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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Allgemeine Geschäftsbedingungen, Gratifikation, Weihnachtsgeld
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 15 Sa 812/10
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 16.09.2010
   
Leit­sätze: Sch­ließen Be­stim­mun­gen ei­nes Ar­beits­ver­tra­ges, die als All­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen an­zu­se­hen sind, den An­spruch auf ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on aus, wenn sich das Ar­beits­verhält­nis im Zeit­punkt der Aus­zah­lung im gekündig­ten Zu­stand be­fin­de, oh­ne da­nach zu dif­fe­ren­zie­ren, ob der Grund für die Kündi­gung im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ar­beit­neh­mers oder des Ar­beit­ge­bers liegt, so be­nach­tei­li­gen die­se Ver­trags­be­stim­mun­gen den Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen und sind da­mit gemäß § 307 Abs. 1 BGB un­wirk­sam.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Bochum, Urteil vom 15.04.2010, 3 Ca 228/10
   

15 Sa 812/10

3 Ca 228/10 ArbG Bo­chum

 

Verkündet am 16.09.2010

Gre­watsch Re­gie­rungs­beschäftig­te als Ur­kunds­be­am­tin der Geschäfts­stel­le

 

Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm

Im Na­men des Vol­kes

Ur­teil

In dem Ver­fah­ren

hat die 15. Kam­mer des Lan­des­ar­beits­ge­richts Hamm
auf die münd­li­che Ver­hand­lung vom 16.09.2010
durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Lan­des­ar­beits­ge­richt Dr. Wend­ling
so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter du Pin und Wullen­kord

f ü r Recht er­kannt :

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Bo­chum vom 15.04.2010 – 3 Ca 228/10 – wird auf sei­ne Kos­ten zurück­ge­wie­sen.

Der Streit­wert des Be­ru­fungs­ver­fah­rens wird auf 1.900,-- € fest­ge­setzt.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

 

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Tat­be­stand

Die Par­tei­en ha­ben erst­in­stanz­lich um die Wirk­sam­keit ei­ner Kündi­gung, die Er­tei­lung ei­nes Zeug­nis­ses so­wie die Her­aus­ga­be von Ar­beits­pa­pie­ren und Zah­lungs­ansprüche der Kläge­rin ge­strit­ten. Zweit­in­stanz­lich ist zwi­schen den Par­tei­en nur noch strei­tig, ob die Kläge­rin An­spruch auf ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von 1.900,-- € brut­to hat.

Die Kläge­rin war seit dem 01.07.2008 als Steu­er­fach­wir­tin zu ei­nem durch­schnitt­li­chen Brut­to­mo­nats­ge­halt von 2.100,-- € mit ei­ner wöchent­li­chen Beschäfti­gungs­zeit von 38,5 St­un­den für den Be­klag­ten tätig. Der schrift­li­che Ar­beits­ver­trag vom 30.05.2008 enthält in § 5 u.a. fol­gen­de Re­ge­lun­gen:

„(1) Die An­ge­stell­te erhält ein mo­nat­li­ches, nachträglich zu zah­len­des Ge­halt von EU­RO 1.900,-- (in Wor­ten eins-neun-null-null).
(2) Der An­ge­stell­te erhält mit der Vergütung nach Abs. 1 je­weils für den Mo­nat No­vem­ber ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von EU­RO 1.900,-- (in Wor­ten eins-neun-null-null).
(5) Der An­spruch auf Gra­ti­fi­ka­ti­on ist aus­ge­schlos­sen, wenn sich das An­stel­lungs­verhält­nis im Zeit­punkt der Aus­zah­lung in gekündig­tem Zu­stand be­fin­det.
(6) Ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on ist gleich­zei­tig Treue­prämie. So­weit ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ge­zahlt wird, ist sie zurück­zu­zah­len, wenn der An­ge­stell­te auf­grund ei­ge­ner Kündi­gung oder auf­grund außer­or­dent­li­cher, ver­hal­tens­be­ding­ter oder per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung des Pra­xis­in­ha­bers vor dem 31. März des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung er­reicht, bis zum 31. März des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung über­steigt, vor dem 30. Ju­ni des auf die Aus­zah­lung fol­gen­den Ka­len­der­jah­res aus­schei­det. Dies gilt nicht, wenn die Gra­ti­fi­ka­ti­on den Be­trag von DM 200,-- nicht über­steigt.

