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Ar­beits­ver­trä­ge mit Haus­halts­mit­tel­be­fris­tung bei der Ar­beits­agen­tur

Ar­beits­ver­trä­ge von Hartz-IV-Sach­be­ar­bei­tern kön­nen nicht aus Haus­halts­grün­den be­fris­tet wer­den: Lan­des­ar­beits­ge­richt Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 15.10.2008, 3 Sa 104/08

24.03.2009. Das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein hat in ei­nem ak­tu­el­len Ur­teil ent­schie­den, dass die Be­fris­tung der Ar­beits­ver­trä­ge von Hartz-IV-Sach­be­ar­bei­tern nicht auf ei­ne ent­spre­chen­de Zu­wei­sung von Mit­teln für be­fris­te­te Stel­len im Haus­halt der Bun­des­agen­tur für Ar­beit ge­stützt wer­den kann.

Da­mit kann sich die Bun­des­agen­tur für Ar­beit als Ar­beit­ge­ber nicht auf den Be­fris­tungs­grund der be­fris­te­ten Zu­wei­sung von Haus­halts­mit­teln be­ru­fen, d.h. ei­ne Recht­fer­ti­gung der Be­fris­tung ge­mäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) schei­det aus: LAG Schles­wig-Hol­stein, Ur­teil vom 15.10.2008 (3 Sa 104/08).

Kann die Bundesagentur für Arbeit Sachbearbeiter für die Bearbeitung von Hartz-IV-Fällen befristet einstellen?

Die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses ist im All­ge­mei­nen, d.h. ab­ge­se­hen von den ers­ten zwei Jah­ren ei­ner Beschäfti­gung und der be­fris­te­ten Ein­stel­lung älte­rer Ar­beit­neh­mer, nur bei Vor­lie­gen sach­li­cher Gründe zulässig.

Das Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) nennt hier in sei­nem § 14 Abs. 1 Satz 2 ei­ne Rei­he von Sach­gründen, u.a. den der Be­fris­tung aus haus­halts­recht­li­chen Gründen, der vor al­lem im öffent­li­chen Dienst von Be­deu­tung ist. Nach die­ser Vor­schrift (§ 14 Abs. 1 Satz 2 Nr.7 Tz­B­fG) ist ei­ne Be­fris­tung zulässig, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind und er im Rah­men der für die Mit­tel vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben beschäftigt wird.

Die­se Er­laub­nis gilt nicht nur für Staats­haus­hal­te, son­dern auch für Selbst­ver­wal­tungskörper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts. Ei­ne sol­che Körper­schaft ist z.B. die Bun­des­agen­tur für Ar­beit, de­ren Etat in An­leh­nung an haus­halts­recht­li­che Grundsätze auf­ge­stellt wird.

Streit­fra­ge vie­ler Ge­richts­pro­zes­se war, wel­che An­for­de­run­gen an die Be­weg­gründe des öffent­li­chen „Haus­halts­ge­bers“ zu stel­len sind, der be­stimm­te Mit­tel nur für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se be­reit­stel­len will.

Dem Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zu­fol­ge müssen die für Zeit­verträge zur Verfügung ge­stell­ten Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein (BAG, Ur­teil vom 07.05.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880). Der Haus­halts­ge­ber muss ab­se­hen können, dass die be­fris­tet beschäftig­ten Kräften über­tra­ge­nen Auf­ga­ben nur für ei­ne be­grenz­te Zeit an­fal­len. Außer­dem dürfen beim Ab­schluss ei­nes Zeit­ver­trags im Ein­zel­fall kei­ne Dau­er­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den (BAG, Ur­teil vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA, 2007, 332).

Frag­lich ist, ob sich die Bun­des­agen­tur für Ar­beit bei der be­fris­te­ten Ein­stel­lung von Hartz-IV-Sach­be­ar­bei­tern dar­auf be­ru­fen kann, dass nur vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darf an sol­chen Ar­beits­kräften be­haup­tet, da – an­geb­lich - die Ent­wick­lung der Ar­beits­lo­sen­zah­len rückläufig sei. Mit die­ser Fra­ge hat­te sich das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Schles­wig-Hol­stein in ei­nem Ur­teil vom 15.10.2008 (3 Sa 104/08) zu be­fas­sen.

