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Arbeitsrecht aktuell
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Min­dest­lohn: Auf­nah­me wei­te­rer Bran­chen in das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz

Seit Ju­ni 2007 ha­ben sich bis­lang acht Bran­chen ihr In­ter­es­se an Min­dest­löh­nen be­kun­det: Min­dest­lohn­taug­li­che Ta­rif­ver­trä­ge be­ste­hen aber erst für die Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten, die Forst­wirt­schaft, die Groß­wä­sche­rei­en und die Zeit­ar­beit

29.04.2008. Im Ju­ni 2007 for­der­te die Bun­des­re­gie­rung die So­zi­al­part­ner al­ler Bran­chen da­zu auf, ihr In­ter­es­se an ei­ner ver­bind­li­chen Fest­set­zung von Min­dest­löh­nen für ih­re Bran­che zu be­kun­den.

Seit­dem ist ein Drei­vier­tel­jahr ver­gan­gen, und es ha­ben sich tat­säch­lich ei­ni­ge Ge­werk­schaf­ten und Ar­beit­ge­ber­ver­bän­de ge­mel­det, die für sich in An­spruch neh­men, je­weils ei­ne Bran­che zu ver­tre­ten.

Da­bei ist "Bran­che" ein dehn­ba­rer Be­griff, der von gro­ßen bzw. "ech­ten" Wirt­schafts­zwei­gen wie der Ab­fall­wirt­schaft, der Pfle­ge­wirt­schaft und em Be­wa­chungs­ge­wer­be bis hin zu Mi­ni-Bran­chen wie den "Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten" reicht.

Alle Jahre wieder... oder: was macht eigentlich die Minestlohnfestsetzung?

Der Auf­for­de­rung der Bun­des­re­gie­rung an die So­zi­al­part­ner al­ler Bran­chen (Ko­ali­ti­ons­be­schluss vom 18.06.2007), ihr In­ter­es­se an ei­ner ge­setz­li­chen Ab­si­che­rung von bran­chen­be­zo­ge­nen Min­destlöhnen über das Ar­beit­neh­mer-Ent­sen­de­ge­setz (AEntG) zu be­kun­den, folg­ten bis zum Ab­lauf der bis zum 31.03.2008 ge­setz­ten Frist - nur oder im­mer­hin - acht Bran­chen: Ar­beit­ge­ber­verbände und Ge­werk­schaf­ten der fol­gen­den Wirt­schafts­zwei­ge ha­ben in­zwi­schen den Fin­ger ge­ho­ben bzw. ver­lau­ten las­sen, sie wünsch­ten ei­ne Auf­nah­me ih­rer Bran­che in das AEntG:

  • Ab­fall­wirt­schaft; Ta­rif­par­tei­en: Ver­ein­te Dienst­leis­tungs­ge­werk­schaft (ver.di) - Bun­des­ver­band der deut­schen Ent­sor­gungs­wirt­schaft (BDE), Ver­ei­ni­gung der kom­mu­na­len Ar­beit­ge­ber­verbände (VKA)
  • Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten; Ta­rif­par­tei­en: IG Berg­bau, Che­mie, En­er­gie (IG BCE) – Ver­ei­ni­gung der Berg­bau-Spe­zi­al­ge­sell­schaf­ten e.V.
  • Forst­wirt­schaft; Ta­rif­par­tei­en: IG Bau­en- Agrar-Um­welt (IG Bau) – Deut­schen Forst­un­ter­neh­mer-Ver­band e.V. (DFUV)
  • Großwäsche­rei­en; Ta­rif­par­tei­en: IG Me­tall – In­dus­trie­ver­band Tex­til Ser­vice (In­tex)
  • Pfle­ge­wirt­schaft; Ta­rif­par­tei­en: ver.di – Deut­sches Ro­tes Kreuz (DRK), Ar­bei­ter­wohl­fahrt (AWO), Ar­bei­ter-Sa­ma­ri­ter-Bund (ASB) und VKA
  • Wach- und Si­cher­heits­ge­wer­be; Ta­rif­par­tei­en: Ge­werk­schaft Öffent­li­cher Dienst und Dienst­leis­tun­gen (GÖD) – Bun­des­ver­ban­des der Wach- und Si­cher­heits­diens­te (BDWS)
  • Wei­ter­bil­dung; Ta­rif­par­tei­en: ver.di, Ge­werk­schaft Er­zie­hung und Wis­sen­schaft (GEW) – Bun­des­ver­band der Träger der be­ruf­li­chen Bil­dung (BBB)
  • Zeit­ar­beit, Ta­rif­par­tei­en: Deut­scher Ge­werk­schafts­bund (DGB) - Bun­des­ver­band Zeit­ar­beit (BZA) und In­ter­es­sen­ver­band Deut­scher Zeit­ar­beit­neh­mer e.V. (IGZ)

