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Ar­beits­ver­trä­ge von Hartz IV-Sach­be­ar­bei­tern wirk­sam be­fris­tet

§ 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) er­laubt auf der Grund­la­ge ent­spre­chen­der Haus­halts­ti­tel der Bun­des­agen­tur ei­ne Be­fris­tung: Lan­des­ar­beits­ge­richt Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08
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23.12.2008. Auch die Bun­des­agen­tur für Ar­beit macht von der Mög­lich­keit be­fris­te­ter Ar­beits­ver­trä­ge Ge­brauch, wo­bei sie sich häu­fig auf den Sach­grund des § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) be­ruft.

Die­se Vor­schrift er­laubt ei­ne zeit­lich be­fris­te­te Be­schäf­ti­gung auf der Grund­la­ge ei­nes ent­spre­chen­den Haus­halts­ti­tels ei­nes öf­fent­li­chen Ar­beit­ge­bers.

Vo kur­zem hat das Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg ent­schie­den, dass die Ar­beits­ver­trä­ge von Ar­beit­neh­mern der Bun­des­agen­tur ge­mäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Tz­B­fG wirk­sam be­fris­tet wer­den kön­nen, wenn die Ar­beit­neh­mer auf der Grund­la­ge ei­nes Haus­halts­ti­tels des Bun­des­agen­tur-Haus­hal­tes 2005 für ei­nen dort aus­ge­wie­se­nen Mehr­be­darf im SGB II-Be­reich in den Jah­ren 2005-2007 ein­ge­stellt wur­den: LAG Ber­lin-Bran­den­burg, Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08.

Darf die Bundesagentur Hartz IV-Sachbearbeiter befristet einstellen?

Wird ein Ar­beits­verhält­nis nicht für un­be­stimm­te Zeit ge­schlos­sen, son­dern zur Er­rei­chung ei­nes be­stimm­ten Zwecks oder für ei­ne von vorn­her­ein be­grenz­te Zeit, nach des­sen Ab­lauf das Ar­beits­verhält­nis en­den soll, spricht man von ei­nem be­fris­te­ten Ar­beits­verhält­nis. Zur Wirk­sam­keit ei­ner Be­fris­tungs­ab­re­de ist ne­ben de­ren schrift­li­cher Ver­ein­ba­rung in der Re­gel auch ein Sach­grund für die Be­fris­tung er­for­der­lich, da sach­grund­lo­se Be­fris­tun­gen höchs­tens für die Dau­er von zwei Jah­ren möglich sind.

Von den ver­schie­de­nen Sach­gründen für die Be­fris­tung ei­nes Ar­beits­verhält­nis­ses spie­len im öffent­li­chen Dienst vor al­lem die in § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Teil­zeit- und Be­fris­tungs­ge­setz (Tz­B­fG) ge­nann­ten haus­halt­recht­li­chen Be­schränkun­gen ei­ne Rol­le. Da­nach ist ei­ne Be­fris­tung zulässig, wenn der Ar­beit­neh­mer aus Haus­halts­mit­teln vergütet wird, die haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt sind und er ent­spre­chend, al­so im Rah­men der für die Mit­tel vor­ge­se­he­nen Auf­ga­ben, beschäftigt wird.

Das sind nicht nur sol­che Haus­halts­mit­tel, die durch ein förm­li­ches Haus­halts­ge­setz be­reit­ge­stellt wer­den, son­dern auch Mit­tel gemäß Haus­haltsplänen, die von Selbst­ver­wal­tungskörper­schaf­ten des öffent­li­chen Rechts, al­so zum Bei­spiel von Städten, Ge­mein­den oder Uni­ver­sitäten in An­leh­nung an haus­halts­recht­li­che Grundsätze auf­ge­stellt wer­den.

Im Ein­zel­fall ist im­mer wie­der um­strit­ten, wel­che An­for­de­run­gen an die Be­weg­gründe des öffent­li­chen „Haus­halts­ge­bers“ zu stel­len sind, der be­stimm­te Mit­tel le­dig­lich für be­fris­te­te Ar­beits­verhält­nis­se be­reit­stel­len will. Nach der Recht­spre­chung des Bun­des­ar­beits­ge­richts (BAG) müssen die für die Vergütung des be­fris­tet ein­ge­stell­ten Ar­beit­neh­mers verfügba­ren Haus­halts­mit­tel für ei­ne Auf­ga­be von nur vorüber­ge­hen­der Dau­er vor­ge­se­hen sein (BAG, Ur­teil vom 07.05.2008, 7 AZR 198/07, NZA 2008, 880).

Da­her muss der Haus­halts­ge­ber ei­ne nach­voll­zieh­ba­re Pro­gno­se an­stel­len, nach der die den be­fris­tet ein­zu­stel­len­den Ar­beit­neh­mern zu über­tra­gen­den Auf­ga­ben nur für ei­nen be­stimm­ten Zeit­raum an­fal­len. Außer­dem dürfen im Rah­men der Be­fris­tung nicht über­wie­gend Dau­er­auf­ga­ben über­tra­gen wer­den, d.h. Auf­ga­ben, die der Haus­halts­ge­ber ständig zu erfüllen hat (BAG, Ur­teil vom 18.10.2006, 7 AZR 419/05, NZA, 2007, 332).

