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Ar­beits­ver­trag: For­mu­lar­mä­ßi­ge Ver­trags­stra­fen bei Nicht­an­tritt des Diens­tes

For­mu­lar­mä­ßi­ge Ver­trags­stra­fen­ab­re­den im Ar­beits­ver­trag sind grund­sätz­lich zu­läs­sig, dür­fen den Ar­beit­neh­mer aber nicht un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 04.03.2004, 8 AZR 196/03
21.03.2004. Durch das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­recht wur­den die Vor­schrif­ten des "Ge­set­zes zur Re­ge­lung des Rechts der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen" (AGB-Ge­setz) zum 01.01.2002 in das Bür­ger­li­che Ge­setz­buch (BGB) ein­ge­fügt.

Die jetzt in §§ 305 bis 310 BGB ent­hal­te­nen Re­ge­lun­gen be­zwe­cken in ers­ter Li­nie den Schutz des Ver­brau­chers vor un­an­ge­mes­se­nen Ver­trags­be­din­gun­gen, die der an­de­re Ver­trags­teil bei Ab­schluß des Ver­trags stellt, d.h. den Schutz des Ver­brau­chers vor dem "Klein­ge­druck­ten". Die­ser ge­setz­li­che Schutz des AGB-Rechts gilt in­fol­ge der Schuld­rechts­re­form, d.h. seit 2002, auch für Ar­beit­neh­mer.

Vor die­sem Hin­ter­grund ist die Fra­ge um­strit­ten, ob Ver­trags­stra­fen in For­mu­lar­ar­beits­ver­trä­gen heu­te über­haupt noch zu­läs­sig sind. Vor kur­zem hat­te das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) die Ge­le­gen­heit, sich zur Zu­läs­sig­keit sol­cher Ver­trags­klau­seln zu äu­ßern: BAG, Ur­teil vom 04.03.2004, 8 AZR 196/03.

Vertragsstrafeklauseln in Formulararbeitsverträgen - zulässig oder nicht?

Mit der Über­nah­me des AGB-Rechts in das BGB zum 01.01.2002 wur­de erst­mals aus­drück­lich an­ge­ord­net, daß die­se dem Ver­brau­cher­schutz die­nen­den Vor­schrif­ten im all­ge­mei­nen auch auf Ar­beits­verträge an­zu­wen­den sind, wo­bei al­ler­dings "die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten an­ge­mes­sen zu berück­sich­ti­gen" sind (§ 310 Abs.4 Satz 2 BGB).

Vor die­sem Hin­ter­grund ist klar, daß vom Ar­beit­ge­ber vor­for­mu­lier­ten ar­beits­ver­trag­li­che Klau­seln, d.h. das im Ar­beits­ver­trag ent­hal­te­ne "Klein­ge­druck­te", grundätz­lich am Maßstab des AGB-Rechts, d.h. am Maßstab der §§ 305 ff. BGB zu mes­sen sind.

In Recht­spre­chung und Li­te­ra­tur be­steht aber seit An­fang 2002 Streit darüber, ob Ver­trags­stra­fen­ver­spre­chen in vor­for­mu­lier­ten Ar­beits­verträgen noch zulässig sind. Ge­gen die Zulässig­keit die­ser spe­zi­el­len Klau­sel spricht, daß gemäß § 309 Nr.6 BGB ei­ne in All­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen ent­hal­te­ne Be­stim­mung un­wirk­sam ist, wenn die­se dem Ver­wen­der u.a. für den Fall, daß sich der an­de­re Ver­trags­teil vom Ver­trag löst, ei­ne Ver­trags­stra­fe ver­schafft.

Der Streitfall: Formularvertragliche Vertragsstrafe von einem Monatsgehalt bei vertragswidriger Lösung vom Arbeitsvertrag

Die Ar­beit­ge­be­rin schloß mit der be­klag­ten Ar­beit­neh­me­rin am 23.01.2002 ei­nen Ar­beits­ver­trag. Da­nach soll­te die Ar­beit­neh­me­rin ab dem 01.03.2002 für ei­ne mo­nat­li­che Brut­to­vergütung von 1.840,65 EUR als Fach­verkäufe­r­in tätig wer­den.

