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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Jahrgang
   
Schlag­worte: Arbeitszeitverringerung, Sabbatical, Teilzeit, Freistellung, Blockmodell
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 9 AZR 735/13
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 20.01.2015
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Frankfurt am Main, Urteil vom 30.10.2012 - 24 Ca 3062/12
Hessisches Landesarbeitsgericht, Urteil vom 3.06.2013 - 17 Sa 1734/12
   

BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

9 AZR 735/13
17 Sa 1734/12
Hes­si­sches
Lan­des­ar­beits­ge­richt

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

20. Ja­nu­ar 2015

UR­TEIL

Brüne, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungs­be­klag­ter und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Neun­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 20. Ja­nu­ar 2015 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Brühler, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Krasshöfer und Dr. Suckow so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Vogg und Wull­horst für Recht er­kannt:


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1. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richts vom 3. Ju­ni 2013 - 17 Sa 1734/12 - wird zurück­ge­wie­sen.

2. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der Re­vi­si­on zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Der Kläger ver­langt von der Be­klag­ten, sei­ne re­gelmäßige Ar­beits­zeit zu ver­min­dern und die re­du­zier­te Ar­beits­zeit so zu ver­tei­len, dass er an den letz­ten sie­ben Ta­gen ei­nes je­den Mo­nats nicht zu ar­bei­ten hat.

Die Be­klag­te, ein Luft­fahrt­un­ter­neh­men mit ca. 18.000 Mit­ar­bei­tern im Be­reich des flie­gen­den Per­so­nals, beschäftigt den Kläger seit dem 6. Fe­bru­ar 2001 auf der Grund­la­ge des Ar­beits­ver­trags vom 5. Fe­bru­ar 2001 als Flug­zeugführer.

Die Luft­han­sa Ci­ty­Line GmbH (CLH), ei­ne ein­hun­dert­pro­zen­ti­ge Toch­ter­ge­sell­schaft der Be­klag­ten, und die in ih­rem Be­trieb ge­bil­de­te Per­so­nal­ver­tre­tung Bord (PV) schlos­sen un­ter dem 18. Ju­li 2002 ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung für Bord­per­so­nal ... Teil­zeit/Al­ters­teil­zeit Cock­pit“ (BV Teil­zeit), die aus-zugs­wei­se fol­gen­de Be­stim­mun­gen enthält:

„Präam­bel

CLH und PV schließen die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung, um den Cock­pit-Mit­ar­bei­te­rin­nen und Mit­ar­bei­tern der CLH (MA) im Rah­men der be­trieb­li­chen Möglich­kei­ten die Re­du­zie­rung ih­rer Ar­beits­zeit durch Teil­zeit­beschäfti­gung ... zu eröff­nen ...
...

§ 1 Gel­tungs­be­reich

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung re­gelt die Ver­ga­be von Teil­zeit ... für die Mit­ar­bei­ter des Cock­pit­per­so­nals der CLH, die vom Gel­tungs­be­reich des MTV-Bord

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er­fasst wer­den.
...

§ 2 Ver­ga­be­ver­fah­ren

(1) CLH strebt an, ent­spre­chend der nach­fol­gen­den Re­ge­lun­gen al­len Anträgen auf Teil­zeit ... nach­zu­kom­men.
...

§ 3 An­trags- und Ver­ga­be­ver­fah­ren

...

(3) Mit ei­ner Teil­zeit­beschäfti­gung soll grundsätz­lich nur je­weils zum 01.01. ei­nes Ka­len­der­jah­res be­gon­nen wer­den.
(4) Die Teil­zeit­ar­beit muss bis spätes­tens zum 31.07. des Vor­jah­res schrift­lich bei CLH be­an­tragt wer­den. ...
...

§ 4 Teil­zeit­mo­del­le

(1) Es ste­hen die nach­fol­gend auf­ge­lis­te­ten Teil­zeit­mo­del­le zur Verfügung. An­de­re Teil­zeit­mo­del­le können aus be­trieb­li­chen Gründen grundsätz­lich nicht ge­neh­migt wer­den. Die Frei­zeit­pha­sen sind je­weils mit ei­nem „F“ ge­kenn­zeich­net und die Ar­beits­pha­sen mit ei­nem „A“:
...

B) 75 % Mo­nats­mo­dell

- drei­vier­tel Ar­beits­pha­se und ein­vier­tel Frei­zeit­pha­se im Mo­nat

  1. Mo­nats­vier­tel   2. Mo­nats­vier­tel   3. Mo­nats­vier­tel  4. Mo­nats­vier­tel  
Var. 1  F A A A
Var. 2 A F A
Var. 3 A A F A
Var. 4 A A F


...“
 

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Die CLH und die PV ei­nig­ten sich un­ter dem 10. Ju­li 2003 auf ei­ne „Be­triebs­ver­ein­ba­rung Ur­laub“ (BV Ur­laub), die ua. fol­gen­de Vor­schrif­ten enthält:

„Präam­bel

Mit die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung Ur­laub soll für die Bord-Mit­ar­bei­te­rin­nen und Bord-Mit­ar­bei­ter (MA) der CLH die Pla­nung und Rea­li­sie­rung des Er­ho­lungs­ur­laubs von der An­trag­stel­lung über die Kri­te­ri­en für das Ver­ga­be­ver­fah­ren, die Ur­laubs­gewährung und die Be­hand­lung von künf­ti­gem Er­ho­lungs­ur­laub ein­heit­lich und trans­pa­rent ge­re­gelt wer­den.
...

§ 1 Gel­tungs­be­reich

Die­se Be­triebs­ver­ein­ba­rung gilt für al­le voll- und teil­zeit­beschäftig­ten MA des flie­gen­den Per­so­nals der CLH mit Aus­nah­me der Lei­ten­den An­ge­stell­ten ... Auf die Teil­zeit fin­den die Re­ge­lun­gen die­ser Be­triebs­ver­ein­ba­rung ent­spre­chend des je­wei­li­gen Teil­zeit­fak­tors des MA An­wen­dung.
...


