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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Sozialplan, Personalabbau , Betriebsänderung
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 10 TaBV 143/08
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 06.03.2009
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Herford, Beschluss vom 8.08.2008, 1 BV 31/07
   

10 TaBV 143/08

1 BV 31/07 Ar­beits­ge­richt Her­ford

 

Verkündet am 06.03.2009

Neu­ge­bau­er Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Be­schluss

In dem Be­schluss­ver­fah­ren

mit den Be­tei­lig­ten

hat die 10. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Anhörung vom 06.03.2009
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Schier­baum
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Volk­mann und Gn­i­da

be­schlos­sen:

 

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Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Her­ford vom 08.08.2008 – 1 BV 31/07 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de wird nicht zu­ge­las­sen.

Gründe:

A

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit ei­ner Ar­beit­ge­ber­maßnah­me.

Die Ar­beit­ge­be­rin ist ein Un­ter­neh­men, in dem Staub­sau­ger­beu­tel her­ge­stellt wer­den. Im Werk S1 wa­ren früher ca. 186 Mit­ar­bei­ter beschäftigt.
Im Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in S1 ist ein Be­triebs­rat ge­bil­det.

Be­reits im Jah­re 2006 kam es anläss­lich ei­ner ge­plan­ten Ände­rung der Pro­duk­ti­ons­an­la­gen und des da­mit ver­bun­de­nen Per­so­nal­ab­baus zu ei­nem In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan vom 20.09.2006 (Bl. 6 ff. d.A.). Im In­ter­es­sen­aus­gleich wur­de fest­ge­legt, dass auf­grund der Um­stel­lung der Ma­schi­nen auf das so­ge­nann­te Mi­cropur­vo­lu­menvlies-Ver­fah­ren (MPVV) ein Ar­beits­platz­ab­bau von ins­ge­samt 90 Ar­beitsplätzen er­fol­gen soll­te. Die­se 90 Ar­beitsplätze sind in den Zif­fern 4.1 bis 4.8 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 im Ein­zel­nen auf­geführt.

In Zif­fer 4.2 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 war darüber hin­aus fol­gen­de Re­ge­lung ge­trof­fen wor­den:

„So­weit auf Grund ei­nes noch zu er­ar­bei­ten­den Kon­zepts 2 wei­te­re Ar­beitsplätze ent­fal­len, ver­rin­gert sich die Zahl der Pro­duk­ti­ons­hel­fer Ent­kal­ker auf 5; es be­steht in­so­weit Ei­nig­keit, dass die da­her aus­schei­den­den Ar­beit­neh­mer un­ter den we­gen der vor­lie­gen­den Be­triebsände­rung ab­ge­schlos­se­nen So­zi­al­plan vom 20.09.2006 fal­len."

 

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Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs enthält fol­gen­de Re­ge­lung:

„Die Zahl der ver­blei­ben­den Ar­beitsplätze nach Zif­fern 4.1. und 4.2. steht al­ler­dings un­ter dem Vor­be­halt ei­ner Vo­lu­me­n­an­nah­me ab­seh­bar in 2007 von 80 Mio. Beu­teln im MPVV-Be­reich. Soll­te sich die­se An­nah­me nicht erfüllen, sind wei­te­re Ar­beitsplätze gefähr­det. So­weit ein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau in der Größen­ord­nung ei­ner Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Be­trVG bis zum 31.12.2007 da­mit ver­bun­den ist, be­darf die Maßnah­me der er­neu­ten Be­tei­li­gung des Be­triebs­ra­tes. So­weit der wei­te­re Per­so­nal­ab­bau nicht in der Größen­ord­nung ei­ner Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Be­trVG er­folgt, wer­den die bis zum 31.12.2007 durch ei­nen Kündi­gungs­aus­spruch be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer nach den Re­ge­lun­gen des So­zi­al­plans vom 20.09.2006 be­han­delt."

Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs lau­tet wie folgt:

„Die Be­triebs­par­tei­en sind sich darüber ei­nig, dass durch die­sen In­ter­es­sen­aus­gleich die ge­plan­te Be­triebsände­rung im Sin­ne der §§ 111, 112 Ab­satz 1 Satz 1 Be­trVG ab­sch­ließend ge­re­gelt ist."

Im Lau­fe des Jah­res 2007 zeich­ne­te sich ab, dass statt der an­ge­nom­me­nen 80 Mio. Beu­tel im MPVV-Be­reich für das Jahr 2007 le­dig­lich von ei­nem Vo­lu­men von 57,5 Mio. Vlies­beu­teln in der Ei­gen­fer­ti­gung aus­ge­gan­gen wer­den konn­te.
Die Ar­beit­ge­be­rin stell­te dar­auf­hin im Herbst 2007 ei­ne neue Pla­nung auf, nach der ein Ab­bau von wei­te­ren 18 Voll­zeit­ar­beitsplätzen vor­ge­se­hen war. Hier­zu teil­te sie dem Be­triebs­rat am 27.09.2007 mit, dass wei­te­re 17,5 Voll­zeit­ar­beitsplätze mit 18 be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mern ab­ge­baut wer­den müss­ten. In der Fol­ge­zeit wur­de dem Be­triebs­rat ei­ne vom 16.10.2007 da­tie­ren­de Erläute­rung zum Per­so­nal­ab­bau PVG (Bl. 24 ff. d.A.) vor­ge­legt. Im Ver­lauf der Ver­hand­lun­gen zwi­schen den Be­triebs­par­tei­en vom 18.10.2007, 05. und 14.11.2007 leg­te der Be­triebs­rat der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Ge­gen­rech­nung zum Per­so­nal­ab­bau vor (Bl. 62 ff. d.A.). Die Fra­ge der Not­wen­dig­keit und des Um­fangs wei­te­rer Ent­las­sun­gen wur­de zwi­schen den Be­triebs­be­tei­lig­ten kon­tro­vers dis­ku­tiert eben­so wie die Fra­ge, ob die ge­plan­te Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me er­neut so­zi­al­plan­pflich­tig sei. Mit Schrei­ben vom 20.11.2007 teil­te der Be­triebs­rat der Ar­beit­ge­be­rin mit, dass er den Be­schluss ge­fasst ha­be, ei­nen ex­ter­nen Sach­verständi­gen hin­zu­zu­zie­hen, weil die von der Ar­beit­ge­be­rin vor­ge­leg­ten Be­rech­nun­gen nicht nach­voll­zieh­bar sei­en. Dies lehn­te die Ar­beit­ge­be­rin mit Schrei­ben vom 22.11.2007 ab und erklärte die Ver­hand­lun­gen für ge­schei­tert.
Mit ei­nem am 26.11.2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen An­trag be­gehr­te die Ar­beit­ge­be­rin die Be­stel­lung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zum Zwe­cke der Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich – Ar­beits­ge­richt Her­ford 1 BV 33/07 –. Der Be­triebs­rat ver­lang­te

