Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Sozialplan: Abfindungsanspruch, Sozialplan: Diskriminierung, Diskriminierung: Abfindung, Befristung: Diskriminierung, Gleichbehandlungsgrundsatz
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg
Akten­zeichen: 13 Sa 61/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 19.02.2014
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Karlsruhe - 9 Ca 120/13
   

Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg

- Kam­mern Mann­heim -
Ak­ten­zei­chen: 13 Sa 61/13

9 Ca 120/13 ArbG Karls­ru­he
(Bit­te bei al­len Schrei­ben an­ge­ben!)

Verkündet am 19.02.2014

Schleck
Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In der Rechts­sa­che

hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg - Kam­mern Mann­heim - - 13. Kam­mer - durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Schlünder, die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Ei­se­le und den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Dr. Wild­ner auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 19.02.2014

für Recht er­kannt:

1. Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Karls­ru­he vom 06. Sep­tem­ber 2013 (Az.: 9 Ca 120/13) wird zurück­ge­wie­sen.

2. Der Kläger trägt die Kos­ten der Be­ru­fung.

3. Die Re­vi­si­on wird nicht zu­ge­las­sen.

- 2 -


Tat­be­stand


Der Kläger be­gehrt von der Be­klag­ten nach Be­en­di­gung sei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses auf­grund ei­ner Ei­genkündi­gung die Zah­lung ei­ner So­zi­al­plan­ab­fin­dung.

Der am 27. De­zem­ber 1976 ge­bo­re­ne Kläger ar­bei­te­te auf­grund ei­nes schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 27. April 2011 (vgl. Ak­ten 1. In­stanz Bl. 4 bis 10; I/4-10) seit dem 1. Ju­li 2011 bei der Be­klag­ten, die ei­nen Ver­lag und ei­ne Dru­cke­rei be­treibt, als Dru­cker zu ei­ner Vergütung von EUR 19,47 brut­to pro St­un­de bei ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 35 St­un­den. Im schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en ist ei­ne Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 30. Ju­ni 2012 ver­ein­bart, mit der Möglich­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses, wo­bei nach ei­ner Pro­be­zeit von sechs Mo­na­ten die ge­setz­li­chen Kündi­gungs-fris­ten gel­ten sol­len. Der Kläger hat­te zu­vor in ei­nem un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis bei ei­ner in In­sol­venz be­find­li­chen Dru­cke­rei ge­stan­den, wo er aus­weis­lich ei­ner elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­be­schei­ni­gung für das Jahr 2011 (vgl. I/77) in den letz­ten Mo­na­ten kei­ne Vergütung mehr er­hielt. Mit ei­nem Nach­trag vom 27. März 2012 zum schrift­li­chen Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­ten die Par­tei­en ei­ne Verlänge­rung der Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses bis zum 31. Mai 2013.

Die Be­klag­te be­fand sich im Jahr 2012 in ei­ner schwie­ri­gen wirt­schaft­li­chen La­ge und be­schloss auf ei­ner Ge­sell­schaf­ter­ver­samm­lung am 1. Ok­to­ber 2012, den Be­triebs­teil Tief-druck, in dem der Kläger ar­bei­te­te, mit der da­zu­gehören­den Ver­wal­tung und die "Ser­vice & Print­Fac­to­ry" zum 30. April 2013 still­zu­le­gen, wo­von 96 Ar­beitsplätze be­trof­fen wa­ren. Die Re­dak­ti­on so­wie die er­for­der­li­che Ver­wal­tung im Be­reich K. soll­te mit 21 Mit­ar­bei­tern fort­geführt wer­den.

In die­sem Zu­sam­men­hang schloss die Be­klag­te mit dem bei ihr be­ste­hen­den Be­triebs­rat am 14. De­zem­ber 2012 ei­ne "Be­triebs­ver­ein­ba­rung Teil­be­triebs­still­le­gung gleich­zei­tig In­ter­es­sen­aus­gleich und So­zi­al­plan" (vgl. I/11-30). Dar­in ist un­ter an­de­rem Fol­gen­des nie­der­ge­legt:

"I. In­ter­es­sen­aus­gleich

§ 1 Gel­tungs­be­reich
...
1.2 persönlich:

Ar­beit­neh­mer/in­nen (zukünf­tig Mit­ar­bei­ter) des Ar­beit­ge­bers, die am 05.10.2012 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis beim Ar­beit­ge­ber stan­den.

Vom Gel­tungs­be­reich aus­ge­nom­men sind: Lei­ten­de An­ge­stell­te im Sin­ne von § 5 Abs. 3

- 3 -


...
§ 2 Ge­gen­stand der Be­triebsände­rung
2.3

[...] Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, die für ei­ne ord­nungs­gemäße Aus­lauf­pro­duk­ti­on er­for­der­li­chen Mit­ar­bei­ter nach Aus­spruch der be­triebs­be­ding­ten Kündi­gun­gen / Un­ter­zeich­nung des 3-sei­ti­gen Ver­tra­ges (als Vor­aus­set­zung für den Ein­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft) und nach Ein­stel­lung des Druck­be­trie­bes so­wie der Ser­vice & Print Fac­to­ry für die Zeit der Kündi­gungs­frist bzw. bis zum Ein­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft mit ent­spre­chend der je­weils ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­rung zu­mut­ba­ren End­ar­bei­ten zu beschäfti­gen.


