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Urteile zum Arbeitsrecht
Nach Alphabet
   
Schlag­worte: Betriebsübergang, Widerspruchsrecht, Verwirkung
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 8 AZR 805/07
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 22.04.2010
   
Leit­sätze:
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Solingen, Urteil vom 17.1.2007 - 3 Ca 2002/05 lev
Landesarbeitsgericht Düsseldorf, Teilurteil vom 1.8.2007 - 7 Sa 553/07
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT


8 AZR 805/07
7 Sa 553/07
Lan­des­ar­beits­ge­richt
Düssel­dorf

 

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am

22. April 2010

UR­TEIL

Förs­ter, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­onskläge­rin,

pp.

Kläger, Be­ru­fungskläger und Re­vi­si­ons­be­klag­ter,

hat der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf­grund der münd­li­chen Ver­hand­lung vom 22. April 2010 durch den Vor­sit­zen­den Rich­ter am Bun­des-
 


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ar­beits­ge­richt Hauck, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Böck und Brein­lin­ger so­wie die eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ave­na­ri­us und Dr. Pau­li für Recht er­kannt:


Auf die Re­vi­si­on der Be­klag­ten wird das Teil­ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts Düssel­dorf vom 1. Au­gust 2007 - 7 Sa 553/07 - auf­ge­ho­ben.

Die Be­ru­fung des Klägers ge­gen das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts So­lin­gen vom 17. Ja­nu­ar 2007 - 3 Ca 2002/05 lev - wird - außer so­weit sie sich ge­gen die teil­wei­se Kla­ge­ab­wei­sung auf Bo­nus­zah­lung für das Jahr 2004 rich­tet - zurück­ge­wie­sen.

Die Kos­ten­ent­schei­dung bleibt der Schluss­ent­schei­dung vor­be­hal­ten.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten in der Re­vi­si­ons­in­stanz darüber, ob zwi­schen ih­nen über den 1. No­vem­ber 2004 hin­aus ein Ar­beits­verhält­nis fort­be­steht.

Der Kläger war seit 1974 bei der Be­klag­ten beschäftigt, zu­letzt als Per­so­nal­re­fe­rent. Er war dem Geschäfts­be­reich C I (CI) zu­ge­ord­net.

Die­ser Geschäfts­be­reich ver­zeich­ne­te seit meh­re­ren Jah­ren Um­satzrückgänge, wel­che die Be­klag­te zu Per­so­nal­ab­bau­maßnah­men ver­an­lass­ten. Am 14. Ok­to­ber 2004 ver­ein­bar­te die Be­klag­te mit ih­rem Be­triebs­rat ei­nen In­ter­es­sen­aus­gleich. Die­ser re­gel­te ua., dass Mit­ar­bei­ter, die von dem ge­plan­ten Per­so­nal­ab­bau be­trof­fen sein würden, Ab­fin­dungs­zah­lun­gen er­hal­ten soll­ten. Die­sem In­ter­es­sen­aus­gleich soll­te ei­ne Na­mens­lis­te der be­trof­fe­nen Mit­ar­bei­ter bei­gefügt wer­den. Der Kläger war zur Auf­nah­me in die­se Lis­te vor­ge­se­hen.

Mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2004 in­for­mier­te die Be­klag­te den Kläger über die be­ab­sich­tig­te Über­tra­gung des Geschäfts­be­reichs CI auf die A

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GmbH. In die­sem Schrei­ben heißt es ua.:

„...

die A-G AG plant, den Geschäfts­be­reich C I (CI) mit Wir­kung zum 1. No­vem­ber 2004 auf die A GmbH zu über­tra­gen.

Für die Ar­beits­verhält­nis­se der Mit­ar­bei­ter, die dem Geschäfts­be­reich CI zu­ge­ord­net sind, führt die­se Über­tra­gung zu ei­nem au­to­ma­ti­schen Über­gang ih­rer Ar­beits­verhält­nis­se. Dies ist in § 613 a BGB ge­re­gelt, des­sen Be­stim­mun­gen auf den Über­gang zwin­gend an­wend­bar sind. § 613 a Ab­satz 5 BGB sieht ei­ne schrift­li­che In­for­ma­ti­on des von ei­nem sol­chen Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mers vor, der nach § 613 a Ab­satz 6 BGB dem Über­gang auch wi­der­spre­chen kann.

Die­se Be­stim­mun­gen lau­ten:

‚Der bis­he­ri­ge Ar­beit­ge­ber oder der neue In­ha­ber hat die von ei­nem Über­gang be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer vor dem Über­gang in Text­form zu un­ter­rich­ten über:

1. den Zeit­punkt oder den ge­plan­ten Zeit­punkt des Über­gangs,
2. den Grund für den Über­gang,
3. die recht­li­chen, wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Fol­gen des Über­gangs für die Ar­beit­neh­mer und
4. die hin­sicht­lich der Ar­beit­neh­mer in Aus­sicht ge­nom­me­nen Maßnah­men.

Der Ar­beit­neh­mer kann dem Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses in­ner­halb ei­nes Mo­nats nach Zu­gang der Un­ter­rich­tung nach Ab­satz 5 schrift­lich wi­der­spre­chen. Der Wi­der­spruch kann ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber oder dem neu­en In­ha­ber erklärt wer­den.’

Ihr Ar­beits­verhält­nis ist dem Geschäfts­be­reich CI zu-ge­ord­net und würde des­halb mit dem 1. No­vem­ber 2004 auf A GmbH über­ge­hen.

...

1. Zum ge­plan­ten Zeit­punkt des Über­gangs:

Das Da­tum des ge­plan­ten Über­gangs ist der 1. No­vem­ber 2004.


