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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Tariffähigkeit, Gewerkschaft
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 10 TaBV 89/08
Typ: Beschluss
Ent­scheid­ungs­datum: 13.03.2009
   
Leit­sätze: Die Ge­werk­schaft für Kunst­stoff­ge­wer­be und Holz­ver­ar­bei­tung im CGB – GKH im CGB – e.V. ist ei­ne ta­riffähi­ge Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung (im An­schluss an BAG, 28.03.2006 – 1 ABR 58/04 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 4).
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Paderborn, Beschluss vom 14.03.2008, 2 BV 30/07
Nachfolgend Bundesarbeitsgericht, Beschluss vom 05.10.2010, 1 ABR 88/09
   

Te­nor:

Die Be­schwer­de der IG Me­tall ge­gen den Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 14.03.2008 – 2 BV 30/07 – wird zurück­ge­wie­sen.

Die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt wird zu­ge­las­sen.

Gründe:

A

Die Be­tei­lig­ten strei­ten über die Ta­riffähig­keit der Ge­werk­schaft für Kunst­stoff­ge­wer­be und Holz­ver­ar­bei­tung im CGB – GKH -.

Die IG Me­tall, die An­trag­stel­le­rin des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens, ist ei­ne der mit­glie­derstärks­ten Ein­zel­ge­werk­schaf­ten des Deut­schen Ge­werk­schafts­bun­des - DGB -, des Be­tei­lig­ten zu 7.. Seit ei­ner Sat­zungs­er­wei­te­rung mit Wir­kung zum 01.01.2000 gehört zu ih­ren sat­zungsmäßigen Auf­ga­ben auch der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen für die Be­trie­be der Holz­be­ar­bei­tung, Holz­ver­ar­bei­tung und Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung ein­sch­ließlich der Hand­werks­be­trie­be.

Die GKH wur­de am 25.03.2003 un­ter dem Na­men "Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff im CGB" ge­gründet. Auf drei wei­te­ren Be­triebs­ver­samm­lun­gen in den Jah­ren 2004 und 2005 folg­ten Sat­zungs- und Na­mensände­run­gen. Seit April 2005 führt die GKH ih­ren jet­zi­gen Na­men. An den bis­he­ri­gen Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen nahm stets der­sel­be Teil­neh­mer­kreis von sie­ben bis neun Per­so­nen teil. Dar­un­ter be­fan­den sich min­des­tens zwei haupt­amt­li­che Funk­ti­onäre der Christ­li­chen Ge­werk­schaft Me­tall - CGM -, nämlich de­ren stell­ver­tre­ten­der Vor­sit­zen­der L5 so­wie de­ren Ge­werk­schafts­se­kretärin R6, die auf der Gründungs­ver­samm­lung der GKH auch zur Bun­des­geschäftsführe­rin be­stellt wur­de.

Nach § 1 der Sat­zung der GKH (Bl. 15 ff. d.A.) ist die GKH ei­ne ge­genüber po­li­ti­schen Par­tei­en, Kon­fes­sio­nen, Re­gie­run­gen und Un­ter­neh­men un­abhängi­ge Ge­werk­schaft mit Sitz in Pa­der­born, de­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich sich auf das Ge­biet der Bun­des­re­pu­blik Deutsch­land er­streckt und die Be­rei­che des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks (Schrei­ner­hand­werk, Fens­ter- und Türen­bau­er), so­wie des Mo­dell­bau­er­hand­werks um­fasst. Die Auf­ga­ben und Zie­le der GKH sind in § 2 der Sat­zung be­schrie­ben. Hier­zu gehört un­ter an­de­rem auch die Re­ge­lung der sons­ti­gen Ar­beits­be­din­gun­gen durch Ta­rif­verträge.

Die GKH er­hebt nach § 7 der Sat­zung Mit­glieds­beiträge. Sie glie­dert sich gemäß § 11 der Sat­zung in den Bun­des­ver­band und Be­triebs­grup­pen; ih­re Or­ga­ne sind der Bun­des­ge­werk­schafts­tag, der Haupt­vor­stand so­wie das Schieds­ge­richt. Sie gewährt gemäß § 17 der Sat­zung Un­terstützung bei Streik und bei Aus­sper­rung so­wie Rechts­schutz gemäß § 19. Sie er­kennt das gel­ten­de Ta­rif­recht als für sich ver­bind­lich an, § 23 der Sat­zung.

Auf die wei­te­ren Be­stim­mun­gen der Sat­zung (Bl. 15 ff. d.A.) wird Be­zug ge­nom­men.

Die GKH ist Mit­glied im Christ­li­chen Ge­werk­schafts­bund Deutsch­lands - CGB -, dem Be­tei­lig­ten zu 9.. Die GKH beschäftigt kei­ne haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter, son­dern wird im Ne­ben­amt durch sie­ben Mit­glie­der des Haupt­vor­stan­des geführt. Sie teilt sich ei­ne Geschäfts­stel­le mit der CGM, mit der ei­ne Rah­men­ver­ein­ba­rung be­steht. Für die or­ga­ni­sa­to­ri­schen und Ver­wal­tungs­ar­bei­ten der GKH sind in den Geschäfts­stel­len Pa­der­born, Ber­lin und Ge­ra in­zwi­schen drei haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter von ih­rer Tätig­keit für die CGM be­freit. Die Be­treu­ung der Mit­glie­der der GKH in ar­beits- und so­zi­al­recht­li­chen Fra­gen fin­det in bun­des­weit 17 CGM-Se­kre­ta­ria­ten durch haupt­amt­li­che Rechts­se­kretäre der CGM statt. Auf­grund ei­ner Sat­zung vom 25.04.2003 (Bl. 381 a d.A.) bil­de­te die GKH zu­sam­men mit dem Deut­schen Han­dels- und In­dus­trie­an­ge­stell­ten-Ver­band - DHV -, der eben­falls Mit­glied im CGB ist, die Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Holz, Kunst­stoff, Mo­dell­bau und Holz­in­dus­trie.

Nach An­ga­ben der GKH so­wie des Fach­ver­ban­des des Tisch­ler­hand­werks NRW, des Be­tei­lig­ten zu 13., sind im Tisch­ler­hand­werk bun­des­weit knapp 170.000 Ar­beit­neh­mer in rund 40.000 Be­trie­ben tätig, wo­bei mehr als die Hälf­te der Be­trie­be bis zu 5 und le­dig­lich ca. 6 % über 20 Beschäftig­te hat. In Nord­rhein-West­fa­len sind ar­beit­ge­ber­sei­tig knapp 4.200 Be­trie­be ta­rif­ge­bun­den und in die­sen et­wa 20.000 von ins­ge­samt 30.000 Ar­beit­neh­mern beschäftigt. Der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Beschäftig­ten im Tisch­ler­hand­werk in Nord­rhein-West­fa­len liegt nach Einschätzung der GKH so­wie des Fach­ver­ban­des des Tisch­ler­hand­werks NRW bei ca. 2 % bis 3 %. Die Zahl so­wohl der Be­trie­be als auch der Beschäftig­ten weist ei­ne stark sin­ken­de Ten­denz auf.

Im Be­reich des Mo­dell­bau­er­hand­werks sind nach An­ga­ben der GKH so­wie des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des des Mo­dell­bau­er­hand­werks, des Be­tei­lig­ten zu 5., bun­des­weit ca. 3.000 Beschäftig­te in rund 400 Be­trie­ben, dar­un­ter et­wa 300 ar­beit­ge­ber­sei­tig ta­rif­ge­bun­de­ne Mit­glieds­be­trie­be, beschäftigt. Der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der Beschäftig­ten im Mo­dell­bau­er­hand­werk in Nord­rhein-West­fa­len liegt nach Einschätzung der GKH so­wie des Bun­des­in­nungs­ver­ban­des des Mo­dell­bau­er­hand­werks eben­falls bei ca. 2 bis 3 %.

Die GKH hat­te seit ih­rer Gründung im Jah­re 2003 bis et­wa Mit­te 2007 min­des­tens 63 12 Flächen­ta­rif­verträge in meh­re­ren Bun­desländern, zu ver­schie­de­nen The­men und für ver­schie­de­ne Be­rei­che (Tisch­ler- und Schrei­ner­hand­werk, Mo­dell­bau­er­hand­werk, Par­kett­le­ger­hand­werk, Satt­ler- und Raum­aus­stat­ter­hand­werk – Bl. 159 ff. d.A.), ab­ge­schlos­sen. Hin­zu ka­men im Sep­tem­ber 2007 ab­ge­schlos­se­ne Man­tel- und Ent­gelt­ta­rif­verträge für das Tisch­ler­hand­werk in Mit­tel­deutsch­land.

Nach den An­ga­ben der GKH im Be­schwer­de­ver­fah­ren sind in­zwi­schen mit den ver­schie­de­nen Ar­beit­ge­ber­verbänden, den Be­tei­lig­ten zu 10. bis 17., über 120 Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen wor­den (vgl. Auf­stel­lung Bl. 502 ff. d.A.). Ob die­se Ta­rif­verträge nur dank der Ta­rif­ge­mein­schaft mit der DHV ab­ge­schlos­sen wer­den konn­ten und ob es sich bei die­sen Ta­rif­verträgen um so­ge­nann­te Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge ge­han­delt hat, ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten strei­tig.

Die IG Me­tall, die An­trag­stel­le­rin des vor­lie­gen­den Ver­fah­rens, hat seit ih­rer Sat­zungs­er­wei­te­rung mit Wir­kung zum 01.01.2000 Flächen­ta­rif­verträge für das Tisch­ler­hand­werk le­dig­lich im Saar­land und in Ba­den-Würt­tem­berg ab­ge­schlos­sen. Im Mo­dell­bau­er­hand­werk hat sie seit En­de der neun­zi­ger Jah­re – mit Aus­nah­me ei­nes Fir­men­ta­rif­ver­tra­ges – kei­ner­lei Ta­rif­ver­hand­lun­gen mehr geführt.

Mit rechts­kräfti­gem Be­schluss des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17.10.2002 - 2 BV 3/00 15 - (Bl. 23 ff. d.A.) wur­de fest­ge­stellt, dass die Christ­li­che Ge­werk­schaft Deutsch­lands - CGD -, die 1990 in Ge­ra ge­gründet wor­den war, kei­ne Ge­werk­schaft im ar­beits­recht­li­chen Sin­ne ist. Der Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich der CGD er­streck­te sich in räum­li­cher Hin­sicht auf das ge­sam­te Bun­des­ge­biet und sah kei­ner­lei fach­li­che Ein­schränkung vor. Im Lau­fe des da­ma­li­gen Ver­fah­rens er­folg­te ei­ne Sat­zungsände­rung, ins­be­son­de­re ei­ne Be­schränkung des fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reichs auf das holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­de Hand­werk, Mo­dell­bau-Hand­werk, Raum­aus­stat­ter-Hand­werk und den Tro­cken­bau. Ei­ne Mit­glied­schaft im CGD war aber oh­ne Rück­sicht auf ei­ne Beschäfti­gung in die­sem fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich möglich.

Die IG Me­tall hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die GKH erfülle die Min­dest­vor­aus­set­zun­gen ei­ner ta­riffähi­gen Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung nicht.

