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Urteile zum Arbeitsrecht
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Schlag­worte: Ausschlussfrist
   
Gericht: Bundesarbeitsgericht
Akten­zeichen: 6 AZR 539/02
Typ: Urteil
Ent­scheid­ungs­datum: 11.12.2003
   
Leit­sätze: Ei­ne ord­nungs­gemäße Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs nach § 63 Abs 1 BMT-G II in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit setzt vor­aus, dass der An­spruch be­reits ent­stan­den ist. Auf die Fällig­keit des An­spruchs kommt es nicht an.
Vor­ins­tan­zen: Arbeitsgericht München, Urteil vom 10.07.2001, 15a Ca 3083/00
Landesarbeitsgericht München, Urteil vom 28.05.2002, 8 Sa 991/01
   


BUN­DES­AR­BEITS­GERICHT

6 AZR 539/02
8 Sa 991/01
Lan­des­ar­beits­ge­richt

München

Im Na­men des Vol­kes!

Verkündet am
11. De­zem­ber 2003

UR­TEIL

Schnei­der, Ur­kunds­be­am­tin

der Geschäfts­stel­le

In Sa­chen

Kläge­rin, Be­ru­fungskläge­rin und Re­vi­si­onskläge­rin,

PP.

Be­klag­te, Be­ru­fungs­be­klag­te und Re­vi­si­ons­be­klag­te,

hat der Sechs­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts auf Grund der Be­ra­tung vom 11. De­zem­ber 2003 durch die Vor­sit­zen­de Rich­te­rin am Bun­des­ar­beits­ge­richt Schmidt, die Rich­ter am Bun­des­ar­beits­ge­richt Dr. Arm­brüster und Dr. Brühler so­wie den eh­ren­amt­li­chen Rich­ter Ge­bert und die eh­ren­amt­li­che Rich­te­rin Holz­hau­sen für Recht er­kannt:


1. Auf die Re­vi­si­on der Kläge­rin wird das Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts München vom 28. Mai 2002 - 8 Sa 991/01 -teil­wei­se auf­ge­ho­ben.

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2. Auf die Be­ru­fung der Kläge­rin wird das Schlußur­teil des Ar­beits­ge­richts München vom 10. Ju­li 2001 - 15 a Ca 3083/00 -teil­wei­se ab­geändert:


Die Be­klag­te wird ver­ur­teilt, an die Kläge­rin 143,63 Eu­ro brut­to nebst Zin­sen in Höhe von 5 Pro­zent­punk­ten über dem Ba­sis­zins­satz seit 24. März 2000 zu zah­len.

Im übri­gen wird die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

3. Die wei­ter­ge­hen­de Be­ru­fung und die wei­ter­ge­hen­de Re­vi­si­on der Kläge­rin wer­den zurück­ge­wie­sen.

4. Von den Kos­ten des Rechts­streits ha­ben die Kläge­rin 56/100 und die Be­klag­te 44/100 zu tra­gen.

Von Rechts we­gen!

Tat­be­stand

Die Par­tei­en strei­ten über den Ver­fall von Vergütungs­ansprüchen.

Die Kläge­rin ist seit dem 1. Au­gust 1992 mit ei­ner wöchent­li­chen Ar­beits­zeit von 16 St­un­den in ei­ner von der Be­klag­ten be­trie­be­nen Ge­mein­schafts­un­ter­kunft für Asyl­be­wer­ber als Pfört­ne­rin mit Son­der­auf­ga­ben tätig. Sie leis­tet mo­nat­lich un­ter­schied­lich vie­le Nacht­diens­te. Nach dem Ar­beits­ver­trag vom 23. Fe­bru­ar 1994 gel­ten für das Ar­beits­verhält­nis die Be­stim­mun­gen des Bun­des­man­tel­ta­rif­ver­trags für Ar­bei­ter ge­meind­li­cher Ver­wal­tun­gen und Be­trie­be (BMT-G II) vom 31. Ja­nu­ar 1962. In § 63 BMT-G II heißt es:

Aus­schlußfrist


Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis ver­fal­len, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schlußfrist von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit vom Ar­bei­ter oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, so­weit ta­rif­ver­trag­lich nichts an­de­res be­stimmt ist.


Für den­sel­ben Sach­ver­halt reicht die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs aus, um die Aus­schlußfrist auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen un­wirk­sam zu ma­chen."


§ 26a Abs. 1 BMT-G II re­gelt:


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„(1) Der Lohn ist für den Ka­len­der­mo­nat zu be­rech­nen und am 15. ei­nes je­den Ka­len­der­mo­nats (Zahl­tag) für den lau­fen­den Ka­len­der­mo­nat auf ein von dem Ar­bei­ter ein­ge­rich­te­tes Gi­ro­kon­to im In­land zu zah­len....