Würden auch die­se acht Wirt­schafts­be­rei­che in das AEntG auf­ge­nom­men, ent­hiel­te die­ses zu­sam­men mit den jetzt be­reits dort auf­geführ­ten drei Bran­chen (Bau, Gebäuderei­ni­gung, Brief­dienst­leis­tun­gen) ins­ge­samt elf Bran­chen, für die Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen in ei­ner auch für ausländi­sche Leis­tungs­an­bie­ter ver­bind­li­chen Wei­se fest­ge­legt wären.

Für Mindestlöhne auf der Grundlage des Arbeitnehmer-Entsendegesetzes fehlen derzeit noch geeignete Tarifverträge

Vor­aus­set­zung für den „ge­setz­li­chen“ Schutz, den das AEntG gewährt, ist al­ler­dings zunächst ein­mal ein bran­chen­be­zo­ge­ner Ta­rif­ver­trag über Min­dest­ar­beits­be­din­gun­gen, ins­be­son­de­re über Min­destlöhne, der zu­dem gemäß § 5 Ta­rif­ver­trags­ge­setz (TVG) für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt wer­den muss.

Die zen­tra­le Vor­schrift des AEntG (§ 1 Abs.1 AEntG) ver­langt nämlich, dass die Vor­schrif­ten über Min­destlöhne und die Ur­laubs­re­ge­lun­gen, die in all­ge­mein­ver­bind­li­chen Ta­rif­verträgen für das Bau­ge­wer­be (bzw. für das Gebäuderei­ni­ger­hand­werk oder für Brief­dienst­leis­tun­gen) ent­hal­ten sind, auch von aus- und inländi­schen Un­ter­neh­men zu be­ach­ten sind, falls die­se auf inländi­schen Ar­beits­stel­len Ar­beit­neh­mer ein­set­zen.

Der­zeit exis­tie­ren erst für vier der o.g. Bran­chen Ta­rif­verträge, die die Ta­rif­part­ner für all­ge­mein­ver­bind­lich erklären las­sen wol­len, nämlich für die Bran­chen

  • Berg­bau­spe­zi­al­ar­bei­ten,
  • Forst­wirt­schaft,
  • Großwäsche­rei­en,
  • Zeit­ar­beit.

Vor­aus­set­zung für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung ist, dass die ta­rif­ge­bun­de­nen Ar­beit­ge­ber nicht we­ni­ger als 50 Pro­zent der un­ter den Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags fal­len­den Ar­beit­neh­mer beschäfti­gen (§ 5 Abs.1 Satz 1 Nr.1 TVG).

Für die Bran­chen der Ab­fall­wirt­schaft, der Pfle­ge­wirt­schaft und des Wach- und Si­cher­heits­ge­wer­bes wer­den die Ta­rif­verträge der­zeit noch ver­han­delt. In der Wei­ter­bil­dungs­bran­che ha­ben sich die Ge­werk­schaft ver.di und die Ar­beit­ge­ber­sei­te dem Ver­neh­men nach im We­sent­li­chen ge­ei­nigt, doch ist ein schrift­lich aus­ge­ar­bei­te­ter Ta­rif­ver­trag der­zeit noch nicht verfügbar.

