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LAG Köln stärkt zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­seln.

Ver­stößt nur die zwei­te Stu­fe ei­ner zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­klau­sel ge­gen das AGB-Recht, bleibt die ers­te Stu­fe wirk­sam: Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln, Ur­teil vom 16.01.2007 - 9 Sa 1011/06

27.05.2007. Ge­mäß § 307 Abs.2 Nr. 1 Bür­ger­li­ches Ge­setz­buch (BGB) dür­fen die All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen (AGB) des Ar­beit­ge­bers, d.h. das "Klein­ge­druck­te" im Ar­beits­ver­trag, den Ar­beit­neh­mer nicht „un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen“.

Ei­ne sol­che un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung kann z.B. vor­lie­gen, wenn der vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­te Ar­beits­ver­trag ei­ne zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­sel ent­hält, die den Ar­beit­neh­mer zur kurz­fris­ti­gen au­ßer­ge­richt­li­chen Gel­tend­ma­chung of­fe­ner Lohn­an­sprü­che an­hält (ers­te Stu­fe) und im Ab­leh­nungs­fall zu ei­ner sehr kurz­fris­ti­gen Kla­ge­er­he­bung (zwei­te Stu­fe).

Nach ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Köln bleibt die ers­te Stu­fe ei­ner zwei­stu­fi­gen ar­beits­ver­trag­li­chen Aus­schluss­klau­sel al­ler­dings wirk­sam, wenn die zwei­te Stu­fe we­gen ei­ner zu kur­zen Kla­ge­frist un­wirk­sam ist. Zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­seln ent­hal­ten mit an­de­ren Wor­ten zwei ge­trenn­te Fris­ten­re­ge­lun­gen: LAG Köln, Ur­teil vom 16.01.2007, 9 Sa 1011/06.

Enthalten zweistufige arbeitsvertragliche Ausschlussklauseln eine Ausschlussfrist oder zwei?

Aus­schluss­fris­ten be­sa­gen, daß ar­beits­ver­trag­li­che Ansprüche ver­fal­len bzw. endgültig un­ter­ge­hen, wenn sie nicht in­ner­halb ei­ner be­stimm­ten Frist nach Fällig­keit gel­tend ge­macht wer­den; ver­langt wird da­bei zu­meist die Gel­tend­ma­chung in schrift­li­cher Form. Durch Aus­schluss­fris­ten können Ar­beit­neh­mer ih­re Ansprüche auf die ih­nen ei­gent­lich zu­ste­hen­de Be­zah­lung al­lein durch Zeit­ab­lauf für im­mer ver­lie­ren.

Da­bei se­hen ein­stu­fi­ge Aus­schluss­fris­ten vor, daß die Ansprüche bis zu ei­nem be­stimm­ten Zeit­punkt nach Fällig­keit ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei gel­tend ge­macht wer­den müssen. Zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­fris­ten be­stim­men da­ge­gen, daß man nach der (schrift­li­chen) Gel­tend­ma­chung sei­ner For­de­rung (das ist die "ers­te Stu­fe") in­ner­halb ei­ner wei­te­ren Aus­schluss­frist ("zwei­te Stu­fe") Kla­ge beim Ar­beits­ge­richt er­he­ben muß, falls die Ge­gen­sei­te die Leis­tung ver­wei­gert.

Aus­schluss­fris­ten sind oft in ar­beit­ge­ber­sei­tig vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträgen, d.h. im "Klein­ge­druck­ten" des Ar­beits­ver­trags ent­hal­ten. Seit der zu An­fang 2002 in Kraft ge­tre­te­ten Schuld­rechts­re­form sind die ge­setz­li­chen Vor­schrif­ten über die Kon­trol­le von All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen auch (AGB ) auf Ar­beits­verträge an­zu­wen­den. Auch ar­beits­ver­trag­li­che Aus­schluss­klau­seln, die vom Ar­beit­ge­ber ein­sei­tig vor­for­mu­liert wer­den, wer­den seit­dem ei­ner verstärk­ten In­halts­kon­trol­le un­ter­wor­fen.

Ei­ne der ge­setz­li­chen Kon­troll­vor­schrif­ten ist § 307 Abs.2 Nr. 1 BGB. Die­se Vor­schrift be­sagt, daß in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Klau­seln ei­ne „un­an­ge­mes­se­ne Be­nach­tei­li­gung“ des Ver­trags­part­ners des Ver­wen­ders dar­stel­len und da­her im Zwei­fel un­wirk­sam sind, wenn sie we­sent­li­che Rech­te oder Pflich­ten, die sich aus der Na­tur des Ver­trags er­ge­ben, so ein­schränken, daß die Er­rei­chung des Ver­trags­zwecks gefähr­det ist. Die­se Vor­schrift wird von der Recht­spre­chung der Ar­beits­ge­rich­te auf Aus­schluss­klau­seln an­ge­wandt, falls die in ih­nen ent­hal­te­ne Frist zu kurz be­mes­sen ist.

Frag­lich ist, ob ei­ne zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­sel ins­ge­samt un­wirk­sam ist, wenn die auf der zwei­ten Stu­fe ent­hal­te­ne Frist, d.h. die Frist zur Er­he­bung ei­ner Kla­ge, zu knapp be­mes­sen und da­her we­gen un­an­ge­mes­se­ner Be­nach­tei­li­gung des Ar­beit­neh­mers gemäß § 307 Abs.2 Nr. 1 BGB un­wirk­sam ist.