Der Teil des Loh­nes, der nicht


a) zum Mo­nats­grund­lohn,

b) zu den et­wai­gen für den Ka­len­der­mo­nat zu­ste­hen­den ständi­gen ge­ge­be­nen­falls pau­scha­lier­ten Lohn­zu­schlägen und

c) zu sons­ti­gen für den Ka­len­der­mo­nat pau­scha­lier­ten Lohn­be­stand­tei­len gehört, be­mißt sich nach der Ar­beits­leis­tung des Vor­vor­mo­nats.

..."


Mit Schrei­ben vom 5. De­zem­ber 1997 ord­ne­te die Be­klag­te für die ab dem 1. Ja­nu­ar 1998 zu leis­ten­den Nacht­diens­te Be­reit­schafts­dienst an und be­ab­sich­tig­te, die­se nur noch zur Hälf­te als Ar­beits­zeit zu wer­ten. Im Ant­wort­schrei­ben vom 17. De­zem­ber 1997 ver­trat die Kläge­rin die Auf­fas­sung, die Nacht­diens­te sei­en in vol­lem Um­fang Ar­beits­zeit. In ei­nem wei­te­ren Schrei­ben vom 30. De­zem­ber 1997 be­hielt sie sich die Wah­rung ih­rer Rech­te vor. Die Be­klag­te glich die von der Kläge­rin ab dem 1. Ja­nu­ar 1998 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te zur Hälf­te in Frei­zeit aus. Im Schrei­ben der Kläge­rin vom 19. April 1998 heißt es:


„So­mit ma­che ich hier­mit aus­drück­lich gel­tend, daß mir die ge­sam­ten Ar­beits­be­din­gun­gen zu­ste­hen, auf die sich mein Ar­beits­verhält­nis durch langjähri­ge Übung kon­kre­ti­siert hat, ins­be­son­de­re

...


• Be­wer­tung von Nacht- und Wo­chen­end­dienst als Ar­beits­zeit statt als Be­reit­schaft und ent­spre­chen­de Ent­loh­nung, für die Zei­ten der Be­reit­schaft bie­te ich vol­le Ar­beits­leis­tung an;

...


Fer­ner ma­che ich hier­mit ent­gan­ge­nen Lohn gel­tend, nämlich die Dif­fe­renz zwi­schen dem mir zu­ste­hen­den Lohn und der Be­zah­lung für Ar­beits­zeit, Be­reit­schafts­dienst, so­wie Schicht­lohn­zu­schlag.


Ich er­war­te, daß Sie mir in­ner­halb von 2 Wo­chen mit­tei­len, daß die gel­tend ge­mach­ten Ansprüche an­er­kannt wer­den, an­dern­falls muß ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung er­fol­gen.
..."

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Die Kläge­rin hat in ei­ner Auf­stel­lung für die Mo­na­te Ja­nu­ar 1998 bis Fe­bru­ar 2000 ins­ge­samt 60 Nacht­diens­te und die je­weils be­an­spruch­te Vergütung auf­geführt. Die Be­klag­te hat die Vergütungs­beträge nicht be­strit­ten. In ih­rer ei­ge­nen Auf­stel­lung feh­len die von der Kläge­rin an­ge­ge­be­nen Nacht­diens­te vom 15. Ja­nu­ar 1998 und 1. No­vem­ber 1999.

Die Kläge­rin hat ge­meint, für die von Ja­nu­ar 1998 bis Fe­bru­ar 2000 ge­leis­te­ten und nur zur Hälf­te durch Frei­zeit ab­ge­gol­te­nen 60 Nacht­diens­te stünden ihr 5.743,84 DM brut­to zu. Ihr Vergütungs­an­spruch sei nicht nach § 63 BMT-G II ver­fal­len. Sie ha­be ihn mit den Schrei­ben vom 17. und 30. De­zem­ber 1997 so­wie vom 19. April 1998 recht­zei­tig gel­tend ge­macht.


Die Kläge­rin hat be­an­tragt

die Be­klag­te zu ver­ur­tei­len, an die Kläge­rin 5.743,61 DM brut­to nebst 4 % Zin­sen ab dem 24. März 2000 zu zah­len.

Die Be­klag­te hat nach An­er­ken­nung ei­nes Be­tra­ges in Höhe von 2.242,84 DM brut­to be­an­tragt, die wei­ter­ge­hen­de Kla­ge ab­zu­wei­sen.

