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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Kündigungsschutzklage, Kündigungschutzprozess
   
Gericht: Landesarbeitsgericht Hamm
Akten­zeichen: 8 Sa 781/11
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 17.11.2011
   
Leit­sätze:

Ist die Kla­ge­schrift nicht oder nur mit ei­ner Pa­ra­phe un­ter­zeich­net, so kann die gleich­zei­ti­ge Ein­rei­chung ei­ner be­glau­big­ten Ab­schrift mit kor­rekt un­ter­zeich­ne­tem Be­glau­bi­gungs­ver­merk den dar­ge­stell­ten Man­gel nur bei Per­so­nen­iden­tität der Un­ter­zeich­ner über­win­den. An­dern­falls kann nicht an­ge­nom­men wer­den, dass bei Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks der Wil­le vor­han­den ist, die Ver­ant­wor­tung für den In­halt des Schrift­sat­zes zu über­neh­men.

Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht Paderborn, Urteil vom 07.04.2011, 1 Ca 1757/10
   

Te­nor:

Auf die Be­ru­fung des Be­klag­ten wird das Ur­teil des Ar­beits­ge­richts Pa­der­born vom 07.04.2011 – 1 Ca 17570 – ab­geändert.

Die Kla­ge wird als un­zulässig ab­ge­wie­sen.

Die Kläge­rin trägt die Kos­ten des Rechts­streits.

Die Re­vi­si­on wird zu­ge­las­sen.

Tat­be­stand

Mit ih­rer Kla­ge wen­det sich die Kläge­rin, wel­che seit dem Jah­re 2001 in der vom Be­klag­ten be­trie­be­nen W1-Apo­the­ke als phar­ma­zeu­tisch-tech­ni­sche As­sis­ten­tin beschäftigt und bis zur In­an­spruch­nah­me von El­tern­zeit im Jah­re 2008 mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 39,5 St­un­den/Wo­che tätig war, ge­gen die nachträgli­che Be­fris­tung ih­res Ar­beits­verhält­nis­ses durch Ar­beits­ver­trag vom 29.09.2009 (Bl. 5 ff. der Ak­te), wel­chen die Par­tei­en nach Rück­kehr der Kläge­rin aus der El­tern­zeit un­ter gleich­zei­ti­ger Her­ab­set­zung der wöchent­li­chen Ar­beits­zeit auf 25 St­un­den ab­ge­schlos­sen ha­ben und nach wel­chem das Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf des 30.09.2010 en­det.

Als sach­li­chen Grund für die Be­fris­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses ver­weist der Be­klag­te auf die Vor­schrift des § 14 Abs. 1 Nr. 6 Tz­B­fG und trägt vor, die Be­fris­tung sei er­folgt im Hin­blick auf den Wunsch der Kläge­rin zur Re­du­zie­rung der Ar­beits­zeit we­gen der Not­wen­dig­keit der Kin­der­be­treu­ung. Da für die Auf­recht­er­hal­tung des Apo­the­ken­be­triebs an sich die vol­le Ar­beits­kraft der Kläge­rin benötigt wer­de und die zusätz­li­che Ein­stel­lung ei­ner Teil­zeit­kraft we­der möglich noch im In­ter­es­se der ver­trau­ens­vol­len Kun­den­be­zie­hung sinn­voll ge­we­sen sei, ha­be er – der Be­klag­te - an­statt den Teil­zeit­wunsch der Kläge­rin ab­zu­leh­nen und die Kläge­rin "auf die Straße zu set­zen" aus so­zia­len Gründen der Kläge­rin für ei­ne Über­g­angs­zeit von ei­nem Jahr ei­ne Auf­recht­er­hal­tung des Ar­beits­verhält­nis­ses mit her­ab­ge­setz­ter Ar­beits­zeit an­ge­bo­ten, um ihr Ge­le­gen­heit zu ge­ben, sich ei­ne ih­rem Teil­zeit­wunsch ent­spre­chen­de Beschäfti­gung zu su­chen. Der Ab­schluss des be­fris­te­ten Ar­beits­ver­tra­ges sei da­mit im aus­sch­ließli­chen In­ter­es­se und auf Wunsch der Kläge­rin so­wie aus so­zia­len Gründen er­folgt.