Hier kann man ei­ner­seits die Mei­nung ver­tre­ten, dass die ge­sam­te Aus­schluss­klau­sel un­wirk­sam sei, da die zwei­te Stu­fe ein nicht ab­trenn­ba­rer Teil der Aus­schluss­klau­sel sei. Man kann aber der ge­gen­tei­li­gen An­sicht sein, die Klau­sel sei teil­bar, so dass die ers­te Stu­fe der Klau­sel, d.h. die Ob­lie­gen­heit zur schrift­li­chen Gel­tend­ma­chung des An­spruchs, auch dann be­ste­hen blei­be, wenn die zwei­te Stu­fe un­wirk­sam sei. Zu die­ser Fra­ge hat das LAG Köln in ei­ner ak­tu­el­len Ent­schei­dung Stel­lung ge­nom­men.

Der Streitfall: Arbeitnehmer versäumt die erste Stufe der Ausschlussfrist und beruft sich auf die Unwirksamkeit der Klausel, weil die zweite Stufe eine unangemessen kurze Klagefrist enthält

Der Ar­beit­neh­mer klag­te vor dem Ar­beits­ge­richt Köln auf Zah­lung ei­ner ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Prämie.

In ei­ner vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­ver­trags­klau­sel war ge­re­gelt, dass al­le bei­der­sei­ti­gen Ansprüche ver­fal­len soll­ten, wenn sie nicht in­ner­halb von drei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich ge­genüber der an­de­ren Ver­trags­par­tei er­ho­ben würden (ers­te Stu­fe). Auf ei­ner zwei­ten Stu­fe die­ser Aus­schluss­klau­sel war be­stimmt, dass der An­spruch auch dann ver­fal­len soll­te, wenn er im Fal­le sei­ner Ab­leh­nung durch die Ge­gen­par­tei oder im Fal­le ih­res Schwei­gens nicht in­ner­halb ei­nes wei­te­ren Mo­nats nach Ab­leh­nung oder Frist­ab­lauf ge­richt­lich gel­tend ge­macht würde.

Der Ar­beit­neh­mer hielt die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­frist nicht ein, d.h. er mach­te die ein­ge­klag­te Prämie nicht bin­nen drei Mo­na­ten nach Fällig­keit schrift­lich ge­genüber dem Ar­beit­ge­ber gel­tend.

Das Ar­beits­ge­richt Köln wies die Kla­ge mit der Be­gründung ab, dass die ers­te Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel, al­so die schrift­li­che Gel­tend­ma­chung bin­nen drei Mo­na­ten nach Fällig­keit, wirk­sam sei. Die zwei­te Stu­fe der Aus­schluss­klau­sel sei zwar we­gen zu kur­zer Frist­be­mes­sung un­wirk­sam, doch ha­be dies nicht die Un­wirk­sam­keit der ers­ten Stu­fe zur Fol­ge. Hier­ge­gen leg­te der Kläger Be­ru­fung beim Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln ein.

LAG Köln: Verstößt nur die zweite Stufe einer zweistufigen Ausschlussklausel gegen das AGB-Recht, bleibt die erste Stufe wirksam

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln bestätig­te die Ent­schei­dung des Ar­beits­ge­richts Köln, d.h. es wies die Be­ru­fung des Ar­beit­neh­mers zurück. Zur Be­gründung heißt es:

Der An­spruch des Klägers auf Zah­lung der höhe­ren Prämi­en sei zwar ent­stan­den, aber ver­fal­len. Die ver­trag­lich ver­ein­bar­te Aus­schluss- bzw. Ver­fall­sklau­sel sei trotz der gem. § 307 Abs.1 S.1, Abs.2 Nr.1 BGB un­wirk­sa­men zwei­ten Stu­fe bzg. der ers­ten Stu­fe rechts­wirk­sam. Der An­spruch hätte da­her ent­spre­chend den Vor­ga­ben der ers­ten Stu­fe in­ner­halb von drei Mo­na­ten schrift­lich gel­tend ge­macht wer­den müssen.

Da die zwei­stu­fi­ge Klau­sel teil­bar sei, las­se sie sich in ei­nen wirk­sa­men Re­ge­lungs­teil und in ei­nen un­wirk­sa­men tren­nen, oh­ne dass der Sinn des ver­blei­ben­den wirk­sa­men Klau­sel­teils dar­un­ter lei­de. Durch die Strei­chung der zwei­ten Stu­fe blei­be da­her ei­ne übli­che und zulässi­ge ein­zel­ver­trag­li­che ein­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­sel übrig, die nach An­sicht des Lan­des­ar­beits­ge­richt Köln vom Kläger hätte be­ach­tet wer­den müssen.

Fa­zit: Zwei­stu­fi­ge Aus­schluss­klau­seln sind in der Re­gel "teil­bar", d.h. sie ent­hal­ten zwei ge­son­der­te Re­ge­lun­gen. Ei­ne for­mu­lar­ver­trag­lich ver­ein­bar­te Frist von drei Mo­na­ten für die außer­ge­richt­li­che Gel­tend­ma­chung, d.h. das schrift­li­che An­mah­nen ei­ner For­de­rung ist da­bei in Ord­nung. Ei­ne in AGB ent­hal­te­nen Kla­ge­frist von nur ei­nem (!) Mo­nat ist da­ge­gen zu kurz und als zwei­te Stu­fe ei­ner zwei­stu­fi­gen Aus­schluss­frist un­wirk­sam. Die Un­wirk­sam­keit die­ser zwei­ten Stu­fe macht die ers­te Stu­fe (drei­mo­na­ti­ge Frist für das schrift­li­che An­mah­nen ei­ner For­de­rung) aber nicht eben­falls un­wirk­sam.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­schei­nen die­ses Ar­ti­kels, hat der Kläger Re­vi­si­on beim Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ein­ge­legt. Das BAG hat die Re­vi­si­on zurück­ge­wie­sen. Zum Ur­teil des BAG ver­glei­chen Sie bit­te hier:

 

Letzte Überarbeitung: 29. Juni 2016

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