§ 6 Ur­laub über Weih­nach­ten und Sil­ves­ter

Ur­laub so­wohl an Hei­lig­abend/Weih­nach­ten als auch an dem fol­gen­den Sil­ves­ter/Neu­jahr kann nur gewährt wer-den, wenn der Ur­laub zu­sam­menhängt und min­des­tens 10 Ta­ge im Ja­nu­ar um­fasst. ...“

Zur Bei­le­gung ei­nes Ta­rif­kon­flikts zwi­schen der Be­klag­ten, der Luft­han­sa Car­go AG so­wie der Ger­manwings GmbH auf der ei­nen Sei­te und der Ver­ei­ni­gung Cock­pit e. V. auf der an­de­ren Sei­te un­ter­brei­te­te der Sch­lich­ter Dr. Do un­ter dem 23. Ju­ni 2010 ei­nen Vor­schlag un­ter dem Ti­tel „Er­geb­nis der Mo­de­ra­ti­on zur ‚Geschäfts­grund­la­ge zum Kon­zern­ta­rif­ver­trag‘“, der aus­zugs-wei­se wie folgt lau­tet:

„5. Ein­ord­nung Em­bra­er 190/195

...

c. Brückenlösung

Luft­han­sa sagt zu, bis spätes­tens En­de 2012 min­des­tens 14 Em­bra­er 190/195 mit KTV-Cock­pit­mit­ar­bei­tern zu den Ta­rif­be­din­gun­gen der Deut­sche Luft­han­sa AG
 

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(DLH) zu be­ree­dern. ...“

Ei­ne Zu­satz­ver­ein­ba­rung zum Ar­beits­ver­trag der Par­tei­en vom 27. Ok­to­ber 2011 (Zu­satzV) enthält ua. fol­gen­de Be­stim­mun­gen:

„Herr D wird auf Ba­sis des mit der Luft­han­sa Ci­ty­Line GmbH (nach­ste­hend ‚Ci­ty­Line‘ ge­nannt) ge­schlos­se­nen Ar­beit­neh­merüber­las­sungs­ver­tra­ges zum Zwe­cke der Be­ree­de­rung der Em­bra­er im Rah­men des Ta­rif­ver­tra­ges Wech­sel und Förde­rung zur Ci­ty­Line ab­ge­ord­net. Für die Dau­er der Ab­ord­nung ver­ein­ba­ren Herr D und Luft­han­sa fol­gen­de Be­din­gun­gen:

§ 1 Art, Dau­er und Be­en­di­gung des Ein­sat­zes bei Ci­ty­Line

1. Die Par­tei­en sind sich ei­nig, dass dem Ein­satz von Herrn D bei Ci­ty­Line ein Voll­zeit­ar­beits­verhält­nis zu­grun­de liegt. Teil­zeit kann ge­ge­be­nen­falls ent­spre­chend der bei der Ci­ty­Line gel­ten­den Re­ge­lun­gen be­an­tragt wer­den.
...

3. Der Ein­satz bei Ci­ty­Line be­ginnt am 27.10.2011 und en­det frühes­tens mit In­an­spruch­nah­me der ers­ten Wech­selmöglich­keit von Herrn D gemäß den Re­gu­la­ri­en des Ta­rif­ver­tra­ges Wech­sel und Förde­rung in sei­ner je­weils gülti­gen Form.

§ 2 Ein­satz­be­din­gun­gen

1. Einsätze bei Ci­ty­Line er­fol­gen auf der Ba­sis des Man­tel­ta­rif­ver­tra­ges für das Cock­pit­per­so­nal der Deut­schen Luft­han­sa AG in sei­ner je­weils gülti­gen Form, so­wie auf Grund­la­ge der bei Ci­ty­Line gel­ten­den re­le­van­ten Be­triebs­ver­ein­ba­run­gen.

2. Die ge­sam­te Steue­rung von Flug­einsätzen ob­liegt für die Dau­er der Ab­ord­nung Ci­ty­Line. Herr D wird im Rah­men des Ein­sat­zes bei Ci­ty­Line nach den fach­li­chen Wei­sun­gen der Flug­be­triebs­lei­tung bzw. Flot­ten­lei­tung der Ci­ty­Line tätig.
...
 

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§ 6 Rück­kehr

Herr D kann gemäß den Be­stim­mun­gen des TV Wech­sel und Förde­rung, un­ter Berück­sich­ti­gung von Be­darf und Se­nio­rität, zu Luft­han­sa zurück­keh­ren. ...

§ 7 Er­ho­lungs­ur­laub

Herr D erhält während sei­nes Ein­sat­zes bei Ci­ty­Line jähr­lich den ihm nach dem MTV Cock­pit der Deut­schen Luft­han­sa AG zu­ste­hen­den Er­ho­lungs­ur­laub. Die Gewährung und zeit­li­che La­ge des Er­ho­lungs­ur­lau­bes ist mit Ci­ty­Line gemäß der dort gel­ten­den Re­gu­la­ri­en ab­zu­stim­men.“

Die CLH setz­te den Kläger zu­letzt als Ka­pitän auf dem Flug­zeug­mus­ter Em­bra­er 190/195 (EMJ) ein. Mit Schrei­ben vom 20. März 2012 ver­lang­te der Kläger von der Be­klag­ten, sei­ne re­gelmäßige Ar­beits­zeit ab dem 1. Au­gust 2012 durch Frei­stel­lung an den letz­ten sie­ben Ta­gen ei­nes je­den Mo­nats zu re­du­zie­ren. Un­ter dem 5. April 2012 wies die Be­klag­te den Teil­zeit­wunsch des Klägers zurück. Im Sep­tem­ber und Ok­to­ber 2012 konn­te die CLH ein Flug­zeug vom Typ EMJ in­fol­ge ei­nes Per­so­nal­eng­pas­ses nicht be­ree­dern.