Auf­grund der ge­rin­gen Mit­glie­der­zahl und ih­rer durch haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter an­de­rer Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen ge­prägten Mit­glie­der­struk­tur sei da­von aus­zu­ge­hen, dass die GKH we­der frei ge­bil­det noch auf über­be­trieb­li­cher Grund­la­ge or­ga­ni­siert sei.

Der GKH feh­le je­de de­mo­kra­ti­sche Le­gi­ti­ma­ti­on. Es sei nicht er­sicht­lich, wo und in wel­chem Um­fang die GKH Mit­glie­der in den Be­rei­chen vor­zu­wei­sen ha­be, in de­nen sie Ta­rif­verträge ab­sch­ließe und wie sich et­wai­ge vor­han­de­ne Mit­glie­der am Wil­lens­bil­dungs­pro­zess der GKH be­tei­lig­ten. Ge­werk­schafts­ta­ge hätten bis­lang über­haupt nicht statt­ge­fun­den.

Die GKH sei auch nicht in der La­ge, ih­re Auf­ga­be als Ta­rif­part­ne­rin sinn­voll zu erfüllen. Auf­grund der An­zahl und der Struk­tur ih­rer Mit­glie­der feh­le ihr die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft. Dies gel­te selbst dann, wenn man ei­nen vollzähli­gen Über­tritt der – ver­meint­li­chen – Mit­glie­der der CGD zur GKH un­ter­stel­len wol­le. Rich­ti­ger­wei­se könne aber man­gels Durchführung ei­nes Ge­werk­schafts­ta­ges von ei­nem sol­chen Über­tritt nicht aus­ge­gan­gen wer­den. Viel­mehr verfüge die GKH le­dig­lich über sie­ben bis neun Mit­glie­der. Ihr Mit­glie­der­be­stand erschöpfe sich – zu­min­dest im We­sent­li­chen – in den sie­ben Mit­glie­dern des Haupt­vor­stan­des. Die­sen Schluss leg­ten Ver­lauf, Pro­to­kol­le und Teil­neh­mer­lis­ten der bis­lang statt­ge­fun­de­nen vier Mit­glie­der­ver­samm­lun­gen so­wie das un­ter § 13 Zif­fer 6 der Sat­zung der GKH vor­ge­se­he­ne Min­dest­quo­rum na­he. An­ders als die CGM sei die GKH ein "mit­glie­der­lo­ses Sub­strat" bzw. ei­ne "Phan­tom­ge­werk­schaft".

Die GKH könne sich auch nicht auf ei­ne ei­ge­ne ak­ti­ve Teil­nah­me am Ta­rif­ge­sche­hen im Sin­ne der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­ru­fen. Ab­ge­se­hen da­von, dass die von ihr im Ver­fah­ren an­geführ­ten "Ta­rif­verträge" die­se Be­zeich­nung nicht ver­dien­ten, ha­be die GKH als sol­che nicht in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen. Ei­ner­seits ha­be die GKH ih­re Ta­rif­ab­schlüsse zum Großteil le­dig­lich in Ta­rif­ge­mein­schaft er­zielt. Bei der GKH han­de­le es sich um ei­ne klei­ne "An­schluss­or­ga­ni­sa­ti­on im Schlepp­tau" des DHV. An­de­rer­seits sei­en die in
den Jah­ren 2003 und 2005 von der GKH bzw. der Ta­rif­ge­mein­schaft ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge na­he­zu in­halts­gleich mit den von der CGD zu­vor ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen. Über­haupt sei nach dem zeit­li­chen Zu­sam­men­hang und den fest­ge­stell­ten Struk­tu­ren so­wie Ak­ti­vitäten da­von aus­zu­ge­hen, dass es sich bei der GKH um ei­ne bloße "Auf­fang­or­ga­ni­sa­ti­on" für die CGD han­de­le. So ha­be un­strei­tig die Gründungs­ver­samm­lung der GKH nur ei­ne Wo­che nach Zu­stel­lung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17.10.2002 statt­ge­fun­den, die­se sei un­ter an­de­rem von dem stell­ver­tre­ten­den Vor­sit­zen­den der CGB L5 in­iti­iert wor­den, wel­cher in dem da­ma­li­gen Ver­fah­ren vor dem Ar­beits­ge­richt Ge­ra be­reits als Ta­rif­se­kretär der CGD auf­geführt wor­den sei. Auch die Ta­rif­ge­mein­schaft mit dem DHV sei un­strei­tig nur rund ei­nen Mo­nat nach Be­kannt­ga­be der Gründe des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Ge­ra ins Le­ben ge­ru­fen wor­den. Dass es sich bei der GKH um ei­ne bloße "Auf­fang­or­ga­ni­sa­ti­on" für die CGD han­de­le, ent­spre­che aus­weis­lich ei­nes Rund­schrei­bens des Fach­ver­ban­des des Tisch­ler­hand­werks NRW vom 22.03.2005 (Bl. 22 d.A.) auch der Wahr­neh­mung der Ar­beit­ge­ber­sei­te.

Sch­ließlich feh­le es der GKH an ei­ner hin­rei­chen­den Leis­tungsfähig­keit ih­rer Or­ga­ni­sa­ti­on. An­ge­sichts der selbst­gewähl­ten Zuständig­keit für das ge­sam­te Bun­des­ge­biet könne die GKH die Ein­hal­tung der von ihr ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge nicht ein­mal im Be­darfs­fal­le über­wa­chen. Ihr feh­le so­wohl ei­ne aus­rei­chen­de fi­nan­zi­el­le Ba­sis, als auch ei­ne ent­spre­chen­de In­fra­struk­tur. Die GKH ha­be auch nicht den Nach­weis er­bracht, dass die für sie täti­gen eh­ren­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter über die ent­spre­chen­den Kennt­nis­se und Fähig­kei­ten verfügten.

Die IG Me­tall hat be­an­tragt,

fest­zu­stel­len, dass die GKH kei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft ist.

Die GKH so­wie die Be­tei­lig­ten zu 3., 4., 9., 10. und 15. ha­ben be­an­tragt,

den An­trag ab­zu­wei­sen.

Die GKH hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, der An­trag der IG Me­tall sei be­reits un­zulässig. Die IG Me­tall sei nicht an­trags­be­fugt, da sie in dem ver­fah­rens­ge­genständ­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich nicht durch­set­zungsfähig sei.

In je­dem Fall sei der An­trag un­be­gründet. Die GKH sei ei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft. Vor al­lem verfüge sie über die not­wen­di­ge Durch­set­zungs­kraft so­wie über ei­ne hin­rei­chend leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on.

Die GKH ha­be ei­ne aus­rei­chen­de An­zahl an Mit­glie­dern, die auch in Be­trie­ben ih­res 28 Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reichs tätig sei­en und die von der IG Me­tall "ins Blaue hin­ein" be­haup­te­te Zahl von sie­ben bis neun Mit­glie­dern um ein "ho­hes Viel­fa­ches" über­stei­ge. Nähe­re An­ga­ben zu den Mit­glie­der­zah­len bedürfe es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht, da die GKH be­reits in nen­nens­wer­tem Um­fang ak­tiv in das Ta­rif­ge­sche­hen ein­ge­grif­fen ha­be.

Bei der GKH han­de­le es sich um ei­ne so­ge­nann­te Ni­schen- oder Spe­zi­al­ge­werk­schaft, die sich ge­zielt auf ei­nen von den Beschäftig­ten- und
Be­triebs­zah­len her sin­ken­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich aus­ge­rich­tet ha­be. Ihr Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich sei ge­kenn­zeich­net durch ganz über­wie­gend klas­si­sche klei­ne Hand­werks­be­trie­be in im­mer klei­ne­rer Zahl. Zu­dem wer­de ihr Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich durch ei­nen ho­hen Spe­zia­li­sie­rungs­grad ge­prägt. Für ei­nen Großteil der be­tref­fen­den Be­trie­be stel­le der Aus­fall nur we­ni­ger Mit­ar­bei­ter im Streik­fal­le ei­ne exis­tenz­be­dro­hen­de Si­tua­ti­on dar. Als stark spe­zia­li­sier­te Ge­werk­schaft in ei­nem klei­nen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich könne die GKH oh­ne großen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­wand schnell und ge­zielt agie­ren und re­agie­ren. Sie verfüge über die ent­spre­chen­de fach­li­che Kom­pe­tenz, da die Mit­glie­der in den Ta­rif­kom­mis­sio­nen und so­gar im Haupt­vor­stand fast aus­nahms­los Beschäftig­te im Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich der GKH sei­en.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der IG Me­tall ha­be die GKH auch be­reits im nen­nens­wer­ten Um­fang ak­tiv ins Ta­rif­ge­sche­hen ein­ge­grif­fen. Zu berück­sich­ti­gen sei­en ins­be­son­de­re die Zahl der ins­ge­samt im be­tref­fen­den Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich be­ste­hen­den Ta­rif­verträge, das Al­ter der Ge­werk­schaft so­wie die An­zahl und flächenmäßigen Ver­tei­lung der Ta­rif­verträge. In­so­weit sei zu berück­sich­ti­gen, dass die GKH trotz kürze­rer Le­bens­dau­er mehr Ta­rif­verträge als die IG Me­tall ab­ge­schlos­sen und da­mit ei­nen flächenmäßig größeren Be­reich ab­ge­deckt ha­be. Der Ab­schluss der von ihr in das Ver­fah­ren ein­geführ­ten Ta­rif­verträge ha­be je­weils ge­ziel­te und spe­zi­fi­sche Ver­hand­lun­gen mit dem be­tref­fen­den So­zi­al­plan­part­ner er­for­dert. Ei­ne bloße Über­nah­me auf ein an­de­res Ta­rif­ge­biet sei nicht möglich ge­we­sen. Das be­reits er­folg­te ak­ti­ve Ein­grei­fen in das Ta­rif­ge­sche­hen sei ins­be­son­de­re in Re­la­ti­on zur IG Me­tall be­acht­lich. Während die GKH Flächen­ta­rif­verträge für die Be­rei­che Ham­burg, Nie­der­sach­sen/Bre­men, Schles­wig-Hol­stein, Nord­rhein-West­fa­len, Hes­sen, Rhein­land-Pfalz, Rhein­hes­sen-Pfalz, Bay­ern und Mit­tel­deutsch­land (Bran­den­burg Meck­len­burg-Vor­pom­mern, Sach­sen, Sach­sen-An­halt, Thürin­gen) ab­ge­schlos­sen ha­be, sei der IG Me­tall dies nur im Saar­land und in Ba­den-Würt­tem­berg ge­lun­gen, wo­bei die Ta­rif­ab­schlüsse in Ba­den-Würt­tem­berg vor al­lem auf der Be­reit­schaft der IG Me­tall be­ruht hätten, zu schlech­te­ren Kon­di­tio­nen als die GKH ab­zu­sch­ließen. Der Ver­lust der Ta­rifführer­schaft im Tisch­ler­hand­werk seit En­de der neun­zi­ger Jah­re ent­spre­che aus­weis­lich ih­res Bran­chen­re­ports Nr. 16 aus 2004 so­gar der Selbst­einschätzung der IG Me­tall.

