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Ar­beit­neh­mer kann zur Ar­beit am Sonn­tag ge­zwun­gen wer­den

Bun­des­ar­beits­ge­richt be­stä­tigt Ent­schei­dung der Vor­in­stanz: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08

03.12.2009. Vor ei­ni­ger Zeit hat­te das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg ent­schie­den, dass Ar­beit­neh­mer im All­ge­mei­nen nicht durch Wei­sung ih­res Ar­beit­ge­bers zu Ar­beits­leis­tun­gen an Sonn­ta­gen her­an­ge­zo­gen wer­den kön­nen, falls ei­ne sol­che Ar­beits­pflicht am Sonn­tag nicht aus­nahms­wei­se ar­beits- oder ta­rif­ver­trag­lich aus­ge­schlos­sen ist.

Im Sep­tem­ber 2009 hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die­se Ent­schei­dung nun­mehr be­stä­tigt.

Laut BAG kann ein Ar­beit­neh­mer zur Ar­beit am Sonn­tag ver­pflich­tet wer­den, wenn dies nicht aus­drück­lich an­ders ge­re­gelt ist: BAG, Ur­teil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08.

Erstreckt sich das Weisungsrecht des Arbeitgebers auch auf die Anordnung von Sonntagsarbeit?

Dem Ar­beit­ge­ber steht ge­genüber ei­nem Ar­beit­neh­mer ein Wei­sungs­recht gemäß § 106 Satz 1 Ge­wer­be­ord­nung (Ge­wO) zu. Dies be­deu­tet, dass er An­ord­nun­gen bezüglich In­halt, Ort und Zeit der Ar­beits­leis­tung tref­fen kann, so­weit er da­mit nur den Rah­men der ar­beits­ver­trag­lich oder ta­rif­ver­trag­lich ver­ein­bar­ten Ar­beits­be­din­gun­gen präzi­siert. Die Wei­sung muss „bil­li­gem Er­mes­sen“ ent­spre­chen, d.h. der Ar­beit­ge­ber muss ver­su­chen, die In­ter­es­sen des Ar­beit­neh­mers zu berück­sich­ti­gen.

Das Wei­sungs­recht be­inhal­tet da­mit auch die Be­fug­nis des Ar­beit­ge­bers an­zu­ord­nen, an wel­chen Ta­gen der Ar­beit­neh­mer ar­bei­ten soll, so­fern dies nicht aus­drück­lich im Ar­beits­ver­trag ge­re­gelt ist.

Al­ler­dings ist frag­lich, ob dies bezüglich der An­ord­nung von Sonn­tags­ar­beit an­ders und ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung er­for­der­lich ist, weil der Sonn­tag ein von der Ver­fas­sung be­son­ders geschütz­ter Tag der Ar­beits­ru­he ist, vgl. Art.139 Wei­ma­rer Reichs­ver­fas­sung (WRV) in Verb. mit Art.140 Grund­ge­setz (GG), und des­halb nach den Re­ge­lun­gen des Ar­beits­zeit­ge­set­zes (Arb­ZG) Sonn­tags­ar­beit nur in Aus­nah­mefällen er­laubt ist.

Der Streitfall: Arbeitnehmer wird nach 30jähriger Beschäftigung erstmals zur Sonntagsarbeit herangezogen

In Ar­beits­recht ak­tu­ell 09/090 (Pflicht zur Sonn­tags­ar­beit auch oh­ne ar­beits­ver­trag­li­che Grund­la­ge) be­rich­te­ten wir über ei­ne Ent­schei­dung des Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ba­den-Würt­tem­berg vom 17.07.2008 (9 Sa 20/08), der zu­fol­ge ein Ar­beit­neh­mer per Wei­sung ver­pflich­tet wer­den kann, sonn­tags zu ar­bei­ten, wenn dies­bezüglich kei­ne ab­wei­chen­den Re­ge­lung im Ar­beits­ver­trag ge­trof­fen wor­den war.

Ei­ne der­ar­ti­ge Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zur Sonn­tags­ar­beit hat­te der Ar­beit­ge­ber in die­sem Fall für sei­nen Be­trieb er­wirkt. An­de­rer­seits hat­te der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer im­mer­hin seit 30 Jah­ren sonn­tags nie ar­bei­ten müssen.