Der Ar­beit­ge­ber ist be­rech­tigt, Mit­ar­bei­ter, für die er während der Kündi­gungs­frist kei­ne gemäß den ar­beits­ver­trag­li­chen Ver­ein­ba­run­gen zu­mut­ba­re Beschäfti­gungsmöglich­keit mehr gibt, von der Ar­beits­leis­tung un­ter An­rech­nung der Zeit der Frei­stel­lung auf Ur­laubs­ansprüche und Frei­zeit­gut­ha­ben un­ter Fort­zah­lung der Bezüge frei­zu­stel­len.
...
§ 3 Um­set­zung der Maßnah­men
3.1

Der Be­reich Tief­druck so­wie der da­zu gehören­den Ver­wal­tung und der Be­reich Ser­vice & Print­Fac­to­ry wer­den in K. zum 30.04.2013 ein­ge­stellt.


3.2
Ar­beit­ge­ber und Be­triebs­rat sind sich ei­nig, dass Mit­ar­bei­tern, die das An­ge­bot auf Ein­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft a. GmbH nicht an­neh­men, aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen un­ter Be­ach­tung der je­weils gülti­gen ar­beits­ver­trag­li­chen, ta­rif­li­chen und ge­setz­li­chen Kündi­gungs­fris­ten gekündigt wer­den kann. Der Aus­spruch be­triebs­be­ding­ter Kündi­gun­gen er­folgt frühes­tens im Mo­nat Ja­nu­ar 2013 und frühes­tens mit Wir­kung zum 30.04.2013. ...
Al­ter­na­tiv hier­zu ist der Ab­schluss von be­triebs­be­ding­ten Auf­he­bungs­verträgen mit a. Gmbh. Dies gilt auch im Zu­sam­men­hang mit der Be­gründung der Trans­fer­ge­sell­schaft a. GmbH und dem Ab­schluss ei­nes so­ge­nann­ten 3-sei­ti­gen Ver­tra­ges. Die vom Per­so­nal­ab­bau be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter er­hal­ten das An­ge­bot auf Ein­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft a. GmbH mit Wir­kung zum 01.05.2013 oder aus be­trieb­li­chen Gründen später.
...
II. So­zi­al­plan
§ 7 Gel­tungs­be­reich und Be­griffs­be­stim­mun­gen

...
7.2 persönlich:
Ar­beit­neh­mer/in­nen (zukünf­tig Mit­ar­bei­ter) im Sin­ne von § 5 Abs. 1 Be­trVG des Ar­beit­ge­bers.

7.3 zeit­lich:
Von die­sem So­zi­al­plan sind al­le die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter er­fasst, die am 05.10.2012 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis zum Ar­beit­ge­ber stan­den.


7.4
Kei­ne Leis­tun­gen nach den Be­stim­mun­gen die­ses So­zi­al­plans er­hal­ten fol­gen­de Mit­ar­bei­ter:
a) des Ver­lags­be­reichs (K.), ein­sch­ließlich der Mit­ar­bei­ter in der dafür benötig­ten Ver­wal­tung / Ver­trieb
b) de­ren Ar­beits­verhält­nis am 05.10.2012 wirk­sam gekündigt ist,
c) de­ren Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt des Ab­schlus­ses die­ses So­zi­al­plans noch kei­ne sechs Mo­na­te Be­stand hat,
d) die ver­trags­wid­rig aus­schei­den,

- 4 -



e) dies gilt auch für die A.´ler, de­ren A.-Ver­trag vor dem 05.10.2012 ab­ge­schlos­sen und de­ren A.-Ver­trag erfüllt wird.
f) de­nen der Ar­beit­ge­ber aus ei­nem per­so­nen- oder ver­hal­tens­be­ding­ten Grund or­dent­lich oder außer­or­dent­lich rechts­wirk­sam kündigt oder bei de­nen das Ar­beits­verhält­nis aus die­sen Gründen wirk­sam ein­ver­nehm­lich be­en­det wird,
g) bei de­nen die Vor­aus­set­zun­gen für die In­an­spruch­nah­me des Al­ters­ru­he­gel­des aus der ge­setz­li­chen Ren­ten­ver­si­che­rung im un­mit­tel­ba­ren An­schluss an das En­de der in­di­vi­du­el­len Kündi­gungs­frist des Ar­beits­verhält­nis­ses oh­ne Ren­ten­ab­schläge be­ste­hen,
h) die lei­ten­de An­ge­stell­te im Si­ne von § 5 Abs. 3 Be­trVG sind,
i) Mit­ar­bei­ter mit be­fris­te­ten Verträgen.
...
§ 9 So­zi­al­plan­vo­lu­men
Der Ar­beit­ge­ber erklärt sich be­reit, Mit­tel für die Aus­stat­tung ei­nes So­zi­al­pla­nes ein­sch­ließlich der Trans­fer­ge­sell­schaft a. GmbH zur Verfügung zu stel­len. Er wird zum Aus­gleich und ! oder zur Mil­de­rung der wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le die den Mit­ar­bei­tern in Fol­ge der im In­ter­es­sen­aus­gleichs ge­nann­ten Be­triebsände­rung ent­ste­hen für die So­zi­al­ab­fin­dun­gen ein So­zi­al­plan­vo­lu­men in Höhe von 2,5 Mio. Eu­ro zur Verfügung stel­len, zur Si­che­rung der Trans­fer­ge­sell­schaft ei­nen Be­trag in Höhe von 1,85 Mio. Eu­ro net­to
...

