Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880
Arbeitsrecht aktuell
Jahr

BAG be­schränkt Wirk­sam­keit ver­trag­li­cher Aus­schluss­klau­seln

AGB-Kon­trol­le: Ei­ne for­mu­lar­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist von nur zwei Mo­na­ten be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer un­an­ge­mes­sen und ist da­her un­wirk­sam: Bun­des­ar­beits­ge­richt, Ur­teil vom 28.09.2005, 5 AZR 52/05
Abrisskalender

30.09.2005. Das Ge­setz zur Mo­der­ni­sie­rung des Schuld­rechts hat die Vor­schrif­ten des frü­he­ren "Ge­set­zes zur Re­ge­lung des Rechts der All­ge­mei­nen Ge­schäfts­be­din­gun­gen" (AGB-Ge­setz) ab dem 01.01.2002 in das Bür­ger­li­che Ge­setz­buch (BGB) ein­ge­fügt.

Die bis da­hin gel­ten­den Vor­schrif­ten des AGB-Ge­set­zes fin­den sich jetzt in den §§ 305 bis 310 BGB. Sie be­zwe­cken den Schutz vor un­an­ge­mes­se­nen Ver­trags­be­din­gun­gen in AGB, d.h. im "Klein­ge­druck­ten".

Seit der Über­nah­me die­ser Schutz­vor­schrif­ten in das BGB im Jah­re 2002 gel­ten die­se Vor­schrif­ten auch zu­guns­ten von Ar­beit­neh­mern. Hier­bei sind al­ler­dings "die im Ar­beits­recht gel­ten­den Be­son­der­hei­ten an­ge­mes­sen zu be­rück­sich­ti­gen" (§ 310 Abs.4 Satz 2 BGB).

Die­se "Be­son­der­hei­ten" be­schäf­ti­gen seit­her die Ar­beits­ge­rich­te. In ei­nem kürz­lich be­kannt ge­wor­de­nen Fall, der vor dem Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) ver­han­delt wur­de, ging es um ei­ne for­mu­lar­ver­trag­li­che bzw. im "Klein­ge­druck­ten" ent­hal­te­ne Aus­schluss­frist von zwei Mo­na­ten. Ei­ne so kur­ze ver­trag­li­che Aus­schluss­frist hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt (BAG) un­an­ge­mes­sen und da­mit als un­wirk­sam be­wer­tet: BAG, Ur­teil vom 28.09.2005, 5 AZR 52/05.

Arbeitsvertragliche Ausschlussklauseln - arbeitsrechtliches Urgestein oder unfaire Trickserei des Arbeitgebers?

Durch das Schuld­rechts­mo­der­ni­sie­rungs­ge­setz wur­de der Schutz von Ar­beit­neh­mern ge­gen un­an­ge­mes­se­ne un­an­ge­mes­se­ne Ar­beits­ver­trags­klau­seln deut­lich verstärkt.

Da Aus­schluss­fris­ten letzt­lich meis­tens dem Ar­beit­ge­ber zu­gu­te kom­men, fragt sich vor die­sem Hin­ter­grund, ob (und falls ja un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen) der Ar­beit­ge­ber heut­zu­ta­ge noch die Möglich­keit hat, in sei­nen For­mu­lar-Ar­beits­verträgen kur­ze Aus­schluss­fris­ten auf­zu­neh­men.

Im­mer­hin führen sol­che Ver­trags­be­stim­mun­gen zu ei­nem endgülti­gen Un­ter­gang ver­trag­li­cher Ansprüche des Ar­beit­neh­mers, wenn die­ser sei­ne Ansprüche nicht in­ner­halb der (meist bru­tal kur­zen) Frist nicht schrift­lich und/oder ge­richt­lich gel­tend macht.

Der Streitfall: Arbeitnehmer macht viele Überstunden - der Arbeitgeber zahlt nicht unter Berufung auf eine zweimonate Ausschlussfrist

In dem vom BAG ent­schie­de­nen Fall klag­te der Ar­beit­neh­mer, ein Flei­scher­meis­ter, Be­zah­lung für 62,5 Über­stun­den, die er im Ju­li und Au­gust 2003 über die ge­setz­li­che Höchst­ar­beits­zeit von 48 St­un­den wöchent­lich hin­aus er­bracht hat­te, ein. Die re­gelmäßige wöchent­li­che Ar­beits­zeit des Klägers be­trug 40 St­un­den.

Nach dem ein­sei­tig vom be­klag­ten Ar­beit­ge­ber vor­ge­ge­be­nen For­mu­lar­ar­beits­ver­trag galt fol­gen­des:

Ers­tens soll­ten sämt­li­che Über­stun­den durch das Fest­ge­halt von 2.100,00 EUR ab­ge­gol­ten sein.