 

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in die­sem Ver­fah­ren hilfs­wei­se die Ein­rich­tung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan. Durch Be­schluss vom 21.12.2007 setz­te das Ar­beits­ge­richt ei­ne Ei­ni­gungs­stel­le so­wohl für ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich wie auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan ein. Auf die da­ge­gen von bei­den Be­tei­lig­ten ein­ge­leg­te Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt wur­de der Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Her­ford vom 21.12.2007 durch Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 29.02.2008 – 13 TaBV 6/08 – teil­wei­se ab­geändert und die Ei­ni­gungs­stel­le nur für den ab­zu­sch­ließen­den In­ter­es­sen­aus­gleich ein­ge­rich­tet. Die von der Ar­beit­ge­be­rin ein­ge­leg­te Be­schwer­de we­gen der Ein­set­zung der Ei­ni­gungs­stel­le auch für ei­nen ab­zu­sch­ließen­den So­zi­al­plan war in­so­weit er­folg­reich. Auf den Be­schluss des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm vom 29.02.2008 – 13 TaBV 6/08 – (Bl. 65 ff. d.A.) wird Be­zug ge­nom­men.

Mit dem be­reits am 21.11.2007 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­lei­te­ten Be­schluss­ver­fah­ren mach­te der Be­triebs­rat fer­ner die Fest­stel­lung der So­zi­al­plan­pflich­tig­keit für die ge­plan­te Ent­las­sung von 18 Ar­beit­neh­mern gel­tend.

Der Be­triebs­rat hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge Maßnah­me sei so­zi­al­plan­pflich­tig im Sin­ne des § 112 a Be­trVG. Die Zahl der be­ab­sich­tig­ten Ent­las­sun­gen ma­che 20 % der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer aus. Im Be­trieb sei­en nämlich le­dig­lich noch 91 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. Darüber hin­aus sei bei der Er­mitt­lung der Pro­zent­zahl nicht nur von dem Ab­bau von wei­te­ren 18 Ar­beitsplätzen aus­zu­ge­hen. Viel­mehr sei­en die auf­grund des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans vom 20.09.2006 er­folg­ten Ent­las­sun­gen mit­zu­rech­nen. Bei bei­den Ent­las­sungs­wel­len han­de­le es sich um ei­ne ein­heit­li­che Maßnah­me, die le­dig­lich suk­zes­si­ve durch­geführt wor­den sei. Dies er­ge­be sich schon dar­aus, dass wei­te­re Ent­las­sun­gen be­reits in Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 in Rech­nung ge­stellt wor­den sei­en. In­so­weit ha­be es sich um ei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung ge­han­delt. An den da­mals zu­grun­de ge­leg­ten Vor­ga­ben und be­trieb­li­chen Umständen, die die Ent­las­sungs­wel­len be­gründet hätten, hätten sich kei­ne wei­te­ren Ände­run­gen er­ge­ben. Dass es sich um ei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung ge­han­delt ha­be, er­ge­be sich auch aus Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006, wo­nach die Be­triebsände­rung ab­sch­ließend ge­re­gelt sei; die­se Be­stim­mung be­zie­he sich nur auf ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich und nicht auf ei­nen So­zi­al­plan.
Im Übri­gen er­ge­be sich die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit nach § 112 a Abs. 1 Be­trVG un­abhängig von der Zahl der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter auch dar­aus, dass zu­gleich or­ga­ni­sa­to­ri­sche Maßnah­men er­grif­fen wer­den soll­ten, die die bis­he­ri­gen Ar­beits­abläufe ändern würden. Da­zu soll­ten nach den sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin über­reich­ten Erläute­run­gen vom 16.10.2007 die Tätig­kei­ten bei den Lo­gis­ti­kern kon­zen­triert wer­den. Der so­ge­nann­te „Beck-Pa­cker" und der

 

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„Jo­ker" sol­le künf­tig von ei­nem sonst am Pa­cker beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ge­fah­ren wer­den, schließlich soll­ten im Be­reich der Ent­kal­ker neu an­zu­schaf­fen­de Ma­schi­nen durch ei­nen Ma­schi­nenführer be­dient wer­den.

Der Be­triebs­rat hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, anläss­lich der be­ab­sich­tig­ten Ent­las­sung von 18 Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­neh­me­rin­nen mit dem Be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plan ab­zu­sch­ließen.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat be­an­tragt,

den An­trag ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der nun­mehr be­ab­sich­tig­te Per­so­nal­ab­bau be­gründe ei­ne neue So­zi­al­plan­pflich­tig­keit nicht. Selbst bei 93/94 Mit­ar­bei­tern sei die Quo­te von 20 % der Be­leg­schaft bei der Ent­las­sung von 18 Mit­ar­bei­tern nicht er­reicht. Auf­grund an­der­wei­ti­gen Aus­schei­dens von zwei Mit­ar­bei­tern würden im Übri­gen al­lein noch 16 Ent­las­sun­gen not­wen­dig sein. Darüber hin­aus sei­en im Rah­men der letzt­lich ge­schei­ter­ten Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich wei­te­re fünf Ar­beit­neh­mer aus dem Be­trieb aus­ge­schie­den.

Die Ar­beit­ge­be­rin hat fer­ner die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit auf­grund der Zahl der Ent­las­sun­gen er­ge­be sich auch nicht dar­aus, dass die dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 zu­grun­de lie­gen­den Ent­las­sun­gen mit zu berück­sich­ti­gen sei­en. Die auf dem In­ter­es­sen­aus­gleich be­ru­hen­den Ent­las­sun­gen und die nun­mehr im Jah­re 2007 ge­plan­ten Ent­las­sun­gen stell­ten kei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Maßnah­me dar, sie be­ruh­ten nicht auf ei­ner ein­heit­li­chen Pla­nung. Das er­ge­be sich auch nicht aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006. Ei­ne ein­heit­li­che Pla­nung mit der Fol­ge der An­nah­me ei­ner le­dig­lich suk­zes­si­ven Durchführung ei­ner ein­heit­li­chen Maßnah­me könne nur dann an­ge­nom­men wer­den, wenn be­reits sei­ner­zeit die Not­wen­dig­keit und auch der Um­fang der wei­te­ren Ent­las­sun­gen zah­lenmäßig fest­ge­stan­den hätte. Das sei aber nicht der Fall. Viel­mehr ha­be es sich dies­bezüglich um neue Über­le­gun­gen im Lau­fe des Jah­res 2007 ge­han­delt; erst im Som­mer 2007, nach­dem fest­ge­stan­den ha­be, dass die dem In­ter­es­sen­aus­gleich zu­grun­de ge­leg­te Vo­lu­me­n­an­nah­me von 80 Mio. Beu­teln im MPV-Be­reich nicht er­reicht wer­den würde, sei sei­tens der Ar­beit­ge­be­rin ei­ne neue Pla­nung er­folgt. In Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 sei le­dig­lich ein Vor­be­halt ge­macht