§ 10 Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses
10.1

Ab­fin­dungs­be­rech­tigt sind al­le Mit­ar­bei­ter, die vom Per­so­nal­ab­bau be­trof­fen sind.

10.2
So­zi­al­ab­fin­dun­gen sind Entschädi­gun­gen für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes gemäß §§ 9,10 KSchG. ...

An­spruchs­be­rech­tigt sind die­je­ni­gen Mit­ar­bei­ter, die zum 05.10.2012 in ei­nem un­gekündig­ten Ar­beits­verhält­nis stan­den und während der Lauf­zeit die­ses So­zi­al­plans ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te Kündi­gung er­hal­ten (ha­ben) oder die ei­nen be­trieb­lich ver­an­lass­ten Auf­he­bungs­ver­trag un­ter­zeich­ne­ten ! un­ter­zeich­nen oder die nach Er­halt ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung selbst kündi­gen, je­weils auf­grund der in die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich ! So­zi­al­plan be­schrie­be­nen be­trieb­li­chen Maßnah­men. Glei­ches gilt für die An­nah­me des An­ge­bots auf Ein­tritt in die Trans­fer­ge­sell­schaft a. GmbH.
...
10.5
10.5.1

Ren­ten­na­he Mit­ar­bei­ter er­hal­ten an­stel­le der un­ter 10.3 und 10.4 ver­ein­bar­ten Re­ge­lung ei­ne So­zi­al­ab­fin­dung wie folgt:
a) Mit­ar­bei­ter, die 2 Mo­na­te bis 12 Mo­na­te vor Er­rei­chen ih­rer ab­schlags­frei­en Al­ters­ren­te aus­schei­den können, er­hal­ten ei­ne So­zi­al­ab­fin­dung in Höhe von pau­schal 5.000.-€ brut­to
...


10.5.2
Mit­ar­bei­ter, die zum Zeit­punkt des recht­li­chen En­des ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses noch kei­ne drei Jah­re beim Ar­beit­ge­ber beschäftigt wa­ren, er­hal­ten aus­sch­ließlich ei­ne pau­scha­le Ab­fin­dung in Höhe von 5.000.- € brut­to.
 


- 5 -

Der Kläger trat in der Fol­ge­zeit an die Be­klag­te her­an und be­gehr­te die Zah­lung der Pau­schal­ab­fin­dung nach Nr. 10.5.2 des So­zi­al­plans im Rah­men ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges. Dies lehn­te die Be­klag­te ab. Dar­auf­hin kündig­te der Kläger sein Ar­beits­verhält­nis mit Schrei­ben vom 28. De­zem­ber 2012 or­dent­lich zum 31. Ja­nu­ar 2013, um ab dem 1. Fe­bru­ar 2013 ein neu­es Ar­beits­verhält­nis bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber an­zu­tre­ten.

Mit sei­ner am 6. März 2013 beim Ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen und der Be­klag­ten am 14. März 2013 zu­ge­stell­ten Kla­ge ver­folgt der Kläger wei­ter sei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­ner Pau­schal­ab­fin­dung nach Nr. 10.5.2 des So­zi­al­plans.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, ihm sei bei der Be­klag­ten ei­ne un­be­fris­te­te Beschäfti­gung in Aus­sicht ge­stellt ge­we­sen, wo­zu es we­gen der Teil­be­triebs­still­le­gung nicht mehr ge­kom­men sei. Ihm ste­he ein An­spruch auf ei­ne pau­scha­le Ab­fin­dung nach Nr. 10.5.2 des So­zi­al­plans zu. Durch den Aus­schluss be­fris­tet Beschäftig­ter nach Nr. 7.4 Buch­sta­be i des So­zi­al­plans wer­de er un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­ligt. Nach dem be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz sei dies nicht zulässig, da es hierfür kei­ne bil­li­gens­wer­ten Gründe ge­be. Dies müsse um­so mehr gel­ten, da er sich bei der Be­klag­ten sei­ner­zeit aus ei­ner un­gekündig­ten Stel­le her­aus be­wor­ben und auf­grund sei­ner Leis­tun­gen die Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis er­war­tet ha­be. Auch der Um­stand, dass der Kläger zur Ver­mei­dung ei­nes Über­wech­selns in die Trans­fer­ge­sell­schaft in Kennt­nis der La­ge und des So­zi­al­plans das Ar­beits­verhält­nis selbst gekündigt ha­be, ste­he dem nicht ent­ge­gen. Ein Ar­beit­neh­mer, der aus An­lass der Be­triebsände­rung selbst kündi­ge, bedürfe in glei­cher Wei­se der Un­terstützung wie ein Ar­beit­neh­mer, der vom Ar­beit­ge­ber gekündigt wer­de. Zulässi­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um könne nicht die je­wei­li­ge Ver­trags­ge­stal­tung, son­dern nur die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit sein. Die Be­triebs­par­tei­en könn­ten den Aus­gleich wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le aus ei­ner Be­triebsände­rung nicht von der rechts­geschäft­li­chen Form der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses abhängig ma­chen. Des­halb sei es gleichgültig, ob das Ar­beits­verhält­nis durch Ei­genkündi­gung, Auf­he­bungs­ver­trag oder Be­fris­tung en­de.

