Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

An­spruch des Ar­beit­neh­mers auf For­mu­lie­rung sei­nes Zeug­nis­ses durch Pro­zess­ver­gleich

Wer hat die For­mu­lie­rungs­ho­heit?: Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm, Be­schluss vom 04.08.2010, 1 Ta 196/10

19.11.2010. Zeug­nis­se sind aus Ar­beit­neh­mer­sicht sehr wich­tig, weil sie un­ter Um­stän­den für das be­ruf­li­che Fort­kom­men ent­schei­dend sein kön­nen.

Am En­de Ih­res Ar­beits­ver­hält­nis­ses ha­ben sie da­her ge­gen den Ar­beit­ge­ber ei­nen An­spruch auf ein schrift­li­ches Zeug­nis, in dem ne­ben An­ga­ben zu Art und Dau­er der Tä­tig­keit auch sol­che zur Leis­tung und zum Ver­hal­ten ge­macht wer­den müs­sen (§ 109 Abs. 1 Ge­wer­be­ord­nung - Ge­wO).

In den letz­ten Jah­ren sind Ar­beit­ge­ber zu­neh­mend da­zu über­ge­gan­gen, den Ar­beit­neh­mer selbst ein sol­ches qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis schrei­ben zu las­sen, um Zeit zu spa­ren und Kon­flik­te zu ver­mei­den. Hier­zu ver­pflich­tet sind sie aber nicht.

Auch wenn das Ar­beits­ver­hält­nis nicht har­mo­nisch en­det, son­dern es bei­spiels­wei­se zu ei­nem Kün­di­gungs­schutz­pro­zess kommt, hat es sich ein­ge­bür­gert, bei ei­ner güt­li­chen Ei­ni­gung zu­gleich dem Zeug­nis­in­halt mit zu re­geln. Ar­beit­neh­mer sind hier gut be­ra­ten, mög­lichst kon­kre­te in­halt­li­che Vor­ga­ben zu ma­chen, um spä­te­re Über­ra­schun­gen zu ver­mei­den und sich ei­ne vor­teil­haf­te recht­li­che Po­si­ti­on zu si­chern.

Dies be­ach­te­te im Aus­gangs­punkt auch ei­ne ehe­ma­li­ge An­ge­stell­te, die mit ih­rem Ar­beit­ge­ber im Rah­men ei­nes ar­beits­ge­richt­li­chen Ver­gleichs ein wohl­wol­len­des, qua­li­fi­zier­tes Zeug­nis ver­ein­bar­te. In der Ab­re­de hieß es un­ter an­de­rem:

"Hin­sicht­lich der Zeug­nis­for­mu­lie­rung er­hält die Klä­ge­rin ein Vor­schlags­recht, wo­bei die Be­klag­te be­reits jetzt wohl­wol­len­de Prü­fung ei­nes von der Klä­ge­rin ein­zu­rei­chen­den Ent­wur­fes und ab­wei­chen nur bei gro­ber Un­rich­tig­keit zu­si­chert."

Der von ihr dar­auf­hin vor­ge­leg­te, mit Su­per­la­ti­ven ge­spick­te Ent­wurf ("au­ßer­or­dent­lich sorg­fäl­tig", "auf höchs­tem Ni­veau", "ganz­heit­li­che Be­treu­ung", "Auf­ga­ben­er­fül­lung ... in be­mer­kens­wert kur­zer Zeit") wur­de vom Ar­beit­ge­ber in in­halt­lich ab­ge­schwäch­ter Form aus­ge­fer­tigt.

Dar­auf­hin lei­te­te die An­ge­stell­te die Zwangs­voll­stre­ckung ein und be­an­trag­te, Ih­ren Ar­beit­ge­ber mit Zwangs­geld, er­satz­wei­se Zwangs­haft, zur Er­tei­lung des ver­ein­bar­ten Ar­beits­zeug­nis­ses an­zu­hal­ten. Da­mit hat­te sie so­wohl vor dem Ar­beits­ge­richt Iser­lohn (Be­schluss vom 22.02.2010, s5 Ca 720/09) als auch vor dem Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Hamm (Be­schluss vom 04.08.2010, 1 Ta 196/10) Er­folg.

Das LAG äu­ßer­te sich zwar kri­tisch über die auf den ers­ten Blick wi­der­sprüch­lich er­schei­nen­de Ver­gleichs­for­mu­lie­rung, in der ei­ner­seits von ei­nem Recht und ei­nem Ent­wurf die Re­de ist, aber an­de­rer­seits ein be­stimm­ter In­halt zu­ge­si­chert wird. Im Er­geb­nis war für das Ge­richt aber klar, dass der Schwer­punkt der Re­ge­lung in der Zu­si­che­rung lag. Da die Än­de­run­gen eher un­er­heb­lich wa­ren, mein­te es auch, ih­nen lä­ge kei­ne gro­be Un­rich­tig­keit des Ent­wurfs zu Grun­de. Der Ar­beit­ge­ber war da­her an die­sen ge­bun­den.

Fa­zit: Die Ent­schei­dung zeigt, wie wich­tig kor­rek­te For­mu­lie­run­gen in ei­nem ge­richt­li­chen Ver­gleich sind. Denn durch ei­ne ge­eig­ne­te Zeug­nis­klau­sel in ei­nem Ver­gleich er­hal­ten Ar­beit­neh­mer, was sie nor­ma­ler­wei­se nicht ha­ben: Ei­nen An­spruch auf ein Ar­beits­zeug­nis nach Wunsch.

Bei der For­mu­lie­rung des Zeug­nis­ses soll­te man trotz­dem dar­auf ach­ten, die Wor­te rea­lis­tisch zu wäh­len. Denn auch ein "zu gu­tes" Zeug­nis kann Per­so­na­ler skep­tisch ma­chen.

Nä­he­re In­for­ma­tio­nen fin­den sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 16. September 2016

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880