In § 11 des Ar­beits­ver­trags war u.a. ge­re­gelt, daß sie ei­ne Ver­trags­stra­fe in Höhe ei­nes Brut­to­mo­nats­ent­gelts zu zah­len ha­be, wenn sie ihr Ar­beits­verhält­nis nicht an­tre­te oder sich von ihm ver­trags­wid­rig löse. Die Kündi­gung vor Dienst­an­tritt war ver­trag­lich aus­ge­schlos­sen. Für die Dau­er der ver­ein­bar­ten Pro­be­zeit be­trug die Kündi­gungs­frist zwei Wo­chen.

Mit Schrei­ben vom 27.01.2002, d.h. über ei­nen Mo­nat vor Dienst­an­tritt, teil­te die Ar­beit­neh­me­rin mit, daß sie ih­re Tätig­keit nicht auf­neh­men wer­de. Mit der Kla­ge macht die Ar­beit­ge­be­rin die Ver­trags­stra­fe gel­tend. Ar­beits­ge­richt und Lan­des­ar­beits­ge­richt Hamm ha­ben die Kla­ge ab­ge­wie­sen.

BAG: Formularmäßige Vertragsstrafenabreden sind zulässig, dürfen den Arbeitnehmer aber nicht unangemessen benachteiligen

Das Bun­des­ar­beits­ge­richt hat sich der Mei­nung der Vor­in­stan­zen an­ge­schlos­sen und die Ab­wei­sung der Kla­ge auf Ver­trags­stra­fe bestätigt.

In sei­ner Be­gründung stellt das Bun­des­ar­beits­ge­richt zunächst klar, daß ar­beit­ge­ber­sei­tig vor­for­mu­lier­te Ver­trags­stra­fe­ver­spre­chen nicht all­ge­mein un­zulässig sind. Ins­be­son­de­re steht § 309 Nr.6 BGB sol­chen for­mu­larmäßigen Ver­ein­ba­run­gen nicht ge­ne­rell ent­ge­gen.

Ge­gen die all­ge­mei­ne Un­wirk­sam­keit ar­beit­ge­ber­sei­tig vor­for­mu­lier­ter Ver­trags­stra­fe­ver­spre­chen für den Fall ei­nes Ver­trags­bruchs durch den Ar­beit­neh­mer spricht nämlich fol­gen­de "Be­son­der­heit des Ar­beits­rechts": Ar­beit­neh­mer können auf­grund spe­zi­el­ler ar­beits­recht­li­cher Rechts­vor­schrif­ten, d.h. auf­grund von § 888 Abs. 3 Zi­vil­pro­zess­ord­nung (ZPO), zur Er­brin­gung der Ar­beits­leis­tung we­der durch Zwangs­geld noch durch Zwangs­haft an­ge­hal­ten wer­den.

Da­her be­steht nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts ein Bedürf­nis zur Ver­ein­ba­rung von Ver­trags­stra­fen, mit de­nen die Ver­trags­treue des Ar­beit­neh­mers ab­ge­si­chert wer­den soll.

Al­ler­dings sind ar­beit­ge­ber­sei­tig vor­for­mu­lier­te Ver­trags­stra­fen­ver­spre­chen, die den Ar­beit­neh­mer ent­ge­gen den Ge­bo­ten von Treu und Glau­ben un­an­ge­mes­sen be­nach­tei­li­gen, gemäß § 307 BGB un­wirk­sam. Die Un­an­ge­mes­sen­heit kann dar­aus fol­gen, daß zwi­schen der Pflicht­ver­let­zung und der Höhe der Ver­trags­stra­fe ein Mißverhält­nis be­steht.

Nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist ei­ne Ver­trags­stra­fe in Höhe ei­nes Mo­nats­ge­hal­tes, die für den Fall des Nicht­an­tritts der Ar­beit ver­ein­bart wird, bei ei­ner in der Pro­be­zeit gel­ten­den Kündi­gungs­frist von nur zwei Wo­chen in der Re­gel zu hoch bzw. un­an­ge­mes­sen.

Die­se Über­le­gung führ­te zur Un­wirk­sam­keit der Ver­trags­tra­fen­re­ge­lung. Ei­ne Her­ab­set­zung ist nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts in ei­nem sol­chen Fall nicht möglich.

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Letzte Überarbeitung: 22. Juli 2014

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