 

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wor­den, wo­nach wei­te­re kon­kre­te Schrit­te not­wen­dig wer­den könn­ten. Die­ser Vor­be­halt stel­le noch kei­ne Pla­nung im Sin­ne des § 111 Satz 1 Be­trVG dar. Der In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2009 ha­be nur den Per­so­nal­ab­bau bis zum 31.12.2007 be­trof­fen. Aus der Pla­nungsüber­sicht vom 16.10.2007 er­ge­be sich auch, dass die Kal­ku­la­ti­on im Be­reich der „Ent­kal­ker" auf­grund ei­ner Neu­an­schaf­fung ei­ner Ma­schi­ne er­folgt sei.

Darüber hin­aus hat die Ar­beit­ge­be­rin die Auf­fas­sung ver­tre­ten, es lie­ge auch un­abhängig von der Zahl der Ent­las­sun­gen kei­ne Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG vor. Die or­ga­ni­sa­to­ri­schen Ände­run­gen, die sich hin­sicht­lich der Abläufe in den ein­zel­nen Ab­tei­lun­gen ergäben, sei­en im We­sent­li­chen nur die Fol­ge der ge­plan­ten Ent­las­sun­gen, sie be­ruh­ten auf der da­durch not­wen­di­gen Um­ver­tei­lung der Ar­bei­ten. Ei­ne grund­le­gen­de Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on oder von Be­triebs­an­la­gen stel­le dies nicht dar.

Das im Lau­fe des erst­in­stanz­li­chen Ver­fah­rens durch­geführ­te Ei­ni­gungs­stel­len­ver­fah­ren führ­te da­zu, dass die Ei­ni­gungs­stel­le die Ver­hand­lun­gen am 14.04.2008 für ge­schei­tert erklärt hat (Bl. 105 ff. d.A.). Die Ar­beit­ge­be­rin be­gann dar­auf­hin mit dem Aus­spruch von Kündi­gun­gen.

Durch Be­schluss vom 08.08.2008 hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag des Be­triebs­rats ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung aus­geführt, die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­te Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me sei nicht nach § 112 a Abs. 1 Satz 2 Be­trVG so­zi­al­plan­pflich­tig, weil nicht 20 % der in der Re­gel beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer von die­ser Ent­las­sungs­wel­le be­trof­fen sei­en. Bei der Be­rech­nung sei­en die auf­grund des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans vom 20.09.2006 durch­geführ­ten Ent­las­sun­gen nicht mit zu berück­sich­ti­gen. In­so­weit ha­be es sich nicht um ei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung und auch nicht um ei­ne ein­heit­li­che Maßnah­me ge­han­delt. Dies er­ge­be sich auch nicht aus Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 sei die An­zahl wei­te­rer not­wen­di­ger Ent­las­sun­gen noch völlig of­fen ge­we­sen. In Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs sei le­dig­lich von ei­ner Gefähr­dung wei­te­rer Ar­beitsplätze die Re­de ge­we­sen, die An­zahl der wei­te­ren Ent­las­sun­gen sei noch völlig un­ge­wiss ge­we­sen, hier­zu sei ei­ne er­neu­te Pla­nung er­for­der­lich ge­we­sen. Darüber hin­aus ha­be es sich bei der In­ter­es­sen­aus­gleichs­re­ge­lung nach Zif­fer 10.1 auch um ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung ge­han­delt. Aus dem dem Be­triebs­rat vor­ge­leg­ten ar­beit­ge­ber­sei­ti­gen Schrei­ben vom 16.10.2007 er­ge­be sich, dass nicht nur ei­ne zwei­te Ent­las­sungs­wel­le schlicht um­ge­setzt wor­den sei, son­dern dass auf­grund neu­er Kal­ku­la­tio­nen über ei­nen wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau neu ent­schie­den wer­den müsse. Auch der

 

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zeit­li­che Ab­stand zwi­schen den Per­so­nal­ab­bau­maßnah­men spre­che dafür, dass der jet­zi­gen Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me kei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung zu­grun­de ge­le­gen ha­be. Sch­ließlich ergäben auch die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­ten wei­te­ren or­ga­ni­sa­to­ri­schen Maßnah­men nicht, dass die Maßnah­me ins­ge­samt nach § 111 Satz 3 Be­trVG so­zi­al­plan­pflich­tig sei. Die ge­plan­ten Ände­run­gen stell­ten kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on oder der Be­triebs­an­la­gen dar.

Ge­gen den dem Be­triebs­rat am 28.08.2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss, auf des­sen Gründe ergänzend Be­zug ge­nom­men wird, hat der Be­triebs­rat am 23.09.2008 Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­schwer­de­be­gründungs­frist bis zum 28.11.2008 mit dem am 28.11.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ist der Be­triebs­rat nach wie vor der Auf­fas­sung, dass es sich bei der ge­plan­ten Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me um ei­ne so­zi­al­plan­pflich­ti­ge Maßnah­me han­de­le. Ins­be­son­de­re in der Be­ur­tei­lung, dass der ge­plan­ten Maßnah­me kei­ne ein­heit­li­che un­ter­neh­me­ri­sche Pla­nung zu­grun­de lie­ge, könne dem Ar­beits­ge­richt nicht ge­folgt wer­den. Der Um­fang der Ent­las­sun­gen ha­be auf­grund der Min­der­pro­duk­ti­on im Jah­re 2007 auf­grund der Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 be­reits fest­ge­stan­den. Das Ar­beits­ge­richt müsse sich ent­ge­gen­hal­ten las­sen, dass das Aus­maß der in der zwei­ten Wel­le von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­ten Per­so­nal­re­du­zie­rung ge­nau dem pro­zen­tua­len An­teil der Min­der­pro­duk­ti­on ent­spre­che.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be zu­dem die Fra­ge der „in der Re­gel" Beschäftig­ten nicht hin­rei­chend gewürdigt. Es hätte auch ab­seh­ba­re Ent­wick­lun­gen in der Zu­kunft so­wie in der Ver­gan­gen­heit berück­sich­ti­gen müssen. Be­reits aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 er­ge­be sich, dass die Zahl der Beschäftig­ten sich wei­ter nach un­ten be­we­gen wer­de. Dar­aus fol­ge, dass die Zahl der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer nied­ri­ger an­zu­set­zen sei, als dies das Ar­beits­ge­richt ge­tan ha­be. An­ge­sichts der Tat­sa­che, dass die von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­te Ent­las­sung von 18 Per­so­nen sich rech­ne­risch äußerst knapp un­ter­halb der von § 112 a Be­trVG ge­zo­ge­nen Gren­ze be­we­ge, müsse von der So­zi­al­plan­pflich­tig­keit der Maßnah­me aus­ge­gan­gen wer­den. Von den von der Ar­beit­ge­be­rin zu­grun­de ge­leg­ten 93/94 Mit­ar­bei­tern müss­ten oh­ne­hin noch zwei Mit­ar­bei­ter ab­ge­zo­gen wer­den, die im Ent­kal­ker­be­reich ab­ge­baut wer­den müss­ten.