 

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Ei­ne gewähr­te Ur­laubs­gra­ti­fi­ka­ti­on ist zurück­zu­zah­len, wenn der An­ge­stell­te auf­grund ei­ge­ner Kündi­gung oder auf­grund außer­or­dent­li­cher, ver­hal­tens­be­ding­ter oder per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung des Pra­xis­in­ha­bers vor dem 30. Sep­tem­ber des Ur­laubs­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung er­reicht, bis zum 30. Sep­tem­ber des Ur­laubs­jah­res oder, so­fern die Gra­ti­fi­ka­ti­on ei­ne Mo­nats­vergütung über­steigt, vor dem 31. De­zem­ber des Ur­laubs­jah­res aus­schei­det. Dies gilt nicht, wenn die Gra­ti­fi­ka­ti­on den Be­trag von DM 200,-- nicht über­steigt.

Der Pra­xis­in­ha­ber ist be­rech­tigt, die Rück­zah­lungs­for­de­run­gen mit et­wa ver­blei­ben­den Vergütungs­ansprüchen zu ver­rech­nen "

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges wird auf Bl. 15 f. d.A. Be­zug ge­nom­men.

Mit Schrei­ben vom 23.11.2009 erklärte der Be­klag­te, bei dem re­gelmäßig we­ni­ger als 10 voll­zeit­beschäftig­te Ar­beit­neh­mer tätig sind, der Kläge­rin die frist­ge­rech­te Kündi­gung zum 31.12.2009. Hier­ge­gen rich­te­te sich u.a. die am 07.01.2010 beim Ar­beits­ge­richt Bo­chum ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge. Darüber hin­aus ver­lang­te die Kläge­rin die Er­tei­lung ei­nes qua­li­fi­zier­ten Zeug­nis­ses, Her­aus­ga­be des elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­nach­wei­ses für das Ka­len­der­jahr 2009, die Her­aus­ga­be des Ver­si­che­rungs­nach­weis­hef­tes so­wie die Zah­lung ei­ner Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von 2.100,-- € brut­to so­wie Zah­lung wei­te­rer 333,53 € brut­to als rest­li­che Ur­laubs­ab­gel­tung und Vergütung von Über­stun­den.

Hin­sicht­lich der ein­ge­klag­ten Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on hat die Kläge­rin vor­ge­tra­gen, ihr ste­he in­so­weit ein Be­trag von 2.100,-- € brut­to zu. Zwar sei im Ar­beits­ver­trag fest­ge­hal­ten, dass ihr An­spruch auf Weih­nachts­geld 1.900,-- € be­tra­ge. Hier­bei ha­be es sich aber um das da­ma­li­ge Ein­stiegs­ge­halt ge­han­delt, das zwi­schen­zeit­lich auf 2.100,-- € erhöht wor­den sei. Be­triebsüblich sei al­len Ar­beit­neh­mern als Weih­nachts­geld im­mer das ak­tu­el­le Ge­halt ge­zahlt wor­den, so­dass sie ei­nen An­spruch auf Weih­nachts­geld in Höhe von 2.100,-- € brut­to ha­be.

