den Ar­beit-
 


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neh­mern, die im Rah­men der Um­set­zung ih­res Stand­ort­si­che­rungs­kon­zepts Zu­satz­verträge mit für sie ungüns­ti­ge­ren Ar­beits­be­din­gun­gen un­ter­zeich­net und sich am 31. De­zem­ber 2005 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fun­den ha­ben, ei­ne Son­der­zah­lung für das Jahr 2005 zu­ge­sagt und auch ge­leis­tet. Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­verhält­nis am 31. De­zem­ber 2005 gekündigt war, soll­ten die Son­der­zah­lung nicht er­hal­ten. Der Kläger und die an­de­ren sechs Ar­beit­neh­mer, die das Ände­rungs­an­ge­bot der Be­klag­ten ab­ge­lehnt hat­ten, wa­ren von vorn­her­ein von die­ser Zah­lung aus­ge­nom­men.


2. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat im Aus­gangs­punkt zu­tref­fend er­kannt, dass nach dem sich aus dem Schrei­ben der Be­klag­ten vom 21. De­zem­ber 2005 er­ge­ben­den Zweck der Son­der­zah­lung die­se teil­wei­se die mit der Abände­rung der Ar­beits­verträge ver­bun­de­nen Nach­tei­le aus­glei­chen soll­te. An die­ser aus dem In­halt des Schrei­bens er­sicht­li­chen Ziel­set­zung hat der Pro­zess­vor­trag der Be­klag­ten nichts ändern können, die Son­der­zah­lung ha­be kei­nes­wegs ei­ne teil­wei­se Kom­pen­sa­ti­on fi­nan­zi­el­ler Nach­tei­le be­zweckt, es sei viel­mehr um ei­ne sym­bo­li­sche An­er­ken­nung un­ent­gelt­li­cher Mehr­leis­tun­gen, um ei­ne Dank­sa­gung und ei­nen Mo­ti­va­ti­ons­an­reiz für die „Mehr­leis­ter“ ge­gan­gen. Maßge­bend ist, dass die Be­klag­te sich bei den „Mehr­leis­tern“ nicht nur be­dankt, son­dern die Mehr­leis­tung mit ei­ner zusätz­li­chen Zah­lung ho­no­riert und da­mit vergütet hat.

3. In der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist an­er­kannt, dass ein Ar­beit­ge­ber bei Son­der­zah­lun­gen grundsätz­lich oh­ne Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz un­ter­schied­li­che Ar­beits­be­din­gun­gen berück­sich­ti­gen und ei­ne ge­rin­ge­re lau­fen­de Ar­beits­vergütung ei­ner Ar­beit­neh­mer­grup­pe durch ei­ne Son­der­zah­lung teil­wei­se oder vollständig kom­pen­sie­ren darf (BAG 1. April 2009 - 10 AZR 353/08 - mwN). In ei­nem sol­chen Fall der Kom­pen­sa­ti­on verstößt der Ar­beit­ge­ber auch nicht ge­gen das Maßre­ge­lungs­ver­bot des § 612a BGB, wo­nach er ei­nen Ar­beit­neh­mer bei ei­ner Ver­ein­ba­rung oder ei­ner Maßnah­me nicht be­nach­tei­li­gen darf, weil der Ar­beit­neh­mer in zulässi­ger Wei­se sei­ne Rech­te ausübt.