Der Kläger hat die Rechts­auf­fas­sung ver­tre­ten, die Be­klag­te sei ver­pflich­tet, sei­nem Teil­zeit­an­trag zu­zu­stim­men. Die Be­klag­te sei mit Gründen, die auf ih­rer Ur­laubs­pla­nung be­ruh­ten, aus­ge­schlos­sen, da sie in­so­weit kei­ne Ver­hand­lun­gen mit ihm geführt ha­be.

Der Kläger hat be­an­tragt, 

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, ei­ner Re­du­zie­rung sei­ner jähr­li­chen Ar­beits­zeit um 23,01 % auf 76,99 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit durch Frei­stel­lung an den je­weils letz­ten sie­ben Ta­gen ei­nes Mo­nats zu­zu­stim­men.

Die Be­klag­te, die die Ab­wei­sung der Kla­ge be­an­tragt hat, ist der An­sicht ge­we­sen, be­trieb­li­che Gründe stünden dem Teil­zeit­ver­lan­gen des Klägers ent­ge­gen. Das be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept der CLH, das für die Ent­schei­dung über das Teil­zeit­ge­such des Klägers maßgeb­lich sei, ha­be sei­nen Nie­der­schlag in der BV Teil­zeit ge­fun­den. Im Luft­ver­kehr be­ste­he ein erhöhter Pla­nungs­be­darf, da die Dienst­zei­ten durch die Flug­zei­ten vor­ge­ge­ben und kurz-
 

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fris­ti­ge Er­satz- bzw. Neu­ein­stel­lun­gen so gut wie aus­ge­schlos­sen sei­en. Der Sch­lich­tungs­vor­schlag se­he ei­ne Be­ree­de­rung der Flug­zeu­ge vom Typ EMJ mit je­weils 6,5 Voll­zeit­ka­pitänen vor. Im Au­gust 2012 ha­be die CLH, de­ren Flot­te 11 Flug­zeu­ge vom Typ EMJ um­fas­se, 89 Ka­pitäne, von de­nen sich sie­ben in ei­ner Aus­bil­dung und ei­ner in El­tern­zeit be­fan­den, beschäftigt. En­de des Jah­res 2012 ha­be sie 14 Flug­zeu­ge vom Typ EMJ be­ree­dern müssen. Je­de per­so­nel­le Ver­knap­pung führe zu ei­ner Verschärfung des Per­so­nal­eng­pas­ses, dem die CLH mit Um­be­set­zun­gen nicht aus­rei­chend ent­ge­gen­wir­ken könne. Die Um­schu­lung ei­nes Co­pi­lo­ten auf ein Wech­sel­mus­ter er­for­de­re ei­ne Nach­be­set­zung der Co­pi­lo­ten-Stel­le, die mit Kos­ten iHv. et­wa 100.000,00 Eu­ro al­lein für die Schu­lung, un­ge­ach­tet wei­te­rer Fol­ge­kos­ten in ver­gleich­ba­rer Höhe, ein­her­ge­he. Die zweijähri­ge Grund­aus­bil­dung ei­nes Nach­wuchs­flug­zeugführers an der Ver­kehrs­flie­ger­schu­le kos­te wei­te­re ca. 45.000,00 Eu­ro. Ein Kurz­stre­cken-Ka­pitän müsse ge­ge­be­nen­falls durch ei­nen Lang­stre­cken-Co­pi­lo­ten, die­ser durch ei­nen Kurz­stre­cken-Co­pi­lo­ten und die­ser wie­der­um im We­ge der Neu­ein­stel­lung er­setzt wer­den. Im Übri­gen sei die Ver­kehrs­flie­ger­schu­le in Bre­men aus­ge­las­tet. Ei­ne Erhöhung der Schu­lungs­ka­pa­zitäten sei nicht möglich. Die Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit in der von dem Kläger gewünsch­ten Wei­se führe schließlich da­zu, dass der Kläger ge­genüber den Mit­ar­bei­tern be­vor­zugt wer­de, die über die Weih­nachts­fei­er­ta­ge und Sil­ves­ter Ur­laub neh­men woll­ten.

Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten zurück­ge­wie­sen. Mit ih­rer vom Lan­des­ar­beits­ge­richt zu­ge­las­se­nen Re­vi­si­on ver­folgt die Be­klag­te ihr Ziel, die Ab­wei­sung der Kla­ge, wei­ter.


Ent­schei­dungs­gründe

Die zulässi­ge Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist nicht be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Be­ru­fung der Be­klag­ten ge­gen das kla­ge­statt­ge­ben­de Ur­teil des Ar­beits­ge­richts zu Recht zurück­ge­wie­sen. Die Kla­ge ist zulässig und


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be­gründet. Die Be­klag­te ist ver­pflich­tet, ei­ner Re­du­zie­rung der jähr­li­chen Ar­beits­zeit des Klägers um 23,01 % auf 76,99 % der re­gelmäßigen Vol­l­ar­beits­zeit durch Frei­stel­lung an den letz­ten sie­ben Ta­gen ei­nes je­den Mo­nats zu­zu­stim­men. Rechts­grund­la­ge ist § 8 Abs. 1 Tz­B­fG.