Der Be­triebs­rat ist fer­ner der Auf­fas­sung, dass an­ge­sichts der in­zwi­schen aus­ge­spro­che­nen 11 be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen, von de­nen neun Kündi­gungs­schutz­kla­ge er­ho­ben hätten, die mit ei­nem beim Ar­beits­ge­richt ab­ge­schlos­se­nen Ab­fin­dungs­ver­gleich ge­en­det

 

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hätten, min­des­tens fest­zu­stel­len sei, dass dem Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht hin­sicht­lich der Ver­tei­lung des an die Mit­ar­bei­ter ge­zahl­ten Ab­fin­dungs­vo­lu­mens zu­ste­he. Die Ar­beit­ge­be­rin ha­be of­fen­bar in je­dem Ein­zel­fall die an­ge­bo­te­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung nach­ge­bes­sert. Min­des­tens sei in­so­weit das Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG ver­letzt wor­den.

Der Be­triebs­rat be­an­tragt,

den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Her­ford vom 08.08.2008 – 1 BV 31/07 – ab­zuändern und

fest­zu­stel­len, dass die Ar­beit­ge­be­rin ver­pflich­tet ist, anläss­lich der be­ab­sich­tig­ten Ent­las­sun­gen von 18 Ar­beit­neh­mern und Ar­beit­neh­me­rin­nen mit dem Be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plan ab­zu­sch­ließen,

hilfs­wei­se fest­zu­stel­len,

dass dem Be­triebs­rat ein Mit­be­stim­mungs­recht hin­sicht­lich der Ver­tei­lung des an die Mit­ar­bei­ter/-in­nen tatsächlich ge­zahl­ten Ab­fin­dungs­vo­lu­mens zu­steht.

Die Ar­beit­ge­be­rin be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt den an­ge­foch­te­nen Be­schluss und ist nach wie vor der Auf­fas­sung, dass den Ent­las­sungs­wel­len aus den Jah­ren 2006 und 2007 kei­ne ein­heit­li­che Per­so­nal­maßnah­me zu­grun­de lie­ge. Dies er­ge­be sich schon aus § 4 Ziff. 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006. Die­se Re­ge­lung be­ant­wor­te we­der die Fra­ge, ob wei­te­re Ent­las­sun­gen not­wen­dig sei­en noch die Fra­ge, in wel­cher An­zahl die­se Ent­las­sun­gen un­ter Umständen aus­zu­spre­chen wären. Von ei­ner ein­heit­li­chen Pla­nungs­ent­schei­dung könne kei­ne Re­de sein. Aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich er­ge­be sich viel­mehr, dass die Be­tei­lig­ten in neue Ver­hand­lun­gen ein­tre­ten woll­ten, wenn der Schwel­len­wert von 80 Mio. Vlies­beu­teln un­ter­schrit­ten wer­de. Die im In­ter­es­sen­aus­gleich zu­grun­de ge­leg­te Re­ge­lung sei im Übri­gen auf den Zeit­raum bis zum 31.12.2007 be­grenzt wor­den. Die nun­mehr zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­ti­ge Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me sei erst im Jah­re 2008 durch­geführt wor­den.

 

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Die Kal­ku­la­ti­on der Ar­beit­ge­be­rin im Be­reich der Ent­kal­ker sei im Übri­gen auf­grund der Neu­an­schaf­fung ei­ner Ma­schi­ne er­folgt.
Das Ar­beits­ge­richt ha­be auch zu­tref­fend ent­schie­den, dass die im Sep­tem­ber 2006 ge­plan­te Be­triebsände­rung durch den am 20.09.2006 ab­ge­schlos­se­nen In­ter­es­sen­aus­gleich ab­sch­ließend ge­re­gelt sei. Dies er­ge­be sich aus Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs.
Sch­ließlich er­ge­be sich die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit auch nicht aus den ge­plan­ten Or­ga­ni­sa­ti­onsände­run­gen. Die­se Ände­run­gen stell­ten kei­ne grund­le­gen­de Ände­rung der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on dar, son­dern sei­en le­dig­lich die Fol­ge der Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me.

Auch ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG hin­sicht­lich der ver­gleichs­wei­se ge­zahl­ten Ab­fin­dun­gen an die aus­ge­schie­de­nen Mit­ar­bei­ter sei nicht ge­ge­ben. Bei den Zah­lun­gen von Ab­fin­dun­gen für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes han­de­le es sich nicht um Fra­gen der be­trieb­li­chen Lohn­ge­stal­tung.

Im Übri­gen wird auf den wei­te­ren In­halt der von den Be­tei­lig­ten ge­wech­sel­ten Schriftsätze ergänzend Be­zug ge­nom­men.

B

Die zulässi­ge Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist nicht be­gründet.

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt den Fest­stel­lungs­an­trag des Be­triebs­rats als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Auch der im Be­schwer­de­ver­fah­ren ge­stell­te Hilfs­an­trag des Be­triebs­rats ist nicht be­gründet.

I.

Die Anträge des Be­triebs­rats sind zulässig.