Frag­lich ist, ob die be­fris­te­te Ein­stel­lung von Sach­be­ar­bei­tern für die Leis­tungs­er­brin­gung nach dem SGB II („Hartz IV“) die­sen An­for­de­run­gen ent­spricht. Die Bun­des­agen­tur für Ar­beit hat­te hier ei­nen nur vorüber­ge­hen­den Mehr­be­darf an Ar­beits­kräften be­haup­tet und da­her die Be­rech­ti­gung zum Ab­schluss von Zeit­verträgen re­kla­miert. Be­gründet wur­de dies da­mit, dass Leis­tungs­be­zie­her nach SGB III künf­tig als Be­zie­her von Leis­tun­gen nach SGB II be­han­delt wer­den würden und dass da­her die bis­her für die Leis­tungs­gewährung nach dem SGB III ein­ge­setz­ten Mit­ar­bei­ter später ein­mal für Auf­ga­ben der Leis­tungs­ver­wal­tung nach SGB II („Hartz-IV“) her­an­ge­zo­gen wer­den könn­ten.

Ob ei­ne sol­che Pla­nung als Sach­grund für ei­ne Be­fris­tung von Ar­beits­verhält­nis­sen gemäß § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 Tz­B­fG an­zu­er­ken­nen ist, war Streit­fra­ge in ei­nem vom Lan­des­ar­beits­ge­richt (LAG) Ber­lin-Bran­den­burg am 20.08.2008 ent­schie­de­nen Pro­zess (Ur­teil vom 20.08.2008, 21 Sa 961/08).

Der Streitfall: Haushaltsbefristung auf der Grundlage des Bundesagentur-Haushaltes 2005 für einen dort ausgewiesenen Mehrbedarf im SGB II-Bereich in den Jahren 2005-2007

Die Kläge­rin war bei der be­klag­ten Bun­des­agen­tur für Ar­beit be­fris­tet von Mit­te No­vem­ber 2005 bis zum 31.12.2007 in Voll­zeit tätig. Die Bun­des­agen­tur ist ei­ne rechtsfähi­ge bun­des­un­mit­tel­ba­re Körper­schaft des öffent­li­chen Rechts mit dem Recht zur Selbst­ver­wal­tung (§ 367 Abs.1 SGB III).

Als sach­li­cher Grund für die Be­fris­tung nennt der Ar­beits­ver­trag § 14 Abs.1 Nr.7 Tz­B­fG. Ei­nem Aus­zug aus dem Per­so­nalab­rech­nungs­sys­tem der Be­klag­ten nach zu ur­tei­len er­folg­te die Vergütung der Kläge­rin aus der Ermäch­ti­gung des Haus­halts­ti­tels 425 02. Des­sen Zweck­be­stim­mung war die "Vergütung und die Löhne der Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag".

In An­la­ge 2 zum Haus­halts­plan der Bun­des­agen­tur für Ar­beit für das Haus­halts­jahr 2005 - Per­so­nal­haus­halt heißt es erläuternd zu Ti­tel 425 02:

„In der Über­sicht zur Grup­pe 425 >für Auf­ga­ben nach dem SGB II< sind 5000 (Vor­jahr: 0) Ermäch­ti­gun­gen für Kräfte mit be­fris­te­tem Ar­beits­ver­trag (§ 14 Abs. 1 Nr. 7 Tz­B­fG) zusätz­lich für die Dau­er von 3 Jah­ren bis 31.12.2007 aus­ge­wie­sen. Mit der zeit­li­chen Be­fris­tung wird die Er­war­tung ver­bun­den, dass der Be­darf für Auf­ga­ben nach dem SGB II in­fol­ge der Ar­beits­markt­ent­wick­lung zurück­ge­hen wird. Zu­dem wird die BA per­so­nel­le Ent­las­tungs­wir­kun­gen im SGB III-Be­reich da­zu nut­zen, vor­han­de­nes Dau­er­per­so­nal zusätz­lich für die Auf­ga­ben­er­le­di­gung nach dem SGB II ein­zu­set­zen.“

Die Kläge­rin wur­de ent­spre­chend der haus­halts­recht­li­chen Ziel­set­zung im SGB II-Be­reich beschäftigt. Kurz vor Ab­lauf der Be­fris­tung er­hob sie vor dem Ar­beits­ge­richt (ArbG) Ber­lin Be­fris­tungs­kon­troll­kla­ge und ob­sieg­te dort, d.h. in ers­ter In­stanz (ArbG Ber­lin, Ur­teil vom 14.03.2008, 91 Ca 18818/07).