Zwei­tens sah der Ver­trag vor, dass al­le Ansprüche aus dem Ar­beits­verhält­nis mit Ab­lauf von zwei Mo­na­ten ab Fällig­keit ver­fal­len, so­fern sie nicht in­ner­halb die­ser Frist schrift­lich gel­tend ge­macht wor­den sind. Die­se Frist hielt der Kläger nicht ein, d.h. er mach­te die Be­zah­lung der von ihm im Ju­li und Au­gust 2003 ge­leis­te­ten Über­stun­den nicht in­ner­halb von zwei Mo­na­ten nach Fällig­keit gel­tend.

An­ders als das Ar­beits­ge­richt, das die Kla­ge man­gels recht­zei­ti­ger schrift­li­cher Gel­tend­ma­chung der Ansprüche ab­ge­wie­sen hat­te, gab das LAG (Lan­des­ar­beits­ge­richt) der Kla­ge statt und ver­ur­teil­te den Ar­beit­ge­ber zur Be­zah­lung der Über­stun­den im Um­fang von 754,31 EUR.

BAG: Formularvertragliche Ausschlussfrist von nur zwei Monaten ist zu kurz und daher unwirksam

Das BAG ent­schied wie das LAG zu­guns­ten des Ar­beit­neh­mers. We­der die ver­trag­li­che Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung noch die Aus­schluss­klau­sel hal­fen dem be­klag­ten Ar­beit­ge­ber.

Nach An­sicht des Bun­des­ar­beits­ge­richts be­trifft die Ver­ein­ba­rung, wo­nach Über­stun­den durch das Fest­ge­halt von 2.100,00 EUR ab­ge­gol­ten sind, nur ge­setz­lich zulässi­ge Über­stun­den. Darüber hin­aus­ge­hen­de, d.h. die ge­setz­li­che Höchst­ar­beits­zeit von 48 St­un­den über­stei­gen­de Über­stun­den sind so­mit von die­ser Klau­sel nicht er­fasst.

Da die Über­schrei­tung der ge­setz­li­chen Höchst­ar­beits­zeit wei­ter­hin nicht be­sagt, dass ver­bots­wid­rig ge­leis­te­te Ar­beits­stun­den gra­tis wären, kann der Kläger trotz der Ab­gel­tungs­ver­ein­ba­rung und des Über­schrei­tens der ge­setz­li­chen Höchst­ar­beits­zeit Be­zah­lung der Über­stun­den ver­lan­gen.

Der An­spruch auf Be­zah­lung der Über­stun­den ist nach Mei­nung des BAG auch nicht ver­fal­len. Zur Be­gründung be­ruft sich das Ge­richt auf die ge­setz­li­che Kon­trol­le von all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen (§§ 305 ff. BGB).

Ei­ne ein­zel­ver­trag­li­che Aus­schluss­frist von le­dig­lich zwei Mo­na­ten be­nach­tei­ligt den Ar­beit­neh­mer nach Mei­nung des BAG un­an­ge­mes­sen und verstößt da­her ge­gen das Prin­zip von Treu und Glau­ben (§ 307 BGB).

Nach Auf­fas­sung des ent­schei­den­den (fünf­ten) Se­nats des Bun­des­ar­beits­ge­richts ist ei­ne Frist von we­ni­ger als drei Mo­na­ten für die erst­ma­li­ge Gel­tend­ma­chung ar­beits­ver­trag­li­cher Ansprüche un­an­ge­mes­sen kurz. Sie ist des­halb un­wirk­sam, d.h. sie fällt er­satz­los weg, während der Ar­beits­ver­trag im übri­gen be­ste­hen bleibt.

Fazit: Arbeitsvertragliche Ausschlussfristen müssen künftig mindestens drei Monate betragen

Das Ur­teil des BAG hat er­heb­li­che prak­ti­sche Be­deu­tung, da kur­ze Aus­schluss­fris­ten von zwei Mo­na­ten oder von sechs oder acht Wo­chen in Ar­beits­verträgen häufig an­zu­tref­fen sind. Außer­dem ma­chen Ar­beit­neh­mer rückständi­gen Ar­beits­lohn häufig erst nach der Be­en­di­gung des Ar­beits­verhält­nis­ses gel­tend, d.h. zu ei­nem Zeit­punkt, zu dem die Aus­schluss­frist zu­meist be­reits al­le Ansprüche "weg­ge­hau­en" hat.

Auf der Grund­la­ge des hier be­spro­che­nen Bun­des­ar­beits­ge­richts-Ur­teils können Ar­beit­neh­mer im Zu­sam­men­hang mit Kündi­gungs­schutz­kla­gen öfter als bis­her mit gu­ten Er­folgs­aus­sich­ten rückständi­ge Vergütungs­be­stand­tei­le ein­kla­gen.