Die von der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge würden auch tatsächlich auf mehr als 90 % der Ar­beits­verhält­nis­se in ih­rem Or­ga­ni­sa­ti­ons­ge­biet an­ge­wen­det. Dies ge­sche­he an­ge­sichts des ins­ge­samt ge­rin­gen Or­ga­ni­sa­ti­ons­gra­des zwar we­ni­ger kraft bei­der­sei­ti­ger Ta­rif­bin­dung, je­doch auf­grund ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me bzw. be­trieb­li­cher Übung. Die GKH re­ge­le da­mit nicht nur die Ar­beits­be­din­gun­gen ih­rer Mit­glie­der, son­dern fast al­ler in ih­rem Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer.

Die GKH verfüge auch über ei­ne hin­rei­chend leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on. Die Fähig­keit zur Vor­be­rei­tung und zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen sei durch die Viel­zahl der be­reits ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge in­di­ziert. Im Übri­gen müsse die Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke stets im Verhält­nis zum selbst­gewähl­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich be­wer­tet wer­den. Die­ser sei zwar flächenmäßig groß, je­doch fach­lich sehr be­grenzt und über­schau­bar. Um die dor­ti­gen Beschäftig­ten zu er­rei­chen und die Ein­hal­tung und Um­set­zung der ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge zu über­wa­chen, sei kein großer or­ga­ni­sa­to­ri­scher Ap­pa­rat er­for­der­lich. Auch das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be an­er­kannt, dass ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on auch über eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter auf­ge­baut wer­den könne, so­fern die­se über die er­for­der­li­che Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen verfügten. Zu­dem hat die GKH auf ih­ren sat­zungsmäßigen Auf­bau, ins­be­son­de­re die dort vor­ge­se­he­nen Or­ga­ne ver­wie­sen. Die bis­he­ri­gen Ge­werk­schafts­ta­ge sei­en in Form ei­ner Mit­glie­der­ver­samm­lung ab­ge­hal­ten wor­den. Ne­ben dem Haupt­vor­stand sei ei­ne Bun­des­ta­rif­kom­mis­si­on ge­bil­det, wel­che in re­gelmäßigen Abständen – min­des­tens ein­mal pro Jahr – ta­ge. Da­ne­ben bestünden re­gio­na­le, fach­li­che Ta­rif­kom­mis­sio­nen. Eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter en­ga­gier­ten sich nicht nur im Haupt­vor­stand und in den Ta­rif­kom­mis­sio­nen, son­dern auch in den Be­triebs­grup­pen.

Ein deut­li­cher Be­weis ih­rer or­ga­ni­sa­to­ri­schen Leis­tungsfähig­keit sei die tatsächli­che Durchführung der von ihr ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge. De­ren Durch­set­zung im Ar­beits­le­ben sei be­reits mehr­fach ge­richt­lich fest­ge­stellt wor­den. Außer­dem be­ste­he auch ein durch­aus ernst zu neh­men­des Ei­gen­in­ter­es­se der be­tref­fen­den Ar­beit­ge­ber an der Ein­hal­tung der ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge. In der überg­roßen Mehr­zahl der Be­trie­be herr­sche ei­ne "fa­mi­liäre At­mo­sphäre".

Die Be­haup­tung der IG Me­tall, dass es sich bei der GKH um ei­ne bloße "Auf­fang­or­ga­ni­sa­ti­on" für die CGD han­de­le, sei schlicht aus der Luft ge­grif­fen. Die GKH sei kei­ne Rechts­nach­fol­ge­rin der CGD, son­dern ei­ne Neu­gründung für ih­ren spe­zi­el­len fach­li­chen Gel­tungs­be­reich.
Durch Be­schluss vom 14.03.2008 hat das Ar­beits­ge­richt den An­trag der IG Me­tall als 35 un­be­gründet ab­ge­wie­sen und zur Be­gründung aus­geführt, die GKH sei ei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft. Sie sei frei ge­bil­det, un­abhängig und ei­ne über­be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­on. Sie verfüge auch über die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler. Ob hierfür al­lein ih­re Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke auf­grund der feh­len­den Auf­schlüsse­lung ih­rer Mit­glie­der­zahl aus­rei­che, er­schei­ne zwar zwei­fel­haft, die GKH ha­be aber in der Ver­gan­gen­heit be­reits in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge in ih­rem eng be­grenz­ten fach­li­chen Gel­tungs­be­reich ab­ge­schlos­sen und da­durch deut­lich ge­macht, dass sie ak­tiv in den Pro­zess der ta­rif­li­chen Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ge­grif­fen ha­be und in wei­ten Be­rei­chen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te wahr- und ernst­ge­nom­men wer­de. Auch die er­for­der­li­che Leis­tungsfähig­keit sei durch die An­zahl der ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge hin­rei­chend in­di­ziert. An­halts­punk­te dafür, dass es sich bei den ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge ge­han­delt ha­be, die auf ei­nem bloßen Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ruh­ten, sei­en nicht von der IG Me­tall vor­ge­tra­gen und auch nicht sonst­wie er­sicht­lich.

Ge­gen den der IG Me­tall am 05.06.2008 zu­ge­stell­ten Be­schluss, auf des­sen Gründe ergänzend Be­zug ge­nom­men wird, hat die IG Me­tall am 02.07.2008 Be­schwer­de zum Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­legt und die­se nach Verlänge­rung der Be­schwer­de­be­gründungs­frist bis zum 05.09.2008 mit dem am 05.09.2008 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­ge­nen Schrift­satz be­gründet.

Un­ter Wie­der­ho­lung ih­res erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens ist die IG Me­tall der Auf­fas­sung, das Ar­beits­ge­richt sei in der an­ge­foch­te­nen Ent­schei­dung von der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zum Ge­werk­schafts­be­griff und zur Ta­riffähig­keit von Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen ab­ge­wi­chen und ha­be die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts un­rich­tig an­ge­wandt. Bei sei­ner Ent­schei­dung ha­be das Ar­beits­ge­richt berück­sich­ti­gen müssen, dass es nicht nur um ei­nen Ein­griff in die geschütz­te Ko­ali­ti­ons­frei­heit ge­he, son­dern dass auch die Ta­rif­au­to­no­mie als Zen­trum der Ko­ali­ti­ons­frei­heit geschützt wer­de. Dies set­ze aber vor­aus, dass die Ta­rif­au­to­no­mie von star­ken und gleich­wer­ti­gen Or­ga­ni­sa­tio­nen mit Durch­set­zungs- und Leis­tungsfähig­keit wahr­ge­nom­men wer­de und da­durch die von der Recht­spre­chung un­ter­stell­te Rich­tig­keits­gewähr gewähr­leis­tet sei. In­so­weit sei die Mit­glie­der­zahl und der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung von großer Be­deu­tung und könne nicht, wie das Ar­beits­ge­richt an­ge­nom­men ha­be, da­hin­ge­stellt blei­ben. Dass Mit­glie­der ei­ne zen­tra­le Be­deu­tung für ei­ne Ge­werk­schaft hätten, er­ge­be sich auch aus der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 28.03.2006 - 1 ABR 58/04 -. Oh­ne ei­ne aus­rei­chen­de Mit­glie­der­zahl ei­ner Ge­werk­schaft könne auch nicht dar­auf ge­schlos­sen wer­den, dass tatsächlich Ta­rif­verträge durch­ge­setzt würden. Für Ta­rif­ver­hand­lun­gen und für den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen benöti­ge man ein ent­spre­chen­des Fach­wis­sen. Hier­auf stel­le auch die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts ab, wenn es Ta­rif­verträge we­gen der Rich­tig­keits­gewähr als nur ein­ge­schränkt über­prüfbar be­trach­te. Das Ar­beits­ge­richt ha­be die Ar­gu­men­ta­ti­on des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf den Ab­schluss von Verträgen re­du­ziert und da­bei den Zu­sam­men­hang mit der Mit­glied­schaft in ei­ner Ge­werk­schaft über­se­hen. Zwi­schen Ta­rif­verträgen und Mit­glie­dern ei­ner Ge­werk­schaft be­ste­he ein sach­not­wen­di­ger und un­trenn­ba­rer Zu­sam­men­hang so­wie ei­ne Wech­sel­wir­kung, da es Auf­ga­be ei­ner Ge­werk­schaft sei, Ta­rif­verträge für ih­re Mit­glie­der ab­zu­sch­ließen; Ta­rif­verträge oh­ne Mit­glie­der sei­en aber kei­ne Ta­rif­verträge. Noch in der Ent­schei­dung vom 06.06.2000 ha­be das Bun­des­ar­beits­ge­richt dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es für die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung grund­le­gend zunächst auf die Mit­glie­der­zahl an­kom­me; nur darüber hin­aus könne sich die Durch­set­zungs­kraft auch aus dem Ab­schluss ei­ner nen­nens­wer­ten An­zahl von Ta­rif­verträgen er­ge­ben. Dies sei in der Ent­schei­dung vom 28.03.2006 be­kräftigt wor­den.

Es müsse je­doch nach wie vor da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass bei der GKH Mit­glie­der nur in ex­trem ge­rin­gem Um­fang vor­han­den sei­en. Das Ar­beits­ge­richt ha­be es un­ter Ver­s­toß ge­gen den im Be­schluss­ver­fah­ren gel­ten­den Un­ter­su­chungs­grund­satz un­ter­las­sen, die Mit­glie­der­zahl der GKH von Amts we­gen zu er­mit­teln. Die Gründung der GKH ha­be nur fünf Ta­ge nach Zu­stel­lung der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ge­ra statt­ge­fun­den. An­we­send ge­we­sen sei­en acht Leu­te, von de­nen zwei haupt­amt­li­che Se­kretäre der CGM sei­en, die auch die Ver­samm­lungs­lei­tung über­nom­men hätten. Die GKH sei aus der CGD, der das Ar­beits­ge­richt Ge­ra die Ta­riffähig­keit ab­ge­spro­chen ha­be, ent­stan­den. In die­sem Ver­fah­ren sei von der CGD vor­ge­tra­gen wor­den, dass sie im Be­reich Holz/Kunst­stoff ca. 460 Mit­glie­der ha­be. Die­se An­zahl an Mit­glie­dern könne aber die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung nicht be­le­gen.