 

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So­weit der Be­klag­te sich auf § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges be­ru­fe und gel­tend ma­che, der Weih­nachts­geld­an­spruch sei ent­fal­len, weil das Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt der Aus­zah­lung gekündigt ge­we­sen sei, ver­tre­te sie, die Kläge­rin, die Auf­fas­sung, dass die­se Ver­trags­be­stim­mung un­wirk­sam sei. Beim Weih­nachts­geld han­de­le es sich um ei­ne ge­winn- und leis­tungs­un­abhängi­ge Zah­lung, die al­lein aus dem Grund er­fol­ge, um dem Ar­beit­neh­mer ei­nen Bo­nus für das Er­brin­gen der ihm ob­lie­gen­den Ar­beits­leis­tung im Ka­len­der­jahr zu­kom­men zu las­sen. Wenn die Aus­zah­lung aus Gründen, auf die sie, die Kläge­rin, kei­nen Ein­fluss ha­be, ver­sagt wer­de, ob­wohl sie ih­re Ar­beits­leis­tung im Be­zugs­zeit­raum voll er­bracht ha­be, so sei dies rechts­miss­bräuch­lich. Der Be­klag­te ha­be im Jah­re 2009 sei­ne Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert, frei­wil­lig auf das Weih­nachts­geld zu ver­zich­ten. Da sie, die Kläge­rin – im Ge­gen­satz zu ih­ren Kol­le­gen/in­nen – hier­auf nicht ver­zich­tet ha­be, sei es zum Aus­spruch der Kündi­gung ge­kom­men.

Die Kläge­rin hat be­an­tragt,

1. fest­zu­stel­len, dass das zwi­schen Par­tei­en be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis durch die schrift­li­che Kündi­gung des Be­klag­ten vom 23.11.2009 nicht zum 31.12.2009 be­en­det wor­den ist;
2. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin ein qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis zu er­tei­len;
3. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin den elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­nach­weis für das Ka­len­der­jahr 2009 her­aus­zu­ge­ben;
4. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, der Kläge­rin die Ab­mel­dung zur So­zi­al­ver­si­che­rung her­aus­zu­ge­ben;
5. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 2.100,00 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Zu­stel­lung der Kla­ge zu zah­len;
6. den Be­klag­ten zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 333,53 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 %-Punk­ten über dem je­wei­li­gen Ba­sis­zins­satz ab Zu­stel­lung der Kla­ge zu zah­len.

 

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Der Be­klag­te hat be­an­tragt,

die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Er hat im Hin­blick auf die ein­ge­klag­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on vor­ge­tra­gen, der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te An­spruch sei gemäß § 5 Abs.5 des Ar­beits­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen. Zu­dem sei im Ar­beits­ver­trag nur ein Weih­nachts­geld in Höhe von 1.900,00 € ver­ein­bart wor­den. Die Kündi­gung sei auch nicht we­gen der Wei­ge­rung der Kläge­rin, auf das Weih­nachts­geld zu ver­zich­ten, aus­ge­spro­chen wor­den. Die Kündi­gung ha­be, wie im Kündi­gungs­schrei­ben dar­ge­legt, be­trieb­li­che Gründe ge­habt.

Im Ter­min vom 15.04.2010 hat das Ar­beits­ge­richt fol­gen­des Ur­teil verkündet:

1. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin ein qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis zu er­tei­len.
2. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin den elek­tro­ni­schen Lohn­steu­er­nach­weis für das Ka­len­der­jahr 2009 her­aus­zu­ge­ben.
3. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, der Kläge­rin die Ab­mel­dung zur So­zi­al­ver­si­che­rung her­aus­zu­ge­ben.
4. Der Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­nen Be­trag in Höhe von 2.034,61 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 18.01.2010 zu zah­len.
5. Im Übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.
6. Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Rechts­streits zu 60 %, der Be­klag­te zu 40 %.
7. Der Wert des Streit­ge­gen­stan­des wird auf 11.233,53 € fest­ge­setzt.

Ge­gen die­se Ent­schei­dung, die dem Be­klag­ten am 10.05.2010 zu­ge­stellt wor­den ist, rich­tet sich die Be­ru­fung des Be­klag­ten, die am 07.06.2010 beim Lan­des­ar­beits­ge­richt ein­ge­gan­gen und gleich­zei­tig be­gründet wor­den ist.