Für die o.g. vier Bran­chen, bei de­nen sich die Ta­rif­part­ner schon auf ei­nen Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trag ge­ei­nigt ha­ben, muss nun das Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Ar­beit und So­zia­les prüfen, ob das not­wen­di­ge 50-Pro­zent-Quo­rum erfüllt ist. Im Zwei­fels­fall wer­den die Ta­rif­par­tei­en - wie be­reits die Post­ge­werk­schaft und der Ar­beit­ge­ber­ver­band der Deut­schen Post AG - nach­bes­sern müssen. Kon­kret heißt das, dass der im Ta­rif­ver­trag fest­ge­leg­te fach­li­che Gel­tungs­be­reich not­falls neu fest­ge­legt wer­den muss, da­mit die vom Ta­rif­ver­trag er­fass­ten Ar­beit­neh­mer mehr als 50 Pro­zent al­ler im fach­li­chen Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags täti­gen Ar­beit­neh­mer aus­ma­chen.

Nachbesserungen von Tarifverträgen geplant

Ei­ne sol­che Nach­bes­se­rung ist der­zeit bzgl. des Ta­rif­ver­trags für die Großwäsche­rei­en ge­plant. Je­den­falls teil­te die hier zuständi­ge IG Me­tall auf Nach­fra­ge mit, man wer­de wahr­schein­lich den fach­li­chen Gel­tungs­be­reich des Ta­rif­ver­trags präzi­sie­ren müssen, um den ge­setz­li­chen An­for­de­run­gen für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung zu ent­spre­chen.

Der fach­li­che Gel­tungs­be­reich des für die Wei­ter­bil­dungs­bran­che ver­han­del­ten Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trags wur­de be­reits neu de­fi­niert, so der Be­reichs­lei­ter Ta­rif­po­li­ti­sche Grund­satz­ab­tei­lung der ver.di, Jo­erg Wie­de­muth. Der Gel­tungs­be­reich klam­mert nun­mehr den Be­reich der un­ter­neh­mer­sei­ti­gen Wei­ter­bil­dung aus und de­fi­niert "Wei­ter­bil­dung" auf der Grund­la­ge des Zwei­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch - Grund­si­che­rung für Ar­beit­su­chen­de (SGB II) und Drit­tes Buch So­zi­al­ge­setz­buch – Ar­beitsförde­rung (SGB III).

Doch auch dann, wenn ein Ta­rif­ver­trag die recht­li­chen Vor­aus­set­zun­gen für ei­ne All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung erfüllt, ist der Weg dort­hin und darüber hin­aus zur Auf­nah­me der Bran­che in das AEntG noch nicht frei. Der­zeit be­ste­hen im La­ger der Re­gie­rungs­ko­ali­ti­on nach wie vor Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten darüber, ob ein Min­dest­lohn­ta­rif­ver­trag für die Zeit­ar­beits­bran­che über­haupt für all­ge­mein­ver­bind­lich erklärt und ob die­se Bran­che in das AEntG auf­ge­nom­men wer­den soll­te.

Die Geg­ner ei­nes sol­chen Vor­ha­bens, vor al­lem Po­li­ti­ker der CDU und der FDP, leh­nen dies mit Ver­weis auf die na­he­zu 100-pro­zen­ti­ge Ta­rif­bin­dung der Zeit­ar­beits­bran­che ab. Ih­rer Mei­nung nach würde die All­ge­mein­ver­bind­li­cherklärung des Ta­rif­ver­trags, den der BZA und der IGZ mit dem DGB ver­ein­bart hat, die grund­ge­setz­lich geschütz­te Ta­rif­au­to­no­mie der an­ders or­ga­ni­sier­ten Ar­beit­ge­ber und Ar­beit­neh­mer und ih­rer Verbände miss­ach­ten, da die an­de­ren, der­zeit für die Zeit­ar­beits­bran­che gel­ten­den Ta­rif­verträge da­durch zwar nicht recht­lich ungültig, aber je­den­falls fak­tisch weit­ge­hend wir­kungs­los würden.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen zu die­sem Vor­gang fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 14. September 2016

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