2. Zum Grund für den Über­gang:

Grund des Über­gangs ist die recht­li­che Ver­selbständi­gung des Geschäfts­be­reichs CI in der A GmbH und de­ren an­sch­ließen­de Veräußerung an N GmbH.

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A GmbH mit Sitz in L um­fasst das ge­sam­te bis­he­ri­ge CI-Geschäft der A-G AG, al­so die Geschäfts­fel­der Film, Fi­nis­hing und La­bor­geräte. A GmbH über­nimmt das Vermögen von CI. Hier­zu gehören ins­be­son­de­re Pro­duk­ti­ons­an­la­gen, Mar­ken­zei­chen, Pa­ten­te und tech­no­lo­gi­sches Know-how, Vorräte und For­de­run­gen.

...

Das Un­ter­neh­men wird mit ei­nem gu­ten Ei­gen­ka­pi­tal aus­ge­stat­tet und verfügt über ho­he Li­qui­dität, um un­er­war­tet auf­tre­ten­de Ri­si­ken bewälti­gen, in neue Geschäfte in­ves­tie­ren und Markt­chan­cen bes­ser nut­zen zu können.

3. Zu den recht­li­chen, wirt­schaft­li­chen und so­zia­len Fol­gen des Über­gangs für die Ar­beit­neh­mer:

Mit dem Über­gang des Geschäfts­be­reichs CI tritt A GmbH in die be­ste­hen­den, un­veränder­ten Ar­beits­verhält­nis­se ein. Zur Klärung und Re­ge­lung der Ein­zel­hei­ten ha­ben A-G AG, A GmbH, Ge­samt­be­triebs­rat der A-G AG so­wie die ört­li­chen Be­triebsräte am 24. Sep­tem­ber 2004 ei­ne Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung ‚zur Klärung der recht­li­chen Aus­wir­kun­gen auf die Ar­beits­verhält­nis­se be­trof­fe­ner Ar­beit­neh­mer, auf die kol­lek­tiv-recht­li­chen Re­ge­lun­gen so­wie auf die be­triebs­ver­fas­sungs­recht­li­chen Struk­tu­ren’ ab­ge­schlos­sen, die da­von ge­prägt ist, so weit wie möglich Kon­ti­nuität zu wah­ren:

- Die bei der A-G AG ver­brach­ten und/ oder von ihr an­er­kann­ten Dienst­jah­re wer­den als Dienst-zeit bei A GmbH an­er­kannt.
- Die Zu­gehörig­keit zu den Ar­beit­ge­ber­verbänden der Che­mi­schen In­dus­trie wird auch bei A GmbH be­ste­hen, d.h. es bleibt bei den Che­mie-Ta­ri­fen.


...

5. Zu Ih­rer persönli­chen Si­tua­ti­on:

Ihr Ar­beits­verhält­nis wird nach un­se­rer Pla­nung von dem ge­plan­ten Per­so­nal­ab­bau gemäß Zif­fer 4 be­trof­fen sein. Die Zu­stim­mung des Be­triebs­rats zu Ih­rer Auf­nah­me in die Na­mens­lis­te liegt der­zeit noch nicht vor. In­so­fern sind Ver­hand­lun­gen mit dem Be­triebs­rat noch nicht ab­ge­schlos­sen. Sie müssen je­doch da­mit rech­nen, nach Ab­schluss die­ser Ver­hand­lun­gen mit oder oh­ne Ih­re Auf­nah­me in die Na­mens­lis­te der zur Kündi­gung vor­ge­se­he­nen

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Mit­ar­bei­ter ei­ne Kündi­gung zu er­hal­ten.


Zur Mil­de­rung wirt­schaft­li­cher Nach­tei­le ste­hen Ih­nen dann die in un­se­rem So­zi­al­plan vor­ge­se­he­nen Leis­tun­gen zu.

Die ge­plan­te Kündi­gung wirkt sich auf den Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses nicht aus.
Ihr Ar­beits­verhält­nis geht trotz­dem über und Sie sind ver­pflich­tet, Ih­re Tätig­keit bei A GmbH fort­zuführen. Die nach­fol­gend dar­ge­stell­ten Kon­se­quen­zen ei­nes even­tu­el­len Wi­der­spruchs tref­fen auch in Ih­rem Fal­le zu.

6. Zum Wi­der­spruchs­recht:

Sie ha­ben das Recht, dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH bin­nen ei­ner Frist von ei­nem Mo­nat ab Zu­gang die­ses Schrei­bens schrift­lich zu wi­der­spre­chen. Die Erklärung kann nicht ein­sei­tig zurück­ge­nom­men oder wi­der­ru­fen wer­den. Sie kann auch nicht an even­tu­el­le Be­din­gun­gen ge­knüpft wer­den.

Soll­ten Sie dem Über­gang Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses wi­der­spre­chen wol­len, müss­te das schrift­lich mit ei­ner von Ih­nen un­ter­schrie­be­nen Erklärung in­ner­halb die­ser Frist er­fol­gen. Even­tu­el­le Wi­der­spruchs­schrei­ben rich­ten Sie bit­te aus­sch­ließlich an:

...

7. Zu den Fol­gen ei­nes Wi­der­spruchs:

Im Fal­le ei­nes frist­ge­rech­ten Wi­der­spruchs bleibt Ihr Ar­beits­verhält­nis bei der A-G AG und geht nicht auf die A GmbH über.

Da nach dem Über­gang des vollständi­gen Geschäfts­be­reichs CI auf A GmbH Ihr bis­he­ri­ger Ar­beits­platz bei A-G AG nicht mehr vor­han­den sein wird und ei­ne Wei­ter­beschäfti­gungsmöglich­keit nicht be­steht, müssen Sie da­her im Fal­le der Ausübung Ih­res Wi­der­spruchs­rechts mit der Kündi­gung Ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses durch A-G AG rech­nen.