1. Das gewähl­te Be­schluss­ver­fah­ren ist nach den §§ 2 a, 80 Abs. 1 ArbGG die rich­ti­ge Ver­fah­rens­art, da zwi­schen den Be­tei­lig­ten ei­ne be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che An­ge­le­gen­heit, nämlich das Be­ste­hen von Mit­be­stim­mungs­rech­ten nach den §§ 111, 112 Be­trVG bzw. nach § 87 Abs. 1 Be­trVG strei­tig ist.

 

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2. Die An­trags­be­fug­nis des Be­triebs­rats und die Be­tei­li­gung der Ar­beit­ge­be­rin er­ge­ben sich aus den §§ 10, 83 Abs. 3 ArbGG.

3. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se er­gibt sich aus § 256 ZPO. Nach ständi­ger Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts Ge­gen­stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags sein. Nach dem auch im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren gel­ten­den § 256 ZPO ist das er­for­der­li­che Rechts­schutz­in­ter­es­se re­gelmäßig ge­ge­ben, wenn der Ar­beit­ge­ber ein Mit­be­stim­mungs­recht des Be­triebs­rats be­strei­tet oder sich der Be­triebs­rat ei­nes sol­chen Mit­be­stim­mungs­rechts ernst­haft berühmt. Ein Streit der Be­triebs­par­tei­en darüber, ob die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Ver­tre­tung der Ar­beit­neh­mer in ei­ner be­stimm­ten An­ge­le­gen­heit ein Mit­be­stim­mungs­recht hat, kann mit ei­nem Fest­stel­lungs­an­trag zur ge­richt­li­chen Ent­schei­dung ge­stellt wer­den. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se folgt in al­ler Re­gel dar­aus, dass der Ar­beit­ge­ber das Be­ste­hen ei­nes Mit­be­stim­mungs­rechts in Ab­re­de stellt und des­halb da­von ab­sieht, ei­ne mit­be­stimm­te Re­ge­lung zu tref­fen (BAG, 13.10.1987 - 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7; BAG, 11.06.2002 – 1 ABR 44/01 – AP ZPO 1977 § 256 Nr. 70; BAG, 27.01.2004 – 1 ABR 5/03 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 56; BAG, 15.04.2008 – 1 ABR 44/07 – AP Be­trVG 1972 § 80 Nr. 70 m.w.N.).
Ein sol­ches Fest­stel­lungs­ver­fah­ren ist auch als so­ge­nann­tes Vor­ab­ent­schei­dungs­ver­fah­ren be­reits vor ei­nem Spruch ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le zur Re­ge­lung der be­tref­fen­den An­ge­le­gen­heit zulässig. Es steht auch der Durchführung des Ver­fah­rens auf Be­stel­lung ei­ner Ei­ni­gungs­stel­le nach § 98 ArbGG und dem Ver­fah­ren vor der Ei­ni­gungs­stel­le selbst nicht ent­ge­gen (BAG, 06.12.1983 – 1 ABR 43/81 – AP Be­trVG 1972 § 87 Über­wa­chung Nr. 7; BAG, 13.10.1987 – 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7).

Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se entfällt im vor­lie­gen­den Fall auch nicht des­halb, weil die strei­ti­ge Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me im We­sent­li­chen be­reits durch­geführt ist. Der Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans ist nämlich auch noch nach der Durchführung der Be­triebsände­rung möglich (BAG, 20.04.1982 – 1 ABR 3/80 – AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 15; BAG, 15.10.1979 – 1 ABR 49/77 – AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 5; BAG, 28.03.2006 – 1 ABR 5/05 – AP Be­trVG 1972 § 112 a Nr. 12; Fit­ting/En­gels/Schmidt/Tre­bin­ger/Lin­sen­mai­er, Be­trVG, 24. Aufl., § 112 Rn. 98; Däubler/Kitt­ner/Kle­be, Be­trVG, 11. Aufl., § 112 Rn. 26; GK/Oet­ker, Be­trVG, 8. Aufl., § 112 Rn. 106 m.w.N.).

 

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Die glei­chen Erwägun­gen tref­fen auf den in der Be­schwer­de­instanz erst­mals ge­stell­ten Hilfs­an­trag zu. Auch ein Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Be­trVG kann zum Ge­gen-stand ei­nes Fest­stel­lungs­an­trags im Be­schluss­ver­fah­ren ge­macht wer­den.

4. Sch­ließlich sind die Anträge des Be­triebs­rats auch hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Hier­nach muss auch im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren der Ver­fah­rens­ge­gen­stand so ge­nau be­zeich­net wer­den, dass die ei­gent­li­che Streit­fra­ge zwi­schen den Be­tei­lig­ten mit Rechts­kraft­wir­kung ent­schie­den wer­den kann (BAG, 13.10.1987 – 1 ABR 53/86 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 7; BAG, 03.05.2006 – 1 ABR 63/04 – AP ArbGG 1979 § 81 Nr. 61 m.w.N.).
Der Be­triebs­rat hat mit sei­nen Fest­stel­lungs­anträgen kon­kret die­je­ni­ge An­ge­le­gen­heit be­zeich­net, für die er ein Mit­be­stim­mungs­recht in An­spruch nimmt. So­weit sich der Be­triebs­rat in sei­nem Haupt­an­trag auf „be­ab­sich­tig­te" Ent­las­sun­gen be­zieht, ist auf­grund der Erörte­run­gen zwi­schen den Be­tei­lig­ten im Anhörungs­ter­min vom 06.03.2009 klar­ge­stellt wor­den, um wel­che Ent­las­sun­gen es geht. Der Be­triebs­rat hat zu­dem in der Be­schwer­de­be­gründung vom 28.11.2008 die durch­geführ­ten Ent­las­sun­gen na­ment­lich be­zeich­net.

II.

Die Be­schwer­de des Be­triebs­rats ist je­doch ins­ge­samt un­be­gründet.

1. Dem Haupt­an­trag des Be­triebs­rats konn­te nicht statt­ge­ge­ben wer­den, weil die zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­ti­ge Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me nicht so­zi­al­plan­pflich­tig ist. Dies hat das Ar­beits­ge­richt in dem an­ge­foch­te­nen Be­schluss zu­tref­fend er­kannt und rich­tig gewürdigt.

a) Die im Ok­to­ber 2007 von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plan­te Ent­las­sung von 18 Ar­beit­neh­mern war nicht nach § 112 a Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG so­zi­al­plan­pflich­tig.