LAG Berlin-Brandenburg: § 14 Abs.1 Satz 2 Nr.7 TzBfG erlaubt auf der Grundlage entsprechender Haushaltstitel der Bundesagentur eine Befristung von Hartz IV-Sachbearbeitern

Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg war an­de­rer Auf­fas­sung als das Ar­beits­ge­richt und gab der Be­ru­fung der Be­klag­ten statt. Ent­ge­gen der ers­ten In­stanz sah das LAG den Sach­grund des § 14 Abs.1 Nr.7 Tz­B­fG als ge­ge­ben an.

Da­bei stellt das Ge­richt klar, dass nach dem Wort­laut von § 14 Abs.1 Nr.7 Tz­B­fG ("Haus­halts­mit­tel"; "haus­halts­recht­lich ... be­stimmt") nicht nur Bun­des- und Länder­haus­halts­ge­set­ze, son­dern viel­mehr al­le fi­nan­zi­el­len Mit­tel ge­meint sind, die gemäß dem öffent­li­chen Haus­halts­recht in ei­nem Haus­halts­plan aus­ge­wie­sen wer­den. Da die Bun­des­agen­tur für Ar­beit dem Haus­halts­recht un­ter­liegt (vgl. § 77a SGB IV), ist ihr Haus­halt von § 14 Abs.1 Nr.7 Tz­B­fG er­fasst.

Da­bei setzt sich das Ge­richt mit der Mei­nung aus­ein­an­der, der zu­fol­ge die­se In­ter­pre­ta­ti­on des Ge­set­zes ver­fas­sungs- so­wie eu­ro­pa­recht­li­chen Be­den­ken be­geg­net, da sie (an­geb­lich) auf ei­ne le­gi­ti­ma­ti­ons­lo­se Selbst­be­rech­ti­gung des öffent­li­chen Ar­beit­ge­bers zu Be­fris­tungs­ab­re­den hin­aus­lau­fe. Das Ge­richt sieht hier­in aber letzt­lich kein Pro­blem, da der Haus­halts­plan der Bun­des­agen­tur für Ar­beit durch die Bun­des­re­gie­rung, al­so ei­nem mit­tel­bar le­gi­ti­mier­ten Bun­des­or­gan, ge­neh­migt wer­den müsse (§ 71a Abs.2 SGB IV). Da­her lie­ge je­den­falls in dem vor­lie­gend strei­ti­gen Haus­halts­plan kei­ne le­gi­ti­ma­ti­ons­lo­se Selbst­be­rech­ti­gung der Bun­des­agen­tur zum Ab­schluss be­fris­te­ter Ar­beits­verträge.

In ei­nem wei­te­ren Schritt be­gründet das LAG sei­ne An­sicht, dass die Mit­tel, mit de­nen die Kläge­rin be­zahlt wur­de, haus­halts­recht­lich für ei­ne be­fris­te­te Beschäfti­gung be­stimmt wa­ren. Da­bei stützt sich das Ge­richt maßgeb­lich auf die oben zi­tier­te Erläute­rung zu Haus­halts­ti­tel 425 02: Aus ihr er­ge­be sich so­wohl ei­ne zeit­li­che Be­gren­zung als auch ei­ne kon­kre­te Sach­re­ge­lung auf der Grund­la­ge ei­ner nach­voll­zieh­ba­ren Zweck­set­zung. Die zeit­li­che Be­gren­zung sei er­kenn­bar an die Er­war­tung ge­knüpft, dass ei­ner­seits der Ar­beits­an­fall im SGB II-Be­reich zurück­ge­hen wer­de und an­de­rer­seits künf­tig im SGB III-Be­reich frei wer­den­de per­so­nel­le Res­sour­cen ge­nutzt wer­den könn­ten.

Das LAG Ber­lin-Bran­den­burg ließ die Re­vi­si­on ge­gen sei­ne Ent­schei­dung zu, die beim BAG un­ter dem Ak­ten­zei­chen 7 AZR 843/08 anhängig ist.

Fa­zit: Letzt­lich wird erst die Ent­schei­dung des BAG ei­ne Klärung der hier strei­ti­gen Haus­halts­be­fris­tung bei er Bun­des­agen­tur brin­gen. Wie auch im­mer die­ser Rechts­streit aus­geht: Auch künf­tig wird man die Er­folgs­aus­sich­ten ei­ner Ent­fris­tungs­kla­ge in je­dem Ein­zel­fall prüfen müssen, da es ent­schei­dend nicht nur auf die recht­li­che Würdi­gung der in ei­nem Haus­halt ent­hal­te­nen Zweck­set­zun­gen und Pro­gno­sen an­kommt, son­dern auch auf die dem ein­zel­nen Ar­beit­neh­mer kon­kret über­tra­ge­nen Auf­ga­ben.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

Hin­weis: In der Zwi­schen­zeit, d.h. nach Er­stel­lung die­ses Ar­ti­kels, hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) über die­sen Fall zu­guns­ten der Kläge­rin ent­schie­den und das LAG-Ur­teil da­her auf­ge­ho­ben. Das BAG-Ur­teil und ei­ne Be­spre­chung fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 1. Juni 2014

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