Der Streitfall: Arbeitsvermittler bei einer zur Arbeitsverwaltung gehörenden Arbeitsgemeinschaft (ARGE) wird mehrfach befristet beschäftigt, zuletzt aus Haushaltsgründen

Der kla­gen­de Ar­beit­neh­mer war als Ar­beits­ver­mitt­ler bei ei­ner zur Ar­beits­ver­wal­tung gehören­den Ar­beits­ge­mein­schaft (AR­GE) be­fris­tet ein­ge­stellt wor­den, wo­bei die Be­fris­tun­gen mehr­fach hin­ter­ein­an­der ge­schal­tet wa­ren. Nach ei­nem dem Ar­beits­ver­trag bei­gefügten „Ver­merk zum be­fris­te­ten Ar­beits­ver­trag“ er­folg­te die zu­letzt ver­ein­bar­te Be­fris­tung auf­grund von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG.

Der Kläger wand­te sich mit Kla­ge vom 05.11.2007 ge­gen die zu­letzt mit Ver­trag vom 26.03.2007 ver­ein­bar­te Be­fris­tung, die das Ar­beits­verhält­nis zum 31.12.2007 be­en­den soll­te. Der Haus­halts­plan der Bun­des­agen­tur wies für das Haus­halts­jahr 2005 un­ter an­de­rem Haus­halts­mit­tel mit der Zweck­be­stim­mung „Vergütun­gen und Löhne der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ aus (Ka­pi­tel 5 Ti­tel 425 02). In An­la­ge 2 zu die­sem Haus­halts­plan heißt es erläuternd (Ti­tel 425 02):

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 >für Auf­ga­ben nach dem SGB II< sind 5000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“

Der Haus­halts­plan 2006 war im we­sent­li­chen gleich­lau­tend. Der Haus­halts­plan 2007 wies un­ter an­de­rem Mit­tel für „Gehälter der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag“ aus (Ka­pi­tel 5 Ti­tel 425 02). Die An­la­ge 2 sah da­bei 5.000 Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Ar­beits­verträge vor. Zusätz­lich soll­ten 4.000 neue Plan­stel­len für den SGB II-Be­reich ge­schaf­fen und Mit­tel ein­ge­plant wer­den.

Ent­spre­chend den für be­fris­te­te Kräfte vor­ge­se­he­nen Haus­halts­mit­teln wur­de auch der Kläger beschäftigt und vergütet. Das Ar­beits­ge­richt (ArbG) Kiel gab der Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge des Ar­beit­neh­mers mit Ur­teil vom 28.01.2008 (öD 2 Ca 1943 b/07) statt. Ge­gen die­se Ent­schei­dung leg­te die Be­klag­te Be­ru­fung zum LAG Schles­wig Hol­stein ein.

LAG Schleswig-Holstein: Arbeitsverträge von Hartz-IV-Sachbearbeitern können nicht aus Haushaltsgründen befristet werden

Das Lan­des­ar­beits­ge­richt wies die Be­ru­fung der Be­klag­ten mit Ur­teil vom 15.10.2008 (3 Sa 104/08) zurück, d.h. es be­ur­teil­te die ver­ein­bar­te Be­fris­tung eben­falls als un­wirk­sam. Die Vor­aus­set­zun­gen von § 14 Abs. 1 Satz 2 Nr. 7 Tz­B­fG sei­en nicht erfüllt.

Ei­ne Be­fris­tung aus Haus­halts­gründen schei­det nach An­sicht des Ge­richts, das da­mit der Recht­spre­chung des BAG folgt, aus, wenn die Mit­tel le­dig­lich all­ge­mein für die Beschäfti­gung von Ar­beit­neh­mern mit be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis­sen be­reit ge­stellt oder wenn dem be­fris­tet beschäftig­ten Ar­beit­neh­mer über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers über­tra­gen wer­den.

