Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

Bun­des­ar­beits­ge­richt er­laubt Streiks um Ta­rif­so­zi­al­plä­ne.

Ge­werk­schaf­ten kön­nen bei Be­triebs­schlie­ßun­gen und Mas­sen­ent­las­sun­gen ak­tiv wer­den und für ta­rif­li­che Re­ge­lun­gen strei­ken: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.04.2007, 1 AZR 252/06

28.04.2007. Nach ei­nem Ur­teil des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) vom De­zem­ber 2006 kön­nen sich Ge­werk­schaf­ten bei Be­triebs­schlie­ßun­gen und Mas­sen­ent­las­sun­gen ein­schal­ten und mit dem Ar­beit­ge­ber ei­nen Fir­men­ta­rif­ver­trag ver­ein­ba­ren, der als sog. "Ta­rif­so­zi­al­plan die Fol­gen für die be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer ab­mil­dert.

Dass in sol­chen Fäl­len zu­gleich auch ei­ne Be­trieb­s­än­de­rung vor­liegt und dass da­her ne­ben der Ge­werk­schaft der Be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plan aus­han­deln kann, än­dert nichts an der recht­li­chen Zu­läs­sig­keit von ta­rif­li­chen Re­ge­lun­gen (BAG, Ur­teil 06.12.2006, 4 AZR 798/05).

Jetzt hat das BAG in ei­ner wei­te­ren Ent­schei­dung nach­ge­legt und klar­ge­stellt, dass die Ge­werk­schaft auch Streiks mit dem Ziel ei­nes Ta­rif­so­zi­al­plans füh­ren kann: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 24.04.2007, 1 AZR 252/06.

Kann die Gewerkschaft für Tarifsozialpläne streiken?

Kommt es zu Be­triebs­sch­ließun­gen oder zu Mas­sen­ent­las­sun­gen, kann der Be­triebs­rat auf der Grund­la­ge von § 111 und § 112 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) den Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans ver­lan­gen und ggf. un­ter Ein­schal­tung der Ei­ni­gungs­stel­le er­zwin­gen.

Ty­pi­sche Ge­genstände von So­zi­alplänen sind Ansprüche auf Ab­fin­dun­gen für Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­platz nicht er­hal­ten wer­den kann, Um­zugs­bei­hil­fen für Ar­beit­neh­mer, de­ren Ar­beits­platz nur bei ei­nem Orts­wech­sel ge­ret­tet wer­den kann oder Maßnah­men der be­ruf­li­chen Qua­li­fi­zie­rung.

In den letz­ten Jah­ren schal­ten sich bei größeren Be­triebs­sch­ließun­gen zu­neh­mend die Ge­werk­schaf­ten ein und ver­han­deln ne­ben dem Be­triebs­rat, in dem sie natürlich auch maßgeb­lich ver­tre­ten sind, über die­sel­ben Re­ge­lungs­ge­genstände, über die So­zi­al­plan­ver­hand­lun­gen geführt wer­den (könn­ten), al­ler­dings mit dem Ziel, ei­nen Ta­rif­ver­trag ab­zu­sch­ließen.

Die recht­li­che Zulässig­keit sol­cher "Ta­rif­so­zi­alpläne" wird von der Ar­beit­ge­ber­sei­te in Zwei­fel ge­zo­gen, un­ter an­de­rem mit dem Ar­gu­ment, die Zulässig­keit von Ta­rif­so­zi­alplänen führe auf­grund der mit Ta­rif­strei­tig­kei­ten ver­bun­de­nen Möglich­keit des Streiks zu ei­ner stärke­ren Be­schränkung der un­ter­neh­me­ri­schen Frei­heit als dies bei den oh­ne Streik­dro­hung zu ver­han­deln­den ei­gent­li­chen So­zi­alplänen der Fall sei.

Die Fra­ge der grundsätz­li­chen Zulässig­keit von Ta­rif­so­zi­alplänen hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt be­reits im De­zem­ber 2006 (Ur­teil 06.12.2006, 4 AZR 798/05) im Sin­ne der Ge­werk­schaf­ten ent­schie­den. In der dies­bezügli­chen Pres­se­mit­tei­lung des Bun­des­ar­beits­ge­richts heißt es:

"Die Ta­rif­ver­trags­par­tei­en sind frei, im Rah­men ih­rer Ta­rif­zuständig­keit ei­nen Ta­rif­ver­trag zu ver­ein­ba­ren, der die so­zia­len und wirt­schaft­li­chen Fol­gen ei­ner Be­triebs­teil­sch­ließung für die da­von be­trof­fe­nen Ar­beit­neh­mer aus­gleicht oder mil­dert. Hier­an sind sie durch die et­wa von Rechts we­gen eröff­ne­te Möglich­keit des Be­triebs­rats oder Per­so­nal­rats und des Ar­beit­ge­bers, ei­nen So­zi­al­plan ab­zu­sch­ließen, nicht ge­hin­dert."