Ein­schränkend muss al­ler­dings an­ge­merkt wer­den, dass das Bun­des­ar­beits­ge­richts-Ur­teil kei­ne Aus­sa­gen zu ta­rif­li­chen Aus­schluss­fris­ten macht. Auch die­se oft ra­bi­at kurz, so et­wa die zwei­mo­na­ti­ge Aus­schluss­frist des BRTV Bau.

Die Wirk­sam­keit die­ser - ta­rif­li­chen - Klau­seln hat das Bun­des­ar­beits­ge­richt nicht an­ge­tas­tet, wohl vor al­lem des­halb, weil Ta­rif­verträge in sich stim­mi­ge bzw. "ge­rech­te" Ge­samt­re­ge­lun­gen ent­hal­ten, die dem Ar­beit­neh­mer teils vor­teil­haft, teils nach­tei­lig sind. Hier gilt: Wer die Vor­tei­le ei­ner sol­chen Re­ge­lung ha­ben möch­te, muss auch ih­re Nach­tei­le in Kauf neh­men.

Nähe­re In­for­ma­tio­nen fin­den Sie hier:

 

Letzte Überarbeitung: 5. Januar 2014

Bewertung:

Auf Facebook teilen Auf Google+ teilen Ihren XING-Kontakten zeigen Beitrag twittern

 

Kontakt

Sie erreichen uns jeweils von Montag bis Freitag in der Zeit
von 09:00 bis 19:00 Uhr:

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Berlin

Lützowstraße 32
10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche
Fachanwalt für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: berlin@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Frankfurt am Main

Schumannstraße 27
60325 Frankfurt am Main
Telefon: 069 - 71 03 30 04
Telefax: 069 - 71 03 30 05

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: frankfurt@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hamburg

Neuer Wall 10
20354 Hamburg
Telefon: 040 - 69 20 68 04
Telefax: 040 - 69 20 68 08

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Sebastian Schroeder
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hamburg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Hannover

Georgstraße 38
30159 Hannover
Telefon: 0511 - 899 77 01
Telefax: 0511 - 899 77 02

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Nina Wesemann
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: hannover@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Köln

Hohenstaufenring 62
50674 Köln
Telefon: 0221 - 709 07 18
Telefax: 0221 - 709 07 31

Ansprechpartner:
Rechtsanwalt Thomas Becker

Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

E-mail: koeln@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei München

Ludwigstraße 8
80539 München
Telefon: 089 - 21 56 88 63
Telefax: 089 -21 56 88 67

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt

E-Mail: muenchen@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Nürnberg

Zeltnerstraße 3
90443 Nürnberg
Telefon: 0911 - 953 32 07
Telefax: 0911 - 953 32 08

Ansprechpartner:
Rechts­an­wältin Nora Schu­bert

Rechts­an­walt Chris­toph Hil­de­brandt
Fachanwalt für Arbeitsrecht

E-Mail: nuernberg@hensche.de





 

Hensche Rechtsanwälte
Kanzlei Stuttgart

Königstraße 10c
70173 Stuttgart
Telefon: 0711 - 470 97 10
Telefax: 0711 - 470 97 96

Ansprechpartner:
Rechtsanwältin Dr. Simone Wernicke
Fachanwältin für Arbeitsrecht

Rechtsanwalt Thomas Becker

E-Mail: stuttgart@hensche.de



 

HINWEIS: Sämtliche Texte dieser Internetpräsenz mit Ausnahme der Gesetzestexte und Gerichtsentscheidungen sind urheberrechtlich geschützt. Urheber im Sinne des Gesetzes über Urheberrecht und verwandte Schutzrechte (UrhG) ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht Dr. Martin Hensche, Lützowstraße 32, 10785 Berlin.

Wörtliche oder sinngemäße Zitate sind nur mit vorheriger schriftlicher Genehmigung des Urhebers bzw. bei ausdrücklichem Hinweis auf die fremde Urheberschaft (Quellenangabe iSv. § 63 UrhG) rechtlich zulässig. Verstöße hiergegen werden gerichtlich verfolgt.

© 1997 - 2016:
Rechtsanwalt Dr. Martin Hensche, Berlin
Fachanwalt für Arbeitsrecht
Lützowstraße 32, 10785 Berlin
Telefon: 030 - 26 39 62 0
Telefax: 030 - 26 39 62 499
E-mail: hensche@hensche.de

Presse Karriere Links A bis Z Sitemap Impressum
Gebühren­freie Hot­line: 0800 - 440 1 880