I. Die Aus­le­gung des Kla­ge­an­trags er­gibt, dass der Kläger ei­ne Re­du­zie­rung der re­gelmäßigen Ar­beits­zeit mit Rück­wir­kung zum 1. Au­gust 2012 ver­langt. Zur Er­mitt­lung des In­halts ei­ner mit der Kla­ge er­streb­ten Wil­lens­erklärung kann - wie bei an­de­ren aus­le­gungs­bedürf­ti­gen Kla­ge­anträgen - die Kla­ge­be­gründung her­an­ge­zo­gen wer­den (BAG 15. Ok­to­ber 2013 - 9 AZR 688/12 - Rn. 19). Der Kläger ver­folgt im Streit­fall sei­nen Teil­zeit­an­trag vom 20. März 2012, der als Be­ginn der Ver­tragsände­rung den 1. Au­gust 2012 vor­sieht. Von die­sem Ter­min sind die Par­tei­en in vor­pro­zes­sua­len Schrei­ben wie auch in den Schriftsätzen zur Vor­be­rei­tung der münd­li­chen Ver­hand­lung aus­ge­gan­gen. Unschädlich ist, dass der Kläger die Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit zum Zeit­punkt des An­trags auf der Ba­sis von Ta­gen, im Kla­ge­ver­fah­ren aber auf Ba­sis ei­ner re­la­ti­ven Ver­rin­ge­rung der Vol­l­ar­beits­zeit be­rech­net hat (vgl. BAG 13. No­vem­ber 2012 - 9 AZR 259/11 - Rn. 15, BA­GE 143, 262). Der Um­fang der Ar­beits­zeit­ver­rin­ge­rung ist nach dem Verständ­nis bei­der Par­tei­en iden­tisch.

II. Die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen für den An­spruch auf Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit la­gen zum Zeit­punkt des Ände­rungs­ver­lan­gens vor. Das Ar­beits­verhält­nis des Klägers mit der Be­klag­ten, die mehr als 15 Ar­beit­neh­mer beschäftigt (§ 8 Abs. 7 Tz­B­fG), be­stand länger als sechs Mo­na­te (§ 8 Abs. 1 Tz­B­fG). Der Kläger hat sein Ver­lan­gen, die re­gelmäßige Ar­beits­zeit zu ver­rin­gern, mit dem Be­geh­ren, an den letz­ten sie­ben Ta­gen ei­nes je­den Mo­nats nicht ar­bei­ten zu müssen, zulässi­ger­wei­se ver­knüpft (vgl. BAG 11. Ju­ni 2013 - 9 AZR 786/11 - Rn. 9). Die Zu­stim­mung der Be­klag­ten wird nicht gemäß § 8 Abs. 5 Satz 2 Tz­B­fG fin­giert. Die Be­klag­te lehn­te das An­ge­bot des Klägers auf Ver­tragsände­rung mit Schrei­ben vom 5. April 2012 form- und frist­ge­recht ab (§ 8 Abs. 5 Satz 2 Tz­B­fG).


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III. Der auf An­nah­me des Ver­trags­an­ge­bots ge­rich­te­te An­trag ist nicht schon des­halb un­be­gründet, weil der Kläger die rück­wir­ken­de Ände­rung des Ar­beits­verhält­nis­ses ab dem 1. Au­gust 2012 ver­langt. Seit In­kraft­tre­ten des § 311a Abs. 1 BGB idF des Ge­set­zes zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts vom 26. No­vem­ber 2001 (BGBl. I S. 3138) kommt die Ver­ur­tei­lung zur Ab­ga­be ei­ner Wil­lens­erklärung mit Rück­wir­kung in Be­tracht. Ein Ver­trags­an­ge­bot kann auch dann an­ge­nom­men wer­den, wenn es auf ei­ne Ver­tragsände­rung zu ei­nem in der Ver­gan­gen­heit lie­gen­den Zeit­punkt ge­rich­tet ist. Dies gilt selbst in den Fällen, in de­nen der Ver­trag hin­sicht­lich der Ver­gan­gen­heit tatsächlich nicht durch­geführt wer­den kann (vgl. BAG 12. April 2011 - 9 AZR 19/10 - Rn. 15, BA­GE 137, 319).

IV. Das Vor­brin­gen der Be­klag­ten lässt nach den von ihr nicht an­ge­grif­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts zum Zeit­punkt der Ab­leh­nung des Ver­rin­ge­rungs­ver­lan­gens am 5. April 2012 kei­ne der be­an­trag­ten Teil­zeit­beschäfti­gung ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe er­ken­nen. Da­von ist das Lan­des­ar­beits­ge­richt in re­vi­si­ons­recht­lich nicht zu be­an­stan­den­der Wei­se aus­ge­gan­gen.

1. Nach § 8 Abs. 4 Satz 1 Tz­B­fG hat der Ar­beit­ge­ber der Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit zu­zu­stim­men, so­weit be­trieb­li­che Gründe nicht ent­ge­gen­ste­hen. Ein ent­ge­gen­ste­hen­der be­trieb­li­cher Grund liegt gemäß § 8 Abs. 4 Satz 2 Tz­B­fG ins­be­son­de­re vor, wenn die Um­set­zung des Ar­beits­zeit­ver­lan­gens die Or­ga­ni­sa­ti­on, den Ar­beits­ab­lauf oder die Si­cher­heit im Be­trieb we­sent­lich be­ein­träch­tigt oder un­verhält­nismäßige Kos­ten ver­ur­sacht. In­so­weit genügt es, wenn der Ar­beit­ge­ber ra­tio­nal nach­voll­zieh­ba­re, hin­rei­chend ge­wich­ti­ge Gründe hat, der Ver­rin­ge­rung der Ar­beits­zeit nicht zu­zu­stim­men (BAG 13. No­vem­ber 2012 - 9 AZR 259/11 - Rn. 21, BA­GE 143, 262).