Sie hat die Auf­fas­sung ver­tre­ten, die Kläge­rin ha­be die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist nur für die Vergütungs­ansprüche auf Grund der in den Mo­na­ten Ja­nu­ar und Fe­bru­ar 1998 so­wie Ju­li 1999 bis Fe­bru­ar 2000 ge­leis­te­ten 23 Nacht­diens­te ge­wahrt. Vor Ent­ste­hen und Fällig­keit der Ansprüche ha­be sie die­se nach § 63 BMT-G II nicht wirk­sam gel­tend ma­chen können.


Das Ar­beits­ge­richt hat der Kla­ge in Höhe des an­er­kann­ten Be­tra­ges statt­ge­ge­ben und sie im Übri­gen ab­ge­wie­sen. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat die Re­vi­si­on der Kläge­rin zurück­ge­wie­sen. Mit der Re­vi­si­on ver­folgt die Kläge­rin ihr Kla­ge­ziel wei­ter und be­an­tragt die Ver­ur­tei­lung der Be­klag­ten zur Zah­lung von 1.789,92 Eu­ro brut­to. Die Be­klag­te be­an­tragt die Zurück­wei­sung der Re­vi­si­on.
 


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Ent­schei­dungs­gründe


Die Re­vi­si­on der Kläge­rin ist über­wie­gend er­folg­los. Der Kläge­rin steht Vergütung in Höhe von 143,63 Eu­ro brut­to zu. Hin­sicht­lich der wei­ter­ge­hen­den Vergütungs­ansprüche ist die Re­vi­si­on un­be­gründet.


I. Die Kläge­rin hat ei­nen An­spruch auf Vergütung der am 16. März 1998, 2. April 1998 und 13. April 1998 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te, die von der Be­klag­ten nur zur Hälf­te in Frei­zeit aus­ge­gli­chen wor­den sind (§ 611 Abs. 1 BGB).


1. Ent­ge­gen der An­nah­me des Lan­des­ar­beits­ge­richts steht dem Vergütungs­an­spruch die Aus­schluss­frist des § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II nicht ent­ge­gen. Nach die­ser Ta­rif­vor­schrift ver­fal­len Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner Aus­schluss­frist von sechs Mo­na­ten nach Fällig­keit vom Ar­bei­ter oder vom Ar­beit­ge­ber schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den, so­weit ta­rif­ver­trag­lich nichts an­de­res be­stimmt ist. Die Kläge­rin hat mit dem Schrei­ben vom 19. April 1998 die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist für den Vergütungs­an­spruch we­gen der ab dem 16. März 1998 bis zum 13. April 1998 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te ge­wahrt.

a) Die Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs ist kei­ne Wil­lens­erklärung, son­dern ei­ne ein­sei­ti­ge rechts­geschäftsähn­li­che Hand­lung, auf de­ren Aus­le­gung die §§ 133, 157 BGB ent­spre­chend an­zu­wen­den sind (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 46/00 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Gaststätten Nr. 11 = EzA TVG § 4 Aus­schluß fris­ten Nr. 139, zu II 2 a der Gründe). Ob ei­ne Hand­lung ei­ner Par­tei zur Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs aus­reicht, ist grundsätz­lich von den Tat­sa­chen­in­stan­zen fest­zu­stel­len. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt hat das in­di­vi­du­el­le Schrei­ben der Kläge­rin vom 19. April 1998 als Gel­tend­ma­chung iSd. Aus­schluss­frist genügen las­sen. Die­se Aus­le­gung ist in der Re­vi­si­ons­in­stanz eben­so wie die Aus­le­gung nicht­ty­pi­scher Ver­trags­erklärun­gen nur dar­auf­hin über­prüfbar, ob sie ge­gen ge­setz­li­che Aus­le­gungs­re­geln, an­er­kann­te Aus­le­gungs­grundsätze, Denk­ge­set­ze, Er­fah­rungssätze oder Ver­fah­rens­vor­schrif­ten verstößt oder we­sent­li­che Umstände un­berück­sich­tigt lässt und ob sie recht­lich möglich ist (st. Rspr., vgl. BAG 16. Ja­nu­ar 2003 - 6 AZR 325/01 - AP BBiG § 10 Nr. 13, zu 1 1 b der Gründe; 5. Ju­ni 2002 - 7 AZR 241/01 - BA­GE 101, 262, 270; 15. No­vem­ber 2000 - 5 AZR 296/99 - BA­GE 96, 237, 241 mwN).
 