Hier­nach ha­be das Ar­beits­ge­richt un­ter An­wen­dung des im Be­schluss­ver­fah­ren gel­ten­den Un­ter­su­chungs­grund­sat­zes die Mit­glie­der­zahl der GKH von Amts we­gen näher er­mit­teln müssen. Auch der Ab­schluss von ca. 60 Ta­rif­verträgen be­le­ge hin­sicht­lich der Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung gar nichts. Ei­ne Schwes­ter­or­ga­ni­sa­ti­on der CGM – die CG­ZP – ha­be im Be­reich der Ar­beit­neh­merüber­las­sung in der Zwi­schen­zeit ca. 500 Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen, ob­gleich sie nur aus ei­nem haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter be­ste­he, der gleich­zei­tig noch An­ge­stell­ter des CGB sei. Auch der Hin­weis der GKH auf ein Rah­men­ab­kom­men mit der CGM be­sa­ge nichts zu der er­for­der­li­chen Leis­tungsfähig­keit. Auch die CGM ha­be selbst in dem Ver­fah­ren, in dem es um ih­re ei­ge­ne Ta­riffähig­keit ge­gan­gen sei, sich auf den Ver­wal­tungs­ap­pa­rat be­ru­fen, wie er im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren ge­schil­dert wer­de. Eben­so be­ru­fe sich die CG­ZP in ei­nem Ver­fah­ren beim Ar­beits­ge­richt Ber­lin dar­auf, dass sie ein Rah­men­ab­kom­men mit der CGM ha­be. Dies be­deu­te, dass sich der Ver­wal­tungs­ap­pa­rat und da­mit die Zuständig­keit der CGM auf an­de­re Or­ga­ni­sa­tio­nen ständig aus­deh­ne, oh­ne dass dies von der Sat­zung der CGM ge­re­gelt sei. Selbst das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be in der Ent­schei­dung vom 28.03.2006 den haupt­amt­li­chen Ap­pa­rat der CGM als recht klei­nen Ap­pa­rat be­zeich­net. Bei Berück­sich­ti­gung des Um­stan­des, dass die­ser "recht klei­ner haupt­amt­li­che Ap­pa­rat" nun­mehr auch noch für den Be­reich der GKH und für den Be­reich der CG­ZP zuständig sei, re­la­ti­vie­re sich die Leis­tungsfähig­keit er­heb­lich. Auch in­so­weit sei die Mit­glie­derstärke der GKH von er­heb­li­cher Be­deu­tung und hätte vom Ar­beits­ge­richt er­mit­telt wer­den müssen.

Hin­zu kom­me, dass zur Leis­tungsfähig­keit auch ei­ne fi­nan­zi­el­le Leis­tungsfähig­keit gehöre. Un­ter­stel­le man, die GKH ha­be al­le 460 Mit­glie­der von der CGD über­nom­men und die­se zahl­ten auch von der GKH ge­for­der­ten Durch­schnitts­bei­trag von 6.00 €, er­ge­be sich, dass die GKH mo­nat­li­che Ein­nah­men von 2.760.-- € ha­be. Al­lein die­ser Um­stand ma­che deut­lich, dass im Rah­men der Amts­er­mitt­lung die Leis­tungsfähig­keit der GKH ge­nau­er hätte un­ter­sucht wer­den müssen.

Ent­ge­gen der Rechts­auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts kom­me es nicht ent­schei­dend dar­auf an, dass die GKH in man­chen Be­rei­chen mehr Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen ha­be, als die IG Me­tall. Es sei zu­ge­ge­be­ner­maßen schwie­rig, im Zuständig­keits­be­reich der GKH Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Dies sei auch der An­trag­stel­le­rin wohl be­kannt und be­rei­te ihr un­strei­tig Pro­ble­me. Die Zahl der ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge könne aber nicht al­lein das maßgeb­li­che Kri­te­ri­um für die Durch­set­zungsfähig­keit sein. Der GKH ge­lin­ge der Ab­schluss von Ta­rif­verträgen nur des­halb, weil die­se über­wie­gend den Vor­stel­lun­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te entsprächen. In­so­weit könne nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass die GKH in der La­ge sei, ak­tiv am Ta­rif­ge­sche­hen teil­zu­neh­men. Viel­mehr sei es so, dass sie von der Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­dul­det wer­de, da sie Ta­rif­verträge so ab­sch­ließe, wie dies von der Ge­gen­sei­te gewünscht wer­de.

Hin­zu kom­me, dass die Ta­rif­verträge im We­sent­li­chen nicht al­lein von der GKH ab­ge­schlos­sen wor­den sei­en, son­dern von der DHV oder von der Ta­rif­ge­mein­schaft Christ­li­cher Ge­werk­schaf­ten für Holz-Kunst­stoff-Mo­dell­bau und Holz­in­dus­trie. Ei­ne Ta­rif­ge­mein­schaft zeich­ne sich aber da­durch aus, dass das ta­riffähi­ge Mit­glied selbst Part­ner des Ta­rif­ver­tra­ges sei. Die Ta­rif­ge­mein­schaft als Außen­ge­sell­schaft bürger­li­chen Rechts sei im ei­ge­nen Na­men we­der ta­riffähig noch ta­rif­lich hand­lungsfähig. Der Zu­sam­men­schluss der DHV und der GKG be­zeich­ne sich in der Sat­zung als Ta­rif­ge­mein­schaft, oh­ne im recht­li­chen Sin­ne ei­ne sol­che zu sein. Dies er­ge­be sich aus der Sat­zung selbst. Nach Zif­fer 3 der Sat­zung hätten die Mit­glieds­ge­werk­schaf­ten durch ih­ren Bei­tritt zur Ta­rif­ge­mein­schaft den Wil­len zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen fak­tisch "ab­ge­tre­ten". Durch die Ab­tre­tung hätten sie darüber verfügt, sie sei­en we­der ta­rif­wil­lig noch ta­riffähig.

Die IG Me­tall be­an­tragt,

un­ter Abände­rung des Be­schlus­ses des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 14.03.2008 – 2 BV 30/07 – fest­zu­stel­len, dass die GKH kei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft ist.

Der Be­tei­lig­te zu 7. schloss sich dem An­trag der IG Me­tall an.

Die GKH be­an­tragt,

die Be­schwer­de zurück­zu­wei­sen.

Die Be­tei­lig­ten zu 3., 9., 10. und 15. schlos­sen sich dem An­trag der GKH an.

Die GKH ver­tei­digt den ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss und ist der Auf­fas­sung, das Ar­beits­ge­richt ha­be die Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts zu­tref­fend auf den vor­lie­gen­den Fall an­ge­wen­det.

Be­reits die Vorgänge­rin der IG Me­tall, die Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff, ha­be vor ih­rer Auflösung Schwie­rig­kei­ten ge­habt, im Tisch­ler­hand­werk Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Auch die IG Me­tall ha­be es in­ner­halb von nun fast 10 Jah­ren ih­rer Tätig­keit nicht ge­schafft, im Be­reich des Tisch­ler­hand­werks die Ta­rifführer­schaft zu er­lan­gen. Sie könne of­fen­bar nur dort er­folg­reich sein, wo sie die For­de­run­gen der GKH un­ter­bie­te. Rechts­schutz­ziel der IG Me­tall sei nicht die Auf­recht­er­hal­tung der im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie, son­dern ein rei­nes Wett­be­werbs- und Kon­kur­ren­ten­ver­drängungs­in­ter­es­se. In­so­weit feh­le es schon an dem er­for­der­li­chen Rechts­schutz­in­ter­es­se der IG Me­tall.

Im Übri­gen ha­be das Ar­beits­ge­richt den An­trag der IG Me­tall zu Recht als un­be­gründet ab­ge­wie­sen. Auf die An­zahl der Mit­glie­der der GKH, die sehr viel er­heb­lich höher lie­ge als von der IG Me­tall an­ge­nom­men, kom­me es nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht ent­schei­dend an. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt ha­be im Be­schluss vom 28.03.2006 aus­drück­lich aus­geführt, dass ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung bei ei­nem Streit über ih­re Ta­riffähig­keit nicht den Nach­weis führen müsse, dass sie in dem Ta­rif­be­reich über ei­ne be­stimm­te Min­dest­mit­glied­zahl verfüge.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der IG Me­tall sei die GKH auch nicht aus der CGD her­vor­ge­gan­gen. Die ob­jek­tiv vor­lie­gen­de zeit­li­che Nähe zwi­schen der Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ge­ra und der Gründung der GKH sei eher zufälli­ger Na­tur. Die GKH ha­be ei­nen völlig an­de­ren sat­zungsmäßigen Zuständig­keits­be­reich. Der ganz über­wie­gen­de Großteil ih­rer Mit­glie­der sei in die­sem Zuständig­keits­be­reich tätig.

Die GKH verfüge auch über ei­ne aus­rei­chen­de Leis­tungsfähig­keit. Hierfür sei die Beschäfti­gung haupt­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter nicht un­ab­ding­ba­re Vor­aus­set­zung. Die GKH verfüge mitt­ler­wei­le über drei haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter. Dar­auf, dass ge­ra­de auf­grund der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ei­ne Präsens der Ge­werk­schafts­mit­ar­bei­ter vor Ort nicht mehr in dem­sel­ben Maße er­for­der­lich sei wie früher, ha­be be­reits das Bun­des­ar­beits­ge­richt hin­ge­wie­sen. Auch bei der GKH sei ei­ne große An­zahl eh­ren­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter vor Ort tätig. Hin­zu kom­me die fast aus­sch­ließlich mit eh­ren­amt­li­chen Mit­ar­bei­tern be­setz­te Ta­rif­kom­mis­si­on und die Tat­sa­che des Ko­ope­ra­ti­ons­ab­kom­mens mit der CGM. Hier­aus ei­ne Aus­wei­tung des Zuständig­keits­be­reichs der CGM zu fol­gern, sei un­zu­tref­fend. Es ge­he le­dig­lich um ei­ne rein ad­mi­nis­tra­ti­ve Zu­sam­men­ar­beit zwi­schen der GKH und der CGM.

Die er­for­der­li­che Durch­set­zungsfähig­keit und die hin­rei­chen­de Leis­tungsfähig­keit wer­de in aus­rei­chen­der Wei­se durch den Ab­schluss von Ta­rif­verträgen in nen­nens­wer­tem Um­fang be­legt. Die GKH ha­be mitt­ler­wei­le im Tisch­ler­be­reich die Ta­rifführer­schaft über­nom­men. Für die IG Me­tall stel­le die­ser Be­reich le­dig­lich ein Ne­ben­ge­biet dar, weil sie in­so­weit of­fen­bar nicht über fach­lich ver­sier­te eh­ren- oder haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter verfüge. Die Mit­glie­der und Mit­ar­bei­ter der GKH hin­ge­gen kenn­ten die zu re­geln­den Pro­ble­me aus ih­rer tägli­chen Ar­beit und sei­en in der La­ge, bran­chen­spe­zi­fisch und mit ent­spre­chen­dem Fach­wis­sen auf Au­genhöhe mit den so­zia­len Ge­gen­spie­lern zu ver­han­deln. Dem­ge­genüber hätten die Ar­beit­ge­ber­verbände sich über­wie­gend des­halb ge­wei­gert, mit der IG Me­tall Ta­rif­ver­hand­lun­gen zu führen, weil die Mit­ar­bei­ter der IG Me­tall im We­sent­li­chen bran­chen­fremd sei­en und über kei­ner­lei not­wen­di­ges Fach­wis­sen verfügten. Für den Ab­schluss von Gefällig­keits- oder Schein­ta­rif­verträgen ge­be es über­haupt kei­ner­lei An­zei­chen und auch kei­ne Ansätze in den Dar­le­gun­gen der IG Me­tall. Hin­ge­gen lie­ge das Lohn­ni­veau der von der IG Me­tall ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge in den al­ler­meis­ten Flächen­ta­rif­verträgen un­ter dem der Ta­rif­verträge der GKH.