 

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Der Be­klag­te macht wei­ter gel­tend, die Kläge­rin ha­be kei­nen An­spruch auf Zah­lung ei­nes Weih­nachts­gel­des in Höhe von 1.900,-- € brut­to. Die im Ar­beits­ver­trag ver­ein­bar­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on sei En­de des Mo­nats No­vem­ber 2009 fällig ge­we­sen. Zu die­sem Zeit­punkt sei das Ar­beits­verhält­nis be­reits mit Schrei­ben vom 23.11.2009, das der Kläge­rin am sel­ben Ta­ge zu­ge­gan­gen sei, gekündigt ge­we­sen. Gemäß § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges sei der An­spruch auf Gra­ti­fi­ka­ti­on da­mit aus­ge­schlos­sen.

Ent­ge­gen der Auf­fas­sung des Ar­beits­ge­richts sei die Re­ge­lung in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht als un­an­ge­mes­sen i. S. des § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB an­zu­se­hen. § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ent­hal­te ei­ne gängi­ge und durch­aus übli­che Re­ge­lung, die im Ein­klang mit der Recht­spre­chung ste­he. Die Re­ge­lung sei auch nicht über­ra­schend, son­dern klar for­mu­liert, in sich schlüssig und eben­so kurz wie prägnant for­mu­liert und ste­he di­rekt vor der Re­ge­lung in § 5 Abs. 6 des Ar­beits­ver­tra­ges.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des Ar­beits­ge­rich­tes Bo­chum vom 15.04.2010 zum Ak­ten­zei­chen 3 Ca 228/10 in Sa­chen Ö1, S2 ./. G1, T1 da­hin­ge­hend ab­zuändern, dass der Be­klag­te gemäß Zif­fer 4 des Ur­teils ver­ur­teilt wird, an die Kläge­rin le­dig­lich ei­nen Be­trag in Höhe von 134,61 € brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit dem 18.01.2010 zu zah­len, und im Übri­gen die Kla­ge auf Zah­lung ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung des Be­klag­ten zurück­zu­wei­sen.

Sie ver­tei­digt das ar­beits­ge­richt­li­che Ur­teil und trägt vor, sie ha­be ei­nen An­spruch auf Zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on gemäß § 5 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges. Der An­spruch sei nicht gemäß § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen. Denn die­se Be­stim­mung sei gemäß § 307 BGB un­wirk­sam. Wie dem Ar­beits­ver­trag zu

 

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ent­neh­men sei, han­de­le es sich bei der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on um ei­ne Treue­prämie, mit der die Loya­lität und Verläss­lich­keit des Ar­beit­neh­mers gewürdigt wer­den sol­le. Ins­be­son­de­re auch aus die­sem Grun­de sei es ei­ne un­zulässi­ge Be­nach­tei­li­gung, wenn im Rah­men des Aus­schlus­ses der Gra­ti­fi­ka­ti­on nicht da­nach un­ter­schie­den wer­de, wer die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses zum Stich­tag ver­an­lasst ha­be. Sie, die Kläge­rin, ha­be dem Be­klag­ten treue Diens­te er­bracht und die vom Be­klag­ten aus­ge­spro­che­ne be­triebs­be­ding­te Kündi­gung nicht ver­an­lasst. Da sie die ihr ob­lie­gen­de Ar­beits­leis­tung im Be­zugs­zeit­raum voll er­bracht ha­be, dürfe die er­war­te­te Treue­prämie nicht aus Gründen, auf die sie kei­nen Ein­fluss ge­habt ha­be, ver­wei­gert wer­den. Da § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges nicht nach dem ei­ner Treue­prämie im­ma­nen­ten Rechts­ge­dan­ken des § 162 BGB dif­fe­ren­zie­re, be­nach­tei­li­ge sie die Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen und sei da­mit über­ra­schend.