2. Die Prüfung, ob be­trieb­li­che Gründe ent­ge­gen­ste­hen, ist re­gelmäßig in drei Stu­fen vor­zu­neh­men. Zunächst ist fest­zu­stel­len, ob der vom Ar­beit­ge­ber als er­for­der­lich an­ge­se­he­nen Ar­beits­zeit­re­ge­lung über­haupt ein be­trieb­li­ches Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept zu­grun­de liegt und - wenn das der Fall ist - um wel­ches


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Kon­zept es sich han­delt (ers­te Stu­fe). In der Fol­ge ist zu un­ter­su­chen, in­wie­weit die aus dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept fol­gen­de Ar­beits­zeit­re­ge­lung dem Ar­beits­zeit­ver­lan­gen tatsächlich ent­ge­gen­steht (zwei­te Stu­fe). Sch­ließlich ist das Ge­wicht der ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe zu prüfen (drit­te Stu­fe). Da­bei ist die Fra­ge zu klären, ob das be­trieb­li­che Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept oder die zu­grun­de lie­gen­de un­ter­neh­me­ri­sche Auf­ga­ben­stel­lung durch die vom Ar­beit­neh­mer gewünsch­te Ab­wei­chung we­sent­lich be­ein­träch­tigt wird. Maßgeb­lich für das Vor­lie­gen der be­trieb­li­chen Gründe ist der Zeit­punkt der Ab­leh­nung des Ar­beits­zeit­wunschs durch den Ar­beit­ge­ber, der die Dar­le­gungs- und Be­weis­last für das Vor­lie­gen ent­ge­gen­ste­hen­der be­trieb­li­cher Gründe trägt (BAG 13. No­vem­ber 2012 - 9 AZR 259/11 - Rn. 23, BA­GE 143, 262).

3. Der Be­griff der ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe ist ein un­be­stimm­ter Rechts­be­griff, bei des­sen An­wen­dung dem Tat­sa­chen­ge­richt ein Be­ur­tei­lungs­spiel­raum zu­kommt. Das Re­vi­si­ons­ge­richt darf nur über­prüfen, ob der Rechts­be­griff selbst ver­kannt wor­den ist, bei der Sub­sum­ti­on des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts un­ter die­sen Rechts­be­griff Denk­ge­set­ze oder all­ge­mei­ne Er­fah­rungssätze ver­letzt wor­den sind, nicht al­le we­sent­li­chen Umstände berück­sich­tigt wor­den sind oder das Er­geb­nis wi­dersprüchlich ist (BAG 13. Ok­to­ber 2009 - 9 AZR 910/08 - Rn. 22).

4. Mit sei­nen Erwägun­gen hat sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt in­ner­halb sei­nes tatrich­ter­li­chen Be­ur­tei­lungs­spiel­raums ge­hal­ten. Es hat die drei­stu­fi­ge Prüfungs­fol­ge nach­voll­zo­gen und bei der Sub­sum­ti­on des fest­ge­stell­ten Sach­ver­halts al­le we­sent­li­chen Umstände wi­der­spruchs­frei berück­sich­tigt. Die Be­klag­te hat ins­be­son­de­re nicht dar­ge­legt, dass vor dem Hin­ter­grund des Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zepts der CLH die er­streb­te Teil­zeit­beschäfti­gung des Klägers die Or­ga­ni­sa­ti­on, den Ar­beits­ab­lauf oder die Si­cher­heit im Be­trieb we­sent­lich be­ein­träch­tigt oder un­verhält­nismäßige Kos­ten ver­ur­sacht.

a) Ver­stieße die Be­klag­te mit der Über­las­sung des Klägers an die CLH ge­gen die Vor­ga­ben des § 1 Abs. 1 Satz 2 AÜG, der le­dig­lich ei­ne vorüber­ge­hen­de Über­las­sung von Leih­ar­beit­neh­mern an den Ent­lei­her er­laubt (vgl. BAG
 

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10. De­zem­ber 2013 - 9 AZR 51/13 - Rn. 17, BA­GE 146, 384), wäre es ihr ver­wehrt, die Ab­leh­nung des Teil­zeit­an­trags mit Umständen aus der be­trieb­li­chen Sphäre der CLH zu be­gründen. Aus ei­ner ge­setz­lich ver­bo­te­nen Über­las­sung von Leih­ar­beit­neh­mern kann der Ar­beit­ge­ber kei­ne ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe iSd. § 8 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG her­lei­ten. Der Se­nat kann je­doch zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stel­len, dass ihr das Kon­zern­pri­vi­leg des § 1 Abs. 3 Nr. 2 AÜG zu­gu­te­kommt (kri­tisch zur Ver­ein­bar­keit des Kon­zern­pri­vi­legs mit dem Ge­mein­schafts­recht: AR/Beck 7. Aufl. § 1 AÜG Rn. 59; Hir­di­na NZA 2011, 325, 327; Lembke NZA 2011, 319, 320; Ul­ber AuR 2010, 10, 12; Wank RdA 2010, 193, 203), in­fol­ge­des­sen das Ver­bot der nicht nur vorüber­ge­hen­den Über­las­sung nicht gilt und sie sich des­halb auf das Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept der CLH be­ru­fen kann.

b) Aus den Re­ge­lun­gen der BV Teil­zeit kann die Be­klag­te ei­nen ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Grund nicht her­lei­ten.

aa) Die BV Teil­zeit wirkt auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en nicht un­mit­tel­bar und zwin­gend ein (§ 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG), da der Kläger nicht un­ter ih­ren Gel­tungs­be­reich fällt. Gemäß § 1 Satz 1 BV Teil­zeit gel­ten de­ren Be­stim­mun­gen le­dig­lich für „die Mit­ar­bei­ter des Cock­pit­per­so­nals der CLH, die vom Gel­tungs­be­reich des MTV-Bord er­fasst wer­den“. Der Kläger ist nicht Mit­ar­bei­ter der CLH, son­dern steht in ei­nem Ar­beits­verhält­nis mit der Be­klag­ten. Die BV Teil­zeit fin­det nur kraft ar­beits­ver­trag­li­cher Be­zug­nah­me auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en An­wen­dung (§ 1 Nr. 1 Satz 2 Zu­satzV).

bb) Gemäß § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. B Var. 4 BV Teil­zeit beträgt die Ar­beits­pha­se im „75 % Mo­nats­mo­dell“ drei Vier­tel ei­nes Mo­nats, die Frei­zeit­pha­se ein Vier­tel ei­nes Mo­nats. Mit der Teil­zeit­beschäfti­gung, die bis spätes­tens zum 31. Ju­li des Vor­jah­res schrift­lich bei der CLH be­an­tragt wer­den muss (§ 3 Abs. 4 Satz 1 BV Teil­zeit), soll grundsätz­lich nur je­weils zum 1. Ja­nu­ar ei­nes Ka­len­der­jah­res be­gon­nen wer­den (§ 3 Abs. 3 BV Teil­zeit).