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4. Al­ler­dings erschöpfte sich die Son­der­zah­lung der Be­klag­ten für das Jahr 2005 nicht in ei­ner teil­wei­sen Kom­pen­sa­ti­on. Die Be­klag­te hat in ih­rem Schrei­ben vom 21. De­zem­ber 2005 aus­drück­lich ein am 31. De­zem­ber 2005 un­gekündig­tes Ar­beits­verhält­nis als Vor­aus­set­zung für den An­spruch auf die Son­der­zah­lung ge­nannt. Aus der Aus­nah­me von Ar­beit­neh­mern, die sich am 31. De­zem­ber 2005 in ei­nem gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fan­den, wird deut­lich, dass die Son­der­zah­lung auch ver­gan­ge­ne und künf­ti­ge Be­triebs­treue ho­no­rie­ren woll­te und so­mit außer dem Kom­pen­sa­ti­ons­zweck noch ein an­de­res Ziel ver­folgt hat. Ei­ne Son­der­zah­lung darf aber oh­ne Ver­s­toß ge­gen den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nur dann der Grup­pe von Ar­beit­neh­mern vor­ent­hal­ten wer­den, die die Ver­ein­ba­rung ungüns­ti­ge­rer Ar­beits­be­din­gun­gen ab­ge­lehnt hat, wenn die Son­der­zah­lung aus­sch­ließlich dem Aus­gleich von Nach­tei­len der Grup­pe von Ar­beit­neh­mern dient, die be­reit war, mit dem Ar­beit­ge­ber für sie ungüns­ti­ge­re Ar­beits­be­din­gun­gen zu ver­ein­ba­ren (BAG 1. April 2009 - 10 AZR 353/08 -; 30. Ju­li 2008 - 10 AZR 497/07 - EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 17; 26. Sep­tem­ber 2007 - 10 AZR 569/06 - AP BGB § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 205 = EzA BGB 2002 § 242 Gleich­be­hand­lung Nr. 13).


5. Der Ein­wand der Be­klag­ten, zwi­schen der Wei­ge­rung des Klägers, ei­nen Ände­rungs­ver­trag zu ak­zep­tie­ren, und der den „Mehr­leis­tern“ gewähr­ten Son­der­zah­lung be­ste­he kei­ner­lei Zu­sam­men­hang, hilft ihr nicht wei­ter. Mit die­sem Vor­brin­gen setzt sich die Be­klag­te in Wi­der­spruch zu ih­rem Schrei­ben vom 21. De­zem­ber 2005. In die­sem Schrei­ben hat sie al­len Mit­ar­bei­tern, die mit ihr Zu­satz­verträge ab­ge­schlos­sen hat­ten und sich am 31. De­zem­ber 2005 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis be­fin­den, die Son­der­zah­lung zu­ge­sagt. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers war am Stich­tag nicht gekündigt. Hätte er die geänder­ten Ar­beits­be­din­gun­gen ak­zep­tiert und den Zu­satz­ver­trag un­ter­zeich­net, hätte er al­le von der Be­klag­ten im Schrei­ben vom 21. De­zem­ber 2005 auf­ge­stell­ten An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen für die Son­der­zah­lung erfüllt. Die Wei­ge­rung des Klägers, den Zu­satz­ver­trag zu un­ter­schrei­ben, war so­mit die al­lei­ni­ge Ur­sa­che dafür, dass ihm die Be­klag­te die Son­der­zah­lung vor­ent­hal­ten hat.
 


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6. Ent­ge­gen der An­sicht der Be­klag­ten recht­fer­ti­gen die Grundsätze, von de­nen der Se­nat in sei­ner Ent­schei­dung vom 14. Fe­bru­ar 2007 (- 10 AZR 181/06 - AP BGB § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on Nr. 264 = EzA BGB 2002 § 611 Gra­ti­fi­ka­ti­on, Prämie Nr. 20) aus­ge­gan­gen ist, ih­re Grup­pen­bil­dung nicht. Je­ne Ent­schei­dung be­traf ei­nen völlig an­de­ren Sach­ver­halt. Im Ge­gen­satz zur Be­klag­ten hat­te die dor­ti­ge Ar­beit­ge­be­rin nicht zwi­schen „be­son­ders wert­vol­len Ar­beit­neh­mern“, die ungüns­ti­ge­re Ar­beits­be­din­gun­gen ak­zep­tiert hat­ten, und „we­ni­ger wert­vol­len Ar­beit­neh­mern“ dif­fe­ren­ziert, die ei­ne Ände­rung ih­rer Ar­beits­verträge ab­ge­lehnt hat­ten. Es ging viel­mehr um die vom Se­nat be­jah­te Fra­ge, ob es sach­lich ge­recht­fer­tigt ist, wenn ein Ar­beit­ge­ber ei­ne Son­der­zah­lung, die ei­ne zusätz­li­che Mo­ti­va­ti­on der Ar­beit­neh­mer be­zweckt, vom Fort­be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängig macht.


Dr. Frei­tag 

Mar­quardt 

Brühler

Ru­dolph 

Alex

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