Im Übri­gen be­ste­he der An­spruch auch des­we­gen, weil der Be­klag­te sich treu­wid­rig ver­hal­ten ha­be. Gemäß § 162 BGB sei da­von aus­zu­ge­hen, dass das Ar­beits­verhält­nis zum Zeit­punkt der Fällig­keit der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on noch un­gekündigt ge­we­sen sei. Denn der Be­klag­te ha­be das Ar­beits­verhält­nis nur auf­gelöst, um die Ent­ste­hung des Gra­ti­fi­ka­ti­ons­an­spruchs zu ver­ei­teln. Der Be­klag­te ha­be sei­ne Mit­ar­bei­ter auf­ge­for­dert, frei­wil­lig auf die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on für das Jahr 2009 zu ver­zich­ten. Da sie, die Kläge­rin, - im Ge­gen­satz zu ih­ren Kol­le­gen/in­nen – hier­auf nicht ver­zich­tet ha­be, sei es zum Aus­spruch der Kündi­gung ge­kom­men.

We­gen der wei­te­ren Ein­zel­hei­ten des Sach- und Streit­stan­des wird auf den vor­ge­tra­ge­nen In­halt vor­ge­tra­ge­nen In­halt der ge­wech­sel­ten Schriftsätze nebst An­la­gen Be­zug ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe:

I.

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten ist an sich statt­haft so­wie form- und frist­ge­recht ein­ge­legt und be­gründet wor­den.

 

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II.

Der Sa­che nach hat die Be­ru­fung des Be­klag­ten kei­nen Er­folg. Denn das Ar­beits­ge­richt hat den Be­klag­ten zu Recht ver­ur­teilt, an die Kläge­rin ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von 1.900,00 € brut­to nebst Zin­sen im zu­er­kann­ten Um­fang zu zah­len.

1. An­spruchs­grund­la­ge für die von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on ist § 5 Abs. 2 des schrift­li­chen Ar­beits­ver­tra­ges vom 30.05.2008. Da­nach erhält der An­ge­stell­te mit der Vergütung nach § 5 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges je­weils für den Mo­nat No­vem­ber ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von 1.900,00 €.

2. Der von der Kläge­rin gel­tend ge­mach­te An­spruch ist nicht gemäß § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges aus­ge­schlos­sen, auch wenn das Ar­beits­verhält­nis der Kläge­rin sich im Aus­zah­lungs­zeit­punkt in gekündig­tem Zu­stand be­fun­den hat. Denn die Be­stim­mung in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ist gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam.

a) Nicht strei­tig zwi­schen den Par­tei­en ist, dass es sich bei den Be­stim­mun­gen des Ar­beits­ver­tra­ges vom 30.05.2008 um all­ge­mei­ne Geschäfts­be­din­gun­gen im Sin­ne der §§ 305 Abs. 1 BGB han­delt. Die Ver­trags­be­din­gun­gen sind für ei­ne Viel­zahl von Verträgen vor­for­mu­liert wor­den und vom Be­klag­ten der Kläge­rin als der an­de­ren Ver­trags­par­tei bei Ab­schluss des Ver­tra­ges ge­stellt wor­den.

b) So­weit § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges den An­spruch auf Zah­lung der Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on aus­sch­ließt, wenn sich das An­stel­lungs­verhält­nis im Zeit­punkt der Aus­zah­lung in gekündig­tem Zu­stand be­fin­det, be­nach­tei­ligt die­se Ver­trags­be­stim­mung die Kläge­rin ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen und ist da­mit gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB als un­wirk­sam an­zu­se­hen.

 