Dem­ge­genüber hat die Kläge­rin das Vor­lie­gen der­ar­ti­ger Gründe be­strit­ten und vor­ge­tra­gen, der Be­klag­te ha­be ihr kom­men­tar­los den be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag vor­ge­legt, wel­chen sie man­gels Al­ter­na­ti­ven un­ter­zeich­net ha­be.

Durch Ur­teil vom 07.04.2011 (Bl. 53 ff. der Ak­te), auf wel­ches we­gen des wei­te­ren erst­in­stanz­li­chen Par­tei­vor­brin­gens und der Fas­sung der Kla­ge­anträge Be­zug ge­nom­men wird, hat das Ar­beits­ge­richt an­trags­gemäß fest­ge­stellt, dass das Ar­beits­verhält­nis der Par­tei­en durch die Be­fris­tung im Ar­beits­ver­trag vom 29.09.2009 nicht am 30.09.2010 be­en­det wor­den ist und un­be­fris­tet über den 30.09.2010 hin­aus fort­be­steht. Wei­ter ist der Be­klag­te zur ar­beits­ver­trags­gemäßen Wei­ter­beschäfti­gung für die Dau­er des Rechts­streits ver­ur­teilt wor­den.

Mit sei­ner recht­zei­tig ein­ge­leg­ten und be­gründe­ten Be­ru­fung tritt der Be­klag­te un­ter Wie­der­ho­lung und Ver­tie­fung sei­nes erst­in­stanz­li­chen Vor­brin­gens dem Stand­punkt des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils ent­ge­gen, die ver­ein­bar­te Be­fris­tung sei man­gels ei­nes sach­li­chen Grun­des un­wirk­sam. We­gen der Ein­zel­hei­ten wird auf die Be­ru­fungs­be­gründung vom 11.07.2011 (Bl. 79 ff. d. A.) so­wie die Schriftsätze vom 26.09.2011 (Bl. 105 ff. d. A.) und vom 06.11.2011 (Bl. 112 ff. d. A.) Be­zug ge­nom­men.

Der Be­klag­te be­an­tragt,

das Ur­teil des ArbG Pa­der­born vom 07.04.2011 - 1 Ca 1757/10 – ab­zuändern und die Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Die Kläge­rin be­an­tragt,

die Be­ru­fung zurück­zu­wei­sen.

Mit ge­richt­li­chem Hin­weis vom 14.11.2011 (B. 117 d. A.) sind die Par­tei­en auf Be­den­ken hin­sicht­lich der ord­nungs­gemäßen Un­ter­zeich­nung der Kla­ge­schrift hin­ge­wie­sen wor­den. Hier­auf hat die Kläge­rin mit Schrift­satz vom 16.11.2011 (Bl. 120 d. A.) und der Be­klag­te mit Schrift­satz vom 15.11.2011 (Bl. 121 f. d. A.) Stel­lung ge­nom­men.

Ent­schei­dungs­gründe

Die Be­ru­fung des Be­klag­ten hat Er­folg und führt un­ter Abände­rung des ar­beits­ge­richt­li­chen Ur­teils zur Ab­wei­sung der Kla­ge als un­zulässig, da es an ei­ner ord­nungs­gemäßen Kla­ge­er­he­bung fehlt.

I. Die un­ter dem 06.10.2010 er­ho­be­ne und beim Ar­beits­ge­richt am 12.10.2010 ein­ge­gan­ge­ne Kla­ge ist un­zulässig.