Auch aus eu­ro­pa­recht­li­chen Gründen sei ei­ne „Be­fris­tungsmöglich­keit oh­ne tätig­keits­be­zo­ge­ne Zweck­set­zung“ nicht zulässig. Hier be­ruft sich das Ge­richt auf das Ur­teil des Eu­ropäischen Ge­richts­hofs (EuGH) vom 04.07.2006 (Rs. C 212/04).

Ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Zweck­set­zung der Mit­tel für ei­ne nicht nur vorüber­ge­hen­de Auf­ga­be sei die Beschäfti­gung zur Ab­de­ckung ei­nes le­dig­lich vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darfs, z.B. wenn die Ar­beits­men­ge so an­ge­stie­gen sei, dass sie nicht oder nicht zeit­nah durch das verfügba­re Stamm­per­so­nal er­le­digt wer­den könne.

Im vor­lie­gen­den Fall war die aus den haus­halts­recht­li­chen Re­ge­lun­gen der Bun­des­agen­tur er­sicht­li­che Zweck­set­zung dem Ge­richt nicht kon­kret ge­nug, da sie kei­ne zeit­lich be­grenz­te Auf­ga­be ent­hielt. Die For­mu­lie­rung des Haus­halts­plans, „mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wer­de die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird“, stel­le kei­nen hin­rei­chend kon­kre­ten Sach­grund für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er dar. Die Auf­ga­ben nach dem SGB II sei­en viel­mehr dau­er­haf­ter Na­tur.

Auch die An­la­ge 2 zum Haus­halts­plan 2007 bzw. der Haus­halts­ver­merk führt nach An­sicht des LAG zu kei­nem an­de­ren Er­geb­nis, da nicht er­kenn­bar sei, wel­che Tätig­keits­be­rei­che ih­rer Art nach im Be­reich des SGB II nicht dau­er­haft, son­dern nur vorüber­ge­hend an­fal­len soll­ten. Der Haus­halts­ver­merk be­zie­he sich viel­mehr pau­schal auf die dau­er­haf­te Auf­ga­be SGB II und dem Kläger wa­ren Auf­ga­ben über­tra­gen, die der Art nach nicht nur vorüber­ge­hend an­fal­len, son­dern dau­er­haft. Ein vorüber­ge­hen­der An­stieg der Ar­beits­men­ge im SGB II-Be­reich sei nicht ge­ge­ben, da schon der Ar­beits­be­reich selbst nicht hin­rei­chend kon­kret dar­ge­stellt sei.

Außer­dem ver­weist das LAG dar­auf, dass die Ar­beits­lo­sen­zah­len bei der zu­letzt ver­ein­bar­ten Be­fris­tung (2007) rückläufig ge­we­sen. Den­noch sei­en die Ermäch­ti­gun­gen für be­fris­te­te Verträge un­verändert ge­blie­ben. Es soll­ten so­gar noch 4.000 neue Plan­stel­len für den SGB II-Be­reich ge­schaf­fen wer­den. Die Be­klag­te ging da­her nach Auf­fas­sung des Ge­richts bei Auf­stel­lung des Haus­halts­plans 2007 selbst da­von aus, dass ein nicht nur vorüber­ge­hen­der Mehr­be­darf für Ar­beits­kräfte im SGB II-Be­reich be­ste­he.

Fa­zit: Mit die­sem Ur­teil weicht das LAG Schles­wig-Hol­stein von ei­ner Ent­schei­dung des LAG Ber­lin-Bran­den­burg ab (Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08), die den Haus­halts­ti­tel 425 02, wenn­gleich für das Haus­halts­jahr 2005, als hin­rei­chend be­stimmt er­ach­tet hat­te (wir be­rich­te­ten darüber in Ar­beits­recht ak­tu­ell 08/139: Ar­beits­verträge von Hartz IV-Sach­be­ar­bei­tern wirk­sam be­fris­tet). Auf­grund die­ser Mei­nungs­ver­schie­den­heit ließ das LAG Schles­wig-Hol­stein die Re­vi­si­on zum Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) zu.

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Letzte Überarbeitung: 23. November 2015

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