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Ar­beit­ge­ber dür­fen „Spit­zen­ver­die­ner“ von der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­neh­men

Ver­gü­tun­gen, die weit über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen, er­mög­li­chen ei­ne Ei­gen­vor­sor­ge und recht­fer­ti­gen den Aus­schluss von der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 21.08.2007, 3 AZR 269/06

02.01.2008. Das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil den Spiel­raum für die Aus­ge­stal­tung von Be­triebs­ren­ten­sys­te­men er­wei­tert.

Ver­gü­tun­gen, die weit über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen, er­mög­li­chen ei­ne Ei­gen­vor­sor­ge und recht­fer­ti­gen den Aus­schluss von ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung.

Ein Ver­stoß ge­gen den Grund­satz der Gleich­be­hand­lung liegt dann nicht vor: BAG, Ur­teil vom 21.08.2007, 3 AZR 269/06.

Ist ein deutlich über dem Tarifniveau liegendes Gehalt ein Sachgrund für den Ausschluss von der Betriebsrente?

Grundsätz­lich ist der Ar­beit­ge­ber ver­pflich­tet, bei Lohn­wel­len und der Aus­ge­stal­tung ei­ner be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung den ar­beits­recht­li­chen Gleich­be­hand­lungs­grund­satz zu be­ach­ten.

Das be­deu­tet, dass der Ar­beit­ge­ber ein­zel­ne Ar­beit­neh­mer oder Ar­beit­neh­mer­grup­pen nicht oh­ne sach­li­chen Grund ("willkürlich") von Begüns­ti­gun­gen aus­zu­neh­men darf.

Frag­lich ist, ob bzw. un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Vergütung, die er­heb­lich über dem Durch­schnitts­lohn der Be­leg­schaft liegt, und/oder ob ei­ne dem­ent­spre­chen­de Ein­rei­hung in ein an­de­res Vergütungs­sys­tem es recht­fer­tigt, ei­nen Ar­beit­neh­mer von Leis­tun­gen der be­trieb­li­chen Al­ters­ver­sor­gung aus­zu­neh­men. An die­ser Stel­le stoßen Ge­stal­tungs­frei­heit des Ar­beit­ge­bers und ar­beits­recht­li­cher Gleich­be­hand­lungs­grund­satz auf­ein­an­der.

Der Streitfall: Auf Baustellen im Ausland eingesetzter Angestellter mit einem Gesamtgehalt von über 13.000 DM wird von der betrieblichen Altersversorgung ausgeschlossen

Der Kläger ist seit Ju­ni 1978 aus­sch­ließlich auf Aus­lands­bau­stel­len im Rah­men je­weils be­fris­te­ter „Aus­lands­dienst­verträge“ bei dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber beschäftigt. Sei­ne mo­nat­li­che Grund­vergütung be­trug 11.000,- DM zuzüglich ei­ner Aus­lands­zu­la­ge in Höhe von 2.090,- DM und lag da­mit er­heb­lich über dem den In­lands­mit­ar­bei­tern ge­zahl­ten Ar­beits­ent­gelt.

Wei­ter­hin über­nahm die Be­klag­te die im Aus­land an­fal­len­den Steu­ern und So­zi­al­ab­ga­ben, stell­te kos­ten­los ei­ne Un­ter­kunft zur Verfügung und ver­si­cher­te die Aus­lands­mit­ar­bei­ter ge­gen Ar­beits­unfälle und Be­rufs­krank­hei­ten. Wei­ter­ge­hen­de Ansprüche auf So­zi­al­leis­tun­gen wa­ren im Ar­beits­ver­trag aus­ge­schlos­sen wor­den.

Bei der Be­klag­ten be­stand seit 1976 ei­ne Ver­sor­gungs­ord­nung für Ar­beit­neh­mer, auf de­ren Ar­beits­verhält­nis das deut­sche Ta­rif­recht An­wen­dung fin­det. Zum 01.01.1995 trat ei­ne neue Ver­sor­gungs­ord­nung in Kraft, die im Mai 1995 zu ei­ner „All­ge­mei­nen Be­triebs­ver­ein­ba­rung und Ver­sor­gungs­ord­nung“ zu­sam­men­ge­fasst wur­de.

Der Gel­tungs­be­reich der Be­triebs-ver­ein­ba­rung ist da­bei auf Mit­ar­bei­ter im In­land be­schränkt wor­den. Der Kläger be­rief sich auf den Gleich­heits­grund­satz und ver­trat die An­sicht, er ha­be auch als Aus­lands­mit­ar­bei­ter An­spruch auf die Ver­sor­gungs­leis­tun­gen der Be­klag­ten. Je­den­falls müss­ten die Gründe für ei­ne Dif­fe­ren­zie­rung in der Ver­sor­gungs­ord­nung be­nannt wer­den.

BAG: Vergütungen, die weit über dem Tarifniveau liegen, ermöglichen eine Eigenvorsorge und rechtfertigen den Ausschluss von der betrieblichen Altersversorgung

Die Re­vi­si­on des Klägers zum Bun­des­ar­beits­ge­richt hat­te kei­nen Er­folg. Be­reits in den Vor­in­stan­zen wur­de die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

Ein An­spruch von Spit­zen­ver­die­nern auf ei­ne be­trieb­li­che Al­ters­ver­sor­gung lässt sich nach der Ent­schei­dung aus dem Gleich­be­hand­lungs­grund­satz nicht her­lei­ten.

Ei­ne Un­gleich­be­hand­lung von Mit­ar­bei­tern in ver­schie­de­nen Vergütungs­sys­te­men ist durch die er­heb­li­chen Vergütungs­un­ter­schie­de ge­recht­fer­tigt. Vergütun­gen, die weit über dem Ta­rif­ni­veau lie­gen, ermögli­chen es dem Ar­beit­neh­mer, oh­ne wei­te­res Ei­gen­vor­sor­ge für das Al­ter zu be­trei­ben. Dies gilt ins­be­son­de­re dann, wenn sich die Ei­gen­beiträge auf­grund der ge­rin­gen Höhe der zu er­war­ten­den be­trieb­li­chen Al­ters­ren­te im über­schau­ba­ren Rah­men hal­ten.

Er­for­der­lich ist zusätz­lich, dass die Ein­grup­pie­rung in ver­schie­de­ne Vergütungs­sys­te­me ob­jek­tiv nach­voll­zieh­bar und ein­leuch­tend ist.

Der Dif­fe­ren­zie­rungs­grund muss sich hin­ge­gen nicht ex­pli­zit aus der Ver­sor­gungs­ver­ord­nung er­ge­ben. Maßgeb­lich ist al­lein, ob die Un­gleich­be­hand­lung in der Sa­che ge­recht­fer­tigt ist.

Auch ei­ne Auf­split­tung des Ent­gelts, aus dem sich die Zah­lung ei­nes Be­stand­teils für die Ei­gen­ver­sor­gung er­gibt, ist nach An­sicht des BAG neu­er­dings nicht mehr er­for­der­lich. Das BAG gibt da­mit aus­drück­lich sei­ne frühe­re Recht­spre­chung da­zu auf.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 28. November 2016

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