Un­rich­tig sei auch das Vor­brin­gen der IG Me­tall, die ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge sei­en aus­sch­ließlich von der DHV ab­ge­schlos­sen wor­den. Rich­tig sei le­dig­lich, dass die GKH nach ih­rer Gründung zunächst von der or­ga­ni­sa­to­ri­schen Er­fah­rung der DHV, die be­reits länger am Ta­rif­le­ben teil­ge­nom­men ha­be, ha­be pro­fi­tie­ren wol­len, des­halb sei die Ta­rif­ge­mein­schaft ge­gründet wor­den. Seit ge­rau­mer Zeit schließe die GKH je­doch nur noch ge­glie­der­te Ta­rif­verträge, die von der DHV ei­ner­seits und der GKH an­de­rer­seits für ih­ren je­wei­li­gen persönli­chen Gel­tungs­be­reich ab­ge­schlos­sen würden, sie schließe auch ganz ei­ge­ne Ta­rif­verträge ab. Da­von, dass die GKH ih­ren Wil­len zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen an die Ta­rif­ge­mein­schaft ab­ge­tre­ten ha­be, könne kei­ne Re­de sein.

Im Übri­gen wird auf den wei­te­ren In­halt der von der IG Me­tall und der GKH ge­wech­sel­ten Schriftsätze Be­zug ge­nom­men. Be­zug ge­nom­men wird auch auf die Stel­lung­nah­men der wei­te­ren Be­tei­lig­ten.

B

Die zulässi­ge Be­schwer­de der IG Me­tall ist nicht be­gründet.

Zu Recht und mit zu­tref­fen­der Be­gründung hat das Ar­beits­ge­richt den zulässi­gen Fest­stel­lungs­an­trag der IG Me­tall als un­be­gründet ab­ge­wie­sen.

I.

Der Fest­stel­lungs­an­trag der IG Me­tall ist zulässig.

1. Die IG Me­tall ver­folgt ihr Be­geh­ren zu Recht im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren nach den §§ 2 a Abs. 1 Nr. 4, 80 Abs. 1, 97 Abs. 1 und 2 ArbGG. Die Be­tei­lig­ten strei­ten nämlich über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung.

2. Der von der IG Me­tall ge­stell­te An­trag ist hin­rei­chend be­stimmt im Sin­ne des auch 63 im ar­beits­ge­richt­li­chen Be­schluss­ver­fah­ren an­wend­ba­ren § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO. Mit ihm wird aus­sch­ließlich ei­ne Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit der GKH be­gehrt (BAG, 28.03.2006 – 1 ABR 58/04 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 4, Rn. 23).

3. Die IG Me­tall ist nach § 97 Abs. 1 ArbGG an­trags­be­rech­tigt.

Hierfür ist er­for­der­lich, dass sich der räum­li­che und sach­li­che Zuständig­keits­be­reich der an­trag­stel­len­den Ver­ei­ni­gung zu­min­dest teil­wei­se mit den Zuständig­keits­be­rei­chen der Ver­ei­ni­gung deckt, de­ren Ta­riffähig­keit be­strit­ten wird (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 26 m.w.N.). Dies ist vor­lie­gend der Fall. Aus­weis­lich der Sat­zung der IG Me­tall er­streckt sich der räum­li­che Zuständig­keits­be­reich - wie der­je­ni­ge der GKH - auf das ge­sam­te Bun­des­ge­biet. Der sach­li­che Zuständig­keits­be­reich der IG Me­tall um­fasst seit der ent­spre­chen­den Sat­zungs­er­wei­te­rung mit Wir­kung zum 01.01.2000 auch die Be­trie­be der Holz­be­ar­bei­tung, Holz­ver­ar­bei­tung und Kunst­stoff­ver­ar­bei­tung ein­sch­ließlich der Hand­werks­be­trie­be und über­schnei­det sich da­her eben­falls mit dem­je­ni­gen der GKH.

Die IG Me­tall ist auch selbst ta­riffähig. Die ge­ne­rel­le Ta­riffähig­keit der IG Me­tall wird von kei­nem der am vor­lie­gen­den Ver­fah­ren Be­tei­lig­ten in Ab­re­de ge­stellt. Sie lässt sich bei ei­ner der welt­weit mit­glie­derstärks­ten Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen auch schwer­lich ernst­haft be­strei­ten.

Der Ein­wand der GKH, sie ha­be die IG Me­tall im Be­reich des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks als Ta­rif­ver­trags­par­tei na­he­zu ver­drängt, lässt die An­trags­be­fug­nis der IG Me­tall nicht ent­fal­len. Ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist für den von ihr be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reich ent­we­der ins­ge­samt oder über­haupt nicht ta­riffähig. Es gibt kei­ne par­ti­el­le Ta­riffähig­keit (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 56 ff.).

Auch der in der Be­schwer­de­instanz er­folg­te Hin­weis der GKH, die IG Me­tall miss­brau­che das vor­lie­gen­de Ver­fah­ren, um ei­nen miss­lie­bi­gen Kon­kur­ren­ten los­zu­wer­den, sie han­de­le aus­sch­ließlich aus rei­nem Wett­be­werbs- und Kon­kur­ren­ten­ver­drängungs­in­ter­es­se, lässt die An­trags­be­fug­nis der IG Me­tall nicht ent­fal­len. Zu­verlässi­ge An­halts­punk­te für die An­nah­me, der IG Me­tall ge­he es nicht um die be­gehr­te Fest­stel­lung des Feh­lens der Ta­riffähig­keit der GKH, son­dern aus­sch­ließlich dar­um, die­se in ih­rer Betäti­gungs­frei­heit zu be­hin­dern, lie­gen nicht vor. Al­lein der Um­stand, dass die IG Me­tall sich mit der GKH bei der Wer­bung um Mit­glie­der in Kon­kur­renz be­fin­det, genügt hierfür nicht.

4. Die IG Me­tall hat an der be­gehr­ten Fest­stel­lung, dass die GKH kei­ne ta­riffähi­ge Ge­werk­schaft ist, auch das nach § 256 Abs. 1 ZPO er­for­der­li­che recht­li­che In­ter­es­se. Dies folgt schon dar­aus, dass die rechts­kräfti­ge Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit der GKH Wir­kung für und ge­gen al­le ent­fal­tet (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 31).

5. Über die vom Ar­beits­ge­richt an­gehörten Be­tei­lig­ten hin­aus sind am Ver­fah­ren kei­ne wei­te­ren Per­so­nen, Ver­ei­ni­gun­gen oder Stel­len be­tei­ligt.

Wer an ei­nem Ver­fah­ren zur Ent­schei­dung über die Ta­riffähig­keit ei­ner Ver­ei­ni­gung von Ar­beit­neh­mern nach den §§ 2 a Abs. 1 Nr. 4, 97 Abs. 1 ArbGG be­tei­ligt ist, folgt aus § 83 Abs. 3 ArbGG, der gemäß § 97 Abs. 2 ArbGG ent­spre­chen­de An­wen­dung fin­det.

Maßgeb­lich ist da­nach die un­mit­tel­ba­re Be­trof­fen­heit in der Rechts­stel­lung als Ar­beit­neh­mer- oder Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung. Da­her ist stets die Ver­ei­ni­gung be­tei­ligt, über de­ren Ta­riffähig­keit ge­strit­ten wird. Be­tei­ligt sind fer­ner die Ar­beit­neh­mer- und Ar­beit­ge­ber­sei­te, so­weit die Ent­schei­dung sie berühren kann, mit­hin al­le Ver­ei­ni­gun­gen, de­ren ört­li­che und sach­li­che Zuständig­keit mit der Zuständig­keit der Ver­ei­ni­gung, de­ren Ta­riffähig­keit um­strit­ten ist, we­nigs­tens teil­wei­se übe­rein­stimmt. Da­bei kann die Be­tei­li­gung der je­wei­li­gen Spit­zen­verbände aus­rei­chend sein (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 19 m.w.N.).

Hier­nach ist nicht er­sicht­lich, dass im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren die Anhörung ei­ner Ver­ei­ni­gung oder Stel­le un­ter­blie­ben wäre, die durch die zu tref­fen­de Ent­schei­dung in ih­rer Rechts­stel­lung als Ar­beit­neh­mer- oder Ar­beit­ge­ber­ver­ei­ni­gung un­mit­tel­bar be­trof­fen ist. Von der Be­tei­li­gung der Be­tei­lig­ten zu 10. bis 17. hat auch die Be­schwer­de­kam­mer trotz der Be­tei­li­gung des Spit­zen­ver­ban­des auf Ar­beit­ge­ber­sei­te, des Be­tei­lig­ten zu 3., nicht ab­ge­se­hen, weil sie als Ta­rif­part­ner der GKH die größere Sachnähe zum tatsächli­chen Ta­rif­ge­sche­hen auf­wei­sen, selbst im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren Stel­lung­nah­me ab­ge­ge­ben und zum Teil auch Anträge ge­stellt ha­ben.

II.

Der Fest­stel­lungs­an­trag der IG Me­tall ist un­be­gründet. Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt in dem an­ge­foch­te­nen Be­schluss aus­geführt, dass die GKH ei­ne ta­riffähi­ge Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist. Sie erfüllt sämt­li­che hier­zu er­for­der­li­chen Vor­aus­set­zun­gen.

1. We­der der Be­griff der Ta­riffähig­keit noch die An­for­de­run­gen, die an die Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu stel­len sind, sind ge­setz­lich de­fi­niert. Auch § 2 Abs. 1 TVG be­stimmt den Be­griff der ta­riffähi­gen Ge­werk­schaft nicht, son­dern setzt ihn vor­aus. Es ist da­her Auf­ga­be der Ge­rich­te für Ar­beits­sa­chen, im Rah­men der an sie her­an­ge­tra­ge­nen Strei­tig­keit den un­be­stimm­ten Rechts­be­griff der Ta­riffähig­keit durch Aus­le­gung im Lich­te des Art. 9 Abs. 3 GG aus­zufüllen (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 35 f. m.w.N.).

Vor die­sem Hin­ter­grund hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt in ständi­ger Recht­spre­chung be­stimm­te Min­dest­vor­aus­set­zun­gen ent­wi­ckelt, die ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung erfüllen muss, um ta­riffähig zu sein. Die­se Kri­te­ri­en hat es zu­letzt mit Be­schluss vom 28.03.2006 – 1 ABR 58/04 – (AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 4) noch­mals ei­ner an Art. 9 Abs. 3 GG aus­ge­rich­te­ten Prüfung un­ter­zo­gen und ist da­bei zu dem Er­geb­nis ge­langt, dass ins­be­son­de­re das richter­recht­li­che Er­for­der­nis der so­zia­len Mäch­tig­keit zwar in die Betäti­gungs­frei­heit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ein­greift, die­ser Ein­griff je­doch im In­ter­es­se ei­ner funk­ti­onsfähi­gen Ta­rif­au­to­no­mie ge­recht­fer­tigt ist. Die er­ken­nen­de Be­schwer­de­kam­mer schließt sich die­ser Recht­spre­chung an und macht die von ihr ent­wi­ckel­ten Kri­te­ri­en zur Grund­la­ge der be­an­trag­ten Über­prüfung der Ta­riffähig­keit der GKH.