Hier­nach ist ein So­zi­al­plan bei bloßem Per­so­nal­ab­bau nur dann er­zwing­bar, wenn ei­ne ge­plan­te Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Nr. 1 Be­trVG al­lein in der Ent­las­sung von Ar­beit­neh­mern be­steht und in Be­trie­ben mit in der Re­gel min­des­tens 60 und we­ni­ger als 250 Ar­beit­neh­mern 20 % der re­gelmäßig beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer oder min­des­tens 37 Ar­beit­neh­mer aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ent­las­sen wer­den sol­len. Die­se Vor­aus­set­zun­gen des § 112 a Abs. 1 Nr. 2 Be­trVG lie­gen nicht vor.

 

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aa) Dass die Ar­beit­ge­be­rin ei­ne Be­triebsände­rung in der Form der Ent­las­sung von 18 Ar­beit­neh­mern im Ok­to­ber 2007 ge­plant hat, ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten un­strei­tig.
Zu die­sem Zeit­punkt wa­ren in dem Be­trieb der Ar­beit­ge­be­rin in S1 je­doch le­dig­lich 93/94 Mit­ar­bei­ter beschäftigt. 18 Mit­ar­bei­ter von 93/94 Mit­ar­bei­ter ma­chen aber le­dig­lich ei­nen Pro­zent­an­teil von 19,35 % aus. Ein So­zi­al­plan wäre erst er­zwing­bar ge­we­sen, wenn die Ar­beit­ge­be­rin 20 % der re­gelmäßig Beschäftig­ten von 93/94 Mit­ar­bei­tern aus be­triebs­be­ding­ten Gründen hätte ent­las­sen wol­len. Die­ser Schwel­len­wert ist nicht er­reicht. Hin­zu kommt, dass un­ter den ge­plan­ten Ent­las­sun­gen von 18 Mit­ar­bei­tern zwei Mit­ar­bei­ter wa­ren, die nicht aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ent­las­sen wer­den soll­ten. In­so­weit blei­ben die Mit­ar­bei­ter außer Be­tracht, die aus – nicht nur vor­ge­scho­be­nen – Per­so­nen- oder ver­hal­tens­be­ding­ten Gründen gekündigt wer­den oder de­ren Ar­beits­verhält­nis un­abhängig von be­triebs­be­ding­ten Gründen in­fol­ge Frist­ab­lauf en­det (BAG, 02.08.1983 – 1 AZR 516/81 – AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 12; Fit­ting, a.a.O., § 111 Rn. 80 m.w.N.). Die Ar­beit­ge­be­rin hat erst­in­stanz­lich un­wi­der­spro­chen vor­ge­tra­gen, dass un­ter den 18 zu ent­las­sen­den Mit­ar­bei­tern zwei Mit­ar­bei­ter wa­ren, die nicht aus be­triebs­be­ding­ten Gründen ent­las­sen wer­den soll­ten. Ei­ne Mit­ar­bei­te­rin schied auf­grund ei­ner per­so­nen­be­ding­ten Kündi­gung aus Krank­heits­gründen mit dem 30.04.2008 aus dem Ar­beits­verhält­nis aus, ein an­de­rer Mit­ar­bei­ter ist nach Voll­endung des 65. Le­bens­jah­res mit dem 31.03.2008 al­ters­be­dingt aus­ge­schie­den.
Der Be­triebs­rat kann sich auch nicht dar­auf be­ru­fen, dass bei der Be­rech­nung der von der Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter von ei­ner ge­rin­ge­ren Beschäftig­ten­zahl als 93/94 Mit­ar­bei­tern aus­ge­gan­gen wer­den müsse. Zwar stellt auch § 112 a Abs. 1 Be­trVG auf die in der Re­gel beschäftig­ten Mit­ar­bei­ter ab. Maßge­bend ist da­nach die Zahl, die für den Be­trieb im All­ge­mei­nen maßge­bend ist (BAG, 16.11.2004 – 1 AZR 642/03 – AP Be­trVG 1972 § 111 Nr. 58). Dies er­for­dert aber im Fal­le der Be­triebs­still­le­gung bzw.-ein­schränkung ei­nen Rück­blick auf die bis­he­ri­ge Be­leg­schaftsstärke, die im Herbst 2007 un­wi­der­spro­chen bei 93/94 Mit­ar­bei­ter lag.

bb) Zu Recht ist das Ar­beits­ge­richt in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung auch da­von aus­ge­gan­gen, dass bei der Be­rech­nung der An­zahl der zu ent­las­sen­den Mit­ar­bei­ter die­je­ni­gen Ent­las­sun­gen, die auf­grund des In­ter­es­sen­aus­gleichs und So­zi­al­plans vom 20.09.2006 durch­geführt wor­den sind, nicht mit zu berück­sich­ti­gen wa­ren. Dies er­gibt sich aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006, ins­be­son­de­re aus Zif­fer 4.9.

Zwar kann ein sich über ei­nen länge­ren Zeit­raum hin­zie­hen­der Per­so­nal­ab­bau auf ei­ner ein­heit­li­chen un­ter­neh­me­ri­schen Pla­nung be­ru­hen. Ei­ne der­ar­ti­ge ein­heit­li­che Pla­nungs­ent­schei­dung kann auch ei­ne stu­fen­wei­se Durchführung von Ent­las­sun­gen

 

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vor­se­hen. Da­bei kann ein en­ger zeit­li­cher Zu­sam­men­hang zwi­schen meh­re­ren Ent­las­sungs­wel­len ein we­sent­li­ches In­diz für ei­ne von An­fang an ein­heit­li­che Pla­nung sein. Zwin­gend ist dies je­doch nicht. Ei­ne späte­re Ent­las­sungs­wel­le kann auch das Er­geb­nis ei­ner neu­en Pla­nung sein. Dies gilt ins­be­son­de­re, wenn nach der ers­ten Ent­las­sungs­wel­le neue, vom Ar­beit­ge­ber ursprüng­lich nicht vor­ge­se­he­ne und ein­ge­plan­te Umstände ein­ge­tre­ten sind. Wird der Ent­schluss zu wei­te­ren Ent­las­sun­gen erst nach Durchführung der ers­ten Maßnah­me ge­fasst, fin­det mit­be­stim­mungs­recht­lich kei­ne Zu­sam­men­rech­nung statt (BAG, 28.03.2006 – 1 ABR 5/05 – AP Be­trVG 1972 § 112 a Nr. 12; Fit­ting, a.a.O., § 112 Rn. 105 und § 111 Rn. 76; GK/Oet­ker, a.a.O., § 111 Rn. 74; Ho­hen­statt/Wil­lem­sen in: Hens­s­ler/Wil­lem­sen/Kalb, Ar­beits­recht Kom­men­tar, 3. Aufl., § 111 Be­trVG Rn. 28 m.w.N.).