1. Nach § 253 Abs. 4 ZPO i.V.m. § 130 ZPO be­darf es zur ord­nungs­gemäßen Kla­ge­er­he­bung der Un­ter­schrift der Per­son, wel­che den In­halt der Kla­ge­schrift ver­ant­wor­tet. Nach ständi­ger Recht­spre­chung han­delt es sich in­so­weit um ein zwin­gen­des Wirk­sam­keits­er­for­der­nis, an wel­chem trotz der im Schrift­tum ge­le­gent­lich geäußer­ten Be­den­ken fest­zu­hal­ten ist.

2. Die Kla­ge­schrift selbst enthält kei­ne den recht­li­chen An­for­de­run­gen ent­spre­chen­de Un­ter­schrift.

Ober­halb des aus­ge­druck­ten Na­mens des sach­be­ar­bei­ten­den Rechts­an­walts N1 be­fin­det sich ei­ne nach links und rechts ge­schwun­ge­ne Li­nie, wel­che in et­wa ei­nem un­voll­ende­ten Großbuch­sta­bens "S" ent­spricht und – wie die Kläge­rin vorträgt - vom kanz­lei­zu­gehöri­gen Rechts­an­walt S1 herrührt. Die­sem war die von Rech­t­an­walt N1 dik­tier­te Kla­ge we­gen des­sen vorüber­ge­hen­der Ab­we­sen­heit zur Un­ter­zeich­nung vor­ge­legt wor­den.

Ei­ne Un­ter­schrift im Rechts­sin­ne kann in dem ver­wen­de­ten Ge­bil­de nicht ge­se­hen wer­den, viel­mehr han­delt es sich al­lein um ein Na­mens­zei­chen. Zwar er­for­dert die Un­ter­schrifts­leis­tung kei­ne Les­bar­keit. Vor­aus­set­zung ist gleich­wohl ein hin­rei­chend ge­kenn­zeich­ne­ter in­di­vi­du­el­ler Schrift­zug, wel­cher über ei­ne ge­krümm­te oder ge­schlängel­te Li­nie hin­aus­geht und cha­rak­te­ris­ti­sche Merk­mal auf­weist, wel­che die Nach­ah­mung er­schwe­ren und trotz Flüch­tig­keit und Ab­schlei­fens die Ab­sicht ei­ner Un­ter­schrift mit vol­lem Na­men er­ken­nen lässt (BGH NJW 2005,3775; Zöller/Gre­ger, § 130 ZPO Rn 11 m.w.N.).

Der Na­me des Un­ter­zeich­ners Rechts­an­walt S1 um­fasst acht Buch­sta­ben, hier­von zwei Vo­ka­le so­wie sechs Kon­so­nan­ten - teils mit Ober- und Un­terlängen -, wo­bei er mit dem Buch­sta­ben "s" be­ginnt und en­det. Die ge­wis­se Ähn­lich­keit des ver­wen­de­ten Na­mens­zei­chens mit ei­nem Großbuch­sta­ben "S" mag da­nach als Abkürzung des vol­len Na­mens an­ge­se­hen wer­den, dem­ge­genüber ist auch bei großzügi­ger Be­ur­tei­lung nicht er­kenn­bar, in­wie­fern das ver­wen­de­te Schrift­zei­chen mehr als ei­nen Buch­sta­ben ab­bil­det und da­mit den vol­len Na­mens­zug re­präsen­tie­ren soll, zu­mal die in et­wa "S-förmi­ge" Li­ni­enführung wie auch das Feh­len jed­we­der An­deu­tung von Ober- und Un­terlängen ge­gen den Wil­len zur Wie­der­ga­be ei­ner Buch­sta­ben­fol­ge spricht.