Hier­nach muss ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung be­stimm­te Min­dest­vor­aus­set­zun­gen erfüllen, um ta­riffähig zu sein. Sie muss sich als sat­zungsmäßige Auf­ga­be die Wahr­neh­mung der In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der in de­ren Ei­gen­schaft als Ar­beit­neh­mer ge­setzt ha­ben und wil­lens sein, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen. Sie muss frei ge­bil­det, geg­ner­frei, un­abhängig und auf über­be­trieb­li­cher Grund­la­ge or­ga­ni­siert sein und das gel­ten­de Ta­rif­recht als ver­bind­lich an­er­ken­nen. Wei­ter­hin ist Vor­aus­set­zung, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ih­re Auf­ga­be als Ta­rif­part­ne­rin sinn­voll erfüllen kann. Da­zu gehört ein­mal die Durch­set­zungs­kraft ge­gen-über dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler, zum an­de­ren ei­ne ge­wis­se Leis­tungsfähig­keit der Or­ga­ni­sa­ti­on (BAG, 06.06.2000 – 1 ABR 10/99 – AP TVG § 2 Nr. 55; BAG, 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1; BAG, 28.03.2006 - 1 ABR 58/04 - AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 4, Rn. 34 m.w.N.).

Un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser von der Recht­spre­chung auf­ge­stell­ten Grundsätze, die ver­fas­sungs­gemäß sind (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 37 ff.) und die auch über­wie­gend von der ar­beits­recht­li­chen Li­te­ra­tur ge­teilt wer­den (ErfK/Fran­zen, 9. Aufl., § 2 TVG Rn. 11 f.; Hens­s­ler/Hei­den, Anm. zu BAG AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 4; Hümme­rich/Holt­hau­sen, NZA 2006, 1070; Ri­char­di, RdA 2007, 117; Wank/Schmidt, RdA 2008, 257 m.w.N.), kann die Ta­riffähig­keit der GKH nicht ver­neint wer­den.

a) Die GKH hat sich in ih­rer Sat­zung die Auf­ga­be ge­stellt, die In­ter­es­sen ih­rer Mit­glie­der in de­ren Ei­gen­schaft als Ar­beit­neh­mer wahr­zu­neh­men, und ist wil­lens, Ta­rif­verträge ab­zu­sch­ließen, § 2 der Sat­zung.

Sie ist frei ge­bil­det und er­kennt das gel­ten­de Ta­rif­recht an, § 23 der Sat­zung.

Die GKH ist nach ih­rer Sat­zung auch über­be­trieb­lich or­ga­ni­siert, geg­ner­frei und be­sitzt auch die er­for­der­li­che Geg­ner­un­abhängig­keit.

Bei der GKH sind we­der Ar­beit­ge­ber noch de­ren Re­präsen­tan­ten or­ga­ni­siert. Es lie­gen auch kei­ne An­halts­punk­te dafür vor, dass die GKH struk­tu­rell vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler abhängig ist. An der er­for­der­li­chen Geg­ner­un­abhängig­keit fehlt es erst dann, wenn die Abhängig­keit vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler in der Struk­tur der Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung an­ge­legt und ver­ste­tigt und die ei­genständi­ge In­ter­es­sen­wahr­neh­mung der Ta­rif­ver­trags­par­tei durch per­so­nel­le Ver­flech­tun­gen, auf or­ga­ni­sa­to­ri­schem Weg oder durch we­sent­li­che fi­nan­zi­el­le Zu­wen­dun­gen ernst­haft gefähr­det ist. Hier­von ist aus­zu­ge­hen, wenn sich ei­ne Ge­werk­schaft im We­sent­li­chen nicht aus den Beiträgen der Mit­glie­der, son­dern aus Zu­wen­dun­gen der Ar­beit­ge­ber fi­nan­ziert und zu befürch­ten ist, dass die Ar­beit­ge­ber­sei­te durch An­dro­hung der Zah­lungs­ein­stel­lung die Wil­lens­bil­dung auf Ar­beit­neh­mer­sei­te be­ein­flus­sen kann (BAG, 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1, un­ter B. III. 2. d) aa) der Gründe m.w.N.). Hierfür lie­gen aber An­halts­punk­te im vor­lie­gen­den Fall nicht vor. Ei­ne der­ar­ti­ge Abhängig­keit vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler wird selbst von der IG Me­tall nicht in nach­prüfba­rer Wei­se be­haup­tet. Es ist nicht er­kenn­bar, dass und in­wie­fern die GKH in fi­nan­zi­el­ler oder or­ga­ni­sa­to­ri­scher Hin­sicht von der Ar­beit­ge­ber­sei­te abhängig wäre.

b) Auch nach Auf­fas­sung der Be­schwer­de­kam­mer ist da­von aus­zu­ge­hen, dass die GKH auch über die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler verfügt.

aa) Das Er­for­der­nis der so­zia­len Mäch­tig­keit soll si­cher­stel­len, dass der so­zia­le Ge­gen­spie­ler Ver­hand­lungs­an­ge­bo­te nicht über­ge­hen kann. Ein an­ge­mes­se­ner, so­zi­al be­frie­di­gen­der In­ter­es­sen­aus­gleich kann nur zu­stan­de kom­men, wenn die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung zu­min­dest so viel Druck ausüben kann, dass sich die Ar­beit­ge­ber­sei­te ver­an­lasst sieht, sich auf Ver­hand­lun­gen über ei­ne ta­rif­li­che Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­zu­las­sen. Die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung muss von ih­rem so­zia­len Ge­gen­spie­ler ernst ge­nom­men wer­den, so­dass die Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ein­sei­tig von der Ar­beit­ge­ber­sei­te fest­ge­legt, son­dern tatsächlich aus­ge­han­delt wer­den.

Ob ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ei­ne sol­che Durch­set­zungsfähig­keit be­sitzt, muss auf­grund al­ler Umstände im Ein­zel­fall fest­ge­stellt wer­den. Al­ler­dings dürfen an die Ta­riffähig­keit kei­ne An­for­de­run­gen ge­stellt wer­den, die er­heb­lich auf die Bil­dung und Betäti­gung ei­ner Ko­ali­ti­on zurück­wir­ken, die­se un­verhält­nismäßig ein­schränken und so zur Aushöhlung der durch Art. 9 Abs. 3 GG ge­si­cher­ten frei­en Ko­ali­ti­ons­bil­dung und -betäti­gung führen. Durch­set­zungsfähig­keit ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler zur Teil­nah­me an ei­ner sinn­vol­len Ord­nung des Ar­beits­le­bens kann da­her nicht be­deu­ten, dass die Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on die Chan­ce des vollständi­gen Sie­ges ha­ben muss. Es muss nur er­war­tet wer­den können, dass sie vom Geg­ner über­haupt ernst ge­nom­men wird und des­halb die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ei­nem Dik­tat ei­ner Sei­te ent­springt (BAG, 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1; BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 39 m.w.N.).

Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts kann sich die Durch­set­zungs­kraft ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ei­ner­seits dar­in zei­gen, dass sie schon ak­tiv in den Pro­zess der ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ge­grif­fen hat. Für die ge­richt­li­che Prüfung der Ta­riffähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung ist we­sent­lich, ob die­se be­reits ak­tiv am Ta­rif­ge­sche­hen teil­ge­nom­men hat. Hat ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung schon im nen­nens­wer­ten Um­fang Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen, be­legt dies re­gelmäßig ih­re Durch­set­zungs­kraft und Leis­tungsfähig­keit. Das gilt so­wohl für den Ab­schluss von ori­ginären Ta­rif­verträgen als auch für den Ab­schluss von An­er­ken­nungs­ta­rif­verträgen. Die In­dizwir­kung entfällt nur aus­nahms­wei­se, wenn es sich um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge oder um Ta­rif­verträge han­delt, die auf ei­nem ein­sei­ti­gen Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen. Hierfür be­darf es al­ler­dings be­son­de­rer An­halts­punk­te (BAG, 14.12.2004 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1; BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 61, 62 m.w.N.).

Die Durch­set­zungs­kraft ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung kann zu­dem an­hand ih­rer Mit­glie­der­zahl be­ur­teilt wer­den (BAG, 06.06.2000 – 1 ABR 10/99 – AP TVG § 2 Nr. 55; BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 62 m.w.N.). Die Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke ist da­bei im Verhält­nis zu dem von der Ar­beit­neh­mer­ko­ali­ti­on selbst gewähl­ten räum­li­chen und fach­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich zu be­wer­ten. In die­sem muss sie sich ge­genüber der Ar­beit­ge­ber­sei­te durch­set­zen können. Bei ei­ner nur klei­nen Zahl von Mit­glie­dern kann sich die Möglich­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, emp­find­li­chen Druck auf den so­zia­len Ge­gen­spie­ler aus­zuüben, auch dar­aus er­ge­ben, dass es sich bei den or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern um Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen han­delt, die von der Ar­beit­ge­ber­sei­te im Fal­le ei­nes Ar­beits­kampfs kurz­fris­tig über­haupt nicht oder nur schwer er­setzt wer­den können (vgl. BAG, 14.03.1978 – 1 ABR 2/76 – AP TVG § 2 Nr. 30; BAG, 06.06.2000 – 1 ABR 10/99 – AP TVG § 2 Nr. 55; BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 62 m.w.N.).

In­so­weit sind nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts grundsätz­lich zwei Aus­gangs­si­tua­tio­nen zu un­ter­schei­den.

Ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die mit dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler noch kei­ne Ver­ein­ba­run­gen – sei­en es Ta­rif­verträge, sei­en es sons­ti­ge Ko­ali­ti­ons­ver­ein­ba­run­gen – ge­schlos­sen hat, kann für sich nicht in An­spruch neh­men, ak­tiv in den Pro­zess der ta­rif­li­chen Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen ein­ge­grif­fen zu ha­ben. Da­bei han­delt es sich re­gelmäßig um noch jun­ge Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gun­gen, die sich den
Ab­schluss von Ta­rif­verträgen erst zum Ziel ge­setzt ha­ben. Hierfür fehlt zunächst jeg­li­cher Be­leg dafür, dass die Ver­ei­ni­gung von der Ar­beit­ge­ber­sei­te über­haupt wahr-und ernst­ge­nom­men wird. Die Durch­set­zungs­kraft und Mäch­tig­keit lässt sich in die­sem Fall nur pro­gnos­tisch be­ur­tei­len. Da­zu hat die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung, die Ta­riffähig­keit be­an­sprucht, Tat­sa­chen dar­zu­le­gen und im Streit­fall zu be­wei­sen, die den Schluss recht­fer­ti­gen, die Ar­beit­ge­ber­sei­te wer­de sie vor­aus­sicht­lich nicht igno­rie­ren und sich (Ta­rif-)Ver­hand­lun­gen auf Dau­er nicht ent­zie­hen können. Als hier­zu ge­eig­ne­te Tat­sa­chen kom­men ins­be­son­de­re die Or­ga­ni­sa­ti­ons- und Mit­glie­derstärke so­wie auch die Fähig­keit in Be­tracht, durch Ar­beit­neh­mer in Schlüssel­po­si­tio­nen Druck aus­zuüben.