Nun­mehr hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt über die An­schluss­fra­ge zu ent­schei­den, ob auch Streiks zum Zwe­cke der Er­zwin­gung ei­nes Ta­rif­so­zi­al­plans recht­lich zulässig sind.

Der Streit­fall: IG Me­tall ber­streikt die Hei­del­ber­ger Druck­ma­schi­nen AG, um ei­nen Ta­rif­so­zi­al­plan für 500 ent­las­se­ne Ar­beit­neh­mer zu er­zwin­gen

Die Hei­del­ber­ger Druck­ma­schi­nen AG (kurz: "Hei­del­ber­ger Druck"), ei­ner der führen­den Her­stel­ler von Druck­ma­schi­nen und da­mit ein Un­ter­neh­men der Me­tall­in­dus­trie, ver­han­del­te mit dem Be­triebs­rat und der IG Me­tall von En­de 2002 bis Ju­ni 2003 über den Ab­schluss ei­nes So­zi­al­plans bzw. über den Ab­schluss ei­nes Ta­rif­ver­trags.

Bei­de Re­ge­lun­gen hat­ten ei­nen ge­plan­ten Ar­beits­platz­ab­bau im Um­fang von über 500 Ar­beitsplätzen zum Ge­gen­stand. Nach Streiks im Kie­ler Werk der Hei­del­ber­ger Druck kam es im Ju­ni 2003 zu ei­ner Ei­ni­gung.

Al­ler­dings mit ei­nem ju­ris­ti­schen Nach­spiel: Der Ar­beit­ge­ber­ver­band Nord­me­tall ver­klag­te die IG Me­tall vor dem Ar­beits­ge­richt Frank­furt und in der Be­ru­fungs­in­stanz vor dem Hes­si­schen Lan­des­ar­beits­ge­richt auf Un­ter­las­sung von Streik­hand­lun­gen zur Er­zwin­gung ei­nes Ta­rif­so­zi­al­plans. Ar­beits­ge­richt Frank­furt und Hes­si­sches Lan­des­ar­beits­ge­richt (Ur­teil vom 02.02.2006, 9 Sa 915/05) wie­sen die Kla­ge ab.BAG:

Sind Ta­rif­so­zi­alpläne recht­lich zulässig, kann die Ge­werk­schaft auch dafür strei­ken

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat die Ur­tei­le der Vor­in­stan­zen bestätigt.

Zur Be­gründung führt das BAG aus, dass das Be­trVG die Re­ge­lungs­be­fug­nis von Ta­rif­ver­trags­par­tei­en nicht ein­schränke. Ty­pi­sche So­zi­al­plan­in­hal­te sind da­her zu­gleich auch ta­rif­lich re­gel­ba­re An­ge­le­gen­hei­ten, so das BAG.

Ist der Ar­beit­ge­ber(ver­band) zum Ab­schluss ei­nes ent­spre­chen­den Ta­rif­ver­trags nicht be­reit, darf die Ge­werk­schaft strei­ken. Die Ge­werk­schaf­ten können mit dem Streik auch sehr weit­ge­hen­de Ta­rif­for­de­run­gen ver­fol­gen. Der Um­fang ei­ner Streik­for­de­rung, die auf ein ta­rif­lich re­gel­ba­res Ziel ge­rich­tet ist, un­ter­liegt we­gen der durch Art. 9 Abs. 3 Grund­ge­setz (GG) gewähr­leis­te­ten Ko­ali­ti­ons­frei­heit und im In­ter­es­se der Funk­ti­onsfähig­keit der Ta­rif­au­to­no­mie kei­ner ge­richt­li­chen Kon­trol­le.

Fa­zit: Ge­werk­schaf­ten dürfen bei Be­triebs­sch­ließun­gen und bei Mas­sen­ent­las­sun­gen Ta­rif­so­zi­alpläne for­dern und sie dürfen dafür strei­ken. Ne­ben­her kann der Be­triebs­rat ei­nen So­zi­al­plans ver­lan­gen und ggf. un­ter Ein­schal­tung der Ei­ni­gungs­stel­le er­zwin­gen, denn in sol­chen Fällen liegt ei­ne Be­triebsände­rung vor.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 25. April 2015

Bewertung: Bun­des­ar­beits­ge­richt er­laubt Streiks um Ta­rif­so­zi­al­plä­ne. 5.0 von 5 Sternen (1 Bewertung)

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880