Wir wei­sen Sie aus­drück­lich dar­auf hin, dass nach der ein­deu­ti­gen Re­ge­lung in der mit dem Ge­samt­be­triebs­rat der A-G AG und den ört­li­chen Be­triebsräten ver­ein­bar­ten Über­lei­tungs­ver­ein­ba­rung in die­sem Fall kein An­spruch auf ei­ne Ab­fin­dung be­steht, we­der ge­genüber der A-G AG, noch ge­genüber A GmbH. Im Fal­le ei­nes Wi­der­spruchs müssen Sie des­halb da­mit rech­nen, Ih­ren Ar­beits­platz oh­ne
 


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je­de fi­nan­zi­el­le Leis­tung zu ver­lie­ren. Außer­dem sind bei ei­ner even­tu­el­len Ar­beits­lo­sig­keit nach ei­nem Wi­der­spruch Ih­re Ansprüche auf Leis­tun­gen der Agen­tur für Ar­beit in Fra­ge ge­stellt.

Wir emp­feh­len Ih­nen da­her drin­gend, von ei­nem Wi­der­spruch ab­zu­se­hen.

...“

Mit Wir­kung zum 1. No­vem­ber 2004 wur­de der Geschäfts­be­reich CI aus­ge­glie­dert und auf die neu ge­gründe­te A GmbH über­tra­gen. Der Kläger wi­der­sprach dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zunächst nicht und er­brach­te sei­ne Ar­beits­leis­tung bei der A GmbH.

Die A GmbH kündig­te dem Kläger mit Schrei­ben vom 17. No­vem­ber 2004 „aus drin­gend be­trieb­li­chen Er­for­der­nis­sen“ zum 30. Ju­ni 2005. Ge­gen die­se Kündi­gung er­hob der Kläger kei­ne Kündi­gungs­schutz­kla­ge.

Mit Schrei­ben vom 29. No­vem­ber 2004 teil­te die A GmbH dem Kläger ua. mit:

„...

gemäß Kündi­gung en­det Ihr Ar­beits­verhält­nis mit der A GmbH aus drin­gen­den be­trieb­li­chen Gründen am 30.06.2005. In die­sem Zu­sam­men­hang hal­ten wir fol­gen­des fest:

...

2. Zum Aus­gleich der durch die von uns aus­ge­spro­che­nen Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses ent­ste­hen­den Nach­tei­le er­hal­ten Sie ei­ne Ab­fin­dung.

...

von brut­to ins­ge­samt 194.550,74 €.

...

7. Mit Erfüllung die­ses Ver­tra­ges sind sämt­li­che Ansprüche des Mit­ar­bei­ters aus dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Be­en­di­gung ab­ge­gol­ten (Aus­nah­men: LEK/VU­EK/Bo­nus, evtl. gewähr­tes Ar­beit­ge­ber­dar­lehn, evtl. Ent­geltüber­zah­lung aus der Ent­gel­tab­rech­nung).

...

Bit­te bestäti­gen Sie auf bei­gefügter Zweit­schrift, dass Sie

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den In­halt des Schrei­bens zur Kennt­nis ge­nom­men ha­ben.

...“

Im Mai 2005 stell­te die A GmbH An­trag auf Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens, wel­ches am 1. Au­gust 2005 eröff­net wur­de.

Mit Schrei­ben vom 14. Ju­ni 2005 wi­der­sprach der Kläger ge­genüber der Be­klag­ten dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH we­gen der Un­vollständig­keit und Feh­ler­haf­tig­keit der Un­ter­rich­tung über den Be­triebsüber­gang.

Nach­dem die A GmbH dem Kläger mit Schrei­ben vom 24. Ju­ni 2005 mit­ge­teilt hat­te, dass sie auf­grund des erklärten Wi­der­spruchs das Ar­beits­verhält­nis mit ihr zum 15. Ju­ni 2005 als be­en­det an­se­he, bot der Kläger mit Schrei­ben vom 25. Ju­ni 2005 der Be­klag­ten sei­ne Ar­beits­kraft an. Mit An­walts­schrei­ben vom 29. Ju­li 2005 ließ der Kläger dann ge­genüber der Be­klag­ten Zah­lungs­ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis gel­tend ma­chen.


Der Kläger meint, er ha­be dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH noch im Ju­ni 2005 wirk­sam wi­der­spre­chen können, weil er bis da­hin nicht ord­nungs­gemäß iSd. § 613a Abs. 5 BGB über den Be­triebsüber­gang un­ter­rich­tet wor­den sei. So rügt er ins­be­son­de­re ei­ne fal­sche In­for­ma­ti­on über die wirt­schaft­li­che Si­tua­ti­on der Be­triebs­er­wer­be­rin und über die Haf­tungs­ver­tei­lung zwi­schen der Be­klag­ten und der A GmbH.

Der Kläger hat zu­letzt be­an­tragt 

fest­zu­stel­len, dass zwi­schen den Par­tei­en ein An­stel­lungs­verhält­nis be­steht.


Die Be­klag­te hat Kla­ge­ab­wei­sung be­an­tragt. 

Sie be­ruft sich dar­auf, ihr In­for­ma­ti­ons­schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2004 ha­be den Er­for­der­nis­sen des § 613a Abs. 5 BGB genügt. Der Wi­der­spruch des Klägers sei ver­spätet, da er nicht in­ner­halb der ein­mo­na­ti­gen Wi­der­spruchs­frist nach Zu­gang des Un­ter­rich­tungs­schrei­bens (§ 613a Abs. 6 Satz 1 BGB) er-

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ho­ben wor­den sei. Zu­min­dest sei das Wi­der­spruchs­recht des Klägers je­doch ver­wirkt.