Der Kläger hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt:

- 6 -



Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich be­an­tragt, die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Be­klag­te hat erst­in­stanz­lich vor­ge­tra­gen, die Dif­fe­ren­zie­rung zwi­schen be­fris­tet und un­be­fris­tet Beschäftig­ten im So­zi­al­plan sei zulässig. Im Rah­men ih­rer Ge­stal­tungs­frei­heit hätten die Be­triebs­par­tei­en berück­sich­ti­gen dürfen, dass der mit dem So­zi­al­plan ver­folg­te Zweck der Über­brückung künf­ti­ger Nach­tei­le auf be­fris­tet beschäftig­te Ar­beit­neh­mer man­gels ge­fes­tig­ter Zu­kunfts­er­war­tun­gen nicht zu­tref­fe. Der Kläger ha­be sich oh­ne­hin dar­auf ein­rich­ten müssen, ab 1. Ju­ni 2013 ei­ne An­schluss­beschäfti­gung zu fin­den. Man ha­be dem Kläger bei der Ein­stel­lung le­dig­lich si­gna­li­siert, dass - wenn al­les gut lau­fe - ei­ne Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis möglich sei. Ei­ne ver­bind­li­che Zu­sa­ge sei da­mit nicht ver­bun­den ge­we­sen. Wenn der Kläger sein Ar­beits­verhält­nis nicht selbst zum 31. Ja­nu­ar 2013 gekündigt hätte, wäre von der Be­klag­ten kei­ne Kündi­gung aus­ge­spro­chen wor­den. Viel­mehr hätte man das Ar­beits­verhält­nis des Klägers zum En­de der Be­fris­tung aus­lau­fen las­sen.

Das Ar­beits­ge­richt hat mit ei­nem am 6. Sep­tem­ber 2013 verkünde­ten Ur­teil die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Dem Kläger ste­he kein Ab­fin­dungs­an­spruch aus Nr. 10.5.2 des So­zi­al­plans zu. Zwar ste­he ei­nem sol­chen An­spruch nicht die Ei­genkündi­gung des Klägers noch vor der Be­triebs­teil­still­le­gung ent­ge­gen, da von ei­nem So­zi­al­plan auch die Ar­beit­neh­mer er­fasst würden, de­ren Ei­genkündi­gung vom Ar­beit­ge­ber auf­grund der Be­triebsände­rung ver­an­lasst wor­den sei. Der Kläger sei aber als Mit­ar­bei­ter mit be­fris­te­tem Ver­trag nach Nr. 7.4 des So­zi­al­plans von des­sen Leis­tun­gen aus­ge­nom­men. Dar­in lie­ge kei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung im Sin­ne von § 4 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG. Der So­zi­al­plan ha­be ei­ne zu­kunfts­be­zo­ge­ne Aus­gleichs­funk­ti­on. Die Einschätzung der Be­triebs­par­tei­en, dass es bei be­fris­tet Beschäftig­ten kei­nes Aus­gleichs künf­ti­ger Nach­tei­le bedürfe, sei nicht zu be­an­stan­den. Der vom Kläger gel­tend ge­mach­te An­spruch sei auch nicht un­ter Scha­dens­er­satz­ge­sichts­punk­ten we­gen der nicht er­folg­ten Über­nah­me in ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis ge­ge­ben.

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts wur­de dem Kläger am 30. Sep­tem­ber 2013 zu­ge­stellt. Hier­ge­gen wen­det er sich mit sei­ner Be­ru­fung, die am 17. Ok­to­ber 2013 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen ist und in­ner­halb verlänger­ter Frist mit ei­nem am 27. De­zem­ber 2013 ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet wur­de.