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b) Die­sem ein­ge­schränk­ten Prüfungs­maßstab hält die Aus­le­gung des Lan­des­ar­beits­ge­richts stand. Nach der ständi­gen Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts er­for­dert ei­ne Gel­tend­ma­chung kei­ne Sub­stan­ti­ie­rung, son­dern nur ei­ne Spe­zi­fi­zie­rung des An­spruchs, die der Ge­gen­sei­te ei­ne Prüfung der ge­gen sie er­ho­be­nen For­de­rung er­laubt (BAG 20. Fe­bru­ar 2001 - 9 AZR 46/00 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Gaststätten Nr. 11 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 139, zu II 3 a der Gründe; 20. Ju­ni 2002 - 8 AZR 488/01 - EzA BGB § 611 Ar­beit­ge­ber­haf­tung Nr. 11, zu II 2 e aa der Gründe).


Die­sen An­for­de­run­gen genügt das Schrei­ben der Kläge­rin vom 19. April 1998. Mit dem Hin­weis zur Be­wer­tung der Nacht­diens­te als Ar­beits­zeit hat sie den er­ho­be­nen Vergütungs­an­spruch kon­kret be­zeich­net. Sie hat aus­drück­lich ent­gan­ge­nen Lohn ver­langt und da­mit deut­lich ge­macht, dass sie von der Be­klag­ten Zah­lung er­war­tet. Ei­ner kon­kre­ten An­ga­be zur Höhe der For­de­rung be­durf­te es nicht.

Die Höhe des er­ho­be­nen An­spruchs war der Be­klag­ten be­kannt.

2. Der Vergütungs­an­spruch war bei der Gel­tend­ma­chung am 19. April 1998 be­reits ent­stan­den. Die rechts­er­zeu­gen­den Tat­sa­chen wa­ren auf Grund der am 16. März 1998, 2. April 1998 und 13. April 1998 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te be­reits ein­ge­tre­ten. Bei ei­ner Be­wer­tung der Nacht­diens­te als Ar­beits­zeit in vol­lem Um­fang kam al­ler­dings ent­spre­chend der bis­he­ri­gen Pra­xis auch ein wei­ter­ge­hen­der Frei­zeit­aus­gleich in Be­tracht. Über die Vergütung der nicht vollständig durch Frei­zeit ab­ge­gol­te­nen Nacht­diens­te wa­ren sich die Par­tei­en je­doch ei­nig.

3. Der Vergütungs­an­spruch war al­ler­dings am 19. April 1998 noch nicht fällig. Die Kläge­rin leis­te­te mo­nat­lich un­ter­schied­lich vie­le Nacht­diens­te. Die Vergütung hierfür ist we­der ein für den Ka­len­der­mo­nat pau­scha­lier­ter Lohn­zu­schlag noch ein pau­scha­lier­ter Lohn­be­stand­teil iSv. § 26a Abs. 1 Un­terabs. 2 Satz 1 BMT-G II. Nach § 26a Abs. 1 Un­terabs. 1 Satz 1 iVm. Un­terabs. 2 Satz 1 BMT-G II ist die Vergütung für den am 16. März 1998 ge­leis­te­ten Nacht­dienst erst am 15. Mai 1998 und die Vergütung für die am 2. und 13. April 1998 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te erst am 15. Ju­ni 1998 fällig ge­wor­den.

4. Auf die Fällig­keit des An­spruchs kommt es für die ord­nungs­gemäße Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs nach § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II nicht an. Be­reits ent­stan­de­ne Ansprüche können auch schon vor ih­rer Fällig­keit wirk­sam gel­tend ge­macht wer­den.
 


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a) Aus dem Wort­laut der Be­stim­mung, auf den es für die Ta­rif­aus­le­gung zunächst an­kommt (st. Rspr., BAG 27. Ju­ni 2002 - 6 AZR 209/01 - AP BAT § 29 Nr. 18, zu A 112 a der Gründe; 27. Ju­ni 2002 - 6 AZR 378/01 - AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Mu­si­ker Nr. 18, zu A IV 1 der Gründe), folgt nicht, dass ei­ne Gel­tend­ma­chung frühes­tens nach Fällig­keit des An­spruchs er­fol­gen kann. Der Rechts­be­griff der Fällig­keit be­zeich­net den Zeit­punkt, von dem ab der Gläubi­ger die Leis­tung for­dern kann. Da­mit legt der Wort­laut der Ta­rif­norm le­dig­lich den Zeit­punkt fest, zu dem ein An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis zur Wah­rung der Aus­schluss­frist spätes­tens gel­tend ge­macht wer­den muss. Ein Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en, nach dem die An­mel­dung ei­nes zwar ent­stan­de­nen, je­doch noch nicht fälli­gen An­spruchs zur Wah­rung der Aus­schluss­frist un­zu­rei­chend sein soll, hat im Wort­laut der Ta­rif­be­stim­mung kei­nen Nie­der­schlag ge­fun­den.

b) Sinn und Zweck der Ta­rif­be­stim­mung bestäti­gen die­ses Aus­le­gungs­er­geb­nis.