2. Der vor­ste­hend be­gründe­te Man­gel der Kla­ge­schrift kann auch nicht des­halb als be­deu­tungs­los oder ge­heilt an­ge­se­hen wer­den, weil je­den­falls die be­glau­big­te Ab­schrift der Kla­ge ei­ne rechts­wirk­sa­me Un­ter­schrift aus­weist.

a) Wie die im Ter­min vom 17.11.2011 vom Be­klag­ten­ver­tre­ter vor­ge­leg­te und in Ko­pie zur Ak­te ge­nom­me­ne be­glau­big­te Ab­schrift der Kla­ge­schrift be­legt, enthält die­se zwar ei­nen un­ter­zeich­ne­ten Be­glau­bi­gungs­ver­merk. Wie ein Ver­gleich mit den aus der Ak­te er­sicht­li­chen Un­ter­schrif­ten zeigt, rührt die­ser of­fen­bar vom sach­be­ar­bei­ten­den Rechts­an­walt N1, je­den­falls aber nicht vom Un­ter­zeich­ner der Kla­ge­schrift, RA S1 her. Auch wenn die Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks wie auch der wei­te­ren Schriftsätze ei­nen Na­men nicht in le­ser­li­cher Wei­se wie­der­gibt, ist doch der Wil­le zur Wie­der­ga­be des vol­len Na­mens­zu­ges mit aus­rei­chen­der Si­cher­heit zu er­ken­nen.

b) In An­be­tracht der er­kenn­bar feh­len­den Per­so­nen­iden­tität der Un­ter­zeich­ner von Kla­ge­schrift und Be­glau­bi­gungs­ver­merk kann die Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks die Un­ter­zeich­nung der Kla­ge­schrift nicht er­set­zen.

Zwar ist die Schrift­form ge­wahrt, wenn ne­ben ei­nem nicht un­ter­schrie­be­nen Ori­gi­nal­schrift­satz zu­gleich ei­ne vom Ver­fas­ser der Ur­schrift ord­nungs­gemäß un­ter­zeich­ne­te Ab­schrift ein­geht, wo­bei die Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks der Un­ter­zeich­nung der Schrift­sat­zes gleich­steht (BAG NZA 1993, 655; St­ein/Jo­nas/Lei­pold, 22. Aufl., § 130 ZPO Rn 22; Münch­Komm/Pe­ters, § 129 ZPO Rn 13). Dies recht­fer­tigt sich aus der Über­le­gung, dass der Be­glau­bi­gung ne­ben ih­rem un­mit­tel­ba­ren Zweck, die Übe­rein­stim­mung der Ab­schrift mit der Ur­schrift zu bestäti­gen, auch die wei­te­re Wir­kung zu­kommt, dem Ge­richt die Über­zeu­gung zu ver­schaf­fen, dass das Schriftstück von dem Pro­zess­be­vollmäch­tig­ten, der den Be­glau­bi­gungs­ver­merk voll­zo­gen hat, in dem Sin­ne herrührt, dass er den In­halt des Schriftstücks als den ei­ner Kla­ge oder Rechts­mit­tel­schrift de­cken will. Die Ein­rei­chung ei­ner nicht vom Ver­fas­ser, son­dern von ei­nem an­de­ren Rechts­an­walt be­glau­big­ten Ab­schrift kann da­nach die Un­ter­zeich­nung des Ori­gi­nals nicht er­set­zen. Nur wenn der Pro­zess­be­vollmäch­tig­te ei­ne Ab­schrift des ei­ge­nen Schrift­sat­zes be­glau­bigt hat, kann an­ge­nom­men wer­den, dass er sich mit dem Be­glau­bi­gungs­ver­merk auch den In­halt des Schriftstücks zu ei­gen ma­chen und die Ver­ant­wor­tung dafür über­neh­men will (BAG a.a.O.; vgl auch Wiec­zo­rek/Schütze/Ass­mann, 3. Aufl., § 253 ZPO Rn 23). ; Münch­Komm/Pe­ters, § 129 ZPO Rn 13; St­ein/Jo­nas/Lei­pold, 22. Aufl., § 130 ZPO Rn 22).