- 7 -



Der Kläger trägt vor, der Aus­schluss be­fris­tet Beschäftig­ter aus dem Gel­tungs­be­reich des So­zi­al­plans hin­sicht­lich der So­zi­al­plan­ab­fin­dung nach Nr. 7.4 Buch­sta­be i des So­zi­al­plans stel­le ei­nen Ver­s­toß ge­gen § 4 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG dar, weil kein sach­li­cher Grund für die Un­gleich­be­hand­lung er­sicht­lich sei. Al­lein der Um­stand, dass ein Ar­beits­verhält­nis be­fris­tet sei, be­wir­ke nicht oh­ne wei­te­res, dass für die­sen Mit­ar­bei­ter kei­ne wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le durch ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich entstünden. Viel­mehr sei zu berück­sich­ti­gen, dass ge­ra­de die be­fris­tet Beschäftig­ten man­gels wirt­schaft­li­cher Ab­si­che­rung un­ter ei­nem höhe­ren Druck stünden, ei­ne neue Ar­beits­stel­le zu fin­den. Von der Be­triebsände­rung und den da­mit ver­bun­de­nen An­pas­sungs­schwie­rig­kei­ten sei­en die be­fris­tet Beschäftig­ten eben­so wie die un­be­fris­tet Beschäftig­ten be­trof­fen. Die gel­te ins­be­son­de­re für den Kläger, des­sen Ar­beits­verhält­nis auf­grund der Be­fris­tung erst ei­nen Mo­nat nach der ge­plan­ten Be­triebsände­rung aus-ge­lau­fen wäre. Der Kläger be­strei­te, dass die Be­klag­te sein Ar­beits­verhält­nis nicht zum 30. April 2013 in Fol­ge der Be­triebsände­rung be­triebs­be­dingt gekündigt hätte, da sie nach ih­rem ei­ge­nen Vor­trag kei­ne Ver­wen­dung mehr für ihn ge­habt ha­be. Ein zulässi­ges Dif­fe­ren­zie­rungs­kri­te­ri­um sei al­lein die Dau­er der Be­triebs­zu­gehörig­keit. Es sei un­er­heb­lich, ob das Ar­beits­verhält­nis durch Ei­genkündi­gung, Auf­he­bungs­ver­trag oder Be­fris­tung en­de, da auch bei sol­chen Ar­beit­neh­mern Nach­tei­le auf­grund der Be­triebsände­rung aus­zu­glei­chen sei­en. Dies müsse ge­ra­de beim Kläger gel­ten, dem von An­be­ginn des Ar­beits­verhält­nis­ses ein un­be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trag in Aus­sicht ge­stellt wor­den sei.

 

Der Kläger be­an­tragt:

Das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Karls­ru­he vom 6.9.2013, 9 Ca 120/13, wird ab­geändert und die Be­klag­te ver­ur­teilt, dem Kläger ei­ne So­zi­al­plan­ab­fin­dung in Höhe von 5.000,00 € brut­to zu zah­len, nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten p.a. über dem Ba­sis­zins­satz hier­aus seit Rechtshängig­keit.

Die Be­klag­te be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

- 8 -



So­zi­al­plans zu. Es lie­ge kei­ne un­ge­recht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung be­fris­tet beschäftig­ter Ar­beit­neh­mer vor. Bei Ar­beit­neh­mern mit be­fris­te­ten Ar­beits­verträgen lägen kei­ne aus­zu­glei­chen­den Nach­tei­le vor, da de­ren Ar­beits­verhält­nis oh­ne­hin ge­en­det hätte. Ein So­zi­al­plan die­ne nicht da­zu, jeg­li­che wirt­schaft­li­che Un­si­cher­heit und Druck­si­tua­ti­on ei­nes Ar­beit­neh­mers aus­zu­glei­chen. Da der Kläger aus frei­en Stücken ei­ne Ei­genkündi­gung aus­ge­spro­chen ha­be, um in ein neu­es Beschäfti­gungs­verhält­nis ein­tre­ten zu können, sei es nicht nach­voll­zieh­bar, war­um er von der Über­brückungs­funk­ti­on des So­zi­al­plans pro­fi­tie­ren sol­le. An­ders als vom Kläger an­ge­nom­men, sei die Art der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses von Be­deu­tung. Maßgeb­lich sei, dass die Be­klag­te dem Kläger tatsächlich nicht gekündigt ha­be und auch nicht vor­ge­habt ha­be, das Ar­beits­verhält­nis des Klägers vor­zei­tig zu be­en­den. Selbst wenn der Kläger in den Gel­tungs­be­reich des So­zi­al­plans fie­le und kei­ne Ei­genkündi­gung aus­ge­spro­chen hätte, würde sich an­ge­sichts der Rest­lauf­zeit des Ver­tra­ges von nur ei­nem Mo­nat die So­zi­al­plan­leis­tung ent­spre­chend der Re­ge­lung für ren­ten­na­he Mit­ar­bei­ter auf null re­du­zie­ren. Der Kläger ha­be kei­ne Zu­sa­ge für ein un­be­fris­te­tes Ar­beits­verhält­nis er­hal­ten.

Im Übri­gen wird hin­sicht­lich des Vor­trags der Par­tei­en auf die zwi­schen ih­nen in bei­den Rechtszügen ge­wech­sel­ten Schriftsätze und An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

I.

Die Be­ru­fung des Klägers ist zulässig, da der Wert des Be­schwer­de­ge­gen­stan­des EUR 600,00 über­steigt, § 64 Abs. 2 Buch­sta­be b ArbGG. Un­abhängig da­von ist die Be­ru­fung im Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu­ge­las­sen wor­den, § 64 Abs. 2 Buch­sta­be a ArbGG. Die Be­ru­fung ist auch frist- und form­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den, §§ 66 Abs. 1 Satz 1, 64 Abs. 6 Satz 1 ArbGG in Ver­bin­dung mit §§ 519, 520 ZPO.

- 9 -



II.


Die Be­ru­fung des Klägers ist aber nicht be­gründet. Das Ar­beits­ge­richt hat je­den­falls im Er­geb­nis zu Recht die Kla­ge als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Dem Kläger steht ge­gen die Be­klag­te kein An­spruch auf Zah­lung ei­ner Ab­fin­dung in Höhe von EUR 5.000,00 zu.