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aa) Die Klau­sel in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 30.05.2008 knüpft dar­an an, ob sich „das An­stel­lungs­verhält­nis im Zeit­punkt der Aus­zah­lung in gekündig­tem Zu­stand be­fin­det". Die Klau­sel dif­fe­ren­ziert da­mit nicht zwi­schen ei­ner vom Ar­beit­ge­ber und ei­ner vom Ar­beit­neh­mer aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung. Sie stellt auch nicht dar­auf ab, ob der Grund für die Kündi­gung im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ar­beit­neh­mers oder des Ar­beit­ge­bers liegt, wie dies bei ei­ner Kündi­gung aus be­trieb­li­chen Gründen der Fall ist. Bei ty­pi­sie­ren­der Be­trach­tung er­scheint es nicht in­ter­es­sen­ge­recht, dem Ar­beit­neh­mer im Fal­le ei­ner nicht in sei­nen Ver­ant­wor­tungs­be­reich fal­len­den Kündi­gung, zum Bei­spiel ei­ner Kündi­gung aus be­trieb­li­chen Gründen, die ver­ein­bar­te Gra­ti­fi­ka­ti­on vor­zu­ent­hal­ten. Ei­ne Re­ge­lung in all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen, die oh­ne Dif­fe­ren­zie­rung da­nach, ob der Grund für die Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses im Ver­ant­wor­tungs­be­reich des Ar­beit­neh­mers oder des Ar­beit­ge­bers liegt, den An­spruch auf ei­ne Gra­ti­fi­ka­ti­on ent­fal­len lässt, be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen und ist da­mit gemäß § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB un­wirk­sam (vgl. hier­zu: BAG Ur­teil vom 24.10.2007 – 10 AZR 825/06, AP Nr. 32 zu § 307 BGB; Ur­teil vom 06.05.2009 – 10 AZR 443/08, AP Nr. 43 zu § 307 BGB). Auch wenn in den ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen letzt­lich of­fen ge­blie­ben ist, ob bei ei­ner Ver­trags­ge­stal­tung der hier ge­ge­be­nen Art ei­ne un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers ge­ge­ben ist, ist un­ter Berück­sich­ti­gung der in den ge­nann­ten Ent­schei­dun­gen auf­geführ­ten Ar­gu­men­te da­von aus­zu­ge­hen, dass die Re­ge­lung in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges, die beim Weg­fall der ver­ein­bar­ten Gra­ti­fi­ka­ti­on nicht da­nach dif­fe­ren­ziert, ob der Grund für die Kündi­gung im Ver­ant­wor­tungs­be­reich der Kläge­rin oder des Be­klag­ten liegt, als Ver­s­toß ge­gen § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB an­zu­se­hen ist.

bb) Die Be­stim­mung in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 30.05.2008 kann auch nicht un­ter An­wen­dung der Grundsätze des so­ge­nann­ten blue-pen­cil-Tests in mögli­cher­wei­se geänder­ter Form auf­recht­er­hal­ten wer­den (zum blue-pen­cil-Test vgl. BAG, Ur­teil vom 12.03.2008 – 10 AZR 152/07). Die teil­wei­se Auf­recht­er­hal­tung ei­ner Ver­trags­klau­sel setzt nach § 306 Abs. 1 BGB ih­re Teil­bar­keit vor­aus. Die Teil­bar­keit ei­ner Klau­sel ist mit­tels ei­ner Strei­chung des un­wirk­sa­men Teils mit ei­nem „blau­en Stift" zu er­mit­teln (vgl. BAG, Ur­teil vom 06.05.2009 – 10 AZR 443/08 a.a.O.). Ei­ne der­ar­ti­ge Teil­bar­keit der Klau­sel in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges ist vor­lie­gend

 

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nicht ge­ge­ben. Wird das Wort „gekündig­tem" in die­ser Klau­sel ge­stri­chen, so ist die rest­li­che Re­ge­lung sprach­lich nicht mehr verständ­lich (vgl. BAG, Ur­teil vom 06.05.2009 – 10 AZR 443/08 m.w.N.).