Die Aus­le­gung des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 er­gibt, dass bei Ab­schluss die­ses In­ter­es­sen­aus­gleichs noch kei­ne Pla­nung ei­ner wei­te­ren Ent­las­sungs­maßnah­me im Um­fang von wei­te­ren 18 Mit­ar­bei­tern vor­ge­le­gen hat.
Der In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 sah ei­nen Per­so­nal­ab­bau von ins­ge­samt 90 Mit­ar­bei­tern vor. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 20.09.2006 stan­den die Umstände ei­nes wei­ter­ge­hen­den Per­so­nal­ab­baus, der sich erst im Herbst 2007 ab­zeich­ne­te, noch nicht fest. Zwar ist in Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs fest­ge­legt wor­den, dass die Zahl der ver­blei­ben­den Ar­beitsplätze un­ter dem Vor­be­halt ei­ner Vo­lu­me­n­an­nah­me von 80 Mio. Beu­teln im MPV-Be­reich ste­he; wei­ter ist auch von ei­ner Gefähr­dung wei­te­rer Ar­beitsplätze die Re­de. In wel­chem Um­fang wei­te­re Ar­beitsplätze ab­ge­baut wer­den muss­ten, ist aber im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 noch nicht, auch nicht in Zif­fer 4.9, aus­drück­lich ge­re­gelt. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs am 20.09.2007 stand nämlich die Auf­trags­ent­wick­lung für das Jahr 2007 und das sich aus den Auf­trägen er­ge­ben­de Fer­ti­gungs­vo­lu­men noch über­haupt nicht fest. Da­ge­gen spricht auch nicht, dass die Ar­beit­ge­be­rin, nach­dem die Vo­lu­menvlies­fer­ti­gung für das Jahr 2007 ab­seh­bar war, durch ei­ne neue Pla­nungs­ent­schei­dung im Herbst 2007 den Min­der­per­so­nal­be­darf an dem ver­rin­ger­ten Pro­duk­ti­ons­vo­lu­men aus­ge­rich­tet hat. Erst nach­dem die Ar­beit­ge­be­rin im Lau­fe des Jah­res 2007 das für die­ses Jahr er­reich­ba­re Vo­lu­men der Vlies­fer­ti­gung ab­se­hen konn­te, hat sie ei­ne er­neu­te Per­so­nal­re­du­zie­rung ge­plant. Dies er­gibt sich auch aus den dem Be­triebs­rat vor­ge­leg­ten Erläute­run­gen über den wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau (Bl. 24 f. d.A.). In­so­weit sind im Lau­fe des Jah­res 2007 neue, zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2007 noch nicht ab­seh­ba­re und noch nicht ein­ge­plan­te Umstände ein­ge­tre­ten, die die Ar­beit­ge­be­rin ver­an­lasst ha­ben, in ei­ne neue Pla­nung über ei­nen wei­te­ren Per­so­nal­ab­bau ein­zu­tre­ten. Dass die im Jah­re 2006 zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs avi­sier­te Men­ge für die Vo­lu­menvlies­fer­ti­gung von 80 Mio. Beu­teln im Jah­re 2007 nicht ein­tre­ten würde und bis zum

 

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En­de des Jah­res 2007 auch nicht zu er­rei­chen war, war für die Ar­beit­ge­be­rin erst im Lau­fe des Jah­res 2007 vor­her­seh­bar. Erst im Herbst 2007 ist sie in ei­ne neue Pla­nung über ei­ne wei­ter­ge­hen­de Per­so­nal­re­du­zie­rung ein­ge­tre­ten. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 lag ei­ne der­ar­ti­ge Pla­nung noch nicht vor.
Be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­che Pflich­ten des Ar­beit­ge­bers nach den §§ 111, 112 Be­trVG wer­den erst durch kon­kre­te Pla­nun­gen über ei­ne Be­triebsände­rung aus­gelöst. Ins­be­son­de­re Ver­hand­lun­gen über ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich set­zen ei­ne hin­rei­chend be­stimm­te, in Ein­zel­hei­ten be­reits ab­seh­ba­re Maßnah­me vor­aus, de­ren Durchführung der Ar­beit­ge­ber kon­kret an­strebt. Der Be­triebs­rat soll nach § 111 Satz 1 Be­trVG die Ge­stal­tung der im Ein­zel­fall „ge­plan­ten" Be­triebsände­rung ge­zielt be­ein­flus­sen können; da­zu müssen ih­re Art und ihr Um­fang be­kannt sein. Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats nach § 111 Be­trVG set­zen kon­kre­te Pla­nun­gen des Ar­beit­ge­bers hin­sicht­lich ei­ner Be­triebsände­rung vor­aus (BAG, 20.11.2001 - 1 AZR 97/01 - AP Be­trVG 1972 § 113 Nr. 39; BAG, 30.05.2006 - 1 AZR 25/05 - AP In­sO § 209 Nr. 5). Ei­ne sol­che ge­plan­te Be­triebsände­rung liegt erst dann vor, wenn der Ar­beit­ge­ber auf­grund ab­ge­schlos­se­ner Prüfun­gen und Vorüber­le­gun­gen grundsätz­lich zu ei­ner Be­triebsände­rung ent­schlos­sen ist. Erst von die­sem Zeit­punkt an hat er den Be­triebs­rat zu un­ter­rich­ten und die so­ge­nann­te Be­triebsände­rung mit ihm zu be­ra­ten (BAG, 28.10.1992 – 10 ABR 95/91 – AP Be­trVG 1972 § 112 Nr. 63; LAG Ba­den-Würt­tem­berg, 27.09.2004 – 4 TaBV 3/04 – NZA-RR 2005, 195; so auch: LAG Hamm, 21.08.2008 - 13 TaBV­Ga 16/08 -; LAG Hamm, 27.10.2008 - 10 TaBV 141/08 -; Fit­ting, a.a.O., § 111 Rn. 108; ErfK/Ka­nia, a.a.O., § 111 Be­trVG Rn. 20; GK/Oet­ker, a.a.O., § 111 Rn. 149; DKK/Däubler, a.a.O., § 111 Rn. 115 a; Ri­char­di/An­nuß, Be­trVG, 11. Aufl., § 111 Rn. 145 m.w.N.). Hier­nach ist er­for­der­lich, dass sich die Pla­nung des Un­ter­neh­mers in ge­wis­sem Um­fang ver­dich­tet und kon­kre­ti­siert hat. Bloße Kon­zep­te und Vorüber­le­gun­gen sind al­lein noch kei­ne Pla­nung im Sin­ne des § 111 Satz 1 Be­trVG und lösen noch kei­ne Be­tei­li­gungs­rech­te des Be­triebs­rats aus.
So liegt der vor­lie­gen­de Fall. Zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006 war ei­ne wei­ter­ge­hen­de Ent­las­sungs­maßnah­me im Um­fang von wei­te­ren 18 Mit­ar­bei­tern noch nicht ge­plant. Bei den Hin­wei­sen in Zif­fer 4.9 im In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 han­del­te es sich nicht um ei­ne Pla­nung im Sin­ne der §§ 111 Satz 1, 112 a Abs. 1 Be­trVG, son­dern um bloße Kon­zep­te und Vorüber­le­gun­gen sei­tens der Be­triebs­be­tei­lig­ten. In Satz 2 der Zif­fer 4.9 des In­ter­es­sen­aus­gleichs ha­ben die Be­triebs­par­tei­en nämlich aus­drück­lich ge­re­gelt, dass ein wei­te­rer Per­so­nal­ab­bau der er­neu­ten Be­tei­li­gung des Be­triebs­rats be­darf.
Für die­se An­nah­me spricht auch, dass der sich aus dem In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan vom 20.09.2006 be­ru­hen­de Per­so­nal­ab­bau nach Zif­fer 4.9 Satz 2 und 3 des In­ter­es­sen­aus­gleichs auf ei­nen Zeit­raum „bis zum 31.12.2007" be­grenzt war. Der nun­mehr

