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EuGH bil­ligt Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz.

Fi­nan­zi­el­le und or­ga­ni­sa­to­ri­sche Las­ten für aus­län­di­sche Ar­beit­ge­ber in Deutsch­land sind rech­tens: Eu­ro­päi­scher Ge­richts­hof, Ur­teil vom 18.07.2007, Rs. C-490/04
Europafahne

15.08.2007. Der Eu­ro­päi­sche Ge­richts­hof (EuGH) hat das deut­sche Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) ge­gen­über ei­ner Kla­ge der Eu­ro­päi­schen Kom­mis­si­on im we­sent­li­chen ab­ge­seg­net.

Die mit dem AEntG ver­bun­de­nen fi­nan­zi­el­len und or­ga­ni­sa­to­ri­schen Mehr­be­las­tun­gen aus­län­di­scher Ar­beit­ge­ber, die in Deutsch­land mit ih­ren ei­ge­nen, d.h. vor­über­ge­hend nach Deutsch­land ent­sand­ten Ar­beit­neh­mern Dienst­leis­tun­gen er­brin­gen, sind mit der Frei­heit des Dienst­leis­tungs­ver­kehrs ver­ein­bar.

Das be­trifft die Pflicht aus­län­di­scher Bau­un­ter­neh­men, Bei­trä­ge zur Ur­laubs­kas­se zu leis­ten, so­wie die Ver­pflich­tung von aus­län­di­schen Leih­ar­beit­neh­mern, in deut­scher Spra­che ver­fass­te Un­ter­la­gen über die Be­schäf­ti­gung für die Leih­ar­beit­neh­mer vor­zu­hal­ten, da­mit Kon­trol­len deut­scher Be­hör­den mög­lich sind: EuGH, Ur­teil vom 18.07.2007, Rs. C-490/04.

Sind die finanziellen und organisatorischen (Mehr-)Belastungen ausländischer Arbeitgeber, die in Deutschland tätig sind, mit dem EU-Recht vereinbar?

15.08.2007. Das Ge­setz über zwin­gen­de Ar­beits­be­din­gun­gen bei grenzüber­schrei­ten­den Dienst­leis­tun­gen (kurz: "Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz" oder "AEntG"), vom 26.02.1996, schreibt vor, dass die Vor­schrif­ten über Min­destlöhne und die Ur­laubs­re­ge­lun­gen, die in all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­verträgen für das Bau­ge­wer­be ent­hal­ten sind, auch von ausländi­schen Bau­un­ter­neh­men zu be­ach­ten sind, falls die­se auf inländi­schen Bau­stel­len Ar­beit­neh­mer ein­set­zen.

Da­mit soll ein Lohn­dum­ping im Bau­ge­wer­be durch den Im­port ausländi­scher Bil­lig­ar­beits­kräfte auf dem Bau ver­hin­dert wer­den. Die­se Vor­schrift fin­det nach dem Ers­ten Ge­setz zur Ände­rung des AEntG vom 25.04.2007 (BGBl I, S.576) auch auf das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk An­wen­dung (§ 1 Abs.1 Satz 4 AEntG neue Fas­sung).

Nach dem AEntG müssen ausländi­sche Ar­beit­ge­ber für ih­re in Deutsch­land ar­bei­ten­den Mit­ar­bei­ter auch Beiträge zu deut­schen Ur­laubs­kas­sen abführen (§ 1 Abs.3 AEntG), was für ausländi­sche Ar­beit­ge­ber schwer zu ak­zep­tie­ren ist, falls sie in ih­ren Hei­matländern be­reits Ur­laubs­vergütung di­rekt an ih­re Ar­beit­neh­mer zah­len.

Wei­ter­hin schreibt das Ge­setz (§ 2 Abs.3 AEntG) vor, dass je­der ausländi­sche Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet ist, die für die Kon­trol­le der Ein­hal­tung der ge­setz­li­chen Pflich­ten er­for­der­li­chen Un­ter­la­gen im In­land für die ge­sam­te Dau­er der tatsächli­chen Beschäfti­gung des Ar­beit­neh­mers in Deutsch­land in deut­scher Spra­che be­reit­zu­hal­ten, und zwar auf Ver­lan­gen der Prüfbehörde auch am Ort der Beschäfti­gung und bei Bau­leis­tun­gen auf der Bau­stel­le.

Auch hier­in liegt ei­ne Be­nach­tei­li­gung ausländi­scher Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, da deut­sche Ar­beit­ge­ber nicht so weit­ge­hen­de For­ma­litäten be­ach­ten müssen und die Ver­pflich­tung zur Über­set­zung von Do­ku­men­ten lästig ist. Die Kom­mis­si­on ar­gu­men­tier­te dies­bezüglich, hier­in lie­ge ei­ne nicht ge­recht­fer­tig­te und un­verhält­nismäßige Be­schränkung des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs.

Das AEntG ver­pflich­te­te ausländi­sche Leih­ar­beit­ge­ber bei An­wend­bar­keit ei­nes für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärten Ta­rif­ver­tra­ges nach § 1 Satz 1 Nr.1 AEntG außer­dem da­zu, vor Be­ginn je­der Werk- oder Dienst­leis­tung ei­ne schrift­li­che An­mel­dung in deut­scher Spra­che bei der zuständi­gen Behörde der Zoll­ver­wal­tung vor­zu­le­gen, die die für die Prüfung we­sent­li­chen An­ga­ben enthält. H

ier­zu zählen An­ga­ben über die beschäftig­ten Leih­ar­beit­neh­mer, über Be­ginn und vor­aus­sicht­li­che Dau­er der Beschäfti­gung so­wie über den Ort der Beschäfti­gung, bei Bau­leis­tun­gen die Bau­stel­le (§ 3 Abs.2 AEntG). Auch dies ist ei­ne Schlech­ter­stel­lung ausländi­scher Un­ter­neh­men, die ge­werb­li­che Ar­beit­neh­merüber­las­sung be­trei­ben, da deut­sche Leih­ar­beits­fir­men sol­che de­tail­lier­ten Mel­de­pflich­ten nicht be­ach­ten müssen.