Die Wirk­sam­keit des Aus­schlus­ses be­fris­tet Beschäftig­ter vom Gel­tungs­be­reich des So­zi­al­plans nach Nr. 7.4 Buch­sta­be i der "Be­triebs­ver­ein­ba­rung Teil­be­triebs­still­le­gung" (künf­tig: BV) kann da­hin­ste­hen. Dem Kläger steht schon des­halb nicht der gel­tend ge­mach­te Ab­fin­dungs­an­spruch gemäß Nr. 10.5.2 BV zu, da er we­der un­mit­tel­bar zum an­spruchs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter­kreis nach Nr. 10.2 BV gehört, noch dies aus ei­ner ent­spre­chen­den An­wen­dung auf ihn fol­gen würde.

1. Der Kläger gehört nicht zu dem für den So­zi­al­plan an­spruchs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter­kreis der Nr. 10.2 BV. Er hat we­der ei­ne ar­beit­ge­ber­sei­ti­ge be­triebs­be­ding­te Kündi­gung er­hal­ten, oder ei­nen be­trieb­lich ver­an­lass­ten Auf­he­bungs­ver­trag un­ter­zeich­net oder nach Er­halt ei­ner Ar­beit­ge­berkündi­gung selbst gekündigt. Die Be­klag­te hat kei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers aus­ge­spro­chen. Die Be­klag­te hat es auch ab­ge­lehnt, mit dem Kläger ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag zu schließen. Der Kläger hat viel-mehr selbst sein Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem Zeit­punkt im De­zem­ber 2012 zu En­de Ja­nu­ar 2013 gekündigt, zu dem die Be­klag­te ihm nach Nr. 3.2 BV noch gar kei­ne Kündi­gung hätte aus­spre­chen dürfen. Dies wäre frühes­tens ab Ja­nu­ar 2013 und frühes­tens zu En­de April 2013 zulässig ge­we­sen.

2. Der Kläger gehört auch nicht in ent­spre­chen­der An­wen­dung von Nr. 10.2 BV zum an­spruchs­be­rech­tig­ten Mit­ar­bei­ter­kreis.

a) Der So­zi­al­plan zielt nach § 9 Abs. 1 Satz 2 BV dar­auf ab, die wirt­schaft­li­chen Nach­tei­le aus­zu­glei­chen be­zie­hungs­wei­se zu mil­dern, die den Mit­ar­bei­tern in Fol­ge der im In­ter­es­sen­aus­gleich ge­nann­ten Be­triebsände­rung ent­ste­hen. Dies ent­spricht der in § 112 Abs. 1 Satz 2 Be­trVG be­schrie­be­nen Funk­ti­on ei­nes So­zi­al­plans. So­zi­alpläne ha­ben nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (vgl. hier­zu und zum Fol­gen­den BAG 10. Fe­bru­ar 2009 - 1 AZR 767/07 - Rn. 32, BA­GE 129, 302 ff. = NZA 2009, 970 ff., m.w.N.) ei­ne zu­kunfts­ge­rich­te­te Aus­gleichs- und

- 10 -



Über­brückungs­funk­ti­on. Die in ih­nen vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen stel­len kein zusätz­li­ches Ent­gelt für die in der Ver­gan­gen­heit ge­leis­te­ten Diens­te dar, son­dern sol­len die künf­ti­gen Nach­tei­le aus­glei­chen oder mil­dern, die den Ar­beit­neh­mern durch die Be­triebsände­rung ent­ste­hen können (vgl. BAG 30. Sep­tem­ber 2008 - 1 AZR 684/07 - Rn. 33, BA­GE 128, 102 ff. = NZA 2009, 386-391, m.w.N.). Bei der Einschätzung der zu er­war­ten­den Nach­tei­le ha­ben die Be­triebs­par­tei­en ei­nen er­heb­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raum (BAG 11. No­vem­ber 2008 - 1 AZR 475/07 - Rn. 20, 21, BA­GE 128, 275 ff. = NZA 2009, 210 ff., m.w.N.). Die­ser um­fasst auch die ty­pi­sie­ren­de Be­ur­tei­lung, dass Ar­beit­neh­mern, die ihr Ar­beits­verhält­nis zu ei­nem frühe­ren Zeit­punkt als durch die Be­triebsände­rung ge­bo­ten selbst kündi­gen, oh­ne hier­zu vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst zu sein, durch die Be­triebsände­rung kei­ne oder sehr viel ge­rin­ge­re wirt­schaft­li­che Nach­tei­le er­lei­den als die­je­ni­gen, die den mit dem Ar­beits­verhält­nis ver­bun­de­nen Be­sitz­stand nicht frei­wil­lig auf­ge­ben, son­dern ei­ne Kündi­gung durch den Ar­beit­ge­ber ab­war­ten (vgl. BAG 19. Fe­bru­ar 2008 - 1 AZR 1004/06 - Rn. 26, BA­GE 125, 366 ff. = NZA 2008, 719 ff., m.w.N.). Ar­beit­neh­mer, de­ren Ei­genkündi­gung vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst wor­den ist, sind al­ler­dings wie­der­um gleich zu be­han­deln mit den vom Ar­beit­ge­ber gekündig­ten. Vom Ar­beit­ge­ber ver­an­lasst ist ei­ne Ei­genkündi­gung, wenn die­ser bei dem Ar­beit­neh­mer die be­rech­tig­te An­nah­me her­vor­ge­ru­fen hat, mit der ei­ge­nen Initia­ti­ve zur Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses kom­me er ei­ner sonst not­wen­dig wer­den­den be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung des Ar­beit­ge­bers nur zu­vor (BAG 13. Fe­bru­ar 2007 - 1 AZR 163/06 - Rn. 14, BA­GE 121, 159 ff. = NZA 2007, 756; BAG 20. Mai 2008 - 1 AZR 203/07 - Rn. 19, 20, NZA-RR 2008, 636 ff.).