Das Ar­beits­ge­richt hat die Fest­stel­lungs­kla­ge und die auf Zah­lung von Vergütung ge­rich­te­te Leis­tungs­kla­ge bis auf ei­nen Teil­be­trag in Höhe von 1.867,33 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen ab­ge­wie­sen. Auf die Be­ru­fung des Klägers hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt der Kla­ge auf Fest­stel­lung des Be­ste­hens des An­stel­lungs­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en und auf Zah­lung von Ar­beits­ent­gelt für den Zeit­raum 1. Ju­li 2005 bis 30. No­vem­ber 2006 so­wie auf Zah­lung der Son­der­vergütung für 2005 durch Teil­ur­teil statt­ge­ge­ben und die Re­vi­si­on zu­ge­las­sen. Mit die­ser ver­folgt die Be­klag­te ih­ren Kla­ge­ab­wei­sungs­an­trag wei­ter, während der Kläger nach Rück­nah­me sei­ner Zah­lungs­kla­ge die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on be­an­tragt.

Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat der Fest­stel­lungs­kla­ge zu Un­recht statt­ge­ge­ben.


A. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat sei­ne Ent­schei­dung im We­sent­li­chen wie folgt be­gründet:


Das Schrei­ben der Be­klag­ten vom 22. Ok­to­ber 2004, mit dem sie den Kläger über den Be­triebs­teilüber­gang un­ter­rich­tet ha­be, genüge nicht den An­for­de­run­gen des § 613a BGB. So ge­be der Hin­weis auf den „Über­gang des Ar­beits­verhält­nis­ses“ le­dig­lich die in § 613a BGB ge­trof­fe­ne Re­ge­lung wie­der und erschöpfe sich letzt­lich in der Wie­der­ho­lung des ge­setz­lich vor­ge­ge­be­nen Be­griffs „Über­gang“. Außer­dem feh­le es an der Dar­stel­lung der haf­tungs­recht­li­chen Fol­gen des Be­triebs­teilüber­gangs. Letzt­lich ent­hal­te das Un­ter­rich­tungs­schrei­ben auch kei­ne In­for­ma­tio­nen zu den kündi­gungs­recht­li­chen Fol­gen des Be­triebsüber­gangs nach § 613a Abs. 4 BGB. We­gen der feh­ler­haf­ten Un­ter­rich­tung des Klägers ha­be für die­sen die ein­mo­na­ti­ge Wi­der­spruchs­frist des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB nicht zu lau­fen be­gon­nen. Des­sen Wi­der­spruchs-
 


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recht sei auch nicht ver­wirkt. Es feh­le be­reits am Vor­lie­gen des für die An­nah­me ei­ner Ver­wir­kung er­for­der­li­chen Zeit­mo­ments. Die­ses ha­be frühes­tens ab Kennt­nis des Klägers von der Un­vollständig­keit der Un­ter­rich­tung zu lau­fen be­gon­nen, dh. mit des­sen Kennt­nis vom An­trag auf Eröff­nung des In­sol­venz­ver­fah­rens über das Vermögen der A GmbH. Da der Kläger be­reits mit Schrei­ben vom 14. Ju­ni 2005 den Wi­der­spruch erklärt ha­be, sei der Zeit­raum zwi­schen der - mögli­chen - Kennt­nis­nah­me vom Be­ste­hen ei­nes Wi­der­spruchs­rechts und des­sen Ausübung durch den Kläger nicht aus­rei­chend, um von ei­ner Erfüllung des Zeit­mo­ments aus­zu­ge­hen. Selbst wenn man ein sol­ches annähme, fehl­te es für ei­ne Ver­wir­kung am Vor­lie­gen des Um­stands­mo­ments. Al­lein die tatsächli­che Fort­set­zung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der A GmbH rei­che dafür nicht aus. Durch die Nicht­er­he­bung ei­ner Kla­ge ge­gen die von der A GmbH am 17. No­vem­ber 2004 aus­ge­spro­che­ne or­dent­li­che Kündi­gung ha­be der Kläger eben­falls kein im Rah­men der Ver­wir­kung zu berück­sich­ti­gen­des Um­stands­mo­ment ge­setzt, weil der Be­klag­ten die Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge zunächst nicht be­kannt ge­we­sen sei. Selbst wenn dies der Fall ge­we­sen wäre, hätte sie sich we­gen der fal­schen Un­ter­rich­tung nicht dar­auf ver­las­sen dürfen, der Kläger wer­de sein Wi­der­spruchs­recht nicht mehr ausüben. Ein sol­ches Ver­trau­en der Be­klag­ten sei we­gen ih­res pflicht­wid­ri­gen Ver­hal­tens im Zu­sam­men­hang mit der Un­ter­rich­tung des Klägers über den Be­triebsüber­gang nicht schutzwürdig.

B. Die Re­vi­si­on der Be­klag­ten ist be­gründet. Das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts hält ei­ner re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung nicht stand.

I. Die Kla­ge auf Fest­stel­lung, dass zwi­schen dem Kläger und der Be­klag­ten über den 1. No­vem­ber 2004 hin­aus ein Ar­beits­verhält­nis be­steht, ist zulässig.


Der Be­stand ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist ein fest­stel­lungsfähi­ges Rechts­verhält­nis iSd. § 256 Abs. 1 ZPO. Das nach die­ser Norm er­for­der­li­che In­ter­es­se an als­bal­di­ger Fest­stel­lung ist ge­ge­ben. Das Fest­stel­lungs­in­ter­es­se ist ei­ne Sa­chur­teils­vor­aus­set­zung und als sol­che in je­der La­ge des Ver­fah­rens, auch noch in der Re­vi­si­ons­in­stanz, von Amts we­gen zu prüfen. Maßge­ben­der


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Zeit­punkt für das Be­ste­hen des Fest­stel­lungs­in­ter­es­ses ist der Schluss der Re­vi­si­ons­ver­hand­lung.

