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Streik bei der Deut­schen Bahn

Die Deut­sche Bahn AG ist mit ho­hen Lohn­for­de­run­gen ih­rer ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­schäf­tig­ten kon­fron­tiert: Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) ver­langt ei­nen ei­gen­stän­di­gen Ta­rif­ver­trag ("Fahr­per­so­nal­ta­rif­ver­trag - FPTV") und er­heb­li­che Lohn­er­hö­hun­gen

16.07.2007. Nach­dem die Deut­sche Bahn AG für das Ge­schäfts­jahr 2006 Re­kord­zah­len ver­kün­den konn­te und DB-Chef Hart­mut Meh­dorn dar­auf­hin die Ab­sicht er­klär­te, be­reits 2008 an die Bör­se ge­hen zu wol­len, sieht sich das Un­ter­neh­men nun mit ho­hen Lohn­for­de­run­gen ih­rer ge­werk­schaft­lich or­ga­ni­sier­ten Be­schäf­tig­ten kon­fron­tiert, de­nen die­se mitt­ler­wei­le mit Warn­streiks Nach­druck ver­lei­hen.

Wäh­rend die Ge­werk­schaf­ten Trans­net und GDBA, die Ver­ei­ni­gung der bei der DB tä­ti­gen Be­am­ten, für ih­re Mit­glie­der "nur" sie­ben Pro­zent, min­des­tens je­doch 150,00 EUR mehr Lohn und Ge­halt pro Mo­nat for­dern, ver­langt die klei­ne­re, da­für aber ag­gres­si­ve­re Ge­werk­schaft Deut­scher Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (GDL) für die Stre­cken­lo­ko­mo­tiv­füh­rer ei­nen ei­gen­stän­di­gen Ta­rif­ver­trag ("Fahr­per­so­nal­ta­rif­ver­trag - FPTV").

Au­ßer­dem möch­te die GDL ein auf­ge­bes­ser­tes Mo­nats­ge­halt von 2.500,00 bis 2.999,74 EUR. Der­zeit ver­die­nen die Lok­füh­rer 1.970,00 bis 2.142,00 EUR, so dass die For­de­rung der GDL auf ei­ne durch­schnitt­li­che Er­hö­hung des Lok­füh­rer­ge­hal­tes um über 30 Pro­zent hin­aus­lie­fe. Ne­ben den Lok­füh­rern sol­len auch Zug­be­glei­ter und Ser­vice­mit­ar­bei­ter in Spei­se­wa­gen in den FPTV ein­be­zo­gen wer­den.

Die Deut­sche Bahn AG lehnt ei­nen ei­ge­nen ("Spar­ten"-)Ta­rif­ver­trag mit der GDL der­zeit ab und be­strei­tet die recht­li­che Zu­läs­sig­keit von Streiks, die die GDL als Be­rufs­ge­werk­schaft mit dem Ziel ei­nes sol­chen Ta­rif­ver­trags führt.

Um der GDL Streiks zu un­ter­sa­gen, streng­te die DB be­reits am 02.12.2006, al­so lan­ge vor Be­kannt­wer­den der Ta­rif­for­de­run­gen der GDL, ei­ne Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt Mainz mit dem Ziel an, der GDL Streiks zur Durch­set­zung des FPTV zu un­ter­sa­gen bzw. der­ar­ti­ge Streiks für un­zu­läs­sig zu er­klä­ren. Nach Aus­kunft von Jan Man­fras, des Vor­sit­zen­den der GDL-Orts­grup­pe Han­no­ver, vom 03.07.2007 wur­de der Ver­hand­lungs­ter­min mehr­fach ver­scho­ben, zu­letzt auf den 19.09.2007.

Ob sich die Deut­sche Bahn AG mit ih­rer Rechts­auf­fas­sung vor Ge­richt durch­set­zen kann, ist un­wahr­schein­lich: Be­reits am 02.05.2003 hat­te das Hes­si­sche Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) näm­lich ent­schie­den, dass es der GDL prin­zi­pi­ell er­laubt sei, mit dem Ziel ei­nes Spar­ten­ta­rif­ver­trags zu strei­ken (Hes­si­sches LAG, Ur­teil vom 02.05.2003, 9 Sa­Ga 637/03).