aa) Die Aus­schluss­frist soll die Par­tei­en des Ar­beits­verhält­nis­ses zur als­bal­di­gen Gel­tend­ma­chung und Klärung ih­rer Ansprüche ver­an­las­sen (Scheu­ring/Lang/Hoff­mann BMT-G Stand April 2003 § 63 Erl. 1; vgl. auch Cle­mens/Scheu­ring/St­ein­gen/Wie­se BAT Stand Mai 2003 § 70 Erl. 1). Aus­schluss­fris­ten die­nen der Rechts­si­cher­heit (BAG 19. Ja­nu­ar 1999 - 9 AZR 405/97 - AP BAT-0 § 70 Nr. 1, zu VI 2 b bb der Gründe). Ei­ne ver­späte­te An­mel­dung oft zwei­fel­haf­ter oder rück­wir­kend schwer fest­stell­ba­rer Ansprüche soll ver­mie­den wer­den. Aus­schluss­fris­ten be­zwe­cken, dass sich der An­spruchs­geg­ner auf die aus Sicht des An­spruch­stel­lers noch of­fe­nen For­de­run­gen recht­zei­tig ein­stellt, Be­wei­se si­chert oder vor­sorg­lich Rück­la­gen bil­den kann (vgl. BAG 26. Fe­bru­ar 2003 - 5 AZR 223/02 - AP BGB § 611 Net­to­lohn Nr. 13 = EzA TVG § 4 Aus­schluß fris­ten Nr. 163, auch zur Veröffent­li­chung in der Amt­li­chen Samm­lung vor­ge­se­hen, zu 113 a der Gründe). Der öffent­li­che Ar­beit­ge­ber soll zu­dem in der La­ge sein, not­wen­di­ge Haus­halts­mit­tel so zu ver­an­schla­gen, dass Nach­for­de­run­gen in en­gen Gren­zen ge­hal­ten wer­den können.

bb) Das Ziel ei­ner zügi­gen Klärung der wech­sel­sei­ti­gen Rech­te und Pflich­ten aus ei­nem Ar­beits­verhält­nis er­for­dert es nicht, ei­nen An­spruch erst nach Ein­tritt der Fällig­keit gel­tend zu ma­chen. Be­haup­tet der An­spruch­stel­ler schon vor Fällig­keit, dass der von ei­ner Norm zur Ent­ste­hung des An­spruchs vor­aus­ge­setz­te Tat­be­stand ver­wirk­licht ist, kann sich der An­spruchs­geg­ner eben­so wie bei ei­nem fälli­gen An­spruch auf die er­ho­be­ne For­de­rung ein­stel­len und sich Klar­heit über das Be­ste­hen oder Nicht­bes­te-
 


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hen des An­spruchs ver­schaf­fen. In ei­nem sol­chen Fall han­delt es sich nicht um die bloße Ankündi­gung ei­nes mögli­chen An­spruchs. Es ist nicht un­ge­wiss, ob und ge­ge­be­nen­falls wann und in wel­chem Um­fang ein An­spruch über­haupt ent­steht; le­dig­lich die Leis­tung kann erst künf­tig ver­langt wer­den. Die von der Aus­schluss­frist be­zweck­te ra­sche Klärung des An­spruchs kann zu­dem bei ei­ner Gel­tend­ma­chung vor Fällig­keit in der Re­gel noch schnel­ler er­reicht wer­den.


c) Auch der ta­rif­li­che Ge­samt­zu­sam­men­hang stützt das Aus­le­gungs­er­geb­nis. § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II bil­det mit der in § 63 Un­terabs. 2 BMT-G II ge­trof­fe­nen Re­ge­lung ei­ne Ein­heit. In die­ser Vor­schrift ha­ben die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en be­stimmt, dass für den­sel­ben Sach­ver­halt die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs aus­reicht, um die Aus­schluss­frist auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen un­wirk­sam zu ma­chen. Dar­aus wird der Wil­le der Ta­rif­ver­trags­par­tei­en deut­lich, dass Ansprüche aus ei­nem be­stimm­ten, ständig glei­chen Grund­be­stand schon vor ih­rem Ent­ste­hen und Ein­tritt der Fällig­keit gel­tend ge­macht wer­den können. Die Aus­le­gung, dass trotz Ver­wirk­li­chung des von der An­spruchs­grund­la­ge vor­aus­ge­setz­ten Tat­be­stan­des ein An­spruch nur nach Ein­tritt der Fällig­keit ord­nungs­gemäß gel­tend ge­macht wer­den kann, stünde da­mit nicht im Ein­klang.