Da die Be­klag­te be­strei­tet, über den 1. No­vem­ber 2004 hin­aus Ar­beit­ge­be­rin des Klägers ge­we­sen zu sein, ist ein Fest­stel­lungs­ur­teil über den Be­stand des Ar­beits­verhält­nis­ses zwi­schen den Par­tei­en ge­eig­net klar­zu­stel­len, wer die Ver­pflich­tun­gen aus die­sem Ar­beits­verhält­nis künf­tig zu erfüllen hat.

II. Die Fest­stel­lungs­kla­ge ist nicht be­gründet. 

Zwi­schen den Par­tei­en hat über den 1. No­vem­ber 2004, den Zeit­punkt des Über­gangs des Geschäfts­be­reichs CI auf die A GmbH im We­ge ei­nes Be­triebs­teilüber­gangs (§ 613a BGB), kein Ar­beits­verhält­nis mehr be­stan­den. Der Kläger hat dem Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses auf die A GmbH nicht wirk­sam wi­der­spro­chen.

1. Die Un­ter­rich­tung des Klägers durch die Be­klag­te mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2004 über den am 1. No­vem­ber 2004 er­fol­gen­den Be­triebs­teilüber­gang ent­sprach nicht den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen des § 613a Abs. 5 BGB (vgl. Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 8 AZR 174/07 - AP BGB § 613a Nr. 363 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 106 und 12. No­vem­ber 2009 - 8 AZR 530/07 - NJW 2010, 1302 zu im We­sent­li­chen gleich ge­la­ger­ten Un­ter­rich­tun­gen). Da­her war des­sen Wi­der­spruch nicht ver­spätet, weil die ein­mo­na­ti­ge Wi­der­spruchs­frist des § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB nicht mit Zu­gang der Un­ter­rich­tung zu lau­fen be­gon­nen hat­te (st. Rspr., vgl. Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 8 AZR 174/07 - aaO und 12. No­vem­ber 2009 - 8 AZR 530/07 - aaO).


2. Der Kläger hat­te sein Wi­der­spruchs­recht je­doch ver­wirkt. 


Der Be­gründung des Lan­des­ar­beits­ge­richts, mit wel­cher die­ses ei­ne Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts ver­neint hat, folgt der Se­nat nicht.

a) Die Ver­wir­kung ist ein Son­der­fall der un­zulässi­gen Rechts­ausübung (§ 242 BGB). Mit der Ver­wir­kung wird die il­loy­al ver­späte­te Gel­tend­ma­chung von Rech­ten aus­ge­schlos­sen. Sie dient dem Ver­trau­ens­schutz und ver­folgt nicht den Zweck, den Schuld­ner stets dann von sei­ner Ver­pflich­tung zu be-
 


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frei­en, wenn des­sen Gläubi­ger länge­re Zeit sei­ne Rech­te nicht gel­tend ge­macht hat (Zeit­mo­ment). Der Be­rech­tig­te muss viel­mehr un­ter Umständen untätig ge­blie­ben sein, die den Ein­druck er­weck­ten, dass er sein Recht nicht mehr gel­tend ma­chen wol­le, so dass der Ver­pflich­te­te sich dar­auf ein­stel­len durf­te, nicht mehr in An­spruch ge­nom­men zu wer­den (Um­stands­mo­ment). Hier­bei muss das Er­for­der­nis des Ver­trau­ens­schut­zes auf Sei­ten des Ver­pflich­te­ten das In­ter­es­se des Be­rech­tig­ten der­art über­wie­gen, dass ihm die Erfüllung des An­spruchs nicht mehr zu­zu­mu­ten ist.

b) Schon nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts vor dem In­kraft­tre­ten des § 613a Abs. 5 und 6 BGB konn­te das Wi­der­spruchs­recht we­gen Ver­wir­kung aus­ge­schlos­sen sein. An die­ser Recht­spre­chung hat der Se­nat im Ein­klang mit der herr­schen­den Auf­fas­sung im Schrift­tum auch nach der neu­en Rechts­la­ge fest­ge­hal­ten. Die Tat­sa­che, dass der Ge­setz­ge­ber ei­ne Wi­der­spruchs­frist ein­geführt hat, schließt ei­ne An­wen­dung der all­ge­mei­nen Ver­wir­kungs­grundsätze nicht aus, weil je­des Recht nur un­ter Berück­sich­ti­gung der Grundsätze von Treu und Glau­ben aus­geübt wer­den kann (Se­nat 15. Fe­bru­ar 2007 - 8 AZR 431/06 - mwN, BA­GE 121, 289 = AP BGB § 613a Nr. 320 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 64).

c) An­ge­sichts der ge­setz­li­chen Re­ge­lung kann hin­sicht­lich des Zeit­mo­ments je­doch nicht auf ei­ne fest­ste­hen­de Mo­nats­frist, bei­spiels­wei­se von sechs Mo­na­ten ab­ge­stellt wer­den. Im Ge­setz­ge­bungs­ver­fah­ren sind nämlich Vor­schläge auf Auf­nah­me ei­ner ge­ne­rel­len Höchst­frist von drei (BR-Drucks. 831/1/01 S. 2) bzw. sechs Mo­na­ten (BT-Drucks. 14/8128 S. 4) nicht auf­ge­grif­fen wor­den. Ab­zu­stel­len ist viel­mehr auf die kon­kre­ten Umstände des Ein­zel­fal­les. Da­bei ist, wie der Se­nat be­reits zur Ver­wir­kung der Gel­tend­ma­chung ei­nes Be­triebsüber­gangs (27. Ja­nu­ar 2000 - 8 AZR 106/99 -) aus­geführt hat, da­von aus­zu­ge­hen, dass bei schwie­ri­gen Sach­ver­hal­ten die Rech­te des Ar­beit­neh­mers erst nach länge­rer Untätig­keit ver­wir­ken können. Zu­tref­fend ist es wei­ter­hin auch, die Länge des Zeit­ab­lau­fes in Wech­sel­wir­kung zu dem eben­falls er­for­der­li­chen Um­stands­mo­ment zu set­zen. Je stärker das ge­setz­te Ver­trau­en oder die Umstände, die ei­ne Gel­tend­ma­chung für den An­spruchs-
 


