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An­spruch auf Al­ters­teil­zeit im Block­mo­dell

"Über­for­de­rungs­klau­sel" des Al­ters­teil­zeit­ge­set­zes be­rech­tigt Ar­beit­ge­ber nur zu Stich­tags­re­ge­lung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 09.02.2010, 14 Sa 26/09
01.06.2010. Bei der Al­ters­teil­zeit im Block­mo­dell ha­ben Ar­beit­neh­mer die Mög­lich­keit, zu­nächst in Voll­zeit zu re­du­zier­tem Ge­halt zu ar­bei­ten, um dann ei­nen eben­so lan­gen Zeit­raum ge­gen Be­zah­lung frei­ge­stellt zu wer­den. Auf die­se Wei­se ist fak­tisch ein Vor­zei­ti­ger Über­gang in die Ren­te mög­lich.

In ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg zu ent­schei­den­den Fall hat­te der Ar­beit­ge­ber ge­gen den ta­rif­li­chen An­spruch ei­nes Ar­beit­neh­mers auf Al­ters­teil­zeit ein­ge­wandt, dass er schon mit zu vie­len an­de­ren Be­schäf­tig­ten Al­ters­teil­zeit­ver­trä­ge ab­ge­schlos­sen ha­be und sich da­bei auf die so ge­nann­te Über­for­de­rungs­klau­sel des Al­ters­teil­zeit­ge­set­zes be­ru­fen, nach der ein Ar­beit­ge­ber in der Ent­schei­dung, Al­ters­teil­zeit­ver­trä­ge ab­zu­schlie­ßen, ab ei­ner be­stimm­ten Quo­te frei be­lei­ben muss.

War­um der Ar­beit­ge­ber mit die­ser Ar­gu­men­ta­ti­on un­ter­lag, be­ant­wor­tet das LAG: LAG Ba­den-Würt­tem­berg, Ur­teil vom 09.02.2010, 14 Sa 26/09.

Altersteilzeit und Überforderungsklausel

Das Al­ters­teil­zeit­ge­setz (ATZG) will ei­nen ver­ein­fach­ten frühzei­ti­gen Über­gang in den Ru­he­stand er­leich­tern, in dem Al­ters­teil­zeit­mo­del­le sub­ven­tio­niert wer­den.

Un­ter be­stimm­ten Vor­aus­set­zun­gen gewährt die Bun­des­agen­tur für Ar­beit da­nach Sub­ven­tio­nen, wenn Ar­beit­neh­mer, die das 55. Le­bens­jahr voll­endet ha­ben, mit ih­rem Ar­beit­ge­ber Teil­zeit ver­ein­ba­ren.

Be­son­ders at­trak­tiv für vie­le Ar­beit­neh­mer ist da­bei die so ge­nann­te Al­ters­teil­zeit im Block­mo­dell. Da­nach ar­bei­ten die Ar­beit­neh­mer zu­meist meh­re­re Jah­re Voll­zeit zu ei­nem re­du­zier­ten Ge­halt und wer­den im An­schluss ge­gen Be­zah­lung die glei­che Zeit ge­gen Be­zah­lung frei­ge­stellt. Die Vergütung wird da­bei durch den Ar­beit­ge­ber, fi­nan­ziert von der Bun­des­agen­tur für Ar­beit, auf­ge­stockt.

In vie­len Be­rei­chen re­geln Ta­rif­verträge, un­ter wel­chen Umständen Ar­beit­neh­mer Al­ters­teil­zeit ver­ein­ba­ren können oder so­gar ei­nen An­spruch hier­auf ha­ben. Für den öffent­li­chen Dienst ist dies et­wa der Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Al­ters­teil­zeit (TV ATZ), des­sen grundsätz­li­che Fort­gel­tung bei der letz­ten Ta­rif­run­de ver­ein­bart wur­de.

Al­ler­dings enthält § 3 Abs. 1 Nr.3 ATZG, der sich ei­gent­lich mit den Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne Sub­ven­tio­nie­rung der Al­ters­teil­zeit be­fasst, ei­ne so ge­nann­te „Über­for­de­rungs­klau­sel“. Da­nach muss der Ar­beit­ge­ber in sei­ner Ent­schei­dung, ob er Al­ters­teil­zeit­verträge ab­sch­ließt, frei blei­ben, wenn er be­reits mit mehr als fünf Pro­zent der Beschäftig­ten des Be­trie­bes ei­nen Al­ters­teil­zeit­ver­trag ab­ge­schlos­sen hat.