b) Im vor­lie­gen­den Ein­zel­fall konn­te der Kläger nicht be­rech­tig­ter­wei­se da­von aus­ge­hen, er kom­me mit sei­ner Ei­genkündi­gung ei­ner an­dern­falls von der Be­klag­ten aus­zu­spre­chen­den be­triebs­be­ding­ten Kündi­gung nur zu­vor, so dass auf ihn die So­zi­al­plan­re­ge­lun­gen ent­spre­chend an­zu­wen­den wären.

aa) Im Zeit­punkt des Aus­spruchs der Ei­genkündi­gung durch den Kläger En­de De­zem­ber 2012 muss­te er sich oh­ne­hin nicht ak­tu­ell ei­ner Kündi­gung durch die Be­klag­te aus­ge­setzt se­hen, da die­se hier­zu frühes­tens ab Ja­nu­ar 2013 be­rech­tigt ge­we­sen wäre. Da für den Kläger, der noch kei­ne zwei Jah­re Be­triebs­zu­gehörig­keit auf­wies, die ge­setz­li­che Grundkündi­gungs­frist des § 622

- 11 -



Abs. 1 BGB von vier Wo­chen zum 15. oder Mo­nats­en­de galt, hätte die Be­klag­te, die nach der Be­triebs­ver­ein­ba­rung frühes­tens zum 30. April 2013 hätte kündi­gen können, mit dem Aus­spruch ei­ner Kündi­gung so­gar noch bis An­fang April 2013 ab­war­ten können. Die vom Kläger aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung En­de De­zem­ber 2012 zu En­de Ja­nu­ar 2013 lag al­lein in sei­nem In­ter­es­se, da er ab 1. Fe­bru­ar 2013 ein Ar­beits­verhält­nis bei ei­nem an­de­ren Ar­beit­ge­ber auf­neh­men woll­te. Dies wird auch da­durch un­ter­stri­chen, dass die Be­klag­te den Ab­schluss ei­nes ent­spre­chen­den Auf­he­bungs­ver­tra­ges mit dem Kläger ab­lehn­te. In der kon­kre­ten Si­tua­ti­on muss­te der Kläger aber eben­falls nicht an­neh­men, die Be­klag­te wer­de von der ihr ver­trag­lich ein­geräum­ten Möglich­keit ei­ner or­dent­li­chen Kündi­gung des be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers über­haupt Ge­brauch ma­chen. Die Be­klag­te hat in die­sem Zu­sam­men­hang aus­drück­lich erklärt, dass sie ei­ne Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses des Klägers nicht be­ab­sich­tigt ha­be, son­dern die­ses ha­be aus­lau­fen las­sen wol­len. Zu ei­ner an­de­ren An­nah­me be­stand für den Kläger kein be­rech­tig­ter An­lass, nach­dem die Be­klag­te mit der Ab­leh­nung ei­nes Auf­he­bungs­ver­tra­ges ge­zeigt hat­te, dass sie nicht in be­son­de­rer Wei­se an ei­ner vor­zei­ti­gen Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses in­ter­es­siert war. Die Be­klag­te hat dem Kläger auch in kei­ner Wei­se ei­ne Kündi­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses in Aus­sicht ge­stellt oder ir­gend­wel­che kon­kre­ten Maßnah­men hier­zu er­grif­fen.

bb) Al­ler­dings war nach Nr. 3.1 BV ei­ne Ein­stel­lung des Be­reichs Tief­druck zum 30. April 2013 ge­plant, während der be­fris­te­te Ar­beits­ver­trag des Klägers noch ei­ne Lauf­zeit bis 31. Mai 2013 hat­te. Dar­aus konn­te der Kläger aber nicht ab­lei­ten, die Be­klag­te wer­de sein Ar­beits­verhält­nis noch vor dem 31. Mai 2013 kündi­gen, weil dann kein Beschäfti­gungs­bedürf­nis mehr für ihn be­stan­den ha­be. Zum Ei­nen re­gelt schon Nr. 3.2 BV, dass Kündi­gun­gen "frühes­tens" mit Wir­kung zum 30. April 2013 er­fol­gen. Of­fen­kun­dig gin­gen die Be­triebs­par­tei­en da­von aus, dass nicht zwin­gend al­le von der Be­triebsände­rung be­trof­fe­nen Ar­beits­verhält­nis­se mit Ab­lauf die­ses Ta­ges en­den soll­ten. Darüber hin­aus be­stimmt Nr. 2.3 Abs. 1 Satz 2 BV, dass die Be­klag­te Mit­ar­bei­ter auch nach Ein­stel­lung des Druck­be­triebs mit zu­mut­ba­ren End­ar­bei­ten wei­ter beschäfti­gen kann. Dies ist ein kla­rer Hin­weis auf die Einschätzung der
 