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cc) Die in § 1 Nr. 1 Satz 2 Zu­satzV vor­ge­se­he­ne Be­zug­nah­me auf die BV Teil­zeit ist un­wirk­sam, so­weit da­durch zu­un­guns­ten des Klägers von den Vor­schrif­ten des Tz­B­fG ab­ge­wi­chen wird.

(1) Das Teil­zeit­ver­lan­gen des Klägers ist so­wohl dem Um­fang der Re­du­zie­rung als auch der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit nach in der BV Teil­zeit nicht vor­ge­se­hen. Die BV Teil­zeit be­schreibt den vor­ge­se­he­nen Ka­ta­log von Teil­zeit­mo­del­len ab­sch­ließend (§ 4 Abs. 1 Satz 2 BV Teil­zeit). Die hier­in lie­gen­de Be­schränkung ist un­zulässig, da sie die Wahlmöglich­kei­ten, die das Tz­B­fG dem Kläger eröff­net, zu sei­nen Las­ten be­schränkt. § 22 Abs. 1 Tz­B­fG er­fasst al­le Re­ge­lun­gen, die den In­halt des An­spruchs zum Nach­teil des Ar­beit­neh­mers verändern (BAG 14. Ok­to­ber 2003 - 9 AZR 100/03 - Rn. 28, BA­GE 108, 77). § 8 Abs. 1 Tz­B­fG lässt ei­ne weit­aus größere Band­brei­te von Teil­zeit­mo­del­len als die BV Teil­zeit zu. Die un­ter dem Re­gime des § 8 Tz­B­fG eröff­ne­ten Re­du­zie­rungsmöglich­kei­ten wer­den je­weils nur durch die vom Ar­beit­ge­ber dar­zu­le­gen­den ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Gründe iSd. § 8 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG be­schränkt (vgl. BAG 13. No­vem­ber 2012 - 9 AZR 259/11 - Rn. 17, BA­GE 143, 262), die al­ler­dings in ei­ner Be­triebs­ver­ein­ba­rung do­ku­men­tiert sein können (vgl. BAG 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 37).

(2) Der Zeit­punkt, zu dem der Kläger sei­nen Teil­zeit­wunsch ge­genüber der Be­klag­ten äußer­te, liegt in dem­sel­ben Ka­len­der­jahr wie der vor­ge­se­he­ne Be­ginn der von ihm be­gehr­ten Teil­zeit. Das ist in der BV Teil­zeit nicht vor­ge­se­hen. § 3 Abs. 4 BV Teil­zeit ver­langt, dass die Teil­zeit spätes­tens bis zum 31. Ju­li des Vor­jah­res zu be­an­tra­gen ist. In­so­weit weicht sie je­doch zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer von der ge­setz­li­chen Vor­schrift des § 8 Abs. 2 Satz 1 Tz­B­fG ab, die es genügen lässt, dass der Ar­beit­neh­mer die Teil­zeit drei Mo­na­te vor de­ren Be­ginn be­an­tragt. We­der den Be­triebs­par­tei­en noch den Ar­beits­ver­trags­par­tei­en ist es ge­stat­tet, über das Ge­setz hin­aus­ge­hen­de, wei­te­re Vor­aus­set­zun­gen für die Gel­tend­ma­chung von Ver­rin­ge­rungs­ansprüchen auf­zu­stel­len (vgl. zur Re­ge­lungs­be­fug­nis der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en BAG 21. No­vem­ber 2006 - 9 AZR 138/06 - Rn. 28).

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(3) Der Kläger hat mit dem 1. Au­gust 2012, zu dem der Ar­beits­ver­trag geändert wer­den soll­te, ei­nen An­fangs­zeit­punkt der Teil­zeit gewählt, der in der BV Teil­zeit nicht vor­ge­se­hen ist. Die grundsätz­li­che An­ord­nung, dass Ar­beit­neh­mer die Teil­zeit­beschäfti­gung le­dig­lich am An­fang ei­nes Ka­len­der­jah­res be­gin­nen können (§ 3 Abs. 3 BV Teil­zeit), weicht zu­un­guns­ten der Ar­beit­neh­mer von § 8 Tz­B­fG ab, der ei­nen fes­ten Zeit­punkt, ab dem der Ar­beit­neh­mer in ver­min­der­tem Um­fang tätig wird, nicht vor­sieht.

dd) Selbst wenn man zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stellt, die BV Teil­zeit be­schrei­be le­dig­lich die Pa­ra­me­ter des Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zepts, an de­nen sich die Ent­schei­dung über Teil­zeit­anträge ori­en­tie­re, gibt ihr das kei­nen ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Grund an die Hand. Denn sie hat nicht dar­ge­legt, ob und aus wel­chem Grun­de die Ab­wei­chun­gen zwi­schen dem Ver­min­de­rungs­be­geh­ren des Klägers und den Vor­ga­ben der BV Teil­zeit hin­sicht­lich des Um­fangs der Ver­rin­ge­rung (23,01 % an­stel­le von 25 %), hin­sicht­lich des Be­ginns der Teil­zeit (1. Au­gust 2012 an­stel­le des 1. Ja­nu­ar 2013) und hin­sicht­lich der An­trags­frist (min­des­tens drei Mo­na­te an­stel­le von min­des­tens fünf Mo­na­ten) die dem Or­ga­ni­sa­ti­ons­kon­zept zu­grun­de lie­gen­de un­ter­neh­me­ri­sche Auf­ga­ben­stel­lung we­sent­lich be­ein­träch­ti­gen oder un­verhält­nismäßige Kos­ten ver­ur­sa­chen.