In sei­nem Ar­beits­ver­trag war nur die Ar­beit in ei­nem be­stimm­ten Schicht­mo­dell ver­ein­bart, oh­ne dass dort be­stimm­te Ar­beits­ta­ge fest­ge­legt wa­ren. Als der Ar­beit­ge­ber an­ord­ne­te, dass der Ar­beit­neh­mer auch sonn­tags ar­bei­ten soll­te, zog der Ar­beit­neh­mer vor Ge­richt und un­ter­lag.

Bundesarbeitsgericht bestätigt Entscheidung des LAG Baden-Württemberg: Arbeitnehmer muss sonntags arbeiten

Das BAG (Ur­teil vom 15.09.2009, 9 AZR 757/08) hält die An­ord­nung von Sonn­tags­ar­beit für zulässig. Zunächst stellt es fest, dass ein ge­setz­li­ches Ver­bot der Sonn­tags­ar­beit nicht ent­ge­gen­stand, weil der Ar­beit­ge­ber ja ei­ne Aus­nah­me­ge­neh­mi­gung zur Sonn­tags­ar­beit hat­te und auch im Ta­rif­ver­trag kein Ver­bot ver­ein­bart war. Des­halb kam es al­lein auf den Ar­beits­ver­trag des kla­gen­den Ar­beit­neh­mers an und wie zu be­wer­ten war, dass die­ser ei­ne aus­drück­li­che Ver­ein­ba­rung zur Sonn­tags­ar­beit nicht ent­hielt.

Da­zu führt das BAG aus, dass der Ar­beit­ge­ber nor­ma­ler­wei­se ge­ra­de kei­ne in­di­vi­du­el­le Be­schränkung der Ar­beits­zeit mit Ar­beit­neh­mern tref­fen will, da es in sei­nem In­ter­es­se liegt, dass die Beschäftig­ten gleich­zei­tig bzw. auf­ein­an­der ab­ge­stimmt ar­bei­ten.

Dar­aus fol­gert das BAG, dass im Zwei­fel, al­so wenn der Ar­beits­ver­trag kei­ne Re­ge­lung enthält, der Ar­beit­ge­ber in der An­ord­nung, wann ein Ar­beit­neh­mer ar­bei­ten soll, frei ist. Das Recht des Ar­beit­ge­bers, die Ar­beits­zeit fest­zu­le­gen hält das BAG so­gar für ei­nen Kern­be­reich sei­nes Wei­sungs­rechts.

Nur bei kon­kre­ten An­halts­punk­ten, dass et­was an­de­res ge­wollt ist, ist der Ar­beit­ge­ber in sei­nem Recht auf die Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit be­schränkt, so das BAG. Der­ar­ti­ge kon­kre­te An­halts­punk­te fehl­ten vor­lie­gend aber ge­ra­de.

Das BAG folg­te eben­so we­nig der Ar­gu­men­ta­ti­on des kla­gen­den Ar­beit­neh­mers, dass durch die dreißigjähri­ge Pra­xis, nie an Sonn­ta­gen ar­bei­ten zu müssen, das Recht des Ar­beit­ge­bers dies zu ändern be­schränkt sei. Al­lein die lan­ge Dau­er ei­ner be­stimm­ten Ver­trags­pra­xis ver­wehrt dem Ar­beit­ge­ber nicht die Ände­rung die­ser Pra­xis, meint das BAG.

Fa­zit: In Be­trie­ben, in de­nen sonn­tags ge­ar­bei­tet wer­den kann, muss ein Ar­beit­neh­mer al­so da­mit rech­nen, dass auch ihn die Pflicht zur Sonn­tags­ar­beit trifft, wenn dies ar­beits­ver­trag­lich nicht aus­drück­lich aus­ge­schlos­sen ist. Et­was an­de­res gilt al­ler­dings in Be­trie­ben mit ei­nem Be­triebs­rat.

Denn gemäß § 87 Abs. 1 Nr.2 Be­triebs­ver­fas­sungs­ge­setz (Be­trVG) hat der Be­triebs­rat bei der Ver­tei­lung der Ar­beits­zeit auf die ein­zel­nen Ta­ge so­wei hin­sicht­lich Be­ginn und En­de der tägli­chen Ar­beits­zeit ein Mit­be­stim­mungs­recht, so dass ein­sei­ti­ge An­ord­nun­gen durch den Ar­beit­ge­ber hier ver­hin­dert wer­den können.

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Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2014

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