Klage der Kommission gegen Deutschland wegen angeblicher Verletzungen der Freiheit des Dienstleistungsverkehrs

Mit Blick auf die­se Vor­schrif­ten er­hob die Eu­ropäische Kom­mis­si­on nach ver­schie­de­nen er­folg­lo­sen Mahn­schrei­ben aus den Jah­ren 1998 und 1999 am 29.11.2004 ei­ne Ver­trags­ver­let­zungs­kla­ge gemäß Art. 226 des EG-Ver­trags (EG) vor dem Eu­ropäischen Ge­richts­hof (EuGH), in dem sie die Ver­let­zung von Art.49 EG rügte.

In Art.49 EG ist als Grund­satz fest­ge­schrie­ben, dass Be­schränkun­gen des frei­en Dienst­leis­tungs­ver­kehrs in­ner­halb der Eu­ropäischen Ge­mein­schaft für An­gehöri­ge der Mit­glied­staa­ten, die in ei­nem an­de­ren Staat der Ge­mein­schaft als dem des Leis­tungs­empfängers ansässig sind, im All­ge­mei­nen ver­bo­ten sind.

Die Kom­mis­si­on war der Mei­nung, die oben ge­nann­ten Vor­schrif­ten des deut­schen AEntG würden ausländi­sche Dienst­leis­tungs­un­ter­neh­men, die ih­re Leis­tun­gen in Deutsch­land er­brin­gen wol­len, ge­genüber deut­schen An­bie­tern dis­kri­mi­nie­ren.

EuGH: Finanzielle und organisatorische Belastungen ausländischer Arbeitgeber bei Tätigkeit in Deutschland sind im wesentlichen zulässig

Der EuGH hat die ers­te Rüge der Kom­mis­si­on, die sich auf die Pflicht ausländi­scher Ar­beit­ge­ber zur Abführung von Beiträgen an deut­sche Ur­laubs­kas­sen be­trifft, aus eher for­ma­len Gründen zurück­ge­wie­sen, da sich die Kom­mis­si­on nach der Recht­spre­chung des EuGH nicht nur auf den Wort­laut der von ihr be­an­stan­de­ten na­tio­na­len Rechts­vor­schrift (§ 1 Abs.3 AEntG) hätte be­zie­hen müssen, son­dern den Ge­richts­hof darüber hin­aus über die tatsächli­che Rechts­pra­xis bzw. Hand­ha­bung von § 1 Abs.3 AEntG durch die deut­schen Behörden und Ge­rich­te hätte in­for­mie­ren müssen.

Auch die ge­setz­li­che Pflicht zur Be­reit­hal­tung von Ver­trags­un­ter­la­gen in deut­scher Spra­che gemäß § 2 Abs.3 AEntG hielt der EuGH für ver­ein­bart mit den Vor­ga­ben des Art.49 EG. Die Pflicht zur Be­reit­hal­tung von Ver­trags­un­ter­la­gen in deut­scher Spra­che die­ne ei­nem im All­ge­mein­in­ter­es­se lie­gen­den Ziel, nämlich dem so­zia­len Schutz der Ar­beit­neh­mer auf dem Bau und der ef­fek­ti­ven Kon­trol­le die­ses so­zia­len Schut­zes durch die Behörden. Hätten die­se nicht die Möglich­keit, auf deutsch ver­fass­te Ar­beits­pa­pie­re ein­zu­se­hen, könn­ten die­se die er­for­der­li­chen Kon­trol­len nicht am Beschäfti­gungs­ort durchführen.

In ei­nem Punkt al­ler­dings gab der EuGH der Kom­mis­si­on recht, nämlich dar­in, dass die für ausländi­sche Leih­ar­beit­ge­ber gemäß § 3 Abs.2 AEntG gel­ten­de Pflicht, die Behörden auch über den kon­kre­ten Ort der Beschäfti­gung des Leih­ar­beit­neh­mers, d.h. bei Bau­leis­tun­gen über die je­wei­li­ge Bau­stel­le zu in­for­mie­ren, ei­ne nicht ge­recht­fer­tig­te Dis­kri­mi­nie­rung ausländi­scher Un­ter­neh­men dar­stel­le, so dass hier ein Ver­s­toß ge­gen § 49 EG vor­lie­ge.

Das Ur­teil des EuGH vom 18.07.2007 hat zur Fol­ge, dass die we­ni­ge Ta­ge zu­vor, nämlich am 16.07.2007 er­las­se­ne Ver­ord­nung über Mel­de­pflich­ten nach dem Ar­beit­neh­mer-Ent-sen­de­ge­setz (Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz-Mel­de­ver­ord­nung – AEntG­MeldV) ge­gen eu­ropäisches Recht verstößt, da sie un­ter an­de­rem die Ein­zel­hei­ten der ein­satz­ort­be­zo­ge­nen Mel­dun­gen re­gelt, die ausländi­sche Leih­ar­beit­ge­ber gemäß § 3 Abs.2 AEntG zu ma­chen ha­ben (§ 1 Abs.2 AEntG­MeldV).

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Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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