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geg­ner un­zu­mut­bar ma­chen, sind, des­to schnel­ler kann ein An­spruch ver­wir­ken. Es müssen be­son­de­re Ver­hal­tens­wei­sen so­wohl des Be­rech­tig­ten als auch des Ver­pflich­te­ten vor­lie­gen, die es recht­fer­ti­gen, die späte Gel­tend­ma­chung des Rechts als mit Treu und Glau­ben un­ver­ein­bar und für den Ver­pflich­te­ten als un­zu­mut­bar an­zu­se­hen (Se­nat 24. Ju­li 2008 - 8 AZR 175/07 - AP BGB § 613a Nr. 347).

d) Dass der Kläger sich ge­gen die ihm von der A GmbH am 17. No­vem­ber 2004 aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung nicht zur Wehr ge­setzt hat, hat im Streit­fal­le zur Ver­wir­kung sei­nes Wi­der­spruchs­rechts geführt.

aa) Zwi­schen der Un­ter­rich­tung des Klägers mit Schrei­ben vom 22. Ok­to­ber 2004 über den be­vor­ste­hen­den Be­triebs­teilüber­gang und sei­nem Wi­der­spruch mit Schrei­ben vom 14. Ju­ni 2005 liegt ein Zeit­raum von über 7 Mo­na­ten. Da­mit ist das Zeit­mo­ment ins­be­son­de­re auch des­halb erfüllt, weil der Kläger ein be­son­ders ge­wich­ti­ges Um­stands­mo­ment ge­setzt hat. So durf­te die A GmbH nämlich an­neh­men, der Kläger ha­be kei­ne Einwände ge­gen die von ihr im Schrei­ben vom 29. No­vem­ber 2004 ge­nann­ten Be­din­gun­gen zur Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses (vgl. un­ten B II 1 d cc).


bb) Die Vor­aus­set­zun­gen für das Um­stands­mo­ment lie­gen vor. 

Die Be­ur­tei­lung der Fra­ge, ob ein Recht ver­wirkt ist, un­ter­liegt nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts grundsätz­lich den Tat­sa­chen­ge­rich­ten, die den ih­nen zur Be­gründung des Ver­wir­kungs­ein­wan­des vor­ge­tra­ge­nen Sach­ver­halt ei­gen­ver­ant­wort­lich zu würdi­gen ha­ben. Al­ler­dings un­ter­liegt der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung, ob das Ge­richt der Tat­sa­chen­in­stanz al­le er­heb­li­chen Ge­sichts­punk­te berück­sich­tigt hat und die Be­wer­tung die­ser Ge­sichts­punk­te von den ge­trof­fe­nen tatsächli­chen Fest­stel­lun­gen ge­tra­gen wird (17. Ja­nu­ar 2007 - 7 AZR 23/06 -). Der Zwei­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist in sei­ner Ent­schei­dung vom 20. Mai 1988 (- 2 AZR 711/87 - AP BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 5 = EzA BGB § 242 Pro­zess­ver­wir­kung Nr. 1) darüber hin­aus­ge­gan­gen und hat fest­ge­stellt, dass die Rechts­fra­ge, ob die ver­späte­te ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung der Un­wirk­sam­keit ei­ner
 


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Kündi­gung das für ei­ne Ver­wir­kung er­for­der­li­che Zeit­mo­ment erfüllt, frei­er re­vi­si­ons­ge­richt­li­cher Über­prüfung un­ter­liegt. In die­ser Ent­schei­dung hat der Zwei­te Se­nat auch bei der Prüfung, ob das Um­stands­mo­ment vor­liegt, die Ent­schei­dung des Be­ru­fungs­ge­richts ei­ner un­ein­ge­schränk­ten re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfung un­ter­zo­gen.


Letzt­lich braucht der Um­fang der re­vi­si­ons­recht­li­chen Über­prüfbar­keit der Tat­sa­chenwürdi­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts im Streit­fal­le je­doch nicht ab­sch­ließend ent­schie­den zu wer­den, weil die­sem ein Rechts­feh­ler un­ter­lau­fen ist. Es hat das Vor­lie­gen des Um­stands­mo­ments ua. auch mit der Be­gründung ver­neint, die Nicht­er­he­bung der Kündi­gungs­schutz­kla­ge durch den Kläger sei der Be­klag­ten „zunächst“ nicht be­kannt ge­we­sen und außer­dem sei ihr Ver­trau­en we­gen der nicht ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung des Klägers iSd. § 613a Abs. 5 BGB nicht schutzwürdig.

cc) Zu­tref­fend nimmt das Lan­des­ar­beits­ge­richt zunächst an, dass al­lein die wi­der­spruchs­lo­se Wei­ter­ar­beit des Klägers bei der Be­triebs­er­wer­be­rin noch kei­nen Um­stand für die An­nah­me ei­ner Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts des nicht ord­nungs­gemäß nach § 613a Abs. 5 BGB un­ter­rich­te­ten Klägers be­gründet hat (vgl. Se­nat 2. April 2009 - 8 AZR 318/07 - AP BGB § 613a Wi­der­spruch Nr. 8).