d) Ei­ne an­de­re Aus­le­gung würde zu­dem zu Wer­tungs­wi­dersprüchen zur ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung künf­ti­ger Leis­tun­gen führen. Nach § 257 und § 259 ZPO kann Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung bei ei­ner nicht von ei­ner Ge­gen­leis­tung abhängi­gen Geld­for­de­rung (§ 257 ZPO) oder bei Be­sorg­nis nicht recht­zei­ti­ger Leis­tung (§ 259 ZPO) er­ho­ben wer­den. Sind die Vor­aus­set­zun­gen ei­ner Kla­ge auf künf­ti­ge Leis­tung erfüllt, kann der An­spruch­stel­ler ent­stan­de­ne Ansprüche vor Ein­tritt der Fällig­keit ge­richt­lich gel­tend ma­chen. Hin­ge die Wirk­sam­keit der Gel­tend­ma­chung nach § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II von der Fällig­keit des An­spruchs ab, könn­te der An­spruch­stel­ler zwar nach § 257 ZPO oder § 259 ZPO Kla­ge auf künf­ti­ge Zah­lung er­he­ben, den An­spruch je­doch noch nicht zur Wah­rung der Aus­schluss­frist ord­nungs­gemäß außer­ge­richt­lich gel­tend ma­chen. Ein sol­ches Er­geb­nis kann vernünf­ti­ger­wei­se von den Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ge­wollt sein.

5. Mit die­ser Aus­le­gung setzt sich der Se­nat nicht in Wi­der­spruch zu sei­ner Ent­schei­dung vom 24. Ok­to­ber 1990 (- 6 AZR 37/89 - BA­GE 66, 154, 166) und der Ent­schei­dung des Ach­ten Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts vom 17. Mai 2001 (- 8 AZR 366/00 - AP BAT-0 § 70 Nr. 2 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 136, zu 113 a der
 


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Gründe), wo­nach die Gel­tend­ma­chung nach Fällig­keit des An­spruchs zu er­fol­gen hat. Bei­de Ent­schei­dun­gen be­tra­fen nicht die in § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II, son­dern die in § 70 BAT ge­re­gel­te Aus­schluss­frist. Ob bei der Gel­tend­ma­chung von Ansprüchen nach die­sen Ta­rif­vor­schrif­ten auf Grund ih­rer Wort­gleich­heit iden­ti­sche Rechts­fra­gen zu be­ur­tei­len sind, kann da­hin­ge­stellt blei­ben. Maßge­bend ist, dass in bei­den Ent­schei­dun­gen die Be­gründung, vor Fällig­keit des An­spruchs könne ei­ne frist­wah­ren­de Gel­tend­ma­chung nicht er­fol­gen, nicht tra­gend war. Die da­mals zur Ent­schei­dung ste­hen­den Ansprüche wa­ren im Zeit­punkt ih­rer Gel­tend­ma­chung ent­we­der nicht ent­stan­den oder we­gen Ab­laufs des in § 70 Abs. 1 BAT be­stimm­ten Zeit­raums ver­fal­len. Hin­zu, kommt, dass der Ach­te Se­nat des Bun­des­ar­beits­ge­richts nicht dar­an festhält, nur fälli­ge Ansprüche könn­ten frist­wah­rend gel­tend ge­macht wer­den. Er nimmt nun­mehr an, dass Aus­schluss­fris­ten grundsätz­lich auch durch ei­ne Gel­tend­ma­chung vor Fällig­keit des An­spruchs ge­wahrt wer­den können (BAG 20. Ju­ni 2002 - 8 AZR 488/01 - EzA BGB § 611 Ar­beit­ge­ber­haf­tung Nr. 11, zu 112 e dd der Gründe; 13. Fe­bru­ar 2003 - 8 AZR 236/02 - AP BGB § 613a Nr. 244 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 162, zu 11 1 der Gründe).


II. Im Übri­gen ist die Kla­ge un­be­gründet. Mit Recht hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt er­kannt, dass ein Vergütungs­an­spruch für ei­nen Nacht­dienst am 15. Ja­nu­ar 1998 und am 1. No­vem­ber 1999 nicht dar­ge­legt wor­den ist und den Vergütungs­ansprüchen für die ab dem 23. April 1998 bis Ju­ni 1999 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist ent­ge­gen­steht.