c) Auch so­weit sich die Be­klag­te auf ei­nen Crew­fak­tor von 6,5 für die von der CLH zu be­ree­dern­den Flug­zeu­ge vom Typ EMJ be­ruft, legt sie kei­nen ent­ge­gen­ste­hen­den be­trieb­li­chen Grund iSd. § 8 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG dar.

aa) Die Be­klag­te hat schon nicht vor­ge­tra­gen, war­um die Ver­ein­ba­rung der an dem Ta­rif­kon­flikt im Jahr 2010 be­tei­lig­ten Par­tei­en Rechts­wir­kun­gen für und wi­der die CLH ent­fal­tet. Aus­weis­lich des Sch­lich­tungs­vor­schlags vom 23. Ju­ni 2010 wa­ren Par­tei­en des Ta­rif­kon­flikts auf Ar­beit­ge­ber­sei­te die Be­klag­te und ih­re bei­den Toch­ter­ge­sell­schaf­ten Luft­han­sa Car­go AG und Ger­manwings GmbH. Die Be­klag­te hat nicht dar­ge­tan, dass und ab wel­chem Zeit­punkt sich auch die außer­halb des Ta­rif­kon­flikts ste­hen­de CLH dem Sch­lich­tungs­vor­schlag un­ter­warf.

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bb) Selbst wenn man zu­guns­ten der Be­klag­ten un­ter­stellt, die CLH selbst ha­be die un­ter­neh­me­ri­sche Ent­schei­dung ge­trof­fen, ih­re Flug­zeu­ge vom Typ EMJ un­ter Be­ach­tung ei­nes Crew­fak­tors von 6,5 zu be­ree­dern, ändert dies nichts.

(1) Es gehört zu der dem Ar­beit­ge­ber vor­be­hal­te­nen Or­ga­ni­sa­ti­on und Ge­stal­tung des Be­triebs, die Stärke der Be­leg­schaft, mit der das Be­triebs­ziel er­reicht wer­den soll, fest­zu­le­gen. Dar­un­ter fällt auch die Ent­schei­dung über die er­for­der­li­che Ka­pa­zität an Ar­beits­kräften und Ar­beits­zeit (BAG 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 33). Den un­an­ge­foch­te­nen Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts las­sen sich kei­ner­lei Tat­sa­chen ent­neh­men, die dar­auf hin­deu­ten, die be­gehr­te Ar­beits­zeit­re­du­zie­rung des Klägers sei ursächlich dafür, dass die CLH nicht sämt­li­che Flug­zeu­ge des Typs EMJ be­ree­dern könne. Auf die­sen Ge­sichts­punkt hat be­reits das Ar­beits­ge­richt zu­tref­fend hin­ge­wie­sen.

(2) Auf der Grund­la­ge ei­nes Crew­fak­tors von 6,5 benötigt die CLH für die Be­ree­de­rung von 13 Flug­zeu­gen 84,5 in Voll­zeit täti­ge Flug­ka­pitäne, für 14 Flug­zeu­ge ent­spre­chend 91 Flug­ka­pitäne. Die CLH verfügte zum Zeit­punkt, zu dem sie über den Teil­zeit­wunsch ent­schied, über 89 Flug­ka­pitäne, von de­nen sich sie­ben in Aus­bil­dung und ei­ner in El­tern­zeit be­fand. Mit 81 ein­satz­be­rei­ten Flug­ka­pitänen sind le­dig­lich 12 Ma­schi­nen zu be­ree­dern. Dies gilt un­abhängig da­von, ob der Kläger in Voll­zeit oder mit ei­ner re­gelmäßigen Ar­beits­zeit im Um­fang von 76,99 % der Vol­l­ar­beits­zeit tätig ist. Selbst wenn der Kläger in Voll­zeit tätig wäre, könn­te kein wei­te­res Flug­zeug be­ree­dert wer­den. Ob und wie die CLH den Per­so­nal­man­gel in Zu­kunft be­he­ben will und war­um in die­sem Zu­sam­men­hang ei­ne Voll­zeittätig­keit des Klägers vonnöten ist, legt die Be­klag­te nicht dar.

d) Auch mit dem pau­scha­len Hin­weis auf Schu­lungs­kos­ten ist kein ent­ge­gen­ste­hen­der be­trieb­li­cher Grund iSd. § 8 Abs. 4 Satz 1 und Satz 2 Tz­B­fG dar­ge­tan. Un­verhält­nismäßige Kos­ten las­sen sich aus den von der Be­klag­ten abs­trakt dar­ge­stell­ten Auf­wen­dun­gen für die Aus­bil­dung von Pi­lo­ten und Co­pi­lo­ten nicht ab­lei­ten. Die Be­klag­te hat die mit der Ver­rin­ge­rung und Neu­ver­tei­lung der


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Ar­beits­zeit des Klägers ein­her­ge­hen­den Kos­ten nicht kon­kret pro­gnos­ti­ziert (vgl. da­zu BAG 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 32). Sie trägt nicht vor, wel­che An­zahl von Mehr­flug­stun­den, Um­be­set­zun­gen, Um­schu­lun­gen oder Neu­ein­stel­lun­gen auf­grund der Ver­min­de­rung der Ar­beits­zeit des Klägers mit wel­cher kon­kre­ten Kos­ten­fol­ge er­for­der­lich sind.