Die An­nah­me, der den Be­glau­bi­gungs­ver­merk un­ter­zeich­nen­de Sach­be­ar­bei­ter bestäti­ge nicht al­lein die Übe­rein­stim­mung von Ori­gi­nal und Ab­schrift, son­dern über­neh­me hier­mit zu­gleich die Ver­ant­wor­tung als Ver­fas­ser, knüpft er­sicht­lich an die Vor­stel­lung an, dass die Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks er­fah­rungs­gemäß in ei­nem Zu­ge mit der (vor­ge­se­he­nen und ver­se­hent­lich un­ter­blie­be­nen) Un­ter­zeich­nung des Ori­gi­nals er­folgt und aus die­sem Grun­de der Wil­le zur Über­nah­me der Ver­ant­wor­tung für den Schrift­satz­in­halt auch noch bei der letz­ten ge­leis­te­ten Un­ter­schrift fort­be­steht. Wird hin­ge­gen dem Rechts­an­walt ne­ben der zu be­glau­bi­gen­den Ab­schrift ein – wenn auch un­zu­rei­chend – un­ter­zeich­ne­tes Ori­gi­nal vor­ge­legt, so fehlt es an ei­nem ein­heit­li­chen Un­ter­zeich­nungs­vor­gang und je­den­falls bei Be­tei­li­gung un­ter­schied­li­cher Per­so­nen auch an ei­ner ein­heit­li­chen Wil­lens­bil­dung. Da­mit entfällt aber die Grund­la­ge für die An­nah­me, der den Be­glau­bi­gungs­ver­merk un­ter­zeich­nen­de Sach­be­ar­bei­ter wol­le zu­gleich sei­ne Ver­ant­wor­tung für den In­halt es Schrift­sat­zes do­ku­men­tie­ren. Vor­lie­gend hat­te Rechts­an­walt N1 als Ver­fas­ser des Schrift­sat­zes die­sen we­gen ei­ge­ner Ab­we­sen­heit nicht selbst un­ter­zeich­net, son­dern – wie man­gels an­de­rer An­halts­punk­te an­zu­neh­men ist – die Un­ter­zeich­nung ei­nem an­de­ren Rechts­an­walt der Kanz­lei über­tra­gen, wo­bei die­ser of­fen­bar al­lein das Ori­gi­nal des Schrift­sat­zes un­ter­zeich­net hat. Die Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks durch Rechts­an­walt N 1 als Sach­be­ar­bei­ter muss da­nach erst nach des­sen Rück­kehr aus der Ab­we­sen­heit er­folgt sein. Wenn die­sem so­dann die Schrift­satz­ab­schrift zwecks Be­glau­bi­gung zu­sam­men mit dem be­reits un­ter­zeich­ne­ten Ori­gi­nal vor­ge­legt wur­de, be­stand für ihn kein An­lass, sich mit dem Schrift­satz­in­halt zu be­fas­sen und mit der Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks - ne­ben dem Erst­un­ter­zeich­ner und die­sen gleich­sam un­terstützend – auch persönlich die Ver­ant­wor­tung ge­genüber dem Ge­richt für den In­halt des Schrift­sat­zes über­neh­men. Auch wenn der Un­ter­zeich­ner ei­nes Be­glau­bi­gungs­ver­merks aus der Er­in­ne­rung oder auf­grund der aus­ge­druck­ten Na­mens­be­zeich­nung die ei­ge­nen Au­to­ren­schaft er­kennt, be­steht für ihn in An­be­tracht der Tat­sa­che, dass das Schrift­satz­o­ri­gi­nal be­reits un­ter­zeich­net ist, kein An­lass, sich hier­mit in­halt­lich aus­ein­an­der zu set­zen und auf et­wai­ge in­halt­li­che oder for­ma­le Mängel zu ach­ten.