1. Hin­sicht­lich der Nacht­diens­te am 15. Ja­nu­ar 1998 und am 1. No­vem­ber 1999 hat die Kläge­rin nach den Fest­stel­lun­gen des Lan­des­ar­beits­ge­richts ei­ne dar­auf ge­rich­te­te Ver­pflich­tung zur Ab­leis­tung der Diens­te und de­ren Erfüllung nicht sub­stan­ti­iert vor­ge­tra­gen. Ih­re Rüge, nach der das Lan­des­ar­beits­ge­richt bei der Fest­stel­lung der Zahl der von ihr in der frag­li­chen Zeit zu leis­ten­den Nacht­diens­te sei­ne Aufklärungs-und Hin­weis­pflicht nach § 139 ZPO ver­letzt hat, ist un­zulässig. Nach § 551 Abs. 3 Nr. 2 Buchst. b ZPO muss die Re­vi­si­ons­be­gründung, wenn die Re­vi­si­on dar­auf gestützt wird, dass das Ge­setz in Be­zug auf das Ver­fah­ren ver­letzt sei, die Be­zeich­nung der Tat­sa­chen ent­hal­ten, die den Man­gel er­ge­ben. Rügt der Re­vi­si­onskläger die Ver­let­zung des rich­ter­li­chen Fra­ge­rechts und der Aufklärungs­pflicht, hat er an­zu­ge­ben, was er auf ei­nen ent­spre­chen­den Hin­weis vor­ge­bracht hätte. Da­bei ist der un­ter­blie­be­ne Vor­trag vollständig nach­zu­ho­len, da­mit fest­stell­bar ist, ob der be­haup­te­te Ver­fah­rens­ver­s­toß mögli­cher­wei­se kau­sal für das Ur­teil war (BAG 12. April 2000 - 5 AZR 704/98 -
 


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AP TVG § 1 Ta­rif­verträge: Ein­zel­han­del Nr. 72, zu II 1 a der Gründe; 5. Ju­li 1979 - 3 AZR 197/78 - BA­GE 32, 56, 66). Dar­an fehlt es. Die Kläge­rin hat nicht vor­ge­tra­gen, wel­che kon­kre­ten An­ga­ben sie ge­macht hätte, wenn das Lan­des­ar­beits­ge­richt sie dar­auf hin­ge­wie­sen hätte, ih­ren bis­he­ri­gen Vor­trag zu sub­stan­ti­ie­ren und ge­ge­be­nen­falls un­ter Be­weis zu stel­len.


2. Der An­spruch auf Vergütung der ab dem 23. April 1998 bis zum Ju­ni 1999 ge­leis­te­ten Nacht­diens­te ist ver­fal­len (§ 63 Un­terabs. 1 BMT-G II).


a) In ih­ren Schrei­ben vom 17. und 30. De­zem­ber 1998 hat die Kläge­rin der Be­klag­ten ih­re Rechts­auf­fas­sung zur Be­wer­tung der Nacht­diens­te als Ar­beits­zeit in vol­lem Um­fang mit­ge­teilt und sich die Wah­rung ih­rer Rech­te vor­be­hal­ten, je­doch noch kei­ne Ansprüche an­ge­mel­det. Das reicht zur Gel­tend­ma­chung ei­nes An­spruchs nicht aus (vgl. BAG 19. Ja­nu­ar 1999 - 9 AZR 405/97 - AP BAT-0 § 70 Nr. 1, zu VI 2 b bb der Gründe).

b) Bei der schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung am 19. April 1998 wa­ren Vergütungs­ansprüche für die erst da­nach ge­leis­te­ten Nacht­diens­te noch nicht ent­stan­den. Ei­ne frist­wah­ren­de An­mel­dung ei­nes An­spruchs setzt je­doch nach § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II vor­aus, dass der An­spruch nach dem Vor­brin­gen des An­spruch­stel­lers be­reits be­steht (BAG 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 283/02 - ZTR 2003, 625, zu 3 der Gründe; 20. Ju­li 1989 - 6 AZR 774/87 - ZTR 1990, 155, zu 113 der Gründe). Dar­an ist fest­zu­hal­ten.


aa) Die Ta­rif­be­stim­mung knüpft an „Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis" an. Die Ver­wen­dung des Wor­tes „Ansprüche" zwingt zu der An­nah­me, dass die rechts­er­zeu­gen­den An­spruchs­vor­aus­set­zun­gen nach dem Vor­brin­gen des An­spruch­stel­lers bei der Gel­tend­ma­chung be­reits erfüllt sein müssen. Fehlt es dar­an, liegt noch kein An­spruch vor, der gel­tend ge­macht wer­den könn­te. Zu­dem ver­deut­licht der Ta­rif­be­griff in § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II „ver­fal­len", dass der An­spruch aus dem Ar­beits­verhält­nis bei sei­ner Gel­tend­ma­chung be­reits ent­stan­den sein muss. Das Ver­fal­len ei­nes An­spruchs be­deu­tet, dass der An­spruch un­ter­geht oder er­lischt. Dies ist vor sei­nem Ent­ste­hen nicht möglich.