Ent­ge­gen der An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richts stellt es aber ei­nen aus­schlag­ge­ben­den Um­stand für die An­nah­me der Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts dar, dass der Kläger die von der A GmbH am 17. No­vem­ber 2004 aus­ge­spro­che­ne Kündi­gung wi­der­spruchs­los hin­ge­nom­men hat­te. Als ein Um­stand, der das Ver­trau­en des bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­bers in die Nicht­ausübung des Wi­der­spruchs­rechts nach § 613a Abs. 6 BGB recht­fer­ti­gen kann, ist es an­zu­se­hen, wenn der Ar­beit­neh­mer über die Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses da­durch dis­po­niert hat, dass er ei­nen Auf­he­bungs­ver­trag mit dem Be­triebs­er­wer­ber ge­schlos­sen oder - so wie der Kläger - ei­ne von die­sem nach dem Be­triebsüber­gang erklärte Kündi­gung hin­ge­nom­men hat (vgl. Se­nat 20. März 2008 - 8 AZR 1016/06 - NZA 2008, 1354; 24. Ju­li 2008 - 8 AZR 175/07 - AP BGB § 613a Nr. 347 und 27. No­vem­ber 2008 - 8 AZR 225/07 -).
 


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Hin­zu kommt im Streit­fal­le, dass die A GmbH im Zu­sam­men­hang mit der Kündi­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit Schrei­ben vom 29. No­vem­ber 2004 dem Kläger ei­nen kon­kre­ten Vor­schlag un­ter­brei­tet hat­te, wel­che Ge­gen­leis­tun­gen sie ihm als Aus­gleich für den Ver­lust des Ar­beits­plat­zes gewähren wol­le und was sie dafür vom Kläger er­war­te. Sie hat die­ses Schrei­ben selbst als „Ver­trag“ be­trach­tet, wie sich aus des­sen Ziff. 7 er­gibt. Dort heißt es: „Mit Erfüllung die­ses Ver­tra­ges sind sämt­li­che Ansprüche des Mit­ar­bei­ters aus dem Ar­beits­verhält­nis und sei­ner Be­en­di­gung ab­ge­gol­ten ...“ Aus Sicht der A GmbH muss­te bis zum Zeit­punkt der Erklärung des Wi­der­spruchs aus dem Ge­samt­ver­hal­ten des Klägers - Nicht­er­he­bung ei­ner Kündi­gungs­schutz­kla­ge, ver­bun­den mit der wi­der­spruchs­lo­sen Ent­ge­gen­nah­me der als „Ver­trag“ be­zeich­ne­ten An­ge­bo­te im Schrei­ben der A GmbH - der Ein­druck ent­ste­hen, die­ser sei mit den von ihr vor­ge­schla­ge­nen „Mo­da­litäten“ der Be­en­di­gung sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses zum 30. Ju­ni 2005 ein­ver­stan­den.


dd) Die An­nah­me der Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts ist nicht aus­ge­schlos­sen, wenn nur der A GmbH, nicht aber der Be­klag­ten al­le vom Kläger ver­wirk­lich­ten Um­stands­mo­men­te be­kannt ge­wor­den sind. Bei der Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts im Zu­sam­men­hang mit ei­nem Be­triebsüber­gang genügt es, dass ei­ner der Ver­pflich­te­ten von den ver­trau­ens­bil­den­den Um-ständen Kennt­nis hat. Je­den­falls im un­mit­tel­ba­ren Verhält­nis zwi­schen Be­triebs­veräußerer und Be­triebs­er­wer­ber sieht das Ge­setz grundsätz­lich ei­ne ge­mein­sa­me Ver­pflich­tung und Be­rech­ti­gung bei­der aus dem Ar­beits­verhält­nis vor. Dar­aus folgt, dass im­mer dann, wenn sich der Be­triebs­er­wer­ber als neu­er Ar­beit­ge­ber auf Ver­wir­kungs­umstände be­ru­fen könn­te, die­se auch der Be­triebs­veräußerer als frühe­rer Ar­beit­ge­ber für sich in An­spruch neh­men kann.

Die Un­ter­rich­tungs­pflicht nach § 613a Abs. 5 BGB trifft als Ge­samt­schuld­ner so­wohl den bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber als auch den neu­en In­ha­ber. Der von ei­nem Be­triebsüber­gang be­trof­fe­ne Ar­beit­neh­mer er­langt die Fort­dau­er sei­nes Wi­der­spruchs­rechts so­wohl durch In­for­ma­ti­ons­feh­ler des ei­nen wie des an­de­ren. Wenn das Ge­setz in der Fra­ge der In­for­ma­ti­ons­pflicht zum Be­triebsüber­gang den al­ten und neu­en Ar­beit­ge­ber als Ein­heit sieht, legt dies na­he,



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Be­triebs­veräußerer und Be­triebs­er­wer­ber auch hin­sicht­lich des In­for­ma­ti­ons­stands zum Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten ein­heit­lich zu be­grei­fen. Auch Art. 3 Abs. 2 der RL 2001/23/EG fin­giert ei­nen glei­chen In­for­ma­ti­ons­stand von Veräußerer und Er­wer­ber über die Rech­te und Pflich­ten der über­ge­gan­ge­nen Ar­beits­verhält­nis­se. Ent­schei­dend kommt hin­zu, dass nach § 613a Abs. 6 Satz 2 BGB der Ar­beit­neh­mer den Wi­der­spruch so­wohl ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber (Be­triebs­veräußerer) als auch ge­genüber dem neu­en In­ha­ber (Be­triebs­er­wer­ber) erklären darf. Der Wi­der­spruch kann aber nicht ge­genüber dem neu­en Ar­beit­ge­ber ver­wirkt sein, weil die­ser die ein­ge­tre­te­nen „Umstände“ sub­jek­tiv kennt, ge­genüber dem bis­he­ri­gen Ar­beit­ge­ber we­gen des­sen Un­kennt­nis je­doch nicht. Für das Schuld­verhält­nis von Be­triebs­veräußerer und Be­triebs­er­wer­ber als Ge­samt­schuld­ner ge­genüber dem Ar­beit­neh­mer als Be­rech­tig­tem ist in § 613a BGB, ins­be­son­de­re in des­sen Abs. 6 „ein an­de­res“ nor­miert (§ 425 Abs. 1 BGB). Neu­er und al­ter Ar­beit­ge­ber können sich wech­sel­sei­tig auf die Kennt­nis des an­de­ren vom Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten be­ru­fen, ei­ne nach­ge­wie­se­ne sub­jek­ti­ve Kennt­nis des in An­spruch ge­nom­me­nen Ver­pflich­te­ten von ei­nem be­stimm­ten Ar­beit­neh­mer­ver­hal­ten ist nicht er­for­der­lich, wenn fest­steht, dass die­ses Ver­hal­ten we­nigs­tens dem an­de­ren Ver­pflich­te­ten be­kannt ge­wor­den ist (Se­nat 27. No­vem­ber 2008 - 8 AZR 174/07 - AP BGB § 613a Nr. 363 = EzA BGB 2002 § 613a Nr. 106 und 12. No­vem­ber 2009 - 8 AZR 530/07 - NJW 2010, 1302).