c) Kann die Re­ge­lung in § 5 Abs. 5 des Ar­beits­ver­tra­ges vom 30.05.2008 auch nicht teil­wei­se auf­recht­er­hal­ten blei­ben, da sie ge­gen § 307 Abs. 1 Satz 1 BGB verstößt, so ver­bleibt es bei der Be­stim­mung in § 5 Abs. 2 des Ar­beits­ver­tra­ges, nach der der An­ge­stell­te mit der Vergütung nach § 5 Abs. 1 des Ar­beits­ver­tra­ges je­weils für den Mo­nat No­vem­ber ei­ne Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on in Höhe von 1.900,00 € erhält. Die Vor­aus­set­zun­gen der Rück­zah­lungs­klau­sel in § 5 Abs. 6 des Ar­beits­ver­tra­ges sind nicht ge­ge­ben. Denn die Kläge­rin ist nicht auf­grund ei­ge­ner Kündi­gung oder auf­grund außer­or­dent­li­cher, ver­hal­tens­be­ding­ter oder per­so­nen­be­ding­ter Kündi­gung des Be­klag­ten aus­ge­schie­den. Nach ei­ge­nem Sach­vor­trag der Be­klag­ten ist die Kündi­gung aus be­trieb­li­chen Gründen er­folgt. An­ge­sichts des­sen kann da­hin­ste­hen, ob der Be­klag­te ent­spre­chend dem Sach­vor­trag der Kläge­rin das Ar­beits­verhält­nis le­dig­lich gekündigt hat, weil die Kläge­rin – im Ge­gen­satz zu ih­ren Kol­le­gen/in­nen – auf die Weih­nachts­gra­ti­fi­ka­ti­on für das Jahr 2009 nicht ver­zich­tet hat.

III.

Die Kos­ten­ent­schei­dung be­ruht auf § 97 ZPO.

Der Streit­wert des Be­ru­fungs­ver­fah­rens beträgt 1.900,00 €.

Die er­ken­nen­de Kam­mer hat die Re­vi­si­on gemäß § 72 Abs. 2 Nr. 1 ArbGG zu­ge­las­sen.

 

- 11 -

RECH­TSMIT­TEL­BE­LEH­RUNG

Ge­gen die­ses Ur­teil kann von der be­klag­ten Par­tei

RE­VISION

ein­ge­legt wer­den.

Für die kla­gen­de Par­tei ist ge­gen die­ses Ur­teil kein Rechts­mit­tel ge­ge­ben.

Die Re­vi­si­on muss in­ner­halb ei­ner Not­frist* von ei­nem Mo­nat schrift­lich beim

Bun­des­ar­beits­ge­richt

Hu­go-Preuß-Platz 1

99084 Er­furt

Fax: 0361 2636 2000

ein­ge­legt wer­den.

Die Not­frist be­ginnt mit der Zu­stel­lung des in vollständi­ger Form ab­ge­fass­ten Ur­teils, spätes­tens mit Ab­lauf von fünf Mo­na­ten nach der Verkündung.

Die Re­vi­si­ons­schrift muss von ei­nem Be­vollmäch­tig­ten un­ter­zeich­net sein. Als Be­vollmäch­tig­te sind nur zu­ge­las­sen:

1. Rechts­anwälte,
2. Ge­werk­schaf­ten und Ver­ei­ni­gun­gen von Ar­beit­ge­bern so­wie Zu­sam­men­schlüsse sol­cher Verbände für ih­re Mit­glie­der oder für an­de­re Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der,
3. Ju­ris­ti­sche Per­so­nen, de­ren An­tei­le sämt­lich im wirt­schaft­li­chen Ei­gen­tum ei­ner der in Num­mer 2 be­zeich­ne­ten Or­ga­ni­sa­tio­nen ste­hen, wenn die ju­ris­ti­sche Per­son aus­sch­ließlich die Rechts­be­ra­tung und Pro­zess­ver­tre­tung die­ser Or­ga­ni­sa­ti­on und ih­rer Mit­glie­der oder an­de­rer Verbände oder Zu­sam­men­schlüsse mit ver­gleich­ba­rer Aus­rich­tung und de­ren Mit­glie­der ent­spre­chend de­ren Sat­zung durchführt und wenn die Or­ga­ni­sa­ti­on für die Tätig­keit der Be­vollmäch­tig­ten haf­tet.

 

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In den Fällen der Zif­fern 2 und 3 müssen die Per­so­nen, die die Re­vi­si­ons­schrift un­ter­zeich­nen, die Befähi­gung zum Rich­ter­amt ha­ben.

Ei­ne Par­tei, die als Be­vollmäch­tig­ter zu­ge­las­sen ist, kann sich selbst ver­tre­ten.

* ei­ne Not­frist ist un­abänder­lich und kann nicht verlängert wer­den.

 

Dr. Wend­ling 

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