Die­ses Re­gel-Aus­nah­me-Verhält­nis kehrt sich um, wenn ei­ne Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung mit der Ar­beit­ge­ber­sei­te im be­an­spruch­ten Zuständig­keits­be­reich oder in er­heb­li­chen Teil­be­rei­chen be­reits in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen hat. Zwar be­legt dies al­lein noch nicht zwin­gend ei­ne Ver­hand­lungsstärke, die aus­rei­chend wäre, ei­nen Ta­rif­ver­trag auch ge­gen den Wil­len der Ge­gen­sei­te – not­falls durch An­dro­hung oder Durchführung ei­nes Ar­beits­kamp­fes – durch­zu­set­zen. Do­ku­men­tiert ist aber, dass die Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung vom so­zia­len Ge­gen­spie­ler wahr­ge­nom­men und zu­min­dest für so ge­wich­tig er­ach­tet wird, dass es "die Mühe lohnt", mit ihr Ver­ein­ba­run­gen über Ar­beits­be­din­gun­gen ab­zu­sch­ließen. Im Übri­gen be­deu­tet Durch­set­zungs­kraft ge­genüber den so­zia­len Ge­gen­spie­lern nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts nicht, dass die Ar­beit­neh­mer-Ko­ali­ti­on die Chan­ce des vollständi­gen Sie­ges ha­ben muss; es muss nur er­war­tet wer­den können, dass die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ei­nem Dik­tat der an­de­ren Sei­te ent­springt (BVerfG, 20.10.1981 – 1 BvR 04/78 – AP TVG § 2 Nr. 31).

Dies gilt für ori­ginär aus­ge­han­del­te, ei­genständi­ge Ta­rif­verträge, aber auch für An­er­ken­nungs­ta­rif­verträge. Ei­ne Aus­nah­me kommt nur dann in Be­tracht, wenn es sich um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge oder um Ver­ein­ba­run­gen han­delt, die auf ei­nem Dik­tat der Ar­beit­ge­ber­sei­te be­ru­hen (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 63 ff.).

bb) Bei An­wen­dung die­ser Grundsätze auf den vor­lie­gen­den Fall kann nicht da­von aus­ge­gan­gen wer­den, dass es der GKH an der er­for­der­li­chen Durch­set­zungs­kraft ge­genüber dem so­zia­len Ge­gen­spie­ler man­gelt.

(1) Eben­so wie das Ar­beits­ge­richt hat auch die Be­schwer­de­kam­mer er­heb­li­che Zwei­fel, ob al­lein auf­grund der Mit­glie­derstärke die er­for­der­li­che Durch­set­zungsfähig­keit zur An­er­ken­nung der Ta­riffähig­keit der GKH an­ge­nom­men wer­den kann. Die GKH hat trotz aus­drück­li­cher Nach­fra­ge auch durch die Be­schwer­de­kam­mer im Anhörungs­ter­min vom 13.03.2009 ih­re tatsächli­chen Mit­glie­der­zah­len nicht ge­nannt. Auch die von der IG Me­tall in der Be­schwer­de­be­gründungs­schrift ge­nann­te Zahl von 460 Mit­glie­dern, die mögli­cher­wei­se im Be­reich Holz/Kunst­stoff von der CGD im An­schluss an die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Ge­ra vom 17.10.2002 über­nom­men wor­den sind, kann die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft der GKH nicht be­gründen.

Zu Recht hat das Ar­beits­ge­richt in dem an­ge­foch­te­nen Be­schluss auch aus­geführt, dass nicht an­ge­nom­men wer­den kann, dass die GKH in be­stimm­ten Schlüssel­po­si­tio­nen so stark ver­tre­ten wäre, dass da­von aus­ge­gan­gen wer­den muss, die Ar­beit­ge­ber­sei­te wer­de sich im Hin­blick auf die­ses Druck­po­ten­ti­al ernst­haf­ten Ver­hand­lun­gen über die Re­ge­lung von Ar­beits­be­din­gun­gen nicht ent­zie­hen können. Bei den in der GKH or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­neh­mern han­delt es sich nämlich nicht um Spe­zia­lis­ten in Schlüssel­stel­lun­gen, wie dies bei Pi­lo­ten, Flug­be­glei­tern oder auch Lokführern der Fall sein mag.

Das Ar­beits­ge­richt hat aber die Fra­ge, ob al­lein die Mit­glie­der­zahl und der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad der GKH aus­rei­chend ist, um die er­for­der­li­che Durch­set­zungs­kraft zu be­ja­hen, zu Recht da­hin­ste­hen las­sen.

(2) Die Art und das Aus­maß, wie sich die GKH in der Ver­gan­gen­heit in das ta­rif­li­che Ge­sche­hen ak­tiv ein­ge­mischt hat, be­legt auch nach Auf­fas­sung der Be­schwer­de­kam­mer be­reits hin­rei­chend, dass sie in wei­ten Be­rei­chen von der Ar­beit­ge­ber­sei­te wahr- und ernst­ge­nom­men wird. Die GKH hat nämlich im Be­reich des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks so­wie im Be­reich des Mo­dell­bau­er­hand­werks in der Ver­gan­gen­heit in nen­nens­wer­tem Um­fang Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen. Un­strei­tig ist zwi­schen den Be­tei­lig­ten, dass in der Ver­gan­gen­heit seit Gründung der GKH mit ver­schie­de­nen Ar­beit­ge­ber­verbänden über 120 Ta­rif­verträge ab­ge­schlos­sen wor­den sind. Da­bei han­del­te es sich um Man­tel­ta­rif­verträge, Lohn- und Ge­halts­ta­rif­verträge so­wie sons­ti­ge Ta­rif­verträge. Dies zeigt, dass die GKH von den im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber­verbänden wahr- und ernst­ge­nom­men wird. Die An­zahl der von der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge in der Ver­gan­gen­heit ist auch aus­rei­chend, um die er­for­der­li­che Durch­set­zungsfähig­keit zu be­le­gen. Die ta­rif­li­che Durch­set­zungsfähig­keit ei­ner Ko­ali­ti­on muss nämlich im­mer re­la­tiv auf ih­re sat­zungsförmig fest­zu­le­gen­de Or­ga­ni­sa­ti­ons­zuständig­keit be­zo­gen wer­den. Je spe­zia­li­sier­ter ei­ne Ko­ali­ti­on ih­re sat­zungsmäßige Zuständig­keit fest­legt, des­to leich­ter lässt sich die not­wen­di­ge Durch­set­zungsfähig­keit er­rei­chen (Kem­pen/Za­chert, TVG, 4. Aufl., § 2 TVG Rn. 42). Bei dem Be­reich des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks han­delt es sich um ei­nen der­ar­ti­gen äußerst spe­zi­el­len Be­reich. Zwi­schen den Be­tei­lig­ten ist auch im Übri­gen un­strei­tig, dass spätes­tens seit der Auf­nah­me der Ge­werk­schaft Holz und Kunst­stoff in die IG Me­tall die Ta­ri­fent­wick­lung im Be­reich des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks da­zu geführt hat, dass in­zwi­schen die GKH im We­sent­li­chen die Ta­rifführer­schaft über­nom­men hat. Auch nach Auf­fas­sung der be­tei­lig­ten Ar­beit­ge­ber­verbände ist die GKH in dem spe­zi­el­len Be­reich des holz- und kunst­stoff­ver­ar­bei­ten­den Hand­werks kon­ti­nu­ier­lich am Ta­rif­ge­sche­hen be­tei­ligt. Dies ist auch nach Auf­fas­sung der Be­schwer­de­kam­mer ent­schei­dend.

Un­er­heb­lich ist da­ge­gen, von wem in Ein­z­elfällen die Initia­ti­ve zum Ta­rif­ab­schluss aus­ge­gan­gen ist oder ob Be­rei­che be­trof­fen sind, in de­nen an­de­ren Ge­werk­schaf­ten ei­nen Ab­schluss nicht ge­lun­gen ist. Es be­durf­te auch kei­nes be­son­de­ren Nach­wei­ses, dass die von der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge tatsächlich das Ar­beits­le­ben be­ein­flus­sen. Die von der GKH ver­ein­bar­ten Ta­rif­verträge die­nen nach ih­rem In­halt dem Zweck, die (Min­dest-)Ar­beits­be­din­gun­gen der ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­neh­mer nor­ma­tiv zu re­geln. Sie sind darüber hin­aus ge­eig­net, ein­zel­ver­trag­lich für nicht ta­rif­ge­bun­de­ne Ar­beit­neh­mer in Be­zug ge­nom­men zu wer­den (BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 88).

Die In­dizwir­kung für die Durch­set­zungs­kraft der GKH durch die An­zahl der bis­her ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge entfällt auch nicht des­halb, weil es sich mögli­cher­wei­se bei den ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen um An­schluss­ta­rif­verträge ge­han­delt hat. Eben­so ist un­er­heb­lich, dass ein Teil der Ta­rif­verträge von der GKH in Ta­rif­ge­mein­schaft mit der DHV ab­ge­schlos­sen wor­den ist. Dafür, dass die GKH durch die Bil­dung ei­ner Ta­rif­ge­mein­schaft mit der DHV ih­ren Wil­len zum Ab­schluss von Ta­rif­verträgen "ab­ge­tre­ten" hat, sind An­halts­punk­te nicht er­sicht­lich. Nähe­re tatsächli­che Umstände dafür, dass die GKH nicht mehr ta­rif­wil­lig wäre oder durch die Bil­dung der Ta­rif­ge­mein­schaft mit der DHV ih­re Ta­rif­wil­lig­keit auf­ge­ge­ben hätte, sind nicht vor­ge­tra­gen wor­den.

Zu Un­recht ver­tritt die IG Me­tall die Auf­fas­sung, dass trotz des Ab­schlus­ses von Ta­rif­verträgen in nen­nens­wer­tem Um­fang, der die Durch­set­zungsfähig­keit ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in­di­ziert, auf die Fest­stel­lung der Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke und der Mit­glie­der­zahl der GKH nicht ver­zich­tet wer­den könne. In der Ent­schei­dung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 28.03.2006 (- a.a.O., Rn. 79) ist aus­drück­lich aus­geführt wor­den, dass die Fra­ge, ob al­lein der Or­ga­ni­sa­ti­ons­grad aus­rei­chend ist, um die Durch­set­zungs­kraft zu be­ja­hen, da­hin­ste­hen kann, wenn die Durch­set­zungsfähig­keit durch die bis­her ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge be­legt wird. Das Ta­rif­ver­hal­ten ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung in der Ver­gan­gen­heit ei­ner­seits und der ins­be­son­de­re aus Or­ga­ni­sa­ti­onsstärke so­wie Stel­lung der Mit­glie­der im Ar­beits­le­ben ab­zu­le­sen­de sta­tus quo der Ent­wick­lung ei­ner Ar­beit­neh­mer­ver­ei­ni­gung an­de­rer­seits sind Be­gründungs­al­ter­na­ti­ven. Da­bei stellt die bis­he­ri­ge Ta­rif­pra­xis der Ver­ei­ni­gung das vor­ran­gig her­an­zu­zie­hen­de Kri­te­ri­um dar (Wank/Schmidt, RdA 2008, 257, 265 m.w.N.).