Un­ter den hier maßgeb­li­chen Umständen kann da­nach nicht fest­ge­stellt wer­den, dass mit der Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks zu­gleich die Ver­ant­wor­tung für den In­halt der Kla­ge­schrift zum Aus­druck ge­bracht wer­den sol­le. An­ders als bei Ein­rei­chung ei­ner nicht un­ter­zeich­ne­ten Kla­ge­schrift nebst Ab­schrif­ten mit un­ter­zeich­ne­tem Be­glau­bi­gungs­ver­merk des Ver­fas­sers, wel­che un­ter Berück­sich­ti­gung übli­cher Abläufe und man­gels ent­ge­gen­ste­hen­der An­halts­punk­te den Schluss recht­fer­tigt, dass mit der Un­ter­zeich­nung des Be­glau­bi­gungs­ver­merks durch den Sach­be­ar­bei­ter die Ver­ant­wor­tung für den Schrift­satz­in­halt über­nom­men wird, ist bei Ein­gang ei­ner Kla­ge, wel­che un­zu­rei­chend un­ter­fer­tigt und de­ren Ab­schrift er­kenn­bar mit ab­wei­chen­dem Na­mens­zug un­ter­zeich­net ist, die Ord­nungs­gemäßheit der Kla­ge­er­he­bung nicht zu er­ken­nen. Dann kann aber der Um­stand, dass sich im Zu­ge des Rechts­streits her­aus­stellt, dass die be­glau­big­te Ab­schrift der Kla­ge tatsächlich die vollständi­ge Un­ter­schrift des Ver­fas­sers enthält, den Man­gel der un­zu­rei­chen­den Un­ter­zeich­nung der Kla­ge­schrift nicht über­spie­len.

3. Un­ter den vor­lie­gen­den Umständen schei­det auch ei­ne nachträgli­che Hei­lung des Un­ter­schrifts­man­gels durch rüge­lo­se Ein­las­sung aus. Ei­ne sol­che Hei­lung nimmt die Recht­spre­chung an, wenn der Be­klag­te in Kennt­nis des Un­ter­schrifts­man­gels rüge­los zur Sa­che ver­han­delt. Glei­ches ist bei rüge­lo­sem Ver­han­deln an­zu­neh­men, wenn der Man­gel der Kla­ge­er­he­bung je­den­falls er­kenn­bar ist, weil (auch) die be­glau­big­te Ab­schrift nicht oder nur man­gel­haft un­ter­zeich­net ist (Zöller/Gre­ger, § 253 ZPO Rn 22, § 295 ZPO Rn 9 m.w.N.).

Auf die­ser Grund­la­ge kommt ei­ne Hei­lung des Ver­fah­rens­man­gels nicht in Be­tracht. Der Um­stand, dass die Kla­ge­schrift nicht ord­nungs­gemäß un­ter­zeich­net ist, war für den Be­klag­ten aus der ihm zu­ge­stell­ten be­glau­big­ten Ab­schrift nicht er­kenn­bar, da die­se ih­rer­seits ord­nungs­gemäß un­ter­zeich­net war.

4. Ei­ne Hei­lung des Un­ter­schrifts­man­gels durch Ein­rei­chung der wei­te­ren, je­weils ord­nungs­gemäß un­ter­zeich­ne­ten Schriftsätze im ers­ten und zwei­ten Rechts­zu­ge schei­det aus. An­ders als die Hei­lung durch rüge­lo­se Ein­las­sung, wel­che rück­wir­kend die Ein­hal­tung der Kla­ge­frist des § 4 KSchG be­wirkt (BAG NJW 1986, 3224) – glei­ches dürf­te für die Kla­ge­frist des § 17 Tz­B­fG gel­ten – könn­te durch ei­ne nach­ge­hol­te Un­ter­schrift der fest­ge­stell­te pro­zes­sua­le Man­gel nur ex nunc be­sei­tigt wer­den. Auch auf die­sem We­ge könn­te da­nach der Kla­ge nicht zum Er­folg ver­hol­fen wer­den.

II. Die Kos­ten des Rechts­streits hat die Kläge­rin zu tra­gen, da sie un­ter­le­gen ist.

III. Die Kam­mer hat die Re­vi­si­on ge­gen das Ur­teil gemäß § 72 ArbGG zu­ge­las­sen.

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