Um die Fra­ge, wie die­se Re­ge­lung zu ver­ste­he ist, geht es in ei­ner Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richts (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg (Ur­teil vom 09.02.2010, 14 Sa 26/09).

Der Fall des Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg: Arbeitgeber lehnt Antrag auf Altersteilzeit im Blockmodell ab unter Berufung auf die Überforderungsklausel des ATZG

Ein über 60jähri­ger Di­plom­che­mi­ker war in ei­ner For­schungs­ein­rich­tung beschäftigt. Auf sein Ar­beits­verhält­nis fan­den die Ta­rif­verträge für den öffent­li­chen Dienst und da­mit auch der Ta­rif­ver­trag zur Re­ge­lung der Al­ters­teil­zeit (TV ATZ) An­wen­dung.

Nach den Re­ge­lun­gen des TV ATZ erfüll­te der Di­plom­che­mi­ker al­le Vor­aus­set­zun­gen für ei­nen An­spruch auf Al­ters­teil­zeit und be­an­trag­te des­halb Al­ter­teil­zeit im Block­mo­dell. Nach ei­ni­gem Hin und Her bezüglich des Zeit­punkts, zu dem ein sol­cher An­trag nach Auf­fas­sung des Ar­beit­ge­bers ge­stellt wer­den muss­te, lehn­te der Ar­beit­ge­ber den An­trag schließlich mit der Be­gründung ab, dass schon mehr als fünf Pro­zent der Beschäftig­ten ei­nen Al­ters­teil­zeit­ver­trag ver­ein­bart hätten, so dass we­gen der „Über­for­de­rungs­klau­sel“ des ATZG ein An­spruch des Di­plom­che­mi­kers nicht mehr be­stand.

Da­ge­gen klag­te der Di­plom­che­mi­ker vor dem Ar­beits­ge­richt Karls­ru­he und ge­wann (Ur­teil vom 17.04.2009, 11 Ca 28/08).

Landesarbeitsgerichts Baden-Württemberg: Überforderungsklausel des ATZG berechtigt nur zu Stichtagsregelung

Auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt Ba­den-Würt­tem­berg be­kam der Di­plom­che­mi­ker Recht. Nach Auf­fas­sung des LAG hat­te der Di­plom­che­mi­ker ei­nen An­spruch auf Al­ters­teil­zeit.

Der Ar­beit­ge­ber hat­te die Über­for­de­rungs­klau­sel des ATZG nämlich nach An­sicht des LAG falsch ver­stan­den. Bei Über­schrei­tung der dort ge­nann­te Quo­te ist der Ar­beit­ge­ber nämlich nicht be­rech­tigt, Anträge von Ar­beit­neh­mern auf Al­ters­teil­zeit ab­zu­leh­nen, so das LAG.

Viel­mehr räumt die Re­ge­lung dem Ar­beit­ge­ber die Möglich­keit ein, ei­ne Stich­tags­re­ge­lung ein­zuführen, wenn die frag­li­che Quo­te über­schrit­ten ist. Bis zu die­sem Stich­tag be­steht ein An­spruch auf Al­ters­teil­zeit wei­ter­hin für al­le Ar­beit­neh­mer, die hierfür die ta­rif­li­chen Vor­aus­set­zun­gen erfüllen, erst nach der Stich­tags­re­ge­lung entfällt ein An­spruch.

Fa­zit: § 1 Abs. 1 Nr. 3 Al­ters­teil­zeit­ge­setz ermöglicht dem Ar­beit­ge­ber nur, bei ei­ner Über­schrei­tung der Quo­te ge­ne­rell für al­le Beschäftig­ten des Be­trie­bes für die Zu­kunft den Ab­schluss von Al­ters­teil­zeit­verträgen nicht mehr vor­zu­se­hen, gibt ihm je­doch kein Recht, oh­ne ei­ne Stich­tags­re­ge­lung in­di­vi­du­el­le Ansprüche ein­zel­ner Ar­beit­neh­mer ab­zu­leh­nen.

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Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2014

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