e) So­weit die Be­klag­te sich auf Pla­nungs­un­si­cher­heit be­ruft, reicht der all­ge­mein ge­hal­te­ne Hin­weis auf die Be­son­der­hei­ten von Luft­fahrt­un­ter­neh­men nicht aus, um die An­nah­me zu recht­fer­ti­gen, es lie­ge ein ent­ge­gen­ste­hen­der be­trieb­li­cher Grund vor. Die Be­son­der­hei­ten des Luft­ver­kehrs ent­bin­den die Be­klag­te eben­so we­nig wie an­de­re Ar­beit­ge­ber da­von, die im Zeit­punkt der Ab­leh­nung be­ste­hen­den kon­kre­ten Pla­nungs­unwägbar­kei­ten dar­zu­le­gen. An­de­ren­falls würde die in § 1 Tz­B­fG ent­hal­te­ne Ziel­set­zung des Ge­set­zes, Teil­zeit­ar­beit zu fördern, ver­fehlt (BAG 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 31). Zu­dem hat die Be­klag­te nicht vor­ge­tra­gen, ob und auf­grund wel­cher Umstände ge­ra­de ei­ne Teil­zeit­beschäfti­gung des Klägers für die Pla­nungs­un­si­cher­heit ursächlich sein oder die­se erhöhen könn­te.

f) Auch der von dem Kläger be­gehr­ten Ver­tei­lung der re­du­zier­ten Ar­beits­zeit ste­hen kei­ne be­trieb­li­chen Gründe ent­ge­gen.

aa) Die Be­stim­mun­gen der BV Ur­laub be­rech­tig­ten die Be­klag­te nicht, das Teil­zeit­ver­lan­gen ab­zu­leh­nen.

(1) Die Be­triebs­ver­ein­ba­rung wirkt nicht un­mit­tel­bar und zwin­gend (§ 77 Abs. 4 Satz 1 Be­trVG), son­dern le­dig­lich kraft der ver­trag­li­chen Be­zug­nah­me in § 1 Nr. 1 Satz 2 Zu­satzV auf das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en ein. Der Kläger steht als Mit­ar­bei­ter der Be­klag­ten außer­halb des in § 1 Satz 1 BV Ur­laub be­schrie­be­nen Gel­tungs­be­reichs.

(2) Die BV Ur­laub recht­fer­tigt es nicht, das Teil­zeit­be­geh­ren des Klägers ab­zu­leh­nen. Der Vor­trag der Be­klag­ten lässt ins­be­son­de­re nicht den Schluss zu, dass Ur­laubs­anträge für die vom Kläger gewünsch­te Frei­zeit­pha­se be­son­ders gehäuft auf­tre­ten. Die Be­klag­te hat be­reits kei­ne kon­kre­ten Zah­len ge-


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nannt, die es ermögli­chen, das Verhält­nis zwi­schen den Ur­laubs­anträgen für den Zeit­raum von Weih­nach­ten bis Syl­ves­ter und den Ur­laubs­anträgen für den übri­gen Zeit­raum des Jah­res zu be­stim­men. Die Be­klag­te hat sich auf den Hin­weis be­schränkt, bei ei­ner Grup­penstärke von 89 Ka­pitänen hätten im Jahr 2012 29 Ka­pitäne über Weih­nach­ten und 18 Ka­pitäne über Sil­ves­ter Ur­laub be­an­tragt. Sie hat je­doch nicht vor­ge­tra­gen, wie vie­le Ur­laubs­anträge übli­cher-wei­se für an­de­re Zeiträume ge­stellt wer­den (vgl. BAG 24. Ju­ni 2008 - 9 AZR 313/07 - Rn. 31).

bb) So­weit die Be­klag­te gel­tend macht, die Her­aus­nah­me des Klägers aus den sog. „mo­natsüberg­rei­fen­den Flug­diens­ten“ führe zu ei­ner Be­vor­zu­gung des Klägers, die es ihr er­lau­be, das Teil­zeit­be­geh­ren ab­zu­leh­nen, trägt sie nicht vor, wie vie­le mo­natsüberg­rei­fen­de Flug­diens­te in wel­chen Mo­na­ten an­fal­len und wie vie­le Flug­ka­pitäne die CLH für die­se Flug­diens­te ein­setzt. Sch­ließlich ist die Her­aus­nah­me aus die­sen Flug­diens­ten not­wen­di­ge Fol­ge nicht nur des in § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. B Var. 4 BV Teil­zeit vor­ge­se­he­nen „75 % Mo­nats­mo­dells“, an dem sich der Teil­zeit­wunsch des Klägers ori­en­tiert. Auch in dem „66,6 % Mo­nats­mo­dell“ iSd. § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. A Var. 1 und Var. 3 BV Teil­zeit, in dem „75 % Mo­nats­mo­dell“ iSd. § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. B Var. 1 BV Teil­zeit und in sämt­li­chen Va­ri­an­ten des „50 % Mo­nats­mo­dells“ iSd. § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. F BV Teil­zeit, in Tei­len auch in den Va­ri­an­ten des „75 % Jah­res­mo­dells“ iSd. § 4 Abs. 1 Satz 2 Buchst. C BV Teil­zeit ste­hen die Mit­ar­bei­ter des flie­gen­den Per­so­nals in­fol­ge ih­rer Teil­zeit nicht für mo­natsüberg­rei­fen­de Flug­diens­te zur Verfügung. Hiel­te man die Be­klag­te für be­rech­tigt, Teil­zeit­ver­lan­gen ih­rer Mit­ar­bei­ter mit der Be­gründung zurück­zu­wei­sen, die Teil­zeit ste­he ei­nem mo­natsüberg­rei­fen­den Ein­satz ent­ge­gen, stände es im Be­lie­ben der CLH, die ge­nann­ten Teil­zeit­mo­del­le, de­ren Rea­li­sie­rung sie in der BV Teil­zeit be­triebs­ver­fas­sungs­recht­lich zu­ge­sagt hat, auch tatsächlich an­zu­bie­ten.


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V. Die Be­klag­te hat die Kos­ten der oh­ne Er­folg ein­ge­leg­ten Re­vi­si­on zu tra­gen (§ 97 Abs. 1 ZPO).


Brühler 

Krasshöfer 

Suckow

Vogg 

Wull­horst

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