ee) Un­zu­tref­fend ist auch die An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts, die Be­klag­te ha­be sich we­gen der nicht ord­nungs­gemäßen Un­ter­rich­tung des Klägers über den Be­triebs­teilüber­gang nicht dar­auf ver­las­sen dürfen, er wer­de sein Wi­der­spruchs­recht nicht mehr ausüben. Würde man die­ser Über­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts fol­gen, führ­te das zu ei­nem wi­der­sin­ni­gen Er­geb­nis. Ei­ner­seits be­hiel­te der Ar­beit­neh­mer sein Wi­der­spruchs­recht des­halb länger als in § 613a Abs. 6 Satz 1 BGB nor­miert (ei­nen Mo­nat ab Zu­gang der Un­ter­rich­tung), weil die Un­ter­rich­tung nicht ord­nungs­gemäß war. An­de­rer­seits könn­te das Wi­der­spruchs­recht nicht ver­wir­ken, weil der Ar­beit­neh­mer nicht ent­spre­chend den Vor­ga­ben des § 613a Abs. 5 BGB un­ter­rich­tet wor­den war. Dies hätte zur Fol­ge, dass - ent­ge­gen der Recht­spre­chung - die Ver­wir­kung des


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Rechts zum Wi­der­spruch im Fal­le ei­ner feh­ler­haf­ten Un­ter­rich­tung durch den al­ten Ar­beit­ge­ber idR nicht ein­tre­ten könn­te. Dies wi­derspräche dem Grund­satz, dass je­des Recht ver­wir­ken kann.


ff) Im Streit­fal­le lie­gen auch kei­ne be­son­de­ren Umstände vor, wel­che da­zu führen, dass das Wi­der­spruchs­recht des Klägers nicht ver­wirkt ist.

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat fest­ge­stellt, dass sich die A GmbH mit Schrei­ben vom 24. Ju­ni 2005 ge­genüber dem Kläger auf den Stand­punkt ge­stellt hat­te, auf­grund des­sen Wi­der­spruchs vom 14. Ju­ni 2005 ge­gen den Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses von der Be­klag­ten auf die A GmbH, sei das mit ihr be­ste­hen­de Ar­beits­verhält­nis mit Wir­kung zum 15. Ju­ni 2005 be­en­det.


Ge­gen die­se vom Lan­des­ar­beits­ge­richt ge­trof­fe­ne Fest­stel­lung hat die Be­klag­te kei­ne Ver­fah­rensrüge er­ho­ben, so dass die Fest­stel­lung für den Se­nat bin­dend ist.


Durch die­se Erklärung hat die A GmbH zu er­ken­nen ge­ge­ben, dass sie den Wi­der­spruch des Klägers vom 14. Ju­ni 2005 als wirk­sam be­trach­te und des­halb auf­grund des Fort­be­stan­des des Ar­beits­verhält­nis­ses mit der Be­klag­ten von ei­ner Be­en­di­gung des mit ihr be­ste­hen­den Ar­beits­verhält­nis­ses aus­ge­he. Die­se Erklärung wirkt al­ler­dings nicht zu Las­ten der Be­klag­ten. We­gen der Ver­wir­kung des Wi­der­spruchs­rechts des Klägers blieb es beim Über­gang sei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses von der Be­klag­ten auf die A GmbH ab dem 1. No­vem­ber 2004. Et­wai­ge Erklärun­gen, wel­che die Be­triebs­er­wer­be­rin ge­genüber dem Kläger nach Ausübung des Wi­der­spruchs ab­ge­ge­ben hat, ent­fal­ten ge­genüber der Be­klag­ten kei­ne Wir­kun­gen mehr. Sie würden an­sons­ten zu Las­ten ei­nes Drit­ten, nämlich der Be­klag­ten, ab­ge­ge­ben. Sol­che Erklärun­gen zu Las­ten Drit­ter sind je­doch eben­so wie Verträge zu Las­ten Drit­ter un­wirk­sam.


Aus die­sem Grun­de kann die Be­klag­te mit Er­folg gel­tend ma­chen, zum Zeit­punkt der Ausübung des Wi­der­spruchs­rechts des Klägers mit Schrei­ben vom 14. Ju­ni 2005 sei die­ses ver­wirkt ge­we­sen.



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C. We­gen des Er­for­der­nis­ses der Ein­heit­lich­keit der Kos­ten­ent­schei­dung war die­se der Schluss­ent­schei­dung vor­zu­be­hal­ten.

Hauck 

Böck 

Brein­lin­ger

F. Ave­na­ri­us 

Pau­li

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