Da­mit hat sich das Hes­si­sche LAG ge­gen die von Ar­beit­ge­ber­ver­bän­den oft ver­tre­te­ne Rechts­mei­nung ge­stellt, der (sei­ner­seits um­strit­te­ne!) "Grund­satz der Ta­rif­ein­heit" las­se es nicht zu, dass klei­ne­re Ge­werk­schaf­ten für die von ih­nen ver­tre­te­nen Be­schäf­tig­ten­grup­pen Son­der- bzw. Spar­ten­ta­rif­ver­trä­ge er­strei­ken dürf­ten.

Der vom BAG ent­wi­ckel­te Grund­satz der "Ta­rif­ein­heit" be­sagt aber le­dig­lich, dass in ei­nem Be­trieb bei mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Ta­rif­ver­trä­gen letzt­lich nur ei­ner zur An­wen­dung kom­men kann. So­mit setzt auch der Grund­satz der Ta­rif­ein­heit die Kon­kur­renz von ech­ten und recht­lich gel­ten­den Ta­rif­ver­trä­gen vor­aus.

Und sol­che Tar­ir­ver­trä­ge muss man dem­ent­spre­chend erst ein­mal als Ge­werk­schaft er­strei­ken dür­fen, denn sonst wä­ren sie nicht in der Welt, je­den­falls nicht als wir­li­cher In­ter­es­sen­aus­gleich der Ta­rif­part­ner, son­dern bes­ten­falls als Ge­fäl­lig­keits­ta­rif­ver­trä­ge.

An­ders ge­sagt: Auch die Ta­rif­ver­trä­ge klei­ne­rer Ge­werk­schaf­ten, de­ren An­wen­dung in be­stimm­ten Be­trie­ben mög­li­cher­wei­se (!) dem um­strit­te­nen "Grund­satz der Ta­rif­ein­heit" zum Op­fer fal­len könn­ten, müs­sen erst ein­mal ab­ge­schlos­sen wer­de, so dass dar­auf ge­rich­te­te Streiks nicht ge­ne­rell un­zu­läs­sig sein kön­nen.

Die Deut­sche Bahn AG lehnt aber nicht nur die For­de­rung der GDL nach ei­nem ei­gen­stän­di­gen FPTV ab, son­dern na­tür­lich auch Lohn­er­hö­hun­gen von über 30 Pro­zent.

Ob­wohl die­se For­de­rung auf den ers­ten Blick ex­trem hoch er­scheint, sind die Ar­gu­men­te der GDL nicht ganz von der Hand zu wei­sen, wenn man sich das der­zei­ti­ge Ge­halt der Lok­füh­rer an­schaut.

Man­fred Schell, Vor­sit­zen­der der GDL, be­grün­det die GDL-For­de­run­gen denn auch mit ei­nem Ver­gleich der Ge­häl­ter von Fach­ar­bei­tern bei BMW in Leip­zig, die 2.574 EUR brut­to ver­dien­ten, mit der der­zei­ti­gen Ge­halts­span­ne der Lo­ko­mo­tiv­füh­rer (1.980,00 bis 2.142,00 EUR).

Der­zeit rin­gen die drei mit­ein­an­der kon­kur­rie­ren­den Ge­werk­schaf­ten und die DB AG nicht nur um ta­rif­li­che For­de­run­gen, son­dern na­tür­lich auch um ihr Bild in der Öf­fent­lich­keit:

Je­der weist die Ver­ant­wor­tung für streik­be­ding­te Ser­vice­aus­fäl­le von sich. Wie auch im­mer der der­zei­ti­ge Ta­rif­kon­flikt ent­schie­den wird: Der Traum von Hö­hen­flü­gen an der Bör­se ist erst ein­mal auf dem Bo­den der Tat­sa­chen an­ge­langt.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 7. September 2016

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