bb) Ei­ne die ta­rif­li­che Aus­schluss­frist wah­ren­de Gel­tend­ma­chung vor dem Ent­ste­hen des An­spruchs wi­derspräche auch dem Sinn und Zweck der Re­ge­lung. Sind die rechts­er­zeu­gen­den Tat­sa­chen nach der Be­haup­tung des An­spruch­stel­lers noch nicht ein­ge­tre­ten, ist un­ge­wiss, ob und ge­ge­be­nen­falls wann und in wel­chem Um­fang An-

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sprüche über­haupt ent­ste­hen. Die von der Aus­schluss­frist be­zweck­te ra­sche Klärung der Ansprüche ist nicht möglich. Oh­ne Be­deu­tung ist, dass die von der Kläge­rin ge­leis­te­ten Nacht­diens­te über­wie­gend un­strei­tig sind und in­so­weit le­dig­lich Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten über de­ren Ein­ord­nung als Ar­beits­zeit be­stan­den. Von ei­ner ta­rif­li­chen Aus­schluss­frist er­fass­te Ansprüche ver­fal­len auch dann, wenn über die rechts­er­zeu­gen­den Tat­sa­chen kein Streit be­steht. Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en ha­ben we­gen des mit der Aus­schluss­frist ver­folg­ten Zwecks, Ansprüche rasch zu klären, nicht da­nach dif­fe­ren­ziert, ob der zur Ent­ste­hung des An­spruchs vor­aus­ge­setz­te Tat­be­stand oder die Be­wer­tung der rechts­er­zeu­gen­den Tat­sa­chen strei­tig ist. Hin­zu kommt, dass für den öffent­li­chen Ar­beit­ge­ber Klar­heit über die ein­zu­stel­len­den Haus­halts­mit­tel auch dann be­ste­hen muss, wenn nicht Tat­sa­chen, son­dern die da­mit ein­her­ge­hen­den Rechts­fol­gen un­ter­schied­lich be­ur­teilt wer­den.


cc) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung der Kläge­rin er­gibt sich aus § 63 Un­terabs. 2 BMT-G II nichts an­de­res. Die­se Ta­rif­vor­schrift be­stimmt, dass für den­sel­ben Sach­ver­halt die ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung des An­spruchs aus­reicht, um die Aus­schluss­frist auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen un­wirk­sam zu ma­chen. Die Re­ge­lung setzt da­mit eben­so wie § 63 Un­terabs. 1 BMT-G II vor­aus, dass die „ein­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung" ei­nen be­reits ent­stan­de­nen An­spruch be­trifft. Ist ein sol­cher An­spruch ord­nungs­gemäß gel­tend ge­macht wor­den, lässt die Ta­rif­vor­schrift die­se Gel­tend­ma­chung für den­sel­ben Sach­ver­halt aus Gründen der Ver­ein­fa­chung auch für später fällig wer­den­de Leis­tun­gen aus­rei­chen. Je­doch hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt mit Recht er­kannt, dass sich die von der Kläge­rin be­an­spruch­ten Leis­tun­gen nicht aus „dem­sel­ben Sach­ver­halt" er­ge­ben. Dies ist der Fall, wenn bei un­veränder­ter recht­li­cher und tatsäch­li­cher La­ge Ansprüche aus ei­nem be­stimm­ten Tat­be­stand her­zu­lei­ten sind (BAG 17. Mai 2001 - 8 AZR 366/00 - AP BAT-0 § 70 Nr. 2 = EzA TVG § 4 Aus­schlußfris­ten Nr. 136, zu 113 c der Gründe; 20. Ju­li 1989 - 6 AZR 774/87 - ZTR 1990, 155, zu IV der Gründe). Dar­an fehlt es. Die Kläge­rin hat mo­nat­lich un­ter­schied­lich vie­le Nacht­diens­te ge­leis­tet. Dar­auf be­ru­hen­de Vergütungs­ansprüche sind da­mit nicht aus ei­nem be­stimm­ten, ständig glei­chen Grund­tat­be­stand ent­stan­den wie zB ständi­ge Zu­la­gen oder Ge­halts­ansprüche bei un­rich­ti­ger Ein­grup­pie­rung (BAG 20. Ju­li 1989 - 6 AZR 774/87 - aaO, zu



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IV der Gründe). Es han­delt sich um so­ge­nann­te unständi­ge Bezüge, die § 63 Un­terabs. 2 BMT-G II nicht er­fasst (BAG 10. Ju­li 2003 - 6 AZR 283/02 - ZTR 2003, 625, zu 4 der Gründe).


Schmidt

Dr. Arm­brüster 

Brühler

Ge­bert 

Eri­ka Holz­hau­sen

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