 

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strei­ti­ge Per­so­nal­ab­bau ist je­doch erst im Herbst 2007 von der Ar­beit­ge­be­rin ge­plant wor­den und konn­te erst im Jah­re 2008 durch­geführt wer­den. Sch­ließlich er­gibt auch Zif­fer 10.1 des In­ter­es­sen­aus­gleichs vom 20.09.2006, dass es sich bei dem durch den In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 ge­re­gel­ten Per­so­nal­ab­bau um ei­ne ab­sch­ließen­de Re­ge­lung ge­han­delt hat. Der erst im Herbst 2007 ge­plan­te Per­so­nal­ab­bau wird von dem In­ter­es­sen­aus­gleich vom 20.09.2006 da­mit nicht er­fasst.

b) Das Ar­beits­ge­richt hat auch zu­tref­fend ent­schie­den, dass die So­zi­al­plan­pflich­tig­keit der Per­so­nal­ab­bau­maßnah­me sich nicht aus § 112 Abs. 4 i.V.m. § 111 Satz 3 Be­trVG er­gibt. Es liegt kei­ne über den Per­so­nal­ab­bau aus­ge­hen­de Maßnah­me der Ar­beit­ge­be­rin vor, die ei­ne Be­triebsände­rung im Sin­ne des § 111 Satz 3 Be­trVG dar­stel­len könn­te. Die vom Be­triebs­rat in­so­weit an­geführ­ten Kon­zen­tra­tio­nen der Tätig­kei­ten bei den Lo­gis­ti­kern und die Um­set­zung am Beck-Pa­cker und Jo­ker so­wie die Ände­rung der Be­set­zung im Be­reich der Ent­kal­ker stel­len kei­ne grund­le­gen­den Ände­run­gen der Be­triebs­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne des § 111 Satz 3 Nr. 4 Be­trVG dar. Auf die zu­tref­fen­de Be­gründung in dem an­ge­foch­te­nen Be­schluss des Ar­beits­ge­richts vom 08.08.2008 kann in­so­weit von Ver­mei­dung von Wie­der­ho­lun­gen Be­zug ge­nom­men wer­den.

2. Auch der Hilfs­an­trag des Be­triebs­rats ist un­be­gründet.

Dem Be­triebs­rat steht kein Mit­be­stim­mungs­recht hin­sicht­lich der Ver­tei­lung des an die gekündig­ten Mit­ar­bei­ter tatsächlich ge­zahl­ten Ab­fin­dungs­vo­lu­mens zu. Ein der­ar­ti­ger An­spruch er­gibt sich auch nicht aus § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG. Hier­nach sind mit­be­stim­mungs­pflich­tig le­dig­lich Fra­gen der be­trieb­li­chen Lohn­ge­stal­tung, ins­be­son­de­re die Auf­stel­lung von Ent­loh­nungs­grundsätzen und die Einführung und An­wen­dung von neu­en Ent­loh­nungs­me­tho­den so­wie de­ren Ände­run­gen. Die an Mit­ar­bei­ter im Rah­men ei­nes in­di­vi­du­al­recht­lich geführ­ten Kündi­gungs­schutz­pro­zes­ses vom Ar­beit­ge­ber ver­gleichs­wei­se ge­zahl­ten Ab­fin­dun­gen sind nicht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG mit­be­stim­mungs­pflich­tig, weil ei­ne der­ar­ti­ge Ab­fin­dung kei­ne Leis­tung mit Ent­gelt­cha­rak­ter ist, sie steht auch nicht im Ge­gen­sei­tig­keits­verhält­nis. Bei Leis­tun­gen oh­ne jeg­li­chen Ent­gelt­cha­rak­ter entfällt aber das Mit­be­stim­mungs­recht nach § 87 Abs. 1 Nr. 10 Be­trVG (GK/Oet­ker, a.a.O., § 87 Rn. 827; Ri­char­di, a.a.O., § 87 Rn. 744; Ha­nau/MünchArbR, 2. Aufl., § 62 Rn. 63; HWK/Cle­menz, a.a.O., § 87 Be­trVG Rn. 177 m.w.N.).

 

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III.

Für die Zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt be­stand kei­ne Ver­an­las­sung, §§ 92 Abs. 1, 72 Abs. 2 ArbGG.

Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­sen Be­schluss ist für die Ar­beit­ge­ber­sei­te ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben.
Ge­gen die­sen Be­schluss ist für den Be­triebs­rat man­gels aus­drück­li­cher Zu­las­sung die Rechts­be­schwer­de nicht statt­haft, § 92 Abs. 1 ArbGG.

We­gen der Möglich­keit, die Nicht­zu­las­sung der Rechts­be­schwer­de selbständig beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt,

Hu­go Preuss Platz 1,

99087 Er­furt,

Fax-Nr.: 0361/2636-2000

an­zu­fech­ten, wird der Be­triebs­rat auf die An­for­de­run­gen des § 92 a ArbGG ver­wie­sen.

 

Schier­baum 

Volk­mann 

Gn­i­da
/N.

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