- 12 -

Be­triebs­par­tei­en, dass auch noch nach dem En­de der Pro­duk­ti­on am 30. April 2013 Rest­ar­bei­ten zu er­le­di­gen sind, für wel­che Mit­ar­bei­ter aus dem Be­reich Tief­druck ein­ge­setzt wer­den können. Fer­ner sieht Nr. 3.2 Abs. 2 BV die Möglich­keit ei­ner Frei­stel­lung un­ter An­rech­nung auf Ur­laub und Frei­zeit­gut­ha­ben für den Fall vor, falls es kei­ne zu­mut­ba­re Beschäfti­gungsmöglich­keit mehr gibt. An­ge­sichts die­ser Si­tua­ti­on gab es für den Kläger kei­nen An­lass für die An­nah­me, er kom­me mit sei­ner Ei­genkündi­gung ei­ner be­trieb­lich ver­an­lass­ten Kündi­gung durch die Be­klag­te nur zu­vor. Da­bei ver­hilft es der Kla­ge nicht zum Er­folg, dass der Kläger nun­mehr be­strei­tet, die Be­klag­te ha­be kei­ne Kündi­gungs­ab­sicht ge­habt. Nicht al­lein die ent­ge­gen­ste­hen­de Erklärung der Be­klag­ten, son­dern ge­ra­de auch die je­wei­li­ge In­ter­es­sen­la­ge von Kläger und Be­klag­ter so­wie die in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung nie­der­ge­leg­ten Re­ge­lun­gen der Be­triebs­par­tei­en zei­gen, dass es für den Kläger kei­nen kon­kre­ten An­halts­punkt dafür gab, die Be­klag­te wer­de ei­ne Kündi­gung sei­nes be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses, wel­ches nur noch ei­ne Lauf­zeit von ei­nem Mo­nat nach der be­ab­sich­tig­ten Still­le­gung der Pro­duk­ti­on hat­te, aus­spre­chen.

3. Auf die Ausführun­gen des Klägers zur Fra­ge, ob ihm (ursprüng­lich) der Ab­schluss ei­nes un­be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­ses in Aus­sicht ge­stellt wor­den war, kommt es nicht an. Ein An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung nach Nr. 10.5.2 BV würde dar­aus nicht fol­gen. Auch ein Scha­dens­er­satz­an­spruch kommt in die­sem Zu­sam­men­hang nicht in Be­tracht. In­so­weit wird gemäß § 69 Abs. 2 ArbGG auf I.2. der Ent­schei­dungs­gründe des mit der Be­ru­fung an­ge­foch­te­nen Ur­teils (dort Sei­te 13; I/102) Be­zug ge­nom­men. Der Kläger hat in der Be­ru­fungs­in­stanz hier­zu auch kei­ne kon­kre­ten Rügen er­ho­ben. Ob sich der Aus­schluss des An­spruchs auf ei­ne Ab­fin­dung schon aus Nr. 7.4 Buch­sta­be i BV er­gibt - al­lein weil der Kläger ei­nen be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag hat­te - wie das Ar­beits­ge­richt an­nimmt, konn­te vor­lie­gend of­fen blei­ben. Al­ler­dings wäre die abs­trak­te Re­ge­lung in der Be­triebs­ver­ein­ba­rung mit Blick auf § 4 Abs. 2 Tz­B­fG durch­aus be­denk­lich, wie schon das na­he­lie­gen­de Bei­spiel zeigt, in wel­chem ei­nem noch lang­fris­tig, ge­ge­be­nen­falls so­gar im Rah­men ei­ner Sach­grund­be­fris­tung nach § 14 Abs. 1 Nr. 3 Tz­B­fG mehrjährig be­fris­te­ten Ar­beit­neh­mer vom Ar­beit­ge­ber lan­ge vor Aus­lau­fen der Be­fris­tung gekündigt wird. Vor­lie­gend fehlt es aber so­wohl an ei­ner Kündi­gung durch die Be­klag­te, als auch an ei­ner Ver­an­las­sung der Be­klag­ten zu ei­ner Ei­genkündi­gung des Klägers, so dass es auf die­se Rechts­fra­ge nicht an­kam.

- 13 -

III.


Der Kläger hat die Kos­ten sei­ner er­folg­lo­sen Be­ru­fung zu tra­gen, § 97 Abs. 1 ZPO. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­vi­si­on nicht zu­ge­las­sen, weil die Vor­aus­set­zun­gen des § 72 Abs. 2 ArbGG nicht erfüllt sind.


Rechts­mit­tel­be­leh­rung

Ge­gen die­ses Ur­teil ist ein Rechts­mit­tel nicht ge­ge­ben. Auf § 72a ArbGG wird hin­ge­wie­sen.

Dr. Schlünder 

Ei­se­le 

Dr. Wild­ner

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 


zur Übersicht 13 Sa 61/13  

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880