(3) An­halts­punk­te für die An­nah­me, es ha­be sich bei den von der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträgen in nen­nens­wer­tem Um­fang um Schein- oder Gefällig­keits­ta­rif­verträge ge­han­delt, lie­gen nicht vor. So ist we­der er­sicht­lich, dass mit den Ta­rif­verträgen an­de­re Zie­le ver­folgt wor­den wären als die Re­ge­lung der Ar­beits­be­din­gun­gen in dem be­tref­fen­den Be­reich, noch ist er­kenn­bar, dass sich die GKH – et­wa in kol­lu­si­vem Zu­sam­men­wir­ken – den Er­war­tun­gen der Ar­beit­ge­ber­sei­te gefügig ge­zeigt oder sich de­ren Dik­tat un­ter­wor­fen hätte. Hierfür sind von der IG Me­tall we­der erst­in­stanz­lich noch im Be­schwer­de­ver­fah­ren An­halts­punk­te­vor­ge­tra­gen wor­den. Das Vor­brin­gen der IG Me­tall, die GKH wer­de von der Ar­beit­ge­ber­sei­te ge­dul­det, weil sie die Ta­rif­verträge so ab­sch­ließe, wie dies von der Ge­gen­sei­te gewünscht wer­de, ist durch kei­ner­lei kon­kre­ten Tat­sa­chen­vor­trag be­legt. Die IG Me­tall hat ins­be­son­de­re nicht an­hand kon­kre­ter Ta­rif­verträge nach­ge­wie­sen, dass der Ab­schluss al­lein auf Wunsch der Ar­beit­ge­ber­sei­te zurück­zuführen war oder die GKH der je­wei­li­gen Ar­beit­ge­ber­sei­te beim Ab­schluss ei­ner Ver­ein­ba­rung gefällig ge­we­sen ist. Für ei­ne sol­che An­nah­me be­darf es des Vor­lie­gens be­son­de­rer An­halts­punk­te (vgl. et­wa: BAG, 16.01.1990 – 1 ABR 93/88 – AP TVG § 2 Rn. 38; vgl. auch: Schüren, AuR 2008, 239; ders., NJW 2008, 3670). Um sol­che An­halts-punk­te könn­te es sich han­deln, wenn et­wa in ei­nem Ta­rif­ver­trag un­ter Aus­nut­zung der ge­setz­li­chen Ta­riföff­nungs­klau­sel ge­setz­li­che Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen oh­ne Kom­pen­sa­ti­on un­ter­schrit­ten wer­den oder ein be­son­ders kras­ses Miss­verhält­nis zwi­schen den ver­ein­bar­ten Leis­tun­gen vor­liegt (Wank/Schmidt, RdA 2008, 257, 272). An­halts­punk­te hierfür sind aber von der in­so­weit dar­le­gungs­pflich­ti­gen IG Me­tall nicht vor­ge­bracht wor­den.

Die Be­schwer­de­kam­mer hat sich zu­dem durch Ein­sicht­nah­me in die für Nord­rhein-West­fa­len zu­letzt von der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge darüber ver­ge­wis­sert, dass die in die­sen Ta­rif­verträgen fest­ge­leg­ten Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen nicht un­ter­schrit­ten wor­den sind. Auch konn­te in die­sen Ta­rif­verträgen et­wa hin­sicht­lich der Höhe des fest­ge­leg­ten Ar­beits­ent­gelts, der Ur­laubs­dau­er oder der ein­zu­hal­ten­den Kündi­gungs­fris­ten kein be­son­de­res kras­ses Miss­verhält­nis zu ta­rif­li­chen Leis­tun­gen in an­de­ren Be­rei­chen fest­ge­stellt wer­den.

c) Das Ar­beits­ge­richt ist auch zu Recht da­von aus­ge­gan­gen, dass es der GKH nicht 103 an der not­wen­di­gen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Leis­tungsfähig­keit fehlt.

aa) Ei­ne Ge­werk­schaft muss von ih­rem or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­bau in der La­ge sein, 104 die ihr ge­stell­ten Auf­ga­ben zu erfüllen. So er­for­dern so­wohl der Ab­schluss als auch die tatsächli­che Durchführung von Ta­rif­verträgen or­ga­ni­sa­to­ri­sche Vor­keh­run­gen. Da­bei ist ent­schei­dend, ob die Or­ga­ni­sa­ti­on ih­re Auf­ga­ben in dem selbst be­stimm­ten Zuständig­keits­be­reich erfüllen kann. Er­streckt sich die­ser – wie im Fall der GKH – auf das ge­sam­te Bun­des­ge­biet, wird re­gelmäßig ei­ne ge­wis­se or­ga­ni­sa­to­ri­sche Aus­stat­tung auch in der Fläche er­for­der­lich sein. Be­schränkt ei­ne Ge­werk­schaft ih­re Zuständig­keit da­ge­gen auf ei­ne Be­rufs­grup­pe und räum­lich we­ni­ge Schwer­punk­te, kann auch ein re­la­tiv klei­ner, zen­tra­li­sier­ter Ap­pa­rat aus­rei­chen, um Ta­rif­ver­hand­lun­gen ef­fek­tiv zu führen, die Durchführung von Ta­rif­verträgen zu über­wa­chen und ab­zu­si­chern so­wie die Mit­glie­der zu be­treu­en (BAG, 14.12.2004 – 1 ABR 51/03 – AP TVG § 2 Ta­riffähig­keit Nr. 1; BAG, 28.03.2006 – a.a.O., Rn. 53). Meist wird nach die­ser Recht­spre­chung ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on ei­nen haupt­amt­li­chen Mit­ar­bei­te­rap­pa­rat er­for­dern. Al­ler­dings ist es nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen, ei­ne leis­tungsfähi­ge Or­ga­ni­sa­ti­on auch auf der Grund­la­ge eh­ren­amt­li­cher Mit­ar­bei­ter auf­zu­bau­en. In die­sem Fall müssen die­se je­doch über die er­for­der­li­chen Kennt­nis­se und Er­fah­run­gen verfügen.

An den er­for­der­li­chen Or­ga­ni­sa­ti­ons­auf­bau können da­bei kei­ne star­ren Min­dest­an­for­de­run­gen ge­stellt wer­den. Maßgeb­lich sind auch in­so­weit die Umstände des Ein­zel­fal­les.

bb) Das Ar­beits­ge­richt hat un­ter Berück­sich­ti­gung die­ser Grundsätze zu Recht an­ge­nom­men, dass die GKH über ei­nen or­ga­ni­sa­to­ri­schen Auf­bau verfügt, der sie befähigt, die Auf­ga­ben ei­ner Ge­werk­schaft für ih­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich wahr­zu­neh­men.

Die An­zahl der seit der Gründung der GKH ab­ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge be­legt auch in­so­weit in­di­zi­ell, dass die GKH or­ga­ni­sa­to­risch in der La­ge ist, Ta­rif­ver­hand­lun­gen vor­zu­be­rei­ten und zu ei­nem Ab­schluss zu brin­gen. Im Anhörungs­ter­min vor der Be­schwer­de­kam­mer ist von der GKH im Ein­zel­nen ge­schil­dert wor­den, wie die­se Ta­rif­ver­hand­lun­gen or­ga­ni­sa­to­risch geführt wer­den und wie sie im Ein­zel­nen ab­lau­fen.

Die vor­han­de­ne per­so­nel­le, sächli­che und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Aus­stat­tung der GKH er­scheint als noch aus­rei­chend, um die tatsächli­che Durchführung der ge­schlos­se­nen Ta­rif­verträge zu über­wa­chen und si­cher­zu­stel­len. Zwar stel­len drei haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter so­wie der Or­ga­ni­sa­ti­ons­ap­pa­rat der CGM ei­nen recht klei­nen Ap­pa­rat dar. Das Ar­beits­ge­richt hat aber zu Recht be­reits dar­auf hin­ge­wie­sen, die GKH in ei­nem fach­lich eng um­grenz­ten Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich tätig ist, der sich zu­dem durch sin­ken­de Be­triebs- und Beschäfti­gungs­zah­len aus­zeich­net. Wie die GKH letzt­lich die Durchführung und Über­wa­chung der Ta­rif­verträge be­werk­stel­ligt, ob dies durch haupt­amt­li­che Mit­ar­bei­ter, durch Mit­ar­bei­ter im Ne­ben­amt oder gar durch eh­ren­amt­li­che Mit­ar­bei­ter ge­schieht, ist letzt­lich un­er­heb­lich. In wel­cher Wei­se ei­ne Ar­beit­neh­mer­or­ga­ni­sa­ti­on ih­re Auf­ga­ben voll­zieht, ist zunächst und vor al­lem ei­ne Or­ga­ni­sa­ti­ons­ent­schei­dung der je­wei­li­gen Ver­ei­ni­gung, die selbst se­hen muss, ob und wie sie ih­re Auf­ga­ben wahr­neh­men will. Hin­sicht­lich der Ta­riffähig­keit können in­so­weit nur ge­wis­se Min­dest­an­for­de­run­gen ge­stellt wer­den. Auf­grund des von der GKH mit der CGM ab­ge­schlos­se­nen Rah­men­ab­kom­mens er­scheint die Fähig­keit der GKH ge­si­chert, ih­re Auf­ga­ben als Ge­werk­schaft für ih­ren Or­ga­ni­sa­ti­ons­be­reich wahr­zu­neh­men. Die CGM verfügt über mit haupt­amt­li­chen Rechts­se­kretären be­setz­te Geschäfts­stel­len im ge­sam­ten Bun­des­ge­biet. Da­nach er­scheint auch die Be­treu­ung der Mit­glie­der der GKH ge­si­chert. Im Übri­gen hat be­reits das Ar­beits­ge­richt zu Recht berück­sich­tigt, dass auf­grund der mo­der­nen Kom­mu­ni­ka­ti­ons­mit­tel ei­ne Präsens der Ge­werk­schafts­mit­ar­bei­ter vor Ort nicht mehr in dem­sel­ben Maß er­for­der­lich ist, wie früher.

Die hin­rei­chen­de Leis­tungsfähig­keit der GKH schei­tert auch nicht an ei­ner feh­len­den fi­nan­zi­el­len Leis­tungsfähig­keit.

Zwar hat die IG Me­tall im Be­schwer­de­ver­fah­ren dar­auf hin­ge­wie­sen, dass die GKH an­ge­sichts ei­nes mo­nat­li­chen Mit­glieds­bei­trags von 6,00 € le­dig­lich über mo­nat­li­che Ein­nah­men von 2.760,00 € verfüge. Auf­grund die­ses Vor­brin­gens kann je­doch nicht von ei­ner ge­ne­rel­len feh­len­den fi­nan­zi­el­len Leis­tungsfähig­keit der GKH aus­ge­gan­gen wer­den. Die Fi­nanz­kraft ei­ner Ver­ei­ni­gung hat oh­ne­hin für de­ren Leis­tungsfähig­keit ei­ne un­ter­ge­ord­ne­te Be­deu­tung. Die Fähig­keit zur Zah­lung ei­ner Streik­un­terstützung wie auch zur Leis­tung von Scha­dens­er­satz im Fal­le ei­nes rechts­wid­ri­gen Streiks ist für die Be­ur­tei­lung der Leis­tungsfähig­keit un­be­acht­lich (Wie­de­mann/Oet­ker, TVG, 7. Aufl., § 2 Rn. 395).

III.

Die Be­schwer­de­kam­mer hat we­gen der grundsätz­li­chen Be­deu­tung die Rechts­be­schwer­de zum Bun­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­sen, § 92 Abs. 1, 72 Abs. 2 ArbGG.

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