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Neun Mo­na­te All­ge­mei­nes Gleich­be­hand­lungs­ge­setz

Ers­te Er­fah­run­gen seit In­kraft­tre­ten des All­ge­mei­nen Gleich­be­hand­lungs­ge­set­zes: Ant­wort der Bun­des­re­gie­rung, vom 21.05.2007, auf die Klei­ne An­fra­ge der Ab­ge­ord­ne­ten Vol­ker Beck (Köln), Ir­min­gard Schewe-Ge­rigk, Brit­ta Ha­ßel­mann, wei­te­rer Ab­ge­ord­ne­ter und der Frak­ti­on BÜND­NIS 90 / DIE GRÜ­NEN

Nach­dem das All­ge­mei­ne Gleich­be­hand­lungs­ge­setz (AGG) mitt­ler­wei­le seit ei­nem Drei­vier­tel­jahr in Kraft ist, meh­ren sich die kri­ti­schen Stel­lung­nah­men.

Als Bei­spiel sei hier ei­ne Klei­ne An­fra­ge der Bun­des­tags­frak­ti­on Bünd­nis 90/Die Grü­nen an die Bun­des­re­gie­rung vom 27.04.2007 ge­nannt (BT Drs. 16/5204).

In die­ser An­fra­ge wird un­ter an­de­rem dar­über be­rich­tet, dass auf dem "Se­min­ar­markt" Ver­bän­de, Bil­dungs­ein­rich­tun­gen und ei­ni­ge Ju­ris­ten ver­such­ten, mit Kur­sen über das AGG "Geld zu ver­die­nen", in­dem sie ins­be­son­de­re im Be­reich des Ar­beits­rech­tes "un­ge­recht­fer­tig­te Ängs­te" schür­ten. In die­sem Zu­sam­men­hang wird die Bun­des­re­gie­rung da­nach be­fragt, ob sie Kennt­nis dar­über ha­be, dass Fehl­in­for­ma­tio­nen über das AGG ver­brei­tet wür­den, "um das AGG zu dis­kre­di­tie­ren oder Geld mit Kur­sen über das AGG zu ver­die­nen".

In ih­rer Ant­wort vom 18.05.2007 (BT Drs. 16/5382) teil­te die Bun­des­re­gie­rung mit, ihr sei über ge­ziel­te Fehl­in­for­ma­tio­nen nichts be­kannt. Es ge­be wie bei je­dem an­de­ren Ge­setz so auch beim AGG un­ter­schied­li­che An­sich­ten über die Aus­le­gung ein­zel­nen Vor­schrif­ten. Im üb­ri­gen sei es Sa­che der neu ge­schaf­fe­nen An­ti­dis­kri­mi­nie­rungs­stel­le des Bun­des (ADS), über das AGG zu in­for­mie­ren.

Die ADS neh­me die­se Auf­ga­be auf un­ab­hän­gi­ge Wei­se wahr. Die Re­gie­rung ge­he da­von aus, dass die Öf­fent­lich­keits­ar­beit der ADS auch all­ge­mei­ne In­for­ma­tio­nen von Bür­gern zu In­halt und An­wen­dungs­be­reich des AGG um­fas­se. Die ADS be­fin­de sich noch in der Auf­bau­pha­se, die vor­aus­sicht­lich erst im Som­mer 2007 end­gül­tig ab­ge­schos­sen sein wer­de.

Die hier in der Klei­nen An­fra­ge kol­por­tier­te Ge­schäf­te­ma­che­rei mit dem AGG ist ein ver­brei­te­tes Ne­ga­tiv­kli­schee, das in Ein­zel­fäl­len so­gar be­rech­tigt sein mag. Nicht zu über­se­hen ist al­ler­dings auch, dass vie­le Ein­zel­re­ge­lun­gen des AGG - et­wa zum The­ma der ge­schlechts­be­zo­ge­nen Dis­kri­mi­nie­rung oder der Dis­kri­mi­nie­rung be­hin­der­ter Men­schen - be­reits lan­ge vor In­kraft­tre­ten des Ge­set­zes gal­ten, so dass das AGG in die­sen wich­ti­gen Be­rei­chen nicht sub­stan­ti­ell neu ist.

Un­se­re Kanz­lei hat seit In­kraft­tre­ten des AGG zahl­rei­che In­for­ma­ti­ons­ver­an­stal­tun­gen für Un­ter­neh­men un­ter­schied­li­cher Grö­ße durch­ge­führt. Der Kennt­nis­stand vie­ler Ar­beit­ge­ber ist un­ab­hän­gig von der Grö­ße des Un­ter­neh­mens oft un­zu­rei­chend.

Be­son­ders bei Stel­len­aus­schrei­bun­gen und bei der Ge­stal­tung von Fra­gen in Be­wer­bungs­ver­fah­ren herrscht viel­fach noch Ge­dan­ken­lo­sig­keit. Weit­ge­hend un­be­kannt ist, in wel­chem Um­fang und war­um über­haupt Mit­ar­bei­ter ge­schult wer­den soll­ten.

Was die "Ge­schäf­te­ma­che­rei" an­geht, so ha­ben viel­leicht we­ni­ger An­wäl­te und du­bio­se Ak­teu­re auf dem "Se­min­ar­markt" als viel­mehr Ver­si­che­run­gen An­lass, sich an die Na­se zu fas­sen: Mitt­ler­wei­le wer­ben näm­lich ei­ni­ge Rechts­schutz­ver­si­che­run­gen mit AGG-Po­li­cen für Un­ter­neh­men. Die­se sol­len sämt­li­che mit dem AGG ver­bun­de­ne Ri­si­ken ab­de­cken, wo­bei das AGG fälsch­lich als un­kal­ku­lier­ba­res Ri­si­ko für Un­ter­neh­men dar­ge­stellt wird.

Ei­ne sol­che Angst­ma­che­rei ist un­be­grün­det. Un­ter­neh­men, die sich - ins­be­son­de­re im Rah­men von Schu­lun­gen - mit dem AGG aus­ein­an­der­ge­setzt ha­ben, tra­gen kei­ne un­kal­ku­lier­ba­ren Ri­si­ken.

Bei der Gel­tend­ma­chung von Scha­dens­er­satz- und Gel­dent­schä­di­gungs­an­sprü­chen ste­hen nicht neu­tra­le Stel­len­aus­schrei­bun­gen und of­fen­sicht­lich dis­kri­mi­nie­ren­de Fra­gen im Vor­stel­lungs­ge­spräch, et­wa nach der Staats­an­ge­hö­rig­keit, nach wie vor im Vor­der­grund. Auch Al­ters­kor­ri­do­re oder For­mu­lie­run­gen wie "jun­ges Team" sind im­mer noch in Stel­len­an­zei­gen zu fin­den und füh­ren dann zu Pro­ble­men.

Im Üb­ri­gen tre­ten die Ar­beits­ge­rich­te Ver­su­chen ei­nes "AGG-Hop­ping" zu­recht en­er­gisch ent­ge­gen: Die miss­bräuch­li­che Be­ru­fung auf das AGG zu dem al­lei­ni­gen Zweck des "Ab­kas­sie­rens" ei­ner Ent­schä­di­gung, vor al­lem mit Hil­fe von Schein­be­wer­bun­gen auf Stel­len­an­zei­gen, die in dis­kri­mi­nie­ren­der Wei­se ein be­stimm­tes Ge­schlecht des Be­wer­bers oder ein be­stimm­tes er­wünsch­tes Al­ter vor­aus­set­zen, wird be­son­ders kri­tisch ge­prüft.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 30. Dezember 2013

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